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Interessantes zum Nocebo-Effekt

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Kennen Sie den Nocebo-Effekt?

Damit sind unerwünschte Nebenwirkungen gemeint, die aufgrund einer negativen Erwartungshaltung (z. B. Befürchtungen) entstehen.

Der Nocebo-Effekt ist quasi der böse Bruder des Placebo-Effekts (= erwünschte Wirkungen durch eine Erwartungshaltung).

Alles, was beim Patienten den Eindruck erweckt, medizinisch behandelt zu werden, kann Placebo- und Noceboeffekte auslösen: ein Gespräch, Handauflegen, mit Nadeln stechen, eine Spritze, eine Tablette, ein Wickel, ein Kräutertee…einfach alles, was im Auge des Patienten nach Therapie aussieht.

Während die Placebo-Wirkung zunehmend erforscht und in den Medien thematisiert wird, ist dies beim Nocebo-Effekt weniger der Fall.

Das ist schade, denn genauso wie der Placebo-Effekt ist auch der Nocebo-Effekt faszinierend und zugleich sehr bedeutsam in verschiedener Hinsicht.

Eindrücklich beobachten lässt sich der Nocebo-Effekt In randomisiert-kontrollierten Studien.

In solchen Studien bekommt eine Patientengruppe das zu testende Medikament verabreicht und eine andere Patientengruppe zur Kontrolle ein Scheinmedikament. Welcher Gruppe sie zugeteilt werden, wissen die Probanden dabei nicht. Noceboeffekte sind nun jene Nebenwirkungen, die sich in der Patientengruppe mit dem Scheinmedikament zeigen. Obwohl diese Patienten also gar keinen Wirkstoff bekommen, können die Nebenwirkungen heftig und häufig sein; so heftig, dass Teilnehmer aus diesem Grund die Studie beenden müssen: Zwischen sechs und zwölf Prozent der Probanden in der Placebogruppe leiden an so starken Nebenwirkungen, dass sie die Studie vorzeitig abbrechen. Der Noceboeffekt kann also massive gesundheitliche Einschränkungen bewirken. Gemäss einer Meta-Analyse leiden rund die Hälfte aller Studienteilnehmer in der Placebogruppe Nebenwirkungen, der Wert schwankt jedoch stark in den einzelnen Studien

Interessant ist daran vor allem, dass die Nebenwirkungen der Scheinbehandlung zu den Nebenwirkungen des jeweils getesteten Medikaments passen, also sehr spezifisch sind.

Der Grund dafür liegt darin, dass alle Teilnehmer einer Studie vor Studienbeginn die gleiche Aufklärung bekommen, egal ob sie anschliessen per Zufallentscheid der Vergleichsgruppe (Placebogruppe) mit dem Scheinmedikament oder der Gruppe mit dem richtigen Medikament zugeteilt werden. Zur notwendigen Aufklärung zählen auch die Informationen über mögliche Nebenwirkungen. Die Probanden wissen also, welche Nebenwirkungen sie zu erwarten haben – und genau diese treten dann bei einigen der Placebogruppen-Teilnehmer auch auf. Die Erwartungshaltung bewirkt diese Nebenwirkungen.

Quelle und weitere Infos zum Nocebo-Effekt:

http://www.medizin-transparent.at/nocebo-wenn-nichts-schadet

Kommentar & Ergänzung:

Nocebo-Effekte sind allgegenwärtig und sehr bedeutsam.

Beispiele:

1. Nebenwirkungslisten in Beipackzetteln von Medikamenten

Ellenlange Nebenwirkungslisten in Beipackzetteln von Medikamenten dürften wohl dazu beitragen, dass aufgeführte Nebenwirkungen tatsächlich vermehrt auftreten. Patientinnen und Patienten müssen selbstverständlich über mögliche Nebenwirkungen informiert sein. Wenn aber viele auch sehr selten auftretende Nebenwirkungen aufgeführt werden, nährt dies Befürchtungen, die zu negativen Erwartungshaltungen und damit zu Nocebo-Effekten führen können.

2. Nocebo-Effekte beim Thema „Amalgam“

Nocebo-Effekte spielen auch eine wichtige gesundheitliche Rolle ausserhalb von medizinischen Therapieverfahren, beispielsweise beim Stichwort „Amalgam“.

Siehe dazu auch:

Forschungsprojekt verneint Risiko durch Amalgam-Füllungen

Ich will nicht grundsätzlich ausschliessen, dass Amalgam möglicherweise in Einzelfällen gesundheitliche Auswirkungen haben könnte, obwohl eindeutige Belege dafür fehlen. Klar scheint mir allerdings, dass in diesem Bereich Nocebo-Effekte sehr grosse Bedeutung haben. Auffallend ist jedenfalls, dass alle nur irgendwie möglichen psychischen und körperlichen Beschwerden auf Amalgam zurückgeführt werden. Das deutet auf einen „Super-Nocebo-Effekt“ hin. Davon profitieren in grossem Stil naturheilkundliche „Ausleitverfahren“ und die „ganzheitliche Zahnmedizin“.

Wenn die Beschwerden, die dem Amalgam angelastet werden, nichts mit dieser Substanz zu tun haben, dann folgt daraus allerdings nicht, dass die Beschwerden eingebildet sind. Die Beschwerden sind echt.

3. Nocebo-Effekte beim Thema „Elektrosmog“

Beim Thema „Elektrosmog“ (umgangssprachlich für nichtionisierende Strahlung) scheint mir die Situation in vielem ähnlich wie beim Thema „Amalgam“.

Ich würde Warnungen bezüglich „Elektrosmog“ nicht einfach generell auf die leichte Schulter nehmen und halte es für sinnvoll, wenn die Entwicklung in diesem Bereich kontinuierlich mittels wissenschaftlicher Studien auf allfällige gesundheitliche Risiken überprüft wird. Substanzen wie PCB, DDT, Lindan, Asbest etc. wurden schliesslich auch jahrzehntelang als unproblematisch betrachtet.

Ein Beispiel für solche Forschungen war das nationale Forschungsprogramm NFP 57 des Nationalfonds, das den Einfluss nichtionisierender Strahlung (NIS) auf Umwelt und Gesundheit unter die Lupe nahm.

Siehe dazu:

Entwarnung, aber kein grünes Licht

Dass Nocebo-Effekte beim Thema Elektrosmog eine wichtige Rolle spielen, ist allerdings überaus deutlich erkennbar.

Testet man nämlich „elektrosensible“ Menschen, können sie nicht mit überzufälliger  Trefferquote sagen, ob eine Antenne, deren Strahlung sie ausgesetzt sind, eingeschaltet ist oder nicht.

„An der englischen Universität Essex wurde in einer über drei Jahre dauernden Studie das Verhalten von 44 Versuchspersonen untersucht, die glauben, elektrosmogsensibel zu sein, sowie gleichzeitig 114 Personen, die noch nie negative Auswirkungen durch Mobilfunk an sich bemerkt hatten. In einem Labor wurden diese Personen in verschiedenen Experimenten elektromagnetischen Strahlen mit Frequenzen im GSM- und UMTS-Bereich ausgesetzt. In der Doppelblindstudie wurde den Versuchsteilnehmern gesagt, dass eine Antenne mit der entsprechenden Strahlung für 50 Minuten in Betrieb sei. Die Probanden, die sich für strahlungssensibel hielten, klagten anschließend über Übelkeit, Kopfschmerzen oder grippeähnliche Symptome. Ebenso konnten die Ärzte bei den Betroffenen Änderungen der Herzfrequenz und der Hautfeuchtigkeit messen. Diese subjektiv empfundenen Beschwerden und messbaren Symptome waren allerdings ganz unabhängig davon, ob die Antenne tatsächlich in Betrieb war oder nicht. Zwölf Personen mussten wegen massiver gesundheitlicher Beschwerden den Test beenden.“

Quelle: http://www.psiram.com/ge/index.php/Elektrosmog

Zum Thema Elektrosmog siehe auch die Übersicht auf Wikipedia.

Ein vorsichtiger Umgang mit Elektrosmog macht meines Erachtens schon Sinn. Das Wissen um die grosse Rolle von Nocebo-Effekten erlaubt aber auch eine gewisse Entdramatisierung.

Denn auch hier profitiert eine ganze Branche davon, Pseudo-Schutzmassnahmen gegen Elektrosmog zu verkaufen.

Massnahmen notabene, die unwirksam sind und unnötig, weil die damit angeblich bekämpften Beschwerden durch Nocebo-Effekte ausgelöst werden, welche die Branche mit ihren Warnungen selbst „gezüchtet“ hat.

