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Bullshit zu Aromapflege und Aromatherapie

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Bullshit redet, wer wohlklingende Worte äussert, die nichts aussagen. Ein Beispiel für solchen Bullshit sind meines Erachtens folgende Sätze über Aromapflege und Aromatherapie:

„Aromapflege und Aromatherapie folgen den Prinzipien der Naturheilkunde. Sie wollen die Lebenskraft und Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken. Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht. Sie bewirken eine seelische Umstimmung, regulieren aus der Balance Geratenes und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden. Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“

Quelle:

http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/i-o/komplementaermedizin/?full=50130

Kommentar und Ergänzung:

Hier werden wohlklingende Begriffe aneinandergereiht, die kaum irgendwelche konkreten Inhalte haben.

⇒ Die „Prinzipien der Naturheilkunde“ sind nicht so klar definiert, wie das hier aussieht. Der Autor müsste konkrete Beispiele bringen um zu illustrieren, was genau er damit meint. Aber wenn man konkret wird, stösst man schnell an Grenzen oder verwickelt sich in Widersprüche. Bleibt man schön im wohlklingenden Allgemeinen, lässt sich diese Schwierigkeit vermeiden.

„Lebenskraft“ ist ein schillernder Begriff, der spontan oft klar und einleuchtend klingt, aber sofort schwierig wird, wenn man genau erklären soll, was damit gemeint ist.

Wikipedia schreibt dazu:

„Der Begriff Lebenskraft war in seiner Entstehungszeit sehr populär und wurde oft auch wenig spezifisch gebraucht, als weit verbreiteter Platzhalterbegriff für unverstandene körperliche Vorgänge……

Die Vorstellung einer Lebenskraft wurde als Gesundheits- und Krankheitskonzeption von Christoph Wilhelm Hufeland Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts differenziert beschrieben…..

Hufeland sah als Grundursache aller Lebensvorgänge und als Selbsterhaltungsprinzip des Organismus eine allgemeine Lebenskraft mit weiteren Teilkräften:

  • eine erhaltende Kraft,
  • eine regenerierende und neubildende Kraft,
  • eine besondere Lebenskraft des Blutes,
  • eine Nervenkraft,
  • eine Kraft, die eine allgemeine Reizfähigkeit des Körpers bewirke, sowie
  • eine Kraft, die eine spezifische Reizfähigkeit des Körpers bewirke.

Krankheit sei eine Beeinträchtigung der Lebenskraft beziehungsweise der Lebenskräfte durch krankmachende Reize. Sichtbare Zeichen der Krankheit seien Heilreaktionen der Lebenskraft auf solche Krankheitsreize. Die Heilkraft der Natur (vis medicatrix naturae) und die Lebenskraft seien wesensgleich, wenn nicht identisch. Jedes therapeutische Handeln des Arztes wie auch jede Selbstbehandlung durch den Patienten solle die individuelle Lebenskraft unterstützen. Insgesamt habe sich das ärztliche Handeln am Prinzip des contraria contrariis zu orientieren. Dabei empfahl Hufeland neben der vorsichtigen Anwendung von Medikamenten die Beachtung diätetischer Regeln und physikalische Therapien (zum Beispiel als Wasseranwendungen).

Auf Hufelands Konzept gehen Impulse für die Entwicklung der Naturheilkunde im 19. Jahrhundert zurück.“

⇒  Die „Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken“ tönt auch immer gut. Die Selbstheilung des Menschen ist faszinierend. Daran wirken aber tausende von Vorgängen im Organismus mit, die sich je nach Krankheit beträchtlich unterscheiden können. Die Selbstheilungskräfte als feststehende Grösse wird es daher kaum geben. Auch hier wären detaillierte Angaben vorzuziehen. Welche Prozesse beeinflusst das ätherische Öl genau und wie? Aber auch hier gilt: Sobald man genaue Aussagen macht, können diese auch in Frage gestellt, kritisiert und widerlegt werden. „Die Selbstheilungskräfte“ dagegen bieten keine Angriffsfläche für konkrete Einwände.

 „Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht.“ – „Tief“ tönt immer gut. Aber was heisst „tief“ genau in diesem Zusammenhang? Eingreifend? Tief eingreifend in die Psyche? Könnte das, wenn es stimmt, nicht gefährlich werden? Oder ist nur immer und ausschliesslich eine positive Wirkung zu erwarten im Sinne einer Förderung des Gleichgewichts. Ist das nicht etwas gar viel Wunschdenken?

 „Sie bewirken eine seelische Umstimmung…“  Wenn das stimmt, kann das nicht auch schiefgehen? Oder muss ich mir das einfach immer positiv vorstellen? In Sinne von: Das ätherische Öl weiss schon, was es machen muss? Ist das nicht allzu schön um plausibel zu sein?

„…regulieren aus der Balance Geratenes…“ Da haben wir sie wieder, die umfassende Regulation. Damit kann man nie schiefliegen.

 „…und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden.“    Das ist eine sehr weitreichende Versprechung. Wie machen die ätherischen Öle das und was sollen wir verstehen unter dem „eigentlichen Nährboden“ einer Krankheit: Auch hier: Wer nicht konkret wird, versteckt sich vor möglichen konkreten Einwänden.

„Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“ Das tönt immer gut, sagt aber auch nichts Konkretes aus.

Diese Kritik richtet sich nicht generell gegen Aromatherapie und Aromapflege. Ätherische Öle sind im vielen Bereichen interessante und wirksame Heilmittel. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass ich in Texten über Aromatherapie und Aromapflege auf derartigen Worthülsen treffe.

Das ist meines Erachtens immer ein Anlass für genaues, kritisches Nachfragen, auch wenn es um andere Bereiche als Aromapflege und Aromatherapie geht – zum Beispiel um Texte in der Pflanzenheilkunde.

Vorgänge und Begriffe möglichst genau zu beschreiben ist eine Grundvoraussetzung guter Kommunikation und fachlicher Auseinandersetzung. Mit schwammigen Begriffen wie sie das oben aufgeführte Zitat enthält, redet man weitgehend aneinander vorbei. Das gilt auch für Vorträge, Kurse und Ausbildungen. Haken Sie nach, wenn Sie in Lehrveranstaltungen mit wohlklingenden, aber schwammigen Begriffen „gefüttert“ werden.

Wer leere Worthülsen einfach schluckt, weil sie so gut tönend daherkommen, lässt sich einlullen oder lullt sich selber ein. Wer dagegen genau nachfragt, klärt die Begriffe so weit es geht und bekommt dadurch einen stabileren Stand in der Welt.

Der amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt hat übrigens ein lesenswertes Büchlein geschrieben mit dem Titel „Bullshit“ (Suhrkamp Verlag).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

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Gänsefingerkraut gegen Darmerkrankungen, Bauchschmerzen, Blähungen, Menstruationsbeschwerden?

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Die „Bild“-Zeitung weiss Rat: „Diese 5 Wildkräuter sind schön und machen gesund“ – so der Titel eines Beitrags.

Gut – dann schauen wir uns einmal an, was da genau empfohlen wird:

„Gänsefingerkraut: Hilft bei Darmerkrankungen, Bauchschmerzen, Blähungen und Menstruationsbeschwerden.

Blätter, Kraut und Wurzeln zu Tee verarbeiten und trinken.“

Quelle:

http://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/heilpflanzen/diese-wildkraeuter-sind-schoen-und-heilen-43457182.bild.html

Kommentar & Ergänzung:

Im Internet kann bekanntlich jede und jeder über Heilpflanzen (oder andere Heilmittel) schreiben, was er oder sie will. Das mag auch Vorteile haben und entspricht der Meinungsfreiheit, die uns wichtig ist. Es führt aber auch zu einem Dschungel von Aussagen und Behauptungen, der für Laien schwer durchschaubar ist. Denn eine Qualitätskontrolle gibt es da nicht einmal ansatzweise. Und die Redaktion der Bild-Zeitung scheint es auch nicht für nötig zu erachten, die veröffentlichten Ratschläge auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen.

Nur schon der kleine Text zum Gänsefingerkraut (Potentilla anserina) wirft eine ganze Reihe von Fragen auf:

– Was genau soll ich mir darunter vorstellen, wenn Gänsefingerkraut gegen Darmerkrankungen helfen soll? Es gibt sehr viele sehr unterschiedliche Darmerkrankungen mit verschiedensten Ursachen und es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass Gänsefingerkraut in allen Fällen helfen kann. Also müsste diese Angabe eingeschränkt werden. Aufgrund des Gehalts an Gerbstoffen ist eine stopfende Wirkung bei leichten Durchfällen plausibel und auch eine entzündungswidrige Wirkung bei Mundschleimhautentzündungen. Das wär’s dann aber wohl im Verdauungstrakt.

– Vergleichbar beim Stichwort „Bauchschmerzen“: Es gibt verschiedenste Ursachen für Bauchschmerzen. Gänsefingerkraut könnte allenfalls bei leichteren Menstruationskrämpfen lindernd wirken (siehe unten) oder bei leichteren Krämpfen im Kontext von Durchfall (es gibt in solchen Fällen aber besser wirkende Heilpflanzen). Abgesehen davon hängen leichtere Bauchschmerzen oft mit Ernährungsfehlern zusammen (zuviel gegessen? Unverträgliche Nahrungsmittel?). Das lässt sich nicht mit Gänsefingerkraut beheben. Und wenn keine solchen Zusammenhänge erkennbar sind, brauchen Bauchschmerzen eine ärztliche Diagnose, damit gezielter behandelt werden kann.

– Gänsefingerkraut gegen Blähungen? Auch für Blähungen gibt es unterschiedliche Ursachen, die oft mit der Ernährung zusammenhängen – zum Beispiel mit Störungen bei der Verdauung von Kohlenhydraten. Es ist nicht ersichtlich, wie Gänsefingerkraut in solchen Fällen helfen könnte und es gibt auch keine Hinweise für eine Wirkung gegen Blähungen in der Phytotherapie-Fachliteratur.

– Gänsefingerkraut gegen Menstruationsbeschwerden: In der traditionellen Pflanzenheilkunde wurde Gänsefingerkraut gegen ganz unterschiedliche Beschwerden verwendet, darunter auch zur Linderung von Menstruationskrämpfen. Dazu liegen auch positive ärztliche Erfahrungsberichte vor, die aber keine verlässliche Beurteilung erlauben. Siehe dazu:

Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung

Studien zur krampflösenden Wirkung von Gänsefingerkraut führten zu kontroversen Ergebnissen.

Soviel zu den Indikationen von Gänsefingerkraut, wie „Bild“ sie empfiehlt. Zum Schluss geht „Bild“ noch auf die Zubereitung von Gänsefingerkraut ein:

„Blätter, Kraut und Wurzeln zu Tee verarbeiten und trinken.“

Selbst in diesem kurzen Satz gibt es Ungenauigkeiten und Fehler. So ist zum Beispiel die Anwendung der Wurzel des Gänsefingerkrauts total ungebräuchlich. Wenn von „Kraut“ die Rede ist, dann meint man damit die oberirdischen Pflanzenteile, soweit sie nicht verholzt sind – also Blätter, Stängel und Blüten. Und genau dieses Kraut (Herba) kommt zur Anwendung beim Gänsefingerkraut.

Mit diesen Einwänden kritisiere ich nicht das Gänsefingerkraut, sondern nur die fragwürdige Darstellung in der „Bild“-Zeitung. Das Gänsefingerkraut ist ein sehr hübsches, sympathisches Pflänzchen….

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Falsche Werbeversprechen für Nahrungsergänzungsmittel erkennen

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Werbeversprechen für Nahrungsergänzungsmittel sollten stets kritisch hinterfragt werden, sagt Thomas Benkert, Vizepräsident der Bundesapothekerkammer. Wenn etwas zu gut klinge, um wahr zu sein, dann sei es oft auch nicht wahr. Unseriöse Werbeversprechungen könne man mit gesundem Menschenverstand meist selbst entlarven. Er rät jedoch, sich gegebenenfalls in der Apotheke zu erkundigen und sagt: «Apotheker informieren kompetent und unabhängig darüber, woran Schwindelprodukte erkannt werden können und welche Präparate wirklich helfen.»

Für Quacksalberei gebe es verschiedene typische Anzeichen, erklärt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) in einer Pressemitteilung. Ein Indiz für Quacksalberei sei zum Beispiel eine „Erfolg- oder-Geld-zurück“-Garantie. Auch wenn ein Präparat gegen zahlreiche unterschiedliche Krankheiten wirken soll, sollten Konsumenten skeptisch sein.

Verbraucher müssten für Schwindelprodukte oft auch zu viel bezahlen und die Krankenkasse erstatte die Präparate nicht.

Vorsicht ist nach Ansicht der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände auch angebracht, wenn etwas besser als die Schulmedizin sein soll. Das könnte Patienten fälschlicherweise dazu verleiten, ihre bewährte Behandlung ohne Rücksprache mit dem Arzt und dem Apotheker abzuändern oder gar abzusetzen.

Untersagt sei laut Heilmittelwerbegesetz zudem die Werbung mit Krankengeschichten oder wissenschaftlichen Studien außerhalb der Fachkreise. Gerade beim Fehlen wissenschaftlicher Studien verweisen Geschäftemacher laut ABDA gerne auf Erfahrungsberichte einzelner Patienten, die jedoch häufig schlicht erfunden seien.

Auch euphorische Patientenberichte in Internetforen oder Blogs könnten gefälscht sein, betont der ABDA.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=59745

Kommentar & Ergänzung:

Sehr einverstanden damit, dass man Versprechungen bezüglich der Wirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln kritisch hinterfragen muss.

Aber: Auch viele Apotheken verkaufen sehr engagiert wirkungslose Nahrungsergänzungsmittel, sowie zugelassene, jedoch wirkungslose Arzneimittel – sowohl „chemische“ als auch komplementärmedizinische.

Darum ist zu empfehlen:

Sich selber informieren und auch in der Apotheke kritisch nachfragen.

Apotheker informieren nämlich vielleicht tatsächlich kompetent und unabhängig über Schwindelprodukte – wie Herr Benkert sagt – aber nur, wenn es sich um Produkte handelt, die sie nicht selbst im Sortiment haben.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kombination von Cannabis und Alkohol verstärkt Unfallgefahr

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Der THC-Wert im Blut erhöht sich deutlich, wenn Cannabis und Alkohol zusammen konsumiert werden. Das belegen die Resultate einer Studie aus den USA. Tetrahydrocannabinol (THC) ist die Substanz der Cannabis-Pflanze, die überwiegend für die psychoaktive Wirkung verantwortlich ist. In ihrer Studie hatten die Wissenschaftler um Studienleiterin Marilyn A. Huestis vom National Institute on Drug Abuse in Baltimore 19 Erwachsene entweder ein Placebo oder ein Getränk mit geringem Alkoholgehalt einnehmen lassen. Zehn Minuten später inhalierten die Probanden 500 Milligramm eines Placebos beziehungsweise verdampftes Cannabis mit einer tieferen THC-Dosis (2,9 Prozent) oder höheren THC-Dosis (6,7 Prozent). Hatten die Probanden keinen Alkohol konsumiert, lagen die mittleren Maximalwerte für THC im Blut bei der tieferen Cannabis-Dosierung bei 32,7 µg/l, für die höhere bei 42,2 µg/l. Mit Alkohol lagen die Werte bei 35,3 beziehungsweise 67,5 µg/l. Das schreiben die Wissenschaftler online im Fachjournal «Clinical Chemistry».

Die Wissenschaftler glauben, dass ihre Resultate die Tatsache erklären können, warum in den USA Cannabis und Alkohol eine der am häufigsten entdeckten Drogen-Kombinationen bei Unfällen ist. Den Forschern zufolge stimmen Fachleute schon länger darin überein, dass die Kombination von beidem die Unfallgefahr stärker steigert, als jede der Substanzen für sich allein. Dafür spreche auch eine US-amerikanische Studie, in der Forscher rund 1.900 tödliche Verkehrsunfälle untersucht hatten.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=58115

Kommentar & Ergänzung:

Cannabis bzw. sein Hauptwirkstoff THC wird zunehmend als Medikament verwendet und ist bei Indikationen wie Spastik tatsächlich oft eine interessante Option.

Insofern ist die Rehabilitation der Heilpflanze Cannabis überfällig. Allerdings müssen dabei – wie es bei wirksamen Heilmitteln die Regel ist – auch allfällige Risiken und Nebenwirkungen berücksichtigt werden.

Die eingeschränkte Fahrtüchtigkeit ist ein solches Risiko.

Über Wirkungen und Risiken von Cannabis finden Sie über das Suchfeld oben rechts in diesem Blog eine ganze Reihe von Artikeln („Cannabis“ eingeben).

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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BfArM warnt erneut vor Miracle Mineral Supplement (MMS)

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Das Bundesinstitut für Arzneimittel (BfArM) hat seine Warnung erneuert und verschärft: MMS, das angeblich gegen Aids, Krebs, Herpes, Malaria, Demenz und vieles andere mehr helfen soll, wurde als bedenkliches, nicht zugelassenes Arzneimittel eingestuft. Damit ist der Verkauf von MMS in Deutschland ab sofort illegal.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat die «Miracle Mineral Supplement»-Produkte MMS und MMS2 der Firma Luxusline Ltd. als zulassungspflichtige Arzneimittel eingestuft. Zudem bewertet es diese Produkte als bedenklich, weil der begründete Verdacht bestehe, dass sie bei bestimmungsgemäßem Gebrauch schädliche Wirkungen haben, die über ein vertretbares Maß hinausgehen.

Das BfArM warnte schon im vergangenen Jahr vor Natriumchlorit-Produkten, die in der Regel über das Internet als Miracle Mineral Supplement zur Heilung von Krebs, Malaria, chronischen Infektionen und weiteren schwerwiegenden Krankheiten beworben werden. Mit der aktuellen Einstufung bestätigt das BfArM seine kritische Haltung zum Vertrieb und der Anwendung dieser Produkte.

Als bedenklich nach § 5 Arzneimittelgesetz sind die beiden Produkte laut BfArM deshalb einzustufen, weil mit der Einnahme schädliche Wirkungen verbunden sind, die über ein vertretbares Maß hinausgehen.

MMS enthält die Chemikalie Natriumchlorit in einer Lösung von 28 Prozent, MMS2 Calciumhypochlorit 70 Prozent in Kapseln. Die beiden Produkte werden kombiniert mit einer «Aktivator»-Zitronensäurelösung 10 Prozent zur Trinkwasseraufbereitung in den Handel gebracht. Durch die Reaktion von MMS mit der sogenannten Aktivatorlösung, also von Natriumchlorit und Zitronensäure, entwickelt sich Chlordioxid, ein giftiges Gas mit stechendem, chlorähnlichem Geruch. Chlordioxid wird als Bleichmittel von Papier und zur Desinfektion von Trinkwasser verwendet und kann schwere Verätzungen der Haut sowie schwere Augenschäden auslösen.

Den Giftnotrufzentralen liegen laut Angaben des BfArM Fälle von Erbrechen, Atemstörungen und Hautverätzungen bei der Einnahme von MMS vor.

Behörden in Amerika, Kanada, Frankreich und Deutschland warnen immer wieder vor MMS, weil nach Einnahme dieser Präparate unerwünschte Wirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall, Nierenversagen, Verätzungen der Speiseröhre sowie Atemstörungen durch Schäden an roten Blutkörperchen beobachtet wurden.

Quellen:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=56643

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/mms-bfarm-stuft-es-nach-zulassung-als-bedenklich-ein-a-1017455.html#ref=plista

 

Kommentar & Ergänzung:

Auch diese Warnung wird die MMS-Gemeinde nicht von ihrem Wundermittel abbringen.

Das Märchen vom simplen Heilmittel, das fast alle Krankheiten besiegt, ist einfach viel zu schön. Dazu kommt dann noch die Opferlegende vom grossartigen menschenfreundlichen Wundermittel, das von der bösen Pharma-Lobby unterdrückt wird.

Natürlich treten die erwähnten Vergiftungserscheinungen nur bei einer kleinen Minderheit der Anwenderinnen und Anwender auf.

Ich selber bin allerdings auch schon von Leuten kontaktiert worden, die von erheblichen Reizwirkungen nach MMS-Anwendung berichtet haben.

Mir ist es gerade als ehemaligem Drogisten ein Rätsel, wie man sich freiwillig Chlorgas aussetzen und das auch noch für gesund halten kann.

Am eindrücklichsten ist aber, wie Leute daran glauben können, dass ein derart einfach gestricktes Produkt eine ganze Palette von sehr unterschiedlichen schweren Krankheiten heilen kann.

Auf diesen Post werden wieder – wie beim Thema MMS üblich – eine Reihe von gehässigen Kommentaren von MMS-Anhängerinnen und –anhängern eintrudeln, die oft gipfeln in der sehr investigativen Frage „Wie viel zahlt dir die Pharmaindustrie für diesen Hetzartikel?“ – Darum hier gleich prophylaktisch der Hinweis: Nein, ich bin nicht von der Pharma-Lobby bezahlt – und Kommentare dieser Art werden umstandslos gelöscht.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Der Gewöhnliche Teufelsabbiss (Succisa pratensis) ist die Blume des Jahres 2015

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Die Loki Schmidt Stiftung hat den Gewöhnlichen Teufelsabbiss (Succisa pratensis) zur Blume des Jahres 2015 gewählt (Pflanzenfoto auf Wikipedia).

