Artikel mit Schlagwort ‘Heilpflanzen’
Sonntag, Januar 1st, 2012
Zusammen mit Methoden der Komplementärmedizin wie Homöopathie, Traditioneller Chinesischer Medizin und Anthroposophischer Medizin wird seit Jahresbeginn 2012 auch die Phytotherapie provisorisch wieder aus der Grundversicherung vergütet. Was ändert sich dadurch für Patientinnen und Patienten?
Für die Phytotherapie ist die vielleicht überraschende Antwort: Nichts.
Durch diese Änderung wird keine Patientin und kein Patient auch nur einen Franken sparen. Bisher lief es so: Der Arzt oder die Ärztin macht eine normale medizinische Diagnostik und rechnet diese auch so ab. Am Schluss wird beispielsweise entschieden, statt einem synthetischen Schlafmittel ein pflanzliches zu verordnen. Ist die Wirksamkeit dieses Pflanzenpräparates belegt, zahlt es die Grundversicherung. Das war bisher so und daran wird sich im neuen Jahr nichts ändern.
Im Vorfeld der Abstimmung vom Mai 2009 über den Verfassungsartikel zur Förderung der Komplementärmedizin wurden von den Befürwortern irreführende Versprechungen gemacht wurden. Das rächt sich nun bei der konkreten Umsetzung und wird zwangsläufig zu Enttäuschungen führen.
Irreführend ist auch, dass die Phytotherapie in dieser politischen Diskussion zur Komplementärmedizin gerechnet wird. Phytotherapie gehört zur Naturheilkunde und diese ist ein randständiger Bereich der Medizin. Fachlich gesehen gibt es kein plausibles Argument, Phytotherapie zur Komplementärmedizin zu zählen. Wenn die Politik dies trotzdem so handhabt, dann geht es dabei um Lobbying, um Einflussnahme, nicht aber um das Wohl der Patientinnen und Patienten.
Siehe auch:
Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?
Phytotherapie als Komplementärmedizin-Methode in die Grundversicherung – was bringt’s?
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe / Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde
www.phytotherapie-seminare.ch
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
Tags: 2009, 2012, Abstimmung, Anthroposophische Medizin, Diagnostik, Gesundheitsberufe, Grundversicherung, Heilpflanzen, Homöopathie, Klinik, Komplementärmedizin, Krankenpflege, Kräuterexkursionen, Lobbying, Mai, Medizin, Naturheilkunde, Palliative Care, Pflanzenheilkunde, Pflanzenpräparat, Pflege, Pflegeheim, Phytotherapie, Phytotherapie-Ausbildung, Schlafmittel, Schmerzen, Schweiz, Spitex, Traditionelle Chinesische medizin, Verfassungsartikel, Weiterbildung, Winterthur, Wirksamkeit, Zürich
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Sonntag, Januar 1st, 2012
Edzard Ernst hat als Professor für Alternativmedizin (Universität Exeter) 18 Jahre lang erforscht, welche alternativen Heilmethoden wirken. Nun geht er in Pension und beantwortete im Interview Fragen der „Sonntagszeitung“. Hier ein Ausschnitt aus dem Gespräch:
„Gibt es alternativmedizinische Behandlungen, die wirken?
Ja natürlich, vor allem im Bereich der Pflanzenheilkunde findet sich einiges: Rosskastanie bei
Venenleiden, Weissdorn bei Herzinsuffizienz, Teufelskralle gegen Schmerzen und vieles mehr.
Welche komplementärmedizinischen Behandlungen würden Sie bei sich anwenden?
Hätte ich Depressionen, würde ich Johanniskraut-Extrakt einnehmen. Noch besser gegen
depressive Verstimmungen hilft aber körperliche Aktivität. Ich selbst nehme täglich eine Kapsel Omega-3-Fettsäuren ein, weil da die Wirksamkeit sehr gut ist, um kardiovaskulären Erkrankungen vorzubeugen.“
Quelle:
http://www.sonntagszeitung.ch/wissen/artikel-detailseite/?newsid=199734
Kommentar & Ergänzung:
Prof. Edzard Ernst hat sich immer interessiert, aber auch kritisch mit den verschiedensten Methoden der Komplementärmedizin auseinandergesetzt. Er ist dafür aus Kreisen der Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin oft angefeindet worden. Und das wie es in dieser „Szene“ leider häufig vorkommt, vor allem durch Diffamierungsversuche auf der persönlichen Ebene, kaum je durch Argumente.
Ich möchte hier daher eine Lanze brechen für den kritischen Ansatz von Edzard Ernst. Es gibt einen unüberschaubaren Dschungel an Produkten und Versprechungen im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin, darunter auch eine sehr grosse Zahl von Hirngespinsten, die zwar den Bedürfnissen, Ängsten und Hoffnungen der Menschen entgegen kommen, aber keinerlei reale Basis haben. Es braucht nur schon aus Gründen des Konsumentenschutzes qualifizierte Instanzen, die solche Heilungsversprechen auf ihren Wahrheitsgehalt hin abklopfen.
Die staatlichen Arzneimittelbehörden haben sich aufgrund von politischen Vorgaben aus diesem Bereich zurückgezogen. Ganze Branchen sind kollektiv von der sonst üblichen Pflicht zum Wirksamkeitsnachweis befreit, zum Beispiel Präparate der Richtungen Homöopathie und Anthroposophische Medizin. Eine Firma wie „Similasan“ kann praktisch beliebig Produkte als Arzneimittel auf den Markt bringen, ohne relevanten Forschung- und Entwicklungsaufwand und ohne den Nutzen für die Konsumentinnen dokumentieren zu müssen. Für die Konsumentinnen und Konsumenten fehlt hier jede Transparenz.
Um so wichtiger sind unabhängige „Instanzen“ wie Edzard Ernst. Leider werden zunehmend Lehrstühle für komplementärmedizinische Forschung an Universitäten eingerichtet, die von der komplementärmedizinischen Pharmaindustrie finanziert werden. Solche Verflechtungen machen unabhängig-kritische Forschung nicht leichter.
Natürlich freut es mich, dass Prof. Edzard Ernst mit Weissdorn, Teufelskralle, Rosskastanie und Johanniskraut nach 18 Jahren Forschung vor allem Anwendungen aus der Phytotherapie Wirksamkeit bescheinigt. Dazu braucht es aber noch ein paar Ergänzungen:
1. Solche Bestätigungen sind schön, doch darf darüber nicht vergessen werden, dass es immer wieder auch negative Forschungsresultate gibt, also Studien, in denen Heilpflanzen-Extrakte die Wirkungen, die man sich erhoffte, nicht gezeigt haben. Es ist nämlich eine verbreitete „Seuche“ vor allem im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin, quasi mit der Lupe hoch motiviert nach Bestätigung zu suchen, negative Ergebnisse aber auszublenden oder schönzureden. Das ist eine komplett einseitige Buchhaltung, die nicht gerade vertrauenserweckend wirkt. Auch wenn’s dem Herzen manchmal weh tut: Beide Seiten müssen gleichwertig beachtet werden.
2. Genau genommen kann man in der Phytotherapie nicht sagen, Weissdorn wirkt bei Herzinsuffizienz, Teufelskralle gegen Schmerzen, Rosskastanie bei Venenleiden, Johanniskraut gegen Depressionen. Man müsst immer noch präzisieren, in welcher Arzneiform die betreffende Heilpflanze zu Wirkung kommen kann, zum Beispiel als Tee, Tinktur oder Extrakt.
3. Im Gespräch mit der Sonntagszeitung geht eine wichtige Differenzierung verloren. Ernst wird gefragt, ob es alternativmedizinische Behandlungen gibt, die wirken, und welche komplementärmedizinischen Behandlungen er bei sich selber anwenden würde. Auf beide Fragen antwortet er mit phytotherapeutischen Optionen.
Meines Erachtens gibt es aber kein auch nur einigermassen plausibles Argument, weshalb Phytotherapie zur Alternativmedizin oder zur Komplementärmedizin gezählt werden sollte.
Siehe dazu:
Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?
Wenn man die Phytotherapie irgendwo einordnen will, dann gehört sie zur Naturheilkunde und diese ist ein randständiger Bereich der Medizin.
Siehe:
Naturheilkunde – was ist das?
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe / Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde
www.phytotherapie-seminare.ch
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Freitag, Dezember 30th, 2011
Der „Schwarzwälder Bote“ veröffentlichte einen Artikel zum Thema Weihrauch bei Darmerkrankungen. Und zwar für eine Publikumszeitung einen erfreulich fundierten Artikel zudem. Hier ein paar Informationen daraus mit dazwischen geschaltetem Kommentar (kursiv):
„Ihr Revival verdankt die Dreikönigs-Gabe dem Tübinger Pharmakologen Hermann Ammon, der das Harz der indischen Boswellia serrata zu Beginn der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts mit modernen Methoden analysierte und Triterpensäuren als wirksame Substanzen identifizierte. Seiner Forschung zufolge hemmen sie das Enzym 5-Lipoxygenase, das bei der Bildung von Leukotrienen eine entscheidende Rolle spielt, Stoffen, die an der Entstehung von Entzündungen beteiligt sind. Seit neuestem untersucht an der Universität Jena Oliver Werz, Professor für Pharmazeutische Chemie, mittels des sogenannten Target-fishing, welche Enzyme sich an einen solchen “Köder” aus Boswelliasäuren binden. Das ist moderne Grundlagenforschung im Labor, doch Werz arbeitet inzwischen auch mit einer Firma zusammen, die Weihrauchextrakte zum Cremen gegen Haut- und Gelenkbeschwerden anbietet.“
Kommentar M.K.: Die Hemmung von Leukotrienen (Entzündungsmediatoren) durch Boswelliasäuren stand lange im Zentrum der Weihrauch-Forschung. Die Wirkung lässt sich im Labor offenbar gut zeigen, doch ist ungewiss, ob Boswelliasäuren im menschlichen Organismus genügend hohe Konzentrationen erreichen, um diese Wirkung auszulösen.
Die Anwendung von Weihrauchextrakten in Form von Cremen bei Hauterkrankungen und Gelenkbeschwerden ist ein neueres Phänomen. Bei Hauterkrankungen (Schuppenflechte) könnte ich mir allenfalls eine Wirkung vorstellen, bei Gelenkerkrankungen zweifle ich stark daran, ob die Wirkstoffe in genügender Menge durch die Haut eindringen und bis ins Gelenk gelangen.
„In Weihrauchpräparate zum Einnehmen setzten in den vergangenen Jahren immer mehr Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen ihre Hoffnung. ‚Weihrauch gehört zu den Medikamenten, die viele unserer Patienten mit einer Colitis ulcerosa oder einem Morbus Crohn schon ausprobiert haben’, sagt die Magen-Darm-Spezialistin Britta Siegmund, die an der Berliner Charité eine Spezialsprechstunde für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen leitet.“ Allerdings sei die Datenlage zu diesem Phytotherapeutikum noch mager.
Zuletzt führte im Frühsommer dieses Jahres eine deutsche Multicenter-Studie, an der auch Patienten aus der Charité teilgenommen haben, zu eher ernüchternden Resultaten. Publiziert wurde sie im renommierten Fachblatt ‚Inflammatory Bowel Disease’. Die Studie, in der der Boswellia-serrata-Extrakt PS0201 Bo bei Patienten mit einem Morbus Crohn gegen ein Scheinmedikament getestet wurde, war zwar auf ein Jahr angelegt, wurde jedoch vorzeitig beendet, weil sich weder in der Krankheitsaktivität noch im subjektiven Befinden der Studienteilnehmer Unterschiede zwischen beiden Gruppen zeigten.
Quasi nebenbei ergab die Studie jedoch, dass das pflanzliche Mittel sicher ist, dass also keine schädlichen Nebenwirkungen zu befürchten sind. Bisher gebe es keine wissenschaftliche Grundlage dafür, Weihrauch bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen gezielt einzusetzen, erklärt Siegmund und fügt hinzu: „Es spricht aber nichts dagegen, dass Patienten, die gute Erfahrungen damit gemacht haben, es einnehmen.“
Der Internist Henning Gerhardt, langjähriger Leiter der Colitis-Crohn-Ambulanz am Klinikum Mannheim, hörte von Boswellia serrata zuerst Mitte der neunziger Jahre durch eine seiner Patientinnen mit Morbus Crohn. Sie hatte sich Tabletten mit dem Trockenextrakt H 15 beschafft, die eine indische Firma produziert, und berichtete bei einer Arzt-Patienten-Runde, sie sei lange nicht so frei von Bauchschmerzen und Bauchkrämpfen gewesen wie seit dem Zeitpunkt, seit dem sie dreimal täglich das Weihrauchpräparat einnehme.
In Zusammenarbeit mit Gastroenterologen der Uniklinik in Wien testete die Arbeitsgruppe von Gerhardt den Extrakt H 15 erstmals in einer Doppelblindstudie, in der 102 Crohn-Patienten entweder Weihrauchextrakt oder den Entzündungshemmer Mesalazin erhielten. Der achtwöchige Vergleich ergab, dass das pflanzliche Mittel dem Standardpräparat nicht unterlegen war. Das könne nach dem Stand der Wissenschaft als Wirksamkeitsnachweis gelten. Die Ergebnisse stimmen Gerhardt zudem optimistisch, was andere Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis betrifft. Durch die Studie ermutigt, deren Resultate im Jahr 2001 in der Zeitschrift für Gastroenterologie publiziert wurden, setzt der Internist den Weihrauchextrakt, der in Deutschland als Importpräparat verschrieben werden kann, seitdem bei zahlreichen seiner Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ein – zusätzlich zur Standardbehandlung, zu der auch Cortison-Präparate zählen. Seiner Erfahrung nach kann die Cortison-Dosis dadurch in vielen Fällen vermindert werden.
„Die Forschung zu ‚natürlichen’ Heilmitteln für chronisch-entzündliche Darmerkrankungen konzentriert sich derzeit auf andere Naturprodukte. So liefern inzwischen mehrere solide Studien Hinweise auf die Wirksamkeit eines Gebräus aus dem Schweinepeitschenwurm (Trichuris suis). Dem Wurm wird zugetraut, das Immunsystem zu einer Gegenreaktion zu bewegen. Sie könnte das selbstzerstörerische Krankheitsgeschehen bremsen, das Autoimmunkrankheiten wie Crohn und Colitis ulzerosa bestimmt. Eine Arbeitsgruppe im Münchner Uniklinikum Großhadern untersucht zudem gerade den Einsatz von Cannabisextrakt in Tablettenform beim Morbus Crohn.“
Quelle:
http://www.schwarzwaelder-bote.de/inhalt.medizin-weihrauch:-mehr-schall-als-rauch.4a9a2d87-d670-4af0-bf1e-56229353840e.html
Kommentar & Ergänzung:
Ein solcher Artikel ist in mancher Hinsicht nicht befriedigend, gerade weil er differenziert ist und widersprüchliche Fakten nicht ausblendet. Propagandabeiträge, die alles als super und eindeutig darstellen, sind demgegenüber im Vorteil.
Wir brauchen meines Erachtens in Bereichen wie Komplementärmedizin und Naturheilkunde, aber auch generell in unserer Gesellschaft, mehr Ambivalenztoleranz.
Damit ist gemeint, dass wir lernen müssen, mit Widersprüchlichkeiten und Uneindeutigkeiten umzugehen.
Es ist in allen Bereichen längst nicht so viel geklärt und eindeutig, wie uns das Propagandisten und Missionare aller Art weis machen möchten.
Der „Leitfaden Phytotherapie“ fasst die Datenlage zu Weihrauch & Colitis ulcerosa so zusammen:
„Bisher sind nur einige wenige Studien mit geringer Patientenfallzahl veröffentlicht worden, in denen Wirkungen mit hohen Dosen von Weihrauchextrakt erreicht wurden. Eine Metaanalyse mit 7 qualitativ geeigneten von insgesamt 47 verfügbaren Studien (zumeist aus dem indischen Sprachraum) folgerte, dass die Datenlage ermutigend, aber noch nicht ausreichend ist (Ernst E. BM). 2008; 337: a2813.“
Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Freitag, Dezember 30th, 2011
Die Behandlung von Hautproblemen und Wunden – aber auch generell die Gesunderhaltung der Haut – ist ein zentrales Thema in der Krankenpflege. Heilpflanzen können dabei in vielen Bereichen ausgesprochen wirksam sein. Zum Beispiel Ringelblume, Arnika, “Chäslichrut”, Beinwell, Hamamelis, Aloe, Kamille, Stiefmütterchen, Cardiospermum, Mahonia, Eichenrinde, Schwarztee, Nachtkerzenöl und Borretschöl, Teebaumöl und Lavendelöl.
An diesem Seminartag am 14. März 2012 lernen Teilnehmende aus Pflegeberufen präzis und gut verständlich Anwendungsmöglichkeiten dieser Heilpflanzen kennen. Es geht also beispielsweise um Ekzeme, Allergien, Hautreizungen und Wunden aller Art.
Kursleitung:
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie
Kursort
Kulturzentrum “Alte Kaserne” in Winterthur. Die “Alte Kaserne” liegt 15 Fussminunten vom HB Winterthur.
Kurszeiten
10.00 – 12.30 Uhr und 13.40 -17.10 Uhr, die Kurszeiten sind abgestimmt auf die Zugverbindungen von Zürich, Basel, Bern, Luzern, St. Gallen
Kurskosten Fr. 120.-
Detailangaben zu diesem Weiterbildungsangebot für Pflegepersonen aus Spitex, Pflegeheim, Klinik:
Tagesseminar Wundbehandlung mit Heilpflanzen
Ausserdem:
Interessiert an fundierten Heilpflanzen-Anwendungen für Spitex, Pflegeheim, Klinik?
Professionelle Phytotherapie-Ausbildung für Pflegepersonen in Winterthur (Kanton Zürich, Schweiz).
Infos: Seminar für Integrative Phytotherapie
Interessengemeinschaft Phytotherapie & Pflege: www.ig-pp.c
Dokument Phytotherapie in der Pflege
(Argumente und Beispiele für Phytotherapie in der Krankenpflege)
Teamweiterbildungen für Spitex, Pflegeheim, Klinik:
Martin Koradi, Tel. 052 202 20 29, www.phytotherapie-seminare.ch
Tags: 2012, Allergien, Aloe, Alte Kaserne, Arnika, Basel, Beinwell, Bern, Borretschöl, Cardiospermum, Chäslichrut, Eichenrinde, Ekzem, Ekzeme, Hamamelis, Haut, Hautprobleme, Hautreizungen, Heilpflanzen, Kamille, Klinik, Krankenpflege, Kulturzentrum, Lavendelöl, Luzern, Mahonia, März, Nachtkerzenöl, Pflege, Pflegeberufe, Pflegeheim, Pflegepersonen, Phytotherapie, Phytotherapie-Ausbildung, Ringelblume, Schwarztee, Schweiz, Spitex, St. Gallen, Stiefmütterchen, Teamweiterbildung, Teebaumöl, Weiterbildung, Weiterbildungsangebot, Winterthur, Wundbehandlung, Wunden, Zürich
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Freitag, Dezember 30th, 2011
Hämorrhoiden sind Erweiterungen der Gefässpolster im Analkanal, die zu Blutungen, Schmerzen und Entzündungen führen können. Zu den möglichen Auslösern zählen ein starkes Pressen bei der Defäkation (Stuhlentleerung), eine Verstopfung und eine Schwangerschaft. Eine ärztliche Diagnose ist nötig, um andere Ursachen auszuschliessen und eine adäquate Behandlung einzuleiten. Zur medikamentösen Therapie werden Ballaststoffe, Venenmittel, Salben und Zäpfchen angewendet. Neben synthetischen Wirkstoffen kommen bei Hämorrhoidenleiden auch Heilpflanzen-Präparate zur Anwendung.
Je nach Ausprägung und Symptomatik kann auch ein kleiner oder grösserer medizinischer Eingriff nötig werden; Hämorrhoiden können jedoch auch von alleine wieder zurückgehen.
Symptome bei Hämorrhoidenleiden
Zu den möglichen Symptomen von Hämorrhoiden zählen:
Blutungen, Blut am Toilettenpapier
Druckbeschwerden, Schmerzen, Brennen
Unangenehmes Gefühl
Entzündungen, Schwellungen, perianale Dermatitis
Juckreiz im Analbereich
Abgang von Schleim, Nässen
Vorfall, Ausstülpungen ausserhalb des Anus (Prolaps)
Hämorrhoiden können nach verschiedenen Kriterien eingeteilt werden. Geläufig ist die Klassifikation nach dem anatomischen Ursprung in innere und äussere Hämorrhoiden. Innere Hämorrhoiden haben ihren Ursprung oberhalb der Grenze zwischen Rektum und Analkanal (Linea dentata), äussere Hämorrhoiden unterhalb. Entsprechend dem Schweregrad des Vorfalls werden Hämorrhoiden in vier Stadien unterteilt.
Komplikationen
Zu den möglichen Komplikationen zählen Stuhlinkontinenz, Thrombosen, Nekrosen und Ulzerationen, die mit starken akuten Schmerzen einhergehen. Eine längerfristige Blutung kann Eisenmangel und Blutarmut zur Folge haben.
Ursachen
Zu den Ursachen von Hämorrhoiden zählen eine Schwächung des Bindegewebes mit zunehmendem Alter, Scherkräfte bei der Passage von hartem Stuhl, starkes Pressen, Stauung des Bluts und unzureichender venöser Blutabfluss sowie ein zu hoher Druck in den Gefässen. Als auslösende Faktoren können dazu kommen eine ballaststoffarme Ernährung und Verstopfung, Übergewicht, eine Schwangerschaft, Bewegungsmangel, langer Aufenthalt auf der Toilette und einige Medikamente wie beispielsweise Phosphodiesterase-5-Hemmer (Viagra), Mittel gegen Durchfall, Abführmittel und Pegvisomant. Nicht-steroidale Entzündungshemmer können Blutungen auslösen.
Diagnose
Die ärztliche Diagnose soll andere Ursachen ausschliessen. Zu den möglichen Differentialdiagnosen zählen Tumore, Analfissuren, Fisteln, Infektionen, Abszesse, Hautfalten, Polypen, Papillen, perianale Thrombosen, Warzen, Trauma und weitere Erkrankungen. Es wird vermutet, dass viele Patienten für sich selbst eine Fehldiagnose machen, weil andere Ursachen, die ähnliche Beschwerden hervorrufen, kaum bekannt sind.
Nicht-medikamentöse Behandlung der Hämorrhoiden
Zentral ist die Regulation des Stuhls durch Ernährungs- und Lebensstilveränderungen. Der Stuhl sollte weder zu flüssig noch zu fest sein. Zu den Empfehlungen zählen:
Ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen
Während der Defäkation nicht pressen und keine schweren Gegenstände anheben
Ergänzend Ballaststoffe zu sich nehmen
Warme und reizarme Sitzbäder ohne Seife
NSAID wenn möglich absetzen
Reizende Gewürze meiden
Ausreichend körperliche Bewegung, nicht zu lange sitzen
Harte Sitzunterlage
Feuchtes Toilettenpapier
Kalte Auflagen zur Schmerzlinderung
Je nach Stadium und Symptomen werden Hämorrhoiden mit kleineren und grösseren Eingriffen therapiert: Sklerosierungstherapie, Infrarottherapie, Ligatur, Operation, Hämorrhoidektomie.
Schlussendlich gehen Hämorrhoiden innert Tagen oder Wochen oft auch wieder von alleine zurück – können jedoch wiederkehrend auftreten.
Orale Therapie mit Heilpflanzen-Präparaten
Innerlich kommen zur Behandlung von Hämorrhoiden oft Heilpflanzen zu Anwendung. Einzig zur Linderung stärkerer Schmerzen werden synthetische Schmerzmittel eingesetzt.
Zur innerlichen Hämorrhoiden-Therapie werden hauptsächlich gut verträgliche Ballaststoffe und Abführmittel bei Verstopfung zur Steigerung des Stuhlvolumens und Erweichung des Stuhls eingesetzt, zum beispielsweise Flohsamen, Indische Flohsamenschalen, Leinsamen und Sterculia.
Einige Venenpräparate mit pflanzlichen oder teilsynthetischen Wirkstoffen sind zur Behandlung von Hämorrhoiden zugelassen, bspw. Flavonoide wie Oxerutin (Venoruton®), Troxerutin (Venutabs®) und Diosmin (Daflon®) sowie Anthocyanoside aus der Heidelbeere (Myrtaven®) und Mäusedornextrakte (Phlebodril®). Auch Rosskastanien-Extrakte kommen zum Einsatz.
Solche Venenpräparate sollen die Kapillaren stärken und ihre Durchlässigkeit reduzieren und entzündlichen Prozessen entgegenwirken.
Ihre Wirksamkeit für die Hämorrhoiden-Therapie ist umstritten.
Orale Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen können kurzfristig zur Schmerzerleichterung angewendet werden.
Lokale medikamentöse Therapie
Hämorrhoidenmittel kommen äusserlich in Form von Salben, Zäpfchen und Tamponaden zur Anwendung. Sie sollen die Symptome wie Juckreiz und Schmerzen lindern, sowie hautpflegend und schmierend wirken. Sie beeinflussen jedoch nicht den Krankheitsverlauf. Die Behandlungsdauer ist für die Selbstmedikation auf 1-2 Wochen begrenzt. Falls die Beschwerden unter der Selbstbehandlung innert 1 – 2 Wochen nicht zurückgehen, ist eine ärztliche Abklärung angezeigt. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen lokaler Hämorrhoidenmittel zählen allergische Reaktionen. Zahlreiche Komponenten von Hämorrhoidenmitteln sind bekannte Allergene wie zum Beispiel Kamille, Lokalanäthetika und Perubalsam.
Welche Stoffe oder Heilpflanzen kommen für die lokale Therapie zur Anwendung?
- Mittel gegen Juckreiz wie Menthol (Hauptbestandteil im Pfefferminzöl) und Kampfer sind angenehm kühlend, juckreizlindernd und schmerzlindernd.
- Synthetische Lokalanästhetika wie Benzocain, Cinchocain, Quinisocain und Lidocain betäuben den Schmerz und hemmen möglicherweise den Juckreiz. Allergische Reaktionen auf diese Stoffe werden allerdings immer wieder beobachtet.
- Sitzbäder mit Kamille sind entzündungshemmend, wobei Kamille allerdings ebenfalls ein bekanntes Allergen ist.
- Glucocorticoide wie Prednisolon, Hydrocortison, Dexamethason und Fluocinolon wirken entzündungshemmend und sekundär gegen Juckreiz. Gemäss der Fachinformation haben diese „chemischen“ Medikamente einen Einfluss auf die Gefässerweiterung und sollen Gefässneubildungen hemmen. Sie sollten nur kurzfristig eingesetzt werden, weil sie die Perianalhaut schädigen können und möglicherweise die Anfälligkeit für Infekte steigern.
