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Andorn (Marrubium vulgare) zur Arzneipflanze des Jahres 2018 gekürt

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Der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ an der Universität Würzburg hat den Andorn (Marrubium vulgare) zur Arzneipflanze des Jahres 2018 gewählt.

Außerhalb von Fachkreisen ist der Andorn hierzulande fast unbekannt. Dabei zählte der stattliche Lippenblütler (Lamiaceae) von der Antike bis weit in die Neuzeit zu den bedeutendsten Arzneipflanzen Europas. Die Verwendung der Pflanze bei Katarrhen der Atemwege sowie bei Verdauungsbeschwerden ist schon seit über 2000 Jahren dokumentiert. Heute wird Andornkraut zur Schleimlösung bei Husten im Rahmen von Erkältungen eingesetzt. Andorn lindert Entzündungen in den Atemwegen, wirkt schleimlösend bei festsitzendem Schleim und krampflösend in den Bronchien.

Mit seinen kugeligen, vielblütigen Scheinquirlen steht der Andorn zwischen Ackerminze und Melisse. Seine Blätter sind aber kleiner, rundlich bis herzförmig, und besitzen auf der Oberseite ein tief eingesenktes Nervennetz, während sie unten stark filzig behaart sind. Die unverzweigten Stängel wachsen bis zu 80 cm hoch. Andorn stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum.

Unter den Arzneipflanzen aus der Familie der Lippenblütler fällt der Andorn auf durch seinen prägnanten Gehalt an Bitterstoffen und Gerbstoffen, während der Gehalt an ätherischem Öl nur gering ist. Durchaus zutreffend urteilt darum der berühmte Abt und Dichter Walahfrid im 9. Jahrhundert: „Er duftet süß, schmeckt aber scharf.“

Neben dem wirksamkeitsmitbestimmenden Bitterstoff Marrubiin enthält Andornkraut unter anderem Flavonoide, stickstoffhaltige Verbindungen und ätherisches Öl. Traditionell eingesetzt wird die Heilpflanze bei Bronchialkatarrhen sowie bei Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit. Verschiedene Studien zeigen eine Wirkung zur Schleimlösung bei Husten im Rahmen von Erkältungen.

Darüber hinaus entdeckten Wissenschaftler erst in jüngerer Zeit Mechanismen, die eine weitergehende therapeutische Bedeutung von Bitterstoffen nahe legen.

Die Bedeutung von Bitterstoffen für den menschlichen Körper zeigt sich schon darin, dass uns die Natur mit jeweils nur einem einzigen Rezeptortyp für süß, salzig, sauer und umami (japanisch für „würzig“, „schmackhaft“) ausgestattet hat, aber mit 25 verschiedenen Bitterrezeptoren. Sie versetzen uns zumindest theoretisch in die Lage, Tausende von Bittersubstanzen zu erkennen.

Solche Rezeptoren für Bitterstoffe gibt es nicht nur z. B. auf der Zunge sowie im Mund- und Rachenraum, sondern auch auf glatten Muskelzellen des Bronchialsystems. Dort bewirkt ihre Aktivierung eine Erweiterung von verengten Bronchien, die zu einer verbesserten Sauerstoffaufnahme und erleichterten Schleimentfernung führt[1]. Eine Studie von Forschern aus den USA weist außerdem darauf hin, dass die gezielte Stimulation dieser Rezeptoren mit Bitterstoffen eine Stärkung des Immunsystems bewirken kann[2]. Eine verstärkte Stimulation der Bitterrezeptoren könnte einen größeren Schutz vor Infektionen zur Folge haben, während eine niedrigere Funktion die Anfälligkeit für Infekte steigert, vermuten die Wissenschaftler.

Andornkraut wirkt zudem choleretisch, das heisst es hat eine den Gallenfluss-fördernde Wirkung, was die günstigen Effekte bei Verdauungsbeschwerden unterstützt.

 

Andorn – eine Arzneipflanze mit großer historischer Bedeutung

Für die Wahl des Andorns zur Arzneipflanze des Jahres 2018 war die historische Bedeutung der Pflanze mit entscheidend. Von der Antike bis weit in die Neuzeit hinein zählte der Andorn zu den beliebtesten Heilpflanzen in Europa. Laut Plinius dem Älteren (gest. 79 nach Chr.) war Andorn als „eines der vorzüglichsten Kräuter“ bekannt. Er wurde hauptsächlich bei Lungenerkrankungen und hartnäckigem Husten angewendet, aber auch bei Brüchen, Verstauchungen, Krämpfen und Erkrankungen der Sehnen. Der zeitgleich tätige griechische Arzt Dioskurides nennt Schwindsucht, Asthma und Husten als die ersten Anwendungsgebiete.

Der schon erwähnte Abt Walahfrid Strabo preist den Andorn nicht nur bei „starken Beklemmungen der Brust“ sondern auch als rasch wirkendes Mittel gegen Giftanschläge, etwa durch böse Stiefmütter: „Sollten die Stiefmütter in feindseliger Absicht Gifte zubereiten und in das Getränk mischen oder Eisenhut zum Verderben in trügerische Speisen mengen, so vertreibt ein Trank des heilkräftigen Andorn, unverzüglich eingenommen, die lebensbedrohenden Gefahren.“

Die Äbtissin Hildegard von Bingen rät bei starkem Husten zu einer Abkochung von Andorn, Fenchel und Dill mit Wein.

In allen einschlägigen Werken bis ins 18. Jahrhundert hinein werden zudem für Andorn auch Ohrenschmerzen und Probleme bei der Geburt sowie Menstruationsbeschwerden unter den Indikationen erwähnt.

Im 19. Jahrhundert konzentrierte sich die Anwendung des Andorns auf die schleimlösende Wirkung in den Atemwegen und auf Verdauungsprobleme. Anfangs des 20. Jahrhunderts wurde in Frankreich sogar für etwa drei Jahrzehnte eine Wirkung bei Malaria diskutiert.

Der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ schreibt, der Andorn sei kulturgeschichtlich eine hochinteressante Pflanze, die auch unter medizinischen Aspekten wohl zu Unrecht in Vergessenheit geraten sei. Neue Forschungen seien jedoch dringend erforderlich, um das Potential der Pflanze ausloten zu können.

Zur Herkunft des Pflanzennamens Andorn schreibt der Studienkreis:

„Was jedoch wohl nie wirklich geklärt werden wird, ist die Bedeutung des deutschen Namens; es ist völlig unklar, was Andorn, ohne Dornen (an-dorn) bei diesem Lippenblütler uns sagen soll.“

Literatur:

  1. Deepak, A. et al.: Bitter taste receptors on airway smooth muscle bronchodilate by localized calcium signaling and reverse obstruction. Nature Medicine EPub, abstract 24 Oct 2010 (2010)
  2. Lee, RJ. et al.: Bitter Taste Bodyguards. Scientific American 314: 38 – 43 (2016)

Quelle:

http://www.welterbe-klostermedizin.de/index.php

Kommentar & Ergänzung:

Der Andorn ist ein Beispiel für eine Arzneipflanze, die etwas in Vergessenheit geraten ist. Natürlich kann man nicht alle Anwendungsempfehlungen, die irgendwann im Laufe der Geschichte auftauchen, unbesehen für heute übernehmen. Tradition hat sich auch oft geirrt und daher hat sie nicht immer Recht.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

Man muss sich mit der Tradition der Pflanzenheilkunde sorgfältig und kritisch auseinandersetzen. So bekommt man eine Basis, auf der sich entscheiden lässt, welche historischen Anwendungsempfehlungen überholt sind und welche auch heute noch sinnvoll eingesetzt werden können. Der „Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde“ tut dies in vorbildlicher Art.

Im Standardwerk Teedrogen und Phytopharmaka bin ich auf einen interessanten Hinweis zum Andorn gestossen:

„In einer ethno-pharmakologischen Arbeit wurde über einen erfolgreichen Einsatz bei asthmatischen Erkrankungen in Sardinien berichtet. Acetosid könnte bei entsprechenden Anwendungsgebieten eine wichtige Rolle zukommen.“

Aber auch hier sind weitere Untersuchungen und Studien nötig, bis je nach Ergebnis allenfalls eine Behandlungsempfehlung ausgesprochen werden kann.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

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Auf Kräuterwanderung angetroffen: Das Barbarakraut (Barbarea vulgaris)

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Auf der Kräuterwanderung im Dättnauertal bei Winterthur angetroffen:

Echtes Barbarakraut (Winterkresse).

Foto auf Wikipedia hier.

 

Barbarakraut gehört zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae). Es enthält viel Vitamin C und Glukosinolate (Senfölglykoside), eine Wirkstoffgruppe, die für diese Pflanzenfamilie charakteristisch ist.

Barbarakraut kann als Salat oder Gemüse verwendet werden (in Butter gedünstet spinatähnlich). Fischgerichte bekommen dadurch eine scharfe und würzige Note.

Im 16. Jahrhundert wurde Barbarakraut in den Bauerngärten als Salatpflanze kultiviert.

Schon damals war die Pflanze der Heiligen Barbara gewidmet. Die Blattrosetten des Barbarakrauts überwintern und können daher auch um den Barbaratag (4. Dezember) sowie im zeitigen Frühling geerntet werden.

Es gab Versuche, das Samenöl des Barbarakrauts zu nutzen. Früher wurde die Pflanze auch zu Heilzwecken genutzt – als Wundbalsam. Das ist nicht unplausibel, weil Senfölglykoside für antimikrobielle Wirkungen bekannt sind. Allerdings gibt es keine sicheren Erkenntnisse über therapeutische Wirkungen des Barbarakrauts, weil kein Untersuchungen und Studien dazu vorhanden sind.

Von den Senfölglykosiden ist aber bekannt, dass sie nach der Einnahme durch eine Reizwirkung auf die Magenschleimhaut die Magensaftproduktion anregen und vielleicht auch die Magenperistaltik beschleunigen, wodurch verdauungsfördernde und appetitsteigernde Effekte zu erwarten sind.

Senfölglykoside sind auch charakteristische Inhaltsstoffe in vielen Gemüsen wie beispielsweise Radieschen, Rettich, Meerrettich, Brunnenkresse, Gartenkresse, Rucola und alle Kohl-Arten. In Laborexperimenten zeigen Senfölglykoside Eigenschaften, die auf die auf eine Hemmung der Krebsentstehung hindeuten. Ob das beim Menschen auch so läuft wie im Reagenzglas, wieviel von diesen Gemüsen täglich gegessen werden müsste und wie realistisch das ist, lässt sich aber noch nicht konkret aussagen. Senfölglykoside sind aber gewiss ein wertvoller Bestandteil einer abwechslungsreichen Ernährung.

Siehe auch:

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside und welche Wirkung haben sie?

Eine weitere Wildpflanze mit Senfölglykosiden, die sich als Zugabe in Salat eignet, ist das Wiesen-Schaumkraut:

Naturkunde: Was blüht gerade? Wiesen-Schaumkraut

 

 

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Doch kein Tramadol aus Pflanzenproduktion

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„Schmerzmittel Tramadol in afrikanischer Arzneipflanze entdeckt“ – so lauteten die Meldungen im Jahr 2013. Jetzt scheint aber alles ganz anders zu sein:

„So hatte im vergangenen Jahr ein Forscherteam…….bei einer Metabolom-Analyse der afrikanischen Heilpflanze Nauclea latifolia das vollsynthetisch hergestellte Opioid Tramadol entdeckt. Es galt als erster Fund eines klassisch-synthetischen Arzneistoffs in der Natur. Die Pflanze aus der Familie der Rubiaceae wird traditionell bei Fieber, Schmerzen und Malaria eingesetzt.

Jetzt stellte jedoch ein unabhängiges Forscherteam fest, dass die Pflanze das Schmerzmittel wohl nicht selbst produziert, sondern aus dem Boden aufgenommen hat. Afrikanische Bauern hatten ihre Rinder illegalerweise mit dem Analgetikum behandelt, was zu einer Kontamination von Wasser und Boden geführt hat, schreibt die Gruppe um Professor Dr. Michael Spiteller von der Technischen Universität Dortmund im Fachjournal »Angewandte Chemie« (doi: 10.1002/anie.201406639). Sie fanden neben der Ursprungssubstanz auch drei typische Säugetier-Metabolite.“

 

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=54633

Kommentar & Ergänzung:

Die ursprüngliche Meldung ist hier zusammengefasst:

Schmerzmittel Tramadol in afrikanischer Heilpflanze entdeckt 

 

Mich erstaunt dieser offenbar verbreitete Einsatz von Schmerzmitteln in der Landwirtschaft. Das erinnert an die Vergiftung von Geiern in Indien durch grossflächige Anwendung von Diclofenac (Voltaren®):

Entzündungshemmer Diclofenac mit ökologischen Nebenwirkungen 

Diclofenac-Vergiftung: Geier-Bestand in Indien erholt sich leicht 

Betreffend Tramadol-Anwendung in Afrika sind bisher offenbar keine ökologischen Schäden bekannt geworden. Heikel ist allerdings, dass solche Arzneimittelmoleküle in der Umwelt oft sehr stabil sind und sich sehr langsam abbauen.

 

Man kann nicht jedes synthetische Medikament durch ein pflanzliches ersetzen.

Aber dort wo es möglich ist, macht es oft auch aus ökologischen Gründen Sinn – Wirkstoffe, die die Natur herstellt, kann sie in der Regel auch gut wieder zerlegen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Hilft Schöllkraut gegen Warzen?

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Schöllkrautsaft ist ein altbekanntes Hausmittel der traditionellen Pflanzenheilkunde zur Behandlung von Warzen.

Hilft Schöllkraut wirklich gegen Warzen? Auf diese Frage antwortete eine Ärztin in einem Artikel der „FAZ“.

Nachfolgend daraus Zitate mit eingeschobenen Kommentaren von mir:

„Schöllkraut (Chelidonium majus) ist eine Pflanze aus der Familie der Mohngewächse, die auf vielen deutschen Wiesen zu finden ist, bevorzugt nahe Wohnstätten oder in Mauerspalten, und die durchaus heilende Wirkung hat. Tatsächlich sind im gelb-orangen Saft, der beim Brechen der Stengel oder Einreißen der Blätter austritt, reichlich Alkaloide enthalten, bei denen antientzündliche, antibakterielle, antimykotische, antivirale und schwach zytotoxische Effekte nachgewiesen werden konnten.“

Ein Bild von Schöllkraut finden Sie hier auf Wikipedia.

Die antiviralen und schwach zytotoxischen Effekte der Alkaloide könnten eine Wirksamkeit gegen Warzen erklären. Allerdings muss dazu gesagt werden: Wenn man solche Wirkungen im Labor feststellt, dann heisst das noch nicht, dass eine solche Wirkung auch an einer konkreten Warze eine Rolle spielt, selbst wenn sich dort eine Wirkung zeigt (für die Wirkung könnten auch andere Faktoren verantwortlich sein).

„Aufgetragen auf Warzen an Händen oder Füßen, löst die die Haut reizende und ätzende Tinktur, die in der Apotheke erworben werden kann, die Hautschichten ab und die Warzen auf. Aber: Die Warzen können wiederkommen. Warzen, die grob in sechs Gruppen unterschieden werden, liegt eine Infektion mit Humanen Papilloma-Viren (HPV) zugrunde – und deren Bekämpfung durch das Schöllkraut ist nicht sicher nachgewiesen.“

Da scheint es eine gewisse Vermischung zu geben: Reine Schöllkrauttinktur wirkt nicht ätzend und löst auch nicht die Hautschichten ab. Das tritt auf Warzenmittel auf der Basis von Salicylsäure zu, welche die Hornschicht aufweicht.

Ich würde Schöllkraut allerdings auch nicht als Schöllkrauttinktur verwenden, sondern direkt den frisch aus der Pflanze austretenden, gelb-orangen Saft 2mal täglich auftragen und eintrocknen lassen. So wird es jedenfalls in der traditionellen Pflanzenheilkunde überliefert.

Ein Foto mit dem Saft, der bei Verletzung aus Blatt und Stängel austritt, hier auf Wikipedia.

Und ja, die Wirksamkeit des Schöllkrautsaftes gegen Warzen ist nicht durch Patientenstudien belegt. Solche Studien wird es voraussichtlich auch nie geben. Schliesslich kosten klinische Studien etwa 2000 Franken pro Proband, was bei den nötigen vielleicht 200 Probanden doch eine eindrückliche Summe ergeben würde. Für ein Mittel, das nicht patentierbar ist und sogar gratis in der Natur bezogen werden kann, wird sich schwerlich ein Sponsor finden.

„Viele Warzen verschwinden von allein wieder. Wenn nicht, reicht eine topische, also auf die Haut aufgetragene Therapie oft aus. Und hier kommt das Schöllkraut ins Spiel und scheint auch gut zu funktionieren. Zumindest schadet der Versuch der Eigentherapie nicht – aber bitte nicht im Bereich der Augen oder Schleimhäute inklusive Genitalbereich.“

Genau: Warzen sind oft selbstlimitierend. Sie verschwinden nach einer gewissen Zeit auch von selbst. Das macht es so schwierig, den Behandlungserfolg eines Warzenmittels zu beurteilen. Geht die Warze während der Anwendung weg, könnte auch einfach der Zeitpunkt der Anwendung mit dem Zeitpunkt der „Selbstverschwindung“ zusammengefallen sein.

Ein Versuch mit Schöllkraut kann aber nicht schaden und in diesem Bereich (kostenlos, harmlos) wäre ein Beharren auf hieb- und stichfesten klinischen Studien überzogen.

Warzen reagieren zudem auch auf suggestive Einflüsse. Vielleicht spielt die Eindruck machende gelbe Farbe da noch eine gewisse psychologische Rolle.

Quelle der Zitate:

http://www.faz.net/aktuell/stil/frau-doktor/kann-man-mit-schoellkraut-warzen-behandeln-12966415.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Pflanzenkunde: Löwenzahn (Taraxacum) ist nicht gleich Löwenzahn (Leontodon)

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Löwenzahn (Taraxacum officinale) ist in der Phytotherapie als Bitterstoffpflanze bekannt und wird vor allem zur Förderung der Verdauung angewendet, zum Beispiel in Leber-Galle-Tees. Reinhard Länger hat die traditionelle Heilpflanze in „Phytotherapie Austria“ (Nr. 3 / 2014) vorgestellt, der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie.

Löwenzahn zeichnet sich durch grossen Formenreichtum aus.

Reinhard Länger erklärt, weshalb das so ist:

„Der Löwenzahn wird in die Familie der Korbblütler gestellt. Dies deshalb, weil der attraktive gelb leuchtende Blütenstand aus sehr vielen Einzelblüten besteht, in diesem Fall werden ausschließlich sogenannte Zungenblüten ausgebildet. So wichtig die Blüten als Nahrung für Insekten sind, so wenig bedeutsam ist der Insektenbesuch für die Vermehrung des Löwenzahns: die Früchte entstehen ohne Bestäubung (Apomixis). Dies erklärt auch die enorme Formenvielfalt unter den ‚Löwenzähnen‘.“

 

Dieses interessante Phänomen der Apomixis bewirkt, dass jede Mutation sich 1:1 weitervererbt, da keine Chromosomen mit anderen „Löwenzähnern“ ausgetauscht werden. Das gleiche Phänomen ist im Übrigen auch beim Frauenmantel (Alchemilla spec.) zu beobachten.

 

Der Autor verweist auf eine Verwechslungsmöglichkeit mit der arzneilich nicht verwendeten Gattung Leontodon, die ebenfalls gelbblühende Asteraceen (Korbblütler) sind, und erläutert das wichtigste Unterscheidungsmerkmal:

„Wenn Sie selbst sammeln wollen, sollten Sie nur auf die mögliche Verwechslung mit der Gattung Leontodon (wörtlich übersetzt ebenfalls Löwenzahn, um den Unterschied deutlich zu machen auch Leuenzahn) achten. Taraxacum blüht zeitig im Frühjahr, meist im April, Leontodon blüht später, ab Mai bis in den Sommer. Ein untrügliches Erkennungsmerkmal für die ‚gewöhnlichen‘ Taraxacum-Sippen ist, dass die grünen Hüllblätter, die den Blütenstand umgeben, nach unten umgebogen sind.“

 

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0314.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Es gibt rund 50 Leontodonarten.

Die Gattung Leontodon kommt bei uns vor allem in den Bergregionen vor.

Beispielsweise:

Alpen-Löwenzahn (= Leontodon montanus, Berg-Löwenzahn)

Herbst-Löwenzahn (= Leontodon autumnalis, Herbst-Milchkraut)

Gemeiner Löwenzahn (= Leontodon hispidus, Steifhaariges Milchkraut)

Pyrenäen-Löwenzahn (= Leontodon helveticus, Schweizer Milchkraut).

 

Wenn Sie Heilpflanzen, Wildkräuter und Alpenblumen in der Natur kennenlernen möchten, dann schauen Sie doch immer mal wieder in mein Kursprogramm. Dort werden jetzt laufend schon neue Daten für die Kräuterwanderungen 2015 publiziert.

 

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Anis (Pimpinella anisum) zur Heilpflanze des Jahres 2014 gewählt

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Der Verein zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (NHV Theophrastus) hat Anis zur Heilpflanze des Jahres 2014 gekürt. Mit dieser Wahl sollen interessierte Menschen auf eine der ältesten Gewürz- und Heilpflanzen aufmerksam gemacht werden.

Anis ist eine einjährige, 30 bis 60 cm hohe Pflanze aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Als Heilpflanze verwendet werden die getrockneten Anisfrüchte.

Als Wirkstoff enthalten sie ätherisches Öl, das zu 95 Prozent aus trans-Anethol besteht. Anisöl wirkt auswurffördernd bei Husten, schwach entkrampfend und antibakteriell. Anis steigert die Speichel- und Magensaftsekretion. Er wird angewendet bei Verdauungsstörungen und Katarrhen der oberen Luftwege sowie zur Steigerung des Milchflusses bei Stillenden. Anis wird darüber hinaus als Gewürz verwendet, zum Beispiel in Brot und Weihnachtsgebäck sowie in alkoholischen Getränken wie Ouzo, Pastis und Pernod.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=46922&Nachricht_ID=49439&Nachricht_Title=Nachrichten_Anis%20zur%20Heilpflanze%20des%20Jahres%20gek%FCrt&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Anis ist ursprünglich im östlichen Mittelmeergebiet beheimatet und wird heute weltweit in Regionen mit gemässigtem Klima angebaut.

Botanisch ist der Anis verwandt mit Fenchel, Kümmel  und Dill.

Anisöl führt nach der Einnahme einerseits über eine Anregung der Magenschleimhaut zu einer erhöhten Bronchialsekretion, andererseits werden aus dem Verdauungstrakt resorbierte Bestandteile auch über die Lunge ausgeschieden. Bei Inhalation erreichen therapeutisch relevante Mengen direkt die Bronchien. Anisöl wirkt sekretolytisch (schleimverflüssigend) und sekretomotorisch (Anregung der Tätigkeit der Flimmerhärchen).

Anisfrüchte sind daher ein bewährter Bestandteil von Hustentee-Mischungen. Als Tee oder direkt gekaut wirken sie gegen Blähungen und Völlegefühl.

Anisfrüchte sind ein beliebter Bestandteil vom Milchbildungstee, doch ist die Wirksamkeit in diesem Anwendungsbereich nicht belegt.

Will man die Anisfrüchte als Tee zubereiten, sollten Sie vorher gequetscht werden, damit das Teewasser besser eindringen kann.

Neben der Heilpflanze des Jahres wird in Deutschland jeweils noch die Arzneipflanze des Jahres gewählt, und zwar vom Studienkreis Entwicklungsgeschichte der Arzneipflanzenkunde an der Universität Würzburg. Arzneipflanze des Jahres 2014 ist der Spitzwegerich.

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Nelkenöl gegen Zahnschmerzen

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Nelkenöl enthält Eugenol, das antiseptische und antimikrobielle Wirkungen entfaltet. Im Phyto-Forum der Aerztezeitung  beantwortete Professor Karen Nieber vor kurzem Fragen zur Anwendung und Dosierung von Nelkenöl

Nelkenöl wirke vor allem stark antiseptisch und antimikrobiell. Es wirke nachweislich bei Entzündungen im Mund und im Rachen und könne wegen des schmerzstillenden Effekts örtlich bei Zahnschmerzen und Zahnfleischschmerzen eingesetzt werden, schreibt Nieber:

„Der wirksamkeitsbestimmende Inhaltstoff des Nelkenöls ist das Eugenol. Eugenol ist ein ätherisches Öl, das im Europäischen Arzneibuch als Eugenolum beschrieben wird. Das flüchtige Öl wirkt gegen Bakterien, Pilze und Viren, wirkt zudem betäubend und schmerzstillend.“

Eugenol zeigt tatsächlich eine prägnante und breite antimikrobielle Wirkung gegen Bakterien, Pilze und Viren und auch bezüglich dem lokal schmerzstillenden Effekt wird es wohl kaum von einem anderen Bestandteil ätherischer Öle übertroffen.

Eugenol ist der Hauptbestandteil des Nelkenöls, das aus Gewürznelken gewonnen wird. Die Formulierung „Eugenol ist ein ätherisches Öl…“ ist allerdings falsch, weil das Nelkenöl sich aus sehr vielen Bestandteilen zusammensetzt und Eugenol in dieser Mischung nur der wichtigste Einzelstoff ist.

Nieber weiss auch darauf hin, dass Nelkenöl hautreizende und allergene Eigenschaften besitzt:

„Eugenol wirkt zytotoxisch und gentoxisch; die gentoxischen Effekte sind abhängig von Aktivierung durch das Enzym P450. Es ist sowohl ein Antioxidans als auch ein Prooxidans; auf Letzterem beruht wahrscheinlich seine (schleim)hautreizende, allergiefördernde Wirkung.“

Früher sei Eugenol in großem Umfang als Zusatz für Wurzelkanalfüllmaterialien eingesetzt worden Da es gewebereizend wirken könne, werde es heute jedoch kritischer betrachtet. Speziell bei Schmerzen rund um die Zähne werde das Nelkenöl meist unverdünnt angewendet.

Nelkenöl verändere den Austausch von Stoffen wie Kalzium innerhalb der Zellen, in dem es direkt auf die Zellwände wirke, wodurch der betäubende und schmerzstillende Effekt eintrete.

Es müsse dringend darauf hingewiesen werden, schreibt Karen Nieber,  dass bei größeren als haushaltsüblichen Mengen oder bei oraler Einnahme des Nelkenöls Vorsicht geboten sei.

Nelkenöl sei nämlich in konzentrierter Form gewebereizend. Größere Mengen beziehungsweise die Einnahme von Nelkenöl könnten zu schweren Vergiftungen führen.

Da reines Nelkenöl Haut und Schleimhäute reize und allergische Reaktionen der Haut auslösen könne, solle es zur Selbstbehandlung nicht unkritisch verwendet werden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hno-krankheiten/article/842631/phyto-forum-nelkenoel-wirkt-entzuendungen-mund.html?sh=1&h=-1982822842

Kommentar & Ergänzung:

Nelkenöl wird aus den Gewürznelken gewonnen. Dabei handelt es sich um die getrockneten Blütenknospen des Gewürznelken-Baumes (Syzygium aromaticum), eine Pflanzenart, die zur Familie der Myrtengewächse (Myrtaceen) gehört und ursprünglich auf den Molukken beheimatet ist.

Nelkenöl hat sehr interessante Eigenschaften, doch weißt Karen Nieber sehr zu Recht darauf hin, dass damit sorgfältig umgegangen werden muss. Es gibt bei den ätherischen Ölen grosse Unterschiede bei der Verträglichkeit. Nelkenöl gehört diesbezüglich jedenfalls zu den heikleren ätherischen Ölen. Wo möglich sollte es daher durch verträglichere ätherische Öle ersetzt werden.

So scheint es mit zum Beispiel nicht sinnvoll, die pilzhemmende Wirkung von Nelkenöl gegen Fusspilz zu nutzen. Lavendelöl ist hier eine gute und verträglichere Alternative.

Bei Zahnschmerzen wird traditionell empfohlen, die auf Gewürznelken zu beissen oder die schwmerzende Stelle mit Nelkenöl zu betupfen. Allerdings ist auch hier zu beachten, dass Reizungen am Zahnfleisch auftreten könnten.

Und natürlich geht es dabei nur um eine kurzzeitige Schmerzlinderung, welche keine zahnärztliche Behandlung ersetzt.

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Weshalb heisst „Waldmeister“ Waldmeister…..

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DRWissen erklärt heute die Bedeutung des Namens Waldmeister (Galium odoratum):

„Der Name ‚Waldmeister’ existiert seit dem 15. Jahrhundert und entstand aus dem Frühneuhochdeutschen ‚Waltmeister’ – mit ‚t’ -, das vermutlich eine Umformung des Wortes ‚Waldmiere’ ist. Mieren sind eine Pflanzengattung der Nelkengewächse. Und der ‚Waldmeister’ wie wir ihn kennen gehört zu dieser Gattung.

Der Waldmeister als Heilpflanze wirkt gefäßerweiternd, entzündungshemmend und krampflösend – deshalb wird ihm eine ‚meisterhafte Heilkraft’ zugeschrieben. Im Französischen nennt man ihn nicht umsonst ‚reine des bois’, die ‚Königin der Wälder’.“

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=249498

Kommentar & Ergänzung:

Für die Bedeutung der Pflanzennamen gibt es oft mehrere widersprüchliche Erklärungen. Waldmeister war wohl zuerst ein Heilkraut, dann eine Bierwürze-Pflanze. Die Verwendung als Beigabe zur Maibowle ist verhältnismässig jung (19. Jahrhundert).

Die Bezeichnung „Meister“ wird bei dieser Pflanze in den Wörterbücher der Pflanzennamen auch in Bezug gesetzt zu „magister“ in der Bedeutung von „Arzt“.

„Waldmeister“ könne auch umgedeutet sein aus „Waldmeier“. „Meier“ als Bezeichnung mehrerer Asperula—Arten sei eine Form des Pflanzennamens „Miere“.  So steht’s in Friedhelm Sauerhoff’s „Etymologisches Wörterbuch der Pflanzennamen“.

Das deckt sich etwa mit den Angaben von DRWissen.

Nur eines stimmt absolut nicht:

Waldmeister ist kein Nelkengewächs und gehört nicht zu den Mieren, sondern zur Gattung Labkraut (Galium) und die gehört zur Familie der Rötegewächse (Rubiaceae).

Soviel zur Botanik. Heinomol.

Waldmeister setzt beim Welken Cumarin frei, das für den charakteristischen Duft verantwortlich ist (Heuduft ist auch Cumarin). Die Pflanze hat heute in der Phytotherapie keinen zentralen Platz mehr.

Ähnlich wie die Cumarin-Pflanze Steinklee (Honigklee, Melilotus officinalis) wurde sie zeitweise als Heilpflanze gegen venöse Ödeme eingesetzt. Da Cumarin auf längere Sicht genommen nicht ganz unproblematisch ist, werden diese Pflanzen heute wohl sinnvollerweise durch Buchweizenkraut ersetzt.

Am besten dokumentiert bezüglich Wirksamkeit bei Venenbeschwerden sind aber Rosskastanien-Extrakte (innerlich).

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Vogelgrippe in China: TCM-Heilmittel Färberwaid boomt

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Gegen das in Ostchina aufgetretene Vogelgrippevirus H7N9 versuchen sich offenbar zahlreiche Chinesinnen und Chinesen mit der Wurzel des Färberwaids zu schützen. Die Färberwaidwurzel (chinesisch Banlangen) ist in Geschäften in Shanghai und in den Provinzen Jiangsu, Zhejiang und Anhui vielerorts ausverkauft.

Der in den gemäßigten Breiten ganz Eurasiens heimische Färberwaid (Isatis tinctoria) hat seine ehemals große Bedeutung als Färberpflanze („europäischer Indigo“) verloren. In China spielt er jedoch noch eine wichtige Rolle als Heilpflanze. Die Wurzel wird gegen Fieber („Hitze im Blut“) und fiebrige Infektionen im Hals-Rachen-Bereich eingesetzt, also beispielsweise bei Angina, Tonsillitis oder Grippe. Die Nachfrage nach Banlangen ist teilweise auf das Zehnfache gestiegen.

Der Preis für eine Packung banlan-gen liegt bei rund  9 bis 10 Yuan (ca. 1,10 bis 1,20 Euro. Die Preiskontrollbehörde in Nanjing (Provinz Jiangsu) hat aber nun ein Preismoratorium für sämtliche Medikamente der traditionellen chinesischen Medizin verfügt, solange eine Epidemie der Vogelgrippe droht. Damit sollen Preissteigerungen aufgrund der Vogelgrippe verhindert werden.

Obwohl die postulierten Wirkungen der Färberwaidwurzel nicht durch experimentelle Untersuchungen belegt sind, empfiehlt das Gesundheitsamt der Provinz Jiangsu deren Anwendung gegen das H7N9-Virus, zumal auch synthetische Virustatika hier wenig ausrichten können.

Quelle:

http://german.china.org.cn, Meldung vom 11.4.2013

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2013/04/11/mit-waid-gegen-vogelgrippe/9841.html

Kommentar & Ergänzung:

Der Färberwaid gehört zur Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) und er enthält deshalb auch die für diese Familie charakteristischen Glukosinolate (Senfölglykoside). Viele Vertreter dieser Wirkstoffgruppe zeigen gute antimikrobielle Eigenschaften, vor allem gegen Bakterien und Pilze, teilweise wohl auch gegen Viren. Ob von diesem Färberwaid-Präparat der Traditionellen Chinesischen Medizin eine Wirkung auf das Vogelgrippevirus zu erwarten ist, dazu gibt es allerdings keine Belege.

Glukosinolate mit antimikrobieller Wirkung sind auch bekannt aus der Meerrettichwurzel und aus der Kapuzinerkresse.

Siehe dazu auch:

Phytotherapie: Kapuzinerkresse zur Arzneipflanze des Jahres 2013 gewählt

Senföle aus Meerrettich und Kapuzinerkresse hemmen Grippeviren vom Typ H1N1

Glukosinolate aus Brokkoli & Co im Fokus der Forschung

Senfölglykoside gegen Infektionen

Wirkstoffkunde: Was sind Senfölglykoside? Welche Wirkung haben sie?

Kapuzinerkresse – Breitbandantibiotikum aus der Natur

Glukosinolate aus Brokkoli und Rosenkohl schützen vor Darmerkrankungen

Meerrettich: Breitbandantibiotikum aus der Natur

Phytotherapie: Senföle aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bekämpfen Influenza-Viren

Senfölglykoside hemmen multiresistente Erreger

Phytotherapie: Meerrettich als Heilpflanze bei Husten und Blasenentzündung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Soziale Isolation erhöht die Sterblichkeit – aber nicht aufgrund von Einsamkeit

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Alte Menschen ohne Kontakt zu Familie und Freunden sterben früher. Ob sie sich in den Jahren vor ihrem Tod einsam gefühlt haben, bleibt darauf aber ohne Einfluss. Das schreiben englische Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (doi: 10.1073/pnas.1219686110).

Forschern ist seit Jahren bekannt, dass alte Menschen in sozialer Isolation früher sterben als Senioren mit regelmäßigem Kontakt zu Freunden und Familie. Bisher nahmen die Experten jedoch an, dass das Gefühl der Einsamkeit für die schädlichen Folgen der Isolation auf die Gesundheit verantwortlich ist. Klare Belege dafür konnten sie aber nicht erbringen.

Gesundheitsforscher um Andrew Steptoe vom University College in London konnten diese Annahme nun widerlegen. Die Wissenschaftler begleiteten mehr als sieben Jahre lang 6.500 Menschen, die beim Start der Studie mindestens 52 Jahre alt waren.

Teilnehmende, die wenig oder keinen Kontakt zu Familie, Freunden oder Vereinen hatten, wurden von den Wissenschaftlern als sozial isoliert klassifiziert. Ob mit diesem Mangel an Kontakten auch das Gefühl der Einsamkeit verbunden war, erfassten die Forscher mittels Fragebögen.

Ohne soziale Kontakte lag das Sterberisiko ein Viertel höher

Rund jeder siebte Teilnehmer starb im Verlaufe der Studie. Unter sozial isolierten Menschen war der Anteil der Todesfälle fast doppelt so hoch wie bei gesellschaftlich integrierten Senioren. Bei einsamen Personen lag der Anteil um 50 Prozent höher. Berücksichtigten die Wissenschaftler das unterschiedliche Alter, die je nach Geschlecht unterschiedliche Lebenserwartung und zusätzliche Faktoren wie Vorerkrankungen und Wohlstand, war die Sterbehäufigkeit bei Menschen ohne regelmäßige Sozialkontakte noch um ein Viertel erhöht.

Überrascht war das Forscherteam, als sie auch für einsame Menschen die genannten Einflussfaktoren herausrechneten: Derart bereinigt ergab die Statistik, dass der prozentuale Anteil der Todesfälle unter einsamen Menschen nicht mehr erhöht war. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass hauptsächlich soziale Nachteile wie kleines Einkommen oder tiefer Bildungsstand sowie Erkrankungen den Zusammenhang zwischen Einsamkeit und Todesfällen erklärten.

Als Bindeglied zwischen sozialer Isolation und höherer Sterblichkeit konnten die Forscher das Gefühl der Einsamkeit ausschließen. Egal, ob sozial isolierte Menschen sich einsam fühlten oder nicht – ihr Sterberisiko lag ein Viertel höher als bei gut integrierten Personen.

Schwere Vorerkrankungen kommen als Ursache nicht in Frage

Die ebenfalls mögliche Erklärung, dass sterbenskranke Menschen sozial isolierter sind, konnten die Wissenschaftler weitgehend ausschließen.

Die Befunde dieser Studie bestätigen nach Ansicht der Forscher, dass soziale Isolation mit einer höheren Sterblichkeit bei älteren Männern und Frauen verbunden ist. Dieser Effekt ist jedoch unabhängig von der emotionalen Erfahrung der Einsamkeit. Für das Wohlergehen und die Lebensqualität sei es wichtig, sowohl die Isolation als auch die Einsamkeit zu reduzieren. Im Hinblick auf die Lebenserwartung hätten Maßnahmen gegen die soziale Isolation jedoch größeren Nutzen.

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/soziale-isolation-verkürzt-das-leben-073738654.html

Kommentar & Ergänzung:

Diese interessante Studie zeigt einmal mehr, wie komplex es ist, von festgestellten Fakten – hier die erhöhte Sterblichkeit von sozial isolierten Menschen – auf die dafür verantwortlichen Ursachen zu schliessen. Wie leicht nimmt man da jene Ursache an, die den eigenen Überzeugungen entspricht. In diesem Fall zum Beispiel die Einsamkeit.

Keine Frage: Die Themen „Soziale Isolation“ und „Einsamkeit“ im Alter sind wichtig.

Wenn es um eine erhöhte Sterblichkeit von sozial isolierten Menschen geht, dann fehlt mir in der Diskussion um die Ursachen meist ein ziemlich auf der Hand liegender Einfluss:

Wer isoliert lebt, der hat bei einem akuten Notfall weniger Hilfe zur Verfügung.

Beispielsweise wird bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt, bei dem es um schnelle Alarmierung von Rettungskräften und rasche medizinische Intervention geht, seltener jemand anwesend sein, der diese Hilfe anfordern könnte. Mir scheint, dies könnte vielleicht einen Teil der erhöhten Sterblichkeit erklären.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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