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Wissenschaftler wollen von Heilern in Afrika lernen

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Forscher der Universität Halle wollen von afrikanischen Heilern lernen und untersuchen zu diesem Zweck deren medizinisch genutzte Pflanzen.

Untersucht werden sollen Pflanzen aus Äthiopien, Botswana und Tansania mit dem Ziel, Aids, Tuberkulose und Wurmerkrankungen zu bekämpfen. Das Projekt wird vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung über vier Jahre mit 800.000 Euro gefördert, beteiligt sind auch Hochschulen und Unternehmen in Afrika.

Projektleiter Peter Imming vom Institut für Pharmazie der Uni Halle erklärt dazu:

«Wir wollen ökologisch gefährdete, therapeutisch wirksame und kommerziell nutzbare Pflanzen zunächst identifizieren und schließlich kultivieren. Unser Ziel ist, wissenschaftlich zu begründen, welche Inhaltsstoffe für die Wirkung der Arzneipflanzen verantwortlich sind.»

Wenn sich die gewünschten Arzneipflanzen tatsächlich kultivieren lassen, wollen die Forscher sie für den kommerziellen Anbau in den afrikanischen Partnerländern empfehlen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68916

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Forschungsprojekte sind auch für die Phytotherapie in Europa interessant, hat sie doch immer wieder Arzneipflanzen aus anderen Weltgegenden in ihre Behandlungskonzepte integriert, wenn entsprechende Wirkungen zu erwarten sind.

Beispiele dafür sind Teufelskralle und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie) aus Afrika,

Ginseng, Ginkgo, Curcuma (Gelbwurz) und Indischer Weihrauch aus Asien,

Echinacea, Hamamelis (Zaubernuss) und Traubensilberkerze (Cimicifuga) aus Nordamerika,

Passionsblume, Cayennepfeffer und Ratanhia aus Südamerika.

Die traditionelle Pflanzenheilkunde – ob in Afrika, Europa oder sonstwo – bringt wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen mit, enthält aber auch immer wieder Irrtümer, die sich über Jahrhunderte hartnäckig halten können.

Nötig im Umgang mit der traditionellen Pflanzenheilkunde ist daher eine offene, interessierte, aber zugleich auch kritisch-prüfende Grundhaltung.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Alternativmedizin: Es gibt keine Krebsdiät…..

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In der Alternativmedizin geistern immer wieder Empfehlungen für Krebsdiäten herum. Oft geht es dabei um die Vorstellung, dass man den Tumor aushungern könne, zum Beispiel mit der Breuss-Kur. Ich kann sehr gut verstehen, dass Krebspatienten in solche Empfehlungen Hoffnung setzen. Man kann aber nicht genug davor warnen, bei einer Krebserkrankung auf diesen Irrweg zu setzen. Es gibt gut dokumentierte Fälle, in denen Krebskranke das mit dem Leben bezahlt haben.

Auf n-tv-online hat sich dazu gerade Susanne Weg-Remers geäussert, die Leiterin des zum Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) gehörenden Krebsinformationsdienstes in Heidelberg. Die Vorstellung, man könne einen Tumor durch Fasten oder kohlenhydratfreie Nahrung „aushungern“, sei naiv, erklärt die Expertin. Auch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) rät Krebskranken von einer kohlenhydratarmen oder -freien Ernährung ab. Bisher habe für keine Diät überzeugend gezeigt werden können, „dass sie Krebserkrankungen aufhalten und die Überlebenszeit verlängern könnte“. Eine strenge Krebsdiät könne sogar den oft ohnehin schlechten Ernährungszustand von Patienten verschlimmern, warnt die DKG.

Quelle:

http://www.n-tv.de/wissen/Was-taugen-alternative-Krebstherapien-article18352941.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Leider gibt es eine grosse Zahl von alternativmedizinischen „Heilern“, die derart riskante „Therapien“ anbieten, und damit die Hoffnungen und Ängste von Krebskranken ausnutzen. Nur in wenigen Fällen dürfte dahinter eine bewusste Betrugsstrategie stecken. Die meisten dieser „Heiler“ sind voll und ganz von ihrem Angebot überzeugt. Sie sind nur völlig unkritisch ihren eigenen Methoden gegenüber und ziehen aus der Heilerpose einen immateriellen Gewinn in Form von Bewunderung, Verehrung und Dankbarkeit. Das ist nicht selten ein „Guru-Phänomen“ und jedenfalls ein übles Spiel mit den Hoffnungen und Ängsten von Krebskranken – und zudem eine Form von emotionaler Ausbeutung. Ein Spiel übrigens, wie es auch Populisten wie der egomanische Hochstapler Donald Trump und der notorische Lügenbold Boris Johnson betreiben, indem sie präzis das erzählen, was die Leute emotional hören wollen und brauchen. Wir sollten sehr viel kritischer werden, was grossartige Versprechungen angeht. Überall.

Siehe auch:

Breusskur gegen Krebs

Neues Info-Portal zum Thema Ernährung und Krebs

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Lavendelöl und Salbeiöl gegen HIV-Infektion – „Heiler“ verurteilt

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Ein selbsternannter „Heiler“ aus dem Wallis soll eine Patientin gefährdet haben. Nun wurde der Mann zu einer Strafe in Höhe von 1000 Franken verurteilt.

Im Unterwallis soll ein selbsternannter „Heiler“ einer seiner Patientinnen Lavendelöl und Salbeiöl verschrieben haben. Die Frau litt an einer HIV-Infektion. Gemäss einem Bericht in der Zeitung «Nouvelliste» gab der „Heiler“ seiner Patientin den Rat, die HIV-Medikamente abzusetzen. Nun wurde er deswegen verurteilt. Der „Heiler“ hat gemäss Strafbefehl gegen das kantonale Gesundheitsrecht verstossen, weil die Frau «auf seine Aufforderung hin ihre Anti-HIV-Behandlung Ende 2014 abgebrochen hatte».

Der Mann gab bei der Befragung durch die Polizei an, dass er seiner Patientin lediglich empfohlen habe, die Medikamente abzusetzen. Wie dem Strafbefehl jedoch zu entnehmen ist, hat er die Therapie mit herkömmlichen HIV-Medikamenten als nutzlos abgestempelt, was auf seiner Homepage zu sehen gewesen sei.

Durch seine Empfehlungen habe er die Frau in Gefahr gebracht, weil eine HIV-Infektion unheilbar sei und nur eine korrekte Behandlung eine Verzögerung des Ausbruchs von Aids ermöglicht.

Quelle:

http://www.20min.ch/schweiz/news/story/Walliser-Schamane-wollte-Aids-mit-Lavendel-heilen-15426304

http://www.lenouvelliste.ch/articles/valais/martigny-region/il-propose-de-la-lavande-a-une-malade–562381

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Fälle kommen selten zur Anzeige. Oft sind betroffene Patientinnen oder Patienten kritiklos von ihrem „Heiler“ überzeugt oder es ist ihnen peinlich, auf einen Scharlatan hereingefallen zu sein.

Aber man muss klar festhalten: Das grösste Risiko der „Alternativmedizin“ und „Komplementärmedizin“ liegt darin, dass „Heilerinnen“ oder „Heiler“ für sich und ihre Methoden keine Grenzen sehen.

Allmachtsvorstellungen, Grössenphantasien und Schwarz-Weiss-Denken sind in dieser „Szene“ leider nicht selten. Sie können dazu führen, dass Patienten von notwendigen medizinischen Abklärungen und Therapien abgehalten werden.

Dadurch werden Patientinnen und Patienten gefährdet.

Im vorliegenden Fall hat der Kanton Wallis Anzeige erhoben. Und mit Sicherheit wird nun zu wehleidigen Klagen kommen über die Verfolgung und Unterdrückung der „Alternativmedizin“ durch die böse „Schulmedizin“ oder die „Pharmaindustrie“.

Dabei sind hier weder verschwörungstheoretische Konstrukte noch blinde Solidarisierung am Platz.

Wer so fahrlässig „therapiert“ und falsche Versprechungen macht, handelt verantwortungslos und nutzt die Hoffnungen und Ängste von kranken Menschen schamlos aus. Dem sollte wo immer möglich ein Riegel geschoben werden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Malaria-Forschung mit Heilpflanzen

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Klinische Studien lohnen sich auch für Heilpflanzen, sie sind sogar nötig, weil sich nur mit wissenschaftlichen Daten zuverlässige Dosierungen und Nebenwirkungen feststellen lassen. Und nur geprüfte Mittel schaffen es in offizielle Empfehlungen und Leitlinien, erklärte Professor Dr. Merlin Willcox von der Universität Oxford beim Kongress der Gesellschaft für Arzneipflanzen- und Naturstoffforschung im portugiesischen Guimarães.

Gerade in Anbetracht vernachlässigter Krankheiten in Entwicklungsländern bräuchte man kostengünstige, zuverlässige Alternativen aus der Natur, betonte der Arzt und Wissenschaftler.

Dabei stellt sich aber die Frage, für welche Pflanze sich der Aufwand lohnt? Gegen Malaria zum Beispiel kommen weltweit rund 1200 verschiedene Pflanzenarten zur Anwendung. Allein in Mali fanden Willcox und sein Team 66 Pflanzenarten in 166 Rezepturen. Die Forscher schauten deshalb zunächst retrospektiv, welche traditionelle Behandlung bei leichter Malaria scheinbar geholfen hatte und wählten zur genaueren Untersuchung die Pflanze Argemone mexicana aus, den Mexikanischen Stachelmohn.

Dann ließen die Wissenschaftler den örtlichen Heiler die Pflanze in drei verschiedenen Dosierungen verordnen.

Dem Großteil der Kinder mit mittlerer bis hoher Dosis ging es nach sieben Tagen besser und die Parasitenlast im Blut hatte sich deutlich vermindert.

Bei der höchsten Dosierung traten allerdings Auffälligkeiten im EKG auf. Weitere Untersuchungen zeigten, dass die Samen der Mohnpflanze giftig wirken können und deshalb vor der Zubereitung eines Tees entfernt werden sollten.

Im nächsten Schritt führten die Forscher eine randomisierte, kontrollierte Studie durch. Die Kinder bekamen entweder eine Artemisinin-kombinierte Standardtherapie (ACT) oder zweimal täglich eine Tasse Tee aus der Mohnpflanze. Bei 89 Prozent der Kinder trat eine klinische Verbesserung ein gegenüber 95 Prozent unter ACT, wobei aber der Tee bessere Verträglichkeit zeigte.

Im nächsten Schritt suchten die Wissenschaftler nach den aktiven Substanzen der Pflanze und stiessen dabei auf die Alkaloide Berberin, Protopin und Allocryptopin.

Allerdings sind diese Alkaloide schlecht bioverfügbar und ließen sich kaum im Blut nachweisen, so dass die Forscher nicht wissen, wie die Pflanze wirkt.

Den Wirkungsmechanismus zu kennen wäre aber nützlich für einen möglichst standardisierten Eigenanbau. Die Wissenschaftler wollen nämlich kein neues, patentgeschütztes Arzneimittel entwickeln, sondern ein zuverlässiges, erschwingliches, verbessertes Phytopharmakon für die Menschen in armen Regionen. Der ganze Vorgang habe sechs Jahre gedauert und etwa 400 Millionen Euro gekostet – ein Bruchteil der üblichen Entwicklungskosten für Medikamente in der Pharmaindustrie. Die Nutzung der Pflanze sei inzwischen gestiegen – als Ergänzung der üblichen Malariatherapeutika, nicht als Ersatz.

Wissenschaftler sollten ihre Vorurteile gegenüber traditioneller Pflanzen überdenken und mehr wissenschaftliche Evidenz schaffen, fordert Willcox. Die Forschungsinitiative für traditionelle Malaria-Methoden setzt sich deshalb dafür ein, dass mehr solcher Studien durchgeführt werden.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=53948

Forschungsinitiative für traditionelle Malaria-Methoden (Ritam):

http://giftsofhealth.org/ritam/

Kommentar & Ergänzung.

Da die Resistenzen gegen bisherige Malariamittel zunehmen, ist solche Forschung sehr erwünscht.

Siehe auch:

Malaria-Forschung: Afrikanische Heilpflanzen im Fokus 

Die Forschung rund um Argemone mexicanae ist allerdings nicht völlig neu.

Siehe:

Antenna erforscht traditionelles Heilpflanzen-Wissen

Ein bisschen irritierend finde ich die 400 Mio. Euro, die der ganze Prozess gekostet haben soll. Diese horrende Summe kann sich kaum nur auf das beziehen, was hier beschrieben wird an Forschung bezüglich Argemone mexicana. So teuer wird das nicht gewesen sein. Vielleicht bezieht sich die Zahl auf die gesamte Forschung des Ritam.

Und im übrigen sind die Informationen über die Studien in dieser Meldung sehr spärlich und daher wenig aussagekräftig. So wird zum Beispiel nicht einmal klar, wie viele Probanden teilgenommen haben. Verlassen würde ich mich auf solche Angaben jedenfalls nicht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Esoterische Allmachtsphantasien in der Alternativmedizin

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In Alternativmedizin bzw. Komplementärmedizin ist gerne die Rede von den Allmachtsvorstellungen der „Schulmedizin“.

Kaum je zum Thema gemacht werden die grassierenden Allmachtsphantasien in den eigenen Reihen.

Beispiele dafür gibt es zuhauf. So schreibt zum Beispiel die Heilerin R. v. B. in einem Inserat:

„Unsere Krankheiten kommen alle von ungelösten unbewussten Blockaden. Diese Blockaden kann ich innert kürzester Zeit auflösen und habe sehr gute Erfolge damit!“

Man muss sich das einmal konkret vorstellen: Die Frau verspricht die Heilung von allen Krankheiten und das „innert kürzester Zeit“.

Dass Menschen verletzliche, fragile Wesen sind, dass Krankheit genauso wie Gesundheit zum Leben gehört – diese Zumutungen sind damit abgeschafft.

Ich treffe ganz und gar nicht selten Leute mit solch grandiosen Selbstüberschätzungen in Alternativmedizin bzw. Komplementärmedizin.

Es sind quasi-göttliche Positionen, in die sich solche Heilerinnen und Heiler hineinphantasieren.

Und wenn die Heilung ausbleibt, ist in aller Regel die Kranke Person selber schuld, weil sie einfach noch nicht bereit war, um gesund zu werden…….

Gemäss den Angaben auf ihrer Website hat die Kaufmännische Angestellte R. v. B. vor zwei Jahren ihre wahre Berufung gefunden, nämlich Menschen zu heilen. Anschliessend hat sie ein paar esoterische Seminare besucht (z. B. Quantenheilung, Kinesiologie, russische Heilmethoden) und dann noch ein paar spezielle, direkte, persönliche Tipps bekommen aus der höheren geistigen Welt.

Dadurch konnte sie ihre Effizienz erheblich steigern. Während sie vorher in einer Sitzung von 50 – 55 Minuten Dauer nur 15 Blockaden „im Unterbewusstsein und im Mentalen“ lösen konnte, sind es nun dank Hilfe von oben 60 – 70 Blockaden!

Behandeln könne sie damit „alle Krankheiten, Schmerzen, Unfallfolgen, Süchte, psychische Probleme, Hormonstörungen“, schreibt R. v. B. auf ihrer Website.

Auf die Grenzenlosigkeit solcher Allmachtsphantasien will ich gar nicht mehr eingehen. Auf die simple Verengung aller Krankheitsursachen auf „Blockaden“ auch nicht.

Mich erschütttert eher noch mehr der Machtanspruch gegenüber der Patientin oder dem Patienten.

Auflösung von 60 – 70 Blockaden „im Unterbewusstsein und im Mentalen“!

Würde das tatsächlich so geschehen (wovon ich allerdings nicht ausgehe), dann wäre das ein Totalumbau der Persönlichkeit innert einer Stunde,

Nimmt man diese Aussage ernst, so stellt sich die Frage, ob die Patienten informiert wurden, was da mit ihnen gemacht wird.

Vor einer Operation ist der Chirurg verpflichtet, den Patienten über den Eingriff und seine möglichen Folgen aufzuklären.

Die Heilerin R. v. B. hat keinerlei psychotherapeutische oder medizinische Ausbildung, verspricht aber effiziente Behandlung „bei jeder Art Krankheit, Unfallfolgen, Süchten, psychischen Krankheiten, Aengsten, Gewichtsproblemen, Allergien, Hormonproblemen, Burnout“, und sie betont, „dass es 100% funktioniert“.

Wo bleibt da der informierte, einwilligende Patient? Blockaden – was immer genau damit gemeint sein mag – kann man nicht so ohne weiteres wegmachen. Vielleicht haben sie ja eine Funktion. In einer sorgfältigen Psychotherapie würde man Schritte gemeinsam mit dem Patienten ausloten und nicht in einem quasichirurgischen Eingriff in die Psyche Blockaden wegmachen.

Und dann noch die 100% Garantie:  Solche Garantien gibt es bei der Autoreparatur. Ist das defekte Teil ersetzt, kann man eine Garantie geben.

Der menschliche Organismus ist aber viel komplexer als eine Maschine.

Ich würde einen weiten Bogen machen, sollte mir ein Heiler oder eine Heilerin gleich welcher Richtung eine solche Garantie geben. Das ist ein starkes Indiz für Scharlatanerie.

Wenn ich mir all die Aussagen von R. v. B. anschaue, dann bekomme ich den Eindruck, dass sich da jemand eine Phantasiewelt zusammengezimmert hat, die vor allem den eigenen Bedürfnissen nach Sinngebung entspricht.

Für Patientinnen und Patienten sind solche Heilerinnen und Heiler nicht selten eine Gefahr (Abhängigkeit, Fehlbehandlung, verpassen von nötigen Behandlungen und Diagnosen).

Werden in diesen Sitzungen keine Blockaden aufgelöst (wovon ich ausgehe), dann handelt es sich um Betrug und Irreführung.

Falls aber trotzdem Blockaden in diesem rasanten Tempo und in diesem Ausmass aufgelöst werden sollten, dann wäre das ein ethisch und psychologisch hoch problematisches Vorgehen.

Da R. v. B. leider keine Ausnahme ist in der „Alternativmedizin-Szene“, wäre es meiner Ansicht nach sehr nötig, dass solche Macht- und Grössenphantasien vermehrt thematisiert und in Frage gestellt werden.

Und falls Sie zu den Konsumentinnen oder Konsumenten in diesem Bereich gehören, dann kann ich nur raten, kritisch zu bleiben gegenüber derart überzogenen und abgehobenen Versprechungen.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – Woran erkennen Sie fragwürdige Aussagen

Esoterikfreie Pflanzenheilkunde – warum?

Am 24. November 2013 leite ich in Winterthur ein Tagesseminar zum Thema:

Komplementärmedizin und Naturheilkunde – wie erkennt man seriöse und unseriöse Angebote?

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Traditionelle Medizin gefährdet Nashörner

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Zerriebenes Pulver aus Nashorn ist in Asien als Heilmittel gegen verschiedenste Krankheiten gefragt wie noch nie. Ob Fieber, Krebs, Impotenz oder anders – zahlreiche Einwohner asiatischer Länder vertrauen auf traditionelle Medizin und suchen Heiler auf, die Nashornpulver als Potenz- und Heilmittel anpreisen. Für den Handel mit Wild und Tierprodukten gebe es eine massive Nachfrage in China – und zunehmend in anderen Ländern, die reicher werden, sagt der Asiendirektor der Wildlife Conservation Society (WCS), Joe Walston. Alles, was teuer ist, ziehe die neue Mittelschicht an, erklärt auch William Schaedla von der Organisation Traffic, und erwähnt als Beispiel einen Mercedes-Benz, eine schicke Wohnung und eben auch ein exotisches, teures Medikament. Dabei existiert keine einzige Studie, die eine medizinische Wirkung von Nashornpulver belegen würde.

In Vietnam ist das Nashorn schon ausgerottet – hier wurde 2010 das letzte Tier getötet. Heute wird das Nashornpulver aus dem südlichen Afrika importiert. Wilderer schlachten die Nashörner dort gleich dutzendweise ab, um die grosse Nachfrage zu decken. Mit 220 toten Nashörnern bis Mitte Mai steht Südafrika in diesem Jahr an der Spitze einer traurigen Rekordliste.

Schaedla macht hauptsächlich die traditionellen Heiler für die problematische Entwicklung verantwortlich.

Sie würden die Not der Menschen durch falsche Versprechungen ausnutzen, stellt er fest. Beispielsweise in Vietnam: Bei dem katastrophalen Gesundheitssystem ist die Aussicht auf erfolgreiche Behandlung klein, daher klammern sich Kranke und ihre Familien an jeden Strohhalm. Wenn jemand sage ‚Rhino-Horn heilt Krebs‘, wollten sie es unbedingt haben, stellt Scott Roberton fest, der für WCS in Hanoi arbeitet.

Die Tierschützer verlangen einen stärkeren Kampf gegen die Wilderer und härteres Durchgreifen gegen Schmuggler. Wild-Verbrechen seien aber nicht gerade sehr weit oben auf der Prioritätenliste der Regierungen, sagt Tierschutzaktivistin Onkuri Majumdar von der Organisation Freeland. Und ihr  WCS-Kollege erklärt, letztlich helfe nur Aufklärung und mehr Druck aus der eigenen Gesellschaft – zum Beispiel durch junge Menschen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=42045&Nachricht_Title=Nachrichten_Medizinischer+Aberglaube+bedroht+Nash%F6rner&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Traditionelle Heilmethoden werden im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin oft sehr unkritisch betrachtet. Was eine lange Tradition hat, gilt fraglos als gut, wahr, wirksam etc.

Der Einsatz von Nashornpulver mit seinen falschen Versprechungen und der damit drohenden Ausrottung der Nashörner ist ein Beispiel dafür, dass Tradition nicht immer Recht hat.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin – Hat Tradition Recht?

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Geistheilung im Test

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Edzard Ernst hat als Professor für Alternativmedizin (Universität Exeter) 18 Jahre lang erforscht, welche alternativen Heilmethoden wirken. Nun geht er in Pension und beantwortete im Interview Fragen der „Sonntagszeitung“. Die Interviewerin fragte, welches Ergebnis seiner Studien ihn am meisten überrascht habe:

„Bei einer Studie zur Effizienz von Geistheilern war ich sehr beeindruckt, wie stark ein Placeboeffekt, also eine Scheinbehandlung, sein kann. Geistheiler sind Menschen, die vorgeben, durch Handauflegen kosmische oder göttliche Energie in Heilkräfte umzuwandeln. In Grossbritannien war das weit verbreitet, als ich 1993 an der Universität von Exeter meinen Lehrstuhl antrat.“

Danach beantwortete Edzard Ernst die Frage, wie man Geistheiler testet.

„Wir beobachteten rund 130 Patienten, die von Geistheilern oder anderen Personen behandelt wurden. Wir teilten die Kranken in vier Gruppen ein. Die eine war in direktem Kontakt mit den Geistheilern. Bei der zweiten sassen die Heiler hinter einer undurchsichtigen Wand. Eine dritte Gruppe wurde von geschulten Schauspielern behandelt, und bei der vierten Gruppe sass niemand hinter der Wand, was die Studienteilnehmer aber nicht wussten.“

Und auf die Frage, wie es den Patienten in dieser Studie erging, sagt Edzard Ernst:

„Das war unglaublich. Da gab es Kranke, die aus dem Rollstuhl aufstanden und sagten, sie hätten sich schon lange nicht mehr so gut gefühlt. Diese positiven Effekte waren aber kein Beweis für eine Geistheilung, denn diese eklatanten Fälle traten in allen Gruppen auf – selbst dort, wo die Patienten allein im Raum waren.“

Quelle:

http://www.sonntagszeitung.ch/wissen/artikel-detailseite/?newsid=199734

Kommentar & Ergänzung:

Die geschilderten Untersuchungen zeigen eines deutlich. Wenn es um Geistheilung geht, dann ist der Geistheiler oder die Geistheilerin im Grunde genommen überflüssig. Entscheidend ist nur, dass der kranke Mensch daran glaubt oder die Vorstellung hat, dass da ein Geistheiler oder eine Geistheilerin vorhanden sei. Dann tut es ein leerer Stuhl hinter der Wand auch.

Die Geistheilung findet also im eigenen Kopf statt.

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[Buchtipp] Die Seelenpfuscher – Pseudo-Therapien, die krank machen, von Heike Dierbach

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Verlagsbeschreibung:

Würden Sie Ihren Körper bei jemandem unters Messer legen, der nicht Medizin studiert hat, sondern aus spiritueller Eingebung zu wissen glaubt, wo er schneiden muss? Wohl kaum. Aber viele Menschen tun dies mit ihrer Seele: Sie suchen Hilfe bei selbsternannten Psychoheilern. Heike Dierbach hat neun populäre „Pseudo-Therapien“, die die Patienten schwer schädigen können, genauer untersucht: die Atemtechnik Rebirthing, das Familienstellen nach Hellinger, die Festhaltetherapie, das Channeln/Engeltherapie, die Reinkarnationstherapie, den Hoffman-Quadrinity-Prozess, Fernheilung sowie die Techniken „The Work“ und „The Secret“. Sie warnt vor den Risiken dieser Methoden und zeigt auch, wie sinnvolle therapeutische Hilfe aussehen kann und wo man sie findet. Zum Shop

Die Seelenpfuscher

Kommentar:

Im weiten Feld zwischen Psychotherapie, Esoterik / Spiritualität und Naturheilkunde / Komplementärmedizin gibt es eine grosse Vielfalt von angebotenen Verfahren. Darunter sind auch viele ausgesprochen fragwürdige Methoden. Für Interessentinnen und Interessenten ist es oftmals sehr schwierig, sich über die Qualität und Seriosität der Angebote ein fundiertes Urteil zu bilden. Das Buch von Heike Dierbach kann hier eine wertvolle Hilfe sein.

In eigenen Abschnitten werden vorgestellt:

Rebirthing, Festhaltetherapie nach Jirina Prekop, Familienaufstellung nach Bert Hellinger, The Secret, Hoffman-Quadrinity-Prozess, Reinkarnationstherapie, The Work, Channeln / Engeltherapie, Fernheilung.

Wichtig sind aber auch die Kapitel über „Typische Eigenschaften von Pseudo-Therapien“ und „Die häufigsten Argumente der Anhänger von Pseudotherapien“. Aus diesen Kapiteln kann man nämlich Schlüsse ziehen, die sich auch auf andere Pseudo-Therapien übertragen lassen.

Ich habe mich selber einige Jahre im „Psychokuchen“ bewegt und auch Psychotherapie-Ausbildungen absolviert. In dieser Zeit habe ich Wertvolles gesehen und erlebt, aber auch viel „Schrott“ und grandiose Selbstüberschätzung. von Trainern und Therapeuten.

Darum kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Schau genau hin, worauf du dich einlässt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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