Beiträge

Ingwertee als „Energiebooster“?

Diesen Artikel teilen:
FacebookTwitterGoogle+ Share

Ingwer scheint gerade sehr im Trend zu liegen. Laufend treffe ich auf Empfehlungen, wozu Ingwer alles gut sein soll. Tatsächlich ist Ingwer ein interessantes Gewürz und eine wirksame Heilpflanze. Aber wie so oft bei derartigen Hypes kommen die Empfehlungen manchmal etwas schwammig und übertrieben daher.

Auf Focus online hat gerade ein Gesundheitsexperte Ingwer empfohlen. Schauen wir uns das etwas genauer an:

„Mit Ingwertee können Sie ganz ohne Koffein fit in den Tag starten……

Die Wurzel verfeinert nicht nicht nur Ihr Essen, sondern kurbelt Ihren Stoffwechsel an, lindert Halsschmerzen und hilft bei Magen und Darmbeschwerden. Probieren Sie doch mal Ingwertee. Schneiden Sie dazu den Ingwer in dünne Scheiben und geben diese anschließend in heißes Wasser…….

Egal, ob Sie den Ingwertee am Morgen als Kaffeeersatz oder als Energie Booster unterm Tag trinken: Sie tun Ihrem Körper etwas Gutes. Die scharfe Wurzel beruhigt Ihren Bauch und hilft bei Durchfall und Magenbeschwerden.

Wenn das noch nicht genug wäre, wirkt Ingwer zudem noch antiseptisch. Kratzt es Ihnen im Hals, empfiehlt es sich deshalb auf einem kleinen Stück Ingwer zu kauen.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/videos/ingwertee-darum-sollten-sie-ihn-vor-dem-fruehstueck-trinken_id_6867281.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Energiebooster – das tönt wirklich stark. Energiebooster ist ein trendigerer Ausdruck für Energydrink. Das sind Getränke, die wach machen und dem Organismus Energie zuführen oder Energiereserven mobilisieren sollen. Das machen sie in der Regel mit viel Koffein und viel Kohlenhydraten (insbesondere Zucker). Ingwertee – sofern ungesüsst getrunken – führt kaum Kohlenhydrate zu und enthält weder Koffein noch koffeinähnlich wirkende Inhaltsstoffe.

Pharmakologisch ist von Ingwertee keine „Energiebooster“-Wirkung zu erwarten, wobei aber auch fraglich ist, ob all die vermarkteten Energie-Booster-Präparate ihre Versprechungen erfüllen können. In Vergleich zu diesen oft wenig glaubwürdig zusammengesetzten Energydrinks ist Ingwertee wohl immerhin die gesündere Variante.

Vorstellen kann ich mir beim Trinken von Ingwertee am Morgen einen sinnlich-psychologischen Wachmacher-Effekt. Ingwer enthält Scharfstoffe. Auf der sensorischen Ebene könnte dadurch ähnlich wie bei Kräutertees mit hohem Bitterstoffgehalt die Aufmerksamkeit geweckt werden im Sinne von „Was kommt denn da?“ – während der Organismus auf irgendeine fade Flüssigkeit kaum reagieren wird.

Sehr eigenartig ist die Vorstellung, dass Ingwertee den Stoffwechsel ankurbeln soll. Aber auch das tönt natürlich toll…

Der Stoffwechsel, das ist die Gesamtheit der chemischen Prozesse in einem Lebewesen.

Den Stoffwechsel kann man einteilen in katabole Reaktionen, welche durch den Abbau von chemisch komplexen Nahrungsstoffen zu einfacheren Stoffen Energie liefern (Katabolismus), und anabole Reaktionen, welche unter Energieverbrauch körpereigene Stoffe aus einfachen Bausteinen aufbauen (Anabolismus).

Wenn Ingwertee nun einfach generell den Stoffwechsel ankurbelt, werden alle chemischen Prozesse in Organismus beschleunigt. Wollen wir wetten, dass das nicht gut ausgeht?

Hier müsste nachgefragt werden, welche Prozesse genau durch Ingwer angekurbelt werden, doch ist eher unwahrscheinlich, dass auf diese Frage eine fundierte Antwort kommt. Solche wohlklingenden Ausdrücke wie „Energie Booster“ oder „kurbelt Ihren Stoffwechsel an“ leben davon, dass sie vage und dadurch kaum zu fassen sind.

Dass viele Menschen Ingwer bei Halsschmerzen oder anderen Erkältungskrankheiten als wohltuend empfinden, ist schon seit langem bekannt. Wie diese Wirkung zustande kommt, ist nicht wirklich geklärt. Im Labor wirken Ingwer-Wirkstoffe antibakteriell und antiviral, aber ob diese Wirkungen auch beim Trinken von Ingwertee im Mund-Rachenraum zustande kommen, kann daraus nicht mit Sicherheit geschlossen werden. Durch die Erregung der Wärmerezeptoren in der Mundschleimhaut wird ein Hitzegefühl ausgelöst und vermutlich reflektorisch die Speichelsekretion angeregt. Diese Wirkungen entstehen durch die Scharfstoffe und könnten zum wohltuenden Effekt eines Ingwertees bei Erkältungen beitragen.

Dass Ingwer gegen Durchfall helfen soll ist eine ungewöhnliche Empfehlung, die in der Phytotherapie-Fachliteratur nirgends vorkommt, und die Empfehlung bei Magenbeschwerden und Darmbeschwerden ist vage. Das kann fast alles umfassen, was im Verdauungstrakt schiefläuft. Hier wären präzisere Angaben wünschenswert.

Ingwer fördert den Speichelfluss, die Magensaftsekretion und den Gallenfluss. Daraus kann eine verdauungsfördernde Wirkung gegen Völlegefühl abgeleiteet werden, was gut zur Verwendung als Gewürz passt. In der Phytotherapie am besten untersucht und am häufigsten empfohlen ist allerdings die Anwendung von Ingwerwurzel-Pulver zur Vorbeugung von Reisekrankheit. Ob Ingwertee hier auch eine Wirkung zeigt, ist ungeklärt. In den Experimenten zeigten vor allem lipophile Inhaltsstoffe diese Wirkung, während ein wässriger Ingwer-Extrakt versagte.

Zu diskutieren wäre die Angabe, dass Ingwer den Bauch beruhigt. Immerhin steigert Ingwer den Tonus und die Peristaltik im Darm. Da könnte man eher daraus schliessen, dass Ingwer den Bauch „wach“ macht.

Wie vielfältig Ingwer als Heilpflanze ist, zeigt folgende Ausstellung:

Öko-Test: Ingwer gegen Reisekrankheit als gut bewertet

Ingweröl gegen Erbrechen?

Ingwer – wie eine tolle Heilpflanze unseriös als Wundermittel gegen Krebs vermarktet wird

 

Metaanalyse: Ingwer reduziert Menstruationsschmerzen

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

 

 

Ingwer lindert akuten Kopfschmerz bei Migräne

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie

 

Schwangerschaftsübelkeit: Ingwer, Frischluft und Vitamin B6

Ingwer bei Erkältungen

Ingwertee gegen Übelkeit

 

Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen?

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

 

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Holunderbeeren gegen Erkältungen

Diesen Artikel teilen:

Der Schwarze Holunder (Sambucus nigra) hat schon lange einen Ruf als Helfer bei Erkältungskrankheiten. In der Phytotherapie wird ein Tee aus Holunderblüten verwendet. Er soll schweisstreibend wirken bei fieberhaften Infekten, wobei diese Wirkung allerdings nicht geklärt oder gar belegt ist. Experimentelle Studien deuten zudem auf eine auswurffördernde Wirkung bei Husten hin.

Der Saft aus Holunderbeeren wird traditionell empfohlen zur Vorbeugung und Behandlung von Erkältungen.

Ein Spezialextrakt aus Holunderbeeren zeigte im Labor antivirale Aktivität gegen Influenzaviren vom Typ H1N1. Flavonoide aus den Holunderbeeren banden dabei an die Virusoberfläche und hemmten dadurch das Eindringen der Viren in die Wirtszellen.

Ob ein solcher Effekt auch im menschlichen Organismus auftritt, bleibt dabei allerdings offen. Überzeugende Daten aus Studien mit Patienten lagen bis vor kurzem nicht vor. Das könnte sich nun ein Stück weit ändern durch eine Studie, die im Jahr 2016 publiziert und in der Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“ erwähnt wurde:

„Auch Oma lag mit ihrem Holundertee wohl nicht so falsch. In einer Studie mit 312 Flugreisenden verringerten sich die Symptome und die Dauer von Erkältungen bei den Teilnehmern, die regelmäßig einen Extrakt aus Holunderbeeren (Sambucus nigra) zu sich genommen hatten. Holunderbeeren sind sehr vitaminhaltig; sie enthalten Kupfer, Zink und Magnesium sowie Polyphenole in beachtlichen Mengen, was den Körper bei der Auseinandersetzung mit den Schnupfenviren offensichtlich unterstützt.“

Quelle:

http://www.spektrum.de/news/hilft-huehnersuppe-gegen-erkaeltung/1432792?_ga=1.189200047.529023555.1471969798

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27023596

Nutrients. 2016 Mar 24;8(4):182. doi: 10.3390/nu8040182.

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Studie war doppel-blind und placebokontrolliert.

Signifikant verringerten sich die Symptome und die Dauer von Erkältungen. In der Placebogruppe traten zudem mehr Erkältungen auf als in der Holunderbeeren-Extraktgruppe (17 versus 12), doch war dieser Unterschied nicht signifikant.

„Most cold episodes occurred in the placebo group (17 vs. 12), however the difference was not significant (p = 0.4). Placebo group participants had a significantly longer duration of cold episode days (117 vs. 57, p = 0.02) and the average symptom score over these days was also significantly higher (583 vs. 247, p = 0.05). These data suggest a significant reduction of cold duration and severity in air travelers. More research is warranted to confirm this effect and to evaluate elderberry’s physical and mental health benefits.“

Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27023596

Wenn das Ergebnis statistisch „signifikant“ ist, bedeutet das, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es zufällig zustande gekommen ist, unter 5% liegt (p < 0,05).

In der Studie wurde ein standardisierter Extrakt aus Holunderbeeren verwendet. Es ist offen, wieob und wie weit sich die Ergebnisse auf andere Zubereitungen aus Holunderbeeren übertragen lassen.

Wichtig ist jedoch: Der Genuss von rohen oder ungenügend erhitzten Holunderbeeren kann zu Übelkeit und Erbrechen führen. Sie enthalten nämlich den Giftstoff Sambunigrin. Erhitzt man die Holunderfrüchte, baut sich Sambinigrin vollständig ab.

Siehe auch:

Holunderbeeren – gesund und fein

Schwarzer Holunder: Holundersaft bei Grippe und Erkältung

Giftigkeit: Schwarzer Holunder – Roter Holunder – Zwergholunder

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Erkältung: Welche Therapien wirklich helfen

Diesen Artikel teilen:

Das Angebot an konventionellen und alternativen Präparaten zur Behandlung von Erkältungskrankheiten ist sehr gross. Die Studien zur Wirksamkeit sind aber oft nicht sehr überzeugend.

Erwachsene machen pro Jahr zwei bis vier Erkältungsepisoden durch, Kinder sogar sechs bis acht. Entsprechend umfangreich ist der Umsatz an Präparaten, mit denen Ärzte oder die Patienten selbst versuchen, den Verlauf der meist viralen Infektionen abzuschwächen und zu verkürzen. Von welchen Behandlungen nach derzeitigem Wissensstand wirklich Hilfe zu erwarten ist und von welchen eher nicht, das haben Miriam Croessmann vom Sana Klinikum Offenbach und Professor Markus Rose von der Universität Frankfurt / Main in der Fachzeitschrift „Pneumologe“ zusammengefasst (Pneumologe 2016: 13: 262–273). Dabei steht die Anwendung bei Kindern im Zentrum.

Die „Ärzte Zeitung“ hat den Text zusammengefasst.

Ich greife nachfolgend die pflanzlichen Präparate als Zitate heraus und kommentiere sie stellenweise.

Zu den schleimlösenden Mitteln (Sekretolytika / Mukolytika) steht da:

„Sie sollen bei erkältungsbedingter Bronchitis den Schleim verflüssigen und das Abhusten erleichtern. Unter Acetylcystein kann ein erhöhtes Volumen von verflüssigtem Bronchialsekret auftreten, das unter anderem von jungen Kindern schlecht abgehustet werden kann. Von Efeupräparaten ist dies nicht zu befürchten. Sekretolytika / Mukolytika sollten vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern eine strenge Indikationsstellung erfahren.“

Hier werden also das synthetische Acetylcystein und die pflanzlichen Efeupräparate erwähnt. Zur Wirksamkeit wird nichts gesagt, aber die Efeupräparate sind an einem Punkt verträglicher. Das am besten dokumentierte Efeupräparat ist Prospan® (zugelassen für Kinder ab zwei Jahren). Das beste Mukolytikum sei eine gute Befeuchtung der Atemwege und reichlich trinken, heisst es in dem Beitrag.

Dann geht es noch um ätherische Öle als Einreibemittel:

„ Vapor rub mit den Wirkkomponenten Kampfer, Menthol, Eukalytpusöl hat bei Kindern keine Wirkung auf Husten oder Schnupfen, aber Kind und Eltern schlafen besser. Eltern müssen aufgeklärt werden, dass Einreibemittel und Tropfen auf Basis ätherischer Öle zu Atemwegsreizungen bis zum Bronchospasmus führen können.“

Gemeint ist hier wohl „Wick Vaporub“ (D) bzw. „Vicks vaporub“ (CH). Menthol ist der Hauptbestandteil von Pfefferminzöl. Es löst auf der Haut und an der Nasenschleimhaut ein Kältegefühl aus, das nicht physikalisch durch tiefe Temperatur, sondern durch Bindung an einen Kälterezeptor ausgelöst wird. In der Nase wird dadurch der Luftstrom intensiver wahrgenommen, wodurch eine subjektive Empfindung des Besser-durchatmen-könnens entsteht. Sie lässt sich nicht objektivieren, das heisst, man kann nicht durch Messung nachweisen, dass mehr Luft durch die Nase geht. Aber immerhin wirkt das erleichternd auf die Beschwerden der verstopften Nase, so dass nachvollziehbar ist, dass erkältete Kinder besser schlafen. Dass auch die Eltern besser schlafen, ist wohl ein erwünschter Nebeneffekt.

Ich würde allerdings bei Säuglingen und Kleinkindern als Einreibemittel nur mentholfreie Produkte verwenden. Als Regel gilt zudem, dass bei Säuglingen und Kleinkindern ätherische Öle nicht konzentriert in der Nähe der Atemöffnungen eingesetzt werden sollten.

Interessanterweise ist die Wirksamkeit von Honig gegen Hustenreiz recht gut belegt:

„Honig: Bei Kindern im Alter über einem Jahr kann ein Löffel Honig am Abend Husten und Nachtschlaf günstig beeinflussen.“

Siehe:

Erkältungen: Honig hilft gegen Husten

Hausmittel: Heisse Milch mit Honig gegen Husten

Erkältungsmittel: Hustenstiller und Schleimlöser

Honig lindert Erkältungen bei Kleinkindern

 

Und dann kommt Knoblauch:

„Knoblauch: Laut einer Cochrane-Analyse können Knoblauchtabletten möglicherweise Erkältungen vorbeugen, haben aber keinen Einfluss auf die Dauer von Erkältungen.“

Diese Cochrane-Analyse ist sehr interessant. Sie basiert aber auf nur einer Studie.

Siehe:

Schützt Knoblauch vor Erkältungen?

 

Für Kinder dürfte Knoblauch zur Prophylaxe von Erkältungen geruchlich allerdings wohl etwas schwierig sein.

Dann der Klassiker der pflanzlichen Immunstimulantien: Echinacea / Sonnenhut:

„Echinacea: Es gibt keine überzeugenden Daten für den therapeutischen Einsatz von Echinacea bei Erkältungen, allenfalls für eine leichte prophylaktische Wirkung.“

Diese Einschätzung ist ziemlich ernüchternd. Sie beruht wohl auf dem Cochrane-Review von 2014:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24554461

Meinem Eindruck nach gibt es schon Leute, die von einer Echinacea-Einnahme profitieren. Klar scheint mir aber auch, dass die Erwartungen, die von der Werbung geweckt werden, durch die Studienlage nicht gedeckt sind.

Und dann weiter zu „Umckaloabo“, der alten Zulu-Heilpflanze aus Südafrika:

„Umckaloabo: Der Extrakt aus Pelargonium sidoides soll immunstimulierend, hustenstillend und schleimlösend wirken. In RCTs ist die Wirksamkeit bei Erwachsenen mit Erkältung oder akuter Rhinosinusitis sowie bei Erwachsenen und Kindern mit akuter Bronchitis gezeigt worden. Die Qualität der Evidenz sei niedrig, so Croessmann und Rose.“

„Umckaloabo“ ist auch als „Kapland-Pelargonie“ im Handel. Die relevanten Studien wurden alle mit dem Extrakt bzw. Präparat „Umckaloabo®“ durchgeführt (in der Schweiz nach ärztlicher Verordnung kassenpflichtig als Kaloabo®). Die Ergebnisse können nicht auf andere Produkte mit Kapland-Pelargonie übertragen werden, die zum Beispiel als Hausspezialitäten in Apotheken und Drogerien angeboten werden.

Bei Kindern seien günstige Effekte auf nasale Symptome und auf den Verbrauch von Dekongestiva durch Meerwasser-Spülungen dokumentiert, heisst es im Beitrag weiter (Dekongestiva hier = Abschwellende Nasentropfen).

Ausserdem wird darauf hingewiesen, dass für Vitamin C keine eindeutigen therapeutischen Effekte bei Erkältungen belegt sind. Das konnte für die Normalbevölkerung schon durch eine ganze Reihe von Studien belegt werden. Eine Ausnahme scheinen Sportler darzustellen, bei Ihnen kann die vorbeugende Einnahme die Erkältungshäufigkeit auf rund die Hälfte reduzieren. Siehe dazu auf „Medizin transparent“:

Vitamin C beinahe nutzlos gegen Erkältungen

Zum Nutzen der Luftbefeuchtung seien die Studienergebnisse widersprüchlich, wird im Artikel vermerkt.

Die Originalpublikation in der Zeitschrift „Der Pulmologe“ fasst als Ergebnis für Kinder zusammen:

„Bei Kindern gibt es für häufig als Erkältungsmittel angewandte Substanzen wie Hustensäfte oder Echinaceapräparate keine konsistente Datenlage. Potenziell nützlich sind ätherische Einreibungen (Vapor rub, cave: Reizungen), Zink, Pelargonium sidoides und Honig.“

Quellen

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/922746/erkaeltung-helfen-diese-20-therapien-wirklich.html

Der Pneumologe, Juli 2016, Volume 13, Issue 4, pp 262–273

http://link.springer.com/article/10.1007/s10405-016-0052-3

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

Diesen Artikel teilen:

Phytotherapie-Kurse Herbst 2016

Diesen Artikel teilen:

Interessiert an Phytotherapie-Kursen und Phytotherapie-Lehrgängen?

Hier eine Übersicht der bevorstehenden Veranstaltungen:

Tagesseminare:

1. Oktober 2016: Phytotherapie im Überblick

Heilpflanzen-Anwendungen für die Bereiche Verdauung, Herz-Kreislauf, Niere / Blase / Prostata, Rheuma, Gynäkologie.

1. November 2016: Heilpflanzen-Anwendungen in Onkologie-Pflege und Palliative Care

30. November 2016: Heilpflanzen-Anwendungen bei Erkältungskrankheiten

Lehrgänge:

Ab 3./4. Dezember 2016: Heilpflanzen-Seminar über 6 Wochenenden.

Ab 8./9. Dezember 2016: Phytotherapie-Ausbildung, 15mal 2 Tage bis im Juni 2016.

Info und Anmeldung über die Rubrik „Kurse“.

Diesen Artikel teilen:

Professionelle Heilpflanzen-Anwendungen in der Pflege

Diesen Artikel teilen:

Heilpflanzen-Anwendungen bewähren sich in Spitex, Palliative Care, Pflegeheim und Psychiatrischen Kliniken, aber auch im Spital und auf der Intensivstation.

Wer interessiert ist an dieser Verbindung zwischen Naturheilkunde und Medizin, kann sich am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur fundierte Kenntnisse erwerben und damit die Basis für eine erfolgreiche Integration von Heilpflanzen-Anwendungen in die Pflege. Hier folgt eine Übersicht der Lehrgänge und Kurse im Herbst 2016:

Phytotherapie-Ausbildung für Pflegende

Der nächste Lehrgang startet am 8. Dezember 2016 in Winterthur. Vermittelt wird professionelles Heilpflanzenwissen für die Pflege und den privaten Bereich. Für interessierte Pflegende gratis Schnuppertag in laufendem Lehrgang!

Tagesseminare in Winterthur

Kompaktes, aktuelles Phytotherapie-Wissen zu einem bestimmten Thema:

1. Oktober 2016: Phytotherapie im Überblick

1. November 2016: Heilpflanzen-Anwendungen in Palliative Care und Onkologiepflege

Viele Beschwerden aus Palliative Care und Onkologiepflege lassen sich mit Heilpflanzen lindern.

Siehe dazu auch: Phytotherapie in der Palliative Care

30. November 2016: Heilpflanzen-Anwendungen bei Erkältungskrankheiten

Alle Themen auch als Teamweiterbildung für Ihre Institution!

Alle Detailinformationen im Kursprogramm.

 

 

Diesen Artikel teilen:

Knoblaucharoma in Muttermilch fördert Appetit des Säuglings

Diesen Artikel teilen:

Lebensmittelchemiker der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) konnten erstmals belegen, dass die Einnahme von Knoblauch durch stillende Frauen sich im Geruch der Muttermilch niederschlägt. Verantwortlich dafür ist die Substanz Allylmethylsulfid (AMS) – ein Stoffwechselprodukt, das erst im mütterlichen Organismus verstärkt gebildet wird. Ob das Aroma allerdings beeinflusst, welche Ernährungspräferenzen die Kinder entwickeln, ob sie also Knoblauch später mögen, ist noch ungeklärt.

Prof. Dr. Andrea Büttner vom Lehrstuhl für Lebensmittelchemie der Universität Erlangen-Nürnberg sagt dazu: „Allerdings wissen wir noch recht wenig über den Einfluss von Nahrungsmitteln, die Mütter zu sich nehmen, auf die Ernährungsprägung der Säuglinge. Einige Forscher nehmen jedoch an, dass Kinder solche Lebensmittel bevorzugen, die ihre Mütter während der Stillzeit konsumieren, da sie vermuten, dass die Milch dann genauso oder zumindest ähnlich schmeckt.“

Die Resultate der Studie wurden jetzt im Online-Journal Metabolites des renommierten Multidisciplinary Digital Publishing Institute (MDPI) publiziert.

Dass das Knoblaucharoma die Säuglinge vom Trinken der Muttermilch abhalten könnte, ist allerdings nicht zu befürchten. Knoblaucharoma scheint im Gegenteil sogar den Appetit anzuregen, wie eine anderen Studie an Säuglingen gezeigt hat, die mehr Milch tranken, wenn die Mutter Knoblauch gegessen hatte.

Prof. Büttner befasst sich seit Jahren damit, wie Aromen vom Stoffwechsel des Menschen verarbeitet werden. Was den Einfluss auf die Muttermilch betrifft, kommt die Forscherin zu eher nüchternen Resultaten, denn einige Aromastoffe sind sehr labil und können im Körper des Menschen zu Derivaten verstoffwechselt werden, die wenig mit den für das Lebensmittel charakteristischen Ausgangsprodukten zu tun haben. So konnte Büttners Team in früheren Untersuchungen zum Beispiel nachgewiesen, dass etwa die Einnahme von Fischöl und Stilltee das Aromaprofil der Muttermilch nicht verändert. Eukalyptusölkapseln, die auch während der Stillzeit bei Erkältungskrankheiten eingenommen werden, geben der Muttermilch jedoch eine deutliche Eukalyptusnote. Allerdings ist hier nicht nur der ursprüngliche geruchsaktive Wirkstoff Eukalyptol in der Milch zu finden, sondern auch eine Vielzahl von Derivaten, die der mütterliche Organismus aus Eukalyptol erst herstellt.

Quelle:

https://idw-online.de/de/news655930

Kommentar & Ergänzung:

Stilltee – oft basierend auf den Früchten von Anis, Kümmel und Fenchel – verändert also das Aromaprofil der Muttermilch nicht. Knoblauch aber schon.

Schade, dass in der Pressemitteilung keine Quellenangabe zu der Studie aufgeführt ist, die offenbar verstärktes Trinken feststellte, wenn die Mutter Knoblauch gegessen hat.

Bei den erwähnten Eukalyptusölkapseln könnte es sich um „Soledum“ handeln, das zu 100% aus Eukalyptol ( = Cineol) besteht. Dieses Präparat ist in Deutschland im Handel, nicht jedoch in der Schweiz.

Eukalyptusöl ist aber auch enthalten im Kombinationspräparat GeloMyrtol ( = Gelodurant).

Dass Aromastoffe aus Eukalyptusölkapseln in der Muttermilch auftauchen zeigt zudem, dass die damit zugeführten Wirkstoffe in den menschlichen Organismus aufgenommen werden. Dafür spricht auch, dass nach der Einnahme solcher Kapseln die Ausatmungsluft nach Eukalyptusöl riecht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Diesen Artikel teilen:

Metaanalyse: Ingwer reduziert Menstruationsschmerzen

Diesen Artikel teilen:

Ingwerpulver scheint Schmerzen bei Frauen mit Menstruationsbeschwerden (primärer Dysmenorrhö) zu lindern. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse von sieben kontrollierten Studien.

Mit NSAR (Schmerzmittel) gelingt es eigentlich zahlreichen Frauen ganz gut, die Menstruationsschmerzen zu lindern.

Ein Viertel der Frauen spreche allerdings auf Dauer nicht genügend auf solche Arzneimittel an, anderen wiederum machten Nebenwirkungen wie Durchfall, Bauchschmerzen oder Übelkeit zu schaffen. Das schreiben Dr. James Daily vom gleichnamigen US-amerikanischen Vitamin- und Kräuterpräparate-Händler in Rockwell sowie Ernährungswissenschaftler der Universität in Asan in Südkorea in einer Metastudie (Pain Med 2015, online 14. Juli).

Der Unternehmer und die Wissenschaftler haben die englischsprachige, chinesische und koreanische Fachliteratur nach Studien durchsucht, in denen Ingwerpulver zur Linderung der Regelschmerzen eingesetzt wurde.

Die Forscher berücksichtigten für ihre Untersuchung nur randomisiert-kontrollierte Studien zu primärer Dysmenorrhö unter der Bedingung, dass die Schmerzen mit einer visuellen Analogskala erfasst worden waren.

Sieben Studien mit insgesamt 651 Frauen im Alter von über 18 Jahren erfüllten diese Voraussetzungen. Davon wurden zwei Studien als qualitativ hochwertig bewertet – die Wahrscheinlichkeit für Verzerrungen und Fehlannahmen sei hier klein. Vier Studien bescheinigten die Forscher eine moderate und einer eine geringe Qualität.

Sechs Studien wurden im Iran durchgeführt, eine in Indien. Fünf Studien verglichen Ingwerpulver gegen Placebo, eine gegen Placebo und Zinksulfat und eine gegen zwei verschiedene NSAR.

Durchschnittlich erhielten die Frauen in den Verumgruppen zwischen 0,75 und 2 g Ingwerpulver pro Tag über die ersten drei bis vier Tage des Zyklus hinweg. Die Studien erstreckten sich meist über zwei Monatszyklen.

Wegen qualitativer Mängel berücksichtigten die Autoren für die Beurteilung der Wirksamkeit nur vier Studien mit zusammen 494 Patientinnen.

In diesen vier Studien konnten die Beschwerden dann auf der 10-Punkte-Analogskala mit Ingwerpulver im Schnitt um 1,9 Punkte signifikant stärker reduziert werden als in den Kontrollgruppen.

Nach Ausschluss einer Studie, in der die Kontrollgruppe an speziellen Übungen teilnahm, reduzierte Ingwerpulver in den verbliebenen drei Studien die Schmerzen um 2,6 Punkte besser als Placebo. Zu diesen drei Studien zählten immerhin die beiden qualitativ hochwertigen Untersuchungen.

Nebenwirkungen der Behandlung wurden nur in einer der Studien festgestellt. Es wurde dabei berichtet von vermehrtem Auftreten von Kopfschmerzen und Sodbrennen – allerdings sowohl in der Verum- als auch in der Kontrollgruppe. Drei der Studien hatten sich gar nicht die Mühe gemacht, Nebenwirkungen zu erfassen, und in drei Studien wurden keine Nebenwirkungen beobachtet.

In den Studien mit einem aktiven Kontrollmedikament habe Ingwerpulver eine vergleichbar gute Wirksamkeit gezeigt wie herkömmliche Schmerzmittel, schreiben Daily und Ko-Autoren.

Trotz verschiedener Einschränkungen wie kleiner Probandenzahl sehen sie in ihren Resultaten Hinweise auf eine deutliche Schmerzlinderung durch Ingwerpulver. Da in den Studien kein Dosiseffekt zu erkennen war, raten sie mit 0,75 g/Tag anzufangen und die Dosis bei Bedarf zu steigern.

Der Ingwerwurzelstock enthält als Inhaltsstoffe Gingerole und Shoagole

Die Gingerole bewirken eine Hemmung der Expression des Enzyms Cyclooxygenase 2. Shoagole beeinflussen Ionenkanälen, die eine wichtige Rolle bei Schmerzen haben. Dies könnte einen schmerzlindernden Effekt von Ingwer erklären.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/894546/metaanalyse-ingwer-lindert-regelschmerzen.html

Kommentar & Ergänzung:

Ingwer ist eine interessante Heilpflanze. Die Phytotherapie verwendet Ingwer vor allem gegen Übelkeit und Erbrechen – zum Beispiel bei Reisekrankheit (Kinetosen), während Chemotherapie und nach Operationen.

Ingwer wird aber auch seit langem schon eingesetzt zur Linderung von Verdauungsbeschwerden und Erkältungskrankheiten.

Diese Metastudie zur Linderung von Menstruationsbeschwerden durch Ingwerpulver ist bemerkenswert, auch wenn eine ganze Reihe von offenen Fragen bleiben.

Dieser Kräuterpräparate-Hersteller steht etwas gar zu stark im Zentrum der Metastudie, was Fragen aufwirft bezüglich der Unabhängigkeit

Zudem kommen sechs von sieben erfassten Studien aus dem Iran. Das erinnert mich an eine Bemerkung von Roman Huber, Leiter des Zentrums für Naturheilkunde der Uniklinik Freiburg, in einem Interview: „Bei derartigen Untersuchungen sollte man vorsichtig sein, denn aus dem Iran kommen genau wie aus China in Sachen Naturheilkunde eigentlich nur Studien mit positiven Ergebnissen.“ (Das ganze Interview handelt von der Passionsblume und ist hier nachzulesen).

Auffällig ist zudem, dass sich kein Dosiseffekt zeigt. Normalerweise wäre bei höherer Dosierung ein stärkerer Effekt zu erwarten.

Trotz aller Einwände und Schwächen: Wenn ich Menstruationsbeschwerden hätte – was natürlich nicht der Fall ist – dann würde ich Ingwerpulver wahrscheinlich ausprobieren. Teuer ist diese Anwendung nicht. Ingwerpulver ist auch in Kapselform im Handel (zum Beispiel als Zintona® mit 0,25 g Ingwerpulver pro Kapsel). Ein allfälliger Effekt müsste sich rasch zeigen, nicht erst bei Langzeitgebrauch. Ich würde zwei Tage vor der erwarteten Menstruation mit der Einnahme beginnen und damit fortfahren, solange die Beschwerden anhalten.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

Diesen Artikel teilen:

Olbas Tropfen – ein Gemisch von ätherischen Ölen – getestet auf antimikrobielle Wirkung

Diesen Artikel teilen:

Olbas Tropfen – ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel – enthalten ein Destillat aus einer Mischung von Pfefferminzöl, Cajeputöl, Eukalyptusöl, Wacholderbeeröl und Wintergrünöl im Verhältnis von 53 : 21 : 21 : 3 : 2.

Das Präparat wird traditionell zur Einnahme und Inhalation bei Erkältungskrankheiten (Husten, Schnupfen, Heiserkeit) empfohlen, zur Einnahme bei leichten Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, zur äußerlichen Anwendung bei leichten Kopfschmerzen, beispielsweise bei Verspannungszuständen, sowie zur äußerlichen Anwendung bei umschriebenen (lokalen) Muskelschmerzen nach Überanstrengung / Fehlbelastung. Darüber hinaus ist es auch bekannt für seine Anwendung bei diversen Sportverletzungen.

Die „Pharmazeutische Zeitung“ hat den Stand der Forschung zu Olbas zusammengestellt. Daraus lassen sich interessante Schlüsse ziehen. unter anderem auch bezüglich der antimikrobiellen Wirkungen der einzelnen ätherischen Öle, die Bestandteil der Olbas-Mischung sind.

Zahlreiche Laboruntersuchungen (in-vitro) belegen zweifelsfrei die antimikrobielle Wirkung von ätherischen Ölen. Viele Bakterien, Pilze und Viren reagieren äusserst sensibel auf ätherische Öle.

Solche positiven Resultate lassen den unterstützenden oder zum Teil alleinigen Einsatz von ätherischen Ölen in der Phytotherapie und Aromatherapie bei Haut- und Wundinfektionen sowie bei Erkältungskrankheiten plausibel erscheinen.

Eine In-vitro-Studie untersuchte das antimikrobielle Potenzial von Olbas im Vergleich zu seinen individuellen Basisölen (Cajeputöl, Eukalyptusöl, Pfefferminzöl, Wacholderbeeröl und Wintergrünöl). Die Ergebnisse zeigen, dass Olbas ein relativ breites Wirkungsspektrum mit insgesamt guter bis sehr guter antimikrobieller Wirkung gegen alle Testkeime besitzt, einschließlich Methicillin-resistenter (MRSA) Stämme und Vancomycin-resistenter Enterococcus (VRE) Stämme. Besonders hervorgehoben wird von den Autoren die relativ hohe Sensibilität der Bakterien Acinetobacter baumanii, Escherichia coli und Pseudomonas aeruginosa sowie des Hefepilzes Candida albicans gegen Olbas. Die genannten Bakterien bewirken Wundinfektionen sowie Spitalinfektionen und erweisen sich oft als multiresistent gegen verschiedene Antibiotika. Im Fall der erwähnten Untersuchung war Pseudomonas aeruginosa gegen die Antibiotika Ampicillin und Vancomycin resistent. Interessant ist die Wirksamkeit gegen Pseudomonas aeruginosa, weil dieser Keim gegen zahlreiche ätherische Öle eine stark verminderte Sensibilität aufweist. Dies hängt damit zusammen, dass Pseudomonas aeruginosa über sogenannte MDR-Effluxpumpen verfügt, die in der Lage sind, eingedrungene Monoterpene (= Bestandteile vieler ätherischer Öle) wieder aus der Zelle zu schleusen.

Vergleicht man die Wirksamkeit der einzelnen Basisöle mit derjenigen der Olbas-Kombination, dann sind nur die antimikrobiellen Aktivitäten von Pfefferminzöl und Cajeputöl erwähnenswert. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die antimikrobielle In-vitro-Wirkung von Olbas weitgehend auf derjenigen von Pfefferminzöl beruht.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=51283

Kommentar & Ergänzung:

Für mich sind vor allem die Vergleichswerte der verschiedenen ätherischen Öle interessant. Die detaillierten Werte sind im Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ in einer Tabelle zusammengestellt.

Bemerkenswert ist für mich die klare Überlegenheit von Pfefferminzöl gegen Bakterien. Nur gegen Pseudomonas aeruginosa ist Cajeputöl sehr deutlich und Eukalyptusöl deutlich wirksamer. Und gegen Streptococcus pyogenes und Streptococcus oralis ist Pfefferminzöl gleichauf mit Cajeputöl an der Spitze. Auch gegen Hefepilze (Candida albicans) zeigt Pfefferminzöl von den untersuchten Einzelöle die beste Wirkung.

Cajeputöl (aus Melaleuca leucadendra) ist botanisch verwandt mit Teebaumöl (aus Melaleuca alternifolia).

Generell muss zu diesen Untersuchungsergebnissen gesagt werden:

Dass ätherische Öle zum Teil bemerkenswerte antimikrobielle Wirkungen haben und in dieser Hinsicht angesichts zunehmender Antibiotika-Resistenzen vermehrte Beachtung verdienen, steht ausser Frage.

Man muss aber wissen, dass solche eindrücklichen Ergebnisse wie in der beschriebenen Untersuchung im Labor stattfinden, in dem ätherische Öle in eine Bakterien- oder Pilzkultur appliziert werden. Das ist ein sehr direkter Kontakt mit hoher Konzentration.

Mir fällt einfach auf, dass in der Aromatherapie-Literatur solche In-vitro-Ergebnisse oft sehr schnell auf die Anwendung von Aromaölen im Alltag übertragen werden. Beispielsweise wird dann einem ätherischen Öl, das im Labor in einer Bakterienkultur einen Spitalkeim abtöten kann, auch zugetraut, dass es diesen Spitalkeim genauso hemmt, wenn man es im Spital als Duft einsetzt. Das sind aber zwei völlig unterschiedliche Kontexte und es wird beim Verdunstenlassen im Raum einfach nicht annähernd die Konzentration erreicht, die in der Bakterienkultur direkt wirksam wird.

Der Kontext, in dem eine Erkenntnis gewonnen wurde, darf bei der Beurteilung nicht ausser acht gelassen werden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

Diesen Artikel teilen:

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

Diesen Artikel teilen:

Eine orale Behandlung mit Ingwer kann bei Arthrose die Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern. Zu diesem Resultat kommen Wissenschaftler aus Dänemark in einer Metaanalyse, für die sie randomisierte, placebokontrollierte Studien auswerteten.

Ingwer wird in der asiatischen Medizin seit langem zur Linderung von Schmerzen bei muskuloskelettalen Erkrankungen eingesetzt.

Präklinische Untersuchungen weisen darauf hin, dass die Inhaltsstoffe des Ingwers als Inhibitor der Cyclooxygenase (COX-2) wirken, und zudem durch Hemmung der Lipoxygenase antientzündliche Effekte haben, sowie die Expression von TNFα hemmen.

In seiner Metaanalyse untersuchte das Team um Else Bartels von der Universität Kopenhagen anhand der Daten aus fünf randomisierten, kontrollierten Studien mit 593 Patienten die Wirksamkeit und Sicherheit von oralen Ingwerpräparaten zur Behandlung der Arthrose im Knie bzw. in der Hüfte. Publiziert wurde die Metaanalyse in der Zeitschrift Osteoarthritis and Cartilage 2014 (online 7. Oktober).

Die Tagesdosis Ingwer lag zwischen 500 und 1000 mg und die Ingwerpräparate der verschiedenen Studien unterschieden sich in ihrer Zusammensetzung. Die Behandlungsdauer variierte von drei bis zwölf Wochen.

Die Ingwertherapie zeigte in der Metaanalyse eine signifikante Schmerzreduktion gegenüber Placebo, sowie eine ebenfalls signifikante Verringerung der Bewegungseinschränkungen.

Probanden mit Ingwertherapie setzten ihre Medikation allerdings doppelt so oft ab wie Probanden, die Placebo bekommen hatten.

Gründe dafür waren schlechter Geschmack oder verschiedene Magenprobleme. Keine dieser Beschwerden wurde allerdings als schwerwiegend taxiert.

Der schmerzlindernde Effekt von Ingwer bewegte sich etwa im gleichen Bereich wie der anderer pflanzlicher Wirkstoffe wie beispielsweise Hagebuttenpulver.

Auch der Vergleich mit NSAR und Paracetamol soll ähnliche Effektstärken gezeigt haben.

Gerade weil Arthrose eine langwierige Erkrankung ist, halten Bartels und Kollegen es für wichtig, Nutzen und Nebenwirkungspotenzial der Therapeutika gut auszubalancieren.

Während bei NSAR wie zum Beispiel Diclofenac mit kardiovaskulären und gastrointestinalen Nebeneffekten zu rechnen ist, stellt sich bei einer Ingwertherapie die Frage nach Allergien. Allerdings konnten in Prick-Tests solche allergischen Reaktionen nicht festgestellt werden.

Zu beachten seien aber einige Interaktionen (Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten). So sei es für Patienten unter Vitamin-K-Antagonisten wichtig, die gerinnungshemmende Wirkung von Ingwer zu berücksichtigen, schreiben die Autoren.

Außerdem wurde ein synergistischer Effekt von Ingwer und Nifedipin auf die Thrombozytenaggregationshemmung festgestellt.

Wenn sich die Resultate dieser Metaanalyse in weiteren Studien bestätigen lassen, so die dänischen Forscher, könnten Ingwerpräparate, unter Beachtung möglicher Wechselwirkungen, künftig zur Therapie der Arthrose beitragen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/skelett_und_weichteilkrankheiten/arthrose/article/877419/phytotherapie-ingwer-sorgt-bessere-beweglichkeit.html

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S106345841401276X

 

Indikation, Kommentar & Ergänzung:

Sehr interessant, dass offenbar seit einiger Zeit die Indikation „Schmerz“ vermehrt Gegenstand der Ingwerforschung wird.

Ingwer wird in der Phytotherapie vor allem gegen Erbrechen eingesetzt – zum Beispiel bei Reisekrankheit, bei Tumorerkrankungen zur Linderung von Erbrechen während der Chemotherapie oder bei postoperativem Erbrechen.

Ingwer wird aber auch von vielen Menschen gerne bei Erkältungskrankheiten eingesetzt und ist als Gewürz beliebt.

Zur Anwendung und Wirkung von Ingwer (Zingiber officinale) siehe auch:

Ingwer lindert akuten Kopfschmerz bei Migräne

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft 

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden 

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer bei Erkältungen

Ingwertee gegen Übelkeit und Erbrechen 

Ingwer und andere Tipps gegen Reisekrankheit

Phytotherapie: Ingwer gegen Übelkeit und Erbrechen

Phytotherapie: Ingwer gegen Schwangerschaftserbrechen

Ingwer-Inhalationen gegen Schnupfen

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

Diesen Artikel teilen:

Heilpflanze des Jahres 2015 – die Küchenzwiebel

Diesen Artikel teilen:

Im Auftrag des Vereins zur Förderung der naturgemäßen Heilweise nach Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus e.V. (NHV Theophrastus), hat eine Jury die Küchenzwiebel zur „Heilpflanze des Jahres 2015“ erkoren.

Als Nahrungsmittel und Gewürzpflanze wird die Küchenzwiebel (Allium cepa) sehr häufig verwendet.

Die Jury wollte mit der Wahl zur Heilpflanze des Jahres 2015 den heilenden Aspekt der Zwiebel wieder mehr hervorheben.

Die traditionelle Naturheilkunde schätzt die Küchenzwiebel – ähnlich wie den mit ihr nah verwandten Knoblauch (Allium sativum) – unter anderem als Mittel zur Vorbeugung der Atherosklerose („Arterienverkalkung“. Im Gegensatz zum Knoblauch ist die Küchenzwiebel allerdings nicht im Europäischen Arzneibuch aufgeführt.

Die „Heilpflanze des Jahres“ ist nicht mit der „Arzneipflanze des Jahres“ zu verwechseln, die von Forschern der Universität Würzburg gewählt wird.

Quelle:

http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/spektrum/news/2014/06/05/altes-mittel-gegen-arterienverkalkung/13010.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Küchenzwiebel zeigt tatsächlich ein paar interessante Wirkungen im Bereich des Kreislaufs. Sie kann den Blutdruck und die Bluttfette leicht senken und zudem die Thrombozytenaggregation hemmen, was die Blutfliesseigenschaften verbessert.

Allerdings braucht es für solche Effekte den regelmässigen Konsum grösserer Zwiebelmengen, was aus Gründen der Verträglichkeit rasch an Grenzen stösst.

Die Zwiebel enthält nämlich anstelle von Stärke als Reservestoff Fruktane. Weil unser Verdauungssystem nicht in der Lage ist, Fruktane enzymatisch zu spalten, werden sie im Dünndarm nicht resorbiert, sondern im Dickdarm durch die natürliche Bakterienflora zersetzt, was eben vor allem beim Konsum grösserer Zwiebelmengen zu vermehrter Gasbildung mit Blähungen und Flatulenz führen kann.

Am häufigsten in der Naturheilkunde eingesetzt wird die Zwiebel daher als Hausmittel bei Erkältungskrankheiten: Beispielsweise Zwiebelsirup gegen Husten und Zwiebelwickel bei Halsweh oder Mittelohrentzündung – wobei vor allem bei letzterem der Zeitpunkt nicht verpasst werden darf, an dem ärztliche Untersuchung und Behandlung nötig ist.

Zwiebelextrakt taucht auch auf als Bestandteil von Narbensalben. Eine fundierte Begründung, was die Zwiebel hier bewirken soll, ist mir allerdings bisher noch nicht unter die Augen gekommen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

Diesen Artikel teilen: