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Weissdornbeeren für Sirup und Kompott

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Wenn der Herbst ins Land zieht, leuchten die Früchte des Weissdorns rot in den Hecken. Dass die Beeren essbar sind, ist nur wenigen bekannt. Roh hat das Fruchtfleisch allerdings eine mehlige Konsistenz. Erst nach der Verarbeitung zu Kompott, Gelee, Saft, Sirup oder Chutney entfalten die Früchte ein angenehm süß-säuerliches Aroma. Sie lassen sich auch gut mit anderem Obst wie Äpfeln, Quitten und Holunderbeeren kombinieren. Ein Mus aus Weißdornbeeren kann als Brotbelag verwendet werden und gibt Müsli, Joghurt und Quark einen speziellen Geschmack. Dafür werden die Weissdornfrüchte in etwas Wasser für acht bis zehn Minuten weichgekocht, danach abgegossen und durch ein Sieb gestrichen. Wer es gerne süsser hat, kann einen Teelöffel Agavensirup oder Honig beigeben.

Auch in der traditionellen Pflanzenheilkunde ist der Weissdorn bekannt. Schon Pfarrer Sebastian Kneipp empfahl den Weißdorn als Heilpflanze für Herz und Kreislauf. Bei Bluthochdruck und Schwindel soll ein Weissdorntee aus den getrockneten Blüten und Blättern helfen. Die Früchte enthalten unter anderem viel Vitamin C und Provitamin A sowie den Ballaststoff Pektin.

Weissdornfrüchte reifen zwischen August und Oktober. Beim Pflücken sollte man Vorsicht walten lassen und Handschuhe tragen, da Weißdorn sehr dicht wächst und mit zahlreichen Dornen bestückt ist. Ausserdem können die roten Beeren unschöne Flecken auf Textilien hinterlassen. Vor der Zubereitung werden die Weissdornfrüchte vom Stiel abgezogen und vor der weiteren Verarbeitung gründlich gewaschen. Ein paar Früchte sollten jedoch am Strauch bleiben, da sie über 30 verschiedenen Vogelarten als Nahrung dienen. Auch für zahlreiche Insektenarten und kleine Säugetiere ist der Weißdornstrauch eine gute Lebensgrundlage.

Quelle:

https://www.bzfe.de/inhalt/weissdorn-30849.html

 

Kommentar & Ernährung:

Erfreulich, dass das „Bundeszentrum für Ernährung“ (BzfE) die Weissdornfrüchte als Nahrungsmittel vorstellt.

Die Phytotherapie verwendet meistens Weissdornblüten und Weissdornblätter als Weissdorntee, Weissdorntinktur oder Weissdornextrakt.

Weissdornfrüchte (genauer: Scheinfrüchte) werden selten eingesetzt, kaum als Tee, manchmal aber als Tinktur.

Die Weissdornfrüchte enthalten wie Blüten und Blätter die typischen Wirkstoffe des Weissdorns – Flavonoide und oligomere Poranthocyanidine – allerdings tendenziell in geringerer Konzentration. Gemäss den Standardwerken „Biogene Arzneimittel“ und „Teedrogen und Phytophamaka“ nimmt der Wirkstoffgehalt der Weissdornfrüchte mit zunehmender Reife ab.

Das dürfte die Wirksamkeit der Früchte einschränken, zumal Weissdorn über längere Zeit in recht hohen Dosierungen engenommen werden muss.

Diese nötige hohe Zufuhr an Wirkstoffen kann bei Weissdorntee und Weissdornextrakt aus Blüten und Blättern erreicht werden, kaum jedoch mit Weissdorntinktur.

Siehe dazu:

Pflanzentinkturen oder Kräutertees?

Bei Sirup oder Kompott aus Weissdornfrüchten müsste man wohl unrealistisch hohe Dosen täglich über lange Zeiträume einnehmen, um eine relevante Wirkstoffzufuhr zu erzielen. Als Heilmittel für Herz & Kreislauf sind Weissdornkompott und Weissdornsirup sehr fraglich, vor allem auch, weil dazu reife Früchte verwendet werden.

Zurecht weißt der Beitrag der BzfE auf die hohe Bedeutung des Weissdornstrauch als Nahrung für Vögel hin. Weissdorn ist bezüglich des Nutzens für die Tierwelt einer der besten einheimischen Sträucher.

Heikel ist allerdings, dass Weissdorn zu den Wirtspflanzen des Feuerbrands gehört, einer gefählichen Pflanzenkrankheit, die durch das Bakterium Erwinia amylovora verursacht wird und vor allem Kernobst befällt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

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Phytotherapie: Interessantes Gerichtsurteil zum Baldrianpräparat Baldriparan

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Hersteller Pfizer darf sein Präparat Baldriparan im Fernsehen nicht mehr mit dem Satz „1 Dragee am Abend“ bewerben. Das Landgericht Berlin hat den Spot des Pharmakonzerns als irreführend beurteilt.

Geklagt gegen den Spot hatte die Wettbewerbszentrale. Der Hinweis „1 Dragee am Abend“ ist aus Sicht der Wettbewerbszentrale ein Verstoß gegen das Heilmittelwerbegesetz und das Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb.

Verbraucher würden aufgrund dieser Werbeaussage nämlich erwarten, dass schon mit der Einnahme nur eines Dragees ein ruhiger Schlaf erreicht werden könne. Tatsächlich sei Baldriparan laut Gebrauchsinformation aufgrund der allmählich einsetzenden Wirkung nicht zur akuten Behandlung von nervös bedingten Schlafstörungen geeignet. Der Hersteller Pfizer selbst empfiehlt eine kontinuierliche Behandlung mit Baldriparan über zwei bis vier Wochen.

Der TV-Spot zeigt eine friedlich schlafende Frau verbunden mit der Aussage: „Gut ein- und durchschlafen. Baldriparan stark für die Nacht hilft dabei mit einem Dragee am Abend.“

Eingeblendet wird zudem die Baldriparan-Packung mit einer roten Banderole „1 Dragee am Abend“, der Satz wird in einem großen roten Punkt noch einmal wiederholt. Darüber hinaus wird darauf hingewiesen, dass „der hochkonzentrierte Baldrian“ beim Einschlafen helfe und die natürlichen Schlafphasen bis zum Morgen unterstütze.

Bezüglich des Werbespots gab das Landgericht der Wettbewerbszentrale Recht und wies darauf hin, dass die Aussage „1 Dragee am Abend“ in dem Werbefilm als gute und effiziente Wirkweise und als Versprechen eines schnellen Ein- und Durchschlafens verstanden werde.

Quelle:

https://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/apothekenpraxis/pfizers-frau-schlaeft-zu-schnell-ein-tv-spot-verboten-baldriparan-spot/

Kommentar & Ergänzung:

Die Wettbewerbszentrale und offenbar auch dieses Gericht scheinen gute Kenntnisse der Phytotherapie zu haben. Studien zeigen, dass die Wirkung von Baldrianextrakt sich erst klinisch signifikant nach 2 – 4 Wochen zeigt. Darum ist es sehr fragwürdig, wenn die Werbung eine Sofortwirkung verspricht. Allerdings kann bei der Einnahme vor dem Schlafengehen wohl oft mit einem schnell eintretenden Placeboeffekt gerechnet werden. Und wenn das der Fall ist, dann kann das auch als Erfolg betrachtet werden. Ein Placeboeffekt ist auch etwas wert. Das volle Potenzial von Baldrian nutzt man aber offensichtlich nur bei einer Anwendung über längere Zeit. Die fehlende Sofortwirkung trägt im Übrigen wesentlich dazu bei, dass die Einnahme von Baldrian kein Abhängigkeitsrisiko mit sich bringt.

Interessant an diesem Fall ist zudem, dass Badriparan zum Pharmakonzern Pfizer gehört. Pfizer ist der grösste Pharmakonzern der Welt.

Man hört ja immer wieder einmal die leicht verschwörungstheoretisch angehauchte Vorstellung, dass die grossen Pharmakonzerne die Pflanzenheilkunde kaputt machen wollen, um sich unliebsame Konkurrenz vom Leibe zu halten. Das ist wohl ziemlich abwegig. Pharmakonzerne sind nicht so ideologisch fixiert auf „Chemie“. Sie verkaufen im Wesentlichen, was sich als Arzneimittel verkaufen lässt. Und wenn es Nachfrage gibt nach bestimmten Heilpflanzen-Präparaten, dann werden sie solche Extrakte entwickeln oder aufstrebende Firmen aufkaufen. So gehört zum Beispiel die Beinwellsalbe Kytta zu Merck Pharma und der Phytopharmaka-Hersteller Steigerwald wurde von Bayer übernommen. Steigerwald ist bekannt für das Verdauungspräparat Iberogast, den Hustensirup Phytohustil mit Eibischextrakt und das Johanniskrautpräparat Laif (in der Schweiz Solevita). Das ist im Übrigen nicht nur schlecht. Diese Pharmakonzerne haben in der Regel viel Know-how in der Forschung und können auch relevante finanzielle Mittel dafür locker machen. Es gibt aber natürlich auch eine ganze Reihe von unabhängigen Phytopharmaka-Herstellern, in der Schweiz zum Beispiel Zeller in Romanshorn oder Bioforce in Roggwil.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Medikamentenverkauf: Migros versus Apotheken & Drogerien

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Ab 2019 werden in der Schweiz gewisse Medikamente auch im Detailhandel erhältlich sein. Dabei geht es auch um Heilpflanzen-Präparate.

Gegenwärtig prüft die Heilmittelbehörde Swissmedic, welche Arzneimittel in Zukunft von dieser Liberalisierung betroffen sind. Damit setzt Swissmedic die im revidierten Heilmittelgesetz angestrebte Förderung der Selbstmedikation um.

Grossverteiler wie Migros und COOP begrüssen diese Entwicklung selbstverständlich und möchten möglichst viele Präparate verkaufen dürfen.

Die Branchenvertreter der Apotheken und Drogerien sind ebenso selbstverständlich dagegen und warnen vor Gefahren.

Beide Seiten operieren mit fragwürdigen Argumenten.

Bisher sind in der Schweiz die meisten Medikamente nur in Apotheken und Drogerien erhältlich. Die Migros strebt aber deutsche Verhältnisse an. In Deutschland werden viel mehr Arzneimittel im Detailhandel verkauft.

Martin Bangerter, Zentralpräsident des Schweizerischen Drogistenverbandes, macht auf die Gefahren aufmerksam, wenn man sich unbesehen an den Verkaufsvorschriften anderer Länder orientiere, etwa wenn in Deutschland Johanniskraut-Dragées im Supermarkt verkauft werden. Diese gegen Depressionen und Stimmungsschwankungen eingesetzten pflanzlichen Mittel könnten im Zusammenhang mit anderen Medikamenten unerwünschte Nebenwirkungen haben, sagt Bangeter. Er weist darauf hin, dass Johanniskraut die Wirkung der Pille zur Schwangerschaftsverhütung abschwächen könne und dass dieses Beispiel zeige, weshalb eben auch bei scheinbar unproblematischen Heilmitteln eine Fachberatung nötig sei.

Diese Argumentation ist grundsätzlich nachvollziehbar. Johanniskraut-Extrakte mit ihren möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten taugen nicht für den Verkauf im Supermarkt.

Aber was sagt dazu die Migros?

Jürg Maurer, bei Migros stellvertretender Leiter der Direktion Wirtschaftspolitik, kontert: «Wir fordern keine Höchstdosierungen, sondern moderat dosierte Präparate, die in Deutschland in jedem Supermarkt seit Jahren erhältlich und absolut selbstbedienungstauglich sind.»

Der Migros sei kein einziger Fall bekannt, bei welchem es mit einem frei verkäuflichen Johanniskrautpräparat zu den genannten Interaktionen gekommen sei, betont Maurer.

Damit hat er höchstwahrscheinlich Recht. Mit den niedrig dosierten Johanniskraut-Präparaten, wie sie die Supermärkte in Deutschland verkaufen, sind Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kaum zu erwarten.

Was Maurer nicht sagt: Von diesen niedrig dosierten Johanniskraut-Präparaten sind auch keine Wirkungen zu erwarten.

Effekte in diesem tiefen Dosisbereich sind weder plausibel noch durch Studien belegt (im Gegensatz zu den hochdosierten Extrakten).

Das scheint für die Migros aber kein Kriterium zu sein. Hauptsache, sie kann mehr Medikamente verkaufen…….

Ins Regal stellen will die Migros künftig auch Schmerzmittel auf pflanzlicher Basis mit Weidenrinde-Pulver. Das Präparat wird sich bestimmt gut verkaufen, aber auch hier fällt ein wesentlicher Punkt unter den Tisch: Studien mit positiven Ergebnissen gibt es nur für Weidenrindenextrakt-Präparate, die wesentlich konzentrierter sind und dadurch einen deutlich höheren Gehalt an schmerzstillendem Salicin haben. Wirksamkeit scheint auch hier für die Migros kein Kriterium.

Die Vertreter der Apotheken und Drogerien argumentieren aber auch nicht überzeugend.

Der Apothekerverband Pharmasuisse weist darauf hin, dass die Kundschaft im Detailhandel vermehrt durch «Pseudomedikamente» getäuscht werden könnte, speziell verpackte Medizinprodukte, Ernährungsergänzungsmittel oder Nahrungsmittel, die eine unrealistische Wirkung versprächen.

Pharmasuisse-Generalsekretär Marcel Mesnil sagt:

«Im Selbstbedienungsladen gibt es an der Kasse niemanden, der die Leute berät.»

Dort müssten sich die Patienten auf ihre eigene Einschätzung verlassen, die auch falsch sein könne. In der Apotheke oder Drogerie dagegen könne eine falsche Selbsteinschätzung im Beratungsgespräch korrigiert werden.

Das ist zumindestens schönfärberisch. Apotheken und Drogerien verkaufen selber aktiv und passiv (auf Verlangen) sehr viele „Pseudomedikamente“, ohne dass ihnen das grossen Kummer bereitet, solange es zum Umsatz beiträgt.

Für Bachblüten, Schüssler-Salze, Homöopathika und Spagyrika gibt es keine überzeugenden Belege. Unrealistische Wirkungsversprechungen dazu präsentieren die Schaufenstern von Apotheken und Drogerien aber noch und noch, ganz abgesehen von den Beratungen in den Geschäften.

Bei den Phytopharmaka ist nur eine Minderheit fundiert durch Studien belegt und viele Heilpflanzen-Präparate fallen durch unsinnige Zusammensetzung oder ungenügende Dosierung auf. Und auch eine ganze Reihe von synthetischen Medikamenten hat ihre Zulassung vor einigen Jahrzehnten bekommen auf der Grundlage von Studien, die heutigen Qualitätskriterien bei weitem nicht genügen.

Dass Mitarbeitende in Apotheken und Drogerien die Kundschaft hier kritisch beraten ist meiner Erfachrung nach eher die Ausnahme als die Regel. Wer mit fundiertem Heilpflanzen-Wissen in Apotheken und Drogerien fachliche Fragen stellt, bekommt oft falsche oder nichtssagende Antworten. Und Testkäufe von Konsumentenorganisationen zeigen immer wieder lückenhafte und falsche Beratungen.

Hier ein Beispiel für skrupellose Kundentäuschung aus der Apotheke:

Entschlackung – illusionäre Hoffnung auf Gewichtsreduktion

Apotheken und Drogerien sollten also den Mund nicht zu voll nehmen, was ihre überragende Beratungskompetenz gegenüber den Grossverteilern angeht.

Die Migros ist jedoch genauso wenig überzeugend. Sie begründet ihren Druck zugunsten einer Liberalisierung des Medikamentenverkaufs natürlich nicht mit dem zusätzlichen Markt und dem Umsatz, den sie damit machen kann. Sie präsentiert sich als Preisbrecherin zugunsten der Konsumenten.

In Drogeriemärkten in Deutschland seien frei verkäufliche Arzneimittel zum Teil erheblich günstiger, sagt Martin Schläpfer, Leiter der Direktion Wirtschaftspolitik bei der Migros. Einen Grund für die hohen Preise in der Schweiz sieht er im fehlenden Preiswettbewerb. Schläpfer ist überzeugt, dass die Konkurrenz durch die Detailhändler die Preise in der Schweiz endlich ins Rutschen bringen werde.

Das kann sein. Die Preise werden sinken, aber die Wirksamkeit der Präparate auch. Wandert ein grosser Teil des Umsatzes mit Heilpflanzen-Präparaten zu den Grossverteilern, werden die Hersteller weniger Geld in die Entwicklung hochwertiger Extrakte und in die klinische Forschung zum Nachweis der Wirksamkeit investieren.

