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Placebo-Effekt: Studie zeigt, weshalb teurer Wein scheinbar besser schmeckt

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Preise von Produkten beeinflussen die Wahrnehmung: Der gleiche Wein schmeckt Testpersonen besser, wenn er mit einem höheren Preis angeschrieben ist. Forscher der INSEAD Business School und der Universität Bonn konnten zeigen, dass das Belohnungszentrum im Gehirn eine positive Geschmackswahrnehmung verstärkt. Dabei sind hautsächlich das Frontalhirn und das ventrale Striatum beteiligt. Die Resultate wurden nun im Fachjournal „Scientific Reports“ publiziert.

Ein höherer Preis zum Beispiel für Schokolade oder Wein steigert die Erwartung, dass das Produkt auch besser schmeckt. Unklar war bisher allerdings, wie die Preisinformation im Gehirn letztlich dazu führt, dass teurer Wein auch als besser schmeckend wahrgenommen wird.

Das Phänomen, dass identische Produkte durch verschiedene Preise unterschiedlich wahrgenommen werden, wird aauch „Marketing-Placebo-Effekt“ genannt. Wie bei einem Scheinmedikament Placebo) entfaltet er nur schon durch zugeschriebene Eigenschaften eine Wirkung.

Die Forscher untersuchten an 30 Testpersonen – davon 15 Frauen und 15 Männer im Durchschnittsalter von rund 30 Jahren – wie unterschiedliche Preise im Gehirn in entsprechende Geschmackserfahrungen übersetzt werden, wenn sich der degustierte Wein nicht unterscheidet.

Die Weindegustation fand liegend im Kernspintomografen statt, mit dem die Aktivität der Gehirnregionen erfasst wurde.

Zunächst wurde den Probanden der Preis des Weines eingeblendet. Anschliessend wurde nur rund ein Milliliter der unterschiedlichen Weine über einen Schlauch in den Mund der Testpersonen zugeführt. Darauf bestimmten die Teilnehmer mit einem Knopf auf einer neunteiligen Skala, wie gut ihnen der Wein geschmeckt hat. Danach wurde der Mund mit einer neutralen Flüssigkeit gespült und die nächste identische Weinprobe zur Degustation zugeführt. Alle Experimente fanden im Hirnscanner des Life & Brain Zentrums an der Universität Bonn statt.

Der Marketing-Placebo-Effekt habe aber auch seine Grenzen, sagen die Wissenschaftler. Wird ein qualitativ minderwertiger Wein für 100 Euro angeboten, bliebe er absehbar aus. Deshalb führten die Forscher die Versuche mit einem Rotwein durch, für den im französischen Handel eine Flasche etwa zwölf Euro kostete. Im Kernspintomografen wurde den Testpersonen hierfür zufällig als Preis drei, sechs und 18 Euro eingeblendet. Um die Studie möglichst realistisch zu gestalten, erhielten die Probanden ein Startguthaben von 45 Euro. Pro Degustation wurde der angezeigte Betrag in manchen Versuchsabläufen von diesem Konto abgebucht.

Wie erwartet gaben die Teilnehmenden an, dass der Wein mit dem höheren Preis besser schmeckt als ein scheinbar günstigerer. Es spielte jedoch keine Rolle, ob die Probanden den Wein auch bezahlen mussten, oder ob sie ihn kostenlos erhielten. Identischer Wein führt also zu einem besseren geschmacklichen Erlebnis, wenn damit preisbedingt eine höhere Erwartung verbunden ist.

Interessanterweise zeigte sich das auch im Kernspintomografen.

Die Wissenschaftler stellten fest, dass bei höheren Preisen hauptsächlich das Frontalhirn und zudem auch das ventrale Striatum stärker aktiviert wurden. Während das Frontalhirn vor allem am Preisvergleich und damit der Erwartung beteiligt zu sein scheint, gehört das ventrale Striatum zum Belohnungs- und Motivationssystem. Die Forscher konnten zeigen, dass das Belohnungssystem bei höheren Preisen deutlich stärker aktiviert wird und auf diese Weise offenbar das Geschmackserlebnis verstärkt.

Das Belohnungs- und Motivationssystem spielt uns also offenbar einen Streich und gaukelt uns bei höheren Preisen einen Geschmack vor, der durch den Wein selbst an sich nicht gerechtfertigt ist, weil es sich ja bei allen Degustationen objektiv um das identische Produkte handelte.

Quelle:

https://idw-online.de/de/news679479

Publikation: Liane Schmidt, Vasilisa Skvortsova, Claus Kullen, Bernd Weber und Hilke Plassmann, How context alters value: The brain’s valuation and affective regulation system link price cues to experienced taste pleasantness, Scientific Reports, DOI: 10.1038/s41598-017-08080-0

http://www.nature.com/articles/s41598-017-08080-0

 

Kommentar & Ergänzung:

Wein hat ja nur im sehr weit gefassten Sinn eine Bedeutung für die Phytotherapie. Aber diese Studie ist auch interessant für Medizin und Phytotherapie. Teurer = besser – diese Vorstellung wurde nämlich auch in der Schmerztherapie untersucht. Auch hier zeigte sich als Resultat, dass teure Placebos besser schmerzlindernd wirken als billige. Siehe dazu:

Überraschender Placebo-Erfolg bei Schmerztherapie

Die Wirkung jedes wirksamen Arzneimittels besteht aus einem pharmakologischen Anteil (durch Wirkstoffe vermittelt) und einem Placebo-Anteil. Das gilt für synthetische Medikamente genauso wie für Phytopharmaka. Dass teurere Präparate von einem ausgeprägteren Placebo-Anteil profitieren, ist natürlich unlogisch. Es zeigt aber auch, dass Heilung nicht nur rationale Anteile hat.

Ich selber bin oft skeptisch gegenüber teuren Heilpflanzen-Zubereitungen. Es gibt Phytopharmaka, bei denen mir ein höherer Preis gerechtfertigt schein, zum Beispiel wenn damit hohe Forschungs- und Entwicklungskosten verbunden waren. Aber oft sind hohe Preise durch nichts gerechtfertigt und einfach nur Abzocke. Solchen Produkten missgönne ich dann quasi den höheren Placobo-Effekt.

Wenn billige Heilpflanzen-Präparate unbewusst weniger Ernst genommen werden, könnte das auf Kosten der Kräutertees gehen. Sie sind von Preisniveau her oft sehr moderat und deutlich tiefer als Pflanzentinkturen auf alkoholischer Basis. Viele Konsumentinnen und Konsumenten sind überzeugt, dass Pflanzentinkturen viel konzentrierter als Kräutertees sind. Berücksichtigt man aber die in der Regel damit zugeführte Dosis, lassen sich mit preisgünstigen Kräutertees meistens deutlich mehr Wirkstoffe zuführen als mit teureren Pflanzentinkturen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Ginkgo – nicht alle Zubereitungsarten sind gleichwertig

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Ginkgo verbessert die Funktion des Gehirns. So lautet eine oft gehörte, aber eher oberflächliche und ungenaue Beschreibung der Wirkung der Heilpflanze Ginkgo biloba.

Aus fachlicher Sicht sagt das noch wenig aus und die Anwendungsgebiete müssen präziser gefasst werden. In welchen Situationen eignet sich Gingko und in welchen nicht? Wirkt Ginkgo vorbeugend oder bei bestehenden Beschwerden?

Darüber hinaus wird aber im Umgang mit Heilpflanzen oft unterschätzt, wie wichtig die Wahl der geeignetsten Zubereitungsform ist.

Ein Kräutertee? Eine Frischpflanzentinktur bzw. Urtinktur? Eine Pflanzentinktur aus getrockneten Pflanzen nach Arzneibuch? Ein Frischpflanzensaft? Ein Pflanzenextrakt?

Bei Ginkgo biloba ist die Situation ziemlich klar:

Ginkgotee ist ungeeignet. Er enthält oft zu hohe Gehalte an Ginkgolsäuren, die ein hohes allergenes Potenzial besitzen und in pharmakologisch-toxikologischen Untersuchungen auch cytotoxische, neurotoxische und mutagene Wirkungen zeigen. Die wirksame Dosis wird mit Ginkgotee nicht erreicht.

Siehe dazu:

Ginkgotee nicht ohne Risiko

 

Auch Ginkgotinkturen enthalten die entscheidenden Wirkstoffe in zu geringen Mengen und sind daher unterdosiert.

Sicher anwendbar sind nur Trockenextrakte aus Ginkgo biloba, bei denen die Gingolsäuren während der Herstellung entfernt wurden, und die eine hohe Wirkstoffkonzentration aufweisen. Der am besten mit Studien belegte Ginkgoextrakt ist EGb 761 (Tebokan / Tebofortin).

Für diesen Spezialextrakt gibt es medizinisch anerkannte Anwendungsgebiete. Das Herbal Medicinal Product Committee (HMPC) als EU-Zulassungsbehörde für pflanzliche Arzneimittel akzeptiert ihn zur Verbesserung altersbedingter kognitiver Einschränkungen und zur Verbesserung der Lebensqualität als „medizinisch allgemein anerkannt“ („well-established use“).

Die ESCOP hält standardisierte Ginkgo-Extrakte für geeignet zur symptomatischen Behandlung von leichtem bis mittel¬schwerem demenziellem Syndrom einschließlich primärer degenerativer Demenz, vaskulärer Demenz und deren Mischformen; für hirnorganisch bedingte Leistungsstörungen; neurosensorische Störungen wie Schwindel, Gleichgewichtsstörungen und Tinnitus; zur Verbesserung der kognitiven Leistung; zur symptomatischen Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (PAVK, Claudicatio intermittens = „Schaufensterkrankheit“).

Siehe: Phytotherapie – was sind ESCOP-Monografien

In der Phytotherapie ist die Frage, in welcher Arzneiform eine Heilpflanze optimal eingesetzt werden kann, sehr zentral und wird oft unterschätzt.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Oeko-Test beurteilt Hustensäfte für Kinder

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Die Zeitschrift „Oeko-Test“ hat Hustensäfte für Kinder beurteilt. Dabei kamen auch Heilpflanzen-Präparate zu guten Bewertungen.

Bei den Schleimlösern (Expektorantien) schnitten unter den Thymian-Präparaten Aspecton Hustensaft und Abtei Bronchial Sirup mit „gut“ ab. Thymiverlan, Tussamag zuckerfrei und Bronchicum Elixier (Thymian/ Primel) bekamen wegen des Alkoholgehalts nur ein „ausreichend“. Mit „mangelhaft“ wurde Eucabal Hustensaft (Thymian / Spitzwegerich) bewertet.

Überzeugt haben auch die Efeu-Säfte Prospan, Hedelix, Bronchostad und Sinuc , sowie die ätherischen Öle in Gelomyrtol forte und Soledum Kapseln.

Untersucht wurden auch Hustenstiller (Antitussiva). Ein „sehr gut“ vergaben die Experten für Schoenenberger Heilpflanzensaft Spitzwegerich Bio.

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/panorama/nachricht-detail-panorama/oeko-test-punkte-abzug-fuer-alkohol-und-konservierungsmittel-in-hustensaeften-kinder/?tx_ttnews%5BsViewPointer%5D=1&cHash=f01ad2b9823c1f5225db568a9a9775cb

 

Kommentar & Ergänzung:

Punktabzug gab es für Alkoholgehalt und für den Zusatz von Konservierungsmitteln wie Propylparaben und Benzoesäure. Den beiden Konservierungsstoffe Propylparaben und Benzoesäure  werden schädliche Wirkungen zugeschrieben: Paraben soll hormonell wirksam und reproduktionstoxisch sein, Benzoesäure könne im Extremfall Gehirnschäden bewirken.

Nicht ersichtlich wird aus dem Bericht, wie die Wirksamkeit der Präparate beurteilt wurde.

Festzuhalten ist noch, dass die Beurteilung dieser Heilpflanzen-Präparate nicht auf andere Produkte mit den selben Bestandteilen übertragen werden kann. Thymian-Präparate zum Beispiel gibt es eine ganze Reihe und sie sich nur sehr eingeschränkt vergleichbar.

Die Präparate sind nur zum Teil in der Schweiz im Handel, zum Beispiel Prospan (Efeuextrakt) und Gelomyrtol (Gemisch aus ätherischen Ölen, vor allem Eukalyptusöl).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zimt verbessert Lernvermögen bei Labormäusen

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Manchen Menschen fällt das Lernen einfach schwerer. Ihnen könnte möglicherweise eine Prise Zimt helfen. Hinweise in diese Richtung zeigten sich in einer neuen US-Studie mit Mäusen, in der Zimt das Lernvermögen verbessert.

Gaben die Forscher Labormäusen, die schlecht lernten, einen Monat lang zusätzlich zu ihrem Futter Zimt ins Futter, verbesserte sich ihr Gedächtnis und ihr Lernvermögen deutlich und wurde so gut wie das von schnell lernenden Mäusen.

Das berichten die Wissenschaftler um den Neurologen Kalipada Pahan von der Rush University in Chicago im Journal of Neuroimmune Pharmacology.

Auf Mäuse, die bereits schnell lernten, hatte die Zimtgabe keinen Einfluss.

Die Forscher hatten Mäuse ins Barnes-Labyrinth geschickt, eine große Arena, in die am Rand 40 Löcher gestanzt sind. In diese Löcher kann eine Maus hineinschlüpfen, doch führt nur eines der Löcher durch einen Gang in ein echtes Versteck. Die anderen Löcher enden blind und die Maus wird sich darin unwohl fühlen.

Am Rand der Arena gibt es Markierungen, damit eine Maus, wenn sie einmal das echte Versteck gefunden hat, dieses sofort wiedererkennen kann. Wird die Maus ins Labyrinth gesetzt, huscht sie rasch zum richtigen Loch.

Mit dem Barnes-Labyrinth können Forscher also Mäuse auf ihre Lernfähigkeit testen. Mäuse mit guten Lernwerten verschwinden augenblicklich im richtigen Loch. Mäuse mit Lernproblemen suchen alle Löcher ab und finden das Versteck erst nach längerer Zeit. Bei diesen Schlecht-Lerner-Mäusen war nun die Steigerung der Lernfähigkeit nach Zimtgabe signifikant.

Eine Maus, die beispielsweise 150 Sekunden brauchte, um im Barnes-Test das richtige Loch zu finden, schaffte das innert 60 Sekunden, nachdem sie einen Monat lang Zimt bekommen hatte.

Die Wissenschaftler entdeckten in weiteren Tests sogar die neurobiologischen Grundlagen für diesen Effekt. Zimt-Inhaltsstoffe werden in der Leber zu Natriumbenzoat verstoffwechselt. Diese Substanz beeinflusst offenbar den Hippocampus, einen kleinen Hirnbereich, der Erinnerungen sortiert und speichert.

Schlechte Lerner haben im Hippocampus tiefere Werte des Proteins CREB, das beteiligt ist an Erinnerung und Lernen, und höhere Werte von Proteinen, die hemmend auf diese Prozesse wirken.

Natiumbenzoat verändert die Menge dieser Stoffe in günstiger Weise und stimuliert im Hippocampus die Plastizität, also letztlich die Lernfähigkeit des Gehirns.

Ob Zimt auch die Lernfähigkeit des Menschen steigern kann, ist allerdings noch völlig offen.

Sollten sich ihre Resultate bei Menschen bestätigen, die sich mit dem Lernen schwertun, wäre dies ein bemerkenswerter Fortschritt, erklären die Forscher. Kalipada Pahan schreibt:

„Dies wäre einer der sichersten und einfachsten Ansätze, um aus schlechten Lernern gute Lerner zu machen.“

In normalen Mengen konsumiert, sind Zimt und Natiumbenzoat für den Menschen unbedenklich. Die Forscher empfehlen aber, auf die Qualität des Zimts zu achten. Billiger Cassia-Zimt, auch chinesischer Zimt genannt, enthält höhere Mengen an Cumarin, das die Leber schädigen kann. Im sogenannten Ceylon-Zimt kommt Cumarin nur in sehr geringen Mengen vor.

Quellen:

http://www.aponet.de/aktuelles/kurioses/20160715-zimt-verbessert-das-lernvermoegen.html

http://www.welt.de/gesundheit/article157299038/Wer-Zimt-isst-lernt-womoeglich-leichter.html

https://www.sciencedaily.com/releases/2016/07/160712214659.htm

http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs11481-016-9693-6

DOI: 10.1007/s11481-016-9693-6

 

Kommentar & Ergänzung:

Grundsätzlich sind diese Ergebnisse sehr interessant, doch kann nicht genug betont werden, dass von Laborergebnissen und Tierexperimenten nicht einfach auf entsprechende Wirkungen beim Menschen geschlossen werden kann. Das sagen ja auch die Wissenschaftler selber in ihrer Zimtstudie. Auch die Frage, welche Dosis für Menschen nötig wäre, ist ungeklärt.

In der Originalpublikation steht einfach, dass Zimt von den Mäusen in Natriumbenzoat umgewandelt wird. Das ist natürlich vereinfacht dargestellt. Es muss ein bestimmter Inhaltsstoff von Zimt sein und bisher habe ich nicht herausgefunden, welcher dafür in Frage kommt.

Interessants gibt es aber auch zum Natriumbenzoat zu sagen:

Natriumbenzoat hemmt Bakterien und Pilze und wird daher als Lebensmittelzusatzstoff (E 211) zur Konservierung von Lebensmitteln eingesetzt.

Wikipedia schreibt zur Verträglichkeit:

«Natriumbenzoat kann Allergien wie Asthma und Nesselsucht auslösen und belastet den Leberstoffwechsel. Eine britische Studie nannte Natriumbenzoat, das als Konservierungsstoff in Colagetränken verwendet wird, neben anderen Zusatzstoffen als möglichen Auslöser für ADHS. Wörtlich heißt es in der Studie, die im britischen Medizinjournal The Lancet erschien: „Diese Ergebnisse zeigen, dass ungünstige Wirkungen nicht nur bei Kindern mit extremer Hyperaktivität (wie ADHS), sondern auch in der normalen Bevölkerung auftreten“»

Da die aus Zimt umgewandelten Mengen an Natriumbenzoat wohl doch eher klein sein dürften, kann ich mir unerwünschte Nebenwirkungen wie eine Belastung des Leberstoffwechsels auf diesen Weg nicht recht vorstellen. Für Allergien reichen allerdings schon sehr geringe Stoffmengen. Interessant ist das Zitat aus „The Lancet“ am Schluss. Da stellt sich die Frage, ob Natriumbenzoat im Gehirn durch Einwirkung auf bestimmte Proteine nicht nur günstige Wirkungen auf Lernprozesse auslösen kann, sondern in manchen Situationen vielleicht auch dysregulierend wirken könnte. Allerdings wurde in der betreffenden Lance-Studie Natriumbenzoat zusammen mit bestimmten Lebensmittelfarbstoffen untersucht, so dass nicht eindeutig ist, ob Natriumbenzoat an diesem negativen Effekt beteiligt ist und wenn ja, wie stark:

„An der Studie nahmen rund 300 Kinder teil, die in drei Gruppen aufgeteilt wurden. Sie wurden gebeten, über den Zeitraum von sechs Wochen Fruchtsäfte zu trinken. Bei zwei der drei Gruppen waren die Säfte aber mit den Farbstoffen Sunsetgelb (E110), Chinolingelb (E104), Azorubin (E122) und Allularot (E129) sowie dem Konservierungsstoff Natriumbenzoat (E211) versetzt. Letzteres wird häufig Erfrischungsgetränken wie Cola beigemischt.

Die Flüssigkeiten, die den Drei- beziehungsweise Acht- bis Neunjährigen gegeben wurden, entsprachen den Forschern zufolge Getränken, die im Handel erhältlich sind. In der Untersuchung fanden die Wissenschaftler heraus, dass in beiden Altersgruppen die Kinder, die die präparierten Flüssigkeiten zu sich nahmen, unruhig wurden und leichter die Konzentration verloren.

„Diese Ergebnisse zeigen, dass ungünstige Wirkungen nicht nur bei Kindern mit extremer Hyperaktivität (wie ADHS), sondern auch in der normalen Bevölkerung auftreten“, schreiben die Forscher in ihrer Studie.»

Quelle: https://web.archive.org/web/20070908220223/http://www.netzeitung.de/wissenschaft/732690.html

 

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Lernen im Schlaf: Rosenduft verbessert im Experiment die Gedächtnisleistung

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Psychologen wissen schon lange, dass sich Wörter besser lernen lassen, wenn danach ein paar Stunden geschlafen wird.

Experimente zeigen nun: Rosenduft kann möglicherweise dabei helfen, dass sich Erinnerungen während des Schlafs besser ins Gedächtnis eingraben.

Damit sich Erinnerungen dauerhaft ins Gedächtnis eingraben, ist ein guter Schlaf unerlässlich.

Schon vor etwa hundert Jahren erkannten Psychologen, dass Versuchspersonen Wörter besser lernen, wenn sie anschließend ein paar Stunden schlafen, statt wach zu bleiben. Inzwischen verstehen Wissenschaftler auch besser, wie das genau geschieht.

Laufen die Ratten einen Gang entlang, feuern an bestimmten Positionen im Kortex und Hippocampus spezifische Neurone, die für den Transfer von Inhalten ins Langzeitgedächtnis benötigt werden.

Dieses Aktivitätsmuster wiederholt sich im Schlaf – ein Phänomen, das „Replay“ genannt wird. Das Gehirn läuft dabei den Gang praktisch noch einmal ab.

Dieses Replay lässt sich offenbar unter bestimmten Umständen verstärken, wie Dr. Susanne Diekelmann von der Universität Tübingen anhand von eigenen Experimenten zeigen konnte.

Ein Forschungsteam vom Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie hatte Versuchspersonen gebeten, vor dem Schlaf Memory zu spielen. Die Probanden sollten sich dabei die Positionen der Karten gut merken.

Zugleich wurde den Probanden ein Rosenduft präsentiert, sodass der Geruch mit dem Memoryspiel verknüpft wurde. Im Schlaf nebelten die Tübinger Wissenschaftler ihre Versuchspersonen erneut mit Rosenduft ein oder mit einem geruchslosen Placeboduft.

Am nächsten Tag wurden dann einzelne Karten beim Memory aufgedeckt und die Versuchspersonen aufgefordert, sich an die korrekte Position der dazu passenden Karten zu erinnern.

Wurde der Rosenduft im Tiefschlaf verströmt, konnten sich die Probanden an signifikant mehr korrekte Kartenpositionen erinnern als unter Placeboduft.

In anderen Schlafphasen blieb der Rosenduft hingegen ohne Effekt. Auch der Rosenduft allein ohne vorherige Verknüpfung mit dem Memory-Spiel bewirkte keine Gedächtnisverbesserung.

Bei diesen Experimenten bleiben allerdings noch einige Fragen offen.

So ist beispielsweise noch unklar, wie relevant die festgestellten Effekte im Alltag sind und ob sie langfristig anhalten.

Fraglich ist auch, ob Patienten mit kognitiven Defiziten von einer solchen Rosenduft-Anwendung profitieren könnten.

Zudem ist nicht ausgeschlossen, dass kognitive Nebenwirkungen auftreten könnten:

Möglicherweise gehen die Manipulationen auf Kosten anderer Schlaffunktionen: Der Schlaf könnte weniger erholsam sein, wenn sich das Gehirn dabei zu viel mit dem Gedächtnis beschäftigt.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/neuro-psychiatrische_krankheiten/article/903213/rosenduft-co-klappt-lernen-schlaf.html?sh=18&h=-1812433572

 

Kommentar & Ergänzung:

Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, dass Duftstoffe unerwartete und eindrückliche Wirkungen im Organismus auslösen können.

Sehr zu Recht wird in dem Text aber auch auf die offenen Fragen hingewiesen. Experimentelle Ergebnisse lassen sich oft nur sehr eingeschränkt auf die Anwendung bei Patienten übertragen.

Aber gut: Es spricht wohl nichts dagegen, das auszuprobieren.

Man müsste also Rosenöl verdunsten lassen, während man lernt – und dann wieder, während man danach schläft.

Echtes Rosenöl ist allerdings exorbitant teuer. Das gäbe dann vielleicht gravierende finanzielle Nebenwirkungen…….

 

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Downsyndrom: Wirkstoff EGCG aus Grüntee soll Erinnerungsvermögen verbessern

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Der Wirkstoff Epigallocatechingallat (EGCG) aus Grüntee soll einer Studie zufolge das Erinnerungsvermögen von Menschen mit Downsyndrom signifikant verbessern.

EGCG aus Grüntee kann die Gehirnaktivitäten von Menschen mit Downsyndrom deutlich verbessern. Zu diesem Resultat kommt eine Phase-2-Studie, die im Fachmagazin „The Lancet Neurology“ publiziert wurde. Nach einem einjährigen klinischen Test wiesen die Patienten ein deutlich verbessertes Wahrnehmungs- und Erinnerungsvermögen auf, schreiben die beteiligten Forscher: Erstmalig habe hier eine Behandlung bei den kognitiven Fähigkeiten von Menschen mit diesem Syndrom Wirkung gezeigt. Unabhängige Experten werteten die Befunde als vielversprechend.

Epigallocatechingallat verbessert nach Angaben der Studienautoren das Zusammenspiel von Neuronen im Gehirn. An dem klinischen Test beteiligten sich 84 junge Erwachsene mit Downsyndrom, von denen die eine Hälfte mit dem Wirkstoff EGCG behandelt wurde, während die andere ein Placebo bekam. Jene Probanden, die den Wirkstoff EGCG erhielten, zeigten im Vergleich zur Kontrollgruppe nach einem Jahr deutlich bessere Leistungen beim Erinnern von Worten und Mustern sowie bei der Fähigkeit, ihr Verhalten der Umgebung anzupassen. Ein weiteres Resultat der Studie: Je länger die Probanden das Präparat einnahmen, desto besser wurden die Leistungen. Die positiven Effekte konnten bis zu einem halben Jahr nach Ende des Tests festgestellt werden.

Das Präparat verspreche keinesfalls eine Heilung der Symptome, betonte die Hauptautorin der Studie, Mara Diersson. Sie weist aber darauf hin, dass es ein Instrument sein könnte, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Laut WHO betrifft das Downsyndrom (Trisomie 21) etwa einen von tausend Menschen. Es handelt sich dabei um einen Gendefekt, der individuell unterschiedliche kognitive und sensorische Beeinträchtigungen verursacht. Häufig leiden Menschen mit Trisomie 21 auch an körperlichen Auffälligkeiten wie Atemwegserkrankungen oder Funktionsstörungen der Schilddrüse. Bei 40 bis 60 Prozent der Menschen mit Downsyndrom ist ein angeborener Herzfehler vorhanden.

Quelle:

http://derstandard.at/2000038366599/Down-Syndrom-Gruener-Tee-wirkt-positiv-auf-das-Gehirn

Originalstudie: Safety and efficacy of cognitive training plus epigallocatechin-3-gallate in young adults with Down’s syndrome (TESDAD): a double-blind, randomised, placebo-controlled, phase 2 trial

http://www.thelancet.com/journals/laneur/article/PIIS1474-4422(16)30034-5/fulltext

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessanter Ansatz, aber wie meistens bei Phase-2-Studien bleibt eine ganze Reihe von Fragen noch offen. Die kleine Zahl der Teilnehmenden limitiert die Aussagekraft.

Ausserdem werden die Studienresultate im „Standard“ meinem Eindruck nach etwas einseitig dargestellt. Als primärer Endpunkt nennt die Studie Verbesserung in einer Reihe von kognitiven Tests:

„The primary endpoint was cognitive improvement assessed by neuropsychologists with a battery of cognitive tests for episodic memory, executive function, and functional measurements.“

Die Resultate zeigen aber, dass in der überwiegenden Mehrzahl der Tests kein signifikanter Unterschied zwischen EGCG und Placebo festzustellen war:

„Differences between the groups were not significant on 13 of 15 tests in the TESDAD battery and eight of nine adaptive skills in the Adaptive Behavior Assessment System II (ABAS-II).“

Nur bei einzelnen Testverfahren war EGCG signifikant besser als Placebo.

Die Forscher haben das differenziert dargestellt. Im „Standard“ dagegen werden die Rosinen herausgepickt.

Der Titel in der Originalstudie ist neutral:

„Safety and efficacy of cognitive training plus epigallocatechin-3-gallate in young adults with Down’s syndrome (TESDAD): a double-blind, randomised, placebo-controlled, phase 2 trial“

Der Titel im „Standard“:

„Downsyndrom: Grüner Tee wirkt positiv auf das Gehirn“

… macht dagegen schon eine abschliessende Versprechung, die von einer Phase-2-Studie so nicht gestützt werden kann und in der Studie auch viel differenzierter dargestellt wird.

Eine Phase-2-Studie dient der Überprüfung des Therapiekonzepts (Phase 2a) und bzw. der Findung der geeigneten Therapiedosis (Phase 2b).S ie kann keinen signifikanten Wirksamkeitsnachweis bringen. Siehe auch: Phasen einer Arzneimittelstudie auf Wikipedia.

 

Laut Originalstudie war die verabreichte EGCG-Dosis 9 mg pro Kilo Körpergewicht und Tag.

EGCG macht laut Wikipedia etwa ein Drittel der Trockenmasse des Grüntees aus.

Ein Teebeutel Grüntee à 2g enthält auf dieser Basis berechnet also etwa 666,66 mg EGCG. Auch wenn sich diese Menge wohl nicht vollständig im Teewasser lösen wird, scheint es plausibel, dass eine Zufuhr von 9 mg pro Kilo Körpergewicht und Tag auch per Tee zuführbar wäre.

 

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Hopfen-Inhaltsstoff Xanthohumol reduziert LDL-Cholesterol (bei Mäusen)

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Das in Hopfen und auch in Bier vorkommende Flavonoid Xanthohumol verbessert Tierversuchen zufolge bedeutende Biomarker für das metabolische Syndrom und führt zu Gewichtsverminderung.

Das konnten Forscher um Cristobal L. Miranda von der Oregon State University in Corvallis in ihren Studien zeigen.

Wie die Wissenschaftler in «Archives of Biochemistry and Biophysics» schreiben, fütterten sie Labormäuse mit einer hochkalorischen Kost. Einige Tiere bekamen zusätzlich Xanthohumol. Im Vergleich zur Kontrollgruppe reduzierte sich der LDL-Cholesterol-Spiegel in der Gruppe, die die höchste Flavonoid-Dosis bekommen hatte, um 80 Prozent. Der Insulinspiegel sank um 42 Prozent, das proinflammatorische Zytokin Interleukin-6 um 78 Prozent. Wegen der hochkalorischen Kost legten alle Mäuse an Gewicht zu, jedoch in unterschiedlichem Ausmaß. Tiere, die Xanthohumol bekommen hatten, nahmen durchschnittlich 22 Prozent weniger zu als ihre Artgenossen.

Die Forscher gehen davon aus, dass Xanthohumol in der Lage ist, den Plasmaspiegel des Proteins PCSK9 zu reuzieren. Damit hätte der Hopfen-Inhaltsstoff einen ähnlichen Wirkmechanismus wie die beiden PCSK9-Antikörper Alirocumab und Evolocumab, die seit 2015 zur LDL-Senkung auf dem deutschen Markt zugelassen sind. Bevor Studien mit Xanthohumol beim Menschen durchgeführt werden, wollen die Forscher noch weitere Beweise für Wirksamkeit und Sicherheit von Xanthohumol in Tierversuchen liefern.

Einen herben Dämpfer versetzen die Wissenschaftler der Hoffnung, mit Xanthohumol aus Bier den Cholesterolspiegel zu senken.

Die höchste in der Studie eingesetzte Xanthohumol-Menge betrug 60 mg/kg Körpergewicht. Übertragen auf den Menschen würde das bei einer 70 kg schweren Person einer Menge von 350 mg entsprechen. Für diese Dosis müsste ein Mensch täglich mehr als 1600 l Bier trinken. Die Wissenschaftler sind jedoch der Meinung, dass diese Xanthohumol-Menge leicht in einer Kapsel oder Tablette untergebracht werden könnte und dann nur einmal täglich eingenommen werden müsste.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=62989

DOI: 10.1016/j.abb.2016.03.008

 

Kommentar & Ergänzung:

Xanthohumol ist ein sehr interessanter Naturstoff, der bisher ausschliesslich im Hopfen nachgewiesen wurde, und auch in der Forschung einige Aufmerksamkeit bekommen hat. Man kann an diesem Beispiel aber auch zeigen, dass die Ergebnisse von Laboruntersuchungen an Tieren nicht einfach auf die Anwendung bei Menschen übertragen werden können.

Die Sicherheit und Wirksamkeit muss bei Patienten mit erhöhten Cholesterolspiegeln belegt werden.

Ob sich dann eine Reduktion der Cholesterolspiegel erreichen lässt, die klinisch relevant ist und sich zum Beispiel im reduzierten Auftreten von Herz-Kreislauferkrankungen zeigt, ist noch völlig offen.

Daher ist es ungenau und verkürzt, wenn diese Studie in manchen Zeitungen mit der Schlagzeile „Hopfen reduziert Cholesterolspiegel“ angekündigt wird. Aber eine korrekte Schlagzeile wie „Xanthohumol reduziert Cholesterolspiegel bei Labormäusen“ spricht halt weniger an.

Diese Einwände gelten auch für andere Schlagzeilen rund um Xanthohumol wie „Bier könnte gegen Alzheimer schützen“ oder „Schützt Hopfen vor Krebs?“.

Zwar ist Xantohumol ein starkes Antioxidans. In Laborversuchen zeigt es sich als wirksam gegen die Entstehung von Krebszellen. Zudem kann es die Nervenzellen des Gehirns schützen, was möglicherweise den Krankheitsverlauf bei Alzheimer und Parkinson verlangsamen könnte. Aber: Das sind interessante Laborergebnisse, die noch sehr wenig über eine mögliche Wirksamkeit beim Menschen aussagen.

 

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Heidelbeeren gegen Alzheimer-Symptome?

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Heidelbeeren (Blaubeeren) könnten helfen, Gedächtnisprobleme bei beginnender Demenz zu lindern. Darauf weisen zwei Pilotstudien mit älteren Menschen hin. Die tägliche Einnahme von Heidelbeerpulver führte bei Testpersonen zu messbaren Verbesserungen von Gedächtnis und geistigen Leistungen, in der Placebogruppe war dies nicht der Fall. Grund für die Wirkung könnten die in den Beeren enthaltenen Anthocyane sein, wie US-Wissenschaftler berichten.

Heidelbeeren sind reich an Antioxidantien und bereits veröffentlichte Studien deuten auf risikosenkende Effekte für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs hin. Neue Studien legen nun nahe, dass auch das Gehirn von den Heidelbeeren profitieren könnte.

Robert Krikorian von der University of Cincinnati und seine Kollegen verabreichten für ihre Studie 47 über 68-Jährigen mit ersten Gedächtnisausfällen täglich etwa eine große Handvoll Heidelbeeren in Form eines Pulvers aus den gefriergetrockneten Beeren.

Eine zweite Gruppe bekam stattdessen ein ähnlich aussehendes Placebo-Pulver. Beim Start der Studie und nach 16 Wochen absolvierten alle Versuchspersonen Tests ihres Gedächtnisses und ihrer geistigen Leistungen.

Das Resultat: Probanden, welche die Heidelbeeren eingenommen hatten zeigten eine klare Besserung bei den geistigen Leistungen und der Hirnfunktion gegenüber den Placebo-Empfängern. Die Heidelbeer-Gruppe zeigte ein verbessertes Gedächtnis und einen besseren Zugang zu Wörtern und abstrakten Konzepten. Hirnscans mittels funktioneller Magnetresonanz-Tomografie (fMRT) ergaben zudem eine stärkere Hirnaktivität bei den Heidelbeer-Teilnehmern.

Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte dieser günstige Effekt auf die Wirkung der Anthocyane zurückgehen. Dieses im blauen Pflanzenfarbstoff enthaltene Antioxidans zeigte in früheren Untersuchungen schon eine hirnschützende Wirkung bei Parkinsonpatienten und bei Tieren mit Alzheimerähnlichen Erkrankungen.

Nach Ansicht der US-Forscher aus Cincinnati bestätigen ihre Ergebnisse diese vorhergehenden Studien und stützen die Annahme, dass Heidelbeeren eine positive Wirkung auf das Gedächtnis und die geistigen Leistungen bei zumindest einigen älteren Menschen haben können.

In einer weitere Studie mit gut 90 Senioren ohne beginnende Gedächtnisausfälle zeigte sich allerdings keine so eindeutige Wirkung der Heidelbeeren.

Es kam in der Heidelbeer-Gruppe zwar zu leichten Verbesserungen bei den allgemeinen geistigen Leistungen, nicht aber beim Gedächtnis. Auch in den fMRT-Aufnahmen ergaben sich weniger Unterschiede zur Placebogruppe als bei den Senioren mit schon beginnenden Gedächtnisproblemen.

Die Wissenschaftler schließen daraus, dass die Heidelbeer-Inhaltsstoffe insbesondere dann positive Effekte zeigen, wenn es schon geistige Ausfälle gibt. Bei Personen, die noch keine Demenzsymptome zeigen, könnte die Wirkung dagegen weniger ausgeprägt sein – oder jedenfalls weniger leicht nachweisbar.

Ob das wirklich so ist, wollen die US-Forscher nun in einer Studie mit jüngeren Versuchspersonen klären.

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-19953-2016-03-14.html

American Chemical Society 251st National Meeting & Exposition, American Chemical Society, 14.03.2016 – NPO.

Kommentar & Ergänzung:

Die Anthocyane aus Heidelbeeren werden seit längerem wissenschaftlich untersucht und zählen zu den interessantesten Naturstoffen.

Die geschilderten Studienresultate sind sehr interessant.

Zwei Einschränkungen sind aber nötig:

– Pilotstudien mit derart kleinen Probandenzahlen dienen der Vorsondierung einer Fragestellung. Sie belegen keine Wirksamkeit. Dazu wären grössere Studien nötig.

– Die Studien aus Cincinnati sind offenbar auf einem Kongress der American Chemical Society vorgestellt worden. Auf einem wissenschaftlichen Kongress kann man pointiert ausgedrückt einiges erzählen. An Glaubwürdigkeit gewinnt eine Studien, wenn sie in einer anerkannten wissenschaftlichen Fachzeitschrift publiziert wurde. Das setzt nämlich in der Regel voraus, dass die Studie in einem sogenannten „Peer-Review-Verfahren“ auf ihre Solidität überprüft wurde.

Zum Peer-Review-Verfahren siehe Wikipedia.

Bei Kongressbeiträgen kann man nicht von dieser fachlichen Kontrolle ausgehen.

Zu den Heidelbeeren-Anthocyanen siehe auch:

Myrtillin aus Heidelbeeren gegen Entzündungen

Heidelbeeren reduzieren Blutdruck in kontrollierter Studie

Heidelbeeren: Anthocyane im Verdauungstrakt

Anthocyane aus Heidelbeeren und Erdbeeren: Günstige Wirkung auf Gehirnleistung im Alter

Zur Wirkung von Anthocyanen aus Heidelbeeren

Parkinson vorbeugen durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen, Auberginen?

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

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Fuchsbandwurm-Risiko durch Waldbeeren?

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Diese Frage kommt immer wieder: Darf man noch Waldbeeren essen oder riskiert man damit eine Fuchsbandwurm-Erkrankung? Hier eine Annäherung an diese Frage.

Die Uniklinik Ulm ist führend bei der Behandlung von Fuchsbandwurm-Erkrankungen.

Ein interdisziplinäres Expertenteam behandelt dort die deutschlandweit meisten Fälle von Fuchsbandwurm-Erkrankungen.

Wie kommt es zur Infektion mit dem Fuchsbandwurm?

„Bis vor einigen Jahren wurde die Infektion, die durch das Larvenstadium des Fuchsbandwurms ausgelöst wird, hauptsächlich bei Landwirten oder Jägern diagnostiziert. Doch zunehmend sind auch Städter betroffen: Als Kulturfolger passt sich der Fuchs dem Stadtleben an und hinterlässt seinen Kot, der Bandwurmeier enthalten kann und oft monatelang ansteckend bleibt, in Sandkästen oder auf Gemüsebeeten. Einmal vom Menschen – zum Beispiel durch unzureichend gewaschene Nahrung – aufgenommen, wandern die Eier vermutlich über den Zwölffingerdarm in die Leber. Der genaue Übertragungsweg ist aber noch nicht eindeutig geklärt und ob eine Person erkrankt, scheint auch genetisch bedingt zu sein.“

Was passiert bei einer Ansteckung?

Im Falle einer Ansteckung breitet sich die potentiell tödliche Krankheit zunächst schleichend und zerstört unbehandelt die Leber – in seltenen Fällen werden auch Lunge und Gehirn befallen. Oft werde die Diagnose erst nach Jahren gestellt, sagt Dr. Andreas Hillenbrand, Oberarzt in der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie in Ulm.

Durch gemeinsame Anstrengungen könne auch für Betroffene mit weit fortgeschrittener Infektion eine gute Lebensqualität erreicht werden, erklärt Professorin Doris Henne-Bruns, Ärztliche Direktorin der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. Die Internistin Dr. Beate Grüner von der Sektion Infektiologie und Klinischen Immunologie ergänzt:

„Ich kann meine Patienten mit der Aussage beruhigen, dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit nicht an einer Fuchsbandwurmerkrankung sterben werden.“

Die Mediziner aus Ulm wollen Naturfreunde und Hobbygärtner jedoch nicht verunsichern. Die alveoläre Echinokokkose der Leber sei eine seltene Erkrankung und zur Infektion müsse es erst gar nicht kommen:

„Generell sollte man bodennahes Obst und Gemüse vor dem Verzehr waschen. Neben der Beachtung gängiger Hygieneregeln ist es sinnvoll, Hunde und Katzen alle drei Monate zu entwurmen.“

Mit einem gängigen Vorurteil räumen sie zudem auf: Waldbeeren seien keineswegs besonders stark mit Bandwurmeiern belastet.

Quelle der Zitate und Informationen:

https://idw-online.de/de/news641016

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Fuchsbandwurm-Erkrankung ist eine sehr ernste Infektion. Die Warnungen vor der Aufnahme von Parasiteneiern durch den Konsum von Waldbeeren machen daher Eindruck. Gleichzeitig ist das Risiko einer Aufnahme auf diesem Weg jedoch ganz offensichtlich äusserst gering.

Jedenfalls ist ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von Waldbeeren und dem Auftreten von Fuchsbandwurm-Erkrankungen bisher nicht belegt.

Wichtig scheint mir in diesem Zusammenhang auch, dass eine einmalige Aufnahme offenbar nur selten zur Infektion führt:

„Es wird davon ausgegangen, dass bei den meisten Fällen erst eine Dauerexposition zur Infektion führt, und keine einmalige Aufnahme der Bandwurmeier. Eine Übertragung der Erkrankung von Mensch zu Mensch ist nicht möglich.“

Quelle: Wikipedia 

Siehe ausserdem:

Waldbeeren & Fuchsbandwurm – diffuse Ängste

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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ADHS: Wirkungen und Risiken von Ritalin weiter unklar

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Die größte Metastudie zu Methylphenidat zeigt insbesondere Lücken und fehlendes Wissen.

Schlechte Daten und zahlreiche Nebenwirkungen: Wie gut der Ritalin-Wirkstoff Methylphenidat wirklich gegen ADHS hilft, bleibt auch weiterhin ungeklärt.

Die bisher umfangreichste Metastudie bestätigt nämlich insbesondere die Vielzahl der Nebenwirkungen. Wegen extrem schlechter Qualität der bisherigen Studien sei jedoch weder das Ausmaß der günstigen Effekte noch das Risiko für schwerwiegende Folgen einzuschätzen, so die Wissenschaftler der Cochrane Collaboration. Sie legen den Ärzten daher besondere Vorsicht nahe bei der Verschreibung des Wirkstoffs.

Bei Kindern und Jugendlichen ist die Aufmerksamkeits-/Hyperaktivitätsstörung ADHS inzwischen die häufigste psychische Störung – etwa fünf Prozent von ihnen sind davon betroffen. Um die Symptome dieser Störung zu lindern, erhalten zahlreiche ADHS-Betroffene den Wirkstoff Methylphenidat verschrieben, der unter dem Markennamen Ritalin bekannt ist. Doch dieses mit Amphetaminen verwandte Präparat greift tief in den Hirnstoffwechsel ein – und verursacht deshalb auch akute Nebenwirkungen.

Längerfristige Folgen von Ritalin unklar

Welche Folgen die Einnahme von Ritalin und Co insbesondere längerfristig hat, ist bisher zum grossen Teil unklar. Einige Untersuchungen deuten auf verstärkte Schlafprobleme und Appetitlosigkeit durch Methylphenidat hin. Bei Ratten löst dieser Wirkstoff bei Einnahme im Jugendalter sogar bleibende Defizite in der Lernfähigkeit und Plastizität des Gehirns aus, wie Wissenschaftler entdeckten.

Um diese ungewisse Situation zu klären hat nun die Cochrane Collaboration die bisher umfangreichste Metaanalyse zu Methylphenidat bei ADHS durchgeführt. Die Wissenschaftler um Ole Jakob Storebø von der Universität von Süddänemark werteten dafür 185 randomisierte Studien aus, an denen insgesamt über 12.000 Kinder und Jugendliche teilgenommen hatten. Neben den Resultaten zu den Nebenwirkungen und Folgen prüften die Forscher dabei auch die Qualität der Studien.

Wenig harte Belege für die Wirkung von Ritalin & Co

Das Resultat der Metastudie deutet darauf hin, dass Methylphenidat zumindest gegen die Symptome der ADHS zu wirken scheint – wenn auch nicht überzeugend stark.

Die Mehrheit der ausgewerteten Studien kam zwar zum Schluss, dass sich durch Methylphenidat das Verhalten und die Lebensqualität der Kinder verbesserten. Durchschnittlich bewirkte die Behandlung aber nur eine Besserung um 9,6 Punkte auf der 72-stufigen ADHS-Skala, wie die Wissenschaftler schreiben.

Das ist nicht viel, denn eine Veränderung von 6,6 Punkten gilt als das Minimum, ab dem überhaupt eine Wirkung zugesprochen wird.

Hinzu komme, wie die Cochrane-Wissenschaftler betonen, dass die niedrige Qualität der zugrundeliegenden Belege bedeute, „dass wir nicht sicher sein können, wie groß dieser Effekt tatsächlich ist“.

Auch Koautorin Camilla Groth von der dänischen Herlev Universitätsklinik sagt:

„Unsere Erwartungen an diese Therapie sind wahrscheinlich größer als sie sein sollten.“

Die Forscher vermuten, das diese Behandlung zwar einigen Kindern helfen könnte. Sie können aber nicht sagen, bei welchen das der Fall sein wird.

Nebenwirkungen von Methylphenidat wahrscheinlich unterschätzt

Ähnlich präsentiert sich die Lage bei den Nebenwirkungen: Die Metaanalyse bestätigte, dass Kinder, die mit Ritalin behandelt werden, 60 Prozent öfter unter Schlaflosigkeit und 266 Prozent öfter unter Appetitstörungen leiden. Ebenso treten Kopfschmerzen, Zwangshandlungen, Ticks und obsessives Grübeln bei Gabe von Methylphenidat vermehrt auf, wie die Wissenschaftler feststellten.

Schwere Nebenwirkungen wie Psychosen, Infekte oder Ohnmachten sollen dagegen nicht häufiger vorkommen.

Nur neun von 185 Studien gaben jedoch überhaupt an, ob es schwere Nebenwirkungen gegeben hatte. Daher können die Forscher nicht ausschließen, dass die negativen Folgen schlimmer sind als sie berichten.

Eine bereits begonnene zweite systematische Metaanalyse deute jedenfalls darauf hin, dass durchaus schwere Nebenwirkungen bei Ritalingabe auftreten können. In einem Fall erhöhte sich sogar das Risiko für plötzliche Todesfälle bei Jugendlichen, berichten die Wissenschaftler.

Langzeitfolgen weiterhin ungenügend geklärt

Bei den nun ausgewerteten Studien bekamen die Kinder und Jugendlichen maximal sechs Monate lang Methylphenidat, oft aber auch deutlich kürzer.

Belege für die Langzeit-Effekte von Methylphenidat auf Kinder und Jugendliche mit ADHS fehlen, stellen die Forscher fest. Es sei gut möglich, dass die positive Wirkung bei längerer Einnahme zurückgehe und das Risiko für schädliche Folgen steige.

Wenn man die tatsächlichen Wirkungen der Ritalin-Therapie bei ADHS einschätzen wolle, brauche es dringend besser entworfene und längere Studien.

Die Forscher sprechen ein konkretes Qualitätsproblem vieler Studien an: Bei den meisten Methylphenidat-Studien sei es trotz Verblindung möglich, zu erkennen, ob ein Kind zur Therapie oder zur Kontrollgruppe gehört – nur schon aufgrund der enorm häufigen Nebenwirkungen. Wenn aber die behandelten Kinder, ihre Eltern oder die verschreibenden Ärztinnen und Ärzte erkennen, wer das Medikament bekommt und wer das Placebo, dann verfälscht das die Ergebnisse.

Verschreibung von Ritalin & Co. gut abwägen

Aufgrund der Ergebnisse ihrer Metastudie empfehlen die Forscher den Ärzten, bei der Verschreibung von Methylphenidat sehr vorsichtig zu sein. Sie sollten die schlechte Qualität der Daten berücksichtigen, die Behandlung sehr sorgfältig überwachen und die Vorteile und Risiken gut abwägen.

ADHS-Betroffenen raten die Wissenschaftler allerdings dringend davon ab, Ritalin nun eigenmächtig abzusetzen. Bevor sie einen solchen Schritt tun, sollten Patienten und ihre Eltern dies unbedingt mit ihrem Arzt besprechen.

Es könne auch gute klinische Gründe geben, eine solche Behandlung fortzusetzen, wenn ein Kind oder Jugendlicher gute Erfahrungen mit Methylphenidat gemacht hat und keine Nebenwirkungen erfährt.

(Cochrane Database of Systematic Reviews, 2015; doi: 10.1002/14651858.CD009885.pub2)

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-19568-2015-11-25.html

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD009885.pub2/abstract;jsessionid=C0148E7D718051EEAC110C1A03556B2C.f03t01

Kommentar & Ergänzung:

Rund um den Einsatz von Ritalin werden heftige Auseinandersetzungen geführt, wobei sich nicht selten ein Pro- und ein Contra-Lager ziemlich unversöhnlich gegenüber stehen.

Wahrscheinlich sind Extrempositionen nicht hilfreich und es spricht viel dafür, ein Medikament wie Ritalin nur in sehr gut begründeten Fällen einzusetzen, aber auch nicht total zu Verteufeln.

Erstaunlich ist aber schon, dass die renommierte Cochrane Collaboration die Datenlage als derart schlecht einstuft und die Langzeitfolgen derart schlecht geklärt sind. Das ist eine ziemlich harte Kritik.

Es gibt ja immer wieder einmal Kritik an den wissenschaftlichen Belegen zur Wirksamkeit von Heilpflanzen und wer sich mit Phytotherapie befasst, sollte sich damit auseinandersetzen.

Aber wie das Beispiel Ritalin zeigt, gibt es auch scheinbar etablierte synthetische Medikamente, bei denen die wissenschaftlichen Belege durchaus fragwürdig sind.

ADHS ist aber auch ein schwieriges Thema – mit einem Dschungel von Ratschlägen, deren Qualität oft nur schwer zu durchschauen ist.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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