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Akupunktur und Scheinakupunktur lindern Knieschmerzen – vorübergehend

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Eine Akupunktur-Behandlung hat in einer randomisierten Studie die Schmerzen bei einer chronischen Gonarthrose (Kniegelenkarthrose) nur vorübergehend gelindert. Publiziert wurde die Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2014; doi: 10.1001/jama.2014.12660).

Knieschmerzen zählen nach dem 50. Lebensjahr zu den häufigen Beschwerden und zahlreiche Patienten probieren zur Linderung deer Schmerzen auch Methoden der Alternativmedizin oder Komplementärmedizin. Dabei zählt die Akupunktur zu den beliebtesten Angeboten – auch in Australien, dem Durchführungsort der Studie.

Mit der Laser-Akupunktur bieten zahlreiche Heilpraktiker eine Art „High-Tech“-Variante an, die ohne Einstiche arbeitet. Die Wirksamkeit der Akupunktur ist umstritten.

Ein Team um Rana Hinman vom Centre for Health, Exercise and Sports Medicine an der Universität Melbourne untersuchte diese Frage in einer Studie.

282 Patienten mit chronischen Knieschmerzen wurden per Zufallsprinzip auf vier Gruppen verteilt und bekamen dementsprechend:

– keine Akupunktur,

– Scheinakupunktur (bei der die Nadeln nicht eingestochen werden),

– konventionelle Akupunktur mit Nadeln,

– Laser-Akupunktur.

 

Nach Abschluss der 12-wöchigen Behandlungsphase wurden die Probanden erneut untersucht.

In allen drei Studienarmen, in denen die Patienten Akupunktur-Sitzungen erhielten (also auch nach der Scheinakupunktur), hatten sich die Schmerzen und die Funktion des Kniegelenks leicht verbessert, was Hinman auf die Erwartungen der Patienten und die vermehrte Aufmerksamkeit und die Empathie, die die Patienten durch den Akupunkteur erhielten, zurückführt.

Bei einer erneuten Untersuchung nach einem Jahr war dieser positive Effekt, nicht mehr nachweisbar.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/60320/Akupunktur-gegen-Knieschmerzen-nicht-wirksam

http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1910110

Kommentar & Ergänzung:

Dass Akupunktur gewisse Wirkungen zeigt, Scheinakupunktur aber mehr oder weniger gleich wirksam ist, hat sich schon in einer ganzen Reihe von Studien gezeigt.

Beispiel:

Brustkrebs: Akupunktur kann Nebenwirkungen der Hormontherapie lindern – Scheinakupunktur aber auch 

Akupunktur wirkt bei Übelkeit nach Bestrahlung – Scheinakupunktur aber auch 

Akupunktur bei Spannungskopfschmerzen und Migräne

In-vitro-Fertilisation: Scheinakupunktur besser als echte Akupunktur 

Bei Knieschmerzen ist aber auch die Wirksamkeit vieler medizinischer Interventionen fraglich:

Kniegelenkarthrose: Injektionen und Spiegelungen häufig wirkungslos  

Weitere Studie verneint Wirkung von Glucosamin bei Kniearthrose 

Zitat des Tages von Eckart von Hirschhausen (Zum Thema Knieoperationen)

Arthroskopie bei Arthrose des Kniegelenks: Therapeutischer Nutzen nicht belegt 

 

Insgesamt ziemlich ernüchternd.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

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Arthroskopie bei Arthrose des Kniegelenks – therapeutischer Nutzen nicht belegt

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Der Nutzen einer therapeutischen Arthroskopie mit Lavage und gegebenenfalls Debridement zur Behandlung einer Arthrose des Kniegelenks (Gonarthrose) ist nicht belegt. 

Zu diesem Resultat kommt der am 12. Mai 2014 publizierte Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Für keinen patientenrelevanten Endpunkt zeigte sich gegenüber nicht aktiven Vergleichsinterventionen, zum Beispiel Scheinoperationen, ein Anhaltspunkt, Hinweis oder Beleg für einen Nutzen der therapeutischen Arthroskopie. Unter den aktiven Vergleichstherapien schnitt nur die Injektion von Glukokortikoiden in das Kniegelenk beim Endpunkt „globale Bewertung der Symptomatik der Gonarthrose“ schlechter ab als die Arthroskopie.

An diesem Befund änderte auch eine neue Studie nichts, in der Trainingstherapie unter physiotherapeutischer Aufsicht als Vergleichstherapie eingesetzt wurde.

 

Die Kniegelenk-Arthrose oder Gonarthrose ist eine chronisch fortschreitende Erkrankung, die oft in beiden Knien zugleich auftritt. Das zunehmende Gelenkversagen ist verbunden mit Veränderungen an der Gelenkstruktur, Schmerzen und reduzierter Beweglichkeit. Die Erkrankung erschwert tägliche Aktivitäten wie das Treppensteigen und kann die Lebensqualität beeinträchtigen. In Deutschland erkranken etwa 17 Prozent aller Männer und 27 Prozent aller Frauen im Lauf ihres Lebens an Arthrose, hauptsächlich in den Hüftgelenken und Kniegelenken. Zu den Risikofaktoren für die Gonarthrose zählen Alter, Geschlecht, genetische Faktoren und Übergewicht.

Bei der therapeutischen Kniegelenk-Arthroskopie wird das Kniegelenk gespiegelt und gespült mit einer Kochsalzlösung; gegebenenfalls werden zudem krankhaft veränderte Meniskus- oder Knorpelanteile abgetragen oder geglättet (Debridement). Das soll Beschwerden wie Schmerzen reduzieren und die Beweglichkeit verbessern.

Das IQWiG verglich diese Maßnahme mit mehreren anderen Interventionen, darunter Nichtbehandlung, Scheinbehandlung und aktive Behandlungen ohne Arthroskopie, beispielsweise Injektionen von Glukokortikoiden ins Kniegelenk.

Von speziellem Interesse war dabei, wie sich diese Behandlungen auf die täglichen Aktivitäten und die Lebensqualität der Betroffenen auswirken. Aber auch Veränderungen der Symptomstärke und mögliche Nebenwirkungen der Behandlungen wurden verglichen, beispielsweise Infektionen nach Operationen.

Zu dieser Fragestellung fanden die Wissenschaftler elf randomisierte und kontrollierte Studien mit zusammen über 1000 Patientinnen und Patienten; allerdings waren etliche davon mit Unsicherheiten behaftet. Beispielsweise waren die Interventionen häufig nicht verblindet: Die Behandelten wussten dann, ob an ihnen eine Arthroskopie durchgeführt wurde oder nicht, obwohl durchaus Scheinarthroskopien durchführen werden können, bei denen ein kleiner Einschnitt am Knie erfolgt, anschließend jedoch nicht weiter operiert wird.

 

Gerade solche „Placebo-Operationen“ seien für die Bewertung aussagekräftig, wenn auch nicht unumstritten.
, schreibt das IQWiG.

Nutzen der therapeutischen Arthroskopie lässt sich nicht belegen

Aus den meisten Studienergebnissen lässt sich im Vergleich zur Scheinoperation und zur Nichtbehandlung kein Nutzen der therapeutischen Arthroskopie ableiten.

Darüber hinaus war zu möglichen Schäden durch unerwünschte Therapiewirkungen keine eindeutige Aussage möglich.

Dass invasive Behandlungsmethoden wie Operationen oft mit einem besonders großen Placeboeffekt verbunden sind, ist schon längere Zeit bekannt.

Dennoch war es laut IQWiG erstaunlich, wie groß in diesen Studien die gefühlte Verbesserung nach einer Placeboarthroskopie ausfiel.

Auch im Vergleich mit aktiven Maßnahmen überzeugte die Arthroskopie nicht. Nur gegenüber der Injektion von Glukokortikoiden ins Kniegelenk war die Arthroskopie leicht im Vorteil: Die Beschwerden fielen etwas geringer aus. Ob sich auch die Lebensqualität der Betroffenen besser entwickelte als bei der Injektion, erschloss sich aus dieser Studie jedoch nicht.

Für den Vergleich von arthroskopischen Eingriffen mit einer Trainingstherapie unter physiotherapeutischer Aufsicht wurden Daten von Patientinnen und Patienten ausgewertet, deren Gonarthrose mit einem Schaden des Innenmeniskus verbunden waren. Zu keinem Studienzeitpunkt zeigte sich bei den beiden Endpunkten Schmerz und globale Bewertung der Symptomatik ein signifikanter Effekt. Somit kommt das IQWiG zum Schluss, dass der Nutzen einer Arthroskopie des Kniegelenks zur Behandlung von Gonarthrose nicht belegt ist.

 

Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news586471

Kommentar & Ergänzung:

Der Nutzen von medizinischen Massnahmen für Patientinnen und Patienten muss sehr viel energischer überprüft werden und die Resultate müssen Konsequenzen haben.

Geschieht das nicht, so stellt sich die Frage, wie wirksam die Qualitätssicherung in der Medizin ist.

In dieser Hinsicht sind Medizin und Komplementärmedizin genau gleich zu behandeln.

Genau genommen ist es aber bereits ausserordentlich fragwürdig, zwischen Medizin und Komplementärmedizin zu trennen. Ich teile die Ansicht, dass es nicht einerseits Medizin und andererseits Komplementärmedizin gibt. Diese Spaltung ist willkürlich und bewirtschaftet ein problematisches Lagerdenken. Es gibt nur wirksame Medizin und unwirksame Medizin. Darum ist es meiner Ansicht nach übrigens auch unsinnig, dass die Schweiz in der Verfassung seit 2009 einen speziellen Artikel zur Förderung der Komplementärmedizin hat. Das Parlament, das den Stimmberechtigten diesen Artikel zur Abstimmung vorgelegt hat, ist einer Lobbyingaktion auf den Leim gegangen. Und die Stimmberechtigten wurden falsch und einseitig darüber informiert.

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Studie: Beinwell-Salbe in der Therapie akuter Rückenschmerzen

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Die „Zeitschrift für Phytotherapie“ (Nr. 3 / 2011) veröffentlichte eine Studie mit einer Beinwell-Salbe (Kytta-Salbe).

Durchgeführt wurde die Studie an der Deutschen Sporthochschule Köln und 3 zusätzlichen ambulanten Zentren für Orthopädie und Sportmedizin.

Die Originalpublikation erfolgte im British Journal of Sports Medicine

(http://bjsm.bmj.com/content/44/9/637.abstract?sid=08e00813-56a0-43af-89f2-ae8be35caa24)

Hier die wichtigsten Ergebnisse dieser randomisierten, klinischen Prüfung.

Zuerst eine Zusammenfassung der bisherigen Studien mit Beinwell:

„Beinwell (Symphytum officinale L.) ist eine traditionelle Heilpflanze, die schon seit Jahrhunderten zur Behandlung von schmerzhaften Muskel- und Gelenkbeschwerden Einsatz findet. Viele klinische Studien und Anwendungsbeobachtungen bestätigen die Wirksamkeit des in dieser Studie getesteten Beinwellwurzelextrakts bei verschiedenen Muskel- und Gelenkbeschwerden. So konnte die Wirksamkeit der Beinwellwurzelsalbe gegenüber Placebo bei der Behandlung von Sprunggelenksdistorsionen und bei schmerzhafter Gonarthrose (Arthrose/ Osteoarthritis des Kniegelenks) gezeigt werden. Eine weitere Studie demonstrierte die Überlegenheit gegenüber einer 1 %igen Diclofenac-Gelzubereitung bei Patienten mit einer einseitigen Gelenksdistorsion. Dies wird auch durch die ESCOP-Monografie »Symphyti radix« bestätigt. Die European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP) beurteilt Phytopharmaka in Europa anhand harmonisierter Bewertungskriterien.“

Und anschliessend die Zusammenfassung der aktuellen Studie:

„Die multizentrische, randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Studie untersuchte die Überlegenheit einer Salbe mit Beinwellwurzelextrakt gegenüber Placebo. 120 Patienten litten unter akuten Kreuzschmerzen oder Schmerzen im oberen Rücken- und Nackenbereich. Dabei wandten sie über einen Zeitraum von 5 Tagen dreimal täglich jeweils 4g Verum- oder Placebosalbe an. Gegenüber Placebo waren im Verlauf alle bewerteten Wirksamkeitsvariablen der Therapie mit dem Beinwellpräparat signifikant überlegen. Der Beinwellwurzelextrakt hatte einen bemerkenswert starken und klinisch relevanten Effekt im Hinblick auf die Reduzierung akuter Rückenschmerzen. Zum ersten Mal konnte außerdem der schnelle Wirkungseintritt der Salbe (eine Stunde) nachgewiesen werden.“

Kommentar & Ergänzung:

Beinwell (Walllwurz) ist eine wichtige Heilpflanze bei stumpfen Verletzungen wie Prellung, Bluterguss (Hämatom), Verstauchung, bei Gelenkentzündung, Sehnenscheidenentzündung, Knochenhautentzündung etc.

Beinwell nicht einnehmen und nur auf intakter Haut anwenden.

Siehe auch:

Beinwell-Salbe lindert Verspannung in Schulter und Nacken

Voltaren-Gel versus Beinwell-Salbe

Sprunggelenksverletzung: Beinwellwurzel wirksamer als Diclofenac

Bei Wikipedia findet sich eine Erklärung für den Namen „Symphytum“:

„ Die Beinwell-Arten wurden schon in alter Zeit als Heilkraut verwendet. Ihr Name leitet sich von ihrer Anwendung bei Knochenbrüchen und bei offenen Wunden ab. Auch bei Verletzungen von Bändern und Sehnen wurde den Pflanzen Heilwirkung zugeschrieben. Sowohl der heute anerkannte Gattungsname Symphytum als auch der in früheren Werken gebräuchliche Name Consolida bedeuten übersetzt „Zusammenwachsen“ (lat.: consolidare, gr.: symphýein). Als Heilpflanze wird besonders der Echte Beinwell (Symphytum officinale) eingesetzt und auch in Kräutergärten angebaut. Äußerlich angewendet ist er wirksam bei Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen,…..Die Heilwirkung auf die Haut ist auf den Inhaltsstoff Allantoin zurückzuführen, der heute auch in der Kosmetik zahlreiche Anwendungsgebiete gefunden hat. Allantoin bewirkt die Beschleunigung des Zellaufbaus und der Zellbildung, was in der alten Heilkunde vor allem bei der Behandlung von Unterschenkelgeschwüren genutzt wurde. Bei Nicholas Culpeper ist nachzulesen: der Beinwell hat eine solche Kraft zu heilen und zusammenzufügen, daß zerteilte Fleischstücke wieder zusammenwachsen, wenn man sie mit Beinwell in einem Topf kocht.“

Die Geschichte mit dem Fleisch im Kochtopf, das wieder zusammenwächst, wird auch von anderen Wundheilpflanzen überliefert, zum Beispiel vom Sanikel (Sanicula europaea, „Heil-aller-Schäden“). Bei Knochenbrüchen erwartete man vom Beinwell früher eine Anregung der Kallus-Bildung und damit eine beschleunigte Heilung. Dazu gibt es aber keine gesicherte Erkenntnisse.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Seminare und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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