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Wissenschaftler wollen von Heilern in Afrika lernen

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Forscher der Universität Halle wollen von afrikanischen Heilern lernen und untersuchen zu diesem Zweck deren medizinisch genutzte Pflanzen.

Untersucht werden sollen Pflanzen aus Äthiopien, Botswana und Tansania mit dem Ziel, Aids, Tuberkulose und Wurmerkrankungen zu bekämpfen. Das Projekt wird vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung über vier Jahre mit 800.000 Euro gefördert, beteiligt sind auch Hochschulen und Unternehmen in Afrika.

Projektleiter Peter Imming vom Institut für Pharmazie der Uni Halle erklärt dazu:

«Wir wollen ökologisch gefährdete, therapeutisch wirksame und kommerziell nutzbare Pflanzen zunächst identifizieren und schließlich kultivieren. Unser Ziel ist, wissenschaftlich zu begründen, welche Inhaltsstoffe für die Wirkung der Arzneipflanzen verantwortlich sind.»

Wenn sich die gewünschten Arzneipflanzen tatsächlich kultivieren lassen, wollen die Forscher sie für den kommerziellen Anbau in den afrikanischen Partnerländern empfehlen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68916

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Forschungsprojekte sind auch für die Phytotherapie in Europa interessant, hat sie doch immer wieder Arzneipflanzen aus anderen Weltgegenden in ihre Behandlungskonzepte integriert, wenn entsprechende Wirkungen zu erwarten sind.

Beispiele dafür sind Teufelskralle und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie) aus Afrika,

Ginseng, Ginkgo, Curcuma (Gelbwurz) und Indischer Weihrauch aus Asien,

Echinacea, Hamamelis (Zaubernuss) und Traubensilberkerze (Cimicifuga) aus Nordamerika,

Passionsblume, Cayennepfeffer und Ratanhia aus Südamerika.

Die traditionelle Pflanzenheilkunde – ob in Afrika, Europa oder sonstwo – bringt wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen mit, enthält aber auch immer wieder Irrtümer, die sich über Jahrhunderte hartnäckig halten können.

Nötig im Umgang mit der traditionellen Pflanzenheilkunde ist daher eine offene, interessierte, aber zugleich auch kritisch-prüfende Grundhaltung.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Forschung zur Optimierung der Curcumin-Wirkung gegen Krebs

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Curcumin ist ein Wirkstoff aus der Gelbwurz (Kurkuma), einem Bestandteil in Curry-Mischungen. Curcumin zeigt im Labor interessante Wirkungen gegen Krebszellen und wird daher intensiv erforscht. Der erfolgreichen Anwendung von Curcumin in der Krebstherapie steht allerdings entgegen, dass der Wirkstoff nur sehr schlecht aus dem Verdauungstrakt in den Organismus aufgenommen wird.

Wissenschaftler aus Wien packten nun den Wirkstoff Curcumin mit Nanotech-Tricks in winzige Fettpartikel, damit er besser in Krebszellen gelangen und diese unschädlich machen kann. Sie berichten darüber in der Fachzeitschrift „Journal of Nanobiotechnology“.

Die Forscher halten viel von Curcumin, weil es Krebszellen daran hindert, ungehemmt zu wachsen, sich im Körper auszubreiten und Metastasen zu bilden. Dies tut Curcumin, indem es bestimmte Signalwege in den Zellen blockiert, erläutern die Wissenschaftler um Uwe Sleytr und Mehmet Ücisik vom Department für Nanobiotechnologie der Universität für Bodenkultur in Wien.

Allerdings sei Curcumin sehr schlecht wasserlöslich und deshalb kaum biologisch wirksam (bioverfügbar), was die medizinischen Anwendungen schmälert, schränken sie ein.

Die Forscher haben Curcumin daher in winzige Fettpartikelchen verpackt, um die Bioverfügbarkeit um das 10.000-fache zu verbessern.  Diese sogenannten CurcuEmulsomen werden zum Beispiel von Leberkrebszellen rasch aufgenommen. Der Fettkern dieser Partikel löst sich nur schrittweise auf. Dadurch wird Curcumin über einen längeren Zeitraum abgegeben, was zu einer langfristig gesteigerten Wirksamkeit führen kann.

Quelle:

http://derstandard.at/1389857599934/Mit-Curry-Krebs-bekaempfen

http://www.jnanobiotechnology.com/content/11/1/37

Kommentar & Ergänzungen:

Die Zeitung „Der Standard“ aus Österreich betitelt diese Meldung so: „Mit Curry Krebs bekämpfen“. Das ist Unsinn, weil eine Wirkung gegen Krebs mit Curry eben gerade wegen der miserablen Aufnahmerate sehr unwahrscheinlich ist.

Aus diesem Grund macht man ja gerade diese Anstrengungen, um die Resorbierbarkeit mit Nanotechnologie zu verbessern.

Curcumin ist ein interessanter Naturstoff, der aber etwas gar vorschnell als Krebsheilmittel vermarktet wird. Vermutlich müssen noch eine ganze Reihe von Hürden überwunden werden, bis aus Curcumin ein wirksames Krebsmittel wird – falls das überhaupt gelingt.

Aber es ist natürlich eine viel angenehmere Vorstellung, dass sich Krebs ganz einfach mit Curry bekämpfen lässt. Der irreführende Titel „Mit Curry Krebs bekämpfen“ kommt dieser Vorstellung entgegen.

Das Portal medizin-transparent.at hat sich mit dem Thema „Curry-Gewürz gegen Krebs?“ befasst. Hier ein Zitat dazu:

„Laborexperimente zeigen, dass Curcumin, welches einen Anteil von 2 bis 5% von Kurkuma ausmacht, als Antioxidans beziehungsweise Radikalfänger wirkt. (Radikale nennt man bestimmte chemisch sehr reaktionsfreudige Moleküle, die Zellen schädigen können. Ein Radikalfänger oder Antioxidans schwächt die zellschädigende Wirkung von Radikalen ab.) Neben der ebenfalls hauptsächlich in Laborexperimenten festgestellten entzündungshemmenden Wirkung scheint Curcumin auch das Wachstum von isoliert gezüchteten Krebszellen zu hemmen. Eine gewisse Krebs-hemmende Wirkung konnte auch in Versuchen an Labor-Mäusen gezeigt werden.

Die Ergebnisse solcher künstlicher Labor- und Tier-Experimente lasssen sich allerdings nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragen. So kann sich ein Wirkstoff im menschlichen Körper vollkommen anders verhalten als im Körper eines Labortieres. Zudem ist bekannt, dass als Nahrungsmittel aufgenommenes Curcumin vom menschlichen Körper nur in geringen Mengen verwertet werden kann.

Ob das im Kurkuma vorkommende Curcumin zur Vorbeugung oder Behandlung von Krebs geeignet ist, können nur klinische Studien an menschlichen Patienten zeigen.“

Quelle:

http://www.medizin-transparent.at/curry-gewurz-gegen-krebs

Mit diesen Vorbehalten gegen eine allzu schnelle Vermarktung von Curry als Krebsheilmittel will ich aber nicht in Frage stellen, dass Curry bzw. Kukuma ein interessantes Gewürz und Curcumin ein interessanter Wirkstoff ist.

Siehe auch:

Curcumin gegen Krebs

Curcumin: Curry-Inhaltsstoff zeigt Antikrebswirkung im Labortest

Curcumin aus Gelbwurz: Antibiotikum und Schutzfaktor gegen Darmkrebs

(Im Darm könnte eine Wirksamkeit von Curcumin gegen Krebs wahrscheinlicher sein, weil ein lokaler Effekt angenommen werden kann und eine Aufnahme in den Körper nicht zwingende Voraussetzung ist).

Kurkuma als Leberschutz untersucht

Forschung: Curcumin gegen Alzheimer & Krebs?

Artischocke und Gelbwurzel zur Lipidsenkung

Wirkstoffforschung: EGCG aus Grüntee und Curcumin aus Gelbwurz hemmen Viren

Curcumin wirkt gegen Hepatitis-C-Viren

Von den Nahrungsmitteln, die einen günstigen Einfluss auf Krebserkrankungen haben könnten, scheint mir Broccoli interessanter als Kurkuma. Für Broccoli bzw. seinen Hauptwirkstoff Sulphoraphan liegen zwar auch noch keine Belege mit Studien an Krebspatienten vor. Die Laborergebnisse sind aber ebenso vielversprechend. Und vor allem dürfte als grosser Vorteil wohl ins Gewicht fallen, dass relevante Mengen an Sulphoraphan oder anderen Senfölglykosiden mit der Nahrung zugeführt werden können, zum Beispiel mit 3 – 5 Portionen Broccoli oder Blumenkohl pro Woche.

„In verschiedenen Studien konnte sowohl in der Zellkultur, als auch in Tierversuchen, eine auf Tumorzellen hemmende Wirkung von Sulforaphan nachgewiesen werden. Hierbei sollen bestimmte Komponenten von sich teilenden Krebszellen, die sogenannten Mikrotubuli, von Sulforaphan zerstört werden, was zum Niedergang der Krebszelle führt. Derzeit (Stand September 2012) befindet sich Sulforaphan in einer Vielzahl klinischer Studien. So unter anderem in einer Phase-II-Studie zur Behandlung des Prostatakarzinoms.

In neueren experimentellen Studien vom Universitätsklinikum Heidelberg und Deutschen Krebsforschungszentrum konnte gezeigt werden, dass der Inhaltsstoff Sulforaphan aus Broccoli und verwandtem Gemüse das Krebswachstum von Bauchspeicheldrüsenkrebs hemmen kann und die Wirkung von Chemotherapien verstärkt. Sulforaphan blockiert hierbei einen bestimmten Stoffwechselweg in Krebsstammzellen, was erstmals in Versuchen an Krebszellen und Mäusen gezeigt werden konnte. Nach einer kanadischen Studie soll bei Patienten mit Prostatakarzinom der wöchentliche Verzehr von Broccoli oder Blumenkohl die Metastasierung des Tumors um 50 Prozent verringern.“

Quelle: Wikipedia

Siehe auch:

Brokkoli-Wirkstoffe unterstützen Krebstherapie

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Phytotherapie bei Gallenkolik?

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Im Phyto-Forum der Aerztezeitung wurde die Frage gestellt nach phytotherapeutischen Optionen bei Krämpfen.

Zum Stichwort „Gallenkoliken“ antwort Prof. Karen Nieber:

„Phytopharmaka haben den Vorteil, dass sie sowohl choleretisch als auch cholekinetisch wirken können. Zusätzlich sind bei einzelnen Pflanzen – allerdings unterschiedlich stark ausgeprägt – spasmolytische, karminative und antiphlogistische Wirkeffekte bekannt.“

Hier eine Übersetzung der Fachwörter:

Choleretisch = Anregend auf die Gallensaftprodution in der Leber

Cholekinetisch = Entleerung der Gallenblase bewirkend

Spasmolytisch = krampflösend

Karminativ = blähungswidrig

Antiphlogistisch = entzündungswidrig

„Besonders ausgeprägt ist die cholagoge Wirkung bei Curcumawurzelstock, Javanischer Gelbwurz, Schwarzer Rettichwurzel, Erdrauchkraut und Schöllkraut. Die beiden Letztgenannten wirken aufgrund ihrer Alkaloide auch spasmolytisch.“

Unter einer cholagogen Wirkung versteht man eine gallentreibende Wirkung. Cholagoga sind Heilpflanzen, welche die Bildung und/oder die Ausschüttung der Galle in den Darm fördern.

„In geringerem Ausmaß lösen auch Artischocken- und Boldoblätter, Mariendistelfrüchte, Galgantwurzelstock, Minz- und Pfefferminzöl Krämpfe. Weitere Cholagoga sind Schafgarbenkraut und -blüten, Löwenzahnwurzel und Wermutkraut.“

Für Artischockenblätter und Mariendistelfrüchte ist die spasmolytische Wirkung in der Phytotherapie-Fachliteratur nicht bestätigt. Es gibt in dieser Antwort eine gewisse Vermischung von Cholagoga und Spasmolytika.

„Als Kontraindikationen gelten akute Entzündungen der Gallenblase und der Gallenwege, operationspflichtige Gallensteine, ein Verschluss der Gallenwege, Neoplasien sowie auch schwere Leberfunktionsstörungen.“

Ja, das sind Kontraindikationen für Cholagoga.

„Phytopharmaka können Gallensteine nicht auflösen, aber prophylaktisch wirken. Dazu müssen diese Arzneimittel zwischen den Mahlzeiten eingenommen werden, da in dieser Zeit der Gallenfluss stagniert und die Gefahr für eine Steinbildung am größten ist.“

Ja, hier geht es aber auch um Cholagoga. Insgesamt geht in der Antwort der Bereich mit der spasmolytischen Wirkung unter, nach dem eigentlich gefragt wurde. Und es ist etwas hoch gegriffen, dass die Antwort unter dem Stichwort „Gallenkolik“ steht. Eine Gallenkolik braucht meines Erachtens in der Regel starke Spasmolytika und/ oder Schmerzmittel, welche die Phytotherapie nicht zur Verfügung hat. Ich finde, man sollte diese Grenze deutlich darstellen, und nicht darum herum reden und auf andere Bereiche ausweichen (Cholagoga).

Auch Erdrauchkraut und Schöllkraut genügen bei einer ausgewachsenen Gallenkolik als Spasmolytika nicht einmal ansatzweise.

Eine Gallenkolik – habe ich zum Glück noch nicht erlebt – ist eine absolut happige Sache.

Die erwähnten Cholagoga sind aber durchaus gut wirksam bei Völlegefühl und Fettverdauungsstörungen.

Bei Mariendistelfrüchte (als Extrakt oder als isoliertes Silymarin bzw. Silybinin) und bei Artischockenblättern (Tee, Extrakt) ist zudem eine Leberschutzwirkung dokumentiert.

Als gutes Cholereticum würde ich zudem noch den Pfefferminztee erwähnen, während das Pfefferminzöl wie erwähnt krampflösende Wirkung hat.

Quelle der Zitate:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/817464/phyto-forum-pflanzenarzneien-kraempfe.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wirkstoffforschung: EGCG aus Grüntee und Curcumin aus Gelbwurz hemmen Viren

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Auch pflanzliche Wirkstoffe können Grippeviren wirksam bekämpfen: wissenschaftlich belegt ist dieser Effekt beispielsweise beim Flavanol Epigallocatechingallat (EGCG) und beim Farbstoff Curcumin.

Epigallocatechingallat gilt als wichtigster Wirkstoff im Grüntee (Camellia sinensis). Deutsche und kanadische Wissenschaftler konnten in-vitro zeigen, dass EGCG Viren dabei hemmt, sich an die Zielzellen anzulagern. Für Influenzaviren ( = Grippeviren) und Hepatitis-C-Viren, HIV-1 sowie Herpes-simplex 1 und 2 konnte eine Wirksamkeit von EGCG nachgewiesen werden.

Auch Curcumin, der Farbstoff der Gelbwurz (Curcuma longa), ist einer Wissenschaftlergruppe aus Taiwan zufolge antiviral wirksam. So verhindert der Wirkstoff unter anderem die Virusreplikation, indem er die virale Hämagglutinin-Aktivität vermindert. Dieses Glycoprotein ist unter anderem „zuständig“ für die Bindung des Virus‘ an seine Wirtszelle und bringt das Virusgenom in die Zielzelle. Anhand von Plaque-Assays konnten die Wissenschaftler belegen, dass Curcumin auch andere Viren hemmt.

Die Wissenschaftler haben ihre Resultate auf der „International Conference on Antiviral Research“ in Japan präsentiert. Insgesamt sechs Forschergruppen stellten dort Studien zu antiviralen und viruziden Effekten verschiedener Heilpflanzenextrakte gegen Influenza-Viren vor.

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/wissenschaft/gruentee-und-gelbwurzel-gegen-viren

Kommentar & Ergänzung:

Curcumin und EGCG gehören wohl zu den am intensivsten erforschten Naturstoffen.

Bei solchen Berichten muss man aber immer noch eine Einschränkung anfügen, die den beteiligten Forschern klar ist, die aber während der Verbreitung über die Medien meist verloren geht:

Dass ein Naturstoff wie EGCG oder Curcumin in-vitro (= im Labor, zum Beispiel an Zellen oder in Zellkulturen) eine antivirale Wirkung zeigt, heisst noch nicht, dass dieser Effekt auch bei Viruserkrankungen im menschlichen Organismus zum tragen kommt. Curcumin beispielsweise wird nur schlecht aus dem Verdauungstrakt in den Körper aufgenommen. Ob daher in Falle einer Grippeerkrankung im Organismus eine wirksame Curcumin-Konzentration aufgebaut werden könnte, ist sehr fraglich.

Und ob eine antiviral wirksame Curcumin-Konzentration – sollte sie erreicht werden können, für den menschlichen Organismus unproblematisch wäre, müsste sich auch erst zeigen.

Solche Laborergebnisse sind interessant, wenn aber auf dieser in-vitro-Basis bereits ein neues natürliches Grippemittel propagiert wird, ist das eine sehr fragwürdige Überinterpretation. Der Bericht auf apotheke-adhoc bleibt bei den Laborergebnissen und vermeidet diese überzogenen Versprechungen – im Gegensatz zu anderen Pressemeldungen welche über diese Studien verbreitet wurden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen-Präparate können Krebstherapie gefährden

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Heilpflanzen-Präparate aus der Phytotherapie oder aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) sind bei Krebspatienten beliebt. Doch manche Mittel können die Wirkung der üblichen Tumortherapie außer Kraft setzten.

Wer an einem bösartigen Tumorleiden erkrankt, muss meist eine Chemotherapie oder Bestrahlung über sich ergehen lassen und Nebenwirkungen wie Erbrechen, Durchfall, Haarausfall und Kachexie in Kauf nehmen – von der psychischen Belastung durch die Krebsdiagnose einmal ganz abgesehen. Da ist es nicht überraschend, dass Tumorpatienten gerne und häufig in Eigenregie zu pflanzlichen Mitteln greifen, um die Nebenwirkungen der Krebstherapie zu reduzieren. Tatsächlich bietet die Phytotherapie in diesem Bereich einige interessante Möglichkeiten.

Siehe dazu:

Heilpflanzen-Anwendungen bei Krebs

Phytotherapie lindert Nebenwirkungen bei Chemotherapie und Bestrahlung

Phytotherapie kann bei Krebs manche Beschwerden lindern

Allerdings sind Heilpflanzen-Präparate nicht immer harmlos und nebenwirkungsfrei. Einige können Pharmakokinetik und Pharmakodynamik von Krebstherapeutika erheblich beeinflussen, indem sie auf das Cytochrom-P450-System oder auf Effluxtransporter wie das P-Glykoprotein einwirken. Doch welche klinisch bedeutsamen Interaktionen (Wechselwirkungen) zwischen Tumortherapeutika und pflanzlichen Präparaten sind bisher bekannt?

Priv.-Doz. Dr. Matthias Unger vom Institut für Pharmazie und Lebensmittelchemie der Universität Würzburg hat dazu in der Zeitschrift „Forschende Komplementärmedizin“ einen informativen Beitrag veröffentlicht.

Dr. Unger nennt als Beispiel die erheblich reduzierte Bioverfügbarkeit der Zytostatika Irinotecan und Imatinib bei Anwendung von Johanniskraut. So wurde in klinischen Untersuchungen die Bioverfügbarkeit von Imatinib um durchschnittlich 30 Prozent und diejenige von Irinotecan sogar um 41 Prozent vermindert, wenn gleichzeitig hyperforinhaltige Johanniskrautpräparate gegeben wurden. Denn diese Pflanzenextrakte steigern die Expression von CYP3A4 und P-Glykoprotein.

Die Inhaltsstoffe von Schisandra-Spezies bewirken das Gegenteil: Sie vermindern die Expression von CYP3A4 und P-Glykoprotein und erhöhen damit die Bioverfügbarkeit von CYP3A4- und P-Glykoprotein-Substraten. So steigerte ein Extrakt aus den Früchten von Schisandra sphenanthera die AUC des Kurzhypnotikums Midazolam um 119 Prozent und die maximale Plasmakonzentration um 86 Prozent.

Bei dem Immunsuppressivum Tacrolimus wird die Bioverfügbarkeit durch Schisandra-Inhaltsstoffe sogar um 164 Prozent gesteigert. Ein weiteres Phytotherapeutikum, das auf CYP-Enzyme einwirkt, ist die Kanadische Gelbwurz (Hydrastis canadensis), die häufig kombinert mit Echinacea bei grippalen Infekten angewendet wird. Zubereitungen aus der Wurzel der Kanadischen Gelbwurz steigern die Toxizität von CYP3A4-Substraten wie Irinotecan und Imatinib und können die Wirkung von Tamoxifen fast gänzlich aufheben.

Interaktionen zwischen Krebsmedikamenten und Heilpflanzen-Präparaten lassen sich nur vermeiden, wenn Ärzte und Apotheker über die beschriebenen Mechanismen Bescheid wissen. Sie sollten Patienten über mögliche Risiken umfassend aufzuklären, fasst Dr. Unger zusammen.

Quellen:

Matthias Unger, Forschende Komplementärmedizin 2011; 18: DOI 10.1159/000330937

http://www.medical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=110983&dspaid=960953

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Beitrag zeigt, wie wichtig es ist, dass Patientinnen und Patienten den behandelnden Ärztinnen und Ärzten mitteilen, welche Heilpflanzen-Präparate sie einnehmen.

Dieser Beitrag über Interaktionen zwischen Phytopharmaka und synthetischen Medikamenten ist sehr viel präziser und fundierter als der Beitrag, den ich hier kritisch unter die Lupe genommen habe:

Phytopharmaka: Wechselwirkungen bei Operationen

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

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Forschung: Curcumin gegen Alzheimer & Krebs

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Kurkuma: Die Inder schwören auf das gelbe Gewürz und schreiben ihm heilende Kräfte zu. Kurkuma soll vor Krebs schützen und auch dafür sorgen, dass die Alzheimer-Krankheit in Indien weniger verbreitet ist. Wie sich seine Wirkung noch optimieren lässt, das untersucht Dr. Jan Frank von der Universität Hohenheim in Kooperation mit vier weiteren Forschern und fünf Industriepartnern. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt die Verbundforschung mit rund 1,5 Mio. Euro.

Sekundäre Pflanzenstoffe, die für die Farbe, den Geschmack und den Duft einer Pflanze sorgen, machen sie für den Menschen erst ansehnlich und schmackhaft. Sie sind aber nicht das Wichtigste für uns Menschen. Denn pflanzliche Nahrung liefert dem Körper in erster Linie Nähr- und Mineralstoffe sowie Vitamine. Im Gegensatz zu diesen primären Stoffen nimmt unser Organismus sekundäre Pflanzenstoffe nur zu einem kleinen Teil auf und scheidet sie rasch wieder aus.

Nicht selten haben jedoch gerade diese Substanzen – neudeutsch Nutraceuticals – eine gesundheitsfördernde Wirkung. „Der Organismus erkennt sie aber als körperfremd und versucht sie gleich wieder loszuwerden“, erläutert Dr. Jan Frank vom Institut für Biologische Chemie und Ernährungswissenschaft der Universität Hohenheim. „Daher arbeiten wir an Strategien, wie wir den Körper überlisten können, damit er die Stoffe stärker aufnimmt oder weniger schnell wieder ausscheidet.“

Das Kurkuma-Gewürz ist ein wichtiger Bestandteil von Curry-Mischungen. Ihm werden gleich fünf gesunde Wirkungen zugeschrieben: Es reduziert den Cholesterinspiegel, wirkt antioxidativ und ist gut gegen Entzündungen. Außerdem soll Kurkuma Krebserkrankungen hemmen. Und weil es altersbedingte Veränderungen im Gehirn verlangsamt, könnte es das Risiko vermindern, an Alzheimer zu erkranken.

Genau diese Eigenschaften des Curcumins (gelber Farbstoff aus dem Kurkuma-Gewürz) überprüfen Dr. Frank und vier Forscher zusammen mit fünf Industriepartnern. Das Thema „Gesundes Altern und Prävention altersabhängiger Demenzen“ untersucht PD Dr. Gunter Eckert von der Universität Frankfurt und die Professoren Gerald Rimbach und Tilman Grune an den Universitäten Kiel und Jena.

Dr. Eckert erforscht, inwiefern sich durch Curcumin altersbedingte Veränderungen von Gehirnzellen bremsen lassen. Prof. Dr. Rimbach bearbeitet die Frage, ob die schützende Wirkung des Curcumins von der persönlichen genetischen Ausstattung abhängig ist. Prof. Dr. Grune untersucht, wie Fresszellen im Gehirn durch Curcumin aktiviert werden und an der Beseitigung von beschädigten Zellbestandteilen mitwirken können. Den vierten Wissenschaftler, Dr. Jakob Weißenberger von der Uniklinik Frankfurt, beschäftigt die Frage, wie Curcumin das Wachstum von Gehirntumoren vermindert.

Dr. Frank untersucht die Transportwege in den Organismus hinein. Die Frage sei,  wie wir wertvolle Nutraceuticals in den Organismus bringen und dafür sorgen können, dass sie dort lange genug verbleiben, um sich günstig auf die Gesundheit auszuwirken. Curcumin ist dabei die Modellsubstanz, denn es ist für seine geringe Bioverfügbarkeit bekannt. Bei Menschen, sagt Dr. Frank, fand man selbst nach der Einnahme von 12 Gramm Curcumin in Kapselform keine messbaren Mengen des Stoffes im Blut.

Dr. Frank koordiniert das Gesamtprojekt und verfolgt zwei grundlegende Strategien: Tarnen oder Ablenken. Beim Tarnen werden die Nutraceuticals verpackt. Dabei werden zwei Verpackungsmethoden erforscht: mit Mizellen und Mikrosinaten.

Mizellen befinden sich im Darm und dienen als Transportvehikel für die Aufnahme fettlöslicher Nährstoffe. Deren Funktion lassen sich mit künstlichen, sogenannten Produktmizellen imitieren.

Die andere Verpackungsmethode, Mikrosinate, sind poröse Trägerstoffe. Werden Nutraceuticals auf sie aufgebracht, steigert das ihre Löslichkeit und sie gelangen leichter in den Organismus.

Bei der zweiten Strategie geht es um Ablenkung: Dem Körper werden andere Stoffe angeboten, die er verstoffwechseln muss. Er wird quasi mit anderen Stoffen beschäftigt, was den Abbau und die Ausscheidung der Zielsubstanz Curcumin hemmen soll.

Forschungsziel: Nahrung mit Gesundheitswirkung

Die neuen Trägersysteme sollen im Verlauf des Projektes noch entwickelt werden. Führen sie zu einer verbesserten Bioverfügbarkeit der enthaltenen Wirkstoffe, sollen sie schließlich in Getränken, Fruchtsmoothies und Backwaren zur Anwendung kommen.

Ziel des Projektes ist es, Nahrung mit Mehrwert zu produzieren – funktionelle Lebensmittel mit einem zusätzlichen Gesundheitsnutzen für Konsumentinnen und Konsumenten. Bis zur Marktreife solcher funktionellen Lebensmittel ist aber noch viel Arbeit nötig. Zu testen ist noch, ob die Bioverfügbarkeit von Nutraceuticals bei jungen und alten Menschen, aber auch zwischen Männern und Frauen unterschiedlich ist. Die optimierte Wirkung der neuen funktionellen Lebensmittel im Vergleich zu herkömmlichen Curcumin-haltigen Lebensmitteln soll in einer Humanstudie untersucht werden.

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=32438

Zum Projekt: http://www.nutrition-research.de

Kommentar & Ergänzung:

Curcumin ist ein sehr interessanter Naturstoff aus der Gelbwurzel (Kurkuma, Curcuma domestica) und der Javanischen Gelbwurz (Curcuma xanthorrhiza). Curcumin wird intensiv erforscht und zeigt im Labor Effekte gegen Krebszellen. Seither wird Curcumin als Wundermittel gegen Krebs propagiert und vermarktet. Dabei wird aber wie so oft ausgeblendet, dass Wirkungen aus dem Labor nicht einfach auf einen lebendigen Organismus übertragen werden können. Von Curcumin ist jedenfalls schon lange bekannt, dass es nur in geringen Mengen in den Körper aufgenommen wird. Das bestätigt Dr. Frank mit der Angabe, dass auch nach der Einnahme von 12 g Curcumin keine messbare Menge der Substanz im Blut gefunden wurde.

Ich weiss noch nicht so recht, was ich von dem Projekt halten soll, Curcumin in einer besser resorbierbaren Form Lebensmitteln beizumischen. Vielleicht hat der Organismus ja auch gute „Gründe“ dafür, dass er die Substanz nicht aufnimmt.

Und ausserdem bin ich ziemlich skeptisch, wenn Lebensmittel allzu penetrant mit Gesundheit und Heilungsversprechungen aufgeladen werden.

Siehe auch:

Kurkuma als Leberschutz untersucht

Curcumin aus Gelbwurz: Antibiotikum und Schutzfaktor gegen Darmkrebs?

Curcumin: Curry-Inhaltsstoff zeigt Antikrebswirkung im Labortest

Curcumin gegen Krebs?

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Heilpflanzen bei Blähungen

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Die Kronen-Zeitung veröffentlichte einen Artikel über Blähungen und wie man sie los wird. Dabei kamen auch Heilpflanzen zur Sprache:

„Um die Verdauung anzuregen, sollten zum Kochen Gewürze wie Kümmel, Majoran, Anis und Koriander verwendet werden. Auch Artischocken kurbeln die Verdauung auf natürliche Weise an.

Kümmel gilt als eines der besten pflanzlichen Mittel gegen Blähungen. Man verwendet die Kümmelfrüchte oder das aus den Früchten gewonnene ätherische Öl.

Auch Gelbwurz kann gegen geblähten Bauch helfen: Einen Teelöffel Wurzelpulver mit etwa 150 ml heißem Wasser aufgießen und zehn bis 15 Minuten ziehen lassen. Zwei bis drei Tassen Tee zwischen den Mahlzeiten trinken. Auch eine  Mischung aus Anis und Fenchel kann probiert werden.“

Quelle:

http://www.krone.at/Gesund-Fit/So_sagst_du_Blaehungen_gezielt_den_Kampf_an-Endlich_Windstille-Story-231155

Kommentar & Ergänzung:

Am Text in der Kronenzeitung ist fachlich nichts auszusetzten, was bei Artikeln über Heilpflanzen in den Medien nicht selbstverständlich ist.

Kümmel, Majoran, Anis und Koriander beim Kochen als Gewürze zu verwenden, ist ein guter Tipp.

Von der Artischocke werden in der Phytotherapie allerdings die Blätter gegen Verdauungsprobleme verwendet, und nicht der als Gemüse genutzte Blütenboden.

Zum ätherischen Kümmelöl:

Dosierungsempfehlung im „Heilpflanzenlexikon“: „10 Tropfen auf Zucker als Einzeldosis.“

Mir scheint, die Hälfte davon dürfte in den meisten Fällen ausreichend sein.

Mit „Gelbwurz“ können zweierlei Heilpflanzen gemeint sein:

-Javanische Gelbwurz (Curcuma xanthorrhiza), oder

– Kurkuma, Gelbwurzel (Curcuma longa), die auch als farbgebender Bestandteil in Curry-Mischungen verwendet wird.

Die beiden Gelbwurzelarten unterscheiden sich im Gehalt an Curcuminoiden und ätherischem Öl. Sie werden aber meist in ihrer Wirkung als gleichwertig angesehen.

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Gewürze bekämpfen Brustkrebs

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Unter diesem Titel verbreitet das Yahoo-Nachrichtenportal eine scheinbar hoch erfreuliche Neuigkeit. Bei genauerem Hinsehen ist die Meldung aber auch ein Beispiel für fragwürdige Gesundheitsinformationen im Internet. Dass die Krebsforschung sich mit antitumoralen Inhaltsstoffen von Heilpflanzen befasst, ist eine unterstützungswürdige Entwicklung. Leider gehen in den Medien bei solchen News aber oft die nötigen Differenzierungen verloren

Hier eine bearbeitete Zusammenfassung der Meldung mit anschliessendem Kommentar:

Der Medizin sind zahlreiche von Gewürzen ausgehende Heilwirkungen bekannt. Eine weitere haben jetzt US-Wissenschaftler entdeckt: Substanzen aus Kurkuma und Pfeffer können offenbar im Kampf gegen Brustkrebs unterstützend wirken.
Aus dem leuchtend gelb gefärbten Gewürz Kurkuma, auch Gelbwurz genannt, lässt sich eine Substanz namens Curcumin gewinnen. Schwarzer Pfeffer enthält den Stoff Piperin. Diese beiden Substanzen haben Wissenschaftler der University of Michigan in Zellkulturen eingebracht. Dabei zeigte sich, dass Curcumin und Piperin gezielt die Krebsstammzellen schädigen, welche für das Tumorwachstum entscheidend sind, gesunde Zellen jedoch nicht angreifen. Indem die Anzahl der Stammzellen vermindert wird, könnte sich die Entstehung von Brustkrebs in Zukunft beeinflussen lassen, glauben die Forscher.
Bereits jetzt stehen Risikopatientinnen Medikamente zur Verfügung, mit welchen sich die Entstehung des Tumors verhindern lassen soll. Sie sind jedoch mit Nebenwirkungen behaftet, weil sie giftig sind. Darum halten die Wissenschaftler den neuen, ungiftigen Behandlungsansatz für vielversprechend. In weiteren Studien soll nun das Potenzial der Substanzen untersucht werden. Obwohl die bisherigen Forschungsresultate vielversprechend klingen, reicht es als Krebsvorsorge nicht aus, die Mahlzeiten kräftig mit Pfeffer und Kurkuma zu würzen. Die wirksamen Stoffe müssen dem Organismus in konzentrierter und isolierter Form mit Hilfe von Medikamenten zugefügt werden.

Quelle: http://de.news.yahoo.com/12/20091209/thl-gewuerze-bekaempfen-brustkrebs-d343981.html

Kommentar & Ergänzung:

Es stellen sich einige Fragen:

1. Die Meldung kommt wie eine Neuentdeckung daher. Zumindestens Curcumin ist aber schon seit vielen Jahren ein Thema in der Krebsforschung. Aber Neuentdeckungen verkaufen sich offenbar besser auf dem Nachrichtenmarkt. Korrekt wäre eine Aussage wie: “ein weiteres Puzzlestück in der Curcumaforschung”.

2. Die Schlagzeile “Gewürze bekämpfen Brustkrebs” ist reisserisch und falsch. Der Artikel sagt ja am Schluss selber, dass es nicht reicht, Kurkuma oder Schwarzer Pfeffer als Gewürze zu essen.

3. Es wird wieder einmal vorschnell von Experimenten mit isolierten Zellen auf eine Wirkung am lebenden Menschen geschlossen. Das ist nicht zulässig. Es ist unklar, ob die im Zellversuch meist zur Anwendung kommenden hohen Konzentrationen in lebendem Krebsgewebe erreicht werden können. Nur schon bei Curcumin ist schon lange bekannt, dass es ausgesprochen schlecht aus dem Verdauungstrakt resorbiert wird. Solche Einschränkungen fallen gerne unter den Tisch bei diesen vorschnellen Erfolgsmeldungen

4. Irgendwie sind wir halt wohl immer froh um beruhigende News bezüglich des beunruhigenden Themas der Krebserkrankungen. Daher gibt es eine grosse Nachfrage nach solchen Meldungen. Aber die Genauigkeit und eine differenzierte Darstellung sollten dabei nicht auf der Strecke bleiben.

5. Zur Beurteilung einer solchen Meldung wäre es wichtig zu erfahren, ob diese Studie aus Michigan in einer Fachzeitschrift veröffentlicht wurde (und in welcher). Dies gäbe eine gewisse Qualitätskontrolle. Auch die Autoren oder Autorinnen bzw. die Namen der Forschenden sollten genannt werden. “Wissenschaftler der University of Michigan” reicht nicht als Angabe.

6. Es ist fraglos positiv, wenn Curcumin und Piperin bezüglich Antitumorwirkungen weiter erforscht werden.

7. Es spricht viel dafür, dass Kurkuma (Gelbwurz, Curcuma) und Schwarzer Pfeffer gesunde Gewürze sind. Zwischen Heilpflanzen und Gewürzen gibt es an zahlreichen Punkten fliessende Übergänge.

8. Ich zähle diese Punkte hier auf, weil es mir wichtig erscheint, dass auch Laien etwas über die Fragen wissen, mit denen man solche Texte unter die Lupe nehmen kann. Wir werden überflutet mit solchen Meldungen und es wird immer anspruchsvoller, sich in diesem “Dschungel” zu orientieren.

Lernen können Sie dies im übrigen in meinen Heilpflanzenkursen und in meiner Phytotherapie-Ausbildung. Dabei geht es nämlich nicht nur um die Vermittlung von Wissen, sondern auch darum, wie man mit Wissen, mit Informationen, mit Behauptungen und Versprechungen umgehen kann: Sorgfältig Prüfen und sich eine fundierte Meinung bilden, das ist in unserer gegenwärtigen Informationsflut wohl notwendiger denn je.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Curcumin aus Gelbwurz: Antibiotikum und Schutzfaktor gegen Darmkrebs?

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Curcuma, die Gelbwurz, ist in Asien ein beliebtes und verschwenderisch verwendetes Gewürz. Gelbwurz ist der farbgebende Bestandteil in der Curry-Mischung. Curcuma könnte einer der Gründe dafür sein, dass es in Indien nahezu keinen Darmkrebs gibt. “Denn es ist erwiesen, dass dieses Gewürz die Entstehung von Darmkrebs verzögert oder sogar verhindert, indem es das Wachstum von Darmkrebszellen hemmt und den programmierten Tod von Krebszellen auslöst”, erklärt der Gastroenterologe Univ.-Prof. Dr.Christoph Gasche, Leiter des Christian-Doppler-Labors für molekulare Karzinom- und Chemoprävention in Wien.

Gasche hat zusammen mit Kollegen am AKH Wien Studien zu Curcumin durchgeführt, dem Farbstoff der Gelbwurz. Eine von rund 3100 wissenschaftlichen Studien, die es weltweit zu Curcumin gibt. Über seine antioxidativen und antientzündlichen Eigenschaften wird Dr. Christoph Campregher, der ebenfalls an den Wiener Untersuchungen teilgenommen hat, beim Kongress “Menopause Andropause Anti-Aging” berichten (3. bis 5.Dezember, Hotel Hilton in Wien).

Curcumin wirkt als starker Radikalfänger, “einer der am besten untersuchten”, stellen die Wiener Wissenschaftler fest. Und als potenter Radikalfänger könnte Curcumin Alterungsprozesse tatsächlich ein wenig hintanhalten. “Wissenschaftlich ist dazu aber die Datenlage noch ein wenig dünn”, erklärt Gasche.

Erwiesen ist jedoch: Curcumin bleibt zum größten Teil im Dickdarm, wird vom restlichen Körper kaum aufgenommen, findet sich also praktisch nicht in der Blutzirkulation, hat jedoch im Darm multiple Effekte.

Zum einen entfaltet es eine starke antibakterielle Wirkung, hält die Bakterien im Darm unter Kontrolle. “Das ist umso bemerkenswerter, als speziell der Dickdarm ein riesiges Bakterienreservoir ist.” Die antibakterielle Wirkung sei nicht selektiv, sondern “man kann es mit einem Breitbandantibiotikum vergleichen”.

Außerdem vermindert Curcumin Entzündungsaktivitäten, was hauptsächlich Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn eine wertvolle Erleichterung bietet (diese beiden Erkrankungen gelten übrigens als Risikofaktoren für die Entstehung von Dickdarmkrebs).

Allerdings – so betont Gasche – müsse man ordentlich viel Gelbwurz ins Essen geben, um diesen Nutzen zu erzielen. “Leichter geht es mit Nahrungssupplementen.” Dennoch: Der Gelbwurz-Inhaltsstoff Curcumin sei gegenüber gängigen Medikamenten gegen chronische Darmentzündungen etwa 1000-mal aktiver.

Quelle: www.diepresse.com („Die Presse“, Print-Ausgabe, 24.11.2009)

Kommentar & Ergänzung:

Curcumin ist einer der am intensivsten untersuchten Inhaltsstoffe aus Heilpflanzen.
In der Phytotherapie kennt man Curcumin als Bestandteil von Javanischer Gelbwurz (Curcuma xanthorrhiza, Temoe Lawak) und von Kurkuma (Curcuma longa = Curcuma domestica).

Curcumin zeigt im Labor Eigenschaften, welche wohl zu Recht als für die Krebsforschung interessant betrachtet werden. Allerdings wird der Curry-Bestandteil leider in manchen Kreisen generell als Krebsheilmittel angepriesen und vermarktet. Ich habe schon vor einiger Zeit einmal hier im Blog darauf hingewiesen, dass einer der schwierigen Punkte bei der Curcumin-Anwendung dessen schlechte Resorbierbarkeit aus dem Verdauungstrakt ist. Diese stark eingeschränkte Resorbierbarkeit bestätigt nun auch Professor Gasche. Das macht die von unseriösen Curcumin-Propagandisten versprochenen Heilwirkungen auf Krebserkrankungen im ganzen Organismus unwahrscheinlich. Direkte Wirkungen gegen Tumorerkrankungen im Darm scheinen aber nicht ausgeschlossen.

Allerdings handelt es sich auch bei den Wiener Studien wohl am reine Laboruntersuchungen an Zellen. Es deutet im Artikel der “Presse” jedenfalls nichts darauf hin, dass Erfolge an krebskranken Menschen dokumentiert worden sind. Zwischen Erfolgen im Labor und Heilungen bei Krebskranken besteht aber ein sehr grosser Unterschied.
Es stellt sich vor allem die Frage nach der nötigen Dosis an Curcumin. Braucht es – wie Gasche betont – “ordentlich viel Gelbwurz”, so wäre zu beachten, dass antioxidative Substanzen in hohen Dosen auch negative Wirkungen entfalten können. Darauf deuten jedenfalls einige neuere Untersuchungen hin.

Und antibakterielle Effekte im Darm, die “mit einem Breitbandantibiotikum” vergleichbar sein sollen, werfen ebenfalls Fragen auf. Was geschieht dann mit der natürlichen und notwendigen Bakterienflora im Darm? Wird auch abgeräumt? Oder verschont Curcumin in antibakteriell wirksamer Dosierung die nützlichen Darmbakterien? Kaum denkbar. Andernfalls würde man aber bei hohen Curcumin-Dosen mit Durchfall rechnen müssen wie bei der Gabe von Antibiotika.

Interessant scheinen mir mögliche antientzündliche Effekte von Curcumin bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.
Die Angabe, Curcumin sei “gegenüber gängigen Medikamenten gegen chronische Darmentzündungen etwa 1000-mal aktiver” tönt allerdings kaum glaubwürdig. Das wäre sensationell. Hier müsste man mehr und genaueres darüber wissen, wie diese Zahl zustande gekommen ist. Erst wenn man den Weg kennt, auf dem ein solches Resultat entstanden ist, kann man sich eine einigermassen fundierte eigene Meinung dazu bilden.

Auch Andeutungen bezüglich einer möglichen Verzögerung des Alterungsprozesses durch Curcumin sind meines Erachtens fragwürdig und sollten besser unterbleiben, wenn die Datenlage schon dünn ist. Mit solchen hingestreuten und sehr nebulösen Bemerkungen feuert man nur das Geschäft der Curcumin-Verkäufer an.
Mir scheint, dass dieser Text auf www.diepresse.com sehr viele Fragen aufwirft.
Nicht in Frage stellen würde ich aber die Curcumin-Forschung als solche, die Verwendung von Gelbwurz als interessante Heilpflanze und den Einsatz von Kurkuma bzw. Curry als feines und gesundes Gewürz.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Scharfe Gewürze gegen Reisedurchfall

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Häufig wird in Ländern mit tiefen Hygienestandards sehr scharf gegessen. Das hängt nicht nur mit den regionalen Geschmacksunterschieden der Menschen zusammen. Es hat durchaus auch einen Schutz-Charakter. „Scharfe Gewürze wirken wunderbar gegen Reisediarrhö in den Tropen“, erklärt Privatdozent Tomas Jelinek vom Centrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf.
„Wenn man richtig scharf isst oder vor dem Essen einen Whisky trinkt, setzt man einen Schmerzreiz auf die Schleimhaut“, stellt der Reisemediziner fest. Das ärgere den Magen, und er produziere vermehrt Magensäure.
Magensäure sei gut in den Tropen, weil sie Krankheitserreger abtötet. Darum könne man scharfes Essen und den Whisky vor dem Essen nur empfehlen. Für die Standardhygieneregeln in den Tropen sei das allerdings kein Ersatz, sondern nur eine Ergänzung.

Quelle: www.aerztezeitung.de, 28. 1. 2009

Kommentar:
Heilpflanzen mit Scharfstoffen spielen in der traditionellen Pflanzenheilkunde und in der neueren Phytotherapie eine bedeutende Rolle. Erwähnt seien Paprika, Cayennepfeffer, Muskatnuss, Gelbwurz (Curcuma), Galgant, Pfeffer, Ingwer, Zitwer, Senf, Meerrettich, Knoblauch und Zwiebel.

Die Scharfwirkung kommt durch Erregung der Thermo- und/oder Schmerz-Rezeptoren zustande. Die Inhaltsstoffe von Ingwer und Pfeffer erregen nur die Thermorezeptoren und wirken dadurch nicht entzündungserregend.

Ergänzend zum Text der Ärzte-Zeitung würde ich noch anfügen:
Allzu heftige scharfe Gewürze können natürlich auch Durchfall erzeugen, vor allem wenn der Darm noch nicht an diese Schärfe gewöhnt ist. Ich selber reise regelmässig in China und manchmal bekommt man dort bei aller Vorsicht halt doch eine zu intensiv gewürzte Speise vorgesetzt.
Mir helfen in solchen Fällen gerbstoffreiche Heilpflanzen wie Blutwurz (Tormentill), Schwarztee, Ratanhia oder getrocknete Heidelbeeren.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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