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Naturheilkunde: Spazierengehen bessert Gedächtnisschwäche

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Der Begriff “Naturheilkunde” wird heute in seiner Bedeutung sehr unterschiedlich aufgefasst. Die Naturheilbewegung entwickelte sich im 19. Jahrhundert. Damals umfasste die Naturheilkunde vor allem Methoden, die “Natur” ziemlich direkt zum Einsatz bringen: Bewegung, Luft, Licht, Ernährung, Hydrotherapie, Heilpflanzen-Anwendungen. Manchmal macht es heute den Eindruck, als ob solche Methoden zu einfach und zuwenig wunderträchtig sind. Heute muss potenziert, vergärt, verascht, und verschüttelt werden, es braucht die Vorstellung von speziellen “Energien” und “Schwingungen”, damit die Bedürfnisse nach dem ausgefallenen und exotischen gedeckt werden. Mir scheint, dass damit Heilverfahren oft künstlich aufgeblasen werden. Ich bin sehr dafür, dass in der Naturheilkunde das einfache, konkrete wieder mehr Bedeutung bekommt. Darum freut mich ungemein, was eine Forschungsgruppe um Nicola Lautenschlager zeigen konnte: Tägliche Bewegung über einen Zeitraum von 20 Minuten verbessert die Gedächnisleistung.
Für die Studie wurden insgesamt 311 Senioren mit beginnender Gedächtnisschwäche motiviert, die in zwei Gruppen aufgeteilt wurden.
Während die eine Gruppe zu täglichen Spaziergängen oder Gymnastik motiviert wurde, blieb die andere als Kontrollgruppe untrainiert.
Nach sechs Monaten erreichten die trainierten Senioren eine auf der Alzheimer Skala deutlich verbesserte Gedächtnisleistung verglichen mit den untrainierten Oldies (1,3 Punkte).
Die Autoren um Nicola Lautenschlager motivierten für ihre Studie insgesamt 311 Senioren mit beginnender Gedächtnisschwäche, die in zwei Gruppen aufgeteilt wurden. Nach sechs Monaten erreichten die trainierten Senioren eine auf der Alzheimer Skala deutlich gesteigerte Gedächtnisleistung im Vergleich zu den untrainierten Oldies (1,3 Punkte).
Der Effekt hielt sogar über längere Zeit an. 18 Monate nach Versuchsende untersuchten die Forscher die Senioren erneut. Auch dieses Mal schnitten die vormals trainierten Studienteilnehmer besser ab als die untrainierten Teilnehmer. Allerdings zeigte sich bei dieser Überprüfung keine so deutlichere Differenz in der Gedächtnisleistung wie nach Beendigung des Trainings.
Lautenschlager vermutet als Grund für die Verbesserung der Gedächtnisleistung eine Ankurbelung der Herz-Kreislauffunktion, von der das Gehirn stark profitieren würde.
Sie hält den verbessernde Effekt von Sport nicht für herausragend, jedoch hätten bisher auch noch keine der neuen Anti-Alzheimerwirkstoffe eine bessere Wirkung zeigen können.
Das scheint mir durchaus beachtlich, wenn man berücksichtigt, dass weltweit Pharmafirmen Medikamente gegen Alzheimer testen.
Bewegung, eine ganz ursprüngliche Methode der Naturheilkunde, simpel und kostengünstig, kann offenbar in diesem Bereich mithalten. In Zukunft verkaufe ich meine Heilpflanzen-Exkursionen als Alzheimer-Prophylaxe……..
Im Ernst: Freude und Interesse an der Natur, an Pflanzen und Tieren, gehören wohl zu den besten Motivatoren für regelmässige Bewegung.

Quelle: http://www.artscience.de
Originalveröffentlichung: http://jama.ama-assn.org/cgi/content/abstract/300/9/1027

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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US-Studie findet keinen Schutzeffekt von Vitamin C und E für’s Herz

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Ein weiterer Versuch, den vorbeugenden Nutzen einer Nahrungsergänzung mit antioxidativ wirksamen Vitaminen zu belegen, ist nun gescheitert: US-Ärzten gelang es weder mit Vitamin E noch mit Vitamin C in einer neuen Langzeitstudie, Herz-Kreislauf-Ereignissen erfolgreich vorzubeugen.
An der Physicians Health Study II nahmen über 14 690 US-Ärzte im Alter über 50 Jahren teil. Sie erklärten sich bereit, am eigenen Leib die Wirkungen einer Langzeitprophylaxe mit Vitamin E und Vitamin C zu testen. Über die bekannten antioxidativen Effekte dieser Vitamine auf reaktive Sauerstoffmoleküle im Körper sollten Herz und Gefäße langfristig vor Schäden geschützt werden.
Diese Hoffnungen wurden einmal mehr nicht erfüllt: Während acht Jahren schluckten die teilnehmenden Mediziner ihre Pillen, die entweder Vitamin E (400 IE alle zwei Tage) oder Vitamin C (500 mg/Tag) oder Placebo enthielten. Im Laufe dieser Zeit trat bei insgesamt 1245 Studienteilnehmern ein Herz-Kreislauf-Ereignis auf. Die vorbeugende Einnahme von Vitaminpillen bewirkte dabei keinen Unterschied: Die Ereignisrate war mit Vitaminen praktisch identisch wie die Ereignisrate in der Placebo-Gruppe. Das berichtete jetzt Studienleiter Dr. Howard D. Sesso aus Boston beim AHA-Kongress in New Orleans.
Wenn es schon keinen Nutzen zeigt, so schadet es wenigstens nicht, könnte man da sagen. Aber leider stimmt das nicht ganz: Denn die Vorbeugung mit Vitamin E war mit einer signifikanten Zunahme von hämorrhagischen Schlaganfällen verbunden.
(Quelle: www.aerztezeitung.de, Originalpublikation siehe JAMA)
Kommentar:
Wieder einmal ein Hinweis darauf, dass von Nahrungsergänzungsmitteln wohl hauptsächlich die Hersteller und Verkäufer profitieren. Aus Sicht der Phytotherapie / Pflanzenheilkunde sind Heilpflanzen-Präparate mit Weissdorn-Extrakt gut belegt mit ihrer positiven Wirkung auf das Herz. Mehrere Studien bestätigen ihren Nutzen bei leichten Formen von Herzschwäche und leichten Formen von Angina pectoris.
Allerdings wäre ich mit Empfehlungen für den vorbeugenden Einsatz von Weissdorn-Präparaten zurückhaltend. Älter werden ist noch kein Behandlungsgrund. Sonst könnte man eine ganze Batterie von Heilpflanzen als Begleiter während dem Älterwerden propagieren: Ginkgo für‘s Hirn, Sabal für die Prostata……Das wäre dann eine Medikalisierung des Älterwerdens. Für die vorbeugende Gesunderhaltung des Herzens sollten meines Erachtens nicht Medikamente im Vordergrund stehen, auch nicht Naturheilmittel. Es geht vielmehr um einen herzfreundlichen Lebensstil. Dass Bewegung das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt, ist durch zahlreiche Studien bewiesen. Idealerweise baut man die Bewegung in den Tagesablauf ein. Ausserdem sollte die gewählte Bewegung
– Freude bereiten,
– regelmässig durchgeführt werden und
– an das Lebensalter angepasst sein.
Schon 30 Minuten zügige Bewegung pro Tag wirken sich günstig auf das Herz aus.
Es braucht nicht immer ein Medikament, ein Naturheilmittel, eine Heilpflanze, und auch nicht ein Nahrungsergänzungsmittel.

Weitere Informationen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel im Buch „Pillen, Pulver, Powerstoffe“ von Pollmer / Warmuth, das Sie im Buchshop anschauen und bestellen können.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ginkgo-Studie soll verbessertes Denkvermögen zeigen

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Extrakte aus den Blättern des Ginkgo-biloba-Baumes gelten in der Phytotherapie schon seit längerem als die am besten dokumentierten Heilpflanzen-Präparate bei Frühstadien von Demenz.
Nach Informationen von Focus-online belegt nun ein umfangreiches Gutachten des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) die Wirksamkeit von Ginkgo-Präparaten.
Die Studie bestätigt offenbar eine Verbesserung des Denkvermögens, wobei sich bei Alzheimer-Patienten ein positiver Effekt gezeigt haben soll.

Die Experten des IQWiG untersuchten sieben verschiedene Studien und analysierten den Effekt zweier verschiedener Dosierungen. Eindeutige positive Wirkungen liessen sich nur bei einer täglichen Einnahme von 240 Milligramm beobachten, für die Dosierung von 120 Milligramm konnten die Sachverständigen keine Verbesserungen feststellen. Im Einzelnen wirkte sich die Einnahme von Ginkgo-Präparaten besonders günstig auf die Faktoren “kognitive Leistungsfähigkeit” und “Aktivitäten des täglichen Lebens” aus. Im Hinblick auf unerwünschte Nebenwirkungen zeigte sich den IQWiG-Gutachtern “kein Hinweis auf einen Schaden durch Ginkgo biloba”.
Der Abschlussbericht des Kölner Instituts soll am 25. November publiziert werden (Quelle: www.focus.de).
Dann nehmen wir diese Vorinformation mal interessiert zur Kenntnis und warten mit einer abschliessenden Beurteilung gespannt auf den vollständigen Bericht. Trifft die Information zu, wäre das ein erfreulicher Erfolg für die Phytotherapie. Das IQWiG stellt nämlich recht hohe Anforderungen an die ausgewerteten Studien. Noch im Februar 2008 hielt es in einem Vorbericht fest, dass es eine ungeklärte Frage sei, ob Patienten mit Alzheimer-Demenz von Medikamenten profitieren, die Ginkgo-biloba-Extrakt enthalten. Die verfügbaren Studien würden widersprüchliche Ergebnisse liefern, schrieb das IQWiG damals.
Offenbar hat sich an dieser Ausgangslage inzwischen etwas geändert. Heilpflanzen-Präparate mit Ginkgo-Extrakt bleiben also aktuell und im Gespräch.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen-Präparate: Fragwürdige Bezugsquellen, fehlende Transparenz!

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Das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic und der Apothekerverband PharmaSuisse warnten kürzlich vor dem Bezug von Medikamenten via Internet. Diese Warnung gilt für synthetische Arzneimittel wie auch für Heilpflanzen-Präparate:

“Leider nimmt mit wachsenden Angeboten die Bereitschaft zu, Medikamente aus dem Ausland über Internet zu beziehen. Bei solchen Bezügen ist das Risiko sehr gross, ein gefälschtes Medikament zu erhalten. Im Internet werden zahlreiche gefälschte, ungeprüfte, verfallene, qualitativ schlechte und wirkungslose Arzneimittel oder rezeptpflichtige Präparate ohne ärztliche Verschreibung angeboten. Oft werden irreführende Versprechungen über die positiven Wirkungen, jedoch keine Angaben zu möglichen Risiken gemacht. Aufgrund der ungenügenden, oft gefährlichen Qualität riskiert jeder, der Medikamente über Internet bestellt, seine Gesundheit.”
(Quelle: www.stop-piracy.ch)

Die Warnung ist mehr als berechtigt. Die Heilsversprechungen im Internet sind oft haarsträubend, bei synthetischen Medikamenten genauso wie bei Naturheilmitteln. Das Risiko von Fälschungen oder von mangelhafter Qualität und den damit verbundenen Gefahren ist real. Die Kampagne empfiehlt selbstverständlich den Bezug von Medikamenten “aus legalen Quellen wie Apotheken, Drogerien und in gewissen Kantonen Arztpraxen….”.