Um beim Beispiel Johanniskraut zu bleiben: Hersteller, die ihr niedrig dosiertes Johanniskraut-Präparat im Supermarkt verkaufen, brauchen keine Forschung, weil kein Wirksamkeitsnachweis gefordert wird. Darum wird es in diesem Bereich auch keine Forschung geben.

Hersteller, die ihr hochkonzentriertes, aber teureres Johanniskraut-Präparat als Arzneimittel in Apotheken und Drogerien verkaufen, werden weniger Umsatz machen und daher weniger in Forschung investieren können. Das schadet der Phytotherapie.

Ich selber bin bereit, einen höheren Preis für ein Heilpflanzen-Präparat zu bezahlen, wenn ich weiss, dass der Hersteller in Forschung und Entwicklung investiert hat. Trittbrettfahrer, die ein billiges, aber wirkungsloses Präparat in den Supermarkt werfen und vom Forschungs-, Entwicklungs- und Marketingaufwand anderer Hersteller profitieren, gehen bei mir leer aus.

Quelle der Zitate und Stellungnahmen:

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/streit-um-medikamente-im-supermarkt/story/25388132

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Bullshit zu Aromapflege und Aromatherapie

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Bullshit redet, wer wohlklingende Worte äussert, die nichts aussagen. Ein Beispiel für solchen Bullshit sind meines Erachtens folgende Sätze über Aromapflege und Aromatherapie:

„Aromapflege und Aromatherapie folgen den Prinzipien der Naturheilkunde. Sie wollen die Lebenskraft und Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken. Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht. Sie bewirken eine seelische Umstimmung, regulieren aus der Balance Geratenes und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden. Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“

Quelle:

http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/i-o/komplementaermedizin/?full=50130

Kommentar und Ergänzung:

Hier werden wohlklingende Begriffe aneinandergereiht, die kaum irgendwelche konkreten Inhalte haben.

⇒ Die „Prinzipien der Naturheilkunde“ sind nicht so klar definiert, wie das hier aussieht. Der Autor müsste konkrete Beispiele bringen um zu illustrieren, was genau er damit meint. Aber wenn man konkret wird, stösst man schnell an Grenzen oder verwickelt sich in Widersprüche. Bleibt man schön im wohlklingenden Allgemeinen, lässt sich diese Schwierigkeit vermeiden.

„Lebenskraft“ ist ein schillernder Begriff, der spontan oft klar und einleuchtend klingt, aber sofort schwierig wird, wenn man genau erklären soll, was damit gemeint ist.

Wikipedia schreibt dazu:

„Der Begriff Lebenskraft war in seiner Entstehungszeit sehr populär und wurde oft auch wenig spezifisch gebraucht, als weit verbreiteter Platzhalterbegriff für unverstandene körperliche Vorgänge……

Die Vorstellung einer Lebenskraft wurde als Gesundheits- und Krankheitskonzeption von Christoph Wilhelm Hufeland Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts differenziert beschrieben…..

Hufeland sah als Grundursache aller Lebensvorgänge und als Selbsterhaltungsprinzip des Organismus eine allgemeine Lebenskraft mit weiteren Teilkräften:

  • eine erhaltende Kraft,
  • eine regenerierende und neubildende Kraft,
  • eine besondere Lebenskraft des Blutes,
  • eine Nervenkraft,
  • eine Kraft, die eine allgemeine Reizfähigkeit des Körpers bewirke, sowie
  • eine Kraft, die eine spezifische Reizfähigkeit des Körpers bewirke.

Krankheit sei eine Beeinträchtigung der Lebenskraft beziehungsweise der Lebenskräfte durch krankmachende Reize. Sichtbare Zeichen der Krankheit seien Heilreaktionen der Lebenskraft auf solche Krankheitsreize. Die Heilkraft der Natur (vis medicatrix naturae) und die Lebenskraft seien wesensgleich, wenn nicht identisch. Jedes therapeutische Handeln des Arztes wie auch jede Selbstbehandlung durch den Patienten solle die individuelle Lebenskraft unterstützen. Insgesamt habe sich das ärztliche Handeln am Prinzip des contraria contrariis zu orientieren. Dabei empfahl Hufeland neben der vorsichtigen Anwendung von Medikamenten die Beachtung diätetischer Regeln und physikalische Therapien (zum Beispiel als Wasseranwendungen).

Auf Hufelands Konzept gehen Impulse für die Entwicklung der Naturheilkunde im 19. Jahrhundert zurück.“

⇒  Die „Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken“ tönt auch immer gut. Die Selbstheilung des Menschen ist faszinierend. Daran wirken aber tausende von Vorgängen im Organismus mit, die sich je nach Krankheit beträchtlich unterscheiden können. Die Selbstheilungskräfte als feststehende Grösse wird es daher kaum geben. Auch hier wären detaillierte Angaben vorzuziehen. Welche Prozesse beeinflusst das ätherische Öl genau und wie? Aber auch hier gilt: Sobald man genaue Aussagen macht, können diese auch in Frage gestellt, kritisiert und widerlegt werden. „Die Selbstheilungskräfte“ dagegen bieten keine Angriffsfläche für konkrete Einwände.

 „Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht.“ – „Tief“ tönt immer gut. Aber was heisst „tief“ genau in diesem Zusammenhang? Eingreifend? Tief eingreifend in die Psyche? Könnte das, wenn es stimmt, nicht gefährlich werden? Oder ist nur immer und ausschliesslich eine positive Wirkung zu erwarten im Sinne einer Förderung des Gleichgewichts. Ist das nicht etwas gar viel Wunschdenken?

 „Sie bewirken eine seelische Umstimmung…“  Wenn das stimmt, kann das nicht auch schiefgehen? Oder muss ich mir das einfach immer positiv vorstellen? In Sinne von: Das ätherische Öl weiss schon, was es machen muss? Ist das nicht allzu schön um plausibel zu sein?

„…regulieren aus der Balance Geratenes…“ Da haben wir sie wieder, die umfassende Regulation. Damit kann man nie schiefliegen.

 „…und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden.“    Das ist eine sehr weitreichende Versprechung. Wie machen die ätherischen Öle das und was sollen wir verstehen unter dem „eigentlichen Nährboden“ einer Krankheit: Auch hier: Wer nicht konkret wird, versteckt sich vor möglichen konkreten Einwänden.

„Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“ Das tönt immer gut, sagt aber auch nichts Konkretes aus.

Diese Kritik richtet sich nicht generell gegen Aromatherapie und Aromapflege. Ätherische Öle sind im vielen Bereichen interessante und wirksame Heilmittel. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass ich in Texten über Aromatherapie und Aromapflege auf derartigen Worthülsen treffe.

Das ist meines Erachtens immer ein Anlass für genaues, kritisches Nachfragen, auch wenn es um andere Bereiche als Aromapflege und Aromatherapie geht – zum Beispiel um Texte in der Pflanzenheilkunde.

Vorgänge und Begriffe möglichst genau zu beschreiben ist eine Grundvoraussetzung guter Kommunikation und fachlicher Auseinandersetzung. Mit schwammigen Begriffen wie sie das oben aufgeführte Zitat enthält, redet man weitgehend aneinander vorbei. Das gilt auch für Vorträge, Kurse und Ausbildungen. Haken Sie nach, wenn Sie in Lehrveranstaltungen mit wohlklingenden, aber schwammigen Begriffen „gefüttert“ werden.

Wer leere Worthülsen einfach schluckt, weil sie so gut tönend daherkommen, lässt sich einlullen oder lullt sich selber ein. Wer dagegen genau nachfragt, klärt die Begriffe so weit es geht und bekommt dadurch einen stabileren Stand in der Welt.

Der amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt hat übrigens ein lesenswertes Büchlein geschrieben mit dem Titel „Bullshit“ (Suhrkamp Verlag).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Gänsefingerkraut gegen Darmerkrankungen, Bauchschmerzen, Blähungen, Menstruationsbeschwerden?

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Die „Bild“-Zeitung weiss Rat: „Diese 5 Wildkräuter sind schön und machen gesund“ – so der Titel eines Beitrags.

Gut – dann schauen wir uns einmal an, was da genau empfohlen wird:

„Gänsefingerkraut: Hilft bei Darmerkrankungen, Bauchschmerzen, Blähungen und Menstruationsbeschwerden.

Blätter, Kraut und Wurzeln zu Tee verarbeiten und trinken.“

Quelle:

http://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/heilpflanzen/diese-wildkraeuter-sind-schoen-und-heilen-43457182.bild.html

Kommentar & Ergänzung:

Im Internet kann bekanntlich jede und jeder über Heilpflanzen (oder andere Heilmittel) schreiben, was er oder sie will. Das mag auch Vorteile haben und entspricht der Meinungsfreiheit, die uns wichtig ist. Es führt aber auch zu einem Dschungel von Aussagen und Behauptungen, der für Laien schwer durchschaubar ist. Denn eine Qualitätskontrolle gibt es da nicht einmal ansatzweise. Und die Redaktion der Bild-Zeitung scheint es auch nicht für nötig zu erachten, die veröffentlichten Ratschläge auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen.

Nur schon der kleine Text zum Gänsefingerkraut (Potentilla anserina) wirft eine ganze Reihe von Fragen auf:

– Was genau soll ich mir darunter vorstellen, wenn Gänsefingerkraut gegen Darmerkrankungen helfen soll? Es gibt sehr viele sehr unterschiedliche Darmerkrankungen mit verschiedensten Ursachen und es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass Gänsefingerkraut in allen Fällen helfen kann. Also müsste diese Angabe eingeschränkt werden. Aufgrund des Gehalts an Gerbstoffen ist eine stopfende Wirkung bei leichten Durchfällen plausibel und auch eine entzündungswidrige Wirkung bei Mundschleimhautentzündungen. Das wär’s dann aber wohl im Verdauungstrakt.

– Vergleichbar beim Stichwort „Bauchschmerzen“: Es gibt verschiedenste Ursachen für Bauchschmerzen. Gänsefingerkraut könnte allenfalls bei leichteren Menstruationskrämpfen lindernd wirken (siehe unten) oder bei leichteren Krämpfen im Kontext von Durchfall (es gibt in solchen Fällen aber besser wirkende Heilpflanzen). Abgesehen davon hängen leichtere Bauchschmerzen oft mit Ernährungsfehlern zusammen (zuviel gegessen? Unverträgliche Nahrungsmittel?). Das lässt sich nicht mit Gänsefingerkraut beheben. Und wenn keine solchen Zusammenhänge erkennbar sind, brauchen Bauchschmerzen eine ärztliche Diagnose, damit gezielter behandelt werden kann.

– Gänsefingerkraut gegen Blähungen? Auch für Blähungen gibt es unterschiedliche Ursachen, die oft mit der Ernährung zusammenhängen – zum Beispiel mit Störungen bei der Verdauung von Kohlenhydraten. Es ist nicht ersichtlich, wie Gänsefingerkraut in solchen Fällen helfen könnte und es gibt auch keine Hinweise für eine Wirkung gegen Blähungen in der Phytotherapie-Fachliteratur.