Mit der „Blume des Jahres“ macht die Loki Schmidt Stiftung jeweils auch auf einen bedrohten Lebensraum hin.

Beim Teufelsabbiss sind das magere und offene Feuchtwiesen, Moore und Heiden.

Das Rhizom ( = Wurzelstock) des Gewöhnlichen Teufelsabbisses wird bis zu 50 cm tief und stirbt im Herbst von unten ab. Der Teufel soll die Wurzel jeweils von unten abbeissen, aus Zorn über ihre Heilkraft, sagt ein alter Volksglaube.

Quelle:

http://www.loki-schmidt-stiftung.de/downloads/blumen_des_jahres_pdfs/Blume_des_Jahres_2015.pdf

 

Kommentar & Ergänzung:

Teufelsabbiss enthält Saponine, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Stärke und Saccharose. Die Pflanze wurde in der traditionellen Volksheilkunde eingesetzt zur „Blutreinigung“, als Diuretikum, gegen Husten, Heiserkeit, Lungenerkrankungen, als Anthelmintikum (wurmwidriges Mittel), äusserlich bei Hauterkrankungen, Ekzemen, Geschwüren und Quetschungen.

Wie viele andere Pflanzen auch, wurde Teufelsabbiss früher gegen Pest empfohlen. Aber schon Tolstoi hat geschrieben: Wenn gegen eine Krankheit viele verschiedene Heilmittel empfohlen werden ist das ein Zeichen, dass sie unheilbar ist. Mit anderen Worten: Gegen Pest hat man früher in grosser Not einfach fast alles probiert, was greifbar war.

Keine dieser Indikationen ist aber bisher geklärt worden, so dass der Teufelsabbiss heute in der Phytotherapie nicht mehr zur Anwendung kommt.

Zum Anschauen in der Natur ist die Pflanze allerdings ausgesprochen hübsch, aber nicht häufig anzutreffen. Wenn Sie mehr Wildpflanzen und Heilkräuter in der Natur kennenlernen möchten, dann schauen Sie sich mal mein Programm 2015 für die Kräuterwanderungen an.

Botanisch gehört der Teufelsabbiss zur Pflanzenfamilie der Kardengewächse (Dipsacoideae), zu der auch die Witwenblumen, die Skabiosen und die Karden zählen.

Teufelsabbiss blüht erst spät im Jahr (Juli bis September) und wird von Bienen, Schmetterlingen und Fliegen bestäubt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Salbei zur Duftpflanze des Jahres 2015 gewählt

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Die Vereinigung für Aromapflege und gewerbliche Aromapraktiker (VAGA) wählte die Salbei zur Duftpflanze des Jahres 2015. Der „Kurier“ berichtet darüber und weißt auf die Wirkung der Salbeiblätter bei Halsweh und gegen zu starkes Schwitzen hin.

Leider kolportiert die Zeitung auch die Mär von der östrogenartigen Wirkung der Pflanze:

„Menstruation. Salbei enthält östrogenartige Substanzen, die bei Wechsel- und Menstruationsbeschwerden helfen können. Schon Hippokrates setzte Salbei als Uterus-Heilmittel ein.“

Quelle:

http://kurier.at/lebensart/gesundheit/gesundes-kraut-salbei-ist-duftpflanze-des-jahres-2015/95.092.303/slideshow

Diese Aussage lese ich nicht zum ersten Mal. Eigenartig ist allerdings, dass nie erwähnt wurde, um welche östrogenartigen Substanzen ist sich handeln soll. Das wäre aber nötig, wenn die Aussage glaubwürdig sein soll. In der Phytotherapie-Fachliteratur tauchen keine Salbei-Inhaltsstoffe mit östrogener Wirkung auf und die schweisshemmende Wirkung dürfte durch direkte Beeinflussung der Schweissdrüsen zustande kommen – und nichts mit Phytoöstrogenen zu tun haben.

Die Aussage steht also auf ausgesprochen schwachen Füssen.

Der Artikel im „Kurier“ geht auch auf die Geschichte der Salbei als Heilpflanze ein:

„Schon die Griechen glaubten, Salbei könne unsterblich machen. Im Mittelalter hatte das Kraut den Ruf eines universellen Heilmittels. Ein Spruch aus der Volksmedizin des 13. Jahrhunderts lautet etwa: ‚Wie kann ein Mensch sterben, in dessen Garten Salbei wächst?’“

Quelle:

http://kurier.at/lebensart/gesundheit/gesundes-kraut-salbei-ist-duftpflanze-des-jahres-2015/95.092.303/slideshow

Der Spruch: „Cur moriatur homo, cui Salvia crescit in horto ?“ – „Warum soll der Mensch sterben, wenn doch Salbei in seinem Garten wächst?“, wird immer wieder gerne zitiert und er zeugt davon, dass man der Salbei Wunderkräfte zugetraut hat. Die Aussage stammt aus einem alten medizinischen Lehrgedicht der Schule von Salerno, dem „Regimen Sanitatis Scholae Salernitanae“, dessen Handschrift um 1101 entstanden sein dürfte.

