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Teebaumöl bei Akne

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Das ätherische Öl aus den Blättern und Zweigen des in Australien heimischen Teebaums (Melaleuca alternifolia) gilt als Geheimtipp gegen Pickel / Akne.

Das Portal „Medizin transparent“ hat recherchiert, ob die Studienlage die Wirksamkeit von Teebaumöl gegen Akne bestätigt.

Ein chinesisch-australisches Wissenschaftsteam konnte in einer umfangreichen Recherche nur eine einzige Studie zu diesem Thema finden.

Diese allerdings kleine Studie liefert zwar vorsichtige Hinweise, dass Teebaumöl gegen Pickel helfen könnte. Für wissenschaftliche Gewissheit wären jedoch weitere, gutgemachte Studien mit positivem Resultat nötig.

In dieser Untersuchung hatten die Versuchspersonen per Losentscheid entweder ein Gel mit Teebaumöl in einer 5-prozentigen Konzentration oder aber ein vergleichbares Gel ohne Wirkstoff ( = Scheinpräparat, Placebo) zugeteilt bekommen, das sie sich zweimal täglich auf die betroffenen Stellen im Gesicht auftragen sollten.

Welche der insgesamt 60 Versuchspersonen das Teebaumöl-Präparat und welche das Placebo bekamen, wurde vor den Probanden und dem Studienpersonal geheim gehalten. Durch diese „doppelte Verblindung“, wie das Geheimhalten der Zuteilung vor sowohl Teilnehmern als auch Studienpersonal genannt wird, wird sichergestellt, dass Erwartungen der an der Studie beteiligten Personen das Resultat nicht beeinflussen können. Allerdings ist nicht sicher, dass bei dieser Studie die Verblindung auch bis zum Ende der Studie aufrecht blieb, da die Wirkstoff-freien Salben eine andere Beschriftung hatten als jene mit Teebaumöl.

Nach sechs Wochen zeigten sich bei den Versuchpersonen, welche das Gel mit Teebaumöl verwendeten, durchschnittlich sieben bis acht Hautunreinheiten wie Pickel, Mitesser oder Pusteln weniger als bei jenen, die das wirkstofflose Gel aufgetragen hatten. Mit nur 60 Probanden sind diese Resultate dieser Studie allerdings nur eingeschränkt aussagekräftig. Finanziert wurde die Untersuchung durch ein Unternehmen, das Kosmetika mit Teebaumöl produziert.

Aus den Resultaten ihrer Untersuchung schlussfolgern die Studienautoren, dass ihr Teebaumöl-Präparat kaum mehr Nebenwirkungen hat als das Gel ohne Wirkstoff. „Medizin transparent“ weißt jedoch darauf hin, dass Teebaumöl nicht immer harmlos ist, und bei empfindlichen Personen zu Hautreizungen und allergischen Hautausschlägen führen kann. Das Scientific Commitee on Consumer Safety (SCCS), das auf EU-Ebene berät, warne daher vor Produkten, die über fünf Prozent Teebaumöl enthalten, und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung rate bei Kosmetika überhaupt zu einer Begrenzung auf eine Konzentration von einem Prozent.

Quelle:

https://www.medizin-transparent.at/teebaumoel-gegen-pickel

Kommentar & Ergänzung:

Teebaumöl hat eine gute antibakterielle Wirkung und da Bakterien bei Akne eine Rolle spielen, erscheint eine Wirksamkeit plausibel.

Teebaumöl wird durch Wasserdampfdestillation aus den Blättern und Zweigen des in Australien heimischen Australischen Teebaums (Melaleuca alternifolia) gewonnen.

Es besteht aus einem Gemisch von etwa 100 Substanzen, insbesondere (+)-Terpinen-4-ol (rund 40 %), α-Terpinen (rund 20 %), Terpinolen, Terpineol (jeweils 3 bis 4 %), Pinen, Myrcen, Phellandren, p-Cymen, Limonen, 1,8-Cineol.

Während die chinesisch-australische Forschergruppe nur eine einzige Studie fand, die ihren Qualitätsansprüchen genügte, geht Dr. Rainer C. Görne in der ÄrzteZeitung von fünf randomisierten Studien aus, welche die Wirksamkeit von Teebaumöl bei der Behandlung von Akne belegen sollen. Allerdings fehlen dort Quellenangaben zu diesen Studien.

Siehe: Teebaumöl gegen Akne

 

Die Verträglichkeit des Teebaumöls hängt wesentlich von den Aufbewahrungsbedingungen ab, die möglischst geschützt vor Sauerstoff sein sollten:

Teebaumöl: Korrekte Aufbewahrung reduziert Nebenwirkungen

Grundsätzlich stellt sich jedoch die Frage, ob es unbedingt Teebaumöl sein muss.

Viele ätherische Öle wirken antibakteriell. Und viele ätherische Öle sind besser hautverträglich als Teebaumöl und geruchlich angenehmer.

Besser verträgliche und geruchlich angenehmere ätherische Öle mit antibakterieller Wirkung sind zum Beispiel Korianderöl und Lavendelöl.

Siehe dazu:

Korianderöl bekämpft gefährliche Bakterien

Zur Wirkung von Korianderöl

Phytotherapie: Zur Wirkung von Koriander / Korianderöl

 

 

 

Wer typverwandte ätherische Öle als geruchliche Alternativen zu Teebaumöl sucht probiert es manchmal mit Manukaöl, Kanukaöl, Niaouliöl, Cajeputöl oder Eukalyptusöl.

Manukaöl ( aus der Südseemyrte, Leptospermum scoparium) wirkt ähnlich antibakteriell wie Teebaumöl, ist aber ebenfalls haut- und augenreizend.

Kanukaöl stammt von Leptospermum ericoides (= Kunzea ericoides) und fällt bezüglich antibakterieller Wirkung ab.

Niaouliöl wird mittels Wasserdampfdestillation gewonnen aus Melaleuca viridiflora (Myrtaceae) und gleicht in seiner Zusammensetzung dem Cajeputöl: Hauptbestandteil ist 1,8-Cineol (bis ca. 60 %), weiters Pinen und Limonen. Im Labor zeigte es antimikrobielle Wirkung.

Siehe: Was ist Niaouliöl?

Cajeputöl wird durch Wasserdampfdestillation aus den Blättern und kleineren Zweigen des Cajeputbaumes (Melaleuca leucadendra) gewonnen. Es hat einen an Eukalyptus erinnernden Duft, wirkt stark antimikrobiell, enthält in hohem Maße Terpene und ist ein Hauptbestandteil des Olbasöls.

Siehe:

Olbastropfen – ein Gemisch von ätherischen Ölen getestet auf antimikrobielle Wirkung

Eukalyptusöl stammt von Eucalyptus globulus und besteht hauptsächlich aus 1,8-Cineol (über 70 %), ausserdem 1-Pinen (Spuren bis maximal 9 %), 2-Pinen (0-1,5 %), Limonen (0-12 %), und Phellandren (0-1,5 %). Es zeigt breite antimikrobielle Aktivität, ist dabei aber in seiner Wirksamkeit dem Teebaumöl unterlegen.

Verglichen mit dem relativ giftigen Phenol ist das Teebaumöl 11 bis 13 Mal wirksamer und damit viel stärker bakterizid als Eukalyptusöl, das nur etwa 3,5mal stärker als Phenol wirkt. In der Phytotherapie wird Eukalyptusöl in Kapselform auch innerlich angwendet als schleimlösendes Mittel gegen Husten (Sibrovita N).

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Zimt und Teebaumöl gegen Fusspilz?

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Das Magazin „Focus“ berichtet über die Behandlung von Fusspilz mit Zimt und Teebaumöl:

„Fußpilz ist ein großes Tabuthema. Doch es gibt gute Mittel dagegen: Geben Sie etwas Zimt in Ihre Schuhe und verteilen Sie diesen. Zimt wirkt antibakteriell und tötet so den Fußpilzerreger ab.

Zur Anwendung auf der Haut empfiehlt Mediziner Dietrich Grönemeyer Teebaumöl. Geben Sie dazu zehn Tropfen Teebaumöl in einen bis eineinhalb Liter Wasser und baden Sie Ihre Füße 15 Minuten darin. Achten Sie nach dem Fußbad darauf, dass Sie Ihre Füße vollständig abtrocknen. Vor allem die Zwischenräume zwischen den Zehen sollten Sie trocknen. Denn die Feuchte bietet das perfekte Milieu für den Pilz.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/videos/fusspilz-entfernen-welches-haushaltsmittel-hilft-wirklich_id_7019492.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Zimtrinde enthält ätherisches Zimtöl, das im Labor fungistatische Eigenschaften zeigt. Es hemmt also die Ausbreitung der Pilze, tötet sie aber nicht sicher ab.

Im Labor in einer Pilzkultur lassen sich solche Wirkungen gut zeigen. Ob es reicht, Zimtpulver in die Schuhe zu streuen, um einen Fusspilz loszuwerden, scheint mir aber sehr zweifelhaft. Wahrscheinlich verdunstet im warmen Klima der Schuhe etwas Zimtöl aus dem Zimtpulver. Es ist aber eher zweifelhaft, ob dadurch eine wirksame Konzentration des Zimtöls in der Luft erreicht wird, um einen Fusspilz abzutöten.

Teebaumöl wirkt im Labor deutlich pilztötend (fungizid) auf viele Pilzarten und zeigt diese Wirkung auch am Menschen, also zum Beispiel bei Patienten mit Fusspilz.

Die fungizide Wirkung von Teebaumöl ist jedoch konzentrationsabhängig und an diesem Punkt wird die Empfehlung von 15 Tropfen auf 1 – 1 ½ Liter Wasser fragwürdig.

Teebaumöl ist leichter als Wasser und sammelt sich an der Oberfläche des Badewassers. Dort wird daher wohl eine wirksame Konzentration erreicht, wobei die hohe Konzentration aber auch ein erhöhtes Risiko von Hautreizungen mit sich bringt. Im restlichen Badewasser kommt dagegen des Teebaumöl nur in geringer Konzentration vor, die bei den empfohlenen 15 Tropfen pro 1 bis 1 ½ Liter Wasser deutlich unterhalb der wirksamen Schwelle liegen dürfte. In einer Laborstudie ergab sich als minimale fungizide Konzentration gegen verschiedene Pilzarten ein Wert von 0,03 – 8 % (Quelle 1).

Oft wird Teebaumöl unverdünnt oder in hohen Konzentrationen (zum Beispiel 10%ig) in Präparaten eingesetzt. Aufgrund bisheriger wissenschaftlicher Erkenntnisse reichen tiefere Konzentrationen für eine fungizige Wirkung. Aus diesem Grund und insbesondere auch aus allergologischen Gesichtspunkten scheint in örtlich anzuwendenden Präparaten eine maximale Konzentration von 1 % empfehlenswert. Damit dürfte das Sensibilisierungsrisiko sehr gering sein und die Konzentration in einer wirksameren Grössenodnung als bei den 15 Tropfen auf 1 bis 1 ½ Liter Wasser. Passend wäre die Einarbeitung von 1 % Teebaumöl in Cremegrundlage, Salbengrundlage, Lotion oder Gel (Quelle 2).

Damit ist auch eine homogene Konzentration gewährleistet, im Gegensatz zur Lösung in Wasser, bei der das Teebaumöl obenauf schwimmt.

Anzumerken ist noch, dass das Sensibilisierungsrisiko von Teebaumöl mit zunehmender Oxidation steigt. Darum ist es so wichtig, Teebaumöl vor Luft geschützt auszubewahren.

Siehe dazu auch:

Teebaumöl: Korrekte Aufbewahrung reduziert Nebenwirkungen

Aufgrund der besseren Verträglickeit würde ich gegen Fusspilz allerdings sowieso eher Lavendelöl oder Korianderöl empfehlen.

Siehe dazu auch:

Lavendelöl gegen Hautpilze

Lavendelöl wirksam gegen Hautpilze

 

Zur Wirkung von Korianderöl

Phytotherapie: Zur Wirkung von Koriander / Korianderöl

Korianderöl bekämpft gefährliche Bakterien

Quelle 1: Augustin/Hoch; Phytotherapie bei Hauterkrankungen, 2004, Seite 241.

Quelle 2: Augustin/Hoch; Phytotherapie bei Hauterkrankungen, 2004, Seite 243.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Warzenmittel im Test

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Das Verbraucherschutzmagazin Öko-Test (Juli 2016) hat 17 Mittel gegen Warzen untersucht, die ohne Rezept in Apotheken oder Drogeriemärkten erhältlich sind. Nachfolgend finden Sie eine Zusammenfassung dieses Berichts mit Anmerkungen zu pflanzlichen Warzenmitteln und zur Warzentherapie nach Huckleberry Finn.

Alle von Öko-Test untersuchten Warzenmittel bekämpfen lediglich Symptome, nicht aber die Ursache der Hautläsionen – humane Papillomaviren.

Die Gesamtnote „gut“ ging ausschließlich an Salicylsäure-haltige Mittel aus der Apotheke, weil für diese Substanz die Wirksamkeit am besten durch Studien belegt ist, begründet Öko-Test das Urteil.

Ameisensäure, Monochloressigsäure und Vereisung erklärt der Oeko-Test-Experte zu Mitteln zweiter Wahl. Die Datenlage sei schlechter als bei Salicylsäure, lautet die Begründung. Die entsprechenden Präparate wurden mit der Note „befriedigend“ bewertet.

Flüssiger Stickstoff, wie er in Hautarztpraxen zur Warzenvereisung eingesetzt wird, solle nach Ansicht des Oeko-Test-Experten bevorzugt werden. Er ist wesentlich kälter als die Präparate für die Selbstmedikation und daher potenziell wirksamer.

Beim Umgang mit Monochlor-und Trichloressigsäure ist große Vorsicht geboten, da sie deutlich stärker hautreizend sind als Salicylsäure.

Von chirurgischen Eingriffen rät der Öko-Test-Experte ab, da sie tiefe offene Wunden hinterlassen können.

Oeko-Test weist darauf hin, dass die meisten Hautwarzen ungefährlich sind und nicht zwingend behandelt werden müssen. In aller Regel heilen sie irgendwann von selber ab, was allerdings Wochen, Monate, aber auch Jahre dauern könne.

Öko-Test orientiert sich bei der Beurteilung an wissenschaftlichen Kriterien, zeigt sich gegenüber alternativen Hausmitteln wie Schöllkraut, Schneckenschleim, Zwiebeln, Zitronensaft, Bananenschalen oder Eigenurin jedoch aufgeschlossen, solange Nebenwirkungen wie Hautreizungen beachtet werden. Was hilft, habe seine Berechtigung, heißt es. So verschwinden Warzen oft von selbst und zudem könne Autosuggestion wie beim Besprechen möglicherweise das Immunsystem stärken und so helfen. Man müsse nur fest genug daran glauben, so wie Huckleberry Finn in Mark Twains Roman „Tom Sawyers Abenteuer“:

„Na, du nimmst deine Katze und gehst auf ’nen Friedhof, kurz vor Mitternacht, dahin, wo jemand, der ’n schlechter Mensch gewesen ist, begraben liegt, und wenn’s Mitternacht ist, kommt ’n Teufel oder vielleicht auch zwei oder drei (…), und wenn sie den Kerl wegholen, schmeißte deine Katze hinterher und sagst: ‚Teufel folg Leiche, Katze folg Teufel, Warzen folg Katze, ich bin euch los!‘ Das bringt dir jede Warze weg.“

Die Verbraucherschützer raten Huckleberry Finn allerdings, es besser ohne tote Katze zu versuchen.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/06/30/was-hilft-gegen-warzen/chapter:1

Kommentar & Ergänzung:

Salicylsäure wirkt keratolytisch (hornhautauflösend) und wird auch in der Fachliteratur als Mittel der ersten Wahl empfohlen.

Da Warzen selbstlimitierend sind – irgendwann also von alleine verschwinden – ist die Beurteilung von Behandlungserfolgen im Einzelfall schwierig. Verschwindet eine Warze im Verlaufe einer Behandlung, weiss man nie mit Sicherheit, ob sie wegen der Behandlung verschwunden ist, oder weil einfach der natürliche Zeitpunkt ihres Verschwindens gerade erreicht war.

Eindrücklich ist zudem, wie stark Warzen oft über Suggestion beeinflussbar sind. Das zeigen alle diese überlieferten Rituale mit Besprechen, schwarzen Katzen etc., aber auch die unübersehbare Zahl verschiedenster Hausmittel, die offenbar nicht selten Erfolg haben.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde hat Schöllkrautsaft einen Ruf als Warzenmittel: Zweimal täglich den gelb-orangen Saft aus Blatt oder Stängel frisch auftragen und eintrocknen lassen.

Klinische Untersuchungen, die eine solche Wirkung überprüft hätten, gibt es keine. Das ist nicht weiter erstaunlich. Wer würde schon Geld investieren in die Forschung für ein pflanzliches Warzenmittel, das an jeder Ecke wächst, und das sich daher kaum patentieren und kommerzialisieren lässt.

Immerhin wurden die Wirkstoffe im Schöllkraut untersucht. Es handelt sich dabei vor allem um Alkaloide, bei denen mögliche Erklärungen für eine Wirksamkeit gegen Warzen gefunden wurden. Dazu ein paar Zitate aus der Phytotherapie-Fachliteratur:

„Die quartären Alkaloide, wie Sanguinarin, Chelerythrin und Berberin, reagieren mit nukleophilen bzw. anionischen Gruppen von Eiweissen sowie Nukleinsäuren, hemmen dadurch zahlreiche Enzyme und durch Interkalation in die DNA auch die Zellteilung. Sie sind antimikrobiell und zytostatisch wirksam…Ihre zytostatische Wirkung wird möglicherweise bei der in der Volksmedizin übichen lokalen Anwendung des frischen Milchsafts zur Behandlung von Warzen ausgenutzt.“

Quelle: Teuscher / Melzig / Lindequist, Biogene Arzneimittel, 2012

 

„Äusserlich werden heute noch einige Tropfen des aus der Pflanze gepressten Milchsaftes auf Warzen aufgetragen. Das Wirkprinzip ist unklar; zytostatisch effektive Alkaloide oder Proteasen werden diskutiert.“

Quelle: Dingermann / Hiller / Schneider / Zündorf, Arzneidrogen, 2004

 

„Die Alkaloide sind viruzid….Berberin und Sanguinarin sind starke DNA-interkalierende Substanzen und wirken deshalb cytotoxisch, antimikrobiell und antiviral.“

Quelle: Van Wyk / Wink / Wink, Handbuch der Arzneipflanzen, 2015

 

Zusammengefasst: Alkaloide aus Schöllkraut wirken gegen Viren, hemmen die Zellteilung und spalten Eiweisse. Das sind Erklärungen für eine mögliche Wirksamkeit gegen Warzen. Allerdings muss dabei eingeschränkt werden, dass diese Aussagen auf Experimenten im Labor basieren. Wenn in einer Pflanze Inhaltstoffe vorhanden sind, die im Labor gewisse Effekte zeigen, kann man daraus noch nicht schliessen, dass solche Effekte auch im lebenden Organismus gegen bestimmte Erkrankungen wirksam wird – zum Beispiel gegen Warzen.

Es bleibt also bei sorgfältiger Interpretation noch offen, ob das immer wieder beobachtete Verschwinden von Warzen während einer Schöllkrautsaftkur durch Inhaltstoffe verursacht wurde, durch den natürlichen Verlauf oder durch suggestive Einflüsse. Bei letzterem könnte man sagen, dass Schöllkrautsaft nicht ein Wirkstoffträger ist, sondern ein Bedeutungsträger.

Noch schwieriger als Schöllkraut sind die anderen erwähnten Warzenmittel Schneckenschleim, Zwiebeln, Zitronensaft, Bananenschalen oder Eigenurin:

Schneckenschleim soll antibakteriell wirken. Schnecken schützen sich damit gegen bakterielle Infektionen. Das erklärt keine Wirkung gegen Warzenviren.

Auch Zwiebel wirkt antibakteriell. Traditionell legt man rohe, gesalzene Zwiebelscheiben auf die Warzen auf – erklärt aber auch keine Wirkung gegen Warzenviren. Hautreizende Wirkung mit Durchblutungssteigerung und Verbesserung der Abwehrlage? Alles Spekulation.

Zitronensaft? Keine einleuchtende Erklärung.

Bananenschale? Man soll die Innenseite einer Bananenschale zuschneiden, auf die Warze auflegen und mit einem Heftpflaster befestigen. Das ist eine interessante Idee. Eine plausible Erklärung dafür habe ich aber bisher noch keine gehört.

Eigenurin? Nicht nachvollziehbar – und das Phänomen, dass Eigenurin völlig unkritisch zur Behandlung von unzähligen Krankheiten empfohlen wird, macht die Sache erst recht nicht glaubwürdig. Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Indikationslyrik unter der Lupe

 

Also wenn Sie mich fragen: Trotz fehlender Belege – Schöllkraut ist doch einen Versuch wert. Kostenlos, verfügbar, interessantes Ritual.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Naturheilmittel Teebaumöl

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Die „B. Z.- Berlin“ stellt Teebaumöl als Naturheilmittel vor – mit einer Mischung von Fakten und Fiktion.

Nachfolgend einige Zitate (kursiv) mit Kommentar (M.K.):

„Bekannt ist das beliebte ätherische Öl schon seit der Entdeckung Australiens.“

M.K.: Das stimmt nicht. Die einheimischen Aborigines verwendeten Teebaumblätter als Tee. Erstmals für die westliche Welt beschreiben wurde diese Anwendung von Crew-Mitgliedern des englischen Entdeckers James Cook (1728 – 1779). Erst in den 20/30er-Jahren des 20. Jahrhunderts setzte sich das europäisch kolonialisierte Australien mit Teebaumöl auseinander und erst 1925 wurde erstmals das ätherische Öl destilliert.

Die Anwendung von isoliertem Teebaumöl ist also keine Arborigines-Medizin und auch noch nicht sehr alt.

„So wurde bereits nachgewiesen, dass mit Teebaumöl das Bakterienwachstum auf der Haut gestoppt werden kann und Viren gänzlich abgetötet werden. Entsprechend gestreut sind die Hauptanwendungsgebiete: So wird Teebaumöl als Zusatz bei der Bekämpfung von Fußpilz, Akne, Herpes und anderen Auffälligkeiten mit gutem Erfolg angewandt.“

M.K.: Die Wirksamkeit von Teebaumöl gegen Bakterien, Pilze und Viren ist recht gut belegt.

Ergänzen müsste man aber dazu noch, dass viele ätherische Öle solche antimikrobiellen Wirkungen haben – zum Beispiel Korianderöl, Lavendelöl, Kümmelöl, Thymianöl. Und manche dieser anderen ätherischen Öle sind zudem besser verträglich und im Duft angenehmer. Die einzigartige Stellung, die dem Teebaumöl zuweilen zugeschrieben wird, dürfte also weitgehend marketingbedingt sein.

„In der normalen Fußpflege spielen Produkte mit Teebaumöl inzwischen eine große Rolle. Ebenso bei der Behandlung von Kopfhautschuppen, bei Abgespanntheit und als Massageöl. Allerdings kann die unverdünnte Anwendung zu Hautreizungen führen und allergische Reaktionen auslösen.“

M.K.: Die Anwendung von Teebaumöl zur normalen Fusspflege und als Massageöl ist meiner Erachtens unsinnig. Ein Nutzen ist nicht ersichtlich und Teebaumöl kann nicht nur bei unverdünnter Anwendung allergisierend wirken. Und wenn schon der Nutzen nicht klar ist, dann ist auch jedes Allergierisiko zu vermeiden.

Bei Kopfschuppen wäre eine Differenzierung nötig. Kopfschuppen gibt es in einer trockenen und einer fettigen Variante. Bei der trockenen Variante dürfte Teebaumöl nutzlos bis falsch sein. Bei der fettigen Variante spielt häufig ein Hefepilz namens Pityrosporum ovale eine Rolle, und weil Teebaumöl pilzhemmend wirkt, ist in diesen Fällen ein günstiger Effekt nicht ausgeschlossen. Über die passende Konzentration müsste man dann noch reden.

Für „Abgespanntheit“ als Anwendungsbereich gibt es meines Wissens keinerlei fundierte Begründung. Und wie sollte das eingesetzt werden? Einatmen?

„In den letzten Jahren sind weitere Anwendungen des ätherischen Öls hinzugekommen.“

M.K.: Das geschieht oft so. Hat ein Mittel einen gewissen Kultstatus erreicht, wie das beim Teebaumöl der Fall ist, werden die Anwendungsbereich laufend erweitert (dieses Phänomen wird auch Indikationslyrik genannt).

Ob all die Anwendungsbereiche dann auch sinnvoll und plausibel sind, müsste immer wieder kritisch überprüft werden.

„So sind Entzündungsbehandlungen im Mund- und Rachenbereich wohl ebenso erfolgversprechend…..“

M.K.: Vielleicht dann, wenn es auf eine antimikrobielle Wirkung ankommt. Das ist aber lange nicht immer der Fall. Bei Entzündungen im Bereich von Mund und Rachen sind oft Gerbstoffe wirksamer – vor allem in akuteren Fällen über ein paar Tage – oder längerfristig schützende und reizlindernde Schleimstoffe.

„…..erfolgsversprechend wie die psychische Wirkung. Diese soll stärkend und ausgleichend sein, vor allem bei Lustlosigkeit, Antriebslosigkeit und Erschöpfungszuständen.“

M.K.: Diese Angaben sind meines Erachtens aus der Luft gegriffen. Es gibt keine auch nur ansatzweise fundierten Begründungen dafür. „Stärkend und ausgleichend“ – das ist eine sehr wolkige Aussage. Wer kann Stärkung und Ausgleich nicht brauchen. Und Lustlosigkeit, Antriebslosigkeit und Erschöpfungszustände? Kennt das in unterschiedlichem Mass nicht jeder Mensch gelegentlich. So wird ein Mittel kreiert, das für fast jede Lebenslage gut ist.

Damit kein Missverständnis entsteht: Mir geht es nicht darum, das Teebaumöl „runterzumachen“. Es ist nur immer wieder wichtig zu klären, was die „Kernkompetenz“ eines Naturheilmittels ist, und was „Ausschmückung“.

Quelle:

http://www.bz-berlin.de/ratgeber/gesundheit/naturheilmittel-teebaumoel

 

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Thymianöl: Thymianbad lindert Husten

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Das Magazin „Stern“ berichtet über Hausmittel bei Erkältungen – unter anderem mit folgendem Tipp:

„Mit einem Vollbad können Sie dem Husten entgegenwirken. Geben Sie ein bis zwei Esslöffel Thymianöl in die Wanne und entspannen Sie sich darin 10 bis 15 Minuten. Anschließend am besten gleich ins Bett gehen.“

Quelle:

http://www.stern.de/gesundheit/grippe/tipps/erkaeltung-hausmittel-die-wirklich-helfen-605355-120b6c1afac463fa.html

Kommentar & Ergänzung:

Ein Thymianbad gegen Husten – das ist grundsätzlich eine gute Idee.

Aber:

1. Thymianöl ist – wie die meisten ätherischen Öle – leichter als Wasser. Zudem sind ätherische Öle hydrophob („wasserscheu“). Sie mischen sich also sehr schlecht mit Wasser. Gibt man 2 Esslöffel Thymianöl ins Badewasser, so schwimmt es als Schicht auf der Wasseroberfläche und liegt dort deshalb in konzentrierter Form vor. Das ist schlecht für die Hautverträglichkeit. Daher sollten ätherische Öle emulgiert werden, bevor man sie ins Badewasser gibt. Das kann zum Beispiel geschehen, indem man das ätherische Öl mit etwas Vollmilch oder Kaffeerahm (Sahne) mischt, und erst anschliessend ins Badewasser gibt. Das ätherische Öl wird so besser im Badewasser verteilt und wirkt dadurch nicht so konzentriert auf die Haut. Das verbessert die Verträglichkeit.

2. Zwei Esslöffel Thymianöl pro Badewanne – das scheint mir etwas viel.

Thymianöl kann in zu starker Konzentration auch Hautreizungen auslösen. Es ist in dieser Hinsicht heikler als zum Beispiel Lavendelöl und Korianderöl. Ich würde mich – jedenfalls bei der ersten Verwendung von Thymianöl zu Badezwecken – mit 8 – 10 Tropfen pro Badewanne begnügen, vorgängig gemischt mit Vollmilch oder Kaffeerahm. Bei guter Verträglichkeit kann man die Dosierung immer noch steigern. Ziemlich sicher reichen aber auch die 8 – 10 Tropfen schon für eine angemessene Wirkung. Bei der inhalativen Anwendung von ätherischen Ölen zur Schleimlösung bei Husten ist eine zu hohe Konzentration nämlich eher kontraproduktiv, weil eher auswurfhemmend. Vergleichbar mit Thymianöl könnte im Übrigen auch Eukalyptusöl eingesetzt werden. Beide ätherischen Öle wirken schleimlösend, krampflösend auf die Bronchien und antimikrobiell.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie bei Husten: Äussere Anwendungsformen – Inhalation, Einreibung, Erkältungsbad

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Charakteristische äußere Anwendungsformen der Phytotherapie bei Husten sind Inhalationen, Brustsalben und Erkältungsbäder. Für Inhalationen verwendet werden Kamillenblüten (Matricariae flos) bzw. Kamillenöl, aber auch Latschenkieferöl, Eukalyptusöl oder Campher. Die drei letztgenannten ätherischen Öle, aber auch Pfefferminzöl, Fichtennadelöl und Kiefernnadelöl sind enthalten in Brustsalben und Erkältungsbalsamen. Dünne Einreibungen mit solchen Präparaten über dem Brustbein und zwischen den Schulterblättern wirken rasch und zuverlässig. Als Nebenwirkungen treten manchmal Hautreizungen auf. Wegen des Kratschmerreflexes sollen bei Kleinkindern bis zwei Jahren ätherische Öle nicht in  Gesichtsnähe eingesetzt werden.

Quelle:

http://www.springermedizin.de/phytotherapie-bei-husten/217038.html

Kommentar & Ergänzung:

Bei Kindern unter sechs Jahren sollte man sicherheitshalber keine Erkältungssalben mit Menthol oder Campher anwenden.

Siehe auch:

Woraus bestehen Erkältungssalben?

Bei Pseudokruppanfall keine Erkältungssalben und ätherischen Öle

Was ist Kampfer? Welche Wirkung hat Kampfer?

Erkältungssalbe hilft Kindern mit Infekten

Erkältung beim Kind nicht mit Eukalyptusöl behandeln

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Schmerzmittel Diclofenac birgt Risiko

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Der Wirkstoff Diclofenac ist populär, birgt jedoch Risiken.

Wissenschaftler fragen sich daher, weshalb Ärzte trotzdem häufig noch Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Diclofenac verschreiben, obwohl eine harmlosere Alternative verfügbar ist.

Diclofenac kann Herzinfarkte und Schlaganfälle auslösen. Harmloser sei dagegen der Wirkstoff Naproxen, der viel seltener verschrieben wird. Die Forscher aus London und Toronto stellten fest, dass Diclofenac in 74 Ländern der Erde auf einer Liste der unentbehrlichen Arzneimittel steht. Auf solchen Listen finden sich Präparate, die stets in angemessener Form und zu einem bezahlbaren Preis verfügbar sein sollten. Naproxen dagegen sei nur in 27 Ländern auf dieser Liste.
Weshalb das so ist, haben die Wissenschaftler nicht untersucht oder herausgefunden. Sie verlangen jedoch, Diclofenac von diesen Listen zu streichen und die Mediziner besser zu informieren.

Die Studie des William-Harvey-Forschungsinstituts in London und der Universität Toronto wurde im Fachjournal „PLoS Medicine“ veröffentlicht.

(DOI: 10.1371/journal.pmed.1001388)

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=190393

Diclofenac ist in manchen Situationen zweifellos ein wirksames Medikament, doch sind auch die Risiken in den letzten Jahren zunehmend ins Blickfeld geraten.

Handelsnamen von Präparaten auf der Basis von Diclofenac:

„Das ursprüngliche Präparat der Firma Geigy trug und trägt den Namen ‚Voltaren’. Ferner sind im Handel: Agilomed (A), Algefit (A), Allvoran (D), Arthrex (D), Dedolor (A), Deflamat (A), Deflamm (A), Diclac (D), Diclo (D), Difene (A), Difen-Stulln (D, CH), Dolostrip (A), Dolpasse (A), Ecofenac (CH), Effekton (D), Effigel (CH), Fenisole (CH), Flam-X (CH), Flector (D, CH), Fortenac (CH), Inflamac (CH), Jutafenac (D), Monoflam (D), Olfen (CH), Pennsaid (A), Primofenac (CH), Relowa (CH), Rewodina (D), Sandoz Schmerzgel (D), Solaraze (D, A), Tonopan (CH), Tratul (A), Vifenac (CH), Voltaren (D, A, CH), Voltfast (CH), zahlreiche Generika (D, A, CH)“

(Quelle: Wikipedia)

Der Hinweis auf die weniger riskante Alternative Naproxen ist zwar interessant.

Ich bin aber auch immer ein bisschen vorsichtig, wenn für ein heikles Medikament eine angeblich weniger riskante alternative Angeboten wird. Ich erinnere mich noch gut daran, dass als Alternative zum nierenschädigenden Phenacetin über längere Zeit das „harmlosere“ Paracetamol empfohlen wurde. Es hat einige Jahre gedauert, bis auch das Risikopotential von Paracetamol – zum Beispiel Leberschäden vor allem bei Überdosierung – klarer wurde.

Vielleicht erwartet uns da bei Naproxen auch noch die eine oder andere Überraschung.

Zu den gegenwärtig bekannten möglichen Nebenwirkungen von Naproxen:

„ Nebenwirkungen können auftreten. Nachfolgend die wichtigsten:

Leber- und Nierenstörungen

Magen/Darm-Geschwüre

Übelkeit, Erbrechen

Hautreizungen (allg. Allergische Reaktionen wie beispielsweise Urtikaria)

Schwellungen im Gesicht

Asthma

Durchfall

Blutungen der Magenschleimhaut (können tödlich sein)

Zentralnervöse Störungen Benommenheit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Sehstörungen (Blitze vor dem Auge) Schwindel

Erhöhtes Risiko für Schlaganfall“

(Quelle: Wikipedia)

Aber als Alternative zu Diclofenac ist diese Substanz trotzdem interessant.

Handelsnamen von Präparaten mit Naproxen:

„Alacetan (D), Aleve (D, CH), Apranax (CH), Dolormin für Frauen (D), Dolormin GS (D), Dysmenalgit (D), Miranax (A), Mobilat Schmerztabletten (D), Naprobene (A), Proxen (D, A, CH), zahlreiche Generika (D, A, CH)“

(Quelle: Wikipedia)

Ob Diclofenac oder Naproxen:

Bei Medikamenten dieses Kalibers sollte der Grundsatz lauten: Nur wenn nötig, nicht länger als nötig, nicht höher dosiert als nötig.

Zu Diclofenac siehe zudem:

Schmerzmittel steigern Risiko für Herz-Rhythmus-Störung

Entzündungshemmer Diclofenac mit ökologischen Nebenwirkungen

Diclofenac-Vergiftung: Geierbestand in Indien erholt sich leicht

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Heilpflanzen-Anwendungen bei Hauterkrankungen und Wunden

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Am 23. April 2013 findet im Kulturzentrum Alte Kaserne in Winterthur ein Tagesseminar zum Thema „Heilpflanzen-Anwendungen bei Hauterkrankungen und Wunden statt.

Als Zielgruppe angesprochen sind vor allem Pflegefachleute aus Spitex, Pflegeheim, Palliative Care, Spital und Psychiatrischer Klinik. Das Seminar ist jedoch gut verständlich, so dass Personen ohne medizinische Vorkenntnisse genauso daraus Nutzen ziehen. Ebenso willkommen sind Teilnehmende aus Naturheilkunde, Medizin oder anderen Gesundheitsberufen.

Inhalt

Die Behandlung von Hautproblemen und Wunden – aber auch allgemeiner die Gesunderhaltung der Haut – ist ein zentrales Thema in der Krankenpflege. Heilpflanzen können dabei in zahlreichen Bereichen ausgesprochen wirksam sein. Zum Beispiel Ringelblume, Arnika, „Chäslichrut“, Beinwell, Hamamelis, Aloe, Kamille, Stiefmütterchen, Cardiospermum, Mahonia, Eichenrinde, Schwarztee, Nachtkerzenöl und Borretschöl, Teebaumöl und Lavendelöl. An diesem Seminartag lernen Sie präzis und gut verständlich Anwendungsmöglichkeiten dieser Pflanzen kennen. Es geht also zum Beispiel um Ekzeme, Allergien, Hautreizungen und Wunden aller Art.

Kursort

Das Kulturzentrum „Alte Kaserne“ in Winterthur liegt 15 Fussminuten vom Hauptbahnhof Winterthur entfernt.

Kursleitung: Martin Koradi

Kurskosten Fr. 120.-

Die Ausschreibung und den Anmeldetalon finden Sie hier.

http://www.phytotherapie-seminare.ch/index.php?lang=de&ses=2dfd624d9add&file=940

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Das Leberblümchen wird Blume des Jahres 2013

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Das Leberblümchen (Hepatica nobilis) ist zur «Blume des Jahres 2013» ernannt worden.

Den Titel „Blume des Jahres“, den Loki Schmidt (1919-2010) einst ins Leben gerufen hatte, vergibt die Stiftung Naturschutz in Hamburg.

Das Leberblümchen (Foto auf Wikipedia) gehört zur Familie der Hahnenfussgewächse (Ranunculaceae) und kommt in der Krautschicht alter Buchen- und Eichenwälder vor.

Das Leberblümchen stelle hohe Ansprüche an den Boden und breite sich nur langsam aus, erklärte die Stiftung in einer Mitteilung.

Die Samen des Leberblümchens werden von Ameisen verbreitet. Es breitet sich daher nur langsam aus.

Deshalb ist das Leberblümchen fast nur an Orten zu finden, wo schon lange, meist mehr als 100 Jahre, Wald wächst. Solche alten Waldstandorte seien nicht so häufig, schreiben die Naturschützer.

Das zwischen 5 und 15 Zentimeter hoch wachsende Leberblümchen, blüht zwischen März und April für nur eine Woche. Es bekam seinen deutschen Namen wegen der Blattform: in drei Lappen geteilt sieht das Blatt im Umriss wie eine menschliche Leber aus.

Die mehrjährig, ausdauernde Pflanze, deren einzelne Blütezeit im Frühling nicht länger als rund eine Woche dauert, war in der Biedermeierzeit weit verbreitet und wurde in Klöstern, Gärtnereien und großen Bauerngärten kultivert. Da der Anbau des Leberblümchens im Garten jedoch nicht ganz einfach sei, finde man es dort kaum noch, schreiben die Naturschützer: Das Leberblümchen werde leider nur in wenigen Raritätengärtnereien angeboten. Dort erhalte man auch großblütige Arten und zahlreiche Farbvarianten.

„Im Mittelalter fand das Leberblümchen aufgrund der Form seiner leberartigen Blätter vor allem Anwendung bei Erkrankungen der Leber und der Galle», heisst es in der Erklärung zur Preisverleihung. Heute komme es noch in homöopathischen Dosen bei Lebererkrankungen, Katarrhen und Bronchitis zum Einsatz.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=43794&Nachricht_Title=Nachrichten_Blume+des+Jahres%3A+Das+Leberbl%FCmchen&type=0

Kommentar & Ergänzung:

In der Phytotherapie hat das Leberblümchen keine Bedeutung, weil es keine fundierten Erkenntnisse über seine Wirkung gibt. Deshalb hat es nicht weniger Wert. Schliesslich muss nicht jede Pflanze von uns genutzt werden können. Das Leberblümchen ist im Frühling einfach ein ästhetisches Erlebnis.

In der Homöopathie wird Hepatica nobilis eingesetzt bei Rachenkatarrh, mit reichlichem, serösem Sputum und Heiserkeit. Kitzeln und Reizung im Hals, sowie bei kratzendem und rauhem Gefühl. Begründete Hinweise auf eine spezifische Wirksamkeit dieser Anwendungen liegen allerdings nicht vor. Die Präparate werden trotzdem verkauft, weil Homöopathika generell ohne Wirksamkeitsnachweis zugelassen werden.

Die frische Leberblümchen-Pflanze bildet den Giftstoff Protoanemonin, der zu lokalen Hautreizungen führen kann und bei der Einnahme zu starken Reizungen im Magen-Darmtrakt mit Koliken und Durchfall. Reizungen können auch in den ableitenden Harnwegen auftreten.

Das Leberblümchen eignet sich also nicht als Wildsalat!!

Die Anwendung des Leberblümchens gegen Lebererkrankungen, Gelbsucht, Gallensteinen etc. aufgrund der leberähnlichen Blattform ist reine Spekulation. Diese Art der Signaturenlehre hatte allerdings nicht im Mittelalter, sondern in der Renaissance ihren Höhepunkt. Zu jener Zeit war die Signaturenlehre eingebettet in die damalige Kultur und in den Umgang mit Wissen und Erkenntnis.

Die Signaturenlehre war eine wichtige Strömung in der Geschichte der Pflanzenheilkunde. Wenn heute zum Teil wieder von Farben und Formen der Pflanzen auf ihre Heilwirkungen geschlossen wird, dann ist das allerdings ein Holzweg. Solche Interpretationen entstehen im Kopf des Menschen. Sie haben mit den Pflanzen nichts zu tun.

Zur Signaturenlehre siehe auch:

Pflanzenheilkunde: Nebulöse Aussagen vom Wesen der Pflanzen

Zum Wesen der Heilpflanzen –  Storchenschnabel gegen Schock?

Die fragwürdige Rede vom Wesen der Pflanzen

Pflanzenheilkunde: John Ray zur Signaturenlehre

Wilde Möhre, Leberblümchen und die Signaturen der Heilpflanzen

Von Schopenhauers Feldblume zu den Signaturen der Pflanzen

Wesenhafte Urtinkturen – genau Nachfragen statt blind Glauben

Signaturen der Pflanzen: Fragwürdiger Neuaufguss der Signaturenlehre

Naturheilkunde: Hoch fragwürdige Theorie von der Signatur der Pflanzen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Weiterbildung Palliative Care & Onkologie-Pflege: Gerbstoffe bei Mundschleimhautentzündung

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ schildert Heilpflanzen-Anwendungen bei Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenraum – konkret von Mundhöhle (Stomatitis), Zahnfleisch (Gingivitis), Zahnhalteapparat (Parodontitis), Rachen (Pharyngitis), Zunge (Glossitis) oder Mandeln (Angina tonsillaris).

Ein Abschnitt, der auch für Palliative Care und Onkologie-Pflege interessant ist, gilt der Anwendung von Gerbstoffen:

„Gerbstoffe wirken entzündungshemmend, schwach antiseptisch und wundheilungsfördernd. Gerbstoffe bewirken im Mund ein »zusammenziehendes« (adstringierendes) Gefühl und entzündete Schleimhäute werden oberflächlich unempfindlich gegenüber äußeren Reizen. Gerbstoffe sind gut wasserlöslich – zur einfacheren Anwendung wird meist die Tinktur (Tormentillwurzel, Ratanhiawurzel, Eichenrinde) vorgezogen, die verdünnt als Gurgellösung oder unverdünnt zur Pinselung eingesetzt werden kann. Die Rhabarberwurzel enthält neben den abführend wirkenden Anthrachinonen Gerbstoffe. In geringer Konzentration überwiegt die adstringierende Wirkung der Gerbstoffe, weshalb sie zur Pinselung entzündeter Mundschleimhäute eingesetzt wird.“

Quelle: http://www3.apoverlag.at/pdf/files/DA/DA-2012/DA-2012-02.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Für Palliative Care und Onkologie-Pflege sind Gerbstoffpflanzen wie Tormentill (Blutwurz) interessant  bei Entzündungen im Mundraum und gegen Hautentzündungen.

Gerbstoffe wirken relativ intensiv und rasch entzündungswidrig und werden im Mundraum über begrenzte Zeit eingesetzt, weil sie sonst austrocknend wirken können. Deshalb wird nachfolgend oft auf Schleimpflanzen umgestellt (Leinsamen, Eibischwurzel), die reizlindernd und beruhigend auf Schleimhäute wirken.

Die erwähnte Rhabarberwurzel ist Bestandteil von Pyralvex® , einer Lösung zur lokalen Behandlung von:

– Akuten und chronischen Entzündungen der Mundschleimhaut und des Zahnfleisches

– Aphthen, Eiterfluss der Zahnhöhlen und beim Durchbruch der Zähne

Die Gerbstoffe der Rhabarberwurzel wirken auch gegen Herpesviren und werden deshalb in Salben gegen Fieberbläschen eingesetzt (Parsenn Herpescreme = Phytovir; kombiniert mit Salbeiextrakt)

Eine weitere interessante Gerbstoffpflanze ist der Schwarztee. Er hat den Vorteil, in jeder Pflegeinstitution vorhanden zu sein.Schwarztee dient nicht nur innerlich als Genussmittel. Er lässt sich gut einsetzen äusserlich gegen Schleimhautentzündungen und Hautreizungen. Dazu muss der Tee aber lange ziehen (etwa 10 Minuten).

Siehe auch:

Gerbstoffe: Eichenrinde bei Durchfall, Parodontitis, Hämorrhoiden,

Wirkstoffe in der Phytotherapie: Gerbstoffe

Eine Weiterbildung “Heilpflanzen-Anwendungen in Palliative Care und Onkologie-Pflege“ finden Sie hier.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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