Beiträge

Silibinin aus Mariendistel als Wirkstoff gegen Hirntumore erforscht

Diesen Artikel teilen:
FacebookTwitterGoogle+ Share

Wissenschaftler aus München haben einen Wirkstoff entdeckt, der in Tiermodellen und in menschlichem Tumorgewebe bei der Behandlung von Morbus Cushing erfolgreich ist.

 

Morbus Cushing ist eine seltene, hormonelle Erkrankung, die durch einen Tumor in der Hirnanhangdrüse ausgelöst wird. Die Wissenschaftler haben ein Patent auf diese Anwendung des Wirkstoffs eingereicht und wollen nun Silibinin in einer klinischen Studie prüfen.

Sie hoffen, dass Patienten künftig dank der neuen Behandlungsmöglichkeit auf eine Hirn-Operation verzichten können.

 

Morbus Cushing, nicht zu verwechseln mit dem Cushing-Syndrom, wird ausgelöst durch einen Tumor in der Hirnanhangdrüse. Das Tumorgewebe stellt große Mengen des Stresshormons Adrenocorticotropin (ACTH) her, welches die Freisetzung von Cortisol aus der Nebennierenrinde bewirkt.

 

Durch die übermäßige Freisetzung von Cortisol kommt es zu rascher Gewichtszunahme, erhöhten Blutdruck und Muskelschwäche. Die Patienten haben ein grösseres Risiko für Osteoporose und Infektionskrankheiten und können kognitive Defizite erleiden oder sogar Depressionen entwickeln.

Bei 80 bis 85 Prozent der Patienten lässt sich der Tumor durch eine Hirn-Operation entfernen, aber bei den übrigen Betroffenen ist eine Operation nicht durchführbar. Generell fürchten sich viele Patienten vor dem Eingriff. Gegenwärtig ist als Alternative zur Operation nur ein Medikament zugelassen, welches allerdings bei über 20 Prozent der behandelten Patienten starke Nebenwirkungen wie Überzucker (Hyperglykämie) verursacht.

Erfolgreicher Wirkstoff Silibinin aus Mariendistel

Forscher des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie und des Helmholtz-Zentrums (beide in München) haben nun den pflanzlichen Wirkstoff Silibinin auf eine mögliche Wirksamkeit bei der Behandlung von Morbus Cushing untersucht.

Dabei zeigten sich in der Zellkultur, in Tiermodellen und in menschlichem Tumorgewebe Hinweise auf eine günstige Wirkung von Silibinin.

Der Wirkstoff Silibinin aus den Samen der Mariendistel ist für Menschen ausgesprochen gut verträglich und wird in der Medizin gegen Lebervergiftung durch den Knollenblätterpilz eingesetzt.

Nach der Behandlung mit Silibinin normalisierte sich die Produktion von ACTH durch die Tumorzellen, das Tumorwachstum verlangsamte sich und die für Morbus Cushing charakteristischen Symptome klangen bei Mäusen ab.

Nur 5,5 von 100.000 Menschen leiden an Morbus Cushing, aber bei Haustieren tritt die Krankheit sehr häufig auf (Hunde: 4 %, Pferde 7%).

Die Forscher wollen jetzt in klinischen Studien spezielle Rezepturen testen, aus denen Silibinin langsam freigesetzt wird.

Nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler setzt die Wirkung von Silibinin am Glukokortikoidrezeptor an. Sie hoffen daher, dass Silibinin nicht nur eine nicht-invasive Therapie bei Morbus Cushing sein könnte, sondern auch günstige Wirkungen zeigen könnte bei anderen Krankheiten, bei denen die Glukokortikoidrezeptoren eine Rolle spielen, zum Beispiel bei Lungenkrebs, akuter lymphatischer Leukämie oder Multiplen Myelomen.

Quelle:

http://derstandard.at/2000011466463/Silibinin-Pflanzlicher-Wirkstoff-gegen-Hirntumore

Originalveröffentlichung:

A C–terminal HSP90 inhibitor restores glucocorticoid sensitivity and relieves a mouse allograft model of Cushing disease.

http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/full/nm.3776.html

Kommentar & Ergänzung:

Silibinin ist ein Hauptbestandteil des Flavonoid-Gemischs Silymarin (zusammen mit Silychristin und Silydianin).

Mit Silibinin laufen seit längerem Forschungen in verschiedenen Bereichen.

Siehe:

Silibinin aus Mariendistel unterstützt Standardtherapie bei chronischer Hepatitis C

Silymarin aus Mariendistel bei chronischer therapieresistenter Hepatitis C ohne Wirkung 

Silibin / Legalon jetzt zur Hepatitis-C-Therapie 

Mariendistel hat auch antivirale Wirkung

Silibin in in eine Form zu bringen, aus der es nur langsam freigesetzt wird, dürfte eine gute Strategie sein. Diese Flavonoide werden nämlich in der Regel sehr schnell wieder ausgeschieden (was aber auch zu ihrer guten Verträglichkeit beiträgt).

Wie so oft muss aber auch zu diesen Forschungen zur Anwendung von Silibinin bei Morbus Cushing gesagt werden, dass Ergebnisse aus Zellkulturen, Tiermodellen und menschlichem Tumorgewebe sich nicht so einfach auf die Behandlungssituation beim erkrankten Menschen übertragen lassen. Was in diesen experimentellen Kontexten eindrückliche Ergebnisse zeigt, kann bei Patienten vollkommen versagen.

Darum ist es in der Regel noch ein weiter Weg, bis aus solchen Forschungsresultaten tatsächlich eine fundierte Therapie entsteht (falls überhaupt). Aber nichtsdestotrotz: Silibinin & Silymarin aus der Mariendistel sind interessante Pflanzeninhaltsstoffe.

In der Phytotherapie wird nicht isoliertes Silibinin, sondern das Flavonoid-Gemisch Silymarin verwendet.

Silymarin ist Bestandteil von Trockenextrakten aus Mariendistelfrüchten. Es gibt aber auch Präparate mit dem reinen Silymarin.

Silymarin wird als Leberschutz eingesetzt und als Begleittherapie bei verschiedenen Lebererkrankungen.

Mariendisteltee ist allerdings keine geeignete Zubereitungsform, da Silymarin schlecht wasserlöslich ist. Und in einer Mariendisteltinktur dürfte der Silymaringehalt vernachlässigbar sein.

Daher braucht es Trockenextrakte oder das reine Silymarin-Gemisch als sinnvolle Zubereitungsform.

Siehe auch:

Leberentgiftung unmöglich

Phytotherapie: Mariendistel unterstützend bei Lebererkrankungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diesen Artikel teilen:

Pflanzenstoffe in der Krebsforschung: Betulinsäure

Diesen Artikel teilen:

Betulinsäure findet sich in zahlreichen Pflanzenarten, vor allem in der Rinde von Bäumen aus den Familien der Platanengewächse, der Birkengewächse und der Ebenholzgewächse, bspw. mit etwa 2,5 Prozent in Rinde von Platanen (Platanus acerifolia) und zu einem geringen Prozentsatz in dem getrockneten Rindensaft von Birken (lat. Betula, deshalb der Name Betulinsäure).

Die Zeitung „Der Standard“ berichtet über die Betulinsäure-Forschung von Simone Fulda und ihrem Team am Frankfurter Institut für experimentelle Tumorforschung. Zu ihren Forschungsinteressen gehört es, nach Naturstoffen aus Pflanzen zu suchen, die in der Lage sind, Zelltodmechanismen zu beeinflussen.

Es geht dabei um den programmierten Zelltod – die sogenannte Apoptose. Jede gesunde Körperzelle besitzt ein solches eigenes „Selbstmord-Programm“. Es wird aktiviert, sobald es zu fehlerhaften Abläufen in der Zelle kommt. „Zellen entarten erst, wenn dieses Programm nicht mehr funktioniert“, erläutert Fulda. Zwar ist dieser Mechanismus sämtlichen Krebserkrankungen gemeinsam, aber er funktioniert tumorspezifisch und muss daher auch separat in den verschiedenen Tumoren untersucht werden.

Einer der Naturstoffe mit Wirkung auf die Apoptose ist die Betulinsäure. Sie findet sich in der Rinde von Platanen und Birken und könnte hauptsächlich Kindern mit Hirntumoren Heilungschancen bringen.

Bösartige Erkrankungen im Gehirn und Rückenmark bilden eine große Gruppe solider Tumore im Kindesalter, und die Prognose ist in zahlreichen Fällen nach wie vor schlecht – hauptsächlich darum, weil viele Tumore nicht operabel sind. Im Labor hat die Betulinsäure ihren tödlichen Effekt auf Tumorzellen bereits gezeigt. Nun sind klinische Studien mit der Substanz geplant. Die Wirksamkeit der Betulinsäure bei Patienten mit Neuroblastomen und Glioblastomen soll geprüft werden. Was die Betulinsäure zusätzlich auszeichnet: Sie hat nur wenig Einfluss auf gesunde Zellen und könnte verglichen mit anderen zytostatischen Substanzen geringere Nebenwirkungen hervorrufen.

Quelle:

http://derstandard.at/1336435207120/Schwerpunkt-Krebs-Warum-auch-Kinder-an-Krebs-erkranken

Hier die Angaben zur Verwendung der Betulinsäure bei Wikipedia:

„Betulinsäure wirkt im Laborversuch hemmend gegenüber Melanomzellen (durch Einleitung des Zelltod-Programms), und HI-Viren (durch Hemmung der reversen Transkriptase). Sie bildet die Ausgangssubstanz für weiterentwickelte AIDS-Medikamente wie Bevirimat (PA-457), welches zur Zeit klinisch getestet wird. Die Wirksamkeit von Betulinsäure gegen Dermatophyten und Plasmodien deutet auf den ursprünglichen Nutzen des Stoffes gegen Pilz- und Plasmodienbefall der Pflanze. Für die medizinische Anwendung gegen Malaria sind die erforderliche Dosis bzw. deren Nebenwirkungen aber zu hoch.“

Kommentar & Ergänzung:

Es gibt eine sehr grosse Zahl von Naturstoffen, die für die Forschung interessant sind und grosses Potenzial haben – auch im Bereich der Tumorforschung. Betulinsäure ist eine solche Substanz.

Festgehalten werden muss aber: Wenn für eine Substanz erst positive Resultate aus Laborversuchen an isolierten Zellen oder Geweben vorliegen, ist eine zurückhaltende, vorsichtige Interpretation angebracht. Vorschnelle Versprechungen sind zu vermeiden, weil noch völlig unklar ist, ob die Substanz im lebenden Organismus von Patienten ebenfalls eine positive Wirkung zeigt. Entscheidend sind die Resultate von klinischen Studien mit Patientinnen und Patienten.

Grundsätzlich sind aber natürlich in der Tumorforschung Substanzen sehr interessant, die Krebszellen töten können, gesunde Zellen aber möglichst schonen. Und eine solche Differenzierung tönt der Artikel im „Standard“ für die Betulinsäure an.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Weihrauch als Heilpflanze bei Rheuma und Darmentzündungen

Diesen Artikel teilen:

Die „Welt“ publizierte einen informativen Beitrag über Weihrauch.

Dabei kam auch die medizinische Wirkung zur Sprache:

„Sogar eine kleine medizinische Renaissance könnte das Weihrauchharz erleben, nachdem es als Arzneimittel weitgehend durch wirksamere synthetische Stoffe ersetzt worden war. In den 90er-Jahren fanden Pharmakologen im Harz eine Reihe von Substanzen, unter anderem die Boswellia-Säuren, die eine entzündungshemmende Wirkung haben sollen. So könnten sie möglicherweise Rheuma, chronische Darmentzündungen, Multiple Sklerose, Schuppenflechte, Asthma und die Beschwerden von Hirntumoren lindern

Die Forschung, in Deutschland vor allem an den Unis in Tübingen und Saarland, ist aber noch nicht abgeschlossen, es gibt erst wenige Studien mit Patienten. Eine Arzneimittelzulassung gibt es nicht.“

Quelle:

http://www.welt.de/wissenschaft/article13771012/Weihrauch-ist-eine-Wissenschaft-fuer-sich.html

Kommentar & Ergänzung:

In der Schweiz ist ein Weihrauchpräparat (H 15 Gufic) im Kanton Appenzell als Heilmittel zugelassen. Bei Rheuma (Arthritis) und Darmentzündungen (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn) kommt Weihrauch in Tablettenform innerlich zur Anwendung. Weihrauchsalben, die seit einiger Zeit ebenfalls im Handel sind, eignen sich allenfalls bei Hautentzündungen (Neurodermitis, Psoriasis), aber nicht bei Rheuma. Es ist nämlich völlig ungeklärt, ob die Wirkstoffe durch die Haut aufgenommen werden können und auf diesem Weg eine Wirkung entfalten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen: