Artikel mit Schlagwort ‘Heilpflanzen’

Pfingstmontag: Tagesexkursion Jeizinen (Oberwallis) – Heilpflanzen, Wildblumen, Schmetterlinge

Donnerstag, Mai 17th, 2012

Am Pfingstmontag 28. Mai noch nichts vor?

Dann kommen Sie doch mit in die aussergewöhnliche, faszinierende Landschaft zwischen Jeizinen und Gampel (Oberwallis).

Wir fahren mit der Luftseilbahn nach Jeizinen erkunden die blumenreiche Sonnenterrasse und wandern auf einem schönen, spannenden Weg nach Gampel zurück. Dabei treffen wir auf ausserordentlich blumenreiche Wiesen. Unzählige Wacholder- und Sefisträucher sorgen mit ihren ätherischen Ölen für „Out-door-Aromatherapie“ und ein südländisches Ambiente. Anschliessend durchqueren wir die einmalige „Walliser Felsensteppe“. Hier treffen wir die absoluten Spezialisten für trocken-warme Standorte, zum Beispiel die wunderschön blühenden Hauswurze und das elegante Federgras.

Jeizinen ist durch den Lötschberg-Basistunnel von Bern aus verhältnismässig rasch erreichbar und ist doch eine andere, mediterranere Welt – und aussergewöhnlich reich an Wildpflanzen, Schmetterlingen und Vögeln.

Detailinformationen hier.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Heilpflanzen bei Aphthen

Montag, Januar 23rd, 2012

Aphthen sind schmerzhafte und oft wiederkehrende Läsionen der Mundschleimhaut, die rasch entstehen und je nach Grösse einige Tage bis Wochen bis zur Abheilung berauchen. Die genaue Ursache von Aphthen ist noch nicht aufgeklärt worden. Einige mögliche Auslöser sind jedoch bekannt.

Die Vererbung scheint eine gewisse Rolle zu spielen.

Bestimmte Nahrungsmittel sollen als Auslöser fungieren, beispielsweise Nüsse, Farbstoffe, Schokolade, Gluten, Käse, Konservierungsmittel, Natriumlaurylsulfat (Sodium lauryl sulphate, SLS) in Zahnpflegeprodukten), Allergien, eine schlechte Mundhygiene und kleinere Verletzungen.

Auch Stress, Hormonschwankungen bei der Frau, immunologische Störungen wie HIV, Arzneimittel (z.B. NSAID), sowie ein Vitamin- oder Mineralstoffmangel (Eisen, Folsäure, Vitamin B12, B1, B2, B6 und Zink) werden als Auslöser diskutiert. Ob bestimmte Bakterien oder Viren eine Rolle spielen, ist nicht genau bekannt. Rauchen soll einen schützenden Effekt haben und beim Rauchstopp kann es zu vermehrter Aphthen-Bildung kommen. Während der Schwangerschaft und im Alter können die Aphthen verschwinden.

Frauen sind häufiger von Aphthen betroffen als Männer.

Behandlung von Aphthen:

Zur Behandlung der Aphthen werden vor allem lokale schmerz- und entzündungshemmende, sowie desinfizierende Arzneimittel angewendet. Beim Auftreten von Begleitsymptomen oder einem schweren Verlauf sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen.

Als Lokalanästhetika kommen zum Beispiel Lidocain, Ambroxol oder Benzydamin in Form von Gelen, Mundspüllösungen, Sprays oder Lutschtabletten zur Anwendung. Mit ihnen kann der Schmerz für einige Zeit betäubt werden. Zur Schmerzbehandlung werden auch lokal wirkende (= topische) Salicylate wie Cholinsalicylat oder Salicylsäure eingesetzt. Salicylate bzw. Salicylsäure sollten aber vorsichtshalber nicht bei Kindern mit Virusinfektionen angewendet werden (Reye-Syndrom).

Die Phytotherapie setzt vor allem auf pflanzliche Gerbstoffe wie Extrakte aus Rhabarber, Ratanhia, Salbei oder auf Myrrhentinktur.  Gewürznelken sind pflanzliche Lokalanästhetika, wirken also örtlich schmerzstillend.

Quelle:

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Aphthen

Kommentar & Ergänzung:

Ich selber empfehle bei Aphthen gerne Tormentill ( = Blutwurz), bzw. Tormentilltinktur.

Rhabarberwurzel-Extrakt ist im Handel als Bestandteil von Pyralvex®. Das Präparat enthält neben Rhabarberextrakt Salicylsäure und wird seit über 100 Jahren eingesetzt bei Aphthen, Mundschleimhautentzündung und Zahnfleischentzündung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen: Fencheltee gegen Husten

Freitag, Januar 20th, 2012

Die „Welt online* stellt verschiedene Heilpflanzen vor:

„Fenchel gegen Husten: Vom Fenchel heißt es übersetzt: „Sein Same mit der Milch einer Mutterziege getrunken, lockre die Blähung des Magens und fördere lösend alsbald den zaudernden Gang der lange verstopften Verdauung.” Niemand trinkt heute noch Fenchel mit Ziegenmilch, trotzdem ist er als Heilpflanze heute genauso anerkannt wie damals – er hilft gegen Verstopfung, gegen Husten und Halsschmerzen. Man sollte die Körner frisch zerrieben als Tee trinken oder einige Tropfen Öl nach dem Essen schlucken. Als seltene Nebenwirkungen können allerdings allergische Reaktionen auftreten.“

Quelle:

http://www.welt.de/wissenschaft/article13771012/Weihrauch-ist-eine-Wissenschaft-fuer-sich.html

Kommentar & Ergänzung:

Fencheltee gehört zu den bekannteren Heilpflanzen gegen Verdauungsbeschwerden wie Völlegefühl und Blähungen. Seine Wirkung bei Husten ist dagegen weniger bekannt. Fencheltee und Fenchelöl wirken schleimlösend bei produktivem Husten.

