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Test zeigt grosse Unterschiede in der Qualität von Ernährungsberatung

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Ernährungsberatung ist sehr gefragt, doch die Qualität lässt nicht selten zu wünschen übrig.

Zu diesem Schluss kam ein Test des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) in Wien. Zwei Testpersonen überprüften 16 Wiener Anbieter.

Die Testpersonen wurden nur von drei Anbietern sehr gut beraten. Ihre Ernährungsempfehlungen entsprachen in beiden Szenarien dem Stand der Wissenschaft, berichtete der VKI.

Fünfmal beurteilten die Fachleute die Beratung mit „gut“, dreimal mit „weniger zufriedenstellend“ und fünfmal mit „nicht zufriedenstellend“.

Der VKI kritisiert, dass teilweise abstruse Ernährungsempfehlungen abgegeben wurden.

So meinten zum Beispiel einige Ernährungsberater, Obst und Gemüse solle besser nicht zu spät am Abend oder dann nur in geringen Mengen gegessen werden, da sonst Leberschäden drohen könnten. Dafür gibt es keinerlei wissenschaftliche Belege. Etliche Berater rieten zum Verzicht auf Weizen und Gluten. Gluten, ein Klebereiweiss in Getreide, sei als ‚eines der schlimmsten Lebensmittel überhaupt’ dargestellt worden und von Weizen wurde behauptet, dass er den Darm „verkleben und verschlacken“ soll. Außerdem erfuhren die staunenden Testerpersonen, dass „die meisten Menschen heute auf Weizen schlecht reagieren, da dieser so verändert ist“. Die Konsumentenschützer kritisieren, dass zuerst ärztlich abgeklärt werden müsse, ob überhaupt eine Unverträglichkeit gegenüber Gluten vorliege, bevor zum Verzicht auf Gluten geraten wird.

Auch die Bildung von „Schlacken“ im Körper war in einigen der getesteten Ernährungsberatungen ein Thema. Solche vermeintlichen Rückstände aus dem Stoffwechsel seien jedoch im Körper nicht nachweisbar. Kritik äusserte der VKI weiters an „nutzlosen Testverfahren“ wie Bioresonanz oder Autonome Regulations-Testung, die zum Feststellen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten vollkommen ungeeignet seien.

Quelle:

http://derstandard.at/2000063393576/Test-Wiener-Ernaehrungsberater-zwischen-sehr-gut-und-abstrus

https://www.konsument.at/ernaehrungsberatung092017

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Test fand zwar in Wien statt, doch dürfte das Ergebnis in der Schweiz sehr ähnlich aussehen. Ernährungsberater und Ernährungsberaterin sind keine geschützen Titel. So kann sich jede und jeder nennen. Dadurch müssen Patientinnen und Patienten mit sehr grossen Qualitätsunterschieden rechnen. Verschärft wird die Lage noch dadurch, dass Ernährung inwischen mehr und mehr zu einer Art von Religionsersatz und Heilsbringer geworden ist.

In der Schweiz gibt es den gesetzlich geschützten Titel „Ernährungsberaterin/Ernährungsberater SVDE“. Er garantiert für eine wissenschaftlich fundierte und praktisch erprobte ernährungsberaterische und ernährungstherapeutische Ausbildung. Mehr dazu auf der Website des

Schweizerischen Verbands der Ernährungsberater/innen SVDE

Zu zwei Stichworten in den Testkäufen noch ein paar Anmerkungen:

Schlacken: Die Kritik des KVI ist nachvollziehbar. Schlacken entstehen im Hochofen. Auf den menschlichen Organismus bezogen ist der Begriff höchst fragwürdig und wohl ein Phantasieprodukt. Ich hätte jedenfalls kein Vertrauen in BeraterInnen, TherapeutInnen oder VerkäuferInnen, die mir „Schlacken“ einreden wollen.

Siehe dazu:

Schlackenstoffe ein Phantom macht Karriere

Entgiften und entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

Gluten: Die Kritik des KVI ist sehr zu unterstreichen. Wer an Zöliakie leidet, muss Gluten meiden. Solche Personen leiden an einer Überempfindlichkeit gegenüber Gluten (Klebereiweiss), die zum Teil erblich bedingt ist, lebenslang bestehen bleibt und zur Zeit nicht ursächlich behandelt werden kann. Kontakt mit Gluten führt bei Zöliakie zu einer chronischen Entzündung der Dünndarmschleimhaut. Weizen ist ein wichtiger Lieferant von Gluten, das aber auch in Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel und Grünkern nachgewiesen wurde. Die Häufigkeitsangaben für Zöliakie schwanken von Land zu Land beträchtlich. Es handelt sich aber um eine sehr seltene Erkrankung – etwa ein Prozent der Bevölkerung dürfte grosszügig gerechnet sein – und es ist unsinnig, wenn Menschen, die nicht an Zöliakie leiden, auf glutenfreie Nahrung umstellen. Das ist nämlich nicht nur erheblich teuerer, sondern möglicherweise für Gesunde auch ungesünder. „Glutenfrei“ ist inzwischen zu einer Art Lifestyle geworden und ein Milliardenmarkt.

Es gebe aktuell keine Hinweise, dass eine glutenfreie Ernährung einen gesundheitsfördernden Effekt hat“, sagt Daniel C. Baumgart, Oberarzt am Zentrum für Innere Medizin an der Charité in Berlin: „Wenn man keine Zöliakie hat, gibt es keinen Grund für diese nicht ganz einfach einzuhaltende Diät.“ Auch Maria Boumezrag von der Deutschen Zöliakigesellschaft (DZG) sieht das so: „Eine glutenfreie Ernährung braucht ein normaler Mensch nicht. Das wirkt sich weder positiv noch negativ aus – es ist einfach unnötig.“

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/ernaehrung-in-der-glutenfrei-falle-1.2678505

Trotzdem lebt zum Beispiel jeder zehnte US-Haushalt glutenfrei und jeder vierte Amerikaner glaubt, dass Ernährung ohne Gluten für jedermann gesund sei.

Eine US-Studie, die im „British Medical Journal“ veröffentlicht wurde (http://www.bmj.com/content/357/bmj.j1892) hat jedoch gezeigt, dass eine glutenfreie Kost für die Herzgesundheit keine Vorteile bringt. Möglicherweise wirkt das Weglassen von Gluten sogar ungünstig, weil viele Menschen mit dem Gluten zugleich auch ihren Vollkornkonsum reduzieren, der das Herz zu schützen scheint. Ballaststoffe aus Vollkorn sind zudem wichtig für die Darmflora, regulieren die Darmtätigkeit und lassen den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen.

Siehe auch:

Fragwürdiger Hype um Nahrungsmittel-Unverträglichkeit

Nicht gerade einfach ist im Bereich der Ernährungsberatung, dass die Empfehlungen im Laufe der Zeit immer wieder einmal ändern. Das führt nicht selten zu Verwirrung, ist aber auch ein Stück weit charakteristisch für die Wissenschaft. Sie stellt die eigenen Erkenntnisse immer wieder kritisch auf den Prüfstand und nutzt damit die Chance, Irrtümmer aufzudecken. Nur dogmatische Lehren verkünden ewige Wahrheiten.

Erschwerend kommt für die Ernährungsberatung allerdings noch hinzu, dass die Ernährungswissenschaft oft nicht gerade eindeutige Ergebnisse liefert. Das liegt auch daran, dass es nicht einfach ist, qualitativ hochstehende und aussagekräftige Ernährungsstudien durchzuführen.

Siehe dazu:

Ernährungswissenschaft: Fragwürdige Studien stiften mehr Verwirrung als Nutzen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

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Kieselsäure / Kieselerde zur Stärkung von Nägeln, Haaren und Knochen?

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Silizium-Präparate wie Kieselerde sollen die Knochen stärken, Nägel und Haare festigen und die Haut elastischer machen.

Bei brüchigen Nägeln zum Beispiel wird häufig Kieselerde empfohlen.

Kieselerde ist ein unscharf verwendeter Begriff, der Mineralien und Sedimente mit hohem Gehalt an natürlichen Siliziumverbindungen umfasst.

Nach Angaben im Internet wird Kieselerde zum Aufbau von Zähnen, Knochen, Gewebe und für alle schnellwachsenden Körperzellen benötigt, zum Beispiel für schöne Haut, gesunde Haare oder stabile Nägel. Kieselerde beuge einem Kieselsäuremangel vor und schütze vor Osteoporose, heisst es.

Vor vielen Jahren als Drogist habe ich immer wieder Kieselsäure-Präparate verkauft. Später versuchte ich herauszufinden, ob ein Kieselsäuremangel tatsächlich existiert und ob die versprochenen positiven Wirkungen dieser Produkte auf Nägel, Haut, Haare und Knochen auch real sind.

Das Ergebnis war ernüchternd. Plausible Belege fand ich keine.

Es war und ist bis heute nicht einmal klar, ob unser Organismus Silizium überhaupt benötigt.

Vor kurzem nun hat sich die österreichische Plattform „Medizin transparent“ mit der Frage befasst, ob die Einnahme von Silizium-Verbindungen gesundheitliche Vorteile bringe.

Auch „Medizin transparent“ kommt zum Schluss: Antwort unklar.

Ein Nachweis, dass Silizium-Verbindungen die Gesundheit fördern können, fehle bisher. Zudem sei unklar, ob Silizium als Spurenelement im Körper überhaupt eine biologische Rolle spiele.

Ein Siliziummangel sei in der medizinischen Fachliteratur nicht bekannt. Möglicherweise sei Silizium für den Körper sogar nutzlos. Folgerichtig gebe es auch keine Empfehlungen für eine tägliche Mindestmenge.

Es sei zwar richtig, dass größere Mengen des Elements besonders in Haaren, Nägeln und der Haut zu finden seien. Im Körper eines Erwachsenen finden sich insgesamt ein bis zwei Gramm Silizium. Das sei jedoch kein Beweis dafür, dass Silizium ein für die Gesundheit essentielles Spurenelement ist.

Möglicherweise habe die Forschung die biologische Aufgabe von Silizium bloß noch nicht entdeckt. Genauso denkbar sei jedoch, dass sich das Element nur zufällig im Körper ansammelt. Schließlich nehme der Mensch mit der Nahrung täglich zwischen zehn und 25 Milligramm pro Tag zu sich – auch ohne auf Nahrungsergänzungsmittel zurückzugreifen.

Der Grund liege darin, dass wasserlösliche Siliziumverbindungen in unserer Nahrung relativ verbreitet seien. Sie kommen in Wasser genauso vor wie in Getreide, vielen Früchten und Gemüsesorten. Einen relativ großen Anteil an gelöstem Silizium habe übrigens Bier.

Ein wissenschaftlicher Nachweis für gesundheitliche Vorteile von Silizium-Verbindungen existiere nicht, schreibt „Medizin transparent“:

„Beispielsweise finden sich zur möglichen Wirkung von Silizium auf die Knochen lediglich zwei klinische Studien. Beide sind von so geringer Aussagekraft, dass nach wie vor unklar bleibt, ob lösliche Siliziumverbindungen überhaupt eine Auswirkung auf die Knochendichte haben.“

Ebenfalls unbelegt sei die Behauptung, Silizium könne die Haarstruktur verbessern, die Haut verjüngen oder die Brüchigkeit von Fingernägeln vermindern. Zwei Studien dazu seien von zu geringer Qualität, um diese Behauptungen zu bestätigen.

Es kursieren auch Versprechungen, dass Siliziumverbindungen die Fähigkeit haben, Alzheimer vorzubeugen oder zu bessern. Sie sollen Aluminium-Ablagerungen im Gehirn verhindern können, die angeblich die Ursache für die Demenzerkrankung sind. Die Verlässlichkeit der einzigen bisher dazu durchgeführten Studie ist sei aber zu gering, um diese Theorie zu stützen, schreibt das Team von „Medizin transparent“. Allerdings könne die momentane Studienlage nicht einmal bestätigen, dass Aluminium überhaupt an der Entstehung von Alzheimer beteiligt ist.

Auch Behauptungen, denen zufolge Silizium die Herzgesundheit fördern soll, den Magen vor zu viel Magensäure schützt oder die Bildung von Kollagen und Bindegewebe unterstützt, bleiben unbelegt.

Quelle: http://www.medizin-transparent.at/silizium

(dort weitere Informationen und die Studien im Detail)

Kommentar & Ergänzung:

Kieselerde besteht in der Regel aus Schalen abgestorbener Kieselalgen, die v.a. aus Siliziumdioxid bestehen. Als reines chemisches Element kommt Silizium kaum vor, in Form chemischer Verbindungen ist es auf der Erde aber weitverbreitet.

Die Recherche von „Medizin transparent“ zum Stand des Wissens bezüglich Kieselerde kommt zu harten Schlüssen. Es gibt keine gesicherten Erkenntnisse über einen gesundheitlichen Nutzen von Kieselerde. Gemessen an den grossen Versprechungen, mit denen diese Produkte vermarktet werden, ist das niederschmetternd.

Und es gibt sogar Hinweise darauf, dass die Langzeiteinnahme von Kieselerde für  die Nieren schädlich sein könnte:

„Schon vor mehr als zehn Jahren beurteilte eine Kommission des damaligen Bundesgesundheitsamtes Kieselsäure (bzw. Siliziumdioxid) negativ: ‚Aufgrund des fehlenden klinischen Erkenntnismaterials, insbesondere zu Dosierung und Dauer der Anwendung, kann Siliciumdioxyd zur Therapie für die beanspruchten Anwendungsgebiete nicht empfohlen werden.'(2) Gleichzeitig warnte die Kommission vor einer möglichen Nierenschädigung, wenn Kieselerde langfristig und hoch dosiert eingenommen wird: ‚In Einzelfällen (ist) die Bildung von siliciumhaltigen Nierensteinen möglich‘.(2)

(2) Aufbereitungsmonographie Siliciumdioxyd: Pharmaz. Ztg. 1994; 139: 482“

Quelle: http://gutepillen-schlechtepillen.de/actilife-kieselerde-und-radioaktivitaet/

 

Siehe auch:

Bier – eine gute Quelle für Kieselsäure

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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www.phytotherapie-seminare.ch

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Leinsamen als Blutdrucksenker?

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Eine Ernährung reich an Leinsamen soll gemäss einer Studie den Blutdruck senken.

Leinsamen enthält einen hohen Anteil an gesunden Omega-3-Fettsäuren, vor allem Alpha-Linolensäure, sowie Ballaststoffe und Lignane, die eine potente Kombination zur Erhaltung der Herzgesundheit sein könnten. Hauptsächlich für Patienten mit hohem Blutdruck (Hypertonie) und Arteriosklerose – eine Kombination, die oft schwerwiegende Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall auslöst, könnten von der gefäßerweiternden Wirkung einer gesunden Ernährung mit Leinsamen Vorteile erlangen.

