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Süssholzwurzeltee schützt Magenschleimhaut

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Das Magazin „Focus“ schreibt zur Wirkung von Süssholzwurzel:

„Die Süßholzwurzel hemmt Entzündungen, schützt die Magenschleimhaut und entkrampft den Magen. Hauptwirkstoff ist das Saponin Glycyrrhizin, das auch der Lakritze ihren charakteristischen Geschmack verleiht.

Für den Tee die Süßholzwurzel in kleine Stücke schneiden und kurz aufkochen lassen. Wer mag, kann auch etwas Fenchel dazugeben. Dann fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Je süßer der Tee werden soll, desto länger muss er ziehen. Schluckweise über den Tag verteilt trinken.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/verdauung/magen/tid-21554/hausmittel-magenkraempfe-entspannung-fuer-den-magen_aid_605248.html

Kommentar & Ergänzung:

Das ist soweit korrekt. Häufiger als bei Magenschleimhautentzündung wird Süssholz allerdings als schleimlösendes Mittel bei Husten eingesetzt.

Süssholz ist ein häufiger Bestandteil von Hustentee-Mischungen („Brusttee“), beispielsweise zusammen mit Thymiankraut, Schlüsselblumenblüten, Spitzwegerichkraut, Anisfrüchten, Malvenblüten oder Königskerzenblüten.

Die Süssholzpflanze (Glycyrrhiza glabra) gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) und ist im Mittelmeergebiet und in Westasien beheimatet (Abbildung auf Wikipedia).

Mit verschiedenen Varietäten besiedelt die Pflanze eine große Region vom südöstlichen Europa über Vorderasien, Ukraine, Mittelrussland, südliches Sibirien, Afghanistan bis zum westlichen China.

Die stark süß schmeckende Süssholzwurzel enthält Glycyrrhizin, ein Triterpensaponin, das etwa die 50-fache Süßkraft von Rohrzucker (Saccharose) besitzt.

Die Wurzeln werden zur Gewinnung von „Süßholzsaft“ (Liquiritiae succus) verwendet, der in die weltweit beliebten Lakritz-Süßwaren eingearbeitet wird. Zu diesem Zweck werden die frischen Wurzeln zerkleinert und mit Wasser viele Stunden ausgekocht. Der so gewonnene Saft wird anschliessend ganz langsam bis zur zähflüssigen Konsistenz eingedickt. Bei diesem Vorgang bildet sich das so charakteristische Lakritzaroma. Der zähflüssige Extrakt wird zu 5% bis maximal 50% zusammen mit Zucker, Mehl, Stärke und/oder Gelatine sowie Geruchs- und Geschmacksstoffen zu Lakritzwaren verarbeitet.

Bei längerer Anwendung und höherer Dosierung kann Lakritze Störungen im Mineralstoffhaushalt bewirken: mineralokortikoide Effekte in Form einer Natrium- und Wasser-Retention, Kaliumverlust mit Bluthochdruck, Ödeme (Wasseransammlung in Geweben) und in seltenen Fällen Myoglobinurie (Eiweiß des Muskelgewebes im Harn).

Während der Schwangerschaft ist Lakritze zu meiden.

Siehe auch:

In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

Lakritze schädlich in der Schwangerschaft?

Und sonst noch zu Süssholz bzw. Lakritze:

Amorfructine aus Süssholz gegen Diabetes

Fundstück: Rezept für hausgemachte Lakritze

Süssholz zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt

Zuviel Lakritze kann den Blutdruck steigern

Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Amorfructine aus Süssholz gegen Diabetes

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Süssholz enthält Wirkstoffe mit einem für den Typ-2-Diabetes hochinteressanten Profil: Die neu entdeckten Inhaltsstoffe Amorfrutine reduzieren am Tiermodell den Blutzucker durch Steigerung der Insulinsensitivität und wirken gegen Entzündungen.

Seit Jahrtausenden werden Inhaltsstoffe der Süssholz-Pflanze (Glycyrrhiza glabra) medizinisch angewendet, und zwar hauptsächlich als Tee bei Atemwegs- und Magenerkrankungen. Nun haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik in Berlin in der Süßholzwurzel eine neue Wirkstoffklasse entdeckt: die Amorfrutine.

Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass die Amorfrutine gezielt an den PPAR-gamma-Rezeptor (Peroxisom-Proliferator-Aktivierter Rezeptor) andocken und Ihn aktivieren. Da PPAR-Rezeptoren viele Stoffwechselvorgänge beeinflussen, ist das medizinische Interesse an ihnen seit einigen Jahren sehr groß.

Der gamma-Untertyp spielt eine bedeutende Rolle im Glucose- und Fettstoffwechsel. Eine Aktivierung des PPAR-gamma steigert die Empfindlichkeit von Muskelzellen, Fettzellen und Leberzellen für Insulin. Glucose sowie freie Fettsäuren werden darum verstärkt von den Zellen aufgenommen und aus dem Blut abgezogen.

Auch bei der Differenzierung von Adipozyten (Zellen des Fettgewebes) scheint der PPAR-gamma eine Rolle zu spielen, und schließlich ist die Aktivierung des Rezeptors mit antientzündlichen Wirkungen verbunden.

Insulinsensitivität wird erhöht

Im Einklang mit diesen Erkenntnissen der Grundlagenforschung stehen die Resultate, die die Max-Planck-Wissenschaftler mit Amorfrutinen am Mausmodell für Adipositas und Tpy-2-Diabetes gewonnen haben: Mit den neu entdeckten Pflanzenstoffen ließ sich die Insulinsensitivität deutlich erhöhen. Der Blutzucker wurde reduziert und auch die Konzentration freier Fettsäuren im Blut verminderte sich. Die Amorfrutine konnten im Experiment sogar der Entwicklung einer Fettleber vorzubeugen. Außerdem war eine Verminderung verschiedener Entzündungsparameter festzustellen.

Dieses interessante Profil wird gemäss den experimentellen Daten durch eine sehr gute Verträglichkeit vervollständigt. Damit, so die Forscher, weisen Amorfrutine einen entscheidenden Vorteil gegenüber synthetischen Liganden des PPAR-gamma auf. Denn die vor einigen Jahren in die Diabetesbehandlung eingeführten Glitazone binden an diesen Rezeptor. Allerdings ist Rosiglitazon schon wieder aus dem Handel verschwunden und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte rät Medizinern, keine weiteren Patienten auf Pioglitazon einzustellen. Dass die natürlichen PPAR-gamma-Liganden offenbar frei sind von unerwünschten Wirkungen synthetischer Liganden, ist laut den Wissenschaftlern auf die größere Selektivität zurückzuführen, mit der Amorfrutine durch die Bindung an den Rezeptor relevante Gene anschalten.

Amorfrutine passen ins Konzept der Diabetestherapie

Das Profil der Amorfrutine ist darum so interessant, weil es metabolische und antientzündliche Effekte verbindet. Entzündliche Vorgänge spielen nach dem aktuellen Konzept in der Pathogenese des Typ-2-Diabetes eine wichtige Rolle und könnten ein bedeutendes Bindeglied zwischen Adipositas (Fettleibigkeit), Diabetes und Arteriosklerose sein.

Bei Adipositas können Fettzellen auf ein Mehrfaches ihrer gewöhnlichen Größe anwachsen, und diese hypertrophen Fettzellen schütten große Mengen von Entzündungsmediatoren aus. Dadurch werden Immunzellen wie Makrophagen angelockt, die in das Fettgewebe einwandern und die Lage weiter aufheizen, bis sich mit der Zeit eine chronische Entzündung (low grade inflammation) entwickelt. Man konnte zeigen, dass die Überschwemmung mit Entzündungsmediatoren an insulinabhängigen Geweben eine Insulinresistenz auslösend beziehungsweise fördern kann, die Ausgangspunkt ist für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes. Und auch bei der beschleunigten Arteriosklerose – als Folge von metabolischem Syndrom und Typ-2-Diabetes – sind entzündliche Vorgänge mit im Spiel.

Man müsste allerdings viel Süßholz einnehmen, um die Wirkungen der Amorfrutine in der Diabetesbehandlung nutzen zu können – die bisher angebotenen Zubereitungen hauptsächlich in Tees sind viel zu niedrig dosiert. Die Berliner Wissenschaftler haben bereits großindustriell anwendbare Extraktionsverfahren entwickelt, mit dem sich Amorfrutine anreichern lassen. Das medizinische Potenzial dieser interessanten Pflanzeninhaltsstoffe, die auch in den Früchten des in Amerika heimischen Strauches Amorpha fruticosa entdeckt wurden, sehen die Max-Planck-Forscher in einer sowohl therapeutischen als auch vorbeugenden Anwendung.

Quelle:

Weidner, C: Amorfrutines are potent antidiabetic dietary natural products, Proceedings of the National Academy of Sciences 2012, doi: 10.1073/pnas.1116971109

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41709&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Süssholz ist eine interessante Heilpflanze und dieses Beispiel mit den Amorfrutinen zeigt wieder einmal, dass die Pflanzenwelt eine ergiebige Quelle für Arzneistoffe ist.

Zum Hinweis darauf, dass mit Süssholztee die Amorfrutine nicht in genügender Dosierung zugeführt werden können, lässt sich noch sagen: Mit eingedicktem Süssholzsaft – also mit Lakritze – könnten wohl grössere Mengen zugeführt werden (sofern die Amorfrutine das Einkochen bei der Lakritzeherstellung überstehen).

Das Problem liegt aber an einem anderen Punkt: Süssholz / Lakritze in so hohen Dosen hätte wohl auch gravierende Nebenwirkungen. Bei längerfristiger Einnahme und hohen Dosen wäre zu rechnen mit: Mineralocorticoiden Wirkungen, Pseudohyperaldosteronismus mit Wasser- und Natriumretention, Oedemen, Kaliummangel und Bluthochdruck. Für diese Wirkungen sind die Inhaltsstoffe Glycyrrhizinsäure bzw. Glycyrrhetinsäure verantwortlich.

Darum ist es im Fall der Amorfrutine sicher sinnvoll, wenn die Wissenschaftler sich auf die Gewinnung und Anwendung der isolierten Stoffe konzentrieren und nicht – wie es in der Phytotherapie gebräuchlich ist – ein möglichst vollständiges „Wirkstoffteam“ aus der Pflanze extrahieren.

Zu ergänzen ist zudem, dass die vorliegenden Laborergebnisse und Resultate aus Tiermodellen noch weit entfernt sind von der Anwendung in der Diabetes-Behandlung beim kranken Menschen. Ob sich ein neuer Ansatz in der Therapie bewährt, zeigt sich erst in klinischen Studien mit Patientinnen und Patienten.

Zum Süssholz (Glycyrrhiza glabra) siehe auch:

Süssholz zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt

Fundstück: Rezept für hausgemachte Lakritze

Süssholzwurzeltee bei Magenbeschwerden

Zuviel Lakritze kann den Blutdruck steigern

In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

Lakritze schädlich in der Schwangerschaft

Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung

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Süssholz zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt

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Seine Wurzel wird für Lakritze, Kräuterliköre und Kräutertees verwendet – und in Zukunft vielleicht sogar für Medikamente gegen Virusinfektionen: Das Süßholz ist zur Arzneipflanze des Jahres 2012 erkoren worden. Das schreibt der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg, der seit 1999 die Arzneipflanze des Jahres wählt.

Das Süßholz (Glycyrrhiza glabra) ist eine Staude, die einen Meter hoch wachsen kann. Heimisch ist Glycyrrhiza glabra im Mittelmeerraum, in Kleinasien und im Kaukasus bis Iran, Afghanistan, Zentralasien und Südrussland. Zwei weitere Glycyrrhiza-Arten sind in Ostasien heimisch: . Glycyrrhiza inflata und Glycyrrhiza uralensis.  Süßholz wird einerseits fast überall in der Natur gesammelt, für die Arznei- und Genussmittelherstellung in der Türkei, China, Russland, Bulgarien, Italien, Spanien und Südfrankreich aber auch angebaut.

Verwendet wird die Süssholz-Wurzel mit ihren Ausläufern. Sie besitzt zahlreiche Inhaltsstoffe: 400 verschiedene Inhaltsstoffe sind bisher beschrieben worden. Zu den wichtigen Inhaltsstoffen der Süssholzwurzel zählen Saponine (bis zu 15 Prozent) wie das Glycyrrhizin, das fast die 50fache Süßkraft von Rohrzucker besitzt, ausserdem Flavonoide, Cumarine und Schleimstoffe. Aus diesen Inhaltsstoffen erklärt sich die Anwendung als entzündungshemmende, schleimhautprotektive und auswurffördernde Heilpflanzen gegen Husten, Katarrhe und Entzündungen der oberen Atemwege sowie Gastritis und Magengeschwüre in der westlichen Heilkunde.

Ohne Rücksprache mit dem Arzt oder der Ärztin soll Süßholzwurzel nicht länger als vier bis sechs Wochen angewendet werden. In hohen Dosen hat die Heilpflanze mineralcorticoide Effekte wie Natrium- und Wasserretention sowie Kaliumverlust mit Bluthochdruck und Ödemen. Die Tagesdosis von 15 Gramm Süßholzwurzel beziehungsweise 600 Milligramm Glycyrrhizin darf deshalb nicht überschritten werden. Eingedickter Süssholzsaft, also Lakritze, darf nicht mehr als 200 Milligramm Glycyrrhizin pro 100 Gramm enthalten. Pro Tag sollte nicht mehr als 50 Gramm Lakritze verzehrt werden. Kontraindiziert ist die Anwendung von Süßholzwurzel bei cholestatischen Lebererkrankungen, Leberzirrhose, arterieller Hypertonie, Hypokaliämie, schwerer Niereninsuffizienz und Schwangerschaft.

„Süßholz raspeln“ – das sagt man, wenn sich jemand einschmeicheln will. Diese Redewendung spielt direkt auf die arzneiliche Wirkung der Süßholzwurzel an, wie Johannes Mayer vom Würzburger Studienkreis erklärt: „Eine Abkochung von zerkleinerter Süßholzwurzel als Tee getrunken, hilft sehr schnell bei rauer Stimme und Hustenreiz.“ Denn der Inhaltsstoff Glycyrrhizin wirke unter anderem entzündungshemmend und schleimhautschützend.

In der Antike nutzten die Ägypter und Griechen Süssholz unter anderem gegen Husten, Heiserkeit, Asthma und Brustbeschwerden. Im Mittelalter schrieb die Äbtissin Hildegard von Bingen dem Süßholz eine günstige Wirkung auf die Psyche zu – Hildegard zufolge soll es den Menschen „mild stimmen“. Unter der Bezeichnung „gan cao“ ist Süßholz bis heute ein fester Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM). Süssholz gehört dort zu den so genannten 50 Basiskräutern.

Außer in China wird Süßholz gegenwärtig in zahlreichen anderen asiatischen Ländern medizinisch verwendet, etwa in Japan, Korea und Vietnam. In Ostasien setzt man Süssholz mit weiteren Stoffen auch bei Leberleiden wie Hepatitis und Leberzirrhose ein. „Zahlreiche Forschungsaktivitäten weltweit geben Anlass zu der Hoffnung, dass die Süßholzwurzel in Zukunft auch für andere Anwendungsgebiete eingesetzt werden könnte, zum Beispiel bei Virusinfektionen“, erklärt Johannes Mayer.

Allein auf dem deutschen Markt werden jährlich etwa 100 Tonnen Süßholzwurzel als Bestandteil von Kräutertees konsumiert. „Generell ist Deutschland in Europa die Nummer eins unter den Nutzern und Händlern von Heilpflanzen. Weltweit gesehen, sind die Deutschen sowohl beim Import als auch beim Export unter den Top fünf“, so Johannes Mayer.

Die Süßholzwurzel und zahlreiche andere Arzneipflanzen werden nicht nur kultivert, sondern auch in der Natur gesammelt. Daraus entstehen Probleme der Nachhaltigkeit. Um darauf hinzuweisen, stellt der Würzburger Studienkreis die Arzneipflanze des Jahres erstmals in Kooperation mit dem World Wide Fund for Nature (WWF) und dessen Partnerorganisation Traffic vor. Der WWF hat Traffic im Jahr 1976 zusammen mit der Weltnaturschutzunion IUCN gegründet, um „den internationalen Ausverkauf der Natur zu stoppen“. Traffic bedeutet „Trade Records Analysis of Flora and Fauna in Commerce“.

Bei Wildsammlungen von Heilpflanzen soll die ortsansässige Bevölkerung eingebunden werden. Aus der Natur sollen nur so viele Pflanzen geerntet werden, wie nachwachsen können. Nur auf diese Weise kann der Bestand auf lange Zeit genutzt werden und eine Einkommensquelle für die ländliche Bevölkerung gewährleisten. Diese Art der Rohstoffgewinnung nennt sich „kontrollierte, nachhaltige Wildsammlung“.

Seit Kurzem existiert die Möglichkeit, verbindliche Managementpläne für Arzneipflanzen aufzulegen und nachhaltige Wildsammlungsprojekte zertifizieren zu lassen: Der vom WWF und Traffic mitentwickelte „FairWild“-Standard soll eine „nachhaltige Wildsammlung unter Erhalt der natürlichen Ressourcen mit einem fairen Preisgefüge“ gewährleisten. Dem Verbraucher wird das mit einem entsprechenden FairWild-Siegel signalisiert.

Der Studienkreis „Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg kürt die Arzneipflanze des Jahres seit 1999. Bisher wurden folgende Pflanzen gewählt: Buchweizen, Arnika, Stechender Mäusedorn, Artischocke, Pfefferminze, Arzneikürbis, Thymian, Hopfen, Gemeine Rosskastanie, Fenchel, Efeu und Passionsblume.

Quelle:

Julius-Maximilians-Universität Würzburg

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=35906

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=40093&Nachricht_Title=Nachrichten_S%FC%DFholz+ist+Arzneipflanze+des+Jahres+2012&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Süssholz ist eine interessante Heilpflanze. Der „Süssholzstängel“, den man in der Drogerie als Kind bekommen hat, ist eine verbreitete Kindheitserinnerung. Dass es sich dabei um eine Süssholzwurzel handelt und dass aus Süssholz Lakritze („Bärendreck“) gewonnen wird, ist weniger bekannt.

Siehe auch:

Süssholzwurzeltee bei Magenbeschwerden

Zuviel Lakritze kann den Blutdruck steigern

In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung

Lakritze schädlich in der Schwangerschaft

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Süssholzwurzeltee bei Magenbeschwerden

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Das Magazin „Focus“ veröffentlichte eine Serie mit bewährten Hausmitteln gegen Verdauungsprobleme.

Die vorgestellten Tipps aus Naturheilkunde und Phytotherapie waren erfreulich fundiert, was ganz und gar nicht selbstverständlich ist.

„Süßholzwurzeltee

Die Süßholzwurzel hemmt Entzündungen, schützt die Magenschleimhaut und entkrampft den Magen. Hauptwirkstoff ist das Saponin Glycyrrhizin, das auch der Lakritze ihren charakteristischen Geschmack verleiht. Für den Tee die Süßholzwurzel in kleine Stücke schneiden und kurz aufkochen lassen. Wer mag, kann auch etwas Fenchel dazugeben. Dann fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Je süßer der Tee werden soll, desto länger muss er ziehen. Schluckweise über den Tag verteilt trinken.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/verdauung/tid-21554/hausmittel-magenkraempfe-entspannung-fuer-den-magen_aid_605248.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Süssholzwurzel stammt von Glycyrrhiza glabra, einer Pflanzenart aus der Unterfamilie Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Die Süssholzpflanze ist in der Mittelmeerregion und in Westasien beheimatet.

Die Süssholzwurzel wird in der Phytotherapie vor allem angewendet bei Husten, Magenschleimhautentzündung (Gastritis), Magengeschwür (Ulcus ventriculi) und Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcus duodeni).

Aus der Süssholzwurzel wird Lakritze gewonnen, eine vor allem in Nordeuropa (Holland, Finnland….) ausgesprochen beliebte Süssigkeit.

Während der Schwangerschaft sollte man Lakritze besser meiden, da es Hinweise gibt für eine schädliche Wirkung auf das ungeborene Kind.

Siehe dazu:

In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

Lakritze schädlich in der Schwangerschaft

Eine interessante Wirkung zeigte Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung:

Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung

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Zuviel Lakritze kann den Blutdruck steigern

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Zu viel Lakritze kann schaden.  «Das kann zu Wasseransammlungen im Körper und damit zu einem Anstieg des Blutdrucks führen», sagte Heribert Brück vom Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK).

Der Basisbestandteil von Lakritze entfalte im Organismus die gleiche Wirkung wie die Hormone Aldosteron und Cortisol:  Beide behindern den Flüssigkeitsausgleich und sorgen so für einen erhöhten Blutdruck, erklärte Heribert Brück.

«Gesunde Erwachsene erleiden keinen Schaden, auch wenn sie Lakritze gelegentlich in größeren Mengen verzehren», stellte Brück aber beruhigend fest. Die Angaben zu den Höchstmengen seien sehr unterschiedlich, und allgemein akzeptierte Grenzwerte für den Lakritzenkonsum fehlten. Als Höchstwert für die regelmäßige Einnahme würden etwa 100 Gramm am Tag für Erwachsene in der Literatur am häufigsten genannt. «Jeder kann also ohne Bedenken mal eine Tüte Lakritze vernaschen.»

Für Schwangere sind Brück zufolge jedoch nur maximal 50 Gramm täglich empfehlenswert. Das liege daran, dass Lakritze den Cortisolspiegel heraufsetzt, der über den durchlässigen Mutterkuchen direkt an das Kind weitergegeben wird. «Cortisol ist ein Stresshormon: Es führt insbesondere zu einer Erhöhung des Blutdrucks, des Blutzuckers, und der Blutfette.» Es sei nicht auszuschließen, dass ein Kind später besonders empfindlich auf Stress reagiert, wenn es während der Schwangerschaft dauerhaft zu viel Cortisol aufnimmt.

Quellen:

http://de.news.yahoo.com/26/20101123/thl-zu-viel-lakritze-kann-den-blutdruck-b930478.html / DPA

Kommentar & Ergänzung:

Lakritze wird aus Süssholz gewonnen (Glycyrrhiza glabra). Die Warnung betrifft nicht den gelegentlichen Konsum von Süssholzwurzeln, die durch ihren Gehalt an Glycyrrhizin als Süssmittel wirken. Und wie schon im Text erwähnt ist der gelegentlich Konsum von moderaten Lakritze-Mengen harmlos. Der regelmässige Konsum von hohen Lakritze-Dosen ist aber kritisch zu beurteilen und nicht zu empfehlen, obwohl in nordischen Ländern genau dies üblich ist. Hier stimme ich der Warnung bei, ohne dass deswegen nun eine Lakritzen-Panik angebracht wäre.

Vom regelmässigen Konsum von Lakritze während der Schwangerschaft würde ich abraten. Mir scheint der Höchstwert von 50 Gramm pro Tag – wie er in dem Bericht von DPA / Yahoo genannt wird – während der Schwangerschaft zu unsicher. Es gibt einige durchaus beunruhigende Forschungsergebnisse zu möglichen Folgen von regelmässigen, grösseren Lakritzemengen in der Schwangerschaft. Auch hier geht es mir nicht um Panikmache – sondern um eine Safety-first-Grundhaltung.

Und Heilpflanzen sind ja – man muss es immer wieder sagen – nicht immer nur gesund. Sie können in bestimmten Situationen wie einer Schwangerschaft oder bei falscher Anwendung auch schaden. Denn ein Heilmittel, das in keinem Fall unerwünschte Nebenwirkungen zeigt, steht im dringenden Verdacht, auch keine erwünschte Wirkung zu haben.

Weitere Infos:

In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

Lakritze – schädlich in der Schwangerschaft?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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[Buchtipp] Aloe, Ginkgo Mistel & Co, von Jutta Hübner

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Aloe-Gingko-MistelVerlagsbeschreibung

Enzyme gegen Krebs – helfen die wirklich?“
„Sind ergänzende Wirkstoffe auch für mich und meine Krebserkrankung geeignet?“
„Woher bekomme ich verlässliche Informationen?“
Dies sind Fragen, die sich krebskranke Patienten und ihre Angehörigen sehr oft stellen. Unbehagen gegenüber einer hochtechnisierten Medizin, gleichzeitig die Hoffnung auf sanfte, aber wirkungsvolle Hilfe „aus der Natur“ sind Anlass, um nach Alternativen Ausschau zu halten.
In den Medien findet sich eine unüberschaubare Informationsflut zu oft plakativ angepriesenen ergänzenden, so genannten „komplementären“ Wirkstoffen in der Krebsbehandlung. Je nach Seriosität des Anbieters versprechen diese zum Teil wahre Wunderdinge – und wecken so überzogene Hoffnungen bei den Betroffenen. Auf der anderen Seite gibt es bei „Schulmedizinern“ eine Skepsis gegenüber komplementären Ansätzen, die Patienten in ihrem Kampf gegen die Krankheit manchmal durchaus entmutigen kann.
Verlässliche Informationen und fundierten Rat erhalten Sie hier.
Die erfahrene, auf Krebsbehandlung spezialisierte Ärztin Dr. med. Jutta Hübner gibt kompetent Auskunft zu allen wichtigen Fragestellungen rund um die komplementärmedizinischen Wirkstoffe. Besonders berücksichtigt sie dabei die Frage, bei welchen Krebserkrankungen und Behandlungsfolgen eine ergänzende Behandlung sinnvoll ist.
117 gängige Wirkstoffe – von A(loe) bis Z(itrusflavonoide) – werden erstmals im Überblick dargestellt, nach klinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen beurteilt und mit klaren, verständlichen Empfehlungen versehen: Was taugen diese Wirkstoffe wirklich? Wann und in welcher Form lassen sie sich am effektivsten einSetzen? Wovon sollten Patienten besser die Finger lassen?
Ein hilfreicher und zuverlässiger Ratgeber für eine sinnvolle ergänzende Krebstherapie im Angebotsdschungel der Komplementärmedizin.

Zum Shop

Kommentar

Aloe, Ginkgo, Mistel & Co

Unzählige Wirkstoffe aus Heilpflanzen werden zur Vorbeugung oder zur ergänzenden Behandlung von Krebs propagiert. Zum grossen Teil handelt es sich dabei um unsinnige Versprechungen, doch gibt es auch interessante Wirkstoffe. Hier die Spreu vom Weizen zu trennen ist keine leichte Aufgabe.

Dr. med. Jutta Hübner ist Sprecherin des Arbeitskreises komplementäre onkologische Medizin in der Deutschen Krebsgesellschaft und zudem Chefärztin einer onkologischen Klinik. Sie ist eine qualifizierte Expertin und damit bestens geeignet als Autorin dieses Buches. Vor allem trennt sie sauber zwischen Forschungsergebnissen, die im Labor gewonnen wurden, und den Resultaten von Studien mit Patienten. Es ist nämlich ein verbreiteter Irrtum, vorschnell von positiven Laborresultaten auf entsprechende Wirkungen bei Krebskranken zu schliessen.

Aus phytotherapeutischer Sicht hat das Buch Schwächen im Bereich Wirkstoffkunde, beispielsweise wenn Thymian, Sonnentau und Süssholz zu den schleimhaltigen Heilpflanzen gezählt werden. In dieser Hinsicht würde ich dem Buch nicht trauen. Allerdings habe ich keinen wirkstoffkundlichen Irrtum gefunden, der für die Therapie relevant wäre. Das sind eher „Schönheitsfehler“. Das gilt auch für die Illustration im Abschnitt „Teufelskralle“, wo anstelle der südafrikanischen Harpagophytum procumbens, die als Heilpflanze verwendet wird, unsere einheimische Ährige Teufelskralle (Phyteuma spicatum) abgebildet ist. Eine Verwechslung, die ziemlich häufig geschieht.

Das Buch „Aloe, Ginkgo, Mistel & Co“ eignet sich gut zur Orientierung für den Bereich pflanzlicher Wirkstoffe im Umfeld der Onkologie.

Besprochen werden unter anderem folgende Wirkstoffe / Heilpflanzen:

Aloe, Amygdalin, Anamu (Petiveria alliacea), Anthocyane, Apigenin, Arganöl, Arginin, Avemar®, Ballonerbse (Sutherlandia frutescens), Beifuss (Artemisia annua anamed), Biobran®, Brennessel, Cannabis (Hanf, Cannabis sativa), Canthaxanthin, Capsaicin, Carnitin, Carnesol, Chinesischer Engelwurz (Angelica sinensis), Chlorogensäure, Cimetidin, Coenzym Q10 / Ubichinon, Cumarin, Curcumin, Ellagsäure, Emodin, Eugenol, Faktor AF 2, Ferulasäure, Flor Essence® / Essiac®, Folsäure, Galactose, Galavit®, Geraniol, Ginkgo (Ginkgo biloba), Ginseng (Panax ginseng), Glucarat, Glutamin, Gluthathion, Granatapfel (Punica granatum), Grüntee (Camellia sinensis), Haifischknorpelextrakt, Honig, Honokiol (Magnolia officinalis), Hydrazinsulfat, Indol-3-Carbinol, Ingwer (Zingiber officinale), Inositol-Hexaphosphat, Isoflavone, Isothiocyanate, Kaempherol, Kaffeesäureester, Katzenkralle (Uncaria tormentosa), Knoblauch, Allium sativum, Kombucha, Lapacho Leinsamen, Leinöl, Lignane Limonen, Lutein, Lycopin, Mariendistel (Silybum marianum) Melatonin, Melittin, Mistel (Viscum album), Zitruspektin, Moosbeere, Cranberry (Vaccinium macrocarpon, Myrobalanen (Terminalia), N-Acetylcystein, Noni (Morinda citrifolia), Oleanolsäure, Omega-3-Fettsäuren, Omega-6-Fettsäuren, Oridonin, PC-SPES / Prostasol®, Perillylalkohol, Polyerga®, Probiotika, Propolis, Proteaseinhibitoren, Quercetin, Resveratrol, Rooibos (Aspalathus linearis), Rutin, Saikosaponine, Schlafbeere (Withania somnifera), Scutellaria (Scutellaria baicalensis), Selen, Sojasaponine, Spirulina, Squalen, Süssholrwurzel (Glycyrrhiza glabra), Teufelskralle (Harpagophytum procumbens), Theanin, Thymus, Tragant (Astragalus), Traubenkernöl, Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa), Ukrain, Ursolsäure, Weidenrinde, Weihrauch (Boswellia), Zeaxanthin, Zeolithe, Zink, Zitrusflavonoide,

Und es werden folgende Krebs- und Therapiefolgeerkrankungen besprochen. Bei denen Massnahmen aus Naturheilkunde / Komplementärmedizin sinnvoll sein können:

Appetitlosigkeit, Depression, Diarrhoe (Durchfall), Erschöpfung, Hustenreiz, Leberschädigung, Lymphödem, Magenschleimhautentzündung, Meteorismus (Blähungen) Mundschleimhautentzündung, Obstipation (Verstopfung), Schädigung des Herzmuskels, Schädigung des Immunsystems, Schlafstörungen, Schmerzen, Strahlentherapiefolgeschäden, Übelkeit, Wechseljahrbeschwerden.

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Granatapfel-Extrakt als natürlicher Wehenförderer?

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Ein Extrakt aus Granatäpfeln soll die Gebärmutter von Schwangeren dazu bringen, sich zusammenzuziehen. Verantwortlich dafür sei ein Inhaltsstoff namens Beta-Sitosterin, der die Muskelzellen im weiblichen Fortpflanzungsorgan beeinflusst. Zu diesem Resultat sei Professor Sue Wray von der Universität im britischen Liverpool im Tierversuch gekommen.
Diese Nachricht wurde auf dem Newsportal von Yahoo verbreitet.
Hier eine Zusammenfassung der Meldung und anschliessend ein Kommentar dazu:

Zieht sich während der Wehen die Gebärmutter einer Schwangeren nicht genügend zusammen, können Ärzte das Hormon Oxytozin anwenden, um die Muskelkontraktionen herbeizuführen. Allerdings wirkt Oxytozin nicht bei allen Frauen, so dass häufig ein Kaiserschnitt nötig wird. Nun hoffen die britischen Forscher, aus dem Granatapfel-Extrakt, der aus den Kernen gewonnen wird, in Zukunft möglicherweise wirksame Medikamente herstellen zu können.
In der Vergangenheit haben sich viele Wissenschaftler intensiv mit dem Granatapfel und der medizinischen Bedeutung seiner Inhaltsstoffe beschäftigt. Diverse Untersuchungen haben bestätigt, dass Granatapfel-Extrakte bei Erkrankungen wie Zum Beispiel Krebs oder Arthritis eine günstige Wirkung auf die Gesundheit der Patienten haben können.

Quelle:
http://de.news.yahoo.com

Kommentar & Ergänzung:

Die Meldung scheint sensationeller als sie ist. Beta-Sitosterol ( = Beta-Sitosterin) kommt in der Pflanzenwelt ziemlich verbreitet vor und ist keineswegs ein spezifischer Inhaltsstoff in Granatapfel-Kernen (Punica granatum).

Beta-Sitosterin, ( = Beta-Sitosterol) gehört zur Gruppe der Phytosterine, deren chemische Strukturen Ähnlichkeit mit der von Cholesterin aufweisen.
Sitosterin wurde erstmals 1897 aus Weizenkeimöl isoliert.

In den folgenden Jahren wurde Beta-Sitosterin dann auch in zahlreichem anderen Pflanzenölen gefunden (z. B. in Maiskeimöl, Roggenkeimöl, Baumwollsamenöl, Avocadoöl, Olivenöl, Kürbissamenöl, Sojaöl). Es kommt aber auch vor in Tallöl, Calabarbohnen, Cinchonawachs und Cinchonarinde, in Pekannüssen, der Sägepalme (Serenoa repens), in Avocado (Persea americana), Kürbissamen (Curcurbita pepo), Prunus africana (Pygeum africanum), Cashewnüssen, Reiskleie, Sanddorn und Bocksdornfrüchten bzw. Gojifrüchten.

Im Bereich Pflanzenheilkunde / Phytotherapie spielt Beta-Sitosterol eine Rolle als Inhaltsstoff von Heilpflanzen gegen die Beschwerden bei gutartiger Prostatavergösserung (Benigne Prostatahyperplasie). Im Vordergrund stehen dabei Brennesselwurzel, Sägepalmenfrüchte, Hypoxis-rooperi-Rhizom, Pygeum afrikanum.
Wikipedia führt eine Liste der Pflanzenteile mit den höchsten Konzentrationen an Beta-Sitosterol (Angabe in parts per million):
Cherimoya-Samen (Annona cherimola MILL.): 10000-14000 ppm
Zweigriffliger Weißdorn-Blüten und Weissdorn-Blätter (Crataegus laevigata (POIR.) DC): 6500-7800 ppm in den Blüten; 5100-6200 ppm in den Blättern
Echter Schwarzkümmel-Samen (Nigella sativa L.): 3218 ppm
Gemeine Nachtkerzen-Samen (Oenothera biennis L.): 1186-2528 ppm
Salbei-Blätter (Salvia officinalis L.): 5-2450 ppm
Weiße Maulbeere (Morus alba L.): 2000 ppm in den Blättern
Senna obtusifolia (L.) H.IRWIN & BARNEBY: 1000-2000 ppm in den Samen
Buchweizen-Samen (Fagopyrum esculentum MOENCH.): 1880 ppm
Basilikum-Blätter (Ocimum basilicum L.): 896-1705 ppm
Mais (Zea mays L.): 1300 ppm in Maisgriffel, in Narbe/Stylus (Maisgriffel)
Salbei-Stiel (Salvia officinalis L.): 1214 ppm
Basilikum-Blüte (Ocimum basilicum L.): 1051 ppm
Sanddorn-Samen (Hippophae rhamnoides L.): 550-970 ppm
Sojabohne (Glycine max (L.) MERR.): 900 ppm in den Samen
Süßholz-Wurzel (Glycyrrhiza glabra L.): 500 ppm in Radix Liquiritiae
Basilikum-Wurzel (Ocimum basilicum L.): 408 ppm
Duftveilchen (Viola odorata L.): 330 ppm in der Pflanze
Basilikum-Sprossen (Ocimum basilicum L.): 230 ppm im Stiel des Keimlings
Ashwaganda-Wurzel, Schlafbeeren-Wurzel (Withania somnifera (L.) DUNAL): 200 ppm
Sägepalme-Früchte, Sabalpalme (Serenoa repens (W. BARTRAM) SMALL): 189 ppm

Zur pharmakologieschen Wirkung von Beta-Sitosterol

Die normale Aufnahme von Beta-Sitosterin durch die Nahrung beträgt etwa 250-300 mg pro täglich. Dabei werden im Magen-Darmtrakt etwa 5 % des aufgenommenen Beta-Sitosterins resorbiert.
Allein oder in Kombination mit ähnlichen Phytosterinen vermag Beta-Sitosterin in höheren Dosen (1-3 g pro Tag) den Cholesterinspiegel des Blutes zu reduzieren und wird daher manchmal als Mittel gegen Hypercholesterinämie eingesetzt, da es die Cholesterinaufnahme bremst.
Beta-Sitosterin wird in der Pflanzenheilkunde in niedrigeren Dosierungen (mg-Bereich) zur symptomatischen Behandlung einer beginnenden Benignen Prostatahyperplasie (BPH) eingesetzt.
Auch zur unterstützenden Behandlung von Prostatakarzinom und Brustkrebs wird es verwendet. Die Wirkprinzipien sind noch weitgehend unbekannt. Solide Studien fehlen. Diskutiert werden hormonartige Effekte (estrogenartig) und die Hemmung der Prostaglandinsynthese.

Auf welchem Weg Beta-Sitosterol wehenfördernd wirken soll, bleibt unklar. Eine Hemmung der Prostaglandinsynthese würde sich wohl eher negativ auswirken, da Prostaglandin E2 eine wichtige Rolle bei den Wehen spielt.
Den Artikel auf Yahoo-News kann man meines Erachtens zusammenfassen mit: Viel Wind, aber wenig Substanz.
Aber wer weiss, vielleicht zeigen ja zukünftige Forschungen, dass……..
Weitere Infos über Granatapfel:
Ellagsäure aus Granatapfel hemmt Brustkrebs im Labor
http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2010/02/13/ellagsaeure-aus-granatapfel-hemmt-brustkrebs-im-labor.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Lakritze schädlich in der Schwangerschaft?

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Der häufige Konsum von Lakritze in der Schwangerschaft könnte der Hirnentwicklung des Feten schaden. Eine Spätfolge ist möglicherweise eine gestörte kognitive Entwicklung, die in einer Studie im American Journal of Epidemiology (2009; doi: 10.1093/aje/kwp272) beobachtet wurde.??

Die Gruppe um Katri Räikkönen von der Universität Helsinki hat 321 Kinder untersucht, deren Mütter während der Schwangerschaft teilweise größere Mengen Lakritze konsumiert hatten. Lakritze ist in Finnland bei jüngeren Menschen sehr beliebt.??

Es ist schon länger bekannt, dass die in der Lakritze enthaltene Glycyrrhizinsäure die Placentabarriere für Steroide schädigt. Die Feten sind dadurch stärker den Stresshormonen der Mutter ausgesetzt, was die schädlichen Einflüsse erklären könnte, die Räikkönen jetzt festgestellt hat.

Kinder, welche pränatal mit mehr als 500 mg Glycyrrhizinsäure (entsprechend rund 100 Gramm Lakritze) ausgesetzt waren, schnitten im Alter von acht Jahren gleich in mehreren Tests zur kognitiven Entwicklung schlechter ab. ?

Sie zeigten einen kleineren Wortschatz, ein schlechteres erzählerisches Gedächtnis und ein eingeschränktes räumliches Vorstellungsvermögen. Die Konzentrationsfähigkeit war reduziert, die Neigung zum Übertreten von Regeln und zum aggressiven Verhalten erhöht.??Diese Auswirkungen waren dosisabhängig, was für eine Kausalität des entdeckten Zusammenhanges spricht. Auch wenn die Studie letztlich nicht beweisend ist, sollten Schwangeren besser auf Lakritze während der Schwangerschaft verzichten, empfehlen die Autoren.

Quelle:
www.aerzteblatt.de

Kommentar & Ergänzung:

Lakritze wird gewonnen aus Süssholz (Glycyrrhiza glabra), einer Pflanzenart aus der Unterfamilie Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Diese Art ist in der Mittelmeerregion und in Westasien beheimatet. Süssholz enthält unter anderem Glycyrrhizin, ein Gemisch aus K- und Ca-Salzen der Glycyrrhizinsäure. Dieses Glykosid, das der Lakritze ihren Geschmack verleiht, besitzt etwa die 50-fache Süßkraft von Rohrzucker.

Zur Wirkung von Süssholz

Süßholzwurzel wirkt aufgrund der enthaltenen Saponine, hauptsächlich der Glycyrrhizinsäure, auswurffördernd, sekretolytisch und sekretomotorisch (schleimlösend). Bei Süßholzextrakten wurde eine antibakterielle und antimykotische (pilzhemmende) Wirkung nachgewiesen. Charakteristische Anwendungsgebiete sind Husten, Bronchialkatarrh und andere Erkrankungen der oberen Atemwege.
Bei Gastritis und Magengeschwüren wird die Süßholzwurzel ebenfalls angewendet. Die experimentell und klinisch belegte entzündungswidrige und krampflösende Wirkung ist noch nicht vollständig geklärt. Der nachgewiesene entzündungshemmende Effekt der Glycyrrhizinsäure soll jedoch nicht durch eine Hemmung der Prostaglandinbiosynthese, sondern durch Einfluss auf die Wanderung der Leukozyten zum Entzündungsort entstehen.

Herstellung der Lakritze

Bei der Herstellung der Lakritze werden die Inhaltsstoffe aus den Wurzeln extrahiert und eingedickt. Vermischt mit Gelatine, Stärke, Agar, Anis, Fenchelöl, Pektin und Zuckersirup und teilweise Salmiak werden die üblichen Lakritzformen produziert.
Die schwarze Farbe, die Lakritze in der Regel hat, ist künstlich erzeugt.

In den Niederlanden und Skandinavien ist Lakritze (nl. drop, dän. lakrids) stark verbreitet und wird in den verschiedensten Geschmacksrichtungen und Formen als Süßigkeit angeboten. Vor allem wird zwischen süßem (nl. zoet, dän. sød) und salzigem (nl. zout, dän. salted) unterschieden. Hauptsächlich in Skandinavien wird der Lakritze Salmiak beigemischt, welches sehr intensiv im Geschmack ist. Auch in Norddeutschland sind Salmis (Salmiakpastillen) sehr beliebt. In den meisten europäischen Ländern dagegen kennt man ausschliesslich süße Lakritze. Im süddeutschen Sprachraum, in der Schweiz sowie in Österreich wird die süße Lakritze mundartlich häufig auch Bärendreck genannt, weil der Ulmer (später Nürnberger) Süßwarenfabrikant Karl Bär auf viele Lakritzarten teilweise europaweite Patente innehatte.

Lakritze in der Schwangerschaft

Die Studie postuliert einen schädigenden Einfluss von Lakritze in der Schwangerschaft, den es meines Erachtens ernst zu nehmen gilt. Es ist gut belegt, dass Lakritze in hohen Dosen den Umgang des Organismus mit Steroiden beeinflussen kann.

Das Problem stellt sich allerdings deutlich stärker in Skandinavien als in Mitteleuropa, sind doch die im Norden konsumierten Lakritzemengen um ein vielfaches höher.

Es gibt aber auch Leute in Mitteleuropa, die quasi auf einen “Lakritzetrip” kommen und dann diese Süssigkeit täglich in exorbitanten Mengen konsumieren.
Davon würde ich nach dieser Studie mit Nachdruck abraten.

Das ist aber auch nicht empfehlenswert für “Unschwangere”, weil Lakritze in hohen Dosen den Elektrolythaushalt des Körpers beeinflussen und dadurch zu Bluthochdruck, Kopfschmerzen und Ödemen führen kann.

Es gibt jedoch keine Hinweise dafür, dass gelegentlicher Konsum von Lakritze in moderaten Mengen schaden könnte. Das gilt auch für gelegentliches Kauen eines “Süssholzstengels” oder für den Konsum von Süssholzwurzel als Bestandteil einer Hustentee-Mischung.
Die zugeführte Menge an Glycyrrhizinsäure dürfte hier tiefer liegen.

In der Schwangerschaft sieht die Sache jedenfalls für den Lakritze-Konsum aber schon etwas anders aus. Beim ersten Überfliegen des Berichtes im “Aerzteblatt” habe ich gemeint, die angegebene Dosierung von 100g Lakritze sei pro Tag gemeint. So hohe Dosierungen dürften in Mitteleuropa Ausnahmen sein.
Beim genaueren Lesen realisierte ich aber, dass da gar nichts steht von “pro Tag”. Wenn die Dosierung von 100g aber gemeint wäre pro Schwangerschaft, dann bräuchte es sehr wenig für eine mögliche Schädigung.

Klärung bringt hier die Originalpublikation im American Journal of Epidemiology:
“In comparison to the group with zero-low glycyrrhiza exposure (0-249 mg/week), those with high exposure (500 mg/week) had significant decrements in verbal and visuospatial abilities and in narrative memory…. and significant increases in externalizing symptoms and in attention, rule-breaking, and aggression problems…The effects on cognitive performance appeared dose related.”
(Quelle: http://aje.oxfordjournals.org/cgi/content/abstract/kwp272v1)

Negative Einflüsse fand die Studie also in der Gruppe mit mehr als 500mg Glycyrrhizinsäure pro Woche, entsprechend etwa 100g Lakritze wöchentlich.
Das ist nicht so dramatisch wie wenn es schon bei 100g auf die ganze Schwangerschaft gerechnet zu solchen Problemen kommen könnte (was die wörtlich Formulierung im Aerzteblatt nahelegt).
Aber 100 g / Woche ist eine Menge, die eine durchschnittliche Lakritzeliebhaberin durchaus verzehren kann.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung

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Indische Anästhesiologen haben möglicherweise ein einfaches Mittel gegen die häufigen Rachenirritationen nach Intubationsnarkosen entdeckt. Gemäss ihrer Studie – publiziert in Anesthesia & Analgesia (2009; 109: 77-81) – senkt ein fünfminütiges Gurgeln mit einer Lakritzlösung unmittelbar vor der Operation die Inzidenz eines postoperativen “sore throats” (POST).

Dem in Lakritze enthaltenen Inhaltsstoff Glycyrrhizinsäure werden expektorierende (= auswurffördernde), sekretolytische und sekretomotorische (schleimlösende) Wirkungen nachgesagt. Lakritze ist daher bei Husten und Erkältungen ein altes Hausmittel. Sie soll auch bei Entzündungen im Rachenraum lindernd wirken.

Dies bewog Anil Agarwal vom Sanjay Gandhi Post Graduate Institute of Medical Sciences in Indien, die Wirkung der Lakritze bei einem häufigen Problem in der Anästhesiologie zu untersuchen: Die meisten Patienten klagen nach dem Erwachen über eine Reizung der Schleimhaut in Pharynx (Rachen) und Larynx (Kehlkopf), was eine Folge der Intubation ist. Weil die Patienten vor der Operation nichts essen oder trinken sollen, baten die Anästhesisten 20 Patienten unmittelbar vor der Operation 5 Minuten lang mit einer Lakritzlösung zu gurgeln und diese dann auszuspucken. Zwanzig andere Patienten gurgelten mit einer Wasserlösung. Nach der Operation klagten 15 Patienten, die mit Wasser gegurgelt hatten, jedoch nur 4 Patienten, die Lakritze angewendet hatten, über eine POST. Zudem wurde auch der postoperative Hustenreiz gelindert. Die Studie von Anil Agarwal war allerdings nicht doppelblind: Zwar wussten die Ärzte nicht, ob die Patienten Wasser oder Lakritzlösung angewerndet hatten, die Patienten werden dies jedoch zweifellos am Geschmack erkannt haben.

Die Nebenwirkungen waren in beiden Gruppen identisch. Agarwal hält das Gurgeln mit Lakritz darum für eine einfache und kostengünstige Therapie bzw. Prophylaxe. Komplikationen könnten allenfalls auftreten, wenn die Patienten sich vor der Operation verschlucken.

Quelle: www.aerzteblatt.de

Originalpublikation:
http://www.anesthesia-analgesia.org/cgi/content/abstract/109/1/77

Kommentar& Ergänzung:

Lakritze ist eingedickter, wässriger Extrakt aus der Süssholzwurzel. Im süddeutschen Sprachraum, in der Schweiz und in Österreich wird die Lakritze mundartlich häufig auch Bärendreck genannt, weil der Ulmer (später Nürnberger) Süßwarenfabrikant Karl Bär auf viele Lakritzarten teilweise europaweite Patente besass.

Süssholz (Glycyrrhiza glabra) ist eine ausdauernde, bis 2 m hohe Staude aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae).
Süssholz ist im Mittelmeergebiet, in Russland und Westasien heimisch.
Die Pflanze wird hauptsächlich in Russland, der Türkei, dem Iran, Spanien, Italien, Frankreich, Griechenland, Ägypten, Brasilien, Australien und China kultivert.

Die im “Ärzteblatt” zusammengefasste Studie zur Anwendung von Lakritze gegen Rachenentzündungen nach Intubationsnarkosen ist sehr interessant, weil sie möglicherweise ein neues Anwendungsgebiet für die Lakritze eröffnet. Dass die Studie nicht doppelblind war, die Patienten also wussten, ob sie Lakritze oder Wasserlösung anwandten, schränkt die Aussagekraft allerdings etwas ein. Die Erwartungshaltung und die Interpretation des Befindens kann dadurch beeinflusst werden.

Dieses Beispiel zeigt zweierlei:
1. Phytotherapie-Forschung ist eine internationale Angelegenheit.
2. Phytotherapie ist nicht ein fixes Lehrgebäude, das durch irgendeine guruhafte Gründerfigur ein für alle mal festgelegt wurde. Phytotherapie entwickelt sich laufend weiter. Deshalb kann man sich nicht einfach an traditionellen Überlieferungen festklammern. Unser Wissen um die Wirkungen der Heilpflanzen ändert sich. Das bedeutet, dass wir uns zwar mit den Erfahrungen traditioneller Pflanzenheilkunde interessiert auseinandersetzen – und sie zugleich aber auch immer an neuen Erkenntnissen messen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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