Allerdings lautet dort die Antwort auf die gestellte Frage:

„Contra vim mortis non est medicamen in hortis.“ – „Gegen den Tod ist kein Kräutlein im Garten gewachsen.“

Und dieser Teil – der doch etwas relativierend wirkt, wird nur selten zitiert.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Neues Cannabis-Medikament in der Schweiz

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Die Arzneimittelfirma Hänseler aus Herisau vertreibt ab 1. November 2014 schweizweit eine ölhaltige Cannabis-Lösung. Das sogenannte Sativa-Öl soll hauptsächlich Schmerzen lindern.

Die Abgabe ist rechtlich aufwendig, weil die Cannabis-Pflanze unter das Betäubungsmittelgesetz fällt. Der behandelnde Arzt muss für jeden einzelnen Patienten beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) eine Ausnahmebewilligung zur Verschreibung von THC einholen. Im Gesuch ist genau zu begründen, warum kein anderes Medikament verwendet werden kann.

Immer mehr Untersuchungen zeigen, dass Cannabis Schmerzen und Spastiken (Muskelverspannungen) lindern kann. Als alkoholische Tinktur und als synthetisches Dronabinol werden Cannabispräparate von Ärzten bereits verschrieben und abgegeben, wenn eine Bewilligung des BAG vorliegt.

Verschiedene Presseberichte melden, dass ab dem 1. November nun erstmals auch ein THC-haltiges Öl erhältlich sei. Die Hänseler AG aus Herisau verfüge seit dem Frühjahr schweizweit als erste über eine Ausnahmebewilligung zur Herstellung des sogenannten Sativa-Öls.

Apotheken können das Präparat als Magistralrezeptur beziehen. Solche Arzneimittel werden auf ärztliches Rezept für eine bestimmte Person durch die Apotheke selber hergestellt oder bei spezialisierten Betrieben bestellt.

Die St. Galler Pflegefachfrau Bea Goldman, die das Öl vor sieben Jahren entwickelt hat, instruiert und begleitet mit dem Produkt hauptsächlich Patienten mit der unheilbaren Nervenkrankheit ALS.

Nach Goldmann zeigen die Erfahrungen der vergangenen Jahre, dass das Öl sehr gut wirkt. Im Gegensatz zu bestehenden Cannabinoid-Medikamenten sollen etliche Patienten durch das Sativa-Öl die Krankheit besser bewältigen können.

Die ölige Trägersubstanz habe zudem eine längere Wirkungsdauer. Gegen einen Missbrauch der öligen Lösung spreche die THC-Konzentration von nur einem Prozent. Um in Zukunft mehr Patienten behandeln zu können, plant Goldmann zusammen mit dem Neurologen Markus Weber die Lancierung der ersten Cannabis-Sprechstunde am St. Galler Kantonsspital.

Quelle:

http://www.tagblatt.ch/ostschweiz/ostschweiz/tb-os/Neues-Cannabis-Medikament-aus-Herisau;art120094,3979111

 

Kommentar & Ergänzung:

Grundsätzlich finde ich es begrüssenswert, wenn es mehr Varianten gibt für die Anwendung von Cannabis als Heilmittel. Etwas überzogen scheint mir allerdings, wenn in diesen Meldungen geschrieben wird, dass nun erstmals ein THC-haltiges Öl erhältlich sei.

Dronabinol-Tropfen sind ebenfalls auf einer öligen Basis, wobei allerdings das THC nicht aus Cannabis stammt.

Von diesem Sativa-Öl habe ich noch nie etwas gehört und auch keine Unterlagen dazu gesehen. Darum kann ich es nicht einschätzen. Vermutlich wurde dieses Präparat bisher eher „diskret“ eingesetzt.

Bei medizinisch begründeten Cannabis-Anwendungen ist es zentral, dass die verschreibenden Personen die Präparate gut kennen. Das wird bei Bea Goldmann und dem Sativa-Öl der Fall sein. Und es ist auch ein interessantes Projekt, wenn am Kantonsspital St. Gallen eine Cannabis-Sprechstunde entstehen soll.

Ansonsten ist meines Erachtens der Apotheker Manfred Fankhauser aus Langnau im Emmental die Fachperson in der Schweiz, die sich am besten mit legalen Cannabis-Produkten für medizinische Anwendungen auskennt.

Siehe dazu:

Cannabis für Patienten in der Schweiz legal erhältlich?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Senf als Naturheilmittel

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Senf soll das älteste Gewürz der Welt sein. Bereits in der Antike schwor der griechische Mathematiker Pythagoras, dass Senf den Verstand schärft. Zunächst war Senf offenbar reines Heilmittel, dann erst diente er als Gewürz zum Verfeinern von Speisen.

Senf gehört zur Pflanzenfamilie der Kreuzblütler (Brassicaceen) und ist verwandt mit Raps, Rettich, Meerrettich und Kohl.

Senf verleiht nicht nur Gerichten einen unvergleichlichen Geschmack – er kann auch positive Wirkungen auf den Organismus entfalten.

Die Senf-Paste fördert die Verdauung, regt den Speichelfluss an, Gallensaft und Magensaft werden vermehrt ausgeschüttet. Die Schärfe und die Heilwirkungen werden ausgelöst durch die Senföle. Sie werden freigesetzt, wenn die Körner zerkleinert und fermentiert werden. Senföle helfen der Pflanze bei der Abwehr von Fraßschäden und Mikroorganismen. Senfmehl hat sich auch bei Gelenkbeschwerden in Form von Auflagen / Umschlägen bewährt, ein Senfmehlfußbad wärmt die Füße. Forschungen am Universitätsklinikum Freiburg deuten zudem darauf hin, dass Senf vor Krebs schützen könnte, indem die Senföle krebsauslösende Stoffe unschädlich machen.

Quelle:

http://www.dw.de/senf-die-medizin-des-altertums/av-17082603

Kommentar & Ergänzung:

Senf ist tatsächlich ein interessantes Naturheilmittel. Allerdings sollte man sich gut kundig machen, bevor man Senfauflagen oder Senfmehlfussbäder anwendet. Vor allem bei den Auflagen kann eine zu lange Einwirkungszeit die Haut zu stark reizen und sogar Blasen hervorrufen.

Wichtig: Das Wasser sollte beim Kontakt mit dem Senfmehl nicht heisser als 45°C sein. Bringt man das Senfmehl mit heisserem Wasser in Kontakt, so wird ein Enzym zerstört, das für die Freisetzung der Senföle „verantwortlich“ ist.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

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Placebo-Effekt bei Tieren? Kommt selbstverständlich vor!

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Dieses Argument kommt häufig auf den Tisch in Diskussionen rund um Alternativmedizin und Komplementärmedizin:

„Präparat X wirkt auch bei Tieren. Das beweist, dass es nicht nur ein Placebo ist.“

So beispielsweise hier in einem Artikel der „Südwest Presse“ über Homöopathie bei Tieren:

„Einem Vorurteil sieht sich die Homöopathie immer wieder ausgesetzt: Die vermeintliche Heilung sei eingebildet, ein reiner Placebo-Effekt. Über die Wirkung bei Tieren lässt sich in diesem Fall jedoch kaum streiten: Sie können keinem Placebo-Effekt unterliegen.“

Quelle:

http://www.swp.de/ehingen/lokales/ehingen/Print-Homoeopathie-Tieraerztin-Heilung-Placebo-Konservative-Medizin-versus-Homoeopathie-bei-Tieren-Sanfte-Heilung-durch-Natur;art4295,2836442

Kommentar & Ergänzung:

Unabhängig davon, ob das „Präparat X.“ tatsächlich wirksam ist oder nicht: Als Argument ist diese Aussage sehr schwach und zeugt zudem von mangelndem Wissen bezüglich dem Placebo-Phänomen:

1. Der Placebo-Effekt ist nicht gleichzusetzen mit „Einbildung“, wie es die Formulierung der „Südwest Presse“ suggeriert. Der Placebo-Effekt ist viel vielschichtiger und komplexer.

2. Placebo-Effekte gibt es auch bei Tieren und sie sind schon seit vielen Jahren gut dokumentiert.

Alexandra Freismuth schreibt dazu in ihrer Dissertation zum Thema „Eine placebokontrollierte Doppelblindstudie zur Wirkung von Vitamin E und Selen auf die Muskulatur von Sportpferden (München 2004):

„Der Placeboeffekt spielt in der Tierarztpraxis eine große Rolle, obwohl sich dessen viele Tierärzte nicht bewusst sind.

Als PESUT 1983 einen Artikel über Placebos in der Tiermedizin verfasste, stellte er fest, dass es eigentlich keine Literatur darüber gab. Er war sich jedoch sicher, dass die meisten Tierärzte über den Gebrauch des Placebos in der Humanmedizin Bescheid wussten, selbst Placebos einnahmen oder sogar Patienten damit behandelten, bewusst oder unbewusst (PESUT, 1983).

In der Tiermedizin existiert jedoch häufig die Ansicht, dass es den Placeboeffekt beim Tier überhaupt nicht geben würde, da bei Tieren im Gegensatz zum Menschen keine subjektive Beeinflussung durch den Therapeuten möglich wäre, und Tiere damit auch keine Erwartungshaltung an die Verabreichung eines Placebos knüpfen könnten. Tiere sind jedoch sehr wohl in der Lage, durch Maßnahmen des Menschen im Sinne einer Placebowirkung zu reagieren, was durch zahlreiche experimentelle und klinische Untersuchungen gezeigt werden konnte. Tiere reagieren auf jede Veränderung in ihrer gewohnten Umgebung oft sehr viel empfindlicher als der Mensch. Das Fixieren von Versuchstieren für Applikationen führt zu Stress- bedingten Veränderungen zahlreicher Transmitter-, Hormon- und Mediatorsysteme, was Arzneimittelwirkungen simulieren, potenzieren oder auch maskieren kann. In der experimentellen Pharmakologie muss deshalb jede Arzneimitteluntersuchung placebokontrolliert durchgeführt werden, das heißt die Versuchstiere müssen den Arzneiträger in der gleichen Menge und mit der gleichen Applikationsart bekommen wie die mit Arzneimittel behandelte Gruppe, um Rückschlüsse auf die Wirkung des Arzneimittels zu bekommen. Im klinischen Bereich muss zwischen einer direkten Placebowirkung auf das Tier durch die Handlungen des Tierarztes und die damit verbunden Reaktionsänderung und Erwartung des Tieres und dem Einfluss des Besitzers unterschieden werden.

Jede mit Angst, Schmerz oder Stress verbundene Maßnahme am Tier führt zu einer unspezifischen Aktivierung endogener Prozesse, was den natürlichen Verlauf einer Erkrankung beeinflussen kann. Der Einfluss des Besitzers auf den Behandlungserfolg hat objektive und subjektive Aspekte. Der Besitzer wird oft dem kranken Tier mehr Aufmerksamkeit widmen als dem gesunden Tier, was die Wirkung beeinflussen kann (LÖSCHER und RICHTER, 1999).

Nach PESUT stellt sich hier die Frage, wer nun behandelt wird das Tier oder der Besitzer. Oft erwarten die Tierbesitzer auch, dass das Tier eine Injektion, Tabletten oder eine Salbe zum Auftragen erhält. Tierärzte, die in dieser Situation nichts spritzen oder keine Medikamente zur Behandlung abgeben, laufen Gefahr einen Kunden zu verlieren.

In der Humanmedizin hat der Kinderarzt ein ähnliches Problem. Er behandelt einen viralen Infekt eines Kindes auf das Drängen der Eltern mit Antibiotika, obwohl keine Sekundärinfektionen vorliegen.

Diese Problematik entsteht hauptsächlich dadurch, dass Patienten für jedes Symptom eine Behandlung erwarten (WEISS, 1990).

Es ist jedoch die Frage, ob die Tiere wirklich auf das Placebo oder auf die Veränderung im Verhalten des Menschen reagieren. Hat ein Tier eine sehr enge Beziehung zu seinem Besitzer wird es ihm sicherlich gut tun, wenn der Besitzer ihm mehr Aufmerksamkeit schenkt.

Auch werden, sobald ein Tier erkrankt ist, oft schlechte Haltungsbedingungen verbessert, die vielleicht die Krankheit mit verursacht haben.

Seit den Versuchen von Pawlov an Hunden ist bekannt, dass sich Placeboeffekte beim Tier auch durch Konditionierung über bedingte Reflexe erreichen lassen. Dieselben Beobachtungen wurden bei Versuchen an Ratten gemacht, die durch eine Reihe von Scopalamin Injektionen konditioniert wurden und anschließend nach der Injektion von Kochsalz ähnliche Reaktionen zeigten (HERRNSTEIN, 1962; PESUT und KOWALCZYK, 1983).“

Quelle: http://edoc.ub.uni-muenchen.de/3248/1/Freismuth_Alexandra.pdf

 

Der Placeboeffekt bei Tieren belegt ja gerade, dass Tiere auf Massnahmen reagieren und keine Maschinen sind. Wie also, ums Himmels Willen, kann man das ausblenden?

Im Übrigen kann ein Placebo-Effekt nicht nur bei den behandelten Tieren auftreten, sondern auch bei den Halterinnen und Haltern. Und die sind es ja hauptsächlich, die einen Behandlungserfolg beurteilen.

Weitere Infos zum Thema Placeboeffekt bei Tieren in der „Zeit“, im „Spiegel“ und auf „Scienceblogs“.

3. Tiere haben Selbstheilungskräfte, genauso wie auch Menschen. Wer krank ist, ein Heilmittel einnimmt und dann gesund wird, kann noch nicht daraus schliessen, dass die Besserung durch das Heilmittel bewirkt wurde. Die meisten Krankheiten und Beschwerden, das ist eine altbekannte Tatsache, bessern nämlich auch von selbst.

Und bei chronischen Erkrankungen gibt es oft einen schwankenden Verlauf, was dazu verleiten kann, natürlicherweise vorkommende Besserungen der Therapie zuzuschreiben.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle

 

Täuschende Erfahrungen

Aus diesen Gründen täuscht uns unsere Erfahrung oft.

Das hat schon der Philosoph und Psychiater Karl Jaspers (1883 – 1969) beschrieben:

„Man weiss, wie schwer in vielen Fällen der Beweis des Heilerfolgs ist. Aus einem einzelnen Fall ist nur ein Eindruck, kein Beweis möglich. Der Fehlschluss: post hoc ergo propter hoc täuscht nur allzu leicht.

Der objektive Beweis dagegen ist zu führen aus physiologischer Erkenntnis des Kausalzusammenhangs und durch Statistik, nicht aber durch das allgemeine: Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht. Jeder Arzt weiss, welche Rolle Suggestionen, Besserungen von Beschwerden durch ermutigende Stimmung, Schwankungen des Krankheitsverlaufs, periodische Veränderungen des Gesamtzustandes, die Cyclothymien u. a. spielen.

Wir sind in der Medizin oft Täuschungen erlegen infolge allgemein herrschender wissenschaftlicher Auffassungen und verbreiteter Meinungen. Es scheint zuweilen dem Strom solchen Meinens gegenüber das einfache, durchschlagende Gegenargument machtlos, das dann doch im Laufe der Zeit zur Geltung kommt.“

(Aufsatz „Arzt und Patient“, in: Karl Jaspers, Wahrheit und Bewährung, Serie Piper 1983).

Es braucht sehr viel Sorgfalt, um aus „Erfahrungen“ fundierte Schlüsse zu ziehen.

Siehe:

Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung 

Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung 

„Präparat X. wirkt auch bei meiner Katze, daher ist es wirksam und nicht nur ein Placebo“ – solche Aussagen sind nicht überzeugend:

Sie blenden aus, dass auch in der Tierheilkunde Placeboeffekte auftreten und auch Tiere Selbstheilungskräfte haben.

Erst wenn diese beiden Aspekte mitberücksichtigt werden, können fundiertere Schlüsse aus Erfahrungen gezogen werden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

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