Auch hier gilt aber: Wenn Beschwerden, die auf Elektrosmog zurückgeführt werden, auf Nocebo-Effekten basieren, dann folgt daraus nicht, dass die Beschwerden eingebildet sind. Die Beschwerden sind echt. Nocebo-Effekte sind nicht = Einbildung.  Ausserdem werden oft echte Beschwerden, die durch anderweitige Störungen verursacht werden, irrtümlich dem Elektrosmog (oder dem Amalgam) zugeschrieben. Auch in diesen Fällen sind die Beschwerden echt, nur die Erklärung dazu ist falsch.

4. Nocebo-Effekte bei homöopathischen Arzneimittelprüfungen

Nocebo-Effekte beeinflussen in starkem Mass viele homöopathische Arzneimittelprüfungen und damit die Arzneimittelbilder, auf deren Grundlage Homöopathika eingesetzt werden.

Um ihren Anwendungsbereich festzulegen, werden Homöopathika an Gesunden getestet. Dazu müssen die Probanden genau protokollieren, welche Beschwerden und Veränderungen des Befindens während der Einnahme des Mittels auftreten.

Samuel Hahnemann (1755 – 1843) betonte, dass sämtliche Befindlichkeiten der Probanden während der Wirkungszeit des Mittels als durch dieses ursächlich hervorgerufen gelten müssten, selbst wenn der Prüfer Ähnliches in anderen Zusammenhängen beobachtet habe. In seinem Hauptwerk, dem „Organon der Heilkunst“, schreibt der Begründer der Homöopathie:

„Alle Beschwerden, Zufälle und Veränderungen des Befindens der Versuchsperson während der Wirkungsdauer einer Arznei […] rühren bloß von dieser her und müssen als deren eigentümlich zugehörig, als ihre Symptome angesehen werden und aufgezeichnet werden; gesetzt auch die Person hätte ähnlich Zufälle vor längerer Zeit bei sich von selbst wahrgenommen.“ (6. Auflage, §138).

Hahnemann negiert vollständig die Möglichkeit, dass

A. Veränderungen und Beschwerden während der Testphase am Gesunden auch unabhängig vom zu prüfenden Präparat auftreten können und

B. dass negative Erwartungen zu Nocebo-Effekten führen können.

Das führt dazu, dass Nocebo-Effekte und zufällig gleichzeitig auftretende, unabhängige Veränderungen in die Arzneimittelbilder einfliessen und diese zu willkürlichen Konstrukten machen.

Allfällige spezifische Wirkungen des Homöopathikums könnte man nur von den beiden Möglichkeiten in Punkt A und B unterscheiden durch eine Kontrollgruppe, die unbehandelte Globuli (Scheinpräparate) bekommt – also mit einem Doppelblind-Test. Das wurde in neuerer Zeit auch gemacht. Siehe dazu beispielsweise hier:

Arzneimittelprüfung Belladonna C30 / Belladonna D60

Dabei zeigte sich in der Arzneimittelprüfung am Gesunden allerdings kein Unterschied zwischen dem Homöopathika und dem Scheinpräparat. Daher steht in Frage, ob Belladonna C30 / Belladonna D60 überhaupt ein Homöopathika ist.

Zumindestens bei Belladonna C30 / Belladonna D60 dürfte das Arzneimittelbild bei Prüfungen ohne Kontrollgruppe jedenfalls aus Nocebo-Effekten und spontanen Veränderungen bestehen, die unabhängig vom zu prüfenden Präparat auftreten. Das gibt eine massive Verfälschung der Basis, auf welcher die Anwendung von Belladonna C30 / Belladonna D60 steht, so dass in Frage steht, ob solche Präparate nach en Regeln der Homöopathie überhaupt als Homöopathika gelten können.

Ein vergleichbares Ergebnis lieferte die doppelblinde Überprüfung des Arzneimittelbildes von Okoubaka aubrevillei. In der Homöopathie erfreuen sich Potenzen von Okoubaka aubrevillei großer Beliebtheit bei der Behandlung von Magen-Darm-Problemen. Die Forscher fanden bei der Arznimittelprüfung am Gesunden keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen dem Homöopathika aus Okoubaka und dem Scheinglobuli bezüglich der Anzahl der als charakteristisch eingestuften Symptome. Auch bei Okoubaka scheint also das Arzneimittelbild aus Nocebo-Effekten und zufällig mit einfliessenden Veränderungen zu bestehen.

