Artikel mit Schlagwort ‘Hoher Blutdruck’

Leicht erhöhter Blutdruck – Medikamente oft unnötig und ohne Wirkung

Mittwoch, August 29th, 2012

Eine Übersichtsstudie aus den USA kommt zum Schluss: Zahlreiche Menschen, die ein gesundes Herz, jedoch leicht erhöhten Blutdruck haben, erhalten Medikamente, die ihnen nichts nützen.

Hoher Blutdruck kommt häufig vor und ganz besonders häufig ein nur leicht erhöhter Blutdruck. Als “mild” oder “Grad 1″ wird der Bluthochdruck bezeichnet, wenn der erste (systolische) Messwert zwischen 140 und 159 und/oder der zweite (diastolische) Wert zwischen 90 und 99 liegt. Häufig wird den Patienten bereits bei dieser Diagnose ein blutdrucksenkendes Medikamente verschrieben. Und das hauptsächlich mit der Absicht, hochdruckbedingte Gefäßschäden und damit Herzinfarkt und Schlaganfall zu vermeiden.

Eine industrieunabhängige Untersuchung zeigt nun aber, dass herzgesunde Menschen mit leicht erhöhtem Blutdruck von einer medikamentösen Behandlung nicht nachweislich profitieren. Die Metaanalyse wurde von Diana Diao von der Universität von British Columbia in Vancouver und ihren Kollegen im Auftrag der Cochrane-Organisation durchgeführt. Die Cochrane-Organisation wertet wissenschaftliche Untersuchungen aus und stellt die Resultate in Übersichtsarbeiten in ihre Datenbank ein. Die beteiligten Forscher bekommen kein Geld von Pharmafirmen.

Diao wertete vier Studien mit total 9.000 Patienten aus. Die Probanden wurden über vier bis fünf Jahre mit verschiedenen Medikamenten therapiert. Resultat: Ob die Studienteilnehmer Blutdrucksenker schluckten oder nicht, machte bei der Häufigkeit von Herzinfarkt, Schlaganfall oder Todesfällen keine deutliche Differenz. Beinahe jeder zehnte Patient in der Medikamentengruppe brach die Therapie allerdings wegen Nebenwirkungen ab. Die Wissenschaftler erklären als Fazit, dass sie nicht wissen, ob der Nutzen der Behandlung den Schaden aufwiegt.

Quelle:

http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2012-08/milder-bluthochdruck-behandlung

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin kein fundamentalistischer Prediger gegen jegliche synthetische Medikamente und das pauschale Feindbild der bösen Pharmamafia ist mir fremd.

Es gibt Situationen, in denen Abwarten und Kräutertee trinken dumm ist und eine medikamentöse Intervention Leben rettet.

Aber es gibt auch eine grosse Menge sinnlos verordneter und geschluckter Medikamente, die mehr Schaden als Nutzen bringen und nur den Herstellern und Verkäufern Gewinn in die Kassen spülen.

Ein Problem ist in diesem Zusammenhang, dass viele Studien finanziell stark von Pharmafirmen abhängig sind, was die Resultate verfälschen kann.

Die pharmaunabhängigen Übersichtsstudien der Cochrane Collaboration geniessen daher nicht umsonst eine ausgezeichnete Glaubwürdigkeit.

Wirksame von unwirksamen Medikamenten zu unterscheiden, das ist Patientenschutz im besten Sinn und das gilt natürlich auch für Präparate aus Komplementärmedizin, Naturheilkunde und Phytotherapie.

Für einen „ausgewachsenen“ Bluthochdruck hat die Phytotherapie keine überzeugenden Lösungen anzubieten. Es gibt überhaupt nur wenige Studien mit Heilpflanzen in diesem Bereich. Leicht erhöhtem Blutdruck könnten Heilpflanzen allenfalls eine Option sein.

Interessant ist die leicht blutdrucksenkende Wirkung von Karkade (Hibiscus sabdariffa):

Karkadetee senkt systolischen Blutdruck um 13 mmHg

Karkadetee ist jedenfalls gesund und schmackhaft und ohne unerwünschte Nebenwirkungen.

