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Wissenschaftler wollen von Heilern in Afrika lernen

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Forscher der Universität Halle wollen von afrikanischen Heilern lernen und untersuchen zu diesem Zweck deren medizinisch genutzte Pflanzen.

Untersucht werden sollen Pflanzen aus Äthiopien, Botswana und Tansania mit dem Ziel, Aids, Tuberkulose und Wurmerkrankungen zu bekämpfen. Das Projekt wird vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung über vier Jahre mit 800.000 Euro gefördert, beteiligt sind auch Hochschulen und Unternehmen in Afrika.

Projektleiter Peter Imming vom Institut für Pharmazie der Uni Halle erklärt dazu:

«Wir wollen ökologisch gefährdete, therapeutisch wirksame und kommerziell nutzbare Pflanzen zunächst identifizieren und schließlich kultivieren. Unser Ziel ist, wissenschaftlich zu begründen, welche Inhaltsstoffe für die Wirkung der Arzneipflanzen verantwortlich sind.»

Wenn sich die gewünschten Arzneipflanzen tatsächlich kultivieren lassen, wollen die Forscher sie für den kommerziellen Anbau in den afrikanischen Partnerländern empfehlen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68916

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Forschungsprojekte sind auch für die Phytotherapie in Europa interessant, hat sie doch immer wieder Arzneipflanzen aus anderen Weltgegenden in ihre Behandlungskonzepte integriert, wenn entsprechende Wirkungen zu erwarten sind.

Beispiele dafür sind Teufelskralle und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie) aus Afrika,

Ginseng, Ginkgo, Curcuma (Gelbwurz) und Indischer Weihrauch aus Asien,

Echinacea, Hamamelis (Zaubernuss) und Traubensilberkerze (Cimicifuga) aus Nordamerika,

Passionsblume, Cayennepfeffer und Ratanhia aus Südamerika.

Die traditionelle Pflanzenheilkunde – ob in Afrika, Europa oder sonstwo – bringt wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen mit, enthält aber auch immer wieder Irrtümer, die sich über Jahrhunderte hartnäckig halten können.

Nötig im Umgang mit der traditionellen Pflanzenheilkunde ist daher eine offene, interessierte, aber zugleich auch kritisch-prüfende Grundhaltung.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Phytotherapie – was sind Adaptogene?

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Den Begriff „Adaptogene“ prägte der russische Forscher Dr. Nicolai Lazarev schon im Jahr 1958. Der Mediziner bezeichnete damit Pflanzen, deren Inhaltstoffe die Resistenz des Körpers gegenüber Stress steigern.

Gemäss einer Definition des Committee on Herbal Medicinal Products (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur EMA sollen Adaptogene die Resistenz des Organismus gegen ein breites Spektrum an widrigen biologischen, chemischen und physikalischen Faktoren verbessern. Im Gegensatz zu Tonika und Stimulanzien soll eine durch Adaptogene erhöhte Arbeitskapazität nach Absetzen nicht wieder sinken. Des Weiteren sollen Adaptogene gut verträglich und frei von Nebenwirkungen sein.

Weltweit haben es bisher nur wenige Heilpflanzen geschafft, den Kriterien der EMA zu genügen: Dazu zählen beispielsweise Chinesisches Spaltkörbchen (Schisandra chinensis), Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus), Ginsengwurzel (Panax ginseng) und die Rosenwurz (Rhodiola rosea).

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=54660

Kommentar & Ergänzung:

Die Phytotherapie setzt Adaptogene vor allem bei Stress und in der Rekonvaleszenz ein. Vom Wirkungsprofil passen diese Heilpflanzen auch zu „Burnout“, was aber ein umstrittener Begriff ist und keine eigentliche Diagnose.

Ganz scharf gefasst ist aber auch dieser Begriff der „Adaptogene“ nicht. Auffallend ist zudem, dass die Heilpflanzen, die als „Adaptogene“ genutzt werden, sehr unterschiedliche Wirkstoffe enthalten. Die adaptogene Wirkung lässt sich jedenfalls nicht auf eine einheitliche Wirkstoffgruppe zurückführen.

Zu erwähnen ist noch, dass die vier aufgeführten Adaptogene Chinesisches Spaltkörbchen, Taigawurzel, Ginsengwurzel und Rosenwurz jeweils in sehr unterschiedlichen Arzneizubereitungen auf dem Markt sind – zum Beispiel als Wurzelpulver, Pflanzentinktur, Pflanzenextrakt etc.

Dabei gibt es grosse Unterschiede in der Wirksamkeit, die man kennen sollte, wenn man die Pflanzen nutzbringend anwenden will.

Das ist grundsätzlich ein wichtiger Punkt in der Phytotherapie: Es kommt nicht nur darauf an, die passende Heilpflanze oder das passende Phytopharmaka zu einen bestimmten Beschwerdebild zu finden. Genauso wichtig ist die Frage, welche Zubereitungsform in der jeweiligen Situation am wirksamsten ist.

Burnout-Syndrom: Adaptogene wie Ginsengwurzel, Taigawurzel, Rosenwurz

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Milcheiweiss Casein wirksam gegen Stress und Einschlafprobleme?

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Der Pharmavista Newsletter berichtet in seiner neusten Ausgabe über Casein als möglicherweise wirksames Mittel bei Stress und gegen Einschlafprobleme.

Casein ist die Haupteiweisskomponente der Milch. Es besteht nicht aus einer definierten, homogenen Substanz. Die Bezeichnung Casein umfasst vielmehr verschiedene Phosphoproteine, die in Form von Micellen vorliegen.

Caseine in der Milch enthalten Peptidsequenzen mit opioidartigen Eigenschaften, wozu Exorphine zählen wie die beta-Casomorphine. Im Tiermodell beeinflussten diese Peptide die Regulation des Elektrolyttransports, verminderten das Schmerzempfinden und wirkten einschlaffördernd.

Alphacasozepin, das Decapeptid von Alphacasein, zeigte in Versuchen und klinischen Studien eine benzodiazepinähnliche Wirkung mit Bindungsaffinität zu den GABA-A-Rezeptoren. Diese Substanz hat stressvermindernde und anxiolytische (= angstlösende) Eigenschaften ohne nachteiligen Gewöhnungseffekt.

Nahrungsergänzungsmittel mit Casein (oder Proteinhydrolysat aus Milch) werden in Frankreich als Einschlafhilfe empfohlen und kommen bei Stress zur Anwendung. Casein, mit einem mehr oder weniger festgelegten Gehalt an Alphacasozepin, wird kombiniert mit adaptogen wirksamen Pflanzen wie Rhodiola (bspw. Seriane Kps.) oder Eleutherococcus (bspw. Anbosyn Tbl.) angeboten. Anbosyn wurde in einer kleinen klinischen Studie mit 87 Versuchspersonen über einen Zeitraum von 12 Wochen bezüglich Wirksamkeit bei Burnout geprüft. Bei drei von vier Personen soll ein positiver Effekt festgestellt worden sein.

In Pulverform werden caseinhaltige Präparate auch von Sportlern zur Vermehrung der Muskelmasse eingenommen.

Wie andere Eiweissse aus Kuhmilch kann auch Casein bei empfindlichen Menschen allergische Reaktionen auslösen. Nahrungsergänzungsmittel auf der Grundlage von Casein werden für Schwangere, Stillende und Kinder unter 15 Jahren nicht empfohlen.

Als Quellenangabe führt der Pharmavista-Newsletter auf:

_Le Moniteur des pharmacies; no3068/2015/p48

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5145&NMID=5145&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessantes Thema. Möglicherweise ist das ein Erklärungsmodell für das alte Hausmittel „Ein Glas Milch mit Honig“ gegen Einschlafstörungen.

Allerdings muss dazu festgehalten werden, dass es sich bei diesen Angaben wohl hauptsächlich um Erkenntnisse aus Laborversuchen und aus kleinen klinischen Studien handelt, wobei aus der Beschreibung im Pharmavista-Newsletter nicht einmal ersichtlich ist, ob dabei eine Placebo-Kontrolle eingebaut war. Also insgesamt wohl noch eine ziemlich unsichere Datenlage. Aber trotzdem sehr überraschend. Mir war jedenfalls bisher nicht bekannt, dass Eiweissbausteine (Peptide) aus der Milch zu mindestens im Experiment schmerzlindernde und angstlösende Eigenschaften zeigen und benzodiazepinähnliche Effekte an Rezeptoren auslösen. Benzodiazepine sind als Tranquilizer als (allzu)viel verwendete Medikamentengruppe eine bedeutende Grösse im Pharmamarkt (z. B. Lexotanil®, Temesta®, Valium®, Seresta®).

Bisher wurde die Anwendung von Milch als Einschlafhilfe im Übrigen anders erklärt:

„Milch enthält in relativ hoher Konzentration die Aminosäure Tryptophan. Unser Körper kann diesen Eiweißbaustein nicht herstellen, benötigt ihn aber, um im Hirn den Botenstoff Serotonin zu erzeugen. Der wiederum sorgt nicht nur für allgemeines Wohlbefinden, sondern beruhigt auch und hilft beim Einschlafen. Man kann Tryptophan in der Apotheke als »natürliches« Schlafmittel kaufen. Um auf die allgemein empfohlene Tryptophan-Dosis zu kommen, müsste man allerdings etwa zwei Liter Milch trinken. Im Honig dagegen ist die Konzentration nicht ausreichend.“

Quelle:

http://www.zeit.de/2009/11/Stimmts

Interessant ist zudem auch die erwähnte Kombination von Casein mit Rhodiola (Rhodiola rosea, Rosenwurz) und Eleutherococcus (Eleutherococcus senticosus, Taigawurzel).

Siehe dazu:

Burnout-Syndrom: Adaptogene wie Ginsengwurzel, Taigawurzel, Rosenwurz

Taigawurzel, Ginseng Rosenwurz & Co. – Was sind Adaptogene?

Phytotherapie: Eleutherococcus senticosus – Taigawurzel

Rosenwurz (Rhodiola rosea, Orpin rose) gegen Stress und Müdigkeit 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Viele Krebspatienten brechen Behandlung wegen Arzneimittelnebenwirkungen ab

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Mehr als sechs Prozent der europäischen Krebspatienten beenden infolge von Nebenwirkungen die Therapie.

Zu diesem Schluss kommt eine Arbeitsgruppe um Rheena Khanna, London, auf dem Europäischen Krebskongress in Madrid. Sie arbeitet beim Statistikdienstleisters ims Health.

Die Wissenschaftler analysierten Behandlungsdaten von knapp 8.000 Patienten aus Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien. Im Rahmen ihrer Arbeit analysierten sie, unter welchen Tumoren die Patienten litten, welche Therapien angewendet wurden, und welche Nebenwirkungen sie entwickelten.

Von den untersuchten Patienten hatten 87 % eine zytotoxische Chemotherapie und 13 % eine Hormontherapie bekommen. Als Diagnosen waren am häufigsten vertreten Brustkrebs (22 %), Dickdarmkrebs (14 %), und nicht-kleinzelliger Lungenkrebs (13 %). Als Nebenwirkungen traten am häufigsten auf mit 36 % Neutropenie (Blutbildveränderung), gefolgt von Übelkeit / Erbrechen (23 %), Blutarmut (21 %), Neuropathie (17 %) und Schleimhautentzündung (15 %).

Aus der Gruppe der Brustkrebspatientinnen, die ihre Behandlung abbrachen, hatten 57 % eine zytotoxische Chemotherapie und 43 % eine Hormontherapie erhalten.

Bei den Frauen unter Hormontherapie waren Schmerzen der häufigste Grund für den Behandlungsabbruch, gefolgt von Neutropenie. Zahlreiche Patienten mit Darmkrebs oder Lungenkrebs wurden mit platinhaltigen Chemotherapien behandelt und brachen die Therapie wegen Übelkeit, Erbrechen und Neutropenie ab.

Man könne diese Resultate als Aufruf an die Ärzteschaft sehen, die verfügbaren Möglichkeiten zur Kontrolle der Nebenwirkungen von Krebstherapien voll auszunützen, sagte die Studienleiterin.

Wie weit psychologische Strategien und bessere Beratung die Therapietreue verbessern könnten, lasse sich aus den verfügbaren Daten nicht ableiten.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/60342/Viele-Krebspatienten-brechen-Therapie-wegen-Arzneimittelnebenwirkungen-ab

https://www.webges.com/cslide/library/esmo/browse/search/jmK#9faD03bf

 

Kommentar & Ergänzung:

In der direkten Bekämpfung von Tumoren zeigen Heilpflanzen-Anwendungen bisher keine überzeugenden Wirkungen.

Zur Linderung von Nebenwirkungen der Krebstherapie können sie aber einen nützlichen Beitrag leisten.

Siehe dazu:

Naturheilkunde in der Onkologie 

Onkologie & Palliative Care: Heilpflanzen beim Hand-Fuss-Syndrom 

Onkologie & Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Onkologie & Palliative Care: Was hilft bei Fatigue?

Tipps für Krebskranke aus der komplementären Onkologie 

Palliative Care & Onkologiepflege: Honig bei Mucositis (Mundschleimhautentzündung)

Weiterbildung Palliative Care / Onkologiepflege: Schleimstoffe bei Mundschleimhautentzündung

Weiterbildung Palliative Care & Onkologiepflege: Gerbstoffe bei Mundschleimhautentzündung 

Palliative Care & Onkologiepflege: Bitterstoffe bei Mundtrockenheit

Onkologie: Fatigue & Roteer Ginseng

Phytotherapie bei Xerostomie (Mundtrockenheit) 

Palliative Care: Myrrhentinktur bei Mucositis (Mundschleimhautentzündung) 

Palliative Care: Heilpflanzen-Anwendungen bei Appetitlosigkeit

Palliative Care & Weiterbildung: Schwarztee für Haut und Schleimhaut 

Phytotherapie kann bei Krebs manche Beschwerden lindern

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Krafttraining bessert krebsbedingte Erschöpfung (Fatigue)

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Ein zwölfwöchiges Krafttraining während der Strahlentherapie steigert die Lebensqualität und reduziert die Fatigue-Symptome von Brustkrebs-Patientinnen. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum und im Universitätsklinikum Heidelberg in einer großen Studie mit 160 Teilnehmerinnen.

Der Frage, ob Sport und körperliche Aktivität die Lebensqualität von Krebspatienten steigern können, widmen sich gegenwärtig zahlreicher Untersuchungen. Dabei steht auch die Fatigue im Fokus, jene bleierne Müdigkeit und Erschöpfung, die vielen Krebspatienten zum Teil auch noch Jahre nach Abschluss der Therapie das Leben schwer macht.

Die Möglichkeiten, diese schwerwiegende Begleiterscheinung vieler Krebserkrankungen zu lindern, sind zur Zeit noch sehr beschränkt.

Wissenschaftler um Prof. Dr. Karen Steindorf im Deutschen Krebsforschungszentrum und im Universitätsklinikum Heidelberg untersuchten nun, ob Krafttraining bereits im Verlaufe der Strahlentherapie Brustkrebs-Patientinnen helfen kann, Fatigue-Symptomen vorzubeugen oder sie zu mildern. Sportangebote haben häufig schon allein durch das Gruppenerlebnis einen günstigen Effekt für die Patientinnen. Die Forscher in Heidelberg wollten mit ihrer Studie deshalb untersuchen, ob es neben diesen psychosozialen Effekten auch weitergehende positive Auswirkungen eines Sporttrainings auf die Fatigue und auf die allgemeine Lebensqualität gibt. Deshalb wählten sie ein spezielles Studiendesign und verglich das Krafttraining mit einem ebenfalls gruppenbasierten Entspannungstraining. Die insgesamt 160 teilnehmenden Brustkrebspatientinnen wurden per Zufallsentscheid der Sport- oder der Entspannungsgruppe zugeteilt. Sie trainierten jeweils zweimal wöchentlich je eine Stunde. Vor Beginn und nach Abschluss des Trainings nach zwölf Wochen gaben die Patientinnen in einem detaillierten Fragebogen Auskunft über ihr psychisches und physisches Befinden. Zudem wurde ihre Fitness getestet.

 

Krafttraining vermindert Erschöpfungssymptome

Die Studie ergab, dass Brustkrebspatientinnen der Sport-Gruppe signifikant weniger unter Erschöpfungssymptomen litten, zudem verbesserten sich wichtige Teilaspekte der Lebensqualität, sowie – was zu erwarten war – die Körperkraft. In Bezug auf emotionale und kognitive Parameter zeigten sich dagegen keine Differenzen zwischen Krafttrainingsgruppe und Entspannungsgruppe. Das überraschte die Wissenschaftler kaum, denn auch die Entspannungsübungen verbessern das psychische Wohlergehen der Patientinnen, so dass die Forscher keinen großen Unterschied zwischen beiden Gruppen in diesem Bereich erwartet hatten. In der Gesamtauswertung ergab das Sporttraining jedoch viel bessere Resultate. Krafttraining sei offenbar eine wirksame Methode, um den belastenden Fatigue-Symptomen bei Brustkrebspatientinnen vorzubeugen oder sie zu lindern, schliessen die Forscher aus ihren Resultaten. Die Patientinnen profitieren zudem auch in ihrem Alltagsleben von einer besseren körperlichen Leistungsfähigkeit. Die Daten der Studie sind offenbar so überzeugend, dass die Forscher empfehlen, Krafttraining schon therapiebegleitend in die Routineversorgung von Brustkrebspatientinnen aufzunehmen. Sie vermuten zudem, dass die Patientinnen gleich doppelt profitieren: von den eigentlichen Kraftübungen ebenso wie von den psychosozialen Effekten eines Trainings in der Gruppe.

Quelle:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=43855

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum

K. Steindorf, M. E. Schmidt, O. Klassen et al. 
Randomized Controlled Trial of Resistance Training in Breast Cancer Patients Receiving Adjuvant Radiotherapy: Results on Cancer-related Fatigue and Quality of Life. 
Annals of Oncology 2014, DOI: 10.1093/annonc/mdu374

 

Kommentar & Ergänzung:

Dass die Forscher in dieser Studie direkt Krafttraining mit Entspannungstraining verglichen, scheint mir sehr aufschlussreich.

Fatigue ist ein schwierig zu beeinflussendes Phänomen, so dass jeder Klärungsschritt zu begrüssen ist.

Auch in der Phytotherapie gibt es keinen „Knüller“, also keinen Tipp, mit dem sich die Fatigue sicher und deutlich bessern lässt. Immer wieder diskutiert und auch untersucht hinsichtlich Fatigue wird vor allem Ginseng.

Hier zum Thema ein paar weitere Beiträge:

Onkologie / Palliative Care: Was hilft bei Fatigue? 

Ginseng-Behandlung reduziert Fatigue-Symptome bei Krebserkrankungen 

Onkologie: Fatigue & Roter Ginseng

Ginseng lindert Fatigue bei Krebskranken 

Tipps für Krebskranke aus der komplementären Onkologie

Gut dosierter Sport lindert Müdigkeit bei Krebs und Fibromyalgie

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

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Hirndoping: Forscher befürchten langfristig negative Folgen

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Immer mehr Schüler und Studenten setzen Medikamente ein, um ihre geistigen Leistungen zu steigern.

Besonders für junge Erwachsene kann dieses Hirndoping jedoch nachhaltige Folgen haben, warnen nun Wissenschaftler.

Gerade das oft zu diesem Zweck missbrauchte ADHS-Mittel Methylphenidat (Ritalin) hemme längerfristig die Plastizität des Gehirns. Diesen Schluss legen jedenfalls Versuche mit Ratten nahe. Darunter sollen die Lernfähigkeit und die Flexibilität des Verhaltens leiden.

Methylphenidat – der Wirkstoff des Medikaments Ritalin – wird zur Behandlung der Aufmerksamkeitsstörung ADHS verschrieben, ist jedoch gleichzeitig eine der am häufigsten zu Hirndoping eingesetzten „Smart drugs“, die auf dem Schwarzmarkt an High Schools und an Universitäten gehandelt wird.

Allein in den USA verwenden 1,3 Millionen Jugendliche und junge Erwachsene Methylphenidat als Mittel zum Hirndoping, sagt eine aktuelle Studie.

Dieser Wirkstoff wird eingesetzt, um auch nachts noch lernen oder bei Prüfungen klarer denken zu können. Gerade junge Erwachsene seien einem zunehmenden Druck ausgesetzt, immer mehr Leistung zu bringen und seien deshalb in Versuchung, entsprechende Mittel zu nehmen, erklären Kimberly Urban von der University of Delaware in Newark und Wen-Jun Gao vom Drexel College in Philadelphia.

Dieser schon weit verbreitete Missbrauch unter Heranwachsenden ist nach Ansicht der beiden Forscher besorgniserregend. Denn in diesem Alter sei ein entscheidendes Zentrum des Gehirns besonders anfällig für solche Manipulationen: der präfrontale Cortex. Diese Hirnregion – erklären die Wissenschaftler – sei das Steuerzentrum für unser Urteilsvermögen, die Kontrolle der Gefühle, des Verhaltens und der Entscheidungsfindung.

Im Unterschied zu anderen Hirnarealen ist der präfrontale Cortex bei Teenagern und Twens noch nicht ausgereift. Er entwickelt sich noch bis zum Alter von rund 30 Jahren weiter – und ist in dieser Phase speziell empfindlich gegenüber Schwankungen wichtiger Hirnbotenstoffe wie Dopamin und Norepinephrin. Wenn man dann eine Substanz wie Methylphenidat einnehme, die diese Neurotransmitter verändere, dann könne das die Reifung des präfrontalen Cortex stören und bleibende Verhaltensänderungen nach sich ziehen, warnen die Forscher.

Experimente mit Ratten, die Urban und Gao durchgeführt haben, zeigten folgendes: Bekamen Jungratten niedrige Dosen von Methylphenidat, veränderte sich die Erregbarkeit ihrer Hirnzellen im präfrontalen Cortex – die Aktivität der Neuronen war gedämpft. Dadurch wiederum wird die Ausschüttung von Botenstoffen beeinflusst, welche Gefühle und Verhalten prägen.

Darüber hinaus könnte auch die Plastizität des Gehirns durch Hirndoping mit Methylphenidat, aber auch mit dem Narkolepsie-Medikament Modafinil, langfristig gestört werden, warnen die Wissenschaftler. Eine wichtige Eigenschaft des präfrontalen Cortex sei seine hohe Plastizität, welche die Basis ist für das Arbeitsgedächtnis und die aktive Entscheidungsfindung. Grundlage dieser Plastizität sei ein gegenüber anderen Hirnarealen sehr hoher Anteil eines bestimmten Rezeptortyps.

Doch genau diesen Rezeptortyp können die „Smart Drugs“ verändern, wie die Versuche der Forscher mit Ratten zeigten. Bekamen die Tiere in ihrer Jugend niedrige Dosen Methylphenidat oder Modafinil, dann sank dieser Rezeptortyp selektiv ab. Das wiederum förderte zwar kurzfristig die Aufmerksamkeit, hemmte jedoch langfristig die Flexibilität und Lernfähigkeit, wie die Wissenschaftler erklären.

 

Langfristige Folgen möglicherweise auch bei irrtümlicher ADHS-Therapie

 

Die Einnahme von Methylphenidat könnte deshalb für gesunde Jugendliche und junge Erwachsene langfristige Folgen haben – und dies auch bei den Kindern, die dieses Mittel irrtümlich gegen ADHS bekommen, ohne tatsächlich an dieser Störung zu leiden.

Scheinbar wäre diese Behandlung bei den Jugendlichen dann zunächst erfolgreich: Sie folgen dem Unterricht aufmerksam, sind weniger hyperaktiv und lernen besser, erklären die Forscher.

 

Tests des Arbeitsgedächtnisses und der Flexibilität des Verhaltens dieser Kinder könnten aber subtile Defizite zeigen, die ihr gesamtes weiteres Leben beeinträchtigen. Denn bereits bei so simplen Fertigkeiten wie dem Autofahren oder im Sozialverhalten sei es wichtig, flexibel reagieren zu können, sagen Urban und Gao.

 

Nach Ansicht der Forscher sind dringend weitere Studien zur Wirkung dieser Mittel bei jungen Menschen nötig. Schon jetzt gebe es eine hohe Nachfrage für Methylphenidat an Schulen und Universitäten, deshalb seien viele junge Erwachsene der unkontrollierten Einnahme dieser Substanz ausgesetzt, warnen sie. Um den Risiken des Hirndopings besser vorbeugen zu können, brauche es mehr Verständnis dafür, welche Veränderungen im Gehirn stattfinden und wie sie das Verhalten und die Hirnplastizität beeinflussen.

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-17553-2014-05-14.html

http://journal.frontiersin.org/Journal/10.3389/fnsys.2014.00038/abstract

(Frontiers in Systems Neuroscience, 2014; doi: 10.3389/fnsys.2014.000

 

Kommentar & Ergänzung:

 

Dass Hirndoping nicht ohne Risiken zu haben ist, zeichnet sich immer deutlicher ab.

Siehe auch:

Hirndoping an Universitäten verbreitet 

Warnung vor Hirndoping 

Das Thema „Hirndoping“ wirft aber auch zahlreiche grundsätzliche Fragen auf.

Sollte tatsächlich einmal eine wirksame „Hirnpille“ ohne gravierende Nebenwirkungen entwickelt werden und sollte sich diese durchsetzten, so kämen möglicherweise „Nicht-Anwender“ zunehmend unter Druck.

Und was soll nun genau mit „Hirndoping“ optimiert werden? Die Verarbeitungsgeschwindigkeit im Gehirn? Die Merkfähigkeit? Die Müdigkeitsresistenz?

Sind das nicht ziemlich quantitative Aspekte? Und wäre es nicht sinnvoller, die Qualität von Denkprozessen weiterzuentwickeln? Das könnte zum beispielsweise bedeuten: wir streben nach möglichst sorgfältiger Urteilsbildung und Entscheidungsfindung, nach präzisem, differenziertem Denken…….

Und dazu braucht es meinem Eindruck nach Übung und allenfalls ein Stück Anleitung – aber wohl kaum Medikamente.

Es gibt auch Heilpflanzen-Präparate, die im Gehirn eine Leistungssteigerung bewirken sollen. Im Vordergrund stehen dabei Ginkgo biloba, Rosenwurz (Rhodiola rosea) und Ginsengwurzel (Panax ginseng). Diese Heilpflanzen entfalten ihre Wirkung langsam, was unter anderem auch dazu beiträgt, dass kein Abhängigkeitsrisiko besteht.

Ob und wie stark ein gesundes Hirn von Heilpflanzen wie Ginseng, Rosenwurz und Ginkgo profitieren kann, ist allerdings trotz entsprechender Studien nicht eindeutig geklärt.

Zu Rosenwurz siehe:

Rosenwurz (Rhodiola rosea / Orpin rose) gegen Stress & Müdigkeit

Ein ganz anderes Thema wie „Hirndoping“ ist die therapeutische Anwendung von Ritalin bei ADHS. Darüber herrscht eine heftige Auseinandersetzung.

Meinem Eindruck nach gibt es Situationen, in denen die Anwendung von Ritalin sinnvoll und wirksam ist. Aber dass man mit diesem Mittel vorsichtig und sorgfältig umgehen muss, und es nicht unnötigerweise einsetzen darf, scheint mir ebenso gewiss.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Onkologie / Palliative Care: Was hilft bei Fatigue?

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Mit dem Begriff „Fatigue“ bezeichnet man ein Erschöpfungs-Syndrom mit außerordentlicher Müdigkeit, mangelnder Energiereserven oder einem massiv erhöhten Ruhebedürfnis, das absolut unverhältnismäßig zur vorausgegangenen Aktivität ist. Leitsymptome der Fatigue sind Müdigkeit und Erschöpfung. Aber auch Leistungsschwäche und Depression sind charakteristisch für das Beschwerdebild.

Die Bezeichnung Fatigue wird in der Medizin in verschiedenen Zusammenhängen verwendet.

In der Onkologie ist das Fatigue-Syndrom eines der häufigsten und zugleich das am stärksten belastende Begleitsymptom der Krebserkrankung und ihrer Therapie. Stärker noch als unter Schmerzen leiden viele Patienten unter der extremen Erschöpfung. Dennoch bleibt die Fatigue oft unerkannt und unbehandelt.

Zur Entstehung des Fatigue-Syndroms schreibt Wikipedia:

„Die Pathogenese des Fatigue-Syndroms bei Krebs ist bislang nicht eindeutig geklärt. Überwiegend wird von einer multifaktoriellen Genese ausgegangen, an der bei Krebskranken auch psychologische Faktoren, Blutbildveränderungen und Ernährungseinflüsse beteiligt sind. Bei ihnen wird die Fatigue durch die Erkrankung selbst oder im Zusammenhang mit einer Chemotherapie oder Bestrahlung ausgelöst. Sie hält meist Wochen bis Monate über den Behandlungszeitraum hinaus an und beeinträchtigt die Lebensqualität oft erheblich.“

Die Behandlung der Fatigue ist oft schwierig. Die „ÄrzteZeitung“ berichtet über das Thema.  Vor allem Anderen müssten eine Bewegungstherapie, etwa mit Ausdauer- oder Krafttraining, und eine psychoonkologische Begleitung gewährleistet sein, berichtete Dr. Axel Eustachi vom Kompetenzzentrum für Komplementärmedizin und Naturheilkunde (KoKoNat) der TU München.

Er wies auf eine britische Studie hin, in der Daten von 20 Studien, 15 davon randomisiert und kontrolliert, analysiert wurden, um die Wirksamkeit komplementärer und alternativer Medizin (CAM, complementary and alternative medicine) bei Tumor-Fatigue zu beurteilen (Integr Cancer Ther. 2013; 12(4):276-90).

Resultat:

„Begleitend neben Chemo- oder Strahlentherapie erwiesen sich Hypnose, Ginseng- und Guaranabehandlung als effektiv. Akkupunktur hingegen zeigte einen deutlichen Effekt nach Beendigung der Chemo- oder Strahlentherapie. Zudem gab es Hinweise auf die Effektivität von Massage in dieser Therapiesituation.

Qi Gong zeigte sowohl während wie auch nach der konventionellen Therapie positive Wirkung auf Fatigue. Hinsichtlich Therapie-Kombinationen konnte die Studie keine Ergebnisse liefern. Problematisch war auch die kurze Nachbeobachtungszeit von weniger als drei Monaten.“

Wichtig sei es, die Kombinierbarkeit mit der laufenden onkologischen Standardtherapie abzuklären und mögliche Wechselwirkungen auszuschließen, erklärte Eustachi. So enthalte Ginseng zum Beispiel Substanzen, die mit unklarer Wirkung an Östrogenrezeptoren andocken könnten. Deshalb sei Ginseng bei Östrogenrezeptor-positivem Brustkrebs besser zu meiden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/krebs/article/855721/onkologie-hilft-fatigue.html?sh=1&h=-402959452

http://spcare.bmj.com/content/1/Suppl_1/A12.2.abstract

Kommentar & Ergänzung:

Zu Guarana: Der mehrjähige Guarana-Strauch Paullinia cupana var. sorbilis aus der Familie der Seifenbaumgewächse (Sapindaceae) ist im Amazonasgebiet in Brasilien heimisch und wird in weiteren südamerikanischen Staaten kultiviert.

Als Arzneimittel verwendet werden die vom Samenmantel und der Samenschale befreiten, getrockneten und gerösteten Samenkerne (Guaranae semen). Guarana enthält Coffein und wird wie Kaffee gegen Müdigkeit und zur Leistungssteigerung eingenommen.

Zu Ginseng:

Ginsengextrakte sollten nicht zusammen mit Koffein enthaltenden Präparaten wie Guarana verwendet werden, da dies zum „Ginsengmißbrauchsyndrom“ mit Bluthochdruck, Nervosität, Schlaflosigkeit, morgendlicher Diarrhoe, Ödemen und Euphorie führen könnte.

Siehe auch:

Ginseng lindert Fatigue bei Krebskranken

Onkologie: Roter Ginseng bei Fatigue

Ginseng-Behandlung reduziert Fatigue-Symptome bei Krebserkrankungen

Ausserdem zu Fatigue:

Gut dosierter Sport lindert Müdigkeit bei Krebs und Fibromyalgie

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Smoothies & Co. – Kräuterzusätze als Marketingmasche in Wellness-Drinks

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Kräuterzusätze tauchen zunehmend in Modegetränken auf. Die Hersteller und ihre Marketingagenturen bauen dabei auf das gesunde Image der Kräuter.

Cranberry, Aloe vera, Holunder, Melisse, Ginseng, Grüntee, Rotes Weinlaub, Ingwer & Co. versprechen einen gesundheitlichen Zusatznutzen. Wie real sind diese Versprechungen?

Grundsätzlich ist es so, dass eine Wirksamkeit solcher Kräuterzusätze in Lebensmitteln nicht nachgewiesen werden muss – das wäre nur bei Arzneimitteln der Fall.

Und es ist sehr, sehr fraglich, ob diese Heilpflanzen in solchen Produkten in einer Konzentration vorliegen, die auch wirksam sein könnte.

Wenn zum Beispiel Rotes Weinlaub als Extraktpräparat gegen venöse Ödeme wirksam ist, und dies auch mit Studien gezeigt werden konnte, dann folgt daraus nicht, dass ein bisschen Rotes Weinlaub in einem Smoothie genauso wirksam ist. Aber der Smoothie-Hersteller profitiert vom Ruf, den Rotes Weinlaub als Phytopharmaka inzwischen aufgebaut hat.

Die Beschriftung „Rotes Weinlaub“ allein wirkt allerdings noch nicht, es braucht eine relevante Menge an Wirkstoffen.

In der „Welt“ rät die Oecotrophologin Andrea Pütz:

„Wer etwas für seine Gesundheit tun möchte, beruhigt sein Gewissen besser nicht mit Wellness-Drinks.“

Sie empfiehlt, Zutaten wie Melisse oder Ingwer frisch zu kaufen und selber Getränke mit purem Mineralwasser zu mixen oder einen Tee damit aufzubrühen.

Solche selbst zubereiteten Getränke sparen außerdem Geld, erklärt Pütz.

Eine gesunde Abwechslung bringe mit ein bis zwei Gläsern pro Tag auch die traditionelle Saftschorle.

Die Anteile der beworbenen Pflanzenstoffe seien häufig nur minimal in fertigen Getränken enthalten, manchmal sogar nur als Aroma.

So bringen sie nach Angaben der Ökotrophologin keinerlei Zusatznutzen.

Konsumentinnen und Konsumenten sollten also genau abwägen, ob sie den Werbeaussagen von sogenanntem Functional Food trauen können. Diese versprechen beispielsweise etwa vitalisierende oder beruhigende Wirkung. Da dieser gesundheitliche Zusatznutzen meist ausbleibt, sei dies als irreführend zu bewerten, sagt Pütz.

Quelle:

http://www.welt.de/gesundheit/article123278625/Wirkung-von-Pflanzen-in-Wellness-Drinks-unbewiesen.html

Kommentar & Ergänzung:

In Functional Food sind Kräuterzusätze in der Regel irrelevante Attribute, die den Konsumentinnen und Konsumenten einen höheren Wert des Produktes vorgaukeln und zur Profilierung gegenüber der Konkurrenz dienen. Wirksamkeit ist von diesen Kräuterzusätzen nicht zu erwarten.

Immer wenn es um Kräuter geht, lohnt es sich daher genau hinzuschauen. Wie lässt sich beurteilen, ob Heilkräuter in einer wirksamen Zubereitungsform vorliegen oder in einer unwirksamen?

Welche Kriterien muss eine Heilkräuter-Zubereitung erfüllen, damit sie wirksam ist?

Das ist unter anderem Thema in meinen Lehrgängen (Phytotherapie-Ausbildung, Heilpflanzen-Seminar). Schauen Sie sich das Programm einmal genauer an, wenn Sie sich fundiertes Kräuterkunde-Wissen erwerben möchten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Öko-Test nimmt Ginkgo-Präparate unter die Lupe

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Das Magazin „Öko-Test“ hat zehn Ginkgo-Präparate zur Behandlung von Gedächtnisstörungen untersucht. Nur eines dieser Produkte, Tebonin® konzent 240 mg, erhielt die Note „gut“ (Öko-Test-Magazin Nr. 4/April 2013, S. 50-57).

Von den neun anderen untersuchten Ginkgopräparaten bekam eins die Note „befriedigend“, während alle übrigen nur mit „ausreichend“ oder gar „mangelhaft“ beurteilt wurden.

Gemäss Testbericht kam es in der pharmakologischen Begutachtung darauf an, ob sich ein Arzneimittel in gut durchgeführten Studien für die beanspruchten Anwendungsgebiete als wirksam gezeigt habe.

Mit Ausnahme von Tebonin® lautet die Schlussfolgerung, dass die Wirksamkeit wegen widersprüchlicher Studienlage nicht richtig belegt werden könne. „Öko-Test“ verweist darauf, dass die in Studien mit einem bestimmten Präparat gewonnenen Resultate nicht automatisch auf alle Präparate übertragbar seien.

Die positive Bewertung von EGb 761® begründete „Öko-Test“ mit dem Urteil des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen von 2008 (Abschlussbericht A05-19B. Köln: IQWiG; 2008).

Das IQWiG bestätigte nach umfangreicher Studienauswertung einen Nutzen für das Behandlungsziel „Aktivitäten des täglichen Lebens“, wenn Patienten mit Alzheimer-Demenz täglich eine Dosis von 240 mg EGb 761® einnehmen.

Neben den zehn Ginkgopräparaten zur Leistungsssteigerung des Gehirns untersuchte „Öko-Test“ weitere 14 Produkte auf Basis von Ginseng oder Taigawurzel die als Stärkungsmittel angeboten werden. Keines der 14 Produkte konnte die Tester überzeugen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/demenz/article/837980/gedaechtnisstoerungen-oeko-test-nimmt-ginkgo-mittel-lupe.html?sh=1&h=-98422374

Kommentar & Ergänzung:

Der Ginkgoextrakt EGb 761® ist in der Schweiz erhältlich unter den Namen Tebokan (kassenzulässig, wenn ärztlich verschrieben) und Tebofortin (für Selbstzahler ohne Rezept in Apotheken und Drogerien).

Laien ist oft viel zuwenig bewusst, dass Pflanzenpräparate sich qualitativ stark unterscheiden. Ginkgo ist in diesem Sinne nicht gleich Ginkgo. Es kommt auf die Zubereitungsform, die Herstellungsweise und die Wirkstoffkonzentration an – und darin unterscheiden sich Ginkgopräparate beträchtlich.

Der Hersteller von EGb 761®, die Firma Wilmar Schwabe in Karlsruhe, hat sich im übrigen schon vor vielen Jahren mit der Entwicklung und Erforschung von Ginkgoextrakt befasst, lange bevor Ginkgopräparate breiter bekannt wurden und andere Firmen auf den Trend aufsprangen.

Solche Pionierarbeit hat Anerkennung verdient. Trittbrettfahrer gibt es genug.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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Radiotipp: Zum 100. Geburtstag von Jean Améry (1912 – 1978)

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Die Sendung „Reflexe“ auf Radio DRS 2 brachte einen Beitrag über Jean Améry zu dessen 100. Geburtstag am 31. Oktober 2012.

Der österreichische Schriftsteller Jean Améry (1912-1978) war ein blendender Stilist und ein kritischer Analytiker der Zeitläufe.

Jean Améry war von der französischen Aufklärung und vom Existenzialismus Jean-Paul Sartres geprägt, ein wacher, sensibler und nervöser Geist, der über Michel Foucault und den Strukturalismus ebenso glänzend zu schreiben vermochte wie über seine Erfahrungen als KZ-Häftling in Auschwitz und die moralischen Aspekte des Freitods.

Sehr eindrücklich ist seine Auseinandersetzung mit dem Thema Folter aufgrund seiner eigenen Erfahrungen in den Händen der SS, auf die auch der Radiobeitrag eingeht.

Die Sendung können Sie hier nachhören:

http://pod.drs.ch/mp3/reflexe/reflexe_201210301205_10246135.mp3

Nicht so bekannt ist, dass Jean Améry sich auch mit dem Thema Altern und Krankheit auseinandergesetzt hat:

„Wohl ist wahr, dass wir auch als alternde Menschen erkranken und danach wieder im Sinne der medizinischen Wissenschaft ‚gesund’ werden. Doch finden wir uns im Altern nach der Wiederherstellung stets auf einem tiefer gelegenen Punkt der Spirale des Organischen wieder: wir sind niemals so heil wie wir das vorher gewesen waren, wie zufriedenstellend die Auskunft des Arztes auch lauten möge. Heute sind wir etwas weniger gesund als wir es gestern waren und um eine Abschattung gesünder als wie es morgen sein werden. Es ist das Altern eine unheilbare Krankheit, und weil es ein Leiden ist, unterliegt es den gleichen phänomenalen Gesetzen wie irgendeine akute Beschwernis, die uns in einem beliebigen Lebensstadium befallen mag. Es stellt darum das Altern auch das gleiche, Vertrautheit und Verfremdung umfangende Verhältnis zu unserem Körper her wie eine spezifische Unpässlichkeit, da es doch, indem es uns Krankheiten in steigender Anzahl und von wachsender Zerstörungskraft zubringt, als ganzes und auch in seinen Phasen relativen physischen Wohlseins jenen Charakter der Mühsal hat, der jede leichtere und schwerere Erkrankung kennzeichnet. Im Altern, das die Bereitschaft zur Revolte noch erlaubt, während das schon erreichte Alter durch Resignation herabgesetzt ist, sind wir uns unseres Befindens bewusst.

Nun ja doch: es ist eine nicht sehr kostspielige Wahrheit, dass Befinden allgemein stets nur im Missbefinden spürbar wird. Wer da sagt: ‚Ich fühle mich gut’, dem ist natürlich schon nicht mehr ganz wohl in seiner Haut, so wie der Mann, der von sich behauptet, dass er sich jung fühle, nie ein wirklich junger Mann sein kann. Wer sich ‚fühlt’, gut oder schlecht, mit dem steht es nicht so ausgezeichnet, denn solange er tatsächlich im Vollbesitz seiner Kräfte ist, in der Gewissheit gesunder Körperlichkeit lebt, ‚fühlt’ er sich nicht. Er ist nicht bei sich – sondern, wie wir das nachlesen können bei einem grossen deutschen Arzt und Anthropologen, ‚dort’: bei den Dingen und Geschehnissen der Welt, er ist, wie wir auf eigene Faust hinzufügen, ausser sich, im Raum, der zu ihm gehört und ihm gehört, der untrennbar mit seinem Ich verwachsen ist.“

(aus: Über das Altern – Revolte und Resignation, Klett Verlag Stuttgart 1971)

Dass Heilung keine Rückkehr zum vorherigen Zustand sei, schreibt – unabhängig vom Altern – auch der französische Arzt und Philosoph Georges Canguilhem (1904 – 1995):

„Die Gesundheit nach der Krankheit ist nicht die frühere Gesundheit. Das klare Bewusstsein der Tatsache, dass heilen nicht heisst, zurückzukehren, hilft dem Kranken in seiner Suche nach einem Zustand geringstmöglichen Verzichts, indem sie ihn von der Fixierung auf den früheren Zustand befreit.“

(in: Gesundheit – eine Frage der Philosophie; Merve Verlag Berlin 2004)

Der Text von Jean Améry mag ja manchem und mancher einen bitteren und pessimistischen Eindruck hinterlassen, wird doch Altern darin als Abstieg geschildert. Es lohnt sich aber, sich damit auseinanderzusetzen, unter anderem weil er einen Kontrast bildet zum gegenwärtig herrschenden Zeitgeist. Heute gehört zum Ideal des Alterns, dass es beschwerdefrei, gesund und fit geschehen soll. In diesem Gesundheitsideal gehören Beschwerden und Krankheiten nicht zum normalen Leben – sie sind unakzeptable Störungen und Abweichungen vom gesunden Normalzustand. Dieses Ideal ist vielleicht nicht so gesund.

Um diesem Ideal näherzukommen, schlucken wir viele Medikamente, Nahrungsergänzungen von Burgerstein, Ginseng-Kapseln, Similasan-Globuli, Schüssler-Salze und, und, und.

Ich glaube, dass wir stattdessen mehr über unsere Gesundheitsvorstellungen  diskutieren und nachdenken sollten. Das würde auch unseren Umgang mit chronischen Krankheiten verändern.

Ein dialogische Angebot für solche Auseinandersetzungen sind die Eidberger Gedankengänge – vor allem (aber nicht nur) für Menschen mit chronischen Krankheiten und/oder chronischen Schmerzen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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