Da fragt sich allerdings, inwieweit das Vertrauen in diese legalen Kanäle gerechtfertigt ist. Klar scheint mir: Das Risiko von Fälschungen oder von unerlaubten, gefährlichen Bestandteilen ist in den offiziellen Kanälen von Apotheken und Drogerien sehr gering.

Deutliche Fragezeichen würde ich setzen, wenn es um die fachliche Beratungsqualität geht. In unserer Phytotherapie-Ausbildung am “Seminar für Integrative Phytotherapie” gibt es immer wieder Lerngruppen, die sich zu Testzwecken in Apotheken oder Drogerien bezüglich Heilpflanzen-Produkten beraten lassen. Das ist aus fachlicher Sicht leider ziemlich häufig ein peinliches Desaster. Es zeigt sich dabei oft das völlige Fehlen von Kenntnissen der neueren Fachliteratur im Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde. Und es sieht in vielen Fällen sehr danach aus, dass die “Weiterbildung” der MitarbeiterInnen sich auf den Besuch von “Schulungsseminaren” der Herstellerfirmen beschränkt. Das sind dann in der Regel fast reine Verkaufveranstaltungen, die frei sind von jeglicher kritischer Reflexion.
Und wenn der Apothekenverband PharmaSuisse bemängelt, dass man im Internet “ungeprüfte,…wirkungslose Arzneimittel” bekommt und “irreführende Versprechungen über die positiven Wirkungen…” gemacht werden, dann müsste er sich schon auch ein bisschen selber an der Nase nehmen.

Im Bereich von Naturheilkunde & Pflanzenheilkunde verkaufen die Apotheken und Drogerien nämlich ohne mit der Wimper zu zucken Produkte, die zwar als Heilmittel über den Ladentisch gehen, deren Wirkungen aber ungeprüft und in keiner Art belegt sind. Das gilt beispielsweise für den riesigen Markt der Nahrungsergänzungsmittel, die sich intensiv um ein Heilmittel-Image bemühen, aber keinerlei Wirksamkeit belegen müssen. Sie unterstehen auch nicht der Heilmittelkontrolle Swissmedic, sondern wie andere Lebensmittel auch dem Bundesamt für Gesundheit (BAG). Die Swissmedic wiederum befreit manche Heilmittelgruppen generell von jedem Wirksamkeitsnachweis. Das gilt beispielsweise für alle Homöopathika, Schüssler-Salze, Bachblüten-Tropfen, Frischpflanzentinkturen nach Homöopathischem Arzneibuch sowie für spagyrische Mittel.
Dass Apotheken und Drogerien solche Produkte auf Verlangen der Kundschaft verkaufen, scheint mir unproblematisch. Propagieren sie aber solche Produkte aktiv, unterscheiden sie sich nicht mehr gross von den Anbietern ungeprüfter und möglicherweise wirkungsloser Präparate im Internet. Die Kritik des Apothekerverbandes PharmaSuisse fällt deshalb teilweise auf die Apotheken selbst zurück.
Ich behaupte nun nicht, alle diese Produkte seien wertlos. Aber die Konsumentinnen und Konsumenten sollten meines Erachtens wissen, dass es in diesen Bereichen in der Regel keine fundierten Dokumentationen oder gar Studien gibt, die eine Wirksamkeit belegen. In den Regalen von Apotheken und Drogerien stehen oft Nahrungsergänzungsmittel, vom Wirkungsnachweis befreite Heilmittel und Heilmittel mit dokumentierter, belegter Wirkung nebeneinander. Das ist vom Standpunkt der Transparenz völlig unbefriedigend. Konsumentinnen und Konsumenten wird es dadurch sehr schwer gemacht, sich auf der Basis einer fundierten Meinungsbildung für ein bestimmtes Produkt zu entscheiden.

Daraus folgt meines Erachtens dreierlei:

1. Wer solche Produkte kauft, muss sich selber kundig machen und prüfen, wie seriös das erworbene Naturheilmittel ist. Andernfalls bleibt nur, sich blind auf die Aussagen und Versprechungen der Hersteller und Verkäufer zu verlassen.

2. Apotheken und Drogerien sollten bei ihren Beratungsgesprächen transparent machen, ob und wie gut die Wirksamkeit der empfohlenen Naturheilmittel durch fundierte Dokumentationen oder Studien belegt ist. Das ist leider im Beratungsgespräch sehr selten ein Thema, gerade auch, wenn es um Komplementärmedizin geht. Es gibt im Bereich Phytotherapie zum Beispiel durchaus Präparate, die sich in qualitativ überzeugenden Studien mit Patienten bewährt haben. Es gibt sogar Phytopharmaka, die so gut dokumentiert sind, dass sie von den Krankenkassen aus der Grundversicherung bezahlt werden müssen, wenn ein Arzt oder eine Ärztin sie verschreibt.

