Artikel mit Schlagwort ‘Ginkgo’

Lungenkrebs: Haifischknorpel-Extrakt ohne Wirkung

Montag, Mai 9th, 2011

Ein Extrakt aus Haifischknorpel hat in der Therapie des fortgeschrittenen nichtkleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC) enttäuscht. Die Kombination von Haifischknorpel mit einer konventionellen Chemoradiotherapie hat in einer Phase-III-Studie im Journal of the National Cancer Institute (2010; doi:10.1093/jnci/djq179) die Prognose der Patienten nicht verbessert. Die Resultate wurde auch auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology in Chicago präsentiert.

Haifischknorpel geniesst in weiten Kreisen der Bevölkerung seit längerem den Ruf, bei Krebserkrankungen wahre Wunder zu wirken. Die entwicklungsgeschichtlich sehr alten Fische würden niemals an Krebs erkranken, wird immer wieder behauptet, und diese Eigenschaften könnten durch die Einnahme der Haifisch-Kapseln auf den Krebspatienten übergehen. Auch Forscher konnten sich für den Gedanken erwärmen, dass Extrakte des nicht durchbluteten Gewebes eine anti-angiogenetische Wirkung haben könnten – also die Neubildung von Gefässen im Tumorgewebe hemmen könnten, vergleichbar mit Bevacizumab oder anderer moderner Krebsmedikamenten. Der kanadischen Firma Aeterna Zentaris kommt laut einer Pressemitteilung des M. D. Anderson Cancer Center das Verdienst zu, ihr Haifischknorpel-Präparat Neovastat® nicht einfach wie andere Hersteller über Drogerien zu vertreiben, sondern in klinischen Studien zu prüfen.

Den Abschluss dieser Forschungen für Neovastat® bildete eine Studie an 379 Patienten mit neu diagnostiziertem NSCLC im Stadium III. Die vom US-National Cancer Center unterstützten Studie wurde an 53 Zentren in den USA und in Kanada durchgeführt.
Alle Patienten bekamen eine Standardtherapie bestehend aus einer Induktionschemotherapie gefolgt von einer Chemo-Radiatio. Zusätzlich wurden die Patienten auf die Einnahme von Neovastat® oder Placebo randomisiert ( = durch Zufallentscheid verteilt).

Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben der Patienten. Es war in beiden Gruppen identisch. Im Neovastat-Arm überlebten die Krebspatienten im Mittel 14,4 Monate, im Placebo-Arm dagegen 15,6 Monate. Auch im progressionsfreien Überleben (11,3 vs. 10,7 Monate) gab es keine signifikanten Differenzen. Für Charles Lu vom M. D. Anderson Cancer Center in Houston und Mitarbeitern gibt es keine Hinweise, dass Neovastat oder die zahlreichen anderen wissenschaftlich nicht untersuchten Haifischknorpelextrakte eine Wirkung besitzen.

Der Editorialist Jeffrey White vom National Cancer Institute in Bethesda äussert sich etwas milder (JNCI 2010; doi: 10.10J9N3/jCncIi/dJjqo1u96). Er hält die unter Neovastat etwas, wenn auch statistisch nicht signifikante reduzierte Toxizität für einen Ansatzpunkt für weitere Studien.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/41377/Lungenkrebs_Haifischknorpel_ohne_Wirkung.htm

http://jnci.oxfordjournals.org/content/102/12/859.abstract

Kommentar & Ergänzung:

Auch Dr. Jutta Hübner, Sprecherin des Arbeitskreises komplementäre onkologische Medizin in der Deutschen Krebsgesellschaft und Leiterin der Komplementären Onkologie an der Universitätsklinik Frankfurt, rät von der Einnahme des Haifischknorpelextraktes ab

(in ihrem Buch: Aloe, Ginkgo, Mistel & Co. Ergänzende Wirkstoffe in der Krebsbehandlung)

Hier ausgewählte weitere Informationen zum Thema Haifischknorpel (Quelle: Wikipedia):

Was ist Haifischknorpel?

„Bei Haifischknorpel handelt es sich um Knorpel von Haien, der in getrockneter und pulverisierter Form als Nahrungsergänzungsmittel im Handel erhältlich ist. Die Präparate werden als Mittel zur „Stärkung der Gelenke“ für Menschen mit Verschleißerscheinungen der Gelenke, Osteoporose und Arthritis beworben. Da sie nicht als Arzneimittel zugelassen sind, dürfen von den Herstellern keine Heilungsversprechen gemacht werden. Seit den 1980er Jahren wird in Publikationen jedoch auch behauptet, Präparate mit Haifischknorpel seien geeignet, Krebs vorzubeugen oder sogar zu heilen. Das bekannteste Mittel dieser Art in Deutschland und in der Schweiz heißt Haifit.“

(Quelle: Wikipedia)

Herstellung von Haifischknorpel

„Um ein Kilogramm Haiextrakt herzustellen, werden 50 Kilogramm Hai benötigt. Verwendet werden alle Teile des Tieres. Der weltweit größte Lieferant von Haiknorpel ist die Firma Shark Technology in Costa Rica, die von William Lane gegründet wurde. In den 1990er Jahren verarbeitete sie nach eigenen Angaben täglich 200 Tiere. Aus Costa Rica wird das Pulver in die USA exportiert und dort für den europäischen Markt verarbeitet. Haiextrakt wird auch Kosmetika zugesetzt. Die Hersteller der Haiknorpel-Präparate erklären, dass für die Produkte nicht eigens Haie gefangen werden, sondern es handele sich um „Beifang“, beispielsweise aus der Tunfisch-Fischerei.“

(Quelle: Wikipedia)

Forschung und Publikationen zu Haifischknorpel

„ 1983 stellten zwei Forscher in Massachusetts bei Laborversuchen fest, dass Knorpelextrakte von Kälbern und auch von Haien in vitro das Wachstum von neuen Blutgefäßen verhindern. Bei Mäusen und Ratten ließ sich durch das Einpflanzen von Haiknorpel das Wachstum von Tumorzellen nicht verhindern, aber verlangsamen. Tumore benötigen ein eigenes Netz von Blutgefäßen, um zu wachsen. Eine abtötende Wirkung auf bereits vorhandene Tumorzellen hatte der Extrakt bei diesen Versuchen nicht. Welche Substanz im Haiknorpel für den beobachteten Effekt verantwortlich ist, ist bislang unbekannt.

Nach der Publikation dieser Ergebnisse begann der Biochemiker William Lane, damals Präsident der amerikanischen Fishmeal Trade Association, sich für die Erforschung von Haiknorpel und deren Nutzung zu interessieren. Als Regierungsbeauftragter der US-Regierung war es seine Aufgabe, nach neuen Investitionsmöglichkeiten für die Fischindustrie zu suchen.

1992 veröffentlichte Lane ein Buch unter dem Titel Sharks don’t get cancer, das 1994 mit dem Titel Warum Haie gegen Krebs immun sind auf Deutsch erschien. Darin verweist er vor allem auf die Ergebnisse aus Massachusetts; unabhängige klinische Studien liegen nicht vor. Lane empfiehlt Haiknorpel jedoch auch bei Psoriasis, diabetischer Retinopathie, Glaukom, Enteritis und Arthritis.

Lane nennt als tägliche Dosis für einen Erwachsenen 80 Gramm Pulver, wenn es oral eingenommen wird. Er empfiehlt jedoch die rectale Aufnahme als Einlauf; dafür seien 20 Gramm ausreichend.“

(Quelle: Wikipedia)

Prozesse rund um Haifischknorpel

„Ende 1999 klagte die amerikanische Food and Drug administration (FDA) als Kontrollbehörde für Arzneimittel gegen die Konzerne Lane Labs und Cartilage Consultants wegen unlauterer Werbung mit falschen Aussagen für das Haiknorpelpräparat BeneFin und eine Sonnencreme. Eigentümer von Cartilage ist William Lane, Präsident von Lane Labs sein Sohn Andrew Lane. Am 30. Juni 2000 untersagte die zuständige amerikanische Handelskommission FTC die Werbeaussage, es handele sich um „klinisch getestete“ Krebsmittel und verurteilte Lane Labs zur Zahlung von 1 Million US-Dollar als Strafe.

1994 verklagte der Haifit-Hersteller Medisana den Marburger Apotheker Gregor Huesmann, weil dieser das Präparat im Schaufenster als „Scheiß des Monats“ angeprangert und als unwirksam und völlig überteuert bezeichnet hatte. Nach Medienberichten über die Aktion war der Umsatz des Präparats deutlich zurückgegangen. Medisana klagte auf Unterlassung und 300.000 Mark Schadenersatz. 1998 untersagte das Oberlandesgericht München als letzte Instanz Huesmann zwar einige Formulierungen. Er durfte jedoch weiterhin behaupten, den Verbrauchern sei durch entsprechende Form“

(Quelle: Wikipedia)

Bewertung von und Kritik an Haifischknorpel

„- Die Behauptung, dass Haie keinen Krebs bekommen, ist falsch. In einem Tumorregister der amerikanischen George Washington University und in wissenschaftlichen Publikationen sind über 20 Krebsarten bei Haien registriert worden.

- Es gibt keine unabhängige wissenschaftliche Studie, die eine Wirkung von Haiknorpel bei menschlichen Krebserkrankungen belegt. Im Gegenteil: Wissenschaftler der Mayo-Klinik konnten in einer Studie keine positiven Effekte von Haiextrakt bei Brustkrebs und bei Darmkrebs feststellen. Ein Großteil der ausgewählten Patienten brach die Teilnahme an der Studie ab. Der physische und psychische Zustand der Patienten der Haiknorpelgruppe verschlechterte sich signifikant im Unterschied zur Placebo-Gruppe. Es wird von gastrointestinalen Nebenwirkungen berichtet.