Siehe dazu:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/moderne-arzneimittelpruefung-mit-okoubaka.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23561008

Fazit:

Die Beispiele aus den Punkten 1 – 4 zeigen, welch grossen Einfluss Nocebo-Effekte in unserem Alltag haben können.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Schlankheitsmittel & Sexpillen

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Nicht alles, was als „natürlich“ vermarktet wird, ist es auch…

Bei den allermeisten Schlankheitsmitteln und Sexpillen, die über das Internet verkauft werden ist sehr fraglich, ob sie eine sinnvolle Wirkung haben.

Darüber hinaus sind viele dieser Mittel aber auch riskant.

Die Verbraucherzentrale hat daher wieder einmal gewarnt, dass sie krebserregende und blutdrucksteigernde Inhaltsstoffe enthalten können.

Fast jedes dritte Nahrungsergänzungsmittel ausländischer Herkunft, das Figur- und Fitnessfans im Internet bestellen, enthält – für Käufer nicht erkennbar – illegale und hochgradig gesundheitsschädliche Stoffe. Das zeigte eine Untersuchung der Verbraucherzentrale NRW.

Die Verbraucherschützer bestellten für ihre Tests 78 Präparate auf deutschsprachigen Internetseiten oder bei Plattformen, darunter auch bei „Ebay“ und „Amazon“. Sie wählten dabei Produkte aus den Kategorien Gewichtsreduktion, Potenz- und Libido-Steigerung sowie Fitnessmittel für Freizeitsportler. Die Pillen und Pülverchen sollten angeblich nur natürliche Inhaltsstoffen enthalten.

Resultat: Obwohl alle Präparate als natürliche Nahrungsergänzungsmittel im Internet angepriesen wurden, enthielten 13 von 21 Schlankheitsmitteln, acht von 13 Libido- und Potenzmitteln sowie sechs von 21 Sportlerprodukten verbotene und gefährliche Substanzen.

Die bedenklichsten Präparate enthielten sogar verschreibungspflichtige Wirkstoffe wie Sibutramin und Tadalafil oder Stimulanzien wie Ephedrin und Amphetamin. Der Arzneiwirkstoff Sibutramin, bei der Untersuchung aufgespürt in Diät-Pillen, kann erhöhten Blutdruck, eine gesteigerte Herzfrequenz und starke Übelkeit verursachen, erklären die Verbraucherschützer.

Das in Schlankmachern ebenfalls aufgefundene Phenolphthalein gilt als potenziell krebserregend. Tadalafil, das sich als Bestandteil in angeblich rein pflanzlichen Potenzmitteln fand, wird zur Behandlung von Impotenz angewendet und kann bei einer falschen Medikation einen Kollaps auslösen.

Stimulanzien, die im Großteil der angeblich natürlichen Fitnessprodukte gefunden wurden, spenden dem Organismus keine neue Energie, sondern beuten die Energiereserven im Gegenteil bis zur totalen Erschöpfung aus, warnt die Verbraucherzentrale. Eine Überdosierung könne bei Freizeitsportlern Muskelblockaden verursachen, im Extremfall sogar zum Tod führen.

Abenteuerlich ist laut Verbraucherschützern zudem, dass neun von zehn Präparaten wegen gravierender Kennzeichnungsmängel (Warnhinweise fehlen, nur in Fachchinesisch beschriftet) in Deutschland überhaupt nicht verkauft werden dürften.

Ausserdem würden sich einige Firmen dreist gefälschter Gütesiegel bedienen – etwa von Stiftung Warentest oder von hiesigen Apotheken.

Als riskante Produkte stellt die Verbraucherzentrale folgende Beispiele vor:

– Das Potenzmittel Super Lover enthält das verschreibungspflichtige Potenzmittel Tadalafil und ist gefährlich bei Herzerkrankungen, Blutdruckproblemen. Es darf in Deutschland nicht verkauft werden.

– Das Schlankheitsmittel Lipro Diet Pills enthält das krebserregende Abführmittel Phenolphthalein und den verschreibungspflichtigen Appetithemmer Sibutramin.

– Im Potenzmittel Passion Plus steckt das nicht zugelassene Potenzmittel Icariin. Es darf in Deutschland nicht verkauft werden.

– Der Schlankmacher Perfect Slim enthält den verschreibungspflichtigen Appetithemmer Sibutramin, der im Jahr 2010 europaweit wegen massiver Nebenwirkungen mit Todesfällen vom Markt genommen wurde.

– Das im Sportlerprodukt ERY Speed Booster enthaltene Ephedrin kann Nebenwirkungen wie Angst, Schlaflosigkeit, Zittern, Pulsrasen und Krämpfe verursachen, es darf in Deutschland nicht verkauft werden.

– Im Sportlerprodukt Crack steckt die illegale Dopingsubstanz Methylhexanamin. Es darf in Deutschland nicht verkauft werden.

Quelle:

http://www.bz-berlin.de/ratgeber/vorsicht-vor-diesen-diaet-und-sexpillen-article1302328.html

Kommentar & Ergänzung:

Stossend ist vor allem, dass solche Produkte als „natürlich“ vermarktet werden und damit der Eindruck erweckt wird, sie seinen harmlos. Obwohl selbst das nicht stimmt, denn „natürlich“ bedeutet nicht immer auch „harmlos“.

Ist gibt eine zunehmende Medikalisierung aller Lebenslagen, auch mit tatsächlichen oder angeblichen Naturheilmitteln. Sexualität, Sport, Älter werden, Abnehmen, Intelligenter werden……für alles scheint es eine Pille zu geben. Für die Befindlichkeit und das Gefühlsleben sind Bachblüten und Schüssler-Salze zuständig….

Woher kommt denn eigentlich diese Sucht nach Pillen, Tropfen, Tabletten, Globuli & Co.?

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

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Schreien wirksam gegen Schmerz

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Dem britischen Psychologen Richard Stephens von der Keele University fiel auf, dass seine Frau bei den Wehen im Kreißsaal die schlimmsten Kraftausdrücke ausstiess. Warum tut sie das, fragte sich der Wissenschaftler und ersann auf der Stelle ein Experiment.

Er motivierte unter seinen Studierenden 67 Freiwillige zur Teilnahme. Im Experiment mussten sie ihre Hand möglichst lange in eiskaltes Wasser halten – ein beliebter Schmerztest. Bei dem Versuch erhöht sich der Schmerzpegel langsam, und je länger die Testpersonen das aushalten, umso geringer ist ihre Empfindlichkeit.

In einer Variante des Experiments durften die Studenten schmutzige Schimpfwörter ausstoßen, die sie zuvor aufgelistet hatten. Im Kontrolldurchgang waren nur Ausdrücke erlaubt, die einen Tisch beschreiben. Das Resultat war klar: Wer kräftig fluchen durfte, hielt die Prozedur knapp zwei Minuten lang aus, im Kontrollversuch waren es nur eine Minute und 15 Sekunden. Das subjektive Schmerzempfinden war beim Fluchen ebenfalls geringer, und die Herzfrequenz stieg an.

Stephens’ Erklärung: Durch das Fluchen versetzen wir den Organismus in einen Alarmzustand, eine sogenannte Fight-or-flight-Reaktion. In diesem Zustand schüttet die Nebennierenrinde das Stresshormon Cortisol aus – und das reduziert die Schmerzempfindlichkeit. Ähnliches dürfte beim Schreien vor sich gehen – so sind beispielsweise Kampfschreie in allen Kulturen verbreitet.

Allerdings sollte man das natürliche Schmerzmittel nicht überstrapazieren: Wer schon im Alltag dauernd Kraftausdrücke verwendet, bei dem stumpft die Wirkung deutlich ab.

Quelle:

http://www.zeit.de/2011/21/Stimmts-Schmerz

Kommentar & Ergänzung:

Schmerz ist ein ausgesprochen vielschichtiges Phänomen. Die Schmerzempfindung ist von verschiedensten Faktoren abhängig und kann daher in einem gewissen Rahmen auch beeinflusst werden. Das ist besonders wichtig für Menschen mit chronischen Schmerzen.

Die oben beschriebene Studie des britischen Psychologen Richard Stephens von der Keele University bezieht sich allerdings auf eine akute Schmerzsituation – ebenso wie seine zugrundeliegende Beobachtung im Kreißsaal.

Ob und wie Fluchen chronische Schmerzen lindert, bleibt daher ungeklärt. Ich stelle mir jedenfalls vor, dass die erwähnten Hormonausschüttungen eher eine kurzfristige Reaktion sind.

Hintergrundwissen zum Thema Schmerz aus Philosophie, Psychologie und Medizingeschichte bietet das Tagesseminar „Phänomen Schmerz besser verstehen und damit umgehen“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Weissdorn bessert Herzschwäche

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Die Ergebnisse einer Metaanalyse der Cochrane Collaboration zur Wirksamkeit von Weissdorn-Extrakten stellt Univ.-Prof. Dr. Heinz F. Hammer von der
Medizinischen Universität Graz in der Medical Tribune Österreich vor (Nr. 8/2009).

Wissenschaftler aus Deutschland untersuchten die Wirksamkeit von Extrakten aus getrockneten Blättern, Blüten und Früchten des Weißdorns (Crataegus) bei Patienten mit chronischer Herzschwäche (Herzinsuffizienz Stadien I bis III nach NYHA).

Sie analysierten dazu 14 Studien, in denen Weißdorn-Extrakt zumeist zusätzlich zur Basisbehandlung eingesetzt wurde. Zehn Studien mit 855 Patienten eigneten sich für eine Metaanalyse. Die mit Hilfe eines Ergometers überprüfte maximale Leistungsfähigkeit und die Belastungstoleranz nahmen unter der Behandlung mit Weißdorn-Extrakt im Vergleich zu Placebo signifikant zu.
Das Produkt aus Blutdruck und Herzfrequenz, Parameter für den kardialen Sauerstoffverbrauch, sank signifikant. Außerdem waren Kurzatmigkeit und Müdigkeit signifikant vermindert. Nebenwirkungen traten selten auf, waren geringfügig und von vorübergehendem Charakter.
Prof. Hammer empfiehlt für die Praxis: “Weißdorn-Extrakt kann bei Patienten mit leichteren Formen der chronischen Herzinsuffizienz eine zusätzliche orale Therapieoption sein”.

Originalpublikation:
MH. Pittler al., Cochrane Database of Systematic Reviews 2008, Issue 1. Art. No.: CD005312. DOI: 10.1002/14651858. CD005312.pub2

Kommentar:

Weissdorn ist im Bereich von Phytotherapie / Pflanzenheilkunde das wichtigste Herzmittel. Bei leichten Formen von Herzschwäche (Herzinsuffizienz), leichten Formen von Angina pectoris, zur Nachbehandlung nach Herzinfarkt, immer als Begleitmedikation neben der nötigen medizinischen Therapie.

Von allen Heilpflanzen ist Weissdorn diejenige mit den besten Belegen für eine herzstärkende Wirkung, wenn man von Pflanzen mit Digitalisglykosiden absieht, die aber nur als isolierte Einzelstoffe (z. B. als Digoxin, Digitoxin) angewendet werden und rezeptpflichtig sind (bspw. Digitalis purpurea, Roter Fingerhut).
Weissdorn zeichnet sich durch eine grosse Verträglichkeit aus und eignet sich auch gut für Langzeitanwendung.

Wichtig ist aber eine genügend hohe Dosis und ein Präparat mit ausreichendem Wirkstoffgehalt. Lange nicht jedes Heilpflanzen-Präparat, das unter der Bezeichnung “Weissdorn” im Handel ist, enthält die wichtigen Flavonoide und Proanthocyanidine in ausreichender Dosierung. Fraglich ist dies zum Beispiel bei Tinkturen aus dem Bereich der Spagyrik. Von Herstellern solcher Spagyrik-Tinkturen hört man zum Teil die Argumentation, dass ihre Produkte besonders unproblematisch seien, weil allenfalls giftige Glykoside und Alkaloide bei der Veraschung durch die hohen Temperaturen zerstört würden. Weggelassen wird dabei allerdings, dass vor allem Glykoside für viele Heilpflanzen auch wichtige Wirkstoffe sind (so auch beim Weissdorn) und dann wohl auch zerstört werden. Die Hitze von mehreren hundert Grad wird ja wohl kaum unterscheiden zwischen giftigen Stoffen, die zu zerstören sind, und Wirkstoffen, die es zu schonen gilt.

Dazu kommt, dass die Wirksamkeit von Spagyrik-Tinkturen aus Weissdorn, wie sie in Apotheken und Drogerien oft verkauft werden, in keiner Weise dokumentiert ist. Es werden hier blind Ergebnisse aus klinischen Forschungen mit Extrakt-Präparaten auf die Spagyrik-Tinkturen übertragen. Das ist meiner Ansicht nach eine Form von parasitärem Trittbrett-Fahren und eine Irreführung der Konsumentinnen und Konsumenten.

Wenn Sie Weissdorn-Präparate für‘s Herz einnehmen wollen, dann achten Sie gut darauf, was genau ihnen angeboten wird.

Wer sich eigene Kompetenz erwerben möchte dazu, welche Heilpflanzen in welcher Form bei welcher Krankheit am besten geeignet sind, findet passende Lehrgänge und Kurse auf www.phytotherapie-seminare.ch.

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