3. Je ernsthafter die Krankheit, desto mehr müssten bei Beratungen Präparate im Vordergrund stehen, deren Wirksamkeit ausreichend dokumentiert ist.

Ich gehe mit der Kampagne von Swissmedic und PharmaSuisse einig an dem Punkt, dass ich niemals Heilmittel aus irgendeiner obskuren Quelle im Internet kaufen würde. Darüber hinaus finde ich aber, dass auch das Sortiment, die Beratungsleistung und die Versprechungen von Apotheken und Drogerien im Bereich der Naturheilmittel durchaus kritisch unter die Lupe genommen werden müssten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: Passionsblume als Angstlöser

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Über Jahre hinweg galt in Phytotherapie & Pflanzenheilkunde der Wurzelstock der Kava-Kava-Pflanze als Angstlöser der ersten Wahl. Seine Wirkung war wissenschaftlich gut belegt. Nachdem die Arzneimittelbehörden Heilpflanzen-Präparate aus Kava-Kava wegen einiger ungeklärter Verdachtsfälle auf Leberschädigung aus dem Markt genommen haben, klafft hier eine therapeutische Lücke.
Die Passionsblume (Passiflora incarnata) ist eine der Heilpflanzen, die seither auf eine mögliche angstlösende Wirkung genauer untersucht wurden.
Ein Artikel in der Österreichischen Apotheker-Zeitung (21/2008) stellt die Passionsblume umfassend vor. Die Autorin Michaela Döll, Diplom-Biologin mit Lehrauftrag im Fachbereich Lebensmittelchemie / Pharmazie an der Universität Braunschweig, geht auf die Symbolik der Passionsblumenblüte und auf die Geschichte dieser faszinierenden Heilpflanze ein. Dann fasst sie den aktuellen Wissensstand bezüglich Inhaltsstoffe und Wirkungen der Passionsblume zusammen. Interessant sind in dieser Hinsicht vor allem zwei Studien mit Patientinnen und Patienten.
In einer placebokontrollierten Doppelblindstudie wurde Passiflora bei Personen mit Angststörungen untersucht. Dabei wurde ein wässrig-alkoholischer Auszug von Passionsblumenkraut zusammen mit einem Placebo gegen den Tranquilizer Oxazepam (30mg/Tag), ebenfalls zusammen mit einem Placebo, verabreicht. Der Wirkungseintritt erfolgte in der Passiflora-Gruppe erst ab dem 7. Tag, während er unter der Anwendung von Oxazepam bereits nach 4 Tagen eintrat. Ab dem 7. Tag bis zum Studienende am 28. Tag war zwischen Passiflora- und Oxacepam-Wirkungen kein relevanter Unterschied in der beruhigenden Wirkung mehr ersichtlich.
Eine weitere Studie am Universitätsklinikum in Liège (Belgien) verglich Passiflora (400mg Trockenextrakt) bei Patienten mit Angststörungen mit diversen Benzodiazepinen (Diazepam, Lorazepam, Flunitrazepam). Der Passionsblumenkraut-Extrakt zeigte hinsichtlich seiner beruhigenden Eigenschaften eine gute Wirkung, die jener der getesteten Benzodiazepine sogar überlegen war. Mit nur 10 Teilnehmenden war diese Studie allerdings sehr klein.
Eine randomisierte, kontrollierte Doppelblindstudie untersuchte die Wirkung von Passionsblumenextrakt auf Entzugserscheinungen bei 65 opiatabhängigen Personen.
Getestet wurde Passionsblumenextrakt plus Clonidin gegen Clonidin plus Placebo. Die Entzugserscheinungen wurden während eines zweiwöchigen Beobachtungszeitraums erfasst. Die Beurteilung der physischen Symptome zeigte in den beiden Gruppen keine Unterschiede. Betreffend der psychischen Entzugssymptome ergab sich aber ein deutlicher Vorteil der Passiflora-Gruppe gegenüber der Placebo-Gruppe.
Leider enthält der Artikel in der Österreichischen Apotheker-Zeitung wenig konkrete Angaben zu den beschriebenen Studien, so dass deren Qualität nicht wirklich beurteilt werden kann.
Es gibt aber auch positive Empfehlungen von phytotherapeutischen Fachkommissionen (Kommission E, ESCOP) für die Wirksamkeit der Passionsblume. Im Vordergrund steht dabei die Behandlung von nervösen Unruhezuständen am Tag sowie bei nervös bedingten Schlafstörungen. Gewöhnungseffekte und eine klassisch sedierende Wirkung sind nicht zu erwarten. Passionsblumenkraut beruhigt ohne zu ermüden und entspannt bei voller Konzentration.
Entsprechend den Empfehlungen der phytotherapeutischen Fachkommissionen ist auf eine ausreichende Tages-Dosierung zu achten (ca. 1000mg Passionsblumen-Trockenextrakt entsprechend einem Auszug aus etwa 6g Passionsblumenkraut).
(Quelle: http://www.oeaz.at/zeitung.html)
Es spricht also einiges dafür, dass Passionsblumenkraut als milder Angstlöser Potenzial hat.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Antibiotika zunehmend wirkungsloser gegen Erreger

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Die Resultate der ersten umfassenden Bestandsaufnahme zu Verbrauch und Wirkung von Antibiotika in Deutschland sind beunruhigend: Krankmachende Bakterien werden immer unempfindlicher gegen entsprechende Medikamente – eine gefährliche Entwicklung, weil die Einführung neuer Medikamente stagniert. Meiner Ansicht nach liegt darin eine Chance für die Pflanzenheilkunde / Phytotherapie. Damit diese Chance genutzt werden kann, ist allerdings differenziertes Denken nötig. Das würde bedeuten: Keine pauschale Feindbild-Haltung gegenüber Antibiotika. Sie sollen immer dann zum Zuge kommen, wenn es sie braucht, um Gesundheitsschäden oder gar den Tod abzuwenden. Wo Antibiotika aber nicht zwingend nötig sind, kann die Phytotherapie mit ihren Heilpflanzen-Präparaten oft sinnvolle Ersatzmöglichkeiten anbieten. Dass wir mit der Anwendung von Antibiotika ein ernsthaftes Problem haben, zeigte kürzlich der Antibiotika-Resistenzatlas “Germap 2008”.

