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Zitronengrasöl wirksam gegen Hautpilz

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Die Kleienpilzflechte (Pityriasis versicolor) wird durch Malassezia-Hefen ausgelöst. Die Erkrankung verursacht zwar keine gravierenden Beschwerden, doch der Leidensdruck bei Betroffenen ist trotzdem hoch.

Forscher untersuchten daher in einer Studie, ob sich die Pilzinfektion durch eine spezielle Zubereitung aus Zitronengras (Cymbopogon citratus) lindern lässt. Patienten, die Shampoos und Cremes mit Zusatz von Zitronengrasöl auf der betroffenen Kopfhaut verwendeten, profitierten von der pflanzlichen Behandlung ebensosehr wie Patienten in der Kontrollgruppe, die ein herkömmliches Antipilzmittel (Ketoconazol) einsetzten.

Besonders für Menschen mit Unverträglichkeiten der üblich eingesetzten antimykotischen Präparate biete sich ein Versuch mit dem gut verträglichen Zitronengrasöl in äußerlicher Anwendung an.

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/zitronengras-lindert-hautpilz.html

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23793205

Carmo ES, Cavalcante NM, Oliveira Lima E de, Oliveira Pereira F de, Gayoso CW. Treatment of pityriasis versicolor with topical application of essential oil of Cymbopogon citratus (DC) Stapf – therapeutic pilot study. An Bras Dermatol 2013; 88(3): 381-385

 

Kommentar & Ergänzung:

Zitronengras ( = Lemongras) stammt vermutlich aus Südindien und Sri Lanka und wird inzwischen in vielen Teilen der Welt angebaut. Aus der orientalischen Küche ist es nicht wegzudenken (Indien, Thailand). Lemongrasöl enthält grosse Mengen am Citral (Geranial, Neral) und viele weitere Monoterpene. Lipophile Monoterpene interagieren mit zellulären Biomembranen und können die Aktivität von Membranproteinen modifizieren, vor allem von Ionenkanälen und Rezeptoren. Diese Eigenschaften könnten antimikrobielle Wirkungen des Zitronengrasöls erklären. Eine antimykotische (= pilzhemmende) Wirkung ist deshalb plausibel. Allerdings zeigen viele ätherische Öle antimikrobielle Wirkungen (z. B. Lavendelöl, Korianderöl, Teebaumöl, Thymianöl, Eukalyptusöl, Kümmelöl).

Bei der Anwendung auf der Haut spielt neben der Stärke der antimikrobiellen Wirkung auch die Verträglichkeit eine Rolle. In dieser Hinsicht sind Lavendelöl und Korianderöl meine Favoriten.

Siehe auch:

Ätherische Öle bei Mykosen / Pilzinfektionen

Zur Wirkung von Korianderöl

Aromatherapie / Phytotherapie: Zur Wirkung von Teebaumöl 

Phytotherapie bei Hautpilzen

Jasminöl, Teebaumöl und Minzöl gegen Scheidenpilz untersucht

Lavendelöl wirksam gegen Hautpilze

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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Breusskur gegen Krebs?

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Kürzlich sprach mich an einem Vortrag jemand auf die Breusskur an.

Die Breusskur (Breuss-Diät) geht zurück auf den österreichischen Elektromonteur und Heilpraktiker Rudolf Breuß (1899 – 1990) aus Bludenz. Es versprach Krebsheilung durch seine Säftekur:

„Der Krebs lebt nur von festen Speisen, die der Mensch zu sich nimmt. Wenn man also 42 Tage nur Gemüsesaft + Tee trinkt, so stirbt die Krebsgeschwulst ab, der Mensch hingegen kann dabei noch gut leben.“

Und wie soll das gehen?

„Durch die Säftekur wird die Eiweißzufuhr von außen abgestoppt, das heißt, das Eiweiß wird in der täglichen Nahrung ausgeschaltet. Da aber der Organismus ohne diesen Stoff nicht leben kann, nagt nun das eiweißhungrige Blut im Körper an allem Überflüssigen, Wucherungen, Schlackenansammlungen und Geschwülsten. Es ist dies eine Operation ohne Messer,…“

Quelle: Wikipedia

Kommentar & Ergänzung:

Das Tumorzentrum Freiburg am Universitätsklinikum hat einen Patientenratgeber „Komplementäre Verfahren“ veröffentlicht.

Zur Breuss-Kur steht dort:

“Rudolf Breuss, Heilpraktiker aus Österreich, ist der Meinung „dass Krebs nur von festen Speisen lebt“, während dem Menschen selbst flüssige Nahrung ausreicht. Wenn man 42 Tage nur einen halben bis einen Liter Gemüsesaft und Tee trinkt, stirbt die Krebsgeschwulst ab, während man dabei noch gut leben kann. Die Ernährung umfasst nur Saftmischungen aus roten Rüben und Karotten, Sellerie, Rettich und eventuell einer kleinen Kartoffel, immer in Kombination mit besonderen Teesorten. Die ‚Krebskur- total‘  n. Breuss kann gefährlich sein, da diese Fastenkur zu erheblicher Mangelernährung und damit einer zusätzlichen Schwächung der körpereigenen Abwehr führt. Es kann zwar unter dem Fasten zu einer Verringerung oder einem  Stillstand des Tumorwachstums kommen, nach Wiederaufnahme einer normalen Ernährung kann sich das Krebswachstum jedoch sogar beschleunigen!“

Quelle: http://www.uniklinik-freiburg.de/tumorzentrum/live/Patienten-Info/Broschueren/komplementaere_verfahren_pat2006.pdf

Für die Ansicht von Breuss, dass Krebserkrankungen durch ein Aushungern und durch Verzicht auf feste Speisen geheilt werden könnten, gibt es keine unabhängige Belege.

Recherchiert man allerdings im Internet, taucht da eine ganze Reihe von Heilungsgeschichten mit der Breuss-Kur auf.

Leider fehlen bei solchen Schilderungen in aller Regel viele Informationen, die zur Beurteilung der Glaubwürdigkeit der Krebsheilung unverzichtbar sind. Beispielsweise: Wer hat wann mit welchen Methoden die Krebsdiagnose gestellt? Wer hat wann mit welcher Methode die Heilung festgestellt? Was wurde neben der Breuss-Kur sonst noch alles unternommen?

In Krebsforen finden sich zudem immer wieder Beiträge folgender Art:

Eintrag 1: Madeleine, 52, Brustkrebs, lehnt medizinische Behandlung ab, will Breuss-Kur durchführen und im Forum über den Verlauf ihrer Krankheit berichten.

Eintrag 2: Sechs Monate später berichtet Madeleine, dass sie die Breuss-Kur gemacht hat und dass es ihr super gehe.

Weitere Berichte von Madeleine gibt es keine. Zwei Jahre später erkundigt sich ein Teilnehmer im Forum nach Madeleine und fragt, wie es ihr gehe und ob sie über den weiteren Verlauf berichten könne. Eine Antwort von Madeleine kommt nicht. Die Website, welche Madeleine in ihrem Profil angab, ist ausser Betrieb.

Das spricht nicht für einen positiven Verlauf. Madeleine hätte allergrösster Wahrscheinlichkeit berichtet, wenn es ihr weiterhin gut gegangen wäre. Solche Erfolge teilt man gerne mit anderen.

Den Krebs mit einer Breuss-Kur weghungern wollte auch Carola Zimmermann Frey. Die Mutter von vier Kindern, darunter einem mit Down-Syndrom, entschied sich bei der Diagnose Brustkrebs gegen eine medizinische Behandlung und setzte auf die Breuss-Kur und auf eine Kinesiologie-Behandlung. Das Schweizer Fernsehen sendete darüber einen Film der Reporterin Nathalie Rufer, die Carola Zimmermann Frey begleitet hat, auch zum alternativen Zahnarzt Peter Schmid, der bei der Krebspatientin eine Amalgamvergiftung diagnostiziert und bei ihre angeblich Quecksilber ausleitet……

Den Film sehen Sie hier:

http://www.youtube.com/watch?v=ptO2GBhoSuQ

Hier die Beschreibung des Films auf SF:

„Carola Zimmermann Frey, Mutter von vier Kindern, ist mit einer niederschmetternden Diagnose konfrontiert. Der Knoten in ihrer Brust erwies sich als bösartig, die Ärzte raten zu Amputation der rechten Brust. Carola Zimmermann entscheidet sich gegen eine Operation und damit gegen die dringenden Empfehlungen der Schulmedizin. Sie wählt einen alternativen Weg und entschliesst sich, das Krebsgeschwür mit einer rigorosen Fastenkur zu bekämpfen.

Hält die gelernte Psychiatrieschwester die sechswöchige Null-Diät durch? Bleibt sie auf dem eingeschlagenen Weg? Nathalie Rufer begleitet die 47jährige während ihres schwierigen und riskanten Kampfes gegen den Krebs.“

Am 11. Mai 2012 folgt ein Film von Röbi Koller mit Carola Zimmermann Frey.

Hier die Beschreibung auf SF:

„Zwei Jahre später meldet sich der Knoten in Carola Zimmermanns Brust zurück. Trotzdem will die 49jährige ihrer Überzeugung treu bleiben und sich weiterhin allein auf die Alternativmedizin abstützen. Auch Lydia, eine Leidensgenossin aus Genf, traut den herkömmlichen Methoden der Mediziner nicht. Zusammen mit Carola macht sie sich Mut und sucht die Heilung bei Kinesiologen und Heilpraktikern.

Weitere zwei Jahre später ist alles anders: Lydia aus Genf ist gestorben und bei Carola hat sich der Krebs im ganzen Körper ausgebreitet. Das hat Carola bewogen, sich nun doch schulmedizinisch behandeln zu lassen.

Würde Carola Zimmermann wieder gleich entscheiden? Hadert sie manchmal? Carola Zimmermann ist zusammen mit ihrem Partner Ralf Kohlmann im Gespräch bei Röbi Koller.“

Den Film von 2012 sehen Sie hier:

http://www.videoportal.sf.tv/video?id=a6733b26-2aae-47c9-a2f0-7e6a09ded280

Eine weitere Sendung mit Carola Zimmermann Frey brachte das Nachtcafé der ARD am 28. 9. 2012: „Diagnose Krebs – wie damit umgehen.“

Diesen Film sehen Sie hier:

http://www.ardmediathek.de/swr-fernsehen/nachtcaf/nachtcaf-diagnose-krebs-wie-damit-umgehen?documentId=11912278

Die Geschichte von Carola Zimmermann Frey zeigt eindrücklich das Risiko, wenn man bei einer Krebserkrankung einseitig auf Breusskuren, Kinesiologie & Co. setzt.

Mir ist vor allem aufgefallen, wie stark Carola Zimmermann Frey betont hat, dass es ihr wichtig sei, die Ursache für den Brustkrebs zu finden. Bei dieser Ursachensuche vertraute sie offenbar der Alternativmedizin, während die „Schulmedizin“ sich nicht um Ursachen kümmert und nur Symptome behandelt. So lautet jedenfalls eine verbreitete Überzeugung in Alternativmedizin und Komplementärmedizin: „Wir behandeln die Ursachen der Krankheiten – die Schulmedizin nur die Symptome.“

Das halte ich für sehr einseitig und auch anmassend.

Erstens gibt es durchaus Situationen, in denen man die medizinische Behandlung als ursächlich bezeichnen könnte. Allerdings muss dazu gesagt werden, dass die Ursachenlage einer Krankheit oft sehr vielschichtig ist. An der Entstehung einer Grippe beispielsweise dürfte wohl nicht nur das Influenzavirus beteiligt sein, sondern auch die aktuelle Abwehrlage. Und da jede Ursache wieder eine oder mehrere Ursachen hat, kommt man mit dem ursächlichen Ansatz gar nicht so einfach an einen Schlusspunkt und landet nicht selten in sehr nebulösen und spekulativen Gefilden.

Das gilt aber natürlich auch für Komplementärmedizin und Alternativmedizin. Wenn also jemand behauptet, er oder sie behandle die Ursache(n), dann steht damit nicht schon einfach fest, dass es sich tatsächlich um reale Ursachen handelt. In Komplementärmedizin und Alternativmedizin werden in dieser Hinsicht oft Ursachen dogmatisch gesetzt, die nachher angeblich behandelt werden: Übersäuerung, Candida-Pilz im Darm,  Amalgamvergiftung, Leberschwäche,….

Häufig wird eine Ursache angenommen und fraglos als entscheidend gesetzt. Wenn man die „Ursache“ selbst festlegt, kann man leicht „ursächlich“ behandeln. Bei Carola Zimmermann Frey hat die Suche nach den Ursachen aber offenbar in eine Sackgasse geführt, wodurch wertvolle Zeit für die Behandlung verloren ging.

Es ist in den Filmen aber auch eindrücklich zu sehen, mit welcher Selbstüberschätzung ein „ganzheitlicher“ Zahnarzt, eine Kinesiologin und ein Heilpraktiker die Patientin in ihrer Suche nach den angeblichen Ursachen unterstützten und damit in diesem Irrweg  bestärkten.

Im übrigen ist diese Krankheitsgeschichte kein Einzelfall. Es ist ein Tabu im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin, dass eine nicht geringe Zahl von Therapeutinnen und Therapeuten Hoffnung auf Heilung suggerieren, die sie nicht einlösen können. Bei Misserfolgen wird dann in der Regel der Patient oder die Patientin verantwortlich geamcht, die „noch nicht so weit sind“, „noch nicht gesund werden wollen“ oder die Anweisungen für die Therapie nicht eingehalten haben.

Diese unkritische Selbstüberschätzung von Behandlerinnen und Behandlern kostet einer nicht genauer erfassten, aber nicht unbedeutenden Zahl von Kranken das Leben.

Aus diesem Grund kann nicht genug betont werden wie wichtig es ist, Heilungsversprechungen kritisch zu prüfen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Sport gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren

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Ein Teil der Frauen in den Wechseljahren leidet an Hitzewallungen. Wissenschaftler empfehlen hier sportliche Bewegung.

Übergewichtige Frauen mit wenig körperlicher Bewegung leiden in den Wechseljahren häufiger unter den Symptomen einer Hitzewallung, erklärt Steriani Elavsky von der Abteilung Kinesiologie der Universität Penn State. Darüber hinaus konnten die Forschenden durch ein neues Studiendesign unterscheiden zwischen objektiven und subjektiven Hitzewallungen.

Sie beobachtete 92 menopausale Frauen für 15 Tage. Die Probandinnen, im Alter zwischen 40 – 59 Jahren und ohne aktueller Hormontherapie, bekamen einen Beschleunigungssensor zur Messung der körperlichen Aktivität. Außerdem wurden ihre Hautleitfähigkeit kontrolliert, um eine Hitzewallung zu objektivieren.

Die Annahme, dass Sport Hitzewallungen fördert, da es die Körperkerntemperatur steigert, konnte widerlegt werden. Die Untersuchungen  zeigten, dass Frauen nach sportlicher Bewegung weniger Hitzewallungen erlebten als ihre inaktiven Geschlechtsgenossinnen. Zudem zeigen die Untersuchungen, dass Übergewichtige häufiger unter den Beschwerden der Wechseljahre leiden.

Ob eine gezielte Gewichtsreduktion und regelmäßige körperliche Bewegung Symptome der Menopause lindern können, müsse nun in weiteren Studien überprüft werden, betonen die Wissenschaftler.

Quelle:

http://www.medical-tribune.de/home/news/artikeldetail/menopausale-hitzewallungen-einfach-wegtrainieren.html

Steriani Elavsky et al., Menopause 2012, 25 .Juni, online first

Kommentar & Ergänzung:

„Bewegung“ ist ein zentraler Bestandteil der klassischen Naturheilkunde, wie sie sich zum Beispiel darstellt in den fünf Säulen der Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp:

Hydrotherapie, Heilpflanzen-Anwendungen, Ernährung, Bewegung, Lebensordnung.

Die Begriffe Naturheilkunde, Komplementärmedizin und Alternativmedizin werden heute oft irreführend durcheinander gemischt.

Naturheilkunde – was ist das?

Zum Thema Bewegung & Gesundheit sind in letzter Zeit zahlreiche interessante Studien publiziert worden.

Beispielsweise:

Wandern reduziert Depressionen

Gut dosierter Sport lindert Müdigkeit bei Krebs und Fibromyalgie

Regelmässiges Schwimmen hilft erhöhte Blutdruckwerte zu senken

Aktiver Lebensstil reduziert Alzheimer-Risiko

Zügig Gehen reduziert Darmkrebsrisiko

Walking und Jogging helfen gegen Migräne

Sport gegen Depressionen

Diabetes: Sport steigert Insulinproduktion

Sport vorbeugend gegen Menstruationsbeschwerden

Sport reduziert Angstsymptome

Bewegung beugt Depressionen vor

In der Phytotherapie steht bei Hitzewallungen in den Wechseljahren die Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) im Vordergrund. Weniger gut geklärt sind Soja und Rotklee.

Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) bei Wechseljahrsbeschwerden

Isoflavone aus Soja und Rotklee bei Wechseljahrsbeschwerden

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Knoblauch gegen Infektionen

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Im Phyto-Forum der Aerztezeitung wurde die Frage aufgeworfen, wie ist es um die Wirksamkeit von Allium sativum (Knoblauch) bei viralen und bakteriellen Infekten bestellt ist.

Professor Jürgen Reichling gab dazu folgende Antwort:

„Zubereitungen aus der Knoblauchzwiebel (Allii sativi bulbus) werden adjuvant bei Erhöhung der Blutfettwerte und zur Vorbeugung altersbedingter Gefäßveränderungen angewendet. Verschiedentlich werden Zubereitungen aus der Droge auch zur Behandlung von Infektionen und Entzündungen des oberen Respirationstraktes empfohlen.

Diese Empfehlung stützt sich auf die Tatsache, dass Lauchöle in vitro sowohl gegen Gram-positive und Gram-negative Bakterien als auch gegen Candida-Arten (Hefepilze) und Influenzaviren wirksam sind. In Tierexperimenten am Meerschweinchen hemmten sie zudem das Wachstum verschiedener Hautpilze.“

„Droge“ meint hier „Heilpflanze“, also Knoblauch, nicht wie im heutigen Sprachgebrauch „Rauschmittel“.

Die Wirkung von Knoblauch gegen verschiedene Bakterien, Hautpilze und Viren ist verhältnismässig gut untersucht. Allerdings stellt sich bei diesen Experimenten in-vitro (= im Labor, im Reagenzglas) immer die Frage, ob und in wie weit sich solche Resultate auf Erkrankungssituationen beim Menschen übertragen lassen.

Bei lokalen Wirkungen auf der Haut beispielsweise ist eine solche Wirkung plausibel, ob sie aber auch systemisch nach Aufnahme in den Organismus aus dem Verdauungstrakt zu erwarten ist, bleibt oft fraglich. Prof. Reichling erwähnt in dieser Hinsicht folgende Studie:

„Laut einer Studie in England soll es bei einer täglichen Einnahme von 1 Knoblauchkapsel über einen Zeitraum von 4 Monaten zu weniger Erkältungskrankheiten im Vergleich zur Placebogruppe gekommen sein (24 versus 65 Prozent).“

Leider fehlen hier genauere Angaben zu dieser Studie, wodurch ihre Aussagekraft nicht beurteilt werden kann. Falls Knoblauchkapseln nämlich tatsächlich eine vorbeugende Wirkung gegen Erkältungskrankheiten haben sollten, wäre das sehr bemerkenswert.

Einen entsprechenden Ruf als Schutzmittel gegen Infektionen hat Knoblauch in der traditionellen Pflanzenheilkunde schon lange.

Quelle der Zitate:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/sonstige_fachbereiche/phytotherapie/article/811558/knoblauch-ingwer-infektionen.html?sh=8&h=-1673844218

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Soja reduziert Hitzewallungen in den Wechseljahren

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Frauen, die rund um die Wechseljahre (Klimakterium) zweimal pro Tag Soja konsumieren, können damit offenbar die Häufigkeit und das Ausmaß der Hitzewallungen lindern. Zumindest um ein Viertel gehe das charakteristische Menopause-Symptom auf diese Weise zurück, berichten Wissenschaftler der University of Delaware in der Fachzeitschrift „Menopause“.

Die Wissenschaftler um Melissa Melby werteten 19 Studien mit total 1.200 Frauen aus, die bisher zur Auswirkung von Soja auf die Wechseljahre durchgeführt wurden. Kombiniere man alle bisherigen Untersuchungen, ergebe sich ein positiver Effekt, resümiert die Studienleiterin. Ein spezielles  Augenmerk wurde auf die im Soja enthaltenen Isoflavone gelegt. Diese Pflanzenstoffe sollen eine milde, Östrogen-ähnliche Wirkung entfalten. In jedem Gramm Sojaprotein von Sojabohnen sowie auch zahlreicher Sojaprodukte sind 3,5 Milligramm Isoflavone enthalten. Daneben gibt es auch Nahrungsergänzungsmittel speziell mit dieser Substanz.

Bei Frauen, die über sechs Wochen oder länger täglich 54 Milligramm davon zu sich nahmen, zeigten sich um 20 Prozent weniger Hitzewallungen und ein Rückgang des Schweregrades um 26 Prozent. Da diese Resultate stets im Vergleich zu einem Placebo-Präparat gemessen wurde, dürfte der endgültige Effekt noch höher liegen.

Bei längerfristiger Einnahme zeigten die Soja-Isoflavone in den Studien noch eine deutlich stärkere Wirkung. Aufmerksam auf das Thema Soja und Isoflavone wurde die Forschung, weil Japanerinnen im Klimakterium kaum Hitzewallungen entwickeln: Sojaprodukte begleiten in Japan bereits im Mutterleib und über die gesamte Lebensspanne den Alltag. Wenn man mit 50 Jahren nie Soja gegessen habe, sei es jedoch noch nicht zu spät. Zwar steige die Wirkung der Isoflavone mit der Dauer ihrer Einnahme. Die Forscher sind aber überzeugt, dass sie auch bei spätem Beginn noch helfen.

Quelle:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=37190

http://www.udel.edu/udaily/2012/apr/melby-soy-menopause-040412.html

Kommentar & Ergänzung:

Zur Frage der Wirksamkeit von Sojaprodukten gegen Wallungen in den Wechseljahren gibt es verwirrend gegensätzliche Resultate und Stellungsnahmen.

Siehe auch:

Wechseljahre: keine Linderung von Hitzewallungen durch Soja

Soja: Keine Wirkung gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren

Allerdings hat eine Metaanalyse, also die Auswertung aller geeigneten Studien zu einem bestimmten Thema, wie sie offenbar das Team der Universität Delaware gemacht hat, mehr Gewicht als eine Einzelstudie. Sofern sie gut gemacht wurde und die Studien, auf die sie sich stützt, von guter Qualität sind.

Interessant ist die Bemerkung, dass Japanerinnen, die von Kindheit an regelmässig Soja konsumieren, möglicherweise mehr profitieren als Frauen in Europa und Amerika, die erst in den Wechseljahren mit der Sojaeinnahme beginnen.

Ein Erklärungsversuch für dieses Phänomen würde mich interessieren.

Eine ähnliche Frage stellt sich bei der Brustkrebs-Prävention.

Japanerinnen erkranken offenbar seltener an Brustkrebs, wofür häufig der höhere Sojakonsum verantwortlich gemacht wird (Japanerinnen unterscheiden sich aber noch an vielen weiteren Punkten ihres Lebensstils von Europäerinnen!).

Falls Soja tatsächlich kausal für die tieferen Brustkrebsraten in Japan verantwortlich eine sollte, könnte es auch sein, dass dieser Schutzeffekt schon und vor allem in jungen Jahren relevant ist. Dann wäre es nicht mehr sinnvoll, wenn eine 50 jährige Sojaprodukte isst mit der Erwartung einer Brustkrebs-präventiven Wirkung.

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Phytotherapie: Leinsamen für Tiere

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Phytotherapie eignet sich gut auch für die Tierheilkunde. Viele Heilpflanzen wirken bei Mensch und Tier sehr ähnlich, doch sind die Dosierungen bei den verschiedenen Tierarten natürlich sehr unterschiedlich. Ob man Baldriantinktur bei einem schlaflosen Goldfisch oder bei einem Zirkuselefanten mit Lampenfieber einsetzt, macht mengenmässig schon etwas aus. Was raten Sie als Dosierungsrichtlinie?

Im Ernst, lassen Sie das mit dem Goldfisch bitte.

Als Beispiel für die Anwendung von Heilpflanzen in der Tiermedizin hier ein paar Angaben zum Leinsamen.

Leinsamen werden beim Menschen vor allem als mildes Abführmittel gegen Verstopfung angewendet.

Auch in der Tiermedizin kommen Leinsamen zum Einsatz, vor allem bei Magenschleimhautentzündung, Darmschleimhautentzündung, Magen-Darm-Störungen.

Innerlich verwendet man die Leinsamen in Form ganzer Samen oder einer Schleimzubereitung. Die Schleimzubereitung wird aus 1 Esslöffel voll geschrotetem oder zerkleinertem Leinsamen und 150ml Flüssigkeit durch Einweichen hergestellt. Diese Zubereitung sollte noch am selben Tag aufgebraucht werden.

Hier die Dosierungsangaben:

Ganze Leinsamen

Mittlere Tagsdosis:

Grosser Wiederkäuer, Pferd                     50 – 100 g

Kleiner Wiederkäuer                                   25 –   50 g

Schwein                                                         10  –  25 g

Hund                                                                  2 –   5 g

Katze                                                                   1 –  3 g

Huhn                                                                   1 –  2 g

Schleim aus Leinsamen

Grosser Wiederkäuer                                  50 – 200 g

Pferd                                                                50 – 100 g

Kleiner Wiederkäuer                                   25 – 50 g

Schwein                                                           10 – 30 g

Hund                                                                   2 – 5 g

Katze                                                                    1 – 3 g

Huhn                                                                   1 – 2 g

Quelle: Heilpflanzenkunde für die Veterinärpraxis

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Peter Singer: Dicke sollen für Extrakilos zahlen

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Im Flugzeug verbrauchen Übergewichtige mehr Platz und Treibstoff als dünne Reisende und es wäre daher nur fair, sie dafür zur Kasse zu bitten. Das schreibt der Bioethiker Peter Singer:

„Ist das Gewicht einer Person deren Privatangelegenheit? Sollten wir einfach toleranter sein in Bezug auf unterschiedliche Körperformen? Meiner Meinung nach nicht. Fettleibigkeit ist ein ethisches Thema, denn die Gewichtszunahme der einen bedeutet höhere Kosten für andere.“

Singer beschreibt dann verschiedene Varianten, wie man Übergewichtigen ihre zusätzlichen Kilos auf Flugreisen verrechnen könnte.

Freunde, mit denen er diesen Vorschlag diskutiere, würden oft sagen, dass viele übergewichtige Menschen keinen Einfluss auf ihr Gewicht hätten – sie hätten einfach einen anderen Stoffwechsel als die anderen, schreibt Singer Aber der Zweck einer Gebühr für Übergewicht sei ja nicht, eine Sünde zu bestrafen, sei es wegen zu viel Gepäck oder zu viel Körpergewicht. Es gehe darum, dass jeder Einzelne das zahle, was es koste, ihn oder sie ans Ziel zu fliegen. Fliegen sei etwas anderes als zum Beispiel das Gesundheitswesen. Fliegen sei kein Menschenrecht.

Das tönt so, als wolle Singer diese „Übergewichts-Kompensationszahlungen“ auf die Flugpreise begrenzen und nicht auf alle Bereiche ausweiten. Doch dann erweitert er die Thematik genau auf heikle Gebiete wie das Gesundheitswesen:

„Wenn die Menschen größer und schwerer werden, passen weniger in einen Bus oder einen Zug, was die Kosten für den öffentlichen Transport in die Höhe treibt. Krankenhäuser müssen jetzt stärkere Betten und OP-Tische bestellen, extra große Toiletten bauen und sogar extra große Kühlfächer in ihren Leichenhallen installieren – all dies sind zusätzliche Kosten für sie. Das bedeutet für Steuerzahler und privat Versicherte zusätzliche Gesundheitsausgaben….“

Diese Tatsachen reichen nach Ansicht von Peter Singer, um eine Politik zu rechtfertigen, die einer Gewichtszunahme entgegenwirkt: „Helfen würde eine Besteuerung von Lebensmitteln, die disproportional für Fettleibigkeit indiziert sind – besonders Lebensmittel ohne Nährwert, wie süße Getränke.

Diese Mittel könnten dann dazu verwendet werden, die zusätzlichen Kosten auszugleichen, die fettleibige Menschen anderen verursachen. Die Verteuerung dieser Lebensmittel würde auch ihren Konsum durch Menschen, die das Risiko der Fettleibigkeit haben, verringern.“

Quelle:

http://www.welt.de/debatte/die-welt-in-worten/article13927646/Die-Dicken-sollten-fuer-ihre-Extrakilos-zahlen.html

Kommentar & Ergänzung:

Das Verursacherprinzip ist mir in manchen Bereichen durchaus sympathisch.

Die Forderungen Peter Singer’s werfen aber einige Fragen auf:

Adipositas ist nicht immer selbstverschuldet.

Es gibt zum Beispiel deutliche Hinweise dafür, dass Adipositas teilweise genetisch bedingt ist:

„ Zwillingsstudien deuten darauf hin, dass Übergewicht auch eine genetische Komponente hat. Sie wird in dieser Betrachtung mit 70 % angegeben. Außerdem fand man bei Adoptivkindern einen starken Zusammenhang zwischen ihrem BMI und dem ihrer leiblichen Eltern, aber keinen Zusammenhang zwischen ihrem Gewicht und dem ihrer Adoptiveltern.“

(Quelle: Wikipedia)

Nicht direkt mit Genetik erklären lässt sich allerdings die Zunahme der Adipositas in den letzen Jahrzehnten. Indirekt besteht möglicherweise aber ein Zusammenhang: Unsere genetische Ausstattung ist wohl nicht eingestellt auf einen solchen Überfluss an Nahrung kombiniert mit so wenig Bewegung. Das gab es im Verlaufe der menschlichen Evolution nur ausnahmsweise.

Es gibt auch Stoffwechselerkrankungen, die Adipositas verursachen können, beispielsweise Schilddrüsenunterfunktion (z. B. Hashimoto-Thyreoiditis), Störungen des Kortisolhaushaltes (Cushing-Syndrom) oder Glucosestoffwechselstörungen mit Hyperinsulinismus.

Und es gibt sozio-kulturelle Einflüsse:

Je niedriger der soziale Status (bestimmt durch die drei Faktoren Höhe der Ausbildung, Haushaltseinkommen und berufliche Stellung), desto häufiger trifft man auf das Problem Übergewicht: Je höher der Schulabschluss, desto tiefer – und damit günstiger – liegt der Body-Mass-Index.

Ausgehend von diesen verschiedenen Einflüssen dürfte klar werden, dass das Mass an Eigenverantwortung für eine Adipositas von Mensch zu Mensch durchaus unterschiedlich ist. Peter Singer macht aber nicht den Eindruck, dass er bei seinen „Übergewichts-Kompensationszahlungen“ einen Unterschied macht zwischen selbstverschuldeter und unverschuldeter Adipositas (abgesehen davon, dass diese Differenzierung sehr schwierig sein dürfte).

Es würde also auch eine wesentlich genetisch oder durch eine Stoffwechselkrankheit bedingte Adipositas mit einer Strafzahlung belegt.

Dann fragt sich allerdings, weshalb ausgerechnet und nur die Übergewichtigen zur Kasse gebeten werden sollen. Wenn das Verursacherprinzip auf die Genetik ausgeweitet wird – wenn ich also für Kosten, die aus meiner Genetik entstehen, haftbar gemacht werde, dann stehen wir vor einer brisanten Entwicklung.

Wikipedia führt als Krankheiten mit genetisch bedingter Disposition auf:

Adipositas

Allergien, diverse

Alzheimer-Krankheit

Autoimmunerkrankungen

Bluthochdruck

Creutzfeldt-Jakob-Krankheit

Depression

Diabetes mellitus

Großzehenabweichung (Hallux valgus)

Haarausfall

Herzfehler

Herzinfarkt

Krebserkrankungen diverse

Laktoseintoleranz

maligne Hyperthermie

Migräne

Multiple Sklerose (MS)

Osteoporose

Parkinson-Krankheit

Psoriasis

Rheuma

Schizophrenie

Schlaganfall

Taubheit

Formen der Trisomie

Vitiligo

Machen wir diese Patienten auch verantwortlich für Kosten, die der Allgemeinheit aufgrund ihrer genetischen Disposition entstehen? So wie es Peter Singer für Übergewichtige (auch) mit genetischer Disposition fordert?

Wo hört das auf?

Und auch wenn man kontrafaktisch davon ausgeht, dass Übergewicht in jedem Fall zu 100% selbstverschuldet ist, stellen sich brisante Fragen:

Herz-Kreislauferkrankungen verursachen viele Gesundheitskosten. Wer sich wenig bewegt, leidet eher an Herz-Kreislauferkrankungen. Warum nicht ein Strafzuschlag für Leute, die sich zuwenig bewegen? Das wäre doch motivierend….

Zuviel oder falsche Bewegung ist aber auch nicht optimal. Sportunfälle sind schliesslich oft sehr kostspielig.

Wenn wir also das Verursacherprinzip generell anwenden, und nicht nur bei den Übergewichtigen, dann sehe ich nicht ein, weshalb ich für die tausenden von Beinbrüchen, die jeden Winter beim Skifahren passieren, mit bezahlen soll. Skifahren ist schliesslich genauso wie Fliegen kein Menschenrecht. Entsprechend dem Vorschlag von Peter Singer zur Besteuerung von Adipositas-fördernden Nahrungsmitteln könnte man ja die Kosten der Skiunfälle auf die Tickets der Bergbahnen und Skilifte draufschlagen. Allerdings bestraft man dann auch die sorgfältigen Skifahrer, die keine Unfälle bauen.

Genauso bestraft Peter Singer mit seinem Vorschlag, Adipositas-fördernde Nahrungmittel zu besteuern auch diejenigen, die solche Nahrungsmittel in vernünftigem Mass essen und damit nicht dick werden. Teurer wird dann auch mein Vermicelle (Foto auf Wikipedia), womit ich meines Erachtens unverdienterweise eine „Busse“ bezahlen muss.

Und wenn das Vermicelle einen Franken teurer wird, tut das der Verkäuferin aus dem Supermarkt mehr weh als dem Rechtsanwalt oder dem Banker. Ist das gerecht?

Nicht ganz einfach wäre wohl auch die Entscheidung, welche Nahrungsmittel nun konkret als Dickmacher besteuert werden sollen. Schliesslich kann ich von fast allem dick werden, wenn ich genug davon esse.

Und wenn wir schon vom Verursacherprinzip reden: Gemäss US-Studien verlieren adipöse Personen 6-7 Lebensjahre, extrem Fettleibige (BMI ab 40) sogar 5 bis 20 Jahre. Sollte man also bei adipösen Menschen nicht die Rente erhöhen? Sie beziehen ja weniger lange Geld.

Bei Herz-Kreislauferkrankungen spielt zudem nicht nur das Gewicht, sondern auch die Fettverteilung im Körper eine wichtige Rolle („inneres Bauchfett“). Sollte man – wenn man gen Ansatz von Peter Singer verfolgt, dieses unterschiedliche Risiko nicht berücksichtigen?

Ich halte den Vorschlag von Peter Singer für populistisch. Er nutzt Ressentiments gegen die „Dicken“ aus, bietet einfache Scheinlösungen und unterschlägt die komplexen Fragen, die mit dem Verursacherprinzip im Zusammenhang mit Gesundheit und Krankheit verbunden sind.

Damit will ich keineswegs negieren, dass die Zunahme der Adipositas in unserer Gesellschaft ein Problem darstellt.

Und die Gesundheitsbehörden sollen sich durchaus Gedanken machen, wie man dieser Entwicklung entgegen steuern kann.

Einfache Lösungen wird es für dieses Problem aber nicht geben.

Genauso wenig wie für die Zunahme der Kosten im Gesundheitswesen. Nur gerade auf die „Dicken“ einzuhacken, ist mir etwas zu billig.

Bezüglich Adipositas halte ich nichtdiskriminierendes Vorgehen für adäquater. Ein guter Beitrag zu einer sinnvollen Prävention wäre zum Beispiel fundierte Bildung im Bereich Ernährungslehre / Kochen. Damit läst sich eine allfällige genetische Disposition nicht wegzaubern, aber der Umgang mit ihr kann möglicherweise optimiert werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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Johanniskraut: Hyperforin gegen Hautentzündungen

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Auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie (GD) berichteten zwei Forscherinnen über die Anwendung von Hyperforin bei Hauterkrankungen.

Dr. Ute Wölfle und Dr. Frederica Casetti, Freiburg, stellten neue experimentelle und klinische Daten zu Hyperforin als lipophilem Hauptwirkstoff von Johanniskraut (Hypericum perforatum L.) vor.

Hautpflegeprodukte mit Hyperforin werden zur Pflege der trockenen, juckenden, schuppenden Haut verwendet.

Aktuelle Untersuchungen bestätigen nun, dass der Naturstoff Hyperforin ausgeprägte entzündungshemmende, antioxidative, bakterizide und differenzierungsfördernde Eigenschaften besitzt. Hyperforin induziere in Keratinozyten direkt einen dosisabhängigen Calciumeinstrom, der zu einer Aufregulation epidermaler Differenzierungsmarker führe, sagte Wölfle. Die neuen Erkenntnisse, stellte die Dermatologin fest, »liefern eine Rationale für die Verwendung hyperforinreicher Johanniskrautextrakte bei der Behandlung entzündlicher Hauterkrankungen wie der atopischen Dermatitis«.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41439&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Da Hyperforin lipophil ist – also fettliebend – löst es sich auch gut im Johannisöl

Johanniskrautöl ist ein Auszug auf der Basis von fettem Öl (Sonnenblumenöl, Olivenöl). Vielleicht könnten also diese Forschungsresultate auch zur Erklärung der Wirkungen des Johannisöls beitragen. Allerdings ist Hyperforin im Johannisöl ziemlich instabil und zerfällt bis spätestens drei Monate nach der Herstellung, wobei aber nicht ausgeschlossen ist, dass die Umwandlungsprodukte ähnlich wirken.

Hyperforin ist auch luft- und lichtempfindlich. Wenn das Johanniskrautöl bei der Herstellung nach traditioneller Empfehlung an die Sonne gestellt wird, dürfte das dem Hyperforin nicht gut bekommen (es sei denn, man benützt dazu ein braunes Glas).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Taigabeeren gegen Arterienverkalkung?

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Sie sollen verkalkte Adern freiputzen und das Herz nachhaltig stärken. So oder ähnlich werden im Internet Nahrungsergänzungsmittel auf der Basis von „Taigabeeren“ propagiert. Taigabeeren – das tönt nach Wildnis mit einem Hauch von Exotik. Vor allem Esoterikerinnen und Esoteriker fliegen auf dieses Image und stellen sowieso kaum je kritische Fragen, wenn es um Naturheilmittel geht. Sie sind ja so froh um alles, was nicht „chemisch“ ist und aus dem uralten Wissen von Naturvölkern stammt. Damit hat man sie schon in der Tasche – eine einträglichere Kundschaft gibt es wahrlich nicht……

Verblüffend nur, dass die Taigabeeren (auch: Essigbeeren) von der Gemeinen Berberitze (Berberis vulgaris) stammen, dem Sauerdorn. Und dieser Strauch kommt ja bei uns häufig vor. Wie der Name schon sagt, sind die Berberitzenfrüchte sehr sauer. Konfitüre hat man aus den Berberitzenfrüchten schon seit langem hergestellt.

Berberitze enthält das giftige Alkaloid Berberin, die reifen Früchte sind aber fast alkaloidfrei.

Zur Verwendung schreibt Wikipedia:

„Die roten Früchte der Berberitze sind weitgehend frei von Berberin und Berbamin und daher essbar. Sie sind sehr vitaminreich und schmecken säuerlich. Traditionell werden sie in Europa zur Konfitürenbereitung genutzt. Getrocknet werden sie wie Rosinen z. B. in Müsli gegessen. Die Beeren der Berberitze werden in orientalischen Ländern, vor allem im Iran zum Kochen verwendet. Dort werden sie vor allem zum süß-sauren Würzen von Reis (z. B. Sereschk Polo „Berberitzenreis“), aber auch von Fisch und Braten verwendet. Allein in der Region Chorasan, dem Zentrum des Anbaugebietes im Nordosten des Iran, werden pro Jahr etwa 4.500 Tonnen Früchte geerntet.“

Das ist ja sehr verwirrend: Die Taigabeere ist sowohl exotisch (Taiga, Iran) als auch einheimisch (Riehen, Trin, Feldis….). Ein einheimischer Exot sozusagen.

Also: Die nächste Gelegenheit, um der wunderbaren Taigabeeren-Pflanze in der Natur in ihrem kraftvollen Lebensraum zu begegnen, ist meine Frühlingsexkursion in die Rheinschlucht. Dort wimmelt es nämlich von Taigabeeren-Pflanzen (äh: Berberitzen).

P.S.: Der leichte Hauch von Eso-Bissigkeit, der in diesem Beitrag aufschimmert, stammt daher, dass meiner Erfahrung nach sehr viele Esoterikerinnen und Esoteriker zwar kritiklos auf Heilmitteln oder Heilmethoden abfahren, die als natürlich propagiert werden, dass sie aber mit der konkreten, gewöhnlichen Natur, selbst wenn sie mitten in der Natur stehen, kaum Kontakt haben, weil sie nur mit ihren esoterisch aufgeladenen Vorstellungen von der Natur in Kontakt sind (sorry für diesen Bandwurmsatz…).

Und so kommt es eben, dass man auf die wundersame Taigabeere fliegt und sie teuer im Internetshop kauft, aber an der banalen Berberitzenbeere vielleicht täglich achtlos vorbei geht……

Teure Placebos waren übrigens schon immer wirksamer als billige Placebos.

Siehe:

Überraschender Placebo-Erfolg bei der Schmerztherapie

Und zum Schluss: Im Expertenrat der „Pharmazeutischen Zeitung“ hat vor kurzem Prof. Theo Dingermann Stellung genommen zur Frage, ob Taigabeeren wirksam seien zur Arteriosklerose-Prophylaxe:

„Ich würde dringend von dem Einsatz von Taigabeeren, in welcher Zubereitung auch immer, als Mittel gegen Arteriosklerose abraten. Für diesen Einsatz gibt es keinerlei Evidenz. Es handelt sich hier um eine Modeerscheinung, die durch alle möglichen Blogs und Medien geistert.

Taigabeeren sind die Früchte von Berberis vulgaris. Das ist, wie Sie wissen, eine Alkaloid-Pflanze mit einem beachtlichen Vergiftungspotenzial. Zwar sind die Früchte fast alkaloidfrei und können daher verzehrt werden (man soll eine sehr schmackhafte Marmelade daraus machen können), aber das bedeutet auch, dass ihnen das eigentliche pharmakodynamische Prinzip (das hier allerdings im Wesentlichen ein toxikologisches Prinzip ist) fehlt. Vielleicht ist es das, was «reizt»: ein akzeptabel ungiftiger Pflanzenteil einer Giftpflanze!“

Quelle: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=40502

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Heilpflanzen statt Schmerztabletten

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Das empfiehlt die „Bild“-Zeitung. Gutgemeinte Idee, aber mit den konkreten Ratschlägen happert es noch ein bisschen:

„Gegen Muskelschmerzen können Sie eine Baldrian- oder Arnika-Tinktur auf verspannte oder gezerrte Muskeln auftragen und sanft einmassieren.“

Quelle: http://www.bild.de/ratgeber/gesund-fit/schmerzmittel/gefahr-segen-was-sie-wissen-muessen-23018112.bild.html

Kommentar & Ergänzung:

Arnikatinktur, liebe Bild-Zeitung, darf nie unverdünnt aufgetragen werden, weil sie sonst zu aggressiv auf die Haut wirkt und Entzündungen auslösen kann. Das müsste man der Leserschaft sagen. 1:10 mit Wasser verdünnt wirkt Arnikatinktur aber gegen Blutergüsse, Verstauchungen, Quetschungen. Arnikagel oder Arnikasalbe sind allerdings üblichere  Anwendungsformen.

Baldriantinktur wirkt bei ausreichender Dosierung als mildes Beruhigungsmittel, aber nur bei innerlicher Anwendung. Reibt man die Baldriantinktur ein, hat man eventuell einen Effekt durch den verdunstenden Alkohol. Dann könnte man aber jeden Schnaps nehmen oder besser noch Wacholdergeist, der ausserdem durchblutungsförderndes Wacholderöl enthält.

Heikel ist das Einreiben von Baldriantinktur, wenn man eine Katze im Haus hat. Sie wird an der eingeriebenen Stelle die Krallen wetzen und sich auch sonst ziemlich auffällig verhalten. Die Rechung für allfällige Schäden schicken Sie am besten der Bild-Zeitung……

Die schnellste schmerzlindernde Wirkung bei Muskelschmerzen, Prellungen etc. hat Pfefferminzöl (5 – 10 % Pfefferminzöl gemischt mit Mandelöl).

Prellung und Hämatom mit Heilpflanzen Behandlung

Hausmittel gegen Insektenstiche, Prellungen und Juckreiz

Alternativmedizin – was hilft bei Sportverletzungen

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