– Gänsefingerkraut gegen Menstruationsbeschwerden: In der traditionellen Pflanzenheilkunde wurde Gänsefingerkraut gegen ganz unterschiedliche Beschwerden verwendet, darunter auch zur Linderung von Menstruationskrämpfen. Dazu liegen auch positive ärztliche Erfahrungsberichte vor, die aber keine verlässliche Beurteilung erlauben. Siehe dazu:

Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung

Studien zur krampflösenden Wirkung von Gänsefingerkraut führten zu kontroversen Ergebnissen.

Soviel zu den Indikationen von Gänsefingerkraut, wie „Bild“ sie empfiehlt. Zum Schluss geht „Bild“ noch auf die Zubereitung von Gänsefingerkraut ein:

„Blätter, Kraut und Wurzeln zu Tee verarbeiten und trinken.“

Selbst in diesem kurzen Satz gibt es Ungenauigkeiten und Fehler. So ist zum Beispiel die Anwendung der Wurzel des Gänsefingerkrauts total ungebräuchlich. Wenn von „Kraut“ die Rede ist, dann meint man damit die oberirdischen Pflanzenteile, soweit sie nicht verholzt sind – also Blätter, Stängel und Blüten. Und genau dieses Kraut (Herba) kommt zur Anwendung beim Gänsefingerkraut.

Mit diesen Einwänden kritisiere ich nicht das Gänsefingerkraut, sondern nur die fragwürdige Darstellung in der „Bild“-Zeitung. Das Gänsefingerkraut ist ein sehr hübsches, sympathisches Pflänzchen….

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Falsche Werbeversprechen für Nahrungsergänzungsmittel erkennen

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Werbeversprechen für Nahrungsergänzungsmittel sollten stets kritisch hinterfragt werden, sagt Thomas Benkert, Vizepräsident der Bundesapothekerkammer. Wenn etwas zu gut klinge, um wahr zu sein, dann sei es oft auch nicht wahr. Unseriöse Werbeversprechungen könne man mit gesundem Menschenverstand meist selbst entlarven. Er rät jedoch, sich gegebenenfalls in der Apotheke zu erkundigen und sagt: «Apotheker informieren kompetent und unabhängig darüber, woran Schwindelprodukte erkannt werden können und welche Präparate wirklich helfen.»

Für Quacksalberei gebe es verschiedene typische Anzeichen, erklärt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) in einer Pressemitteilung. Ein Indiz für Quacksalberei sei zum Beispiel eine „Erfolg- oder-Geld-zurück“-Garantie. Auch wenn ein Präparat gegen zahlreiche unterschiedliche Krankheiten wirken soll, sollten Konsumenten skeptisch sein.

Verbraucher müssten für Schwindelprodukte oft auch zu viel bezahlen und die Krankenkasse erstatte die Präparate nicht.

Vorsicht ist nach Ansicht der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände auch angebracht, wenn etwas besser als die Schulmedizin sein soll. Das könnte Patienten fälschlicherweise dazu verleiten, ihre bewährte Behandlung ohne Rücksprache mit dem Arzt und dem Apotheker abzuändern oder gar abzusetzen.

Untersagt sei laut Heilmittelwerbegesetz zudem die Werbung mit Krankengeschichten oder wissenschaftlichen Studien außerhalb der Fachkreise. Gerade beim Fehlen wissenschaftlicher Studien verweisen Geschäftemacher laut ABDA gerne auf Erfahrungsberichte einzelner Patienten, die jedoch häufig schlicht erfunden seien.

Auch euphorische Patientenberichte in Internetforen oder Blogs könnten gefälscht sein, betont der ABDA.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=59745

Kommentar & Ergänzung:

Sehr einverstanden damit, dass man Versprechungen bezüglich der Wirkungen von Nahrungsergänzungsmitteln kritisch hinterfragen muss.

Aber: Auch viele Apotheken verkaufen sehr engagiert wirkungslose Nahrungsergänzungsmittel, sowie zugelassene, jedoch wirkungslose Arzneimittel – sowohl „chemische“ als auch komplementärmedizinische.

Darum ist zu empfehlen:

Sich selber informieren und auch in der Apotheke kritisch nachfragen.

Apotheker informieren nämlich vielleicht tatsächlich kompetent und unabhängig über Schwindelprodukte – wie Herr Benkert sagt – aber nur, wenn es sich um Produkte handelt, die sie nicht selbst im Sortiment haben.

 

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Kombination von Cannabis und Alkohol verstärkt Unfallgefahr

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Der THC-Wert im Blut erhöht sich deutlich, wenn Cannabis und Alkohol zusammen konsumiert werden. Das belegen die Resultate einer Studie aus den USA. Tetrahydrocannabinol (THC) ist die Substanz der Cannabis-Pflanze, die überwiegend für die psychoaktive Wirkung verantwortlich ist. In ihrer Studie hatten die Wissenschaftler um Studienleiterin Marilyn A. Huestis vom National Institute on Drug Abuse in Baltimore 19 Erwachsene entweder ein Placebo oder ein Getränk mit geringem Alkoholgehalt einnehmen lassen. Zehn Minuten später inhalierten die Probanden 500 Milligramm eines Placebos beziehungsweise verdampftes Cannabis mit einer tieferen THC-Dosis (2,9 Prozent) oder höheren THC-Dosis (6,7 Prozent). Hatten die Probanden keinen Alkohol konsumiert, lagen die mittleren Maximalwerte für THC im Blut bei der tieferen Cannabis-Dosierung bei 32,7 µg/l, für die höhere bei 42,2 µg/l. Mit Alkohol lagen die Werte bei 35,3 beziehungsweise 67,5 µg/l. Das schreiben die Wissenschaftler online im Fachjournal «Clinical Chemistry».

Die Wissenschaftler glauben, dass ihre Resultate die Tatsache erklären können, warum in den USA Cannabis und Alkohol eine der am häufigsten entdeckten Drogen-Kombinationen bei Unfällen ist. Den Forschern zufolge stimmen Fachleute schon länger darin überein, dass die Kombination von beidem die Unfallgefahr stärker steigert, als jede der Substanzen für sich allein. Dafür spreche auch eine US-amerikanische Studie, in der Forscher rund 1.900 tödliche Verkehrsunfälle untersucht hatten.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=58115

Kommentar & Ergänzung:

Cannabis bzw. sein Hauptwirkstoff THC wird zunehmend als Medikament verwendet und ist bei Indikationen wie Spastik tatsächlich oft eine interessante Option.

Insofern ist die Rehabilitation der Heilpflanze Cannabis überfällig. Allerdings müssen dabei – wie es bei wirksamen Heilmitteln die Regel ist – auch allfällige Risiken und Nebenwirkungen berücksichtigt werden.

Die eingeschränkte Fahrtüchtigkeit ist ein solches Risiko.

Über Wirkungen und Risiken von Cannabis finden Sie über das Suchfeld oben rechts in diesem Blog eine ganze Reihe von Artikeln („Cannabis“ eingeben).

 

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BfArM warnt erneut vor Miracle Mineral Supplement (MMS)

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Das Bundesinstitut für Arzneimittel (BfArM) hat seine Warnung erneuert und verschärft: MMS, das angeblich gegen Aids, Krebs, Herpes, Malaria, Demenz und vieles andere mehr helfen soll, wurde als bedenkliches, nicht zugelassenes Arzneimittel eingestuft. Damit ist der Verkauf von MMS in Deutschland ab sofort illegal.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat die «Miracle Mineral Supplement»-Produkte MMS und MMS2 der Firma Luxusline Ltd. als zulassungspflichtige Arzneimittel eingestuft. Zudem bewertet es diese Produkte als bedenklich, weil der begründete Verdacht bestehe, dass sie bei bestimmungsgemäßem Gebrauch schädliche Wirkungen haben, die über ein vertretbares Maß hinausgehen.

Das BfArM warnte schon im vergangenen Jahr vor Natriumchlorit-Produkten, die in der Regel über das Internet als Miracle Mineral Supplement zur Heilung von Krebs, Malaria, chronischen Infektionen und weiteren schwerwiegenden Krankheiten beworben werden. Mit der aktuellen Einstufung bestätigt das BfArM seine kritische Haltung zum Vertrieb und der Anwendung dieser Produkte.

Als bedenklich nach § 5 Arzneimittelgesetz sind die beiden Produkte laut BfArM deshalb einzustufen, weil mit der Einnahme schädliche Wirkungen verbunden sind, die über ein vertretbares Maß hinausgehen.

MMS enthält die Chemikalie Natriumchlorit in einer Lösung von 28 Prozent, MMS2 Calciumhypochlorit 70 Prozent in Kapseln. Die beiden Produkte werden kombiniert mit einer «Aktivator»-Zitronensäurelösung 10 Prozent zur Trinkwasseraufbereitung in den Handel gebracht. Durch die Reaktion von MMS mit der sogenannten Aktivatorlösung, also von Natriumchlorit und Zitronensäure, entwickelt sich Chlordioxid, ein giftiges Gas mit stechendem, chlorähnlichem Geruch. Chlordioxid wird als Bleichmittel von Papier und zur Desinfektion von Trinkwasser verwendet und kann schwere Verätzungen der Haut sowie schwere Augenschäden auslösen.

Den Giftnotrufzentralen liegen laut Angaben des BfArM Fälle von Erbrechen, Atemstörungen und Hautverätzungen bei der Einnahme von MMS vor.

Behörden in Amerika, Kanada, Frankreich und Deutschland warnen immer wieder vor MMS, weil nach Einnahme dieser Präparate unerwünschte Wirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall, Nierenversagen, Verätzungen der Speiseröhre sowie Atemstörungen durch Schäden an roten Blutkörperchen beobachtet wurden.

Quellen:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=56643

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/mms-bfarm-stuft-es-nach-zulassung-als-bedenklich-ein-a-1017455.html#ref=plista

 

Kommentar & Ergänzung:

Auch diese Warnung wird die MMS-Gemeinde nicht von ihrem Wundermittel abbringen.

Das Märchen vom simplen Heilmittel, das fast alle Krankheiten besiegt, ist einfach viel zu schön. Dazu kommt dann noch die Opferlegende vom grossartigen menschenfreundlichen Wundermittel, das von der bösen Pharma-Lobby unterdrückt wird.

Natürlich treten die erwähnten Vergiftungserscheinungen nur bei einer kleinen Minderheit der Anwenderinnen und Anwender auf.

Ich selber bin allerdings auch schon von Leuten kontaktiert worden, die von erheblichen Reizwirkungen nach MMS-Anwendung berichtet haben.

Mir ist es gerade als ehemaligem Drogisten ein Rätsel, wie man sich freiwillig Chlorgas aussetzen und das auch noch für gesund halten kann.

Am eindrücklichsten ist aber, wie Leute daran glauben können, dass ein derart einfach gestricktes Produkt eine ganze Palette von sehr unterschiedlichen schweren Krankheiten heilen kann.

Auf diesen Post werden wieder – wie beim Thema MMS üblich – eine Reihe von gehässigen Kommentaren von MMS-Anhängerinnen und –anhängern eintrudeln, die oft gipfeln in der sehr investigativen Frage „Wie viel zahlt dir die Pharmaindustrie für diesen Hetzartikel?“ – Darum hier gleich prophylaktisch der Hinweis: Nein, ich bin nicht von der Pharma-Lobby bezahlt – und Kommentare dieser Art werden umstandslos gelöscht.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Der Gewöhnliche Teufelsabbiss (Succisa pratensis) ist die Blume des Jahres 2015

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Die Loki Schmidt Stiftung hat den Gewöhnlichen Teufelsabbiss (Succisa pratensis) zur Blume des Jahres 2015 gewählt (Pflanzenfoto auf Wikipedia).

Mit der „Blume des Jahres“ macht die Loki Schmidt Stiftung jeweils auch auf einen bedrohten Lebensraum hin.

Beim Teufelsabbiss sind das magere und offene Feuchtwiesen, Moore und Heiden.

Das Rhizom ( = Wurzelstock) des Gewöhnlichen Teufelsabbisses wird bis zu 50 cm tief und stirbt im Herbst von unten ab. Der Teufel soll die Wurzel jeweils von unten abbeissen, aus Zorn über ihre Heilkraft, sagt ein alter Volksglaube.

Quelle:

http://www.loki-schmidt-stiftung.de/downloads/blumen_des_jahres_pdfs/Blume_des_Jahres_2015.pdf

 

Kommentar & Ergänzung:

Teufelsabbiss enthält Saponine, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Stärke und Saccharose. Die Pflanze wurde in der traditionellen Volksheilkunde eingesetzt zur „Blutreinigung“, als Diuretikum, gegen Husten, Heiserkeit, Lungenerkrankungen, als Anthelmintikum (wurmwidriges Mittel), äusserlich bei Hauterkrankungen, Ekzemen, Geschwüren und Quetschungen.

Wie viele andere Pflanzen auch, wurde Teufelsabbiss früher gegen Pest empfohlen. Aber schon Tolstoi hat geschrieben: Wenn gegen eine Krankheit viele verschiedene Heilmittel empfohlen werden ist das ein Zeichen, dass sie unheilbar ist. Mit anderen Worten: Gegen Pest hat man früher in grosser Not einfach fast alles probiert, was greifbar war.

Keine dieser Indikationen ist aber bisher geklärt worden, so dass der Teufelsabbiss heute in der Phytotherapie nicht mehr zur Anwendung kommt.

Zum Anschauen in der Natur ist die Pflanze allerdings ausgesprochen hübsch, aber nicht häufig anzutreffen. Wenn Sie mehr Wildpflanzen und Heilkräuter in der Natur kennenlernen möchten, dann schauen Sie sich mal mein Programm 2015 für die Kräuterwanderungen an.

Botanisch gehört der Teufelsabbiss zur Pflanzenfamilie der Kardengewächse (Dipsacoideae), zu der auch die Witwenblumen, die Skabiosen und die Karden zählen.

Teufelsabbiss blüht erst spät im Jahr (Juli bis September) und wird von Bienen, Schmetterlingen und Fliegen bestäubt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Salbei zur Duftpflanze des Jahres 2015 gewählt

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Die Vereinigung für Aromapflege und gewerbliche Aromapraktiker (VAGA) wählte die Salbei zur Duftpflanze des Jahres 2015. Der „Kurier“ berichtet darüber und weißt auf die Wirkung der Salbeiblätter bei Halsweh und gegen zu starkes Schwitzen hin.

Leider kolportiert die Zeitung auch die Mär von der östrogenartigen Wirkung der Pflanze:

„Menstruation. Salbei enthält östrogenartige Substanzen, die bei Wechsel- und Menstruationsbeschwerden helfen können. Schon Hippokrates setzte Salbei als Uterus-Heilmittel ein.“

Quelle:

http://kurier.at/lebensart/gesundheit/gesundes-kraut-salbei-ist-duftpflanze-des-jahres-2015/95.092.303/slideshow

Diese Aussage lese ich nicht zum ersten Mal. Eigenartig ist allerdings, dass nie erwähnt wurde, um welche östrogenartigen Substanzen ist sich handeln soll. Das wäre aber nötig, wenn die Aussage glaubwürdig sein soll. In der Phytotherapie-Fachliteratur tauchen keine Salbei-Inhaltsstoffe mit östrogener Wirkung auf und die schweisshemmende Wirkung dürfte durch direkte Beeinflussung der Schweissdrüsen zustande kommen – und nichts mit Phytoöstrogenen zu tun haben.

Die Aussage steht also auf ausgesprochen schwachen Füssen.

Der Artikel im „Kurier“ geht auch auf die Geschichte der Salbei als Heilpflanze ein:

„Schon die Griechen glaubten, Salbei könne unsterblich machen. Im Mittelalter hatte das Kraut den Ruf eines universellen Heilmittels. Ein Spruch aus der Volksmedizin des 13. Jahrhunderts lautet etwa: ‚Wie kann ein Mensch sterben, in dessen Garten Salbei wächst?’“

Quelle:

http://kurier.at/lebensart/gesundheit/gesundes-kraut-salbei-ist-duftpflanze-des-jahres-2015/95.092.303/slideshow

Der Spruch: „Cur moriatur homo, cui Salvia crescit in horto ?“ – „Warum soll der Mensch sterben, wenn doch Salbei in seinem Garten wächst?“, wird immer wieder gerne zitiert und er zeugt davon, dass man der Salbei Wunderkräfte zugetraut hat. Die Aussage stammt aus einem alten medizinischen Lehrgedicht der Schule von Salerno, dem „Regimen Sanitatis Scholae Salernitanae“, dessen Handschrift um 1101 entstanden sein dürfte.

Allerdings lautet dort die Antwort auf die gestellte Frage:

„Contra vim mortis non est medicamen in hortis.“ – „Gegen den Tod ist kein Kräutlein im Garten gewachsen.“

Und dieser Teil – der doch etwas relativierend wirkt, wird nur selten zitiert.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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