Forscher untersuchten nun im Rahmen einer Doppelblindstudie (FLAX-PAD-Studie), ob der tägliche Konsum von 30 g geschrotetem Leinsamen über einen Zeitraum von sechs Monaten den Blutdruck von Arteriosklerose-Patienten reduzieren kann. Gut die Hälfte der 110 Testpersonen verzehrte täglich Nahrungsmittel, die jeweils 30 g Leinsamen enthielten. Der Ernährungsplan enthielt unter anderem Bagels, Muffins, Riegel, Brötchen, Pasta und Biskuits. Die andere Hälfte der Probanden nahm die gleichen Nahrungsmittel zu sich, die aber kein Leinsamen, sondern geschroteten Weizen enthielten. Im Verlauf der Studie wurden die Probanden angehalten, wegen einer möglichen Verzerrung des Resultate nicht mehr als zwei Fischmahlzeiten pro Woche zu sich zu nehmen. Die Befolgung dieser Vorgabe durch die Testpersonen wurde regelmäßig durch die Untersuchung des Blutplasmas auf Docosahexaensäure, einer mehrfach ungesättigten Fettsäure, überprüft.

Nach sechs Monaten zeigten die Messungen, dass der obere (systolische) Blutdruck in der Leinsamen-Gruppe im Mittel signifikant von 143 auf 136 mm Hg vermindert war, während die Werte sich in der Placebo-Gruppe sogar leicht erhöht hatten (von 142 auf 146 mm Hg). Auch hinsichtlich des unteren (diastolischen) Blutdrucks profitierten die Probanden in der Interventionsgruppe vom täglichen Konsum Leinsamen-haltiger Lebensmittel (Reduktion um rund 10 %). Bei den Probanden der Placebo-Gruppe veränderten sich diese Werte so gut wie nicht.

Der Studienleiter Dr. Rodriguez schlussfolgert, dass durch die Anreicherung des täglichen Lebensmittelverzehrs mit 30 g Leinsamen die Hälfte der Schlaganfälle und ein Drittel der Herzinfarkte vermeidbar wären.

Verantwortlich für die blutdrucksenkende Wirkung des Leinsamens machen die Forscher das synergistische Zusammenspiel der Wirkkomponenten Alpha-Linolensäure, Enterolignan, Ballaststoffe und Peptide. Den genauen Wirkmechanismus, die langfristigen Effekte und Vorteile einer mit Leinsamen angereicherten Ernährung für die Herzgesundheit müssen allerdings in weiteren Studien noch genauer untersucht werden.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/blutdrucksenker-leinsamen.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24126178

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21616170

Kommentar & Ergänzung:

Einen „ausgewachsenen“ Bluthochdruck wird man mit einer Leinsamen-Supplementation kaum unter Kontrolle bringen und Blutdrucksenker nicht vermeiden können. Nicht auszuschliessen wäre aber, dass sich über längere Zeit eingenommen damit eine Blutdrucksenkung erzielen lässt, die eine Reduktion der Medikamente möglich macht.

Auch bei einer grenzwertigen Hypertonie könnte eine Leinsamen-Zulage sinnvoll sein.

Wenn der Studienleiter schlussfolgert, mit 30 g Leinsamen pro Tag könnten ein Drittel der Herzinfarkte und die Hälfte aller Schlaganfälle vermieden werden, dann scheint mir das sehr optimistisch und es wäre wohl eine Nobelpreis-würdige Entdeckung, wenn es wirklich so wäre.

Schlussfolgern ist hier einfach, belegen schwierig.

Einen (Blutdruck-)Messwert zu verändern mag ja schön und gut sein. Entscheidender wäre aber der Zielpunkt, dass weniger Todesfälle durch Herzinfarkt und Schlaganfall auftreten. Um so etwas zu belegen, müsste die Studie aber wohl deutlich länger andauern und mit einer deutlich grösseren Probandenzahl durchgeführt werden.

P. S. Wenn Sie die positiven Wirkungen von Leinsamen auf den Blutdruck nutzen möchten, müssen Sie – wie in der Studie – geschrotete Leinsamen verwenden. Aus ganzen Leinsamen werden keine Omega-3-Fettsäuren in den Organismus aufgenommen.

Aus geschroteten Leinsamen werden zudem Phytoöstrogene aus der Gruppe der Lignane aufgenommen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Energydrinks: Harmlos oder riskant?

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Koffeinhaltige Energydrinks können die Herzgesundheit gefährden, exzessiver Konsum könne sogar zum Tod führen. Diese Meldung ging vor kurzem durch die Medien. Siehe dazu auch:

Energydrinks verstärken Kontraktionen der linken Herzkammer

Die Studienlage dazu ist allerdings nicht so eindeutig.

Die gesundheitlichen Auswirkungen der Energydrinks seien kaum erforscht, schreibt das Portal Medizin-Transparent. Für eine fundierte Einschätzung des Herzrisikos durch Energydrinks müssten größere Studien über einen längeren Zeitraum durchgeführt werden.

Wie riskant sind Energydrinks wirklich?

Der Herztod eines 14-jährigen US-amerikanischen Mädchens vor einem Jahr geriet weltweit in die Schlagzeilen. Schuld an der Tragödie sollen koffeinbedingte Herzrhythmusstörungen durch Energydrinks gewesen sein, die das Mädchen tags zuvor konsumiert hatte. Die Amerikanerin hatte allerdings am Ehlers Danlos Syndrom gelitten, einer seltenen Erkrankung, die das Herz beeinträchtigen kann.

Eine kürzlich publizierte Studie scheint weiter an der Unbedenklichkeit von Energydrinks zu rütteln. Demzufolge können die koffeinhaltigen Modegetränke den Herzschlag beeinflussen. So stellten Wissenschaftler bei 18 Versuchspersonen eine Stunde nach dem Konsum eines Energydrinks mit Koffein und Taurin fest, dass die Kontraktionen des Herzens stärker geworden waren. Das sei allerdings eine bekannte Wirkung von Koffein – schreiben die Autoren auf Medizin-Transparent – und sie weisen darauf hin, dass die Wissenschaftler keine nähere Informationen zu ihrer Untersuchung geben und nur eine Kurzzusammenfassung geben. Ob der veränderte Herzschlag jedoch gesundheitliche Auswirkungen hat, bleibe unklar.

Eine Zusammenfassung bisheriger Studienresultate lieferte ein widersprüchliches Bild, aber wenig konkrete Erkenntnisse. So könnten Energydrinks möglicherweise Herzschlagfrequenz und Blutdruck kurzfristig steigern, dies sei jedoch nicht in allen Studien der Fall. Zudem überprüften die meisten Untersuchungen Herzschlagfrequenz, Blutdruck und bestimmte Blutwerte höchstens drei Stunden nach Konsum eines einzigen Energy-Getränks.

Auswirkungen über einen längeren Zeitraum untersuchte nur ein Forscherteam:

Als Probanden dienten 38 Männer, die täglich vor sportlichem Training zehn Wochen lang Energydrinks tranken. Auch zehn Wochen seien allerdings zu kurz, um langfristige Auswirkungen auf die Herzgesundheit beurteilen zu können, schreibt Medizin-Transparent. Zudem sei die Anzahl der Teilnehmer zu klein, um zu aussagekräftigen Resultaten kommen zu können.

Was neben Studien noch bleibe, seien Fallberichte wie die der verstorbenen 14-jährigen US-Amerikanerin. Solche Fallberichte bis zum Jahr 2008 habe etwa das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) oder eine US-amerikanische Forschergruppe um Kevin Clauson zusammengetragen. Gemäss einer schwedischen Untersuchung von Krankenhausaufzeichnungen seien in drei Fällen junge Personen plötzlich verstorben, die zuvor Energydrinks, teilweise in Kombination mit Alkohol, getrunken hatten. Dass die Energydrinks den Tod verursacht hatten, sei allerdings nicht gesichert. Aus solchen Fallberichten lassen sich keine sicheren Schlussfolgerungen ziehen.