- Venenmittel wie zum Beispiel Rosskastanienextrate werden nicht nur systemisch, sondern auch lokal angewandt in Form von Venengelen und Venensalben. Ihr Nutzen in diesem Anwendungsbereich ist unklar.
- Gerbstoffe wie Policresulen, Hamamelis und Eichenrinde wirken zusammenziehend, entzündungshemmend und juckreizlindernd. Bei entzündeten Hämorrhoiden bewährend sich Sitzbäder mit Eichenrinde immer wieder.
Quelle:
http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Hämorrhoiden
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Freitag, Dezember 30th, 2011
Das Magazin „Focus“ veröffentlichte einen Beitrag zur Behandlung von Erkältungskrankheiten mit Hausmitteln. Empfohlen wird auch der Zwiebelsirup, ein altbewährtes Naturheilmittel:
„Der größte Pluspunkt der Zwiebel ist ihre stark desinfizierende Wirkung. Die ätherischen Öle wirken abschwellend und schleimlösend und eignen sich hervorragend, um Ohrenschmerzen oder Husten zu behandeln. Je schärfer eine Zwiebel ist, umso mehr gesunde Inhaltsstoffe enthält sie.
Anwendung: Zwei bis drei Zwiebeln fein würfeln, etwas Honig darüber geben und zugedeckt etwa fünf Stunden stehen lassen. Anschließend die Masse durch ein Tuch pressen und den Saft auffangen. Über den Tag verteilt etwa alle zwei Stunden einen Teelöffel einnehmen.“
Quelle:
http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/erkaeltung/tid-12543/sanfte-therapie-husten-lindern_aid_348254.html
Kommentar & Ergänzung:
Zwiebelsirup gegen Husten ist ein altbewährtes Hausmittel, das sich auch für Kinder eignet. Wie die Wirkung des Zwiebelsirups genau zustande kommt, ist nicht bekannt.
Klar belegt ist eine starke antibakterielle Wirkung der Zwiebel, doch ist fraglich, ob diese bei der Anwendung von Zwiebelsirup gegen Husten relevant ist. Denkbar ist, dass durch die Reizwirkung der Zwiebel die Schleimproduktion in den Bronchien angeregt und damit der Schleim verflüssigt wird.
Ich finde übrigens, dass der Zwiebelsirup gar nicht so schrecklich schmeckt, wie das in der Vorstellung daher kommt. Aber das ist halt Geschmackssache.
Lernen Sie mehr über altbewährte Hausmittel bei Erkältungen und erwerben Sie sich Kompetenz im Bereich der Selbstbehandlung von Erkältungskrankheiten mit Heilpflanzen.
Einen guten Überblick über die Behandlung von Erkältungskrankheiten mit Heilpflanzen bietet das Tagesseminar zu diesem Thema:
Tagesseminar “Behandlung von Erkältungskrankheiten mit Heilpflanzen”
Ein weiteres Rezept für Zwiebelsirup hier:
Zwiebelsirup gegen Husten
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Donnerstag, Dezember 29th, 2011
..verkauft eine Apotheke in St. Gallen.
Angepriesen wird das Wundermittel so:
„Bei übermässigem Hungergefühl. Wirken leicht appetithemmend und hungerstillend. Enthalten Tinkturen von Topinambur, Mate, Petersilienkraut, Faulbaum und in homöopathischer Form Blasentang (Fucus).“
Kommentar:
Topinambur:
Topinambur (Helianthus tuberosus) soll durch seinen Gehalt an Inulin den Appetit hemmen. Inulin als Reservepolysaccharid auf Fructose-Basis wird aus dem Verdauungstrakt kaum aufgenommen und steigert dadurch nach einer Mahlzeit den Blutzucker nicht, soll aber als Ballaststoff einen gewissen Sättigungseffekt haben.
Das könnte bei der Verwendung von Topinambur-Knollen als Nahrungsmittel noch Sinn machen, ist in einer Pflanzentinktur aber höchst fragwürdig, weil Ballaststoffe darin nicht enthalten sind. Inulin ist zudem in einem Alkohol-Wassergemisch (also in einer Pflanzentinktur) sehr schlecht löslich!
Mate:
Im „Lehrbuch der Lebensmittelchemie“ von Belitz, Grosch, Schieberle (2001, S. 946) steht: „Mate regt den Appetit an…..“
Aber lassen wir das mal so stehen: Mate enthält Koffein, ein Wirkstoff der glykogenolytisch und lipogenolytisch wirkt.
Glykogenolytisch heisst, dass aus dem Reservepolysaccharid Glykogen Glukose (Traubenzucker) freigesetzt wird. Das soll ein Absinken des Blutzuckerspiegels verhindern und dadurch vor einem Hungeranfall schützen. Nur: Das müsste mit Kaffee, Grüntee, Schwarztee oder Matetee sehr viel stärker spürbar sein. Die Zufuhr von Wirkstoffen ist via Pflanzentinktur in der Regel sehr viel geringer als via Kräutertee. Jedenfalls bei wasserlöslichen Wirkstoffen.
Das selbe gilt für die lipolytische Wirkung von Koffein. Lipolytisch heisst fettspaltend – das tönt jedenfalls gut für Schlankheitstropfen, ist aber für diese Pflanzentinktur-Mischung mit allergrösster Wahrscheinlichkeit völlig irrelevant.
Petersilienkraut
Petersilie fördert die Wasserausscheidung über die Nieren. Dadurch wird aber niemand schlank und niemand wird Fett abbauen. Die Dosierung dürfte allerdings so tief sein, dass auch eine wassertreibende Wirkung nicht zu erwarten ist.
Faulbaum
Faulbaumrinde wirkt abführend. Dadurch wird aber niemand schlank und niemand wird Fett abbauen.
Blasentang (homöopathisch)
Blasentang ist eine Alge mit hohem Gehalt an Jod, welches den Grundumsatz steigert. Der dadurch vorgenommene Eingriff in die Schilddrüsenfunktion könnte aber unter Umständen auch heikel werden.
Da hier der Blasentang in homöopathischer Verdünnung vorliegt, dürfte Jod allerdings nur (wenn überhaupt) in Spuren vorliegen, so dass Nebenwirkungen nicht zu befürchten sind (Wirkungen allerdings auch nicht).
Fazit: Der Markt und die Nachfrage nach Schlankheitsmitteln ist beinahe unbegrenzt. Offenbar kaufen viele Leute jedes Produkt, das mit schönen Versprechungen angepriesen wird. Solche Hausspezialitäten dürfen von Apotheken und Drogerien verkauft werden, ohne dass ihre Wirksamkeit belegt oder auch nur plausibel gemacht werden muss. Sie können wirksam sein, aber auch total unwirksam.
Bei diesen Schlankheitstropfen weist jedenfalls nichts in der Zusammensetzung auf einen sinnvollen Effekt zur Gewichtsabnahme hin. Konsumentinnen und Konsumenten werden hier ganz einfach abgezockt. Von einer Apotheke würde man ja eigentlich mehr Seriosität erwarten. Das ist aber eine Täuschung. Viele Apotheken und Drogerien verkaufen gerade im Bereich Komplementärmedizin fast jeden „Schrott“. Bös auf’s Korn genommen hat diese Krämerhaltung Jörg Wipplinger auf seinem Blog „Die Wahrheit“.
Quelle für das Rezept:
http://www.hausmann.ch/apotheke/tinkturen.html
Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Donnerstag, Dezember 29th, 2011
Der Konsum von Lebensmitteln mit Mohnsamen könne für manche Menschen, zum Beispiel Kinder, aufgrund von Opiumalkaloiden gesundheitlich bedenklich sein. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren eines Gutachtens der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Eindeutige Verzehrempfehlungen gibt die Behörde jedoch nicht. Mohnsamen selbst enthalten gemäss Mitteilung der EFSA keine Opiumalkaloide. Sie können aber durch Schädlinge oder Kontakt mit dem Saft der Pflanze während der Ernte kontaminiert sein. Die Verarbeitung wie Waschen, Einweichen, Mahlen und Kochen reduziert den Alkaloidgehalt um bis zu 90 Prozent.
Nach Einschätzung der Behörde liegt die akute Referenzdosis, ab der gesundheitliche Wirkungen auftreten können, bei 10 Mikrogramm Morphin pro Kilogramm Körpergewicht. Dieser Wert kann beim Konsum von Lebensmitteln mit großen Mengen kontaminierter Mohnsamen erreicht werden. In geringen Mengen, beispielsweise als Verzierung auf Brot und Gebäck, seien Effekte vor allem bei kleinen Kindern möglich, jedoch selten.
Das Gremium für Kontaminanten in der Lebensmittelkette (CONTAM), welches das Gutachten erarbeitet hat, gibt zu bedenken, dass nur begrenzt Daten zum Konsum und zu den in Lebensmitteln enthaltenen Mengen zur Verfügung stehen. Klare Empfehlungen gibt die EFSA deshalb nicht.
doi: 10.2903/j.efsa.2011.2405
Quelle:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=40359&Nachricht_Title=Nachrichten_Wie+stark+wirken+Lebensmittel+mit+Mohn%3F&type=0
Kommentar & Ergänzung:
Diese Meldung hat mich erstaunt, da ich bisher davon ausging, dass Alkaloide wie Morphin, Codein oder Papaverin in Mohnsamen allenfalls in irrelevanten Spuren vorkommen.
Aber auch bei Wikipedia ist ein möglicher Morphingehalt der Mohnsamen ein Thema:
„ Opiate
Da in Schlafmohnsamen geringe Mengen an Opiaten enthalten sind, wurde der Verzehr von mohnsamenhaltigen Nahrungsmitteln in deutschen Gefängnissen untersagt, da dieser bei Urinproben auf Opiate zu positiven Resultaten führen kann und nicht unterschieden werden kann, ob die Alkaloide durch Rauschgiftkonsum oder den Verzehr der genannten Nahrungsmittel aufgenommen wurden.
In Deutschland sind nur zwei Sorten (‘Zeno morphex’ und ‘Mieszko’) mit einem sehr niedrigen Morphingehalt zum genehmigungspflichtigen Anbau zugelassen. In Österreich ist der Anbau von Schlafmohn völlig legal und blickt auf eine jahrhundertelange Tradition zurück. Bekannt ist der Waldviertler Grau- und Blaumohn der sich in vielen Rezepten der österreichischen Mehlspeisküche, aber auch in unzähligen Regalen von Lebensmittelmärkten wiederfindet. Es wird heute aber auch verstärkt Mohn aus anderen Ländern im Handel angeboten, dessen Morphingehalt aufgrund zum Beispiel unsauberer Erntemethoden stark erhöht sein kann. Aus diesem Grund sollte auf Verwendung von Mohn in Babynahrung verzichtet werden. Bei Mohnkuchen und Mohnbrötchen können die Opiate durch die Erhitzung im Ofen unschädlich gemacht werden.“
(Quelle: Wikipedia)
Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat sich ausgiebig mit Mohnsamen befasst:
“Bei ‚Mohnsamen’ handelt es sich um die reifen Samen des Schlafmohns (Papaver somnife-
rum L.). Wegen ihres Gehaltes an fettem Öl und Protein werden sie im Lebensmittelbereich
zur Herstellung von Backwaren und Speiseöl verwendet. Aus den gleichen Pflanzen, aus
deren Kapseln die Samen geerntet werden, können Opium und seine Alkaloide gewonnen
werden. Als Opium bezeichnet man den eingetrockneten Milchsaft, der aus den unreifen
Kapseln gewonnen wird. Das bekannteste und bedeutendste Opiumalkaloid ist das Morphin.
Auch die Mohnsamen können Alkaloide enthalten, allerdings nur in Spuren.“
Das BfR beschreibt einen eindrücklichen Fall einer Vergiftung bei einem Säugling:
„Im April 2005 warnte das BfR in einer Pressemitteilung vor gesundheitlichen Schäden durch Backmohn: Eine Mutter hatte ein altes Hausmittel angewandt und ihrem sechs Wochen alten Säugling gegen seine Schlafstörungen die abgeseihte Milch von Backmohn gegeben. Das Kind wurde mit Atem- und Bewusstseinsstörungen in eine Klinik eingeliefert und dort wegen des Verdachts auf eine Opiat-Vergiftung behandelt. Im Urin wurden hohe Mengen der Alkaloide Morphin und Codein nachgewiesen. Das BfR wies in dem Zusammenhang darauf hin, dass Backmohn aufgrund qualitativer Schwankungen unterschiedliche Mengen an Morphin und Codein enthalten kann. Vor diesem Hintergrund und nach Hinweisen auf die missbräuchliche Anwendung von Speisemohn zur Drogenherstellung hat das BfR zum Vorkommen von Morphin in Speisemohn eine gesundheitliche Bewertung durchgeführt und zu möglichen gesundheitlichen Risiken für den Verbraucher Stellung genommen.“
Alte Hausmittel sind nicht in allen Fällen harmlos…..!
Weitere Informationen des BfR hier.
http://www.bfr.bund.de/cm/343/bfr_empfiehlt_vorlaeufige_maximale_taegliche_aufnahmemenge_und_einen_richtwert_fuer_morphin_in_mohnsamen.pdf
Dramatisieren würde ich die Sache trotzdem nicht. Ich jedenfalls esse weiterhin gerne Mohnbrötchen und Mohnkuchen….
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Mittwoch, Dezember 28th, 2011
Sie suchen eine fundierte Weiterbildung im Bereich „komplementäre Pflege“?
In Winterthur am Seminar für Integrative Phytotherapie gibt es einen Speziallehrgang für professionelle Heilpflanzen-Anwendungen in der Pflege. Phytotherapie verbindet die traditionelle Pflanzenheilkunde mit den Erkenntnissen moderner Arzneipflanzenforschung.
Phytotherapie ist kompatibel mit medizinischem Denken und Handeln, was eine Voraussetzung ist für eine Integration in Pflegeheime, Spitex-Dienste oder Kliniken.
Komplementäre Pflege ist ein Thema, das zunehmend auf Interesse stösst, doch genau wie beim Begriff „Komplementärmedizin“ ist nirgendwo definiert, was genau damit gemeint ist. Das hat zur Folge, dass in Ausbildungen und Weiterbildungen in „Komplementärer Pflege“ meistens eine ganze Reihe von Methoden vermittelt werden, von denen nicht wenige zu „exotisch“ sind, um in „normalen“ Pflegeinstitutionen umgesetzt zu werden. Sie eignen sich allenfalls für naturheilkundlich orientierte Spezialkliniken (werden dort aber dann hautsächlich von Ärzten angewendet).
Ausserdem ist es sehr viel sinnvoller eine Methode fundiert zu lernen, als von verschiedensten Methoden knapp eine Ahnung zu haben. Die Konzentration auf eine, medizin- und pflegekompatible Methode, die man dafür fundiert lernt, bietet den Boden, um überzeugend für eine bestimmte Anwendung argumentieren zu können.
Heilpflanzen-Anwendungen sind so breit in der Bevölkerung verankert, dass sie auch in vielen „normalen“ Pflegeheimen, Spitex-Diensten und Kliniken akzeptiert werden, wenn sie in einem professioneller Rahmen angeboten werden.
Phytotherapie auf der Grundlage professioneller Krankenpflege ist eine ideale Brücke zwischen Medizin und Naturheilkunde. Pflegende als medizinische Fachpersonen bringen zudem ausgezeichnete Voraussetzungen mit, um im Sinne der Gesundheitsförderung fundiertes Heilpflanzenwissen an die Bevölkerung weiterzugeben.
Informationen zum Thema „Phytotherapie in der Pflege“:
Phytotherapie-Ausbildung für Pflegepersonen (medizinkompatibler, pflegekompatibler Lehrgang)
Argumente für Phytotherapie in der Pflege (zum Beispiel für Gespräche mit Pflegedienstleitungen)
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege (Presse-Berichte zu Beispielen erfolgreicher Integration von Heilpflanzen-Anwendungen in Spitex, Pflegeheime und Kliniken, Angebot für Teamweiterbildung)
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