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Onkologie: Johanniskraut beim Chronischen Fatigue Syndrom?

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In der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie (Nr. 1 / 2015) schreibt Christian Thuile, Leiter der Abteilung für Komplementärmedizin am KH Meran, über Johanniskraut beim Chronische Fatigue Syndrom:

„Wir alle kennen Johanniskraut für den Einsatz bei depressiven Ver- stimmungen, leichten und mittelschweren Grades. Die Studienlage ist gut und es gilt als klinisch anerkannt. Es wäre sozusagen prädestiniert für den Einsatz beim krebskranken Menschen, Niedergeschlagenheit ist ja ein häufiges Problem, das den Erkrankten begleitet. Dazu gibt es noch Studien die zeigen, dass Johanniskraut absolut positive Effekte auf das Chronische Fatigue Syndrom hat, also geradezu ideal vom Profil her.“

Thuile geht aber auch auf die Wechselwirkungen ein, die Johanniskraut mit manchen Chemotherapeutika auslösen kann:

„Leider schaut es in der Realität aber wieder ganz anders aus. Es gibt Chemotherapeutika (z. B. Irinotecan, aber auch viele andere) die denselben Abbaumechanismus in der Leber verwenden wie das Johanniskraut. Das ausschlaggebende Enzym ist das Cytochrom P 450 (3A4); wie stark diese Interaktion sein kann, sieht man an der Tatsache, dass Irinotecan unter dem Einfluss von Johanniskraut bis zu 40 Prozent schneller abgebaut werden kann. Der schnellere Abbau klingt auf den ersten Blick vielleicht verlockend positiv in Hinblick auf Nebenwirkungen, bedeutet aber ganz klar einen deutlichen Wirkungsverlust der Chemotherapie.“

Quelle:

http://www.phytotherapie.co.at/pdf/PT0215.pdf

Kommentar & Ergänzung:

Als „Fatigue“ wird eine besonders ausgeprägte Form der Erschöpfung bei Krebspatienten bezeichnet. Nicht alle Tumorpatienten sind davon gleichermassen betroffen: Bei vielen Krebspatienten tritt die Fatigue akut auf und steht in direktem Zusammenhang mit einer Behandlung. Die akute Fatigue verschwindet in den meisten Fällen rasch nach Abschluss der Krebsbehandlung. Wer noch Wochen oder Monate nach abgeschlossener Krebstherapie darunter leidet, obwohl die Krebserkrankung nicht fortschreitet oder sogar geheilt werden konnte, leidet an einer chronischen Fatigue. Sie kann die Lebensqualität Betroffener stark einschränken.

Der Hinweis auf eine positive Wirkung des Johanniskrauts beim Chronischen Fatigue Syndrom ist interessant. Die Studienlage zu diesem Thema ist zwar sehr schmal. Ich finde dazu nur eine kleine Pilotstudie aus dem Jahr 1998:

Hypericum for fatigue — a pilot study

  1. Stevinson, M. Dixon, E. Ernst

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0944711398800408

Zwanzig depressive Patienten wurden über sechs Wochen mit Johanniskraut behandelt, wobei sich die Müdigkeit verringerte. Es gab keine Placebo-Kontroll-Gruppe und es handelte sich nicht um Krebspatienten, sondern um depressive Personen.

„Studien die zeigen, dass Johanniskraut absolut positive Effekte auf das Chronische Fatigue Syndrom hat“, müssten anders aussehen.

Trotzdem scheint es mir sinnvoll, Johanniskraut beim Chronischen Fatigue Syndrom in Auge zu behalten, insbesondere natürlich für Situationen, in denen gleichzeitig eine depressive Thematik vorliegt.

Der Warnhinweis auf die Wechselwirkungen von Johanniskraut mit diversen Chemotherapeutika ist sehr berechtigt.

Allerdings treten solche Wechselwirkungen mit Wirkungseinbusse der Chemotherapie nur auf, wenn Johanniskraut parallel zur Chemo eingenommen wird. Das Chronische Fatigue Syndrom kann aber noch lange nach dem Therapieende anhalten und dann sind diese Wechselwirkungen hinfällig.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Guarmehl bei Diabetes Typ 2

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Guarmehl wird aus den Samen der Guarbohne oder Büschelbohne (Cyamopsis tetragonolobus) gewonnen, einer Fabaceae. Als wirksame Inhaltsstoffe gelten Polysaccharide, die die Transitzeit der Nahrung im Darm verlängern. Zudem wird das zuckerspaltende Enzym α-Amylase durch Guarmehl gehemmt. Das reduziert Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten. Klinische Studien belegen die Wirksamkeit und Sicherheit von Guarmehl bei Diabetes Typ 2. Darüber hinaus beeinflusst die Einnahme den Gesamtcholesterol- und den LDL-Spiegel günstig. Allerdings kann Guarmehl den Insulineffekt verstärken. Wie für alle anderen pflanzlichen Antidiabetika aus der Selbstmedikation gilt auch hier die Regel, dass der Patient den Arzt über die Einnahme informieren sollte. Zudem ist es wichtig, dass er seinen Blutzuckerspiegel regelmäßig misst.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41169

 

Kommentar & Ergänzung:

Zum Guarkernmehl siehe auch:

Was ist Guar?

Verstopfung: Woraus besteht Benefiber?

Phytotherapie bei Diabetes Typ 2 

 

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Krebsmittel Amygdalin / Vitamin B17: Oft propagiert, aber unwirksam

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Amygdalin, auch Laetrile oder fälschlicherweise Vitamin B17 genannt, war insbesondere in den 70er Jahren populär und wird gegenwärtig in der „Alternativmedizin“ wieder als Naturheilmittel zur Behandlung von Krebserkrankungen propagiert.

Das cyanogene Glykosid Amygdalin ist als toxischer sekundärer Pflanzeninhaltsstoff bekannt und ist zum Beispiel enthalten in Aprikosenkernen oder bitteren Mandeln, wie sie beispielsweise in Reformhäusern oder im Internet angeboten werden.

Durch den enzymatischen Abbau von Amygdalin wird im menschlichen Organismus Cyanid/ Blausäure freigesetzt. Cyanidionen binden mit hoher Affinität an dreiwertiges Eisen, wodurch die Zellatmung im gesamten Körper geschädigt werden kann. Kleinere Mengen Cyanid können zwar mit Hilfe des Rhodanidsynthetasesystems, das vor allem in der Leber vorhanden ist, in das verhältnismässig untoxische Thiocyanat (Rhodanid) umgewandelt werden. Trotzdem sind schon 50mg Cyanid-freisetzende Blausäure (HCN) tödlich. Fachleute empfehlen deshalb, maximal 1-2 Aprikosenkerne am Tag zu verzehren oder vorsorglich ganz auf solche Produkte zu verzichten.

Behauptet wird, dass Amygdalin durch die in Krebszellen gehäuft vorkommende β–Glukosidase zu Benzaldehyd und Blausäure hydrolysiert würde und so selektiv wirken sollte. Sowohl physiologische als auch bösartige entartete Zellen enthalten aber allenfalls Spuren der β–Glukosidase.

Spekuliert wird auch, dass wegen des in Krebszellen fehlenden Enzyms Rhodanase eine Entgiftung in diesem Gewebe nicht möglich sein soll.

Amygdalin wird auch fälschlicherweise als Vitamin B17 bezeichnet, weil ein Mangel an Amygdalin den Ausbruch einer Krebserkrankung fördern soll.

Für all diese Hypothesen gibt es keinerlei wissenschaftlichen Belege. Das Blausäureglykosid Amygdalin ist weder als Arzneimittel zugelassen, noch spielt es in der menschlichen Ernährung als Vitamin eine Rolle.

Literatur:

– arznei-telegramm, 10/2014/p99

– Pharmazeutische Zeitung, 41/2014/p20

 

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=1372&NMID=1372&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Wichtig ist darüber hinaus, dass Amygdalin auch in Studien mit Krebspatienten nicht überzeugt:

„Eine klinische Studie aus dem Jahre 1982 zeigte bei an Krebs erkrankten Menschen keinen Vorteil durch die Einnahme von Amygdalin, es zeigten sich stattdessen bei einigen Patienten Symptome einer Cyanidvergiftung. Ein Review aus dem Jahre 2006 kam nach der Untersuchung von 36 Studien zum Ergebnis, dass in keiner einzigen der 2006 zur Verfügung stehenden Arbeiten ein Hinweis für eine mögliche Wirkung gegen Krebs beim Menschen nachweisbar war.“

Quelle:

http://www.chemie.de/lexikon/Amygdalin.html#_note-2/

Weitere Informationen zu diesem Thema:

Unsinnige Krebstherapie: Bittere Aprikosenkerne

 

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Senf als Naturheilmittel

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Senf soll das älteste Gewürz der Welt sein. Bereits in der Antike schwor der griechische Mathematiker Pythagoras, dass Senf den Verstand schärft. Zunächst war Senf offenbar reines Heilmittel, dann erst diente er als Gewürz zum Verfeinern von Speisen.

Senf gehört zur Pflanzenfamilie der Kreuzblütler (Brassicaceen) und ist verwandt mit Raps, Rettich, Meerrettich und Kohl.

Senf verleiht nicht nur Gerichten einen unvergleichlichen Geschmack – er kann auch positive Wirkungen auf den Organismus entfalten.

Die Senf-Paste fördert die Verdauung, regt den Speichelfluss an, Gallensaft und Magensaft werden vermehrt ausgeschüttet. Die Schärfe und die Heilwirkungen werden ausgelöst durch die Senföle. Sie werden freigesetzt, wenn die Körner zerkleinert und fermentiert werden. Senföle helfen der Pflanze bei der Abwehr von Fraßschäden und Mikroorganismen. Senfmehl hat sich auch bei Gelenkbeschwerden in Form von Auflagen / Umschlägen bewährt, ein Senfmehlfußbad wärmt die Füße. Forschungen am Universitätsklinikum Freiburg deuten zudem darauf hin, dass Senf vor Krebs schützen könnte, indem die Senföle krebsauslösende Stoffe unschädlich machen.

Quelle:

http://www.dw.de/senf-die-medizin-des-altertums/av-17082603

Kommentar & Ergänzung:

Senf ist tatsächlich ein interessantes Naturheilmittel. Allerdings sollte man sich gut kundig machen, bevor man Senfauflagen oder Senfmehlfussbäder anwendet. Vor allem bei den Auflagen kann eine zu lange Einwirkungszeit die Haut zu stark reizen und sogar Blasen hervorrufen.

Wichtig: Das Wasser sollte beim Kontakt mit dem Senfmehl nicht heisser als 45°C sein. Bringt man das Senfmehl mit heisserem Wasser in Kontakt, so wird ein Enzym zerstört, das für die Freisetzung der Senföle „verantwortlich“ ist.

 

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„Knoblauch: So wertvoll wie Penicillin?“

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So betitelt das Magazin „Focus“ einen Abschnitt, in dem es um die günstigen Effekte des Knoblauchs für unsere Gesundheit geht:

„Im Krieg verwendeten russische Soldaten in der Not Knoblauch als Penicillin-Ersatz. Denn der Inhaltsstoff Allicin wirkt ähnlich wie ein Antibiotikum und hemmt Bakterien.

Auch sonst ist die Knolle gut für die Gesundheit: Sie schützt vor freien Radikalen, Krebs und Thrombosen. Die Auswahl von Knoblauch ist einfach, denn jede Sorte ist gesund. Seine gesundheitsfördernde Wirkung steigt, wenn er nach dem Zerkleinern zehn Minuten ruht, bevor er erhitzt wird. Der Grund: Das wertvolle Allicin entsteht, wenn die Aminosäure Alliin Kontakt zu dem hitzeempfindlichen Enzym Alliinase hat. Bei sofortigem Erhitzen wird das Enzym zerstört und es entsteht kein Allicin mehr. Das passiert übrigens auch in der Mikrowelle.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/gesundessen/naehrstoffe/granny-smith-gesuender-als-golden-delicious-apfel-ist-gleich-apfel-oder-etwa-nicht_id_4182944.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Knoblauch ist eine durch und durch interessante Kulturpflanzen und auch als Heilpflanze seit Urzeiten im Gebrauch.

Der Tipp, den Knoblauch nach dem Zerkleinern zehn Minuten ruhen zu lassen, ist nachvollziehbar. Jedenfalls spricht viel dafür, dass beim sofortigen Erhitzen das Enzym Alliinase zerstört wird und seine „Arbeit“ nicht mehr machen kann.

Enzyme sind Eiweissstoffe und die werden durch Hitzeeinwirkung denaturiert.

Der Vergleich mit Penicillin ist aber ein bisschen überzogen. Allicin wirkt zwar tatsächlich gegen verschiedene grampositive und gramnegative Bakterien, was sich im Labor gut zeigen lässt.

Zitat aus „Arzneidrogen“, von Theo Dingermanm, Karl Hiller, Georg Schneider, Ilse Zündorf, Spektrum Verlag 2004:

„Allicin (0,4 – 1,0 % in der Frischdroge)……..hemmt…in einer Verdünnung bis 1 : 125 000 das Wachstum von grampositiven und gramnegativen Bakterien (bes. Staphylokokken, Streptokokken und Typhusbakterien), ist also ein Antibiotikum auch gegen Krankheit-erregende Darmbakterien.“

Diese antibakterielle Wirkung von Allicin kann man lokal auf haut und Schleimhäuten sowie im Verdauungstrakt erwarten. Von Penicillin erwartet man aber mehr. Es verteilt sich im ganzen Organismus und wirkt so systemisch beispielsweise auch gegen eine Infektion in der grossen Zehe. Ein solcher systemischer Effekt ist von Allicin aber nicht zu erwarten.

Um eine Verdünnung von 1 : 125 000 im Organismus zu erreichen, braucht es bei einem 80 kg schweren Menschen rein rechnerisch 0,64 g Allicin – und weil es da auch noch einiges an Knochen hat, runden wir auf 0,5 g ab. Wenn frischer Knoblauch maximal 1% Allicin einhält, wären 50 g Knoblauch nötig, um eine wirksame antibakterielle Konzentration im Organismus zu erreichen. Allicin zerfällt im Organismus rasch in Abbbauprodukte. Also müsste der permanente Umbau und die laufende Ausscheidung ständig ersetzt werden, um einen antibakteriell wirksamen Spiegel zu erhalten.

Solche Mengen wird niemand freiwillig einnehmen – insbesondere auch wegen der sozialen Nebenwirkungen….

Mir ist klar, dass diese Rechnung sehr theoretisch und ungenau ist. Sie zeigt aber die Grössenordnung auf. Eine systemische antibakterielle Wirkung von Knoblauch ist nicht zu erwarten. An diesem Punkt gibt es eine grosse Differenz zu Penicillin.

Damit will ich natürlich nicht den Knoblauch als Heilpflanze schlechtmachen.

Aber man muss wissen, wo eine Heilpflanze ihre Stärken hat und wo nicht.

Knoblauch hat vor allem auch noch ein paar interessante Eigenschaften im Kreislauf-Bereich:

– Knoblauch verbessert die Blutfliesseigenschaften durch Hemmung der Thrombozytenaggregation.

– Knoblauch hat eine leicht lipidsenkende Wirkung (Blutcholesterinwerte werden reduziert).

– Knoblauch kann eine leichte Blutdrucksenkung bewirken.

 

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Zu Knoblauch als Heilpflanze

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In der Zeitschrift „Die Apotheke“ (Nr. 6 / 2012) wurde die Wirkung von Knoblauch vorgestellt:

„Nach Zentral- und Nordeuropa gelangte der Knoblauch vermutlich

durch die Römer. Die Arzneipflanze wurde dann schon recht bald

durch Anbau in Klöstern verbreitet. Der von vielen als unange-

nehm empfundene Geruch nach dem Genuss von Knoblauch

kommt von seinen schwefelhaltigen Inhaltsstoffen. Knoblauch ist

auch eine wichtige Selenquelle.

Knoblauch wirkt antibakteriell und soll der Bildung von Throm-

ben (Blutpfropfen) vorbeugen, womit die Fließeigenschaft des

Blutes unterstützt bzw. gefördert wird. Weiters konnte gezeigt

werden, dass die Inhaltsstoffe des Knoblauchs die Blutfettwerte

senken und daher vorbeugend gegen Arterien verkalkungen wirken

können. Weiters soll Knoblauch die Cholesterinwerte insgesamt

senken. Außerdem wurde und wird ihm in vielen Ländern eine

Wirkung als Aphrodisiakum nachgesagt.“

 

Kommentar & Ergänzung:

Dazu gibt es ein paar interessante Präzisierungen (Quelle der Zitate:

http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Knoblauch.html):

Zur Hemmung der Thrombozytenaggregation:

„In verschiedenen Studien wurde gezeigt, daß die Hemmung der Thrombocytenaggregation erst nach 4wöchiger Einnahme, nicht dagegen nach der Einnahme einer einzelnen Tagesdosis desselben Präparates nachweisbar war. In vitro hemmen sowohl Allicin als auch Ajoen und Vinyldithiine die durch verschiedene Induktoren auslösbare Thrombocytenaggregation durch Blockierung des Enzyms Cyclooxygenase.“

Zur lipidsenkenden Wirkung:

„Die signifikantesten Wirkungen werden bei überhöhten Blutfett- bzw. Blutcholesterinwerten erzielt, wenn die Applikation über mehrere Wochen bis maximal 6 Monate hinweg erfolgt. Die Reduktion liegt im Bereich von 5 bis maximal 23 %. Die mittlere Senkung von LDL-Cholesterin liegt um 16 %. Neue Studien belegen eine Steigerung der HDL-Konzentration unter Knoblauchbehandlung, entsprechend konnte eine Erniedrigung der LDL-Werte nachgewiesen werden.“

Fazit: Damit Knoblauch solche Wirkungen auf den Kreislauf entfaltet, braucht es kontinuierliche, längerfristige Einnahme, was infolge Knoblauchgeruch auch soziale Nebenwirkungen entfalten kann. Geruchfreie Knoblauchpräparate, bei denen das Enzym Alliinase durch Erhitzen inaktiviert wurden, sind wohl auch frei von therapeutischen Wirkungen.

Interessanter als die Veränderung von gesundheitlich mehr oder weniger relevanter Messwerte (zum Beispiel Cholesterinwerte), wären sogenannt „harte Endpunkte“, beispielsweise ein Nachweis, dass Knoblauch Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Ereignisse verhindern kann.

Siehe Artikel „Primärer Endpunkt“ auf Wikipedia.

 

Tatsächlich gibt es offenbar eine solche Studie:

„In einer placebokontrollierten Studie mit 432 Patienten nach überstandenem Herzinfarkt zeigte sich, daß die Anzahl der Todesfälle bereits nach zweijähriger Therapie in der Verumgruppe signifikant niedriger war. Die Anzahl der nichttödlichen Reinfarkte war nach 3 Jahren in der Verumgruppe signifikant niedriger als in der Placebogruppe. Blutdruck- und Cholesterinwerte waren ebenfalls gegenüber Placebo signifikant niedriger.“

Das ist bemerkenswert und legt nahe, Knoblauch als Sekundärprävention nach Herzinfarkt einzusetzen. Leider gibt es zu dieser Studie wenig greifbare Angaben.

Ich habe die Quellenangabe dazu gesucht und in der WHO-Monografie zu Knoblauch gefunden:

Bordia A. Knoblauch und koronare Herzkrankheit: Wirkungen einer dreijährigen Behandlung mit Knoblauchextrakt auf die Reinfarkt- und Mortalitätsrate. Deutsche Apotheker Zeitung, 1989, 129:16–17.

Die Studie wurde von Prof. A. Bordia am Tagore Medical College in Udalpur in Indien durchgeführt.

In der WHO-Monografie steht auch, dass in der Studie von Bordia eine Knoblauchpräparation verwendet wurde, entsprechend einer Tagesdosis von 2 Gramm frischem Knoblauch.

Die WHO-Monografie zu Knoblauch gibt’s hier:

http://apps.who.int/medicinedocs/en/d/Js2200e/4.html

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Theaflavin aus Schwarztee – wirksam gegen Mundgeruch

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Der österreichische „Kurier“ publiziert gerade ein paar Tipps gegen Mundgeruch. Einer davon bezieht sich auf Schwarztee:

„Statt Kaffee, der meist schlechten Atem verursacht, sollte man lieber zur Tasse Tee greifen. Die im Schwarztee enthaltenen Polyphenole können das Wachstum von Bakterien im Mund hemmen und damit Mundgeruch reduzieren. Besonders das enthaltene Theaflavin verhindert das Wachstum von Plaquebakterien. Den Tee entweder trinken oder damit gurgeln.“

Quelle:

http://kurier.at/lebensart/gesundheit/tipps-das-hilft-bei-mundgeruch/49.573.488/slideshow#49573488,49569294

Kommentar & Ergänzung:

Polyphenole sind eine sehr vielfältige Wirkstoffgruppe, die in einer ganzen Reihe von Heilpflanzen von zentraler Bedeutung sind.

Theaflavin entsteht durch Umwandlung von Catechinen bei den enzymatischen Veränderungsprozessen während dem Welken der Teeblätter beim Übergang von Grüntee zu Schwarztee. Theaflavin kommt daher nur im Grüntee vor, Catechine dagegen findet man in Grüntee und Schwarztee.

Der eigentliche Auslöser für den Mundgeruch sind gewisse schwefelhaltige Stoffe, zum Beispiel Hydrogensulfid. Bestimmte Bakterien im Mund erzeugen diese Substanzen, wenn sie unter Sauerstoffabschluss leben, also etwa an der Rückseite der Zunge oder in den tiefen Falten der Mundschleimhaut.

Forscher der Universität von Illinois in Chicago konnten diese Bakterien mit Teepolyphenolen hemmen.  Die Wissenschaftler besprühten die Bakterien für 48 Stunden mit Polyphenolen aus Tee.

Eine hohe Konzentration stoppte das Wachstum vollständig, geringere Mengen verhinderten die Produktion des bakteriellen Enzyms, das für die Bildung der übel riechenden Substanzen verantwortlich ist.

Je nach Konzentration erzeugten die Bakterien bis zu 30 Prozent weniger Schwefelwasserstoffe – die dem Mundgeruch die charakteristische Note verleihen – oder hörten gar ganz auf, sich zu vermehren. Daraus wir aber auch ersichtlich: Das war eine Laborstudie, bei noch offen bleibt, wie überzeugend der Effekt beim Menschen ausfällt.

Um solche Wirkungen in der Mundhöhle zu erzielen, reicht aber wohl eiliges Teetrinken kaum. Regelmässiges, ausdauerndes Spülen dürfte nötig sein, um eine einigermassen wirksame Einwirkungszeit zu erreichen.

Eine Bakterienkultur im Labor mit Teepolyphenolen zu traktieren ist verhältnismässig einfach.

In der Mundhöhle leben diese sauerstoffscheuen Bakterien aber ziemlich versteckt.

Schwarztee und Grüntee wirken durch Hemmung der Plaque-Bakterien auch gegen Karies.

Zum Theaflavin:

Wirkstoffkunde: Theaflavine aus Schwarztee

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Schwarztee hemmt Karies

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Das Magazin „Focus“ stellt 10 Irrtümer über Zahnpflege richtig.

Irrtum Nr. 10: „Teetrinken schadet den Zähnen“.

Zitat:

„Schwarzer Tee kann zwar zu unschönen Verfärbungen führen. In dem aromatischen Getränk stecken aber äußerst zahnfreundliche Stoffe. Dazu gehören neben Fluor auch die sogenannten Tannine. Diese Bitterstoffe hemmen das Enzym Amylase, das im Speichel vorhanden ist und Stärke zu kariesförderndem Zucker umwandelt.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/zaehne/vorbeugung/irrtuemer/teetrinken-ist-schlecht-fuer-die-zaehne_aid_15608.html

Kommentar & Ergänzung:

Stimmt wahrscheinlich, dass Schwarztee karieshemmend wirkt, jedenfalls wenn man ihn regelmässig trinkt. Allerdings lösen sich die Tannine nur langsam im Teewasser und man muss den Schwarztee daher lange ziehen lassen, um einen hohen Tannin-Gehalt zu bekommen (8 – 10 Minuten). Ein Genusstee ist das dadurch entstehende Getränk für die meisten Menschen dann aber wohl kaum mehr. Je bitterer der Schwarztee, desto höher der Tannin-Gehalt und desto höher die karieshemmende Wirkung.

Die karieshemmenden Tannine im Schwarztee bewirken zwar eine bittere Geschmacksempfindung, laufen phytotherapeutisch allerdings nicht unter der Wirkstoffgruppe „Bitterstoffe“, sondern unter „Gerbstoffe“. Sie verbinden sich mit Eiweiss. Und weil das Enzym Amylase auch zu den Eiweissen gehört, ist ein karieshemmender Effekt auf diesem Weg denkbar.

Gerbstoffe aus Schwarztee (und aus Grüntee) hemmen zudem die Gluconyltransferase. Mit diesem Enzym produziert das Kariesbakterium Streptococcus mutans Dextrane. Die klebrigen Dextrane helfen dem Bakterium, sich an der spiegelglatten Zahnoberfläche festzumachen. Mindestens ein Teil der Antikaries-Wirkung von Schwarztee und Grüntee dürfte also darauf zurückzuführen sein, dass die plaquebildenden Kariesbakterien weniger gut anhaften können.

Dass Teetrinker weniger unter Karies leiden, dafür sprechen mehrere epidemiologische Studien, wobei meines Wissens vor allem Grüntee erfasst wurde.

Solche Studien haben aber immer einen Haken:

Wenn bei Grüntee-Trinkern weniger Karies auftritt

( = Korrelation, gleichzeitiges Auftreten von zwei Faktoren: Hoher Grünteekonsum, wenig Karies),

…..dann heisst das noch nicht, dass weniger Karies wegen dem Grünteekonsum auftritt (Kausalität).

Es könnte sein, dass ein dritter, unbeachteter Faktor mitspielt, der für den verminderten Kariesbefall verantwortlich ist.

Beispiel: Grünteetrinker konsumieren vielleicht weniger zuckerhaltige Cola. Für den tieferen Kariesbefall könnte dann der Wegfall von Cola-Getränke auslösend sein, und nicht der Grünteekonsum.

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Dill (Anethum graveolens) als Gewürz und Heilpflanze

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Die Zeitschrift „Phytotherapie“ publizierte vor kurzem einen informativen Beitrag zu Wirkung und Anwendungsmöglichkeiten von Dill, einer alten Heilpflanze, die heute vor allem als Gewürz verwendet wird. Nachfolgend eine Zusammenfassung.

Die historischen Angaben zur medizinische Nutzung des Dills bei Albertus Magnus (1200 – 1280) und Paracelsus (1493 – 1541) gleichen sich weitgehend. Dill wird empfohlen als Karminativum (gegen Blähungen), Stomachikum (magenstärkendes Mittel), Galaktagogum (milchbildungsförderndes Mittel), Schmerzmittel, gegen Übelkeit, Mundgeruch, Hämorrhoiden, Kondylome und Schlaflosigkeit. Auf die weitverbreitete Nutzung des Dills verweist die Bemerkung, dass er »allen luten sy wolbekant« in einem der ersten gedruckten Kräuterbücher, dem Gart der Gesundheit (1485). Dem aromatischen Geruch verdankt der Dill seinen Ruf als Pestpflanze. So wurden die Früchte in Peststuben geräuchert und innerlich als Bestandteil des Tugendpulvers, als Roborans (Kräftigungsmittel) und Pesttherapeutikum verwendet.

Gegenwärtig wird Dill nur noch selten in der westlichen Phytotherapie genutzt, meist in Form von Dillwasser oder Sirup als Karminativum für Kinder, hauptsächlich in Großbritannien. In der Volksmedizin wurde Dill gegen eine Vielzahl von Beschwerden eingesetzt: Hämorrhoiden (als Presssaft), Skorbut (Vitamin-C-Gehalt des Krautes!), die Früchte gegen Zyklusstörungen und Erbrechen, das Kraut gegen Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, der Niere, Harnwege, bei Schlafstörungen und Krämpfen, außerdem bei Tumoren, Kondylomen, Indurationen, Husten, Schluckauf, Bauchschmerzen, Brustgeschwüren, Prellungen, Wassersucht, Gelbsucht und als Diuretikum. Als Galaktagogum wird Dilltee auch heute noch angewendet.

Inhaltsstoffe

Ein großer Teil der Dill-Produktion wird für die industrielle Herstellung von eingelegtem Gemüse genutzt, vor allem von Gurken. Dillkraut enthält getrocknet 0,12 – 1,9% ätherisches Öl mit 6- 44% (+)-Carvon, Limonen, Dillether und Myristicin. Neben anderen Komponenten sind hauptsächlich Dillether, α-Phellandren, Limonen und Myristicin für das charakteristische Dillaroma verantwortlich. Die Zusammensetzung des ätherischen Öls, vor allem dessen Gehalt an (+)-Carvon schwankt stark. Außerdem enthält das Kraut Flavonolglykoside mit Quercetin und Isorhamnetin als Aglyka und es wurde Scopoletin nachgewiesen.

Dillfrüchte enthalten 2,5 – 4% ätherisches Öl. Es besteht im Wesentlichen aus (+)-Carvon, (+)-Limonen und α- Phellandren.

Ausserdem enthalten Dillfrüchte Furano- und Hydroxycumarine wie Bergapten und Umbelliferon, Flavonolglykoside, die sich vom Kämpferol, Isorhamnetin und Quercetin ableiten, sowie 10–20% fettes Öl.

Durch Wasserdampfdestillation der getrockneten Samen gewinnt man das schwach gelbe, kümmelähnlich riechende Dillöl (Anethi aetheroleum).

Wirkungen

Aus der Dillpflanze hergestellte Arzneimittel werden heute in der westlichen Medizin nur noch selten angewendet. Wissenschaftlich anerkannt ist der Einsatz von Dillfrüchten (Anethi fructus) Verdauungsbeschwerden (dyspeptische Bescherden). Sie wirken krampflösend auf die glatte Muskulatur des Magen-Darm-Trakts und schützen die Magenschleimhaut Auch in der vietnamesischen Medizin wird der Dill bei Darmkrankheiten eingesetzt. Die Kommission E bewertete den Einsatz bei dyspeptischen Beschwerden als positiv, jedoch kommt den Kümmelfrüchten durch ihre stärkere Wirkung auch eine größere Bedeutung zu. Dillfrüchte sind aber bei Blähungen, Völlegefühl und ähnlichen Verdauungsbeschwerden eine Alternative für Menschen mit einer Abneigung gegen den Kümmelgeschmack.

Die im ätherischen Öl von Dillkraut (Anethi herba) vorkommenden (+)-Carvon, Dillether und Limonen führen im Tierversuch zu einem Anstieg der Glutathion-S-Transferase in der Leber und der Dünndarmschleimhaut Dieses Enzym spielt bei der Entgiftung von organischen Substanzen im Körper eine bedeutende Rolle.

Durch viele Studien sind die antibakteriellen und fungistatischen Effekte des ätherischen Öls der Früchte und des Krautes belegt. Die antimikrobielle Aktivität einiger Inhaltsstoffe des Dills könnte ein Grund für dessen vielseitige Verwendung als Gewürz sein, da dadurch die Haltbarkeit von Lebensmitteln verlängert wird.

Das fruchtreife oberirdische Dillkraut entfaltet insektizide ( = insektentötende) und repellierende ( = insektenvertreibende) Wirkungen, u.a. durch die im ätherischen Öl enthaltenen Myristicin und Dillapiol.

Quelle:

Zeitschrift für Phytotherapie Nr. 5/2013

Online

http://dx.doi.org/10.1055/s-0033-1349763

Kommentar & Ergänzung:

Von der Wirkung her gehört Dill in die Nähe von Fenchel, Kümmel und Anis. Er gilt in der Wirkung gegen Verdauungsbeschwerden aber als schwächer. Eine Wirksamkeit als Galaktagogum ist nicht belegt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Petersilientee unterstützt die Entgiftungsarbeit der Leber…

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…schreibt die österreichische Zeitung „Der Standard“ in einem Beitrag über die Wirkung der Frühlingskräuter:

„Ein Bund Petersilie enthält mehr Vitamin C als ein halbes Kilo Orangen. Petersilie unterstützt auch die Entgiftungsarbeit der Leber, regt die Verdauung an und wirkt gegen Blähungen. Was kaum bekannt ist: Petersilientee ist stark harntreibend.“

Quelle:

http://derstandard.at/1363711122225/Die-Wirkung-der-Fruehlingskraeuter

Kommentar & Ergänzung:

Nirgendwo in der Phytotherapie-Fachliteratur finde ich einen Hinweis darauf, dass Petersilie die „Entgiftungsarbeit der Leber“ unterstützt.

Wenn ein Autor oder eine Autorin eine derart ausgefallene Behauptung aufstellt, dann müsste er oder sie begründen, wie er oder sie darauf kommt.

Nur so lässt sich die Glaubwürdigkeit einer solchen Aussage einschätzen.

Es gibt tatsächlich Heilpflanzen, welche die Entgiftungsarbeit der Leber aktivieren.

Das bekannteste Beispiel ist Johanniskraut (Hypericum perforatum). Es aktiviert in der Leber ein Enzym, das gewisse Fremdstoffe abbaut.  Dazu gehören auch gewisse Medikamente, zum Beispiel Digoxin, Marcoumar, Östrogene (Antibaby-Pille), Immunsuppressiva, gewisse Chemotherapeutika und HIV-Medis. Sie werden bei gleichzeitiger Johanniskrauteinnahme schneller abgebaut.

Es treten hier also konkrete Interaktionen (Wechselwirkungen) auf, die beachtet werden müssen.

Sollte Petersilie also die Entgiftungsarbeit der Leber ebenso anregen – wovon ich nicht ausgehe – dann müsste man konkret angeben können, welches Enzymsysteme aktiviert und welche Fremdstoffe dadurch rascher abgebaut werden. Dann müssten auch allfällige Interaktionen thematisiert werden, beispielsweise durch den Hinweis, bei welchen Medikamenten eine gleichzeitige Einnahme von Petersilie zu unterlassen ist.

Davon steht aber nichts im Artikel des „Standard“. Entweder werden hier Interaktionen fahrlässig unterschlagen oder das Ganze ist nicht so ernst zu nehmen……

Was stimmt im Zitat aus dem „Standard“ ist, dass Petersilientee harntreibend wirkt. Genauer: Es wird vermehrt Wasser ausgeschieden.

Ob das so generell sinnvoll und gesund ist, wäre allerdings eine noch zu klärende Frage. Zumal der harntreibende Effekt der Petersilie über eine Reizwirkung des ätherischen Öls auf die Nieren zustande kommt.

Petersilienöl enthält als Hauptbestandteile Apiol, Myristicin und Allyltetramethoxybenzol.

Reines Apiol kann in höheren Dosen abortiv wirken (= Fehlgeburt auslösend). Myristicin wird für erregende und rauschähnliche Zustände nach Einnahme von Petersilienöl in grösseren Mengen verantwortlich gemacht.
Petersilienöl in hohen Dosen kann das Nierenepithel schädigen.
Bei normaler Anwendung von Petersilie als Gewürz oder moderater Anwendung von Petersilientee aus Petersilienkraut sind Vergiftungen allerdings nicht zu befürchten. Langzeitanwendungen von Petersilientee sollten allerdings vermieden werden, die Anwendung von isoliertem Petersilienöl sowieso.

Panikmache bezüglich Einnahme von Petersilie ist also nicht angebracht, aber ebenso wenig die naive Empfehlung als Entgiftungsmittel.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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