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Wissenschaftler wollen von Heilern in Afrika lernen

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Forscher der Universität Halle wollen von afrikanischen Heilern lernen und untersuchen zu diesem Zweck deren medizinisch genutzte Pflanzen.

Untersucht werden sollen Pflanzen aus Äthiopien, Botswana und Tansania mit dem Ziel, Aids, Tuberkulose und Wurmerkrankungen zu bekämpfen. Das Projekt wird vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung über vier Jahre mit 800.000 Euro gefördert, beteiligt sind auch Hochschulen und Unternehmen in Afrika.

Projektleiter Peter Imming vom Institut für Pharmazie der Uni Halle erklärt dazu:

«Wir wollen ökologisch gefährdete, therapeutisch wirksame und kommerziell nutzbare Pflanzen zunächst identifizieren und schließlich kultivieren. Unser Ziel ist, wissenschaftlich zu begründen, welche Inhaltsstoffe für die Wirkung der Arzneipflanzen verantwortlich sind.»

Wenn sich die gewünschten Arzneipflanzen tatsächlich kultivieren lassen, wollen die Forscher sie für den kommerziellen Anbau in den afrikanischen Partnerländern empfehlen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68916

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Forschungsprojekte sind auch für die Phytotherapie in Europa interessant, hat sie doch immer wieder Arzneipflanzen aus anderen Weltgegenden in ihre Behandlungskonzepte integriert, wenn entsprechende Wirkungen zu erwarten sind.

Beispiele dafür sind Teufelskralle und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie) aus Afrika,

Ginseng, Ginkgo, Curcuma (Gelbwurz) und Indischer Weihrauch aus Asien,

Echinacea, Hamamelis (Zaubernuss) und Traubensilberkerze (Cimicifuga) aus Nordamerika,

Passionsblume, Cayennepfeffer und Ratanhia aus Südamerika.

Die traditionelle Pflanzenheilkunde – ob in Afrika, Europa oder sonstwo – bringt wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen mit, enthält aber auch immer wieder Irrtümer, die sich über Jahrhunderte hartnäckig halten können.

Nötig im Umgang mit der traditionellen Pflanzenheilkunde ist daher eine offene, interessierte, aber zugleich auch kritisch-prüfende Grundhaltung.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Zitat des Tages von Johann Wolfgang Goethe

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„Ein Phänomen, Ein Versuch kann nichts beweisen, es ist das Glied einer grossen Kette, das erst im Zusammenhange gilt. Wer eine Perlenschnur verdecken und nur die schönste einzelne vorzeigen wollte, verlangend, wir sollten ihm glauben, die übrigen seien alle so: schwerlich würde sich jemand auf den Handel einlassen.“

(Goethe, Maximen und Reflexionen, Insel Taschenbuch 1976, S. 43, Abschnitt 156)

Kommentar & Ergänzung:

Goethe spricht hier eine sehr wichtige Erkenntnis an – auch für die Heilkunde.

Um die Wirksamkeit einer bestimmten Heilmethode oder eines Heilmittels zu demonstrieren, werden immer wieder Anekdoten erzählt, basierend auf einzelnen Erfahrungen.

Erfahrungen – auch viele Erfahrungen – können allerdings täuschen.

Millionen von Männern in Asien schwören aufgrund ihrer Erfahrungen auf Nashornpulver als Potenzmittel, obwohl Fingernägel aus der gleichen Substanz bestehen. Und in Europa schwörten vom 18. bis 20. Jahrhundert unzählige Menschen auf Schluckbildchen (siehe dazu Artikel auf Wikipedia) und waren – offenbar aufgrund ihrer Erfahrungen – von deren Wirksamkeit überzeugt.

Erfahrungen als solche sagen wenig aus, man muss sie interpretieren – und dieser Vorgang ist irrtumsanfällig. Darum ist es entscheidend, wie sorgfältig und fundiert man sich mit Erfahrungen auseinandersetzt.

Siehe dazu:

Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung

Pflanzenheilkunde: Erfahrung genügt nicht als Begründung

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Das Zitat von Goethe betrifft aber selbstverständlich genau so die Medizin wie die Bereiche Naturheilkunde und Komplementärmedizin. Zum Beispiel im Umgang mit Studien. Da wird gegenwärtig diskutiert über das sogenannte „Single-Study-Syndrom“.

Darunter versteht man zum einen das Phänomen, dass eine Studie, die konträr zu bisherigen Studien zeigen soll, dass es doch anders ist, in den Medien übertrieben gehypt wird, bevor die Bedeutung und der Wert dieser Studie überhaupt geklärt sind.

Zum anderen ist damit aber auch das Phänomen gemeint, dass über jede einzelne kleine Studie berichtet wird, als wäre sie wichtig oder gar entscheidend, obwohl sie nur ein Mosaiksteinchen in einem grossen Bild ist. Mehr zu dieser Diskussion steht bei Marcus Anhäuser auf sienceblogs.de.

In den Medien findet man immer wieder Formulierungen wie: „Eine neue Studie hat bewiesen, dass….“.

Solche Formulierungen mahnen eher zu Vorsicht. Eine einzelne Studie beweist oft noch wenig oder gar nichts. Man muss die Ergebnisse im Kontext von anderen Studien zum selben Thema interpretieren.

Rosinenpickerei ist in diesem Zusammenhang ein verbreitetes Phänomen – in der klassischen Pharmaindustrie, aber auch bei Präparaten aus Komplementärmedizin und Phytotherapie: Man pickt aus dem ganzen Kuchen der vorliegenden Studien genau diejenigen heraus, die ein positives Ergebnis zeigen – und „übersieht“ alle anderen diskret.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Umfrage zeigt: Für Homöopathie-AnwenderInnen ist Erfahrung wichtiger als Studien

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Eine Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag eines Herstellers von Homöopathika – der Deutschen Homöopathie Union (DHU) – ergab:

„Für Homöopathie-Anwenderinnen zählen die eigenen Erfahrungen mehr als wissenschaftliche Studien: 72 Prozent der Frauen sind der Meinung, dass positive Erfahrungen ein ausreichender Beleg für die Wirksamkeit eines Arzneimittels sind…..

Demnach findet nur eine Minderheit von 24 Prozent der Frauen, die bereits Erfahrung mit Homöopathie gesammelt haben, dass wissenschaftliche Untersuchungen die Wirksamkeit eines Arzneimittels beweisen müssten. Auch in der Gesamtbevölkerung toppt laut der DHU-Umfrage die Erfahrung wissenschaftliche Studien: 52 Prozent der 1000 befragten Erwachsenen genügt sie als Wirksamkeitsbeleg, 39 Prozent wollen wissenschaftliche Untersuchungen sehen.“

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/markt/nachricht-detail-markt/umfrage-homoeopathie-erfahrung-wichtiger-als-studien/

Kommentar & Ergänzung:

Die Täuschungsanfälligkeit der eigenen Erfahrung wird im Allgemeinen stark unterschätzt. Das führt zu gravierenden Fehleinschätzungen bei der Beurteilung der Wirksamkeit therapeutischer Massnahmen. Daher ist es entscheidend, die wichtigsten Irrtumsquellen zu kennen. Aber selbst das schützt nicht vor Fehleinschätzungen und Trugschlüssen. Wer die fundamentale Pannenanfälligkeit im Umgang mit eigenen Erfahrungen kennt, wird jedoch nicht mehr so fraglos die eigene Erfahrung als letztgültige Beurteilungsinstanz setzen.

Erfahrungen führen jedenfalls nicht direkt zu verlässlichen Erkenntnissen. Sie müssen sorgfältig dokumentiert, zusammengefasst, mit anderen Menschen ausgetauscht und verglichen werden. Und sie müssen kritischen Auseinandersetzungen standhalten. Wer solche Klärungsprozesse unterlässt und sich nur auf “Erfahrung” beruft, macht es sich zu einfach.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle

Pflanzenheilkunde: Erfahrung allein genügt nicht zur Begründung 

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung 

Naturheilkunde: Warum werden unsere kranken eigentlich wieder gesund? 

Warum wir gesund werden (Artikel in der Zeitschrift „Natürlich“)

Naturheilkunde: Vom sorgfältigen Umgang mit Erfahrung 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Aromatherapie / Aromapflege: Spiegel online berichtet über Forschungsergebnisse

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Das macht er allerdings über weite Strecken sehr vage.

Beispielsweise:

„Zwar mehren sich die Hinweise, dass ätherische Öle tatsächlich helfen könnten, Krankheiten zumindest teilweise zu lindern. Doch noch ist Zurückhaltung geboten: Zum einen gibt es insgesamt noch zu wenige wissenschaftliche Studien, die eine ursächliche und spezifische Wirkung am Menschen und bei bestimmten Krankheiten eindeutig belegen. In der Regel sollte die Aromatherapie daher lediglich als Unterstützung bei der Behandlung von Patienten gesehen werden. Zum anderen bergen ätherische Öle mitunter auch Gefahren, zum Beispiel für Kinder, oder können allergische Reaktionen auslösen.“

Da bleibt ziemlich unklar, welche ätherischen Öle nun welche Krankheiten teilweise lindern können.

Konkreter ist der Hinweis auf die Wirkung von Lavendelöl bei Angststörungen:

„Deutsche Forscher gingen auch der Frage nach, ob natürliche Öle möglicherweise bei psychischen Erkrankungen helfen. In einer Doppelblindstudie, an der ein Hersteller für pflanzliche Arzneimittel finanziell beteiligt ist, verglichen sie die Wirkung von Lavendelöl bei Angststörungen mit jener des Wirkstoffs Lorazepam, einem Benzodiazepin. Demnach waren Lavendelölkapseln genauso wirksam wie Lorazepam. Im Gegensatz dazu machte der natürliche Wirkstoff aber nicht müde oder abhängig ‚und eignet sich deshalb gut für die Behandlung einer Angststörung, schreiben die Studienautoren im Fachmagazin ‚Phytomedicine’.“

Dabei handelt es sich allerdings um die Einnahme von Lavendelöl in Kapselform. Ich würde diese innerliche Anwendung eher zur Phytotherapie zählen als zur Aromatherapie, die ihren Fokus auf die Anwendung von Düften „via Nase“ legt.

Im Spiegel-Artikel wird zudem der emeritierte Chemie-Professor und Aromatherapie-Forscher Dietrich Wabner zitiert:

„Die Aromatherapie ist eine rationale Therapie mit pflanzlichen Ölen und fern aller Esoterik.“

Diese Aussage scheint mir ergänzungsbedürftig. Aromatherapie lässt sich meines Erachtens durchaus „rational“ betreiben, gestützt also zumindestens auf nachvollziehbare, überzeugende Argumente und zum Teil auch gestützt auf Forschungsergebnisse.

Die Praxis sieht aber schon sehr anders aus. Die meisten Aromatherapie-Bücher sind voll mit Angaben zu Wirkungen und Anwendungsbereichen der ätherischen Öle, bei denen nicht im geringsten nachvollziehbar ist, wie die Aussagen zustande gekommen sind.

Wenn da beispielsweise nur steht, Zedernholzöl wirke schützend oder Rosmarinöl stärke den Willen, dann wirft das eine ganze Reihe von Fragen auf. Wovor soll Zedernholzöl schützen? Lawinen, Insekten, böse Geister, schlechte Energien, Bakterien? Und wie bitte soll Rosmarinöl den Willen stärken? Das ist sehr erklärungsbedürftig.

Solche Aussagen sind kaum überprüfbar, weil nicht offengelegt wird, wie sie zustande gekommen sind. Um mir eine eigene Meinung darüber zu bilden, ob Zedernholzöl wirklich schützend wirkt, müsste ich erfahren, auf welchen Erkenntnissen diese Aussage basiert.

Wer vertritt sie? Wie kam dieser Mensch zu seiner Aussage?

Eigene Erfahrungen? Dann stellt sich die Frage, wie sorgfältig die Person sich mit ihren Erfahrungen auseinandergesetzt hat. Eigene Erfahrungen unterliegen sehr häufig Täuschungen.

Experimente? Studien mit Patienten? Dann wäre wichtig zu wissen, um welche Art von Experimenten oder Studien es sich handelt und wie glaubwürdig sie sind.

Nur wenn ich den Weg sehe, auf dem eine Aussage zustande gekommen ist, kann ich ihre Glaubwürdigkeit beurteilen. Diese Transparenz fehlt oft in der Aromatherapie-Fachliteratur, aber auch in den meisten Büchern über Pflanzenheilkunde.

Seriöse Phytotherapie-Fachliteratur dagegen basiert mit ihren Aussagen über Heilwirkungen von Arzneipflanzen auf überprüfbaren Quellen, wie zum Beispiel den Monografien der ESCOP.

In diesen Fällen lässt sich überprüfen, welche Fachleute für die Empfehlungen stehen und auf welcher Erkenntnisbasis sie ihre Schlussfolgerungen getroffen haben.

Prägnant formulierte der amerikanische Philosoph John Dewey (1859-1952) „das erste Erfordernis des wissenschaftlichen Verfahrens – nämlich volle Öffentlichkeit der Materialien und Prozesse“.

(in: Erfahrung, Erkenntnis und Wert, S. 314, Suhrkamp 2004)

Quellen:

Die Spiegel-Zitate:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/aromatherapie-helfen-aetherische-oele-wie-lavendeloel-gegen-krankheiten-a-971155.html

Die Studie zur Wirkung von Lavendelölkapseln gegen Angststörungen:

http://www.phytomedicinejournal.com/article/S0944-7113(09)00261-X/abstract

 

Es handelt sich dabei um das Präparat Lasea®.

Siehe dazu:

Studie: Lavendelöl lindert Angststörungen 

Arznei-Telegramm kritisiert Lavendelölpräparat Lasea 

BfArM wehrt sich gegen Kritik an der Zulassung des Lavendelölpräparats Lasea

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Übersinnliche Fähigkeiten im Test

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Die Skeptiker-Vereinigung  überprüft jedes Jahr Kandidaten, die sich selbst übersinnliche Fähigkeiten zuschreiben. Begabte Hellseher, Astrologen, Wünschelrutengänger können eine Million Euro gewinnen.

Hellseher sind davon überzeugt, in die Zukunft sehen zu können, Astrologen wollen das Schicksal der Menschen aus den Sternen erkennen können.

Und manche suchen mit Pendeln oder Wünschelruten nach Wasseradern oder Erdstrahlen.

Andererseits gibt es aber auch Zweifel daran, dass es solche Fähigkeiten überhaupt gibt. In vielen europäischen Ländern haben sich Skeptiker in Verbänden organisiert, um sich für kritisches Denken und eine wissenschaftliche Herangehensweise an solche Phänomene einzusetzen. Skeptiker in Deutschland haben sich in der „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP)“ zusammengeschlossen.

Die GWUP testet jedes Jahr Kandidaten darauf, ob ihre paranormale Fähigkeiten einer wissenschaftlichen Überprüfung standhalten.

Seit 2005 haben viele Wünschelrutengänger, Pendler und Hellseher sich für diese Tests gemeldet und versucht, ihr Können unter Beweis zu stellen und die von der GWUP ausgesetzten 10 000 Euro abzuholen – ohne den geringsten Erfolg.

Dank eines anonymen Spenders setzt die belgische Skeptiker-Vereinigung SKEPP nun sogar ein Preisgeld von 1 Million Euro für einen bestandenen Test aus – allerdings nur bis zum 30. September 2013.

Yvonne Koch hat für dRadio Wissen einen Mann begleitet, der in einem solchen Test seine übersinnlichen Fähigkeiten nachweisen wollte und überzeugt davon war, dank einer schamanistischen Ausbildung in der Lage zu sein, ein mit Insektenspray vergiftetes Apfelstück unter unvergifteten Apfelstücken mit seinen Händen heraus spüren zu können.

In der sorgfältig aufgebauten Überprüfung versagte der Mann allerdings vollständig.

Quelle:

Die Radiosendung lässt sich hier nachhören:

http://wissen.dradio.de/uebersinnlich-voll-normal.35.de.html?dram:article_id=239720

Kommentar & Ergänzung:

Am eindrücklichsten bei diesen Tests ist für mich das Ausmass an Selbsttäuschung, dem die Kandidatinnen und Kandidaten unterliegen. Praktisch immer handelt es sich um Menschen, die zutiefst von ihren heilerischen und/oder hellseherischen Fähigkeiten überzeugt sind.  Ihre Erfahrungen scheinen ihnen diese Fähigkeiten zu bestätigen, aber es sind sehr selektiv aufgenommene und interpretierte Erfahrungen. Erfahrung täuscht uns auch oft. Darum kommt es darauf an, wie sorgfältig wir mit unseren Erfahrungen umgehen. Dazu im Folgenden zwei Texte zum Umgang mit Erfahrung in der Naturheilkunde, wobei das aber für alle anderen Themenbereiche genauso gilt:

Naturheilkunde: Erfahrung genügt nicht als Begründung

Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung

Jedenfalls scheitern diese Überzeugungen regelmässig, wenn sie in kontrollierten Tests überprüft werden, mit denen die Kandidatinnen und Kandidaten sich vorher einverstanden erklärt haben.

Mit eingebildeten übersinnlichen Fähigkeiten geht oft ein Risiko für Machtmissbrauch einher. Wer angeblich mehr weiss als alle anderen, kann dieses „Wissen“ leicht zu Manipulationszwecken verwenden.  Vor allem wenn es um angeblich übersinnliche heilerische Fähigkeiten geht, sind verzweifelte Patientinnen und  Patienten oft eine leichte Beute. Allerdings bin ich überzeugt davon, dass die überwiegende Mehrheit dieser angeblichen Heilerinnen und Heiler nicht bewusst betrügt, sondern höchst überzeugt vom Wert ihrer Arbeit ist. Die Vorstellung, mit besonderen, aussergewöhnlichen Heilkräften ausgestattet zu sein, gibt allerdings einen grossen Sinngewinn, einen nicht geringen Schub für’s Selbstwertgefühl und manchmal gar ein veritables Auserwähltheitsfeeling. Dieser Bonus macht es schwierig, die Selbsttäuschung zu durchschauen.

Meinem Eindruck nach trieft diese Szene vor Selbstüberschätzung und die Tests der GWUP bestätigen diese Ansicht durchgängig.

Es scheint mir sehr ratsam, dass Patientinnen und Patienten sich von grossartigen übersinnlich-medialen Heilungsversprechungen nicht beeindrucken lassen, sondern die Selbstüberschätzung und Selbstinszenierung erkennen, die sehr oft in solchen Auftritten steckt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Zu Erfahrungen mit Schüssler-Salzen

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Ähnlich der Homöopathie gebe es auch für die Schüßler-Salze keinen wissenschaftlich fundierten Nachweis der Wirksamkeit, schreibt die Apothekerin Heike Klocker und fährt fort: „Ich spreche immer von einer Erfahrungsheilweise. Denn es bestätigt ja, dass so vielen Menschen tatsächlich mit Schüßler-Salzen geholfen werden kann. Das zeigt, dass es einfach wirkt…..In der Volksmedizin ist es ja ähnlich – da weiß man auch, dass bestimmte Kräuter gegen bestimmte Krankheiten wirken. Da braucht man keinen Nachweis.“

Quelle:

http://www.kleinezeitung.at/magazin/wellness/apothekenfuehrer/3168647/aller-guten-salze-sind-27.story

Kommentar & Ergänzung:

Die Vorstellung, dass die Erfahrung verlässlich etwas aussagt über die Wirksamkeit, ist so verbreitet wie naiv.

Millionen von Männern vor allem in Japan zeigt ihre nächtliche Erfahrung, dass Nashornpulver gegen Potenzprobleme hilft. Passiert so etwas wirklich nur Japanern und nur Männern?

Tausende von Beschneiderinnen in Dschibuti, Ägypten, Guinea, Mali, Sierra Leone, Somalia,  Eritrea, Äthiopien, Nordsudan, Jemen…würden mit ihrer Erfahrung begründen, dass Genitalverstümmelungen für kleine Mädchen unverzichtbar sind.

Und die Mayas wussten aus Erfahrung, dass man dem Regengott regelmässig Kinder als Menschenopfer darbringen muss, damit er seine Aufgabe verlässlich erfüllt.

Vom 18. bis ins 20. Jahrhundert vertrauten auch Millionen von Menschen in Europa aus Erfahrung auf die Wirksamkeit von Schluckbildchen. Da braucht es doch keinen Nachweis (siehe Artikel Schluckbildchen auf Wikipedia)

Erfahrung allein ist ein sehr unzuverlässiger Geselle.

Wer bei der Beurteilung von Heilmitteln nur auf Erfahrung und Anekdoten setzt, fällt mit grosser Wahrscheinlichkeit auf den Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss herein.

Siehe:

Komplementärmedizin – Der Post-hoc-ergo-propter-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle

Zum Umgang mit Erfahrung siehe auch:

Naturheilkunde: Vom sorgfältigen Umgang mit Erfahrung

Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung

Naturheilkunde: Erfahrung genügt nicht als Begründung

Naturheilkunde: Warum werden unsere Kranken eigentlich wieder gesund?

Naturheilkunde: Sorgfältig prüfen lernen

Komplementärmedizin – wer heilt hat Recht?

Dass eine Apothekerin offenbar keinen blassen Schimmer hat vom post-hoc-ergo-propter-Fehlschluss und derart unreflektierte Schlussfolgerungen zieht, spricht nicht gerade fürs Pharmaziestudium. Was lernen die dort eigentlich? Schade um den ehrwürdigen Apothekerberuf. Wenn Apothekerinnen und Apotheker auf diesem Niveau argumentieren, gibt es keinen grossen Unterschied mehr zwischen einer Apotheke und einem Kiosk. Dass tausende von Menschen das Mittel brauchen beweist ja, dass es wirkt – genauso argumentieren auch Verkäufer von Nashornpulver und Schluckbildchen

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Phytotherapie auf der Intensivstation – eine Chance!

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Phytotherapie verbindet die Erfahrungen traditioneller Pflanzenheilkunde mit den Ergebnissen neuzeitlicher Arzneipflanzenforschung. Sie gehört damit zur klassischen Naturheilkunde und ist ein (randständiger) Teil der Medizin. Phytotherapie ist deshalb konzeptuell medizin- und pflegekompatibel.

Was ist Phytotherapie?

Heilpflanzen-Anwendungen auf phytotherapeutischer Basis haben sich in den letzen Jahren in vielen Bereichen der Pflege bewährt – zum Beispiel in Pflegeheimen, Spitex-Organisationen, Psychiatrischen Kliniken und in der Palliative Care.

Phytotherapie in der Pflege

Aber auf der Intensivstation? Stehen da nicht ganz andere Probleme im Vordergrund?

Professionelle Heilpflanzen-Anwendungen machen auch auf der Intensivstation Sinn und bringen viel „Soft-Power“ mit.

Heilpflanzen-Anwendungen in der Pflege nehmen ein weit verbreitetes Bedürfnis nach „natürlichen Alternativen“ auf und beantworten es mit einem fundierten Angebot.

Sie lassen sich science-basiert und medizinisch gut begründbar integrieren. Dass die IPS zur Filiale von Harry Potter’s Hogwarts wird, muss bei phytotherapeutischen Anwendungen jedenfalls niemand befürchten….

Was bringt Phytotherapie auf der Intensivstation?

In der technikgeprägten Atmosphäre einer Intensivstation setzen Heilpflanzen-Anwendungen einen besonders wichtigen ausgleichenden Akzent:

– In einer Umgebung, die den Patientinnen und Patienten meist sehr fremd ist, sind Kräutertees, Wickel, Kompressen und Einreibungen oft vertraute Elemente;

– Heilpflanzen-Anwendungen ermöglichen eine ritualisierte Form von Zuwendung;

– Manche Heilpflanzen-Anwendungen eignen sich auch zur Instruktion von Angehörigen., die damit ihren Liebsten etwas Gutes tun können;

– Heilpflanzen-Anwendungen können zur Tagesstrukturierung eingesetzt werden;

– Heilpflanzen-Anwendungen können zu einem Gefühl der Entschleunigung beitragen – auch bei den Pflegenden;

– Heilpflanzen-Anwendungen bieten den Pflegenden oft eine bessere Basis für Kommunikation und damit einen besseren Zugang zu Patientinnen und Patienten, als es beim Stecken einer Infusion oder beim Verabreichen einer Tablette der Fall ist.

Beispiele für Heilpflanzen-Anwendungen auf der Intensivstation

Mundschleimhaut

Die Phytotherapie kennt verschiedene Ansätze zur Behandlung von Entzündungen im Bereich von Haut und Schleimhaut, die sich gut in die Pflege integrieren lassen.

Bekannt sind die „Klassiker“: Entzündungswidrige Spülungen mit Salbeitee und Kamillentee. Wirksam sind aber auch Schleimpflanzen wie Leinsamen und Eibischwurzel mit ihrem reizlindernden und schleimhautschützenden  Effekt.

Gerbstoffpflanzen wie Blutwurz und Schwarztee reduzieren die Empfindlichkeit des Gewebes und holen Entzündungen relativ rasch herunter. Sie sind aber im Gegensatz zu den Schleimpflanzen meist nicht für die Anwendung über längere Zeit geeignet.

Bewährt haben sich ausserdem gefrorene Ananasstückchen.

Übelkeit und Erbrechen

Gute Erfahrungen haben wir gemacht mit Pfefferminztee, Ingwer und Iberogast®.

Ängstlichkeit / Unruhe / Schlafstörungen

Baldrian, Hopfen, Passionsblume, Lavendelblüten, Lavendelöl, Melisse, Orangenblüte.

Die Phytotherapie hat nicht nur eine Reihe von unterschiedlich wirkenden Heilpflanzen „im Köcher“, sondern auch sehr verschiedene Anwendungsformen: Vom Dragée, das so schnell und quasi reibungslos geschluckt wird wie ein synthetisches Medikament, bis zu ritualisierten Anwendungen wie Auflagen, Wickel, Einreibungen oder Kräutertees, bei denen Zuwendung und ein sinnlicher Input integriert sind.

Gerade in den Bereichen Ängstlichkeit / Unruhe / Schlafstörungen, aber auch bei Schmerzen, bringen diese ritualisierten Anwendungsformen Effekte mit sich, die ein Dragées nie bieten kann.

Hautentzündungen

Bei Hautentzündungen bewährt sich oft Lavendelöl gemischt mit fettem Öl oder Lipolotion. Bei nässenden Hautentzündungen sind Kompressen mit Schwarztee gut wirksam (Gerbstoffanwendung).

Juckreiz

Juckreizlindernd wirken zum Beispiel:

– Pfefferminzöl auftragen (0.5% in fettem Öl), Mentholpuder;

– Kühle Waschungen mit Zugabe von Pfefferminzöl oder Lavendelöl;

– Kühle Schwarztee-Waschungen;

– Gurkenmus (pürieren, auftragen)

– Quarkauflagen.

Heilpflanzen-Anwendungen in der Pflege brauchen allerdings fundiertes Fachwissen.

Am Seminar für Integrative Phytotherapie (SIP) in Winterthur wird eine Phytotherapie-Ausbildung für Pflegende angeboten, welche dieses Fachwissen vermittelt.

Ausserdem gibt es am SIP  Tagesseminare für Pflegende und ein Angebot für Teamweiterbildungen in Pflegeinstitutionen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ist Spargel eine Heilpflanze?

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Die Zeitschrift für Phytotherapie (Nr. 3 / 2006) hat dieser Frage einen ausführlichen Beitrag gewidmet.

„Jeder meint, die entwässernde Wirkung einer Spargelmahlzeit zu kennen und kann sich vorstellen, dass dies phytotherapeutisch anwendbar ist. So werben Hersteller von phytotherapeutischen Spargelextrakten mit den Indikationen »zur Entwässerung« und »zur Behandlung bei Nierenleiden«. Aber besteht für die Anwendung von Spargelextrakten in der rationalen Phytotherapie eine ausreichende Datenlage, wie sie heute gefordert wird? In naturheilkundlichen Empfehlungen zur medizinischen Anwendung von Spargel werden Formulierungen wie »zur Durchspülungstherapie« oder »zur Blutreinigung«, »zur Entgiftung«, »bei Entzündungen der Nieren- und Harnwege« benutzt, die nicht mehr dem heutigen Erkenntnisstand zur Pathophysiologie der Niere entsprechen. Zweifellos hatte der Spargel vor seiner Zeit als Delikatesse in Mitteleuropa zunächst eine Karriere als Heilpflanze, und der Gesundheitsaspekt spielt auch heute noch eine gewisse Rolle.“

Erstaunlich ist, dass es für die harntreibende Wirkung der Spargel, die beim Spargelgenuss leicht feststellbar ist, kaum wissenschaftliche Belege gibt:

„Die diuretische Wirkung von Spargel wird den meisten wohl als sicher gelten. Kurz nach einer Spargelmahlzeit wird der Urin meist hell (durch fehlende Konzentration), nimmt bei vielen Menschen einen charakteristischen Geruch an und wird in großer Menge produziert. Doch wird wirklich mehr als die mit der Spargelmahlzeit zugeführte Wassermenge ausgeschieden? Der Spargel besteht zu 95 % aus Wasser. Tatsächlich ist die diuretische Wirkung des Spargels wissenschaftlich unzureichend belegt, und auch zum Wirkprinzip gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. In den wenigen publizierten experimentellen Untersuchungen konnte die diuretische Wirkung nicht nachgewiesen werden. Kurioserweise hat sich die Wissenschaft viel intensiver mit dem »Spargelgeruch« des Urins befasst, der ja offenbar nur ein Epiphänomen ist……… Die zentrale Frage lautet, ob mit Spargel oder Spargelextrakten tatsächlich eine Ausschwemmung von Ödemen (z.B. bei Herzinsuffizienz) möglich ist. Zur Beantwortung dieser Frage sind Untersuchungen zur Flüssigkeits- und Elektrolytbilanz nach Spargelgenuss unerlässlich. Diese liegen nach meiner Kenntnis nicht vor. Es erstaunt, dass der Nachweis eines diuretischen Potenzials von Spargel nicht entschlossener versucht wurde.“

Kritisch wird im Beitrag der Zeitschrift für Phytotherapie die Vorstellung kommentiert, dass Spargel zur Blutreinigung und Entschlackung beitragen soll:

„Dem Asparagin wird außerdem in der Literatur eine Fähigkeit zur Entfernung von körperfremden Stoffen zugesprochen. Publizierte Daten hierzu fehlen. Das Konzept der Blutreinigung mit Spargel sollte daher ebenfalls fallengelassen werden, so attraktiv eine »Entschlackung« auf der Basis von Delikatessen auch erscheint.“

Zur Problematik von „Blutreinigung“ und „Entschlackung“ siehe auch:

Entschlackung – was ist das?

Entschlackung – unnötig und ungesund

Schlackenstoffe – ein Phantom macht Karriere

Entgiften und Entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

Entschlackung – illusionäre Hoffnung auf Gewichtsreduktion

Interessant ist ein Hinweis auf Spargelersatz-Pflanzen:

„Da Spargel nicht überall gedeiht und der Erntezeitraum begrenzt ist – er endet traditionell am 24. Juni, dem Johannistag -, wurde vielfach nach Spargelersatz gesucht. Junge Sprosse von Schwarzwurzel, Bocksbart, Brombeeren, Lauch, Mangold, Gutem Heinrich sowie Hopfen wurden wie Spargel genossen.“

Was bleibt von der Spargel als Heilpflanze?

Es ist erstaunlich, dass die Frage nach dem Entstehungsmechanismus des Spargelgeruchs im Urin offenbar intensiver untersucht wurde als die möglichen Heilwirkungen.

Die harntreibende Wirkung ist durch die Erfahrungen von „Spargelessern“ so gut bekannt, dass sie kaum zu bezweifeln ist. Ob dafür Saponine, Asparaginsäure oder der hohe Kalium-Gehalt verantwortlich sind, ist bisher ungeklärt.

Asparaginsäure wird übrigens in erheblichen Mengen eingesetzt zur Synthese des Süssstoffs Aspartam.

Gemüse-Spargel ist wohl in erster Linie eine Delikatesse. Ob Spargel über längere Zeit – also nicht einfach nur einmal bei einer Mahlzeit – als „Entwässerungsmittel“ eingesetzt werden kann und in welchen Fällen das sinnvoll sein könnte, ist bisher nicht geklärt.

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Naturheilkunde braucht sorgfältigeren Umgang mit Erfahrung

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Im Bereich von Naturheilkunde & Komplementärmedizin werden Aussagen über Heilwirkungen oft mit “Erfahrungen” begründet: “Die Erfahrungen zeigen doch, dass Heilpflanzen-Präparat X. bei Krankheit Y. hilft.”
Etwas zugespitzt heisst es dann: “Wer heilt hat recht.”
Manchmal spricht man sogar von der Erfahrungsheilkunde. Unberücksichtigt bleibt dabei sehr häufig, dass “Erfahrung” ein sehr komplexes Geschehen ist, das gut verstanden sein sollte, wenn man Schlüsse daraus ziehen will.
Wertvolle Beiträge zur Auseinandersetzung mit dem Begriff der Erfahrung stammen von John Dewey und John Stuart Mill.

Dewey schreibt:

“‘Erfahrung‘ bezeichnet das gepflanzte Feld, die gesäten Saaten, die eingebrachte Ernte, den Wechsel von Tag und Nacht, Frühling und Herbst, feucht und trocken, Hitze und Kälte, die beobachtet, gefürchtet, ersehnt werden; Erfahrung bezeichnet auch den, der pflanzt und erntet, der arbeitet und geniesst, hofft, fürchtet, plant, Magie oder Chemie zu Hilfe nimmt, der niedergeschlagen oder voller Triumph ist. Erfahrung ist ,doppelläufig‘ in dem Sinne, dass sie in ihrer primären Ganzheit keine Trennung zwischen Akt und Material, zwischen Subjekt und Objekt kennt, sondern sie beide in einer unanalysierten Totalität enthält.”

(John Dewey, 1859-1952, Philosoph und Pädagoge: in: Erfahrung und Natur (1925), zit. nach: Martin Suhr, John Dewey, Junius 1994)

Dewey zeigt auf, dass wir in der Erfahrung nicht nur ein getrennt von uns existierendes Stück Natur erfahren. Wir erfahren uns immer selber mit. Erfahrung enthält auch ein Stück des Reagierens eines Organismus auf die ihn umgebende Umwelt. In der Erfahrung ist immer eine subjektive Seite (von der Person her) mit einer objektiven Seite (von den Objekten, den Erfahrungsgegenständen her) miteinander verknüpft.
Wir müssen darum bei der Interpretation von Erfahrungen unseren eigenen Anteil daran immer auch zum Thema machen, bevor wir Schlüsse aus unseren Erfahrungen ziehen. Nun ist es jedoch nicht einfach, den eigenen Anteil, mit dem wir in unseren Erfahrungen mit drin stecken, selber zu erkennen. Genau zu diesem Zweck brauchen wir die kritische Auseinandersetzung mit anderen Menschen, die am selben Thema interessiert sind.
Auf diesen Punkt hat auch John Stuart Mill bereits hingewiesen, wie das nächste Zitat zeigt:

”…Quelle alles Achtenswerten im Menschen….dass er seine Irrtümer korrigieren kann. Er ist fähig, seine Missgriffe durch Diskussion und Erfahrung richtigzustellen. Nicht durch Erfahrung allein: Diskussion tut not, um zu zeigen, wie die Erfahrung zu deuten ist. Falsche Urteile und Bräuche geben allmählich den Tatsachen und Überlegungen Raum…Sehr wenige Tatsachen sind imstande, ihre eigene Geschichte zu erzählen…”

(John Stuart Mill, 1806-1873, Philosoph, Psychologe und Soziologe; Über die Freiheit, Reclam 2004)

Erfahrungen sprechen nicht für sich, wir müssen sie erst zum Sprechen bringen. Jede Erfahrung ist mit verschiedenen Deutungen kompatibel. Das gilt auch für Erfahrungen mit Heilmitteln, Heilmethoden und Heilpflanzen. Wenn daher von “Erfahrungsmedizin” die Rede ist, so sagt das noch gar nichts aus. Erfahrung allein kann uns nicht sicher zeigen, ob ein Heilmittel hilft oder nicht. So zeigte sich beispielsweise in der Medizingeschichte immer wieder, dass sich Irrtümer über Jahrhunderte halten können und trotz aller Erfahrung nicht erkannt werden. Erfahrung bringt den Irrtum nicht mit Gewissheit zu Tage.
Entscheidend ist, und das sagt Mill deutlich, wie wir mit unseren Erfahrungen umgehen. Nötig ist eine kritische Diskussion aller Erfahrungen, ein Distanznehmen von eigenen Erfahrungen, um sie zu reflektieren, mit anderen Erfahrungen zu vergleichen und einzuordnen.
Wenn mir also jemand sagt, er habe die Erfahrung gemacht, dass Heilmittel X bei Krankheit Z hilft, dann frage ich immer genau nach, wie diese Erfahrung gemacht wurde und wie der betreffende Mensch sich mit seiner Erfahrung auseinander gesetzt hat.
Wenn dann jede ernsthafte Auseinandersetzung fehlt, scheint mir die berichtete Erfahrung meist nicht sehr überzeugend.

Für die Naturheilkunde ist ein sorgfältiger Umgang mit Erfahrungen besonders wichtig, weil es hier fundamental an Qualitätskontrolle mangelt. Wer sich im Bereich der Naturheilkunde bewegt, kommt daher oft nicht darum herum, sich über die Glaubwürdigkeit von Behauptungen ein eigenes Urteil zu bilden.
Das ist allerdings meistens auch viel interessanter als die Übernahme von vorgekauten Ansichten.

Aus diesem Grund ist es mir wichtig, in Ausbildungen und Kursen über Phytotherapie / Pflanzenheilkunde nicht nur die Wirkungen der Heilpflanzen zu vermitteln. Es geht auch darum, wie man sich eine eigene fundierte Meinung dazu bilden kann.
Wie kommt dieses Wissen zustande und wie lässt es sich überprüfen? Wie verlässlich ist diese oder jene Aussage?
Solche Fragen sind zentral, wenn man nicht blind jede Behauptung übernehmen will.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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