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Was sind Schüssler-Salze?

Dienstag, Mai 18th, 2010

Schüssler-Salze erleben im Bereich Alternativmedizin / Komplementärmedizin / Naturheilkunde gerade einen ziemlichen Boom. Gleichzeitig wissen aber die wenigsten Anwenderinnen und Anwender genauer über diese Präparate Bescheid.
Es folgt darum hier eine Zusamenfassung aus Wikipedia und daran anschliessend ein ergänzender Kommentar:

Schüßler-Salze sind Präparate von Mineralsalzen in homöopathischer Dosierung (Potenzierung), die zur Alternativmedizin gezählt werden Die Behandlung mit ihnen basiert auf der Annahme, Krankheiten entstünden allgemein durch Störungen des Mineralhaushalts der Körperzellen und könnten durch homöopathische Gaben von Mineralien geheilt werden. Diese Annahmen und Vorstellungen sind wissenschaftlich nicht anerkannt. Eine Wirksamkeit der Schüßler-Salze ist weder experimentell noch klinisch nachgewiesen.

Der homöopathische Arzt Wilhelm Heinrich Schüßler (1821–1898) publizierte in der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung 1873 den Artikel „Eine abgekürzte Homöopathische Therapie“, in dem er eine Therapieform namens „Biochemische Heilweise“ vorstellte. Seine Abkürzung bestand darin, dass er statt der etwa tausend Mittel in der Homöopathie nur zwölf Salze, „Schüßler-Salze“ genannt, zur Behandlung fast aller Krankheiten für ausreichend hielt. Schüßler ging davon aus, dass Krankheiten auf der Basis gestörter biochemischer Vorgänge entstehen. Er ging davon aus, dass Krankheiten zu einem großen Teil auf der Grundlage eines „gestörten Mineralhaushaltes“ entstehen, wobei das Fehlen eines bestimmten Minerals den gesamten Stoffwechsel beeinträchtige. Schüßler betonte, sein Verfahren sei „kein homöopathisches“, weil es nicht auf dem von Samuel Hahnemann propagierten Simile-Prinzip (“Ähnliches kann durch Ähnliches geheilt werden”) beruhe, sondern auf physiologisch-chemische Vorgänge im menschlichen Organismus zurückzuführen sei. Aus diesem Grund lehnte Schüssler auch die in der Homöopathie üblichen Arzneimittelprüfungen an gesunden Probanden als „grundfalsch“ ab.

Der Vizepräsident des Biochemischen Bund Deutschlands e. V., Hans-Heinrich Jörgensen, vertritt allerdings die Auffassung, dass sich Schüßler-Salze nicht nur zum Ausgleich von Mangelerscheinungen, sondern auch gemäß dem homöopathischen Ähnlichkeitsprinzip anwenden lassen: „Beides ist möglich und funktioniert auch, denn schließlich sind die Salze ja nach den Regeln der Homöopathie aufbereitet. Aber die Indikationsansprüche, die Zielrichtung, die Erscheinungen, die behandelt werden sollen, sind andere, ob ich mit meiner Arznei schlicht Mineralmängel beseitigen will, oder ob ich entsprechend dem homöopathischen Arzneibild Konstitutionen verändern will.“

Bei den biochemischen Präparaten nach Schüßler handelt es sich um homöopathische Arzneimittel im Sinne des deutschen Arzneimittelgesetzes (AMG), die nach einem vereinfachten Genehmigungsverfahren („Registrierung“) in den Verkehr gebracht werden. Im Gegensatz zur „Zulassung“ von Arzneimitteln (Synthetika, Phytopharmaka) brauchen Wirksamkeit und Unbedenklichkeit bei der “Registrierung” homöopathischer Arzneimittel nicht nachgewiesen zu werden; im Gegenzug dürfen allerdings auch keine Anwendungsgebiete (Indikationen) aufgeführt werden. Die im Zusammenhang mit der Verabreichung von Schüssler-Salzen manchmal durchgeführte so genannte Antlitzdiagnostik bzw. Antlitzanalyse ist nach wissenschaftlichen Kriterien nicht haltbar.

Schüssler-Salze werden nach homöopathischer Verfahrensweise durch Schütteln, Reiben oder Zerkleinern verdünnt und haben entsprechende Verdünnungsbezeichnungen: D1 bedeutet, dass es sich um eine Verdünnung von 1:10 handelt, Dx allgemein eine Verdünnung von 1:10x. Die Salze sind in der Regel D6 = 1:1.000.000 oder D12 = 1:1.000.000.000.000 verdünnt.

Die „Biochemie nach Schüßler“ ist vor allem durch Heilpraktiker als Behandlungsform erhalten geblieben. Sie wird in Fachschulen gelehrt und viele Heilpraktiker arbeiten täglich in der Praxis mit Schüssler-Salzen. Vor der gesetzlichen Festschreibung der Berufsbezeichnung Heilpraktiker (1939) in Deutschland wurde Schüßlers Lehre wesentlich durch Laienbewegungen verbreitet. Einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Schüssler-Methode leistete Kurt Hickethier, welcher zwei Kurhäuser zur Behandlung seiner Patienten errichtete. Der erste „biochemische Verein“ wurde im Jahre 1885 in Oldenburg gegründet. Heute (2004) existieren in Deutschland etwa 70 „biochemische Vereine“ und weitere im Ausland. Die Schüßler-Salze werden von interessierten Menschen bei verschiedensten Krankheitsbildern eingesetzt.

Wirksamkeit der Schüssler-Salze

Schüßler-Salze haben keinerlei wissenschaftlich belegte Wirkung. Die Stiftung Warentest kommt zu dem Schluss: „Biochemie nach Schüßler ist zur Behandlung von Krankheiten nicht geeignet.“ Der Professor für Alternativmedizin Edzard Ernst stellt fest: “Die Behandlungskostenübernahme durch einige deutsche Krankenkassen ändert nichts daran, dass diese ‚Therapie’ als eine nicht wirksam bewertete Behandlung einzustufen ist”.

Die „Biochemie“ nach Schüßler

Wilhelm Heinrich Schüßler distanzierte sich mit seiner Therapiemethode strikt von der Homöopathie. Es gab zu Schüssler’s Lebzeiten viele Auseinandersetzungen mit Homöopathen, die seine Behandlungsmethode schon allein wegen ihrer Einfachheit nicht akzeptierten und verächtlich von Düngemitteln sprachen. In seinem Artikel „Eine abgekürzte Homöopathische Therapie“ schreibt Schüßler selbst: „Die Grundlage meiner Forschung waren Histologie, die darauf bezügliche Chemie, die anorganischen Bestandteile der Gewebe und die physiologischen Wirkungen oder Funktionen dieser Bestandteile.“

Bei seinen Untersuchungen fand er nach eigenen Angaben zwölf verschiedene Verbindungen, die im menschlichen Organismus vorkämen, die sogenannten Schüßler-Salze. Nach Schüßlers Ansicht bewirkt ein pathogener Reiz die Verstärkung der Funktion einer Zelle, weil die Zelle bemüht ist, den Reiz abzustoßen. Wegen dieser Tätigkeit verliere sie einen Teil ihrer mineralischen Funktionsmittel. Schüssler glaubte, diese Zellen seien dann pathogen verändert, was das Wesen einer Krankheit sei.

Durch die Zufuhr dieser nun fehlenden Mineralstoffe könnten die Krankheiten bekämpft werden. Dazu sei die Potenzierung der Salze nötig, um Mängel innerhalb einer Zelle aufzufüllen. Nach Schüssler’s Ansicht gelangen die hoch verdünnten „feinstofflichen“ Mineralstoffe, also die einzelnen Moleküle, direkt in das Zellinnere. Die Mängel außerhalb der Zellen seien durch eine nährstoff- und basenreiche Ernährung aufzufüllen, weil ein gewisses Gleichgewicht zwischen Zellinnerem und Extrazellularraum nötig sei.
Merkmale im Gesicht ließen Schüssler die verschiedenen fehlenden Mineralstoffe feststellen und so eine entsprechende Dosierung der Salze vornehmen.

Kurt Hickethier erweiterte die von Schüßler eingeführte „Antlitzanalyse“ und nannte sie zu seiner Zeit “Sonnerschau”. So ist nach Hickethier zum Beispiel ein Mangel am Schüssler-Salz Nr. 3 (Ferrum phosphoricum) unter anderem an den inneren Augenwinkeln durch eine dunklere, blauschwarze bis schwarze Färbung zu erkennen. Durch die darauf folgende Einnahme des entsprechenden Mineralstoffs konnte Hickethier nach eigenen Angaben einen Rückgang der antlitzanalytischen Zeichen im Gesicht feststellen.
Praktische Anwendung der Schüssler-Salze
Schüßler-Salze sollen als „homöopathisch aufbereitete“, das heisst potenzierte Mittel in Tablettenform angewendet werden, die man dann im Mund langsam zergehen lässt. Die Mineralstoffe sollen dann über die Mundschleimhaut vom Organismus aufgenommen werden. Für jedes Schüssler-Salz gibt es eine sogenannte Regelpotenz. Für die Schüssler-Salze Nr. 1, 3 und 11 wird in der Regel D12 genommen. Für die übrigen Schüssler-Salze gilt D6 als Regelpotenz.

Zur Anzahl der Tabletten pro Tag existieren verschiedene Ansätze. Ein Teil der Heilpraktiker empfiehlt eine Dosierung von etwa drei bis sechs Stück täglich von nur zwei bis drei verschiedenen Schüßler-Salzen, der andere Teil wiederum empfiehlt auch mehr verschiedene Salze und höhere Dosen bis insgesamt etwa 150 Pastillen pro Tag. Wahrscheinlich sind die Dosierungen darum so unterschiedlich, weil manche Anwender die Aussagen von Schüßler und Hickethier unterschiedlich interpretieren. Manche Heilpraktiker sehen die Heilweise auch als Reizheilweise, während Schüßler selbst sie in seiner „abgekürzten Therapie“ als Substitutionsheilweise bezeichnet.

Durch den Wandel der Zeit und einen möglichen erhöhten Bedarf an Mineralstoffen, durch Stress und falsche Ernährung sind nach der Ansicht einiger heutiger Heilpraktiker größere Gaben von Mineralstoffen nötig.
Die Vorstellung, dass die Verwendung großer Mengen Schüßler-Salze einen Mineralstoffmangel besser beheben könne als die Verabreichung nur weniger Tabletten pro Tag, steht allerdings im Widerspruch zu der Tatsache, dass bei der Potenz D6 selbst 1000 Tabletten immer noch weniger als ein Milligramm des zugrundeliegenden Minerals enthalten.
Kurt Hickethier schreibt, dass er um etwa 1910 bei seinen Patienten meist nur zwei bis drei verschiedene nennenswerte Salzmängel in einem Antlitz feststellen konnte. Manche Mangelanzeichen traten laut seinen Angaben sehr selten auf, weil sie einen überaus starken, langjährigen Mangel eines Mineralstoffes voraussetzen. Heute seien diese von ihm beschriebenen, damals seltenen Anzeichen aber häufig anzutreffen. Auch die Anzahl und Ausprägung der Mängel, welche in einem Gesicht zu erkennen seien, sei viel größer geworden. Hickethier selbst rät: „In schweren Fällen und bei großen Mängeln erscheint es gerechtfertigt, kurze Zeit hindurch alle Minuten eine Gabe der üblichen Verdünnung (laut Schüßler) zu geben.“ Schüßler war in seiner abgekürzten Therapie offen für unterschiedliche Dosierungen seiner Salze und schrieb, dass jeder Arzt nach eigenem Ermessen die Dosis wählen solle.

Einnahmearten der Schüssler-Salze

Die Schüßler-Pastillen werden einzeln, können jedoch auch bis zu etwa fünf Stück gleichzeitig im Mund gelutscht werden. Die Schüssler-Salze sollen dabei über die Mundschleimhaut aufgenommen werden. Weil die Pastillen fast nur aus Milchzucker (Laktose) bestehen, ist bei einer Laktoseintoleranz Vorsicht angezeigt. Die Pastillen können in Leitungswasser aufgelöst werden, wobei nicht umgerührt werden soll, damit der Milchzucker am Boden der Tasse nicht verworfen wird. Diese Lösung wird dann schluckweise getrunken. Hierbei wird nur eine verhältnismäsig geringe Menge von Milchzucker eingenommen. Auch gibt es inzwischen in Alkohol aufgelöste Schüßler-Salze, welche laktosefrei sind.

Sehr bekannt ist die Einnahme des Schüssler-Salzes Nr. 7, Magnesium phosphoricum, als „heiße Sieben“. Bei akuten Schmerzzuständen sollen 10 Tabletten in einer Tasse in kochend heißem Wasser aufgelöst werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass die Lösung nicht mit einem Metallgegenstand umgerührt wird. Die Milchzuckerlösung wird so warm wie möglich getrunken, wobei jeder Schluck lange im Mund behalten werden soll, um die Aufnahme durch die Mundschleimhäute zu verbessern. Auch die Einnahme der anderen Schüßler-Salze kann sowohl als heiße Lösung wie auch durch Auflösen in einem Glas abgekochtem Wasser geschehen. Eine Anwendung soll auch in Salbenform möglich sein (etwa Ferrum phosphoricum „biochemisch“ für Entzündungen).

Die 12 „Funktionsmittel“ der Schüssler-Salze

    Calcium fluoratum D12
    Calcium phosphoricum D6
    Ferrum phosphoricum D12
    Kalium chloratum D6
    Kalium phosphoricum D6
    Kalium sulfuricum D6
    Magnesium phosphoricum D6
    Natrium chloratum D6 (Kochsalz)
    Natrium phosphoricum D6
    Natrium sulfuricum D6
    Silicea D12 (Kieselsäure)
    (Calcium sulfuricum D6)

Diese 12 ursprünglichen Schüßler-Salze reduzierte Schüßler im Jahr 1895 auf elf; er schrieb: „Da der schwefelsaure Kalk nicht in die konstante Zusammensetzung des Organismus eingeht, so muss er von der biochemischen Bildfläche verschwinden. Statt seiner kommt Natrium phosphoricum resp. Silicea in Betracht.“
Später wurden von verschiedenen Autoren zusätzliche Mineralstoffe eingeführt, welche heute unter der Bezeichnung „Ergänzungsmittel“ zusammengefasst werden.

Die 15 „Ergänzungsmittel“ der Schüssler-Salze

    Kalium arsenicosum D6
    Kalium bromatum D6
    Kalium jodatum D6
    Lithium chloratum D6
    Manganum sulfuricum D6
    Calcium sulfuratum D6
    Cuprum arsenicosum D6
    Kalium-Aluminium sulfuricum D6
    Zincum chloratum D6
    Calcium carbonicum D6
    Natrium bicarbonicum D6
    Arsenum jodatum D6
    Aurum Chloratum Natronatum D6
    Selenium D6 (Selen)
    Kalium bichromicum D12

Ergänzende biochemische Mittel nach Joachim Broy

    Natrium fluoratum D6
    Magnesium fluoratum D6
    Calcium chloratum D6
    Ferrum chloratum D6
    Ferrum sulfuricum D3
    Magnesium chloratum D6
    Magnesium sulfuricum D6

Geschichte der „Biochemie nach Schüßler“

Schüßler, welcher bis zu Beginn der 1870er Jahre der „klassischen“ Homöopathie mehr oder weniger treu geblieben war, wurde nach der Erstveröffentlichung seiner „neuen“ Therapie in der Allgemeinen Homöopathischen Zeitung (1873) heftig von Homöopathen kritisiert, welche Verrat an der gemeinsamen Sache witterten. Ein Jahr später publizierte er sein grundlegendes Werk „Eine abgekürzte Therapie gegründet auf Histologie und Cellularpathologie“, welches auf knapp 16 Seiten die Grundzüge seiner Lehre enthielt. Dabei grenzte er sich deutlich von der Homöopathie ab. Im Vorwort zu späteren Auflagen bekannte er sich zu den Einflüssen, welche der Physiologe Jakob M. Moleschott und der Pathologe Rudolf Virchow auf seine Theorie hatten.

Die heftigen Auseinandersetzungen mit führenden Vertretern der Homöopathie brachten Schüßler 1876 zum Austritt aus dem „Centralverein homöopathischer Ärzte“. Der polemische Schlagabtausch ging allerdings über Jahrzehnte weiter. Die naturwissenschaftliche Medizin nahm dagegen kaum Kenntnis vom neuen „biochemischen“ Verfahren. Im deutschen Kaiserreich wurde es zwar von den meisten Gesundheitsbehörden im Rahmen der gesetzlich verankerten Kurierfreiheit toleriert, jedoch nicht gefördert.

Geschichte der biochemischen Verbände

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts existierten drei konkurrierende Verbände: der „Verband biochemischer Vereine für das Deutsche Reich“, der „Schüssler-Bund“ und der „Jade-Verband“. In den 1920er Jahren zählte die biochemische Bewegung mehr als achthundert ehrenamtliche „Krankenbehandler“. Diese wurden von Ärzten, die in ihnen Kurpfuscher sahen, nicht selten wegen fahrlässiger Körperverletzung oder gar Tötung angezeigt. Die meisten Gerichtsverfahren endeten jedoch mit Freispruch.
Durch die Reichsarbeitsgemeinschaft der Volksverbände wurden die biochemischen Vereine 1922 zwangs-zusammengeschlossen zum „Biochemischen Bund Deutschlands“, der 1928 bereits 184.672 Mitglieder zählte und straff organisiert war. 1929 umfasste die Bundesgeschäftsstelle 22 hauptamtliche Mitarbeiter. In einem eigenen Verlag in Potsdam erschienen die „Zeitschrift für Biochemie. Volkstümliches Fachorgan für Mineralstofflehre“ mit einer Auflage von mehr als 200.000 Exemplaren sowie vielen Informationsschriften.

Zur Zeit des Nationalsozialismus stieg die „Biochemie“ zu einer anerkannten Heilweise auf. Die „Krankenbehandler“, welche bisher am Rande der Legalität praktiziert hatten, bekamen den Status von Heilpraktikern. Außerdem konnten im „Dritten Reich“ erstmals mit staatlicher Billigung und Förderung Untersuchungen durchgeführt werden, in denen die behauptete Wirksamkeit „biochemischer“ Arzneimittel überprüft wurde. Solche Menschen-Versuche fanden auch in den Konzentrationslagern Dachau und Auschwitz statt, unter Leitung des Reichsarztes SS Ernst-Robert Grawitz. Dabei wurden unter anderem künstlich herbeigeführte Fälle von Blutvergiftung und Malaria weitgehend erfolglos „therapiert“. Für die Häftlinge nahmen diese grausamen Experimente in den meisten Fällen einen tödlichen Ausgang.

Der „Biochemische Bund“ steuerte nach 1933 mehr und mehr ins nationalsozialistische Fahrwasser. Eine interne Gleichschaltung führte zum Ausschluss unerwünschter, hauptsächlich “nichtarischer” Mitglieder. Ab 1934 findet man in der Mitgliederzeitschrift die Rubrik „Volk und Rasse“ und an der Spitze der Bundesleitung stehen linientreue Parteigenossen. 1935 wurde der „Biochemische Bund“  zwangsweise in die „Reichsarbeitsgemeinschaft der Verbände für naturgemäße Lebens- und Heilweise“ eingegliedert. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der „Bund“ aufgelöst, jedoch schon 1946 neu konstituiert. 1949 gab er wieder eine Mitgliederzeitschrift heraus („Gesundes Volk“, später „Weg zur Gesundheit“), konnte jedoch nicht wieder an die frühere Bedeutung anknüpfen. Aus einem verbandseigenen Kurhaus, welches 1936 in Hahnenklee im Harz in Betrieb genommen wurde, ging 1949 ein „Dr. Schüssler-Sanatorium“ hervor. Im Jahr 2004 existierten in Deutschland wieder etwa 70 biochemische Vereine, weitere im Ausland.

Komplex-Biochemie

Die Komplex-Biochemie ist eine seit den 1920er Jahren bestehende Sonderform der Behandlung mit Schüßler-Salzen. Sie wurde entwickelt von dem Berliner Arzt Konrad Grams. Die etwa dreissig Präparate der Komplex-Biochemie werden seither unter dem Namen „JSO Bicomplexe“ produziert und vermarktet, die Zusammensetzung ist nur unwesentlich verändert worden. Konrad Grams entwickelte damit – dem Zeitgeist folgend – aus der Schüßler-Biochemie ein deutlich laienfreundlicheres Selbstbehandlungs-System – die „Komplex-Biochemie“: „Unter Komplex-Biochemie verstehen wir die Vereinigung mehrerer Mineralsalze zu einem Mittel, welches zu den erkrankten Geweben oder dem erkrankten Körperteil in Beziehung steht. Es deckt gewissermaßen alle Krankheitserscheinungen der betreffenden Krankheit.“ Grams selbst hängt in seinen Publikationen auch weiterhin der pseudomaterialistischen Defizit-Hypothese an („Die Komplex-Biochemie ist […] eine Ernährungstherapie.“)

Die Komplex-Biochemie nach Grams umfasst 30 sehr einfache Konzepte, welche die Wahl des Mittels leicht machen (bei Durchfall das „Darmmittel“, bei „Husten“ das „Hustenmittel“ etc.). Auch wenn etliche Heilpraktiker die Behandlung mit komplex-biochemischen Mitteln anbieten, ist das System hauptsächlich zur Selbstmedikation gedacht.
Allerdings ist aufgrund arzneimittelrechtlicher Vorschriften die Angabe einer Indikation nur noch für zugelassene, nicht aber für registrierte homöopathische Arzneimittel erlaubt, so dass Angaben wie “Hustenmittel” auf der Packung der – lediglich registrierten – JSO Bicomplexe nicht mehr zugelassen sind. Die Erteilung einer Zulassung (statt der ebenfalls zulässigen Registrierung) würde aber Wirksamkeitsnachweise für die beanspruchte Indikation voraussetzen, welche die „Schüssler-Salze“ nicht vorweisen können.

Quelle: Wikipedia (Literaturangaben dort)

Kommentar & Ergänzung:

Diese Wikipedia-Informationen rufen nur an wenigen Stellen nach einer Ergänzung oder Präzisierungen. Ich versuche hier, ein paar offene Punkte bzw. Fragen aufzuführen.

– Schüssler-Salze werden von den Arzneimittelbehörden gleich behandelt wie Präparate aus Homöopathie und Anthroposophischer Medizin. Sie sind daher wie diese vom Nachweis einer Wirksamkeit befreit. Dadurch besteht auch keine Notwendigkeit, Wirkungen fundiert zu dokumentieren.
Daher ist es nicht erstaunlich, dass experimentelle oder klinische Belege für eine Wirksamkeit fehlen.

– Ausser Frage steht, dass viele AnwenderInnen von Schüssler-Salzen von positiven Wirkungen berichten. Dabei kann es sich aber auch um Effekte handeln, welche durch die Erwartungshaltung ausgelöst wurden, oder um Verbesserungen aufgrund des natürlichen Verlaufs der Beschwerden (Selbstheilungskräfte). Vor kurzen erklärte mir eine Bekannte, dass sie sich gar nicht mehr vorstellen könne, ohne Schüssler-Salze Nr. X, Y und Z ihren Alltag zu bewältigen. Ich halte solche Aussagen für ein Symptom psychischer Abhängigkeit und beobachte ähnliche Phänomene im Umfeld der Schüssler-Salze nicht selten.

– Schüssler-Salze im Sinne einer Substitutionsbehandlung als Mineralstofftherapie zu bezeichnen, halte ich für eine Konsumententäuschung. Bei Verdünnungen von D6 (1: 1 000 000) und D12 (1:1 000 000 000 000) sind von ursprünglich vorhandenen Mineral nur noch äusserst minimale Spuren vorhanden.

– Die mit der Anwendung von Schüssler-Salzen oft verknüpfte „Antlitzanalyse“ (Physiognomik) ist hoch fragwürdig und problematisch. Sie eignet sich bestens als Transportmittel für Vorurteile, Projektionen und Unterstellungen.

– Das Konzept von Schüssler, alle Krankheiten auf Mineralstoffmängel zurückzuführen, ist ausgesprochen einseitig und zudem sehr mechanistisch.

– Die Tiroler Apotheken führten am 7. Mai der „1. Schüssler Tag“ durch. Die Ankündigung dafür ist meines Erachtens ein gutes Beispiel für unseriöse Propaganda.

Beispiel 1:
„ Die Salze, die von dem Arzt Wilhelm Schüßler vor über hundert Jahren erforscht wurden, sollen genau jene Mineralstoffe beinhalten, die Körperzellen brauchen. Kommt es zu einem Mangel einzelner Mineralstoffe im Körper, kann diese „Betriebsstörung“ durch die Einnahme der Schüßler Salze ausgeglichen werden.“ (Quelle: www.tt.com)
Es gibt keinen einzigen Hinweis, dass Schüssler-Salze einen Mangel an Mineralstoffen ausgleichen können. Wie schon weiter oben erwähnt: Als Substitutionstherapie bei Mineralstoffmangel sind Schüsslersalze unsinnig. Allenfalls dienen sie als indirekte Substitutionstherapie bei Mangelzuständen in Apothekerkassen…..

Beispiel 2:
„’Diese alte Form der Alternativmedizin erfährt zurzeit eine Renaissance’, betonte Apothekerkammer-Präsident Martin Hochstöger am Montag bei einer Pressekonferenz. Das sei vor allem darauf zurückzuführen, dass es sich um ein natürliches und risikoloses Behandlungsmodell handelt, bestätigte auch Monika Winkler, Pharmazeutin der Stadtapotheke Innsbruck. Bei der Anwendung könne man nichts falsch machen.“ (Quelle: www.tt.com)
Natürlich und risikolos – das kommt immer gut an. Wirksamkeit ist dagegen für die Apotheker kein Thema. Und eine Heilmethode, bei der man nichts falsch machen kann, entspricht ebenfalls dem Zeitgeist. Dann muss man sich ja auch nicht vertiefter damit auseinandersetzen und kann einfach mal rumprobieren. So erlebe ich jedenfalls nicht wenige Anwenderinnen und Anwender von Schüssler-Salzen. Ein Wochenendkurs, und man hat Gesundheit und Krankheit im Griff – bei sich selber und bei Patientinnen und Patienten. Eine ziemliche Fast-Food-Haltung, was mir da oft entgegen kommt. Und eine masslose (Selbst-) Überschätzung.

Beispiel 3:
„Die Einsatzmöglichkeiten sind sehr breit gestreut. ‚Jetzt im Frühjahr kämpfen viele Tiroler mit Pollenallergien, grippalen Infekten und Erkältungen. Da sind die homöopathisch zubereiteten Mineralstoffe eine wichtige Stütze für den menschlichen Organismus. Schüßler Salze können jedoch auch schon vorbeugend und in jedem Alter zur Gesundheitsvorsorge angewendet werden’, erklärte Susana Niedan-Feichtinger, Geschäftsführerin der Adler Pharma.“ (Quelle: www.tt.com)

Das ist ja schön für Adler Pharma als Markführerin im Bereich Schüssler-Salz in Österreich. Eigentlich heisst das: Schüssler Salze kann man immer einnehmen – ob gesund oder krank, alt oder jung – Schüssler-Salze braucht’s immer. Die perfekte Medikalisierung des Lebens, was ein unerschöpfliches Marktpotenzial mit sich bringt.
Zu einem professionellen Umgang mit Naturheilmitteln gehört wie auch bei anderen Medikamenten eine Einschränkung des Anwendungsbereiches auf Indikationen, bei denen der Nutzen überzeugend dokumentiert ist.
Leider sieht man bei Apotheken und Drogerien zunehmend, dass die fachlich-professionelle Haltung von kommerziellen Interessen völlig überdeckt wird.

„Mehr Wissen über die Salze von Dr. Schüssler“ verspricht die Ankündigung des „1. Schüssler Tages“ im Titel. Nach dem „Wörterbuch der philosophischen Grundbegriffe“ (Meiner Verlag 1998) ist „Wissen“ die auf „subjektiv und objektiv zureichenden Gründen  beruhende Überzeugung vom tatsächlichen Bestehen von Gegenständen, Vorgängen oder Sachverhalten“. Gründe für die gemachten Versprechungen sind in dieser Ankündigung aber nicht ersichtlich. Statt von „Wissen“ wäre es deshalb m. E.  angebrachter, von Behauptungen zu sprechen.

Mag sein, dass meine Kritik gerade ziemlich hart daherkommt. Ich will eigentlich gar keine „Standpauke“ halten.
Ich finde es aber unakzeptabel, wenn Apotheker ihr fachliches Renommee ins Feld führen, um mit derart fadenscheinigen und irreführenden Aussagen auf Kundenfang zu gehen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch

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Mistel-Wirkstoffe können Tumorwachtum hemmen

Dienstag, Mai 18th, 2010

In der Palliativtherapie und bei der Behandlung bösartiger Tumore kommen oft Mistelpräparate zum Einsatz. Denn die Mistel enthält als bedeutende Wirkstoffe unter anderem sogenannte Lektine.

Die Lektine lösen eine Reaktion des Immunsystems aus, die Krebszellen beseitigt, erklärt Johannes Gottfried Mayer von der Forschergruppe Klostermedizin in Würzburg. Durch diese Wirkung könne das Tumorwachstum gehemmt werden. Nicht eingesetzt werden sollten Mistelpräparate allerdings bei einer Eiweißüberempfindlichkeit und chronischen Infektionen wie TBC.
Die Mistel fand laut Johannes Gottfried Mayer zwar bereits im Jahr 400 vor Christus als Heilpflanze bei dem griechischen Arzt Hippokrates Erwähnung. Doch im 19. Jahrhundert sei sie fast vollständig aus der Medizin verschwunden. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam die Mistel als Mittel gegen Krebs und gegen Bluthochdruck wieder ins Gespräch. Eine in Tierversuchen beobachtete Reduzierung des Blutdrucks konnte beim Menschen bislang klinisch nicht belegt werden.

Die botanisch Viscum album genannte Schmarotzerpflanze wächst auf nahezu allen Laubbäumen. Die Mistel kann ihr Wurzelwerk in alle Richtungen entwickeln. An günstigen Standorten bildet die immergrüne Mistel ein kugelförmiges Geäst aus.

Quelle:
http://de.news.yahoo.com/26/20100511/thl-wirkstoffe-aus-der-mistel-knnen-tumo-b930478.html
www.klostermedizin.de

Kommentar & Ergänzung:
Ich schätze die Arbeit der „Forschergruppe Klostermedizin“ sehr. Hier lehnt sich Johannes Gottfried Mayer mit seinen Aussagen meines Erachtens aber ziemlich weit zum Fenster hinaus.
Mistelextrakte bzw. Lektine haben zwar an Krebszellen im Labor tumorhemmende Eigenschaften gezeigt. Dass aber in Krebspatienten Krebszellen beseitigt und das Tumorwachstum gehemmt wird, das ist alles andere als klar. Je besser die Qualität der Studien, desto weniger lässt sich ein solcher Effekt der Mistelbehandlung feststellen. Ein Überlebensvorteil durch die Misteltherapie liess sich bisher jedenfalls nicht annähernd klar belegen. Es gibt Hinweise auf eine gewisse Verbesserung der Lebensqualität bei Brustkrebspatientinnen mit Mistelbehandlung, wobei unklar bleibt, wodurch dieser Effekt bewirkt wurde.
Mir ist natürlich klar, dass viele Krebspatientinnen und Krebspatienten Hoffnungen in die Misteltherapie setzen. Vielleicht würde ich dies auch tun, wenn ich betroffen wäre.

Wenn Tumorpatientinnen und Tumorpatienten berichten, dass ihnen die Mistelbehandlung gut tut, dann ist diese Erfahrung ernst zu nehmen. Für die Interpretation einer solchen Erfahrung ist aber viel Sorgfalt nötig. Eine Besserung des Befindens – so wertvoll sie für Betroffene sein mag – ist noch keine Tumorheilung. Und eine Besserung des Befindens muss nicht unbedingt direkt mit dem Mistelextrakt oder den Lektinen zusammenhängen. Eine Misteltherapie kann möglicherweise auch als Ritual die Ohnmacht lindern, die eine Krebserkrankung bei Betroffenen und Angehörigen oft auslöst.  Und auch das kann wertvoll sein. Es entbindet aber nicht von einer differenzierten Interpretation allfälliger Wirkungen des Mistelextraktes bzw. der Lektine.

Mistelextrakte zeigen eine Wirkung auf das Immunsystem, aber dass Lektine Krebszellen beseitigen, ist ein Laboreffekt, der sich nicht einfach auf Krebspatienten übertragen lässt. Der Schluss auf eine tumorhemmende Wirkung im Organismus von Krebspatienten wäre daher ziemlich gewagt. Es ist sehr wichtig, zwischen Laborexperimenten und einer allfälligen Wirkung im lebendigen Organismus zu unterscheiden.

Ergänzt werden sollte noch, dass Misteltherapien bei Krebserkrankungen als Injektion vorgenommen werden. Lektine werden im Verdauungstrakt nicht unverändert aufgenommen, so dass bei Anwendungen in Form von Misteltee, Misteltinktur oder sonstigen peroralen Präparaten eine Wirksamkeit auf Tumorerkrankungen zum vorneherein ausgeschlossen ist.
Für die Botanik ist die Mistel übrigens nur ein Halbschmarotzer. Sie nimmt von ihrem Wirtsbaum, was dieser über die Wurzeln aus dem Boden holt (Wasser, Mineralstoffe). Die Mistel ist aber grün, enthät daher Chlorophyll (Blattgrün) und kann daher selber mit Hilfe des Sonnenlichts Glukose produzieren.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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www.phytotherapie-seminare.ch

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Was ist Verveine-Tee?

Donnerstag, Mai 13th, 2010

Verveine ( = Zitronenstrauch, Aloysia citrodora, auch Zitronenduftstrauch oder Zitronenverbene genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Eisenkrautgewächse (Verbenaceae).
   
Verveine wächst als laubabwerfender Strauch mit Wuchshöhen von 2 bis 6 Meter. Die meisten Pflanzenteile duften stark nach Zitrone.

Synonyme für Aloysia citrodora sind:
Aloysia triphylla, Lippia citrodora, Lippia triphylla, Verbena triphylla, Zappania citrodora

Verveine – Herkunft und Geschichte

Der Zitronenstrauch / Verveine stammt ursprünglich aus Südamerika (Uruguay, Argentinien (Catamarca, Jujuy, La Rioja, Salta, Tucuman) Chile, Peru). Er wurde Ende des 18. Jahrhunderts nach Europa eingeführt und ist heute bei Feinschmeckern und Kräuterliebhabern ein Begriff.

Duft- und Inhaltsstoffe

Die Verveine-Blätter können ähnlich wie Spinat gekocht werden. Wesentlich öfters werden die Blätter als Gewürz für süße oder herzhafte Salate verwendet. Aus den frischen und getrockeneten Blätter kann man einen sehr aromatischen Tee brühen.
Medizinische Wirkungen wurden untersucht. Das ätherische Öl wird vielfältig verwendet, beispielsweise als Parfümbestandteil oder als Insektenrepellent
Zitronenverbenen enthalten ein feines, frisch nach Zitrone duftendes ätherisches Öl. Die Intensität ist deutlich stärker als bei den meisten anderen nach Zitrone riechenden Pflanzen. Schon beim leichten Verreiben der Vervein-Blätter entstehen Duftwolken an Citrusaromen. Die ätherischen Öle (unter 1 %) enthalten als Hauptbestandteile die Aldehyde Citral, Neral und Geranial sowie weitere Monoterpene bzw. Monoterpenabkömmlinge (Limonen, Carvon, Dipenten, Linalool, Nerol, Geraniol).

Die Verwendung von Verveine

Bevorzugt werden die frischen Blätter verwendet, jedoch sind auch die getrockneten Blätter sind sehr beliebt, weil das Zitronenaroma im getrockneten Zustand der Blätter lange erhalten bleibt.

Verveine zur Verfeinerung von Speisen

Feinschmecker und Gourmets verarbeiten die Verveine gerne in der Küche. Verwendet werden die Verveine-Blätter für Salate, Schweinefleisch- und Pilzgerichte, aber auch zum Würzen von Süßspeisen wie Obstsalat, Pudding und zur Zubereitung von Speiseeis. Zudem kann man feingeschnittene Verveine-Blätter in den Zuckerguss für Zitronenkuchen einarbeiten.

Verveine-Getränke

Die Verveine wird auch für die Zubereitung von Getränken genutzt. Legt man frisch gepflückte Verveine-Blätter für eine halbe Stunde in heißes Wasser, so bekommt man einen angenehm erfrischenden Tee. Das zitronige Aroma der Pflanze ist in Frankreich als anregend-beruhigender Guten-Abend-Tee sehr beliebt und dort auch bekannt als Verveine. Auch im Getränk Inca Kola aus Peru kommt das Aroma dieser Pflanze (sie wird lokal Cedrón genannt) zum Einsatz. Unter Eisenkrauttee wird in der Regel Verveine bzw. Zitronenverbena oder bezeichnenderweise wohlriechende Verbena verstanden. Echtes Eisenkraut (Verbena officinalis) schmeckt demgegenüber recht bitter.

Verveine in der Kosmetik

Verveine wird nicht nur als Badezusatz verwendet, der eine erfrischende Wirkung entfaltet, sondern auch zur Parfümierung beziehungsweise Verfeinerung von Seifen.

Verveine im Haushalt

Säckchen oder Bündel von Verveine bringen einen frischen Duft ins Haus oder in den Kleiderschrank.

Gesundheitliche Wirkung des Verveine-Tees

Da Verveine appetitanregend sowie verdauungsfördernd wirkt, helfen sie gegen Verdauungsbeschwerden beziehungsweise Verstopfungen. Ausserdem wirken sie leicht beruhigend bei Nervosität, Schlaflosigkeit und Erkältungskrankheiten.

Quelle: Wikipedia

Kommentar & Ergänzung:

Verveine ist also in Mitteleuropa keine einheimische Pflanze, sondern wird in Gärten angebaut. Nicht selten wird daher tatsächlich das einheimische Echte Eisenkraut (Verbena officinalis), das bei uns an Wegrändern nicht selten anzutreffen ist, mit der Verveine verwechselt.
Im deutsche Sprachraum kennen wir die Verveine fast nur als Genusstee. Deshalb wird sie in deutschsprachigen Phytotherapie-Fachbüchern meist nur am Rande oder gar nicht erwähnt. In Frankreich dagegen gehört Verveine auch zu den Heilpflanzen.
Dort werden die Blätter nicht nur gerne zum ebenso anregenden wie entspannenden Abendtee aufgegossen. Sie dienen sondern auch – etwa der »Distillerie Verveine du Velay« – dazu, (hochprozentige!) Liköre zu destillieren, die sich vorzüglich als Digestif eignen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Gewürznelken sind effiziente natürliche Antioxidantien

Donnerstag, Mai 13th, 2010

Gewürznelken sollen unter den Kräutern und Gewürzen der mediterranen Küche die besten natürlichen Antioxidantien sein. Das haben nun spanische Wissenschaftler in einer Studie nachgewiesen. Die Forscher der Miguel Hernández Universität haben neben den Gewürznelken auch Oregano, Thymian und Rosmarin untersucht. Laut ihrem Bericht im “Flavour and Fragrance Journal” schnitten die Nelken in den fünf untersuchten Punkten am besten ab. Das Gewürz soll unter anderem am besten Wasserstoff abgeben.
Als Antioxidantien werden Substanzen bezeichnet, die im Organismus dafür sorgen, dass empfindliche Moleküle nicht mit Sauerstoff reagieren (Oxidation). Hierbei wirken sie in der Regel als Fänger sogenannter freier Radikale. Das sind Atome oder Moleküle, welche sehr reaktionsfreudig sind und so im Organismus schädliche Stoffe erzeugen können.

Quelle:
http://de.news.yahoo.com/12/20100319/thl-gewuerznelken-sind-beste-natuerliche-d343981.html

Kommentar & Ergänzung:
Gewürznelken enthalten  bis zu 20 % ätherisches Nelkenöl, das bis zu 95 % aus Eugenol besteht. Nelkenöl und Eugenol werden / wurden in der Zahnheilkunde als antiseptisches, leicht ätzendes und schmerzstillendes Mittel angewendet.
Nelkenöl ist nicht nur ein gutes Antioxidans, es hat auch starke enzündungshemmende und antimikrobielle Wirkungen.
Allerdings kann Nelkenöl auch Allergien und Hautreizungen auslösen. In dieser Hinsicht gehört  Nelkenöl zu den heikleren ätherischen Ölen. Im Umgang mit Nelkenöl ist daher Vorsicht geboten.

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Heilpflanzen-Präparate bei Frauen-Beschwerden wirksam

Donnerstag, Mai 13th, 2010

Fundierte Empfehlungen zur Wirkung von Heilpflanzen bei gynäkologischen Beschwerden wie PMS oder Hitzewallungen veröffentlichte vor kurzem der „Kurier“.
Hier eine überarbeitete Zusammenfassung mit anschliessender Ergänzung:

Rund 150 Symptome werden unter dem Begriff “Prämenstruelles Syndrom” (PMS) zusammengefasst. Gemeint sind damit körperliche und psychische Beschwerden kurz vor der Menstruation. Früher auch von Gynäkologen oft als nicht behandlungswürdig abgetan, wird PMS heute akzeptiert – zumal es auch gut therapierbar ist.

”PMS ist eine Veränderung, die Frauen wirklich belastet”, erklärt Univ.-Prof. Doris Gruber von der Universitäts-Frauenklinik am Wiener AKH. Ein sehr typisches Symptom seien etwa Stimmungsschwankungen. Aber auch Kopfschmerzen, schmerzhaftes Brustspannen (Mastodynie) sowie Schlafstörungen können den Alltag vor der Monatsblutung stark trüben.

“Manche Frauen mit Beschwerden sind froh, wenn sie hören, dass es so etwas wie ein Krankheitsbild gibt und man etwas dagegen tun kann”, stellt auch die Wiener Gynäkologin Silvia Artner fest. Mehr als die Hälfte der Frauen im fruchtbaren Alter leiden an PMS-Beschwerden, am häufigsten treten sie im Alter zwischen 30 und 45 Jahren auf. Bei rund zwei bis zehn Prozent der betroffenen Frauen wird eine sehr starke Form, die Prämenstruelle Dysphorische Störung (PMDS), diagnostiziert. Silvia Artner: “In meiner Praxis erlebe ich auch Frauen, die im Alltag völlig außer Gefecht gesetzt sind.”

Es gibt verschiedene Erklärungsmodelle für diese monatlich wiederkehrende Störung.

Als eine Ursache wird heute der zyklusbedingte Mangel des Gelbkörperhormons (Progesteron) nach dem Eisprung vermutet. “Das könnte auch Reizbarkeit und depressive Verstimmungen erklären, da Progesteron im Gehirn eine stimmungsaufhellende Wirkung hat, die in der zweiten Zyklushälfte eben fehlt”, sagt Prof. Doris Gruber.

Früher verschrieben Ärzte auch bei PMS oft Hormonpräparate. Gruber erklärt dazu: “Damit ist man heute deutlich zurückhaltender. Die Verordnung der Pille kann aber tatsächlich zu günstigen Ergebnissen führen.”
In den vergangenen Jahren setzen zahlreiche Gynäkologen verstärkt auf Präparate aus Heilpflanzen (Phytopharmaka), weil Hormonpräparate wegen der möglichen Gefahr, Brustkrebs auszulösen, ins Gerede gekommen sind. 



Mönchspfeffer bei PMS

Mönchspfefferextrakte (in Kapselform erhältlich) zum Beispiel fördern die Progesteronbildung. “In Studien erzielte Mönchspfeffer eine gleich gute Wirksamkeit wie Verhütungsmittel – sowohl gegen körperliche als auch psychische PMS-Symptome.” Artner setzt in ihrer Praxis neben Mönchspfeffer auch auf Yamswurzel und Nachtkerzenöl, die beide ähnlich wirken. “Bei jeder Patientin steht ein anderes Symptom im Vordergrund. Darauf wird die Behandlung abgestimmt. Eine Wirkung ist dann meistens nach drei Monaten erkennbar.”

Bei leichtem PMS hilft häufig schon eine Umstellung der Lebensgewohnheiten. “Eine kohlehydratreiche Ernährung mit Vollkornprodukten, Gemüse und Obst ist wesentlich besser als rotes Fleisch, viel Kaffee und Alkohol”, erklärt Artner. Stress sollte wenn möglich in der zweiten Zyklushälfte vermindert werden. Und auch Bewegung wirke bei PMS wie ein Medikament: “Es ist wissenschaftlich belegt, dass PMS bei Frauen, die zwei Mal pro Woche Sport betreiben, wesentlich seltener auftritt, als bei anderen. Der Unterleib wird besser durchblutet, deshalb kommt es seltener zu Krämpfen. Auch Endorphine werden ausgeschüttet. Sport ist also eine sehr gute PMS-Prophylaxe.”

Phytohormone vermindern Hitzewallungen

Die Beschwerden zahlreicher Frauen während der Menopause, auch Wechseljahre oder Klimakterium genannt, sind wie beim PMS hormonell bedingt. Allerdings ausgelöst durch einen starken Östrogenmangel, weil die Eierstöcke ihre Produktion einstellen. Betroffene Frauen klagen oft über Hitzewallungen und depressive Verstimmungen, aber auch über Schmerzen beim Sex. “Das geht bis zu massiven Einbußen in der Lebensqualität. Manche Patientinnen haben bis zu 80 Hitzewallungen pro Tag”, erklärt die Wiener Gynäkologin Silvia Artner.

Diese Beschwerden durch Hormonpräparate auszugleichen wird heute differenzierter gesehen: “Ein Zusammenhang zwischen Brustkrebs und einer Hormonersatztherapie besteht. Wenn schon, dann so gering und so kurz wie möglich einsetzen. Früher wurde sie teilweise zehn Jahre durchgehend verordnet. Aufklärung und eine gute Brustkrebsvorsorge sind ebenso wesentlich.

“

Sehr bewährt hätten sich jedoch sogenannte Phytohormone mit ähnlicher Wirkung, aber auf pflanzlicher Basis und dadurch ohne Nebenwirkungen. Artner erklärt dazu: “Hier gibt es mittlerweile eine Menge an Präparaten im Apothekenhandel.”
Ob also Soja-, Rotklee- oder Traubensilberkerzenextrakt – Artner hält sie für wirksam: “Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass sie alle gute Wirkungen zeigen. Hitzewallungen können etwa ganz verschwinden oder zumindest um 20 bis 30 Prozent reduziert werden.”


Quelle:
www.kurier.at

Kommentar & Ergänzung:

Im Bereich der Gynäkologie hat die Phytotherapie-Forschung in den letzten Jahrzehnten grosse Fortschritte gemacht. Vor allem die Wirkung von Mönchspfeffer und Traubensilberkerze sind inzwischen gut belegt.

Fundierte Beiträge zu Themen aus dem Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde sind in der Presse allerdings ausgesprochen selten. Dieser Artikel im „Kurier“ ist erfreulicherweise wieder einmal ein solcher Text.
Ergänzt werden könnte nur noch:

– Bei PMS ist die Wirkung von Mönchspfeffer ( = Keuschlamm, = Vitex agnus-castus) deutlich besser dokumentiert als die Wirkung von Nachtkerzenöl und Yamswurzel.

– Bei Hitzewallungen scheint mir die Wirkung von Extrakten aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) besser dokumentiert als die Wirkung von Rotklee-Extrakt oder Soja-Extrakt. Auch könnte grundsätzlich auch die Anwendung von Phytohormonen bzw. Phytoöstrogenen mit einem Risiko bezüglich Förderung von Brustkrebs verbunden sein. Extrakte aus Taubensilberkerze gelten in der Phytotherapie-Fachliteratur in dieser Hinsicht als sicher.


– Im Frühklimakterium ist statt Traubensilberkerze Mönchspfeffer sinnvoll, wenn zuerst die Progesteron-Werte sinken und dadurch ein relativer Östrogenüberschuss entsteht, zum Beispiel bei Stimmungseinbrüchen und PMS-ähnlichen Symptomen. Wenn Hitzewallungen auftreten, steht allerdings wieder klar die Traubensilberkerze im Vordergrund.

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Pharma-Studien: Firmengeld verzerrt Resultat

Donnerstag, Mai 13th, 2010

Finanziert ein Pharmakonzern medizinische Studien zu einem seiner Wirkstoffe, fällt das Resultat für ihn vielfach günstiger aus als bei Studien mit anderer Geldquelle. Diese nicht völlig überraschende Erkenntnis wurde nun durch deutsche Forscher wissenschaftlich bestätigt. Ein Grund dafür sei, dass die Firmen die Studienprotokolle gezielt zu ihren Gunsten beeinflussten, schreiben die Wissenschaftler im «Deutschen Ärzteblatt» (Bd. 107, S. 279).

An der Analyse waren Experten der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft in Berlin, Professor Wolf-Dieter Ludwig vom Helios-Klinikum in Berlin und Professor Klaus Lieb von der Universitätsmedizin in Mainz beteiligt. Sie werteten insgesamt 57 Publikationen zu dem Thema aus, die zwischen November 2002 und Dezember 2009 publiziert worden waren. Es handele sich vor allem um Untersuchungen, deren «ausdrückliches Ziel» es war, von Pharmafirmen finanzierte Studien mit unabhängig finanzierten zu vergleichen.

Quelle:
www.pharmazeutische-Zeitung.de


Kommentar & Ergänzung:
Welche Schlüsse folgen aus diesem Erkenntnissen?
Klar scheint mir, dass Hersteller-finanzierte Studien besonders kritisch unter die Lupe genommen werden müssen. Das gilt natürlich auch für Studien aus den Bereichen Komplementärmedizin oder Phytotherapie.
Keine Lösung wäre eine generelle Ablehnung von Studien als Mittel der Erkenntnisgewinnung.
Ohne qualitativ gute Studien lässt sich nämlich die Wirksamkeit von Heilmitteln nicht annähernd sicher beurteilen. Kommt es nach der Einnahme eines Heilmittels zu einer Besserung, so bleibt im Einzelfall unklar, worauf diese zurückzuführen ist: Placebo-Effekt? Spontane Besserung durch den normalen Verlauf der Krankheit? Wirkung des Heilmittels?
Die starke Abhängigkeit der Universitäten von Forschungsgeldern der Hersteller ist daher sehr problematisch (aber wohl politisch so gewollt).
Für die Phytotherapie ist dies ein wichtiges Thema. Während nämlich Heilmittel der Homöopathie und der Anthroposophischen Medizin von den Arzneimittelbehörden aus politischen Gründen (gutes Lobbying) von jeglichem Wirksamkeitsnachweis befreit sind, müssen Phytopharmaka ihre Wirksamkeit in gleicher Weise mit Studien belegen wie synthetische Medikamente.
Die Phytotherapie ist daher auf qualitativ gute Studien angewiesen.

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Verdauungsbeschwerden durch Fruktoseunverträglichkeit

Dienstag, Mai 4th, 2010

Wenn Menschen nach dem Konsum von Fruchtsaft oder Obst Bauchschmerzen und Durchfall und übel riechende Blähungen bekommen, so leiden sie möglicherweise unter einer Fruktose-Unverträglichkeit. „Auch andere Getränke, gesüßte Milchprodukte, viele Fertiggerichte und in Marinaden eingelegte Lebensmittel enthalten sehr häufig Fruchtzucker und können bei Personen mit einer Fruktose-Unverträglichkeit Verdauungsprobleme, Kopfschmerzen, Müdigkeit und sogar Depressionen verursachen.

Tauchen diese Symptome im Zusammenhang mit dem Verzehr von Fruchtsäure enthaltenden Lebensmittel auf, sollte ärztlich abgeklärt werden, ob eine Fruktose-Unverträglichkeit vorliegt”, empfiehlt Prof. Richard Raedsch vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI). Mit Hilfe eines Wasserstoffatemtests und einer Messung des Fruktose-Spiegels im Blut kann die Fruchtzucker-Unverträglichkeit gut festgestellt werden.

Einer Fruktose-Unverträglichkeit (Fructose-Intoleranz) liegt eine Störung der Fruktoseaufnahme im Dünndarm zugrunde, eine so genannte Fruktose-Malabsorption. Dadurch steigert sich die Fruktose-Konzentration im gesamten Darm. Der Fruchtzucker im Darm zieht Wasser aus umgebenden Regionen an, so dass es zu Durchfall kommt. Im Darm wird die Fruktose von Mikroorganismen verarbeitet, wobei sich Gase entwickeln, die zu Blähungen führen. „Der Zuckeraustauschstoff Sorbit, der häufig in Süßigkeiten wie zum Beispiel Kaugummi zu finden ist, sowie Laktose aus Milchprodukten hemmen die Aufnahme von Fruktose, so dass es zu einer Verstärkung der Symptome kommt”, erklärt Prof. Raedsch.

Mit der Zeit können sich die Bakterien, welche den Fruchtzucker vergären, stark vermehren und auch den Dünndarm besiedeln. „Die Symptome werden dann oftmals immer schlimmer, obwohl sich der Betroffene mit reichlich Obst und Gemüse eigentlich gesund ernährt”, erläutert Prof. Raedsch. Eine mangelhafte Verdauung von Fruchtzucker geht auch mit einer reduzierten Aufnahme von Tryptophan einher. Diese Substanz braucht der Organismus, um den Neurotransmitter Serotonin zu produzieren. Die Folgen eines Serotonin-Mangels können depressive Verstimmungen und ständiger Hunger auf Süßes sein.

Die Beschwerden gehen meist zurück, wenn man stark Fruktose-haltige Lebensmittel meidet. „In welchem Umfang dies geschehen sollte, ist von der Ausprägung der Fruktose-Malabsorption abhängig, und sollte daher in enger Absprache mit dem Arzt geklärt werden”, rät der BDI-Experte. Meist hilft es, weniger Säfte zu trinken und vorzugsweise fruktosearmes Obst wie zum Beispiel Aprikosen, Bananen und Orangen zu verzehren. Gemüsesorten, die wenig Fruktose enthalten, sind Zum Beispiel Mangold, Spinat, Feldsalat, Endivie. „Häufig sind beträchtliche Mengen an Fruktose in Diät-Produkten zu finden, die mit dem Argument propagiert werden, ‚ohne Haushaltszucker’ oder ‚nur mit Fruchtzucker’ hergestellt zu sein. Auch auf diese Lebensmittel sollte man bei einer fruktosearmen Ernährung nur in geringen Mengen zurückgreifen”, empfiehlt Prof. Raedsch.

Rund 30% der Bevölkerung in Mitteleuropa haben eine beeinträchtigte Fruktoseaufnahme. Etwa die Hälfte dieser Menschen zeigen auch Symptome.

Quelle:
http://www.internisten-im-netz.de

Kommentar & Ergänzung:

Die Fruktose-Unverträglichkeit ist ein gutes Beispiel dafür, dass es sich lohnt, länger anhaltende Verdauungsbeschwerden diagnostisch genau abzuklären.
Das ist auch ein wichtiger Punkt auch für den Bereich Naturheilkunde / Komplementärmedizin.
Meiner Erfahrung nach wird nicht selten zu lange ohne sorgfältige diagnostische Abklärung herumtherapiert. Das ist manchmal einfach unsinnig und in gewissen Fällen gefährlich.
Die heiklen Punkte im Bereich Naturheilkunde / Komplementärmedizin liegen mehr im Bereich mangelhafter oder gar fehlender Diagnostik als im Bereich der Therapie.

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Heilpflanzen-Präparate für erholsamen Schlaf

Dienstag, Mai 4th, 2010

Für Schlafmittel aus Baldrian, Hopfen, Melisse, Passionsblume oder Haferkraut  sprechen mehrfache Vorteile.

Schlafmittel mit hoch konzentrierten Heilpflanzen-Extrakten aus Baldrian, Hopfen, Melisse, Passionsblume oder Haferkraut erleichtern nicht nur das Ein- und Durchschlafen, sie fördern auch eine physiologische Schlafarchitektur, bewirken keinen Hangover und machen die Patienten wach und fit für den nächsten Tag.

Dagegen seien zahlreiche Menschen, die mit Benzodiazepinen als gebräuchlichste synthetische Schlafmittel meist schnell in den Schlaf finden, damit dennoch nicht zufrieden. Darauf hat Dr. Martin Burkart vom Phytopharmaka-Hersteller Dr. Willmar Schwabe bei einer Veranstaltung des Komitees Forschung Naturmedizin e.V. (KFN) in München hingewiesen. Denn zusätzlich zu ihrem Abhängigkeitspotenzial, welches die Einnahme von Benzodiazepinen limitiert, veränderten diese Mittel nachweislich die Schlafqualität und ihre sedierende Wirkung überdauert häufig die Nachtruhe. Dies führe dazu, dass man sich mit solchen Schlafmitteln trotz schnellen Ein- und guten Durchschlafens am nächsten Morgen oft unausgeruht und leistungsschwach fühle.

Pflanzliche Schlafmittel mit hoch konzentrierten Heilpflanzen-Extrakten aus Baldrian, Hopfen, Melisse, Passionsblume oder Haferkraut sowie verschiedenen Kombinationen daraus hätten sich in klinischen Studien als wirksame Ein- und Durchschlafhilfen ohne negative Begleiterscheinungen der Behandlung erwiesen.
Viele pflanzliche Schlafmittel beruhigten und entspannten, ermüdeten jedoch nicht aktiv. Dies sei in Experimenten mit Gesunden bestätigt worden, wonach tagsüber eingenommene pflanzliche Schlafmittel in üblichen Dosierungen im Gegensatz zu vergleichsweise niedrig dosierten Benzodiazepinen weder ein Müdigkeitsgefühl hervorriefen noch zu signifikanten Einschränkungen in Kognitions-, Vigilanz- und Psychomotoriktests führten, erklärte Burkart.

Während die veränderten nächtlichen Wellenmuster im EEG bei Schlafgestörten durch die Einnahme klinisch geprüfter pflanzlicher Schlafmittel in eine physiologische Richtung korrigiert werden, verstärkten Benzodiazepine auffällige Abweichungen eher, so Professor Wilfried Dimpfel aus Gießen. Er begründete diese Aussage mit eigenen Daten, die er dazu erhoben hat.

Quelle:
http://www.aerztezeitung.de/

Kommentar & Ergänzung:

Die Vorteile pflanzlicher Schlafmittel werden in diesem Beitrag gut dargestellt. Insbesondere bei  älteren Menschen können synthetische Schlafmittel die Sturzgefahr erhöhen, was bei Heilpflanzen-Präparaten nicht der Fall ist.

Ergänzt werden müsste noch, dass die erwähnten Heilpflanzen – Baldrian,  Hopfen, Passionsblume, Melisse, Haferkraut -  in ihrer Wirkung sehr unterschiedlich gut dokumentiert sind.

Während beispielsweise die Wirkung von Baldrian gut untersucht und belegt ist,  fehlen für die Wirksamkeit  von Haferkraut  fundierte Hinweise.

Nicht erwähnt wird im Beitrag  der Lavendel (Lavandula angustifolia). Lavendelblüten enthalten das ätherische  Lavendelöl, welches beruhigende Wirkung hat.

Im übrigen ist es wichtig festzuhalten, dass es grosse Qualitätsunterschiede gibt bei den schlaffördernden Naturheilmitteln. In Apotheken, Drogerien oder im Internet werden auch Naturheilmittel verkauft, deren Wirksamkeit höchst fraglich ist.


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Umckaloabo: Produzent verzichtet auf Patente

Montag, Mai 3rd, 2010

Das Pharmaunternehmen Dr. Willmar Schwabe verzichtet in Zukunft auf fünf von sieben Patenten zur Produktion des pflanzlichen Erkältungsmittels Umckaloabo®. Die Zulassung und Marktverfügbarkeit des Heilpflanzen-Präparats bleibt davon unberührt, teilte die Firma auf einer Pressekonferenz in Berlin mit. Damit will Schwabe sich aus dem «Spannungsfeld zwischen internationalem Patentrecht und dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt der Vereinten Nationen» lösen, sowie sich von Vorwürfen der Biopiraterie distanzieren.

Hintergrund dieser Entscheidung ist eine Klage einer südafrikanischen Gemeinde und mehrerer Hilfsorganisationen vor dem Europäischen Patentamt. Diese hatten kritisiert, dass ein Patent der Schwabe-Unternehmensgruppe für die Produktion eines Extrakts aus der Kapland-Pelargonie (Pelargonium sidoides) gegen die guten Sitten verstoße. Dieser Argumentation stimmte das europäische Patentamt im Januar nicht zu, fand in dem Patent aber keine wesentliche erfinderische Leistung, wie es vergangene Woche schriftlich darlegte.

Schwabe hat sich nun entschlossen, keinen Widerspruch einzulegen und verzichtet auf vier weitere bestehende oder beantragte Patente. «Wir nehmen die Diskussion um unser Produkt sehr ernst», betont Dr. Traugott Ullrich, Geschäftsführer des Schwabe-Tochterunternehmens Spitzner. «In Zukunft werden wir uns noch mehr an der Biodiversitätskonvention orientieren.» Diese sieht unter anderem die Beteiligung der lokalen Gemeinden Südafrikas vor, auf deren traditionellem Wissen die Nutzung der Pelargonie gründet. Schwabe als Hersteller von Umckaloabo® will sich neben sogenannten Benefit-Sharing-Abkommen in Zukunft noch mehr sozial engagieren, und zwar in Form einer neu gegründeten Stiftung.

Gleichzeitig betonten die Firmenvertreter, dass der Patentverzicht die Verkehrsfähigkeit von Umckaloabo in keiner Weise tangiert. «Wir erwarten keine Umsatzrückgänge», erklärte Ullrich. «Die Kunden honorieren unser verantwortungsbewusstes Handeln.» Das Heilpflanzen-Präparat sei in dieser Form seit 30 Jahren auf dem deutschen Markt etabliert und die Wirkung durch zahlreiche Studien belegt. Eine Hürde für Nachahmer-Produkte sei die Zulassung als Arzneimittel.


Quelle: www.pharmazeutische-zeitung.de
26.04.2010 l PZ

Kommentar & Ergänzung:

Die Feststellung des Europäischen Patentamtes, dass mit dem Produkt „Umkaloabo®“ keine wesentliche erfinderische Leistung verbunden ist, kann ich gut nachvollziehen. Es scheint sich einfach um einen alkoholischen Auszug zu handeln, wie er in zahlreichen Heilpflanzen-Präparaten zum Einsatz kommt.

Immerhin muss man der Herstellerfirma Willmar Schwabe zugute halten, dass sie stark in die wissenschaftliche Erforschung der Kapland-Pelargonie investiert hat, auch in klinische Studien mit Patientinnen und Patienten.
Im Gegensatz dazu machen es sich zahlreiche Trittbrettfahrer sehr einfach, indem sie ihre Umckaloabo-Auszüge als Hausspezialitäten über Apotheken und Drogerien verkaufen, ohne dass deren Wirksamkeit in irgendeiner Form dokumentiert werden muss.
Es ist auch fraglich, wenn nun bezüglich „Biopiraterie“ einzig Schwabe am Pranger steht. Während nämlich Schwabe offenbar zumindestens ein Entwicklungsprojekt im Herkunftsland der Kapland-Pelargonie am laufen hat, foutieren sich die Trittbrettfahrer vollständig um solche Kompensationen.
Das Thema „Biopiraterie“ muss aber selbstverständlich aufmerksam im Auge behalten werden.

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Phytotherapie in der Gastroenterologie

Sonntag, Mai 2nd, 2010

Unter diesem Titel veröffentlichte die Zeitschrift der „Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie“ einen Beitrag von Dr. Roman Huber zum gegenwärtigen Wissensstand in der Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen durch Heilpflanzen-Präparate.
Der Autor schreibt:

„Die Phytotherapie befindet sich in fortlaufender wissenschaftlicher Entwicklung. Weltweit werden ständig neue wie auch alt bekannte Pflanzen präklinisch und klinisch untersucht und hierbei werden neue Wirkprinzipien
und Indikationen entdeckt. So zeigen neuere Studien beispielsweise deutliche Hinweise für die Wirksamkeit von Curcumin bzw. Sojalecithin bei aktiver Colitis ulcerosa und von Wermutkraut bei Morbus Crohn. Das therapeutische Potenzial der Phytotherapie ist also bei weitem noch nicht ausgeschöpft.“

Quelle:
http://www.phytotherapie.co.at/PHYTO%20Therapie_6-09.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Die Anwendung von Heilpflanzen bei Beschwerden und Erkrankungen im Verdauungstrakt hat eine lange Tradition. Dabei sind die alten Überlieferungen allerdings oft sehr vage.
Die Phytotherapie-Forschung versucht hier seit einigen Jahren mehr Klarheit ins Wirkungsprofil der Heilpflanzen zu bringen.
Interessante Studien sind beispielsweise gemacht worden zum Thema Reizdarm (Flohsamen, Pfefferminzöl-Kapseln) und auch wie oben erwähnt zu Colitis ulcerosa und Morbus Crohn. Der grossen Zahl von Heilpflanzen-Präparaten gegen Verstopfung steht die Phytotherapie-Fachwelt dagegen eher skeptisch gegenüber, sofern es sich um „Drastika“ wie Sennesblätter handelt. Milde Abführmittel wie Flohsamen oder Leinsamen sind dagegen gut etabliert.

Von der traditionellen Pflanzenheilkunde und von der Phytotherapie-Forschung werden zudem eine ganze Reihe von  bitteren Heilpflanzen empfohlen gegen Völlegefühl, zum Beispiel Artischockenblätter, Schafgarbenkraut, Engelwurz, Wermut, Tausendgüldenkraut, Enzianwurzel, Löwenzahn.

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