Beiträge

Zu Knoblauch als Heilpflanze

Diesen Artikel teilen:

In der Zeitschrift „Die Apotheke“ (Nr. 6 / 2012) wurde die Wirkung von Knoblauch vorgestellt:

„Nach Zentral- und Nordeuropa gelangte der Knoblauch vermutlich

durch die Römer. Die Arzneipflanze wurde dann schon recht bald

durch Anbau in Klöstern verbreitet. Der von vielen als unange-

nehm empfundene Geruch nach dem Genuss von Knoblauch

kommt von seinen schwefelhaltigen Inhaltsstoffen. Knoblauch ist

auch eine wichtige Selenquelle.

Knoblauch wirkt antibakteriell und soll der Bildung von Throm-

ben (Blutpfropfen) vorbeugen, womit die Fließeigenschaft des

Blutes unterstützt bzw. gefördert wird. Weiters konnte gezeigt

werden, dass die Inhaltsstoffe des Knoblauchs die Blutfettwerte

senken und daher vorbeugend gegen Arterien verkalkungen wirken

können. Weiters soll Knoblauch die Cholesterinwerte insgesamt

senken. Außerdem wurde und wird ihm in vielen Ländern eine

Wirkung als Aphrodisiakum nachgesagt.“

 

Kommentar & Ergänzung:

Dazu gibt es ein paar interessante Präzisierungen (Quelle der Zitate:

http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Knoblauch.html):

Zur Hemmung der Thrombozytenaggregation:

„In verschiedenen Studien wurde gezeigt, daß die Hemmung der Thrombocytenaggregation erst nach 4wöchiger Einnahme, nicht dagegen nach der Einnahme einer einzelnen Tagesdosis desselben Präparates nachweisbar war. In vitro hemmen sowohl Allicin als auch Ajoen und Vinyldithiine die durch verschiedene Induktoren auslösbare Thrombocytenaggregation durch Blockierung des Enzyms Cyclooxygenase.“

Zur lipidsenkenden Wirkung:

„Die signifikantesten Wirkungen werden bei überhöhten Blutfett- bzw. Blutcholesterinwerten erzielt, wenn die Applikation über mehrere Wochen bis maximal 6 Monate hinweg erfolgt. Die Reduktion liegt im Bereich von 5 bis maximal 23 %. Die mittlere Senkung von LDL-Cholesterin liegt um 16 %. Neue Studien belegen eine Steigerung der HDL-Konzentration unter Knoblauchbehandlung, entsprechend konnte eine Erniedrigung der LDL-Werte nachgewiesen werden.“

Fazit: Damit Knoblauch solche Wirkungen auf den Kreislauf entfaltet, braucht es kontinuierliche, längerfristige Einnahme, was infolge Knoblauchgeruch auch soziale Nebenwirkungen entfalten kann. Geruchfreie Knoblauchpräparate, bei denen das Enzym Alliinase durch Erhitzen inaktiviert wurden, sind wohl auch frei von therapeutischen Wirkungen.

Interessanter als die Veränderung von gesundheitlich mehr oder weniger relevanter Messwerte (zum Beispiel Cholesterinwerte), wären sogenannt „harte Endpunkte“, beispielsweise ein Nachweis, dass Knoblauch Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Ereignisse verhindern kann.

Siehe Artikel „Primärer Endpunkt“ auf Wikipedia.

 

Tatsächlich gibt es offenbar eine solche Studie:

„In einer placebokontrollierten Studie mit 432 Patienten nach überstandenem Herzinfarkt zeigte sich, daß die Anzahl der Todesfälle bereits nach zweijähriger Therapie in der Verumgruppe signifikant niedriger war. Die Anzahl der nichttödlichen Reinfarkte war nach 3 Jahren in der Verumgruppe signifikant niedriger als in der Placebogruppe. Blutdruck- und Cholesterinwerte waren ebenfalls gegenüber Placebo signifikant niedriger.“

Das ist bemerkenswert und legt nahe, Knoblauch als Sekundärprävention nach Herzinfarkt einzusetzen. Leider gibt es zu dieser Studie wenig greifbare Angaben.

Ich habe die Quellenangabe dazu gesucht und in der WHO-Monografie zu Knoblauch gefunden:

Bordia A. Knoblauch und koronare Herzkrankheit: Wirkungen einer dreijährigen Behandlung mit Knoblauchextrakt auf die Reinfarkt- und Mortalitätsrate. Deutsche Apotheker Zeitung, 1989, 129:16–17.

Die Studie wurde von Prof. A. Bordia am Tagore Medical College in Udalpur in Indien durchgeführt.

In der WHO-Monografie steht auch, dass in der Studie von Bordia eine Knoblauchpräparation verwendet wurde, entsprechend einer Tagesdosis von 2 Gramm frischem Knoblauch.

Die WHO-Monografie zu Knoblauch gibt’s hier:

http://apps.who.int/medicinedocs/en/d/Js2200e/4.html

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Diesen Artikel teilen:

Steigern Schlafmittel Sterberisiko und Krebsrisiko?

Diesen Artikel teilen:

Schlafmittel ermöglichen Millionen Menschen eine Nachtruhe – doch Schlaftabletten steigern laut einer Studie das Sterberisiko deutlich und fördern bei häufiger Einnahme sogar die Entstehung von Krebs.

Schon weniger als 18 Dosen im Jahr erhöhen das Risiko eines vorzeitigen Todes, schreiben Forscher im „British Medical Journal“ (BMJ open). Obwohl die Zahl der gestorbenen Probanden insgesamt recht klein war, gab es signifikante Differenzen in den Gruppen.

In den USA nahmen den Wissenschaftlern zufolge fünf bis zehn Prozent der Erwachsenen im Jahr 2010 Schlaftabletten. Das Forscherteam schloss mehr als 10 500 Menschen, die im Mittel über zweieinhalb Jahre Schlafmittel verordnet bekamen, in die Studie ein.

Das Durchschnittsalter der Probanden lag bei 54 Jahren. Zum Vergleich beobachteten die Forscher auch 23 500 Menschen, die im gleichen Zeitraum keine solchen Arzneimittel einnahmen. Faktoren wie Geschlecht, Alter, Lebensstil und eventuelle gesundheitliche Probleme berücksichtigte die Wissenschaftler ebenfalls.

„Die Ergebnisse zeigen einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Schlaftabletten und einem erhöhten Sterberisiko“, erklären die Autoren. Das Risiko zu sterben, steige mit der Höhe der Schlafmittel-Dosis.

Bei den Patienten, die bis zu 18 Dosen im Jahr konsumierten, war die Gefahr zu sterben demnach 3,5-fach höher als bei denen, die keine Schlafmittel nahmen. Bei jenen Probanden, die zwischen 18 und 132 Mal im Jahr zur Schlaftablette griffen, war das Sterberisiko vierfach, bei jenen, die jährlich mehr als 132 Dosen nahmen, sogar fünffach erhöht.

„Diese Zusammenhänge betrafen alle Altersgruppen, am stärksten waren sie aber bei denjenigen zwischen 18 und 55 Jahren“, schreiben die Wissenschaftler. Sie betonen zudem, dass die Studie nicht zwingend Ursache und Wirkung aufzeigt – aber die Resultate bestätigten ältere Studien, dass Schlaftabletten das Sterberisiko steigern.

Auch das Risiko an Krebs zu erkranken erhöht sich der Studie zufolge mit der Einnahme von Schlafmitteln: Bei denjenigen, die besonders häufig Pillen schluckten, steigerte sich die Gefahr einer Krebsdiagnose demnach um 35 Prozent.

„Obwohl die Autoren nicht beweisen konnten, dass Schlafmittel einen vorzeitigen Tod verursachen, haben ihre Analysen viele andere mögliche Gründe ausgeschlossen. Deshalb werfen diese Ergebnisse wichtige Bedenken und Fragen über die Sicherheit von Beruhigungsmitteln und Schlaftabletten auf“, schreibt die Chefredakteurin von „BMJ open“, Trish Groves, in ihrem Kommentar zu der Studie.

Quellen:

http://science.orf.at/stories/1695177/

http://bmjopen.bmj.com/content/2/1/e000850.full?sid=2d5fb123-d2db-4735-a64d-fc8f46ffed9f

Kommentar & Ergänzung:

Diese Studie lässt aufhorchen, doch wird sie in den meisten Medien verzerrt und mit voreiligen Schlussfolgerungen dargestellt.

Die Studienautoren betonen in ihrer Arbeit, dass sich aus den Resultaten  kein Beleg für einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Schlafmittelkonsum und Sterberisiko / Krebsrisiko ableiten lasse. Schon in einer Pressemeldung zur Studie heisst es aber:

„«Unsere Studie zeigt, dass Schlafmittel die Gesundheit gefährden und zum Tod führen können, indem sie zum Auftreten von Krebs, Herzerkrankungen und anderen Krankheiten beitragen», so Studienleiter Kripke in einer Pressemitteilung seines Instituts.“

(Quelle: Pharmazeutische Zeitung)

Mit diesem Zitat – sofern er es so gesagt hat – stellt Kripke genau den ursächlichen Zusammenhang her, den er anderen Ortes als nicht belegt darstellt.

Die meisten Medien setzten prompt Titel wie :“Schlaftabletten erhöhen Krebsrisiko“ (Spiegel online) oder „Früher Tod durch Schlafmittel“ (Süddeutsche) – und behaupten dadurch den ursächlichen Zusammenhang.

Einen solchen ursächlichen Zusammenhang kann diese Art von Studie aber gar nie zweifelsfrei belegen. Sie zeigt nur, dass Leute mit hohem Schlafmittelkonsum auch ein hohes Sterblichkeits- und Krebsrisiko haben. Es könnte aber beispielsweise einen oder mehrere bisher unbekannte Faktoren geben, die  das Sterblichkeits- und Krebsrisiko steigern und gleichzeitig mit hohem Schlafmittelkonsum verbunden sind.

In diesem Sinne differenziert dargestellt wurde die Studie im „Ärzteblatt“:

„Trotz der Vielzahl denkbarer Gründe ist die Studie nicht beweisend. Es könnte auch eine reverse Kausalität vorliegen, da Schlafstörungen ein Symptom vieler schwerer Erkrankungen sind. Auffällig an Kripkes Daten ist, dass die Anwender von Hypnotika deutlich häufiger an Asthma, Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfall oder koronarer Herzkrankheit, an chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen, Diabetes oder Herzinsuffizienz litten. Alle diese Erkrankungen gehen für sich genommen mit einem erhöhten Sterberisiko einher. Eine Kohortenstudie kann hier nicht zwischen Ursache und Wirkung unterscheiden.“

Das „Aerzteblatt“ weist auch auf einen möglichen Interessenskonflikt hin:

Daniel Kripke arbeitete am Scripps Clinic Sleep Center in La Jolla / Kalifornien. Dort wird bei Schlafstörungen eine kognitive Therapie angeboten, „…für die die jetzige Studie sicherlich Werbung machen soll.“

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/49298

Das „Aerzteblatt“ stellt aber auch fest, dass kein Zweifel daran besteht, „ …dass Hypnotika zu häufig eingesetzt werden.“

Dem kann ich mich nur anschliessen und ergänzen, dass oft auch Heilpflanzen-Präparate ein gute Option zur Linderung von Schlafstörungen sind. Ihre Wirkungsstärke reicht zwar in schweren Fällen häufig nicht aus, doch sind sie dafür ausgesprochen risikoarm (keine Abhängigkeitsgefahr, kein erhöhtes Sturzrisiko). Beispiele für gebräuchliche Heilpflanzen in diesem Bereich sind

– Baldriantinktur / Baldriantee / Baldrianextrakt

– Hopfen / Hopfenzapfen / Hopfenextrakt    (im Bier nicht wirksam)

– Melissentee oder Melissenöl,

– Lavendelblüten oder Lavendelöl

– Passionsblumenkraut / Passionsblumenextrakt

– Kamillentee

– Orangenblütentee

– Goldmelissentee

Diese Heilpflanzen sind in ihrer Wirkung unterschiedlich gut dokumentiert. Am besten belegt sind Kombinationspräparate Baldrian / Hopfen. Passionsblumen-Extrakte und ausserdem die ätherischen Öle Melissenöl und Lavendelöl.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Aspirin (ASS): Für die Primärprävention von Herzinfarkt mehr Risiko als Nutzen

Diesen Artikel teilen:

Während die Behandlung mit Acetylsalicylsäure (Aspirin, ASS) nach Herzinfarkt und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen als evidenzbasiert beurteilt wird, ist ihr Einsatz in der Primärprävention umstritten. Nach den Resultaten einer Meta-Analyse in den Archives of Internal Medicine (2012; doi: 10.1001/archinternmed.2011.628) überwiegen die Nachteile.

Die Forscher-Gruppe um Kausik Ray von der St. George’s Universität in London stützt ihre Meta-Analyse auf neun randomisierte klinische Studien mit jeweils mehr als 1000 teilnehmenden Personen. Sie litten weder an einer koronaren Herzkrankheit, noch war es bei ihnen zu einem Herzinfarkt gekommen, als sie im Durchschnittsalter von 57 Jahren im Rahmen einer Studie die Primärprävention mit ASS (oder einem Placebo) begannen. Das Ziel der Primärprävention war die Vermeidung kardiovaskulärer Ereignisse, die bei diesen relativ gesunden Probanden in der relativ kurzen Nachbeobachtungszeit von etwa 6 Jahren aber recht selten auftraten: Ray fand in 700.000 Personen-Jahren gerade einmal 2169 Herzinfarkte, davon 592 mit tödlichem Ausgang.

Darüber hinaus erreichte die Primärprävention mit Acetylsalicylsäure nur eine sehr bescheidene 10-prozentige Verringerung der Herz-Kreislauf-Ereignisse. Die Number Needed to Treat ist mit 120 Personen, die über sechs Jahre Acetylsalicylsäure nehmen müssen, um ein Ereignis zu vermeiden, recht hoch.

Da hauptsächlich nicht-tödliche Herzinfarkte vermieden werden, dürfte nach Ansicht der Autoren der Anstieg der „nicht-trivialen“ Blutungen durch ASS auf der Waagschale einer Leitlinien-Empfehlung das größere Gewicht haben. Diese Bilanz gilt wie erwähnt nur für die Primärprävention mit ASS. In der Sekundärprävention ist Acetylsalicylsäure nicht umstritten.

Quellen:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/48697/ASS-In-der-Primaerpraevention-ueberwiegen-die-Risiken

http://archinte.ama-assn.org/cgi/content/short/archinternmed.2011.628

Kommentar & Ergänzung:

Unter Primärprävention versteht man die vorbeugende Einnahme, ohne dass bereits eine Erkrankung – hier vor allem ein Herzinfarkt – eingetreten ist.

Sekundärprävention dagegen setzt erst ein, nachdem es beispielsweise zu einem Infarkt gekommen ist. Durch Sekundärprävention soll das erneute Auftreten eines solchen Ereignisses vermieden werden.

Es scheint zunehmend in Mode zu kommen, aus Angst vor einem Herzinfarkt Aspirin Cardio vorbeugend als Primärprävention einzunehmen.

Gut zu wissen daher, dass ein Nutzen hier fraglich ist.

Ebenfalls gut zu wissen ist aber, dass ein Einsatz in der Sekundärprävention Sinn machen kann.

Und übrigens: In der Phytotherapie ist vor allem die Weidenrinde bekannt als Heilpflanze, die ähnliche Wirkstoffe enthält wie Aspirin, vor allem das Salicin.

Allerdings: Salicin wirkt  gegen Schmerzen und Fieber, hemmt aber nicht die Thrombozytenaggregation. Weidenrinden-Extrakt eignet sich daher gegen leichte Schmerzen beispielsweise bei Arthrose, verbessert aber nicht die Blutfliesseigenschaften und ersetzt daher niemals Aspirin Cardio. Dem Weidenrinden-Extrakt fehlt folglich auch das Risiko von Blutungen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

„Granatapfel – Jungbrunnen und Sex-Booster“

Diesen Artikel teilen:

So betitelt die Bild-Zeitung eine Meldung, die Chancen hätte auf einen Preis für desinformativen Gesundheitsjournalismus. Nur schon die reisserischen Schlagworte „Jungbrunnen“ und „Sexbooster“ sind völlig überzogen. Es geht weiter mit:

„Granatapfel könnte Jugend-Elixir sein“

Dieser ganze Anti-Aging-Jargon ist total unglaubwürdig. Die Hoffnung, mit irgendwelchen Mittelchen das Altern aufhalten zu können, wird von der Anti-Aging-Industrie clever ausgenutzt.

Wie geht die Meldung weiter:

„Ein tägliches Glas Granatapfelsaft (Extrakt aus Kernen, Fruchtfleisch und Schale) kann laut einer aktuellen Studie den Alterungs-Prozess der DNA verlangsamen. Ein spanisches Forscher-Team um Dr. Sergio Streitenberger entdeckte den auffälligen Rückgang eines Markers (8-Oxo-DG), der mit der Zell-Alterung in Zusammenhang steht. Konkret: Durch eine stete Granatapfel-Zufuhr wird die Oxidation der DNA verlangsamt.“

Quelle:

http://www.bild.de/ratgeber/gesund-fit/medizin/medizin-ticker-granatapfel-haelt-jung-20952164.bild.html

Kommentar:

Granatapfel ist fraglos gesund. Es gibt eine ganze Reihe von interessanten Laborexperimenten und einige Patientenstudien. Die Pflanze wird aber meines Erachtens auch hochgeschrieben. So auch in dieser Meldung.

Der Rückgang eines Markers in einem Laborexperiment sagt noch nicht viel aus darüber, was genau im lebenden Organismus geschieht.

Ob und wo diese Studie publiziert wurde ist unklar. Und von Dr. Sergio Streitenberger findet man via Google vor allem Hinweise auf ein Patent zur Herstellung von Granatapfel-Extrakt. Der untersuchende Forscher hat also ein direktes Interesse an der Propagierung des Granatapfel-Extraktes, doch wird diese Interessenbindung im Text nicht offengelegt.

Und was soll der Granatapfel-Extrakt bringen:

„Die Folge: Hautalterung wird verlangsamt, ebenso wie die Alterung anderer Organe (Leber, Gehirn, Nieren). Das berichtet ‚The Times of India’. Bisher war bekannt, dass Granatapfel vor Herzinfarkten schützt, Stress reduziert und sogar das Sexual-Leben verbessern kann.“

Quelle:

http://www.bild.de/ratgeber/gesund-fit/medizin/medizin-ticker-granatapfel-haelt-jung-20952164.bild.html

Kommentar M.K.:

Hautalterung verlangsamt? – Wie wurde das gemessen?

Alterung von Leber, Gehirn, Nieren verlangsamt? Wie misst man das Alter der Leber, des Gehirns, der Nieren?

Meines Wissens gibt es keinerlei Belege dafür, dass Granatapfel vor Herzinfarkt schützt. Plausibel belegt ist eine antioxidative Wirkung. Klinischen Studien zufolge senkt Granatapfel LDL-Cholesterin, wirkt antiarteriosklerotisch und fördert die Durchblutung des Herzmuskels.

Wikipedia schreibt zu dieser Herz-Kreislauf-Wirkung:

„In einer doppelblinden, placebo-kontrollierten Studie an 45 Patienten mit koronarer Herzkrankheit erhöhte die tägliche Gabe von 240 ml des Saftes des Granatapfels die Herzmuskeldurchblutung signifikant. Positive Effekte zeichneten sich auch bei einer Studie mit Patienten mit verengter Halsschlagader ab: Nach einem Jahr Granatapfelverzehr verminderten sich die Ablagerungen an der Halsschlagader um 35 %, während sie in der Kontrollgruppe deutlich zunahmen.“

(Quelle: Wikipedia)

Zu anderen Bereichen schreibt Wikipedia:

„ Über 250 wissenschaftliche Studien zeigen, dass der Granatapfel eine positive Wirkung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Arthritis haben könnte. Allerdings sind die meisten Studien nur auf Versuche mit Zellkulturen oder Tieren beschränkt. Die Übertragbarkeit auf den Menschen bleibt deshalb bis jetzt oft fraglich und muss in entsprechenden Studien belegt werden. Bisher wurden sieben klinische Studien (zum Teil randomisierte Doppelblind-Studien) zur Wirkung des Granatapfelsafts veröffentlicht, und eine Phase-3-Studie mit 250 Patienten mit Prostatakrebs ist noch nicht abgeschlossen.

Die gesundheitsfördenden Wirkungen des Granatapfels sind auf die Antioxidantien zurückzuführen, vor allem die Polyphenole. Zu denen zählen Phenolcarbonsäuren (Ellagsäure, Gallussäure, Kaffeesäure, Chlorogensäure), Ellagitannine (z.B. Punicalagin) und Flavonoide (z.B. Catechin, Quercetin, Rutin, Kaempferol, Luteolin sowie sechs Anthocyane). Granatapfelprodukte weisen allerdings große Unterschiede in der Qualität und im Gehalt an wirksamen Polyphenolen auf. Dies betrifft nicht nur die Säfte (897 bis 4265 mg/l Polyphenole, Median 2288 mg/l nach Folin-Ciocalteu-Methode), sondern auch Granatapfel-Extrakte.

Granatapfelsaft verfügt über besonders viele Polyphenole und übertrifft sogar herausragende Antioxidantien wie Rotwein, Blaubeersaft und Cranberrysaft bei weitem. Er hat die 3-4 fache antioxidative Kraft von Rotwein oder Grüntee. Schon nach einwöchigem Verzehr von 250 ml Granatapfelsaft verbessert sich der antioxidative Schutz um 9 %, so das Ergebnis einer wissenschaftlichen Untersuchung. Und eine andere Studie ergab, dass der antioxidative Schutz im Blut nach einem Jahr Verzehr von täglich einem Glas Granatapfelsaft um 130 % steigt.

In einer In-Vitro-Studie konnte eine Schutzwirkung durch Granatapfelsaft vor Brustkrebszellen festgestellt werden. Sie hemmen die Bildung von körpereigenen Östrogenen und führen bei östrogenrezeptor-positiven Brustkrebszellen zu einer Wachstumshemmung von 80 Prozent – ohne das Wachstum der gesunden Zellen zu beeinträchtigen. Fermentierter Granatapfelsaft ist dabei doppelt so wirksam wie frischer Saft. Auch auf Leukämiezellen wirken die Polyphenole aus fermentiertem Granatapfelsaft: Die Zellen bilden sich entweder zu gesunden Zellen zurück (Redifferenzierung) oder werden in den programmierten Zelltod (Apoptose) getrieben. Außerdem verhindern die Polyphenole, dass sich neue Blutgefäße bilden (Neoangiogenese) – das erschwert die Ausbreitung des Tumors.

Auch gegen Prostatakrebs scheinen die Polyphenole aus fermentiertem Granatapfelsaft besonders wirkungsvoll zu sein, wie eine Reihe von präklinischen Studien zeigten. In einer Studie konnten Prostatakrebs-Patienten durch den täglichen Konsum von Granatapfelsaft (570 mg Polyphenole) ihren PSA-Wert, den zentralen Biomarker bei Prostatakrebs, viermal länger konstant halten als vor der Behandlung: In der sechsjährigen Nachbeobachtungsphase stieg die PSA-Verdopplungszeit von 15,4 auf 60 Monate. Nach diesem Erfolg wird die Studie nun ausgeweitet. In einer doppelblinden und randomisierten Studie wurde 104 Prostatakrebspatienten nach erfolgloser Primärtherapie (PSA-Rezidiv) Granatapfel-Extrakt verabreicht und der PSA-Verdopplungszeitraum beobachtet. Je langsamer der PSA-Wert (Prostataspezifisches Antigen, der wichtigste Tumor- und Verlaufsmarker bei Prostatakrebs) ansteigt, desto länger ist in der Regel die Lebenserwartung. In der Studie hatten die Teilnehmer im Schnitt einen Prostatakrebs von mittlerer Aggressivität mit Gleason-Score 7. Ergebnis der Studie: Durch die tägliche Aufnahme von Granatapfel-Extrakt über sechs Monate konnte der Verdopplungszeitraum des PSA-Wertes von 11,9 auf 18,5 Monate verlängert werden. Und bei 50 % der Teilnehmer konnte diese Zeitspanne im Vergleich zum Ausgangswert zu Beginn der Studie sogar verdoppelt werden. In einer Zellkultur-Studie aus dem Jahr 2008 konnte außerdem gezeigt werden, dass auch im Spätstadium des Prostatakrebses Granatapfelsaft noch einen positiven Effekt auf die Zellstruktur haben kann – die Übertragung der Ergebnisse auf den Krankheitsverlauf eines Menschen ist allerdings ohne weitere Untersuchungen nicht möglich. Ähnliche positive Effekte mit hormonunabhängigem Prostatakrebs traten in Tierstudien auf.“

(Quelle: Wikipedia)

Dazu ist allerdings festzuhalten: Viele dieser Wirkungen tönen eindrücklich. Doch es muss immer wieder betont werden, dass eine Wirkung an isolierten Zellen oder Geweben im Reagenzglas (In-vitro) oder im Tierversuch nicht einfach 1:1 auf den lebenden Organismus eines Patienten übertragen werden kann.

Auch die Angabe, dass Granatapfel den Stress reduziert, ist in der Phytotherapie-Fachliteratur nicht  belegt und es fragt sich auch hier, wie dieser Effekt festgestellt wurde. Und die in Aussicht gestellte Verbesserung des Sexual-Lebens ist so vage, dass wohl jeder und jede davon profitieren kann. Was heisst denn das genau? Was wird konkret verbessert? – Solche Wischiwaschi-Angaben sind nichts als Werbung.

Weitere Informationen zum Granatapfel:

Pflanzenheilkunde – Granatapfel

Granatapfel-Extrakt als natürlicher Wehenförderer?

Ellagsäure aus Granatapfel hemmt Brustkrebs im Labor

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Diesen Artikel teilen:

Weniger Arteriosklerose durch Sojaproteine

Diesen Artikel teilen:

Sojaproteine senken das Fortschreiten der Arteriosklerose bei postmenopausalen Frauen. Besonders bei den Frauen, die innerhalb von kurzer Zeit nach ihrer Menopause das Sojaprotein konsumierten, zeigte sich eine signifikante Reduktion der Arteriosklerose-Progressionsrate um 68 Prozent.

Diese Erkenntnisse gewannen Forscher um Howard Hodis von der USC Keck School of Medicine in Los Angeles. Sie veröffentlichten ihre Resultate in der Zeitschrift Stroke: Journal of the American Heart Association (doi: 10.1161/ STROKEAHA.111.620831).

Schon seit längerem gibt es Vermutungen, dass Stoffe, die an den Östrogenrezeptor binden, zum Beispiel Sojabohnen-Isoflavone oder selektive Östrogenrezeptormodulatoren, einen günstigen Effekt auf die koronare Herzkrankheit haben könnten.

Um diese These zu überprüfen, führten die Forscher eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie mit 350 postmenopausalen Frauen im Alter zwischen 45 bis 92 Jahren durch.

Die Studienteilnehmerinnen bekamen entweder 25 Gramm Sojaprotein pro Tag oder ein Placebo über einen Zeitraum von 2,7 Jahren. Keine der Studienteilnehmerinnen wies beim Start der Studie einen Diabetes mellitus oder eine kardiovaskuläre Erkrankung auf.

Die Forscher untersuchten die Compliance der Studienteilnehmerinnen mithilfe von Plasma- und Urin-Isoflavon-Messungen. Bei der Placebogruppe erreichte die Compliance 86,5 Prozent und bei der Sojabohnenprotein-Gruppe lag sie bei etwa 91 Prozent.

Die Progressionsrate der Karotis-Intima-Mediadicke war bei der Sojabohnenprotein-Gruppe etwa um 16 Prozent tiefer als bei der Placebogruppe. Bei den Frauen, bei denen nur etwa fünf Jahre seit der Menopause vergangen waren, war die Progressionsrate noch wesentlich tiefer. Insgesamt war die Progressionsrate der Karotis-Intima-Mediadicke in dieser Untergruppe um etwa 68 Prozent  vermindert.

Abschließend stellten die Forscher fest, dass auch die HDL-Konzentrationen, bei der Sojabohnenprotein-Gruppe signifikant angestiegen waren.

Quellen:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/47546/Weniger_Arteriosklerose_durch_Sojabohnen.htm

http://stroke.ahajournals.org/content/early/2011/09/08/STROKEAHA.111.620831.abstract

Kommentar & Ergänzung:

Über mögliche Wirkungen von Soja werden unzählige Studien durchgeführt. Oft handelt es sich dabei allerdings um epidemiologische Studien, bei denen eine Bevölkerungsgruppe mit hohem Sojakonsum mit einer Bevölkerungsgruppe mit tiefem oder fehlendem Sojakonsum verglichen wird bezüglich dem Auftreten gewisser Krankheiten. Kommt eine Krankheit bei Soja-Essern weniger häufig vor als bei Soja-Abstinenten, so schliesst man daraus, dass Soja einen gewissen Schutz bietet gegen diese Krankheit.

Das Problem bei dieser Art von Studie ist, dass damit ein Zusammenhang nur nahe gelegt, nie aber zweifelsfrei belegt werden kann. Es ist nämlich immer möglich, dass den Soja-Essern noch ein weiterer Faktor gemeinsam ist, welcher den Schutzeffekt bewirkt.

Im Gegensatz dazu ist die oben beschriebene Studie zum Thema Soja & Arteriosklerose eine Doppelblind-Studie, bei welcher eine Soja-Gruppe mit einer Placebo-Gruppe verglichen wurde. Diese Art von Studie ist in ihrer Aussagekraft stärker als die epidemiologischen Studien.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Diesen Artikel teilen:

Phytotherapie: Weissdorn-Präparate bei Herzinsuffizienz

Diesen Artikel teilen:

Die Österreichische Apothekerzeitung veröffentlichte vor kurzem einen informativen Text zum Thema „Weissdorn“.

Hier die interessantesten Zitate:

„Weißdornpräparate (Crataegus monogyna, C. laevigata)……werden bei nachlassender Leistungsfähigkeit des Herzens entsprechend den Stadien I und II nach NYHA (New York Heart Association) angewandt. Ergänzend ist der Einsatz bei funktionellen Herzbeschwerden, koronarer Herzkrankheit sowie Herzrhythmusstörungen tradiert.“

Damit sind die gegenwärtig in der Phytotherapie etablierten Anwendungsbereiche gut umrissen.

Zu den Inhaltsstoffen und Anwendungsformen:

„Als wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoffe gelten Flavonoide – wie z.B. Vitexin, Hyperosid und Rutin – und oligomere Procyanidine (OPC). Weißdornpräparate enthalten meist wässrig-alkoholische Auszüge bzw. Trockenextrakte der offizinellen Arzneidrogen.“

Typisch für Weissdorn ist, dass man nicht einen einzelnen entscheidenden Wirkstoff kennt. Man muss nach gegenwärtigem Wissensstand davon ausgehen, dass eine Kombination verschiedener Inhaltsstoffe für die Wirkung verantwortlich ist. Das ist offensichtlich auch bei vielen anderen Heilpflanzen so.

Und wie muss man sich die Wirkung des Weissdorns genauer vorstellen?

„Weißdorn zeigt eine positiv inotrope und dromotrope sowie eine negativ bathmotrope  Wirkung am Herzen. Die gesteigerte Kontraktilität wird durch einen erhöhten Ca2+-Influx und eine vermehrte Ca2+-Freisetzung in den Myokardzellen erreicht. Eine gefäßdilatierende Wirkung wird wahrscheinlich über K+-abhängige Ca2+-Kanäle mediiert. In vitro Untersuchungen der Crataegus-Hauptwirkstoffe zeigen auf molekularer Ebene eine Hemmung der c-AMP-Phosphodiesterase, des Angiotensin-converting-Enzyms (ACE), direkte und indirekte β-sympathomimetische Effekte, eine Beeinflussung der Thromboxan-(TXA2) und Prostacyclin(PGI2)-Synthese sowie antioxidative Eigenschaften. Eine Hemmung der Na+/K+-ATPase wird ebenfalls diskutiert, die aber im Vergleich zu Steroidglykosiden (z.B. in Digitalis) eine untergeordnete Rolle spielt.“

Vereinfacht zusammengefasst: Eine leichte Gefässerweiterung in den Herzkrankgefässen und damit eine Förderung der Durchblutung des Herzmuskels sowie eine leichte Steigerung der Herzkraft.

Was sagen die klinischen Studien?

„Ein Cochrane Review (Guo R, 2008) analysierte bis 2007 durchgeführte klinische Studien (10; 855 Patienten) zum Nutzen von Weißdorn zur Behandlung chronischer Herzinsuffizienz und beschreibt signifikante Vorteile im Rahmen der Symptomenkontrolle und bei mittels Ergometrie bestimmten Endpunkten. In den meisten Studien wurde Weißdorn als Adjuvans zur konventionellen Herzinsuffizienz-Therapie mit Diuretika, β-Blockern und ACE-Hemmern untersucht. Neben der oft kurzen Studiendauer und anderen methodischen Mängeln wird auch die Wahl klinisch nicht relevanter Endpunkte kritisiert. Eine 2008 publizierte Studie (Holubarsch CJF, 2008) zum Einfluss von Weißdornextrakt auf einen kombinierten Endpunkt aus kardial bedingtem Tod, Herzinfarkt oder Krankenhausaufnahme über 2 Jahre zeigte gegenüber Placebo keinen Vorteil.“

Bei aller Sympathie für den Weissdorn zeigt das auch seine Grenzen. Entscheidender als Verbesserungen der Beschwerden oder der Messwerte im Ergometer-Test wäre natürlich eine Reduzierung von Herztod und Herzinfarkt durch eine Weissdorn-Therapie. Solche Effekte konnten aber bisher nicht gezeigt werden.

Zu Nebenwirkungen und Wechselwirkungen (Interaktionen):

„Die Nebenwirkungsrate ist gering und Weißdornpräparate gelten generell als gut verträglich, mit Flush, gastrointestinalen Beschwerden, Herzklopfen, Verwirrtheit, Dyspnoe, Kopfschmerzen und Nasenbluten als häufigste Nebenwirkungen. Verdachtsfälle schwerwiegender Nebenwirkungen wie z.B. Angioödem oder Stevens-Johnson-Syndrom sind aber für Crataegusmonopräparate beschrieben (arznei-telegramm, 2010). In Kombination mit Plättchenaggregations-hemmenden Arzneistoffen besteht theoretisch ein erhöhtes Blutungsrisiko aufgrund einer möglichen Interaktion von Vitexin mit der TXA2-Biosynthese.  Digitalis-Effekte können durch die gleichzeitige Einnahme von Weißdornpräparaten theoretisch verstärkt (additive positiv inotrope Wirkung), aber auch reduziert werden (verringerte Digitalis-Bioverfügbarkeit durch intestinale p-Glykoproteininteraktion) (Micromedex, 2010).“

Quelle:

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2010/OAZ-2010-25.pdf

Österreichische Apothekerzeitung 25 / 2010-12-13

Autor:

Mag. pharm. Gunar Stemer

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin weit davon entfernt, Heilpflanzen generell als sanft und unschädlich zu bezeichnen. Was eine erwünschte Wirkung hat, kann auch unerwünschte Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben.

Weissdorn gilt aber wirklich als sehr verträgliche Heilpflanze, die auch für eine Langzeitanwendung geeignet ist.

Klar bleibt auch, dass eine Herzinsuffizienz in ärztliche Behandlung gehört.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

TCM-Heilpflanzen: Pool für Phytotherapie-Forschung

Diesen Artikel teilen:

Über 11 000 Arzneipflanzen werden in der Traditionellen Chinesischen Medizin angewendet. Auch europäische Hersteller von Phytopharmaka durchforschen den reichen chinesischen Arzneipflanzenschatz.

Die 2000 bis 3000 Jahre alten Methoden der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), zu deren Arzneischatz über 11 000 Heilpflanzen zählen, haben in China immer noch einen hohen Stellenwert. TCM müsse als kulturelles Erbe hochgehalten werden, betonte Professor De-an Guo vom Shanghai Research Center for TCM Modernization an einem Symposium auf Mallorca. Das Handicap: Es fehle meist an einem systematischen wissenschaftlichen Nachweis der Wirksamkeit und Sicherheit, sowie der Wirkweise der TCM-Arzneimittel. Inzwischen setze jedoch auch die chinesische Regierung auf Wissenschaft und Evidenz bei der Zulassung neuer Arzneimittel. Seit 2003 überwache die State Food and Drug Administration (SFDA) den Nahrungsmittel- und Medikamentenmarkt in China. Seither seien nur 20 TCM-Arzneimittel mit ganz neuen Wirkstoffen zugelassen worden, sagte Prof. Guo. Diese sehr geringe Zahl für einen Riesen-Markt wie China zeigt seiner Ansicht nach, wie strikt die Zulassungsbedingungen geworden sind.
Die seit Jahrhunderten in der TCM verwendeten Arzneipflanzen stellen eine reiche Ressource für die Forschung dar – und zwar über die TCM hinaus. Als Beispiel für einen wissenschaftlich gut untersuchten, auf einer TCM-Heilpflanze basierenden Wirkstoff sei Artemether erwähnt, ein Artemisinin-Derivat. Dieser Pflanzenstoff aus dem Einjährigen Beifuß (Artemisia annua) wird heute weltweit als Antimalaria-Mittel angewendet.
Ein weiteres Beispiel erwähnt wurde Dan Shen aus der getrockneten Wurzel des Chinesischen Salbei (Salvia miltiorrhiza). Dan Shen wird in der TCM etwa zur KHK-Therapie verwendet (Koronare Herzkrankheit). Prof. Guo selbst erforscht einen der Inhaltsstoffe von Dan Shen. In Phase-III-Studien soll sich die Substanz schon als vielversprechendes Krebsmittel erwiesen haben.
Aber nicht nur chinesische Forscher und Unternehmen haben den Pflanzenschatz der TCM unter der Lupe. Auch europäische Phytopharmaka-Unternehmen sind in China aktiv und durchforschen die Pflanzen. Ziel ist es, auf der Grundlage von TCM-Heilpflanzen moderne Phytopharmaka auch für den europäischen Markt herzustellen. Von der Arzneipflanze abgesehen hätten diese Hightech-Phytopharmaka nichts mehr mit TCM-Arzneien zu tun, vor allem da anders als bei TCM-Mitteln eine konstant hohe Qualität der Wirkstoff-Extrakte garantiert und die klinische Wirksamkeit überprüft sei.

Quelle: www.aerztezeitung.de

Kommentar & Ergänzung:

Keine Frage, dass unter den rund 11 000 Arzneipflanzen der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) noch manche interessanten Heilwirkungen zu entdecken sind. Tradition allein kann aber keine Bestätigung für Wirksamkeit sein, weil sie sich auch oft über Jahrhunderte geirrt hat. Das hat offenbar auch die chinesische Regierung erkannt. Auch gibt es immer wieder Zwischenfälle und Sicherheitsprobleme mit TCM-Heilpflanzen. So scheint es mir sehr begrüssenswert, wenn deren Wirksamkeit und Sicherheit systematisch überprüft wird. TCM-Heilpflanzen, welche diese Checks erfolgreich überstehen, werden früher oder später auch den Weg in die westliche Phytotherapie finden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen: