Artikel mit Schlagwort ‘Heilkräuter’

Grundvoraussetzungen für fachlich fundierte Phytotherapie

Mittwoch, Juli 1st, 2009

Die Phytotherapie hat zwar von ihren Wurzeln, ihrer Geschichte und ihrer Entwicklung her ein ziemlich klares Profil. Weil der Begriff “Phytotherapie” aber nicht geschützt ist, kann letztendlich jeder und jede diese Bezeichnung verwenden und mit eigenen Inhalten, Ideen und Vorstellungen füllen.

Qualitätsdiskussionen im Bereich Phytotherapie fördern

Deshalb ist es so wichtig, immer wieder die Qualitätsdiskussion zu führen.

Was also zeichnet eine fachlich fundierte Phytotherapie aus? Hier ein paar Gedanken und Anregungen zu dieser Frage:

Fachlich fundierte Phytotherapie zeichnet sich aus durch das Bestreben, Aussagen über Wirkungen von Heilpflanzen-Präparaten sorgfältig zu dokumentieren und glaubwürdig zu begründen.

Fachlich fundierte Phytotherapie unterscheidet sich dadurch deutlich von Formen der Pflanzenheilkunde, welche ausschliesslich Heilungsversprechungen in den Raum stellen, ohne sich um Dokumentation und Begründung zu kümmern.

Für eine fachlich fundierte Phytotherapie ist es eine ethische Forderung, nicht bloss schöne Behauptungen in den Raum zu stellen, welche nur blind zu glauben sind.

Fachlich fundierte Phytotherapie geht den aufwendigeren und zugleich spannenderen Weg, Aussagen über Wirkungen von Heilpflanzen-Präparaten kritisch zu prüfen.

Fachlich fundierte Phytotherapie verlangt deshalb nicht blinde Gläubigkeit. Sie versucht mit möglichst starken Argumenten zu überzeugen. Für mündige Menschen ist dies meines Erachtens die einzige angemessene Form.

Mir begegnen im Bereich der Phytotherapie, aber auch sonst in Naturheilkunde und Komplementärmedizin, erschreckend viele Leute, die fraglos und ziemlich naiv glauben, was ihren irgend jemand via Buch, Kurs oder Ausbildung aufgetischt hat. Es fehlt jedes Nachhaken, ob die übernommenen Behauptungen auch fundiert sind.
Das scheint mir eine recht bequeme Haltung.

Zentral in einer fachlich fundierten Phytotherapie ist die Forderung nach Plausibilität und Glaubwürdigkeit: Aussagen über Wirkungen von Heilpflanzen-Präparaten sollen sich in der kritischen Reflexion und Auseinandersetzung als glaubwürdig und plausibel erweisen. Dies setzt einen sorgfältigen Prozess der Prüfung, Klärung und Bewertung voraus.

Wissenschaftliche Forschung ist dabei für eine fachlich fundierte Phytotherapie ein wichtiger, aber nicht der einzige Massstab. Wesentlich ist es allerdings zu wissen und auch transparent zu machen, wo man mit der Dokumentation und Begründung von Wirkungen bei einer Heilpflanze jeweils steht: nur “Tradition”? Unkontrollierte Erfahrungsberichte und Anekdoten? Nur “isolierte” Laborergebnisse? Erfolgreiche Studien mit Patienten?

Phytotherapie-Forschung überprüft Überlieferungen traditioneller Pflanzenheilkunde

Die traditionelle Pflanzenheilkunde enthält viele Angaben zu Wirkungen von Heilpflanzen. Sehr häufig sind diese Angaben jedoch ungenau und mehr oder weniger anekdotisch. Sie enthalten wertvolle Hinweise, aber auch zahlreiche sich zäh haltende Irrtümer. Fachlich fundierte Phytotherapie ist deshalb interessiert an den Resultaten wissenschaftlicher Heilpflanzen-Forschung. Die Verbindung von Erfahrungen der traditionellen Pflanzenheilkunde mit den Ergebnissen neuzeitlicher Arzneipflanzen-Forschung ermöglicht eine sorgfältige Dokumentation und Begründung der Wirkungen von Heilpflanzen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde
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moodle.heilpflanzen-info.ch/course/view.php

Kalorienreduktion verbessert Gedächtnisleistung

Sonntag, Februar 22nd, 2009

Eine Senkung der Kalorienzufuhr um 30 Prozent über drei Monate verbessert das Gedächtnis und reduziert die Insulinkonzentrationen bei älteren Menschen deutlich. Für Nagetiere war dies schon seit einiger Zeit bekannt. Nun haben Wissenschaftler um Agnes Flöel von der Universität Münster untersucht, ob dieser Zusammenhang auch bei Menschen besteht. An der Studie waren 50 Personen im Alter von durchschnittlich 60 Jahren beteiligt, welche in drei Gruppen aufgeteilt wurden: Eine behielt ihre bisherige Ernährungsweise bei, eine zweite nahm verstärkt ungesättigte Fettsäuren zu sich, eine dritte Gruppe senkte die Kalorienzufuhr um 30 Prozent.

Die Teilnehmer mit der Kalorienreduktion schnitten in Gedächtnistests nach drei Monaten um 20 Prozent besser ab als vor der Diät, berichten die Forscher im Fachjournal «PNAS» (Doi: 10.1073/pnas.0808587106). Bei den Teilnehmenden aus den anderen beiden Gruppen verbesserte sich die Gedächtnisleistung nicht. Die Diätgruppe zeigte zudem niedrigere Blutglucose- und Insulinspiegel als vor der Ernährungsumstellung, was die verbesserten kognitiven Fähigkeiten erklären könnte. Denn tiefere Werte waren in früheren Untersuchungen mit einer verbesserten Hirnfunktion in Verbindung gebracht worden.

Quelle: www.pharmazeutische-zeitung.ch, 27.01.2009 l

Kommentar:

Eine zwanzigprozentige Verbesserung ist fast unglaublich.
Zur Verbesserung des Gedächtnisses werden unzählige Nahrungsergänzungsmittel empfohlen, aber auch Heilpflanzen-Präparate zum Beispiel auf der Basis von Ginkgo-biloba-Extrakten oder Ginseng-Extrakten. Es geht dabei immer darum, was wir alles noch zusätzlich einnehmen könnten, um die Gedächtnisleistung zu verbessern. Interessanterweise legt diese Studie das Gegenteil nahe, nämlich nicht mehr, sondern weniger.
Dass tiefere Blutglukose- und Insulinspiegel mit einer verbesserten Hirnfunktion zusammenhängen sollen, scheint mir auch sehr interessant.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch