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Weidenröschenkraut bei gutartiger Prostatavergrösserung (BPH) von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) positiv bewertet

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Die EMA trägt in regelmässigen Abständen Informationen zu Arzneipflanzen zusammen und bewertet deren Einsatz in der Pharmazie. Diese Bewertungen sollen Apotheken, Ärzten und Verbrauchern klare Richtlinien geben, inwieweit der Einsatz aus wissenschaftlicher Sicht sinnvoll ist. Inzwischen liegt auch eine Beurteilung des Weidenröschenkrauts (Epilobii herba) vor.

Epilobii herba, das Weidenröschenkraut, kann nach Einschätzung der EMA-Gutachter für Patienten mit benigner Prostatahyperplasie (BPH, gutartige Prostatavergrösserung) empfohlen werden. Weidenröschen kann bei Miktionsstörungen unterstützend eingesetzt werden. Eine Wirksamkeit sei insbesondere durch den jahrelangen erfolgreichen Gebrauch der Pflanze erwiesen, schreibt die EMA, und verweist auf Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit aus mehr als 30 Jahren. In der EU sind Produkte aus Weidenröschen seit 15 Jahren auf dem Markt.

Zwar gebe es keine klinischen Studien, doch sei aus Labortests ersichtlich, dass Epilobium einen Effekt auf das Wachstum von Prostatazellen habe. Darüber hinaus konnten im Labor antientzündliche und schmerzlindernde Wirkungen festgestellt werden. Nebenwirkungen bei Anwendung von Weidenröschenkraut sind nach Aussage der EMA nicht bekannt.

Für die Fachleute sind die jahrelange sichere Verwendung und die Hinweise auf gute Wirksamkeit zur unterstützenden Behandlung der BPH ausreichend, um die Anwendung bei dieser Indikation ausdrücklich zu empfehlen. Vor der Behandlung sollen allerdings schwerere Erkrankungen durch einen Arzt ausgeschlossen werden, erklärt die EMA.

Quelle:

https://m.apotheke-adhoc.de/nachrichten/detail/pharmazie/arzneipflanzen-ema-empfiehlt-drei-phyto-klassiker-epilobium-eleutherococcus-centaurium/?forceMobile=1%3F&noMobile=1&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BcurrentPage%5D=2&tx_aponews_newsdetail%5B%40widget_4%5D%5BitemsPerPage%5D=1&cHash=7114c4db7166baf0d965eea791dd4b48&tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Inhaltsstoffe verschiedener Weidenröschen-Arten wurden intensiv im Labor erforscht und zeigten zum Teil interessante Wirkungen. Die Empfehlung der EMA steht trotzdem auf wackligem Fundament. Laborergebnisse lassen sich nicht direkt auf die Anwendung beim Menschen übertragen und Erfahrungsberichte aus traditioneller Anwendung lassen keine sicheren Schlüsse zu. Bei einer Besserung ist nie klar erkennbar, ob sie wirklich vom angewendeten Weidenröschentee ausgelöst wurde. Bei langandauernden Beschwerden schwankt die Intensität der Beschwerden meistens im Verlauf und es passiert sehr leicht, dass jede Besserung dem angewendeten Mittel zugeschrieben wird, obwohl nur das natürliche Auf und Ab der Beschwerden vorliegt. Nur klinische Studien könnten hier Klarheit verschaffen, sind aber nicht in Sicht.

Die Phytotherapie-Fachliteratur ist deutlich zurückhaltender bezüglich der Wirksamkeit des Weidenröschens als die EMA.

Weidenröschentee verdankt seine Bekanntheit den Empfehlungen von Maria Treben (1907 – 1991), die aber wegen ihren zahlreichen fragwürdigen bis gefährlichen Ratschlägen nicht vertrauenswürdig ist.

Die auf Wikipedia geäusserte Kritik teile ich voll und ganz:

„Die Stiftung Warentest äußert erhebliche Zweifel an der Sachkundigkeit Maria Trebens und weist auf mehrere Fehler in ihren Büchern hin. Sie empfehle Pflanzen zur Behandlung schwerer Krankheiten bis hin zu Krebs, deren Wirksamkeit für diese Pflanzen überhaupt nicht nachgewiesen seien. Teilweise verwechsele Treben wichtige Fachbegriffe, beispielsweise den Zucker Inulin mit dem Hormon Insulin, wodurch sie fälschlich Löwenzahn gegen Diabetes mellitus empfehle. „Ihr Schöllkraut-Rezept gegen Leber- und Gallenleiden ist eine Anleitung zur Vergiftung. Der Ratschlag, Ohnmächtigen einen Esslöffel Schwedenbitter einzuflößen, ist lebensgefährlich.“

Die Universitätsklinik Freiburg äußert in ihrem Ratgeber für Krebspatienten: „(…) gefährlich ist (…) die Grundtendenz, alle Krankheiten als mit Kräutern heilbar darzustellen. Treben behauptet mit Hinweis auf Sebastian Kneipp, dass das Zinnkraut jeden gut- oder bösartigen Tumor zum Stillstand bringt und ihn langsam auflöst. (…) Gegenüber den ‚Ratschlägen und Erfahrungen mit Heilkräutern‘ der Maria Treben ist Skepsis und Zurückhaltung geboten. (…) Gefährlich sind Ratschläge, primär gut operable und damit heilbare Tumoren zuerst versuchsweise mit Kräutern zu behandeln, z. B. Hodenkrebs mit Spitzwegerichumschlägen. Damit geht (…) viel Zeit und möglicherweise die Heilungschance verloren. Alle diese Medikamente sind in ihrer Wirksamkeit gegen Krebs unbewiesen.“

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Weidenröschen bei gutartiger Prostatavergrösserung

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Das „Weidenröschen“ wird in der Pflanzenheilkunde empfohlen als Mittel gegen die Beschwerden bei gutartiger Prostatavergrösserung (benigne Prostatahyperplasie, BPH), wobei in Apotheken und Drogerien oft ausdrücklich das „Kleinblütige Weidenröschen“ (Epilobium parviflorum) verlangt wird.

Mag. pharm. Dr. Siegrun Gerlach hat in der Zeitschrift „PHYTO Therapie“ (2/2016) der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie interessante Informationen dazu publiziert, von denen ich hier einige weitergeben möchte, ergänzt mit eigenen Bemerkungen.

Das Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) der Europäischen Arzneimittelbehörde (European Medicines Agency – EMA) hat im November 2015 die Monographie „Epilobium angustifolium L. und/ oder Epilobium parviforum Schreb., herba“ veröffentlicht.

Die Publikation einer Monographie bedeutet die Anerkennung als traditionell verwendete Heilpflanze und damit die Möglichkeit einer Registrierung als traditionelles pflanzliches Arzneimittel in der EU (traditionelle pflanzliche Arzneimittel sind vom Wirkungsnachweis befreit).

Die Empfehlung von gezielt kleinblütigen Arten ist auf die österreichische Kräuterbuchautorin Maria Treben zurück zu führen, die allerdings bei der Bestimmung der Weidenröschenarten nicht sehr genau war. So ist nicht klar, ob sie wirklich die botanische Art „Kleinblütiges Weidenröschen“ (Epilobium parviflorum) empfehlen wollte oder einfach alle kleinblütigen Weidenröschenarten.

Eine Diplomarbeit an der Universität Wien (Lachinger 2004) konnte in der Zwischenzeit aufzeigen, dass die Inhaltsstoffe und deren Konzentration der in Österreich vorkommenden Weidenröschenarten vergleichbar sind.

Die von Maria Treben getroffene Unterscheidung der „kleinblütigen“ Weidenröschenarten als wirksam und der „großblütigen“ als unwirksam lässt sich nach diesen Resultaten nicht nachvollziehen.

Auf der Suche nach wirksamen Inhaltsstoffen der Weidenröschen glaubte man in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts bei den Flavonoiden fündig geworden zu sein. Das sind in Epilobium parviflorum und verwandten Weidenröschenarten:

Quercetin, Myricetin und Kämpferol, sowie die entsprechenden Glykoside, in Mengen von 1 – 2 Prozent. Als Prostaglandinsynthese-Hemmer können diese Inhaltsstoffe potenziell entzündungshemmend wirken.

Das Institut für Pharmakognosie der Universität Graz beschäftigte sich ausgiebig mit der Flavonoidfraktion aus Weidenröschenarten. Hiermann et al. stellten im Labor fest, dass Myricetin-3-O-glucuronid aus Epilobium bis zu 500mal stärker entzündungswidrig wirkt als der synthetische Wirkstoff Indomethacin.

Als weitere Inhaltsstoffe wurden in Weidenröschen bis zu 0,55 Prozent Phytosterole (β-Sitosterol, Sitosterolglucoside und Sitosterolester) gefunden. Diese Stoffgruppe gilt als wirksamkeitsmitbestimmend bei der Anwendung von Kürbissamen, Sägepalmenfrüchten und Brennnesselwurzel bei der gutartigen Prostatavergrösserung, was eine Anwendung von Weidenröschen bei der gleichen Indikation plausibel erscheinen lässt.

Einige Jahre später wurde dann die erste Arbeit publiziert, in der Oenothein A und B als Wirkstoffe vorgestellt wurden (Lesuisse et al., 1996).

Diese Gallussäurederivate (hydrolysierbare Tannine), strukturell in die Gruppe der Gerbstoffe einzuordnen, lassen sich in Mengen von 4 – 14 Prozent in Epilobium finden. In der Studie wurden verschiedene Inhaltsstoff-Fraktionen aus Weidenröschen hinsichtlich ihrer 5α-Reductase- Hemmwirkung getestet, wobei sich Oenotheine als die wirksamsten Substanzen erwiesen. 5α-Reductase- Hemmer sind etablierte Medikamente bei gutartiger Prostatavergrösserung (z.B. Finasterid, das aber beträchtliche Nebenwirkungen haben kann).

Oenotheine wurden weiter im Labor (=in vitro) untersucht. Dabei zeigte sich, dass sie nicht nur 5α-Reductase-Hemmstoffe sind, sondern in vitro auch Aromatase-Hemmstoffe.

Die Kombination der Prostaglandinsynthese-Hemmung durch Flavonoide mit der 5α-Reductase- und Aromatase-Hemmung durch Oenotheine macht den Einsatz von Weidenröschen bei benigner Prostatahyperplasie plausibel.

Die Autorin Siegrun Gerlach geht in ihrem Beitrag abschliessend noch auf Hürden für eine zukünftige Vermarktung von Weidenröschen ein:

„1. Ist nur die Anwendung als Tee traditionell belegt. „Weidenröschenextrakt“ als Basis einer galenischen Zubereitung würde, vielen europäischen Zulassungsbehörden zufolge, eine Vollzulassung mit klinischen Studien bedeuten und somit (weil teuer) unrentabel wer- den. Und 2.: Ob der Name „Weidenröschen“ sich gut als Männerarznei vermarkten ließe, wurde schon angezweifelt.“

Neben Kürbissamen, Sägepalmenfrüchten und Brennnesselwurzel stellt die Anwendung von Weidenröschenkraut nach Ansicht der Autorin eine interessante Option bei der Behandlung der BPH dar und bereichert den pflanzlichen Arzneischatz.

Quelle:

PHYTO Therapie 2|16

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0216.pdf

 

Kommentar & Ergänzung:

Am interessantesten ist für mich die Bestätigung, dass die Inhaltsstoffe der verschiedenen Weidenröschenarten sich nicht wesentlich unterscheiden. Damit ist es plausibel, dass auch das Schmalblättrige Weidenröschen (Epilobium angustifolium) verwendet werden kann, wenn Weidenröschentee gewünscht wird. Das Schmalblättrige Weidenröschen ist zudem häufiger und eindeutiger zu bestimmen als das Kleinblütige Weidenröschen (Epilobium parviflorum).

Zum Schmalblütigen Weidenröschen beschreibt Siegrun Gerlach im übrigen eine interessante Anwendung als Tee in östlichen Ländern:

„Die frischen oder getrockneten Blätter des Schmalblättrigen Weidenröschens (Epilobium angustifolium) wer- den besonders in östlichen Ländern zur Bereitung eines wohlschmeckenden Tees verwendet (Koptischer Tee, Ivans Tee, Kapor Tee), der u. a. auch zur Behandlung von gastrointestinalen Beschwerden empfohlen wird.“

Bezüglich der Wirksamkeit von Weidenröschentee bei gutartigen Prostatabeschwerden überzeugt mich der Artikel allerdings nicht.

Maria Treben ist keine verlässliche Empfehlerin. Ihre Bücher sind voll von falschen, unsinnigen und gefährlichen Angaben.

Und die Resultate der Laboruntersuchungen zu den Inhaltsstoffen sind zwar interessant, sagen aber wenig Handfestes aus. Schön, wenn Flavonoide in vitro (= im Reagenzglas) entzündungswidrig wirken. Aber werden sie bei peroraler Anwendung auch in relevanter Menge aufgenommen in den Körper und erreichen sie in der Prostata wirklich eine Konzentration, die Entzündungen hemmt?

Desgleichen bei den Oenotheinen als 5α-Reductase-Hemmstoffe und Aromatase-Hemmstoffe – im Labor. Und wenn Oenotheine strukturell zu den Gerbstoffen gerechnet werden, dann ist es wohl nicht unwesentlich, dass Gerbstoffe im Allgemeinen kaum resorbiert werden.

Zum Gehalt an Phytosterolen in den Weidenröschen ist anzumerken, dass er mit bis zu 0,55% verhältnismässig gering ist (Kürbissamen: etwa 1 %). Laut klinischen Studien braucht es als Initialtherapie bei BPH 60mg Phytosterol pro Tag und für Langzeittherapie 30 mg pro Tag. Rechnet man mit diesen bis zu 0,55 Prozent, hat es 60 mg Phytosterole in rund 11 g Weidenröschenkraut und 30 mg in rund 5,5 g.

Die Monografie des Monografie des HMPC gibt als Tagesdosis an: 1,5 – 2,0 g Weidenröschenkraut / 250 ml Wasser als Aufguss, 2 x täglich, 1 Teelöffel entspricht rund 0,8 g.

Damit kommt man nicht ganz auf die 5,5 g Weidenröschenkraut, in denen die für Langzeittherapie nötigen 30 mg Phytosterole grundsätzlich vorhanden sein sollten. Aber: Phytosterole sind kaum wasserlöslich. Sie werden nicht oder nur zu einem sehr kleinen Teil ins Teewasser übergehen. Daher ist es fragwürdig, bei einer Heilpflanze, die als Kräutertee angewendet wird, mit Phytosterolen zu argumentieren.

Dazu kommt noch: Bei normaler, westeuropäischer Ernährung werden täglich 160–360 mg an Phytosterolen aufgenommen. Ob da eine zusätzliche Gabe von 30 mg noch einen Einfluss ausübt, kann als fraglich angesehen werden.

Fazit: Über die Wirksamkeit von Weidenröschentee gegen gutartige Prostatavergrösserung lässt sich so gut wie nichts Sicheres aussagen. Entscheidend wäre die Bestätigung der Wirksamkeit in klinischen Studien mit BPH-Patienten. Solche Studien gibt es aber nicht. Und leider – Siegrun Gerlach spricht das in ihrem Text an – wird es sie auch wohl kaum je geben. Für nicht patentierbare Arzneimittel wie Weidenröschentee und Weidenröschenextrakt lohnt es sich für keine Firma, mit der grossen Kelle in Forschung zu investieren.

Aber das ist natürlich ein Fazit, das kaum jemand hören will.

Dass Männer den Weidenröschentee aufgrund des Namens ablehnen, kann ich mir nicht recht vorstellen. Nicht ganz einfach dürfte es dagegen sein, ältere Männer dafür zu motivieren, 2 – 3 mal täglich eine Tasse Kräutertee zu trinken – und das über 6 bis 12 Monate. Die Studien mit pflanzlichen Prostatamitteln haben nämlich gezeigt: Falls sich eine Wirksamkeit besser als Placebo feststellen lässt, zeigt sich der Unterschied erst nach 6 bis 12 Monaten.

Ich selber würde bei Prostatabeschwerden wohl am ehesten Kürbissamen einnehmen, weil sie neben einer möglichen Linderung auch ein gesunder Bestandteil für die Ernährung sind. Als pflanzliches Arzneimittel würde ich ein Kombipräparat mit Brennesselwurzel & Sabalfrüchten (Prostagutt) in Betracht ziehen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Kürbissamen bei Blasenschwäche (Harninkontinenz)

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In der Zeitschrift „Die Apotheke“ (Nr. 7 / 2012) werden Kürbissamen bei Blasenschwäche der Frau empfohlen:

„Die Belastungs- oder Stressinkontinenz, die Reizblase und die Dranginkontinenz sind die häufigsten Formen der Blasenschwäche bei Frauen. Eine große Rolle in der Problematik spielt nach aktuellem Wissensstand ein hormonelles Ungleichgewicht, das einen Einfluss auf die Muskulatur von Beckenboden und Blase hat. In diesem Zusammenhang stellen die Samen des steirischen Kürbisses eine sinnvolle pflanzliche Therapiemöglichkeit dar. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass die Inhaltsstoffe einen Effekt auf die Muskulatur von Beckenboden und Blase ausüben. In klinischen Studien zeigten sich gute Erfolge bei täglicher Einnahme von hoch dosiertem Kürbiskernextrakt: Es kam bei postmenopausalen Frauen zu einer Reduktion der Inkontinenz-Ereignisse und zu einer Verbesserung der Blasenentleerung.“

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Hinweis auf positive Einflüsse der Kürbissamen auf die Muskulatur von Beckenboden und Blase taucht da und dort auch in der Phytotherapie-Fachliteratur auf.

Allerdings sind mir in den letzten 30 Jahren, in denen ich die Phytotherapie-Fachliteratur intensiv im Auge habe, nie konkrete Angaben zu den oben erwähnten klinischen Studien begegnet: Wer hat die Studien durchgeführt? Wo wurden sie publiziert? Um welche Art von Studien handelt es sich? Wie wurden sie genau durchgeführt?

Das macht mich eher skeptisch. Wären wirklich gute Studien zu diesem Anwendungsbereich von Kürbissamen vorhanden, würde die Phytotherapie-Fachliteratur sie erwähnen und kommentieren. Konkrete Dokumentationen bringt die Phytotherapie-Fachliteratur bei den Kürbissamen aber nur zum Anwendungsgebiet „gutartige Prostatavergrösserung“ (benigne Prostatahyperplasie, BPH).

Kürbissamen sind allerdings ein gesunder Bestandteil einer abwechslungsreichen Ernährung und sie verursachen auch keine exorbitanten Kosten. In diesem Sinne ist nichts dagegen einzuwenden, wenn Kürbissamen in die tägliche Ernährung integriert werden.

 

Meines Erachtens ist keine fundierte Therapie der Harninkontinenz auf Basis von Heilpflanzen in Sicht.

 

Das ist natürlich enttäuschend für Betroffene, aber es ist einfach die offen kommunizierte Sachlage. Ich will ja nicht einfach tolle Geschichten erfinden, die dankbar geglaubt werden.

 

Auf diesem Hintergrund ärgert mich allerdings schon manchmal, wie locker Heilungsversprechungen ohne jeden Gehalt publiziert werden.

Googelt man zum Beispiel „Blasenschwäche“ und „Schüssler-Salze“, dann ergibt das 15 800 Ergebnisse. Empfohlen wird zum Beispiel Schüssler-Salz Nr. 10 Natrium sulfuricum D6. Das ist also Glaubersalz, 1 : 1 Mio. mal verdünnt mit Milchzucker. Es gibt bei dieser Anwendung keinerlei greifbare Belege für eine Wirkung und auch keinerlei glaubwürdige Begründung. Aber es ist halt toll, wenn man für jede Krankheit etwas anbieten kann, auch wenn es keinerlei Bodenhaftung hat. Bei Blasenschwäche werden ebenso empfohlen:

Schüssler-Salz Nr. 1 Calcium Fluoratum D12

Schüssler-Salz Nr. 3 Ferrum Phosphoricum D12

Schüssler-Salz Nr. 8 Natrium chloratum D6 (Kochsalz 1 : 1 Mio. mal verdünnt)

 

Auch hier fehlt jede fundierte Dokumentation. Bei den Schüssler-Salzen explodieren die Anwendungsbereiche im Internet. Eine leichte oder schwere psychische oder körperliche Störung, bei der Schüssler-Salze angeblich nicht helfen. Keine dieser Angaben ist auch nur im Geringsten dokumentiert und belegt. Das ist völlig unglaubwürdig.

Siehe: Das Scharlatan-O-Meter

Ich kann nicht nachvollziehen, wie man solche vollkommen leeren Behauptungen in die Welt setzen kann.

Aber eben: Betroffene mit chronischen Krankheiten wollen oft ein Mittel, damit sie aus ihrer Ohnmacht heraus kommen. Das macht solche Versprechungen und solche Produkte so erfolgreich. Auch wenn sie keine spezifische Wirkung haben. Gerade bei chronischen Krankheiten gibt es häufig einen schwankenden Verlauf, wobei jede Besserung dem angewendeten Mittel gutgeschrieben wird, obwohl sie mit grosser Wahrscheinlichkeit einfach dem natürlichen Verlauf entspricht. Das ist der Regression-zur-Mitte-Irrtum.

Dazu passt:

Warum werden unsere Patienten wieder gesund?

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle

 

Hier gibt’s Informationen zu Inkontinenz / Blasenschwäche

Schweizerische Gesellschaft für Blasenschwäche

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kürbiskernöl lindert Beschwerden bei Benigner Prostatahyperplasie

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Im Phyto-Forum der „Ärztezeitung“ schreibt Prof. Karin Kraft vom Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Rostock über die Wirkung von Kürbiskernöl bei Benigner Prostatahyperplasie (Gutartige Prostatavergrösserung):

„In einer kleinen placebokontrollierten Studie aus Korea von 2009, die sich mit der Wirksamkeit von Kürbiskernen bei benigner Prostatahyperplasie (BPH) befasst, wurden Männer über 12 Monate mit Kürbiskernöl (320 mg/Tag, n =16) oder Placebo (n=7) behandelt, als Hauptzielparameter diente der in klinischen Studien zur benignen Prostatahyperplasie allgemein verwendete „International Prostate Symptom Score“ (IPSS).

Dieser fiel von ca. 18 Punkten innerhalb von 12 Monaten in der Kürbiskerngruppe um 58 Prozent ab, in der Placebogruppe um 39 Prozent. Auch die Lebensqualität und die maximale Harnflussgeschwindigkeit waren nach dieser Zeit im Vergleich zu Placebo deutlich gebessert.“

In der Studie traten keine Nebenwirkungen auf. Das Prostatavolumen änderte sich in beiden Gruppen während der Behandlung nicht.

Damit scheine das seit Jahren zur Behandlung der BPH verwendete Kürbiskernöl in frühen Stadien der BPH bei sehr gutem Sicherheitsprofil wirksam zu sein, schreibt Prof. Kraft. Eine umfangreichere Studie erscheine allerdings erforderlich.

Der hauptsächliche Wirkmechanismus der Kürbiskernöl sei bekannt: Kürbiskernöl hemme die 5-alpha-Reduktase, die Testosteron in DHT (Dihydrotestosteron) umwandelt.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/urologische-krankheiten/prostata/default.aspx?sid=848200&ticket=ST-6181-uXy74FTqFPdfAejAqhK1Ih6ucsjo2Cs7Ht0-20

Kommentar & Ergänzung:

Diese Studie ist von der Probandenzahl her sehr klein und daher anfällig für statistische Verzerrungen.

Kürbiskernöl ist aber auf jeden Fall ein wertvoller Bestandteil einer gesunden Ernährung.

Wikipedia schreibt zur Wirkung von Kürbiskernöl:

„Aufgrund des im Kürbiskern enthaltenen Selen und Vitamin E hat sein Öl eine antioxidative Wirkung und kann den Organismus vor freien Radikalen schützen. Der hohe Anteil an Linolsäure und Phytosterinen soll eine cholesterinsenkende Wirkung haben. Es hat entzündungshemmende Eigenschaften und wird in der Therapie gegen rheumatoider Arthritis unterstützend eingesetzt. Der hohe Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren wirkt gefäßerweiternd kann so den Blutdruck senken und auf diese Weise helfen, Herz-Kreislauf-Schwächen und Blasenleiden vorzubeugen. Zudem wird dem Kürbiskernöl eine positive Wirkung bei Prostata-Adenomen im Anfangsstadium nachgesagt, was aber ebenso wie einige andere angebliche Heilwirkungen dieses Öls bislang nicht durch klinische Studien belegt ist. An Versuchstieren konnten jedoch positive Effekte bei gutartiger Prostatavergrößerung beobachtet werden. Erwähnt sei auch der besonders hohe Anteil an (semi)essentiellem Arginin.“

Man kann aber auch einfach Kürbissamen in die tägliche Ernährung einbauen – das ist auch gesund.

Klar ist allerdings für alle pflanzlichen Prostatamittel: Eine Linderung von Beschwerden kann nur erwartet werden durch langfristige, kontinuierliche Anwendung.

Drei mal pro Woche ein paar Kürbissamen in den Salat – das ist zwar gesund für die Ernährung, aber wohl kaum wirksam gegen Beschwerden bei BPH.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Brennnessel als Faserpflanze zurück?

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Die Brennnessel (Urtica dioica) war früher eine wichtige Faserpflanzen, die aber in dieser Hinsicht inzwischen weitgehend  in Vergessenheit geraten ist.

Nun rückt die Faser-Brennnessel (Urtica dioica L. convar. fibra) als Lieferant für einheimische Fasern wieder stärker in das Interesse der Textil- und Werkstoffindustrie. Dem Institut für Pflanzenkultur (IFP) im Wendland und dem Faserinstitut Bremen e. V. ist es gelungen, vielversprechende Klone aus Ursprungsmaterial zu züchten. Deren Faseranteil liegt bis zu gut einem Viertel über dem der besten bislang bekannten Fasernessel-Sorten. Außerdem entwickelten die Wissenschaftler eine in vitro-Kulturmethode zur Vermehrung für diese Pflanzenart weiter.

Das Projekt wurde vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) gefördert.

Als Fasernessel genutzt wurde ursprünglich die Wildform der Großen Brennnessel (Urtica dioica), später selektierte man Sorten mit hohen Fasergehalten. Neben Hanf und Faserlein zählte die Brennnessel bis zum 2. Weltkrieg zu den wichtigsten einheimischen Faserpflanzen, später geriet sie in Vergessenheit. Dank neuer Verarbeitungsmethoden kann aus ihren Fasern inzwischen jedoch Stoffe in der Feinheit von Baumwolle mit sehr guten textilen Eigenschaften oder Vliese für technische Zwecke weben.

Die bisher übliche Vermehrung über Stecklinge eignet sich allerdings wenig für den großflächigen Anbau und auch beim Fasergehalt der vorhandenen Sorten gibt es noch Optimierungspotenzial.
Den beiden Projektpartnern ist es nun gelungen, 4 Klone zu züchten, die sich durch hohe Faserfestigkeiten (über 30 cN/tex), gute Feinheiten (30 bis 35 µm) und hohe Fasergehalte (bis zu 26,9 Prozent über den Stammklonen) auszeichnen.

Fasern für eine Verarbeitung zu Textilien oder Verbundwerkstoffen sollten generell Festigkeiten von über 20 cN/tex und Feinheiten zwischen 30 und 35 µm aufweisen.
Es zeigte sich während der Arbeit an diesem Projekt allerdings auch, dass die Fasergehalte je nach Erntejahr sehr unterschiedlich ausfielen und zum Teil um mehr als 5 Prozentpunkte schwankten. Für eine abschließende Bewertung der Genotypen wäre darum ein großflächiger, praxisnaher Feldanbau wertvoll.
Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news566582

Kommentar & Ergänzung:

Wer sich für Heilpflanzen interessiert, befasst sich nicht einfach mit „Natur“. Er oder sie kann auch viel lernen darüber, was Kultur mit Natur macht. Die Brennnessel ist ein gutes Beispiel dafür, wie vielfältig  Pflanzen kulturell genutzt und gedeutet werden.

Die Bedeutung der Brennnessel als wichtige Faserpflanze ist heute tatsächlich aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwunden. Irgendwann war die Nesselfaser gegenüber Hanf, Leinen, Baumwolle und zuletzt gegenüber den Kunstfasern nicht mehr konkurrenzfähig. Nun scheint sie dank züchterischer Optimierung als Faserpflanze wieder zurück zu kehren.

Zur Bedeutung der Nesselfasern in der Vergangenheit:

Kleidung aus Brennnesselfasern in der Bronzezeit für Fürsten verwendet

Die Brennnessel wird aber auch als Heilpflanze erforscht.

Brennnesselwurzeln zeigten dabei günstige Wirkungen bei der gutartigen Prostatavergrösserung (benigne Prostatahyperplasie). Brennnesselblätter unterdrücken entzündungsfördernde und knorpelabbauende Zytokine und helfen dadurch möglicherweise bei Gelenkentzündungen.

Siehe:

Brennnesselkur gegen Rheuma

Ausserdem gilt die Brennnessel traditionell als harntreibendes Mittel zur Durchspülungstherapie bei Harnwegsinfekten, und sie wird eher fragwürdig zur Entgiftung, Entschlackung und Blutreinigung empfohlen:

Brennnesseltee zur Entgiftung und Entschlackung

Alle Jahre wieder kommen auch fragwürdige Empfehlungen der Brennnessel als Frühjahrskur und Schlankheitsmittel:

„Brennesseltee entschlackt“ und lässt „die Kilos purzeln“

Frühlingskur mit Brennnessel

In der Wildkräuterküche darf Brennnessel nicht fehlen:

Brennnessel für Feinschmecker

Und nicht zu vergessen: Die Brennnessel ist auch eine bedeutende Raupenfutterpflanze für mehrere Schmetterlingsarten (z. B. Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Admiral, Distelfalter, Landkärtchen, C-Falter).

Wahrlich ein vielfältiges Pflänzchen.

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Phytotherapie: Zur Studienlage bei gutartiger Prostatavergrösserung (BPH)

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Die Medizin-Zeitschrift „Ars Medici“ (Nr. 2 / 2012) publizierte ein längeres Interview mit dem Urologen Dr. med. Joël Patrick Gregorin zur medikamentösen Therapie der gutartigen Prostatavergrösserung (benigne Prostatahyperplasie, BPH). In einem Abschnitt des Gesprächs geht es um die Studienlage bezüglich der Phytopharmaka in diesem Bereich:

„ARS MEDICI: Wie sieht die Studienlage bei BPH-Medikamenten auf pflanzlicher Basis aus? Gibt es aussagekräftige Stu-

dien, bei denen Phytotherapeutika mit Alphablockern und 5-alpha-Reduktasehemmern verglichen wurden? Was für Er-

fahrungen machen Sie in der Praxis mit Phytotherapeutika?

Gregorin: Nicht falsch liegt man bei Sägepalmen- und Brennnesselextrakten oder einer Kombination aus beidem. Zu beiden

Präparaten liegen Studien vor, die einen positiven Effekt auch über mehrere Jahre belegen. Die Studie von U. Engelmann

beispielsweise, erschienen in «Arzneimittel-Forschung/Drug Research», weist in einer randomisierten Doppelblindstudie

bei Patienten mit LUTS infolge einer benignen Prostatahyperplasie nach, dass ein Kombinationspräparat aus Sabal-

früchten und Brennnesselwurzeln einer Therapie mit Tamsulosid ebenbürtig ist. Soekeland und Albrecht kamen in einer

einjährigen Studie im Vergleich mit Finasterid zum gleichen Resultat. In beiden Fällen nahm der IPSS ab und der Uroflow

zu. Was unter Phytotherapeutika nicht sicher nachgewiesen werden konnte, ist ein Stopp der Progression der BPH.“

„ARS MEDICI: Was für eine Rolle spielen Ihrer Erfahrung nach Phytotherapeutika in der Allgemeinpraxis (z.B. Sägepalmen-

extrakte)?

Gregorin: Gerade in der Hausarztpraxis, bei leichten Symptomen, jüngeren, kritischen Patienten, die ausdrücklich auf «Chemie»

verzichten wollen und keine medikamentösen  Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen bereit sind, leisten  Phytotherapeutika gute

Dienste. Da der Wirkungseintritt verzögert eintritt, lohnt es sich, die Patienten von einer vorübergehenden Medikation mit

Alphablockern zu überzeugen. Unter einem Alphablocker plus einem hoch dosierten Phytotherapeutikum erlebt man innert

weniger Tage eine deutliche Wirkung. Nach einigen Tagen kann man den Alphablocker  wieder absetzen und mit dem

Phytotherapeutikum allein weiterfahren.“

Kommentar & Ergänzung:

Sägepalmenfrüchte-Extrakt und Brennnesselwurzel-Extrakt sind diejenigen Präparate, die in der Phytotherapie bei BPH am besten untersucht und dokumentiert sind. Wobei allerdings nicht für alle Zubereitungsformen positive Hinweise vorliegen.

Kürbissamen sind zur Vorbeugung von BPH beliebt, wobei dieser Effekt nicht belegt ist. Immerhin sind sie aber ein gesunder Nahrungsbestandteil, der sich gut in die tägliche Ernährung einbauen lässt.

Am schlechtesten untersucht und dokumentiert geben Prostatabeschwerden durch BPH ist das Weidenröschen, das in Form von Weidenröschentee angewendet wird.

Wenn durch Phytopharmaka eine Wirkung gegen die Beschwerden bei BPH zustande kommen soll, braucht es eine Langzeitanwendung über mehrere Monate, am besten mindestens über ein halbes Jahr.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen im Garten: Brennnessel

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Die Zeitung „Die Welt“ veröffentlichte letzten Monat einen Artikel über Heilpflanzen im Garten.

Schauen wir uns den Abschnitt über die Brennnessel mal genauer an:

„Brennnessel (Urtica dioica): Die Wurzeln der Brennnessel helfen bei gutartiger Prostatavergrößerung, die Blätter unterdrücken entzündungsfördernde und knorpelabbauende Zytokine und helfen dadurch bei Arthritis. Außerdem enthalten sie sehr viel Vitamin C. Die Brennnessel wächst überall, wo es feucht und stickstoffreich ist. Meistens ist sie im Garten ohnehin schon da, man muss sie also nicht extra anpflanzen. Geerntet werden die Wurzeln im Spätsommer und die Brennnesselblätter vom Frühjahr bis zum Herbst.“

Quelle:

http://www.welt.de/gesundheit/article117707044/Diese-Hausmittel-wachsen-in-jedem-Garten.html

Kommentar & Ergänzung:

Erfreulich fundiert sind hier die Angaben zu den Anwendungsbereichen der Brennnessel.

Zur Wirksamkeit der Brennnesselwurzel bei gutartiger Prostatavergrösserung gibt es tatsächlich einige interessante Studien, wobei allerdings Brennnesselwurzel-Extrakte untersucht wurden. Die klinischen Studien zeigen zudem, dass es wohl bei allen nützlichen Prostatapflanzen mehrere Monate dauert, bis eine Linderung der Symptome zu erwarten ist. Das wird beim Brennnesselwurzeltee meistens zum Problem: ältere Männer, die verlässlich über 6 Monate täglich drei Tassen Brennnesselwurzeltee trinken, sind wohl eher selten. Brennnesselwurzel-Extrakt in Kapselform ist da einfacher anzuwenden.

Auch die Wirkung des Brennnesselblattes zur Linderung von Entzündungen der Gelenke ist wissenschaftlich untersucht worden.  Allerdings ist ein Teil der entzündungshemmenden Wirkstoffe schlecht in Wasser löslich und daher im Brennesselblättertee wohl nicht in ausreichendem Mass vorhanden. Untersucht wurde Brennnesselmus und Brennesselblatt-Extrakt in Kapselform.

Erfreulich an der Beschreibung der Brennnessel in der „Welt“ ist zudem, dass die häufig vorkommende, aber irreführende und fragwürdige Bezeichnung der Brennnessel als „Blutreinigungstee“ hier fehlt. Jedenfalls ist es immer ein schlechtes Zeichen, wenn in einer Beschreibung der Brennnessel das Stichwort „blutreinigend“ auftaucht.

Siehe dazu:

Naturheilmittel: Aergernis Blutreinigungstee

Pflanzenheilkunde: Fragwürdige Blutreinigungstees

Die Brennnessel ist auch eine wichtige Raupenfutterpflanze für mehrere Schmetterlingsarten (z. B. Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Admiral, Distelfalter, Landkärtchen, C-Falter).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Cranberry und Kürbiskerne zur Prävention von Blasenentzündung

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Die günstigen Effekte der Cranberry auf die Blasengesundheit wurden schon in vielen wissenschaftlichen Untersuchungen belegt.

Inhaltsstoffe der Cranberry, die Typ-A-Proanthocyanidine (PAC), können effektiv die meist für eine Blasenentzündung verantwortlichen Escherichia-coli-Bakterien blockieren.

Durch diesen speziellen Schutzmechanismus wird verhindert, dass sich die Keime in den Schleimhäuten von Blase und Harnwegen festsetzen. Die Bakterien können stattdessen mit dem Harn ausgeschwemmt werden.

In einer randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten, klinischen Cross-over-Studie wurde nun die Wirksamkeit eines Kombinationspräparates mit Cranberry und Kürbiskernen auf die Harnwege untersucht. Beurteilt wurde dabei die Hemmung der Bakterienadhärenz an Urothelzellen.

Die Probanden erhielten über 3 Tage 3-mal täglich 1 Kapsel des Prüfpräparates (Verum oder Placebo).

Nach einer Auswaschphase von 11 Tagen bekamen die Teilnehmenden das jeweils andere Prüfpräparat. In die Auswertung gingen die Resultate von insgesamt 18 Probanden ein.

Die ex-vivo-Resultate zeigen einen signifikanten Effekt der Cranberry- und Kürbiskern-Kombination auf die Adhärenz (Anhaftung) uropathogener Escherichia-coli-Bakterien an Urothelzellen. Verglichen mit Placebo wurde die Bakterienadhärenz unter der Kombination um 33,4 Prozent vermindert.

Die Studie zeige, dass das Cranberry-Kürbiskern-Präparat ausreichend dosiert sei, um die Blase signifikant vor uropathogenen Keimen zu schützen, schreibt der Hersteller.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/harnwegs-infektionen/article/811822/cranberry-kuerbiskern-blase.html?sh=16&h=886345408

Kommentar & Ergänzung:

Unklar ist bei diesem Kombipräparat, was die Kürbiskerne zur Vorbeugung gegen Blasenentzündung beitragen sollen. Bei den Kürbissamen gibt es Hinweise auf einen positiven Einfluss auf die Beschwerden einer gutartigen Prostatavergrösserung (benigne Prostatahyperplasie, BPH) bei Anwendung über viele Monate.  Eine vorbeugende Wirkung von Kürbissamen gegen Blasenentzündung ist in der Phytotherapie-Fachliteratur kein Thema.

Für Cranberry bzw. Preiselbeeren ist eine Hemmung der Anheftung von pathogenen Bakterien an die Blasenschleimhaut dagegen mehrfach beschrieben worden.

Grundsätzlich ist diese Studie natürlich interessant, doch ist zu beachten, dass die Hemmung der Anheftung von Bakterien an die Blasenschleimhaut noch nicht gleichzusetzen ist mit einer vorbeugenden Wirkung gegen Blasenentzündungen.

Eine vorbeugende Wirkung gegen Blasenentzündung lässt sich nur mit einer klinischen Studie belegen – also am Menschen, wenn tatsächlich weniger Blasenentzündungen auftreten.

Bei der Beurteilung von Studien ist immer zu beachten, ob das festgestellte Ergebnis für den Patienten überhaupt relevant ist oder ob wir es dabei nur mit einem schönen, aber nebensächlichen Laborwert zu tun haben.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Brennnessel für Feinschmecker

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Brennnesseln wachsen am Straßenrand, im Blumenbeet und auf der Wiese. Sie sind verschrienen als Unkraut und wer barfuß auf sie tritt, bekommt dies schmerzhaft zu spüren.

Doch aus dem gemeinen Unkraut lassen sich auch allerlei Köstlichkeiten für Feinschmecker zaubern, schreibt der aid-infodienst. Vor allem die jungen Blätter mit ihrem fein-säuerlichen Aroma lassen sich in der Küche vielseitig verwenden. Zusammen mit Löwenzahn, Sauerampfer oder Bärlauch ergibt sich ein wohlschmeckender Wildkräutersalat. Brennnesseln lassen sich aber auch als Suppe, im Pfannkuchen oder als Rührei zubereiten. Die Kräuterbutter lasse sich ebenfalls mit Brennnesseln abschmecken.

Die Zubereitung als Gemüse ist laut dem aid sehr einfach: Ähnlich wie Spinat werden die Brennnesselblätter zunächst in kochendem Salzwasser blanchiert. Abtropfen lassen, anschliessend kleinhacken und mit gedünsteten Zwiebeln kurz erhitzen. Die Brennnesseln danach mit Salz, Pfeffer, Muskat und bei Bedarf einem Spritzer Zitronensaft abschmecken. Ein Schuss Sahne verleiht dem Gemüse eine feine Note.

Damit das Pflücken der Brennnesseln ganz ohne Pusteln abläuft, ist es empfehlenswert Handschuhe zu tragen. Besonders zart und aromatisch seien die jungen, etwa 20 Zentimeter hohen Pflanzen, schreibt der aid-Infodienst. Von Mai bis Juli können die Brennnesseln gepflückt werden – vorzugsweise an geschützten Standorten wie dem eigenen Garten oder am Waldrand.

Quelle:

http://www.fr-online.de/ratgeber/verbraucher/brennnesseln-fuer-feinschmecker/-/1473052/8429884/-/index.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Brennnessel gehört natürlich auch zu den Heilpflanzen.

Brennnesselblätter werden verwendet zur Durchspülungstherapie Harnwegsinfekten, allerdings meist gemischt mit anderen Heilpflanzen (Goldrute, Bärentraube. Birkenblätter, Schachtelhalm).

Interessanter ist aber die entzündungswidrige Wirkung bei Rheuma / Arthritis.

Siehe dazu:

Brennnessel-Kur gegen Rheuma

Unsinnig ist die Propagierung der Brennnessel als „Blutreinigungstee“ oder „Entschlackungsmittel“ bzw. „Entschlackungskur“.

Es gibt im menschlichen Organismus keine Schlacken, die auf solche Weise entfernt werden könnten. Entschlackung ist daher unnötig.

Während viele Blutreinigungstees und Entschlackungsmittel stark abführende Heilpflanzen enthalten (z. B. Sennesblätter), ist die Brennnessel in dieser Hinsicht neutral und damit zumindestens unschädlich.

Siehe dazu:

Naturheilmittel: Ärgernis Blutreinigungstee

Entschlackung – was ist das?

Fasten & Entschlacken

Entschlackung – unnötig und ungesund

Schlackenstoffe – ein Phantom macht Karriere

Entschlackung – illusionäre Hoffnung auf Gewichtsreduktion

Die Brennnesselwurzel lindert Beschwerden bei der gutartigen Prostatavergrösserung älterer Männer (Benigne Prostatahyperplasie, BPH), wobei sie zu diesem Zweck oft kombiniert wird mit Sägepalmenfrüchten von Sabal serrulata (Serenoa repens), oder mit Kürbeissamen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen gegen Prostatabeschwerden

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Zu Beginn eines Benignen Prostatasyndroms (BPS) genügen häufig Maßnahmen wie Blasentraining oder Abnehmen. Heilpflanzen-Präparate können unterstützend wirken.

Typisch für das Benigne Prostatasyndrom (BPS) ist eine Trias aus Prostatavergrößerung, Symptomen des unteren Harntrakts (LUTS) und Blasenauslass-Obstruktion. Zwischen ihnen bestehe kein fester Zusammenhang, erklärte Professor Klaus Höfner beim Uro Update in Düsseldorf.

So könne bei einem Patienten eine Veränderung allein auftreten, bei anderen zwei oder auch alle drei, wobei die Symptome von milde bis stark reichen.

Über die einzuleitenden Maßnahmen entscheiden Arzt und Patient gemeinsam, empfehlen Fachgesellschaften Deutscher Urologen in ihren Leitlinien zum BPS und stellen dafür einen Algorithmus bereit (Der Urologe A. 2009; 48: 1503). Als Hauptkriterien für die Behandlung haben sich herauskristallisiert: Wie stark ist die Blasenauslass-Obstruktion? Schreitet die Krankheit fort, und wie gross ist das Risiko von Komplikationen?

Für die Indikation zu einer Behandlung sei die individuelle Progression einzuschätzen, empfahl der Urologe aus Oberhausen. Im ersten Stadium sind Medikamente häufig nicht unbedingt nötig („Watchful Waiting“). Dabei ist es gut zu wissen, dass sich die Prognose der Prostata-Obstruktion sich durch dieses kontrollierte Zuwarten nicht verschlechert.

Es eignet sich für Patienten mit leichten Beschwerden, kaum eingeschränkter Lebensqualität, kleiner Prostata, niedrigem PSA, wenig Restharn und gutem Harnfluss. Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind Bestandteil dieses Konzepts, genauso wie Änderungen des Lebensstils: Regulieren der Flüssigkeitszufuhr, wenig Alkohol und Kaffee, Blasentraining und für Übergewichtige Abnehmen, weil das die Beschwerden verringert.

Eine Option bei milden BPS-Symptomen sind pflanzliche Präparate (Phytopharmaka), in Deutschland hauptsächlich Extrakte aus Sägezahnpalmenfrüchten (Serenoa repens, Sabal serrulata), Brennnesselwurzeln (Urtica dioica), Kürbissamen (Cucurbita pepo), Roggenpollen (Secale cereale) sowie Phytosterole aus der afrikanischen Wurzel Hypoxis rooperi, aus Kiefer und Fichte (Pinus und Picea).

Für einige Phytotherapeutika (Harzol®, Azuprostat®, ProstaFink®, Permixon® und Prostagutt®) ergeben sich aus randomisierten Studien Hinweise auf Wirksamkeit.

Eine Übersicht der Cochrane Collaboration zu β-Sitosterol-haltigen Präparaten haltigen Präparaten zeigt: Sie werden gut vertragen, die Beschwerden bessern sich, der Harnstrahl wird kräftiger.

Seit 2004 müssen Patienten diese Phytotherapeutika in Deutschland selbst bezahlen. Die Konsultation in der Praxis ist jedoch über EBM abzurechnen.

Die Präparate bestehen aus einer Arzneipflanze oder aus mehreren. Die Hersteller verwenden unterschiedliche Extraktionsverfahren, so dass die Heilpflanzen-Präparate in ihrer Zusammensetzung variieren, selbst wenn sie aus derselben Pflanze stammen, erklärte Höfner. Resultate aus Grundlagenforschung und klinischen Studien zu Wirkung, Bioverfügbarkeit und Pharmakodynamik sind nicht von einem Präparat auf ein anderes übertragbar, auch wenn beide aus der gleichen Heilpflanze produziert werden.

Zudem sei noch nicht erforscht, ob die Heilpflanzen-Präparate langfristig wirken, ob sie das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen und Harnverhalt oder Operation vorbeugen. Dennoch erscheine der Ansatz interessant und solle weiter beobachtet werden, sagte Höfner.

Er stellte eine neue Studie zu einer Serenoa-repens-Zubereitung vor: Im Tiermodell hemmte sie, additiv verstärkt durch Selen und das in Tomaten vorkommende Lycopin, die Entzündung und Hyperplasie, die mit der Obstruktion einhergehen (Urology 2011; 77: 248).

Ein Naturprodukt, das bereits bei Harnwegsinfekten getestet wurde, schlagen Wissenschaftler jetzt für die BPS-Behandlung vor: ein Pulver aus Cranberries. Teilnehmer einer Studie waren 42 Männer mit LUTS, erhöhtem PSA und chronischer, nicht-bakterieller Prostatitis. 21 nahmen sechs Monate täglich 1500 mg des Pulvers.

Danach hatten sich die Werte auf dem Internationalen Prostata Symptomen-Score IPSS, Lebensqualität, Uroflow und Restharn signifikant stärker gebessert als bei den 21 nicht-behandelten Prostata-Patienten (Br J Nutr 2010; 104: 1181).

Quellen:

http://journals.cambridge.org/action/displayAbstract?fromPage=online&aid=7912891&fulltextType=RA&fileId=S0007114510002059

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/656555/pflanzen-prostatabeschwerden.html

Kommentar & Ergänzung:

Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in der Schweiz einige Phytopharmaka zur Linderung der Beschwerden bei Gutartiger Prostatavergrösserung (Benigne Prostatahyperplasie) die von den Krankenkassen via Grundversicherung bezahlt werden, wenn eine Ärztin oder ein Arzt sie verschreibt.

Wichtig ist bei allen Heilpflanzen-Präparaten in diesem Bereich, dass sie langfristig eingenommen werden sollten, idealerweise mindestens über sechs Monate.

Die erwähnte Anwendung von Cranberries bei Prostatabeschwerden (nicht-bakterielle Prostatitis) ist eine ziemlich neue Idee. Die beschriebene Studien ist zwar interessant, ihre Aussagekraft allerdings nur schon wegen der kleinen Zahl der Teilnehmer sehr begrenzt.

Ansonsten erwähnt der Bericht die wichtigsten Prostatapflanzen: Sabalfrüchte, Kürbissamen, Brennnesselwurzel, Roggenpollen.

Erstaunen mag, dass der in der traditionellen Pflanzenheilkunde  häufig angewendete Weidenröschentee nicht erwähnt wird. Das hat damit zu tun, dass zur Wirkung des „Kleinblütigen Weidenröschens“ gegen Prostatabeschwerden im Gegensatz zu den aufgeführten Heilpflanzen keine fundierte Dokumentation vorliegt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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