Artikel mit Schlagwort ‘Ernährung’
Samstag, Februar 13th, 2010
Forscher haben festgestellt, dass Bier gut für die Knochen ist. Denn Bier liefert Silizium in Form der Orthokieselsäure – die der Körper für den Knochenaufbau braucht. Weil der Siliziumgehalt von der Braumethode und den Rohstoffen abhängig ist, sind einige Biersorten in dieser Hinsicht jedoch besser als andere.
Die Orthokieselsäure aus dem Bier ist zu immerhin 50 Prozent vom Körper nutzbar und hat damit eine hohe Bioverfügbarkeit. Bisher ist jedoch noch nie untersucht worden, welche Faktoren den Kieselsäuregehalt des Biers beeinflussen und welche Biersorten mehr oder weniger davon enthalten. Das haben nun Wissenschaftler der Universität von Kalifornien in Davis nachgeholt. Die Forscher um Charles Bamforth untersuchten für ihre Studie Proben von verschiedenen Bierrohstoffen, darunter Gerste und Hopfen sowie Brauhilfsstoffe wie Silikagel als Stabilisator und Kieselerde als Filtermittel.
“Die Faktoren beim Brauen, welche die Silikatgehalte beeinflussen sind bisher nie intensiv untersucht worden”, erläutert Bamforth. “Wir haben eine breite Palette von Biersorten daraufhin analysiert und auch den Einfluss der Rohstoffe und des Brauprozesses auf die Silikatmengen im Bier.”
Das Resultat: Die Schwankungsbreite im Orthokieselsäuregehalt war in den 100 getesteten kommerziellen Biersorten sehr groß, Die Konzentrationen schwankten zwischen 6,4 und 56,5 Milligramm pro Liter. Ursache für diese Unterschiede, so stellten die Wissenschaftler fest, sind zum einen das Rösten des Malzes und zum anderen der Hopfengehalt.
Helle Biere enthalten mehr Kieselsäure
Gerste ist der wichtigste Rohstoff bei der Bierproduktion und auch der wichtigste Siliziumlieferant. Das Silizium befindet sich bei der Gerste in der Schale. Hellere Biere werden mit nur leicht geröstetem Gerstenmalz hergestellt, darum wurden die Siliziumverbindungen weniger Hitzestress ausgesetzt und bleiben besser erhalten. Dunklere Biere dagegen entstehen aus stark geröstetem Malz und enthalten sehr viel weniger Silizium.
Viel Hopfen, viel Silizium
Auch der Hopfen ist eine wichtige Kieselsäurequelle für das Bier, er enthält sogar vier Mal mehr Silicium als die Gerste. Stark hopfenhaltige Biere sind deshalb auch reicher an Orthokieselsäure. “Biere mit hohen Konzentrationen von gemälzter Gerste und Hopfen sind am silikatreichsten”, stellt Bamforth fest. “Weizen enthält weniger Silizium als Gerste, weil dieses vor allem in der Hülle sitzt. Obwohl das meiste Silizium beim Mälzen in der Schale bleibt, werden doch signifikante Anteile davon als Würze extrahiert und verbleiben damit im Bier.”
Quelle:
http://www.g-o.de
Kommentar & Ergänzung:
Dass Bier eine gute Quelle für Kieselsäure ist, scheint als Erkenntnis offenbar neu zu sein. Aber was kann ich nun mit dieser Information anfangen? Bier saufen gegen Osteoporose?
Im Ernst:
Es ist seit Jahren eine höchst erfolgreiche Marketingstrategie der Nahrungsmittel-Industrie, ihre Produkte in die Nähe von Heilmitteln zu stellen.
Das kommt auch in der “Naturheilkunde-Szene” gut an, wird doch in diesen Kreisen oft der Spruch des griechischen Arztes Hippokrates (um 400 v.u.Z) zitiert:
““Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel und eure Heilmittel sollen eure Nahrungsmittel sein”.
Ernährung ist ja auch eine der fünf Säulen in der Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp
(Hydrotherapie, Ernährung, Pflanzenheilkunde, Bewegung, Lebensordnung). Und dass die Ernährung Einfluss auf die menschliche Gesundheit hat, bezweifelt wohl auch niemand ernsthaft.
So ist es bei Meldungen über den gesundheitlichen Wert von Nahrungsmitteln oft nicht einfach zu unterscheiden, ob es sich dabei um relevante Informationen oder reine Propaganda handelt.
Zu dieser Meldung betreffend Bier als Kieselsäure-Quelle wäre noch zu ergänzen:
Der Lehrstuhl von Prof. Charles Bamforth wird von der Großbrauerei Anheuser Busch finanziert (nach www.scienceblogs.de).
Die Meldung wurde in verschiedenen Medien mit Schlagzeilen wie “Bier gegen Osteoporose” oder “Bier macht starke Knochen” überschreiben. Das sind sehr gewagte Aussagen. Vom Kieselsäure-Gehalt im Bier lässt sich nicht direkt auf eine Wirkung gegen Osteoporose schliessen.
Über die Wirkungen von Kieselsäure auf Knochen und Bindegewebe wird zwar viel geschrieben. Es fehlen dazu aber bisher auch nur annähernd überzeugende Belege. Ob also Kieselsäure sich zur Osteoporose-Prophylaxe eignet, ist völlig offen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
www.phytotherapie-seminare.ch
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Freitag, Januar 15th, 2010
Die Häufigkeit des Stuhlgangs liegt bei den meisten Menschen zwischen dreimal pro Tag bis zu zweimal wöchentlich. Eine Obstipation (Verstopfung) liegt dann vor, wenn jemand weniger als zweimal wöchentlich Stuhlgang hat und dabei stark pressen muss. In zahlreichen Fällen wird eine Verstopfung durch die Lebensweise der Betroffenen ausgelöst, wie beispielweise durch zu geringe Flüssigkeitszufuhr, ballaststoffarme Ernährung, zu wenig Bewegung und wiederholter Unterdrückung des Stuhlgangreizes. “Daher reichen oftmals einfache Maßnahmen, wie eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Vollkornprodukten und reichlich frischem Obst und Gemüse sowie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von 1,5 bis 2 Litern, um die Darmträgheit in den Griff zu bekommen”, rät Prof. Richard Raedsch vom Berufsverband Deutscher Internisten (BDI).
Abführmittel sollten keinesfalls über einen längeren Zeitraum genommen werden, ohne dass ein Arzt die Ursachen einer Verstopfung abgeklärt hat, empfiehlt der Experte. Regelmäßige Bewegung kann die Darmtätigkeit unterstützen. Zudem sollte dem Stuhldrang immer nachgegeben werden, man sollte ihn nicht aus Zeitgründen unterdrücken, rät Prof. Raedsch. Einige Minuten Bauchmassage entlang des Dickdarms vor dem Aufstehen oder ein Glas Wasser oder Fruchtsaft in nüchternem Zustand können den Stuhldrang verstärken. Falls diese Maßnahmen keine Verbesserung bewirken, kann die Verdauung durch Quellmittel wie Leinsamen, Flohsamen und Kleie angeregt werden. Solche Ballaststoffe wirken nur, wenn genügend Flüssigkeit zum Quellen vorhanden ist. Daher muss man bei der Einnahme immer reichlich trinken, möglichst 2-3 Tassen oder Gläser à 200 ml”, empfiehlt der BDI-Experte.
Osmotisch wirksame Abführmittel wie Milchzucker oder Macrogol steigern den Wassergehalt im Stuhl, indem sie dem Organismus die Flüssigkeit entziehen. Dies sind sanfte Wirkstoffe, welche gut helfen und auch längerfristig eingenommen werden können, erläutert Prof. Raedsch.
Stimulierende Abführmittel steigern die Darmbewegung so, dass der Speisebrei rascher transportiert wird und steigern den Einstrom von Flüssigkeit und Mineralien in den Darm. Zu diesen Arzneimitteln zählen die synthetische Wirkstoffe Bisacodyl und Natriumpicosulfat. Pflanzliche Präparate aus Sennesblättern sollten nur kurzzeitig eingenommen werden, empfiehlt Prof. Raedsch. Der Organismus verliert sonst grosse Mengen Wasser und Mineralstoffe, der Darm gewöhnt sich an die Stimulation und wird noch träger.
Quelle:
http://de.news.yahoo.com/
www.internisten-im-netz.de
Kommentar & Ergänzung:
Der Hinweis, Heilpflanzen-Präparate mit Sennesblättern nur kurzfristig einzusetzen, stimmt mit den Empfehlungen der Phytotherapie überein. Allerdings würde ich auch synthetische Abführmittel wie Bisacodyl (Dulcolax) und Natriumpicosulfat nur für kurzfristigen Gebrauch einsetzen.
Leinsamen, Flohsamen und Kleie eignen sich dagegen für die Langzeitanwendung. Von diesen drei Möglichkeiten würde ich Flohsamen vorziehen.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Mittwoch, Oktober 7th, 2009
Auf www.internisten-im-netz.de veröffentlicht der Berufsverband Deutscher Internisten (BDI) Tipps zur Stärkung des Immunsystems zur Vorbeugung gegen Erkältungskrankheiten. Schaut man sich die Tipps genauer an, handelt es sich um ein ziemlich umfassendes Konzept auf der Basis einer Naturheilkunde, wie sie beispielsweise Sebastian Kneipp schon vertreten hat.
Das zeigt, dass Naturheilkunde und Medizin kompatibel sind, was bei Komplementärmedizin und Medizin oft nicht der Fall ist.
Hier die Empfehlungen des BDI (Text von mir leicht modifiziert bei gleichbleibenden Aussagen):
Zwar können tiefere Temperaturen, wie sie im herannahenden Herbst bevorstehen, das Immunsystem schwächen und damit Schnupfen und andere Infekte begünstigen. “Jedoch sollte man sich nicht zu warm anziehen und nicht nur heiß duschen, da dies den Körper noch empfindlicher gegenüber niedrigen Temperaturen macht. Stattdessen können regelmäßige kalte Güsse und kalte Waschungen des Oberkörpers zum Beispiel 2- bis 3-mal in der Woche bereits im Spätsommer die Immunabwehr für den Herbst stärken”, empfielt Dr. Wolfgang Wesiack, Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI). “Saunabesuche einmal in der Woche oder regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft haben einen ähnlichen Trainingseffekt.”
Menschen, die zu wenig Schlaf bekommen, sind anfälliger für Infektionen durch Bakterien und Viren. “Es ist zwar individuell verschieden, wie viel Schlaf man benötigt, wichtig ist es jedoch, alle Tiefschlafphasen zu durchlaufen um einen Erholungseffekt zu erreichen. Am besten sind für die meisten Menschen 7 bis 8 Stunden Schlaf”, rät Dr. Wesiack. “Nach einer kurzen Nacht sollte man zur Regeneration ein paar ruhigere Tage einplanen.”
Auch die Psyche wirkt stark auf das Immunsystem. “So kann positiver Stress, wie etwa beim Sport, dem Ausüben eines Hobbys oder des Erlernen neuer Fähigkeiten das Immunsystem stimulieren. Lang anhaltende seelische Belastung hingegen schwächt die Abwehrkräfte”, erläutert der BDI-Vorsitzende. Ein Gefühl der Geborgenheit in der Umwelt sowie ein ausgeglichenes Gefühlleben wirken stabilisierend auf das Immunsystem. “So können Meditation, autogenes Training und Yoga die Zahl der Antikörper erheblich steigern.”
Eine ausgewogene und vielseitige Ernährung stellt dem Immunsystem die Bausteine zur Verfügung, um eine wirkungsvolle Abwehr aufbauen zu können. “Viel Vollkornprodukte, Obst, Gemüse und Fisch versorgen den Organismus am besten mit gesunden Nährstoffen. Bei Obst und Gemüse sollte man darauf achten, den Speiseplan möglichst bunt zu gestalten, da die in grünen, orangegelben und blauen Früchten enthaltenen Farbstoffe verschiedene positive Effekte auf die Gesundheit haben”, erklärt Dr. Wesiack.
Nicht zuletzt kann Sport die Immunabwehr aktivieren. “Durch regelmäßige Bewegung wird beispielsweise gewährleistet, dass Fremdstoffe über die Lymphe in die Lymphknoten transportiert werden, wo sich die Abwehrzellen auf einen möglichen Erreger einstellen können. Um das Immunsystem zu unterstützen, sind insbesondere Ausdauersportarten wie Walking, Joggen, Radfahren oder Schwimmen geeignet. Drei Trainingseinheiten von 30 Minuten haben bereits einen deutlichen positiven Effekt”, rät der BDI-Experte. “Übertreiben sollte man es allerdings als Sportanfänger nicht, denn völlige Verausgabung bewirkt eine Schwächung des Immunsystems.”
Quelle:
http://www.internisten-im-netz.de/
Kommentar & Ergänzung:
Pfarrer Sebastian Kneipp (1821 – 1897) vertrat ein Fünf-Säulen-Prinzip der Naturheilkunde:
– Lebensordnung
– Wasseranwendungen ?(Hydrotherapie)
– Bewegung?
– Ernährung?
– Heilkräuter
Den Begriff der Lebensordnung könnte man heute im Sinne einer Psychosomatik oder einer Salutogenese übersetzen.
Zur Salutogenese siehe die Buchbesprechung zu “Wie Gesundheit entsteht” im unserem Buchshop.
Der BDI-Text geht auf die Säulen Lebensordnung, Wasseranwendungen (Güsse, Waschungen), Bewegung und Ernährung ein.
Einzig die Heilkräuter kommen im Naturheilkunde-Konzept des BDI nicht vor.
Zu den Heilpflanzen, die zur Stärkung des Immunsystems empfohlen werden, gehören vor allem Echinacea (Sonnenhut) und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie). Das sind aber nur die beiden Heilpflanzen mit den meisten klinischen Studien. Im Labor zeigen zahlreiche andere Heilpflanzen immunstimulierende Eigenschaften, zum Beispiel Ringelblume oder Eibischwurzel. Allerdings ist unklar, ob sich solche Laborbefunde auf den Menschen übertragen lassen.
Allzuviel darf man sich von pflanzlichen Immunstimulanzien nicht erhoffen. Würden sie nämlich das Immunsystem wirklich stark aktivieren, wäre dies allenfalls sogar riskant.
Mit einem allzu aggressiven Immunsystem jedenfalls ist der Organismus auch nicht gut bedient.
Die vier anderen im BDI-Text erwähnten Bereiche – Lebensordnung, Wasseranwendungen, Bewegung, Ernährung – sind für ein gesundes, wirksames Immunsystem wohl deutlich zentraler.
Die fünf Säulen nach Kneipp eignen sich ausgezeichnet als Brücke zwischen Naturheilkunde und Medizin, weil sie schon von ihren Grundlagen her mit medizinischem Denken kompatibel sind. Es ist sehr schade, dass sie in den gegenwärtigen politischen Bestrebungen zur Aufwertung der Komplementärmedizin kaum eine Rolle spielen – abgesehen von der Säule “Heilkräuter”, die in neuzeitlicher Form als Phytotherapie im Gespräch ist.
Fundierte Informationen im Tagesseminar:
Erkältungskrankheiten und grippale Infekte – Prophylaxe und Therapie mit Heilpflanzen
Details hier:
www.phytotherapie-seminare.ch/index.php
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Samstag, September 26th, 2009
Gesunde Ernährung lohnt sich offenbar auch im Alter. Sie hält den Körper schlank und den Geist fit. So tragen Vollkornprodukte dazu bei, Körpergewicht und Fettanteil tief zu halten. Das geht aus einer Studie mit 434 Erwachsenen von 60 bis 80 Jahren hervor (J Nutr 139, 2009, 1950).
In der Studie zeigte sich eine lineare Beziehung: Je mehr von diesen Nahrungsmitteln – vor allem dunkles Brot, Naturreis und Frühstücksflocken – die Teilnehmer verzehrten, um so geringer waren BMI und Fettgewebe. Unabhängig von Sport und sonstigem Lebensstil hatten jene Personen, die am meisten Vollkornprodukte zu sich nahmen, 2,4 Prozent weniger Körperfett und 3,6 Prozent weniger Bauchfett als jene, die am wenigsten aßen. Und ihr BMI betrug nur etwa 26 im Vergleich zu knapp 27.
Noch ausgeprägter war der Effekt, wenn die Wissenschaftler bei ihren Berechnungen nur Getreideprodukte aus Vollkorn berücksichtigten. Ballaststoffe aus Obst und Gemüse zeigten dagegen kaum Einfluss, wie der aus 126 Punkten bestehende Food Frequency Questionnaire und die Doppel-Röntgen-Absorptiometrie (DXA) ergaben.
Allerdings verzehrten die Studienteilnehmer nicht genügend Vollkornprodukte – anderthalb Portionen pro Tag – und auch zu wenig Ballaststoffe – nur knapp 19 Gramm. Empfohlen wird jeweils die doppelte Menge. Vollkorngetreide wirkt einer Adipositas wahrscheinlich durch den günstigen Einfluss auf Insulin und Inkretinhormone wie Glucagon-like-Peptid-1 entgegen, wie die Autoren der Studie vermuten.
Eine gesunde Ernährung kommt außerdem den kognitiven Leistungen älterer Menschen zugute, zeigte sich bei einer weiteren Studie mit mehr als 3600 Erwachsenen über 65 Jahre (J Nutr 139, 2009, 1944). Wissenschaftler aus Logan hatten sie im Verlauf von elf Jahren mehrmals nach ihren Ernährungsgewohnheiten befragt und mit dem Modified Mini Mental Status Test (bester Wert: 100 Punkte) untersucht.
Wer am meisten empfehlenswerte Nahrungsmittel aß, schnitt schon zu Beginn um 1,8 Punkte besser ab als jene mit dem geringsten Anteil. Am Ende der Studie war der Punktwert nur um 3,4 gefallen im Vergleich zu 5,2.
Quelle: www.aerztezeitung.de
Kommentar & Ergänzung:
Dass gesunde Ernährung sich günstig auf das Körpergewicht und auf die geistige Leistungsfähigkeit auswirkt, ist ja wirklich keine grosse Überraschung.
Interessanter an diesem Beitrag scheint mir, dass Vollkornprodukte gegenüber Früchten und Gemüse aufgewertet werden.
Ernährung ist ein wichtiger Pfeiler der Naturheilkunde. Allerdings gibt es in diesem Bereich viele Heilslehren und Dogmen, die in Frage gestellt werden sollten. Meiner Ansicht nach laufen immer noch zu viele “Ernährungsapostel” herum, welche die ganze Welt mit ihren alleinseligmachenden Ernährungsnormen missionieren wollen.
Nötig wäre meines Erachtens eine Förderung des optativen Ansatzes: Ernährungberatung in der Naturheilkunde soll Optionen aufzeigen – also Wahlmöglichkeiten – und weniger normativ auftreten.
In unserem Buchshop finden Sie Anregungen zum Thema Ernährung.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Mittwoch, September 23rd, 2009
Ernährung und Phytotherapie sind beim Deutschen Internistentag in Berlin am 24. September 2009 wichtige Themen. Auf dem Programm stehen naturheilkundliche Interventionen bei Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises.
Bei Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen sollte die Ernährungstherapie vom Beginn der Krankheit an ein selbstverständlicher Teil der Behandlung sein, empfehlen Rheumatologen. Fragt sich nur: Was ist genau eine Rheumakost? Zentral bei der langfristigen Umstellung der Essgewohnheiten ist die Verminderung tierischer Fette. Fettreiche Nahrungsmittel tierischer Herkunft wie Schmalz, Leber, Eigelb oder fettreiche Fleisch- und Wurstsorten meiden! Und nicht mehr als zwei Portionen Fleisch oder Wurst pro Woche sollten konsumieren. Kennen sollten Rheuma-Patienten die Grundsätze einer vorwiegend laktovegetabilen Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren und Antioxidanzien ist.
Empfehlenswert sind Makrele, Lachs und Hering – zweimal wöchentlich. Diese Fische sind enthalten reichlich Omega-3-Fettsäuren. Das gilt ebenfalls für Rapsöl, Sojaöl, Walnussöl und Leinöl. Zum Nutzen von Fischöl, Vitamin D, Vitamin C oder Zink bei Rheumapatienten gibt es neue Daten. Das Stellungnahme zu Omega-3-Fettsäuren in Form von Fischölkapseln wird positiver. Eine Zufuhr von Vitamin D wird künftig empfohlen, ebenso in Einzelfällen die Einnahme von Zink, besonders bei Patienten mit Psoriasis-Arthritis. Die regelmäßige Einnahme von Vitamin C und E oder Selen wird nur im Einzelfall empfohlen.
Die in Gemüse und Obst vorhandenen antioxidativen Substanzen sprechen für den Verzehr von fünf Portionen am Tag.
NSAR-ähnliche Effekte werden salicin- und polyphenolreichen Phytotherapeutika zugeschrieben. Dazu gehören Heilpflanzen-Präparate aus Weidenrinde, Stiefmütterchenkraut, Pappel oder Primeln. Eher kortisonähnliche Eigenschaften sollen Zaunrübe, Süßholz und Weihrauch zeigen. Teufelskrallenwurzel oder Arnikablüten sind hauptsächlich schmerzlindernd.
Quelle: www.aerztezeitung.de
Kommentar & Ergänzung:
Schön, dass die Internisten sich mit Ernährung und Phytotherapie bei Rheuma befassen.
Die Hinweise zur Ernährung scheinen mir fundiert, diejenigen zur Phytotherapie dagegen etwas wirr.
NSAR (= nichtsteroidale Antirheumatika) werden ihrer entzündungshemmenden (antiphlogistischen) Wirkung wegen symptombezogen unter anderem zur Rheumatherapie eingesetzt. Bekannte Beispiele sind Diclofenac und Mefenacid. Der Artikel auf www.aerztezeitung.de nennt für eine NSAR-ähnliche Wirkung Weidenrinde, Stiefmütterchenkraut, Pappel oder Primel. Von diesen Heilpflanzen ist die entzündungswidrige Wirkung der Weidenrinde mit Abstand am besten belegt. Bei massiven rheumatischen Entzündungen reicht Weidenrinde allerdings nicht. Bei leichteren rheumatischen Beschwerden hat sie aber den Vorteil guter Verträglichkeit. Zur Anwendung kommen Weidenrinden-Extrakte.
Zaunrübe (Bryonia dioica) wird in der Homöopathie verwendet, nicht aber in der Phytotherapie. Die Pflanze ist nämlich stark giftig. Sie enthält Cucurbitacine, die Erbrechen auslösen, stark abführen und zudem zellschädigend wirken. Bryonia wird daher innerlich nur in stark verdünnten homöopathischen Dosen gegen Rheuma eingesetzt, wobei die Wirksamkeit aber nicht belegt ist. Von einer kortisonähnlichen Wirkung der Zaunrübe zu sprechen, ist daher sehr spekulativ.
Süssholz zeigt in verschiedenen Untersuchungen leicht kortisonähnliche Effekte, doch ist in therapeutisch wirksamen Dosen auch mit kortisonähnlichen Nebenwirkungen zu rechnen. Das macht eine Anwendung in der Rheumatherapie ziemlich fragwürdig. Weihrauch besitzt eine entzündungshemmende Wirkung bei innerlicher Anwendung, die sich in der Arthritisbehandlung nutzen lässt. Es scheint sich allerdings den Studien gemäss eher um eine Leukotrienhemmung zu handeln, so dass ich hier nicht von einer kortisonähnlichen Wirkung sprechen würde.
Die schmerzlindernde Wirkung von Teufelskralle ist in den letzten Jahren zunehmend besser belegt worden, doch braucht es für diesen Effekt eine längerdauernde Einnahme von Teufelskrallen-Extrakten.
Die schmerzstillende Wirkung von Arnikablüten wird in der Phytotherapie äusserlich als Arnikasalbe, Arnikagel oder Arnikatinktur (verdünnt mit Wasser zu Umschlägen) genutzt.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen
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Samstag, August 8th, 2009
Nitratreiche Nahrungsmittel können, nach Umwandlung zu Stickoxid, den Blutdruck reduzieren. In einer Studie in Hypertension (2008, doi: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.107.103523) erzielte ein halber Liter Rote-Beete-Saft eine blutdrucksenkende Wirkung, die durchaus mit der von Medikamenten vergleichbar ist.??Dass Stickoxid (NO) in den Blutgefäßen ein wichtiger Vasodilatator ist, also die Gefässe erweitert, ist schon lange bekannt (Nobelpreis 1998).
Die blutdrucksenkende Wirkung wird bei Patienten mit pulmonaler Hypertonie genutzt und auch die antianginöse Wirkung – bei Angina pectoris – wird von Nitropräparaten durch NO vermittelt. Eine weitere Quelle von NO sind, wenn auch indirekt nitrathaltige Nahrungsmittel, zu denen zum Beispiel Rote Beete gehört. ?
Rote Beete – in der Schweiz spricht man von Randensaft – enthält zwar kein Stickoxid, wohl aber Nitrate. Diese können von Bakterien, die im Speichel vorkommen, in Nitrit umgewandelt werden. Nitrit gelangt mit dem Speichel in den Magen, wo es entweder in Stickoxid umgewandelt oder als Nitrit in den Organismus aufgenommen wird. Das resorbierte Nitrit gelangt in die Endothelien, welche durch Freisetzung von Stickoxid die Blutgefäße relaxieren. Von dieser Arbeitshypothese ging die Arbeitsgruppe um Amrita Ahluwalia vom Londoner Queen Mary Hospital aus.
Um sie zu prüfen, bekamen gesunden Freiwilligen einen halben Liter Rote-Beete-Saft zu trinken. Drei Stunden danach war der systolische Blutdruck um 10,4 mm Hg und der diastolische Blutdruck um 8 mm Hg gesunken. Dieser blutdrucksenkende Effekt fiel mit der Spitzenkonzentrationen von Nitrit im Blut zusammen. Der Randensaft besserte auch die Endothelfunktion. Sie wurde mit einem Test erfasst, der das Ausmaß der Vasodilatation (Gefässerweiterung) in der Arteria brachialis (Oberarmarterie) nach einer kurzzeitigen Unterbrechung der Durchblutung mit einer Blutduckmanschette misst.
Bei Hypertonikern (Bluthochdruckpatienten) ist die Vasodilatation gestört. Rote-Beete-Saft verbesserte das Testresultat. Die Wirkung des Rote-Beete-Saftes wurde verhindert, wenn die Testpersonen den Speichel nicht herunter schluckten. Dies unterband die ”enterosalivarische” Umwandlung von Nitrat zu Stickoxid. Die Untersuchungen belegen damit schlüssig, dass die blutdrucksenkende Wirkung auf den Nitratgehalt der Roten Beete zurückzuführen ist.
Die British Heart Foundation lobt die Studie, welche im Detail untersucht habe, wie Nahrungsmittel den Blutdruck senken. Im letzten Jahr hatte dies eine deutsche Arbeitsgruppe für dunkle Schokolade gezeigt, welche – allerdings über einen anderen
Wirkungsmechanismus – den Blutdruck reduziert. Damals wurde eingewendet, dass die Nachteile der hochkalorischen Schokolade die positiven Wirkungen infrage stelle.??Dieses Mal hält die British Heart Foundation fest, dass die Idee, den Blutdruck durch Trinken eines halben Liters Rote Beete zu senken nicht allen Hypertonikern schmecken dürfte. Sie empfahl den Bluthochdruck-Patienten eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse und die weitere Einnahme ihrer Medikamente.
Quelle: www.aerzteblatt.de
Kommentar & Ergänzung:
Dass Randensaft den Blutdruck senken soll, ist ein sehr interessantes Studienergebnis. Weniger erfreulich ist aber, dass diese Wirkung offenbar auf dem Nitratgehalt basiert. Nitrate werden in Gemüse seit Jahren als potentiell gesundheitsschädliche Stoffe diskutiert.
Siehe auch:
Randensaft (Rote Beete) steigert sportliche Ausdauer
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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