Ausserdem:

Randensaft (Rote Beete) senkt Blutdruck

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Samstag, März 26th, 2011

Zum Thema Ingwer & Reiseübelkeit nimmt Professor Eugen Verspohl in einem Interview Stellung. Der Pharmakologe arbeitet am Pharmazeutischen Institut der Universität Münster und beschäftigt sich seit nunmehr acht Jahren mit Zingiber officinale, wie sich das fernöstliche Gewächs in der Fachsprache nennt:

„’Wir haben herausgefunden, dass die Wirkstoffe an Serotonin-Rezeptor-Ionenkanälen angreifen, die am Erbrechen beteiligt sind’, sagt er. Allerdings profitieren nur diejenigen von Ingwer, denen es in Flugzeug, Zug oder Auto schlecht wird. ‘Tritt die Reiseübelkeit während einer Schiffsreise auf, eignet sich Ingwer weniger gut’, meint der Experte.“

Sogar während einer Chemotherapie soll sich Ingwer bewähren:

„Studien zeigen, dass es Krebspatienten weniger stark übel wird, wenn sie neben chemischen Brechreizhemmern Ingwer einnehmen. So berichten Forscher der Universität von Rochester (USA), dass Ingwer-Extrakt die Beschwerden um 40 Prozent senke, wenn Patienten diesen drei Tage vor und nach der Chemotherapie anwenden.“

Weitere Informationen zur Wirkung von Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen während Chemotherapie:

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie

Und zur kontrovers diskutierten Frage der Anwendung von Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen:

„Schwangere, denen Übelkeit zu schaffen macht, sollten Ingwer dagegen nicht einsetzen. ‚Denn bestimmte Inhaltsstoffe können die Wehen auslösen’, warnt Verspohl.“

Weitere Informationen zur Wirkung von Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen:

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

Der Artikel mit dem Interview geht dann noch auf Nebenwirkungen von Ingwer ein:

„Wer einen empfindlichen Magen hat, verzichtet auf das Gewürz unter Umständen auch besser. Denn der Scharfmacher bewirkt, dass mehr Magensäure gebildet wird. Tabu ist Ingwer außerdem für Menschen, die zu hohen Blutdruck haben oder an Gallensteinen leiden. Sonst gilt Ingwer als sehr gut verträglich.“

Und weiter:

„Wem es an Appetit mangelt oder das Essen einen Blähbauch bereitet, dem kommt der schon seit langem bekannte verdauungsfördernde Effekt zugute. Ob Ingwer allerdings einer Erkältung vorbeugen kann, das Abnehmen erleichtert oder gar vor Krebs schützt, müssen wissenschaftliche Studien erst beweisen.“

Im diesem Abschnitt werden Anwendungsbereiche des Ingwers erwähnt, für welche eine wissenschaftliche Bestätigung aussteht.

Die Wirkung von Ingwer bei Verdauungsstörungen verschiedenster Art wird allerdings in vielen Ländern genutzt. Ingwer fördert den Speichelfluss, die Magensaftproduktion und den Gallenfluss. Ausserdem steigert er den Tonus und die Peristaltik des Darmes.

Auch gegen Erkältungskrankheiten gehört Ingwer zu den beliebten Heilpflanzen. Dass Ingwer als Schlankheitsmittel das Abnehmen erleichtern soll, ist aber mehr als fraglich. Ebenso eine Wirkung gegen Krebs.

„Wer einem flauen Gefühl im Bauch vorbeugen möchte, kann Ingwer – entweder als Tablette, Kapsel oder Tropfen – eine halbe Stunde vor der Reise einnehmen. Dauert der Flug zum Beispiel länger als vier Stunden, empfiehlt sich unterwegs eine erneute Dosis Ingwer. Auch durch Ingwertee oder entsprechende Zuckerbonbons gelangen die Scharfstoffe in den Körper.“

Wie viel davon allerdings am Wirkort kommt, ist laut Verspohl nicht bekannt. Ingwer-Tee und Zuckerstückchen sollten Ingwer-Liebhaber deshalb eher als aromatische Köstlichkeit betrachten.

Daneben kann man gegen Übelkeit auch einfach ein frisch geschältes Ingwerstückchen kauen.

Quelle:

http://www.apotheken-umschau.de/Ernaehrung/Warum-Ingwer-so-gesund-ist-106499.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Lebensstil ändern senkt Bluthochdruck ohne Medikamente

Freitag, November 26th, 2010

Ein zu hoher Blutdruck kann schwerwiegende Folgen haben: Herzinfarkt oder Schlaganfall sind charakteristische spätere Folgeerkrankungen. Rechtzeitig erkannt, lässt sich das Problem jedoch auch ohne Medikamente in den Griff bekommen. Der wichtigste Schritt dabei ist eine Lebensstil-Änderung. Auch Knoblauch kann mithelfen.

Bluthochdruck ist eine der häufigsten Volkskrankheiten und gilt nicht umsonst als «stiller Killer». Auf Dauer können chronisch hohe Blutdruckwerte (Hypertonie) zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen führen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Blutdrucksenkende Medikamente helfen Betroffenen – sind aber nicht immer nötig. Mit einer veränderten Lebensweise lässt sich der Blutdruck häufig auch ohne Pillen reduzieren.

«Jeder sollte in regelmäßigen Abständen seinen Blutdruck kontrollieren lassen», rät Prof. Wolfram Delius von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie. «Denn manchmal bemerken Betroffene selbst bei hohen Werten keinerlei Zeichen von Beschwerden.» Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge liegt Hypertonie vor, wenn der systolische Blutdruck über 140 mmHg und der diastolischer Blutdruck über 90 mmHg liegt.

Sind diese Werte überschritten, gilt es, möglichst frühzeitig zu handeln. «Bei einem sehr hohen Blutdruck ist der Einsatz von Medikamenten nicht immer zu vermeiden», erklärt Ramon Martinez, Buchautor und Internist in Haltern am See (Nordrhein-Westfalen). «Bei niedrigeren Werten können die Betroffenen hingegen selbst aktiv werden.»

«Die Hauptursache für Bluthochdruck ist Übergewicht», sagt Ursula Hildebrandt, Ärztin am Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Deutschen Sporthochschule Köln. Rund 30 Prozent aller von Bluthochdruck betroffenen Personen bringe zu viel Gewicht auf die Waage. Jedes Kilo weniger reduziere den systolischen Wert um 2 mmHg und den diastolischen Wert um 1 mmHg. Eine Gewichtsreduktion um zehn Kilo könne den Bluthochdruck also schon um bis zu 20 mmHg senken, rechnet Hildebrandt vor.

Abgespeckt werde dabei am besten durch eine grundsätzliche Ernährungsumstellung: wenig tierische Fette, mehr Fisch statt Fleisch, pflanzliche Öle und Vollkornprodukte anstelle von Weißmehl. Dazu rät Martinez zu fünf Portionen mit frischem Obst und Gemüse pro Tag. Das steigere auch den Kaliumwert im Körper, ein natürlicher Blutdrucksenker.

Kochsalz gilt als weiterer kritischer Faktor. Delius weist darauf hin, dass wir heute alle viel mehr Salz essen, als unser Körper überhaupt braucht. Bei salzempfindlichen Menschen steigert Kochsalz den Blutdruck. Delius rät, möglichst oft auf Fertiglebensmittel zu verzichten und nicht nachzusalzen. Stattdessen soll besser frisch mit verschiedenen Gewürzen gekocht werden. Nach einiger Zeit gewöhne man sich auch an den salzarmen Geschmack. Wer es schafft dauerhaft den Salzkonsum auf etwa fünf bis sechs Gramm Kochsalz täglich zu reduzieren, könne auch den Blutdruck um bis zu 7 mmHg senken. Der Unterschied zeige sich nach drei bis vier Wochen.

Auch Sport kann sich positiv auswirken: Hildebrandt empfiehlt mäßigen Ausdauersport wie Walken, Radfahren oder Schwimmen. Drei- bis viermal wöchentlich jeweils 30 Minuten müssten Hypertoniker absolvieren, um langfristige Effekte zu erreichen. Dabei müsse das Programm nicht zwingend am Stück durchgehalten werden. Auch zweimal 15 Minuten pro Tag seien in Ordnung, erklärt Martinez. Um bis zu 10 mmHg kann der Blutdruck auf diese Weise reduziert werden.

