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Tausendgüldenkraut von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) positiv bewertet

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Die EMA trägt in regelmässigen Abständen Informationen zu Arzneipflanzen zusammen und bewertet deren Einsatz in der Pharmazie. Diese Bewertungen sollen Apotheken, Ärzten und Verbrauchern klare Richtlinien geben, inwieweit der Einsatz aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll ist. Inzwischen liegt auch eine positive Beurteilung des Tausendguldenkrauts (Centaurii herba) vor.

Für den Einsatz bei milden Verdauungs- oder Magenbeschwerden und Appetitlosigkeit seien die Erfahrungswerte sehr gut, schreibt die EMA. Sofern nach zwei Wochen die Beschwerden trotz Anwendung des Tausendgüldenkrauts nicht nachgelassen haben, soll laut Empfehlung ein Arzt aufgesucht werden. Obwohl Nebenwirkungen nicht bekannt sind, sollen Menschen mit peptischen Ulcera (Magengeschwüren) Tausendgülden-Produkte meiden.

Abgesehen vom mehr als 30-jährigen Erfahrungswissen nennt die EMA keine Fakten, die die Wirksamkeit des Tausendgüldenkrauts belegen. Klinische Studien sind keine durchgeführt worden und in-vitro-Daten aus Laboruntersuchungen nur marginal vorhanden. Es existieren laut EMA wenige Hinweise auf die stimulierende Wirkung von Appetit und Verdauung.

In Deutschland ist ein Präparat im Handel das Tausendgüldenkraut kombiniert mit Liebstöckel und Rosmarin enthält und bei unkomplizierten Harnwegsinfekten helfen soll. Für diese Indikation gibt die EMA aber keine Empfehlung ab.

Quelle:

https://m.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/arzneipflanzen-ema-empfiehlt-drei-phyto-klassiker-epilobium-eleutherococcus-centaurium/?forceMobile=1%3F&noMobile=1&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BcurrentPage%5D=2&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BitemsPerPage%5D=1&cHash=7114c4db7166baf0d965eea791dd4b48&tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Das Echte Tausendgüldenkraut (Centaurium erythraea) gehört zu den Bitterstoffpflanzen, die hauptsächlich bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt werden. Weitere Beispiele für Bitterstoffpflanzen sind Enzian, Löwenzahn, Engelwurz, Hopfen (wird aber vor allem gegen Schlafstörungen eingesetzt), Schafgarbe, Wermut, Beifuß, Kardobenediktenkraut, Kalmus, Bitterklee, Artischocke, Isländisch Moos (wird aber vor allem gegen Reizhusten eingesetzt) und Teufelskralle (wird aber vor allem gegen Rheuma, Arthrose etc. eingesetzt).

Hier gibt’s weitere Informationen zu den Bitterstoffpflanzen:

Wirkstoffe der Heilpflanzen: Bitterstoffe

 

Beim erwähnten Kombi-Präparat gegen Harnwegsinfekte mit Tausendgüldenkraut, Rosmarin und Liebstöckel halte ich die Wirksamkeitsbelege für sehr schwach. Das Thema in diesem Beitrag:

Urologen erforschen Phytopräparat mit drei Heilpflanzen

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Bärentraube gegen Blasenentzündung

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In verschiedenen Medien wurde vor kurzem eine Pressemitteilung des Phytopharmaka-Herstellers Schaper & Brümmer veröffentlicht mit dem Titel: „Geheimwaffe aus der Natur: Bärentraube gegen Blasenentzündung“.

Über die martialische Sprache will ich mal hinwegsehen – und so geheim ist Bärentraube auch nicht, wenn sie schon – gemäss Pressemitteilung – seit dem Mittelalter gegen Blasenbeschwerden eingesetzt wird.

Jedenfalls sind Bärentraubenblätter zentral in phytotherapeutischen Behandlungskonzepten bei Blasenentzündung.

Schauen wir uns die wichtigsten Aussagen der Pressemitteilung daher genauer an (Zitate aus dem Pressetext und dazwischen Kommentare von mir):

„Die Arzneipflanze Bärentraube (Arctostaphylos Uvae-ursi) wird bereits seit dem Mittelalter erfolgreich bei Blasenbeschwerden angewendet. Heute wird ein Trockenextrakt aus den Blättern des immergrünen Zwergstrauchs in Arzneimitteln (wie in Cystinol akut® Dragées) zur Behandlung von akuten Blasenentzündungen eingesetzt.“

Kommentar:

Der erste Satz scheint mir schon ziemlich gewagt. Es fehlen schlichtweg konkrete Angaben, aus denen sich auf eine erfolgreiche Anwendung von Bärentrauben gegen Blasenbeschwerden im Mittelalter schliessen liesse. Wird seit dem Mittelalter erfolgreich angewendet, das tönt aber immer gut. Wenn ein Heilmittel über längere Zeit angewendet wird, heisst das noch nicht, dass es auch wirksam ist.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

Beim zweiten Satz: Keine Einwände.

 

„Als wichtigster Inhaltsstoff gegen Harnwegsinfekte wurde in den 1950er Jahren das Arbutin identifiziert. Es liegt zunächst noch inaktiv vor und wird erst nach der Einnahme im menschlichen Organismus in seine aktive Wirkform verstoffwechselt. Das gebildete Hydrochinon wirkt antibakteriell und desinfizierend auf die Harnwege. Das Besondere dabei: Die letzte Stufe der Umwandlung in die wirksame Form (freies Hydrochinon) erfolgt erst innerhalb der Blase in den infektauslösenden Erregern (Bakterien), die sich dadurch regelrecht selbst vernichten. Dabei ist der pH-Wert des Urins für die Wirkung unbedeutend, da das Hydrochinon erst innerhalb der Bakterien freigesetzt wird – eine Ernährungsumstellung ist somit nicht erforderlich.“

Kommentar:

Am interessantesten ist hier der Hinweis, dass der pH-Wert des Urins für die Wirkung der Bärentraubenblätter unbedeutend ist. Über einige Jahrzehnte war nämlich in der Phytotherapie-Fachwelt die Ansicht gesetzt, dass Bärentraube nur im alkalischen Harn wirksam sei (pH 8+). Durch neuere Untersuchungen wird diese Ansicht stark angezweifelt. Es spricht jedenfalls einiges für die oben im Zitat formulierte Ansicht, dass der pH-Wert unbedeutend ist.

 

„Zusätzlich tragen die enthaltenen Gerbstoffe zur Wirksamkeit der Bärentraubenblätter bei. Sie verhindern, dass die Bakterien an der Blasenschleimhaut anhaften können. Beschwerden wie Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen sowie häufiger Harndrang bessern sich zügig und die gereizte Blasenschleimhaut kann sich erholen.“

Kommentar:

Sehr unplausibel. Gerbstoffe werden kaum aus dem Verdauungstrakt resorbiert. Und bei den 10 – 15 % Gerbstoffen, die im Bärentraubenblatt 

enthalten sind, handelt es sich vorwiegend um Gallotannine, die in Säuren hydrolisiert und damit wohl schon im Magen gespalten werden. Gallotannine verbinden sich mit Proteinen (Eiweissen), und selbst wenn ein kleiner Teil der Gallotannine in den Körper aufgenommen werden sollte, beginnen sie damit nicht erst in der Blase. Der Weg der Gallotannine zur Blase ist quasi mit Eiweissen „gepflastert“. Die Gallotannine würden sich auf jedes Eiweissmoleküle „stürzen“, das ihnen über den Weg läuft. Unplausibel.

Die beschriebene Hemmung der Anhaftung von Bakterien an die Blasenschleimhaut erinnert an Cranberry. Dort wird ein solcher Wirkungsmechanismus aber mit oligomeren Proanthocyanidinen erklärt. Sie werden je nach Substanz unterschiedlich stark resorbiert, haben aber keine Gerbwirkung und sollten daher sinnvollerweise auch nicht als Gerbstoffe bezeichnet werden.

Keines der aktuellen und relevanten Phytotherapie-Fachbücher nennt als Inhaltsstoff von Bärentraubenblättern oligomere Procyanidine. Also immer noch unplausibel, dieser Abschnitt.

 

„Verglichen mit Tee aus Bärentraubenblättern, bei dem die Wirkstoffmenge starken Schwankungen unterliegt, ist in einem Arzneimittel (wie Cystinol akut®) in jeder Tablette exakt die gleiche Wirkstoffmenge, d. h. ein standardisierter Bärentraubenblätterextrakt, enthalten.“

Kommentar und Ergänzung:

Ja, es ist ein Vorteil standardisierter Pflanzenextrakte, dass die Wirkstoffmenge konstant und damit verlässlich ist. Das betrifft aber nur die Substanz, auf welche der Extrakt eingestellt wurde – hier Arbutin.

Allerdings relativiert sich dieser Vorteil, wenn man sich die Dosierungen genau anschaut.

Cystinol akut® enthält pro Dragée 70 mg Arbutin, das ergibt bei 6 Dragées pro Tag eine Tagesdosis von 420 mg Arbutin. Die Phytotherapie-Fachliteratur empfiehlt eine Tagesdosis von 400 – 840 mg Arbutin. Somit liegt Cystinol akut® am unteren Rand.

400 – 840 mg Arbutin ist etwa enthalten in 6 – 12 g getrocknete Bärentraubenblätter und das entspricht 4 Tassen Bärentraubenblättertee pro Tag.

Rein rechnerisch gesehen dürfte es also gut möglich sein, mit Bärentraubentee mehr Arbutin zuzuführen als mit Cystinol akut®. Ein grosser Vorteil der Cystinol-Dragees ist allerdings, dass sie viel angenehmer einzunehmen sind. Bärentraubenblättertee ist geschmacklich doch eher eine Zumutung.

Generell lässt sich festhalten: Pflanzenextrakte sind bezüglich Wirkstoffmenge den Kräutertees manchmal überlegen, manchmal aber auch nicht.

Man muss im Einzelfall entscheiden, welche Anwendungsform bei einer bestimmten Arzneipflanze am sinnvollsten ist.

 

Zum Bärentraubenblatt bei Blasenentzündung noch kurz:

– Die Dosierung muss hoch genug sein (siehe oben).

– Die Anwendung ist auf 7 Tage zu beschränken.

– Nicht während Schwangerschaft und Stillzeit, weil noch keine Untersuchungen zur Unbedenklichkeit vorliegen.

– Treten im Laufe der Behandlung Symptome wie Fieber, Harnverhalten, Krämpfe oder Blut im Urin auf, muss ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden, ebenso, wenn die Symptome länger als 4 Tage andauern.

– Kaltauszug vorziehen (bessere Verträglichkeit im Magen, geschmacklich bessr).

 

Neben Bärentraubenblatt/ Arbutin ist bei akuter Blasenentzündung auch noch an Senfölglykoside (Glukosinolate) zu denken, die vor allem via Meerrettichwurzel oder Kapuzinerkressenkraut zur Anwendung kommen.

Siehe dazu:

Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und Blasenentzündung

Kapuzinerkresse: Breitbandantibiotikum aus der Natur 

Meerrettich: Breitbandantibiotikum aus der Natur

Phytotherapie bei Harnwegsinfekten

Vorbeugend:

D-Mannose schützt vor Harnwegsinfekt

Quelle der Zitate:

http://www.apotheke-adhoc.de/branchennews/alle-branchennews/branchennews-detail/baerentraube-gegen-blasenentzuendung/

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Brennnessel als Faserpflanze zurück?

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Die Brennnessel (Urtica dioica) war früher eine wichtige Faserpflanzen, die aber in dieser Hinsicht inzwischen weitgehend  in Vergessenheit geraten ist.

Nun rückt die Faser-Brennnessel (Urtica dioica L. convar. fibra) als Lieferant für einheimische Fasern wieder stärker in das Interesse der Textil- und Werkstoffindustrie. Dem Institut für Pflanzenkultur (IFP) im Wendland und dem Faserinstitut Bremen e. V. ist es gelungen, vielversprechende Klone aus Ursprungsmaterial zu züchten. Deren Faseranteil liegt bis zu gut einem Viertel über dem der besten bislang bekannten Fasernessel-Sorten. Außerdem entwickelten die Wissenschaftler eine in vitro-Kulturmethode zur Vermehrung für diese Pflanzenart weiter.

Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) gefördert.

Als Fasernessel genutzt wurde ursprünglich die Wildform der Großen Brennnessel (Urtica dioica), später selektierte man Sorten mit hohen Fasergehalten. Neben Hanf und Faserlein zählte die Brennnessel bis zum 2. Weltkrieg zu den wichtigsten einheimischen Faserpflanzen, später geriet sie in Vergessenheit. Dank neuer Verarbeitungsmethoden kann aus ihren Fasern inzwischen jedoch Stoffe in der Feinheit von Baumwolle mit sehr guten textilen Eigenschaften oder Vliese für technische Zwecke weben.

Die bisher übliche Vermehrung über Stecklinge eignet sich allerdings wenig für den großflächigen Anbau und auch beim Fasergehalt der vorhandenen Sorten gibt es noch Optimierungspotenzial.
Den beiden Projektpartnern ist es nun gelungen, 4 Klone zu züchten, die sich durch hohe Faserfestigkeiten (über 30 cN/tex), gute Feinheiten (30 bis 35 µm) und hohe Fasergehalte (bis zu 26,9 Prozent über den Stammklonen) auszeichnen.

Fasern für eine Verarbeitung zu Textilien oder Verbundwerkstoffen sollten generell Festigkeiten von über 20 cN/tex und Feinheiten zwischen 30 und 35 µm aufweisen.
Es zeigte sich während der Arbeit an diesem Projekt allerdings auch, dass die Fasergehalte je nach Erntejahr sehr unterschiedlich ausfielen und zum Teil um mehr als 5 Prozentpunkte schwankten. Für eine abschließende Bewertung der Genotypen wäre darum ein großflächiger, praxisnaher Feldanbau wertvoll.
Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news566582

Kommentar & Ergänzung:

Wer sich für Heilpflanzen interessiert, befasst sich nicht einfach mit „Natur“. Er oder sie kann auch viel lernen darüber, was Kultur mit Natur macht. Die Brennnessel ist ein gutes Beispiel dafür, wie vielfältig  Pflanzen kulturell genutzt und gedeutet werden.

Die Bedeutung der Brennnessel als wichtige Faserpflanze ist heute tatsächlich aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwunden. Irgendwann war die Nesselfaser gegenüber Hanf, Leinen, Baumwolle und zuletzt gegenüber den Kunstfasern nicht mehr konkurrenzfähig. Nun scheint sie dank züchterischer Optimierung als Faserpflanze wieder zurück zu kehren.

Zur Bedeutung der Nesselfasern in der Vergangenheit:

Kleidung aus Brennnesselfasern in der Bronzezeit für Fürsten verwendet

Die Brennnessel wird aber auch als Heilpflanze erforscht.

Brennnesselwurzeln zeigten dabei günstige Wirkungen bei der gutartigen Prostatavergrösserung (benigne Prostatahyperplasie). Brennnesselblätter unterdrücken entzündungsfördernde und knorpelabbauende Zytokine und helfen dadurch möglicherweise bei Gelenkentzündungen.

Siehe:

Brennnesselkur gegen Rheuma

Ausserdem gilt die Brennnessel traditionell als harntreibendes Mittel zur Durchspülungstherapie bei Harnwegsinfekten, und sie wird eher fragwürdig zur Entgiftung, Entschlackung und Blutreinigung empfohlen:

Brennnesseltee zur Entgiftung und Entschlackung

Alle Jahre wieder kommen auch fragwürdige Empfehlungen der Brennnessel als Frühjahrskur und Schlankheitsmittel:

„Brennesseltee entschlackt“ und lässt „die Kilos purzeln“

Frühlingskur mit Brennnessel

In der Wildkräuterküche darf Brennnessel nicht fehlen:

Brennnessel für Feinschmecker

Und nicht zu vergessen: Die Brennnessel ist auch eine bedeutende Raupenfutterpflanze für mehrere Schmetterlingsarten (z. B. Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Admiral, Distelfalter, Landkärtchen, C-Falter).

Wahrlich ein vielfältiges Pflänzchen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Birkenblätter zur Blutreinigung?

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„Die Presse“ veröffentlichte kurze Beschreibungen von verschiedenen Heilpflanzen. Untenstehend die Zitate mit Kommentar:

„Die Blätter der Birke enthalten Flavonoide, Gerb- und Bitterstoffe. Als Tee verabreicht erhöhen sie die Harnausscheidung, wirken blutreinigend und fiebersenkend.

Äußerlich finden Tinkturen aus Birkenblättern bei Haarausfall und Schuppen Anwendung. Die Frühjahrsblätter können auch einfach als Salat gegessen werden.“

Quelle:

http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/series/game/vote.do?id=1492126

Kommentar & Ergänzung:

Birkenblättertee wirkt harntreibend – und dies ohne Reizwirkung auf die Nieren.

Für diese Wirkung dürften Flavonoide verantwortlich sein, die über eine ACE-Hemmung und eine Hemmung des Abbaus des Atrialen Natriuretischen Peptids eine verstärkte Natrium- und Wasserausscheidung induzieren.

Die Anwendungsbereiche von Birkenblättertee: Durchspülungstherapie als Begleitbehandlung von Harnwegsinfekten, bei Harnsteinen und Nierengriess.

Die erwähnte fiebersenkende Wirkung ist sehr fraglich und die Angabe „blutreinigend“ ist ist in diesem Zusammenhang eigentlich immer skurril, weil niemand genau und plausibel erklären kann, was damit gemeint ist.

Siehe dazu:

Naturheilmittel: Ärgernis Blutreinigungstee

Pflanzenheilkunde: Fragwürdige Blutreinigungstee

Fragwürdig ist auch die Wirksamkeit gegen Haarausfall.

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Phytotherapie-Kongress vom 8. – 10. März 2013 in Leipzig

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Phytopharmaka erfreuen sich großer Beliebtheit. Für viele dieser Präparate gibt es auch Wirksamkeitsbelege aus klinischen Studien und die Wirkmechanismen der Bestandteile pflanzlicher Extrakte werden immer detaillierter entschlüsselt.

Ein Thema des Phytokongresses 2013 ist deshalb auch „evidenzbasierte Medizin und Phytotherapie“. Im wissenschaftlichen Programm des Kongresses werden darüber hinaus technologische und pharmakokinetische Aspekte bei der Entwicklung von Phytopharmaka diskutiert, ebenso wie neue Wirkmechanismen und toxikologische Aspekte.

Dem Einsatz von Phytopharmaka in der Infektabwehr ist ein spezielles Symposium gewidmet: „Pflanzliche Wirkstoffe als Antiinfektiva – Möglichkeiten und Grenzen“. Der Kongress findet statt vom 8. bis 10. März in der Universität Leipzig.

Es gibt auch ein spezielles Symposium für MFA, PTA, MTA, zum Beispiel mit Themen wie:

Phytotherapie bei Atemwegserkrankungen

Phytopahrmaka bei Harnwegsinekten

Am Sonntag stehen zudem Vorträge für die Bevölkerung auf dem Programm:

„Vorträge:

1. Brennpunkt Gehirn: Phytopharmaka für das Gehirn (S. Michael, Waldheim)

2. Brennpunkt Hormone: Phytopharmaka bei Wechseljahresbeschwerden (A. Görgner, Leipzig)

3. Brennpunkt Magen-Darm: Phytopharmaka bei Magen-Darm-Problemen (A. Madisch, Hannover)

4. Brennpunkt Kaffee: Kaffee- mehr als ein Genussmittel) (K. Nieber, Leipzig)

Moderation A. Görgner, Leipzig“

Info: http://www.phyto2013.de/

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Kleidung aus Brennnesselfasern in der Bronzezeit für Fürsten verwendet

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In der Bronzezeit haben Menschen aus den Fasern der Brennnessel Kleidung produziert. Das haben Wissenschaftler der Universität Kopenhagen herausgefunden. Ihre Erkenntnisse wurden nun im Magazin „Scientific Reports“ publiziert. Die Forscher untersuchten das Gewand eines Toten, der in einem fast 3.000 Jahre alten Grabhügel auf der dänischen Insel Fünen bestattet ist. Dieser Leichnam sei vor der Bestattung in einen Stoff aus Brennnesselfasern eingewickelt worden. Bislang war angenommen worden, dass das Gewebe aus Flachs besteht.

Weil das Grab gewaltige Ausmasse hatte, muss es sich beim Toten um eine bedeutende Person gehandelt haben. Die Wissenschaftler analysierten mit einer Strontium-Analyse die Herkunft des Stoffen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Brennnesseltuch vermutlich aus Kärnten oder der Steiermark stammt.

Quellen:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=141832

http://science.orf.at/stories/1705543/

http://www.nature.com/srep/2012/120928/srep00664/full/srep00664.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Brennnessel ist heute vor allem als Heilpflanze bekannt. Brennesselblätter werden verwendet zur Durchspülungstherapie bei Harnwegsinfekten und als entzündungswidriges Mittel bei Rheuma (vor allem bei Arthrose).

Die Verwendung von Brennnessel als Faserpflanze ist heutzutage kaum mehr bekannt.

Der beschriebene Fund aus Dänemark zeigt aber, dass es Stoffe aus Brennnesseln schon vor Jahrtausenden gab.

Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts lebte das Interesse an der heimischen Faserpflanze wegen einer Baumwollknappheit wieder auf. Nesseltuch galt um 1900 als das „Leinen der armen Leute“. Zuletzt wurde es im Zweiten Weltkrieg vermehrt in Deutschland für Armee-Bekleidung verwendet.

Der Begriff Nesseltuch, kurz Nessel, bezeichnet ursprünglich einen aus den Fasern der Brennnessel produzierten Stoff. Heutzutage wird mit Nessel bzw. Nesseltuch oder Baumwollnessel ein Gewebe in Leinwandbindung aus Baumwolle bezeichnet.

Der Stängel hauptsächlich der alten Pflanzen der Großen Brennnessel (Urtica dioica) hat sehr lange und feste Bastfasern. Aus diesen wurde bereits vor Jahrtausenden Nesselgarn, Nesselfäden und Stoffe hergestellt. Damit wurden zum Beispiel zusammen mit Birkenpech Pfeilspitzen und die Befiederung an Pfeilschäften befestigt. Die Fasern eignen sich für die Herstellung von Stoffen wie beispielsweise dem Nesseltuch, das fester als Leinen ist, wie auch für Fischernetze und Stricke. Vor Einführung der Baumwolle als Ausgangsmaterial für Textilien in Europa gab es 1723 in Leipzig noch eine Nesselmanufaktur.

Brennnesselfaser zeichnen sich aus durch hohe Reißfestigkeit, extrem hohe Feuchtigkeitsaufnahme, Bauschfähigkeit ähnlich der Baumwolle und durch edlen Glanz.

Seit Beginn der 1990er Jahre ist es zu einer Wiederbelebung des Interesses an heimischen Faserpflanzen gekommen. Nach dem ersten Boom von Leinen wurde auch Hanf wieder zur Fasergewinnung in Deutschland kultuviert. In den letzten Jahren rückte dann auch die Fasernessel wieder in den Fokus der Forschung.

(Quelle: Wikipedia)

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Studie: Cranberry-Saft effektiver als Cranberry-Kapseln

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Über die Metaanalyse zur Wirksamkeit von Cranberry-Präparaten bei Harnwegsinfekten in der Fachzeitschrift »Archives of Internal Medicine« (2012) habe ich schon berichtet:

Metastudie mit Cranberry: (Lückenhafte) Evidenz zur Vorbeugung von Harnwegsinfektionen

Die „Pharmazeutische Zeitung“ berichtet darüber hinaus noch über eine interessante Subgruppenanalyse aus der gleichen Studie:

„Die Subgruppenanalyse ergab einen weiteren Hinweis: Cranberry-Saft scheint effektiver zu sein als Kapseln oder Tabletten. Auch dürfte die regelmäßige Einnahme für die Schutzwirkung wichtig sein. So war das relative Risiko in der Subgruppe der regelmäßigen Cranberrysaft-Trinker auf 0,47 reduziert. Ein ähnlich niedriges relatives Risiko war in der Subgruppe feststellbar, die täglich mehr als zwei Cranberry-Kapseln einnahm – dies ist ein Hinweis darauf, dass Cranberry-Extrakte ausreichend hoch dosiert werden müssen. Zur Frage der optimalen Darreichungsform und Dosierung besteht noch Forschungsbedarf, betonen die Autoren.“

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=42775&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Schwierig für die Beurteilung der Cranberry-Produkte ist unter anderem, dass sowohl Cranberry-Säfte als auch Cranberry-Extrakt in Form von Kapseln, Tabletten, Granulat etc. die Wirkstoffe in unterschiedlichen Konzentrationen enthalten.

Gerade bei den Säften ist der Cranberry-Gehalt sehr unterschiedlich hoch.

Und dummerweise sind die am höchsten konzentrierten Cranberry-Säfte auch diejenigen, die geschmacklich nicht gerade freundlich daher kommen.

Ein Problem von Langzeitstudien mit Cranberry ist daher auch die hohe Aussteigerrate aufgrund des herben Geschmacks.

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Senfölglycoside gegen Infektionen?

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Der Mikrobiologe und Immunologe Professor Dr. Andreas Diefenbach vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene am Universitätsklinikum in Freiburg bekommt den „Starting Grant“ des Europäischen Forschungsrats (ERC) in Höhe von 1,5 Millionen Euro für sein Projekt „NutrImmune“. Der Forscher will den Einfluss von Nahrungsstoffen auf das Immunsystem des Darms untersuchen.

Zahlreiche Gemüsesorten wie beispielsweise Broccoli oder Rosenkohl enthalten Senfölglykoside (Glukosinulate). Diefenbach konnte mit seiner Forschungsgruppe zeigen, dass solche Pflanzeninhaltsstoffe die Differenzierung von speziellen Immunzellen, den so genannten Lymphoid-Tissue-Inducer-Zellen (LTi-Zellen), beeinflussen.

Darüber hat das Universitätsklinikum in Freiburg orientiert. Mäuse, deren Futter keine dieser Substanzen enthielt, bildeten nur wenige LTi-Zellen und zeigten eine hohe Anfälligkeit für Darminfektionen und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.

Das nun durch den Europäischen Forschungsrat geförderte Projekt untersucht die molekularen Mechanismen, über die gewisse Nahrungsstoffe die Differenzierung und Funktion der LTi-Zellen beeinflussen.

LTi-Zellen haben eine wichtige Funktion für den Schutz des Darmepithels, also des Deck- und Drüsengewebes. In Zukunft könnten solche Pflanzeninhaltsstoffe oder aus ihnen entwickelte Substanzen in der Klinik zur Behandlung von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie beispielsweise Morbus Crohn eingesetzt werden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/article/819047/foerderpreis-phytochemie-infektionen.html?sh=11&h=-2079932337

Kommentar & Ergänzung:

Von solchen Versuchen mit Mäusen lassen sich noch keine direkten Wirkungen auf Krankheiten bei Menschen ableiten.

Senfölglykoside sind aber generell eine interessante Wirkstoffgruppe in der Phytotherapie.

Wo kommen Senfölglykoside im Pflanzenreich vor?

Senfölglycoside sind charakteristische Inhaltstoffe in der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceen). Ansonsten sind sie bei den Kaperngewächsen verbreitet und kommen sporadisch bei Kapuzinerkressengewächsen, Wolfsmilchgewächsen und anderen Pflanzensippen vor.

Typische Heilpflanzen mit Senfölgykosiden sind Meerrettich, Rettich, Schwarzer Senf, Brunnenkresse, Kapuzinerkresse.

Senfölglykoside sind auch wichtige Inhaltsstoffe in Gemüsen wie Kohl, Rosenkohl, Chinakohl und Broccoli.

Zur Wirkung und Anwendung von Senfölglykosiden:

„ Senföle (z. B. Allylsenföl) werden therapeutisch als örtlich wirkende Hautreizmittel (Rubefacientia) eingesetzt. Sie wirken teilweise stark antibakteriell.

Zubereitungen aus senfölhaltigen Pflanzen werden ebenfalls heilkundlich verwendet. Kapuzinerkresse etwa wirkt aufgrund ihres Gehaltes an Benzylsenföl in-vitro bakteriostatisch (gegen grampositive und gramnegative Bakterien), virustatisch und antimykotisch.

Wissenschaftlich belegt ist auch die antimikrobielle Wirkung der Senföle im Meerrettich. Das ätherische Öl enthält Allylsenföl (ca. 90 %) und 2-Phenylethylensenföl. Je nach Dosis wirkt der Meerrettich in-vitro bakteriostatisch bzw. bakterizid. Das Allylsenföl aus der Meerrettichwurzel zeigt eine gute Wirksamkeit im gramnegativen Spektrum, während das 2-Phenylethylsenföl aus der Meerrettichwurzel ein erweitertes Wirkspektrum im grampositiven Bereich aufweist.

Senfölglycoside aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel werden kombiniert in der Praxis als Phytotherapeutikum zur Behandlung und Prophylaxe von Atemwegs- und Harnwegsinfekten eingesetzt. In-vitro-Studien belegen, dass eine Kombination der beiden Pflanzenstoffe ein breites antibakterielles Wirkspektrum gegenüber 13 klinisch relevanten Bakterienstämmen besitzt.

Untersuchungen am Institut für Medizinische Virologie der Universität Gießen haben 2010 ergeben, dass Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich die Vermehrung von Grippeviren vom Typ H1N1 hemmen können. Die Vermehrung wurde im In-vitro-Modell mit menschlichen Lungenzellen um etwa 90 Prozent gehemmt. Schon 1958 wurde in wissenschaftlichen Untersuchungen am exembryonierten Hühnerei unter dem Einfluss der Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich eine starke Hemmung der Vermehrung von Influenza-Viren nachgewiesen.

Dass der Verzehr senfölhaltiger Pflanzen, wie vielfach behauptet, vor Krebserkrankungen schützen kann, ist wissenschaftlich durch Versuche an Ratten belegt, jedoch fehlt der wissenschaftliche Beweis der Wirksamkeit beim Menschen.“

(Quelle: Wikipedia, Literaturangaben dort)

Siehe auch:

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglycoside? Welche Wirkung haben sie?

Hausmittel: Rettichsirup gegen Husten

Kapuzinerkresse –  Breitbandantibiotikum aus der Natur

Glukosinulate aus Brokkoli und Rosenkohl schützen vor Darmerkrankungen

Meerrettich – Breitbandantibiotikum aus der Natur

Kräuter und ihre Wirkung: Kapuzinerkresse

Senfölglykoside hemmen multiresistente Erreger

Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und Blasenentzündung

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Blick ins Pflanzenlexikon: Schachtelhalm

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Die Schachtelhalme gehören botanisch zu den Farnen.

Ein Charakteristikum der Schachtelhalme ist die Einlagerung von Silizium (als Ligninersatz) in die Zellwand. Schachtelhalme enthalten bis zu 7 % Kieselsäure.

Diese Kieselsäure-Einlagerungen machen Schachtelhalme zu einem sanften Scheuermittel (Zinnkraut).

Interessant ist die Paläobotanik der Schachtelhalme:

„Die heutigen Schachtelhalme sind die letzten Überlebenden einer ehemals artenreichen Gruppe innerhalb der Gefäßsporenpflanzen (Pteridophyta), der Equisetopsida. Zu diesem Taxon gehörten die Calamiten (Calamitaceae), die durch Fossilien aus dem Perm und Karbon bekannt sind. Sie waren verholzt, erreichten Wuchshöhen von bis zu 30 Metern und 1 Meter Stammdurchmesser und bildeten einen wichtigen Bestandteil der Steinkohlenwälder. Die ersten Schachtelhalme traten im oberen Devon vor etwa 375 Mio. Jahren auf (Pseudobornia bronni). Die Schachtelhalme können deshalb als ‚lebende Fossilien’ bezeichnet werden.“

(Quelle: Wikipedia)

Aus Farnen und Schachtelhalmen bildete sich also später die Steinkohle. Die erdgeschichtliche Epoche vor etwa 300 Millionen Jahren, in welcher Farne und Schachtelhalme dominierten, heisst daher Karbonzeit.

Farne und Schachtelhalme waren wichtig bei der Besiedelung des Festlandes durch die Pflanzenwelt.

Einige wichtige Schachtelhalm-Arten:

Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense), auch Zinnkraut oder Katzenschwanz genannt, wird als einzige Schachtelhalmart als Heilpflanze verwendet. Wirkt harntreibend und wird zum Beispiel zur Durchspülungstherapie bei Harnwegsinfekten empfohlen.

Foto auf Wikipedia

Sumpf-Schachtelhalm (Equisetum palustre)

Sumpf-Schachtelhalm ist wegen seiner Inhaltsstoffe für Weidevieh giftig. Für die Giftwirkung sind vor allem zwei Stoffe verantwortlich: Erstens eine Thiaminase, die das Vitamin B1 zerstört und hauptsächlich auf Pferde giftig wirkt und ein Taumeln der Tiere auslöst. Zweitens das Piperidin-Alkaloid Palustrin (0,01-0,3 %), das auch im Heu über Jahre hinweg erhalten bleibt und das bei Rindern zur Verminderung des Milchertrags und zu Lähmungserscheinungen führt.

Beim Menschen sind keine Vergiftungen durch Sumpf-Schachtelhalm bekannt; trotzdem sollte  diese Pflanze nicht in Tee-Mischungen enthalten sein. Auch das Alkaloid Nikotin ist im Sumpf-Schachtelhalm enthalten.

Riesen-Schachtelhalm (Equisetum telmateia). Größte einheimische Schachtelhalm-Art.

Foto auf Wikipedia

Vor allem der Acker-Schachtelhalm kommt gerne in Gärten vor und ist dort nur noch schwer zu vertreiben.

Die Zeitschrift „Bioterra“ hat vor einiger Zeit vier Ansätze zusammengefasst, wie man den Schachtelhalm wieder los wird:

„- Jäten und nochmals jäten. Möglichst tief graben und alle Wurzelstücke sauber entfernen. Kleine Pflänzchen gar nicht erst hoch kommen lassen.

– Abgraben der Kulturerde auf mindestens 50 cm Tiefe. Abführen der Erde oder in einer Gartenecke deponieren, wo sich der Schachtelhalm aufhalten darf. Einlegen eines Trennflieses über dem Unterboden. Einbringen von Kies (Wandkies oder Kiesschotter), Schichtdicke 50 cm. Vereinzelt können immer noch Pflanzen spriessen, diese ausjäten.

– Die Fläche umgraben und möglichst viele Wurzelteile herauslesen. Abdecken der Fläche für ein Jahr mit einer regendurchlässigen schwarzen PE-Folie. Durch die Hitzeeinwirkung trocknen die verbliebenen Wurzelstücke aus. Im zweiten Jahr die Fläche mit einer gut deckenden Pflanze bestellen, z.B. Kartoffeln dicht gepflanzt, Roggen oder Phacelia-Einsaat (hilft auch gegen andere Wurzel-Kräuter wie Schnürgras oder Sonchus-Arten).

– Eine Drainschicht (Kies) einbauen und die Humusschicht verbessern (Humus und Kompost). Dann den Boden mit rasch wachsenden Kleinsträuchern und Stauden bepflanzen.“

Quelle:

http://www.bioterra.ch/site/index.php?option=com_content&view=article&id=170:umgang-mit..

Kommentar & Ergänzung:

Wer Schachtelhalm als Heilpflanze verwenden will, sollte vor allem den Acker-Schachtelhalm vom Sumpf-Schachtelhalm unterscheiden können.

Solche Unterschiede zwischen verwechselbaren Pflanzenarten kann man am besten auf Kräuterexkursionen kennen lernen. Die aktuellen Daten und Orte finden Sie im Kurskalender.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? Welche Wirkung haben sie?

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Senfölglycoside ( = Glukosinolate) sind schwefel- und stickstoffhaltige chemische Verbindungen, die aus Aminosäuren gebildet werden. Sie geben Gemüse wie Rettich, Meerrettich, Senf, Kresse, Kapuzinerkresse und Kohl den etwas bitteren Geschmack.

Es gibt rund 120 verschiedene Glucosinolate. Sie kommen in Mitteleuropa ausschliesslich in Pflanzen aus der Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) vor. In der Phytotherapie spielen als Senfölglykosid-Pflanzen vor allem Meerrettich, Senf, Kapuzinerkresse und Brunnenkresse eine Rolle.

In den Pflanzen wirken Senfölglycoside als Abwehrstoffe gegen Tierfraß.

Nach neueren Erkenntnissen beugen Senfölglykoside Infektionen vor und unterstützen die Krebsprävention, wie Sulforaphan oder Iberin.

Senfölglycoside aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel werden kombiniert in der Medizin als Phytotherapeutikum zur Behandlung und Vorbeugung von Atemwegsinfekten und Harnwegsinfekten eingesetzt.

Genaueres zur Verwendung in der Phytotherapie

Senföle (z. B. Allylsenföl) werden therapeutisch als lokal wirkende Hautreizmittel (Rubefacientia) angewendet. Sie wirken teilweise stark antibakteriell.

Zubereitungen aus senfölhaltigen Pflanzen werden ebenfalls heilkundlich eingesetzt. Kapuzinerkresse etwa wirkt wegen ihres Gehaltes an Benzylsenföl in-vitro bakteriostatisch (gegen grampositive und gramnegative Bakterien), virustatisch und antimykotisch.

Wissenschaftlich belegt ist auch die antimikrobielle Wirkung der Senföle aus dem Meerrettich. Das ätherische Öl enthält als wichtige Bestandteile Allylsenföl (ca. 90%) und 2-Phenylethylensenföl. Je nach Dosis kann der Meerrettich in-vitro bakteriostatisch bzw. bakterizid wirken Das Allylsenföl aus der Meerrettichwurzel besitzt eine gute Wirksamkeit im gramnegativen Spektrum, während das 2-Phenylethylsenföl aus der Meerrettichwurzel ein erweitertes Wirkspektrum im grampositiven Bereich zeigt.

Senfölglycoside aus Kapuzinerkressenkraut und Meerrettichwurzel werden kombiniert in der Praxis als Phytotherapeutikum zur Behandlung und Vorbeugung von Atemwegsinfekten und Harnwegsinfekten eingesetzt. In-vitro-Studien belegen, dass eine Kombination der beiden Pflanzenstoffe ein breites antibakterielles Wirkspektrum gegenüber 13 klinisch relevanten Bakterienstämmen besitzt.

Untersuchungen am Institut für Medizinische Virologie der Universität Gießen haben 2010 gezeigt, dass Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich die Vermehrung von Grippeviren vom Typ H1N1 hemmen können. Die Vermehrung wurde im In-vitro-Modell mit menschlichen Lungenzellen um etwa 90 Prozent vermindert. Bereits im Jahre 1958 wurde in wissenschaftlichen Untersuchungen am exembryonierten Hühnerei unter dem Einfluss der Senföle aus Kapuzinerkresse und Meerrettich eine starke Hemmung der Vermehrung von Influenza-Viren belegt

Dass der Konsum senfölhaltiger Pflanzen, wie vielfach behauptet, vor Krebserkrankungen schützen kann, ist wissenschaftlich durch Versuche an Ratten belegt. Ein wissenschaftlicher Beweis für die Wirksamkeit beim Menschen fehlt aber.

(Quelle: Wikipedia)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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