Das „Super-Bakterium“ Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus, kurz MRSA genannt, ist eine der häufigsten Gründe für im Krankenhaus erworbene Infektionen. Pro Jahr sind davon etwa 50 000 Menschen betroffen, rund 1 500 sterben an den Folgen.
In Deutschland werden täglich über 700 Kilogramm Antibiotika eingesetzt. Das ist mit Risiken für die Gesundheit verbunden: Bei einzelnen Krankheitserregern wie Staphylokokken, Kolibakterien und Enterokokken ist ein deutlicher Anstieg der Resistenzen zu beobachten. Dadurch wird die Wirkung von Antibiotika eingeschränkt und die Therapiemöglichkeiten verschlechtert. Zu diesem Resultat kommt eine erste umfassende wissenschaftliche Bestandsaufnahme über Verbrauch und Wirkung von Antibiotika in Deutschland, die in Bonn präsentiert wurde.
Diese Entwicklung ist nach Darstellung der Studienautoren umso gefährlicher, als gleichzeitig die Einführung neuer Antibiotika stagniere. Deren Entwicklung sei für Pharmafirmen weniger profitabel als andere Mittel. Deshalb sei es besonders wichtig, die Wirksamkeit der verfügbaren Mittel zu erhalten. Der Resistenzbildung müsse stärker entgegen gesteuert werden, verlangten die Fachleute und Mitverfasser bei der Vorstellung des ersten Antibiotika-Resistenzatlas “Germap 2008”.??Dazu sei eine bessere Hygiene in Krankenhäusern nötig sowie auch genauere Diagnosen von Ärzten, die nicht vorschnell Antibiotika verschreiben sollten. “Jedes überflüssige Antibiotikum begünstigt die Entwicklung von Resistenzen”, erklärte der Vizepräsident der Paul- Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG), Prof. Eberhard Straube. Patienten sollten die Dosierungsvorgaben einhalten.

Bei ambulant – also außerhalb eines Krankenhausaufenthalts – erworbenen Infektionen veränderte sich die Resistenzlage nach den Daten in den vergangenen 10 bis 15 Jahren wenig. Auffälligster Befund sei der kontinuierliche Anstieg der Resistenz gegen sogenannte Makrolide bei den Pneumokokken gewesen, der inzwischen jedoch gestoppt sei. Weitere Resistenzbildungen zeigten sich bei der Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten wie der Gonorrhö (”Tripper”) und Salmonellen. Bei Patienten in Krankenhäusern kam es seit den 90er Jahren vor allem zu einer starke Zunahme von Multiresistenzen bei Staphylokokken (MRSA).

In der Humanmedizin werden nach der Datensammlung in Deutschland gegenwärtig jährlich rund 250 bis 300 Tonnen Antibiotika verbraucht. Dabei betreffen etwa 85 Prozent der Verordnungen den ambulanten Bereich. Der Atlas ist eine gemeinsame Publikation des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG) und der Infektiologie am Universitätsklinikum Freiburg.
Ein zusätzliches großes Problem sind auch Resistenzen beim Antibotika-Einsatz in der Nutztierhaltung. Solche Resistenzen können möglicherweise auch Antibiotika-Therapien beim Menschen beeinträchtigen . Auch wenn hier in den vergangenen Jahren kein gravierender Anstieg der Resistenzen zu beobachten sei, müsse unbedingt ein verantwortungsvoller und sachgerechter Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung beachtet werden, sagte BVL-Fachmann Jürgen Wallmann. “Antibiotika sind kein Mittel, um schlechte Haltungsbedingungen, Managementfehler oder mangelhafte Hygiene zu kompensieren.”
Quelle: Die Welt online, 9. Okt. 2008
Mehr Informationen im Netz: www.bvl.bund.de/germap2008

Kommentar: Die Situation in der Schweiz dürfte vergleichbar sein. Es steht für mich ausser Frage, dass es Situationen gibt, in denen Antibiotika notwendig sind. Jede unnötige Antibiotika-Gabe ist aber eine zuviel. Sorgfältig und professionell eingesetzte Heilpflanzen-Präparate könnten in manchen Fällen zur Reduktion des Antibiotika-Verbrauchs beitragen. Ein Beispiel dafür ist der Preiselbeersaft. Er kann nach einer Blasenentzündung die Rückfallquote senken, wodurch sich Antibiotika sparen lassen. Phytotherapie und Medizin können dabei gut Hand in Hand arbeiten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Integrative Phytotherapie verbindet Medizin und Naturheilkunde

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Zwischen Medizin und Naturheilkunde existieren über weite Strecken gegenseitige Feindbilder. Diese Fronten haben fast immer negative Folgen für Patientinnen und Patienten. Am “Seminar für Integrative Phytotherapie” (SIP) in Winterthur werden Brücken gebaut zwischen Medizin und Naturheilkunde. Doch wie verbindet man zwei Lager, die oft durch tiefe Gräben getrennt sind?

Weiterbildung in Phytotherapie für die Krankenpflege – Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care……

Den Lehrgang für “Integrative Phytotherapie” am SIP absolvieren viele Teilnehmende aus der Krankenpflege. Sie arbeiten in der spitalexternen Krankenpflege (Spitex), in Pflegeheimen oder Kliniken. Da muss die Kooperation mit medizinischen Diensten jederzeit gewährleistet sein.

Phytotherapie – eine fundierte Form der Pflanzenheilkunde

Phytotherapie verbindet traditionelle Heilpflanzenkunde mit moderner Arzneipflanzenforschung. Im Zentrum steht dabei die Anwendung von Heilpflanzen zum Beispiel in Form von Tees, Tinkturen, Extrakten, Salben, Inhalationen und Wickeln. Phytotherapie orientiert sich an Wirkstoffen und strebt danach, die Möglichkeiten und Grenzen der Heilpflanzen wo möglich auch durch wissenschaftlich fundierte Studien zu klären. Dadurch ist die Phytotherapie innerhalb der Komplementärmedizin diejenige Methode, welche “normalen” Ärztinnen und Ärzten am besten zu vermitteln ist. Man könnte sogar sagen, dass die Phytotherapie genau zwischen Medizin und Komplementärmedizin bzw. Naturheilkunde steht. Daraus folgt, dass sich Phytotherapie ideal als Brückenbauerin eignet.
Ob eine solche Verbindung gelingt, hängt nun allerdings entscheidend von der Grundhaltung ab, mit der die Phytotherapie gelehrt oder praktiziert wird. Hier kommt der Begriff ,Integrative‘ Phytotherapie ins Spiel. Integrative Phytotherapie, wie sie am SIP vermittelt wird, nimmt aktiv eine eigenständige Position zwischen den beiden Lagern ein. Was heisst das konkret?

Zentral ist vor allem eine bewusste Vermeidung mit Feindbildern. Es gibt genauso viele Feindbild-Haltungen und Vorurteile von Seiten der Naturheilkunde gegenüber der Medizin wie umgekehrt. Also ist differenziertes Denken gegenüber beiden Lagern angezeigt. Integrative Phytotherapie steht grundsätzlich positiv zur Medizin, was jedoch nicht mit Kritiklosigkeit gleichzusetzen ist. Kritik muss allerdings differenziert sein und wissen, wovon sie spricht. Das gilt genauso für das Verhältnis von Integrativer Phytotherapie und Naturheilkunde.
Am “Seminar für Integrative Phytotherapie” wird niemand mit Feindbildern gefüttert. Statt dessen wird ein grundsätzlich wohlwollendes, aber zugleich auch kritisch-differenziertes Denken gegenüber Medizin und Naturheilkunde gelehrt.
Die Integrative Phytotherapie stellt zudem jedes Allmachtsdenken in Frage. Wer aufmerksam in die Welt blickt, kann solche Grössenphantasien sowohl in der Medizin als auch in der Naturheilkunde beobachten. Es geht jedoch immer darum, Möglichkeiten und Grenzen einer Therapie zu kennen. Wir vertreten daher eine selbstkritische Phytotherapie, die ihre Stärken kennt, aber auch weiss, wann eine medizinische Behandlung nötig ist.

Auf der Basis solcher Grundsätze gelingt es zunehmend, mit professionellen Heilpflanzen-Anwendungen Brücken zu schlagen zwischen Medizin und Naturheilkunde.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Aspirin schützt offenbar nicht vor (erstem) Herzinfarkt

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Aspirin kann die Fliesseigenschaften des Blutes verbessern und wird daher oft eingenommen zur Vorbeugung gegen Herzinfarkt und Schlaganfall. Eine neue Studie zeigt nun, dass die vorbeugende Einnahme von Aspirin zum Schutz vor Erst-Infarkten nutzlos ist und sogar schaden kann. Das Risiko von Magen- und Darmblutungen und Nierenschäden steigt.
Wissenschaftler um Prof. Jill Belch vom Cardiovascular Research Institute der Dundee University (Schottland) stellten im British Medical Journal eine Studie vor, die den Nutzen von Aspirin zur Infarktpropylaxe untersuchte.
Dazu wurden 1276 Diabetes-Patienten über 40 Jahren mit Arterienerkrankungen untersucht, die bisher noch keinen Herzinfarkt hatten. Sie wurden in Aspirin- und Placebo-Gruppen eingeteilt und acht Jahre beobachtet.
Das Ergebnis: Von den Patienten in der Aspirin-Gruppe (2 mal täglich 100mg) bekamen 116 einen Infarkt, in der Placebo-Gruppe waren es 117.
Statistisch ist dieser Unterschied irrelevant.
Zusätzlich zeigte die Studie keinerlei vorbeugenden Effekt auf die Verhinderung von Schlaganfällen oder Todesfälle durch Herzerkrankungen. Studienautorin Belch warnt aufgrund ihrer Ergebnisse vor einer eigenmächtigen Vorsorge mithilfe von Aspirin.
Sie weist aber gleichzeitig darauf hin, dass die Therapie nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall mit Aspirin gesichert sei. Insofern wäre es sinnvoll einem zweiten Ereignis mithilfe der Medikation entgegenzuwirken, wohingegen der erste Herzinfarkt oder Schlaganfall durch präventiv gegebenes Aspirin nicht verhindert werden kann.
Quellen:
http://www.scienceblogs.de/medlog/2008/10/aspirin-senkt-herzinfarktrisiko-nicht.php http://www.bmj.com/cgi/content/abstract/337/oct16_2/a1840

P.S.: Ähnliche Wirkstoffe wie im Aspirin kommen auch in einigen Heilpflanzen vor, zum Beispiel in der Weidenrinde. Die Phytotherapie verwendet Extrakte aus der Weidenrinde deshalb als leichtes und gut verträgliches Schmerzmittel. Allerdings unterscheiden sich die Wirkstoffe der Weidenrinde an einem entscheidenden Punkt von der Acetylsalicylsäure im Aspirin. Wegen diesem Unterschied muss man davon ausgehen, dass die Weidenrinde unwirksam ist zur Verbesserung der Fliesseigenschaften des Blutes. Es gibt immer wieder fachlich nicht sattelfeste Leute im Bereich Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde, welche Weidenrinde (oder Heilpflanzen mit ähnlichen Wirkstoffen) als Ersatz für Aspirin Cardio empfehlen. Das könnte riskant werden in Fällen, in denen die Aspirin-Therapie nötig ist.

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Heilpflanzen-Bücher: Qualität prüfen – aber wie?

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Heilpflanzen-Bücher gibt es fast wie Sand am Meer, und sie könnten kaum unterschiedlicher sein. Grundsätzlich kann jeder Mensch seine Ideen und Erfahrungen zum Thema Heilpflanzen publizieren – dafür sorgt die Meinungs- und Pressefreiheit. Das ist auch gut so. Allerdings folgt daraus, dass die Qualität von Heilpflanzen-Büchern ausserordentlich unterschiedlich ist. Nur die wenigsten Verlage sind fähig oder willens, eine präzise Qualitätskontrolle zu machen, wenn es um Heilpflanzen-Bücher geht.
Für Laien und Fachleute im Bereich der Pflanzenheilkunde ist das eine heikle Situation. Immerhin steht ja die Gesundheit auf dem Spiel. Da ist es nötig genau zu prüfen, auf welche Informationen man sich stützt.
Wie lassen sich aber nun seriöse, fundierte Heilpflanzen-Bücher unterscheiden von den ungesicherten Spekulationen mancher VerfasserInnen?
Die folgende Checkliste kann vielleicht dabei helfen:

1. Welchen beruflichen Background hat der Autor / die Autorin?

Sind die Ausbildung und die aktuelle berufliche Tätigkeit im Buch ersichtlich und haben sie einen Zusammenhang mit dem Thema “Heilpflanzen”? – Lässt sich daraus auf eine fundierte, längerdauernde Auseinandersetzung mit der Pflanzenheilkunde schliessen?

2. Hat der Verlag Fachwissen & Erfahrung im Bereich Heilpflanzen & Medizin?

Ein Fachverlag mit Erfahrung bezüglich Publikation von Büchern in den Bereichen Medizin & Heilpflanzenkunde wird eher ein kompetentes Lektorat haben, das die Qualität eines angebotenen Manuskriptes beurteilen kann. Einem Verlag, der nur ausnahmsweise Bücher im Bereich Pflanzenheilkunde & Medizin produziert, fehlt möglicherweise das nötige Know-how, um einen irrlichternden Autor mit seinen fachlichen Schwächen und Macken zu konfrontieren. So wird dann halt publiziert, was auf dem Markt gut ankommt, und das ist oft nicht von überzeugender Qualität.

3. Wie transparent sind die Quellen?

Wird klar, woher der Autor / die Autorin das dargestellte Wissen über Heilpflanzen hat? Erweckt er oder sie den Eindruck, das ganze beschriebene Wissen selber entdeckt zu haben? – Das ist sehr fragwürdig. Überzeugender ist es, wenn ein Autor / eine Autorin Wissen darstellt, das sich in Diskussionen innerhalb der Phytotherapie-Fachwelt behaupten konnte. Nur was auch kritischen Einwänden standgehalten hat, kann als bewährt gelten, während sich individuelle “Entdeckungen” nicht selten als hoch spekulativ erweisen.

4. Bemüht sich der Autor / die Autorin um eine möglichst klare Sprache oder dominieren leere Worthülsen?

Viele populäre Heilpflanzen-Bücher strotzen nur so von wohlklingenden, aber nichtssagenden Ausdrücken. Da ist vom “Wesen der Pflanzen” die Rede, das für die Wirkungen der Pflanzen verantwortlich sein soll, ohne dass dieser hoch komplexe Begriff des Wesens auch nur annähernd geklärt wird. Heilpflanzen wirken “ganzheitlich”, “schützend”, “harmonisierend”, “energetisierend”, sie “gleichen Schwingungen aus” oder “wirken feinstofflich”. Das sind alles Wörter, die noch kaum etwas Konkretes aussagen, aber diffuse Bedürfnisse von Lesenden ansprechen. Und es würde grosse Anstrengungen brauchen, um genau zu klären, was die schreibende Person damit gemeint hat (falls sie das selber überhaupt weiss…). Oft verdecken solche ausgesprochen vagen Begriffe nämlich nur Wissenslücken. Wer so nebulös daherschreibt, dürfte sich kaum mit den konkreten Details auseinandergesetzt haben. Da bleibt man dann doch lieber möglichst allgemein-wolkig.

5. Zeigt der Autor / die Autorin auch Grenzen und Schwächen der Pflanzenheilkunde?

Oder vermittelt das Buch den Eindruck, mit Heilpflanzen seinen alle gesundheitlichen Probleme zu lösen?
Wenn sich ein Autor / eine Autorin mit Haut und Haaren mit den Heilpflanzen identifiziert, fehlt oft die nötige Distanz, um auch Schwächen und Grenzen der Pflanzenheilkunde wahrzunehmen. Dann sind zum Beispiel unerwünschte Nebenwirkungen durch Pflanzen nirgends ein Thema und der Grundtenor eines solchen Heilpflanzen-Buches lautet: Gegen jede Krankheit ist ein Kräutchen gewachsen (was eben höchstwahrscheinlich nicht stimmt, sondern eine Wunschphantasie ist).

6. Begründungen oder Behauptungen?

Bemüht sich der Autor / die Autorin darum, Aussagen über Heilwirkungen von Pflanzen zu begründen? Beschreibt er/sie, welche Überlegungen, Erfahrungen oder Untersuchungen konkret hinter einer Aussage stehen? Oder dominieren einfach blanke Behauptungen, die man nur blind glauben kann oder nicht?

Wer solche Fragen prüft, bekommt meiner Ansicht nach ein präziseres Bild von der Qualität eines Heilpflanzen-Buches.

Ausgewählte und fundierte Bücher aus den Bereichen Pflanzenheilkunde / Phytotherapie finden Sie im Heilpflanzen-Buchshop.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Spagyrik: Nachfragen bei nebulösen Aussagen!

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Spagyrik boomt in vielen Apotheken, Drogerien und Naturheilpraxen. Doch es gibt kaum eine Sparte der Pflanzenheilkunde mit derart schwammigen und zugleich wohltönenden Aussagen. Jede dieser Aussagen ist meiner Ansicht nach eine Aufforderung, sehr genau und detailliert nachzuhaken.
So erklärte mir vor kurzem ein Spagyrik-Vertreter, dass spagyrische Heilmittel ganzheitlicher und tiefer wirken würden als “gewöhnliche” Phytotherapie.
Ganzheitlicher und tiefer tönt natürlich immer gut, doch mir scheint, dass wir es hier mit typischen Worthülsen zu tun haben.
Ich fragte nach, wie genau denn die Spagyrik ganzheitlicher wirke. Die Antwort war, dass sie eben gleichzeitig auf Geist, Seele und Körper wirke. Ich fragte nach, wie denn genau die Wirkung auf den Geist sei und bekam sehr verworrene Antworten wie “heilend” und “harmonisierend”.
Wenn ich spagyrische Mittel einnehmen würde und diese Aussagen ernstnähme, wäre ich sehr beunruhigt. Hier wird eine Wirkung auf meinen Geist behauptet, aber niemand weiss offenbar, was genau das Mittel dort auslöst. Es scheint so, als ob das Mittel von selber wüsste, was es in meinem Geist tun soll, und diesen “Job” selbständig erledigt. Na bravo, das ist ja sehr effizient. Weder der Patient noch die behandelnde Person müssen sich da noch gross anstrengen, geschweige denn sich mit dem “Geist” auseinandersetzen.
Ich habe dann noch nachgefragt, wie genau die Wirkung der Spagyrik auf der seelischen Ebene zustande komme, und wieder nur ausgesprochen vage Antworten bekommen. Hier muss man sich als TherapeutIn offenbar nicht ernsthaft mit der Psyche des behandelten Menschen auseinandersetzen oder gar eine psychotherapeutische Ausbildung haben – und trotzdem kann man “tief” in die Seele einwirken.
Auch hier hatte ich den Eindruck: Wenn all diese tiefen seelischen Wirkungen real wären, aber niemand eine genauere Ahnung davon hat, was da genau passiert in der Psyche, dann wäre das höchst problematisch. Vergleichbar schiene mir das mit einer Operation durch einen blinden Chirurgen – ein kriminelles Vorgehen!
Keine Angst vor Schäden, Risiken und Nebenwirkungen in der Psyche? Oder kann man da gar nie etwas falsch machen? Das wäre dann wirklich wunderbar.
Aber ich will nicht dramatisieren: Für mich deutet nichts darauf hin, dass Spagyrik in dieser Art auf Geist und Psyche wirkt. Wer aber an solche Effekte glaubt, muss sich auch fragen lassen, was er da genau in Geist und Seele auslöst. In diesen Bereichen kann man doch nicht so einfach herumfuhrwerken. Auch stellt sich die Frage, wie denn individuell auf Geist und Psyche der behandelten Person eingegangen wird, wenn doch die Vorstellungen derart vage und nebulös bleiben. Für die Naturheilkunde ist es ja ein oft postuliertes Anliegen, den Menschen individuell zu behandeln. Hier aber – ohne fundiertes Wissen über Psyche und Geist der behandelten Person, kann die Therapie ja nur ausgesprochen pauschal ausfallen.

Ich habe dann darauf verzichtet, meinen Spagyrik-Vertreter noch zu fragen, wie genau die “tiefe” Wirkung zustande kommt oder was genau er damit meint. Aber “tief” ist auch so ein Allerweltswort, das immer gut tönt und noch gar nichts aussagt.

Fragen Sie hartnäckig nach, wenn ihnen solche Worte serviert werden – in der Naturheilkunde, in der Pflanzenheilkunde, oder auch sonst im Alltag.
Nichts konkretes aussagen, kein Inhalt, aber eine wohltönende Hülle. Das ist meines Erachtens Manipulation pur.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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