Koffein nur in Maßen genossen unbedenklich

Für die meisten Erwachsenen scheinen Dosierungen bis zu 400 Milligramm (mg) Koffein pro Tag unbedenklich, was je nach Stärke etwa zwei bis vier Tassen Kaffee entspricht. In der EU zugelassene Energydrinks dürfen nicht mehr als 80 Milligramm Koffein pro Viertelliter beinhalten. Für Jugendliche und Kinder wissen Fachleute aber nicht, wie groß die noch unbedenkliche Tagesdosis ist – sehr wahrscheinlich liegt sie jedoch deutlich tiefer.

In Maßen konsumiert scheint Koffein nicht schädlich für die Herzgesundheit zu sein. So existieren keine Hinweise darauf, dass Koffein in moderaten Dosen Herzrhythmusstörungen oder Vorhofflimmern verursachen kann. Auch den Blutdruck scheint gemäßigter, regelmäßiger Koffeinkonsum langfristig nicht oder höchstens geringfügig zu steigern. Das Risiko, an Herzerkrankungen zu sterben, dürfte dadurch vergrössert werden.

Koffein in grossen Mengen kann aber sehr wohl gesundheitliche Folgen haben und zum Beispiel Herzrasen, Zittern, Erregungszustände sowie Verdauungsprobleme auslösen. Hauptsächlich bei Menschen mit Herzerkrankungen könnten größere Koffeindosen Herzrhythmusstörungen oder andere Herzprobleme hervorrufen. Bei Epilepsie-Patienten könnte Koffein auch epileptische Anfälle mitauslösen.

Unbekannte Wechselwirkung mit anderen Inhaltsstoffen

Neben Koffein und Zucker sind in zahlreichen Energydrinks noch andere Inhaltsstoffe mit angeblich belebender Wirkung enthalten, darunter beispielsweise Taurin und Glucuronolacton. Inwieweit diese Stoffe die Wirkung von Koffein oder unerwünschte Nebenwirkungen steigern könnte, ist nur unzulänglich erforscht.

Taurin ist ein bedeutender Grundstoff für zahlreiche Stoffwechselprozesse, den der Körper im Normalfall selbst produzieren kann. Taurin und Glucuronolacton kommen als natürliche Bestandteile in Lebensmitteln vor, allerdings in weit geringeren Konzentrationen. In einer Beurteilung aus dem Jahr 2009 geht die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA von der Unbedenklichkeit von Taurin und Glucuronolacton als Zusätze in Energydrinks aus. Diese Einschätzung gründet auf Toxizitätsuntersuchungen an Ratten und Mäusen. Eine Sicherheitsbewertung von Energydrinks insgesamt durch die EFSA steht jedoch noch aus.

Eine europaweite Befragung zum Konsumverhalten zeigt, dass mehr als die Hälfte der Erwachsenen und Jugendlichen Energydrinks gemeinsam mit Alkohol konsumiert.  Allfällige Wechselwirkungen zwischen Alkohol und Koffein oder anderen Energydrink-Inhaltsstoffen sind jedoch ebenfalls unzureichend untersucht.

Das deutsche BfR rät jedenfalls zur Vorsicht, bis weitere Untersuchungsresultate am Menschen erschienen sind.

Quelle:

http://www.medizin-transparent.at/energydrinks-gefaehrlich-oder-harmlos

Kommentar & Ergänzung:

Wie üblich bei Medizin-Transparent eine differenzierte, fundierte, und trotzdem verständlich formulierte Darstellung einer komplexen Datenlage.

Das zeigt wieder einmal, wie viele Fragen im Bereich der Gesundheitsthemen noch offen sind und wie vereinfacht und einseitig sie in den Medien oft dargestellt werden.

Für Konsumentinnen und Konsumenten ist es allerdings eine grosse Herausforderung, mit so vielen offenen Fragen umzugehen.

Darum sind wir doch so empfänglich für einfache „Weltbeschreibungen“ verschiedenster Gattung.

(P.S:  „Komplexitätskompetenz“ – das heisst die Fähigkeit, mit komplexen, widersprüchlichen Situationen und offenen Fragen umzugehen, ist etwas, das ich in meinen Phytotherapie-Lehrgängen und Heilpflanzen-Seminaren zu vermitteln versuche).

Nun aber nochmals zum Energydrink:

Man soll meines Erachtens die Risiken nicht übertreiben, aber auch die täglich konsumierte Menge nicht.

Energydrinks – die ich selber nicht konsumiere – scheinen mit jedoch ziemlich wertlos. Falls zuckerhaltig eine Kalorienbombe – und weil der Zucker zack-zack ins Blut geht, jagen sie den Blutzuckerspiegel unsinnig in die Höhe.

Und wenn schon Koffein, dann sinnvoller in Form von Kaffee, Grüntee oder Schwarztee, die noch eine Reihe von gesunden Begleitstoffen mit sich führen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Apfel-Flavonoide fördern Herzgesundheit

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Wissenschaftler der University of Western Australia und dem australischen Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung sind dem alten britischen Sprichwort „An apple a day keeps the doctor away“ auf den Grund gegangen und haben eine aufschlussreiche Studie durchgeführt.

Im Rahmen einer dreijährigen Studie konnte das Wissenschaftlerteam zeigen, dass Äpfel mit einem hohen Gehalt an antioxidativ wirksamen Flavonoiden zu einem gesunden Herzen beitragen können. Die Untersuchungsresultate belegen, dass Äpfel die Gesundheit eines Menschen nachweislich verbessern können. Die Untersuchung wurde vom Ministerium für Landwirtschaft und Ernährung und dem australischen Forschungsrat finanziert und schafft die Grundlage für die Entwicklung neuer Apfelsorten, die gesundheitliche Vorteile bieten sollen.

Die Wissenschaftler testeten die Wirkung von Äpfeln mit einem hohen Flavonoidgehalt an 30 gesunden Männern und Frauen. Die Testpersonen konsumierten eine Woche lang flavonoidreiche Äpfel oder Äpfel, die arm an Flavonoiden waren. Im Abstand von mindestens einer Woche wurde gewechselt, so dass alle Probanden letztlich Äpfel mit und ohne Flavonoide zu sich genommen hatten. Dabei konnten die Forscher zeigen, dass der Verzehr von Äpfeln mit einem hohen Flavonoidgehalt zu einer Verbesserung der Endothelfunktion und einer Entspannung der Blutgefäße führte und den Blutspiegel des Botenstoffs Stickstoffmonoxid steigerte.

Die Wissenschaftler untersuchten 25 neu entwickelte und sieben im Handel schon erhältliche Apfelsorten auf ihren Gehalt an Flavonoiden. Den höchsten Gehalt fanden die Forscher bei der beliebten Apfelsorte Pink Lady. Die Flavonoide konzentrieren sich hauptsächlich in der Schale.

Quellen:

Hodgson, J.M., et al.: Free Radical Biology and Medicine 2011, Online doi:10.1016/j.freeradbiomed.2011.09.028.

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/spektrum/news/2011/10/26/aepfel-foerdern-die-gesundheit.html

Kommentar & Ergänzung:

Mich freut es immer, wenn ein einfach erhältliches, billiges Mittel sich als gesund erweist und damit auch sein Konsum propagiert wird, und nicht irgendein exotisches, teures Nahrungsergänzungsmittel mit fragwürdigem Effekt.

Äpfel statt Burgerstein wäre für mich kein schlechtes Motto.

Zur besprochenen Studie sind aber noch einige Fragen offen:

Interessieren würde mich, wie viele Äpfel die Probanden pro Tag konsumierten und ob es eine auf die Länge realisierbare Menge ist.

Einwenden könnte man auch, dass die Veränderung von Messwerten (z. B. Stickstoffmonoxid im Blut) noch nichts darüber aussagt, ob durch den Apfelkonsum die Häufigkeit von Herzkrankheiten verringert und/oder die Lebensdauer verlängert wird. Das wären relevantere Faktoren als veränderte Messwerte.

Und nicht vergessen: Am meisten Flavonoide hat’s in den Apfelschalen.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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