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Studie untersucht Bärentraubenblätter als Alternative zu Antibiotika bei Blasenentzündung

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Die Universität Göttingen untersucht ab August in einer klinischen Studie, ob Bärentraubenblätter bei Blasenentzündungen eine Alternative zu Antibiotika sein können. Sie kooperiert dazu mit der Universität Bremen und der Medizinischen Hochschule Hannover. Vorerst müssen etwa 430 Frauen für die Teilnahme rekrutiert werden. Mit Resultaten wird in zwei Jahren gerechnet.

Die Studie wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 1,5 Millionen Euro unterstützt.

Medizinisch werden Blasenentzündungen bisher mit Antibiotika behandelt. Je häufiger Antibiotika jedoch eingesetzt werden, desto grösser wird das Risiko von Resistenzen. Die Bakterien können sich verändern und soweit unempfindich gegen Antibiotika ewerden, dass diese ihre Wirksamkeit verlieren. Bei leichten Blasenentzündungen können Patientinnen zwar auch ein Schmerzmittel nehmen. Die Universität ist aber der Ansicht, dass Bärentraubenblätter eine natürliche Alternative sein könnten und will dem nun mit dieser Studie auf den Grund gehen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=70743

Kommentar & Ergänzung:

Ich warte jetzt schon gespannt auf die Ergebnisse dieser Studie. Interessant zu wissen wäre noch, in welcher Form Bärentraube untersucht wird. Bärentraubenblättertee? Wohl kaum. Bärentraubenblättertee ist geschmacklich ziemlich auffällig – um es neutral zu sagen. Da wäre es kaum möglich, ein Placebo für die Kontrollgruppe zu kreieren, das vom Bärentraubenblättertee nicht unterscheidbar ist. Es wird wohl ein Bärentraubenblätterextrakt zu Anwendung kommen, der in ein Dragees verarbeitet werden kann und sich auf einen konstanten Arbutingehalt einstellen lässt. Nach Angaben der Phytotherapie-Fachliteratur sollte die Tagesdosis an Arbutin für die Behandlung einer akuten Blasenentzündung bei 400 – 840 mg liegen.

Mit 430 geplanten Probandinnen scheint es sich um eine Phase II-Studie zu handeln. Das ist erfreulich, denn oft werden Heilpflanzen-Präparate nur mit ein paar Dutzend Probanden auf dem Level von Pilotstudien untersucht, die keine Wirksamkeit belegen können. Die Meldung zeigt aber auch, dass solche Phase II-Studien aufwändig und teuer sind. Der Betrag von 1,5 Millionen Euro, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung beisteuert, belegt das eindrücklich. Für Phytopharmaka ist es normalerweise nicht so einfach, Fördermittel in dieser Grössenordnung zu bekommen und die Möglichkeiten der Hersteller übersteigen diese Beträge oft.

Ich kann mir vorstellen, dass die sich weltweit zuspitzende Problematik der Antibiotika-Resistenzen hier geholfen hat, dass entsprechende Fördermittel bewilligt wurden.

Die Bärentraube (Arctostaphylos uva-ursi) wächst in höheren Lagen auf der gesamten nördlichen Hemisphäre. In Europa kommt sie von der Iberischen Halbinsel über ganz Mitteleuropa bis Skandinavien vor. In östlicher Richtung ist sie Sibirien, zum Altai und Himalaja verbreitet.

In der Schweiz ist die Bärentraube in relativ grossen Beständen im Wallis und im Oberengadin anzutreffen. Wir finden sie auf unseren Kräuterwanderungen aber oft auch in den Nordalpen, zum Beispiel in Lenk, Mürren, Trin / Flims, Kandersteg und Feldis. Sie werden in diesen Regionen manchmal übersehen, weil sie quasi im Meer der Preiselbeer-Sträucher untergehen, die bei oberflächlichem hinschauen ein ähnliches Bild geben.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

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Was ist Populismus? Und was nicht?

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Populismus, Populist, populistisch – das sind Ausdrücke, die heute fast inflationär und ohne klare Bedeutung eingesetzt werden. Das ist unter anderem deshalb problematisch, weil sie dadurch ihre Unterscheidungskraft verlieren. Im folgenden Beitrag stelle ich insbesondere das Populismus-Konzept des Politologen Jan-Werner Müller zusammenfassend vor. Sein Konzept kann zu mehr Klarheit verhelfen darüber, womit wir es beim Populismus zu tun haben.

Martin Koradi


 

„Populismus“ wird oft oberflächlich als Schlagwort verwendet und als politischer Kampfbegriff eingesetzt.

Aber: Nicht jeder, der „Eliten“ kritisiert, gegen Globalisierung und Euro wettert, Emotionen instrumentalisiert und/oder für komplexe Sachverhalte simple Lösungen anbietet, ist ein Populist. Wird der Begriff „Populismus“ zu breit und vage eingesetzt, kommt ihm jede Unterscheidungskraft abhanden, worunter nicht zuletzt die politische Urteilskraft leidet. Deshalb braucht es eine griffige Definition und eine klare Vorstellung davon, womit wir es beim „Populismus“ zu tun haben.

Was charakterisiert Populismus?

– Populismus ist eine Politikvorstellung, bei der einem moralisch reinen, homogenen Volk stets unmoralische, korrupte und parasitäre Eliten gegenüberstehen, die eigentlich gar nicht zum wirklichen Volk gehören.

– Insbesondere für Rechtspopulisten gehört eine angeblich parasitäre Unterschicht ebenfalls nicht zum wahren Volk und wird oft in einer unheiligen Allianz mit den Eliten gesehen.

– Populisten wähnen sich im Besitz eines moralischen Alleinvertretungsanspruchs: Sie behaupten: „Wir sind das Volk!“ oder genauer „Wir – und nur wir – repräsentieren das Volk“, wobei sie damit stets eine moralische Aussage machen, nicht eine empirische über ein reales Volk in der Aussenwelt. Wegen diesem moralischen Alleinvertretungsanspruch sind Populisten nicht nur antielitär, sondern auch antipluralistisch.

– Wer sich den Populisten entgegenstellt und ihren moralischen Alleinvertretungsanspruch bestreitet, zählt automatisch nicht zum wahren Volk. Diese antipluralistische Haltung ist zugleich antidemokratisch, weil Demokratie ohne Pluralität nicht zu haben ist.

– Der moralische Alleinvertretungsanspruch der Populisten und ihre Vorstellung eines imperativen Mandats kommen auch zum Ausdruck, wenn sie einen fiktiven „Vertrag mit dem Volk“ schliessen – wie es beispielsweise die SVP, Jörg Haider und Silvio Berlusconi getan haben. Politik ist dann vermeintlich nur noch Vertragserfüllung und es wird dabei ausgeblendet, dass das Vertragsangebot eben nicht vom „Volk“, sondern von einer partikulären Partei ausging. Der „Vertrag mit dem Volk“ ist zudem einseitig geschlossen, weil „das Volk“ gar nicht gefragt wird und schon gar nicht die unterschiedlichen Individuen und Interessengruppen einer Bevölkerung.

– Für Populisten gibt es nur einen einzigen, klar erkennbaren Volkswillen, den der Führer oder die Führungsmannschaft eindeutig identifizieren kann. Unterschiedliche Interessenlagen im Volk werden damit negiert.

– Diese Führerfigur verspricht nichts anderes, als die Macht von der korrupten Elite und den bürokratischen Apparaten wegzunehmen und sie dem „Volk“ zurückzugeben. Die Inszenierung dieser Figur als alleiniger Garant für diese „Machtzurückholung“ ist der Dreh- und Angelpunkt des Populismus. Paradox an dieser Inszenierung ist, dass die Führerfigur selbst dabei einerseits als so unwichtig erscheinen soll, dass sie als Person ganz hinter ihrem „Auftrag“ verschwindet, dass sie aber andererseits als mächtig und stark genug imaginiert werden muss, um die korrupten Eliten und Institutionen zu bekämpfen. Die populistische Führerfigur stellt sich dar als zwar notwendige, aber in sich bedeutungslose Kontaktstelle, als Durchgangspunkt nur. (1)

– Populismus ist die Forderung nach dieser unmittelbaren, unvermittelten Verbindung zwischen dem Volk und der Macht, geschaffen durch die populistische Führungsfigur. Parlamente, eine unabhängige Justiz, eine unabhängige staatliche Verwaltung und unabhängige Medien stehen dieser unmittelbaren Verbindung im Wege. Ginge dieser populistische Traum vom Unmittelbaren in Erfüllung, wäre damit das Ende der Demokratie als Herrschaft des Volkes eingeläutet. Die Aushandlungs- und Ausgleichsprozesse zwischen den zahlreichen unterschiedlichen Interessen in komplexen Gesellschaften verlangen Regeln und spezialisiertes Personal, die weder dem „Willen“ eines als einheitlich phantasierten „Volkes“ entsprechen können, noch durch eine Regierung ersetzt werden sollen, die diese Einheit autoritär verordnet. Der Populismus scheitert deshalb am Widerstand der Institutionen und an den Komplexitäten der Gesellschaft – oder er wird so autoritär, dass er seinen Legitimationskern, den Bezug auf das We, the people, vollständig verliert und zur Diktatur mutiert. (1)

– Populisten neigen dazu, Militaristen zu sein, weil die Logik ihrer Macht die Logik der Abgrenzung ist. Diese Politik hat nicht nur potenziell gewalttätige Konsequenzen, wenn militärische Formen der Grenzziehung gegenüber anderen Nationen aktiviert werden, sondern auch an den „inneren“ Grenzen einer Gesellschaft, dort, wo definiert werden soll, wer aus ihrem Kreis zum „Volk“ gehört und wer nicht. Dass Populisten innere und äussere Sündenböcke brauchen, trägt zur gewaltträchtigen Aufladung bei. Populisten stecken auf diesem Hintergrund oft deutlich mehr finanzielle Mittel in die Bereiche „Innere Sicherheit“ und „Verteidigung“. (1)

Wie erklären Populisten den Umstand, dass sie nicht an der Macht sind?

Solange Populisten in der Opposition sind, haben sie ein Problem: Sie müssen erklären, weshalb sie nicht an der Macht sind, obwohl sie doch in ihrem Verständnis das „Volk“ repräsentieren. Fehlende Mehrheiten scheinen dem Alleinvertretungsanspruch der Populisten zu widersprechen.

Um diesen Widerspruch aufzulösen, nutzen Populisten hauptsächlich zwei Strategien:

  1. Die „Schweigende Mehrheit“

Populisten appellieren an ein „Volk“ da draussen, das sich mittels Wahlen oder anderen konventionellen demokratischen Verfahren nicht äussert, aber insgeheim die Ansichten der Populisten teilt.

  1. Moralische Gewinner

Verlieren Populisten eine Wahl, unterscheiden sie zwischen einem empirischen und einem moralischen Wahlergebnis. Diejenigen, die gegen die Populisten gestimmt haben, gehören moralisch gar nicht zum wirklichen „Volk“. Die Populisten sehen sich dadurch als moralische Gewinner.

  1. Defekte und korrupte Prozeduren

Mit einer Demokratie, in der die Populisten mit ihrem Alleinvertretungsanspruch nicht die überragende Mehrheit gewinnen, kann ja wohl nur etwas nicht stimmen. Die Verfahren müssen korrupt sein, die Medien von der herrschenden Elite instrumentalisiert („Lügenpresse“). Eine gute Portion Verschwörungstheorie hilft, das Unerklärliche der populistischen Niederlage zu erklären.

Populisten an der Macht

Man hört oft die Ansicht, Populisten könnten nur auf Opposition machen, aber nicht regieren. Sie würden an der Macht rasch an den Fakten scheitern und sich selber entzaubern. Damit aber machen es sich die Gegner der Populisten zu einfach.

Populisten können sehr wohl an der Macht sein und gleichzeitig Eliten kritisieren – nämlich die alten, die hinter den Kulissen immer noch die Strippen ziehen und die Populisten daran hindern, den wahren Volkswillen zu vollstrecken. Mehrheiten können sich wie verfolgte Minderheiten aufführen und damit von eigenen Misserfolgen ablenken. Und ob sie in der Opposition sind oder an der Macht: Populisten werden die politische Auseinandersetzung immer extrem polarisieren und moralisieren, sowie laufend neue Sündenböcke und Feinde entdecken. An der Macht zelebrieren die Populisten Volksnähe und die Krise als Dauermodus.

Im Einklang mit ihrem Alleinvertretungsanspruch und den damit verbundenen Antipluralismus wenden Populisten an der Macht ganz bestimmte Herrschaftstechniken an. Konkret lassen sich drei Herrschaftstechniken beschreiben, die charakteristisch sind für den Populismus, wenn er an die Macht gelangt:

  1. Die Vereinnahmung des gesamten Staates

Populisten nehmen den gesamten Staatsapparat in Besitz und platzieren ihre Partei- und Gefolgsleute in Positionen, die normalerweise neutrale Beamte innehaben sollten. Populistische Regierungen wie in Ungarn und Polen versuchen möglichst rasch, die Justiz und die Medienaufsicht unter ihre Kontrolle zu bringen, um zu verhindern, dass Richter und Journalisten weiterhin gegen die imaginierten Interessen des „Volkes“ agieren können. Wer diese Massnahmen kritisiert, wird als egoistischer Vertreter der alten, korrupten Eliten gebrandmarkt oder als Verräter an der Nation beschimpft. Populisten rechtfertigen diese Massnahmen damit, dass sie die einzigen legitimen Vertreter des Volkes sind. Warum sollte das „Volk“ seinen Staat nicht in Besitz nehmen und die Ausführung seines autentischen Willens durch das richtige Personal sicherstellen? Wer als neutraler Beamter auf Verfahrensregeln pocht oder als Richter auf der Einhaltung von Verfassungsgrundsätzen besteht, wird rasch als antidemokratisch hingestellt.

  1. Loyalitätsbeschaffung durch Massenklientelismus

Damit erkaufen sich Populisten politische Unterstützung durch bevorzugte Behandlung für gefügige Bürger (lukrative Pöstchen, bevorzugte Behandlung in Behörden). Aus Sicht der herrschenden Populisten lässt sich der Klientelismus damit begründen, dass nur Anhänger zum wahren Volk gehören und Unterstützung verdienen. Enthüllungen über Klientelismus und Korruption schaden den Populisten nicht unbedingt. Aus Sicht ihrer Anhänger haben sie das alles nur für sie, das wahre Volk, getan.

  1. Unterdrückung von Zivilgesellschaft und Medien

Regt sich aus der Zivilgesellschaft heraus Widerstand gegen regierende Populisten, ist es für diese von hoher symbolischer Bedeutung, die Opposition zu diskreditieren. Sonst könnte es ja so aussehen, als repräsentierten die Populisten doch nicht das ganze Volk. Machthaber wie Putin oder Orbàn unterstellen daher kritischen Teilen der Zivilgesellschaft gern, sie seien von ausländischen Agenten ferngesteuert.

Diese drei Herrschaftstechniken sind von etwas gekennzeichnet, was „diskriminierender Legalismus“ genannt werden kann. Gegenüber politischen Gegnern wird das Recht bis in die feinsten Details angewandt und, wann immer möglich, buchstabengetreu ausgelegt; gegenüber den eigenen Anhängern dagegen gilt „normales“ Recht beziehungsweise es wird versucht, Ausnahmeregelungen und Vergünstigungen festzulegen.

Das Beispiel Ungarn zeigt zudem, dass Populisten an der Macht die Verfassung zu ihren Gunsten umschreiben können. Sie schreiben ihre politischen Anliegen direkt in der Verfassung fest und erschweren so ihre Abwahl oder nach ihrer Abwahl eine Richtungsänderung. Die Verfassung verliert dadurch eine ihrer wichtigsten Aufgaben, die Sicherstellung des Pluralismus.

Zum Umgang mit Populismus

Angesichts der erheblichen Risiken und Nebenwirkungen des Populismus stellt sich die Frage nach dem passenden und wirksamen Umgang mit diesem Phänomen. Die Herausforderung liegt dabei darin, die Auseinandersetzung mit dem potenziell antidemokratischen Populismus in demokratischer Weise zu führen und ohne dass dadurch die Selbststilisierung der Populisten, sie würden durch die bösen Eliten diskriminiert, noch verstärkt wird.

Dazu einige Stichworte:

– Den Populismus nicht psychologisieren oder pathologisieren. Populisten sind nicht an ihren Gefühlslagen zu erkennen – zum Beipiel Abstiegsängsten oder Ressentiments – sondern an ihrem moralischen Alleinvertretungsanspruch. Wer die Anhängerschaft der Populisten von oben herab therapieren will, wird scheitern.

– Populistische Parteien sollten nicht verboten werden, sofern sie nicht eindeutig Volksverhetzung betreiben oder gar zur Gewalt aufrufen.

– Politische Parteien, Medien und die Zivilgesellschaft sollten Populisten nicht moralisch ausgrenzen. Eine „Mit denen reden wir nicht!“-Haltung bestätigt Populisten nur in ihrer Vorstellung, ein Machtkartell der etablierten Elite unterdrücke jede Kritik. Eine Antwort auf die Populisten kann nur in der Auseinandersetzung mit ihnen bestehen. Dabei sollten die etablierten Parteien untereinander um gute und gangbare politische Lösungen der politisch relevanten Probleme ringen. Entscheidend ist aber, in welcher Art diese Auseinandersetzung geführt wird.

– Provokationen sind ein Hauptinstrument der Populisten. Wer mit ihnen diskutieren will muss Provakationen ins Leere laufen lassen können. Zum Beispiel indem man nicht mit der vom Provokateur erwarteten Empörung reagiert, nicht sofort eine Gegenposition formuliert, sondern genau nachfragt und mit sachlichen Fakten kontert.

– Populisten pflegen oft nur eng begrenzte Themenfelder (Flüchtlinge, Islam, Europa…). Wer mit ihnen auf diesem Terrain diskutieren will, soll bestehende Probleme offen ansprechen, ohne den Blickwinkel, die Interpretation, den „Frame“ und die Lösungsvorstellungen der Populisten voll zu übernehmen.

– In Interviews und auf Podien Populisten konsequent auch auf Themen ansprechen, die nicht zu ihren Heimspielen gehören (z. B. Krankenversicherung, Rente, Wirtschaftslage….). Dabei zeigt sich oft überaus deutlich, wie schwach die Lösungsansätze der Populisten in diesen Bereichen sind.

– In der Auseinandersetzung mit Populisten immer wieder darauf hinweisen, wie vielfältig die Vorstellungen und Interessen in der Bevölkerung gelagert sind und wie illusionär die Idee eines einheitlichen „Volkswillens“ ist. Gegner der Populisten können mit Nachdruck darauf hinweisen, dass sie auch Staatsbürger sind, und nicht in die krude Vorstellung eines einheitlichen „Volkes“ passen.

– Unterscheiden zwischen Diffamierung und Kritik. Populisten arbeiten sehr oft mit pauschalen Diffamierungen: Die Lügenpresse, die korrupten Eliten, die Politiker, die Altparteien…..Wer Populismus bekämpfen will soll selber keine pauschalen Diffamierungen verwenden und keine pauschalen Diffamierungen unwidersprochen stehen lassen. Im Unterschied zu pauschalen Diffamierungen ist Kritik erwünscht. Kritik differenziert (wer, was, wo, wann, wie?) und stellt bestimmte Sachverhalte oder Handlungen in Frage. Diffamierungen zielen dagegen oft auf die Person und bestehen aus moralischen Angriffen (z. B. „Landesverräter“).

– Andere politische Parteien sollten Populisten nicht zu imitieren suchen. Die Anhänger von Populisten wählen das Original, nicht die Kopie. Die Übernahme populistischer Forderungen durch die etablierten Parteien verhilft populistischen Parteien daher zum Durchbruch. Die etablierten Parteien profitieren dagegen längerfristig nicht von dieser Anbiederung, da die einfachen Lösungen der Populisten nicht zum Erfolg führen.

– Die Würde des Arguments verteidigen, Fakten ernstnehmen. Expertenwissen nicht diffamieren, sondern wertschätzen, ohne dabei unkritisch zu werden.

– Genau hinschauen, wo Populisten reale Probleme ansprechen. Dort nicht-populistische Lösungen anbieten, welche die oft simplen populistischen Lösungen alt aussehen lassen.

Quellen:

Jan-Werner Müller, Was ist Populismus, edition suhrkamp 2016 (Hauptquelle)

Jan-Werner Müller lehrt Politische Theorie und Ideengeschichte an der Princeton University.

(1) Quelle für diese Abschnitte:

Philipp Sarasin, Die autoritäre Logik des #Populismus,

URL im Internet:

https://geschichtedergegenwart.ch/die-autoritaere-logik-des-populismus/

Martin Koradi, April 2017

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Woraus besteht Opium und was ist Opiumtinktur?

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Nimmt man die Phytotherapie-Fachliteratur zum Massstab, gehört Opium nicht zur Phytotherapie. Dort taucht Opium nämlich kaum auf. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass Opium dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt ist.

Denn eigentlich ist Opium ja ein Pflanzenprodukt, das zu medizinischen Zwecken verwendet wird. Das würde eigentlich nahelegen, dass Opium zur Phytotherapie zu zählen.

In meiner Phytotherapie-Ausbildung taucht Opium allerdings in der Wirkstoffkunde auf im Kapitel „Alkaloide“. Opium selber ist aber kein Alkaloid. Alkaloide enden immer auf –in.

Opium enthält jedoch ein Alkaloidgemisch.

Opium ist der durch Anritzen gewonnene getrocknete Milchsaft unreifer Samenkapseln des zu den Mohngewächsen (Papaveraceae) gehörenden Schlafmohns (bot. Papaver somniferum L.). Im Verlauf des Trocknungsprozesses entwickelt sich aus dem Milchsaft durch Autoxidation das Rohopium, eine braune bis schwarze Masse. Wirksame Hauptbestandteile des Opiums sind die Alkaloide Morphin, Codein und Thebain.

Das aus Opium gewinnbare halbsynthetische Diacetylmorphin ist allgemein als Heroin bekannt.

Im Opium sind 37 unterschiedliche Alkaloide vorhanden, die im Rohopium bis zu einem Viertel der Masse ausmachen.

Die wichtigsten Alkaloide des Opiums sind:

–        Morphin (ca. 12 %), eines der stärksten Analgetika ( Schmerzmittel),

–        Codein (0,2 bis 6 %), ein hustenstillendes Mittel (Antitussivum),

–        Noscapin (2 bis 12 %), ein hustenstillendes Mittel (Antitussivum),

–        Papaverin (0,1 bis 0,4 %), ein krampflösendes Mittel (Spasmolyticum),

–        Thebain (0,2 bis 1 %), wirkt stärker stimulierend, aber schwächer schmerzstillend als

Morphin,

–        Papaveraldin (0,5 bis 3 %) und

–        Narcein (0,1 bis 1 %), wirkt selber schwächer als Morphin, potenziert jedoch dessen

Wirkung.

(Quelle für die Prozentzahlen: Wikipedia)

Diese Alkaloide wirken bereits in ihrer natürlichen Zusammensetzung synergistisch, da sich die schmerzstillenden und krampflösenden Eigenschaften gut ergänzen.

Historisch wurde Opium als Schmerz- und Schlafmittel eingesetzt, sowie seit jeher als Rauschmittel verwendet. In der Psychiatrie wurde Opium zur Therapie von Depressionen angewendet, insbesondere als sogenannten „Opiumkur“.

Opiumtinktur kommt heute in der Medizin gelegentlich noch gegen starke Durchfälle zum Einsatz.

Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert wurde Opiumtinktur auch als Laudanum, Mohnsaft (Laudanum liquidum) oder Meconium bezeichnet.

Wikipedia schreibt dazu:

„Der Name Laudanum wurde in unterschiedlichen Zusammensetzungen unter anderem vom Arzt und Naturforscher Theophrastus Bombastus von Hohenheim (1493–1541) beschrieben, besser bekannt als Paracelsus. Er glaubte, mit dem Laudanum ein Allheilmittel erfunden zu haben, und nannte seine Tinktur daher auch Stein der Unsterblichkeit. Seine Hauptbestandteile waren zu etwa 90 Prozent Wein sowie Opium zu etwa 10 Prozent, die Zusammensetzung ist jedoch umstritten. Als weiterer Zusatz wird Bilsenkraut, die gemeine Alraune und Tollkirsche genannt………….

Seit seiner Erfindung um das Jahr 1500 fand das Laudanum in Europa eine große Verbreitung. Während der nächsten Jahrhunderte erfreute es sich als Universaltonikum und Wunderdroge einer großen Beliebtheit. Seine herausragende Eigenschaft bestand allerdings nicht in einer lebensverlängernden, sondern vielmehr in seiner schmerzstillenden und beruhigenden Wirkung. Sogar Kindern wurde die verdünnte Tinktur bedenkenlos zur Ruhigstellung eingegeben.

Laudanum war frei verkäuflich und günstig, daher war es in allen Gesellschaftsschichten Europas sehr populär. Seine Verbreitung im 18. und 19. Jahrhundert lässt sich in etwa mit der des Aspirins in der heutigen Zeit vergleichen. Eine Zeit lang fand der Begriff auch als Synonym für Schmerzmittel allgemein Verwendung.

In Schriftstellerkreisen kam das Laudanum teilweise zur Anregung der kreativen Fähigkeiten in Mode; der Dauergebrauch der Tinktur schien jedoch die eigene Kreativität eher auszulöschen. Zu den bekanntesten bekennenden Laudanumkonsumenten gehören u. a. der englische Lyriker Samuel Taylor Coleridge (1772–1834) und der Schriftsteller Thomas de Quincey (1785–1859) sowie der walisische Schriftsteller Edward Williams (bekannt als Iolo Morganwg, 1747–1826). Alle drei litten offenbar über lange Zeit ihres Lebens unter einer starken Abhängigkeit. Der englische Autor Wilkie Collins verarbeitete seine eigenen Erfahrungen mit Opium in seinem Roman The Moonstone.

Tatsächlich fand in der europäischen Gesellschaft erst ab dem 19. Jahrhundert eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem suchtbildenden und schädlichen Charakter eines dauerhaften Opiumkonsums und somit auch des Laudanums statt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts standen der Medizin zunehmend neue Mittel zur Verfügung, die die bedenklichen Opiate ersetzen konnten. Im Jahre 1920 verbot England schließlich per Gesetzesbeschluss die freie Verkäuflichkeit von Opiaten. 1929 trat in Deutschland das sogenannte Opiumgesetz in Kraft.“

Man kann also mit Fug und Recht sagen, dass Opiumtinktur zu den Wurzeln der Phytotherapie gehört. Und das Beipiel Opiumtinktur macht wieder einmal klar, dass die Natur sehr stark wirksame Substanzen bereithält – sowohl was die therapeutischen Effekte betrifft also auch in Bezug auf mögliche Risiken und unerwünschte Nebenwirkungen.

Ein Rezept für Laudanum / Opiumtinktur stand noch im Arzneibuch von 1933 (Pharmacopoea Helvetica Editio Qunita, 1933): Tinctura Opii crocata PH 5.

„30 T. Safran, 10 T. Nelkenpulver und 10 T. chinesisches Zimtpulver werden mit einer Mischung von 250 T. Weingeist und 250 T. Wasser nach dem Mazerationsverfahren (Allgemeine Bestimmungen, Seite 5) während 6 Tagen extrahiert. Hierauf wird koliert und der Rückstand abgepresst. Zu den vereinigten Kolatur- und Pressflüssigkeiten wird eine Lösung von 50 T. Opiumtrockenextrakt in 50 T. Wasser zugemischt. Nach 14tägigem Stehenlassen an einem kühlen Orte wird filtriert und das Filtrat durch Nachwaschen des Filters mit der nötigen Menge Wasser auf 1000 T. ergänzt.“

(Quelle: Pharmawiki)

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Kümmelöl-Leibauflagen beim Reizdarmsyndrom

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Etwa 10 und 15 % der Bevölkerung in Europa leiden unter dem Reizdarmsyndrom. Bei den Betroffenen kommt es zu Verdauungsbeschwerden wie Verstopfung oder Durchfall, Unterbauchschmerzen, Völlegefühl oder übermäßig auftretenden Blähungen. Da eine ursächliche Behandlung nicht möglich ist, bieten sich nur Therapiemaßnahmen auf der Symptomenebene an. Vor allem phytotherapeutische Maßnahmen wie die Gabe von Pfefferminzöl und Kümmelöl in Kapselform sowie von Flohsamen haben sich bereits als effektiv in der Bekämpfung einzelner Beschwerden erwiesen.

