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Ausbildung zum Geistheiler mit Diplom

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Vor kurzem bin ich auf eine Ausbildung zum Geistheiler mit Diplom gestossen.

Den Markennamen lasse ich weg, weil ich für diesen Schwachsinn nicht noch Werbung machen möchte. Jedenfalls handelt es sich um ein geschütztes, eingetragenes Markenzeichen ®, nennen wir die Methode Mystery®.

Diese Ausbildung „diplomierter Geistheiler Mystery®“ scheint mir sehr fragwürdig.

Erstens:

Diplomierter Geistheiler Mystery® können Sie werden in nur 18 Tagen. Ein Grundkurs von fünf Tagen, zwei Aufbaublöcke von acht und fünf Tagen. Fix geht das. In dieser Zeit haben Sie nicht nur Ihre eigenen Blockierungen und Charakterschwächen gelöscht – so steht es in der Ausschreibung. Sie sind nun auch in der Lage, diese tiefgreifenden Heilungsprozesse bei Ihren Kundinnen und Kunden durchzuführen.

Ich gehe nicht davon aus, dass diese grandiosen Versprechungen wahr sind. Aber nehmen wir mal quasi übungshalber an, das wäre tatsächlich der Fall. Dann würden Sie innert sehr kurzer Zeit einen radikalen Umbau Ihrer Persönlichkeit durchmachen – dank Löschung von Blockierungen und Charakterschwächen. Da stellen sich einige Fragen:

– Wer entscheidet aufgrund welcher Kriterien, welche „Blockierungen“ und „Charakterschwächen“ zu löschen sind?

– Was als „Blockierung“ oder „Charakterschwäche“ bezeichnet wird, hat oftmals nicht nur negative Auswirkungen, sondern nicht selten zugleich in gewissen Bereichen eine positive Funktion. Kann eine solche Löschung nicht zu unerwünschten Nebenwirkungen führen?

–  Was bedeutet es für Ihre langjährigen Beziehungen, Ihre Freundschaften und Ihr Arbeitsumfeld, wenn Sie sich in so kurzer Zeit derart fundamental verändern? Kommen Ihre Mitmenschen da noch mit oder kommt es zum Bruch?

Zweitens:

Wer von Geistheilung redet, müsste zuerst einmal auf den Tisch legen, was er oder sie unter „Geist“ versteht, weil wir es hier mit einem sehr vieldeutigen Begriff zu tun haben.

Gemäss dem „Lexikon der philosophischen Begriffe“ (Alexander Ulfig, Fourier Verlag 1999) kann der Begriff „Geist“ bedeuten:

„  1.) Gegensatz zu Materie und Körper (ähnlich wie Seele);

2.) Vernunft, Verstand als Erkenntnisvermögen;

3.) Göttliches Prinzip („Heiliger Geist“);

4.) Geistige Lebenseinstellung (geistiger Mensch, geistige Entfaltung; Gegensatz: Banause);

5.) Inbegriff der in einer Epoche bzw. Zeit oder einer Gruppe bzw. Gemeinschaft herrschenden Ideen, Gesinnungen, Wertmassstäbe usw. („Zeitgeist“);

6.) Geistige Begabung, Intelligenz („geistreich“);

7.) Numinoses Wesen in primitiven Religionen und im Volksglauben.“

Die Punkte 2, 4, 5, 6 und 7 scheinen mir für „Geistheilung“ nicht zu passen.

Bleiben also die Punkte 1 und 3.

Punkt 1: Geist als Gegensatz zu Materie und Körper (ähnlich wie Seele).

Da sind wir also im Leib-Seele-Geist-Problem gelandet, eine philosophisch hoch komplexe Diskussion seit mehreren tausend Jahren.

Da stellt sich grundsätzlich die Frage, ob man das monistisch, dualistisch oder gar trialistisch sieht. Also ob das alles ein Bereich, zwei oder gar drei getrennte Bereiche sind. Geist – Seele – Körper.

Schon der Begriff „Geistheilung“ isoliert Geist als Methode des Heilens. Das legt ein dualistische oder trialistisches  Verständnis nahe. Geist / Seele steht Körper / Materie gegenüber.

Dann stellt sich sehr zentral die Frage, wie genau „Geist“ auf „Körper“ wirkt, wenn es um Heilung geht. Oder wird der Körper ganz ausgeklammert und hat gar keine Bedeutung?

Fragen Sie doch Ihren Geistheiler, Ihre Geistheilerin vor der nächsten Behandlung. Es geht schliesslich um den Informed Consent, die informierte Einwilligung vor einem Eingriff.

Vielleicht geht es bei der Ausbildung zum diplomierten Geistheiler Mystery® (oder bei der praktizierten Geistheilerei Mystery®) eher um

Punkt 3: Geist als göttliches Prinzip („Heiliger Geist“);

Dann handelt es sich bei dieser 18-Tage-Geistheiler-mit-Diplom-Ausbildung® vielleicht um so etwas wie eine stark abgekürzte Priesterausbildung – ein Turbo-Priesterseminar quasi? In unserer Fast-Food- und Instant-Epoche allerdings sehr zeitgemäss.

Auch in diesem Fall müsste nun genauer geklärt werden, welche Vorstellung von „Geist“ und welche Vorstellung von „Heilen“ dem „Geistheilen“ zugrunde liegen. Nur schon die Vorstellungen von „Geist“ unterscheiden sich doch erheblich in Christentum, Islam und Buddhismus. Und in jeder dieser Religionen gibt es darüber hinaus noch einige Dutzend Varianten von „Geist-Vorstellungen“.

Wenn Ihr Geistheiler oder Ihre Geistheilerin zu diesem religiösen Konzept neigt, dann fragen Sie ihn oder sie doch nach den zugrundeliegenden Überzeugungen.

Drittens:

Wenn Sie ein Medikament einnehmen, lesen Sie ja hoffentlich auch den Beipackzettel zu Risiken und Nebenwirkung. Wie bei jedem angepriesenen Heilmittel, müsste eigentlich auch bei der Geistheilung ein Beipackzettel vorliegen:

„Zu Risiken und Nebenwirkungen:

Geistheilung kann zu psychischer Abhängigkeit führen. Es besteht die Gefahr, dass notwendige psychotherapeutische oder medizinische Abklärungen und Behandlungen verpasst werden. Wiederholte Inanspruchnahme von Geistheilung kann zudem den Kontostand negativ beeinflussen.“

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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Fastenmythen: Entschlacken durch Fasten?

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Jeden Frühling kommt sie wieder – die dringliche Empfehlung, dass nun die Zeit gekommen sei, um mit einer Fastenkur Körper, Geist und Seele zu entschlacken.

Den weitverbreiteten Entschlackungs-Irrtum kann man in einem Satz zusammenfassen:

„Giftstoffe und Ablagerungen, welche sich über das Jahr hinweg im Körper angesammelt haben, können beim „Entschlacken“ entfernt werden.“

Tatsache ist jedoch: Beim Stoffwechsel fallen zwar in der Tat als Teil eines natürlichen Vorganges nicht verwertbare chemische Endprodukte an. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) speichert ein gesunder Organismus diese überflüssigen Stoffe jedoch nicht etwa ab, sondern scheidet sie bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr über Nieren und Darm wieder aus.

Diese „Kläranlagen-Funktion“ des Organismus kann durch Fasten nicht effizienter werden, als sie ohnehin schon ist. Wissenschaftliche Belege für günstige Wirkungen des „Entschlackens“ gibt es übrigens kaum. „Der im Zusammenhang mit dem Heilfasten immer wieder genannte Begriff ‚Entschlacken‘ ist wissenschaftlich nicht begründbar“, erklärt die DGE.

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/blogs/in-form/fasten-kein-zuckerschlecken-für-die-gesundheit-145934893.html

Kommentar & Ergänzung:

Man muss unseren Organismus vor den „Entschlackungsaposteln“ quasi in Schutz nehmen. Sie sprechen ihm nämlich ziemlich grundlegend die Kompetenz ab, mit Stoffwechselprodukten angemessen und „professionell“ umzugehen. Und dann verkaufen sie uns Fastenkuren, Entschlackungstees, Detox-Fussbäder und andere Fragwürdigkeiten. Die Entschlackungsbranche lebt von einem Phantom. Um welche Stoffe es sich bei diesen „Schlacken“ und „Giftstoffen“ genau handeln soll – diese Angabe bleibt sie nämlich in der Regel schuldig.

Am heikelsten finde ich aber, dass durch die ständige Rede von Schlacken und Entschlackungskuren das Vertrauen in die Fähigkeiten unseres Organismus untergraben wird. Und wer an diesem Punkt genug verunsichert ist, wird ein guter Konsument für Mittelchen aller Art, die dieses Kompetenzdefizit beheben sollen. Davon lebt neben der Entschlackungsbranche auch die Nahrungsergänzungsmittel-Industrie.

Wer Ihnen einredet, Sie seien verschlackt, unterstellt Ihnen Problem und will Ihnen möglicherweise eine Lösung für das eingeredete Problem verkaufen.

Sparen Sie sich das Geld dafür und tun Sie sich damit sonst etwas Gutes.

Siehe auch:

Entgiftungsdiäten / Detox-Diäten – bodenlose Versprechungen

Unsinnig und irreführend: Sidroga® Wellness Entschlackungstee

Schlackenstoffe – ein Phantom macht Karriere

Entgiften und Entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilkräuter gegen Verdauungsprobleme

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Die ZDF-Sendung „Volle Kanne“ kümmerte sich vor einiger Zeit um menschliche Verdauungsprobleme:

„Vor allem über die Festtage kann der reguläre Essensrhythmus schnell aus dem Tritt geraten. Völlegefühl, Magendrücken und allgemeines Unwohlsein sind meist die Folge. Ein Schnäpschen nach dem Essen ist aber nicht die beste Möglichkeit, sich Erleichterung zu verschaffen.“

Das wohlige Brennen in der Kehle und die Wärme komme nur von der besseren Durchblutung des Magens nach dem Schnapsgenuss, erklärte die Ernährungsexpertin Dr. Brigitte Bäuerlein.

„Tatsächlich reize der Alkohol die Magenschleimhaut, hemme den Stoffwechsel und setze den Körper einem zusätzlichen Verdauungsstress aus. ‚Besser ist es, vor dem Essen einen Kräuter-Aperitif zu sich zu nehmen. Der bereitet die Verdauung vor und regt die Produktion der Gallensalze und Magensäure an.’

Auch ein Espresso, Mokka oder Kaffee nach dem Essen kann eine Wohltat sein. Kaffee wirkt in der Tat leicht abführend. Gibt man noch etwas Kardamom hinzu, regt er sogar die Fettverdauung an und wirkt entkrampfend. Noch besser eignen sich Kräuter zur Verdauung: Muskat, Ingwer, Anis, Gewürznelken, Zitronenmelisse, Kardamom, Thymian, Kümmel, Fenchel. Gibt man sie den Speisen hinzu, wird die Verdauung schon beim Verzehr positiv beeinflusst. So kann man etwa Fleisch mit einem Thymianzweig anbraten oder Fenchelgemüse als Beilage servieren. Zitronenmelisse eignet sich hervorragend als Dessert-Garnitur oder aufgebrüht als verdauungsfördernder Tee.“

Quelle:

http://vollekanne.zdf.de/ZDFde/inhalt/23/0,1872,8169111,00.html?dr=1

Kommentar & Ergänzung:

Das sind durchwegs vernünftige Tipps. Viele Gewürze wirken gegen Verdauungsbeschwerden.

Interessant finde ich in dieser Aufzählung der Gewürze den Kardamom:

„Kardamomsamen sind ein verbreitetes Gewürz in der asiatischen und arabischen Küche. Sie sind ein Hauptbestandteil indischer Masalas, des bekannten Chai-Tee und des ihnen nachempfundenen Currypulvers. Das berühmte ayurvedische Konfekt Laddu, welches aus Ghee-Butter hergestellt wird, enthält auch Kardamom. In der europäischen Küche findet das Gewürz hauptsächlich Verwendung in Weihnachtsgebäck wie Lebkuchen und Spekulatius, aber auch in Wurstwaren, Likören, Schokolade und als Bestandteil von Gewürzmischungen. Kardamom ist außerdem ein typischer Bestandteil süßer schwedischer Backwaren (z. B. Kanelbulle) und des schwedischen Glühweines (Glögg). Bei der Zubereitung von arabischem Mokka wird dem Kaffeemehl häufig Kardamom zugegeben. Trotz des selben Namens wird der sogenannte schwarze Kardamom (Amomum subulatum) ausschließlich für pikante Gerichte verwendet.“

(Quelle: Wikipedia)

Und zum Kardamom in Medizin und Volksmedizin:

„Kardamom wirkt verdauungsfördernd, krampflösend und blähungstreibend. Er ist außerdem Bestandteil einiger Arzneimittel aus der Gruppe der Magen-Darm-Mittel. Des Weiteren gilt er als allgemeines Anregungsmittel (Aphrodisiakum) für Körper und Geist. Das Kardamomöl hat geringes Allergiepotenzial. Besonders in den arabischen und asiatischen Kulturen erfährt Kardamom eine hohe Wertschätzung.“

(Quelle: Wikipedia)

Woher stammt der Kardamom?

„Kardamom stammt ursprünglich aus Südindien, Sri Lanka, Irak und Thailand. Ein großes Exportland ist heute auch Guatemala, weitere Anbauländer sind Tansania, Madagaskar, Papua-Neuguinea und Vietnam.“

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Naturheilmittel: Was ist Franzbranntwein?

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Franzbranntwein gehört zu den alten Hausmitteln. Angewendet wird er als erfrischende Einreibung, bei Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen und bei Sportverletzungen.

Franzbranntwein fördert die Durchblutung der Haut.

Im „Pharmawiki“ wird Franzbranntwein so vorgestellt:

„Franzbranntwein ist ein Spiritus (Geist), der heute künstlich durch die Vermischung von verdünntem Alkohol mit ätherischen Ölen hergestellt wird. Früher wurde Ratanhiawurzelextrakt zugemischt, der das Präparat cognacfarben färbte. Franzbranntwein mit Salz enthält zusätzlich Natriumchlorid (Kochsalz).“

Und Wikipedia schreibt zum Franzbranntwein:

„Franzbranntwein (spiritus vini gallici) ist eine alkoholische Lösung, hauptsächlich bestehend aus reinem Alkohol, Campher, Menthol und verschiedenen Duftstoffen wie Fichtennadel- oder Latschenkieferöl. Die Anwendung erfolgt überwiegend äußerlich zum Einreiben und Massieren oder zum Inhalieren und zur tropfenweisen Einnahme. Er fördert die Durchblutung und soll durch diesen Mechanismus insbesondere gegen Muskelkater helfen. Die Anwendung ist aber nicht unumstritten. Der im Franzbranntwein enthaltene Alkohol trocknet die Haut aus. Insbesondere für ältere Menschen, die oft trockene Haut haben, wird eine längerfristige Anwendung nicht empfohlen. In der professionellen Altenpflege gilt Franzbranntwein als verpönt.

Franzbranntwein ist in grünen und weißen Varianten erhältlich. Die Hauptproduzenten waren früher Frankreich (daher der Name), Spanien und Portugal.“

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Vom Umgang mit Krankheit

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Der „Tages-Anzeiger“ veröffentlichte am 11. August 2010 ein Interview mit der ehemaligen Regierungsrätin Rita Fuhrer, die nach einer Krebserkrankung auf dem Weg der Genesung ist. In diesem Gespräch gibt es eine Passage, die mir für den Umgang mit Krankheit sehr bedenkenswert scheint. Der Interviewer fragt:

„Gibt es auch Reaktionen, die Sie stören?“ – Darauf Rita Fuhrer: „Anfangs schon. Viele sagten mir: Du schaffst das. Sie bekommen das in den Griff, Frau Fuhrer. Ich hätte wohl früher auch so reagiert. Aber jetzt, wo ich selber krank bin, haben mir solche ‚Aufmunterungen’ das Gefühl gegeben, allein für meine Genesung verantwortlich zu sein. Ich war sehr verunsichert und hoffte auf Hilfe von meinen Bekannten und natürlich von der Medizin. Ich fand es viel wohltuender, wenn mir jemand sagte, Frau Fuhrer, ich denke an Sie.“

Diese Aussage zeigt deutlich den heiklen Punkt solcher gut gemeinter „Aufmunterungen“. Sie kommen oft eher als Distanzierung an. Ich glaube, dass sich die „Aufmunterer“ damit ein Stück weit den Schrecken einer schlimmen Krankheit wie Krebs vom Leibe halten. Die Aussage, „Sie bekommen das in den Griff, Frau Fuhrer“, impliziert ja auch, dass man das in den Griff bekommen kann, also auch der „Aufmunterer“ selber, sollte es ihn oder sie ebenfalls treffen. Das ist eine Illusion, weil Menschen fragile Wesen sind und krankheitsanfällig. Manches gesundheitliche Problem bekommen wir zwar in den Griff, andere aber leider ganz und gar nicht. Das macht Angst. Und es sind Ohnmachtserfahrungen, wenn wir plötzlich wie aus heiterem Himmel von einer schweren Krankheit befallen zu werden. Mit Aussagen wie „Sie bekommen das in den Griff, Frau Fuhrer“, wehrt man solche eigenen Ängste und Ohnmachtsgefühle ab. Damit verbunden ist meines Erachtens auch eine subtile Verabschiedung aus der mitmenschlichen Solidarität mit den Kranken, die auf der Basis einer gemeinsamen Fragilität und Gefährdung aller Menschen steht. Krebs zum Beispiel könnte Jeden und Jede treffen – das macht nicht nur Angst, es verbindet auch.

„Frau Fuhrer, ich denke an Sie“ – diese Aussage schafft dagegen Kontakt und  verbindet die beteiligten Menschen.

Es scheint mir sehr wichtig, dass wir im Umgang mit Krankheit und kranken Menschen auf solche mehr oder weniger subtilen Distanzierungen achten – und wo immer möglich statt dessen kontaktreich reagieren.

Auf mehr oder weniger subtile Distanzierungen treffe ich auch immer wieder im Bereich Komplementärmedizin. Zum Beispiel in Form der Vorstellung, dass alle Krankheiten psychisch bedingt sind, und dass wer gesund werden will, es nur wollen muss. Dem zugrunde liegt die Vorstellung, dass wir das Steuer betreffend Gesundheit und Krankheit in uns selber tragen in Form der richtigen Einstellung, dem richtigen Willen etc.

Auch diese Vorstellung verschliesst die Augen vor der menschlichen Fragilität und lindert Angst und Ohnmacht, die mit dem Ausgeliefert sein an unkontrollierbare Krankheitsprozesse verbunden sind. Diese Verdrängung kostet aber ihren Preis. Zwar werden möglicherweise Angst und Ohnmachtsgefühle vermindert, doch steht dafür oft das Thema Schuld im Raum. Wer krank bleibt, weil er es nicht schafft, richtig zu denken und gesund werden zu wollen, macht etwas falsch. An diesem Punkt kippt diese Vorstellung nicht selten ins Menschenverachtende und in eine nur schwer erträgliche Arroganz gegenüber chronisch kranken Menschen. Aber die illusionäre Vorstellung, man könne jede Krankheit mit der richtigen Einstellung besiegen, ist halt zu verlockend. Wichtig scheint mir jedoch vor allem, dass wir die damit verbundene Distanzierung von chronisch Kranken und die Entsolidarisierung sehen. Dass solche höchst einseitigen Vorstellungen dann manchmal gar noch als „ganzheitlich“ dargestellt werden, ist sehr skurril. Wenn alle Ursachen von Krankheiten ausschliesslich in der Psyche gesehen werden, dann ist dies ausgesprochen reduktionistisch: Die körperliche Basis des Menschen als Quelle von Krankheit? Ausgeblendet! Kommt nicht vor. Hier zeigt sich die altüberlieferte Körperfeindlichkeit in „neu-esoterischem“ Gewand. Aber ja, mit unserer materiell-körperlichen Seite sind wir unzähligen Gefahren ausgesetzt, während man sich vormachen kann, dass Geist und Psyche alle körperlich-materiellen Hindernisse und Einschränkungen überwinden.

Umweltfaktoren als Ursachen von Krankheiten? Feinstaub? Dieselabgase? – Offenbar kein Thema.

Gene als Ursache für gewisse Anfälligkeiten gegenüber Krankheiten? Offenbar kein Thema.

Soziale Bedingungen als Ursache für Krankheiten? Mangelnde Bildung?  Desolate Arbeitsbedingungen? Kein Thema!

Nur deine Psyche, dein Bewusstsein, dein Wille entscheidet über Gesundheit und Krankheit. Mehr Reduktionismus scheint mir kaum möglich.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Täglicher Spaziergang bremst geistigen Abbau

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Viel Bewegung fördert offenbar die Gehirndurchblutung und dadurch die geistige Leistungsfähigkeit.
Ein ausgiebiger Spaziergang pro Tag, das hält bei alten Menschen nicht nur den Körper, sondern auch den Geist fit: Eine US-Studie hat gezeigt, dass die Hirndurchblutung und die kognitiven Fähigkeiten bei aktiven Menschen besser sind als bei trägen Zeitgenossen.
Ungenügende Bewegung erweist sich immer deutlicher als ein bedeutender Risikofaktor für Schlaganfall und Demenz bei alten Menschen. Umgekehrt scheint ausreichend körperliche Aktivität bei alten Menschen nicht nur den Körper, sondern auch den Geist länger fit zu halten. Kanadische Wissenschaftler haben nun eine Hypothese entwickelt, die diesen Zusammenhang erklären könnte. Sie vermuten, dass viel Bewegung die Hirndurchblutung optimiert und so den geistigen Abbau bremst.
In ihrer Studie untersuchten die Forscher um Dr. Marc Poulin 42 gesunde Frauen im Alter von durchschnittlich 65 Jahren. 28 von ihnen waren körperlich sehr fit. Sie machten täglich Spaziergänge oder beteiligten sich an Aerobic-Übungen. Die anderen waren eher träge und bewegten sich wenig. Die Forscher erfassten die körperliche Fitness per maximaler Sauerstoffkapazität beim Ergometer-Training. Zudem bestimmten sie den arteriellen Blutdruck und per transkraniellem Doppler-Ultraschall zerebrovaskuläre Messwerte. Mittels einer ausführlichen Testreihe wurden die kognitive Funktionen wie Gedächtnis, Sprachflüssigkeit, Aufmerksamkeit oder Reaktion festgehalten.
Im Ganzen schnitten die körperlich aktiven Frauen bei den kognitiven Tests deutlich besser ab – sie erreichten im durchschnittlich zehn Prozent mehr Punkte. Naturgemäß war die kognitive Leistung dabei umso schlechter, je älter die Studienteilnehmerinnen waren. Allerdings hing die geistige Leistung auch von der maximalen Sauerstoffkapazität ab – je höher dieses Maß für körperliche Fitness war, um so fitter war auch der Geist.
Zugleich zeigten Frauen mit guter Fitness auch bessere vaskuläre und zerebrovaskuläre Werte: Der durchschnittliche arterielle Blutdruck war um zehn Prozent tiefer, die zerebrovaskuläre Reservekapazität war hingegen um zirka fünf Prozent höher: Die fitten Frauen konnten deshalb während körperlicher Anstrengung oder einer Hyperkapnie (erhöhter Kohlenstoffdioxidgehalt im Blut) die Hirndurchblutung deutlich besser steigern als körperlich träge Frauen. „Eine gewisse körperliche Grundfitness ist offenbar entscheidend dafür, im Alter gesund und geistig klar zu bleiben“, hält Poulin fest. „Und dafür genügt ein simpler täglicher Spaziergang.“
Aufgrund der Studienresultate vermutet Poulin, dass die gute Hirndurchblutung ein Faktor für die bessere geistige Leistung von körperlich aktiven alten Menschen.
Quelle: Ärzte Zeitung, 03.02.2009
Originalpublikation:
Neurobiology of Aging, doi:10.1016/j.neurobiolaging.2008.11.002

Kommentar:
Eine weitere Studie, die den Wert von körperlicher Bewegung für die Gesundheit aufzeigt. Das freut mich jedes Mal, ist doch Bewegung ein altes Heilmittel der traditionellen Naturheilkunde. Die Studien zeigen auch sehr schön, dass gar nicht irgendwelche extremen Sportaktivitäten nötig sind, sondern die langfristig in den Alltag integrierte und durchaus moderate Bewegung.
Diese Art von Bewegung ist unspektakulär und kostet wenig bis gar nichts. Darum wird für sie nicht viel Propaganda gemacht. Dadurch rücken bezüglich Gesunderhaltung immer mehr Methoden und Techniken in den Vordergrund, die den Herstellern, Verkäufern, Therapeuten usw. mehr Gewinn an Geld und Status versprechen.
Mir scheinen solche Erkenntnisse bezüglich dem Wert von Bewegung immer auch als gutes Argument für Heilkräuter-Exkursionen. Wer die Natur und die Heilpflanzen in der Umgebung kennenlernt, wird dadurch motiviert, sich im Freien zu bewegen. Wenn immer mehr Menschen Pflanzen und Tiere allenfalls noch aus dem Fernsehen kennen, ist das nicht nur ein grosser Verlust an faszinierenden Erlebnissen, sondern auch eine bezüglich der Gesundheit bedenkliche Entwicklung. Heilpflanzen-Exkursionen sind eine Brücke zur Natur. Sie aktivieren zugleich Körper, Geist und Psyche.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Spagyrik: Nachfragen bei nebulösen Aussagen!

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Spagyrik boomt in vielen Apotheken, Drogerien und Naturheilpraxen. Doch es gibt kaum eine Sparte der Pflanzenheilkunde mit derart schwammigen und zugleich wohltönenden Aussagen. Jede dieser Aussagen ist meiner Ansicht nach eine Aufforderung, sehr genau und detailliert nachzuhaken.
So erklärte mir vor kurzem ein Spagyrik-Vertreter, dass spagyrische Heilmittel ganzheitlicher und tiefer wirken würden als “gewöhnliche” Phytotherapie.
Ganzheitlicher und tiefer tönt natürlich immer gut, doch mir scheint, dass wir es hier mit typischen Worthülsen zu tun haben.
Ich fragte nach, wie genau denn die Spagyrik ganzheitlicher wirke. Die Antwort war, dass sie eben gleichzeitig auf Geist, Seele und Körper wirke. Ich fragte nach, wie denn genau die Wirkung auf den Geist sei und bekam sehr verworrene Antworten wie “heilend” und “harmonisierend”.
Wenn ich spagyrische Mittel einnehmen würde und diese Aussagen ernstnähme, wäre ich sehr beunruhigt. Hier wird eine Wirkung auf meinen Geist behauptet, aber niemand weiss offenbar, was genau das Mittel dort auslöst. Es scheint so, als ob das Mittel von selber wüsste, was es in meinem Geist tun soll, und diesen “Job” selbständig erledigt. Na bravo, das ist ja sehr effizient. Weder der Patient noch die behandelnde Person müssen sich da noch gross anstrengen, geschweige denn sich mit dem “Geist” auseinandersetzen.
Ich habe dann noch nachgefragt, wie genau die Wirkung der Spagyrik auf der seelischen Ebene zustande komme, und wieder nur ausgesprochen vage Antworten bekommen. Hier muss man sich als TherapeutIn offenbar nicht ernsthaft mit der Psyche des behandelten Menschen auseinandersetzen oder gar eine psychotherapeutische Ausbildung haben – und trotzdem kann man “tief” in die Seele einwirken.
Auch hier hatte ich den Eindruck: Wenn all diese tiefen seelischen Wirkungen real wären, aber niemand eine genauere Ahnung davon hat, was da genau passiert in der Psyche, dann wäre das höchst problematisch. Vergleichbar schiene mir das mit einer Operation durch einen blinden Chirurgen – ein kriminelles Vorgehen!
Keine Angst vor Schäden, Risiken und Nebenwirkungen in der Psyche? Oder kann man da gar nie etwas falsch machen? Das wäre dann wirklich wunderbar.
Aber ich will nicht dramatisieren: Für mich deutet nichts darauf hin, dass Spagyrik in dieser Art auf Geist und Psyche wirkt. Wer aber an solche Effekte glaubt, muss sich auch fragen lassen, was er da genau in Geist und Seele auslöst. In diesen Bereichen kann man doch nicht so einfach herumfuhrwerken. Auch stellt sich die Frage, wie denn individuell auf Geist und Psyche der behandelten Person eingegangen wird, wenn doch die Vorstellungen derart vage und nebulös bleiben. Für die Naturheilkunde ist es ja ein oft postuliertes Anliegen, den Menschen individuell zu behandeln. Hier aber – ohne fundiertes Wissen über Psyche und Geist der behandelten Person, kann die Therapie ja nur ausgesprochen pauschal ausfallen.

Ich habe dann darauf verzichtet, meinen Spagyrik-Vertreter noch zu fragen, wie genau die “tiefe” Wirkung zustande kommt oder was genau er damit meint. Aber “tief” ist auch so ein Allerweltswort, das immer gut tönt und noch gar nichts aussagt.

Fragen Sie hartnäckig nach, wenn ihnen solche Worte serviert werden – in der Naturheilkunde, in der Pflanzenheilkunde, oder auch sonst im Alltag.
Nichts konkretes aussagen, kein Inhalt, aber eine wohltönende Hülle. Das ist meines Erachtens Manipulation pur.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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