Der Griff zur Zigarette ist bei Hpertonie ein absolutes Tabu.

Auch der Alkoholkonsum muss eingeschränkt werden. Nach Hildebrandt entstehen rund 15 Prozent aller Hypertonien aufgrund erhöhten Alkoholgenusses.

Vor allem Bluthochdruck-Patienten mit Stresspersönlichkeit wird empfohlen, für mehr Entspannung in ihrem Leben zu sorgen – beispielsweise mit Autogenem Training, Yoga oder Chi-Gong. «Machen Sie Dinge, die Ihnen gut tun und die Nerven stärken», rät Delius.

Hoher Blutdruck triti in bestimmten Familien gehäuft auf. Wenn der Vater oder die Mutter bereits unter Hypertonie leiden, gehöre das Kind zur Risikogruppe, erklärt Delius und rät zur Vorbeugung.
Bei genetischer Belastung sei frühzeitige Vorbeugung zu empfehlen – durch eine gesunde, ausgewogene Ernährung und regelmäßigen Sport.

Nahrungsergänzungsmittel bringen nichts, Knoblauch aber schon

Nahrungsergänzungsmittel bringen den Fachleuten zufolge nichts. Sie können sogar riskant sein und den Bluthochdruck zusätzlich steigern. Anstelle von dubiosen Pillen sollten Hypertoniker besser zu frischem Knoblauch greifen: Eine amerikanische Studie habe gezeigt, dass 2,7 Gramm pro Tag den Blutdruck senken, erklärt Ursula Hildebrandt von der Deutschen Sporthochschule Köln. Auch dunkler Schokolade mit hohem Kakaogehalt wird ein blutdrucksenkender Effekt nachgesagt. Mehr als ein Riegel täglich sollte es jedoch nicht sein.

Quelle:

http://www.internisten-im-netz.de/de_news_6_0_1013_anders-leben-dann-sinkt-der-bluthochdruck-ohne-medikamente.html

Kommentar & Ergänzung:

Bluthochdruck ist kein einfaches Thema für die Phytotherapie bzw. Pflanzenheilkunde.

Sehr zu Recht legt die Meldung das Hauptgewicht auf die Beeinflussung des Lebensstils. Heilpflanzen können hier nur ergänzend zum Einsatz kommen. Immerhin wird Knoblauch positiv erwähnt.

Siehe dazu auch:

Phytotherapie: Knoblauch kann zur Blutdrucksenkung beitragen

Hinweise auf eine günstige Wirkung bei Bluthochdruck gibt es auch bei der Karkade.

Siehe dazu:

Karkade-Tee senkt systolischen Blutdruck

Karkadentee ist angenehm zu trinken und frei von den „sozialen Nebenwirkungen“, die mit der hochdosierten Einnahme von Knoblauch verbunden sein können.

Zur dunklen Schokolade: Es muss Schokolade mit wirklich hohem Kakaoanteil sein. Meines Wissens mindestens 70%. Die meisten dunklen Schokoladen liegen tiefer.

Zum Kochsalz: Offenbar spielt Kochsalz nicht bei allen Menschen mit Hypertonie eine gleich wichtige Rolle. Es lohnt sich aber, über mindestens vier Wochen zu testen, ob der Blutdruck durch eine Kochsalzreduktion sinkt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Warnung vor pflanzlichem (?) Potenzmittel Viapro

Samstag, Juli 31st, 2010

Die „Zeitschrift für Phytotherapie“ warnt in ihrer jüngsten Ausgabe (Nr. 3 / 2010) vor dem im Internet als natürlicher Viagra-Ersatz  vertriebenen pflanzlichen Produkt Viapro:

„Bei Viapro handelt es sich um ein Nahrungsergänzungsmittel, welches eine Kombination aus 22 verschiedenen Kräutern enthalten soll und für den Einsatz bei erektiler Dyfunktion beworben wird. Ein solcher Indikationsanspruch würde das Präparat nach deutschem Recht automatisch dem Arzneimittelrecht unterwerfen, ein Vertrieb als Nahrungsergänzungsmittel wäre demnach illegal. In einer Untersuchung stellte die FDA im Juli 2008 die Anwesenheit einer Analogsubstanz des Sildenafils, nämlich Thio-Methisosildenafil in einer Charge des Präparates fest und forderte den Hersteller zum Rückruf auf. Patienten bzw. Kunden müssen über die gefährlichen Auswirkungen nicht deklarierter und nicht standardisierter Wirkstoff-Beimengungen aufgeklärt werden. Das Mittel sollte sofort abgesetzt werden.“

Sildenafil ist der keineswegs pflanzliche Wirkstoff im Viagra. Die Anwesenheit von Thio-Methisosildenafil als Analogsubstanz des Sildenafils gefährde den Verbraucher, „weil der Blutdruck aufgrund einer gravierenden Wechselwirkung mit Medikamenten wie z.B. Trinitroglycerin gefährlich absinken kann. Patienten mit Diabetes, hohem Blutdruck, hohen Cholesterinwerten oder Herzerkrankungen gehören oftmals zu den Betroffenen.“

Nach Herstellerangaben soll das Produkt speziell für die Beeinflussung der männlichen Erektion, also zur Behandlung von Impotenz, entwickelt worden sein.

Die „Zeitschrift für Phytotherapie“ druckt aus einem Verkaufsprospekt Angaben zur Zusammensetzung von Viapro ab (Zitat inkl. Fehler im Verkaufsprospekt):

»Smilax extract (Sarsaparille) – ist dafür bekannt ein Hormongleichgewicht zu halten. Der Saft verbessert die Blutzirkulation und die männliche Potenz.

Avena sativa Extrakt (oat straw) – dient als Aphrodisiakum. Fördert die Libido bei Männer und Frauen.

Zyzphys Jujube (Jujube) – verbessert die Libido beim Mann. Durch den süßlichen Geruch werden Frauen davon angezogen.

Weitere Wirkstoffe sind – Kapsikum annum (Cayenne), Eleutherococcus senticocus (Ginseng), Urtica dioca (stinging nettles), Sernoa repens (saw palmetto), Cucurbita pepo (Kürbiskerne).«

Quelle:

Zeitschrift für Phytotherapie 3 / 2010

Kommentar & Ergänzung:

Es ist eine hoch betrügerische Sache, dass immer wieder angeblich rein pflanzliche Naturheilmittel mit undeklarierten synthetischen Zusätzen vermarktet werden. Immer wieder festgestellt wurden solch gefährliche Betrügereien bei asiatischen Heilmitteln, die via Internet bestellt wurden.

Viapro ist nun offenbar ein europäisch-amerikanisches Beispiel.

Aber auch unabhängig von dem 2008 von der FDA gefundenen Sildenafil-Analogon ist die Zusammensetzung von Viapro mehr als fragwürdig.

- Sarsaparilla gehört zu den Stechwindengewächsen. Die China-Stechwinde (Smilax china) kam 1525 durch Vinzenz Gilius von Tristan nach Europa und wurde als Mittel gegen Lustseuche (Syphilis) empfohlen. Eine solche Heilpflanze einem Potenzmittel gleich beizufügen wäre ja zumindestens originell, wenn davon eine Wirkung erwartet werden könnte. Allerdings fehlen Hinweise auf solche Effekte.

- Avena sativa (Hafer) gilt als sehr energiereiches Pferdefutter…kann also in einem Potenzmittel auch nicht schaden. In der traditionellen Pflanzenheilkunde soll Hafertinktur allerdings eher beruhigend wirken – bleibt also zu hoffen, dass „er“ nicht einschläft.

- Die Chinesische Jujube (Ziziphus zizyphus, syn. Ziziphus jujuba), auch Chinesische Dattel oder Rote Dattel genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Kreuzdorngewächse (Rhamnaceae) und stammt aus Nord- und Nordostchina. Die Jujube-Früchte dienen in getrockneter Form als Brusttee bei Erkältungen; aus diesem Grunde ist sie bei Apothekern häufig auch als Brustbeere bekannt. In China stellte sie schon sehr früh eine der wichtigsten Arzneipflanzen dar. Eine Wirkung als Potenzmittel ist nicht plausibel.

- Capsicum annuum (Spanischer Pfeffer, Paprika) hat zwar eine Ruf als unregendes Gewürz – aber in Kapselform?? Ausserdem wird Paprikaextrakt eingesetzt zur Förderung der Durchblutung und Reizempfindlichkeit im Genitalbereich – allerdings als Creme….

- Eleutherococcus senticosus (Taiga-Wurzel, Sibirischer Ginseng), im Prospekt fälschlich einfach als Ginseng (wodurch normalerweise gemeint ist: Panax ginseng) bezeichnet, verbessert als adaptogene Heilpflanze die Fähigkeit des Organismus zur Stressbewältigung. Das zumindestens kann ja in einem Potenzmittel nicht schaden….

- Urtica dioica, die altbekannte Brennessel. Um sie ranken sich zahlreiche Geschichten. Die Brennesselsamen sollen feurig machen in der Liebe – getestet von Pferdehändlern, die vor einem Verkauf damit ihre Tiere behandelt haben sollen, damit sie fitter aussehen. Und Brennesselpeitschungen sollen anregend wirken…na ja, wems gefällt.

Brennesselwurzel dagegen sind tatsächlich in ihrer Wirkung gut erforscht zur Linderung der Beschwerden bei gutartiger Prostatavergrösserung. Kann also für Männe auch nicht schaden, doch werden die Kapseln kaum die Wurzeln enthalten.

-  Serenoa repens (Zwergpalme, Sägepalme, Sabal serrulata) ist das am besten dokumentierte Heilpflanzen-Mittel gegen gutartige Prostatavergrösserung älterer Männer. Aber potenzsteigernd?

- Cucurbita pepo (Kürbiskerne) sind ebenfalls wirksam gegen Beschwerden bei gutartiger Prostatavergrösserung. Aber potenzsteigernd?

Eine ziemlich wilde, unsinnige Kräutermischung also, welches da als natürliches Potenzmittel vermarktet wird.

Allerdings wird von einem solchen Produkt schon ein anständiger Placeboeffekt zu erwarten sein. In Situationen, in denen Potenzmittel angewendet werden, spielt die Erwartungshaltung eine grosse und wohl mitunter entscheidende Rolle.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kopfschmerzen nach Koffein-Entzug

Freitag, Mai 8th, 2009

Koffein regt den Organismus an, kann aber auch abhängig machen. Das kann zu Kopfweh und Ermüdung führen, wenn die gewohnte Tagesportion ausbleibt. Weshalb das so ist, erläutern Psychiater der University of Vermont College of Medicine im Wissenschaftsjournal Psychopharmacology. Sie erforschten, welche körperlichen Prozesse ein plötzlicher Einnahmestopp von Koffein auslöst.

Bei Versuchspersonen, die über einen längeren Zeitraum Koffeinkapseln eingenommen hatten, zeigten sich deutliche Reaktionen nach einem Zufuhrstopp. Diese Reaktionen glichen den typischen Entzugserscheinungen von Suchtmitteln. Die Geschwindigkeit des Blutflusses im Gehirn und auch die Theta-Rhythmen im EEG-Bild steigerten sich, was die Wisenschaftler als wichtigste Auslöser für das Kopfweh sehen. Die Studienteilnehmer erklärten zudem, dass sie sich beim Entzug besonders müde, erschöpft, lustlos oder matt fühlten.

“Koffein verengt die Blutgefäße, was kurzfristig zu schnellerem Blutfluss wie auch zu hohem Blutdruck führt. Gleichzeitig steigt das Sauerstoff-Angebot in den Zellen”, sagt dazu Hartmut Göbel, Leiter der Schmerzklinik Kiel. Der in Kaffee, Tee, Cola, Energy-Drinks und auch in Kakao enthaltene Wirkstoff Koffein ziele auf die Rezeptoren ab, welche der Zelle sonst Pause signalisieren. Dadurch verhindere er Müdigkeit.