Ein Team der Universität Duisburg-Essen untersuchte nun die Wirksamkeit von Kümmelölleibauflagen, wie sie in der Kneipptherapie angewandt werden, bei Reizdarm-Patienten.

Die an der Studie beteiligten Reizdarm-Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip in drei Gruppen aufgeteilt, die unterschiedliche Behandlungen bekamen, wobei aber nach dem Rotationsprinzip jeder Proband jede der drei Interventionen erhielt.

Jede der Behandlungen wurde über einen Zeitraum von drei Wochen appliziert, und zwar täglich für jeweils ca. 30 Minuten.

So sahen die drei Behandlungsgruppen aus:

1.)     Die zu prüfende Leibauflage mit Kümmelöl (2 %ig mit Olivenöl) und eine Moor-Wärmeauflage.

2.)     Eine erwärmte Leibauflage mit Olivenöl.

3.)     Eine körperwarme, nicht erwärmte Auflage mit Olivenöl.

Die Gruppen 2 und 3 dienten als Kontrollgruppen. Sie sollten es ermöglichen, die spezifischen Effekte des Kümmelöls sowie die Rolle der Wärme für eine potenzielle Linderung der Symptome zu unterscheiden.

Die Auflagen mit Kümmelöl zeigten sich den anderen Behandlungen deutlich überlegen, was die Zufriedenheit der Patienten und die Linderung der Symptome anbelangt. Die Kümmelölleibauflagen waren gut verträglich und wurden von den meisten der Patienten als angenehm und hilfreich bei der Linderung der Symptome beurteilt.

Quellen:

– http://www.carstens-stiftung.de/artikel/kuemmeloelleibauflagen-beim-reizdarm-endlich-ruhe-im-bauch.html

– Zeitschrift für Phytotherapie 2015; 36(06): 244-246

DOI: 10.1055/s-0041-109742

– Digestion. 2015;92(1):22-31. doi: 10.1159/000398790. Epub 2015 Jun 5.

Efficacy of Caraway Oil Poultices in Treating Irritable Bowel Syndrome–A Randomized Controlled Cross-Over Trial.

Lauche R1, Janzen A, Lüdtke R, Cramer H, Dobos G, Langhorst J.

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed?filters=&orig_db=PubMed&cmd=Search&term=92%2A%5Bvolume%5D%20AND%2022%5Bpage%5D%20AND%202015%5Bpdat%5D%20AND%20Lauche%20R%5Bauth%5D

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Studie war zwar klein (48 Patienten, wovon 40 Frauen, Durchschnittsalter 53,9 Jahre) und nicht verblindet. Das schränkt die Aussagekraft ein.

Es ist aber schwierig, für einfache, billige, nicht patentierbare Massnahmen grosse Forschungsgelder für umfangreiche Studien zu finden.

Daher sind auch schon derart kleine Studien willkommen.

Auch ist es generell schwierig, Wickel, Auflagen und ätherische Öle zu verblinden.

Bei einer Tablette ist das einfacher. Man kann sie wirkstoffrei herstellen und hat voilà – ein identisch aussehendes Placebo (Scheinpräparat) für die Kontrollgruppe.

Aber wie lässt sich ein Placebo herstellen für eine Kümmelölleibauflage, ein wirkstoffloses Scheinpräparat, das aussieht, sich anfühlt und riecht wie eine Kümmelölleibauflage?

Wenn etwas so riecht, sich anfühlt und aussieht wie eine Kümmelölleibauflage, dann ist es eine Kümmelölleibauflage.

Die mangelnde Verblindung kann man also nicht den Forschern und nicht der Kümmelölleibauflage zum Vorwurf machen. Sie folgt aus der Komplexität der Intervention.

In der Zeitschrift für Phytotherapie (6/2015) werden die Resultate der Studie so zusammengefasst:

„Ein signifikanter Unterschied bezüglich der Symptome zugunsten der Kümmelölleibauflage wurde im Vergleich zur körperwarmen Auflage identifiziert (Differenz –38,4 Punkte; p = 0,033), nicht jedoch im Vergleich zur erwärmten Auflage mit Olivenöl (Differenz –24,3 Punkte; p = 0,139). Die Anzahl der Therapieansprecher (mindestens 50 Punkte Symptomreduktion) war in der Gruppe der Patienten mit Kümmelölleibauflage (43,9 %) signifikant höher im Vergleich zu maximal 20 % in den anderen beiden Gruppen.“

Signifikant war der Unterschied zugunsten der Kümmelölauflage also nur im Vergleich zur körperwarmen Auflage mit Olivenöl, nicht jedoch zur erwärmten Auflage. Das unterstreicht die Bedeutung der Wärmeanwendung. Offensichtlich waren die Patienten aber mit der Kümmelölleibauflage zufriedener. Da könnte auch der Duft eine Rolle spielen, der eine Massnahme wirksamer erscheinen lässt.

Und wie macht man nun eine Kümmelölleibauflage praktisch. Der Betrag in der „Zeitschrift für Phytotherapie“ (6/2015) gibt dazu eine Anleitung:

„Für die Kümmelölleibauflage benötigen Sie eine Wärmeauflage (Wärmeflasche, Moor-Wärmeauflage), ein Geschirrtuch, ein großes Frotteetuch sowie eine Mischung aus Kümmel- und Olivenöl (2–10 % Kümmelölanteil, erhältlich z. B. in der Apotheke) und einen Löffel.

Tränken Sie das Geschirrtuch in heißem Wasser, und wringen Sie es gut aus. Nehmen Sie einen Teelöffel des Ölgemisches und reiben Sie es mit kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn auf den Bauch ein. Darüber legen Sie dann das feuchtwarme Geschirrtuch und fixieren das Ganze mit dem großen Frotteetuch. Legen Sie dann die Wärmeauflage oben auf. Danach begeben Sie sich für ca. 30 Minuten mit der Auflage ins Bett oder auf die Couch.

Wichtig: Prüfen Sie unbedingt die Temperatur der Auflage im Vorfeld, z. B. am Unterarm. Besondere Vorsicht ist bei Kindern oder älteren Menschen geboten, insbesondere wenn die Temperaturwahrnehmung gestört ist. Bei empfindlicher Haut können Sie den Anteil des Kümmelöls zudem reduzieren.

Sollten bei der Anwendung Unverträglichkeitsreaktionen auftreten (Juckreiz, Rötung), entfernen Sie die Auflage und reinigen Sie die Haut gründlich mit warmem Wasser. In diesem Fall sehen Sie von weiteren Anwendungen ab.“

Zum Reizdarmsyndrom siehe auch:

Phyto-Kombi mit Pefferminzöl und Kümmelöl bei Reizdarm

Kombination von Pfefferminzöl und Kümmelöl lindert Reizdarmsyndrom

Ballaststoffe beim Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom

 

Heilpflanzen-Anwendungen bei Reizdarmsyndrom

Pfefferminzöl bei Reizdarm schmerzlindernd

Pflanzenheilkunde bei Reizdarm: Pfefferminze, Kümmel, Fenchel, Anis, Flohsamen

Reizdarmsyndrom: Flohsamen und Pfefferminzöl top – Kleie flop

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wissenschaftler wollen von Heilern in Afrika lernen

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Forscher der Universität Halle wollen von afrikanischen Heilern lernen und untersuchen zu diesem Zweck deren medizinisch genutzte Pflanzen.

