Artikel mit Schlagwort ‘Ginkgo’

Misteltherapie: Verzerrte Darstellung in der Boulevardzeitung “Blick”

Samstag, Dezember 3rd, 2011

Viele Medienberichte zum Thema Komplementärmedizin sind irreführend und verzerrt. Ein Beispiel dafür liefert die Boulevardzeitung „Blick“ in einem Beitrag zur Misteltherapie („Blick“-Zitate kursiv).

Zitat:

„ Was bewirkt das Präparat?

Das Mistelextrakt enthält Eiweissstoffe, die im Körper des Kranken die Produktion von Endorphinen anregen. Das sind Stoffe, die unsere Schmerzen lindern und die Stimmung aufhellen. Zudem stärkt das Heilmittel die körpereigenen Abwehrkräfte, indem es die Produktion der weissen Blutkörperchen anregt. Mit der Misteltherapie lässt sich das Immunsystem so gut stimulieren, dass es auch zur Unterstützung von Chemo- und Strahlentherapie oder Krebsoperationen verwendet wird. In hoher Dosierung tötet das Mittel Krebszellen und stärkt dabei das Immunsystem – im Gegensatz zur Chemotherapie, die Krebszellen tötet und als Nebenwirkung das Immunsystem schwächt.“

Der entscheidende Satz ist dieser:

„In hoher Dosierung tötet das Mittel Krebszellen und stärkt dabei das Immunsystem – im Gegensatz zur Chemotherapie, die Krebszellen tötet und als Nebenwirkung das Immunsystem schwächt.“

Mistel tötet also in hoher Konzentration Krebszellen und stärkt dabei das Immunsystem.

Chemotherapie tötet Krebszellen und schwächt dabei das Immunsystem.

Keine Frage: Gemäss dieser Darstellung ist die Misteltherapie der Chemotherapie vorzuziehen.

Was der Satz verschweigt:

Misteltherapie tötet in hoher Konzentration Krebszellen im Labor an isolierten Geweben oder Zellen. Beim lebenden Menschen ist eine solche Wirkung leider nicht belegt.

Chemotherapie dagegen tötet Krebszellen beim Patienten, schädigt aber leider dabei auch das Immunsystem und andere gesunde Zellen.

Im Labor an isolierten Geweben und Zellen kann man Mistel tatsächlich in sehr hoher Konzentration einwirken lassen. Solche Ergebnisse lassen sich aber nicht einfach auf die Anwendung bei Krebspatienten übertragen.

Wenn man die Angabe „im Labor“ weglässt, erweckt man einen geschönten Eindruck und führt Krebspatientinnen und –patienten in die Irre.

Im weiteren schreibt „Blick“:

„Gibt es Risiken und Nebenwirkungen?

Die Behandlung ist risikoarm. Selten gibt es allergische Reaktionen: Rötung und Schwellung bei der Einstichstelle sind positive Reaktionen, die zur idealen Dosierung des Präparates beitragen.“

Eine sehr geschönte Darstellung.

Hier die andere, vom “blick” ausgeklammerte Seite:

„In niedriger, nichttoxischer Dosierung dominiert die immunstimulierende Wirkung der Mistellektine, aus der nicht auf eine Hemmung des Tumorwachstums geschlossen werden darf. Erst in höheren Konzentrationen, die bereits deutliche unerwünschte Wirkungen hervorrufen, zerstören Lektine und Viscotoxine……..Lektine und Viscotoxine sind nach parenteraler Applikation extrem giftig. Die akute Toxizität ist möglicherweise nicht nur auf die direkte Cytotoxizität der Lektine und Viscotoxine, sondern auch auf die provozierte Ausschüttung von Mediatoren des Immunsystems zurückzuführen.“

(Quelle: http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Mistelkraut.html)

Oder bei Wikipedia:

„Unerwünschte Wirkungen der Misteltherapie betreffen das Herz-Kreislauf-System (Blutdruckabfall oder -anstieg, Verlangsamung des Herzschlags), den Magen-Darm-Trakt (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Dehydratation), das zentrale Nervensystem (Verwirrtheit, Halluzinationen, epileptische Anfälle) sowie das Immunsystem (Fieber, Anstieg der weißen Blutkörperchen im Blut). In der bisher einzigen randomisierten kontrollierten Studie zur Wirksamkeit des Mistelpräparates Iscador wurde ein beunruhigendes Ausmaß an Toxizität beobachtet. Vor allem fiel eine Zunahme von Gehirnmetastasen beim Iscador-Patientenkollektiv im Vergleich zur Kontrolle auf. Lokale Entzündungsreaktionen an der Injektionsstelle (wie Rötung, Schwellung, Schmerzen) sind häufig. Schwerwiegende Komplikationen sind selten, jedoch wurden einige Todesfälle berichtet. Ursache hierfür können allergische Reaktionen sein, die zu einem anaphylaktischen Schock führen können. Nicht angezeigt ist die Misteltherapie während der Schwangerschaft und in der Stillzeit.“  (Quelle: wikipedia)

Solche Nebenwirkungen scheinen allerdings selten von schwerwiegender Natur zu sein.

Problematischer sind Forschungsergebnisse, die darauf hinweisen, dass eine Misteltherapie bei bestimmten Tumorarten das Wachstum des Tumors steigern könnte.

„Konsequente Grundlagenforschung in den letzten Jahren zeigte, dass die durch Mistellektin I (besser: Viscum album Agglutinin I = VAA I) vermehrt freigesetzten Zytokine in vitro und in vivo (Tiermodelle) die Proliferation von Zellen verschiedener Tumore, Leukämien und Lymphome stimulieren können. In der Literatur finden sich Berichte über negative Effekte von Mistelextrakten bzw. Lektin in der Zellkultur, in Tumorexplantaten, in Tierversuchen und bei klinischer Anwendung. Experimentelle Befunde verweisen auf die realistische Möglichkeit einer Gefährdung zumindestens einzelner Patienten bei bestimmten Tumorarten und/oder -stadien durch lektinbezogene) Mistelanwendung. Die Annahme, dass eine Erhöhung der Serumspiegel dieser Botenstoffe zumindestens bei einzelnen Tumorpatienten negativ mit einer kürzeren Lebenserwartung korreliert ist, hat sich für verschiedene Malignome bestätigt.“

(Quelle: Barbara Burkhard, Anthroposophische Medizin, Pharmazeutische Zeitung, Govi-Verlag 2000).

Ähnlich schreibt Dr. med Jutta Hübner, Sprecherin des Arbeitskreises komplementäre Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft:

„ Die direkte Wirkung auf den Tumor wurde leider noch nicht bewiesen. Unklar ist, ob eine Beeinflussung des Tumorwachstums stattfindet. Mistelextrakt kann das Absterben von Tumorzellen im Reagenzglas fördern. In Tierexperimenten konnte durch die Gabe von Mistel die Ausbreitung von Tumoren vermindert werden. Es liegen aber auch Untersuchungen vor, die für einige Tumorarten im Laborexperiment eine wachstumsfördernde Wirkung zeigten. Auch bei Untersuchungen an Patienten ergaben sich zum Teil ungünstige Ergebnisse…….Bei bestimmten Tumoren wie Melanom, Nierenkarzinom, Lymphom und Leukämien sollte die Mistel auf keinen Fall eingesetzt werden“

(aus: Aloe, Ginkgo, Mistel & Co., Schattauer 2009)

Im weiteren schreibt „Blick“:

„ Was ist das stärkste Argument gegen die Mistelanwendung?

Die Schulmedizin kritisiert, dass die Therapie nie in Doppelblindstudien untersucht wurde. So lange diese wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweise fehlen, gelten Mistelpräparate nicht als Heilmittel gegen Krebs.“

Der Satz: „Die Schulmedizin kritisiert, dass die Therapie nie in Doppelblindstudien untersucht wurde“, ist eine einzige Lüge. Die Misteltherapie wurde in einer ganzen Reihe von Doppelblindstudien untersucht. Die „Schulmedizin“ kritisiert, dass die Qualität der meisten Studien schlecht ist und die Ergebnisse insgesamt nicht überzeugen. Und diese Einschätzung dominiert nicht einfach nur  in der “Schulmedizin”. Man findet sie auch in der Phytotherapie-Fachliteratur und bei Jutta Hübner.

„Blick“ verbiegt das „stärkste Argument gegen die Mistelanwendung“.

Sie auch:

Misteltherapie gegen Krebs wirksam?

Weshalb stellt „Blick“ die Misteltherapie derart verzerrt dar?

Zu vermuten ist, dass sich die Zeitung einseitig auf die Angaben der Mistel-Propagandisten stützt. Ausserdem schreibt „Blick“ wohl einfach, was die Leserinnen und Leser gerne hören. Heilungsversprechungen kommen immer gut an. Sie lindern die Angst vor Krebs.

Wer Heilungsversprechungen in Frage stellt, hat da zum vorneherein einen schwereren Stand.

Quelle der „Blick“-Zitate:

http://www.blick.ch/life/ratgeber/das-muessen-sie-ueber-die-therapie-wissen-186039

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen?

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Phytopharmaka: Wechselwirkungen bei Operationen

Freitag, November 4th, 2011

Patienten sollten vor einer Operation mitteilen, welche pflanzlichen Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel sie einnehmen. Solche Präparate können zu schwer wiegenden Wechselwirkungen (Interaktionen) führen, schreiben US-amerikanische Forscher im Fachblatt «Journal of the American Academy of Orthopaedic Surgeons» (Band 19, Ausgabe 10, Seite 634-643). In einem Review untersuchten die Wissenschaftler mehrere Studien zu der Problematik. Sie gehen davon aus, dass 35 – 70 Prozent der orthopädischen Patienten, oft aufgrund ihrer Schmerzen, auf alternative Mittel zurückgreifen – ohne dass ihr Arzt davon weiß.

Beispielsweise kann Baldrian die Wirkung der Narkosemittel steigern. Heilpflanzen-Präparate mit Johanniskraut, Mutterkraut (Tanacetum parthenium), Ingwer und der Kran- oder Moosbeere (Cranberry, Vaccinium ssp.) beeinflussen das in den USA oft verschriebene Antikoagulanz Warfarin. Bei Mutterkraut, Ingwer und Ginkgo können mit der blutverdünnenden Wirkung von Acetylsalicylsäure Interaktionen entstehen. Johanniskraut und Knoblauch können die Wirkung immunsuppressiver Arzneistoffe vermindern und im schlimmsten Fall zur Abstoßung von Organtransplantaten führen.

Speziell für Osteoarthritis vermarktete Produkte können die ärztlich verordnete Behandlung stören: Glucosamine und Chondroitin können die Wirkung von Antikoagulanzien beeinflussen. Präparate aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) wechselwirken mit dem Krebsmittel Tamoxifen. Katzenkralle (Uncaria tomentosa) tritt mit Gerinnungshemmern, Antihypertensiva und Ciclosporin in Interaktion.

Gerade das Etikett «natürlich» oder «homöopathisch» verleite Patienten zu der Ansicht, solche Mittel könnten nichts schaden. Apotheker sollten beim Verkauf solcher Präparate aber auf mögliche Interaktionen hinweisen, hauptsächlich wenn den Patienten eine Operation bevorsteht. Der Arzt sollte über die Einnahme informiert werden; umgekehrt sollten die Mediziner aktiv nachfragen. Die Forscher raten, die pflanzliche Selbstmedikation mindestens ein bis zwei Wochen vor der Operation abzusetzen und mit den Präparaten zu pausieren, solange Blutverdünner und Antibiotika eingenommen werden.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=39707&Nachricht_Title=Nachrichten_Phytopharmaka%3A+Interaktionen+bei+Operationen&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Klar ist, dass Wechselwirkungen zwischen Heilpflanzen-Präparaten und anderen Medikamenten vorkommen und beachtet werden müssen.

Die Warnungen vor solchen Interaktionen sind aber oft von fragwürdiger Qualität, die Aussagen vage und spekulativ. Im Beitrag der „Pharmazeutischen Zeitung“ sind relevante Interaktionen und hochgradige Spekulation wild gemischt.

So ist beispielsweise die Wechselwirkung  zwischen Johanniskraut und Immunsuppressiva  sehr relevant und ernst zu nehmen. Wenn aber gewarnt wird vor Interaktionen zwischen Traubensilberkerze und Tamoxifen, dann liegt dem wohl die Annahme zugrunde, dass Traubensilberkerze Phytoöstrogene enthält, damit die antiöstrogene Wirkung von Tamoxifen beeinträchtigt und infolgedessen durch Steigerung von Zellwachstum und Zellvermehrung das Brustkrebsrisiko steigert.

Traubensilberkerze enthält aber nach neueren Untersuchungen keine Phytoöstrogene:

„In früheren Jahren glaubte man, dass auch Extrakte aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze SERMs enthalten. Heute wissen wir, dass diese Extrakte keine Östrogene, also auch keine SERMs enthalten. Die ohne Zweifel vorhandenen positiven Effekte auf klimakterische Beschwerden werden über nachgewiesene dopaminerge und serotoninerge Prinzipien erklärbar, die im Hypothalamus – dem Ort der Entstehung von Hitzewallungen – wirken.“

(Quelle: Zeitschrift für Phytotherapie Nr. 6 / 2010).

Nach Hänsel / Sticher (2010) haben In-vitro-Untersuchungen gezeigt, dass Traubensilberkerzen-Extrakte u. a. die durch Östrogene induzierte Proliferation von humanen östrogenrezeptorpositiven Brustkrebszelllinien (T47D und MCF-7) hemmen. Die antiproliferative Wirkung des Traubensilberkerzen-Extraktes sei vergleichbar gewesen mit derjenigen des Östrogenrezeptorantagonisten Tamoxifen.

(in: Pharmakognosie Phytopharmazie, Springer Verlag 2010)

Das heisst: Neuere Untersuchungen zeigen, dass Cimicifuga-Extrakt Wachstum und Vermehrung dieser Brustkrebszellen nicht steigert und möglicherweise sogar ähnlich wie Tamoxifen schützend wirkt. Allerdings sind das Laboruntersuchungen und Langzeitstudien mit Patientinnen fehlen.

Aber diese Fakten zeigen, dass der simple Warnhinweis auf Interaktionen zwischen Traubensilberkerze und Tamoxifen der komplexen Situation nicht gerecht wird und wohl auch nicht stimmt.

Man könnte nun alle oben aufgeführten Interaktionen solcherart unter die Lupe nehmen und würde wohl in der Mehrzahl der Fälle ähnlich komplexe Situationen antreffen.

Mir fällt auf – oder täusche ich mich da? – dass immer wieder in den Medien gewarnt wird vor Wechselwirkung zwischen bestimmten Heilpflanzen und synthetischen Medikamenten. Kaum je Thema in den Medien sind konkrete Warnungen von Wechselwirkungen bei synthetischen Medikamenten, wo solche Probleme natürlich auch vorkommen.

So entsteht der falsche Eindruck, Phytopharmaka seien punkto Wechselwirkungen besonders problematisch. Das stimmt nicht.

Ich will daraus nun aber nicht eine Verschwörungstheorie basteln und eine Geheimaktion der Pharmaindustrie dahinter wittern.

Ein Grund spricht nämlich schon dafür, dass explizit vor Wechselwirkungen bei Heilpflanzen-Präparaten gewarnt wird, nämlich dass viele Leute gar nicht daran denken, dass „natürliche Produkte“ solche Effekte zeigen können.

Erwarten könnte man aber, dass solche Warnungen differenziert geäussert werden und fachlich auf dem Stand des Wissens sind. Das ist oft leider nicht der Fall.

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Ginkgo bessert Verhaltensauffälligkeiten

Sonntag, September 25th, 2011

In einer doppelblinden Studie bekamen Patienten mit Demenz und Verhaltensstörungen einen Ginkgo-Extrakt. Die Wirkung wurde mit validen psychometrischen Tests erfasst.

Die Therapie mit einem Ginkgo-biloba-Extrakt (1mal pro Tag) bessert signifikant die kognitiven Symptome und Verhaltensauffälligkeiten bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Demenz im Vergleich mit unbehandelten Patienten. Die Medikation ist gut verträglich und hat keine schweren Nebenwirkungen, wie eine Arbeitsgruppe der Uni Düsseldorf nachgewiesen hat.

In der Multicenterstudie bekamen 410 Patienten mit Demenz (SKT 9 bis 23 Punkte) und neuropsychiatrischen Auffälligkeiten über 24 Wochen einen Ginkgo-Extrakt (EGb 761®, 240 mg) oder Placebo. Die Studie wurde publiziert in „Der Neurologe & Psychiater“ (2011; 6: 16).

Die Wissenschaftler erfassten den Gesamtwert im Syndrom-Kurztest (SKT, kognitives Defizit) und die Gesamtpunktzahl im Neuropsychiatrischen Inventar (NPI, Verhaltensstörungen) sowie weitere Parameter wie die Aktivitäten des täglichen Lebens und den NPI-Stress-Bewertungsbogen.

Patienten, die mit dem Ginkgo-Extrakt behandelt wurden, verbesserten sich nach 24wöchiger Therapie um 1,4 Punkte im SKT- und um 3,2 Punkte im NPI-Gesamtwert. Die Placebogruppe verschlechterte sich im Gegensatz dazu um 0,3 Punkte im SKT und veränderte sich nicht im NPI-Gesamtwert.

Die Differenzen zwischen den Patientengruppen waren jeweils signifikant. Die Kognition (SKT) verbesserte sich klinisch relevant, also um mindestens 3 Punkte, öfters in der Ginkgo-biloba-Gruppe (32 Prozent) als in der Placebogruppe (15 Prozent).

Ebenso besserten sich die Verhaltensauffälligkeiten (NPI) häufiger klinisch relevant, also um mindestens 4 Punkte, in der Ginkgo-biloba-Gruppe (45 Prozent) als in der Placebogruppe (24 Prozent). Die Ginkgo-biloba-Gruppe schnitt auch für alle sekundären Beobachtungsziele gegenüber Placebo besser ab.

Unerwünschte Ereignisse wurden in beiden Behandlungsgruppen gleich häufig festgestellt. Kopfschmerzen, Schwindel, Atemwegsinfekte und erhöhter Blutdruck waren die am häufigsten erfassten Nebenwirkungen. Sie traten in beiden Gruppen etwa gleich häufig auf.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/default.aspx?sid=670820&ticket=ST-717-ZtvMahZFGvI9b9T5XJe6fAcQrOxOiMeIdCw-20

Kommentar & Ergänzung:

Beachtenswert an diesem Bericht scheint mir vor allem, dass die gefundenen Verbesserungen nach einem Zeitraum von 24 Wochen festgestellt wurden. Das spricht für eine langfristig angelegte Therapie.

Allerdings ist nicht auszuschliessen, dass auch schon nach beispielsweise 12 Wochen eine gewisse Wirkung  zu finden gewesen wäre, wenn die Auswertung zu diesem früheren Zeitraum stattgefunden hätte.

Beim geprüften Präparat handelt es sich um einen hoch konzentrierten Extrakt. Die Ergebnisse lassen sich nicht auf Ginkgotinktur oder Ginkgotee übertragen.

Zum Ginkgotee siehe auch:

Ginkgo-Tee nicht ohne Risiko

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Phytotherapie für Herz & Kreislauf: Steinklee, Ginkgo biloba, Rotes Weinlaub, Rosskastanie, Mäusedorn, Weissdorn….

Sonntag, Juli 31st, 2011

„Die Presse“ berichtete von einer Fortbildungswoche der Österreichischen Apothekerkammer in Saalfelden. Im Zentrum des Artikels stehen Ausführungen von Univ.-Prof. Dr. Theo Dingermann (Institut für Pharmazeutische Biologie, Goethe-Universität Frankfurt) zur Wirksamkeit von Heilpflanzen:

„Positive Wirkungen von Phytopharmaka sind unter anderem bei Durchblutungsstörungen, Venenleiden und Herzschwäche nachgewiesen. Zu den durchblutungsfördernden Heilpflanzen zählen der echte Steinklee und der echte Waldmeister, die in unseren heimischen Wäldern wachsen.

Das beim Trocknen freigesetzte Cumarin sowie Flavonoide und Saponine verbessern die Blut- und Lymphströmung. Cumarin wird auch für die Behandlung von Venenleiden eingesetzt. Ginkgo verbessert ebenso die Fließeigenschaften des Blutes und fördert vor allem die Gehirndurchblutung.
Als venenstärkend gelten vor allem Präparate aus roten Weinblättern, es wird eine gefäßstärkende Wirkung beschrieben. Die Rosskastanie und der stechende Mäusedorn lösen ähnliche venenstimulierende Reaktionen aus, sie werden auch bei angeschwollenen Beinen verschrieben.
Zu den herzstärkenden Arzneipflanzen zählt an erster Stelle der Weißdorn. Präparate aus Weißdornblättern und -blüten werden zur Behandlung leichter Formen von Herzinsuffizienz oder bei altersbedingtem Nachlassen der Herzleistung verwendet. ‚Allerdings muss man gerade bei Herzschwäche besonders vorsichtig mit einer Selbstmedikation umgehen. Eine positive Wirkung auf die Herztätigkeit ist zwar nachgewiesen, aber gerade in diesen Fällen muss ärztlicher Rat eingeholt werden’, betonte Dingermann.“

Quelle:

http://diepresse.com/home/gesundheit/666480/Viele-Irrtuemer-rund-um-Heilkraeuter?from=suche.intern.portal

Kommentar & Ergänzung:

Prof. Theo Dingermann ist ein fundierter Kenner der Phytopharmaka und der Phytotherapie. Die Universität Frankfurt besitzt zudem einen ausgezeichneten Arzneipflanzengarten.

Zum Thema “Cumarine” wäre noch zu ergänzen: Steinklee und Waldmeister enthalten einfache Cumarine, die den venösen Rückfluss fördern und dadurch venöse Ödeme vermindern. Dimere Cumarine werden in Medikamenten wie Phenprocoumon (A, CH:Marcoumar; D: Marcumar) als Blutgerinnungshemmer zur Thrombose-Prophylaxe eingesetzt (Vitamin-K-Antagonist).

Diese beiden Wirkungen sind strikt auseinanderzuhalten.

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Alzheimer-Demenz: Ginkgo-Extrakt repariert Schäden”

Freitag, Juli 15th, 2011

Unter dieser Schlagzeile publizierte die deutsche „Aerztezeitung“ einen Bericht über die Forschung mit einem Ginkgo-biloba-Extrakt.

Als „phytophiler“ Mensch freut mich natürlich, wenn über Ginkgo biloba geschrieben wird. Diese Freude ist allerdings nicht ganz voraussetzungslos, sondern abhängig von der Qualität des Geschriebenen. Basiert das Lob auf fragwürdigen Schlussfolgerungen, ist Freude nicht angesagt. Wer sich unreflektiert auch über fragwürdige Lobereien bezüglich Heilpflanzen freut, ist an Propaganda interessiert, nicht aber an Erkenntnis.

Schaut man sich den Ginkgo-Text in der „Aerztezeitung“ genauer an, wird die Schlagzeile höchst fragwürdig. Da wird nämlich grösstenteils über Veränderung im Gehirn bei Alzheimer-Demenz berichtet. Die Experimente, die dem Artikel zugrunde liegen, werden nur in einem kleinen Abschnitt erwähnt:

„In experimentellen Untersuchungen wirkte der standardisierte Ginkgo-biloba-Extrakt EGb 761® (Tebonin®) in vitro der Bildung von Aß-Oligomeren entgegen und schützte die Neuronen vor der toxischen Wirkung von Aβ. Dies ging mit einer Verbesserung der kognitiven Funktion einher. Aβ-Oligomere hemmen die Phosphorylierung und damit die Aktivierung des Transkriptionsfaktors CREB (cAMP Response Element Binding Protein) und die Zellproliferation im Hippocampus.“

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/658965/alzheimer-demenz-ginkgo-extrakt-repariert-schaeden.html

Kommentar & Ergänzung:

Aha. Es geht um Experimente „in vito“, also im Labor, wörtlicher „im Reagenzglas“. Da wurden isolierte Zellen oder isoliertes Gewebe mit Ginkgo-Extrakt behandelt und untersucht. Da Literaturangaben fehlen, lässt sich das nicht überprüfen.

Entscheidend ist aber auf jeden Fall:

„In vitro“-Ergebnisse mögen interessant sein. Aber es lässt sich daraus niemals ableiten, dass Ginkgo-Extrakt Schäden bei Alzheimer-Demenz repariert. Dazu wären Untersuchungen an Alzheimer-Patienten nötig, nicht solche im Reaganzglas.

Die Schlagzeile in der „Aerztezeitung“ ist daher total irreführend und täuschend. Ein unkritischer PR-Artikel, wahrscheinlich übernommen aus einer Pressemitteilung des Herstellers des untersuchten Ginkgo-biloba-Extraktes (von dessen Qualität ich überzeugt bin).

Es gibt sehr viel irreführende, sich wissenschaftlich gebende Propaganda in den Bereichen Phytotherapie, Naturheilkunde und Komplementärmedizin.

Wenn Sie lernen wollen, die entscheidenden Fragen zu stellen, um die Spreu vom Weizen zu trennen, dann können Sie das in meinem Heilpflanzen-Seminar und in der Phytotherapie-Ausbildung.

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Warnung vor Hirndoping

Donnerstag, Juni 30th, 2011

Angesichts des wachsenden Erfolgsdrucks in Schule, Ausbildung und Beruf sind zahlreiche Menschen bereit, zu einer leistungssteigernden Pille zu greifen. Doch ein solches „Hirndoping“ könne gefährlich werden, warnt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS).

Etwa 2 Millionen Beschäftige im Alter von 20-50 Jahren (5 % der Befragten) gaben in einer Umfrage der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK) an, als Gesunde schon einmal leistungssteigernde und stimmungsaufhellende Medikamente konsumiert zu haben. 2 Prozent der befragten Personen erklärten gar, dass sie sich regelmäßig und sehr gezielt „dopen“. Für ein Viertel aller Befragten ist es vertretbar, derartige Arzneimittel zur Steigerung der kognitiven Leistungen im Beruf einzunehmen, ohne dass dafür eine medizinische Notwendigkeit vorliegt.

Aus Sicht der DHS ist diese Einstellung aber ein Irrweg. Antidepressiva und Präparate gegen Demenz oder gegen das sogenannte Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom (ADHS) seien Medikamente zur Linderung oder Heilung von Krankheiten. „Es sind verschreibungspflichtige Medikamente, die missbräuchlich verwendet werden“, stellt DHS-Geschäftsführer Raphael Gassmann fest.

Zu den bekanntesten Substanzen, die im Zusammenhang mit Hirndoping missbraucht werden, zählen vor allem stimulierende Wirkstoffe wie das Methylphenidat (z.B. Ritalin®) zur medizinisch-indizierten Therapie des Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) und das Modafinil (Handelsname Ritalin®) zur Behandlung der Narkolepsie. Auch Antidepressiva und Antidementiva werden missbräuchlich eingesetzt.

Die gewünschte Wirkung bleibe bei Gesunden aber zumeist aus, erklärt die DHS. Antidepressiva führten bei Gesunden sogar nicht selten zu einer Verschlechterung der Leistungsfähigkeit. So werden zum Beispiel Aufmerksamkeit und Wachheit durch die Aufnahme von Fluoxetin, Citalopram und Sertralin vermindert. Auch finden sich der DHS zufolge keine Belege für eine Steigerung der Gedächtnisleistung Gesunder durch Antidementiva (Medikamente gegen Demenz). Eher würden durch sie Kopfschmerzen, Ruhelosigkeit und Übelkeit ausgelöst. Noch riskanter sei die Einnahme von Methylphenidat  durch gesunde Personen, die bereits über eine gute Aufmerksamkeitsfokussierung verfügen. „Die Einnahme führt bei Gesunden nachweislich weder zu gewünschter Stimmungsaufhellung noch zur Steigerung der Leistungsfähigkeit, eher erreichen sie die Verringerung von Leistungsfähigkeit und Aktivität“, betont  Prof. Dr. Gerd Glaeske. Neben anderen unerwünschten Nebenwirkungen weisen die stimulierenden Wirkstoffe Methylphenidat und Modafinil ausserdem ein hohes psychisches Abhängigkeitsrisiko auf.

Die DHS verlangt vor diesem Hintergrund eine ergebnisorientierte Verhältnisprävention. Arbeitsplatzregelungen und Sozialleistungen könnten nicht nur wirtschaftspolitisch diskutiert und entschieden werden. Sie müssten deutlicher als bisher auch gesundheitspolitisch ausgerichtet werden. DHS-Geschäftsführer Gassmann sagt dazu: „Wir leben nicht nur, um zu arbeiten. Wenn Schule, Ausbildung und Beruf krank oder süchtig machen, ist es Zeit, sie grundsätzlich zu entschärfen.“

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2011/06/20/dhs-warnt-vor-hirndoping.html

Kommentar & Ergänzung:

Im Bereich des Hirndopings kommen auch Heilpflanzen-Präparate zur Anwendung. Im Vordergrund stehen dabei Ginkgo biloba, Rosenwurz (Rhodiola rosea) und Ginsengwurzel (Panax ginseng). Diese Heilpflanzen entfalten ihre Wirkung langsam, was unter anderem auch dazu beiträgt, dass kein Abhängigkeitsrisiko besteht.

Ob und wie stark ein gesundes Hirn von Heilpflanzen wie Ginseng, Rosenwurz und Ginkgo profitieren kann, ist allerdings trotz entsprechender Studien nicht eindeutig geklärt.

Zu Rosenwurz siehe:

Rosenwurz (Rhodiola rosea, orpin rose) gegen Stress & Müdigkeit

http://heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2010/10/30/rosenwurz-rhodiola-rosea-orpin-rose-gegen-stress-mudigkeit.html

Beim Thema „Hirndoping“ stellen sich aber auch viele grundsätzliche Fragen.

Sollte tatsächlich einmal eine wirksame „Hirnpille“ ohne gravierende Nebenwirkungen entwickelt werden und sollte sich diese durchsetzten, so kämen möglicherweise „Nicht-Anwender“ zunehmend unter Druck.

Und was soll nun genau mit „Hirndoping“ verbessert werden? Die Verarbeitungsgeschwindigkeit im Gehirn? Die Merkfähigkeit? Die Müdigkeitsresistenz?

Sind das nicht ziemlich quantitative Aspekte? Und wäre es nicht sinnvoller, die Qualität von Denkprozessen weiterzuentwickeln?  Das könnte zum Beispiel heissen, wir streben nach möglichst sorgfältiger Urteilsbildung und Entscheidungsfindung, nach präzisem, differenziertem Denken…….

Und dazu braucht es meinem Eindruck nach Übung und allenfalls ein Stück Anleitung – aber wohl kaum Medikamente.

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Phytotherapie lindert Nebenwirkungen bei Chemotherapie & Bestrahlung

Donnerstag, Juni 30th, 2011

Die Sendung „Hauptsache gesund“ auf MDR fasst einige Tipps zusammen zur Linderung der Nebenwirkungen bei Chemotherapie / Strahlentherapie:

„Chemotherapie und Bestrahlung sind die bislang wirksamsten Waffen gegen Krebs. Sie lassen sich jedoch nicht so ausrichten, dass ausschließlich Tumorgewebe zerstört wird. Deshalb kommt es zu typischen Nebenwirkungen.“

Doch dagegen gebe es natürliche Hilfe:

„- Entzündungen der Mundschleimhaut lassen sich mit Spülungen mit Kamille oder Salbei behandeln

- Gegen Durchfälle ist geriebener Apfel empfehlenswert

- Übelkeit ist ein häufiges Problem. Ein Tee aus kleinen Ingwerstücken, der morgens aufgebrüht und über den Tag hinweg getrunken wird, kann helfen. Auch Akupressur hat sich bewährt.

- Appetitlosigkeit lässt sich mit Bittermitteln wie Enzian bekämpfen.

- Erschöpfungsgefühle können mit Ginseng, Ginkgo oder Taiga-Wurzel gemildert werden. Auch Bewegung ist hilfreich.“

Quelle:

http://www.mdr.de/hauptsache-gesund/aktuelle-sendung/artikel14662.html

Kommentar & Ergänzung:

- Kamille und Salbei gegen Mundschleimhautentzündungen sind als Tipp in Ordnung. Es fehlen hier allerdings die Schleimstoffe (Leinsamen, Eibischwurzel), die sich sehr bewährt haben. Kurzfristig und eher lokal sind auch Gerbstoff-Pflanzen wie Tormentill (Blutwurz) Ratanhia, Schwarztee oder „Chäslichrut“ (Malvenblätter) geeignet.

Vorbeugend oder heilend helfen oft gefrorene Ananasstückchen

Siehe dazu: Phytotherapie kann bei Krebs manche Beschwerden lindern

- Gegen Durchfall helfen kurzfristig ebenfalls Gerbstoffpflanzen wie Schwarztee (lang ziehen lassen) oder Tormentill (Blutwurz).  Schleimstoffe ( Flohsamen / Flohsamenschalen) könnten bei Durchfall ebenfalls hilfreich sein.

- Neben Ingwer helfen bei Übelkeit manchmal Eiswürfel aus Pfefferminztee.

- Enzianwurzel gehört zu den stärksten Bitterstoffpflanzen. Ich würde gegen Appetitlosigkeit ausprobieren, welche Bitterstoffpflanze am besten „ankommt“, zum Beispiel Tausendgüldenkraut, Schafgarbe, Wermutkraut, Engelwurz,  Kardobenediktenkraut, Bitterklee.

- Bei Erschöpfungsgefühlen / Müdigkeit ist Ginkgo als Empfehlung nicht ganz nachvollziehbar, Ginsengwurzel und Taigawurzel aber schon, wobei beide eine längere Anwendungsdauer brauchen.

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Lungenkrebs: Haifischknorpel-Extrakt ohne Wirkung

Montag, Mai 9th, 2011

Ein Extrakt aus Haifischknorpel hat in der Therapie des fortgeschrittenen nichtkleinzelligen Bronchialkarzinoms (NSCLC) enttäuscht. Die Kombination von Haifischknorpel mit einer konventionellen Chemoradiotherapie hat in einer Phase-III-Studie im Journal of the National Cancer Institute (2010; doi:10.1093/jnci/djq179) die Prognose der Patienten nicht verbessert. Die Resultate wurde auch auf der Jahrestagung der American Society of Clinical Oncology in Chicago präsentiert.

Haifischknorpel geniesst in weiten Kreisen der Bevölkerung seit längerem den Ruf, bei Krebserkrankungen wahre Wunder zu wirken. Die entwicklungsgeschichtlich sehr alten Fische würden niemals an Krebs erkranken, wird immer wieder behauptet, und diese Eigenschaften könnten durch die Einnahme der Haifisch-Kapseln auf den Krebspatienten übergehen. Auch Forscher konnten sich für den Gedanken erwärmen, dass Extrakte des nicht durchbluteten Gewebes eine anti-angiogenetische Wirkung haben könnten – also die Neubildung von Gefässen im Tumorgewebe hemmen könnten, vergleichbar mit Bevacizumab oder anderer moderner Krebsmedikamenten. Der kanadischen Firma Aeterna Zentaris kommt laut einer Pressemitteilung des M. D. Anderson Cancer Center das Verdienst zu, ihr Haifischknorpel-Präparat Neovastat® nicht einfach wie andere Hersteller über Drogerien zu vertreiben, sondern in klinischen Studien zu prüfen.

Den Abschluss dieser Forschungen für Neovastat® bildete eine Studie an 379 Patienten mit neu diagnostiziertem NSCLC im Stadium III. Die vom US-National Cancer Center unterstützten Studie wurde an 53 Zentren in den USA und in Kanada durchgeführt.
Alle Patienten bekamen eine Standardtherapie bestehend aus einer Induktionschemotherapie gefolgt von einer Chemo-Radiatio. Zusätzlich wurden die Patienten auf die Einnahme von Neovastat® oder Placebo randomisiert ( = durch Zufallentscheid verteilt).

Primärer Endpunkt war das Gesamtüberleben der Patienten. Es war in beiden Gruppen identisch. Im Neovastat-Arm überlebten die Krebspatienten im Mittel 14,4 Monate, im Placebo-Arm dagegen 15,6 Monate. Auch im progressionsfreien Überleben (11,3 vs. 10,7 Monate) gab es keine signifikanten Differenzen. Für Charles Lu vom M. D. Anderson Cancer Center in Houston und Mitarbeitern gibt es keine Hinweise, dass Neovastat oder die zahlreichen anderen wissenschaftlich nicht untersuchten Haifischknorpelextrakte eine Wirkung besitzen.

Der Editorialist Jeffrey White vom National Cancer Institute in Bethesda äussert sich etwas milder (JNCI 2010; doi: 10.10J9N3/jCncIi/dJjqo1u96). Er hält die unter Neovastat etwas, wenn auch statistisch nicht signifikante reduzierte Toxizität für einen Ansatzpunkt für weitere Studien.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/41377/Lungenkrebs_Haifischknorpel_ohne_Wirkung.htm

http://jnci.oxfordjournals.org/content/102/12/859.abstract

Kommentar & Ergänzung:

Auch Dr. Jutta Hübner, Sprecherin des Arbeitskreises komplementäre onkologische Medizin in der Deutschen Krebsgesellschaft und Leiterin der Komplementären Onkologie an der Universitätsklinik Frankfurt, rät von der Einnahme des Haifischknorpelextraktes ab

(in ihrem Buch: Aloe, Ginkgo, Mistel & Co. Ergänzende Wirkstoffe in der Krebsbehandlung)

Hier ausgewählte weitere Informationen zum Thema Haifischknorpel (Quelle: Wikipedia):

Was ist Haifischknorpel?

„Bei Haifischknorpel handelt es sich um Knorpel von Haien, der in getrockneter und pulverisierter Form als Nahrungsergänzungsmittel im Handel erhältlich ist. Die Präparate werden als Mittel zur „Stärkung der Gelenke“ für Menschen mit Verschleißerscheinungen der Gelenke, Osteoporose und Arthritis beworben. Da sie nicht als Arzneimittel zugelassen sind, dürfen von den Herstellern keine Heilungsversprechen gemacht werden. Seit den 1980er Jahren wird in Publikationen jedoch auch behauptet, Präparate mit Haifischknorpel seien geeignet, Krebs vorzubeugen oder sogar zu heilen. Das bekannteste Mittel dieser Art in Deutschland und in der Schweiz heißt Haifit.“

(Quelle: Wikipedia)

Herstellung von Haifischknorpel

„Um ein Kilogramm Haiextrakt herzustellen, werden 50 Kilogramm Hai benötigt. Verwendet werden alle Teile des Tieres. Der weltweit größte Lieferant von Haiknorpel ist die Firma Shark Technology in Costa Rica, die von William Lane gegründet wurde. In den 1990er Jahren verarbeitete sie nach eigenen Angaben täglich 200 Tiere. Aus Costa Rica wird das Pulver in die USA exportiert und dort für den europäischen Markt verarbeitet. Haiextrakt wird auch Kosmetika zugesetzt. Die Hersteller der Haiknorpel-Präparate erklären, dass für die Produkte nicht eigens Haie gefangen werden, sondern es handele sich um „Beifang“, beispielsweise aus der Tunfisch-Fischerei.“

(Quelle: Wikipedia)

Forschung und Publikationen zu Haifischknorpel

„ 1983 stellten zwei Forscher in Massachusetts bei Laborversuchen fest, dass Knorpelextrakte von Kälbern und auch von Haien in vitro das Wachstum von neuen Blutgefäßen verhindern. Bei Mäusen und Ratten ließ sich durch das Einpflanzen von Haiknorpel das Wachstum von Tumorzellen nicht verhindern, aber verlangsamen. Tumore benötigen ein eigenes Netz von Blutgefäßen, um zu wachsen. Eine abtötende Wirkung auf bereits vorhandene Tumorzellen hatte der Extrakt bei diesen Versuchen nicht. Welche Substanz im Haiknorpel für den beobachteten Effekt verantwortlich ist, ist bislang unbekannt.

Nach der Publikation dieser Ergebnisse begann der Biochemiker William Lane, damals Präsident der amerikanischen Fishmeal Trade Association, sich für die Erforschung von Haiknorpel und deren Nutzung zu interessieren. Als Regierungsbeauftragter der US-Regierung war es seine Aufgabe, nach neuen Investitionsmöglichkeiten für die Fischindustrie zu suchen.

1992 veröffentlichte Lane ein Buch unter dem Titel Sharks don’t get cancer, das 1994 mit dem Titel Warum Haie gegen Krebs immun sind auf Deutsch erschien. Darin verweist er vor allem auf die Ergebnisse aus Massachusetts; unabhängige klinische Studien liegen nicht vor. Lane empfiehlt Haiknorpel jedoch auch bei Psoriasis, diabetischer Retinopathie, Glaukom, Enteritis und Arthritis.

Lane nennt als tägliche Dosis für einen Erwachsenen 80 Gramm Pulver, wenn es oral eingenommen wird. Er empfiehlt jedoch die rectale Aufnahme als Einlauf; dafür seien 20 Gramm ausreichend.“

(Quelle: Wikipedia)

Prozesse rund um Haifischknorpel

„Ende 1999 klagte die amerikanische Food and Drug administration (FDA) als Kontrollbehörde für Arzneimittel gegen die Konzerne Lane Labs und Cartilage Consultants wegen unlauterer Werbung mit falschen Aussagen für das Haiknorpelpräparat BeneFin und eine Sonnencreme. Eigentümer von Cartilage ist William Lane, Präsident von Lane Labs sein Sohn Andrew Lane. Am 30. Juni 2000 untersagte die zuständige amerikanische Handelskommission FTC die Werbeaussage, es handele sich um „klinisch getestete“ Krebsmittel und verurteilte Lane Labs zur Zahlung von 1 Million US-Dollar als Strafe.

1994 verklagte der Haifit-Hersteller Medisana den Marburger Apotheker Gregor Huesmann, weil dieser das Präparat im Schaufenster als „Scheiß des Monats“ angeprangert und als unwirksam und völlig überteuert bezeichnet hatte. Nach Medienberichten über die Aktion war der Umsatz des Präparats deutlich zurückgegangen. Medisana klagte auf Unterlassung und 300.000 Mark Schadenersatz. 1998 untersagte das Oberlandesgericht München als letzte Instanz Huesmann zwar einige Formulierungen. Er durfte jedoch weiterhin behaupten, den Verbrauchern sei durch entsprechende Form“

(Quelle: Wikipedia)

Bewertung von und Kritik an Haifischknorpel

„- Die Behauptung, dass Haie keinen Krebs bekommen, ist falsch. In einem Tumorregister der amerikanischen George Washington University und in wissenschaftlichen Publikationen sind über 20 Krebsarten bei Haien registriert worden.

- Es gibt keine unabhängige wissenschaftliche Studie, die eine Wirkung von Haiknorpel bei menschlichen Krebserkrankungen belegt. Im Gegenteil: Wissenschaftler der Mayo-Klinik konnten in einer Studie keine positiven Effekte von Haiextrakt bei Brustkrebs und bei Darmkrebs feststellen. Ein Großteil der ausgewählten Patienten brach die Teilnahme an der Studie ab. Der physische und psychische Zustand der Patienten der Haiknorpelgruppe verschlechterte sich signifikant im Unterschied zur Placebo-Gruppe. Es wird von gastrointestinalen Nebenwirkungen berichtet.

- Die Einnahme von Haiknorpel wird von mehreren Wissenschaftlern als völlig wirkungslos bezeichnet, da er im Magen von der Magensäure zersetzt werde und mögliche Wirksubstanzen bei der Verdauung zerstört würden.

- Das Deutsche Krebsforschungszentrum sieht nach derzeitigem Forschungsstand keine Belege für eine tumorspezifische Wirkung von Haiknorpel.

- Dr. Gerd Büschel von der Arbeitsgruppe Biologische Krebstherapie am Institut für Medizinische Onkologie in Nürnberg hat erklärt: ‚Was behauptet wird und was wirklich nachgewiesen ist, klafft weit auseinander. Es handelt sich hier einfach um überzogene Interpretationen.’“

(Quelle: Wikipedia, Literaturangaben siehe dort)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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In-vitro-Studie: Ginkgo schützt Nervenzellen

Donnerstag, März 3rd, 2011

Wenn Nervenzellen altern, vermindert sich die Aktivität ihrer Mitochondrien. Die Folge ist ein Energiemangel, der wiederum die Zellalterung der Neuronen und ein Nachlassen der Gehirnleistung fördert. Dieser Kreislauf lässt sich mit einem Ginkgo-Extrakt durchbrechen, wie Heidelberger Forscher in einem Zellmodell darlegen konnten.

Ein Merkmal des Älterwerdens ist, dass die Konzentration und andere kognitive Fähigkeiten nachlassen. Auslöser der abnehmenden Leistungsfähigkeit der Nervenzellen ist ein zunehmender Energiemangel, der durch Schäden der neuronalen Mitochondrien entsteht. Das haben Wissenschaftler der Universität Heidelberg herausgefunden, die den Alterungsprozess von Neuronen im Zellmodell imitiert haben. Da Adenosin-Triphosphat (ATP), der universelle Energielieferant des menschlichen Organismus, in den Mitochondrien gebildet wird, handelt es sich dabei um einen sich selbst verstärkenden Effekt.

»Bisherige Zellkulturmodelle zur Untersuchung neurodegenerativer Prozesse hatten den Nachteil, dass in ihnen eine akute und schnelle Störung des mitochondrialen Energiestoffwechsels ausgelöst wurde. Das entspricht jedoch nicht der In-vivo-Situation, wo die Schädigung der Zellen langsam zunimmt«, erläuterte Professor Dr. Jürgen Kopitz vom Pathologischen Institut der Universität Heidelberg bei einer von der Firma Schwabe gesponserten Veranstaltung auf Mallorca. Kopitz und seinen Kollegen gelang es, in ihrem Zellmodell eine langsam akkumulierende moderate Schädigung von Neuroblastomzellen auszulösen.

Im Heidelberger Zellmodell wurde deutlich, dass sich bei ATP-Mangel in den Mitochondrien der Oxidationsschutz vermindert. Oxidativer Stress und Lipidperoxidation können in der Folge Membrane, Proteine und DNA der Zellorganellen schädigen. »Anders als die DNA im Zellkern, verfügt die mitochondriale DNA über keine Reparaturmechanismen«, erklärte Kopitz. In ihrem Modell ließen die Heidelberger Wissenschaftler die Zellschädigung so weit akkumulieren, dass die Zellen am Ende den programmierten Zelltod (Apoptose) einleiteten.

Konzentration nur bedingt trainierbar

Kopitz und Kollegen konnten aufzeigen, dass der Ginkgo-biloba-Extrakt EGb 761 (Tebonin,  CH: Tebofortin, Tebokan) die Nervenzellen vor diesen schädigenden Einflüssen schützen kann. Dabei steht laut Kopitz der Schutz der Mitochondrienfunktion durch eine Steigerung des ATP-Spiegels im Mittelpunkt. In den Zellkulturen, die sie mit dem Ginkgo-Extrakt behandelt hatten, fanden die Forscher praktisch keine Apoptose. In weiteren Versuchen wollen die Wissenschaftler klären, welche Komponenten des Pflanzenextraktes für die beobachteten günstigen Wirkungen auf die Mitochondrienfunktion verantwortlich sind.

Mit Möglichkeiten zur Optimierung der Konzentration ohne pharmakologische Hilfsmittel beschäftigt sich Professor Dr. Karl Westhoff von der Technischen Universität Dresden. Westhoff zufolge hängt die Konzentration von diversen Variablen ab, die man nicht immer alle selbst beeinflussen kann. Lärm, Schmerzen, Ärger oder fehlende Motivation seien Beispiele für Bedingungen, welche die Konzentrationsfähigkeit stark einschränken, erklärte Westhoff. Besonders störend sind gemäss Westhoff überzogene Erwartungen, die andere oder man selbst an sich stellt. »Konzentration setzt eine bewusste Informationsverarbeitung voraus. Kein Mensch kann daher viele Dinge gleichzeitig machen, auf die er sich richtig konzentrieren muss«, sagte der Psychologe.

Die Fähigkeit zur Konzentration ist ein Persönlichkeitsmerkmal, das gemäss Westhoff nur bedingt trainierbar ist. In den üblichen Konzentrationstests muss der Proband einfache Aufgaben lösen, die keine speziellen Kenntnisse oder Fähigkeiten erfordern. Kriterien für die Güte der Konzentration sind die Schnelligkeit und die Anzahl der Fehler. Übt man Konzentrationstests, gewinnt man an Geschwindigkeit und macht auch etwas weniger Fehler. Diese Übungsgewinne bleiben über Wochen und Monate bestehen, betreffen jedoch immer nur den Bereich, auf dem geübt wurde. Eine allgemeine Verbesserung der kognitiven Funktionen lässt sich damit also nicht erzielen. Gemäss Westhoff existiert kein Konzentrationstest mit nachgewiesenen Transfereffekten. Optimale Rahmenbedingungen seien für eine gute Konzentration viel wichtiger als häufige Konzentrationsübungen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=36968&type=0 /

Kommentar & Ergänzung:

Ich bin unabhängig von Phytopharmaka-Herstellern jeder Art und damit auch von Wilmar Schwabe in Karlsruhe. Daher kann ich gut einmal hier ein Lob aussprechen. Schwabe investiert viel Geld und Fachwissen in die Ginkgo-Forschung. Dies im Gegensatz zu vielen Trittbrett-Fahrern, die nur Umsatz mit Ginkgo-Präparaten machen, ohne zum Wissensstand etwas beizutragen.

So sind denn auch die Arbeiten an der Universität Heidelberg interessant, wobei allerdings noch zwei Punkte anzufügen sind:

Erstens handelt es sich im Laborexperimente (In-vitro). Unklar bleibt damit, ob die beobachteten Effekte auch im Gehirn eines lebendigen Menschen stattfinden.

Zweitens wird aus dem Bericht nicht ersichtlich, ob und falls ja in welcher Fachzeitschrift die Resultate veröffentlicht worden sind. Die Präsentation an einer Pressekonferenz in Mallorca allein ist noch kein Gütesiegel.

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Pflanzenheilkunde: Granatapfel

Sonntag, Februar 27th, 2011

Der Granatapfel oder Grenadine gehört zum Obst. Bis vor wenigen Jahren zählte er bei uns noch nicht zu den Heilpflanzen. Inzwischen wird Granatapfel aber zunehmend erforscht und zeigt interessante Wirkungen.

Hier eine Zusammenfassung zum Granatapfel aus Wikipedia mit anschliessendem Kommentar.

Granatapfel botanisch:

„Der Granatapfel oder Grenadine (Punica granatum) ist eine Pflanzenart, die heute bei weiter Fassung der Familie der Weiderichgewächse (Lythraceae) zugerechnet wird. Die aus zwei Arten bestehende Gattung Punica bildet alleine die Unterfamilie Punicoideae (Horan.) S.A.Graham, Thorne & Reveal, manche Autoren führen sie auch noch als eigene monotypische Familie Punicaceae Horan. Ihre rote Frucht wird als Obst gegessen. Die Heimat des Granatapfels liegt in West- bis Mittelasien; heute wird er unter anderem im Mittelmeerraum angebaut.“

Granatapfel etymologisch:

„Die Bezeichnung des Granatapfels ist in vielen Sprachen auf das lateinische Wort für Kerne oder Körner, granae, bzw auf deren große Zahl (lat. granatus = körnig, kernreich) zurückzuführen. Den lateinischen Namen Punica bekam er im Römischen Reich, da die Phönizier (auch Punier genannt) diese Pflanze, zum Teil aus religiösen Gründen, verbreiteten.“

Granatapfel und seine Inhaltsstoffe:

„Granatäpfel zeichnen sich durch einen hohen Gehalt bioaktiver Inhaltsstoffe aus. Der Granatapfel enthält größere Mengen Flavonoide wie Anthocyane und Quercetin, Polyphenole vor allem Ellagitannine wie Punicalagin sowie Phenolsäuren wie Ellagsäure und Gallussäure. Er ist reich an Kalium und enthält unter anderem Vitamin C, Calcium und Eisen. Die Früchte reifen nach der Ernte nicht nach, sie zählen zu den nichtklimakterischen Früchten.“

Granatapfel und seine medizinische Bedeutung

Über 250 wissenschaftliche Studien zeigen, dass der Granatapfel eine positive Wirkung bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Arthritis haben könnte. Allerdings sind die meisten Studien nur auf Versuche mit Zellkulturen oder Tieren beschränkt. Die Übertragbarkeit auf den Menschen bleibt deshalb bis jetzt oft fraglich und muss in entsprechenden Studien belegt werden. Bisher wurden sieben klinische Studien (zum Teil randomisierte Doppelblind-Studien) zur Wirkung des Granatapfelsafts veröffentlicht, und eine Phase-3-Studie mit 250 Patienten mit Prostatakrebs ist noch nicht abgeschlossen.

Der Granatapfel verfügt, selbst im Vergleich zu Rotwein und Blaubeeren, über besonders viele und stark wirksame Polyphenole, welche vermutlich für die positiven gesundheitlichen Effekte verantwortlich sind. Bei Granatapfelprodukten gibt es beträchtliche Unterschiede bezüglich Qualität und Gehalt an wirksamen Polyphenolen.

In einer In-Vitro-Studie konnte eine Schutzwirkung durch Granatapfelsaft vor Brustkrebszellen festgestellt werden. Sie hemmen die Bildung von körpereigenen Östrogenen und führen bei östrogenrezeptor-positiven Brustkrebszellen zu einer Wachstumshemmung von 80 Prozent – ohne das Wachstum der gesunden Zellen zu beeinträchtigen. Fermentierter Granatapfelsaft ist dabei doppelt so wirksam wie frischer Saft. Auch auf Leukämiezellen wirken die Polyphenole aus fermentiertem Granatapfelsaft: Die Zellen bilden sich entweder zu gesunden Zellen zurück (Redifferenzierung) oder werden in den programmierten Zelltod (Apoptose) getrieben. Außerdem verhindern die Polyphenole, dass sich neue Blutgefäße bilden (Neoangiogenese) – das erschwert die Ausbreitung des Tumors.

Auch gegen Prostatakrebs scheinen die Polyphenole aus fermentiertem Granatapfelsaft besonders wirkungsvoll zu sein, wie eine Reihe von präklinischen Studien zeigen. In einer Studie konnten Prostatakrebs-Patienten durch den täglichen Konsum von Granatapfelsaft (570 mg Polyphenole) ihren PSA-Wert, den zentralen Biomarker bei Prostatakrebs, viermal länger konstant halten als vor der Behandlung: In der sechsjährigen Nachbeobachtungsphase stieg die PSA-Verdopplungszeit von 15,4 auf 60 Monate. Nach diesem Erfolg wird die Studie nun ausgeweitet. In einer Zellkultur-Studie aus dem Jahr 2008 konnte außerdem gezeigt werden, dass auch im Spätstadium des Prostatakrebses Granatapfelsaft noch einen positiven Effekt auf die Zellstruktur haben kann – die Übertragung der Ergebnisse auf den Krankheitsverlauf eines Menschen ist allerdings ohne weitere Untersuchungen nicht möglich. Ähnliche positive Effekte mit hormonunabhängigem Prostatakrebs traten in Tierstudien auf.

In einer doppelblinden, placebo-kontrollierten Studie an 45 Patienten mit koronarer Herzkrankheit erhöhte die tägliche Gabe von 240 ml des Saftes des Granatapfels die Herzmuskeldurchblutung signifikant.  Positive Effekte zeichneten sich auch bei einer Studie mit Patienten mit verengter Halsschlagader ab: Nach einem Jahr Granatapfelverzehr verminderten sich die Ablagerungen an der Halsschlagader um 35 %, während sie in der Kontrollgruppe deutlich zunahmen.“

Quelle: Wikipedia (Literaturangaben dort)

Kommentar & Ergänzung:

Eine interessante Stellungnahme zum Granatapfel kommt von Dr. med. Jutta Hübner, Sprecherin des Arbeitskreises komplementäre Onkologie in der Deutschen Krebsgesellschaft:

„In verschiedenen Laborexperimenten konnten Extrakt und Öl des Granatapfels das Wachstum von Tumorzellen vermindern. Dies wurde auch in einem Tierversuch bestätigt. Eine erste Untersuchung an Patienten mit Prostatakarzinom zeigte bei fortgeschrittenen Tumoren einen verlangsamten Anstieg des Tumormarkers PSA.“

Auch wenn diese Ergebnisse beachtenswert erscheinen, bleibt zu berücksichtigen, dass Laborexperimente und Tierversuche nicht ohne weiteres auf die Situation im krebskranken Menschen übertragen werden können. Ebenso beim PSA-Wert: Ein verlangsamter Anstieg kann als günstiger Einfluss des Granatapfels interpretiert werden. Die Veränderung eines Messwertes ist aber noch kein Beleg dafür, dass  Patienten mit Prostatakrebs von einer Granatapfel-Behandlung real profitieren. Um dies zu Belegen bräuchte es „härtere“ Kriterien, vor allem eine Verlängerung der Überlebenszeit.

Jutta Hübner weiter:

„Aufgrund des Phytoöstrogengehaltes ist der Einsatz von Granatapfelextrakten bei Patientinnen mit hormonsensitiven Tumoren nicht unproblematisch, da es zu einer Stimulation von Tumorzellen kommen könnte. Diese Vermutung wurde erst in einem Laborexperiment überprüft, das kein vermehrtes Wachstum von Tumoren zeigte. Trotzdem brauchen wir bei dieser wichtigen Frage erst weitere Untersuchungen, bevor wir die Einnahme von Extrakten als sicher einstufen können. Der gelegentliche Genuss eines Granatapfels ist sicherlich ungefährlich.“

Abschliessend schreibt Jutta Hübner zum Granatapfel:

„Zusammenfassend kann Granatapfel ein positiver Teil der gesunden Ernährung sein. Für die Einnahme eines Extraktes gibt es keine ausreichende Begründung. Bei Brustkrebs sind sogar negative Folgen nicht auszuschliessen; aber Granatapfelextrakt könnte günstig für eine Therapie bei Prostatakarzinomen sein.“

(Quelle: Jutta Hübner, Aloe, Ginkgo, Mistel & Co, Schattauer Verlag 2009, anschauen im Buchshop)

Anzufügen wäre noch: Granatapfel gehört zu den Antioxidantien. Hochdosierte Antioxidantien können möglicherweise während Chemotherapie und Strahlentherapie die Wirkung der Behandlung beeinträchtigen. Daher gilt als Grundsatz: Keine hochdosierte Einnahme von Antioxidantien während Chemotherapie / Strahlentherapie ohne Information der behandelnden Onkologin, des behandelnden Onkologen.

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