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Phytotherapie: Was ist Agar? Hilft Agar wirklich gegen Arthrose?

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Agar (auch Agar-Agar) wird  hergestellt aus den Zellwänden einiger Algenarten (hauptsächlich Rotalgen, wie Gracilaria-, Gelidiopsis-, Gelidium-, Hypnea- und Sphaerococcus-Arten).

Es handelt sich um ein Polysaccharid, das schon bei einer geringen Konzentration von 1% in heissem Wasser aufgelöst ein gutes Gel bildet. Ein halber Teelöffel Agar entspricht etwa 4 Blatt Gelatine.

Agar wird hauptsächlich in der Lebensmittelindustrie und als pharmazeutischer Hilfsstoff verwendet (Lebensmittelzusatzstoff der Nummer E 406).

In der Lebensmitteltechnik wird Agar als Verdickungsmittel, z. B. in Suppen, für Süßwaren und Eiscreme eingesetzt, allerdings eher selten, da der Preis relativ hoch ist. Im Haushalt wird Agar als veganer Ersatz für Gelatine verwenden. In Japan und China wird es seit dem 17. Jahrhundert für die Zubereitung von Speisen eingesetzt. In Südostasien ist Agar fester Bestandteil der Küche. Dort wird es zur Zubereitung vielfältiger Süßspeisen genutzt. Gelatine ist dort völlig unbekannt.

In der Mikrobiologie wird Agar für Nährböden für Mikroorganismen verwendet.

Agar ist unverdaulich und wird als Quellmittel in Abführmitteln gegen Verstopfung eingesetzt. Das ist eine sinnvolle Anwendung. Fraglich ist dagegen die manchmal zu hörende Empfehlung von Agar gegen Arthrose. Sie geht wahrscheinlich auf die verbreitetere (aber ungeklärte) Verwendung von Gelatine gegen Arthrose zurück. Weil sich Gelatine in der Küche durch das pflanzliche Agar-Agar ersetzen lässt, ist wohl die Meinung aufgekommen, dass diese vegane Variante auch bei der Anwendung gegen Arthrose möglich ist.

Das ist aber sehr unplausibel: Gelatine besteht aus Proteinen (Eiweissen) und ist daher aus Aminosäuren aufgebaut, Agar dagegen besteht aus Polysachariden, die aus Zuckerbausteinen bestehen.

Agar und Gelatine haben zwar eine ähnliche Eigenschaft – die Gelbildung – sie bestehen aber aus so fundamental anderen Bestandteilen, dass eine vergleichbare Wirkung gegen Arthrose ganz und gar nicht plausibel. Dazu kommt noch, dass die Polysaccharide im Agar unverdaulich sind.

Also wie bitte sehr soll da eine Wirkung gegen Arthrose zustande kommen? Gelatine ist für diese Indikation allerdings auch nicht plausibler. Ihre Proteine werden im Verdauungstrakt in Aminosäuren gespalten. Die Vorstellung, die Gelatine könne zum Beispiel am Kniegelenk abgebaute Knorpelsubstanz ersetzen, ist daher nicht  so einfach nachvollziehbar.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Süssholzwurzeltee schützt Magenschleimhaut

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Das Magazin „Focus“ schreibt zur Wirkung von Süssholzwurzel:

„Die Süßholzwurzel hemmt Entzündungen, schützt die Magenschleimhaut und entkrampft den Magen. Hauptwirkstoff ist das Saponin Glycyrrhizin, das auch der Lakritze ihren charakteristischen Geschmack verleiht.

Für den Tee die Süßholzwurzel in kleine Stücke schneiden und kurz aufkochen lassen. Wer mag, kann auch etwas Fenchel dazugeben. Dann fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Je süßer der Tee werden soll, desto länger muss er ziehen. Schluckweise über den Tag verteilt trinken.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/verdauung/magen/tid-21554/hausmittel-magenkraempfe-entspannung-fuer-den-magen_aid_605248.html

Kommentar & Ergänzung:

Das ist soweit korrekt. Häufiger als bei Magenschleimhautentzündung wird Süssholz allerdings als schleimlösendes Mittel bei Husten eingesetzt.

Süssholz ist ein häufiger Bestandteil von Hustentee-Mischungen („Brusttee“), beispielsweise zusammen mit Thymiankraut, Schlüsselblumenblüten, Spitzwegerichkraut, Anisfrüchten, Malvenblüten oder Königskerzenblüten.

Die Süssholzpflanze (Glycyrrhiza glabra) gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) und ist im Mittelmeergebiet und in Westasien beheimatet (Abbildung auf Wikipedia).

Mit verschiedenen Varietäten besiedelt die Pflanze eine große Region vom südöstlichen Europa über Vorderasien, Ukraine, Mittelrussland, südliches Sibirien, Afghanistan bis zum westlichen China.

Die stark süß schmeckende Süssholzwurzel enthält Glycyrrhizin, ein Triterpensaponin, das etwa die 50-fache Süßkraft von Rohrzucker (Saccharose) besitzt.

Die Wurzeln werden zur Gewinnung von „Süßholzsaft“ (Liquiritiae succus) verwendet, der in die weltweit beliebten Lakritz-Süßwaren eingearbeitet wird. Zu diesem Zweck werden die frischen Wurzeln zerkleinert und mit Wasser viele Stunden ausgekocht. Der so gewonnene Saft wird anschliessend ganz langsam bis zur zähflüssigen Konsistenz eingedickt. Bei diesem Vorgang bildet sich das so charakteristische Lakritzaroma. Der zähflüssige Extrakt wird zu 5% bis maximal 50% zusammen mit Zucker, Mehl, Stärke und/oder Gelatine sowie Geruchs- und Geschmacksstoffen zu Lakritzwaren verarbeitet.

Bei längerer Anwendung und höherer Dosierung kann Lakritze Störungen im Mineralstoffhaushalt bewirken: mineralokortikoide Effekte in Form einer Natrium- und Wasser-Retention, Kaliumverlust mit Bluthochdruck, Ödeme (Wasseransammlung in Geweben) und in seltenen Fällen Myoglobinurie (Eiweiß des Muskelgewebes im Harn).

Während der Schwangerschaft ist Lakritze zu meiden.

Siehe auch:

In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

Lakritze schädlich in der Schwangerschaft?

Und sonst noch zu Süssholz bzw. Lakritze:

Amorfructine aus Süssholz gegen Diabetes

Fundstück: Rezept für hausgemachte Lakritze

Süssholz zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt

Zuviel Lakritze kann den Blutdruck steigern

Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Lakritze schädlich in der Schwangerschaft?

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Der häufige Konsum von Lakritze in der Schwangerschaft könnte der Hirnentwicklung des Feten schaden. Eine Spätfolge ist möglicherweise eine gestörte kognitive Entwicklung, die in einer Studie im American Journal of Epidemiology (2009; doi: 10.1093/aje/kwp272) beobachtet wurde.??

Die Gruppe um Katri Räikkönen von der Universität Helsinki hat 321 Kinder untersucht, deren Mütter während der Schwangerschaft teilweise größere Mengen Lakritze konsumiert hatten. Lakritze ist in Finnland bei jüngeren Menschen sehr beliebt.??

Es ist schon länger bekannt, dass die in der Lakritze enthaltene Glycyrrhizinsäure die Placentabarriere für Steroide schädigt. Die Feten sind dadurch stärker den Stresshormonen der Mutter ausgesetzt, was die schädlichen Einflüsse erklären könnte, die Räikkönen jetzt festgestellt hat.

Kinder, welche pränatal mit mehr als 500 mg Glycyrrhizinsäure (entsprechend rund 100 Gramm Lakritze) ausgesetzt waren, schnitten im Alter von acht Jahren gleich in mehreren Tests zur kognitiven Entwicklung schlechter ab. ?

Sie zeigten einen kleineren Wortschatz, ein schlechteres erzählerisches Gedächtnis und ein eingeschränktes räumliches Vorstellungsvermögen. Die Konzentrationsfähigkeit war reduziert, die Neigung zum Übertreten von Regeln und zum aggressiven Verhalten erhöht.??Diese Auswirkungen waren dosisabhängig, was für eine Kausalität des entdeckten Zusammenhanges spricht. Auch wenn die Studie letztlich nicht beweisend ist, sollten Schwangeren besser auf Lakritze während der Schwangerschaft verzichten, empfehlen die Autoren.

Quelle:
www.aerzteblatt.de

Kommentar & Ergänzung:

Lakritze wird gewonnen aus Süssholz (Glycyrrhiza glabra), einer Pflanzenart aus der Unterfamilie Schmetterlingsblütler (Faboideae) innerhalb der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae). Diese Art ist in der Mittelmeerregion und in Westasien beheimatet. Süssholz enthält unter anderem Glycyrrhizin, ein Gemisch aus K- und Ca-Salzen der Glycyrrhizinsäure. Dieses Glykosid, das der Lakritze ihren Geschmack verleiht, besitzt etwa die 50-fache Süßkraft von Rohrzucker.

Zur Wirkung von Süssholz

Süßholzwurzel wirkt aufgrund der enthaltenen Saponine, hauptsächlich der Glycyrrhizinsäure, auswurffördernd, sekretolytisch und sekretomotorisch (schleimlösend). Bei Süßholzextrakten wurde eine antibakterielle und antimykotische (pilzhemmende) Wirkung nachgewiesen. Charakteristische Anwendungsgebiete sind Husten, Bronchialkatarrh und andere Erkrankungen der oberen Atemwege.
Bei Gastritis und Magengeschwüren wird die Süßholzwurzel ebenfalls angewendet. Die experimentell und klinisch belegte entzündungswidrige und krampflösende Wirkung ist noch nicht vollständig geklärt. Der nachgewiesene entzündungshemmende Effekt der Glycyrrhizinsäure soll jedoch nicht durch eine Hemmung der Prostaglandinbiosynthese, sondern durch Einfluss auf die Wanderung der Leukozyten zum Entzündungsort entstehen.

Herstellung der Lakritze

Bei der Herstellung der Lakritze werden die Inhaltsstoffe aus den Wurzeln extrahiert und eingedickt. Vermischt mit Gelatine, Stärke, Agar, Anis, Fenchelöl, Pektin und Zuckersirup und teilweise Salmiak werden die üblichen Lakritzformen produziert.
Die schwarze Farbe, die Lakritze in der Regel hat, ist künstlich erzeugt.

In den Niederlanden und Skandinavien ist Lakritze (nl. drop, dän. lakrids) stark verbreitet und wird in den verschiedensten Geschmacksrichtungen und Formen als Süßigkeit angeboten. Vor allem wird zwischen süßem (nl. zoet, dän. sød) und salzigem (nl. zout, dän. salted) unterschieden. Hauptsächlich in Skandinavien wird der Lakritze Salmiak beigemischt, welches sehr intensiv im Geschmack ist. Auch in Norddeutschland sind Salmis (Salmiakpastillen) sehr beliebt. In den meisten europäischen Ländern dagegen kennt man ausschliesslich süße Lakritze. Im süddeutschen Sprachraum, in der Schweiz sowie in Österreich wird die süße Lakritze mundartlich häufig auch Bärendreck genannt, weil der Ulmer (später Nürnberger) Süßwarenfabrikant Karl Bär auf viele Lakritzarten teilweise europaweite Patente innehatte.

Lakritze in der Schwangerschaft

Die Studie postuliert einen schädigenden Einfluss von Lakritze in der Schwangerschaft, den es meines Erachtens ernst zu nehmen gilt. Es ist gut belegt, dass Lakritze in hohen Dosen den Umgang des Organismus mit Steroiden beeinflussen kann.

Das Problem stellt sich allerdings deutlich stärker in Skandinavien als in Mitteleuropa, sind doch die im Norden konsumierten Lakritzemengen um ein vielfaches höher.

Es gibt aber auch Leute in Mitteleuropa, die quasi auf einen “Lakritzetrip” kommen und dann diese Süssigkeit täglich in exorbitanten Mengen konsumieren.
Davon würde ich nach dieser Studie mit Nachdruck abraten.

Das ist aber auch nicht empfehlenswert für “Unschwangere”, weil Lakritze in hohen Dosen den Elektrolythaushalt des Körpers beeinflussen und dadurch zu Bluthochdruck, Kopfschmerzen und Ödemen führen kann.

Es gibt jedoch keine Hinweise dafür, dass gelegentlicher Konsum von Lakritze in moderaten Mengen schaden könnte. Das gilt auch für gelegentliches Kauen eines “Süssholzstengels” oder für den Konsum von Süssholzwurzel als Bestandteil einer Hustentee-Mischung.
Die zugeführte Menge an Glycyrrhizinsäure dürfte hier tiefer liegen.

In der Schwangerschaft sieht die Sache jedenfalls für den Lakritze-Konsum aber schon etwas anders aus. Beim ersten Überfliegen des Berichtes im “Aerzteblatt” habe ich gemeint, die angegebene Dosierung von 100g Lakritze sei pro Tag gemeint. So hohe Dosierungen dürften in Mitteleuropa Ausnahmen sein.
Beim genaueren Lesen realisierte ich aber, dass da gar nichts steht von “pro Tag”. Wenn die Dosierung von 100g aber gemeint wäre pro Schwangerschaft, dann bräuchte es sehr wenig für eine mögliche Schädigung.

Klärung bringt hier die Originalpublikation im American Journal of Epidemiology:
“In comparison to the group with zero-low glycyrrhiza exposure (0-249 mg/week), those with high exposure (500 mg/week) had significant decrements in verbal and visuospatial abilities and in narrative memory…. and significant increases in externalizing symptoms and in attention, rule-breaking, and aggression problems…The effects on cognitive performance appeared dose related.”
(Quelle: http://aje.oxfordjournals.org/cgi/content/abstract/kwp272v1)

Negative Einflüsse fand die Studie also in der Gruppe mit mehr als 500mg Glycyrrhizinsäure pro Woche, entsprechend etwa 100g Lakritze wöchentlich.
Das ist nicht so dramatisch wie wenn es schon bei 100g auf die ganze Schwangerschaft gerechnet zu solchen Problemen kommen könnte (was die wörtlich Formulierung im Aerzteblatt nahelegt).
Aber 100 g / Woche ist eine Menge, die eine durchschnittliche Lakritzeliebhaberin durchaus verzehren kann.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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