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Heilpflanzen: Melisse gegen Herpes, als Beruhigungsmittel und für’s Gedächtnis

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Die „Welt online* stellt verschiedene Heilpflanzen vor, darunter auch die Zitronenmelisse (Melissa officinalis):

„Melisseöle hemmen das Wachstum von Viren; Herpesbläschen verschwinden schneller, wenn man sie täglich mehrmals damit abtupft. Vergleichsstudien belegen zudem, dass Melissebäder (60 g Melisseblätter per Leinensäckchen in der Badewanne deponieren) als Beruhigungsmittel wirken. Was nicht heißen soll, dass die Pflanze uns einnebelt. Laut Studien der englischen Northumbria-Universität mobilisiert sie den Hirnbotenstoff Acetylcholin und dadurch das Denk- und Erinnerungsvermögen.“

Quelle:

http://www.welt.de/wissenschaft/article13771012/Weihrauch-ist-eine-Wissenschaft-fuer-sich.html

Kommentar & Ergänzung:

Melissenöl zeigt im Labor tatsächlich eine gute Wirkung gegen Herpesviren, die Fieberbläschen auslösen. Das billigere Pfefferminzöl entfaltet diesen Effekt aber auch. Alle lokal aufgetragenen antiviralen Massnahmen bei Fieberbläschen sind allerdings nur in Anfangsstadium wirksam und ob die Infektion bei Lippenbläschen mit Melissenöl oder Pfefferminzöl konkret gestoppt oder der Verlauf relevant verkürzt werden kann, ist nicht eindeutig belegt.

Antiviral bei Herpesinfektion wirkt auch eine Salbe mit Melissenextrakt, wobei in dieser Anwendungsform der Lamiaceen-Gerbstoff als Wirkstoff gilt.

Der Tipp mit dem Melissenbad zur Entspannung, als Beruhigungsmittel und auch als Abendbad bei Einschlafstörungen ist sinnvoll.

Die Meldung über die Forschungen mit Melisse an der Northumbria-Universität betreffend Mobilisierung des Hirnbotenstoffs Acetylcholin ging schon vor Jahren durch die Medien. Melisse soll einem Experiment zufolge das Denk- und Erinnerungsvermögen verbessert haben. Wegen dem Einfluss der Melisse auf den Hirnbotenstoff Acetylcholin wurde in diesen Meldungen eine mögliche Anwendung bei Alzheimer in den Raum gestellt.

Bei den erwähnten Experimenten an der Northumbria-Universität wurde diese Wirkung allerdings an gesunden Studenten festgestellt , denen getrocknete Melisse in Kapselform verabreicht wurde. Im Vergleich zu Placebo sollen die „Melisse-Studenten“ Stunden später in Gedächtnistests besser abgeschnitten haben.

Abstract der Studie: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12888775

Das ist interessant, aber von einer Einmaldosis bei jungen, gesunden Studenten hin zu einer erfolgreichen Anwendung bei Alzheimer-Patienten sind es dann schon noch ein paar Schritte….

Es gibt allerdings auch eine kleine klinische Studie aus dem Iran zur Anwendung von Melisse bei Patienten mit beginnender Demenz vom Alzheimer-Typ. Dabei zeigte sich bei innerlicher Anwendung von Melissenextrakt über vier Monate im Vergleich zu Placebo eine bessere kognitive Leistung und weniger Unruhe.

Abstract: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1738567/

Dazu kommt mir jedoch ein Satz von Roman Huber in den Sinn, dem Leiter des Zentrums für Naturheilkunde an der Uniklinik in Freiburg im Breisgau:

„Bei derartigen Untersuchungen sollte man vorsichtig sein, denn aus dem Iran kommen genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen.“

Siehe dazu: Phytotherapie: Passionsblume – Studien mit unterschiedlicher Qualität

Deshalb gilt in der Wissenschaft der Grundsatz, dass ein Studienresultat erst überzeugt, wenn es von anderen, unabhängigen Wissenschaftlern durch eine Reproduktion der Studie bestätigt wurde. Das ist meines Wissens mit der Studie aus Teheran bisher nicht geschehen.

Festgehalten werden muss auf jeden Fall, dass an der Northumbria-Universität und auch in der iranischen Studie Melissenblatt bzw. Melissenextrakt verwendet wurde, nicht Melissenöl.

Daher spricht einiges dafür, dass es sich um einen nichtflüchtigen Wirkstoff handeln müsste.

Im Zusammenhang mit der Behandlung von Demenzerkrankungen wurden in den letzten Jahren neben der Melisse auch zwei weitere Vertreter der Lippenblütler (Lamiaceen) intensiver untersucht, nämlich Salbei (Salvia officinalis) und Rosmarin (Rosmarinus officinalis). Das Spektrum an Inhaltsstoffen, die für eine neuroprotektive Wirkung verantwortlich sein könnten, ist in bei den Lippenblütlern sehr ähnlich. Die Blätter der drei erwähnten Pflanzen produzieren ein ätherisches Öl, das reich an Monoterpenen mit schwacher Acetylcholinesterase-hemmender Wirkung ist, beispielsweise Citral. Für die nichtflüchtigen Phenylacrylsäuren wie die Rosmarinsäure konnte nachgewiesen werden, dass sie verschiedene Ereignisse vermindern können, die durch β-Amyloid verursacht werden, wie etwa die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies und Tau-Hyperphosphorylierung. Nach der Anwendung von Lamiaceaen-Präparaten konnten zwischenzeitlich günstige Effekte bei kleineren Gruppen von Alzheimer-Patienten gezeigt werden. Rosmarinsäure wäre also ein Kandidat für eine positive Wirkung auf das Gedächtnis bzw. bei leichten Formen von Alzheimer. Sie wurde zum Beispiel nachgewiesen in Pfefferminzblatt (3,5 – 4,5%), Salbeiblatt (2 – 6%), Rosmarinblatt (1 – 2 %), Melissenblatt (0,5 – 1,8%) und Thymianblatt (o,2 – 1,4%). Tierversuche mit Rosmarinsäure deuten auf eine antidepressive und sedative Wirkung hin. Fraglich scheint mir allerdings, ob und allenfalls in welchem Mass Rosmarinsäure überhaupt peroral in den menschlichen Organismus aufgenommen wird. Dazu finde ich in der Phytotherapie-Fachliteratur keine Angaben.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Forschung: Tropische Arzneipflanze Duboisia liefert Wirkstoffe gegen Reizdarmsyndrom

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Die tropische Arzneipflanze Duboisia ist ein wichtiger Lieferant von Wirkstoffen zur Behandlung von Reizdarmsymptomen und Unterbauchbeschwerden.

An der Professur für Pflanzenbau der Justus-Liebig-Universität in Giessen (Prof. Dr. Bernd Honermeier) untersuchen Wissenschaftler, wie der Alkaloid-Gehalt in den Duboisia-Pflanzen gezielt beeinflusst und damit die Produktion von Medikamenten erleichtert werden kann.

Duboisia enthält Tropan-Alkaloide. Das sind sekundäre Inhaltsstoffe aus den Blättern der Pflanze, die für Menschen toxisch sind und der Pflanze zur Abwehr von Fraßfeinden dienen. Die durch Extraktion gewonnenen Tropan-Alkaloide, hauptsächlich Hyoscyamin und Hyoscin, werden zu Medikamenten verarbeitet. Das Forschungsprojekt wird von dem Pharma-Unternehmen Boehringer-Ingelheim GmbH & Co KG (Phyto-Center, Leiter Dr. Hansjörg Hagels) für drei Jahre unterstützt.
Duboisia ist als Pflanzengattung nach dem Botaniker Charles du Bois benannt. Sie gehört zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae).

Duboisia ist in subtropischen Regionen Ostaustraliens beheimatet. Tropan-Alkaloide kommen in zahlreichen Nachtschatten-Gewächsen vor (beispielsweise Stechapfel, Tollkirsche, Engelstrompete, Bilsenkraut) und werden zu unterschiedlichen Zwecken für die Herstellung von Medikamenten genutzt. Dazu sind hohe und gleichmäßige Alkaloidgehalte im Pflanzenrohstoff nötig.

Quelle:

http://www.idw-online.de/pages/de/news529884

Kommentar & Ergänzung:

Zur Gewinnung von Tropan-Alkaloiden werden Duboisia myoporoides und Duboisia leichhardtii verwendet.

Tropan-Alkaloide haben eine geringe therapeutische Breite, das heisst: Die wirksame und die toxische Dosis liegen nahe beieinander. Solche Pflanzen eignen sich nicht zur Selbstbehandlung. Die Alkaloide werden für die medizinische Verwendung aus den Pflanzen isoliert, weil man sie nur so präzis genug dosieren kann. Dieser Bereich gehört somit einfach zur „normalen“ Pharmakologie und nicht zur Phytotherapie (die aber auch zur Pharmakologie gehört).

Phytotherapie setzt nicht isolierte Wirkstoffe ein, sondern eine Komposition von Wirkstoffen, wie sie zum Beispiel im Kräutertee, in Pflanzentinkturen oder Pflanzenextrakten vorliegt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Naturmuseum Winterthur – Führungen für Menschen mit Demenz

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Das Naturmuseum Winterthur bietet gut gestaltete Ausstellungen für Kinder und Erwachsene. Darüber hinaus speziell bemerkenswert sind aber die Führungen für Menschen mit Demenz. Die Führungen sind gedacht für einen Gruppe von sechs bis acht Personen mit Demenz oder anderen Beeinträchtigungen, maximal vier davon im Rollstuhl, sowie für die entsprechenden Betreuerinnen und Betreuer. Die Besucherinnen und Besucher mit Demenz begegnen im Naturmuseum Winterthur verschiedenen Tieren, ertasten Fell und Federn, diskutieren über Haustiere und lauschen Vogelkonzerten. Während der Pause kann längst Verschüttetes an die Oberfläche kommen und einzelnen gelingt es manchmal, von ihren Haustieren oder ihrer Kindheit auf dem Bauernhof zu berichten. Die Führung dauert im Ganzen zwei Stunden. Nach einem ersten Teil in der Dauerausstellung gibt es Kaffee und Kuchen und nach einem kürzeren zweiten Teil ist die Veranstaltung zu Ende.

Damit der Besuch möglichst ungestört verlaufen kann, finden die Führungen am Montag ausserhalb der Öffnungszeiten statt.

Info: http://natur.winterthur.ch/

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Venenerkrankungen: Wirksamkeit von Rosskastanienextrakt erneut bestätigt

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Venenleiden sind verbreitet auftretende Gesundheitsprobleme. Die Häufigkeit und der Schweregrad steigen mit zunehmendem Alter. Als zentrale Massnahme gilt in der Behandlung die Kompressionstherapie mit individuell angepassten medizinischen Kompressionsstrümpfen. Eine aktuelle Cochrane-Dokumentation zeigt nun jedoch erneut, dass auch die Einnahme eines Extrakts der Rosskastanie (Aesculus Hippocastanum L.) eine wirksame Behandlungsmöglichkeit bietet.

Nach Erhebungen der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie leiden
30 Prozent der Bevölkerung unter Symptomen wie Krampfadern, Ödeme oder offene Beine. Die schlechte Durchblutung der Beinvenen bei chronischer Veneninsuffizienz (CVI) führt oft zu Schmerzen, Schwellungen, Juckreiz, Müdigkeit und zu einer zunehmenden Verhärtung der Haut. Die Kompressionstherapie, die besonders wirksam den Abfluss des venösen Blutes anregt, ist jedoch in der Handhabung schwierig und führt im Sommer zu unangenehmen Wärmestaus. Zahlreiche Betroffene lehnen sie darum ab.

Als wirksame Alternative kommt in der Phytotherapie schon seit langem die Einnahme eines Extrakts aus Rosskastaniensamen zur Anwendung. Die Wirksamkeit und Verträglichkeit dieses Naturheilmittels wurde vor kurzem erneut bestätigt (Cochrane Database of Systematic Reviews 2012, Issue 11. Art. No.: CD003230. DOI: 10.1002/14651858.CD003230.pub4). Zur Auffrischung bereits vorliegender Erkenntnisse untersuchten die Wissenschaftler die verfügbare Fachliteratur aus den Jahren 2002 bis 2008 und forderten bei den Herstellern von Rosskastanienextrakten bereits veröffentlichtes und auch noch nicht publiziertes Material an. In die Analyse wurden so die Daten von total 17 randomisierten kontrollierten Studien einbezogen.

Die wichtigsten Resultate:

– Insgesamt erwiesen sich die Extrakte aus Rosskastaniensamen als wirksam in der Linderung von subjektiven Beschwerden und  objektiven Symptomen einer chronischen Veneninsuffizienz.

– In sechs von sieben Studien zeigten Messungen eine Reduktion des Beinumfangs verglichen mit Placebo.

– Ähnliche Resultate fanden die Forscher beim Symptom Juckreiz.

– Eine weitere Studie ergab sogar gleichwertige Effekte durch Rosskastanienextrakt wie die zum Vergleich ausgeführte Kompressionstherapie.

Vor allem im Sommer stellen deshalb gut dokumentierte Extrakte aus Rosskastaniensamen für die Behandlung von Venenproblemen eine wirksame Alternative dar.

Quelle:

http://www.phytotherapie-komitee.de/#Publish_PIR::Press_Release/show/press_release_id=100

Kommentar & Ergänzung:

Die Wirksamkeit von Rosskastanienextrakt bei venösen Ödemen ist tatsächlich schon seit langem ziemlich gut belegt.

Folgende Punkte würde ich aber noch festhalten:

– Bei allen Studien wurden Rosskastanienextrakte. Zur Wirksamkeit von Rosskastanientinktur fehlen entsprechende Studien.

– Die Wirksamkeit von Rosskastaniensalbe und Rosskastanienbädern ist fraglich. Studien dazu fehlen und es ist überhaupt nicht geklärt, ob der wichtigste Inhaltsstoff der Rosskastaniensamen – das Aescin – überhaupt in relevanten Mengen durch die Haut geht.

– Dokumentiert ist nur die ödemhemmende Wirkung, nicht aber eine vorbeugende Wirkung auf Krampfadern.

– Es ist nicht sehr angemessen, mit Rosskastanienextrakt gegen Kompressionstherapie zu argumentieren. In Ausnahmefällen mag Rosskastanienextrakt eine sinnvolle Alternative sein.  Im allgemeinen würde ich die beiden Ansätze aber lieber kombinieren.

– Die Verträglichkeit von Rosskastanienextrakt ist in der Regel sehr gut. Er eignet sich auch zur Anwendung über längere Zeiträume.

– Es gibt Rosskastanienpräparate, die von der Grundversicherung bezahlt werden, wenn ein Arzt oder eine Ärztin sie verschreibt.

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Genanalyse: Alle Europäer sind verwandt

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Forscher der Universität von Kalifornien konnten mit einer Erbgutanalyse zeigen, dass fast jeder Europäer mit fast jedem anderen viele Vorfahren teilen:

„Jeder hat zwei Eltern, vier Grosseltern, und so weiter. In nur 1000 Jahren kommt man so auf gut eine Milliarde Vorfahren pro Mensch – so viele Menschen lebten damals aber nicht. Folglich ist jeder, der vor 1000 Jahren lebte und Kinder zeugte, der Vorfahre von jedem heute lebenden Europäer.“

(Tages-Anzeiger, 8. Mai 2013)

Publikation im Fachmagazin „PLoS Biology“:

http://www.plosbiology.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pbio.1001555

Kommentar & Ergänzung:

Interessante Meldung. Das stellt die scharfe Unterscheidung „Verwandt / Nichtverwandt“ in Frage.

Bisher habe ich naiverweise geglaubt, ich könnte recht sicher angeben, wer mit mir verwandt ist und wer nicht.

Nun kann es aber nur noch um die Frage gehen, wie stark oder schwach jemand mit mir verwandt ist.

Ins Nachsinnen über Verwandtschaft bringt es mich im übrigen auch immer wieder, wenn ich irgendwo lese, wie viele Gene wir Menschen mit Stubenfliegen, Schimpansen und auch Pflanzen gemeinsam haben.

Bei der Fruchtfliege beispielsweise haben 60 Prozent der Gene des Insekts ein Pendant im menschlichen Erbgut. Und von 289 Genen, die Mediziner für Krankheiten beim Menschen verantwortlich machen, gibt es 177 entsprechende Varianten bei der Fruchtfliege.

Fliege und Mensch haben zum Beispiel ein Gen mit dem Kürzel p53 gemein, das beim Menschen eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Lungenkrebs, Darmkrebs und Brustkrebs spielen soll. Diabetes und Schilddrüsenprobleme des Menschen sollen gleichfalls von Genen mit ausgelöst werden, die auch im Fliegenerbgut vorkommen.

(Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-16044582.html)

Die genetische Forschung mit Fruchtfliegen wird angetrieben von der Hoffnung, aufgrund dieser Verwandtschaftsverhältnisse wirksame Gentherapien für den Menschen zu entwickeln. Inwieweit sich diese Hoffnungen erfüllen, wird sich zeigen.

Aber nur schon das Phänomen der genetischen Verwandtschaft ist faszinierend.

Der Spiegel-Artikel zur Fruchtfliegen-Forschung ist allerdings schon etwas älter (Nr. 13 / 2000). Er endet mit einem Satz des Biologen Charles Zuker:

„Im Prinzip sind wir doch nichts anderes als eine große Fliege.“

Genetisch gesehen mag das ja vielleicht  stimmen.

Aber ist das alles? Der Mensch ist doch nicht nur Genetik?

Oder ist dieser Einwand nur die Abwehr einer narzisstischen Kränkung?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Paläo-Diät / Steinzeiternährung – ein Fantasieprodukt?

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Unsere Vorfahren aus der Urzeit seien für uns heutige Menschen bezüglich Ernährung das grosse Vorbild. Diese Ansicht vertreten heute manche Ernährungsratgeber.

Unter Steinzeiternährung, Steinzeitdiät oder Paläo-Diät versteht man daher eine Ernährungsform des Menschen, die sich an der vermuteten Ernährung der Altsteinzeit orientiert. Gemeint ist die Zeit vor der neolithischen Revolution (beginnend vor ca. 20.000 bis 10.000 Jahren), also vor der Zeit, in der vermehrt Ackerbau und Viehzucht  betrieben wurden.

Darum beinhaltet die Steinzeit-Diät viel Fleisch, gesammelte Früchte und Nüsse, aber kein Getreide – nach dem Vorbild der Ernährungsweise von Jägern und Sammlern.

Anders als in der kohlenhydratreduzierten Ernährung sind in der Steinzeitdiät unbegrenzte Mengen hochglykämischer Anteile erlaubt, beispielsweise getrocknete Datteln oder Feigen. Falls natürlich gewachsene Früchte und Honig weniger Anteil haben, entspricht die Paläoernährung einer Diät nach dem Low-Carb-Prinzip.

Die Evolutionsbiologin Marlene Zuk hält diese Ideen allerdings für pseudowissenschaftliche Erfindungen – oder „Paläo-Phantasie“, wie sie in einem Interview sagt. Sie hält es zwar für keine schlechte Idee, auf die Frühmenschen zu schauen, um Tipps für ein gesünderes Leben zu finden. Es sei jedoch sehr schwierig herauszufinden, was unsere Vorfahren in der Steinzeit wirklich aßen. Und seitdem hätten sich unsere Gene zudem verändert. Wenn schon heute mehr Menschen als in der Urzeit Milchzucker vertragen, könnte das bei Getreide genauso sein, erklärt die Wissenschaftlerin.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=209200

http://www.slate.com/articles/health_and_science/new_scientist/2013/04/marlene_zuk_s_paleofantasy_book_diets_and_exercise_based_on_ancient_humans.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Steinzeitdiät ist nur schon dadurch fragwürdig, dass die Ernährung in der Steinzeit wohl nicht zu allen Zeiten und in allen Regionen identisch gewesen sein dürfte. Wir sind zudem über die tatsächliche Ernährung der Menschen in der Steinzeit nur unzureichend im Bilde, so dass die Vorstellungen einer Steinzeiternährung ziemlich viel Spekulation enthält.