Als eigentliches Abführmittel gegen Verstopfung gilt Fenchel nicht, doch gibt es Hinweise auf eine Anregung der Darmperistaltik, was in solchen Fällen günstig wirken könnte.

Interessant ist der Hinweis auf die Zubereitung mit Ziegenmilch. Durch ihren Fettanteil verbessert Milch nämlich die Löslichkeit der ätherischen Öle im Kräutertee.

Die Empfehlung, einige Tropfen Fenchelöl nach dem Essen zu schlucken, müsste noch präzisiert werden.

Einige Tropfen, das wären nach Angaben in der Phytotherapie-Fachliteratur 2 – 5 Tropen Fenchelöl auf einem Stück Zucker (oder etwas Brot). Gegen Husten könnte das Fenchelöl auch mit Honig gemischt und dann in einem Kräutertee aufgelöst werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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Krankenpflege: Weiterbildung Phytotherapie für Spitex, Pflegeheim, Palliative Care, Klinik….

Dienstag, Januar 17th, 2012

Am Seminar für Integrative Phytotherapie (SIP) in Winterthur startet am 14. Mai 2012 die nächste Phytotherapie-Ausbildung für Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Pflege (und anderen Gesundheitsberufen).

Im Verlaufe von 30 Weiterbildungstagen verteilt über 20 Monate werden professionelle Heilpflanzen-Anwendungen vermittelt (z. B. Kräutertees, Pflanzentinkturen, Wickel, Umschläge, ätherische Öle, Pflanzenextrakte, Salben).

Phytotherapie verbindet die jahrtausendealte Erfahrung traditioneller Heilkräuterkunde mit den Ergebnissen neuzeitlicher Arzneipflanzenforschung. Das macht sie zu einer zeitgemässen Form der Pflanzenheilkunde.

Im Gegensatz zu den meisten Methoden aus Komplementärmedizin und Alternativmedizin ist die Ausbildung am SIP medizinkompatibel und pflegekompatibel, was eine Voraussetzung ist für die erfolgreiche Umsetzung in Pflegeheime, Spitex-Dienste, Psychiatrische Kliniken etc.

Phytotherapie ist dadurch auch die ideale Brücke zur Verbindung von Medizin und Naturheilkunde.

Die Unterrichtszeiten sind abgestimmt auf die Zugverbindungen von Bern, Zürich, Basel, Luzern, St. Gallen.

Detailprogramm der Weiterbildung:

www.phytotherapie-seminare.ch

Argumente für Phytotherapie in der Pflege / Beispiele für die Umsetzung von professionellen Heilpflanzen-Anwendungen in Spitex, Pflegeheim, Palliative Care, Klinik finden Sie hier:

- Interessengemeinschaft Phytotherapie & Pflege: www.ig-pp.ch

- Dokument Phytotherapie in der Pflege

Ausserdem:

Teamweiterbildung für Spitex, Palliative Care, Pflegeheim, Klinik.

Info: www.ig-pp.ch

Schmerzmittel steigern Risiko für Herz-Rhythmus-Störung

Montag, Januar 9th, 2012

Nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) steigern das Risiko für bestimmte Herz-Rhythmus-Störungen – hauptsächlich zu Behandlungsbeginn. Zu diesem Resultat kommen dänische Wissenschaftler in einer aktuell im «British Medical Journal» veröffentlichten Studie. Die Forscher der Universität Aarhus werteten die Daten von mehr als 32000 Patienten aus, die zwischen 1999 und 2008 zum ersten Mal die Diagnose «Vorhofflimmern» oder «Vorhofflattern» bekommen hatten. Als Vergleichsgruppe dienten rund zehnmal so viele Personen ohne Herz-Rhythmus-Störungen.

Speziell die erstmalige Einnahme von nicht selektiven NSAR oder selektiven Hemmstoffen der Cyclooxygenase 2 (COX-2-Hemmer, Coxibe) steigerte das Risiko für Vorhofflimmern oder Vorhofflattern. Patienten, welche erstmalig ein Rezept über ein anderes NSAR als Acetylsalicylsäure eingelöst hatten, erkrankten um mehr als 40 Prozent häufiger an einer dieser Herz-Rhythmus-Störungen als die Vergleichspersonen. Der Start einer Behandlung mit Coxiben steigerte die Anzahl der Neuerkrankungen (Inzidenz) sogar um etwa 70 Prozent. Das höchste Erkrankungsrisiko zeigten ältere Personen sowie Patienten mit chronischen Nierenleiden oder rheumatoider Arthritis. Patienten mit Vorhofflimmern oder Vorhofflattern sollten Ärzte NSAR oder COX-2-Hemmer deshalb nicht leichtfertig verordnen, folgern die Autoren der Studie.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=38527&Nachricht_Title=Nachrichten_Schmerzmittel+erh%F6hen+Risiko+f%FCr+Herz-Rhythmus-St%F6rung&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Was genau sind Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)?

Im Pharmawiki wird diese Arzneimittelgruppe so beschrieben:

„Nicht-steroidale Entzündungshemmer sind Schmerzmittel mit vielfältigen Wirkungen. Sie wirken schmerzstillend, fiebersenkend, entzündungshemmend und können die Blutgerinnung hemmen. Dementsprechend werden sie bei Schmerzen verschiedener Ursache, bei Fieber, entzündlichen Erkrankungen und zur Blutverdünnung verwendet. Eine längerfristige Einnahme der Medikamente ist problematisch und kann unter anderem zu Kopfschmerzen, Geschwüren im Magen und im Darm und zu Nierenerkrankungen führen. Deshalb sollen sie kurzfristig und wenn möglich in tiefer Dosis angewandt werden.“

Beispiele für NSAR (auch NSAID genannt) in der Schweiz:

Mefenaminsäure (Ponstan®, Mefenacid)

Flufenaminsäure (Assan®)

Etofenamat (Rheumon®, Traumalix®)

Acemetacin (Tilur®)

Bufexamac (Parfenac®)

Diclofenac, Diclofenac-Gel (Voltaren®)

Indometacin (Indocid®)

Nepafenac (Nevanac®)

Phenazon

Aminophenazon

Propyphenazon

Metamizol (Novalgin®)

Phenylbutazon

Ich bin kein fundamentalistischer Gegner „chemischer“ Medikamente. Dieses einseitige Schwarz-Weiss-Denken – hier die böse „Chemie“, dort die sanfte „Naturmedizin“  – in Komplementärmedizin und Alternativmedizin leider verbreitet – halte ich für bescheuert. Es braucht anstelle dieses unseligen „Lagerdenkens“ eine optionale Grundhaltung. Das heisst: Alle Wahlmöglichkeiten (Optionen) sollen dargelegt und geprüft werden, um die jeweils beste zu wählen. So können auch NSAR in manchen Situationen wichtig und richtig sein, beispielsweise im hoch entzündlichen Polyarthritisschub, bei Hexenschuss (Lumbago, Ischias-Syndrom) oder starken Zahnschmerzen.

Aber es braucht auch mildere Mittel für leichtere Entzündungen und leichtere Schmerzen, bei denen der Einsatz von NSAR nicht notwendig ist. Vor allem der langfristige Einsatz von NSAR ist nicht risikolos, wie unter anderem die oben beschriebene Studie gezeigt hat.

In diesem milderen Segment können Naturheilmittel (Wickel, Heilpflanzen-Anwendungen) eine wichtige Rolle spielen.

„Pharmawiki“ erwähnt übrigens unter der Rubrik „Pflanzliche NSAID“ die Weidenrinde (Salix spec.)  und die Spierblume (Spierstaude, Mädesüss, Wiesen-Geissbart, Filipendula ulmaria).

Vor allen Weidenrinden-Extrakt ist als leichtes Schmerzmittel gut dokumentiert und wird zum Beispiel bei Arthrose eingesetzt.

Siehe auch:

Heilpflanzen-Präparate bei Rheuma

Heilpflanzen gegen Kopfschmerzen

Phytotherapie bei Arthrose: Weidenrinde, Teufelskralle

Phytotherapie bei Schmerzen

Phytotherapie: Heilpflanzen zur Schmerzbehandlung

Phytotherapie: Weidenrinde gegen Kopfschmerzen, Fieber, Rheumabeschwerden

Weidenrinden-Extrakte lindern Arthritis

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zitat des Tages zu Blocher, Hildebrand und gewissen Insidergeschäften

Samstag, Januar 7th, 2012

„Die süsseste Versuchung im fortgeschrittenen Alter ist: die eigenen Fehler bei anderen Leuten zu korrigieren. Niemand ist davor gefeit, selbst Christoph Blocher nicht. Dieser warf gestern auf TeleZüri Nationalbank-Präsident Philipp Hildebrand Insidergeschäfte vor. Er selbst habe bei seiner Firma Ems-Chemie so etwas nie getan. Dabei vergass Blocher, dass er selbst seinen Reichtum dem kühnsten Insidergeschäft der Schweizer Wirtschaftsgeschichte verdankt. 1983, als Geschäftsführer der Ems-Chemie, lieferte er der Besitzerfamilie düstere Zahlen. Und riet zum sofortigen Verkauf. Verhandlungsführer war wieder Blocher, der an einen unbekannten Investor verkaufte. Der, wie sich danach herausstellte, Blocher selber war. So kaufte Blocher eine Fabrik für 20 Millionen Franken, deren innerer Wert von Experten auf 80 Millionen geschätzt wurde.“

Quelle: Tages-Anzeiger, 7. Januar 2012

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Inserat

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Der Weltuntergang 2012 nach dem Mayakalender – Kommentar zu einem irren Phänomen

Freitag, Januar 6th, 2012

Ätzend, dieser Hype um den angeblichen Weltuntergang am 21. Dezember 2012 aufgrund angeblicher Vorhersagen eines Mayakalenders.

Ich habe mich gefragt, ob ich auch noch etwas dazu schreiben soll, oder ob es besser wäre, diesen esoterischen Blödsinn gar nicht zu beachten.

Interessant ist nicht die Frage, ob diese bescheuerte Prophezeiung wahr ist oder nicht – die Welt wird am 21. Dezember 2012 nicht untergehen.

Interessant ist vielmehr das Phänomen, wie solche Prophezeiungen konstruiert werden.

Unser Gehirn ist, wenn es auf „Welt“ trifft, ständig auf der Suche nach Ordnung und Zusammenhängen. Das ist auch bei vielen Tierarten schon so.

Besonders in unübersichtlichen Situationen neigt unser Gehirn dazu, auch dort Ordnung und Zusammenhänge zu sehen, wo gar keine sind.  Offenbar ziehen wir notfalls selbst konstruierte Ordnungen dem Chaos vor. Menschen,  die stark zu selbst konstruierten Zusammenhängen neigen, finden sich besonders häufig in den Bereichen der Esoterik und der Verschwörungstheorien. Das hat ganz einfach damit zu tun, dass diese Bereiche auf solchen Konstrukten basieren.

Stärker werden solche Konstrukte beispielsweise, wenn viele Menschen die selbst geschaffenen Ordnungen und Zusammenhänge einer passenden Führerperson übernehmen. Auf dieser Basis entstehen Sekten, Gurusysteme, fundamentalistische Ideologien, Verschwörungstheorien. Sie alle interpretieren die Welt entlang von forciert konstruierten Zusammenhängen und setzen ihre Interpretation absolut.

Rupert Lay hat dieses Phänomen prägnant beschrieben:

„In Situationen objektiver oder subjektiver Orientierungslosigkeit basteln wir Menschen oft die phantastischsten Theorien zusammen. Sie sind um so phantastischer, als sich der Grund oder die Erklärung eines Sachverhaltes oder einer Beziehung zwischen zwei oder mehreren Sachverhalten nicht gleich aus dem Repertoire des eigenen oder sozialvermittelten Lernens anbietet. Unser Vertrauen in die Richtigkeit dieser selbsterstellten Theorie ist nahezu unerschütterlich, und das um so mehr, je grösser der Aufwand bei ihrer Erstellung war und je sonderbarer sie ist. Informationen, die dieser Theorie widersprechen, führen in der Regel nicht zu Korrekturen, sondern zur weiteren Ausarbeitung und Verfeinerung der absurden Erklärung.“

(aus: Philosophie für Manager, Econ Verlag 1991)

Verschwörungstheorien, Weltuntergangs-Prophezeiungen und esoterische Konstrukte sind offenbar Phänomene, die ziemlich stark im menschlichen Hirn verwurzelt sind. Katzen produzieren wohl kaum solche Geschichten (wer weiss…?).

Erstaunlich ist es aber schon, dass  fast ohne reale Fakten, nur basierend auf konstruierten Zusammenhängen, ein solcher weltweiter Hype wie diese Weltuntergangs-Prophezeiung nach dem Mayakalender entstehen kann. „Maya“ genügt offenbar vielen Menschen als Qualitätslabel, das den Wahrheitsgehalt einer Behauptung bestätigt.

Für das Qualitätslabel „Maya“ spricht der Traditions-Bonus (Tradition hat bekanntlich immer Recht) und der Exoten-Bonus (Je exotischer, desto überzeugender – was man nicht kennt, eignet sich besser als weisse Leinwand für die Projektion eigener Wünsche und Bedürfnisse)…..

Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

Und schwup, schon übernehmen offenbar ganze Heerscharen ein irres Konstrukt, das nichts enthält als erhitzte Luft. Dabei ist diese Mayakalender-Weltuntergangs-Prophezeiung ja noch vergleichsweise harmlos. Gut, einige Leute verdienen sich daran wohl eine goldene Nase, wie das im Esoterikmarkt mit seinen überrissenen Margen halt so üblich ist. Und einige Leute steigern ihren Eso-Kultstatus, indem sie sich durch Einsicht in diese tiefen Zusammenhänge und in uralte Weisheiten von der breiten, unerleuchteten Masse abheben. Heikler wird es, wenn Menschen im Hinblick auf den bevorstehenden Weltuntergang ihr Haus verkaufen, den Job kündigen, ihre Beziehung aufgeben oder sich und ihre Kinder umbringen, um den Horror eines Weltuntergangs nicht miterleben zu müssen. Das sind alles ganz reale Begleiterscheinungen bisheriger Weltuntergangsszenarien. Wer solche Prophezeiungen weiterverbreitet, trägt dafür Mitverantwortung.

Wer sich detailliert für die Fakten rund um diese angeblichen Wahrsagungen des Mayakalenders zum Weltuntergang interessiert, findet alles dazu hier:

http://www.scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/weltuntergang-2012-fragen-und-antworten.php

Georg Christoph Lichtenberg (1742 – 1799), den ich sehr schätze, hat zur Wahrsagerei geschrieben:

„Vom Wahrsagen lässt sich wohl leben, aber nicht vom Wahrheit sagen.“

Wobei er aber wohl nicht eine absolute, zweifelsfreie Wahrheit gemeint hat, schreibt er doch auch:

„Wir irren allesamt, nur irret jeder anders.“

Faktenferne Konstrukte in der Politik

Richtig beunruhigend finde ich aber, dass vergleichbare Phänomene auch auf der politischen Ebene zu beobachten sind.  Bei Silvio Berlusconi beispielsweise – einem „exzellenten“ Verschwörungstheoretiker – liess sich sehr gut beobachten, dass seine Fantasien über hintergründige feindliche Einflüsse immer verstiegener wurden, je mehr er in Bedrängnis kam.

Konstruierte Zusammenhänge, die kollektive Bedeutung erlangten, waren aber auch zentral beteiligt am Hexenwahn (rund um den „Schadenzauber“) und im Sündenbocksystem der Nationalsozialisten (die Juden als Ursache für alles Übel). Wenn ich sehe, wie leicht und massenhaft Menschen auf diese Mayakalender-Weltuntergangs-Prophezeiung abfahren – ein leeres Konstrukt ohne Faktenbasis – dann scheint mir das vor allem aus gesellschaftspolitischer Sicht bedenklich..

Für das Funktionieren einer demokratischen Gesellschaftsform ist es unabdingbar, dass Bürgerinnen und Bürger den Willen und die Fähigkeit haben, angebotene Konstrukte auf ihren Faktengehalt hin abzuklopfen.

Die Überschwemmung mit esoterischen Konstrukten – wie beispielsweise dieser Mayakalender-Weltuntergangs-Prophezeiung – unterminiert meines Erachtens diese Fähigkeit und ist darum gesellschaftspolitisch schädlich.

Faktenferne oder faktenwidrige Konstrukte in der Komplementärmedizin

Faktenferne oder faktenwidrige Konstrukte spielen auch in der Komplementärmedizin eine grosse Rolle und werden vom Markt bestens aufgenommen. Faktenfreiheit ist dafür vielleicht sogar vorteilhaft. Ein gewisser Realitätsgehalt könnte auch dazu betragen, dass Konstrukte an der Erfahrung scheitern.

Dazu zwei Beispiele:

Borreliose-Behandlung mit Kardentinktur

Borreliose ist eine schwierig zu diagnostizierende und –  jedenfalls in späteren Stadien – schwer behandelbare Krankheit. Bei den späten Stadien der Borreliose kommt die Medizin an Grenzen (sie kommt immer wieder an Grenzen, weil selbstverständlich nicht alles machbar ist).

Jedenfalls kann Medizin in solchen Fällen meist keine Heilung versprechen, sondern allenfalls die Beschwerden lindern.

Wo die ganze Wissenschaft und Medizin weltweit an Grenzen stösst, weiss ein Buchautor die Lösung: Kardentinktur heilt Borreliose. Antibiotika sind unnötig und unwirksam. Unzählige Borreliosepatienten setzen ihre Hoffnung (vergeblich) auf Kardentinktur.

Endlich frei von “Schulmedizin”. Kultstatus für Wolf-Dieter Storl als Entdecker dieser natürlichen Behandlung. Schöne Umsätze für den AT-Buchverlag, der keine Skrupel hat, solche fahrlässigen Heilungsversprechungen zu vermarkten.

Wolf-Dieter Storl beschreibt, dass er vor vielen Jahren eine Wanderröte hatte (d. h.: er hatte offenbar Kontakt mit Borreliose-Erregern), sich mit Kardetinktur behandelte und immer noch gesund ist. Was Wolf-Dieter Storl verschweigt: Bei der grossen Mehrheit der Menschen, die Kontakt mit Borrelien haben, entwickelt sich auch ohne Behandlung keine Borreliose. Die Chance ist ausgesprochen gross, dass Storl zu dieser glücklichen Gruppe gehört. Nur eine kleine Minderheit erkrankt an Borreliose, sofern nicht im Frühstadium mit Antibiotika behandelt wird. Für diese kleine Minderheit ist die Antibiotika-Behandlung aber wichtig und die Behandlung mit Kardentinktur anstelle von Antibiotika fatal. Verpasst man nämlich die Antibiotika-Behandlung im Frühstadium, und die Krankheit entwickelt sich weiter, lassen sich die Borreliose-Erreger nur noch  schwer oder gar nicht mehr durch Antibiotika bekämpfen.

Die ganze Geschichte mit der Borreliosetherapie durch Kardentinktur basiert offensichtlich auf einer Fehlinterpretation der Storl’schen „Eigenheilung“  (ein Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss, siehe unten) und auf wunschbasiertem Denken.

Es handelt sich um ein faktenfernes Konstrukt mit hohem Risiko, wenn sich Menschen mit Wanderröte einzig darauf verlassen.

Mehr Details dazu hier:

Karde & Borreliosetherapie nach Storl

Miracle Mineral Supplement (MMS)

Ein Oxidations- und Reinigungsmittel, das in manchen Gegenden auch zur Trinkwasserchlorierung verwendet wir, soll gegen Malaria, Tuberkulose, Diabetes, Krebs, AIDS und vieles andere mehr helfen. Interessant ist hier, dass MMS auch gerne verwendet wird von Menschen, die aus Überzeugung Antioxidantien („Radikalfänger“) schlucken gegen freie Radikale. MMS entwickelt aber freie Radikale (Chlordioxid).

Auch hier haben wir es meines Erachtens mit einem faktenfreien Konstrukt zu tun.

Siehe auch:

Warnung: Miracle Mineral Supplement (MMS)

Faktenferne Konstrukte wie die Borreliose-Kardentinktur-Story und das Miracle Mineral Supplement werden jeweils gestützt durch zahlreiche Heilungsanekdoten. Dabei wird aber der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss nicht beachtet.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-procter-hoc-Fehlschluss

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht?

Warum wir gesund werden

Jede Besserung wird also vorschnell und ungeprüft dem angewandten Mittel zugeschrieben. Placeboeffekt, Selbstheilung, temporäre Besserung im Verlauf chronischer Krankheit und andere mögliche Einflüsse werden ausgeblendet.

Es gibt einen ziemlich egozentrischen „Erfahrungsfundamentalismus“, der die eigene Erfahrung als Massstab unbezweifelbarer Wahrheit betrachtet. Dass die Interpretation der eigenen Erfahrung sehr komplex und mit vielfältigen Selbsttäuschungsmöglichkeiten behaftet ist, geht dabei völlig unter.

Wer um diese Selbsttäuschungsmöglichkeiten weiss wird bescheidener, setzt seine eigenen Erfahrung nicht mehr absolut und wird auch im Bereich Komplementärmedizin genau hinzuschauen und Heilungsversprechungen kritisch hinterfragen.

Und zu guter letzt:

Sollten dereinst Argumente auftauchen, die für eine Wirksamkeit von Kardentinktur bei Borreliose oder von Miracle Mineral Supplement sprechen (äusserst unwahrscheinlich, aber aus grundsätzlichen Überlegungen nicht mit letzter Gewissheit auszuschliessen), werde ich sie genau prüfen und nötigenfalls meine Ansichten modifizieren. Aber mit grossspurigen Geschichten allein kann man mich nicht überzeugen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Komplementärmedizin: Der “Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss” als häufige Irrtumsquelle

Freitag, Januar 6th, 2012

Wir Menschen neigen dazu, zeitlich zusammen fallende Ereignisse in einen ursächlichen Zusammenhang zu stellen, der gar nicht vorhanden sein muss.

Man nennt dies etwas umständlich den „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlsschluss“.

Zu diesem Fehlschluss neigen wir häufig auch bei der Beurteilung von Heilwirkungen:

Ich leide an Krankheit Z

Ich nehme Präparat XY

Mir geht es besser

Schlussfolgerung: XY  ist wirksam gegen Krankheit Z

Alle anderen Einflüsse, die zu meiner Gesundung beigetragen haben könnten, werden mit diesem Kurzschluss ausgeklammert (besipielsweise Selbstheilungskräfte, Veränderungen in den Lebensumständen, andere therapeutische Massnahmen, Placebo-Effekte).

Und genauso gibt es den „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ bezüglich unerwünschter Nebenwirkungen:

Ich nehme Arzneimittel X

Ich bekomme Beschwerden Z

Schlussfolgerung: Arzneimittel X ist Auslöser der Beschwerden Z

Alle anderen Einflüsse, die zu den Beschwerden Z geführt haben könnten, werden ausgeklammert (beispielsweise andere Medikamente, Veränderungen in den Lebensumständen, Infektionen, Nocebo-Effekte).

Der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ ist der wichtigste Grund dafür, dass die Beurteilung von Heilwirkungen und Nebenwirkungen von Arzneimitteln so komplex ist, und dafür, dass einzelne Erfahrungen in dieser Hinsicht meistens wenig aussagen. Vor allem in der Komplementärmedizin hört man oft das Schlagwort „Wer heilt hat Recht!“. Dass die Realität nicht so simpel ist, dafür sorgt der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“. Wer heilt hat nämlich nur Recht, wenn das entsprechende Heilmittel tatsächlich für die Besserung oder Heilung verantwortlich ist. Das gilt natürlich nicht nur für die Komplementärmedizin.

Es gilt für synthetische Medikamente, Phytotherapeutika, Präparate aus Homöopathie oder Anthroposophischer Medizin etc.

Siehe auch:

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht?

Der „Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss“ ist ein starkes Argument für das Bestreben, Wirkungen von Arzneimitteln mittels systematischeren Untersuchungen zu klären, zum Beispiel in Form von Doppelblind-Studien.

Aber selbst Doppelblind-Studien können zu unterschiedlichen und widersprüchlichen Resultaten kommen.

Daher fasst man dann mehrere Doppelblind-Studien zu einer Metastudie zusammen, um auf diese Art und Weise fundiertere Schlüsse ziehen zu können. Das macht zum Beispiel die renommierte Cochrane Collaboration.

Aber selbst Metastudien können sich widersprechen….

zum Beispiel weil die Studien, welche man zur Auswertung in eine Metastudie einschliesst, mittels unterschiedlicher Kriterien ausgewählt wurden.

So müssen wir wohl oder übel auf die endgültige und umfassende Gewissheit in den allermeisten Fällen verzichten, denn die Beurteilung von therapeutischen Wirkungen und unerwünschten Nebenwirkungen ist eben sehr komplex. Was uns aber nicht davon abhalten sollte, nach vorläufiger und notgedrungen bruchstückhafter Erkenntnis zu streben. Suchen ist manchmal wichtiger als Finden.

Keine kritischen Fragen stellen und jede Behauptung und Heilungsversprechung unbesehen für bare Münze zu nehmen ist jedenfalls keine Alternative.

Entscheidend scheint mir dabei ein sorgfältiger Umgang mit dem Begriff „Erfahrung“.

Siehe dazu:

Naturheilkunde – vom sorgfältigen Umgang mit Erfahrung

Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung

Naturheilkunde: Erfahrung genügt nicht als Begründung

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Palliative Care & Naturheilkunde: Weiterbildung Phytotherapie

Donnerstag, Januar 5th, 2012

Sie suchen eine fundierte Weiterbildung im Bereich „komplementäre Pflege“ für die Palliative Care (bzw. für Spitex, Pflegeheim, Klinik)?

In Winterthur am Seminar für Integrative Phytotherapie gibt es den Speziallehrgang für professionelle Heilpflanzen-Anwendungen in der Pflege. Phytotherapie verbindet die traditionelle Pflanzenheilkunde mit den Erkenntnissen moderner Arzneipflanzenforschung.

Phytotherapie ist kompatibel mit medizinischem Denken und Handeln, was eine Voraussetzung ist für eine Integration in Pflegeheime, Spitex-Dienste oder Kliniken.

Komplementäre Pflege bzw. komplementärmedizinische Pflege ist ein Thema, das zunehmend auf Interesse stösst, doch genau wie beim Begriff „Komplementärmedizin“ ist nirgendwo definiert, was genau damit gemeint ist. Das hat zur Folge, dass in Ausbildungen und Weiterbildungen in „Komplementärer Pflege“ meistens eine ganze Reihe von Methoden vermittelt werden, von denen nicht wenige zu „exotisch“ sind, um in „normalen“ Pflegeinstitutionen umgesetzt zu werden. Sie eignen sich allenfalls für naturheilkundlich orientierte Spezialkliniken (werden dort aber dann hautsächlich von Ärzten angewendet).

Heilpflanzen-Anwendungen sind dagegen so breit in der Bevölkerung verankert, dass sie auch in vielen „normalen“ Pflegeheimen, Palliativ Care Abteilungen, Spitex-Diensten und Kliniken akzeptiert werden, wenn sie in einem professioneller Rahmen zur Anwendung kommen.

Weil „Komplementärmedizinische Pflege“ ein undefinierter Sammelbegriff ist, werden unter dieser Bezeichnung auch Lehrgänge angeboten, in denen verschiedenste (und sehr unterschiedliche) Methoden gemischt sind. Das tönt auf den ersten Blick immer verlockend, weil es den Eindruck macht, umfassend zu sein. Der Haken daran ist aber erfahrungsgemäss, dass man am Schluss von vielem eine Ahnung hat, aber in keinem Bereich ein tragfähiges Fundament bekommt.

Phytotherapie erweitert Handlungsmöglichkeiten in der Palliative Care

Sinnvoller ist es jedenfalls, eine Methode fundiert zu lernen. Und wenn es um die Umsetzung in die Pflege geht, sollte die Methode zudem medizinkompatibel und pflegekompatibel sein. Integrative Phytotherapie bietet dazu optimale Voraussetzungen.

Phytotherapie auf der Grundlage professioneller Krankenpflege ist eine ideale Brücke zwischen Medizin und Naturheilkunde. Pflegende als medizinische Fachpersonen bringen zudem ausgezeichnete Voraussetzungen mit, um im Sinne der Gesundheitsförderung fundiertes Heilpflanzenwissen an die Bevölkerung weiterzugeben.

Heilpflanzen-Anwendungen sind bewährt in der Palliative Care

Heilpflanzen-Anwendungen ermöglichen es zudem den Pflegenden in Situationen, in denen sie bei der Betreuung von schwerkranken Personen wenig zur Linderung des Leidens beitragen können, oft noch positive Veränderungen zu bewirken. Sie können zudem den Angehörigen sinnvolle Instrumente in die Hand geben, womit diese im täglichen Umgang mit ihren Verwandten ebenfalls handlungsfähiger werden. Auch unter diesen Gesichtspunkten haben sich Heilpflanzen-Anwendungen in der Palliativ-Pflege sehr bewährt.

Informationen zum Thema „Phytotherapie in der Pflege“:

Phytotherapie-Ausbildung für Pflegepersonen

(medizinkompatibler, pflegekompatibler Lehrgang)

Argumente für Phytotherapie in der Pflege

(zum Beispiel für Gespräche mit Pflegedienstleitungen)

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege

(Presse-Berichte zu Beispielen erfolgreicher Integration von Heilpflanzen-Anwendungen in Spitex, Pflegeheime und Kliniken, Angebot für Teamweiterbildung)

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care:

www.ig-pp.ch

Mit Heilfasten und Entschlackungskuren ins neue Jahr 2012?

Montag, Januar 2nd, 2012

Rechtzeitig zur Nach-Feiertagszeit bringt der österreichische „Standard“ ein Interview mit dem Ernährungsmediziner Kurt Moosburger zum Thema Heilfasten und Entschlacken.

Zitat:

„STANDARD: Heilfasten und Entschlackungskuren stehen schon seit Jahren hoch im Kurs. Sie sollen den Körper entgiften. Aber welchen gesundheitlichen Nutzen haben solche Kuren tatsächlich?

Moosburger:  Gar keinen. Sie haben sogar eher gesundheitliche Nachteile. Fasten ist Raubbau am eigenen Körper. Sie induzieren damit einen Hungerstoffwechsel, bei dem nicht nur Fett, sondern auch Muskelprotein abgebaut wird. Dieser Muskelmasse-Abbau ist vor allem in der ersten Woche des Fastens enorm. Man frisst sich also quasi selbst auf. Das ist völlig grotesk. Und was die Schlackenstoffe betrifft: Solche gibt es in Hochöfen, aber nicht im menschlichen Körper. Wenn die Nieren des Menschen und seine Leber in Ordnung sind, werden wir täglich von selbst entgiftet. Darüber braucht man sich keine Gedanken zu machen.“

Quelle:

http://derstandard.at/1324501618894/Nahrungsverzicht-Fasten-Raubbau-am-eigenen-Koerper

Kommentar & Ergänzung:

Unumstritten scheint mir, dass Fasten bei manchen Menschen das Wohlbefinden verbessern kann. Dafür verantwortlich ist aber wohl nicht die Ausscheidung ominöser „Schlacken“, sondern die Ausschüttung von „Glückshormonen“:

„Fasten tut wohl, meinen viele, die es praktizieren, und berichten von Entspannung und Euphorie. Physiologisch lässt sich das leicht erklären. Der Körper schaltet beim Hungern auf Notfallprogramm um. Er schüttet verstärkt Endorphine, Glückshormone, aus. Christliche Asketen und andere tiefreligiöse Menschen konnten sich so vermutlich gar in ekstatische Zustände versetzen – Erscheinungen inklusive. Dem modernen Fasten-Fan dagegen geht es meist um “Wellness” irdischer Prägung. Leib und Seele sollen gestärkt und gereinigt werden. Und das lässt man sich mitunter auch gerne etwas kosten.“

Quelle: http://derstandard.at/1324501596187/Fastenkuren-Jetzt-mal-wieder-halblang

Gesunden Menschen, die solche Erfahrungen machen wollen, würde ich nicht davon abraten.

Allerdings sehe ich auch kaum Argumente dafür, dass solche Fastenkuren für die Gesundheit gut oder gar wichtig wären.

Von Heilfasten zu reden, ist jedenfalls sehr gewagt.

Und wer mit Fasten eine nachhaltige Gewichtsabnahme anstrebt, ist sowieso auf dem Holzweg.

Heikel können sich Fastenkuren auswirken bei älteren Personen, die sich auch sonst mangelhaft ernähren, und bei Menschen mit chronischen Krankheiten. In solchen Situationen würde ich empfehlen, eine geplante Fastenkur mit dem Hausarzt oder der Hausärztin vorgängig zu besprechen.

Problematisch an diesem ganzen Entschlackungskult scheint mir, dass uns damit mehr oder weniger subtil vermittelt wird, unser Körper sei „vermüllt“ und dadurch behandlungsbedürftig. Das unterminiert das Vertrauen in die „Entsorgungs-Kompetenz“ unseres Körpers. Ist dieses Vertrauen weg, übernimmt eine ganze Armada von Fastengurus mit einem Arsenal von Entschlackungsmitteln sehr gerne und immer wiederkehrend diese „Müllabfuhr“. Das ist meines Erachtens eine komplementärmedizinische Variante der Medikalisierung. Menschen werden per Theorie für behandlungsbedürftig erklärt und dann mit entsprechenden Therapien versorgt.

Dass der Begriff „Schlacken“ ausgesprochen fragwürdig ist, habe ich an anderer Stelle schon thematisiert:

Darmreinigung: Mehr Schaden als Nutzen durch Entgiftungkur

Darmreinigung ist überflüssig bis gefährlich

Schlechte Schlankheitsmethoden: Heilfasten

Entschlackung – was ist das?

Fasten – Entschlacken

Schlackenstoffe – ein Phantom macht Karriere

Entgiften und Entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

Ist Heilfasten gesund?

Entschlackung – illusionäre Hoffnung auf Gewichtsabnahme

Wenn Ihnen jemand mit dem Begriff „Schlacken“ daher kommt und eine „Entschlackungskur“ anpreist, dann fragen Sie doch genau nach, um welche Stoffe es sich bei diesen „Schlacken“ handelt, wo sie im Körper abgelagert sind und wie genau sie durch das Entschlackungsmittel ausgeschieden werden sollen.

Aber lassen sie sich bei der Erklärung nicht abspeisen mit Begriffen, die genauso nebulös sind wie die zu erklärenden „Schlacken“. Meistens dreht sich die Erklärung nämlich im Nebel.

Die beiden Artikel im „Standard“ sind übrigens lohnenswert – auch die Diskussion in der Kommentarspalte. Immer wieder erstaunlich ist, welch heftige Reaktionen kritische Fragen zu den Themen Heilfasten und Entschlacken auslösen. Verteidiger dieser Verfahren gehen kaum je auf Argumente ein. Vielmehr werden Kritiker als Knechte der „Schulmedizin“ oder der „Pharmaindustrie“ in die Ecke gestellt. Mit dieser Art der Reaktion macht man es sich aber sehr einfach. Ähnliche Reaktionen sieht man oft bei Leuten, die ihre religiösen Überzeugungen in Frage gestellt sehen. Das ist nicht ganz erstaunlich. Viele Ernährungslehren scheinen zunehmend den Status von Ersatzreligionen zu erlangen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde

www.phytotherapie-seminare.ch

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen?  www.patientenseminare.ch