“Das Problem dabei ist, dass das Gehirn eine ständige Koffein-Dosis bemerkt und sich daran gewöhnt. Deshalb wirkt Koffein umso weniger, je mehr man davon zu sich nimmt”, erklärt Göbel. Entziehe man dem Organismus nach der Gewöhnung Koffein, könne das zu Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und Depressionen führen. “Deutlich wurde das durch den Nachweis, dass die meisten Menschen am Samstag Kopfschmerz haben, da sie am Wochenende ihre gewohnte Kaffeedosis nicht zu sich nehmen.”

Koffein sei medizinisch und pharmakologisch eine Droge, betont Göbel.
Die bei regelmäßigem Koffeinkonsum entstehende Abhängigkeit sei in der Gesellschaft aber so gut organisiert, dass man sie kaum bemerke. “Kaffee gehört zum Alltag und wird permanent eingenommen. Im Arbeitsalltag oder bei Veranstaltungen ist er stets verfügbar, oder man legt eben eine Kaffeepause ein.” Gelegenheiten des Kaffeekonsums gebe es auch in allen städtischen Einkaufszonen, während in England die traditionelle Teezeit um fünf Uhr nachmittags dieselbe Funktion erfülle, die übliche Müdigkeit dieser Tageszeit auszugleichen. “Stark zubereiter Tee enthält dieselbe Konzentration Koffein wie Kaffee”, so der Schmerzmediziner.

Weil der anregende Effekt des Koffeins Kopfschmerz vorübergehend stillt, wird es schon lange als Arznei eingesetzt. “Coca Cola wurde ursprünglich als Therapie gegen Kopfschmerzen entwickelt”, so Göbel. Die Anwendung der Aufputschsubstanz in Medikamenten kritisiert der Schmerzspezialist allerdings. “Das ist etwa bei den gängigsten Analgetika gegen Kopfschmerz der Fall. Diese Mischpräparate kombinieren Schmerzmittel mit Koffein, wodurch das Risiko einer Abhängigkeit gegeben ist. Es gibt Patienten, die aus diesem Grund regelmäßig 30 Schmerztabletten pro Tag einnehmen.” Anstelle der Kombination von schmerzstillenden Wirkstoffen (Analgetika) mit Koffein sei eine Monotherapie sinnvoller, die nur einen Wirkstoff verwende und auf Koffein verzichte, betont der Schmerzmediziner. Kaffee könne man dann unabhängig von dem Schmerzmittel einnehmen, wenn man den Koffeineffekt wünsche.

In Maßen genossener Kaffee sei laut Göbel eine sozial verträgliche Droge, weil er die Leistung erhöht. Zudem spreche medizinisch nichts gegen bis zu vier Tassen Kaffee täglich. “Eine Tasse enthält je nach Stärke zwischen 30 und 100 Milligramm Koffein. Koffein ist jedoch bis zu einer Dosis von 200 Milligramm unbedenklich.” Wer gerne viel Kaffee trinke, solle diesen möglichst schwach zubereiten, empfiehlt der Mediziner. “Wichtig ist es jedoch, Körper und Geist genügend Ausgleich zu geben.”

Quelle: www.journalmed.de, 8. 5. 2009

Kommentar:

Zweifellos gibt es “Kaffee-Junkies”, die sich vielleicht einmal Gedanken machen sollten über die täglich zugeführte Koffein-Dosis.
In mässigen Dosen getrunken, haben allerdings Kaffee, Schwarztee, Grüntee und Weisser Tee durchaus auch positive Wirkungen auf die Gesundheit. Dies verdanken sie verschiedenartigen Inhaltsstoffen, welche sie neben dem Koffein auch noch “mitführen”, beispielsweise den Tee-Polyphenolen. Schwarztee zählt zudem schon seit langem zu den bedeutenden Heilpflanzen.

Fragwürdiger sind deshalb die Energy-Drinks vom Typ “Redbull”, welche Koffein isoliert von den pflanzlichen Begleitstoffen enthalten, gemischt mit Süssstoffen und Aromastoffen. Aus gesundheitlicher Sicht eine ziemliche “Schrottladung”, wobei auch hier der gelegentliche Konsum wohl unbedenklich ist. Wenn aber der grössere Teil des täglichen Flüssigkeitsbedarf via “Energy-Drinks” gedeckt wird, scheint mit das schon eher bedenklich.

Hier ist wieder einmal ein Plädoyer fällig für den Kräutertee.. Wie wäre es zum Beispiel mit Hagebutten, Karkade, Rooibos (Rotbusch), Verveine (Zitronenstrauch, Verbena), Orangenblüten (als Abendtee), Lindenblüten, Pfefferminze. Sie alle sind koffeinfrei, bieten viel Abwechslung und eignen sich als Genusstee – einzeln getrunken oder nach eigenem Geschmack gemischt.

Präzisiert werden müsste noch die Aussage in obigem Beitrag, dass stark zubereiteter Tee dieselbe Konzentration an Koffein enthält wie Kaffee. Das stimmt wohl, wenn mit “stark zubereitet” eine hohe Dosis Teeblätter pro Tasse gemeint ist. Nicht zutreffen dürfte dies, wenn mit “stark zubereitet” gemeint ist: Den Tee lang ziehen lassen.
Wird der Tee nämlich längere Zeit ziehen gelassen, wird das Koffein teilweise durch Gerbstoffe gebunden. Dadurch sinkt die resorbierte Koffeinmenge.

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Hibiskus / Karkade gegen erhöhtes Cholesterin?

Montag, Februar 9th, 2009

Ein Extrakt aus Hibiskus-Blüten könnte nach Ansicht von taiwanesischen Wissenschaftlern dieselbe positive Wirkung auf den Organismus haben, wie der Genuss von Tee und Wein. Ein Forscherteam der Medical University in Taiwan konnte bereits im Jahre 2004 nachweisen, dass der Pflanzenwirkstoff bei Tieren den Cholesterinspiegel verringern kann. Daraus lässt sich schließen, dass dies auch beim Menschen möglich sein muss, berichteten die Forscher im Fachmagazin Journal of the Science of Food and Agriculture.

Blüte von Karkade / Hibiskus wirkt wie Tee und Wein

Hibiscus sabdariffa, eine ursprünglich in China, Indien und Taiwan heimische Pflanze, ist in der traditionellen asiatischen Medizin als Medikament gegen Bluthochdruck und Leberstörungen bekannt. Die Forscher aus Taiwan konnten zeigen, dass in der Pflanze Antioxidantien vorhanden sind, die gefährliche Fettabbauprodukte in den Arterien vermindern können. Bei Ratten reduzierte der Pflanzenextrakt jedenfalls LDL-Cholesterin deutlich.

“Hibiskus wäre ein neues Heilmittel gegen eine Reihe von Herz-Kreislauferkrankungen, bei denen der Cholesterin-Spiegel eine wesentliche Rolle spielt”, erklärte Forschungsleiter Wang. Experten der Britischen Heart Foundation sind der Meinung, dass es ohnehin zahlreiche natürliche Flavonoide gibt, welche ähnliche Eigenschaften besitzen und LDL-Cholesterin vermindern.

Quelle: http://www.journalmed.de/newsview.php?id=5973

Kommentar:

Auch hier muss einschränkend gesagt werden: Was im Tierexperiment funktioniert, muss nicht unbedingt auch beim Menschen in gleicher Weise wirken.
Aber interessant ist dieser Hinweis auf eine mögliche Wirkung von Hibiskus / Karkade als Cholesterinsenker schon.
Karkade / Hibiskus galt in unseren Breitengraden lange Zeit eher als aromatisch-fruchtiger Genusstee und zählte kaum zu den Heilpflanzen. In letzter Zeit hat sich das geändert, unter anderem auch durch Hinweise auf eine blutdrucksenkende Wirkung.
Zum Thema Karkade / Hibiskus bei Hohem Blutdruck finden Sie nähere Infos hier:
http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2008/11/29/karkade-tee-senkt-systolischen-blutdruck-um-13-mmhg.html

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