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Studie: 28 000 Pflanzenarten mit Heilkraft für Menschen

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Über 28 000 Pflanzenarten besitzen laut einer umfangreichen Untersuchung Heilkraft für den Menschen – doch nur ein Bruchteil von ihnen ist in der medizinischen Forschung bekannt.

In seinem aktuellen Jahresbericht bilanziert das britische Zentrum für botanische Forschung, Kew Gardens, dass nur 16 Prozent der Heilpflanzen in anerkannten medizinischen Publikationen Erwähnung finden.

Dabei kommt der Bericht zum Schluss, dass Heilpflanzen ein „riesiges Potenzial“ bei der Bekämpfung von Krankheiten wie Diabetes und Malaria hätten. Die beiden Pflanzenstoffe Artemisinin und Chinin zählten beispielsweise „zu den wichtigsten Waffen“ gegen die Infektionskrankheit Malaria, an der 2015 mehr als 400 000 Menschen starben.

An der Studie „State of the World’s Plants“ beteiligten sich 128 Forscher aus zwölf Ländern. Aufgeführt werden darin etwa 1 730 Neuentdeckungen seit dem Vorjahr. Dazu gehören neun Arten einer Kletterpflanze namens Mucuna, die bei der Behandlung von Parkinson angewendet werden.

 

Quelle:

http://science.orf.at/stories/2844019/

http://www.kew.org/science/who-we-are-and-what-we-do/strategic-outputs-2020/state-of-the-worlds-plants

https://stateoftheworldsplants.com/2017/report/SOTWP_2017_4_material.pdf

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Studie untersucht unter anderem, in welchen Pflanzenfamilien am meisten Heilpflanzen vorkommen. Zweifellos existiert ein grosses Potenzial an unerforschten Heilpflanzen und es ist sehr zu begrüssen, wenn die Botanik sich hier um eine systematische Erfassung bemüht. Allerdings handelt es sich dabei um einen weitgehend theoretischen Überblick zu potenziellen Heilpflanzen. Bis eine Heilpflanze tatsächlich therapeutisch bei kranken Menschen eingesetzt werden kann, braucht es oft noch sehr viel Forschung.

Auch ist nicht alles, was da entdeckt worden ist, vollkommen neu. Das zeigt der Hinweis auf die „neun Arten einer Kletterpflanze namens Mucuna, die bei der Behandlung von Parkinson angewendet werden.“

Die Samen von Mucuna pruriens, der Juckbohne, werden wegen ihres Gehalts an L-Dopa schon seit längerem bei Parkinson-Patienten eingesetzt und dazu auch industriell verarbeitet.

In der Parkinson-Behandlung wird L-Dopa schon seit vielen Jahren zur Linderung der Symptome angewendet.

Der Wirkstoff hat eine kleine therapeutische Breite. Wirksame und giftige Dosierung liegen also nahe beieinander. Starke Schwankungen im Wirkstoffgehalt, wie sie in Pflanzen vorkommen können, können daher Risiken mit sich bringen und für die Anwendung der klar dosierbaren, isolierten Einzelsubstanz sprechen.

Siehe auch:

Hilft Juckbohne (Mucuna Pruriens) bei Parkinson?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Bullshit zu Aromapflege und Aromatherapie

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Bullshit redet, wer wohlklingende Worte äussert, die nichts aussagen. Ein Beispiel für solchen Bullshit sind meines Erachtens folgende Sätze über Aromapflege und Aromatherapie:

„Aromapflege und Aromatherapie folgen den Prinzipien der Naturheilkunde. Sie wollen die Lebenskraft und Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken. Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht. Sie bewirken eine seelische Umstimmung, regulieren aus der Balance Geratenes und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden. Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“

Quelle:

http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/i-o/komplementaermedizin/?full=50130

Kommentar und Ergänzung:

Hier werden wohlklingende Begriffe aneinandergereiht, die kaum irgendwelche konkreten Inhalte haben.

⇒ Die „Prinzipien der Naturheilkunde“ sind nicht so klar definiert, wie das hier aussieht. Der Autor müsste konkrete Beispiele bringen um zu illustrieren, was genau er damit meint. Aber wenn man konkret wird, stösst man schnell an Grenzen oder verwickelt sich in Widersprüche. Bleibt man schön im wohlklingenden Allgemeinen, lässt sich diese Schwierigkeit vermeiden.

„Lebenskraft“ ist ein schillernder Begriff, der spontan oft klar und einleuchtend klingt, aber sofort schwierig wird, wenn man genau erklären soll, was damit gemeint ist.

Wikipedia schreibt dazu:

„Der Begriff Lebenskraft war in seiner Entstehungszeit sehr populär und wurde oft auch wenig spezifisch gebraucht, als weit verbreiteter Platzhalterbegriff für unverstandene körperliche Vorgänge……

Die Vorstellung einer Lebenskraft wurde als Gesundheits- und Krankheitskonzeption von Christoph Wilhelm Hufeland Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts differenziert beschrieben…..

Hufeland sah als Grundursache aller Lebensvorgänge und als Selbsterhaltungsprinzip des Organismus eine allgemeine Lebenskraft mit weiteren Teilkräften:

  • eine erhaltende Kraft,
  • eine regenerierende und neubildende Kraft,
  • eine besondere Lebenskraft des Blutes,
  • eine Nervenkraft,
  • eine Kraft, die eine allgemeine Reizfähigkeit des Körpers bewirke, sowie
  • eine Kraft, die eine spezifische Reizfähigkeit des Körpers bewirke.

Krankheit sei eine Beeinträchtigung der Lebenskraft beziehungsweise der Lebenskräfte durch krankmachende Reize. Sichtbare Zeichen der Krankheit seien Heilreaktionen der Lebenskraft auf solche Krankheitsreize. Die Heilkraft der Natur (vis medicatrix naturae) und die Lebenskraft seien wesensgleich, wenn nicht identisch. Jedes therapeutische Handeln des Arztes wie auch jede Selbstbehandlung durch den Patienten solle die individuelle Lebenskraft unterstützen. Insgesamt habe sich das ärztliche Handeln am Prinzip des contraria contrariis zu orientieren. Dabei empfahl Hufeland neben der vorsichtigen Anwendung von Medikamenten die Beachtung diätetischer Regeln und physikalische Therapien (zum Beispiel als Wasseranwendungen).

Auf Hufelands Konzept gehen Impulse für die Entwicklung der Naturheilkunde im 19. Jahrhundert zurück.“

⇒  Die „Selbstheilungskräfte des Menschen wecken und stärken“ tönt auch immer gut. Die Selbstheilung des Menschen ist faszinierend. Daran wirken aber tausende von Vorgängen im Organismus mit, die sich je nach Krankheit beträchtlich unterscheiden können. Die Selbstheilungskräfte als feststehende Grösse wird es daher kaum geben. Auch hier wären detaillierte Angaben vorzuziehen. Welche Prozesse beeinflusst das ätherische Öl genau und wie? Aber auch hier gilt: Sobald man genaue Aussagen macht, können diese auch in Frage gestellt, kritisiert und widerlegt werden. „Die Selbstheilungskräfte“ dagegen bieten keine Angriffsfläche für konkrete Einwände.

 „Die ätherischen Öle haben tiefe Wirkungen auf unser psychisches Gleichgewicht.“ – „Tief“ tönt immer gut. Aber was heisst „tief“ genau in diesem Zusammenhang? Eingreifend? Tief eingreifend in die Psyche? Könnte das, wenn es stimmt, nicht gefährlich werden? Oder ist nur immer und ausschliesslich eine positive Wirkung zu erwarten im Sinne einer Förderung des Gleichgewichts. Ist das nicht etwas gar viel Wunschdenken?

 „Sie bewirken eine seelische Umstimmung…“  Wenn das stimmt, kann das nicht auch schiefgehen? Oder muss ich mir das einfach immer positiv vorstellen? In Sinne von: Das ätherische Öl weiss schon, was es machen muss? Ist das nicht allzu schön um plausibel zu sein?

„…regulieren aus der Balance Geratenes…“ Da haben wir sie wieder, die umfassende Regulation. Damit kann man nie schiefliegen.

 „…und entziehen einer Krankheit den eigentlichen Nährboden.“    Das ist eine sehr weitreichende Versprechung. Wie machen die ätherischen Öle das und was sollen wir verstehen unter dem „eigentlichen Nährboden“ einer Krankheit: Auch hier: Wer nicht konkret wird, versteckt sich vor möglichen konkreten Einwänden.

„Sie wirken gleichermaßen auf den Körper und die Seele, also im ganzheitlichen Sinne.“ Das tönt immer gut, sagt aber auch nichts Konkretes aus.

Diese Kritik richtet sich nicht generell gegen Aromatherapie und Aromapflege. Ätherische Öle sind im vielen Bereichen interessante und wirksame Heilmittel. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass ich in Texten über Aromatherapie und Aromapflege auf derartigen Worthülsen treffe.

Das ist meines Erachtens immer ein Anlass für genaues, kritisches Nachfragen, auch wenn es um andere Bereiche als Aromapflege und Aromatherapie geht – zum Beispiel um Texte in der Pflanzenheilkunde.

Vorgänge und Begriffe möglichst genau zu beschreiben ist eine Grundvoraussetzung guter Kommunikation und fachlicher Auseinandersetzung. Mit schwammigen Begriffen wie sie das oben aufgeführte Zitat enthält, redet man weitgehend aneinander vorbei. Das gilt auch für Vorträge, Kurse und Ausbildungen. Haken Sie nach, wenn Sie in Lehrveranstaltungen mit wohlklingenden, aber schwammigen Begriffen „gefüttert“ werden.

Wer leere Worthülsen einfach schluckt, weil sie so gut tönend daherkommen, lässt sich einlullen oder lullt sich selber ein. Wer dagegen genau nachfragt, klärt die Begriffe so weit es geht und bekommt dadurch einen stabileren Stand in der Welt.

Der amerikanische Philosoph Harry G. Frankfurt hat übrigens ein lesenswertes Büchlein geschrieben mit dem Titel „Bullshit“ (Suhrkamp Verlag).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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www.phytotherapie-seminare.ch

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Heilpflanze des Jahres 2017: Das Gänseblümchen

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Das Gänseblümchen (Bellis perennis) ist zur Heilpflanze des Jahres 2017 gewählt worden. Fast jeder kenne das Spiel „Liebt mich – liebt mich nicht“ mit dessen Blättern, doch über die Heilwirkungen der heimischen Blume sei wenig bekannt, schreibt der Naturheilverein NHV Theophrastus. Der Verein will aus diesem Grund stärker über die Heilkraft der Gänseblümchen informieren.

Eine Prise Gänseblümchen im Tee habe sich besonders in der Kinderheilkunde bewährt schreibt der NHV Theophrastus. Das helfe bei Schwächezuständen, Erkältung und Durchfall, heisst es in der Pressemitteilung. Zudem werde das Gänseblümchen bei Hautausschlägen, Verletzungen und als Hustenmittel genutzt.

Die Wahl zur „Heilpflanze des Jahres“ wird jeweils vom Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, durchgeführt.

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/pharmazie/nachricht-detail-pharmazie/gaensebluemchen-ist-heilpflanze-2017-heilwirkung-naturheilverein-erkaeltung-hustenmittel/

 

Kommentar & Ergänzung:

Nichts gegen das Gänseblümchen! Gar nichts!

Aber die Angaben zu den Anwendungsbereichen des Gänseblümchens als Heilpflanze sind in diesem Pressetext schwach.

Über allfällige Wirkungen des Gänseblümchens als Heilpflanze gibt es so gut wie gar keine gesicherten Erkenntnisse. Es fehlen experimentelle Untersuchungen und gut dokumentierte Erfahrungsberichte. Klinische Studien mit Patienten existieren erst recht keine. Einzig Angaben zu den Inhaltsstoffen sind zu finden. Danach enthalten die Blütenköpfchen zirka 2,7 % Saponine und etwas Flavonoide.

Keine gute Ausgangslage, wenn man das Gänseblümchen als Heilpflanze des Jahres 2017 präsentieren will.

Nun – man könnte die schwache Datenlage darlegen und für mehr Aufmerksamkeit für das Gänseblümchen und für mehr Forschung plädieren.

Oder man kann aus irgendwelchen Kräuterbüchern oder aus dem Internet Angaben zu den Anwendungsbereichen des Gänseblümchens zusammentragen und ungeprüft übernehmen. Das sieht dann zwar auf den ersten Blick besser aus, lässt aber eine fundierte Auseinandersetzung vermissen. Die Angaben zu Wirkungen und Anwendungsbereichen des Gänseblümchens im Pressetext des NHV Theophrastus machen den Eindruck, dass sie auf derart willkürliche Weise entstanden sind.

Der Gehalt an Saponinen lässt allenfalls die Anwendung als schleimlösendes Mittel bei produktivem Husten plausibel erscheinen. Eine Empfehlung als „Hustenmittel“ ist aber auf jeden Fall zu ungenau.

Und wenn Gänseblümchen in der Kinderheilkunde bei „Schwächezuständen“ helfen soll, dann stellt sich zuerst die Frage nach den Ursachen der zu behandelnden Schwächezustände. Denn Gänseblümchen – sollte es wirklich helfen – wird das ja wohl nicht in jedem Fall und unabhängig von der jeweiligen Ursache tun.

Und „Erkältungen“ als Indikation, das wirft ebenfalls Fragen auf:

Welche Art von Erkältung? Was genau soll das Gänseblümchen da bewirken?

Eine Wirksamkeit gegen „Durchfall“ ist sehr unwahrscheinlich, dazu müsste das Gänseblümchen Gerbstoffe in relevanten Mengen enthalten, was nicht der Fall ist.

Auch „Hautausschläge“ ist als Anwendungsbereich viel zu verschwommen, weil damit ganz unterschiedlich verursachte Erkrankungen bezeichnet werden können.

Kurz gesagt: Ich vermisse im Text des NHV Theophrastus kritische Auseinandersetzung und sorgfältige Urteilsbildung.

Siehe dazu auch:

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

P.S.:

Sehr viel fundierter begründet jeweils der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg seine Wahl der „Arzneipflanze des Jahres“.

Siehe dazu: Welterbe Klostermedizin / Arzneipflanze des Jahres

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Der Gewöhnliche Teufelsabbiss (Succisa pratensis) ist die Blume des Jahres 2015

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Die Loki Schmidt Stiftung hat den Gewöhnlichen Teufelsabbiss (Succisa pratensis) zur Blume des Jahres 2015 gewählt (Pflanzenfoto auf Wikipedia).

Mit der „Blume des Jahres“ macht die Loki Schmidt Stiftung jeweils auch auf einen bedrohten Lebensraum hin.

Beim Teufelsabbiss sind das magere und offene Feuchtwiesen, Moore und Heiden.

Das Rhizom ( = Wurzelstock) des Gewöhnlichen Teufelsabbisses wird bis zu 50 cm tief und stirbt im Herbst von unten ab. Der Teufel soll die Wurzel jeweils von unten abbeissen, aus Zorn über ihre Heilkraft, sagt ein alter Volksglaube.

Quelle:

http://www.loki-schmidt-stiftung.de/downloads/blumen_des_jahres_pdfs/Blume_des_Jahres_2015.pdf

 

Kommentar & Ergänzung:

Teufelsabbiss enthält Saponine, Bitterstoffe, Gerbstoffe, Stärke und Saccharose. Die Pflanze wurde in der traditionellen Volksheilkunde eingesetzt zur „Blutreinigung“, als Diuretikum, gegen Husten, Heiserkeit, Lungenerkrankungen, als Anthelmintikum (wurmwidriges Mittel), äusserlich bei Hauterkrankungen, Ekzemen, Geschwüren und Quetschungen.

Wie viele andere Pflanzen auch, wurde Teufelsabbiss früher gegen Pest empfohlen. Aber schon Tolstoi hat geschrieben: Wenn gegen eine Krankheit viele verschiedene Heilmittel empfohlen werden ist das ein Zeichen, dass sie unheilbar ist. Mit anderen Worten: Gegen Pest hat man früher in grosser Not einfach fast alles probiert, was greifbar war.

Keine dieser Indikationen ist aber bisher geklärt worden, so dass der Teufelsabbiss heute in der Phytotherapie nicht mehr zur Anwendung kommt.

Zum Anschauen in der Natur ist die Pflanze allerdings ausgesprochen hübsch, aber nicht häufig anzutreffen. Wenn Sie mehr Wildpflanzen und Heilkräuter in der Natur kennenlernen möchten, dann schauen Sie sich mal mein Programm 2015 für die Kräuterwanderungen an.

Botanisch gehört der Teufelsabbiss zur Pflanzenfamilie der Kardengewächse (Dipsacoideae), zu der auch die Witwenblumen, die Skabiosen und die Karden zählen.

Teufelsabbiss blüht erst spät im Jahr (Juli bis September) und wird von Bienen, Schmetterlingen und Fliegen bestäubt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Weshalb heisst „Waldmeister“ Waldmeister…..

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DRWissen erklärt heute die Bedeutung des Namens Waldmeister (Galium odoratum):

„Der Name ‚Waldmeister’ existiert seit dem 15. Jahrhundert und entstand aus dem Frühneuhochdeutschen ‚Waltmeister’ – mit ‚t’ -, das vermutlich eine Umformung des Wortes ‚Waldmiere’ ist. Mieren sind eine Pflanzengattung der Nelkengewächse. Und der ‚Waldmeister’ wie wir ihn kennen gehört zu dieser Gattung.

Der Waldmeister als Heilpflanze wirkt gefäßerweiternd, entzündungshemmend und krampflösend – deshalb wird ihm eine ‚meisterhafte Heilkraft’ zugeschrieben. Im Französischen nennt man ihn nicht umsonst ‚reine des bois’, die ‚Königin der Wälder’.“

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=249498

Kommentar & Ergänzung:

Für die Bedeutung der Pflanzennamen gibt es oft mehrere widersprüchliche Erklärungen. Waldmeister war wohl zuerst ein Heilkraut, dann eine Bierwürze-Pflanze. Die Verwendung als Beigabe zur Maibowle ist verhältnismässig jung (19. Jahrhundert).

Die Bezeichnung „Meister“ wird bei dieser Pflanze in den Wörterbücher der Pflanzennamen auch in Bezug gesetzt zu „magister“ in der Bedeutung von „Arzt“.

„Waldmeister“ könne auch umgedeutet sein aus „Waldmeier“. „Meier“ als Bezeichnung mehrerer Asperula—Arten sei eine Form des Pflanzennamens „Miere“.  So steht’s in Friedhelm Sauerhoff’s „Etymologisches Wörterbuch der Pflanzennamen“.

Das deckt sich etwa mit den Angaben von DRWissen.

Nur eines stimmt absolut nicht:

Waldmeister ist kein Nelkengewächs und gehört nicht zu den Mieren, sondern zur Gattung Labkraut (Galium) und die gehört zur Familie der Rötegewächse (Rubiaceae).

Soviel zur Botanik. Heinomol.

Waldmeister setzt beim Welken Cumarin frei, das für den charakteristischen Duft verantwortlich ist (Heuduft ist auch Cumarin). Die Pflanze hat heute in der Phytotherapie keinen zentralen Platz mehr.

Ähnlich wie die Cumarin-Pflanze Steinklee (Honigklee, Melilotus officinalis) wurde sie zeitweise als Heilpflanze gegen venöse Ödeme eingesetzt. Da Cumarin auf längere Sicht genommen nicht ganz unproblematisch ist, werden diese Pflanzen heute wohl sinnvollerweise durch Buchweizenkraut ersetzt.

Am besten dokumentiert bezüglich Wirksamkeit bei Venenbeschwerden sind aber Rosskastanien-Extrakte (innerlich).

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Wildkräuterküche: Wiesen-Labkraut

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Unter dem Titel „Fünf Köstlichkeiten aus der Natur“ berichtet der Südkurier unter anderem über die Verwendung des Wiesen-Labkrauts in der Wildkräuterküche und in der Pflanzenheilkunde:

„Wiesen-Labkraut: Enthält wie Waldmeister Cumarine in geringen Mengen. In der Naturheilkunde wird das Kraut zur Entschlackung über die Lymphe verwendet und hat den Ruf, die Lebensgeister zu wecken. Aus den Blüten lässt sich Sirup und Gelee machen, junge Blätter sind ein leckerer Basilikum-Ersatz auf dem Tomatensalat. Fast das ganze Jahr kann man Blätter und zarte Stängel in der Küche verwenden.“

Quelle:

http://www.suedkurier.de/nachrichten/baden-wuerttemberg/aktuelles/baden-wuerttemberg/info/Fuenf-Koestlichkeiten-aus-der-Natur;art992911,5653809

Kommentar & Ergänzung:

Das Wiesen-Labkraut (Galium mollugo) gehört zur Familie der Rötegewächse (Rubiaceae). Die Wurzeln des Wiesen-Labkrauts wurden früher zur Herstellung von roter Farbe für Textilien verwendet, ähnlich wie die Wurzeln des Färberkrapps.

Die Pflanzen der Gattung Labkraut enthalten das Labferment, das auch im Kälbermagen vorkommt und zur Käseherstellung verwendet wird.

Betreffend Heilwirkungen ist beim Wiesen-Labkraut so gut wie gar nichts geklärt. Die Verwendung als „Kraut zur Entschlackung“ ist fragwürdig, weil „Entschlackung“ schon grundsätzlich ein fragwürdiger Begriff ist.

Siehe dazu:

Mit Heilfasten und Entschlackungskuren ins neue Jahr

„Schlackenstoffe“ – ein Phantom macht Karriere

Entgiften und Entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

Maria Treben zum Labkrauttee….

Sehr hoch geschätzt wurden die Labkraut-Arten von Maria Treben, wobei sie bezüglich Heilkraft und Anwendungsbereichen keinen Unterschied machte zwischen Wiesen-Labkraut, Echtem Labkraut (Galium verum) und Kletten-Labkraut (Galium aparine).

Maria Treben empfahl Labkrauttee zur Reinigung von Niere, Leber, Bauchspeicheldrüse und Milz von Krankheitsstoffen, bei Störungen des Lymphdrüsensystems, gegen Bleichsucht, Wassersucht, Seitenstechen, Hautkrankheiten, Wunden, Furunkel und Mitesser, zur Straffung welker Gesichtshaut, bei Epilepsie, Hysterie, Veitstanz, Nervenleiden, Urinverhaltung, Griessbeschwerden und Steinbeschwerden, gegen Kropfleiden, Schilddrüsenerkrankungen und Stimmbänderlähmung.

Labkrauttee soll bei schwersten Nierenleiden und Nierenvereiterung helfen, bei Gebärmutterbeschwerden, Nierenschrumpfung, Zungenkrebs und krabsartigen Geschwüren jeder Art.

Für diese Heilungsversprechungen existieren keinerlei auch nur einigermassen überzeugende Belege. Diese Aufzählung zeigt nur, wie absolut unkritisch und fahrlässig Maria Treben Anekdoten und Heilungsgeschichten weiter verbreitete.

Es handelt sich hier um Indikationslyrik.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Indikationslyrik unter die Lupe nehmen

Zu Maria Treben:

Wie verlässlich sind die Ratschläge von Maria Treben?

Leider kommen grossartige Versprechungen bei vielen Leserinnen und Lesern der Schriften Maria Trebens besonders gut an. Was dringend nötig wäre: Mehr kritisches Denken, weniger blinde Gläubigkeit.

Siehe auch:

Pflanzenheilkunde: Kritische Reflexion statt Missionarismus

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Komplementärmedizin: Mehr Argumente, weniger fraglose Gläubigkeit

Naturheilkunde – kritische Fragen unerwünscht?

Mehr Kontroverse in Komplementärmedizin, Naturheilkunde, Pflanzenheilkunde

Komplementärmedizin, Naturheilkunde, Pflanzenheilkunde – nachfragen statt blind glauben

Naturheilkunde: Selber denken statt blind glauben

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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Wie verlässlich sind die Ratschläge von Maria Treben?

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Diese Frage ist mir neulich wieder einmal bei einem Vortrag gestellt worden.

Wer war Maria Treben?

Maria Treben (1907- 1991) war eine Kräuterbuchautorin aus Grieskirchen (Österreich). Ihr Buch Gesundheit aus der Apotheke Gottes wurde in mehr als 20 Sprachen herausgegeben, erreichte eine Gesamtauflage von über acht Millionen Exemplaren und war damit ein Grosserfolg.

Man kann Maria Treben zugute halten, dass sie viel zur Renaissance der Kräuterheilkunde beigetragen hat.

Ihr Ratschläge sind aber von einer Grenzenlosigkeit, die an Allmachtsphantasien grenzt. Mit ihren Kräutern heilt Maria Treben einfach alles – und das ohne Misserfolge, wenn man ihren Darstellungen glauben will. Das ist eine völlig unrealistische Betrachtungsweise, die aber offenbar den Bedürfnissen breiter Bevölkerungskreisen nach Wunderheilmittel entgegenkommt.

Wie schön wäre es doch, wenn Schwedenkräuter, Ringelblumen & Co uns alle Krankheiten abnehmen könnten.

Das geht bei Maria Treben sehr schnell. Ein unheilbares Darmkrebsleiden bei einer jungen Mutter von fünf Kindern – „der Arzt gab ihr noch einige Tage“ – Umschläge mit Schwedenkräutern „auf die erkrankten Darmstellen“ und innerlich „Kalmuswurzeln, die man über Nacht ansetzt“, zusammen mit „blutreinigendem Tee von Ringelblumen, Schafgarben und Brennnesseln“ – und siehe da: „Heute geht es der Frau so gut, dass mit einer völligen Heilung gerechnet werden kann“.

Ganz abgesehen davon, dass in der Phytotherapie-Fachliteratur jeder Hinweis auf eine Antikrebswirkung dieser Kräuterkur fehlt:

Ärzte können sich täuschen in ihrer Prognose. Wenn die Darmkrebs-Patientin aber wirklich nur noch wenige Tage zu leben hatte, dann ist es äusserst unwahrscheinlich, dass sich ein Tumor im Endstadium mit allen damit verbundenen Schäden und allfälligen Metastasen einfach so mit ein paar „blutreinigenden“ Kräutern in Luft auflöst. Es gibt zwar auch in der Onkologie unerklärbare Spontanremissionen, bei denen sich ein Krebs ohne erkennbare Ursache zurückbildet. Solche Fälle sind aber erstens sehr selten und sie betreffen wohl kaum Tumore im Endstadium.

Die Wunderheilung bei Darmkrebs, die Maria Treben schildert, müsste also ein äusserst seltenes Ereignis sein – wie es halt für Wunder charakteristisch ist – sofern man dieses Wort hier verwenden will.

Die Schriften von Maria Treben sind aber voll von solchen angeblichen Wundern. Nierenkrebs, Hirntumor, Knochenkrebs Leukämie – alles kein Problem, selbst wenn Metastasen vorhanden sind.

Wunder am laufenden Band und quasi mit Erfolgsgarantie – das muss einfach stutzig machen. Woran sterben wir denn eigentlich, wenn alle die Ratschläge der Maria Treben beherzigen?

War die Frau eine Betrügerin? Das kommt darauf an, wie man Betrug definiert. Meinem Eindruck nach hat sie an sich und an die Heilkraft ihrer Kräuterrezepte geglaubt.

Aus ihren Schriften spricht eher eine Verblendung, die Misserfolge und Grenzen nicht mehr wahrnehmen kann.

Sie sah sich als „Apothekerin Gottes“, bekam angeblich Weisungen von der Jungfrau Maria und war überzeugt, dass sich mit Kräutern jede Krankheit heilen lässt.

Wer so felsenfest an seine Wahrheit glaubt, wird immun gegen das Realisieren von Misserfolgen und Grenzen.

Die Empfehlung von Ringelblumentee bei Leukämie von Kindern hat nach Recherchen der Zeitschrift Stern – meiner Erinnerung nach war das in den 80er-Jahren – einigen Kindern das Leben gekostet. Mit diesen Misserfolgen konfrontiert, schob die Kräuterfrau die Verantwortung auf die Eltern ab, welche den Tee nicht vorschriftsgemäss verabreicht hätten. So einfach kann man es sich machen, wenn man Misserfolge nicht an sich heranlassen will oder kann.

Diese schlimmen Verläufe kommen jedenfalls in den Schriften der Maria Treben nicht vor.

Auch die Stiftung Warentest kommentiert die Empfehlungen von Maria Treben kritisch und weißt auf Fehler hin:

„Die Stiftung Warentest äußert erhebliche Zweifel an der Sachkundigkeit Maria Trebens und weist auf mehrere Fehler in ihren Büchern hin. Sie empfehle Pflanzen zur Behandlung schwerer Krankheiten bis hin zu Krebs, deren Wirksamkeit für diese Pflanzen überhaupt nicht nachgewiesen ist. Teilweise verwechselt Treben wichtige Fachbegriffe; beispielsweise verwechselt sie unter anderem den Zucker Inulin mit dem Hormon Insulin und empfiehlt daher fälschlich Löwenzahn gegen Diabetes mellitus. „Ihr Schöllkraut-Rezept gegen Leber- und Gallenleiden ist eine Anleitung zur Vergiftung. Der Ratschlag, Ohnmächtigen einen Eßlöffel Schwedenbitter einzuflößen, ist lebensgefährlich.“

(Quelle: Wikipedia)

Und in einer Broschüre des Tumorzentrums der Universität Freiburg über Alternative Krebstherapien heisst es, gefährlich sei „die Grundtendenz, alle Krankheiten als mit Kräutern heilbar darzustellen. Treben behauptet, mit Hinweis auf Sebastian Kneipp, dass ‚das Zinnkraut jeden gut- oder bösartigen Tumor zum Stillstand bringt und ihn langsam auflöst’. Weitere ‚Wundermittel’ sind Schwedenkräuter intern oder als Umschlag, Spitz- oder Breitwegerichbrei, Ringelblumensalbe und vieles anderes. Gegenüber den ‚Ratschlägen und Erfahrungen mit Heilkräutern’ der Maria Treben ist Skepsis und Zurückhaltung geboten. Einer vernünftigen zusätzlichen Anwendung solcher Präparate ist nichts entgegenzuhalten, zum Beispiel dem Einreiben einer Operationsnarbe nach Mastektomie mit Ringelblumensalbe. Gefährlich sind Ratschläge, primär gut operable, und damit heilbare Tumoren zuerst versuchsweise mit Kräutern zu behandeln, z. B. Hodenkrebs mit Spitzwegerichumschlägen. Damit geht bei diesem heute heilbaren Tumor viel Zeit und möglicherweise die Heilungschance verloren. Alle diese Medikamente sind in ihrer Wirksamkeit gegen Krebs unbewiesen. Nicht alle der empfohlenen Pflanzen sind harmlos, beinhaltet doch die ‚Apotheke Gottes’ auch viele bekannte Giftpflanzen der Natur.“

Quelle: http://www.uniklinik-freiburg.de/tumorzentrum/live/Patienten-Info/Broschueren/komplementaere_verfahren_pat2006.pdf

Seriöse Heilpflanzen-Bücher finden Sie im Buchshop:

Phytotherapie-Fachbücher für Fachleute aus Gesundheitsberufen.

Heilpflanzen-Bücher für Interessierte ohne medizinische Grundkenntnisse.

Und falls Sie sich selber kundig machen möchten im diesem Bereich, dann schauen Sie sich mal die Phytotherapie-Ausbildung oder das Heilpflanzen-Seminar an.

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Papst erhebt Hildegard von Bingen zur Kirchenlehrerin

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Anlässlich der Eröffnungsmesse einer Synode mit über 250 Bischöfen aus aller Welt erhebt Papst Benedikt XVI. gestern die Heilige Hildegard von Bingen zur Kirchenlehrerin. Der im 12. Jahrhundert in Bingen und Rüdesheim am Rhein wirkenden Nonne und Medizinerin wird damit die Stellung einer bedeutenden Theologin in der katholischen Kirche verliehen. Hildegard von Bingen wird die vierte Frau unter den mehr als 30 Kirchenlehrern sein.

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/papst-ehrt-heilige-hildegard-bingen-064521927.html

Kommentar & Ergänzung:

Hildegard von Bingen (1098 – 1179) ist eine faszinierende Frauengestalt aus dem Mittelalter. Sie ist nicht nur für die Theologie, sondern auch für die Naturheilkunde von grosser Bedeutung.

Zur Bedeutung Hildegards von Bingen in der Medizin:

„ Bekannt ist, dass Hildegard in den 1150er Jahren auch medizinische Abhandlungen verfasste. Im Gegensatz zu den religiösen Schriften sind hier jedoch keine zeitnahen Nachweise erhalten. Alle zitierten Texte stammen aus späteren Zeiten (13. bis 15. Jahrhundert). In diesem Zeitraum gab es Abschriften, Ergänzungen und Umschreibungen. Heute sind 13 Schriften bekannt, die Hildegard als Verfasserin angeben, wobei deren Identität mit der Äbtissin angezweifelt wird. Der Begriff Hildegard-Medizin wurde als Marketingbegriff erst im 20. Jahrhundert eingeführt.

Interessant für Biologie und Medizin sind ihre Abhandlungen über Pflanzen und Krankheiten. Nach 1150 verfasste Hildegard mit Causae et Curae (Ursachen und Heilungen) ein Buch über die Entstehung und Behandlung von verschiedenen Krankheiten. Das zweite der naturkundlichen Werke heißt Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum, was auf Deutsch so viel bedeutet wie „Buch über das innere Wesen (Beschaffenheit und Heilkraft) der verschiedenen Kreaturen und Pflanzen“, weshalb Hildegard heute teilweise als erste deutsche Ärztin bezeichnet wird. Diese naturkundlichen Werke zählen u. a. zu den Standardwerken der mehr esoterisch orientierten Naturheilkunde. Zu ihrer Zeit waren Ärzte Klostermediziner und angebliche Wunderheiler; es gab kein wissenschaftliches Medizinstudium. Die Leistung Hildegards liegt unter anderem darin, dass sie das damalige Wissen über Krankheiten und Pflanzen aus der griechisch-lateinischen Tradition mit dem der Volksmedizin zusammenbrachte und erstmals die volkstümlichen Pflanzennamen nutzte. Sie entwickelte vor allem aber eigene Ansichten über die Entstehung von Krankheiten, Körperlichkeit und Sexualität (in der Scivias befindet sich vermutlich die erste Beschreibung eines Orgasmus aus weiblicher Sicht), weiterhin verurteilt sie jegliche sexuellen Handlungen, die nach damaligem theologischen Verständnis gegen die göttliche Schöpfungsordnung verstoßen. Dazu gehören männliche und weibliche Homosexualität, heterosexueller Analverkehr, Selbstbefriedigung und Sex mit Tieren etc. Eigene medizinische Verfahren entwickelte sie nicht, sondern trug lediglich bereits bekannte Behandlungsmethoden aus verschiedenen Quellen zusammen. Auch Edelsteine und Metalle bezog sie in ihre Behandlungsempfehlungen ein.

Der Gedanke der Einheit und Ganzheit ist auch ein Schlüssel zu Hildegards natur- und heilkundlichen Schriften. Diese sind ganz davon geprägt, dass Heil und Heilung des kranken Menschen allein von der Hinwendung zum Glauben, der allein gute Werke und eine maßvolle Lebens-Ordnung hervorbringt, ausgehen kann.“

Quelle: Wikipedia

Hildegard-Medizin

Das medizinische Werk Hildegards von Bingen boomt seit einigen Jahren und wird intensiv propagiert und vermarktet. Im Internet findet man zum Beispiel hunderte von Hildegard-Tees, obwohl Kräutertee bei Hildegard offenbar gar keine bedeutende Arzneiform war und die Äbtissin Kräuter vor allem in Wein abgekocht haben soll (Quelle: http://www.welt.de/gesundheit/article13486247/Richtig-gluecklich-und-entspannt-nach-dem-Aderlass.html).

Aber so ein Hildegard Energietee zum Beispiel  muss ja der Mega-Hammer sein…!

In den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts entstand die sogenannte Hildegardmedizin, die allerdings mit Hildegard nur sehr begrenzt etwas zu tun hat. Der Ausdruck Hildegard-Medizin wurde 1970 von dem Arzt Gottfried Hertzka eingeführt, der sich auf Schriften von Hildegard von Bingen beruft und daraus ein eigenes Konstrukt entwickelte. Dabei fehlte aber die notwendige historische Verarbeitung der Schriften. Hildegards Texte müssen im Kontext ihrer Zeit interpretiert werden. Diese anspruchsvolle Aufgabe haben Historiker wie Heinrich Schipperges und Irmgard Müller geleistet. Sie haben auch auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die bei der Übertragen von mittelalterlichen Schriften in die heutige Heilkunde auftreten.

Da die Originalhandschriften der medizinischen Hildegard-Texte nicht erhalten sind und die Texte in Form von Abschriften der dritten Generation (13. bis 15. Jahrhundert) überliefert worden sind, ist die überwiegend vertretene Auffassung, dass Physica und Causae et curae in der vorliegenden Form nicht vollständig von Hildegard stammen. Gottfried Hertzka behauptete dagegen, es handle sich um einen auf weite Strecken praktisch unverfälschten Text.

Die Komplexität der Textgeschichte dieser beiden Werke fand in den Werken zur ‚Hildegard-Medizin‘ keine Rezeption, schreibt Prof. Dr. Wolf-Dieter Müller-Jahncke in der Pharmazeutischen Zeitung

(Quelle: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=titel_51_1998&no_cache=1&sword_list[0]=bingen),

und Irmgard Müller wird dort zitiert mit dem Hinweis, wie fragwürdig die bisher unter Hildegards Namen tradierte Textgrundlage des medizinisch-naturkundlichen Werkes ist.

Als Forschungsstand kann festgehalten werden, schreibt Müller-Jahncke, dass die Texte ‚Physica‘ und ‚Causae et curae‘ zu den nicht visionären Schriften zählen, die in ihrer Textrezeption mannigfachen Veränderungen unterworfen waren.

Der Medizinhistoriker Prof. Dr. phil. Klaus-Dietrich Fischer schreibt:

„Die Autorität dieser Hildegard-Medizin beruht auf der Annahme bzw. Voraussetzung, bei den uns überkommenen medizinischen Schriften Hildegards handele es sich um göttliche Offenbarung, also Gottes medizinische Botschaft für die leidende Menschheit (wobei an den christlichen Gott, speziell den von Katholiken verehrten, gedacht ist). Die zahlreichen beobachteten Heilungen erwiesen diese Annahme als zutreffend; auch im eher theoretischen Bereich der Physiologie und Pathologie seien erstaunliche Kenntnisse dargelegt, die unserer heutigen wissenschaftlichen Sicht z. T. entsprächen, z. T. über sie hinausgingen. Diesen Anspruch erhebt Hildegard selbst allerdings nicht.“

Quelle: http:hildegard.org/medizin/medizin.html

Die Medizinhistorikerin Irmgard Müller, die zu den naturheilkundlichen Schriften Hildegards veröffentlicht hat, „bezeichnet die so genannte Hildegard-Medizin als nicht authentisch und nicht auf den Hildegard zugeschriebenen Schriften basierend. Zutreffend müsste sie daher eigentlich als ‚Hertzka-Medizin’ bezeichnet werden. Es handele sich um ein ‚therapeutisches Konstrukt profitbewußter Marktstrategen’“.

Quelle: Stichwort Hildegard-Medizin auf  Wikipedia

„ Diese kritische Auffassung vertritt auch der Historiker Axel Helmstädter: ‚Hertzka und Strehlow verfolgen einen stark kommerzialisierten Ansatz, indem sie suggerieren, dass die medizinischen Empfehlungen Hildegards göttlichen Ursprungs sind. Das kann jedoch nicht stimmen, da die von Hildegard zusammengetragenen medizinischen Texte nicht auf ihren visionären Erfahrungen beruhen wie ihre religiösen Abhandlungen. Die ‚Hildegard-Medizin‘ im 21. Jahrhundert repräsentiert ein typisches Beispiel der aktuellen Alternativmedizin. Die Methoden basieren zumeist auf historischen Ansätzen, die in der Lage sind, die Öffentlichkeit zu beeindrucken.’“

Quelle: Stichwort Hildegard-Medizin auf Wikipedia

Soweit die fachliche Kritik von Historikerinnen und Historikern am Konstrukt der Hildegard-Medizin.

Wikipedia fasst darüber hinaus noch medizinische Einwände zusammen:

„Es gibt keine unabhängigen empirischen Studien über die Wirkung der Hildegard-Medizin. Die Behandlungsmethoden entstammen zwangsläufig dem Denken und Wissen des Mittelalters; viele Ansichten über Gesundheit und Krankheit gelten medizinisch als überholt. Es ist auch nicht möglich, die von ihr verwendeten zeitgenössischen Begriffe für Krankheiten und Heilmittel einfach in die heutige Zeit zu übertragen. Die empfohlenen Heilpflanzen können nicht immer mit Sicherheit identifiziert werden, die Mengenangaben sind oft sehr ungenau. Der Nutzen von Ausleitungsverfahren ist umstritten. Fastenkuren sind nicht für jeden Menschen geeignet und sollten nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.“

Der Medizinhistoriker Johannes Gottfried Mayer, Leiter der Forschergruppe Klostermedizin an der Universität Würzburg, hält fest:

„Heute wird von Anhängern der Hildegard-Medizin versucht, ausschließlich nach ihren Anweisungen zu heilen. Das sehe ich kritisch, ich würde mich dem nicht aussetzen. Medikamente müssen mit modernen Erkenntnissen in Einklang stehen.“

Quelle: http://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/mensch-natur-umwelt/heilpflanzen-hildegard-von-bingen100.html

Fazit:

So interessant die naturheilkundlichen Schriften der Hildegard von Bingen auch sind: Sie eignen sich nicht dafür, unhinterfragt als absolute Wahrheit nachgebetet zu werden, wie das leider gegenwärtig in manchen Hildegard-Kreisen und in der „Hildegard-Medizin“ weitgehend geschieht.

Sich mit Traditionen auseinanderzusetzen ist lohnend, weil sie unsere Wurzeln sind. Tradition braucht aber Auseinandersetzung – nicht fragloses Nachbeten. Und Tradition hat nicht immer Recht.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin -hat Tradition Recht?

Wer sich in der Pflanzenheilkunde auf alte Traditionen beruft, sollte sich auch mit dem geschichtlichen Kontext befassen, in dem diese entstanden sind. Andernfalls bleibt die Tradition unverstanden und wird allenfalls für eigene, sehr gegenwärtige Bedürfnisse missbraucht.

Eine Einführung in diesen geschichtlich-philosophischen Kontext der Pflanzenheilkunde bietet folgender Wochenendkurs:

Die Heilkräfte der Pflanzen im Wandel der Zeit

Unter anderem geht es dabei um Magische Medizin, Humoralpathologie (Vier-Säfte-Lehre), Klostermedizin (Hildegard von Bingen), Signaturenlehre (Paracelsus).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Blick ins Pflanzenlexikon: Salbei (Salvia)

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Salbei (Salvia) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Der Name (lateinisch salvare ‚heilen‘) bezieht sich jedoch auch auf den für Küche und Medizin wichtigen Küchensalbei oder Heilsalbei (Salvia officinalis).

Die Gattung Salvia ist auf der ganzen Erde verbreitet von tropischen bis in gemäßigte Gebiete. Sie umfasst 800 bis 1100 Arten, davon zum Beispiel etwa 84 Arten in China.

Viele Salbei-Arten zeichnen sich aus durch einen hohen Gehalt an ätherischen Ölen, was für ihre Verwendung als Heilpflanzen bedeutsam ist. Auch Gerbstoffe sind an der Wirkung von Salbei-Arten oft beteiligt ( sogenannte Lamiaceen-Gerbstoffe).

Zur Verwendung von Salbei schreibt Wikipedia:

„ Der Name Salvia stammt vom lateinischen Wort salvare für heilen und deutet auf dessen Heilkraft hin. Salbei war bereits im Altertum bekannt und wurde im Mittelalter von Mönchen über die Alpen gebracht.

Durch den hohen Anteil ätherischer Öle in diversen Salbeiarten gibt es unterschiedliche Verwendungen. So wird der Echte Salbei (S. officinalis) einerseits als Küchengewürz und andererseits auch in der Heilkunde verwendet, etwa bei Halsschmerzen als Kräutertee oder gegen übermäßiges Schwitzen. Außerdem soll der Salbeitee auch bei Magen- und Darmschmerzen Linderung bewirken, beispielsweise nach einer Antibiotika-Therapie. Enthaltene trizyklische Diterpene wie Carnosol und Carnosolsäure besitzen eine antioxidative, antimikrobielle sowie chemoprotektive Wirkung gegen Karzinogene.

Heilend wirken neben den Ölen auch die Gerbstoffe (Tannine). Andere Arten wie Azteken-Salbei (Salvia divinorum) enthalten halluzinogene Stoffe, die teilweise ebenfalls genutzt werden. Bei Räucherungen entsteht ein marihuanaähnlicher Duft. Der in Deutschland verbreitete Wiesensalbei enthält kaum ätherische Öle und wird deswegen nicht genutzt. Eine Heilwirkung von Inhaltsstoffen dieser Pflanze wurde im Jahre 2008 in Untersuchungen am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg an mehreren Tumorzelllinien bestätigt.

Einige Arten und ihre Sorten werden als Zierpflanzen verwendet.“

(Quelle: Wikipedia)

Nachfolgend ein paar wichtige Vertreter aus der Gattung Salbei:

Echte Salbei (Salvia officinalis, Garten-Salbei) ist im Mittelmeerraum heimisch, wurde von Mönchen über die Alpen in die Klostergärten geholt und gelangte von dort in die Bauerngärten. Salvia officinalis ist diejenige Salbeiart, die bei uns hauptsächlich als Gewürz und Heilpflanze angewendet wird, zum Beispiel gegen Halsschmerzen, Mundschleimhautentzündungen, Aphthen, Zahnfleischentzündungen, sowie innerlich gegen Schwitzen in den Wechseljahren (also bei Wallungen).

Salbeiblüten sind eine hervorragende Bienenweide. Sie übertreffen beim Honigertrag sogar Pflanzen wie den Raps, die als gute Bienenweiden bekannt sind.

Wiesen-Salbei (Salvia pratensis) besitzt nicht die Heilwirkungen der Echten Salbei. Sie wird daher in der Pflanzenheilkunde nicht verwendet, ist aber eine Zierde in der Natur, vor allem wenn sie in Wiesen zahlreich wächst. Die Blüten werden vor allem von Hummeln bestäubt.

(Klammerbemerkung: Zur Zeit fliegen wieder die Hummelköniginnen. Woran erkennt man eine Hummelkönigin?)

Klebriger Salbei (Salvia glutinosa) blüht von Juli bis September im Laubwald und im Mischwald und beeindruckt durch schöne, grosse, gelbe Blüten und citronelligen Duft.

Die Raupe der Messingeule (Noctuidae, Eulenfalter, ein Nachtfalter, ernährt sich (unter anderem) von Klebriger Salbei. Über Heilwirkungen liegt keinerlei gesichertes Wissen vor.

Weisser Salbei (Indianischer Räuchersalbei, Salvia apiana) kommt vor allem im Südwesten der USA (Nevada, Kalifornien, Mojave-Wüste und Sonora-Wüste) und im Nordwesten von Mexiko vor.

Bereits die Ureinwohner Amerikas brauchten „white sage“ als Räucherwerk. Weisser Salbei ist Bestandteil der so genannten „Smudge sticks“: Kräuterbündel, die an einem Ende angezündet werden; die Flamme wird dann ausgeblasen und der Glut Luft zugefächert.

Azteken-Salbei (Salvia divinorum, zu deutsch „Göttersalbei“ oder „Wahrsagesalbei“) ist ursprünglich in der Sierra Mazateca im mexikanischen Bundesstaat Oaxaca beheimatet. Dort wird er von den einheimischen Mazateken seit langer Zeit zu schamanischen Zeremonien genutzt. Von den Curanderos, den mazatekischen Heilern, wird er auf zwei Arten eingesetzt. In niedrigen, nicht-halluzinogenen Dosierungen dient er der Behandlung verschiedener körperlicher Beschwerden. In deutlich höheren Dosierungen dient die Azteken-Salbei der Induktion eines Rauschzustandes mit lebhaften Visionen. Salvia divinorum wird von den Mazateken nur im Rahmen dieser Heil- und Wahrsagerituale verwendet.

In der westlichen Welt ist seit den 1980er Jahren ein deutlicher Anstieg des Interesses an Salvia divinorum festzustellen.

Zu den Inhaltsstoffen und zur Wirkung von Azteken-Salbei schreibt Wikipedia:

„Der Azteken-Salbei enthält terpenoide Salvinorine, von denen sechs Derivate (A-F) bekannt sind. Das Salvinorin A ist ein potentes dissoziatives Halluzinogen, mit einer Wirkdosis ab 0,2 mg.[3][4] Die Pharmakologie des Salvinorin A unterscheidet sich deutlich von LSD-artigen Halluzinogenen: Es wirkt als κ-Opioid-Rezeptor-Agonist.“

In Deutschland ist Salvia divinorum nach dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) rechtlich ein nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel. Zur Rechtslage in anderen Ländern schreibt Wikipedia:

„Zu Salvia divinorum gibt es in Liechtenstein, Österreich und den meisten anderen Ländern der Welt keine strafgesetzliche Reglementierung, somit ist der Besitz legal. Der legale Status wurde eingeschränkt bzw. aufgehoben in Israel (2003), Australien (2004), Italien (2005), Deutschland (2008), Schweiz (2010) und Dänemark. In Norwegen ist Salvia divinorum verschreibungspflichtig.

Mehlige Salbei (Salvia farinacea, auch Ähriger Salbei, Ähren-Salbei oder Mehl-Salbei) ist beheimatet in Texas und New Mexiko. In den Gemäßigten Breiten wird er als einjährige Pflanze kultiviert und als Zierpflanze in Parks und Gärten besonders in Sommerrabatten angepflanzt.

Chia (Salvia hispanica) wird wegen seiner Samen kommerziell angebaut, da sie einen sehr hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren und hochwertigem Protein, Vitaminen, Antioxidantien und Mineralien aufweisen. Das Chiaöl wird aus den Samen des Chia gewonnen und besteht aus rund 60 % alpha-Linolensäure, 17 bis 26 % Linolsäure, einfach ungesättigten Fettsäuren wie Ölsäure, Stearinsäure und Palmitinsäure, und Vitaminen, Mineralien und Antioxidantien. Die Eigenschaften von Chiaöl ähneln denjenigen von Rapsöl.

Rotwurzel-Salbei (Salvia miltiorrhiza) Seine auch als Danshen bezeichneten getrockneten Wurzeln finden vor allem in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) Anwendung.

Zu den Inhaltsstoffen schreibt Wikipedia:

„ In der Wurzel des Rotwurzelsalbeis konnten Flavonoide, Diterpene, Triterpene, Salvianolsäuren, Phenylpropane, Chinone, Lignane, Steroide und Tannine nachgewiesen werden. Von allen biologisch aktiven Inhaltsstoffen gelten die Diterpenoide und die Salvianolsäuren als am besten untersucht. Zu den charakteristischen Diterpenoide des Rotwurzelsalbeis zählen Tanshinone und Isotanshinone, wie beispielsweise Tanshinon I, Tanshinon IIA, Tanshinon IIB und Cyptotanshinon. Darüber hinaus sind in der Wurzel die biologisch aktiven Diterpenoide Miltiron und Salviol enthalten. Die Salvianolsäuren des Rotwurzelsalbeis, wie Salvianolsäure A, Lithospermsäure B und Rosmarinsäure gelten als Abkömmlinge der (R)-a,3,4-Trihydroxyphenylpropionsäure (Danshensu).“

Und zu den Anwendungsgebieten:

„ Die Wurzel des Rotwurzelsalbeis wird in der chinesischen Medizin insbesondere zur Behandlung von Stoffwechselstörungen, Herz-Kreislauferkrankungen und Durchblutungsstörungen, wie beispielsweise Angina pectoris, Hyperlipidämie und Schlaganfall eingesetzt. Traditionell wird die Wurzel darüber hinaus bei Menstruationsbeschwerden, Husten, Schlafstörungen, stechende Schmerzen im Unterleib und der Brust und Hepatosplenomegalie verwendet. Die Wirksamkeit dieser Droge gilt nach den Kriterien der evidenzbasierten Medizin als nicht ausreichend belegt.“

Muskatellersalbei (Salvia sclarea, auch Muskat-Salbei, Römischer Salbei, Scharlachsalbei oder Scharlei) kommt in Mittel- und Ost-Europa und West-Asien vor. Er wird als Zierpflanze, Heilpflanze und Gewürz genutzt.

„Die Wirkung vom Muskateller-Salbei kommt der des Echten Salbeis gleich. In der griechischen und römischen Antike wurde er bei Kopfschmerzen eingesetzt. Blätter und Blüten können roh oder gegart gegessen werden. Die Blüten werden zur Aromatisierung von Wermutweinen verwendet, früher wurden sie auch anderen Weinen zugesetzt. Diese Verwendung prägte den Begriff „Muskatellerwein“. Das Öl der Pflanze wird in der Parfüm- und Kosmetikindustrie verarbeitet.Die Blüten des Muskatellersalbeis sind zugleich eine verhältnismäßig gute Bienenweide. Auf einer mit ihm bestandenen Fläche von einem Hektar kann sich pro Blühsaison ein Honigertrag von 107 bis 174 kg ergeben.“

(Quelle: Wikipedia)

Das ätherische Öl aus der Pflanze – Muskatellersalbeiöl – wird aus den Triebspitzen und Blütenständen gewonnen. Es besteht hauptsächlich aus Linalylacetat (bis zu 75 %), Linalool (bis zu 30 %) und dem Diterpen-Alkohol Sclareol.

Sclareol soll eine dem Östrogen verwandte Molekularstruktur aufweisen. Damit werden in der Aromatherapie Anwendungen von Muskatellersalbei bei Menstruationsbeschwerden, Unfruchtbarkeit und Wechseljahrbeschwerden abgeleitet. Es ist allerdings sehr spekulativ, einzig von der Molekularstruktur auf entsprechende Wirkungen zu schliessen. Zu fragen wäre dabei auch, ob die Substanz in ausreichenden Mengen aufgenommen wird und welche Wirkungen sie im Organismus entfaltet.

Muskatellersalbei soll eine heilige Pflanze der Kelten gewesen sein. Seine berauschende Wirkung wurde offenbar genutzt, um Wein und andere Getränke zu aromatisieren und ihre Wirkung zu verstärken. Um den beliebten Geschmack von mit Muskatellersalbei gewürztem Wein zu gewährleisten, wurde die Muskatellertraube gezüchtet.

Diese Beispiele zeigen, dass es in der Gattung Salbei ausgesprochen interessante Pflanzenarten umfasst – als Heilpflanzen, Gewürzpflanzen, Zierpflanzen, Räucherpflanzen….

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Kräuter und ihre Wirkung: Stockrose

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„Die Kleine Zeitung“ veröffentlichte eine Zusammenstellung von Kräutern und ihren Wirkungen.

Zur Stockrose steht dort:

„Chinesische Stockrose (Alcea rosea)

Die getrockneten Blüten der chinesischen Stockrose, die auch unter dem Namen „Bauernrose“ bekannt ist, werden in der Heilkunde als Tee gegen Husten, sowie Rachen- und Halsentzündungen eingesetzt. Besondere Heilkraft hat die Sorte „Nigra“, die beinahe schwarze Blüten trägt. Halb- und dichtgefüllte Sorten eignen sich nur als Gartenzierde oder zum Garnieren von Süßspeisen.“

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/allgemein/bauenwohnen/garten/multimedia.do?action=showEntry_detail&project=26860&_vl_backlink=/magazin/wellness/2750944/arzneitees-dem-garten.story

Kommentar & Ergänzung:

Die Stockrose (Alcea rosea, Syn.: Althaea rosea (L.) Cav., A. sinensis Cav.), die auch als Stockmalve, Pappelrose oder Garten-Stockrose bezeichnet wird, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Malvengewächse (Malvaceae).

Die Stockrose stammt möglicherweise aus dem Balkan oder aus Süditalien. Sie ist wahrscheinlich eine Kulturhybride.

Wie wird die Stockrose genutzt?

Es gibt viele Sorten der Stockrose mit einfachen und gefüllten Blüten in unterschiedlichen Farben. Die Stockrose wird verbreitet als Zierpflanze für Staudenbeete und Bauerngärten genutzt.

Selten wird sie auch als Heil- und Färbepflanze kultivert. Für die Gewinnung von Farbstoffen werden nur schwarz-rote Varianten genutzt, da deren Kronblätter Anthocyan (Malvidin) in großen Mengen enthalten. Früher wurden mit diesem Farbstoff zum Beispiel Wein oder Süßspeisen gefärbt, heute hat diese Verwendung ihre Bedeutung verloren. Aufgrund der in der Stockrose enthaltenen Gerb- und Schleimstoffe ist sie in Vielen Hustentee-Mischungen enthalten.

(Quelle: Wikipedia)

Kommentar & Ergänzung:

Ich werde an Kräuterkursen immer wieder einmal gefragt, ob man die Stockrose bzw. Stockmalve auch als Heilpflanze verwenden könnte.

In Apotheken und Drogerien werden aus der Familie der Malvengewächse gegen trockenen Reizhusten die Malvenblüten aus Malva silvestris (Wilde Malve, Grosses Chäslichrut) verkauft. Über die Wirkung von Stockrosenblüten liegen keine gesicherten Angaben vor. Da sie aber wie die Malvenblüten aus der Wilden Malve Schleimstoffe enthalten, ist eine Anwendung bei trockenem Reizhusten plausibel. Auch für Spülungen bei Mundschleimhautentzündung könnte die Stockmalve verwendet werden. Manchmal dient sie auch zur Verschönerung von Teemischungen.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

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