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Leinsamen als Blutdrucksenker?

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Eine Ernährung reich an Leinsamen soll gemäss einer Studie den Blutdruck senken.

Leinsamen enthält einen hohen Anteil an gesunden Omega-3-Fettsäuren, vor allem Alpha-Linolensäure, sowie Ballaststoffe und Lignane, die eine potente Kombination zur Erhaltung der Herzgesundheit sein könnten. Hauptsächlich für Patienten mit hohem Blutdruck (Hypertonie) und Arteriosklerose – eine Kombination, die oft schwerwiegende Ereignisse wie Herzinfarkt und Schlaganfall auslöst, könnten von der gefäßerweiternden Wirkung einer gesunden Ernährung mit Leinsamen Vorteile erlangen.

Forscher untersuchten nun im Rahmen einer Doppelblindstudie (FLAX-PAD-Studie), ob der tägliche Konsum von 30 g geschrotetem Leinsamen über einen Zeitraum von sechs Monaten den Blutdruck von Arteriosklerose-Patienten reduzieren kann. Gut die Hälfte der 110 Testpersonen verzehrte täglich Nahrungsmittel, die jeweils 30 g Leinsamen enthielten. Der Ernährungsplan enthielt unter anderem Bagels, Muffins, Riegel, Brötchen, Pasta und Biskuits. Die andere Hälfte der Probanden nahm die gleichen Nahrungsmittel zu sich, die aber kein Leinsamen, sondern geschroteten Weizen enthielten. Im Verlauf der Studie wurden die Probanden angehalten, wegen einer möglichen Verzerrung des Resultate nicht mehr als zwei Fischmahlzeiten pro Woche zu sich zu nehmen. Die Befolgung dieser Vorgabe durch die Testpersonen wurde regelmäßig durch die Untersuchung des Blutplasmas auf Docosahexaensäure, einer mehrfach ungesättigten Fettsäure, überprüft.

Nach sechs Monaten zeigten die Messungen, dass der obere (systolische) Blutdruck in der Leinsamen-Gruppe im Mittel signifikant von 143 auf 136 mm Hg vermindert war, während die Werte sich in der Placebo-Gruppe sogar leicht erhöht hatten (von 142 auf 146 mm Hg). Auch hinsichtlich des unteren (diastolischen) Blutdrucks profitierten die Probanden in der Interventionsgruppe vom täglichen Konsum Leinsamen-haltiger Lebensmittel (Reduktion um rund 10 %). Bei den Probanden der Placebo-Gruppe veränderten sich diese Werte so gut wie nicht.

Der Studienleiter Dr. Rodriguez schlussfolgert, dass durch die Anreicherung des täglichen Lebensmittelverzehrs mit 30 g Leinsamen die Hälfte der Schlaganfälle und ein Drittel der Herzinfarkte vermeidbar wären.

Verantwortlich für die blutdrucksenkende Wirkung des Leinsamens machen die Forscher das synergistische Zusammenspiel der Wirkkomponenten Alpha-Linolensäure, Enterolignan, Ballaststoffe und Peptide. Den genauen Wirkmechanismus, die langfristigen Effekte und Vorteile einer mit Leinsamen angereicherten Ernährung für die Herzgesundheit müssen allerdings in weiteren Studien noch genauer untersucht werden.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/blutdrucksenker-leinsamen.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24126178

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21616170

Kommentar & Ergänzung:

Einen „ausgewachsenen“ Bluthochdruck wird man mit einer Leinsamen-Supplementation kaum unter Kontrolle bringen und Blutdrucksenker nicht vermeiden können. Nicht auszuschliessen wäre aber, dass sich über längere Zeit eingenommen damit eine Blutdrucksenkung erzielen lässt, die eine Reduktion der Medikamente möglich macht.

Auch bei einer grenzwertigen Hypertonie könnte eine Leinsamen-Zulage sinnvoll sein.

Wenn der Studienleiter schlussfolgert, mit 30 g Leinsamen pro Tag könnten ein Drittel der Herzinfarkte und die Hälfte aller Schlaganfälle vermieden werden, dann scheint mir das sehr optimistisch und es wäre wohl eine Nobelpreis-würdige Entdeckung, wenn es wirklich so wäre.

Schlussfolgern ist hier einfach, belegen schwierig.

Einen (Blutdruck-)Messwert zu verändern mag ja schön und gut sein. Entscheidender wäre aber der Zielpunkt, dass weniger Todesfälle durch Herzinfarkt und Schlaganfall auftreten. Um so etwas zu belegen, müsste die Studie aber wohl deutlich länger andauern und mit einer deutlich grösseren Probandenzahl durchgeführt werden.

P. S. Wenn Sie die positiven Wirkungen von Leinsamen auf den Blutdruck nutzen möchten, müssen Sie – wie in der Studie – geschrotete Leinsamen verwenden. Aus ganzen Leinsamen werden keine Omega-3-Fettsäuren in den Organismus aufgenommen.

Aus geschroteten Leinsamen werden zudem Phytoöstrogene aus der Gruppe der Lignane aufgenommen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Leinöl als Omega-3-Fettsäurelieferant gesund, aber kein Ersatz für Fisch

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Die Ernährungswissenschaftlerin Melanie Köhler von der Universität Jena bekommt den Alpro-Foundation-Award 2013. Dieser Forschungspreis ist mit 2.500 Euro dotiert und wird auf dem 50. Wissenschaftlichen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn verliehen.

Melanie Köhler untersuchte in einer Humanstudie, ob Leinöl an Stelle von Seefisch als Omega-3-Fettsäurelieferant genutzt werden kann. Leinöl wurde ausgewählt, weil es speziell reich an Alpha-Linolensäure ist. Diese Fettsäure kann vom menschlichen Organismus in die langkettigen und gesundheitsprotektiven Omega-3-Fettsäuren umgebaut werden. Köhlers Versuchspersonen waren durchschnittlich 62 Jahre alt. Sie litten alle an Bluthochdruck und Übergewicht. Ausserdem waren Störungen des Blutzuckerstoffwechsels vorhanden.

Die Resultate der preisgekrönten Studie mit dem Titel „Verbesserung des n-3-Status durch die Supplementation von Alpha-Linolensäure und Auswirkungen auf kardiovaskuläre Risikomarker bei Probanden mit Prä-Metabolischem Syndrom” sagen aus, dass sich Leinöl als ergänzendes Nahrungsmittel eignet. Den Seefisch kann es jedoch nicht ganz ersetzen.

Die Studienteilnehmer – neun Männer und zehn Frauen – erhielten acht Wochen lang jeden Tag zwei Esslöffel Leinöl. Während der Studiendauer durften die Probanden zudem keinen Fisch konsumieren. Beim Vergleich der Werte vom Start der Studie und nach den acht Wochen zeigten sich ca. doppelt so viele Omega-3-Fettsäuren im Blut, erklärt Melanie Köhler. Außerdem waren die Blutdruckwerte tiefer und die Blutfette verbessert.

Köhlers Studie war Teil einer DFG-geförderten Untersuchung zu Omega-3-Fettsäuren, die unter der Leitung von Dr. Katrin Kuhnt steht. Sie hat zum Zweck, alternative pflanzliche Omega-3-Lieferanten zu finden. Hintergrund dieser Forschung ist die Tatsache, dass wegen der steigenden Weltbevölkerung das Nahrungsmittel Fisch knapp zu werden droht.

Köhler erklärt dazu, dass angesichts leergefischter Weltmeere auch Fisch aus Aquakultur derzeit keine Alternative sei, denn der Fisch aus Wildfang enthalte deutlich mehr Omega-3-Fettsäuren. Hinzu komme, dass manche Menschen auf Fisch verzichten, insbesondere Vegetarier. Doch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt zwei Mal wächentlich Fisch zu essen. Die gesundheitsfördernden Fettsäuren kommen insbesondere in fettem Seefisch wie Hering, Lachs, Sardelle oder Makrele vor.

Der Alpro-Foundation-Award wird von der Alpro Foundation jährlich jeweils an einen Nachwuchswissenschaftler aus Belgien, Italien, Niederlande, Irland und Deutschland verliehen. Ausgezeichnet wird die beste Abschlussarbeit, die sich mit dem Einfluss pflanzlicher Nahrungsmittel beziehungsweise deren Inhaltsstoffen auf die Gesundheit, die Umwelt oder die Wirtschaft auseinandersetzt.

Quelle:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=40299

Friedrich-Schiller-Universität Jena

Kommentar & Ergänzung:

Leinöl (Leinsamenöl) ist ein Pflanzenöl, das aus Leinsamen gewonnen wird, den reifen Samen von Öllein (Linum usitatissimum). Die Phytotherapie verwendet Leinsamen vor allem als mildes Abführmittel aufgrund ihres Gehaltes an Schleimstoffen. Leinöl wird dabei nur von Organismus aufgenommen, wenn der Leinsamen geschrotet wird. Nimmt man den Leinsamen ganz ein, tritt nur der abführende Schleim aus und das Körnchen geht ganz und unverdaut wieder weg.

Geschroteter Leinsamen wird allerdings ziemlich rasch ranzig, weil das Leinöl so mit dem Luftsauerstoff zusammentrifft.

Neben seiner wichtigen Bedeutung als Nahrungsmittel hat Leinöl auch technische Anwendungsbereiche.

Es ist das wichtigste Bindemittel für Ölfarben und dient als natürlicher Holzschutz zur Konservierung.

Leinöl neigt bereits bei Raumtemperatur zur Selbstentzündung. Eine unsachgemäße Handhabung von mit Leinöl getränkten Lappen und Pinseln verursacht deshalb in Schreinereien und Malerwerkstätten immer wieder Brände.

Mit Leinöl getränkte Textilien sollten deshalb unbedingt auf nicht brennbarer Fläche flach zum Trocknen ausgelegt oder in einem luftdichten Behälter (Schraubglas, Metalldose) aufbewahrt oder kontrolliert verbrannt werden.

Leinöl soll nicht zum Braten verwendet werden.

Siehe:

Distelöl und Leinöl nicht zum Braten benutzen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Alternativmedizin: Globulisierung des Kreißsaals?

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Die „Süddeutsche“ publizierte unter dem Titel „Globulisierung des Kreißsaals“ einen ausführlichen Artikel über die Anwendung von Alternativmedizin in der Geburtshilfe durch  Hebammen:

„Viele Hebammen suggerieren, ohne Homöopathie, Aromatherapie, Akupunktur oder andere sogenannte alternative Behandlungen könne kein Kind zur Welt kommen. Schwangere lassen sich häufig darauf ein, weil diese Mittel als natürlich und dadurch automatisch als sicher gelten. Aber stimmt das überhaupt?“

Der Artikel spitzt an einigen Stellen für meinen Geschmack etwas allzu polemisch zu. Auch würde ich mich sehr dagegen wehren, wenn es darum gehen sollte, den Hebammenberuf generell zu diffamieren. Dieser Beruf soll seinen Stellenwert behalten und an machen Punkten meines Erachtens sogar ausbauen können.

Die „Süddeutsche“ spricht aber tatsächlich ein verbreitetes Phänomen an, das eine ganze Reihe von Fragen aufwirft.

Dazu Zitate aus dem Artikel mit Bezug zur Phytotherapie / Pflanzenheilkunde:

(Quelle: http://www.sueddeutsche.de/wissen/alternativmedizin-die-globulisierung-des-kreisssaals-1.1197133-4)

„In der 34. Schwangerschaftswoche nimmt der Wahnsinn Schwung auf. Von dieser Zeit an sollte die Frau täglich drei bis vier Tassen Himbeerblättertee trinken, einen Esslöffel geschrotete Leinsamen essen und den Damm regelmäßig mit einer Mischung aus Johanniskraut- und Weizenkeimöl unter Zugabe von Muskatellersalbei- und Rosenöl massieren.“

Die Tipps mit den Himbeerblättern und den Leinsamen stammen von der Hebamme Ingeborg Stadelmann. Gegen die Kritik, die Wirksamkeit solcher Therapien sei nicht belegt, wehrt sich Ingeborg Stadelmann:

„Es handele sich um traditionelles Wissen, das durch Erfahrung ausreichend überprüft worden sei, lautet das Gegenargument des stolzen und vielleicht auch etwas störrischen Berufsstandes der Hebammen. ‚Auf evidenzbasierte Medizin lasse ich mich nicht ein’, sagt etwa Stadelmann, ‚wir Hebammen kommen aus der Erfahrungsmedizin und was seit Jahrzehnten erfolgreich ist, kann nicht falsch sein.’“

In diesen Aussagen gibt es gleich mehrere Punkte, an denen sehr kritisches Nachhaken nötig ist.

1. Ich lasse mich gerne belehren. Aber die von Ingeborg Stadelmann zur Geburtserleichterung propagierten Heilpflanzen-Anwendungen Himbeerblättertee und Leinsamen basieren meines Erachtens nicht auf traditionellem Wissen. Ich befasse mich intensiv mit der Geschichte der Pflanzenheilkunde. Himbeerblättertee und Leinsamen für diesen Anwendungsbereich sind mir noch nie begegnet. Wer sich auf traditionelles Wissen beruft und derart ausgefallene Angaben dazu macht, sollte meiner Ansicht nach zumindestens angeben, woher er bzw. sie dieses Wissen hat (Quellenangabe).

2. Tradition allein reicht nicht als Begründung, weil Tradition sich schon tausendmal geirrt hat. Die Medizingeschichte ist voll von Irrtümern, ebenso die Geschichte der Hebammenkunst.

Sieh dazu auch:

Komplementärmedizin: Hat Tradition Recht?

3. „Erfahrungsmedizin“ ist zwar ein gutes Schlagwort, aber auch „Erfahrung“ genügt nicht als Begründung. „Erfahrung“ zeigt den Irrtum nicht einfach so. Unsere Theorien und Überzeugungen steuern, welche Erfahrungen wir machen. Unsere Theorien und Überzeugungen beeinflussen die Interpretation unserer Erfahrungen. Und unsere Theorien und Überzeugungen sind massgeblich dafür, welche unserer Erfahrungen wir erinnern – diejenigen, die mit unseren Theorien und Erfahrungen kompatibel sind – und welche wir vergessen – nämlich diejenigen, die unseren Theorien und Erfahrungen widersprechen.

Sieh auch:

Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung

Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung

4. Zu hoffen ist einfach, dass Ingeborg Stadelmann wenigstens dann nicht ganz auf Erkenntnisse der evidenzbasierten Medizin verzichtet, wenn es ernsthaft um Geburtshilfe geht, zum Beispiel um Blutstillung. Evidenzbasierte Medizin versucht ja nur herauszufinden, welche Massnahmen wirksam sind und welche nicht. Eine Hebamme, welcher diese Unterschiede egal sind, wäre fraglos ein Risiko für Mutter und Kind. Aber vielleicht ist das ja ein alternativer Trend – Traditionelle Hebammenkunst (THK), sanft und natürlich wie vor 400 Jahren…..

5. Ingeborg Stadelmann begründet die Anwendung von Himbeerblättertee in Buch „Hebammensprechstunde“ so:

„Die Himbeerblätter in der Rezeptur helfen allen schwangeren Frauen zur Auflockerung der Muskulatur im kleinen Becken. Der gesamte Stoffwechsel erhält Unterstützung., der Ausscheidungsprozess über den Darm wird auch durch die Himbeerblätter angeregt.“

(Seite 33, Für die mittleren drei Monate der Schwangerschaft empfohlen)

Kommentar:

Auflockerung der Muskulatur im kleinen Becken? In der Phytotherapie ist bisher keine Heilpflanze und kein Wirkstoff bekannt, der diesen Effekt auslösen könnte. Und die Muskulatur wird nur im kleinen Becken aufgelockert? Selektiv die Beckenbodenmuskulatur? ? Schwer vorstellbar. Oder generell alle Muskeln? Hat das dann nicht auch unerwünschte Nebenwirkungen? Wird damit nicht die Rückbildung schwieriger nach der Geburt? – Ich selber glaube nicht an solche Risiken, weil ich nicht von einer muskelauflockernden Wirkung der Himbeerblätter ausgehe. Aber wenn man wie Ingeborg Stadelmann davon überzeugt ist, dass Himbeerblättertee die Muskeln auflockert, müsste man sich diese Fragen schon stellen.

„Eine Teekanne mit Himbeerblättertee, da dieser die Wehentätigkeit gut unterstützt.“

(Seite 112, für die letzten sechs Wochen der Schwangerschaft empfohlen)

Kommentar:

Wehentätigkeit unterstützen in den letzten sechs Wochen der Schwangerschaft. Könnte das nicht zu einer Frühgeburt führen? Warum nicht erst vor dem Geburtstermin?

„Himbeerblättertee

Ab der vollendeten 34. Schwangerschftswoche rate ich zum regelmässigen Genuss von Himbeerblättertee….Die Wirkungsweise der Himbeerblätter bei Schwangeren ist noch nicht wissenschaftliche bewiesen. Es gibt jedoch sehr viele Hebammen, die auf Himbeerblättertee schwören, und das ist Beweis genug. Wir Hebammen sagen diesem Kraut nach, dass es die Muskulatur des kleinen Beckens stark auflockert. Es ist bekannt, dass Himbeerblätter auf die glatte Muskulatur des Darmes eine entgiftende und entschlackende Wirkung besitzen. Das bedeutet, dass der Stoffwechselprozess über den Darm angeregt  wird und die Entschlackung trägt dazu bei, dass der ganze Körper gesund bleibt. Ein gesunder Körper wiederum ist fähig, eine Geburt in einem normalen Zeitraum zu leisten. Eine regelmässige Darmtätigkeit bedeutet zudem eine gute Darmperistaltik, und da der Darm direkt an der Gebärmutterwand entlang verläuft, wird die Uterusmuskulatur dabei ständig mit angeregt, aktiv zu sein. Dies ist sicher der Grund dafür, dass den Himbeerblättern eine wehenfördernde Wirkung zugeschrieben wird. Immer wieder berichten mir Frauen, dass sie einen Hautausschlag am Bauch beobachten, seit sie Himbeerblättertee trinken. ….Dieser Hautausschlag ist ein Zeichen dafür, dass ein Entgiftungsprozess in Gang gekommen ist, aber Leber und Nieren mit dem Ausscheidungsprozess überfordert sind und die Haut als Ausscheidungsorgan benutzt wird. Hautausschlag und eventueller Juckreiz müssen nicht immer als Allergie bezeichnet werden, wir müssen wieder lernen, die Haut als Ausscheidungsorgan des Körpers zu betrachten und diese nicht zu unterdrücken. Es ist ein völlig normaler und gesunder Prozess, wenn Giftstoffe bis auf die Haut nach aussen vordringen und nicht mehr im Innersten unseres Körpers abgelagert werden. Nach einiger Zeit vergeht dieser Ausschlag meistens wieder.“

(Seite 126, In den letzten sechs Wochen der Schwangerschaft empfohlen)

Kommentar:

Schauen wir uns diesen Abschnitt Schritt für Schritt an:

„Es gibt jedoch sehr viele Hebammen, die auf Himbeerblättertee schwören, und das ist Beweis genug.“

Nein, das genügt nicht. Dogmatische Behauptungen reichen nicht. Ich erwarte gar keine Beweise. Nur eine gewisse Plausibiliät. Es ist eine Frage der Würde, dass man plausible, nachvollziehbare Begründungen liefert und bekommt. Das ist unter anderem die Basis einer demokratischen Gesellschaftsordnung. Dogmatische Behauptungen aufstellen und dogmatische Behauptungen fraglos akzeptieren, das gehört in eine Diktatur oder in ein Guru-System. Wenn „sehr viele Hebammen..auf Himbeerblättertee schwören, dann zeigt das meines Erachtens nur, dass sehr viele Hebammen ohne nachzudenken Ingeborg Stadelmann nachbeten. Das halte ich für fragwürdig und unprofessionell.

„Wir Hebammen sagen diesem Kraut nach, dass es die Muskulatur des kleinen Beckens stark auflockert. Es ist bekannt, dass Himbeerblätter auf die glatte Muskulatur des Darmes eine entgiftende und entschlackende Wirkung besitzen.“

Was heisst hier „Wir Hebammen…“? Alle?

Und nochmals: Muskelauflockerung selektiv im kleinen Becken? Weder in der Tradition noch in der modernen Phytotherapie ist meines Wissens „bekannt“, dass Himbeerblätter auf die glatte Muskulatur des Darms eine „entgiftende und entschlackende Wirkung“. Ingeborg Stadelmann ist meines Eindruck nach die erste, die das so behauptet hat, und viele Anhängerinnen beten das gläubig nach.

Um welche Gifte soll es sich dabei handeln? Und wie genau soll die Muskulatur durch entgiften und entschlacken aufgelockert werden? Sehr abenteuerliche Phantasie. Immer wenn von „Schlacken“ die Rede ist, ist grösste Skepsis angebracht, weil niemand erklären kann, was denn genau diese Schlacken sein sollen.

Siehe:

Entschlackung – was ist das?

Entschlackung – unnötig und ungesund

Schlackenstoffe – ein Phantom macht Karriere

Entgiften und Entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

„Das bedeutet, dass der Stoffwechselprozess über den Darm angeregt  wird und die Entschlackung trägt dazu bei, dass der ganze Körper gesund bleibt………Eine regelmässige Darmtätigkeit bedeutet zudem eine gute Darmperistaltik, und da der Darm direkt an der Gebärmutterwand entlang verläuft, wird die Uterusmuskulatur dabei ständig mit angeregt, aktiv zu sein. Dies ist sicher der Grund dafür, dass den Himbeerblättern eine wehenfördernde Wirkung zugeschrieben wird.“

Das ist nebulöses Gerede: Welche Stoffwechselprozesse werden über den Darm angeregt? Wie trägt Entschlackung (welche „Schlacken?) dazu bei, dass der ganze Körper gesund bleibt? Und dass eine regelmässige Darmtätigkeit eine gute Darmperistaltik bedeutet, ist ziemlich banal. Das die Darmperistaltik möglicherweise die Uterusmuskulatur beeinflusst, würde ich nicht ausschliessen. Es gibt aber keine Hinweise dafür, dass Himbeerblätter die Darmperistaltik anregt, also wird er auf diesem Weg auch kaum wehenfördernd wirken. Sollte Himbeerblättertee aber tatsächlich wehenfördernd wirken, wären auch Situationen denkbar, in denen er kontraindiziert sein müsste.

„ Immer wieder berichten mir Frauen, dass sie einen Hautausschlag am Bauch beobachten, seit sie Himbeerblättertee trinken. ….Dieser Hautausschlag ist ein Zeichen dafür, dass ein Entgiftungsprozess in Gang gekommen ist, aber Leber und Nieren mit dem Ausscheidungsprozess überfordert sind und die Haut als Ausscheidungsorgan benutzt wird. Hautausschlag und eventueller Juckreiz müssen nicht immer als Allergie bezeichnet werden, wir müssen wieder lernen, die Haut als Ausscheidungsorgan des Körpers zu betrachten und diese nicht zu unterdrücken. Es ist ein völlig normaler und gesunder Prozess, wenn Giftstoffe bis auf die Haut nach aussen vordringen und nicht mehr im Innersten unseres Körpers abgelagert werden. Nach einiger Zeit vergeht dieser Ausschlag meistens wieder.“

Welche Giftstoffe kommen da zur Haut raus und zeigen sich als Hautausschlag?  Hier werden meines Erachtens der Schwangeren „Giftstoffe“ eingeredet. Frauen sind ja in der Geschichte immer wieder als unrein und giftig hingestellt worden. Eine „schöne“ Tradition, die Ingeborg Stadelmann hier weiterführt.

6. Zur Empfehlung von Leinsamen schreibt Ingeborg Stadelmann:

„Ebenfalls ab der 34. Schwangerschaftswoche ist es ratsam, täglich einen Esslöffel geschroteten Leinsamen zu essen. Der Volksmund sagt dem Leinsamen nach, dass er die Kinder ‚flutschen’ lässt. Leinsamen hat eine gute Wirkung auf die Schleimhäute, Am bekanntesten ist die Reaktion der Darmschleimhaut. Viele Schwangere bestätigen die schleimfördernde Wirkung im Bereich der Scheidenschleimhäute. Bei regelmässigem Verzehr von frisch geschrotetem Leinsamen tritt eine vermehrte Scheidenschleimproduktion auf, deren geburtsfördernde Wirkung sicher allen Frauen einleuchtet. Die ebenfalls bekannte stuhlregulierende Wirkung hat sicher denselben Effekt auf die Uterusmuskulatur wie die Wirkung der Himbeerblätter, d. h. durch die verstärkte Peristaltik wird die Gebärmuttermuskulatur mit angeregt. Bitte achten Sie bei der Verwendung von geschrotetem Leinsamen darauf, dass sie ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen, da sonst eher das Gegenteil eintritt, nämlich Verstopfung. Wichtig zu wissen scheint mir, dass bei Verwendung von nur einem Esslöffel keine abführende, sondern eine stuhlregulierende Wirkung eintritt.“

(Seite 126)

Kommentar:

Im „Volksmund“ verbreitet ist dieser Tipp meinem Eindruck nach erst seit ihn Ingeborg Stadelmann propagiert – tausendfach unkritisch abgeschrieben ist er zu finden im Internet.

Als Begründung für diese angebliche Wirkung wird meistens darauf hingewiesen, dass die Leinsamen selbst viel Schleim enthalten.

Dazu ist allerdings zu sagen, dass der Leinsamenschleim aus dem Verdauungstrakt nicht resorbiert wird. Wie also soll er in der Scheide für mehr Schleim sorgen?

Und wie bei den Himbeerblättern stellt sich die Frage, ob es sich um eine selektive Wirkung handelt.

Soll der Leinsamen selektiv nur in der Scheide die Schleimproduktion anregen? Warum nicht auch in den Bronchien, in der Nase? Das müsste doch den langjährigen Leinsamenkonsumenten aufgefallen sein. Eine spezifische Steigerung der Schleimproduktion in der Scheide ist nur vorstellbar über irgendeinen spezifischen hormonellen Vorgang (der aber als Begründung für diesen Tipp meines Wissens noch nie postuliert wurde).

Leinsamen enthält Phytoöstrogene vom Lignan-Typ. Das körpereigene Östrogen sorgt gegen Ende der Schwangerschaft dafür, dass sich im Geburtskanal vermehrt Schleim bildet, der sogenannte Zervixschleim. Gegen Ende der Schwangerschaft steigt die Östrogenausschüttung allerdings sowieso an.

Ob da ein bisschen Lignan auf dem Hintergrund des hohen  körpereigenen Östrogenspiegels noch eine Rolle spielt, ist sehr fraglich. Warum trauen die Leinsamen-propagandierenden Hebammen um Ingeborg Stadelmann hier nicht den natürlichen Vorgängen? Warum braucht es einen „Eingriff“ von aussen? Wird damit nicht das Vertrauen in die Kompetenz des eigenen Organismus in Frage gestellt?

Wenn Ingeborg Stadelmann schreibt, dass zahlreiche Schwangere die schleimfördernde Wirkung des Leinsamens bestätigen, dann fragt sich, wie diese Schwangeren denn unterscheiden zwischen der natürlichen Erhöhung der Schleimproduktion durch ihren eigenen Östrogenspiegel und der allenfalls „künstlich“ ausgelösten durch die Leinsamen-Einnahme.

Die günstige Wirkung von Leinsamen auf die Darmschleimhaut würde ich nicht bestreiten. Sie kommt aber zustande, weil der Leinsamenschleim eine entzündete Schleimhaut abdeckt. Das ist ein ganz anderer Vorgang als eine Steigerung der Schleimproduktion in der Scheide.

Und die Wirkung der Leinsamen gegen Verstopfung kommt durch einen Quelleffekt der Schleimstoffe zustande und durch die damit bewirkte Volumenzunahme des Darminhaltes. Diesen Effekt gleichzusetzen mit den schleimlosen Himbeerblättern, von denen keine abführende Wirkung bekannt ist, scheint mir ziemlich verwegen.

Dass sich eine starke Anregung der Darmperistaltik auf die Uterusmuskulatur übertragen kann, ist vorstellbar. Das ist mit ein Grund, weshalb starke Abführmittel in der Schwangerschaft möglichst vermieden werden. Leinsamen wirkt allerdings sehr mild. Würde Leinsamen tatsächlich wie von Ingeborg Stadelmann beschreiben die Uterusmuskulatur anregen, müsste auch ein allfälliges Risiko für Frühgeburten beachtet werden.

Fazit: Die Empfehlungen von Ingeborg Stadelmann zu Himbeerblättertee und Leinsamen sind phytotherapeutisch gesehen meines Erachtens wirr, fragwürdig und unglaubwürdig. Sie bringen so ziemlich alles durcheinander, was durcheinander zu bringen ist.

Hauptsache man kann als Hebamme etwas Natürliches anbieten. Das kommt den Bedürfnissen vieler Frauen nach natürlicher Hilfe entgegen und den Bedürfnissen der Hebammen, solche Hilfen anzubieten. Das kann einen günstigen Effekt auf die Beziehung zwischen Hebamme und Gebärender haben. Es ist dann quasi eine vertrauensbildende Massnahme.

Ich will den Wert solcher vertrauensbildender Rituale keinesfalls schmälern. Eine andere Frage ist aber, ob das darauf basierende Vertrauen wirklich gerechtfertigt ist, wenn eine Hebamme unkritisch und unhinterfragt derartigen fachlichen Humbug übernimmt und an die Schwangere weitergibt. Ich selber hätte jedenfalls Vorbehalte gegen eine solche Hebamme. Ich würde mich fragen, wie sorgfältig sie in anderen Bereichen mit fachlichem Wissen umgeht.

Ich wünsche mir von Hebammen in diesem Bereich eine kritischere Auseinandersetzung mit derartigen Empfehlungen und sage zugleich noch einmal, dass ich diesen Berufstand schätze und in seinen gesundheitspolitischen Anliegen unterstütze.

Siehe auch:

Naturheilkunde-Ausbildung: Mehr kritisches Denken – weniger blinden Dogmatismus

Komplementärmedizin: Genauer nachdenken, differenzierter argumentieren

Pflanzenheilkunde: Kritische Reflexion statt Missionarismus

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Komplementärmedizin: Mehr Argumente, weniger fraglose Gläubigkeit

Naturheilkunde: Kritische Fragen unerwünscht?

Mehr Kontroverse in Komplementärmedizin, Naturheilkunde, Pflanzenheilkunde

Komplementärmedizin – Naturheilkunde – Pflanzenheilkunde: Nachfragen statt blind glauben

Naturheilkunde: Selber denken statt blind glauben

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Heilpflanzen-Anwendungen bei Krebs

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Prof. Dr. Josef Beuth vom Institut zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren an der Universität Köln sprach am 6. Iserlohner Gesundheitstag über „Alternative Heilmethoden bei Krebs“.

Diagnose Krebs: Oft trifft sie den Patienten völlig unerwartet und ist mit Schrecken verbunden. Nicht selten greifen betroffene Menschen nach jedem Strohhalm, der Heilung verspricht. „Es gibt eine ganze Menge Mist auf dem Markt“, sagt Prof. Josef Beuth. Er gründete 1999 das Institut zur wissenschaftlichen Evaluation naturheilkundlicher Verfahren nach amerikanischem Vorbild an der Universität Köln.

Beuth war Präsident der deutschen Gesellschaft für Onkologie.

Er arbeitet mit drei Säulen: zum einen die Verringerung von Nebenwirkungen durch Krebs-Therapien, dann die Intensivierung der Therapie und zum Dritten die Vorbeugung.

Prof. Beuth kam auch auf Heilpflanzen-Anwendungen zu sprechen, welche Nebenwirkungen von Chemotherapien lindern können:

– Ananas enthält das Enzym Bromelain, welches Mundschleimhautentzündungen (Mukositis) lindert. Details dazu hier:

Phytotherapie kann bei Krebs manche Beschwerden lindern

– Die häufig bei Chemotherapien auftretende Übelkeit behandelt Prof. Beuth mit Ingwerwasser. Weitere Infos siehe hier:

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

– „Die neuen Chemos haben andere Nebenwirkungen – also nicht mehr den Haarausfall – dafür aber das Hand-Fuß-Syndrom, wobei es zu Rissen, Entzündungen und höllischen Schmerzen kommen kann. Standardtherapien helfen hier nicht weiter“, erklärt Beuth. Er rät dann zu einem Bad der betroffenen Stellen in geschrotetem Leinsamen.

Zubereitungshinweise siehe hier:

Phytotherapie kann bei Krebs manche Beschwerden lindern

Quelle:

http://www.derwesten.de/ikz/aktionen/Krebs-ganzheitlich-behandeln-id3874172.html

Kommentar & Ergänzung:

Zur Zubereitung von Ingwertee / Ingwerwasser:

5-10 Scheiben frischen Ingwer (1 –1.5 Gramm) in kochendes Wasser geben und etwa 5 -10 Min. ziehen lassen. Täglich mehrere Tassen trinken.

Die Aussage von Prof. Beuth, dass es „eine ganze Menge Mist auf dem Markt“ gebe, ist leider nur allzu wahr. Es geistern unzählige durchgeknallte Heilerinnen und Heiler in der Gegend herum, die behaupten, Krebs heilen zu können, und das selbstverständlich sanft und ohne Nebenwirkungen……

Hier werden im Bereich Alternativmedizin / Komplementärmedizin massiv Ängste und Hoffnungen ausgenutzt – nicht von allen, aber auch nicht von wenigen.

Meiner Ansicht nach braucht es mehr kritische Auseinandersetzung mit dieser grössenwahnsinnigen und menschenverachtenden „Szene“ – und weniger blinde Wundergläubigkeit.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: Verstopfung bei Kindern

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Eltern verlangen heute vermehrt nach natürlichen Alternativen in der Behandlung ihrer Kinder. Heilpflanzen-Präparate kommen diesem Bedürfnis entgegen. Prof. Karin Kraft hat sich in der Zeitschrift „ Kinderärztliche Praxis“ zu Verträglichkeit, Akzeptanz und Dosierung von Phytotherapeutika in der Kinderheilkunde geäussert:

In ihrem Artikel kommt sie auch auf das Thema Verstopfung (Obstipation) zu sprechen:

„Bei der Obstipation des Kindesalters sind zunächst morphologische Anomalien auszuschließen, die kaum auf Phytotherapie ansprechen. Funktionelle Störungen und die so genannte „habituelle“ Obstipation sollten kombiniert, d.h. mit Phytotherapie, aber auch mit Stuhltraining, Ernährungsumstellung und Bewegung behandelt werden. Phytotherapeutisch eignet sich nicht geschroteter Leinsamen (1,5 Esslöffel pro Tag). Für die Volumenzunahme, die für den Dehnungsreiz verantwortlich ist, sind pro Esslöffel 150ml Flüssigkeit erforderlich. In gleicher Weise wirken Flohsamen(-schalen). Anthranoid-Drogen wie Faulbaumrinde, Rhabarberwurzel, Aloe und Sennesfrüchte und -blätter sollten im Kindesalter möglich gemieden werden, insbesondere auch in der Langzeitanwendung.“

Kinderärztliche Praxis, Heft 05, 2008 Jahrgang 79

Seite: 282-289

Autor: Prof. Dr. med. Karin Kraft

Kommentar & Ergänzung:

Prof. Dr. med. Karin Kraft ist Inhaberin des Lehrstuhles für Naturheilkunde an der Universität Rostock und eine wichtige Vertreterin der universitären Phytotherapie im deutschsprachigen Raum.

Ergänzt werden könnte noch:

– Flohsamen quellen stärker als Leinsamen. An stärksten quellen die Flohsamenschalen. Die Quellungszahlen: Leinsamen 4, Flohsamen mindestens 10, Flohsamenschalen mindestens 40. Die Quellungszahl gibt an, um welchen Faktor sich das Volumen beim Quellen in Wasser vergrössert.

Die Quellungszahl 4 von Leinsamen bedeutet beispielsweise: 1 g Leinsamen ergeben beim Quellen in Wasser nach vier Stunden 4 Mililiter Volumen, bestehend aus Leinsamen inklusive dem anhaftenden Schleim.

Sinnvoll wäre es, bei höheren Quellzahlen wie bei den Flohsamenschalen auch mehr wässrige Flüssigkeit zuzuführen. Milch eignet sich nicht zur Quellung von Schleimpflanzen.

– Anthranoid-Drogen wie Faulbaumrinde, Rhabarberwurzel, Aloe, Sennesfrüchte und Sennesblätter sollten auch im Erwachsenenalter nicht zur Langzeitanwendung eingesetzt werden. (Als „Drogen“ werden in diesem Zusammenhang „getrocknete Heilpflanzen“ bezeichnet).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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