Untersucht werden sollen Pflanzen aus Äthiopien, Botswana und Tansania mit dem Ziel, Aids, Tuberkulose und Wurmerkrankungen zu bekämpfen. Das Projekt wird vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung über vier Jahre mit 800.000 Euro gefördert, beteiligt sind auch Hochschulen und Unternehmen in Afrika.

Projektleiter Peter Imming vom Institut für Pharmazie der Uni Halle erklärt dazu:

«Wir wollen ökologisch gefährdete, therapeutisch wirksame und kommerziell nutzbare Pflanzen zunächst identifizieren und schließlich kultivieren. Unser Ziel ist, wissenschaftlich zu begründen, welche Inhaltsstoffe für die Wirkung der Arzneipflanzen verantwortlich sind.»

Wenn sich die gewünschten Arzneipflanzen tatsächlich kultivieren lassen, wollen die Forscher sie für den kommerziellen Anbau in den afrikanischen Partnerländern empfehlen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68916

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Forschungsprojekte sind auch für die Phytotherapie in Europa interessant, hat sie doch immer wieder Arzneipflanzen aus anderen Weltgegenden in ihre Behandlungskonzepte integriert, wenn entsprechende Wirkungen zu erwarten sind.

Beispiele dafür sind Teufelskralle und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie) aus Afrika,

Ginseng, Ginkgo, Curcuma (Gelbwurz) und Indischer Weihrauch aus Asien,

Echinacea, Hamamelis (Zaubernuss) und Traubensilberkerze (Cimicifuga) aus Nordamerika,

Passionsblume, Cayennepfeffer und Ratanhia aus Südamerika.

Die traditionelle Pflanzenheilkunde – ob in Afrika, Europa oder sonstwo – bringt wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen mit, enthält aber auch immer wieder Irrtümer, die sich über Jahrhunderte hartnäckig halten können.

Nötig im Umgang mit der traditionellen Pflanzenheilkunde ist daher eine offene, interessierte, aber zugleich auch kritisch-prüfende Grundhaltung.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Heilpflanzen-Anwendungen bei Neandertalern?

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Die Neandertaler (Homo neanderthalensis) starben vor etwa 40.000 Jahren aus – etwa zur selben Zeit, als sich der moderne Mensch (Homo sapiens) in Europa ausbreitete.

Forscher um Laura Weyrich und Alan Cooper von der australischen University of Adelaide untersuchten Neandertaler-Zähne aus zwei Höhlen im heutigen Belgien und Spanien.

Insgesamt analysierte die Wissenschaftler Erbgut aus dem Zahnstein von vier Neandertalern, wovon zwei aus der Höhle El Sidrón in der nordspanischen Region Asturien stammten.

Der Neandertaler „El Sidrón 1″ aus Spanien wurde wegen seines guten Erhaltungszustands besonders eingehend analysiert.

Den Forschern zufolge war er ziemlich krank. Sein Verdauungstrakt war von Parasiten befallen, er hatte Durchfall und litt an einem Zahnabszess. Gegen letzteres wusste sich der Neandertaler aber offenbar zu helfen. In seinem Zahnstein fanden die Forscher DNA-Reste der Westlichen Balsam-Pappel (Populus trichocarpa). „Er aß Pappel, die das Schmerzmittel Salicylsäure enthält“, erläutert dazu Studienleiter Cooper. Auf Abkömmlingen der Salicylsäure basiert das Arzneimittel Acetylsalicylsäure (ASS) – besser bekannt unter dem Handelsnamen Aspirin. „Offenbar kannten sich die Neandertaler gut mit medizinischen Pflanzen aus und kannten ihre entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung“, kommentiert Cooper.

Jean-Jacques Hublin, Direktor am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig, der an der Studie nicht beteiligt war, hält die Schlussfolgerung, dass der Neandertaler gezielt schmerzstillende Pappel aß für „ziemlich überzeugend“. Die Hauptschwäche der Studie liege aber darin, dass nur vier Neandertaler von zwei Fundstellen untersucht wurden.

http://www.n-tv.de/wissen/Neandertaler-assen-natuerliche-Schmerzmittel-article19740070.html

Kommentar und Ergänzung:

Da nur vier Skelette untersucht wurden und nur bei „El Sidrón 1“ diese Kombination von Zahnabszess und Pappelkonsum gefunden wurde, lässt sich daraus natürlich noch nicht schliessen, dass die Pappel bei den Neandertalern als Schmerzmittel quasi zur „Höhlenapotheke“ gehörte. Allerdings ist Pappel weder besonders schmackhaft noch nährstoffreich und darum ist schwer vorstellbar, wozu „El Sidrón 1“ über längere Zeit Pappel gekaut haben soll.

In der heutigen Phytotherapie wird als Salicylat-Pflanze vor allem die Weidenrinde verwendet. Ihr Gesamtsalicylgehalt sollte mindestens 1 % sein, wird jedoch von vielen Arten nicht erreicht. Hohe Gehalte findet man in Salix purpurea (6-8,5 %), Salix daphnoides (4,9-5,6 %) und Salix fragilis (3,9-10,2 %).

Im Unterschied zu Acetylsalicylsäure (Aspirin) beeinflussen Weidenrindenextrakte die Thrombozytenfunktion nicht. Die Salicinverbindungen der Weidenrinde bewirken im Unterschied zu Aspirin keine Verzögerung der Blutgerinnung, weshalb sie auch zur Schmerzbehandlung nach Operationen verwendet werden können.

Leider wurde das am besten wissenschaftlich geprüfte Weitenrindenextrakt-Präparat „Assalix“ vom Hersteller Bionorica aus dem Markt genommen – aus „portfoliostrategischen Gründen“ (was auch immer das bedeuten mag).

Pappelblätter und Pappelrinde aus der Zitterpappel (Espe) sind Bestandteil der „Phytodolor Tinktur“ (neben Goldrutenkraut und Eschenrinde). Das Präparat wird zur Linderung leichter Gelenkschmerzen bei Arthrose eingesetzt. Phytodolor ist in Deutschland und Österreich im Handel, nicht jedoch in der Schweiz.

Da haben wir also wieder einmal diesen schönen grossen Bogen von den Heilpflanzen-Anwendungen aus den Anfängen der Menschheit bis zur modernen Phytotherapie.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Internationale Fledermausnacht (Batnight 2016)

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Am 27. / 28. August 2016 findet zum 20. Mal die Internationale Fledermausnacht statt.

Als nachtaktive Tiere lassen sich Fledermäuse nicht so einfach beobachten und darum ist das Wissen über diese faszinierenden Lebewesen in der Bevölkerung gering.

Die Internationale Fledermausnacht will die Tiere bekannter machen und für ihren Schutz werben.

Fledermäuse sind vor allem bedroht durch Pestizide, Windräder und Lichtverschmutzung.

Hier gibt’s einen Artikel zur Internationalen Fledermausnacht auf n-tv.de.

Weitere Infos:

Eurobats – Übereinkommen zum Schutz der Europäischen Fledermäuse (englisch)

NABU Deutschland zur Batnight 2016

Stiftung Fledermausschutz Schweiz zur Batnight 2016

Kommentar & Ergänzung:

Den Fledermäusen als Nachttieren wurde oft etwas Unheimliches, Teuflisches. Dämonisches zugeschrieben. Sie wurden früher aber auch in der Heilkunde verwendet. Beispiel:

„Hildegard von Bingen (1098 – 1179) behandelt in ihrem Naturkundebuch (Physica) auch Tiere (De animalibus), wobei ihr Interesse v. a. ihrer medizinischen Brauchbarkeit gilt. So verschreibt sie z. B. bei Gelbsucht eine lebende Fledermaus, die auf den Leib gebunden werden muss, bis sie tot ist….“

(Quelle: Peter Dinzelbacher, Mensch und Tier in der Geschichte Europas, Kröner 2000, S. 259).

Ein gutes Beispiel dafür, dass nicht alles, was traditionell als Heilmittel überliefert wurde, auch heute noch eins zu eins umgesetzt werden sollte…..

Siehe dazu:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

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moodle.heilpflanzen-info.ch/course/view.php?id=6

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Bockshornkleesamen senken Blutzuckerspiegel und Cholesterinwerte

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Bockshornkleesamen reduzieren den Blutzuckerspiegel und die Cholesterinwerte. Für diese Anwendungsbereiche wird Bockshornkleesamen auch von der ESCOP empfohlen.

Siehe dazu:

Phytotherapie: Was sind ESCOP-Monografien?

 

Insbesondere die blutzuckersenkenden Effekte sind wissenschaftlich durch verschiedene experimentelle und klinische Studien belegt.

Die „Grüne Apotheke“ beschreibt eine Studie bei Diabetes Typ I (insulinpflichtiger Diabetes):

„Zehn Patienten mit insulinpflichtigem Diabetes erhielten in einer randomisierten Cross-over-Studie über einen Zeitraum von zehn Tagen zweimal täglich 50 g Bockshornkleesamenpulver mit der Nahrung. Es konnte eine deutliche Senkung der Blutzuckerspiegel erreicht werden. Die Blutspiegel von HDL-Cholesterin (dem ‚guten’ Cholesterin) und Insulin blieben unverändert.“

Und zum Diabetes Typ II (nicht insulinpflichtiger Diabetes, Altersdiabetes):

„In mehreren klinischen Studien mit jeweils zweimal 12,5 g pulverisierten Bockshornkleesamen wurden die Wirksamkeit an insgesamt mehr als 70 Patienten und 16 Kontrollpersonen gezeigt. Der Behandlungszeitraum betrug zwischen 3 und 24 Wochen. Es konnte eine deutliche Senkung der Blutzuckerspiegel und der Cholesterinwerte erreicht werden. Weitere Studien wurden mit anderen Dosierungen durchgeführt.“

Als Dosierung empfiehlt die „Grüne Apotheke“ zur Cholesterinsenkung und Blutzuckersenkung die Einnahme von 25 g pulverisierte Bockshornkleesamen pro Tag.

Quelle: „Die Grüne Apotheke“

 

Kommentar & Ergänzung:

Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum) wächst verbreitet im südlichen Europa, in Afrika, Indien, China, Australien sowie im Nahen Osten. Die Pflanze hat eine lange Kulturgeschichte hinter sich. Sie wird schon seit langem in der traditionellen Pflanzenheilkunde eingesetzt und in der Küche verwendet, unter anderem als Bestandteil von Currymischungen. Die Bockshornkleesamen sind ein traditionelles Gewürz der indischen und arabischen Küche.

Die Bockshornkleesamen enthalten etwa 20 – 45 % Schleimstoffe. Sie verlangsamen möglicherweise im Darm nach den Mahlzeiten die Aufnahme von Zucker zu und wirken dadurch Blutzuckerspitzen entgegen. Und wahrscheinlich sind sie auch beteiligt an der Senkung der Cholesterinwerte – durch Hemmung der Gallensäure-Rückresorption aus dem Darm. Schleimstoffe in grösseren Mengen können aber auch die Aufnahme von Arzneistoffen aus dem Darm reduzieren und sollten daher nicht gleichzeitig mit Medikamenten genommen werden.

Experimente mit Ratten deuten darauf hin, dass für die Reduktion des Blutzuckers auch ein bestimmter Inhaltsstoff der Bockshornkleesamen verantwortlich ein könnte – das 4-Hydoxy-Isoleucin. Allerdings ist völlig unklar, ob diese experimentellen Ergebnisse auf Diabetes-Kranke übertragen werden können.

Siehe:

Bockshornklee in der Diabetesbehandlung

Die Studien, die in der „Grünen Apotheke“ beschrieben werden, sind bezüglich der Probandenzahl klein und daher von begrenzter Aussagekraft. Für ein Produkt wie Bockshornkleesamen, das sich nicht patentieren lässt, wird sich aber wohl kaum ein Sponsor finden für richtig grosse, teure Patientenstudien. Immerhin ist Bockshornkleesamenpulver aber billig und lässt sich zusammen mit anderen Schleimstoffen gut in die Ernährung einbauen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Ja zur Schweiz – Nein zur SVP

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Die Stimmberechtigten in der Schweiz haben am 28. 2. 2016 die sogenannten „Durchsetzungsinitiative“ der SVP abgelehnt und damit einen rechtspopulistischen Angriff auf Menschenrechte, Gewaltentrennung und Rechtsstaat abgewehrt.

Damit ist die Angelegenheit allerdings nicht erledigt. Dass über 40% der Stimmberechtigten bereit sind, für eine vermeintlich erhöhte Sicherheit zentrale Grundwerte der Schweiz wie Menschenrechte, Gewaltentrennung und Rechtsstaat in Frage zu stellen, darf nicht ohne Reaktion bleiben.

Eine Partei, die glaubt, immer wieder den Rechtsstaat, die Menschenrechte, das Völkerrecht und die Gewaltentrennung angreifen zu müssen, verdient keine Stimme.

Eine Partei, die kontinuierlich Ressentiments schürt, und damit den Zusammenhalt und die Stabilität des Landes gefährdet und der Schweiz schadet, verdient keine Stimme.

Eine Partei, die Andersdenkende konsequent verhöhnt und ein destruktives Schwarz-Weiss-Denken pflegt, verdient keine Stimme.

Eine Partei, die mit populistischen „Ausländerthemen“ auf Stimmenfang geht, im Kern aber eine Politik betreibt, die hauptsächlich den Interessen von Multimillionären und Milliardären zudient, verdient keine Stimme.

Eine Partei, die für ökologische Probleme weder Sensibilität zeigt noch Lösungen anbietet und damit der Schweiz schadet, verdient keine Stimme.

Eine Partei, die sich für die Interessen von Steuerbetrügern und Kartellen einsetzt, verdient keine Stimme.

Eine Partei, die die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Europa mutwillig aufs Spiel setzt, und damit der Schweiz schadet, verdient keine Stimme.

Eine Partei, die in den wesentlichen gesellschaftspolitischen Fragen rückwärtsgewandt ist und sich an überholten Modellen festklammert, verdient keine Stimme.

Eine Partei, die über fast unbegrenzte Geldmittel verfügt und damit alle anderen mit Plakaten und Inseraten an die Wand spielen kann, weil sie von den Superreichen finanziert wird, deren Interessen sie vertritt, verdient keine Stimme.

Die Schweiz braucht auch in Zukunft das, was in der Vergangenheit wesentlich zum Erfolg dieses Landes beigetragen hat:

Eine lösungsorientierte, konstruktive Politik, in der Auseinandersetzungen manchmal zwar auch hart, aber respektvoll ausgetragen werden.

Polarisierung um der politischen Profilierung willen, wie sie die SVP exzessiv betreibt, ist Gift für die Schweiz.

Deshalb:

Ja zur Schweiz – Nein zur SVP…….auf kommunaler, kantonaler und schweizerischer Ebene.

Weitere Infos:

☛ Constantin Seibt im Tages-Anzeiger:

Institutionenpatriotismus

☛ Constantin Seibt im Tages-Anzeiger:

Ein schrecklicher Tag für die SVP – ein grosser Tag für die Schweiz

☛ Frankfurter Allgemeine:

Volksinitiative in der Schweiz: Ein Votum gegen den Zwei-Klassen-Rechtsstaat

☛ Süddeutsche:

Volksabstimmung: Lernen von den Schweizern

☛ Spiegel:

Gescheiterte Volksinitiative in der Schweiz: Sieg der Vernunft über die Angst

☛ Daniel Binswanger in „Das Magazin“:

Wir sind das Volk

…..und mehr Infos und Links von mir zum Thema: Info-Selection

 

 

 

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Omega-3-Fettsäuren gegen Depressionen: Wirkung überzeugt nicht

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Omega-3-Fettsäuren werden seit Jahren als natürliche Helfer gegen Depressionen propagiert.

Eindeutige Belege dafür, dass diese Wirkung tatsächlich existiert, gibt es aber bisher nicht.

Wissenschaftler des Cochrane Netzwerks haben die Effekte nun mit einer systematischen Analyse (Metastudie) untersucht – mit ernüchterndem Resultat: Die Wirkung könnte verschwindend klein sein.

Die Forscherin Katherine Appleton und ihre Kollegen untersuchten 26 Studien aus den USA, Südamerika, Kanada, Asien, Australien und Europa, in denen die Wirksamkeit von Omega-3-Präparaten gegen Depressionen an 1478 Testpersonen überprüft wurde. 25 Studien untersuchten den Effekt von Omega-3-Fettsäuren im Vergleich zu einem Scheinmedikament (Placebo). Eine Studie, an der allerdings nur 40 Personen beteiligt waren, überprüfte die Wirksamkeit von Omega-3-Fettsäuren im vergleich zu Antidepressiva.

Appleton und ihr Team schliessen aus ihren Resultaten dass die Fettsäuren eine leichte Wirkung gegen Depressionen besitzen. Möglicherweise sei diese Wirkung jedoch auch verschwindend gering, schränken die Wissenschaftler ein.

Der tatsächliche Therapieeffekt lasse sich nur schwer abschätzen, weil die Studienlage lückenhaft sei und es grosse Unterschiede zwischen den Ergebnissen gebe.

In den untersuchten Einzelstudien haben die jeweiligen Forscher ihre Daten nämlich unterschiedlich protokolliert und die untersuchten Patienten verschieden klassifiziert. In den meisten Fällen war die Zahl der Testpersonen zu klein, um repräsentative Resultate zu erhalten. Appleton und ihr Team warnen daher vor einer Überinterpretation der Daten.

Solange die klinische Studienlage weiterhin keine ausreichenden Belege für den Einsatz von Omega-3-Fettsäuren liefert, sollte die Selbstmedikation stets kritisch hinterfragt werden.

Derzeit sind auch noch Fragen offen zur optimalen Dosierung oder zur wirksamen Fettsäuren-Zusammensetzung.

Nach gegenwärtigem Kenntnisstand richten Omega-3-Fettsäure-Präparate wohl kaum Schäden an, sind gut verträglich und auch klinisch relevante Wechselwirkungen mit Medikamenten sind nicht bekannt. Ein ärztlich-kontrollierter Therapieversuch zusätzlich zu einer antidepressiven Standardtherapie scheine im Einzelfall akzeptabel, schreibt Dr. André Said in der Deutschen Apotheker Zeitung (46/15).

Omega-3-Fettsäuren sollen sich sogar günstig auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen auswirken, weil sie die Fließgeschwindigkeit des Blutes verbessern und den Cholesterinspiegel beeinflussen. Doch auch in diesen Bereichen ist die Studienlage noch lückenhaft. Bei Überdosierung können Omega-3-Fettsäuren zu Übelkeit führen und durch ihre blutverdünnenden Eigenschaften für Menschen mit einer schlechten Blutgerinnung gefährlich werden.

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2015/11/12/omega-3-fettsaeuren-nutzen-nur-wenig/17161.html

http://onlinelibrary.wiley.com/enhanced/doi/10.1002/14651858.CD004692.pub4

Kommentar & Ergänzung:

Untersucht wurden in dieser Studie Omega-3-Fettsäure-Präparate, die als Nahrungsergänzungsmittel im Handel sind. Omega-3-Fettsäuren kommen aber auch in vielen Nahrungsmitteln vor.

Sie sind in Algen, Pflanzen und Fischen enthalten.

Pflanzen enthalten beinahe ausschließlich α-Linolensäure, während in Fettfischen – wie Aal, Karpfen, Lachs, Sardine – und in Algen, beispielsweise Rotalgen, insbesondere Docosahexaensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA) vorkommen können. Pflanzenöle mit hohem Gehalt an Omega-3-Fettsäuren sind Leinöl (56 – 71%), Chiaöl (bis c. 64%) und Perillaöl (ca. 60%), aber auch Hanföl (ca. 17%), Walnussöl (ca. 13%), Rapsöl ca. 9%) und Sojabohnenöl ca. 8%) sind nutzbare Quellen. Bei den Fischen zeigen Atlantischer Lachs (1,8%), Sardellen (1,7%), Sardinen (1,4%) und Atlantischer Hering (1,2%) vergleichsweise hohen Omega-3-Gehalt, etwas tiefer liegen Makrele (1%) und Weisser Thun“ (0,7%).

(Quelle: Wikipedia)

Omega-3-Fettsäuren gegen Depressionen – das ist ein gutes Beispiel für ein Phänomen, das immer wieder zu beobachten ist:

Ein interessantes Präparat, das viele Hoffnungen weckt. Scheinbar endlich eine Möglichkeit, Depressionen ohne Antidepressiva zu behandeln – und dann läuft die Vermarktung schon auf vollen Touren, während die zahlreichen offenen Fragen noch nicht einmal ansatzweise geklärt sind.

Vor allem bei Nahrungsergänzungsmitteln kann man solche Entwicklungen immer wieder sehen, weil sie im Markt zugelassen werden, ohne vorgängig eine Wirksamkeit belegen zu müssen.

Bei Arzneimitteln sind die Bedingungen strenger. Sie müssen bei Neuzulassungen Studien liefern, die eine Wirksamkeit belegen. Das gilt für „chemische“ Arzneimittel und für Phytopharmaka. Traditionelle Pflanzenheilmittel, sowie generell Homöopathika und Anthroposophika werden dagegen zugelassen ohne Wirksamkeitsnachweis.

Und auch bei vielen älteren „chemischen“ Arzneimitteln sind die vorliegenden Studien oft von schlechter Qualität und daher nicht sehr glaubwürdig.

Fazit: Uns werden sehr viele Präparate für die Gesundheit verkauft, die nicht sehr überzeugend sind, wenn es um Belege für ihre Wirksamkeit geht. Genau hinschauen und sich informieren lohnt sich.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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