Aber selbst wenn wir genau wüssten, wie die Steinzeitmenschen sich ernährt haben. Es ist einfach nicht sinnvoll, eine Ernährungweise aus der Vergangenheit einfach quasi mit „Copy & Paste“ aus der Urzeit unverändert in die Gegenwart zu holen. Das gilt im übrigen auch für traditionelle Konzepte der Heilkunde. Alte Konzepte soll man interessiert unter die Lupe nehmen und sich damit auseinandersetzen. So kann sich herausstellen, was wir von ihren lernen können. Sie einfach 1: 1 zu kopieren, ist ganz bestimmt nicht der Weisheit letzter Schluss.

Nachfolgend eine detaillierte Kritik der Steinzeiternährung, basierend auf Wikipedia:

„Die Vertreter der Steinzeitdiät geben an, dass der Mensch genetisch nicht an die moderne ‚Zivilisationskost‘ angepasst sei, sondern nur an Lebensmittel, die bereits in der Steinzeit gegessen worden seien. Deshalb führe die heute in westlichen Industriestaaten übliche Kost zu verschiedenen Erkrankungen, die als Zivilisationskrankheiten bekannt sind. Ein wesentlicher Kritikpunkt ist, dass es sich bei den Aussagen zur Ernährung in der Steinzeit und ihren Nutzen für die Gesundheit um reine Hypothesen ohne jeden wissenschaftlichen Beleg handelt.“

Unterschiedliche Menschengattungen – unterschiedliche Ernährung:

„Die Steinzeit umfasst einen Zeitraum von rund zwei Millionen Jahren; in diesem Zeitraum lebten verschiedene Spezies der Gattung Homo in unterschiedlichen Lebensräumen. Es gab daher keine einheitliche ‚Steinzeiternährung’, der Fleischanteil war sehr unterschiedlich. Für Evolutionsbiologen und Paläoanthropologen beginnt die Entwicklung des modernen Menschen (Homo sapiens), die so genannte Hominisation, auch nicht erst in der Steinzeit, sondern deutlich früher. Übliche Kriterien sind der aufrechte Gang, der bereits beim Australopithecus vorhanden war (biologische Evolution) oder die Nutzung von Kulturtechniken (kulturelle Evolution) beim Homo erectus. Der Australopithecus ernährte sich von Früchten, Samen, Pilzen, Wurzeln, Blättern, Eiern und kleinen Tieren, aber überwiegend vegetarisch. Die Kost des folgenden Homo habilis war ähnlich, ebenfalls mit geringem Fleischanteil. Homo erectus war dann in der Lage, die Pflanzennahrung durch Jagdbeute zu ergänzen.“

Unterschiedliche Lebensräume – unterschiedliche Ernährung:

„Die Vertreter der Steinzeiternährung geben an, dass diese auch der Ernährungsweise der als Jäger und Sammler lebenden Völker entspricht. Tatsächlich differiert die Ernährung dieser Populationen erheblich, je nach Lebensraum, und reicht von überwiegend vegetarischer Kost bei den afrikanischen Gwi und ǃKung bis zur fast ausschließlichen Ernährung von Fleisch und Fisch bei den Inuit in Grönland. Bei den Massai und den Turkana – beides Nomadenvölker – ist Milch das Hauptnahrungsmittel.“

Das menschliche Erbgut hat sich seit der Steinzeit verändert:

„Die Aussage, dass sich das menschliche Erbgut seit der Steinzeit nicht verändert hat, ist nicht haltbar. Wissenschaftler haben rund 700 genetische Veränderungen gefunden, die in den letzten 10.000 Jahren aufgetreten sind. Zu diesen genetischen Veränderungen gehört die Entwicklung der Lactosetoleranz bei Erwachsenen, und zwar vor allem bei den Nachkommen der Stämme, die vor rund 10.000 Jahren die Viehzucht einführten und die heute in Europa, den USA und Australien leben. Hier verfügen 80 bis 90 Prozent der adulten Bevölkerung über das für die Verarbeitung des Milchzuckers nötige Enzym Lactase. Entgegen der These der Steinzeitdiät-Vertreter habe diese Anpassung an ein neues Nahrungsmittel in einem relativ kurzen Zeitraum längst stattgefunden.“

Quelle: Wikipedia

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Öko-Test nimmt Ginkgo-Präparate unter die Lupe

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Das Magazin „Öko-Test“ hat zehn Ginkgo-Präparate zur Behandlung von Gedächtnisstörungen untersucht. Nur eines dieser Produkte, Tebonin® konzent 240 mg, erhielt die Note „gut“ (Öko-Test-Magazin Nr. 4/April 2013, S. 50-57).

Von den neun anderen untersuchten Ginkgopräparaten bekam eins die Note „befriedigend“, während alle übrigen nur mit „ausreichend“ oder gar „mangelhaft“ beurteilt wurden.

Gemäss Testbericht kam es in der pharmakologischen Begutachtung darauf an, ob sich ein Arzneimittel in gut durchgeführten Studien für die beanspruchten Anwendungsgebiete als wirksam gezeigt habe.

Mit Ausnahme von Tebonin® lautet die Schlussfolgerung, dass die Wirksamkeit wegen widersprüchlicher Studienlage nicht richtig belegt werden könne. „Öko-Test“ verweist darauf, dass die in Studien mit einem bestimmten Präparat gewonnenen Resultate nicht automatisch auf alle Präparate übertragbar seien.

Die positive Bewertung von EGb 761® begründete „Öko-Test“ mit dem Urteil des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen von 2008 (Abschlussbericht A05-19B. Köln: IQWiG; 2008).

Das IQWiG bestätigte nach umfangreicher Studienauswertung einen Nutzen für das Behandlungsziel „Aktivitäten des täglichen Lebens“, wenn Patienten mit Alzheimer-Demenz täglich eine Dosis von 240 mg EGb 761® einnehmen.

Neben den zehn Ginkgopräparaten zur Leistungsssteigerung des Gehirns untersuchte „Öko-Test“ weitere 14 Produkte auf Basis von Ginseng oder Taigawurzel die als Stärkungsmittel angeboten werden. Keines der 14 Produkte konnte die Tester überzeugen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/demenz/article/837980/gedaechtnisstoerungen-oeko-test-nimmt-ginkgo-mittel-lupe.html?sh=1&h=-98422374

Kommentar & Ergänzung:

Der Ginkgoextrakt EGb 761® ist in der Schweiz erhältlich unter den Namen Tebokan (kassenzulässig, wenn ärztlich verschrieben) und Tebofortin (für Selbstzahler ohne Rezept in Apotheken und Drogerien).

Laien ist oft viel zuwenig bewusst, dass Pflanzenpräparate sich qualitativ stark unterscheiden. Ginkgo ist in diesem Sinne nicht gleich Ginkgo. Es kommt auf die Zubereitungsform, die Herstellungsweise und die Wirkstoffkonzentration an – und darin unterscheiden sich Ginkgopräparate beträchtlich.

Der Hersteller von EGb 761®, die Firma Wilmar Schwabe in Karlsruhe, hat sich im übrigen schon vor vielen Jahren mit der Entwicklung und Erforschung von Ginkgoextrakt befasst, lange bevor Ginkgopräparate breiter bekannt wurden und andere Firmen auf den Trend aufsprangen.

Solche Pionierarbeit hat Anerkennung verdient. Trittbrettfahrer gibt es genug.

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Phytotherapie / Aromatherapie: Carvon als Bestandteil von ätherischen Ölen

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Carvon ist ein monocyclisches Monoterpen-Keton und findet sich als Bestandteil von ätherischen Ölen.

Carvon kommt in zwei Varianten vor:

– das (S)-(+)-Carvon

[auch als D-(+)-Carvon oder kurz (+)-Carvon bezeichnet]

Es hat den typischen Geruch nach Kümmel und kommt vor in Kümmelöl, Dillöl und Mandarinenschalenöl.

– das (R)-(−)-Carvon

[auch als L-(−)-Carvon oder kurz (−)-Carvon bezeichnet]

Es riecht nach Krauseminze und ist zu finden im Krauseminzöl und Kuromojiöl. Es ist allergieauslösend.

Ingwergrasöl enthält beide Varianten des Carvons.

Zur Wirkung von Carvon:

Carvon wirkt günstig bei verstärkter Gasbildung und Gasansammlung im Verdauungstrakt. Kümmelöl ist ein Karminativum (= Mittel gegen Blähungen) und hat daher schon lange seinen Platz Naturheilkunde, Pflanzenheilkunde und Phytotherapie inne. Es wirkt krampflösend und aktiviert die Funktion der Verdauungsdrüsen. Kümmeltee oder Kümmeltinktur können gegen Verdauungsbeschwerden, Völlegefühl, Blähungen und leichte krampfartige Magen-Darmstörungen eingesetzt werden. Kümmelfrüchte kann man jedoch auch direkt kauen.

Falls Sie mehr erfahren möchten über ätherische Öle und andere Inhaltsstoffe von Heilpflanzen, bekommen Sie dazu fundierte, gut verständliche Informationen in meinen Ausbildungen, Weiterbildungen und Kursen. Einen Überblick dazu gibt es hier im Kurskalender.

Weitere interessante Infos zu Carvon, Kümmel, Dill und Co.:

Sind Kreuzkümmel und Kümmel verwandt?

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde: Dillfrüchte (Anethum graveolens)

Kümmeltee gegen Blähungen

Kümmelöl: Bauchmassagen gegen Krämpfe und Blähungen bei Säuglingen und Kleinkindern

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Farbtherapie: Aura Soma

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Die österreichische Zeitung „Der Standard“ nimmt die Aura-Soma-Therapie etwas genauer unter die Lupe.

94 rechteckige Glasfläschchen (Balanceflaschen), 14 einfarbige Tinkturen (Pomander) und weitere 14 einfarbige Duftessenzen (Quintessenzen) dienen als Werkzeug in der Aura-Soma-Therapie. Durch die Schwingungen von Farbe und Licht soll die Aura von Menschen geheilt werden.

Aura Soma soll dabei über die Haut auch physische Heilungsprozesse positiv beeinflussen.

Die 94 Balanceflaschen sind zu je einer Hälfte mit buntfarbigem Öl und zur anderen Hälfte mit gleichem oder andersfarbigem Wasser gefüllt.  Gemäss der Aurasoma-Theorie sollen sie farbige Schwingungsenergie enthalten. Der Klient soll intuitiv vier Farbkombinationen auswählen. Die Aura-Soma-Beraterin interpretiert diese Vorlieben und schliesst anhand der Farbwahl auf Persönlichkeitsmerkmale, eventuelle Probleme, mögliche Lebensaufgaben und Zukunftsperspektiven.

Diagnostische Hinweise sollen aber nicht nur die Farben geben, sondern auch die Bläschen, die durch ritualisiertes Schütteln der Öl-Wasser-Mischung entstehen. Auf die Haut aufgetragen, sollen die pflanzlichen oder mineralischen Wirkstoffe über Lymph- und Blutgefäße außerdem kranke Körperregionen erreichen, die einer Heilung bedürfen.

Heiko Hecht vom Psychologischen Institut der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz hält allerdings eine Wirkung von Aura Soma über die Haut für völlig unplausibel, da der Mensch für Farben nur das Auge als Rezeptor besitzt. Er bezeichnet Farbtherapien als reine Stimulationstherapien, die auf dem Angebot stark variierender Farbreize basieren. Wenn man jemandem zuerst stark flackernde bunte Farben anbiete und anschließend sanfte Farbtöne, dann habe das sicher eine beruhigende Wirkung. Dieser Effekt sei jedoch nicht durch die Farben selbst bedingt, sondern durch den angebotenen Kontrast.

Farben wirken geprägt vom kulturellen Kontext

Farben wirken nicht biologisch, sondern durch den kulturellen Kontext, erklärt Hecht und verweist als Beispiel auf die Farbe Gelb, die in der westlichen Welt für Neid und Eifersucht steht, in Japan dagegen für Mut und Stärke. Farbgestaltung sei eine Frage der Ästhetik. Von der Postulierung universaler Farbwirkungen – wie es Auro Soma macht – hält Hecht nichts.

Der Frage, wie rosa Gefängniszellen auf Inhaftierte wirken, ist hat Hecht selbst untersucht. In einer Studie dokumentierte er die Wirkung von Baker-Miller-Pink auf die kognitive Leistungsfähigkeit und Stimmung von Schülern. Seine Skepsis wurde dabei bestätigt. Er konnte keine signifikanten Auswirkungen auf Leistung oder Stimmung feststellen.

Der Grund, weshalb die Farbe Rosa keine besänftigende Wirkung hat, liegt in der Fähigkeit des Menschen zur Adaption. Wenn Farbe einen Effekt hätte, dann wäre dieser so oder so spätestens nach drei Tagen verschwunden, erklärt Hecht.

Basis der Aura-Soma-Therapie ist aber auch die Theorie, dass Lieblingsfarben immer Ausdruck des inneren Selbst sind. Ganz falsch liege Aura Soma hier nicht, bestätigt Hecht. Die Farbwahl bei Kleidung zum Beispiel mache auf jeden Fall Rückschlüsse auf die Psyche möglich. Allerdings sei auch hier der kulturelle Hintergrund für eine Interpretation von Bedeutung.

Dass die bunten Aura-Soma-Fläschchen umgekehrt seelische und körperliche Beschwerden lindern, ist für Hecht nicht plausibel. Beschreibungen im Internet tragen auch nicht gerade zur Glaubwürdigkeit bei. Beispielsweise soll der rote Pomander Überlebensängste lindern, Poltergeist-Phänomene zum Verschwinden bringen und elektromagentische Polaritäten im Körper ausbalancieren. Und mit den Quintessenzen sollen sich gar spirituelle Verbindungen zu hoch entwickelten Seelen, sogenannten Meistern, aufbauen lassen. Die hellblaue Quintessenz El Morya soll auf diese Art Klärung für Menschen ermöglichen, die nicht gut auf ihre Eltern zu sprechen sind.

Quelle:

http://derstandard.at/1363239184348/Aura-Soma-Mit-schwingender-Farbe-die-Aura-heilenl

Kommentar & Ergänzung:

Dass Farben unsere Stimmung beeinflussen können und etwas über uns aussagen, liegt für mich auf der Hand.  Aber wie der Beitrag im „Standard“ schon aussagt: Das ist individuell unterschiedlich und zugleich auch stark kulturell geprägt. Allgemeingültige Schlüsse lassen sich daraus nicht ziehen.

Fragwürdig an solchen esoterischen Theoriegebäuden wie Aura Soma finde ich vor allem, dass sie auf einer ganz schmalen Basis (hier: Farben) auf fast alle Fragen eine Antwort und für fast alle Probleme eine Lösung anbieten. Diese Aufladung ist wohl nötig, wenn man Farbstoffe derart teuer verkaufen will. Aber es spricht halt auch einfach sehr viele Leute an, wenn derart easy scheinbar alle Schwierigkeiten im Leben aufzulösen sind. Solche „Fastfood“-Ansätze passen perfekt zum Zeitgeist.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Rote Beete (CH: Randen) reduziert Blutdruck

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Ein hoher Nitratgehalt macht Rote Beete (in der Schweiz Randen genannt) und einige andere Gemüsesorten zu einem wirksamen Antihypertensivum (Mittel gegen Bluthochdruck). Eine experimentelle Studie, die im Fachjournal Hypertension (2013; doi: 10.1161/ HYPERTENSIONAHA.111.00933) publiziert wurde, zeigt einen überraschend deutliches Sinken der systolischen Blutdruckwerte.

Die Pharmakologin Amrita Ahluwalia untersuchte an der Queen Mary Universität in London zunächst die Wirkung von Nitriten auf den Blutdruck. Nitrite werden im Körper durch Enzyme zu Stickstoffmonoxid  reduziert, das ein potenter Vasodilatator ist, also die Gefässe erweitert. Die Experimente, die Ahluwalia an Ratten durchführte, ergaben denn auch, dass Nitrite bei Ratten eine deutliche blutdrucksenkende Wirkung zeigen – allerdings nur solange die Tiere nicht mit dem Xanthin-Oxidoreduktase-Inhibitor Allopurinol behandelt werden, der die Reduktion von Nitrit unterbindet.

Nitrit entsteht im Körper aus Nitraten, die mit der Nahrung zugeführt werden. Nitrate sind hauptsächlich in gewissen Gemüsesorten wie Gartensalat, Weißkohl, Fenchel enthalten, vor allem jedoch in Roter Beete. Ahluwalia konnte zeigen, dass Nitrate den Blutdruck ebenfalls reduzieren können. Und das klappt nicht nur bei Ratten, sondern auch beim Menschen.

In einem Experiment tranken 15 Bluthochdruck-Patienten, die trotz systolischer Blutdruckwerte von 140 bis 159 mm Hg noch keine Medikamente bekommen hatten, 250 ml eines Rote-Beete-Saftes oder Wasser. Die Menge des Rote-Beete-Saftes war so gewählt, dass der Nitritgehalt im Blut sich um etwa 50 Prozent erhöhte. Dies hatte in früheren Experimenten bei Menschen mit normalen Blutdruckwerten keine Änderung des Blutdrucks bewirkt.

Bei den Bluthochdruck-Patienten kam es dagegen zu einem deutlichen Absinken des systolischen Blutdrucks um etwa 12 mm Hg. Dieser Effekt war 3 bis 6 Stunden nach dem Trinken des Saftes am stärksten und hielt über 24 Stunden an. Auch der diastolische Blutdruck wurde nach Auskunft von Ahluwalia signifikant reduziert.

Im Ausmaß der Wirkung könnte ist der Rote-Beete-Saft durchaus mit Hochdruck­-Medikamenten vergleichbar. Diese müssen ihre Wirkung (und Sicherheit) allerdings in längeren klinischen Studien an hunderten oder tausenden Patienten belegen, während Ahluwalia in ihrem Experiment die Wirkung des Rote-Beete-Saftes nur an 15 ausgewählten Probanden untersucht hat, die auch nur eine einzige Dosis bekamen.

Die klinische Aussagekraft dieses Experiments ist daher gering, und für die American Heart Association gibt es keinen Grund, Bluthochdruck-Patienten zu einer „Rote-Beete-Therapie“ zu raten. Rote-Beet-Saft ist zudem nicht Jedermanns Geschmack. Störend könnte für einige Patienten zudem die rötliche Verfärbung des Urins sein, die bei einer dauerhaften Behandlung kaum zu vermeiden wäre. Gegen eine gesunde Ernährung mit dem reichlichen Verzehr von nitrathaltigem Gemüse hat die British Heart Foundation aber nichts einzuwenden. Beide Fachgesellschaften sprechen sich für die weitere klinische Evaluierung der Roten Beete aus.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/54061/Rote-Beete-senkt-Blutdruck

http://hyper.ahajournals.org/content/early/2013/04/15/HYPERTENSIONAHA.111.00933.abstract

Kommentar & Ergänzung:

Zu Roter Beete / Randen sind in letzter Zeit eine ganze Reihe von Studien erschienen.

Hier finden Sie dazu weitere Informationen:

Rote Beete (Randen) reduziert Blutdruck

Rote-Beete-Saft / Randensaft: Legales Doping bei Radrennen?

Randensaft / Rote Beete kann Lungenkranke bei Fitness-Programm unterstützen

Randensaft / Rote Beete senkt Blutdruck

Randensaft / Rote Beete steigert sportliche Ausdauer

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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