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Melisse als Beruhigungsmittel

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Das Magazin „Focus“ befasst sich mit den Wirkungen der Melisse:

„Das Hauptanwendungsgebiet der Melisse ist die Beruhigung des Nervensystems. Ein Tee aus frischen Melissen-Blättern kann sich bei Stress und Nervosität als wahres Wundermittel erweisen, denn die in ihm enthaltenen ätherischen Öle wirken entspannend und angstlösend.“

Diese Empfehlungen sind nachvollziehbar, auch wenn der Begriff „wahres Wundermittel“ grundsätzlich fragwürdig ist.

Wer Melisse im Haus habe, brauche sich vor schweren Prüfungen keine Sorgen zu machen, schreibt „Focus“ weiter.

Das kann man probieren, doch gibt es bei Prüfungsangst bzw. Prüfungsstress Heilpflanzen, die ich vorziehen würde. Zum Beispiel als leicht angstlösende Präparate hochdosierten Passionsblumenextrakt oder Lavendelöl-Kapseln (Lasea). Und eher für längerfristige Anwendung zur besseren Stressbewältigung Adaptogene wie Ginseng (Ginsana) oder Rosenwurz (Vitango).

Ausserdem empfiehlt „Focus“:

„Vor dem Zubettgehen getrunken, kann auch ein Gläschen vom berühmten Kräuterschnaps Melissengeist beim Einschlafen helfen.“

Hier würde ich den Melissentee kombiniert mit einer Lavendelöl-Anwendung eindeutig vorziehen. Melissengeist hat mir zuviel Alkohol und zuwenig Melisse. Zudem enthält der Melissengeist neben Alkohol und Melissenblättern eine ganze Reihe von Heilpflanzen, die ihn eher als Mittel gegen Verdauungsbeschwerden prädestinieren: Alantwurzelstock, Angelikawurzel, Ingwerwurzelstock, Gewürznelken, Galgantwurzelstock, Schwarze Pfefferfrüchte, Enzianwurzel, Muskatsamen, Pomeranzenschalen, Zimtrinde, Zimtblüten, Kardamomensamen.

Die Melisse überrasche aber mit weiteren ungeahnten Heilkräften, schreibt „Focus“ weiter:

„Neben ihren ätherischen Ölen enthält sie Bitterstoffe, Gerbstoffe, Flavonoide und Mineralsalze. Insbesondere die Gerbstoffe haben erstaunliche Fähigkeiten. Sie attackieren Herpes-Viren und schützen die Haut vor einer erneuten Infektion. Melissenextrakt gilt heute als anerkanntes Mittel gegen die lästigen Lippenbläschen.“

Korrekt. Der Melissenextrakt wird zu diesem Zweck in eine Creme eingearbeitet (Lomaherpan). Das Präparat muss wie alle lokal anzuwendenden antiviralen Herpesmittel bei den ersten Symptomen eingesetzt werden. Es kann die Dauer der Herpeserkrankung leicht verkürzen – vergleichbar mit anderen Fieberbläschensalben.

Ähnlich lokal antiviral gegen Herpesviren wirken Melissenöl und Pfefferminzöl. In der Schweiz gibt es zudem Parsenn Herpescreme aus Salbeiextrakt und Rhabarberwurzelextrakt, in kassenzulässiger Form als Phytovir.

Quelle:

http://www.focus.de/kultur/videos/melisse-melisse-zur-beruhigung-des-nervensystems_id_5294391.html

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Zistrose (Cistus incanus): Extrakte der Zistrose inaktivieren HI-Viren, Ebola-Viren und Marburg-Viren

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Extrakte der Zistrose (Cistus incanus) inaktivieren in Laborexperimenten HI-, Ebola- und Marburg-Viren und verhindern ihre Vermehrung.

Für virale Infektionen wie beispielsweise HIV/Aids braucht es infolge von Resistenzbildung immer wieder neue antivirale Wirkstoffe. Gegen Ebola- oder Marburg-Viren existieren gegenwärtig noch gar keine zugelassenen Präparate. Forscher vom Institut für Virologie des Helmholtz-Zentrums München konnten nun zeigen, dass Extrakte aus der Zistrose (Cistus incanus) virostatische Eigenschaften besitzen. Der Pflanzenextrakt blockiert das Andocken der Viren an Zellen, indem Inhaltsstoffe selektiv an die Viruspartikel binden und so die Infektion verhindern. Die Wissenschaftler arbeiteten mit klinischen Isolaten des HI-Virus vom Typ 1 und 2, einschließlich eines HIV-Stammes, der gegen mehrere therapeutisch eingesetzte antivirale Wirkstoffe resistent ist.

Dabei inaktivierten die Zistrose-Extrakte die HI-Viren bei allen Experimenten.

Die Wirkstoffe blockieren virale Hüllproteine, womit das Andocken der Viren an die Wirtszellen verhindert wird. Selbst nach 24-wöchigen Labortests entwickelten sich keine Resistenzen.

Prof. Dr. Ruth Brack-Werner vom Institut für Virologie sagt: „Unsere Ergebnisse zur Anti-HIV-1-Wirkung von Cistus incanus liefern erste Hinweise, dass käuflich erhältliche Extrakte aus der Zistrose für die Entwicklung von neuartigen und wissenschaftlich fundierten Phytotherapeutika gegen HIV genutzt werden könnten“. Da die antivirale Wirkungsweise der von uns untersuchten Pflanzenextrakte sich von allen bisher klinisch eingesetzten Medikamenten gegen HIV-1 unterscheidet, wären solche Präparate eine wertvolle Ergänzung der Palette an etablierten Arzneistoffen.“

Die Cistus-Extrakte waren nicht nur gegen HIV, sondern auch gegen Viruspartikel mit Hüllproteinen von Ebola- bzw. Marburg-Viren aktiv. Die Forscher fanden auch Hinweise dafür, dass Zistrose-Extrakte zahlreiche antivirale Inhaltsstoffe enthalten, die in Kombination wirken könnten. Zusammen mit der schon in der Literatur beschriebenen antiviralen Aktivität von Zistrose-Extrakten gegen Grippeviren, belegen die Resultate die breite antivirale Wirkung von Cistus-Extrakten gegen wichtige humanpathogene Viren.

Virusbedingte Infektionen gehören zu den zehn weltweit häufigsten Todesursachen bei Menschen.

Die Wissenschaftler können sich aufgrund ihrer Resultate eine Reihe neuer Anwendungen im globalen Kampf gegen virale Infektionskrankheiten vorstellen, zum Beispiel die Entwicklung von optimierten antiviralen Gemischen aus Pflanzenextrakten als Phytotherapeutika. Möglicherweise könnten Cremes oder Gels als Mikrobizide die sexuelle Verbreitung von Erregern wie HIV verhindern, da Cistus-Extrakte die Infektiosität von Viruspartikel blockieren. Ausserdem sind Cistus-Extrakte vielversprechende Quellen für die Isolierung von neuen Wirkstoffklassen bzw. -Molekülen.

Quelle:

http://derstandard.at/2000030308072/Zistrose-Heilpflanze-gegen-HIV-und-Ebolaviren

Originalpublikation:

Potent in vitro antiviral activity of Cistus incanus extract against HIV and Filoviruses targets viral envelope proteins
Stephanie Rebensburg et al.; Scientific Reports, doi: 10.1038/srep20394; 2016

http://www.nature.com/articles/srep20394

Kommentar & Ergänzung:

Das sind interessante Untersuchungen. Es muss aber unterstrichen werden, dass es sich um Laborergebnisse handelt. Die Situation im menschlichen Organismus unterscheidet sich davon stark. Im Reagenzglas lassen sich Viren und Zistrose-Extrakt isoliert von allen anderen Einflüssen zusammenbringen. Das ermöglicht ein direktes Einwirken von Inhaltsstoffen auf die Viren. Im menschlichen Organismus gibt es dagegen viele zusätzliche Einflüsse, die als Störfaktoren wirken können.

Die gegen Viren wirksamen Substanzen in der Zistrose gehören zu den Gerbstoffen.

Dazu ist zu sagen, dass viele Pflanzen Gerbstoffe mit antiviraler Wirkung enthalten, zum Beispiel Melisse und Salbei. Melissenextrakt und Salbeiextrakt werden daher in Salben gegen Herpesviren eingesetzt. Es stellt sich daher die Frage, ob die gezeigte antivirale Wirksamkeit der Zistrose-Extrakte wirklich so speziell ist, oder ob Gerbstoffe aus anderen Pflanzen vergleichbare Effekte zeigen würden.

Der Klarheit halten ist zudem festzuhalten, dass die antivirale Wirkung der Gerbstoffe sich auf lokale Anwendungen auf Haut und Schleimhaut beschränkt. Es gibt bisher keine Belege, dass Gerbstoffe über den Verdauungstrakt ins Blut gelangen und dort systemisch antiviral wirken. Daher ist es auch überzogen, wenn in Medienberichten über diese Untersuchungen bereits von einer neuen Waffe aus der Pflanzenwelt gegen HIV gesprochen wird. Damit wird eine systemische Wirkung suggeriert, mit der sich eine HIV-Infektion heilen liesse.

Beispiel:

„Pflanzenextrakt hilft gegen HIV und Ebola“

(Quelle: http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-19808-2016-02-03.html)

 

Ein solcher Titel spricht natürlich mehr an und tönt attraktiver als eine realistischere, nüchterne Überschrift wie:

„Pflanzenextrakt inaktiviert Virus im Reagenzglas“.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Aromatherapie / Aromapflege: Ätherische Öle mit antiviraler Wirkung

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Auf springermedizin.at veröffentlichte Wolfgang Steflitsch einen Beitrag mit dem Titel „Ein medizinischer Blick auf die Aromatherapie“. Ein Abschnitt in diesem Artikel geht auf die antivirale Wirkung von ätherischen Ölen ein:

„Aber auch die antivirale Aktivität zählt zu den Domänen von ätherischen Ölen. Besondere Einsatzgebiete sind dabei Herpes- und Influenza-Viren. Bewährte ätherische Öle in dieser Indikation sind Ingwer (Zingiber officinale), Kamille deutsch (Matricaria recutita), Manuka (Leptospermum scoparium), Sandelholz (Santalum album), Melisse (Melissa officinalis), Teebaum (Melaleuca alternifolia), Ravintsara (Cinnamomum camphora Ct. Cineol) und Ysop (Hyssopus officinalis).“

Quelle:

http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/i-o/komplementaermedizin/?full=41341

Komplementärmedizin Nr. 2 / 2014

 

Kommentar & Ergänzung:

Viele ätherische Öle zeigen antivirale Wirkungen. Das ist eine interessante Eigenschaft dieser Wirkstoffe aus Heilpflanzen.

Auf welchen Kriterien sich die obige Auswahl begründet, ist unklar. Mir fehlt hier zum Beispiel Pfefferminzöl, das gut wirksam ist gegen Herpesviren.

Es gibt allerdings einen wichtigen Aspekt, der bei diesem Thema zu beachten ist:

Im Labor können ziemlich leicht antivirale Wirkungen von ätherischen Ölen erzeugt und festgestellt werden. Entscheidend ist aber die Frage, ob solche Effekte auch in der konkreten Erkrankungssituation auftreten. Bei Herpes ist das plausibel, wenn Melissenöl oder Pfefferminzöl im Frühstadium lokal aufgetragen wird. Bei Influenza (Grippe) ist das schwieriger. Ätherische Öle kann man mit grösster Wahrscheinlichkeit nicht in so hohen Dosierungen einnehmen, dass sie eine Konzentration erreichen, die im ganzen Körper antiviral wirkt. Und auch beim Verdunstenlassen in der Raumluft ist fraglich, ob eine wirksame Konzentration erreicht wird. Allenfalls könnte man durch direktes Inhalieren von ätherischen Ölen einen lokalen antiviralen Effekt in den Atemwegen bewirken, aber es stellen sich hier noch sehr viele offene Fragen.

Meinem Eindruck nach gibt es in der Aromatherapie bzw. Aromapflege eine Tendenz, allzu schnell von Laborwirkungen auf Wirkungen in der Erkrankungssituation zu schliessen. Da würde ich mir mehr Differenzierung wünschen.

Siehe auch:

Antivirale Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl gegen Herpes-simplex-Viren

Herpesviren mit Melissenöl und Teebaumöl stoppen 

Melissenöl hält Herpesviren in Zellkulturen in Schach

 

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Antivirale Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl gegen Herpes-simplex-Viren

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In einer Dissertation untersuchte Dr. med. Anja Schuhmacher die Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl gegen Herpesviren.

Herpes simplex Viren sind weltweit verbreitet und zählen zu den häufigsten Krankheitserregern. Sie verursachen beim Menschen in der Regel schmerzhafte, bläschenförmige Hautläsionen in und um die Mundhöhle (Lippenherpes, Fieberbläschen) und im Genitalbereich (Genitalherpes), können jedoch auch insbesondere bei Immunsupprimierten zu lebensbedrohlichen systemischen Infektionen führen.

Für zahlreiche ätherische Öle wurde bereits eine hohe antibakterielle und antimykotische (= pilzhemmende) Wirksamkeit nachgewiesen. Über eine mögliche antivirale Wirkung von ätherischen Ölen finden sich dagegen bisher nur wenig Informationen.

Anja Schuhmacher untersuchte  die antivirale Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl gegen Herpes simplex Viren Typ 1 und Typ 2 in der Zellkultur und charakterisierte sie im Hinblick auf den Wirkmechanismus genauer.

Zur Bestimmung der antiviralen Wirkung wurden Plaquereduktionsversuche in verschiedenen Varianten eingesetzt. Sie ergaben eindeutig eine antivirale Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl bei einstündiger Inkubation von Virus und ätherischem Öl. Dieser Effekt war abhängig von der Ölkonzentration.

Herausragend war insbesondere die starke Wirkung von Melissenöl gegen HSV-2, die möglicherweise den in Melissenöl in großer Menge vorkommenden Aldehyden zuzuschreiben ist. Vergleichbar tiefe Wirkstoffkonzentrationen wurden bisher nur für ein anderes ätherisches Öl beschrieben.

Gezeigt werden konnte außerdem die Abhängigkeit der antiviralen Wirkung von der Einwirkungszeit der ätherischen Öle auf die Viren. Bei Einwirkzeiten ab 3 Stunden wurden durch die maximalen nicht-zytotoxische Ölkonzentrationen umehr als 99 % der Viren inaktiviert, was für eine direkte viruzide Wirkung von Pfefferminzöl und Melissenöl spricht.

Durch Zugabe der ätherischen Öle zu verschiedenen Zeiten des Infektionszyklus der Herpesviren, konnte nachgewiesen werden, dass Pfefferminzöl und Melissenöl nach erfolgter Viruspenetration keinen Einfluss mehr auf die Virusvermehrung haben und auch nicht über eine Beeinflussung der Wirtszellen antiviral wirken. Die stärkste Wirkung zeigte sich bei Behandlung der Viren mit ätherischem Öl vor der Infektion. Bei Ölzugabe während der Infektion wurde ein schwächerer antiviraler Effekt ermittelt.

Diese Resultate zeigen, dass Pfefferminzöl und Melissenöl einen direkten antiviralen Effekt auf Herpes simplex Viren haben, und sie stützen die Theorie, dass ätherische Öle nicht die Virusreplikation hemmen, sondern einen früheren Schritt der Virusvermehrung. Die lipophilen (= fettliebenden) Eigenschaften ätherischer Öle machen eine Wechselwirkung mit der Virushülle wahrscheinlich, die zur Verhinderung der Virusadsorption oder In dieser Arbeit wurde außerdem erstmals die antivirale Wirkung von zwei ätherischen Ölen gegen HSV-1 Viren nachgewiesen, die gegen Aciclovir (Zophirax®) resistent sind. Pfefferminzöl und Melissenöl zeigten sich in der Lage, in den maximalen nicht zytotoxischen Konzentrationen bei einstündiger Inkubation von ätherischem Öl und Viren die Zahl der resistenten Viren um über 99 % zu reduzieren.

Diese Resultate bestätigen die in Überlieferungen der traditionellen Medizin postulierte antivirale Wirkung ätherischer Öle und deren potentiellen Nutzen in der lokalen Behandlung von Herpes simplex Infektionen. Auch wenn in diesen ätherischen Ölen noch keine Einzelsubstanz als Träger der antiviralen Eigenschaften ausfindig gemacht werden konnte und auch der Wirkmechanismus noch detaillierter untersucht werden muss, können Pfefferminzöl und Melissenöl als vielversprechende Kandidaten für eine topische (= lokale) antivirale Therapie bei Herpes simplex Infektionen angesehen werden.

Quelle:

http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/4359/1/Zusammenfassung.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Das sind interessante Laborergebnisse, die unter anderem bestätigen, dass eine antivirale Anwendung von ätherischen Ölen nur im Frühstadium Sinn macht. Das gilt im übrigen auch für andere pflanzliche Fieberbläschen-Präparate, wie zum Beispiel den  Melissenextrakt, wie er im Fertigpräparat „Valverde® Fieberbläschensalbe“ zur Anwendung kommt. Als wirksamer Bestandteil gilt dort der Lamiaceen-Gerbstoff, der an Virusproteine andockt.

Gute antivirale Effekte auf Herpesviren wurden auch mit einem Kombipräparat aus Salbeiextrakt und Rhabarberwurzelextrakt erzielt (Parsenn-Herpes Creme®, Phytovir®).

Wenn Melissenöl und Pfefferminzöl beide gegen Herpesviren wirksam sind, dann ist der Preisunterschied nicht unwesentlich. Melissenöl ist sehr viel teurer.

Anzufügen wäre dazu allerdings noch, dass sich antivirale Effekte im Labor wohl leichter erzielen lassen als im menschlichen Gewebe. Dort hat es jedenfalls nicht nur Viren, sondern auch jede Menge anderer Proteine.

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Aromatherapie / Phytotherapie: Teebaumöl giftig für Katzen

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Die „FAZ“ stellt das „Wundermittel“ Teebaumöl in Frage und verweist auf Vergiftungen bei Hunden und Katzen:

„Besonders herbe Kritik an der unreflektierten Verwendung des Wundermittels kommt aber von amerikanischen Veterinärmedizinern. Sie sammelten über zehn Jahre Fälle von fast 450 Hunden und Katzen, die mit Teebaumöl in Kontakt gekommen und dadurch massiv vergiftet worden waren. In neunzig Prozent der Fälle hatten die Halter ihre Tiere absichtlich mit dem Mittel besprüht, offenbar, um sie auf „natürliche“ Weise zu entflohen. Die Tiere litten unter Lähmungen und Krämpfen; ihre Entgiftungssysteme sind der Substanz nicht gewachsen.“

Quelle:

http://www.faz.net/aktuell/wissen/medizin/glosse-die-neue-teebaumoel-skepsis-hilft-gegen-alles-12750479.html

Kommentar & Ergänzung:

Dass Teebaumöl für Katzen gefährlich werden kann, ist eine gut gesicherte Erkenntnis, die leider nicht allen Katzenbesitzerinnen und Katzenbesitzern bekannt ist. Es wird aber auch von Vergiftungen bei Hunden berichtet. Leider fehlen im „FAZ“-Artikel Angaben dazu, wo in den USA und von wem diese Fallsammlung erstellt wurde.

Das Institut für Veterinärpharmakologie und –toxikologie der Universität Zürich schreibt zur Toxizität des Teebaumöls und zum Unterschied zwischen Hund und Katze:

„Die Toxizität des Teebaumöls ist mit der anderer terpenhaltiger ätherischer Öle (z.B. Eukalyptusöl) vergleichbar. Katzen sind aufgrund geringerer Glukuronidierungsfähigkeit und intensiveren Putzverhalten empfindlicher als Hunde (Bischoff 1998).“

Quelle:

http://www.vetpharm.uzh.ch/reloader.htm?wir/00006864/7734_08.htm?wir/00006864/7734_00.htm

Teebaumöl ist ein interessantes Naturheilmittel, aber bezüglich Verträglichkeit und Allergiepotenzial nicht unproblematisch. Meines Erachtens gibt es für die meisten Anwendungsbereiche andere ätherische Öle, die besser verträglich, geruchlich angenehmer und betreffend Wirksamkeit ebenbürtig sind.

Siehe auch:

Aromatherapie / Phytotherapie: Zur Wirkung von Teebaumöl

Jasminöl, Teebaumöl und Minzöl gegen Scheidenpilz untersucht

Teebaumöl – ein Naturheilmittel macht Karriere

Herpesviren mit Melissenöl und Teebaumöl stoppen

Teebaumöl als Naturheilmittel

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Heilpflanzen bei Lippenherpes: Rhabarber, Melisse, Salbei

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Im Phyto-Forum der Aerztezeitung wurde die Frage aufgeworfen, ob es etwas Pflanzliches gebe, das die Dauer des Ausbruchs von Lippenherpes reduziert.

Die Antwort verfasst hat Professor Jürgen Reichling vom Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie der Universität Heidelberg.

Der Lippenherpes (Herpes labialis) sei eine ansteckende, schmerzhafte, juckende sowie kosmetisch und psychisch störende Infektionskrankheit, die hauptsächlich durch das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1), seltener durch HSV-2 hervorgerufen werde.

Eine Lippenherpes-Episode sei selbstlimitierend und halte unbehandelt etwa 7 bis 10 Tage an. Nach einer Erstinfektion, die meist im Kindesalter stattfindet, schlummere das Virus lebenslang in Nervenganglien.

In Deutschland seien etwa 80 bis 90% der Bevölkerung mit HSV-1 infiziert. Es komme jedoch nur bei 20 bis 40% der Infizierten zu einer mehr oder weniger regelmäßigen Reaktivierung der Viren mit dem typischen klinischen Bild der Herpesbläschen an den Lippen oder in der Umgebung des Mundes.

In unkomplizierten Fällen könne Lippenherpes im Rahmen der Selbstmedikation behandelt werden. Ausgeschlossen von einer solchen Selbstbehandlung seien hingegen generalisierte Herpes-simplex-Infektionen.

Zur örtlichen Behandlung, schreibt Reichling,  stehen neben Arzneimitteln mit Nucleosidanaloga als Wirkstoff (Aciclovir, Penciclovir u.a.) auch einige pflanzliche Präparate zur Verfügung. Dabei sollte die Behandlung des Lippenherpes so früh wie möglich beginnen, idealerweise bereits bei ersten Anzeichen wie Brennen und Jucken der Haut.

Klinische Studien mit Extrakt aus Melisse, Salbei und Rhabarberwurzel

Bewährt haben sich vor allem zwei Phytopharmaka, die als Wirkstoff Extrakte aus Melissenblättern enthalten (Lomaherpan, Valverde Fieberbläschencreme) oder aber eine Kombination von Rhabarberwurzelextrakt und Salbeiblätterextrakt (Parsenn Herpes-Creme, Phytovir). Für diese Phytopharmaka liegen klinische Studien vor, die eine alleinige Anwendung oder eine Anwendung in kombiniert mit Nucleosidanaloga rechtfertigen.

Für die Selbstbehandlung schreibt Reichling, dass versuchsweise auch kosmetische Präparate mit Propolis, Echinacea (Sonnenhut), Aloe vera sowie mit ätherischen Ölen (zum Beispiel Teebaumöl, Melissenöl) eingesetzt werden können.

Für diese Stoffe existieren In-vitro-Studien, teilweise auch klinische Pilotstudien (Teebaumöl bei HSV-1; Propolis bei HSV-2), die eine Wirksamkeit bei der Therapie von Lippenherpes nahelegen.

Hält eine Lippenherpes-Episode länger als 10 bis 14 Tage an, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Um das Risiko einer Ausbreitung der Viren zu verhindern, sollten die Präparate auf die befallene Hautstelle am besten mit Einmalmaterial (beispielsweise mit einem Wattestäbchen) appliziert werden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/herpes/article/839399/phyto-forum-rhabarber-melisse-salbei-lippenherpes.html?sh=7&h=1048513246

Kommentar & Ergänzung:

Die antivirale Wirkung von Melissenextrakt, Salbeiextrakt und Rhabarbarwurzelextrakt ist im Labor gut dokumentiert. Eine andere Frage ist, ob sich damit der Verlauf eines Lippenherpes wirklich entscheidend verkürzen lässt.

Von allen diesen lokalen Anwendungen sollte man jedenfalls keine Wunder erwarten. Die Dauer des Lippenherpes wird nur gering verkürzt, und nur wenn die Behandlung ganz im Anfangsstadium einsetzt. Das gilt auch für synthetische Wirkstoffe wie Aciclovir.

Bei Salbeiextrakt und Melissenextrakt sind es die Lamiaceen-Gerbstoffe, die für die Wirkung verantwortlich sind. Sie verbinden sich mit Eiweissbestandteilen der Viren.

Siehe dazu: Was ist Rosmarinsäure?

Von den ätherischen Ölen wirkt auch Pfefferminzöl antiviral gegen Herpesviren.

Bewährt gegen Lippenherpes / Fieberbläschen hat sich auch Honig (mehrmals täglich ein paar Minuten auf einem Stück Gaze anpressen.

Siehe auch:

Phytotherapie: Melissenextrakt bei Herpesinfektionen

Melissenöl hält Herpesviren in Zellkulturen in Schach

Phytotherapie bei Fieberbläschen: Melissenextrakt

Melissenextrakt doppel wirksam gegen Herpes-simplex-Virus (HSV-1)

Naturheilkunde: Was ist Propolis?

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Heilpflanzen: Melisse gegen Herpes, als Beruhigungsmittel und für’s Gedächtnis

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Die „Welt online* stellt verschiedene Heilpflanzen vor, darunter auch die Zitronenmelisse (Melissa officinalis):

„Melisseöle hemmen das Wachstum von Viren; Herpesbläschen verschwinden schneller, wenn man sie täglich mehrmals damit abtupft. Vergleichsstudien belegen zudem, dass Melissebäder (60 g Melisseblätter per Leinensäckchen in der Badewanne deponieren) als Beruhigungsmittel wirken. Was nicht heißen soll, dass die Pflanze uns einnebelt. Laut Studien der englischen Northumbria-Universität mobilisiert sie den Hirnbotenstoff Acetylcholin und dadurch das Denk- und Erinnerungsvermögen.“

Quelle:

http://www.welt.de/wissenschaft/article13771012/Weihrauch-ist-eine-Wissenschaft-fuer-sich.html

Kommentar & Ergänzung:

Melissenöl zeigt im Labor tatsächlich eine gute Wirkung gegen Herpesviren, die Fieberbläschen auslösen. Das billigere Pfefferminzöl entfaltet diesen Effekt aber auch. Alle lokal aufgetragenen antiviralen Massnahmen bei Fieberbläschen sind allerdings nur in Anfangsstadium wirksam und ob die Infektion bei Lippenbläschen mit Melissenöl oder Pfefferminzöl konkret gestoppt oder der Verlauf relevant verkürzt werden kann, ist nicht eindeutig belegt.

Antiviral bei Herpesinfektion wirkt auch eine Salbe mit Melissenextrakt, wobei in dieser Anwendungsform der Lamiaceen-Gerbstoff als Wirkstoff gilt.

Der Tipp mit dem Melissenbad zur Entspannung, als Beruhigungsmittel und auch als Abendbad bei Einschlafstörungen ist sinnvoll.

Die Meldung über die Forschungen mit Melisse an der Northumbria-Universität betreffend Mobilisierung des Hirnbotenstoffs Acetylcholin ging schon vor Jahren durch die Medien. Melisse soll einem Experiment zufolge das Denk- und Erinnerungsvermögen verbessert haben. Wegen dem Einfluss der Melisse auf den Hirnbotenstoff Acetylcholin wurde in diesen Meldungen eine mögliche Anwendung bei Alzheimer in den Raum gestellt.

Bei den erwähnten Experimenten an der Northumbria-Universität wurde diese Wirkung allerdings an gesunden Studenten festgestellt , denen getrocknete Melisse in Kapselform verabreicht wurde. Im Vergleich zu Placebo sollen die „Melisse-Studenten“ Stunden später in Gedächtnistests besser abgeschnitten haben.

Abstract der Studie: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12888775

Das ist interessant, aber von einer Einmaldosis bei jungen, gesunden Studenten hin zu einer erfolgreichen Anwendung bei Alzheimer-Patienten sind es dann schon noch ein paar Schritte….

Es gibt allerdings auch eine kleine klinische Studie aus dem Iran zur Anwendung von Melisse bei Patienten mit beginnender Demenz vom Alzheimer-Typ. Dabei zeigte sich bei innerlicher Anwendung von Melissenextrakt über vier Monate im Vergleich zu Placebo eine bessere kognitive Leistung und weniger Unruhe.

Abstract: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1738567/

Dazu kommt mir jedoch ein Satz von Roman Huber in den Sinn, dem Leiter des Zentrums für Naturheilkunde an der Uniklinik in Freiburg im Breisgau:

„Bei derartigen Untersuchungen sollte man vorsichtig sein, denn aus dem Iran kommen genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen.“

Siehe dazu: Phytotherapie: Passionsblume – Studien mit unterschiedlicher Qualität

Deshalb gilt in der Wissenschaft der Grundsatz, dass ein Studienresultat erst überzeugt, wenn es von anderen, unabhängigen Wissenschaftlern durch eine Reproduktion der Studie bestätigt wurde. Das ist meines Wissens mit der Studie aus Teheran bisher nicht geschehen.

Festgehalten werden muss auf jeden Fall, dass an der Northumbria-Universität und auch in der iranischen Studie Melissenblatt bzw. Melissenextrakt verwendet wurde, nicht Melissenöl.

Daher spricht einiges dafür, dass es sich um einen nichtflüchtigen Wirkstoff handeln müsste.

Im Zusammenhang mit der Behandlung von Demenzerkrankungen wurden in den letzten Jahren neben der Melisse auch zwei weitere Vertreter der Lippenblütler (Lamiaceen) intensiver untersucht, nämlich Salbei (Salvia officinalis) und Rosmarin (Rosmarinus officinalis). Das Spektrum an Inhaltsstoffen, die für eine neuroprotektive Wirkung verantwortlich sein könnten, ist in bei den Lippenblütlern sehr ähnlich. Die Blätter der drei erwähnten Pflanzen produzieren ein ätherisches Öl, das reich an Monoterpenen mit schwacher Acetylcholinesterase-hemmender Wirkung ist, beispielsweise Citral. Für die nichtflüchtigen Phenylacrylsäuren wie die Rosmarinsäure konnte nachgewiesen werden, dass sie verschiedene Ereignisse vermindern können, die durch β-Amyloid verursacht werden, wie etwa die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies und Tau-Hyperphosphorylierung. Nach der Anwendung von Lamiaceaen-Präparaten konnten zwischenzeitlich günstige Effekte bei kleineren Gruppen von Alzheimer-Patienten gezeigt werden. Rosmarinsäure wäre also ein Kandidat für eine positive Wirkung auf das Gedächtnis bzw. bei leichten Formen von Alzheimer. Sie wurde zum Beispiel nachgewiesen in Pfefferminzblatt (3,5 – 4,5%), Salbeiblatt (2 – 6%), Rosmarinblatt (1 – 2 %), Melissenblatt (0,5 – 1,8%) und Thymianblatt (o,2 – 1,4%). Tierversuche mit Rosmarinsäure deuten auf eine antidepressive und sedative Wirkung hin. Fraglich scheint mir allerdings, ob und allenfalls in welchem Mass Rosmarinsäure überhaupt peroral in den menschlichen Organismus aufgenommen wird. Dazu finde ich in der Phytotherapie-Fachliteratur keine Angaben.

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Weiterbildung Palliative Care & Onkologie-Pflege: Gerbstoffe bei Mundschleimhautentzündung

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ schildert Heilpflanzen-Anwendungen bei Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum – konkret von Mundhöhle (Stomatitis), Zahnfleisch (Gingivitis), Zahnhalteapparat (Parodontitis), Rachen (Pharyngitis), Zunge (Glossitis) oder Mandeln (Angina tonsillaris).

Ein Abschnitt, der auch für Palliative Care und Onkologie-Pflege interessant ist, gilt der Anwendung von Gerbstoffen:

„Gerbstoffe wirken entzündungshemmend, schwach antiseptisch und wundheilungsfördernd. Gerbstoffe bewirken im Mund ein »zusammenziehendes« (adstringierendes) Gefühl und entzündete Schleimhäute werden oberflächlich unempfindlich gegenüber äußeren Reizen. Gerbstoffe sind gut wasserlöslich – zur einfacheren Anwendung wird meist die Tinktur (Tormentillwurzel, Ratanhiawurzel, Eichenrinde) vorgezogen, die verdünnt als Gurgellösung oder unverdünnt zur Pinselung eingesetzt werden kann. Die Rhabarberwurzel enthält neben den abführend wirkenden Anthrachinonen Gerbstoffe. In geringer Konzentration überwiegt die adstringierende Wirkung der Gerbstoffe, weshalb sie zur Pinselung entzündeter Mundschleimhäute eingesetzt wird.“

Quelle: http://www3.apoverlag.at/pdf/files/DA/DA-2012/DA-2012-02.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Für Palliative Care und Onkologie-Pflege sind Gerbstoffpflanzen wie Tormentill (Blutwurz) interessant  bei Entzündungen im Mundraum und gegen Hautentzündungen.

Gerbstoffe wirken relativ intensiv und rasch entzündungswidrig und werden im Mundraum über begrenzte Zeit eingesetzt, weil sie sonst austrocknend wirken können. Deshalb wird nachfolgend oft auf Schleimpflanzen umgestellt (Leinsamen, Eibischwurzel), die reizlindernd und beruhigend auf Schleimhäute wirken.

Die erwähnte Rhabarberwurzel ist Bestandteil von Pyralvex® , einer Lösung zur lokalen Behandlung von:

– Akuten und chronischen Entzündungen der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches

– Aphthen, Eiterfluss der Zahnhöhlen und beim Durchbruch der Zähne

Die Gerbstoffe der Rhabarberwurzel wirken auch gegen Herpesviren und werden deshalb in Salben gegen Fieberbläschen eingesetzt (Parsenn Herpescreme = Phytovir; kombiniert mit Salbeiextrakt)

Eine weitere interessante Gerbstoffpflanze ist der Schwarztee. Er hat den Vorteil, in jeder Pflegeinstitution vorhanden zu sein.Schwarztee dient nicht nur innerlich als Genussmittel. Er lässt sich gut einsetzen äusserlich gegen Schleimhautentzündungen und Hautreizungen. Dazu muss der Tee aber lange ziehen (etwa 10 Minuten).

Siehe auch:

Gerbstoffe: Eichenrinde bei Durchfall, Parodontitis, Hämorrhoiden,

Wirkstoffe in der Phytotherapie: Gerbstoffe

Eine Weiterbildung “Heilpflanzen-Anwendungen in Palliative Care und Onkologie-Pflege“ finden Sie hier.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Phytotherapie: Ingwer gegen Infektionen?

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Im Phyto-Forum der Aerztezeitung wurde die Frage aufgeworfen, wie ist es um die Wirksamkeit von Ingwer (Zingiber officinale) bei viralen und bakteriellen Infekten bestellt ist.

Professor Jürgen Reichling gab dazu folgende Antwort:

„Zubereitungen aus dem Ingwerwurzelstock (Zingiberis rhizoma) werden hauptsächlich bei dyspeptischen Beschwerden und zur Verhütung der Symptome der Reisekrankheit eingesetzt.

Hingegen ist die volkstümliche Anwendung von Ingwerzubereitungen bei Husten und Erkältungskrankheiten derzeit wissenschaftlich nicht belegt. Die antibakterielle und antimykotische Wirkung von Ingwerzubereitungen sind zudem nur schwach ausgeprägt.

Hingegen hat sich das ätherische Öl aus dem Ingwerwurzelstock in vitro gegenüber dem Herpes-Simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) als äußerst wirksam erwiesen.“

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/phytotherapie/article/811558/knoblauch-ingwer-infektionen.html?sh=8&h=-1673844218

Kommentar & Ergänzung:

Gut geklärt ist die Wirksamkeit von Ingwer bei Verdauungsbeschwerden ( = dyspeptische Beschwerden): Inwerwurzelstock bewirkt eine Steigerung von Tonus und Peristaltik im Darm und fördert Magensaftsekretion und Speichelsekretion. Ausserdem wird der Gallenfluss gesteigert.

Interessant ist die Wirksamkeit gegen Übelkeit und Erbrechen.

Siehe dazu:

Ingwertee gegen Übelkeit und Erbrechen

Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen?

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Buchtipp: Ingwer – Gesundheit und Genuss

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie

Un zum Thema Ingwer & Erkältungskrankheiten:

Ingwer bei Erkältungen

Ingwer: Inhalationen gegen Schnupfen

Ausserdem:

Ingwer vermindert Muskelschmerz

Interessant ist die Wirksamkeit des ätherischen Ingweröls gegen Herpes-simplex-Virus Typ 1 (Fieberbläschen, Lippenbläschen). Neben dem Ingweröl sind gegen Herpes-simplex-Viren beispielsweise auch wirksam Melissenöl, Pfefferminzöl, Teebaumöl.

Siehe:

Herpesviren mit Melissenöl und Teebaumöl stoppen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wirkstoffe in der Phytotherapie: Gerbstoffe

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Gerbstoffe sind wichtige Wirkstoffe in der Phytotherapie. Sie bestimmen die Wirkung vieler Heilpflanzen.

Hier einige ausgewählte Infos über Gerbstoffe aus Wikipedia mit Kommentaren und Ergänzungen von mir.

„Ein Gerbstoff ist ein Stoff, der sich bei Kontakt mit Eiweiß (Protein) mit diesem verbindet. Die Eigenschaften der Proteine werden dadurch verändert.

Das in den Proteinen gebundene Wasser wird durch die Gerbstoffe verdrängt und es kommt zu einer Entwässerung.

Die Proteine können durch Mikroorganismen nicht mehr oder nur mehr sehr schwer abgebaut werden.

Das Quellvermögen in Wasser, Säuren und Laugen ist stark vermindert.

Die Temperaturbeständigkeit wird erhöht.

Biologisch aktive Eiweißstoffe werden durch Gerbstoffe denaturiert und sind nicht mehr biologisch aktiv.

Strukturierte Eiweißstoffe z. B. Kollagen der Haut, behalten ihre natürliche Struktur. Die Strukturen werden aber durch die Gerbstoffe mehr oder weniger stark vernetzt. Unstrukturierte Eiweißstoffe z. B. das Eiweiß eines Hühnereies, werden ausgefällt.

Diese Veränderungen können allgemein als Gerben bezeichnet werden. Eine abgezogene Tierhaut wird so in Leder umgewandelt, was z. B. die Fäulnis verhindert.

Es gibt in der Natur vorkommende Gerbstoffe und künstlich hergestellte Gerbstoffe.“

(Quelle: Wikipedia)

Das ist eine gute Beschreibung davon, wie Gerbstoffe auf Eiweisse einwirken. Um die adstringierenden (zusammenziehenden), entzündungshemmenden und antimikrobiellen Wirkungen gerbstoffreicher Heilpflanzen zu verstehen, sind diese Vorgänge wichtig.

Zum Vorkommen von Gerbstoffen in Pflanzen

„Gerbstoffe kommen häufig in Pflanzen vor…..Zum Beispiel in:

Blättern, Hölzern, Rinden, Früchten und Wurzeln von Kastanien, Eiche, Fichte, Mimosa, Quebracho, Tee, Kaffee.

Auch pflanzliche Abbauprodukte wie z. B. Torf enthalten Gerbstoffe. Weintrauben enthalten Gerbstoffe (Tannine) als Bestandteile aus Stielen, Kernen und Beerenhäuten, die zum Geschmack des Weines (insbesondere des Rotweines) beitragen. Der Tanningehalt stellt somit einen Qualitätsfaktor des Weines dar, sofern er in einem ausgewogenen Verhältnis zu den anderen Geschmackskomponenten (Säure, Restzucker) und Aromen steht.“

(Quelle: Wikipedia)

Zur Wirkung der Gerbstoffe in der Phytotherapie

„Die Gruppe der Gerbstoffe nimmt einen wichtigen Platz unter den therapeutisch wirksamen Bestandteilen von Heilpflanzen ein. Sie wirken zusammenziehend, entzündungshemmend, antibakteriell, antiviral und neutralisieren Gifte. In höherer Dosierung wirken sie jedoch oft selbst schädlich.“

(Quelle: Wikipedia)

Wichtig zu wissen ist aber, dass Gerbstoffe lokal wirken auf Haut und Schleimhäuten und im Verdauungstrakt. Sie werden aber kaum in den Körper aufgenommen und haben daher keine systemischen Fernwirkungen.

Beispiele von Heilpflanzen, die Gerbstoffe enthalten:

„Galläpfel (Gallae) aus Quercus infectoria

Hamamelisblätter (Hamamelidis folium) aus Hamamelis virginiana = Zaubernuss

Walnussblätter (Juglandis folium) aus Juglans regia

Eichenrinde (Quercus cortex) aus Quercus robur….

Ratanhiawurzel (Ratanhiae radix) aus Krameria lappacea

Blutwurzwurzel (Tormentillae rhizoma) aus Potentilla erecta

Heidelbeeren (Myrtilli fructus) aus Vaccinium myrtillus

Volksmedizinische Verwendung finden auch:

Catechu

Brombeerblätter von Rubus fruticosus

Gänsefingerkraut von Potentilla anserina

Erdbeerblätter von Fragaria vesca

Odermennigkraut Agrimonia eupatoria

Frauenmantelkraut von Alchemilla xanthochlora

Breitwegerichblätter von Plantago major

Spitzwegerichblätter von Plantago lanceolata

Rosenblüten von Rosa gallica

Wiesenknopfblätter von Sanguisorba officinalis“

(Quelle: Wikipedia)

Eine wichtige Heilpflanze mit hohem Gerbstoffgehalt fehlt hier:

Schwarztee / Grüntee.

Damit genügend Gerbstoff in den Tee übergeht, müssen Schwarztee und auch Grüntee allerdings lange ausziehen (etwa 8 Minuten).

Chemischer Aufbau der Gerbstoffe

„Auf Grund des chemischen Aufbaues, kann die pflanzlichen Gerbstoffe in folgende zwei Gruppen einteilen:

Hydrolysierbare Gerbstoffe, z. B. Gallotannine, Grundbausteine sind Gerbsäuren z. B: Gallus- oder Ellagsäure in Verbindung mit Glukosen

kondensierte Gerbstoffe, z. B. Pyrocatechine, Grundbausteine sind aromatische Polyhydroxiverbindunge wie z. B. Catechin“

(Quelle: Wikipedia)

Das ist insofern relevant, als hydrolisierbare Gerbstoffe ungeeignet sind zur Behandlung von Durchfall, weil sie nicht genug tief im Darm wirken.

Zur Wirkung der Gerbstoffe

„Medizinisch nutzbar sind Gerbstoffe durch den Prozess der Gerbung. Das Gewebe kann so oberflächlich verdichtet werden, und eine schützende Membran bildet sich aus, z. B. auf einer Schleimhaut. Die Gerbstoffe entziehen also durch ihre zusammenziehende (adstringierende) Wirkung Bakterien den Nährboden, die sich auf Haut und Schleimhaut angesiedelt haben. Schmerz und Wundsekretion werden vermindert, Entzündungen gehemmt, kapillare Blutung gestillt, Bakterien und Giftstoffe können nicht mehr tiefer eindringen.

Gerbstoffe haben antimikrobielle Eigenschaften und werden eingesetzt bei Magen- und Darmentzündungen, leichten Durchfällen, Entzündungen im Mund und Rachenraum, als blutstillendes Mittel, zur schnellen Wundheilung und bei leichten Verbrennungen und Frostschäden.“

(Quelle: Wikipedia)

Heikel finde ich die Empfehlung „zur schnellen Wundheilung“. Gerbstoffe können in der Wundbehandlung nur in ganz bestimmten Situationen eine Rolle spielen, zum Beispiel bei nässenden Wunden (Reinigungsphase) als Eichenrindenumschlag oder Eichenrindenbad. In der Granulationsphase der Wundheilung würde ich aber Gerbstoff-Anwendungen nicht empfehlen. Gerbstoffe können das Gewebe austrocknen und in der Granulationsphase muss die Wunde feucht bleiben.

Zu den wichtigsten Eigenschaften der Gerbstoffe

„Zusammenziehend, schmerzlindernd, stopfend bei Durchfall, blutstillend, sekretionshemmend, schleimhautschützend, keimhemmend, bakterizid, fungizid, entzündungshemmend, austrocknend, Gegengift bei Schwermetall- oder Alkaloidvergiftung“

(Quelle: Wikipedia)

Manche Gerbstoffe wirken auch gut lokal gegen Viren, zum Beispiel die Lamiaceen-Gerbstoffe aus der Melisse gegen Herpesviren (Fieberbläschen).

Nebenwirkungen der Gerbstoffe

„Bei Langzeitanwendung können Leberschäden entstehen. Bei zu hohen Dosen kann es zu Magenschleimhautentzündung oder Brechreiz kommen. Gerbstoffe vermindern die Resorption basischer Arzneimittel sowie mancher Mineralstoffe wie Eisen. Nicht bei Verstopfung, trockenen Ekzemen oder trockenen Schleimhäuten anwenden. Nicht länger als 5–10 Minuten köcheln. Es empfiehlt sich für die innere Anwendung, sie mit Schleimstoffen zu kombinieren.“

(Quelle: Wikipdedia)

Eine Heilpflanze, in der Gerbstoffe und Schleimstoffe schon kombiniert vorliegen, ist Malva silvestris / Malva neglecta, verwendet als Malvenblätter ( = Chäslichrut) zum Beispiel bei Mundschleimhautentzündung, zur Wundheilung und bei Furunkeln. Allerdings enthalten die Malvenblätter sowohl Gerbstoffe als auch Schleimstoffe eher in tiefer Konzentration.

Es gibt tatsächlich einzelne Berichte von Leberschäden durch Gerbstoffpflanzen bei sehr hohen Dosierungen über lange Zeit, zum Beispiel bei exzessivem Konsum von Schwarztee. Aber normalerweise werden Gerbstoffe ja nicht in relevanten Mengen resorbiert.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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