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Olbas Tropfen – ein Gemisch von ätherischen Ölen – getestet auf antimikrobielle Wirkung

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Olbas Tropfen – ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel – enthalten ein Destillat aus einer Mischung von Pfefferminzöl, Cajeputöl, Eukalyptusöl, Wacholderbeeröl und Wintergrünöl im Verhältnis von 53 : 21 : 21 : 3 : 2.

Das Präparat wird traditionell zur Einnahme und Inhalation bei Erkältungskrankheiten (Husten, Schnupfen, Heiserkeit) empfohlen, zur Einnahme bei leichten Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, zur äußerlichen Anwendung bei leichten Kopfschmerzen, beispielsweise bei Verspannungszuständen, sowie zur äußerlichen Anwendung bei umschriebenen (lokalen) Muskelschmerzen nach Überanstrengung / Fehlbelastung. Darüber hinaus ist es auch bekannt für seine Anwendung bei diversen Sportverletzungen.

Die „Pharmazeutische Zeitung“ hat den Stand der Forschung zu Olbas zusammengestellt. Daraus lassen sich interessante Schlüsse ziehen. unter anderem auch bezüglich der antimikrobiellen Wirkungen der einzelnen ätherischen Öle, die Bestandteil der Olbas-Mischung sind.

Zahlreiche Laboruntersuchungen (in-vitro) belegen zweifelsfrei die antimikrobielle Wirkung von ätherischen Ölen. Viele Bakterien, Pilze und Viren reagieren äusserst sensibel auf ätherische Öle.

Solche positiven Resultate lassen den unterstützenden oder zum Teil alleinigen Einsatz von ätherischen Ölen in der Phytotherapie und Aromatherapie bei Haut- und Wundinfektionen sowie bei Erkältungskrankheiten plausibel erscheinen.

Eine In-vitro-Studie untersuchte das antimikrobielle Potenzial von Olbas im Vergleich zu seinen individuellen Basisölen (Cajeputöl, Eukalyptusöl, Pfefferminzöl, Wacholderbeeröl und Wintergrünöl). Die Ergebnisse zeigen, dass Olbas ein relativ breites Wirkungsspektrum mit insgesamt guter bis sehr guter antimikrobieller Wirkung gegen alle Testkeime besitzt, einschließlich Methicillin-resistenter (MRSA) Stämme und Vancomycin-resistenter Enterococcus (VRE) Stämme. Besonders hervorgehoben wird von den Autoren die relativ hohe Sensibilität der Bakterien Acinetobacter baumanii, Escherichia coli und Pseudomonas aeruginosa sowie des Hefepilzes Candida albicans gegen Olbas. Die genannten Bakterien bewirken Wundinfektionen sowie Spitalinfektionen und erweisen sich oft als multiresistent gegen verschiedene Antibiotika. Im Fall der erwähnten Untersuchung war Pseudomonas aeruginosa gegen die Antibiotika Ampicillin und Vancomycin resistent. Interessant ist die Wirksamkeit gegen Pseudomonas aeruginosa, weil dieser Keim gegen zahlreiche ätherische Öle eine stark verminderte Sensibilität aufweist. Dies hängt damit zusammen, dass Pseudomonas aeruginosa über sogenannte MDR-Effluxpumpen verfügt, die in der Lage sind, eingedrungene Monoterpene (= Bestandteile vieler ätherischer Öle) wieder aus der Zelle zu schleusen.

Vergleicht man die Wirksamkeit der einzelnen Basisöle mit derjenigen der Olbas-Kombination, dann sind nur die antimikrobiellen Aktivitäten von Pfefferminzöl und Cajeputöl erwähnenswert. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die antimikrobielle In-vitro-Wirkung von Olbas weitgehend auf derjenigen von Pfefferminzöl beruht.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=51283

Kommentar & Ergänzung:

Für mich sind vor allem die Vergleichswerte der verschiedenen ätherischen Öle interessant. Die detaillierten Werte sind im Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ in einer Tabelle zusammengestellt.

Bemerkenswert ist für mich die klare Überlegenheit von Pfefferminzöl gegen Bakterien. Nur gegen Pseudomonas aeruginosa ist Cajeputöl sehr deutlich und Eukalyptusöl deutlich wirksamer. Und gegen Streptococcus pyogenes und Streptococcus oralis ist Pfefferminzöl gleichauf mit Cajeputöl an der Spitze. Auch gegen Hefepilze (Candida albicans) zeigt Pfefferminzöl von den untersuchten Einzelöle die beste Wirkung.

Cajeputöl (aus Melaleuca leucadendra) ist botanisch verwandt mit Teebaumöl (aus Melaleuca alternifolia).

Generell muss zu diesen Untersuchungsergebnissen gesagt werden:

Dass ätherische Öle zum Teil bemerkenswerte antimikrobielle Wirkungen haben und in dieser Hinsicht angesichts zunehmender Antibiotika-Resistenzen vermehrte Beachtung verdienen, steht ausser Frage.

Man muss aber wissen, dass solche eindrücklichen Ergebnisse wie in der beschriebenen Untersuchung im Labor stattfinden, in dem ätherische Öle in eine Bakterien- oder Pilzkultur appliziert werden. Das ist ein sehr direkter Kontakt mit hoher Konzentration.

Mir fällt einfach auf, dass in der Aromatherapie-Literatur solche In-vitro-Ergebnisse oft sehr schnell auf die Anwendung von Aromaölen im Alltag übertragen werden. Beispielsweise wird dann einem ätherischen Öl, das im Labor in einer Bakterienkultur einen Spitalkeim abtöten kann, auch zugetraut, dass es diesen Spitalkeim genauso hemmt, wenn man es im Spital als Duft einsetzt. Das sind aber zwei völlig unterschiedliche Kontexte und es wird beim Verdunstenlassen im Raum einfach nicht annähernd die Konzentration erreicht, die in der Bakterienkultur direkt wirksam wird.

Der Kontext, in dem eine Erkenntnis gewonnen wurde, darf bei der Beurteilung nicht ausser acht gelassen werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

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Naturheilmittel Teebaumöl

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Die „B. Z.- Berlin“ stellt Teebaumöl als Naturheilmittel vor – mit einer Mischung von Fakten und Fiktion.

Nachfolgend einige Zitate (kursiv) mit Kommentar (M.K.):

„Bekannt ist das beliebte ätherische Öl schon seit der Entdeckung Australiens.“

M.K.: Das stimmt nicht. Die einheimischen Aborigines verwendeten Teebaumblätter als Tee. Erstmals für die westliche Welt beschreiben wurde diese Anwendung von Crew-Mitgliedern des englischen Entdeckers James Cook (1728 – 1779). Erst in den 20/30er-Jahren des 20. Jahrhunderts setzte sich das europäisch kolonialisierte Australien mit Teebaumöl auseinander und erst 1925 wurde erstmals das ätherische Öl destilliert.

Die Anwendung von isoliertem Teebaumöl ist also keine Arborigines-Medizin und auch noch nicht sehr alt.

„So wurde bereits nachgewiesen, dass mit Teebaumöl das Bakterienwachstum auf der Haut gestoppt werden kann und Viren gänzlich abgetötet werden. Entsprechend gestreut sind die Hauptanwendungsgebiete: So wird Teebaumöl als Zusatz bei der Bekämpfung von Fußpilz, Akne, Herpes und anderen Auffälligkeiten mit gutem Erfolg angewandt.“

M.K.: Die Wirksamkeit von Teebaumöl gegen Bakterien, Pilze und Viren ist recht gut belegt.

Ergänzen müsste man aber dazu noch, dass viele ätherische Öle solche antimikrobiellen Wirkungen haben – zum Beispiel Korianderöl, Lavendelöl, Kümmelöl, Thymianöl. Und manche dieser anderen ätherischen Öle sind zudem besser verträglich und im Duft angenehmer. Die einzigartige Stellung, die dem Teebaumöl zuweilen zugeschrieben wird, dürfte also weitgehend marketingbedingt sein.

„In der normalen Fußpflege spielen Produkte mit Teebaumöl inzwischen eine große Rolle. Ebenso bei der Behandlung von Kopfhautschuppen, bei Abgespanntheit und als Massageöl. Allerdings kann die unverdünnte Anwendung zu Hautreizungen führen und allergische Reaktionen auslösen.“

M.K.: Die Anwendung von Teebaumöl zur normalen Fusspflege und als Massageöl ist meiner Erachtens unsinnig. Ein Nutzen ist nicht ersichtlich und Teebaumöl kann nicht nur bei unverdünnter Anwendung allergisierend wirken. Und wenn schon der Nutzen nicht klar ist, dann ist auch jedes Allergierisiko zu vermeiden.

Bei Kopfschuppen wäre eine Differenzierung nötig. Kopfschuppen gibt es in einer trockenen und einer fettigen Variante. Bei der trockenen Variante dürfte Teebaumöl nutzlos bis falsch sein. Bei der fettigen Variante spielt häufig ein Hefepilz namens Pityrosporum ovale eine Rolle, und weil Teebaumöl pilzhemmend wirkt, ist in diesen Fällen ein günstiger Effekt nicht ausgeschlossen. Über die passende Konzentration müsste man dann noch reden.

Für „Abgespanntheit“ als Anwendungsbereich gibt es meines Wissens keinerlei fundierte Begründung. Und wie sollte das eingesetzt werden? Einatmen?

„In den letzten Jahren sind weitere Anwendungen des ätherischen Öls hinzugekommen.“

M.K.: Das geschieht oft so. Hat ein Mittel einen gewissen Kultstatus erreicht, wie das beim Teebaumöl der Fall ist, werden die Anwendungsbereich laufend erweitert (dieses Phänomen wird auch Indikationslyrik genannt).

Ob all die Anwendungsbereiche dann auch sinnvoll und plausibel sind, müsste immer wieder kritisch überprüft werden.

„So sind Entzündungsbehandlungen im Mund- und Rachenbereich wohl ebenso erfolgversprechend…..“

M.K.: Vielleicht dann, wenn es auf eine antimikrobielle Wirkung ankommt. Das ist aber lange nicht immer der Fall. Bei Entzündungen im Bereich von Mund und Rachen sind oft Gerbstoffe wirksamer – vor allem in akuteren Fällen über ein paar Tage – oder längerfristig schützende und reizlindernde Schleimstoffe.

„…..erfolgsversprechend wie die psychische Wirkung. Diese soll stärkend und ausgleichend sein, vor allem bei Lustlosigkeit, Antriebslosigkeit und Erschöpfungszuständen.“

M.K.: Diese Angaben sind meines Erachtens aus der Luft gegriffen. Es gibt keine auch nur ansatzweise fundierten Begründungen dafür. „Stärkend und ausgleichend“ – das ist eine sehr wolkige Aussage. Wer kann Stärkung und Ausgleich nicht brauchen. Und Lustlosigkeit, Antriebslosigkeit und Erschöpfungszustände? Kennt das in unterschiedlichem Mass nicht jeder Mensch gelegentlich. So wird ein Mittel kreiert, das für fast jede Lebenslage gut ist.

Damit kein Missverständnis entsteht: Mir geht es nicht darum, das Teebaumöl „runterzumachen“. Es ist nur immer wieder wichtig zu klären, was die „Kernkompetenz“ eines Naturheilmittels ist, und was „Ausschmückung“.

Quelle:

http://www.bz-berlin.de/ratgeber/gesundheit/naturheilmittel-teebaumoel

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Durchfallmittel Perenterol® von UCB an Medice verkauft

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Die Pharmafirma Medice kaufte vor kurzem die Lizenzrechte am Durchfallmittel Perenterol vom belgischen Pharmaunternehmen UCB.

Perenterol® enthält die Hefeart Saccharomyces boulardii und wird zur Anwendung gegen Durchfall und Akne beworben.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/unternehmen/article/830318/antidiarrhoika-medice-erwirbt-hefepraeparat-ucb.html?sh=13&h=-73577342

Kommentar & Ergänzung:

Dass Perenterol gegen Akne wirksam ist, scheint mir fraglich. Gegen Durchfall ist Saccharomyces boulardii besser fundiert.

Was ist Saccharomyces boulardii?

Saccharomyces boulardii ist ein Hefepilz, der als Präparat zur Vorbeugung und Behandlung von Durchfallerkrankungen verschiedener Ursachen zugelassen ist. Der Pilz ist ein naher Verwandter der Backhefe und zeigt antitoxische, entzündungshemmende, antimikrobielle und immunmodulierende Eigenschaften. Unerwünschte Wirkungen treten nur  selten auf. Saccharomyces boulardii kann im Gegensatz zu anderen Probiotika (z. B. Bioflorin®) mit Antibiotika kombiniert eingenommen werden.

In der Schweiz ist Saccharomyces boulardii seit 1990 unter dem Namen Perenterol® zugelassen. In Europa kommt der Hefe-Pilz seit den 1950er Jahren als Probiotikum zur Anwendung. Im Jahr 2012 wurde in der Schweiz das Analogpräparat Mephenterol® registriert.

Saccharomyces boulardii ist zur Vorbeugung und Therapie von Durchfallerkrankungen verschiedener Ursachen zugelassen. Die Präparate können beispielsweise beim Reisedurchfall oder Durchfall infolge einer Antibiotikabehandlung eingesetzt werden.

Antimykotika können die Hefe-Pilze abtöten und so die Wirksamkeit des Arzneimittels vermindern.

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Bioflorin – ein Heilpflanzen-Präparat?

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In Heilkräuterkursen werde ich beim Thema Verdauungsbeschwerden immer wieder einmal gefragt, ob das Durchfallmittel Bioflorin aus Heilpflanzen besteht.

Bioflorin® ist ein mikrobielles Präparat – ein Probiotikum – auf der Basis von Bakterien. Es enthält lebende Enterokokken des Stammes SF 68 und wird zur Vorbeugung und Behandlung von Durchfallerkrankungen eingesetzt. Die Enterokokken normalisieren die Darmflora, indem sie sich im terminalen Dünndarm und im Dickdarm ansiedeln und dort unter anderem das Wachstum pathogener Erreger hemmen.

Sie können schon bei Säuglingen eingesetzt werden. Unerwünschte Wirkungen sind kaum zu befürchten.

Der Stamm SF 68 verträgt den tiefen pH des Magens gut und vermehrt sich rasch (Generationszeit 19 Minuten).

Das mit Bioflorin®  identische Bioflorina® wird nicht von der Grundversicherung bezahlt, darf dafür aber beim Publikum beworben werden.

Bioflorin® wird oft auch nach Antibiotikabehandlungen gegeben, um Durchfall vorzubeugen und die Darmflora zu regenerieren.

Antibiotika können die Enterokokken allerdings wie andere Bakterien abtöten und sollten in einem zeitlichen Abstand von 1-2 Stunden eingenommen werden. Wird ein Probiotikum schon während der Antibiotikabehandlung angewendet, ist es meiner Ansicht nach allerdings sinnvoller, Perenterol® einzusetzen. Die lebenden Hefepilze im Perenterol®  – Saccharomyces boulardii – sind resistent gegen Antibiotika.

Damit ist auch klar: Weder Bioflorin®, das zu den Bakterienpräparaten gehört, noch Perenterol®, das als Hefepräparat zum Pilzreich zählt, kann man als Heilpflanzen-Präparat bezeichnen. Aber ganz weit draussen am Rand würde ich sie schon noch zur Phytotherapie rechnen, obwohl das der biologischen Einteilung nicht gerecht wird.

Und natürlich gibt es auch Heilpflanzen, die in der Phytotherapie bei Durchfall eingesetzt werden können:

– Heilpflanzen mit Gerbstoffen wie Schwarztee, Tormentillwurzel, Ratanhiawurzel:

– Heilpflanzen mit bestimmten Polysachariden (bzw. „Schleimstoffen“) wie Flohsamen, Johannisbrotkernmehl, Reisschleim.

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Naturkunde: Hefepilze überwintern im Wespenmagen

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Hefepilzen (Saccharomyces cerevisiae) sind für die genetische Grundlagenforschung wichtig und unentbehrlich bei der Produktion vieler bedeutender Lebensmittel.

Sie werden daher in Brauereien, Bäckereien und Labors gehalten. Bei Bedarf holt man sich Nachschub aus der Natur. Aber wie lebt Saccharomyces cerevisiae dort und vor allem: Wie kommen die Hefepilze über die Kälte und den Nahrungsmangel des Winters?

Die überraschende Antwort: In den Mägen von überwinternden Wespenköniginnen.

Ducia Cavalieri (Florenz) hat den Mageninhalt von überwinternden Königinnen – bei Wespen, Bienen und Hornissen – untersucht und (nur) bei Wespen Saccharomyces cerevisiae gefunden. Die Wespenkönigin nimmt Hefepilze mit auf, wenn sie im Herbst etwa an Trauben nascht, und sie gibt sie an ihre Jungen weiter, wenn sie sie im Frühjahr darauf mit dem herausgewürgten Mageninhalt aufpäppelt (Pnas, 6.8. 2012). Die Hefepilze leben dann noch, das konnte Cavalieri mit eingebauten Leuchtgenen zeigen.

Die Kenntnis um diese wichtige Funktion der Wespen in der Natur nützt uns zwar nicht direkt, wenn die Tiere uns im Spätsommer und Herbst lästig werden. Aber eine gewisse Imageaufbesserung kann den Wespen nicht schaden, denn in vielen Situationen ist durchaus eine friedliche Koexistenz  möglich zwischen Wespen und Menschen.

Und wer sofort in Panik ausbricht beim Auftauchen eines gelb-schwarz gefärbten Fluginsekts, kann nicht mehr gut unterscheiden, ob die Situation jetzt gerade heikel oder harmlos ist und lässt sich vielleicht sogar von den ebenfalls gelb-schwarz gefärbten, aber stachellosen Schwebfliegen unnötigerweise in Schreck versetzen.

Quelle:

http://diepresse.com/home/science/1277407/Den-Wespen-fuer-Brot-und-Wein-danken?_vl_backlink=/home/science/index.do

Siehe auch:

Naturkunde: Gallische Feldwespe – je farbiger desto giftiger

P.S. zum Thema Hefen in der Medizin:

Eng verwandt mit der Backhefe Saccharomyces cerevisiae ist der  Hefepilz, Saccharomyces boulardii (Synonym: Saccharomyces cerevisiae var. boulardii).

Er  wird als probiotischer Arzneistoff zur Behandlung von Durchfall sowie vorbeugend während und nach Antibiotikagabe eingesetzt.

Saccharomyces boulardii ist in der Schweiz in Form von Kapseln und als Pulver in Beuteln im Handel (Perenterol®, Perenterol® travel) und seit 1990 als Arzneimittel zugelassen. Perenterol® travel ist seit 2010 registriert und zur Therapie des Reisedurchfalls freigegeben. In Europa wird der Pilz seit den 1950er Jahren als Probiotikum angewendet.

Im Gegensatz zur Backhefe enthält Perenterol lebende Hefezellen.

Übrigens noch zum Thema Natur: Wer Beobachten gelernt hat  und etwas versteht von den Zusammenhängen in der Natur, kann jederzeit eine spannende Safari vor der Haustüre erleben und zum Beispiel harmlose Schwebfliegen (Syrphidae) von stachelbewehrten Wespen unterscheiden.

Solche Naturentdeckungen sind ein gutes Kontrastprogramm zur Arbeit am Computer, aber auch sonst zum Stress im Alltag.

Einen Einstieg in diese weitgehend unbekannte Wunderwelt in unserer unmittelbaren Umgebung können Sie auf meinen Naturexkursionen erleben. Eine Übersicht der Daten finden Sie hier.

Das nächste Naturseminar ist die Spätsommer-Exkursion in Trin / Flims / Bargis am 14. – 16. September 2012. Heilkräuter, Herbstblumen, Spinnen und ihre Netze, Heuschrecken und ihre Gesänge, sowie eine faszinierende Berglandschaft werden dieses Wochenende zu einem Naturerlebnis machen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie bei Hautpilzen

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Im Phyto-Forum der Aerztezeitung ging es vor einiger Zeit um das Thema Hautpilze.

Ätherische Öle oder Eichenrindenbäder könnten bei Hautpilzen als zusätzliche, nicht aber als alleinige, Maßnahme empfohlen werden, schrieb Professor Jürgen Reichling.

In einer Beobachtungsstudie habe beispielsweise Teebaumöl die Symptome einer Nagelpilzinfektion – hauptsächlich Juckreiz und Hautrötung – signifikant vermindert. Der Nagelpilz selbst konnte jedoch nicht abgetötet werden.

Abschliessend kam die Empfehlung, dass in jedem Fall ätherische Öle nur verdünnt (1-3 %) verwendet werden sollten, da sie prinzipiell hautreizend seien.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/mykosen/article/814861/phytotherapie-zusaetzlich-antimykotika.html?sh=8&h=-1011156689

Kommentar & Ergänzung:

Bei diesem Thema braucht es meines Erachtens mehr Differenzierung. Bei einem Nagelpilz bin ich auch sehr skeptisch, was die Erfolgsaussichten einer Behandlung allein mit ätherischen Ölen betrifft. Die Rede ist hier aber auch generell von Hautpilzen. Und da würde ich schon sagen, dass zum Beispiel ein Fusspilz bei konsequenter Behandlung recht oft durch ätherische Öle zu vertreiben ist.

Ich selber würde bei Fusspilz allerdings nicht Teebaumöl empfehlen, sondern Lavendelöl, Korianderöl oder Kümmelöl, die ich für verträglicher halte.

Lavendelöl oder auch Korianderöl lässt sich in der Regel auch unverdünnt auf die Haut auftragen.

Siehe auch:

Verbessert Korianderöl die Wirkung von Antibiotika?

Zur Wirkung von Korianderöl

Korianderöl bekämpft gefährliche Bakterien

Phytotherapie: Zur Wirkung von Koriander / Korianderöl

Jasminöl, Teebaumöl und Minzöl gegen Scheidenpilz untersucht

Ätherische Öle gegen Hefepilze (Candida albicans)

Heilpflanzen bei Pilzerkrankungen (Mykosen)

Lavendelöl wirksam gegen Hautpilze

Der Anwendungsbereich von Eichenrindenbädern müsste noch präziser gefasst werden. Sie eignen sich zum Beispiel, wenn bei einem Fusspilz offene Hautstellen vorhanden sind. Dann macht man zuerst ein paar mal ein Eichenrindenfussbad. Wenn die offenen Stellen sich geschlossen haben, kommen ätherische Öle zur Anwendung.

Die Phytotherapie verwendet Eichenrindenbäder vor allem bei nässenden Wunden und nässenden Ekzemen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zur Wirkung von Korianderöl

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Die Zeitschrift für Phytotherapie (Nr. 1 / 2012) publizierte einen Beitrag zur Wirkung von Korianderöl. In der Zusammenfassung heisst es dort:

„Das ätherische Öl der Früchte gilt als mildes und in der äußeren Anwendung sehr gut verträgliches Mittel gegen Darmkrämpfe und es regt die Verdauung an. Zudem wirkt es antimikrobiell und hat sich in der unterstützenden äußerlichen Behandlung von Impetigo, Candidose, Intertrigo, Neurodermitis und Juckreiz bewährt.“

Koriander (Coriandrum sativum L.) ist eine krautige Pflanze, die zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae) gehört. Obwohl andere Doldenblütler wie Kümmel, Anis und Fenchel in der Phytotherapie eine wichtige Rolle spielen, wird Koriander trotz seiner jahrtausendelangen Verwendung durch den Menschen nur wenig medizinisch genutzt.

Der Koriander ist eine typische Kulturpflanze und stammt wohl aus den Gebirgen des östlichen Mittelmeergebietes. Wildvorkommen haben kaum Bedeutung.

Korianderöl wird durch Wasserdampfdestillation aus den getrockneten, reifen Korianderfrüchten gewonnen. Die farblose bis blassgelbe Flüssigkeit besitzt einen blumigwürzigen Geruch und besteht zu 60-75% aus Linalool, zu jeweils 3-6% aus Geraniol, Borneol, Kampher, Limonen und α-Pinen sowie zu je 1% aus Camphen, Cineol, Geranylacetat, β-Pinen und γ-Terpinen.

Gut untersucht ist die antimikrobielle Wirkung von Korianderöl. Die Zeitschrift für Phytotherapie (1 / 2012) schreibt dazu:

„Korianderöl wirkt gegen Pseudomonas aeruginosa, Bacillus subtilis, Salmonella typhosa, Campylobacter jejuni, Mycobacterium avium, β-hämolysierende Streptokokken und Staphylococcus aureus, inklusive methicillinresistenter Stämme (MRSA). Korianderöl wirkt außerdem antimykotisch gegen Aspergillus aegypticus, Penicillium cyclopium, Penicillium interdigitatum, Trichoderma viride, Epidermophyton interdigitale und Microsporum canis. Ausführlich untersucht wurde die Wirkung von Korianderöl gegen Candida albicans: Es hemmte die Biofilm-Bildung durch den fakultativ pathogenen Hefepilz genauso wirksam wie Nystatin und Fluconazol.“

Gegenüber dem antimikrobiell ebenfalls sehr wirksamen Thymianöl habe Korianderöl den Vorteil, dass es nicht so streng riecht.

Korianderöl sei ein mildes und in der äußeren Anwendung sehr gut verträgliches ätherisches Öl. In einer Konzentration von 1-5% in fettem Pflanzenöl gelöst entkrampfe es äußerlich aufgetragen die glatte Muskulatur, löse Darmkrämpfe und rege die Verdauung an. Aufgrund seiner stark blähungstreibenden und beruhigenden Eigenschaften sei das Öl bestens geeignet für Bauchmassagen, auch bei kleinen Kindern oder alten Menschen.

Korianderöl verdient meines Erachtens vermehrte Beachtung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Probiotika bei Durchfall – ein kurzer Überblick

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Probiotika (pro bios, für das Leben) sind lebende und im weiteren Sinne auch abgetötete Mikroorganismen, die, wenn sie in genügender Menge aufgenommen werden, dem Wirtsorganismus einen gesundheitlichen Nutzen bringen.

Probiotika können zur Vorbeugung und Behandlung von Durchfallerkrankungen eingesetzt werden. Sie normalisieren dabei die Darmflora, indem sie sich im Darm ansiedeln oder den Aufbau einer gesunden Darmflora begünstigen. Probiotika können schon bei Säuglingen eingesetzt werden.

Als Arzneimittel gegen Durchfallerkrankungen werden verwendet:

– Enterokokken SF 68 (Bioflorin®, Bioflorina®)

Lebende Enterokokken des Stammes SF 68 werden als Probiotika zur Prävention und Therapie von Durchfallerkrankungen eingesetzt. Enterokokken normalisieren die Darmflora, indem sie sich im terminalen Dünndarm und im Dickdarm ansiedeln und dort die Darmflora normalisieren, indem sie unter anderem das Wachstum pathogener Mikroorganismen hemmen. Sie können schon bei Säuglingen eingesetzt werden.

Gleichzeitig eingenommene Antibiotika können die Enterokokken abtöten und damit die Wirkung beeinträchtigen. Antibiotika sollten daher in einem zeitlichen Abstand von 1-2 Stunden eingenommen werden.

– Saccharomyces boulardii (Perenterol®)

Saccharomyces boulardii ist ein Hefepilz, der als Arzneimittel zur Prävention und Therapie von Durchfallerkrankungen verschiedener Ursachen zugelassen ist. Saccharomyces boulardii ist mit der Backhefe eng verwandt und hat antitoxische, entzündungshemmende, antimikrobielle und immunmodulierende Eigenschaften.

Der Pilz ist lebensfähig, siedelt sich jedoch nicht dauerhaft im Darm an, sondern wird innert weniger Tage wieder ausgeschieden.

Unerwünschte Wirkungen kommen selten vor. Saccharomyces boulardii kann im Gegensatz zu anderen Probiotika mit Antibiotika kombiniert werden, da die Antibiotika den Hefepilz nicht schädigen.

Antimykotika können dagegen die Hefepilze abtöten und so die Wirksamkeit des Arzneimittels reduzieren.

Der Name des Pilzes verweist auf seinen Entdecker, den französischen Mikrobiologen Henri Boulard. Er entdeckte ihn im Jahr 1920 in Indochina während einer Choleraepidemie.

– Lactobacillus (Lactoferment®)

Die Milchsäurebakterien haften sehr gut an Zellen der menschlichen Darmschleimhaut. Sie bilden eine Art Biofilm aus und hemmen dadurch den Befall von Darmzellen mit Durchfall auslösenden Mikroorganismen.

Zudem wurde eine direkte antibakterielle Wirkung auf verschiedene Durchfallerreger nachgewiesen. Lactobacillus vermindert die Durchfall verursachenden Bakterien und bewirkt eine unspezifische Immunstimulation der Schleimhäute mit vermehrter Bildung von Antikörpern. Die säurebildende Abwehrflora wird gefördert: Experimente zeigen eine Stimulation des Wachstums der säurebildenden Darmflora. Dies stärkt die körpereigene Darmbarriere.

Quelle: Pharmawiki

Kommentar & Ergänzung:

Probiotika wie Enterokokken (Bioflorin®), Saccharomyces boulardii (Perenterol®) und Lactobacillus (Lactoferment®) sind eine gute Option zur Vorbeugung und Behandlung von Durchfallerkrankungen, etwa als Folge einer Behandlung mit Antibiotika oder gegen Reisediarrhoe.

Sie können auch eingesetzt werden bei Colitis ulcerosa in der Remissionsphase.

Ich selber nehme Perenterol auf jede Chinareise prophylaktisch mit und hatte noch nie Probleme mit infektiösen Durchfallerkrankungen. Allerdings kann ich nicht beurteilen, ob ich auch ohne Perenterol gesundprobiotische Joghurtgeblieben wäre. Und gegen Durchfall aufgrund von scharfen Speisen nützen Probiotika natürlich nicht.

Probiotika in Lebensmitteln

Neben der Anwendung als Arzneimittel werden Probiotika zunehmend auch in Nahrungsmitteln eingesetzt und als gesundheitsfördernd beworben („Verdauung gut, alles gut“). Am bekanntesten sind probiotische Joghurts. Die gesundheitlichen Versprechungen sind dabei oft fragwürdig. Der Ernährungswissenschaftler Martijn Katan (Amsterdam) kam beispielsweise in einer Studie zu dem Schluss, dass sich weder die Häufigkeit noch Art des Stuhles bei Menschen ändert, die den Joghurt Activia assen (Quelle: Wikipedia).

Auch die Versprechungen bezüglich verbesserter Immunabwehr gegen Erkältungen (Actimel) sind unbelegt.

„Umstritten sind vor allem Werbeaussagen, die einen wissenschaftlich belegten gesundheitsfördernden Effekt suggerieren. So wurde von Foodwatch 2009 der Goldene Windbeutel an Actimel verliehen. In einem vierwöchigen Abstimmungsverfahren wählten die deutschen Verbraucher das Produkt im Frühjahr 2009 zur ‚dreistesten Werbelüge des Jahres’. Anne Markwardt von Foodwatch sagte: ‚Actimel schützt nicht vor Erkältungen – es stärkt das Immunsystem nur ähnlich gut wie ein herkömmlicher Naturjoghurt, ist aber viermal so teuer und doppelt so zuckrig.’ Danone behauptet dagegen, dass die Vorwürfe nicht zutreffend seien: Actimel aktiviere nachweislich Abwehrkräfte, ‚das sei in mehr als 30 wissenschaftlichen Studien belegt.’ In Großbritannien wurden Werbespots für das Produkt verboten, da positive Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern unbewiesen seien.

Danone zog 2010 bei der Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) seine Anträge zurück, mit denen die angeblich gesundheitsfördernden Eigenschaften von Actimel sowie Activia bestätigt werden sollten. Ebenso verzichtete der Konzern in Frankreich und Großbritannien, die angeblich verdauungsfördernde und immunstärkende Wirkung dieser Produkte in Werbespots anzupreisen.“

(Quelle: Wikipedia)

Von Werbeaussagen wie „Die Wirksamkeit ist in 30 wissenschaftlichen Studien belegt“, sollte man sich nicht unnötigerweise allzu stark beeindrucken lassen. Es kommt vor allem auf die Qualität der Studien an, erst in zweiter Linie auf die Quantität.

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Jasminöl, Teebaumöl und Minzöl gegen Scheidenpilz untersucht

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Fast jede Frau leidet in ihrem Leben einmal oder wiederkehrend  unter einer Scheidenpilzinfektion, die in der Regel begleitet ist von Juckreiz oder Brennen im Scheidenbereich und / oder von weißlichem Ausfluss aus der Scheide. In rund 90% der Fälle ist eine Infektion mit dem Hefepilz Candida albicans der Auslöser (vaginale Candidose). Ähnlich wie bei den Antibiotika haben sich in den letzten Jahren auch Candida-Stämme entwickelt, die resistent sind gegen einige der herkömmlichen Fungizide (Anti-Pilzmittel). Eine Studie hat nun untersucht, ob Minzöl (aus Rundblättriger Minze, Mentha suaveolens), Teebaumöl (aus Melaleuca alternifolia) oder Jasminöl (aus Jasminum grandiflorum) eine günstige Wirkung bei der Therapie der vaginalen Candidose haben können.

Im ersten Teil der Studie wurde untersucht, ob die ätherischen Öle das Wachstum der Hefezellen in Reagenzgläsern hemmen und ab welcher Konzentration die Hefezellen abgetötet werden.

Im zweiten Teil wurde die Wirkung der ätherischen Öle bei der Behandlung von Mäusen, die eine Scheidenpilzinfektion mit Candida albicans hatten, untersucht.

Jasminöl zeigte in diesem Laborversuch im Reagenzglas keine Wirkung auf den Hefepilz. Teebaumöl und Minzöl dagegen hemmten das Wachstum der Hefezellen im Laborversuch und töten diese in höheren Dosierungen auch ab. Dabei zeigte das Minzöl bei fast allen untersuchten Candida-Stämmen eine deutlich bessere Wirkung als das Teebaumöl. Beide ätherischen Öle wirkten auch bei Candida-Stämmen, die weitgehend resistent gegenüber dem Standard-Fungizid Fluconazol sind. Allerdings zeigte sich diese Wirkung nur in Dosierungen, die schon nahe derjenigen sind, in denen die ätherischen Öle auch auf Menschenzellen und Mauszellen toxisch wirken.

Der kombinierte vorbeugende und therapeutische Einsatz von Minzöl bei infizierten Mäusen führt nach 15 Tagen ebenfalls zu einer signifkanten Verminderung von Hefezellen im Vaginaltrakt, allerdings sind die Resultate nach 21 Tagen nicht mehr eindeutig. Das Teebaumöl zeigt gewisse, jedoch nicht eindeutige Aktivität nach 9 und 15 Tagen.

Die Carstens-Stiftung schätzt die Studie so ein:

„Der erste Teil der Studie ist gut dargestellt und zeigt deutliche Effekte, wenn auch der Nutzen offen bleibt aufgrund der Zelltoxizität bei Mensch- und Mauszellen.

Die Mäuseversuche sind nicht so gut dargestellt und liefern auch keinen eindeutigen Hinweis, dass eine Behandlung mit Minz-Öl dem infizierten Organismus einen Vorteil bringt.“

Quellen:

Pietrella D, Angiolella L, Vavala E, Rachini A, Mondello F, Ragno R, Bistoni F, Vecchiarelli A. Beneficial effect of Mentha suaveolens essential oil in the treatment of vaginal candidiasis assessed by real-time monitoring of infection. BMC Complement Altern Med. 2011; 11:18.

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/aetherische-oele-bei-vaginaler-candidose.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21356078/

Kommentar & Ergänzung:

Viele ätherische Öle zeigen pilzhemmende Wirkungen. Bekannt dafür sind unter anderem Teebaumöl, Kümmelöl, Gewürznelkenöl, Eukalyptusöl, Korianderöl, Thymianöl, Niaouliöl und Lavendelöl.

Bei der Anwendung auf Haut und Schleimhaut ist allerdings nicht nur die bestmöglichste Wirksamkeit gegen Pilze ausschlaggebend. Mitentscheidend für die Auswahl eines ätherischen Öles ist auch die Verträglichkeit.

Bei der beschriebenen Reagenzglasuntersuchung ist interessant, dass Jasminöl keine Wirkung zeigte und damit für eine Anwendung bei Scheidenpilzinfektionen wegfällt, und dass Minzöl wirksamer war als Teebaumöl.

Mich selber überzeugt für die Anwendung bei Scheidenpilzinfektionen vor allem das Lavendelöl wegen seiner vergleichsweise guten Verträglichkeit. Beim Teebaumöl halte ich die Verträglichkeit für schlechter.

Bei den beschriebenen Mäuseuntersuchungen kann ich keine nützlichen Schlüsse für die Behandlung von Scheideninfektionen bei Frauen ableiten.

Siehe auch:

Ätherische Öle gegen Hefepilze (Candida albicans)

Heilpflanzen bei Pilzerkrankungen ( Mykosen)

Lavendelöl wirksam gegen Hautpilze

Teebaumöl – ein Naturheilmittel macht Karriere

Teebaumöl als Naturheilmittel

Ausserdem zum Thema Scheidenpilzinfektion:

Bei Neigung zu Scheidenpilzinfektionen Zuckerkonsum einschränken

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Ätherische Öle gegen Hefepilze (Candida albicans)

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Gewürznelke, Koriander, Limette, Jasmin, Lemongras und Zimtbaum sind hauptsächlich bekannt aufgrund ihres spezifischen Geruchs bzw. Geschmacks. Dieser beruht vor allem auf einer Gruppe von Inhaltsstoffen, den Terpenoiden Eugenol, Linalool, Citronellal, Linalylacetat, Citral und Benzylbenzoat. Dass diese Substanzen antibakterielle und fungizide Wirkungen besitzen, ist schon seit längerem bekannt. Indische Wissenschaftler haben diese fungiziden ( = pilztötenden) Eigenschaften genauer untersucht, und zwar in Laborversuchen mit Candida albicans, einem Hefepilz der oft in menschlichen Schleimhäuten nachgewiesen werden kann und für verschiedene Pilzinfektionen verantwortlich ist.

Alle sechs untersuchten Terpenoide zeigten sich in den Laborversuchen als wirksam, am schnellsten wirkten Linalool (Koriander) und Eugenol (Gewürznelke), am effektivsten Linalool (Koriander) und Citral (Lemongras). Viel interessanter ist jedoch ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Alle Terpenoide töteten auch Candida-Pilze, die gegen das konventionelle Medikament Fluconazol resistent waren.

Quellen:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/mit-essenziellen-oelen-pilzen-zu-leibe-gerueckt.html

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0944711311001206

Kommentar & Ergänzung:

Interessant ist das gute Abschneiden von Linalool, ein Inhaltsstoff zahlreicher ätherischer Öle.

„Linalool ist Bestandteil vieler ätherischer Öle. Es kommt im Koriander, Hopfen, Muskat, Ingwer, Bohnenkraut, Zimt, Basilikum, Majoran, Thymian, Oregano, schwarzen Pfeffer, Safran und anderen Gewürzpflanzen vor. Auch als Ester (Linalylacetat) und als Linalooloxid findet es sich in vielen ätherischen Ölen. Linalool gehört auch zu den Aromen im Wein. Mit einem Geruchsschwellwert von 25 Milligramm/l ist es eine wichtige Komponente des Muskateller-Bouquets.“

(Quelle: Wikipdedia)

Linalool und Linalylacetat sind wichtige Komponenten im Lavendelöl, das ebenfalls eine gute Wirkung bei Pilzerkrankungen hat.

Siehe:

Lavendelöl wirksam gegen Hautpilze

Lavendelöl-Anwendungen finden Sie in der Broschüre „Ätherische Öle in der Pflege – Wirkung und Anwendung von Lavendelöl“

Zu Eugenol:

Eugenol – der Hauptbestandteil im Nelkenöl

Steckbrief Candida albicans:

„ Candida albicans ist ein Pilz der Candidagruppe, die den Hefepilzen zugeordnet wird. Er ist der häufigste Erreger der Kandidose (auch Candidose, Candidiasis, Candidamykose, Monoliasis, Soor oder bei Babys „Windelpilz“ genannt). Dieser Pilz ist bei Warmblütern (und daher auch beim Menschen) häufig auf den Schleimhäuten von Mund und Rachen und im Genitalbereich sowie im Verdauungstrakt zu finden. Bei etwa 30 % aller gesunden Menschen kann er nachgewiesen werden.

C. albicans gehört zu den fakultativ pathogenen Erregern (nur unter bestimmten Bedingungen eine Krankheit auslösend) und ist als ein Saprobiont anzusehen, der in einem Gleichgewichtszustand mit der menschlichen Immunabwehr und anderen Mikroorganismen siedelt. Die Besiedelung durch diesen Pilz verursacht in der Regel kaum Beschwerden. Bei fehlender oder verminderter Immunität (im Rahmen von anderen Grundkrankheiten, wie Diabetes mellitus, AIDS, oder durch die Gabe bestimmter Medikamente) kann die Besiedelung mit Candida albicans oder ihm verwandten Pilzen jedoch stark zunehmen, die sich dann als Mykose manifestiert. Meistens handelt es sich dabei um endogene Infektionen, das heißt, der Erreger war bereits vor Krankheitsausbruch am Ort der Infektion, seltener um exogene Infektionen, also durch von außen erworbene Erreger.“

(Quelle: Wikipedia)

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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