- Die Einnahme von Haiknorpel wird von mehreren Wissenschaftlern als völlig wirkungslos bezeichnet, da er im Magen von der Magensäure zersetzt werde und mögliche Wirksubstanzen bei der Verdauung zerstört würden.

- Das Deutsche Krebsforschungszentrum sieht nach derzeitigem Forschungsstand keine Belege für eine tumorspezifische Wirkung von Haiknorpel.

- Dr. Gerd Büschel von der Arbeitsgruppe Biologische Krebstherapie am Institut für Medizinische Onkologie in Nürnberg hat erklärt: ‚Was behauptet wird und was wirklich nachgewiesen ist, klafft weit auseinander. Es handelt sich hier einfach um überzogene Interpretationen.’“

(Quelle: Wikipedia, Literaturangaben siehe dort)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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In-vitro-Studie: Ginkgo schützt Nervenzellen

Donnerstag, März 3rd, 2011

Wenn Nervenzellen altern, vermindert sich die Aktivität ihrer Mitochondrien. Die Folge ist ein Energiemangel, der wiederum die Zellalterung der Neuronen und ein Nachlassen der Gehirnleistung fördert. Dieser Kreislauf lässt sich mit einem Ginkgo-Extrakt durchbrechen, wie Heidelberger Forscher in einem Zellmodell darlegen konnten.

Ein Merkmal des Älterwerdens ist, dass die Konzentration und andere kognitive Fähigkeiten nachlassen. Auslöser der abnehmenden Leistungsfähigkeit der Nervenzellen ist ein zunehmender Energiemangel, der durch Schäden der neuronalen Mitochondrien entsteht. Das haben Wissenschaftler der Universität Heidelberg herausgefunden, die den Alterungsprozess von Neuronen im Zellmodell imitiert haben. Da Adenosin-Triphosphat (ATP), der universelle Energielieferant des menschlichen Organismus, in den Mitochondrien gebildet wird, handelt es sich dabei um einen sich selbst verstärkenden Effekt.

»Bisherige Zellkulturmodelle zur Untersuchung neurodegenerativer Prozesse hatten den Nachteil, dass in ihnen eine akute und schnelle Störung des mitochondrialen Energiestoffwechsels ausgelöst wurde. Das entspricht jedoch nicht der In-vivo-Situation, wo die Schädigung der Zellen langsam zunimmt«, erläuterte Professor Dr. Jürgen Kopitz vom Pathologischen Institut der Universität Heidelberg bei einer von der Firma Schwabe gesponserten Veranstaltung auf Mallorca. Kopitz und seinen Kollegen gelang es, in ihrem Zellmodell eine langsam akkumulierende moderate Schädigung von Neuroblastomzellen auszulösen.

Im Heidelberger Zellmodell wurde deutlich, dass sich bei ATP-Mangel in den Mitochondrien der Oxidationsschutz vermindert. Oxidativer Stress und Lipidperoxidation können in der Folge Membrane, Proteine und DNA der Zellorganellen schädigen. »Anders als die DNA im Zellkern, verfügt die mitochondriale DNA über keine Reparaturmechanismen«, erklärte Kopitz. In ihrem Modell ließen die Heidelberger Wissenschaftler die Zellschädigung so weit akkumulieren, dass die Zellen am Ende den programmierten Zelltod (Apoptose) einleiteten.

Konzentration nur bedingt trainierbar

Kopitz und Kollegen konnten aufzeigen, dass der Ginkgo-biloba-Extrakt EGb 761 (Tebonin,  CH: Tebofortin, Tebokan) die Nervenzellen vor diesen schädigenden Einflüssen schützen kann. Dabei steht laut Kopitz der Schutz der Mitochondrienfunktion durch eine Steigerung des ATP-Spiegels im Mittelpunkt. In den Zellkulturen, die sie mit dem Ginkgo-Extrakt behandelt hatten, fanden die Forscher praktisch keine Apoptose. In weiteren Versuchen wollen die Wissenschaftler klären, welche Komponenten des Pflanzenextraktes für die beobachteten günstigen Wirkungen auf die Mitochondrienfunktion verantwortlich sind.

Mit Möglichkeiten zur Optimierung der Konzentration ohne pharmakologische Hilfsmittel beschäftigt sich Professor Dr. Karl Westhoff von der Technischen Universität Dresden. Westhoff zufolge hängt die Konzentration von diversen Variablen ab, die man nicht immer alle selbst beeinflussen kann. Lärm, Schmerzen, Ärger oder fehlende Motivation seien Beispiele für Bedingungen, welche die Konzentrationsfähigkeit stark einschränken, erklärte Westhoff. Besonders störend sind gemäss Westhoff überzogene Erwartungen, die andere oder man selbst an sich stellt. »Konzentration setzt eine bewusste Informationsverarbeitung voraus. Kein Mensch kann daher viele Dinge gleichzeitig machen, auf die er sich richtig konzentrieren muss«, sagte der Psychologe.

Die Fähigkeit zur Konzentration ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das gemäss Westhoff nur bedingt trainierbar ist. In den üblichen Konzentrationstests muss der Proband einfache Aufgaben lösen, die keine speziellen Kenntnisse oder Fähigkeiten erfordern. Kriterien für die Güte der Konzentration sind die Schnelligkeit und die Anzahl der Fehler. Übt man Konzentrationstests, gewinnt man an Geschwindigkeit und macht auch etwas weniger Fehler. Diese Übungsgewinne bleiben über Wochen und Monate bestehen, betreffen jedoch immer nur den Bereich, auf dem geübt wurde. Eine allgemeine Verbesserung der kognitiven Funktionen lässt sich damit also nicht erzielen. Gemäss Westhoff existiert kein Konzentrationstest mit nachgewiesenen Transfereffekten. Optimale Rahmenbedingungen seien für eine gute Konzentration viel wichtiger als häufige Konzentrationsübungen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=36968&type=0 /

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin unabhängig von Phytopharmaka-Herstellern jeder Art und damit auch von Wilmar Schwabe in Karlsruhe. Daher kann ich gut einmal hier ein Lob aussprechen. Schwabe investiert viel Geld und Fachwissen in die Ginkgo-Forschung. Dies im Gegensatz zu vielen Trittbrett-Fahrern, die nur Umsatz mit Ginkgo-Präparaten machen, ohne zum Wissensstand etwas beizutragen.

So sind denn auch die Arbeiten an der Universität Heidelberg interessant, wobei allerdings noch zwei Punkte anzufügen sind:

Erstens handelt es sich im Laborexperimente (In-vitro). Unklar bleibt damit, ob die beobachteten Effekte auch im Gehirn eines lebendigen Menschen stattfinden.

Zweitens wird aus dem Bericht nicht ersichtlich, ob und falls ja in welcher Fachzeitschrift die Resultate veröffentlicht worden sind. Die Präsentation an einer Pressekonferenz in Mallorca allein ist noch kein Gütesiegel.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Pflanzenheilkunde: Granatapfel

Sonntag, Februar 27th, 2011

Der Granatapfel oder Grenadine gehört zum Obst. Bis vor wenigen Jahren zählte er bei uns noch nicht zu den Heilpflanzen. Inzwischen wird Granatapfel aber zunehmend erforscht und zeigt interessante Wirkungen.

Hier eine Zusammenfassung zum Granatapfel aus Wikipedia mit anschliessendem Kommentar.

Granatapfel botanisch:

„Der Granatapfel oder Grenadine (Punica granatum) ist eine Pflanzenart, die heute bei weiter Fassung der Familie der Weiderichgewächse (Lythraceae) zugerechnet wird. Die aus zwei Arten bestehende Gattung Punica bildet alleine die Unterfamilie Punicoideae (Horan.) S.A.Graham, Thorne & Reveal, manche Autoren führen sie auch noch als eigene monotypische Familie Punicaceae Horan. Ihre rote Frucht wird als Obst gegessen. Die Heimat des Granatapfels liegt in West- bis Mittelasien; heute wird er unter anderem im Mittelmeerraum angebaut.“

Granatapfel etymologisch:

„Die Bezeichnung des Granatapfels ist in vielen Sprachen auf das lateinische Wort für Kerne oder Körner, granae, bzw auf deren große Zahl (lat. granatus = körnig, kernreich) zurückzuführen. Den lateinischen Namen Punica bekam er im Römischen Reich, da die Phönizier (auch Punier genannt) diese Pflanze, zum Teil aus religiösen Gründen, verbreiteten.“

Granatapfel und seine Inhaltsstoffe:

„Granatäpfel zeichnen sich durch einen hohen Gehalt bioaktiver Inhaltsstoffe aus. Der Granatapfel enthält größere Mengen Flavonoide wie Anthocyane und Quercetin, Polyphenole vor allem Ellagitannine wie Punicalagin sowie Phenolsäuren wie Ellagsäure und Gallussäure. Er ist reich an Kalium und enthält unter anderem Vitamin C, Calcium und Eisen. Die Früchte reifen nach der Ernte nicht nach, sie zählen zu den nichtklimakterischen Früchten.“

Granatapfel und seine medizinische Bedeutung

Über 250 wissenschaftliche Studien zeigen, dass der Granatapfel eine positive Wirkung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Arthritis haben könnte. Allerdings sind die meisten Studien nur auf Versuche mit Zellkulturen oder Tieren beschränkt. Die Übertragbarkeit auf den Menschen bleibt deshalb bis jetzt oft fraglich und muss in entsprechenden Studien belegt werden. Bisher wurden sieben klinische Studien (zum Teil randomisierte Doppelblind-Studien) zur Wirkung des Granatapfelsafts veröffentlicht, und eine Phase-3-Studie mit 250 Patienten mit Prostatakrebs ist noch nicht abgeschlossen.

Der Granatapfel verfügt, selbst im Vergleich zu Rotwein und Blaubeeren, über besonders viele und stark wirksame Polyphenole, welche vermutlich für die positiven gesundheitlichen Effekte verantwortlich sind. Bei Granatapfelprodukten gibt es beträchtliche Unterschiede bezüglich Qualität und Gehalt an wirksamen Polyphenolen.

In einer In-Vitro-Studie konnte eine Schutzwirkung durch Granatapfelsaft vor Brustkrebszellen festgestellt werden. Sie hemmen die Bildung von körpereigenen Östrogenen und führen bei östrogenrezeptor-positiven Brustkrebszellen zu einer Wachstumshemmung von 80 Prozent – ohne das Wachstum der gesunden Zellen zu beeinträchtigen. Fermentierter Granatapfelsaft ist dabei doppelt so wirksam wie frischer Saft. Auch auf Leukämiezellen wirken die Polyphenole aus fermentiertem Granatapfelsaft: Die Zellen bilden sich entweder zu gesunden Zellen zurück (Redifferenzierung) oder werden in den programmierten Zelltod (Apoptose) getrieben. Außerdem verhindern die Polyphenole, dass sich neue Blutgefäße bilden (Neoangiogenese) – das erschwert die Ausbreitung des Tumors.

Auch gegen Prostatakrebs scheinen die Polyphenole aus fermentiertem Granatapfelsaft besonders wirkungsvoll zu sein, wie eine Reihe von präklinischen Studien zeigen. In einer Studie konnten Prostatakrebs-Patienten durch den täglichen Konsum von Granatapfelsaft (570 mg Polyphenole) ihren PSA-Wert, den zentralen Biomarker bei Prostatakrebs, viermal länger konstant halten als vor der Behandlung: In der sechsjährigen Nachbeobachtungsphase stieg die PSA-Verdopplungszeit von 15,4 auf 60 Monate. Nach diesem Erfolg wird die Studie nun ausgeweitet. In einer Zellkultur-Studie aus dem Jahr 2008 konnte außerdem gezeigt werden, dass auch im Spätstadium des Prostatakrebses Granatapfelsaft noch einen positiven Effekt auf die Zellstruktur haben kann – die Übertragung der Ergebnisse auf den Krankheitsverlauf eines Menschen ist allerdings ohne weitere Untersuchungen nicht möglich. Ähnliche positive Effekte mit hormonunabhängigem Prostatakrebs traten in Tierstudien auf.

In einer doppelblinden, placebo-kontrollierten Studie an 45 Patienten mit koronarer Herzkrankheit erhöhte die tägliche Gabe von 240 ml des Saftes des Granatapfels die Herzmuskeldurchblutung signifikant.  Positive Effekte zeichneten sich auch bei einer Studie mit Patienten mit verengter Halsschlagader ab: Nach einem Jahr Granatapfelverzehr verminderten sich die Ablagerungen an der Halsschlagader um 35 %, während sie in der Kontrollgruppe deutlich zunahmen.“

Quelle: Wikipedia (Literaturangaben dort)

Kommentar & Ergänzung:

Eine interessante Stellungnahme zum Granatapfel kommt von Dr. med. Jutta Hübner, Sprecherin des Arbeitskreises komplementäre Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft:

„In verschiedenen Laborexperimenten konnten Extrakt und Öl des Granatapfels das Wachstum von Tumorzellen vermindern. Dies wurde auch in einem Tierversuch bestätigt. Eine erste Untersuchung an Patienten mit Prostatakarzinom zeigte bei fortgeschrittenen Tumoren einen verlangsamten Anstieg des Tumormarkers PSA.“

Auch wenn diese Ergebnisse beachtenswert erscheinen, bleibt zu berücksichtigen, dass Laborexperimente und Tierversuche nicht ohne weiteres auf die Situation im krebskranken Menschen übertragen werden können. Ebenso beim PSA-Wert: Ein verlangsamter Anstieg kann als günstiger Einfluss des Granatapfels interpretiert werden. Die Veränderung eines Messwertes ist aber noch kein Beleg dafür, dass  Patienten mit Prostatakrebs von einer Granatapfel-Behandlung real profitieren. Um dies zu Belegen bräuchte es „härtere“ Kriterien, vor allem eine Verlängerung der Überlebenszeit.

Jutta Hübner weiter:

„Aufgrund des Phytoöstrogengehaltes ist der Einsatz von Granatapfelextrakten bei Patientinnen mit hormonsensitiven Tumoren nicht unproblematisch, da es zu einer Stimulation von Tumorzellen kommen könnte. Diese Vermutung wurde erst in einem Laborexperiment überprüft, das kein vermehrtes Wachstum von Tumoren zeigte. Trotzdem brauchen wir bei dieser wichtigen Frage erst weitere Untersuchungen, bevor wir die Einnahme von Extrakten als sicher einstufen können. Der gelegentliche Genuss eines Granatapfels ist sicherlich ungefährlich.“

Abschliessend schreibt Jutta Hübner zum Granatapfel:

„Zusammenfassend kann Granatapfel ein positiver Teil der gesunden Ernährung sein. Für die Einnahme eines Extraktes gibt es keine ausreichende Begründung. Bei Brustkrebs sind sogar negative Folgen nicht auszuschliessen; aber Granatapfelextrakt könnte günstig für eine Therapie bei Prostatakarzinomen sein.“

(Quelle: Jutta Hübner, Aloe, Ginkgo, Mistel & Co, Schattauer Verlag 2009, anschauen im Buchshop)

Anzufügen wäre noch: Granatapfel gehört zu den Antioxidantien. Hochdosierte Antioxidantien können möglicherweise während Chemotherapie und Strahlentherapie die Wirkung der Behandlung beeinträchtigen. Daher gilt als Grundsatz: Keine hochdosierte Einnahme von Antioxidantien während Chemotherapie / Strahlentherapie ohne Information der behandelnden Onkologin, des behandelnden Onkologen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Parkinson vorbeugen durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen, Auberginen?

Samstag, Februar 26th, 2011

Ein weiteres Argument, viel Obst zu essen: Man kann damit offenbar das Parkinsonrisiko reduzieren – hauptsächlich dann, wenn man rote und blaue Beeren liebt. Auch das eine oder andere Gläschen Rotwein könnte zu diesem Zweck hilfreich sein.

Warum manche Menschen an idiopathischem Morbus Parkinson erkranken und andere nicht, ist noch weitgehend ungeklärt. Doch offenbar haben Ernährungs- und Lebensgewohnheiten einen grossen Einfluss. Bekannt ist zum Beispiel, dass Kaffeetrinker und Raucher ein um 50 bis 80 Prozent vermindertes Parkinsonrisiko haben.

Jetzt haben US-Wissenschaftler aus Boston herausgefunden, dass auch viel Obst vor der neurodegenerativen Erkrankung schützen könnte. Ein Forscher-Team um Dr. Xiang Gao von der Harvard School of Public Health hat Daten von knapp 130000 Teilnehmern einer Langzeitstudie untersucht.

Diese füllten einen Fragebogen zu ihren Ernährungsgewohnheiten aus. Das Team um Gao interessierte sich dabei hauptsächlich für den Konsum von Flavonoiden. Diesen wichtigen und verbreiteten Pflanzeninhaltsstoffen werden antioxidative Eigenschaften zugeschrieben. Sie finden sich vor allem in Obst, aber auch in dunkler Schokolade und in Rotwein.

In der Studie wurde die Anzahl der Parkinson-Neuerkrankungen (Inzidenz) über 20 bis 22 Jahre dokumentiert. In diesem Zeitraum erkrankten 805 Teilnehmer (0,6 Prozent) an Parkinson. Dabei zeigte sich: Männer, die über ihre Ernährung speziell viel Flavonoide konsumierten, waren gut vor Parkinson geschützt.

Im Quintil mit der höchsten Flavonoidaufnahme war die Parkinsonrate um 40 Prozent tiefer als im Quintil mit dem niedrigsten Konsum. Allerdings schienen Frauen in dieser Studie insgesamt nicht von einem erhöhten Flavonoid-Konsum zu profitieren.

Schauten sich die Wissenschaftler jedoch eine bestimmte Gruppe von Flavonoiden an, die blauen Anthocyan-Farbstoffe, die hauptsächlich in Beeren vorkommen, so war das Parkinsonrisiko bei Männern und Frauen gleichermaßen vermindert. “Möglicherweise haben Anthocyane neuroprotektive Eigenschaften”, erklärte Gao in einer Mitteilung der American Academie of Neurology (AAN). Sollte sich dies bestätigen, so Gao, könnte man über den Konsum von solchen Flavonoiden das Parkinsonrisiko auf natürliche und gesunde Weise reduzieren.

Die Daten der Studie sollen auf dem AAN-Kongress Anfang April in Honolulu präsentiert werden.

Speziell hoch ist übrigens der Anthocyangehalt in Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen und Auberginen. Auch Weintrauben können eine sehr hohe Anthocyan-Konzentration aufweisen, was allerdings von der Traubensorte abhängt. Entsprechend hat ein sehr dunkler Wein im allgemeinen einen hohen Anthocyangehalt.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/morbus_parkinson/article/640901/antiparkinson-diaet-beeren-rotwein.html

Kommentar & Ergänzung:

Flavonoide sind in der Phytotherapie eine wichtige Wirkstoffgruppe und zählen zu den Polyphenolen. Zahlreiche Heilpflanzen basieren mit ihrer Wirkung auf dem Gehalt an Flavonoiden. Beispielsweise Weissdorn, Mariendistel, Ginkgo, Buchweizenkraut, Goldrute, Birkenblätter.

Anthocyane sind eine Untergruppe der Flavonoide und als blaue Farbstoffe vor allem aus Heidelbeeren und schwarzen Johannisbeeren (Cassis) bekannt.

Untersucht wurden in den letzten Jahren vor allem die Anthocyane aus den Heidelbeeren, unter anderem zur potenziellen Anwendung gegen chronische Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa.

Siehe:

Polyphenole aus Beeren gegen degenerative Gehirnerkrankungen

Anthocyane als Entzündungshemmer

Anthocyane aus Beeren mit MAO-Hemmer-Effekt

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

Die oben beschriebene Studie zum Einfuss von Beeren auf das Parkinsonrisiko scheint bisher noch nicht in einer Fachzeitschrift veröffentlicht worden zu sein. Das lässt Fragen offen zu ihrer Qualität. Aber immerhin: Die Hinweise verdichten sich, dass Beeren mit einem hohen Gehalt an Anthocyanen in verschiedener Hinsicht gesundheitlich wertvoll sind.

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Komplementärmedizin: Gut, wenns wirkt?

Donnerstag, Februar 24th, 2011

Unter dem Titel „Komplementärmedizin: Gut, wenns wirkt“ berichtet die Sendung „Kontext“ auf Radio DRS 2 über das Thema „Komplementärmedizin und Placebo“.

Quelle: http://www.drs2.ch/www/de/drs2/sendungen/top/kontext/5005.sh10168514.html

Ich habe mir den dazu publizierten Text auf der DRS2-Website genauer angeschaut.

„Kontext“ – eine Sendung, die ich sehr schätze – stellt darin wichtige Fragen, lässt meines Erachtens aber auch entscheidende Fragen weg.

Eingangs stellt „Kontext“ fest:

„Die Diskussion in der Schweiz rund um die Komplementärmedizin ist gross. Alternative Behandlungen wirkten nicht besser als ein Placebo, wird oft bestätigt. Was wäre denn so schlimm daran?“

Eine interessante Frage. „Kontext“ schlägt auch den Bogen zur aktuellen Auseinandersetzung um die Aufnahme der Komplementärmedizin-Verfahren in die Grundversicherung:

„Vielleicht sollte die Diskussion um Sinn und Unsinn von medizinischen Therapien auch in der Schweiz stärker auf den Nutzen für den Patienten fokussieren, Placebo-Kontrolle hin oder her. Anders wird sich der Zwist um die Vergütung und Bewertung komplementärmedizinischer Verfahren wohl nicht lösen lassen.“

Heisst das nun, dass der Zwist um die Vergütung von Komplementärmedizin sich lösen lässt, wenn auch der reine Placebo-Effekt bezahlt wird?

Schauen wir uns die Argumentation Schritt für Schritt an. Den Kontext-Text von der Radio-DRS-Website setze ich kursiv, anschliessend folgt jeweils mein Kommentar.

„’Wer heilt hat recht’, sagt der Volksmund. Doch was genau heisst «heilen»? Wie kann man wissen, ob ein Medikament, eine Therapie, ein medizinischer Eingriff tatsächlich wirkt – sei er nun schul- oder komplementärmedizinisch?“

Kommentar: Wichtiger Punkt. Wer heilt hat nur Recht, wenn er oder sie wirklich heilt und es nicht nur behauptet. Therapeutinnen und Therapeuten jeder Couleur neigen dazu, auch die Wirkung der Selbstheilungskräfte der eigenen Methode gut zu schreiben.

“In der wissenschaftlich begründeten Medizin, der so genannten «evidence based medicine», hat man dazu eine einfache Antwort gefunden: Das Medikament, die Therapie, der medizinische Eingriff muss in einer placebokontrollierten Studie getestet werden, muss also besser wirken als eine Scheinbehandlung, als ein Placebo.“

Kommentar: Das ist allerdings alles andere als eine einfache Antwort. Es gibt Studien unterschiedlicher Qualität und mit widersprüchlichen Ergebnissen. Im Bereich der Phytotherapie ist das gut ersichtlich bei Heilpflanzen wie Echinacea oder Ginkgo. Die „evidence based medicine“ wertet deshalb mehrere Studien zum gleichen Thema in Metastudien aus, und versucht daraus Schlussfolgerungen mit grösserer Plausibiliät zu ziehen. Und es gibt sogar widersprüchliche Ergebnisse bei Metastudien zum gleichen Thema. Einfache Antworten zur Wirksamkeit gibt es dagegen in der Komplementärmedizin zuhauf. So behauptet beispielsweise das Bundesamt für Gesundheit, es beurteile die Wirksamkeit von Präparaten aus Homöopathie und Anthroposophischer Medizin nicht einzeln, wenn es um die Zulassung zur Grundversicherung geht, sondern in Arzneimittelgruppen. Wie das genau abläuft, kann das BAG aber nicht darlegen. Eine vollkommen intransparente Pseudowirksamkeitsprüfung. Wenn also jemand eine (allzu) „einfache Antwort“ auf die Frage nach der Wirksamkeit gefunden hat, dann das BAG beim Thema Komplementärmedizin. Die Wirksamkeit als Arzneimittelgruppe zu beurteilen, das ist einfach eine Verarschung und zudem wohl kaum konform mit den Anforderungen des Krankenversicherungsgesetzes.

„Bedeutet das zwangsläufig, dass die komplementärmedizinischen Verfahren wie Homöopathie, Akupunktur oder traditionelle chinesische Medizin wertlos sind? «Das mag zwar manchmal Sinn machen. Aus Labor- und klinischen Studien wissen wir aber auch, dass der Placebo-Effekt selber durchaus heilsam sein kann», sagt der Placebo-Spezialist Frank Miller vom National Institute of Health in den USA.“

Kommentar: Ja, keine Frage. Auch der Placebo-Effekt ist wertvoll. Das bestreitet aber wohl niemand im Ernst.

„In der Tat zeigen komplementärmedizinische Verfahren meist keine bessere Wirkung als Placebo. Zum Beispiel kam eine Studie, bei der Anwendung von Akupunktur gegen Kopfschmerzen untersucht wurde, zum Schluss, dass gegenüber der Schein-Akupunktur, bei der die Nadeln an beliebigen Orten in den Körper geführt werden, kein Wirkungsunterschied besteht. Aber: Akupunktur wirkte gegen Kopfschmerzen tendenziell besser als Medikamente, so Klaus Linde, Mediziner und Epidemiologe an der technischen Universität München und langjähriger Erforscher der Komplementärmedizin.“

Kommentar: Dazu ist vorerst einmal festzuhalten, dass Akupunktur schon bisher von den Krankenkassen via Grundversicherung bezahlt wird. Darum kann es also nicht gehen.

Wenn Akupunktur gleich gut oder besser ist als Medikamente, dann soll Akupunktur bezahlt werden. Eigenartigerweise beruft sich „Kontext“ hier aber auf eine Vergleichsstudie, obwohl der Text sonst die Relevanz von Studien in Frage stellt.

Ich bin für klare, gerechte, transparente Regeln. Auf grund der Vergleichsstudie, aber auch wenn der Nutzen für den Patienten zum entscheidenden Kriterium wird, wie „Kontext“ das vorschlägt, dann muss Scheinakupunktur genauso bezahlt werden wie Akupunktur nach TCM-Lehre. Dann ist nicht einzusehen, weshalb man für teures Geld ein TCM-System mit Energiebahnen, Meridianen etc. lernen muss, wenn der Nutzen mit Scheinakupunktur genauso gross ist. Warum fordert niemand die Vergütung von Scheinakupunktur via Grundversicherung?

Nun zu den meines Erachtens entscheidenden Fragen, die „Kontext“ nicht stellt.

Wenn für die Aufnahme in die Grundversicherung das Kriterium „besser als Placebo“ fallen gelassen wird, und der „Nutzen für den Patienten“ zum Kriterium wird, stellen sich folgende Fragen bzw. Probleme:

1. Die Krankenkasse zahlt aus der Grundversicherung dann also auch den reinen Placeboeffekt. Für den Patienten ist dieser selbstverständlich fraglos wertvoll. Allerdings hat praktisch jede Heilmethode einen Placeboeffekt. Gerechterweise muss dann die Krankenkasse jede Methode zahlen.

2. Der „Nutzen für den Patienten“ ist ein nicht ganz einfach zu fassendes Phänomen. Wer den Nutzen als Kriterium propagiert, müsste auch klar darlegen, wie dieser Nutzen bestimmt werden soll. Mir hilft Pilates. Ich werde unter den Pilates-Übenden locker ein paar Tausend Leute finden, die den Nutzen dieser Bewegungsmethode bestätigen.  Im übrigen wäre es vor ein paar hundert Jahren auch ein leichtes gewesen, mit einer Umfrage den Nutzen der Aderlass-Methode darzulegen. Denn alle, die diese Intervention über sich ergehen liessen, waren von ihrem Nutzen wohl überzeugt. Für mich sehe ich keinen Nutzen in Homöopathie oder Anthroposophischer Medizin, in Pilates aber schon. Wenn also der Nutzen als Kriterium entscheidet: Warum wollen mir Politikerinnen und Politiker vorschreiben, dass ich komplementär Homöopathie, Neuraltherapie, Traditionelle chinesische Medizin, Anthroposophische Medizin oder Phytotherapie (die gar nicht zur Komplementärmedizin gehört) via Grundversicherung nutzen darf, Pilates aber nicht?

3. Das Kriterium „Nutzen“ ist etwa ähnlich schwammig und nebulös wie das Kriterium „Alltagswirksamkeit“. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat angekündigt, sich vermehrt am Kriterium „Alltagswirksamkeit“ zu orientieren, nachdem das Kriterium „wirksamer als Placebo“ durch populistische Politikerinnen und Politiker unter Druck geraten ist.

Quelle: http://www.news.admin.ch/dokumentation/00002/00015/?lang=de&msg-id=32878

„Nutzen“ und „Alltagswirksamkeit“ sind Beliebigkeitskriterien. Zum Kriterium „Alltagswirksamkeit“ findet sich auf der Website der Schweizerischen Gesellschaft der Vertrauens- und Versicherungsärzte (SGV) ein prägnantes Zitat:

„Im Sumpf methodischer Ungewissheiten pflegen seltsame Pflanzen Blüten zu treiben. In deren ästhetischer Hitliste darf zweifelsohne der neue Begriff der ‚Alltagswirksamkeit’ aus dem Hause BAG den ersten Platz beanspruchen. Abgesehen davon, dass er zu sarkastischen Fragen wie ‚Fallen Sonntage und allgemeine Feiertage auch unter den Begriff?’ oder ‚Sind Tage mit extremen klimatischen Bedingungen auch als Alltag einzustufen?’ provoziert, wird hier irreversibel der Abstieg des Diskurses in die massenmediale Blödelei vollzogen, wo sich nicht wenige Gesundheitspolitiker wohlig tummeln. Womit angedeutet ist, welcher faktische Schaden durch solches Nebelgranatenschiessen bewirkt werden kann.“

Quelle: http://www.vertrauensaerzte.ch/manual/chapter41.html

Das Kriterium „Nutzen“ scheint mir eine vergleichbare Nebelgranate wie „Alltagswirksamkeit“.

4. Der Placebo-Effekt ist wertvoll. Es gibt aber viele Krankheiten, bei denen ein Placebo-Effekt allein nicht reicht. Beispielsweise Krebs, Diabetes, AIDS, Borreliose, Parkinson, Malaria. Bei solchen Krankheiten ist es meines Erachtens entscheidend Medikamente zu finden, die besser wirken als Placebo. Und das geht nur durch den Vergleich mit Placebo. Dieser Aspekt geht leicht verloren, wenn man den „Kontext“-Text liest, der die positive Wirkung des Placebo-Effekts ins Zentrum stellt. Studien, in denen die Wirkung eines Heilmittels mit der Wirkung eines Placebos verglichen wird, werden von manchen Kreisen aus Komplementärmedizin und Alternativmedizin diffamiert, weil sie dadurch ihre Methoden und Überzeugungen bedroht sehen. Das ist ein Immunisierungsstrategie, die gegen Kritik schützen soll. „Kontext“ fährt meines Erachtens auf diesem „Diffamierungszug“ mit. Das halte ich für falsch, weil es kein besseres Mittel gibt für Fortschritte in der Medizin wie gut gemachte Doppelblind-Studien.

5. Wenn alle Heilmethoden und Heilmittel einen Placebo-Effekt enthalten: Was spricht dann dagegen, trotzdem für die Vergütung via Grundversicherung daran festzuhalten, dass ein Mittel besser wirken soll als Placebo? Es ist doch die Alternative: „Placebo“ oder „Placebo plus spezifische Wirkung“, die zur Wahl steht. Also warum nicht ein Mittel, das beides bietet? Weshalb plädiert „Kontext“ – wenn ich das richtig versteht – für die verstärkte Berücksichtigung von „Nur Placebo“ statt für „Placebo plus spezifische Wirkung“? Das würde meiner Ansicht nach nämlich bedeuten: Wenn Firma XY behauptet, ihr Heilmittel Z. wirke gegen Krebs, dann müsste die Grundversicherung Z. bezahlen, wenn Z. (wie jedes Mittel) einen Placebo-Effekt hat und (wie jedes Mittel, das einen Placebo-Effekt hat) einen Nutzen darlegen kann. Auf die Forderung nach einer Wirkung über den Placebo-Effekt hinaus wird somit verzichtet.

Der Kern dieser fraglichen Punkte ist meines Erachtens:

Wer für die Abrechnung via Grundversicherung auf die Forderung verzichten will, dass ein Heilmittel oder eine Heilmethode zusätzlich zum Placebo-Effekt noch eine spezifische Wirkung hat, wer also auch nur den reinen Placebo-Effekt aus der Grundversicherung zahlen will, wenn ein „Nutzen“ gegeben ist, der muss sehr genau darlegen, was er oder sie genau unter „Nutzen“ versteht und wie dieser „Nutzen“ erfasst und bewertet wird. Denn weil jedes Heilmittel und jede Heilmethode einen Placebo-Effekt hat, hat auch jedes Heilmittel und jede Heilmethode einen Nutzen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Tamiflu – nicht wirksamer als Placebo?

Samstag, Januar 1st, 2011

Der „Tages-Anzeiger“ berichtete am 18. Dezember 2010 über eine Übersichtsarbeit der Cochrane Collaboration unter Leitung des britischen Epidemiologen Tom Jefferson, wonach die systematische Auswertung von Doppelblind-Studien ergeben habe, dass das Grippemittel Tamiflu bezüglich Vermeidung schwerwiegender Komplikationen wie Lungenentzündung nicht besser wirke als ein Scheinmedikament (Placebo).

http://www.tagesanzeiger.ch/wissen/medizin-und-psychologie/Der-TamifluMythos-/story/13929775

Sollte diese Kritik zutreffen, wäre dies nach den riesigen weltweiten Tamiflu-Umsätzen meines Erachtens ein ziemlicher Skandal. Allerdings muss dazu auch gesagt werden, dass die Überprüfung und allenfalls Korrektur früherer Studien in der wissenschaftlichen Medizin kein aussergewöhnliches Vorgehen ist. Dass sie Irrtümer erkennen und korrigieren kann, zeichnet Wissenschaft geradezu aus – im Gegensatz zu dogmatischen Heilsystemen,   die absurder weise auch noch stolz auf ihre Unwandelbarkeit durch die Jahrhunderte sind. Es wäre aber die Frage zu stellen, ob die Arzneimittelbehörden bei der Zulassung und die Gesundheitsbehörden beim Einkaufen von Tamiflu genau genug hingeschaut haben.

Viel problematischer als die Kritik, Tamiflu wirke laut den vorliegenden Studien nicht besser als Placebo, scheint mir allerdings ein anderer Punkt: Tom Jefferson kritisierte bereits im Dezember 2009, dass der Tamiflu-Hersteller Roche nicht alle Studiendaten veröffentlicht habe. Das birgt die Gefahr, dass Studienergebnisse falsch dargestellt und interpretiert werden können, dass sie also „geschönt“ werden. Auf ein Angebot von Roche – Zugang zu den Daten gegen Zusicherung  von Stillschweigen – ging die Cochrane Collaboration verständlicherweise nicht ein.

Der amerikanische Philosoph John Dewey (1859-1952) formulierte sehr prägnant „das erste Erfordernis des wissenschaftlichen Verfahrens – nämlich volle Öffentlichkeit der Materialien und Prozesse“.

(in: Erfahrung, Erkenntnis und Wert, S. 314, Suhrkamp 2004)

Trifft die Kritik von Tom Jefferson zu, dass Roche die Studiendaten zu Tamiflu nicht vollständig publiziert hat und sich vollständiger Transparenz verweigert, so verabschiedet sich der Konzern an diesem Punkt aus dem wissenschaftlichen Prozess. Konsequenterweise müsste dann Tamiflu zu jenen Bereichen der Komplementärmedizin gerechnet werden, die sich ebenfalls einer fundierten Überprüfung durch Doppelblind-Studien entziehen wollen – zum Beispiel mit dem fragwürdigen Argument, „individuelle“ Therapien könnten nicht mit Doppelblind-Studien überprüft werden.

Allerdings wäre eine Umteilung von Tamiflu in den Bereich Komplementärmedizin auch nicht zielführend. Da Präparate aus Homöopathie und Anthroposophischer Medizin vom Wirksamkeitsnachweis durch Doppelblind-Studien schon zum vorneherein pauschal befreit sind, würde es die Diskussion, wie sie jetzt um Tamiflu geführt wird, so dann wohl auch nicht mehr geben.

Siehe dazu:

Bundesamt für Gesundheit: Nebulöse Bevorzugung von Homöopathie und Anthroposophischer Medizin

Ob Komplementärmedizin, wissenschaftlich orientierte Medizin, Pharmaindustrie – es sollten meiner Ansicht nach für alle die gleichen Anforderungen gelten:

- Volle Öffentlichkeit der Materialien und Prozesse, wie es unter anderem John Dewey forderte.

Alle Studien zu einem Thema müssen vollständig auf dem Tisch liegen – nicht nur diejenigen mit für den Hersteller positivem Resultat.

- Kritische Überprüfung von Heilungsversprechungen auch durch Doppelblind-Studien.

Qualitativ hochstehende Doppelblind-Studien sind die beste zur Verfügung stehende Möglichkeit,  Irrtümern auf die Spur zu kommen. Festzuhalten bleibt dabei allerdings, dass auch Doppelblind-Studien zu widersprüchlichen Ergebnissen kommen können. Aus diesem Grund macht zum Beispiel die Cochrane Collaboration Übersichtsstudien (Metastudien), in welchen aus mehreren Studien besser abgestützte Schlussfolgerungen gezogen werden können. Und selbst bei Metastudien können die Resultate widersprüchlich sein….

Mit anderen Worten: Aus Studien ergibt sich nur eine Annäherung an die Wahrheit, nicht aber die endgültige, unumstössliche, umfassende Wahrheit – im Gegensatz zu dogmatischen Heilsystemen, die sich immer in der vollen, endgültigen Wahrheit wähnen.

Was tun, wenn Doppelblind-Studien fehlen?

Zu vielen Bereichen medizinischer oder komplementärmedizinischer Behandlung liegen allerdings gar keine Doppelblind-Studien vor. Manchmal fehlen zum Beispiel Geldgeber, weil das entsprechende Verfahren oder Präparat nicht lukrativ ist.

Fehlende Doppelblind-Studien sind daher nicht gleichzusetzen mit fehlender Wirksamkeit, doch sollten Aussagen zu Heilwirkungen bei fehlenden Doppelblind—Studien zurückhaltender formuliert und noch kritischer hinterfragt werden. Konsumentinnen und Konsumenten müssten zudem in Apotheken und Drogerein transparenter darüber informiert werden, wenn ihnen Produkte empfohlen werden, bei denen keinerlei positive Studien zur Wirksamkeit vorliegen. Den Konsumentinnen und Konsumenten werden viel zu viele Produkte mit hoch fragwürdiger Wirksamkeit verkauft – auch bei Naturheilmitteln.

Ich bin zudem überzeugt davon, dass Doppelblind-Studien sich auch eignen zur Überprüfung der Wirksamkeit von Präparaten und Verfahren aus der Komplementärmedizin. Natürlich bildet eine solche Studie nicht den Praxisalltag einer Therapie ab. Sie erfasst nicht 1  : 1 den therapeutischen Kontext, zum Beispiel die therapeutische Beziehung. Sie versucht genau davon abzusehen und so gut wie möglich nur die Wirksamkeit des Medikaments zu erfassen. Das reisst die therapeutische Situation quasi auseinander. Trotzdem und im Bewusstsein um diese Einschränkung braucht es Doppelblind-Studien, weil sie als Instrument zur Entdeckung von Irrtümern unverzichtbar sind. Unzählige Irrtümer in Medizin und Komplementärmedizin konnten nur durch Doppelblind-Studien korrigiert werden, als Beispiel seien nur die Risiken der Hormonsersatztherapie von Frauen in den Wechseljahren erwähnt, die dank einer grossen Studie erkannt wurden. Meiner Ansicht nach ist es nötig, die „Würde“ der Doppelblind-Studie auch gegen Diffamierungen aus der Komplementärmedizin in Schutz zu nehmen. Solche Diffamierungen dienen meinem Eindruck nach vor allem dazu, ein Präparat oder eine Methode gegen kritische Einwände zu immunisieren. Auch der Einwand, dass „individuelle“ Therapien wie die Homöopathie sich nicht mit Doppelblind-Studien überprüfen lassen, zieht meines Erachtens nur sehr beschränkt. Selbstverständlich lässt sich eine Studie so konzipieren, dass auf die individuelle Verordnung Rücksicht genommen wird. Man kann zum Beispiel 300 Kinder mit Asthma zu erfahrenen Homöopathinnen und Homöopathen schicken, die dann jeweils ein individuelles homöpathisches Mittel verschreiben. Beim Bezug der Präparate in der Apotheke wird dann per Zufall entschieden ( = Randomisierung), ob der betreffende Patient Placebos erhält oder das zu testende Mittel (= Verum). Homöpathie-Studien mit dieser Struktur wurden schon viele durchgeführt.

Für Medikamente der Phytotherapie steht gar nicht in Frage, dass sie durch Doppelblind-Studien überprüft werden können. Ein schwieriger Punkt in der Phytotherapie-Forschung ist, dass sehr überwiegend nur Studien vorliegen zu Extraktpräparaten, kaum aber zu Pflanzentinkturen und Kräutertees. Das hängt damit zusammen, dass Forschungsgelder fast nur von Herstellern von Pflanzenextrakten locker gemacht werden. Solche Extrakt-Herstellungsverfahren lassen sich patentieren und die Forschungsresultate gelten so nur für den jeweiligen untersuchten Extrakt. Das ist ein Anreiz für Forschung, der bei Pflanzentinkturen und Kräutertees weitgehend fehlt.

Bei den Extraktpräparaten allerdings hat die Phytotherapie-Forschung qualitativ und quantitativ sehr zugelegt in den letzten zehn Jahren. Wer sich offen mit dieser Forschung auseinandersetzt, muss jedoch damit umgehen können, dass auch widersprüchliche Resultate auftreten. So gibt es zu Heilpflanzen-Extrakten aus Weissdorn, Ginkgo, Mönchspfeffer etc. immer wieder sowohl positive als auch negative Studienergebnisse. Daraus sorgfältige, differenzierte Schlüsse zu ziehen – und nicht nur auf positive oder negative Ergebnisse fixiert zu sein – ist ein Kernthema fundierter Professionalität. Wer nämlich nur positive Studien zur Kenntnis nimmt, ist ein „Missionar“ oder Propagandist. Wer nur negative Ergebnisse beachtet, ein „Anti-Missionar“ oder Anti-Propagandist.

Beide machen es sich zu einfach, weil sie sich die differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema ersparen. Und sie lassen sich  einfangen vom behaglichen, aber trügerischen Gefühl eindeutiger Gewissheit.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Forschung: Krebshemmende Wirkung von Phytoöstrogenen vom Typ der Lignane

Donnerstag, Dezember 30th, 2010

Mit der Wirkung so genannter Phytoöstrogene auf Tumorzellen befassten sich Fachleute aus ganz Deutschland am 10. Dezember 2010 am Workshop „Phytomedizin“ der Universität Rostock. Phytoöstrogene wirken ähnlich wie das menschliche Hormon Östrogen. Sie haben zahlreiche gesundheitsfördernde Eigenschaften: Phyto-Hormone aus Soja können zum Beispiel Wechseljahresbeschwerden lindern. Im Rahmen der Krebsforschung zeigte sich, dass Phyto-Östrogene möglicherweise das Wachstum von Brustkrebszellen hemmen können. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt ein Projekt an der Universität Rostock, in dem Wissenschaftler die Wirkungsweise der pflanzlichen Östrogene auf Brustkrebszellen genauer untersuchen mit 470.000 Euro.

In asiatischen Ländern wie China, Japan oder Indien erkranken deutlich weniger Frauen an Brustkrebs als in westlichen Ländern. Das liegt möglicherweise am hohen Gehalt an Phytoöstrogenen in der traditionellen asiatischen Küche. Doch nicht nur exotische Nahrungsmittel wie Sojabohnen und die daraus hergestellten Produkte, sondern auch zahlreiche heimischer Gewächse enthalten die Pflanzenhormone. Im Fokus der Forscher um Professor Dr. Volker Briese von der Universitätsfrauenklinik und Poliklinik am Klinikum Südstadt Rostock steht dabei eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt: der Lein (Linum usitatissimum), auch Flachs genannt.

Leinsamen als ergiebige Quelle von Lignanen

Seit Jahrtausenden wird der Lein zur Herstellung von Textilien, als Heilpflanze und als Lebensmittel verwendet. speziell die Leinsamen enthalten große Mengen an Phytoöstrogenen, die so genannten Lignane. Lignane haben eine wichtige Eigenschaft: ihre strukturelle Ähnlichkeit mit dem Sexualhormon Östrogen. Deshalb werden Lignane als mögliches Therapeutikum gegen Brustkrebs untersucht.

Bei rund zwei Drittel der betroffenen Frauen wächst der Brustkrebs östrogenabhängig. Ihre Krebszellen besitzen gewisse Bindungsstellen, so genannte Rezeptoren, an welche die Östrogene binden und die Zellen zum Wachstum stimulieren. Lignane können nun diese Bindungsstellen besetzen und damit das weitere Wachstum des Tumors hemmen.

Die Rostocker Wissenschaftler stellen Lignan-haltige Extrakte aus der Wurzel des Leins her und untersuchen ihre Wirkungsweise auf Brustkrebszellen. „Phyto-Östrogene könnten verhindern, dass Krebszellen überhaupt erst entstehen. Aus den bisher gewonnenen Erkenntnissen möchten wir innerhalb der nächsten zwei Jahre daher auch eine Anwendungsmöglichkeit zur Vorbeugung von hormonabhängigen Tumoren entwickeln“, erklärt Briese. Im Rahmen des Workshops „Phyto-Östrogene — Sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe mit tumorpräventivem Potenzial“ stellten die Forscher nun die bisherigen Resultate ihrer Studien vor. Das Ziel der von der Deutschen Krebshilfe geförderten Forschungsprojekte ist es, innovative Strategien in der Prävention und Therapie von Tumor-Erkrankungen zu entwickeln.

Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news400906

Kommentar & Ergänzung:

Dass Leinsamen Phytoöstrogene enthält ist keine neue Erkenntnis. Die Leinsamen-Lignane standen aber offenbar bezüglich Forschung bisher im Schatten der Isoflavone zum Beispiel aus Soja oder Rotklee.

Das Thema Phytoöstrogene ist allerdings viel komplexer als es in der Öffentlichkeit dargestellt wird.

So können Phytoöstrogene nicht nur östrogenartig, sondern unter gewissen Bedingungen auch antiöstrogen wirken. Und es ist nicht nur wahrscheinlich, dass gewisse Phytoöstrogene vor Krebs schützen. Möglicherweise können manche Phytoöstrogene in bestimmten Situationen auch das Krebswachstum stimulieren, zum Beispiel bei östrogensensitivem Brustkrebs. Daher ist in solchen Fällen Vorsicht mit der generellen Empfehlung von Phytoöstrogenen angebracht.

Denn es ist nicht so ganz eindeutig auszuschliessen, dass manche Phytoöstrogene, wenn sie an Östrogenrezeptoren binden, dort anstelle einer erhofften Hemmung eine Stimulation bewirken. Das könnte östrogensensitive Tumore zum Wachstum anregen.

Dr. med. Jutta Hübner, Sprecherin des Arbeitskreises komplementäre Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft, schreibt zum Thema Lignane & Krebs:

„Eine höhere Nahrungsaufnahme von Lignanen geht vermutlich mit einer Reduktion des Brustkrebsrisikos und des Gebärmutterkrebs einher. In verschiedenen Laborexperimenten verringerten Lignane das Wachstum von Tumorzellen. Erste Tierexperimente unterstützten diese Erkenntnisse. Jedoch ist aufgrund der phytoöstrogenen Eigenschaften der Einsatz von Lignanen bei Brustkrebs umstritten. Erste Ergebnisse aus dem Labor und Tierexperiment lassen zwar vermuten, dass die Aufnahme von Lignanen mit der Ernährung auch für Patientinnen mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs ungefährlich ist. Bestätigende Untersuchungen beim Menschen stehen allerdings aus.“

(Zitat aus: Jutta Hübner, Aloe, Ginkgo, Mistel & Co, Schattauer Verlag 2009, mehr dazu im Buchshop)

Im menschlichen Organismus gibt es unterschiedliche Östrogenrezeptoren (ER):

ER-alpha ist vor allem in der Brustdrüse und im Uterus, aber auch in der Leber lokalisiert, während ER-beta überwiegend in den Eierstöcken, den Hoden, der Prostata sowie im Knochengewebe, im Herz-Kreislaufsystem, im Gehirn und im Gastrointestinaltrakt vorkommt. Gegen Wechseljahrsbeschwerden sucht die Phytotherapie-Forschung gezielt nach Phytoöstrogenen, welche nur am ER-beta wirksam werden, den ER-Alpha in der Brustdrüce und im Uterus dagegen nicht beeinflussen. Diese Wirkstoffe gelten dann auch als sicher in dem Sinne, dass von ihnen keine ungünstige Stimulation von Tumoren in Brust und Uterus zu befürchten ist.

Bis gesicherte Empfehlungen abgegeben werden können zum Thema Leinsamen bzw. Lignane und Krebs, braucht es also noch viel Forschung. Wenn heute nicht selten Phytoöstrogene pauschal als gesund vermarktet werden, ist das zu mindestens sehr undifferenziert. Schliesslich sind Phytoöstrogene ja von den Pflanzen nicht zu dem Zweck entwickelt worden sein, um uns gesund zu halten oder gar zu heilen, sondern wohl eher als Abwehrmittel gegen Fressfeinde.

Wenn also in der Meldung auf idw-online die Rede davon ist, dass Phytoöstrogene möglicherweise das Wachstum von Brustkrebszellen hemmen können, dann müsste man eigentlich zurückfragen: Um welche Phytoöstrogene geht es genau?

Interessant an der Meldung auf idw-online ist auch noch, dass an der Universität Rostock Extrakte aus den Wurzeln des Leins verwendet werden, während üblicherweise in der Phytotherapie die Leinsamen verwendet werden – als Phytoöstrogene geschrotet und gegen Verstopfung meist ganz.

Ein weiteres interessantes Lignan ist übrigens das Neo-Olivil aus der Brennesselwurzel, das möglicherweise zur Wirkung dieser Heilpflanze bei benigner Prostatahyperplasie (gutartige Prostatavergrösserung) beiträgt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Grüntee gegen Krebs – was ist davon zu halten?

Freitag, Oktober 22nd, 2010

Die Frage, ob man mit Grüntee tatsächlich Krebs verhindern kann, ist nach wie vor umstritten. Dies erklärte Jutta Hübner,  Ärztliche Leiterin der Komplementären Onkologie des Universitären Centrums für Tumorerkrankungen in Frankfurt auf einem Praxis Update. So erlaubt ein Cochrane-Review, das 951 Veröffentlichungen mit über 1,6 Millionen Teilnehmern auswertete, nur die folgenden Aussagen:

- Die Studienresultate zum Risiko für Karzinome des Verdauungstraktes sind hochgradig widersprüchlich.

- Grüntee reduziert wahrscheinlich nicht die Sterberate beim Magenkarzinoms (Magenkrebs).

- Studien mit höherer Methodenqualität und die einzige randomisierte kontrollierte Studie sprechen für ein reduziertes Prostatakarzinomrisiko.

- Für das Harnblasenkarzinom besteht möglicherweise ein höheres Risiko.

In einer ganz aktuellen Grüntee-Studie zeigte sich ein deutlicher vorbeugender Effekt, wenn der Tee nicht heiß, sondern mit moderater Temperatur getrunken wurde. Zudem hat eine andere Untersuchung von 2010 gezeigt, dass der Genuss von mehr als drei Tassen Grüntee pro Tag das relative Risiko für ein Rezidiv (Rückfall) bei Mammakarzinom (Brustkrebs) auf 0,73 reduziert. Insgesamt bestehe für den Grüntee eine „brauchbare“ Evidenz, erklärte Jutta Hübner.

Quelle:

Medical Tribune, MTD, Ausgabe 24 / 2010 S.17,

http://www.medical-tribune.de/patienten/news/26512/

Kommentare & Ergänzung:

Schade, dass die Quelle für die Studie aus dem Jahr 2010 zum Rezidivrisiko bei Brustkrebs in der Medical Tribune nicht aufgeführt ist. Jutta Hübner ist aber eine sehr fundierte Expertin im Bereich der komplementären Onkologie. Es gibt im Bereich der Komplementärmedizin nicht wenige „Experten“, denen es an selbstkritischer Distanz zu den eigenen Methoden mangelt. Dann wird plötzlich alles toll, was an Komplementärmedizin angeboten wird, Grenzen und Schwachpunkte werden ausgeblendet. Jutta Hübner gehört nicht zu diesen einseitigen „Komplementärmedizin-Aposteln“. Was ich bisher von ihr gelesen habe zum Thema „Krebs & Komplementärmedizin“, ist sehr sorgfältig und differenziert.

Von Jutta Hübner ist ein informatives Buch erschienen, das sich mit ergänzenden Massnahmen im Bereich Komplementärmedizin & Krebs befasst:

Aloe, Ginkgo, Mistel & Co

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Brustkrebs & Komplementärmedizin

Donnerstag, Oktober 21st, 2010

Viele Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind, suchen ergänzende Methoden zu den medizinischen Behandlungen. Dr. med. Jutta Hübner erläuterte kürzlich in einem Interview Möglichkeiten und Risiken in der komplementären Onkologie. Sie leitet die Palliativmedizin, die komplementäre und supportive Onkologie am Universitätsklinikum in Frankfurt am Main.

Auf die Frage, was sie unter komplementärer Onkologie verstehe, antwortete Jutta Hübner:

„Für mich ist das eine begleitende Therapie, die häufig aus der Naturheilkunde oder Erfahrungsmedizin stammt. Krebskranke Menschen wenden sie zumeist in Eigenregie an. Bei diesen Mitteln und Verfahren haben wir noch nicht die Qualität an Wissen aus Studien, wie sie uns bei den herkömmlichen Therapien vorliegen.“

Entscheidend sei, so Jutta Hübner, dass die komplementärmedizinischen Empfehlungen sehr gut auf die eigentliche Therapie abgestimmt sein müssen, um zu vermeiden, dass Wechselwirkungen auftreten und die Wirkung von Medikamenten abgeschwächt wird.

Auf die Frage, welche Probleme denn auftreten können, sagt Dr. Jutta Hübner:

„Die Extrakte des Johanniskrauts etwa –  ein gutes Mittel gegen leichte und mittelschwere Depressionen – regen den Enzymstoffwechsel enorm an. Nimmt die Patientin zur gleichen Zeit weitere Medikamente ein, baut der Körper sie schneller ab. Dann verweilt beispielsweise ein Krebsmittel kürzer im Organismus und verliert dadurch einen Teil seiner Kraft.

Auch die zusätzliche Einnahme von Antioxidanzien wie Vitamin C sehen wir sehr kritisch. Möglicherweise können diese Substanzen die Wirkung einer Chemo- und Strahlentherapie mindern. Das gilt jedoch nicht für Vitamine aus frischem Obst und Gemüse.“

Die Expertin erwähnt unter anderem auch bewährte Möglichkeiten aus der Phytotherapie, mit denen Nebenwirkungen der Tumortherapie oder Begleiterscheinungen der Krebskrankheit gelindert werden können:

„Während der Chemotherapie leiden Patientinnen oft unter Übelkeit. Da kann Ingwer aus der Phytotherapie sehr gut helfen. Ein häufiges Thema in unserer Ambulanz sind Muskel- und Gelenkbeschwerden wie sie bei einer  Brustkrebstherapie mit hormonunterdrückenden Medikamenten auftreten. Sport kann diese Probleme sehr gut bessern. Bei Hitzewallungen können Patientinnen versuchen, die Beschwerden mit Traubensilberkerze zu mildern. Und Aromaöle wirken unter anderem entspannend, stimmungsaufhellend und anregend. Die komplementäre Onkologie ist ein sehr weites Feld.“

Im Interview wird Jutta Hübner auch gefragt, was sie von der umstrittenen Misteltherapie halte:

„Ich empfehle sie nicht, weil mir die im Moment vorhandenen Daten nicht ausreichen. Möchte eine Patientin gerne Mistel nehmen, kann ich sie über die derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnisse informieren. In einigen Fällen, wie zum Beispiel bei Leukämien und Lymphomen, sollte eine Misteltherapie nicht angewendet werden. Bei Patientinnen, die nach einer Chemotherapie dann einen Versuch mit einer Misteltherapie machen möchten, um ihre Lebensqualität zu verbessern, spricht meist nichts dagegen.“

Quelle:

http://www.apotheken-umschau.de/Brustkrebs/Brustkrebs-Was-kann-ich-selbst-tun-77401.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Antworten von Jutta Hübner in diesem Interview weisen präzis und fundiert auf Risiken und Chancen ergänzender Massnahmen in der Onkologie hin.

Das ist sehr erfreulich, weil in diesem Bereich auch viel publiziert wird, das man eigentlich nur als Schrott bezeichnen kann. In Zeitschriften, Fernsehsendern und Buchverlagen fehlt in dieser Hinsicht über weite Strecken jede ernsthafte Qualitätskontrolle.

Zum Johanniskraut könnte man noch ergänzen: Diese Aktivierung von fremdstoffabbauenden Enzymen in der Leber lässt sich auch bei vielen anderen Medikamenten beobachten. Sie ist also nicht spezifisch für Johanniskraut. Heikel ist beim Johanniskraut in diesem Zusammenhang vor allem, dass manche Menschen gar nicht auf die Idee kommen, dass ein Naturheilmittel auch Nebenwirkungen und Wechselwirkungen haben könnte, und daher die Einnahme solcher Präparate den behandelnden Medizinern nicht mitteilen.

Auch die Warnung vor der unkontrollierte Einnahme von Antioxidanzien ist sehr berechtigt.

Die Empfehlung von Ingwer (Zingiber officinale) gegen Übelkeit bei Chemotherapie und von Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) gegen Hitzewallungen gehört zu den bewährten Heilpflanzen-Anwendungen in der Phytotherapie.

Auch die Vorsicht gegenüber der Misteltherapie ist gut nachvollziehbar. Die Vertreter der Anthroposophischen Medizin betonen zwar immer wieder, wie gut die Wirkung der Mistel auch wissenschaftlich bestätigt sei. Sie interpretieren sie Datenlage aber oft ziemlich einseitig zu ihren gunsten.

Von Jutta Hübner ist ein informatives Buch erschienen, das sich mit ergänzenden Massnahmen im Bereich Komplementärmedizin & Krebs befasst:

Aloe, Ginkgo, Mistel & Co

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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Phytotherapie: wo sie helfen kann….

Mittwoch, Oktober 20th, 2010

Die Grundlage unseres gegenwärtigen Wissensstandes über die Anwendung pflanzlicher Arzneimittel ist die oft Jahrhunderte lange traditionelle Anwendung von Heilpflanzen in der Volksmedizin. In einer modernen, wissenschaftlich orientierten Therapieform reicht dies jedoch nicht als Wirksamkeitsbeweis. Darum strebt die Arzneipflanzenforschung danach, von modellhaften Labortests bis hin zu klinischen Studien an Patienten Fakten für den therapeutischen Wert und die Unbedenklichkeit von Phytopharmaka zu liefern.

Im „Kleinen Wörterbuch der Pflanzenmedizin“ wird aufgeführt, in welchen Einsatzbereichen sich die Phytotherapie, alleine oder in Kombination mit anderen therapeutischen Maßnahmen bewährt. Hier eine modifizierte Übersicht auf der Basis dieser Publikation:

1. Vorbeugung von Krankheiten

- Stärkung des Immunsystems:

Roter Sonnenhut, Echinacea purpurea

- Schwitzkuren bei beginnenden grippalen Infekten:

Holunderblüten, Sambucus nigra

Lindenblüten, Tilia – Arten (Tilia cordata, Tilia platyphyllos)

2. Befindlichkeitsstörungen im Verdauungstrakt

- Entzündungen im Bereich der Mundhöhle:

Salbei, Salvia officinalis

- Blähungstreibend, krampflösend:

Kamille, Matricaria recutita

Kümmel, Carum carvi

Fenchel, Foeniculum vulgare

Pfefferminze, Mentha piperita

- Appetitanregend:

Arzneipflanzen mit Bitterstoffen:

Enzian, Gentiana-Arten, vor allem Gelber Enzian, Gentiana lutea

Tausendguldenkraut, Centaurium erythraea

Fieberklee, Menyanthes trifoliata

Arzneipflanzen mit aromatisch-

bitterem Geschmack:

Wermut, Artemisia absinthium

Schafgarbe, Achillea millefolium

- Übersäuerung des Magens:

Käsepappel, Malva – Arten (Chäslichrut, Malva silvestris, Malva neglecta)

- Lebererkrankungen:

Mariendistel, Silybum marianum

- Erkrankungen der Galle:

Artischocke, Cynara scolymus

Löwenzahn, Taraxacum officinale

- Durchfallerkrankungen:

Tormentillwurzel, Potentilla erecta

Heidelbeeren (getrocknet!), Vaccinium myrtillus

- Verstopfung:

Faulbaum, Frangula alnus

Senna, Cassia – Arten

Rhabarber, Rheum palmatum

Leinsamen, Linum usitatissimum

Flohsamen, Plantago ovata

3. Erkrankungen im Bereich der Atemwege:

- Reizhusten: Tees mit schleimhaltigen Heilpflanzen:

Eibisch, Althaea officinalis

Isländische Flechte (Isländisches Moos), Cetraria islandica

- Auswurffördernde Hustenmittel:

Arzneipflanzen mit ätherischem Öl:

Thymian, Thymus vulgaris

Anis, Pimpinella anisum

Eukalyptus, Eucalyptus globulus

Latschenkiefer, Pinus mugo

Arzneipflanzen mit Saponinen:

Schlüsselblume, Primula veris

Efeu, Hedera helix

- Arzneipflanzen mit anderen Wirkstoffen:

Sonnentau, Drosera rotundifolia

4. Erkrankungen im Urogenitaltrakt:

- Erhöhung der Harnmenge, besonders bei Steinleiden oder Entzündungen der ableitenden Harnwege:

Birke, Betula pendula

Hauhechel, Ononis spinosa

Schachtelhalm, Equisetum arvense

Wacholder, Juniperus communis

- Unterstützung bei gutartiger Vergrößerung der Prostata (Prostatahyperplasie):

Weidenröschen, Epilobium angustifolium

Sägepalme, Serenoa repens (Sabal serrulata)

5. Herz- Kreislaufbeschwerden

- Leichte Herzmuskelschwäche, „Altersherz“:

Weißdorn, Crataegus-Arten, vor allem Crataegus oxyacantha und Crataegus monogyna)

- Krampfadern:

Rosskastanie, Aesculus hippocastanum

- Durchblutungsstörungen:

Ginkgo, Ginkgo biloba

- Vorbeugung gegen Arteriosklerose (= „Verkalkung“):

Knoblauch, Allium sativum

6. Nervöse Störungen

- Leichte und mittelschwere Depressionen:

Johanniskraut, Hypericum perforatum

- Einschlafstörungen:

Baldrian, Valeriana officinalis

Melisse, Melissa officinalis

Hopfen, Humulus lupulus

Lavendel, Lavandula angustifolia

7. Gynäkologische Erkrankungen

- Prämenstruelles Syndrom (PMS), klimakterische Beschwerden (z. B. Wallungen):

Mönchspfeffer, Vitex agnus-castus

Nordamerikanisches Wanzenkraut ( = Traubensilberkerze), Cimicifuga racemosa

8. Hauterkrankungen / Wunden:

Ringelblume, Calendula officinalis

Arnika, Arnica montana

Quelle:

Kleines Wörterbuch der Pflanzenmedizin,

herausgegeben von Pharmig, der Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen, Wien

in Zusammenarbeit mit dem Institut für Pharmakognosie der Universität Wien

www.pharmig.at

Kommentar & Ergänzung:

Die Aufstellung im „Kleinen Wörterbuch der Pflanzenmedizin“ gibt einen guten Überblick, führt aber natürlich längst nicht alle wichtigen Heilpflanzen der Phytotherapie auf.

Wichtig zu wissen ist aber auch, dass es nicht nur darauf ankommt, welche Heilpflanze bei welcher Krankheit eingesetzt werden kann. Mindestens so entscheidend ist auch die Frage, in welcher Arzneiform die jeweilige Heilpflanze optimal zur Wirkung kommt, zum Beispiel als Tee, Tinktur, Extrakt, Frischpflanzenpresssaft etc.

Vollständig vergessen ging in der Übersicht der Bereich Rheuma / Arthrose. Hier gibt es interessante und bewährte Heilpflanzen, die auch mit Patientenstudien erforscht werden, zum Beispiel Teufelskralle (Harpagophytum procumbens), Weidenrinde (Salix-Arten), Weihrauch (Olibanum), Paprika (Capsaicin), Hagebutte.

Interessant ist, dass die Publikation von Pharmig herausgegeben wird, der Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen. Es gibt in der Komplementärmedizin ein weit verbreitetes Feindbild, wonach die „Pharmaindustrie“ die Naturheilmittel kaputt machen will. Das ist ziemlich naiv, weil die Hersteller komplementärmedizinischer und phytotherapeutischer Präparate längst ein Teil der Pharmaindustrie sind. Sie sind bestens in die entsprechenden Branchenverbände eingebettet. Das pauschale Feinbild „Pharmaindustrie“ ist zwar unsinnig, doch soll die Absage an pauschale Feindbilder nicht davon abhalten, konkrete Pharmafirmen für konkrete Missstände zu kritisieren, wo dies nötig ist.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch