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Ingwer unterstützt Heilungsprozess bei Mandel-Operation

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Die Einnahme von Ingwer-Pulver nach einer Entfernung der Gaumenmandeln kann im Vergleich zu Placebo den Schmerz signifikant lindern und die Epithelisierung im Wundbereich beschleunigen. Das ist das Resultat einer kleinen Studie, die kürzlich im Fachmagazin «Clinical and Experimental Otorhinolaryngology» publiziert wurde.

An der prospektiven Studie beteiligten sich 49 Patienten im Alter von 18 bis 45 Jahren. Nach dem Eingriff bekamen sie alle standardmäßig eine antibiotische Behandlung bestehend aus Amoxicillin und Clavulansäure (zweimal täglich 1000 mg) sowie dreimal pro Tag 500 mg Paracetamol zur Schmerzlinderung. 29 Patienten erhielten zusätzlich über sieben Tage zweimal täglich Ingwerwurzel in Kapselform (500 mg Ginger Root, Solgar). Ein Facharzt begutachtete und dokumentierte den Heilungsprozess jeweils nach 1, 4, 7 und 10 Tagen. An denselben Tagen wurde das Schmerzempfinden mittels einer visuellen Analogskala erfasst. Das Schmerzempfinden war unter der Ingwer-Gabe an allen Untersuchungszeitpunkten signifikant geringer als in der Vergleichsgruppe. Ausserdem war die Epithelisierung (Wundheilung) nach 7 beziehungsweise 10 Tagen in der Ingwer-Gruppe deutlich weiter fortgeschritten als unter der alleinigen Standardbehandlung: Bei 74 Prozent der Patienten mit der Ingwer-Zusatzbehandlung war die Wundfläche schon zu mehr als 75 Prozent mit Epithel bedeckt. In der Vergleichsgruppe war dies nur bei 24 Prozent der Fall war. Auch die Nahrungsaufnahme konnte in der Ingwer-Gruppe deutlich früher wieder einsetzen. Bei der Häufigkeit postoperativer Übelkeit und Erbrechen sowie von Blutungen waren zwischen den beiden Gruppen keine relevanten Unterschiede feststellbar.

Die Autoren um Dr. İlker Koçak von der Koç Universität in Instanbul führen die Resultate auf spezifische Wirkungen des Ingwers zurück, insbesondere auf entzündungswidrige und wundheilungsverbessernde Eigenschaften, die bereits experimentell in Studien gezeigt werden konnten. Größere Untersuchungen seien jedoch notwendig, um den Effekt zu bestätigen.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=73567

https://www.e-ceo.org/journal/view.php?doi=10.21053/ceo.2017.00374

DOI: 10.21053/ceo.2017.00374

Kommentar & Ergänzung:

Das Thema dieser Studie ist für die Phytotherapie sehr interessant.

Wenn es tatsächlich so ist, dass Ingwer in einer Dosis von 1 g / Tag in einer akuten Situation schmerzlindernd wirkt und vor allem auch noch die Wundheilung verbessert, dann ist das sehr bemerkenswert.

Ich habe mir die Originalstudie kurz angeschaut.

Die Patienten wurden randomisiert, das heisst per Zufall auf die zwei Gruppen verteilt. Das ist wichtig, weil es Manipulationsmöglichkeiten reduziert. Die Patienten wussten nicht, dass die Ingwer-Kapsel auf schmerzlindernde Wirkung getestet werden sollte und der Befund-erhebende Hals-Nasen-Ohren-Arzt wurde im unklaren darüber gelassen, zu welcher Gruppe der jeweils untersuchte Patient gehört. Das sind Qualitätsmerkmale für eine Studie. Die Zahl der Studienteilnehmer ist aber sehr klein und reicht nicht, um eine Wirksamkeit einwandfrei zu belegen. Und die Qualität der statistischen Berechnungen kannich nicht beurteilen.

Im Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ ist die Rede von standardisiertem Ingwer-Extrakt. Das stimmt nicht. In der Originalarbeit ist von Ingwerpulver die Rede. Das untersuchte Produkt ist ein schlichtes Nahrungsergänzungsmittel. Damit ist es nicht patentierbar und braucht für die Zulassung am Markt auch keine Wirksamkeitbelege zu liefern, wie das bei eiinem Arzneimittel der Fall wäre. Aus diesen zwei Gründen werden wohl die grösseren Untersuchungen, die von den Studienautoren angeregt werden, kaum zustande kommen.

1000 mg Ingwerwurzelpulver entspricht inm Bereich der Phytopharmaka, also der pflanzlichen Arzneimittel, vier Kapseln Zintona pro Tag.

Dass Ingwer entzündungswidrig wirken kann, dafür gibt es schon seit einiger Zeit experimentelle Hinweise aus dem Labor, aber nur wenige konkrete Erkenntnisse bei Patienten. Und in der Ayurvedischen Medizin wird Ingwer mit Erfolg in der Behandlung von Migräne eingesetzt. Das kommt dem Thema Schmerzreduktion zumindestens nahe.

Ingwertherapie zeigte in einer Metaanalyse eine signifikante Schmerzreduktion gegenüber Placebo bei Arthrose. Dabei variierte die Behandlungsdauer aber zwischen drei und zwölf Wochen, während an der besprochen Studie nach Mandel-OP die schon kurzfristig auftretende Wirkung auffällt.

Neu für die Phytotherapie-Fachliteratur ist die mögliche Förderung der Wundheilung durch Ingwer bei peroraler Anwendung. Wenn das bestätigt werden könnte, wäre das sehr interessant. Dann könnte man darüber nachdenken, bei welchen Wunden das sonst noch Sinn macht und das gäbe eine ganze Palette von Einsatzmöglichkeiten. Aber eben: Da hat es noch einige ‚wenn’ und ‚könnte’….

Bemerkenswert ist auch, dass sich keine Abnahme bei der Häufigkeit von postoperativer Übelkeit und Erbrechen zeigte. Ingwer wurde mehrfach zur Linderung von Übelkeit nach Operationen bzw. Narkosen untersucht und zeigte dabei widersprüchliche Ergebnisse. Das Fachbuch „Teedrogen und Phytopharmaka“ schreibt dazu:

„Nach einem überblick über die publizierten Doppelblindstudien zur Verhinderung von postoperativer Übelkeit und Erbrechen besteht zwischen Ingwer und Placebo kein Unterschied, jedoch ein Effekt bei Schwangerschaftserbrechen und der Reisekrankheit. Dennoch wird von verschiedenen Seiten die Anwendung bei Schwangeren wegen fehlender umfangreicher Daten und der unklaren Thromboxan-Synthesehemmung durch Ingwer nicht empfohlen.“

Siehe auch:

Öko-Test: Ingwer gegen Reisekrankheit als ‚Gut‘ bewertet

Metaanalyse: Ingwer reduziert Menstruationsschmerzen

Metaanalyse: Ingwer lindert Schmerzen bei Arthrose

 

Ingwer bei Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft

Ingwer lindert akuten Kopfschmerz bei Migräne

Onkologie / Palliative Care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwer als Hausmittel gegen Verdauungsbeschwerden

Ingwer bei Erkältungen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Nelkenöl lindert Zahnschmerzen

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Das Magazin „Stern“ berichtet über die schmerzlindernde Wirkung von Gewürznelken bzw. von Nelkenöl.

In einer kleinen Studie verglichen Wissenschaftler die Wirkung von Gewürznelken mit der eines lokalen Betäubungsmittels, das direkt im Mund angewendet wird und gaben den Patienten im Anschluss zwei Spritzen. Tatsächlich empfanden die Versuchspersonen die Nadelstiche als weniger schmerzhaft. Die „echte“ Betäubung und das Nelkenöl zeigten in etwa den gleichen Effekt; die in der Studie verwendeten Placebos bewirkten dagegen nichts. Die Fachleute der Kommission E schreiben der Gewürznelke eine lokal betäubende Wirkung zu, die akute Zahnschmerzen lindern kann. Nelkenöl wirkt außerdem antiseptisch: Es tötet Bakterien, Pilze und Viren ab.

Der „Stern“ empfiehlt folgende Anwendungsformen:

„Einen Nelkenstängel auf den schmerzenden Zahn legen und warten, bis die Symptome nachlassen.

Ätherisches Nelkenöl wirkt ebenfalls schmerzstillend: Dafür ein paar Tropfen auf einen kleinen Wattebausch tröpfeln und auf den Zahn legen.“

Die Behandlung mit Nelken sei lediglich eine Erste-Hilfe-Maßnahme. Bei Schmerzen soll die betroffene Person besser so bald wie möglich zum Zahnarzt gehen, damit die Ursache des Problems behoben werden.“

Quelle:

http://www.stern.de/gesundheit/grippe/erkaeltung–ohrenschmerzen–halsschmerzen–diese-hausmittel-helfen-6565438.html#mg-1_1507550313623

 

Kommentar & Ergänzung:

Nelkenöl besteht zu etwa 85 – 95% aus Eugenol und wirkt gut antimikrobiell und lokal schmerzstillend.

Es eignet sich auch zur Linderung des Juckreizes bei Insektenstichen (Laut dem Fachbuch „Leitfaden Phytotherapie„: pur oder in 10%iger alkoholischer Lösung, Alkohol 70% verwenden).

In konzentrierter Form kann Nelkenöl aber auch gewebereizend wirken.

Früher wurde Nelkenöl bzw. Eugenol auch in der Zahnmedizin angewendet. Das Fachbuch „Biogene Arzneimitel“ schreibt dazu:

„Eugenol…und Nelkenöl wurden wegen der antiseptischen, leicht ätzenden und anästhetischen Eigenschaften früher in grossem Umfang in der Stomatologie als Zusatz zu Wurzelkanalfüllmaterialien eingesetzt (mit ZnO zu festem Zinkeugenolat erhärtend). Die Verwendung zu diesem Zweck wird heute wegen möglichem Eindringen in periapikale Gewebe und dadurch bedingte Entzündung und mögliche Sensibilisierung kritisch betrachtet.“

Siehe ausserdem:

Nelkenöl gegen Zahnschmerzen

Eugenol – der Hauptbestandteil im Nelkenöl

Gewürznelken – Nelkenöl

Gewürznelke lindert Schmerzen

 

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Grüntee gegen Zahnfleischentzündung

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Mundspülungen mit Grüntee schützen genauso effektiv vor Zahnbelag und Zahnfleischentzündung wie Chlorhexidin.

Chronische Gingivitis (Zahnfleischentzündung) infolge einer verstärkten Anlagerung von krankmachenden Bakterien an Zähnen und Zahnfleisch betrifft weltweit 50 bis 90 % der Erwachsenen.

Insbesondere bei Personen mit einer entsprechenden Anfälligkeit kann sich daraus eine Parodontitis entwickeln, eine Entzündung des Zahnhalteapparats. Konsequente, gründliche Mundhygiene kann frühzeitig der Entstehung von Plaques und Zahnfleischentzündung vorbeugen.

Dabei können ergänzend zur mechanischen Reinigung mit Zahnbürste, Zahnseide und Co. Mundspülungen mithelfen. Die Substanz Chlorhexidin gehört aufgrund ihrer antimikrobiellen Wirksamkeit zur Standardlösung im Kampf gegen bakterielle Entzündungen im Mundraum. Allerdings wird Chlorhexidin nicht für eine Langzeitanwendung empfohlen und kann Nebenwirkungen wie Taubheitsgefühl, Schwellungen und Schleimhautreizungen bewirken. Zudem kann es die Zähne, Füllungen und die Zunge bräunlich verfärben. Es sind allerdings auch Produkte erhältlich, welche keine Verfärbungen verursachen.

Verschiedene Mundspülungen auf pflanzlicher Basis werden als Alternative zu Chlorhexidin bereits angeboten.

Grüntee von der Teepflanze Camellia sinensis besitzt aufgrund seiner verschiedenen Inhaltsstoffe eine vielfältige gesundheitsfördernde Wirkung und kann auch als antibakterielles Mittel eingesetzt werden.

Eine iranische Wissenschaftlergruppe untersuchte nun in einer randomisierten Studie die Wirksamkeit einer Mundspülung auf der Basis von Grüntee gegen Chlorhexidin.

Die Studie umfasste 40 Teilnehmer, Medizinstudenten im Alter von 18 bis 25 Jahren. Sie wurden zu Beginn der Studie hinsichtlich ihres mundhygienischen Zustandes untersucht (Entzündungen des Zahnfleisches, Zahnfleischbluten, Ausmaß des Zahnbelags Plaque, Verfärbungen der Zähne). Danach wurden Zahnbeläge, Zahnstein und Verfärbungen entfernt und die Probanden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe bekam eine Mundspüllösung auf Basis von Grüntee, welche speziell für die Studie mit einem Tanningehalt von 1 % hergestellt wurde, die andere Gruppe bekam eine Mundspülung mit Chlorhexidin (0,12 %).

Die Studie war doppelblind. Das heisst: Die Testpersonen beider Gruppen wurden nicht darüber informiert, welche Lösung sie erhalten hatten, und auch die untersuchenden Ärzte wussten nicht, zu welcher Gruppe die Probanden gehörten.

Die Teilnehmer bekamen die Anweisung, über einen Zeitraum von vier Wochen zusätzlich zu ihrer normalen Zahnreinigung zweimal täglich eine Minute lang mit 15 ml der jeweiligen Lösung den Mund durchzuspülen.

Nach einer Woche und am Studienende wurden wiederum die zu Beginn untersuchten mundhygienischen Parameter durch ein und denselben Arzt überprüft.

Zu allen drei Überprüfungszeitpunkten liessen sich keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen festgestellen. In beiden Gruppen fanden die Untersucher nach einer bzw. vier Wochen Anwendung der Mundspülungen weniger Zahnbelag, Zahnfleischentzündungen und Zahnfleischbluten im Vergleich zum Befund beim Studienbeginn. Das bedeutet, dass die Spülungen mit Grüntee genauso wirksam waren wie jene mit Chlorhexidin. Mit Grüntee-Spülungen kam es zudem weniger zu Zahnverfärbungen als mit Chlorhexidin.

Quelle:

https://www.carstens-stiftung.de/artikel/gruener-tee-gegen-rotes-zahnfleisch.html

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26272266

 

Kommentar & Ergänzung:

Die Studie ist mit 40 Probanden ziemlich klein und daher in ihrer Aussagekraft begrenzt. Es gibt aber weitere Hinweise auf eine günstige Wirkung von Grüntee bei Zahnfleischentzündungen, zum Beispiel die Beobachtungsstudie hier:

Grüntee fördert gesundes Zahnfleisch

Wobei Beobachtungsstudien nur Hinweise auf mögliche Wirkungen geben, aber nie solche belegen können.

Die Gerbstoffe machen eine Wirksamkeit des Grüntees bei Zahnfleischentzündungen auch plausibel. Dabei dürfte eine direkte entzündungswidrige Wirkung im Vordergrund stehen – im Gegensatz zum Chlorhexidin, das indirekt Entzündungen hemmt über die bakterientötende Wirkung.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Test zeigt grosse Unterschiede in der Qualität von Ernährungsberatung

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Ernährungsberatung ist sehr gefragt, doch die Qualität lässt nicht selten zu wünschen übrig.

Zu diesem Schluss kam ein Test des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) in Wien. Zwei Testpersonen überprüften 16 Wiener Anbieter.

Die Testpersonen wurden nur von drei Anbietern sehr gut beraten. Ihre Ernährungsempfehlungen entsprachen in beiden Szenarien dem Stand der Wissenschaft, berichtete der VKI.

Fünfmal beurteilten die Fachleute die Beratung mit „gut“, dreimal mit „weniger zufriedenstellend“ und fünfmal mit „nicht zufriedenstellend“.

Der VKI kritisiert, dass teilweise abstruse Ernährungsempfehlungen abgegeben wurden.

So meinten zum Beispiel einige Ernährungsberater, Obst und Gemüse solle besser nicht zu spät am Abend oder dann nur in geringen Mengen gegessen werden, da sonst Leberschäden drohen könnten. Dafür gibt es keinerlei wissenschaftliche Belege. Etliche Berater rieten zum Verzicht auf Weizen und Gluten. Gluten, ein Klebereiweiss in Getreide, sei als ‚eines der schlimmsten Lebensmittel überhaupt’ dargestellt worden und von Weizen wurde behauptet, dass er den Darm „verkleben und verschlacken“ soll. Außerdem erfuhren die staunenden Testerpersonen, dass „die meisten Menschen heute auf Weizen schlecht reagieren, da dieser so verändert ist“. Die Konsumentenschützer kritisieren, dass zuerst ärztlich abgeklärt werden müsse, ob überhaupt eine Unverträglichkeit gegenüber Gluten vorliege, bevor zum Verzicht auf Gluten geraten wird.

Auch die Bildung von „Schlacken“ im Körper war in einigen der getesteten Ernährungsberatungen ein Thema. Solche vermeintlichen Rückstände aus dem Stoffwechsel seien jedoch im Körper nicht nachweisbar. Kritik äusserte der VKI weiters an „nutzlosen Testverfahren“ wie Bioresonanz oder Autonome Regulations-Testung, die zum Feststellen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten vollkommen ungeeignet seien.

Quelle:

http://derstandard.at/2000063393576/Test-Wiener-Ernaehrungsberater-zwischen-sehr-gut-und-abstrus

https://www.konsument.at/ernaehrungsberatung092017

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Test fand zwar in Wien statt, doch dürfte das Ergebnis in der Schweiz sehr ähnlich aussehen. Ernährungsberater und Ernährungsberaterin sind keine geschützen Titel. So kann sich jede und jeder nennen. Dadurch müssen Patientinnen und Patienten mit sehr grossen Qualitätsunterschieden rechnen. Verschärft wird die Lage noch dadurch, dass Ernährung inwischen mehr und mehr zu einer Art von Religionsersatz und Heilsbringer geworden ist.

In der Schweiz gibt es den gesetzlich geschützten Titel „Ernährungsberaterin/Ernährungsberater SVDE“. Er garantiert für eine wissenschaftlich fundierte und praktisch erprobte ernährungsberaterische und ernährungstherapeutische Ausbildung. Mehr dazu auf der Website des

Schweizerischen Verbands der Ernährungsberater/innen SVDE

Zu zwei Stichworten in den Testkäufen noch ein paar Anmerkungen:

Schlacken: Die Kritik des KVI ist nachvollziehbar. Schlacken entstehen im Hochofen. Auf den menschlichen Organismus bezogen ist der Begriff höchst fragwürdig und wohl ein Phantasieprodukt. Ich hätte jedenfalls kein Vertrauen in BeraterInnen, TherapeutInnen oder VerkäuferInnen, die mir „Schlacken“ einreden wollen.

Siehe dazu:

Schlackenstoffe ein Phantom macht Karriere

Entgiften und entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

Gluten: Die Kritik des KVI ist sehr zu unterstreichen. Wer an Zöliakie leidet, muss Gluten meiden. Solche Personen leiden an einer Überempfindlichkeit gegenüber Gluten (Klebereiweiss), die zum Teil erblich bedingt ist, lebenslang bestehen bleibt und zur Zeit nicht ursächlich behandelt werden kann. Kontakt mit Gluten führt bei Zöliakie zu einer chronischen Entzündung der Dünndarmschleimhaut. Weizen ist ein wichtiger Lieferant von Gluten, das aber auch in Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel und Grünkern nachgewiesen wurde. Die Häufigkeitsangaben für Zöliakie schwanken von Land zu Land beträchtlich. Es handelt sich aber um eine sehr seltene Erkrankung – etwa ein Prozent der Bevölkerung dürfte grosszügig gerechnet sein – und es ist unsinnig, wenn Menschen, die nicht an Zöliakie leiden, auf glutenfreie Nahrung umstellen. Das ist nämlich nicht nur erheblich teuerer, sondern möglicherweise für Gesunde auch ungesünder. „Glutenfrei“ ist inzwischen zu einer Art Lifestyle geworden und ein Milliardenmarkt.

Es gebe aktuell keine Hinweise, dass eine glutenfreie Ernährung einen gesundheitsfördernden Effekt hat“, sagt Daniel C. Baumgart, Oberarzt am Zentrum für Innere Medizin an der Charité in Berlin: „Wenn man keine Zöliakie hat, gibt es keinen Grund für diese nicht ganz einfach einzuhaltende Diät.“ Auch Maria Boumezrag von der Deutschen Zöliakigesellschaft (DZG) sieht das so: „Eine glutenfreie Ernährung braucht ein normaler Mensch nicht. Das wirkt sich weder positiv noch negativ aus – es ist einfach unnötig.“

Quelle: http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/ernaehrung-in-der-glutenfrei-falle-1.2678505

Trotzdem lebt zum Beispiel jeder zehnte US-Haushalt glutenfrei und jeder vierte Amerikaner glaubt, dass Ernährung ohne Gluten für jedermann gesund sei.

Eine US-Studie, die im „British Medical Journal“ veröffentlicht wurde (http://www.bmj.com/content/357/bmj.j1892) hat jedoch gezeigt, dass eine glutenfreie Kost für die Herzgesundheit keine Vorteile bringt. Möglicherweise wirkt das Weglassen von Gluten sogar ungünstig, weil viele Menschen mit dem Gluten zugleich auch ihren Vollkornkonsum reduzieren, der das Herz zu schützen scheint. Ballaststoffe aus Vollkorn sind zudem wichtig für die Darmflora, regulieren die Darmtätigkeit und lassen den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen.

Siehe auch:

Fragwürdiger Hype um Nahrungsmittel-Unverträglichkeit

Nicht gerade einfach ist im Bereich der Ernährungsberatung, dass die Empfehlungen im Laufe der Zeit immer wieder einmal ändern. Das führt nicht selten zu Verwirrung, ist aber auch ein Stück weit charakteristisch für die Wissenschaft. Sie stellt die eigenen Erkenntnisse immer wieder kritisch auf den Prüfstand und nutzt damit die Chance, Irrtümmer aufzudecken. Nur dogmatische Lehren verkünden ewige Wahrheiten.

Erschwerend kommt für die Ernährungsberatung allerdings noch hinzu, dass die Ernährungswissenschaft oft nicht gerade eindeutige Ergebnisse liefert. Das liegt auch daran, dass es nicht einfach ist, qualitativ hochstehende und aussagekräftige Ernährungsstudien durchzuführen.

Siehe dazu:

Ernährungswissenschaft: Fragwürdige Studien stiften mehr Verwirrung als Nutzen

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Curcuma: Wechselwirkungen mit Antikoagulantien? Wirkungen?

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Curcuma, auch „indischer Safran“ genannt, ist ein bekanntes Gewürz von intensiv gelber Farbe, welches vor allem in Currymischungen zur Anwendung kommt. Es wird aus dem Wurzelstock von Curcuma longa, einer asiatischen Heilpflanze aus der Familie der Ingwergewächse, gewonnen.

Curcuma enthält reichlich antioxidativ wirksame Polyphenole aus der Gruppe der Curcuminoide, insbesondere Curcumin.

Traditionellerweise wird Curcuma aufgrund seiner antioxidativen, magenstärkenden, gallenflussfördernden und vor allem auch entzündungswidrigen Eigenschaften verwendet.

Curcumin kann die Aktivität der Proteinkinase C reduzieren, welche als Schlüsselenzym am Entzündungsprozess von vielen chronischen Erkrankungen beteiligt ist. Curcuma bzw. Curcumin wird auch als alternative Therapie bei diversen Krankheiten propagiert. Dazu zählen Arthritis, Arthrose, rheumatoide Polyarthritis, Multiple Sklerose, Krebs oder neurologische Erkrankungen (Alzheimer).

Laut bestimmten Literaturquellen hemmt Curcumin in vitro (= im Reagenzglas) die Thrombozytenaggregation (Zusammenballung der Blutplättchen). Eine Hemmung der Thrombozytenaggregation kann die Blutfliesseigenschaften verbessern, aber damit auch die Blutstillung verlangsamen.

Aus diesem Grund ist bei antikoagulierten Patienten Vorsicht angebracht: Die gleichzeitige Einnahme grösserer Curcumamengen und Antikoagulantien könnte die blutverdünnende Wirkung verstärken und das Blutungsrisiko steigern.

Zugrundeliegende Literatur:

VIDAL Le guide des compléments alimentaires p171

Le Moniteur des pharmacies Moniteur 3110/2016/p57

Micromedex® online

 

Quelle:

 

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5455&NMID=5455&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Heilpflanzen können in bestimmten Situationen andere Arzneimittel in ihrer Wirkung beeinflussen – zum Beispiel die Wirkung verstärken oder abschwächen. Man spricht in solchen Fällen von Wechselwirkungen (Interaktionen), wie sie auch sonst zwischen Medikamenten vorkommen.

Darum ist es wichtig, diesen Aspekt auch bei der Anwendung von Heilpflanzen im Auge zu behalten. Allerdings ist es oft gar nicht so einfach, dazu sichere Aussagen zu machen.

Wenn Curcumin in einem Laborexperiment im Reagenzglas die Thrombozytenaggregation hemmt, lässt sich daraus noch nicht der Schluss ziehen, dass diese Interaktion auch im lebendigen menschlichen Organismus auftritt und auch nicht, dass deswegen ernsthafte Störungen der Blutungsstillung bei Menschen auftreten.

Curcumin wird nämlich nur sehr schlecht aus dem Verdauungstrakt in den Organismus aufgenommen. Es ist deshalb ungeklärt, ob Curcumin in einer Konzentration in den Körper gelangen kann, die dort zu solchen Wechselwirkungen führt, ob solche Wechselwirkungen klinisch relevant sind und wieviel Curcuma man einnehmen müsste, um Störungen auszulösen. Die aktuelle Phytotherapie-Fachliteratur vermerkt jedenfalls bei Curcuma unter dem Punkt „Interaktionen“: „keine“.

Man muss aber auch erwähnen, dass diese Einschänkung möglicher Interaktionen auch für die Wirkungen von Curcuma gilt. Auch bei den Wirkungen kann man nicht einfach von (oft beeindruckenden) Laborergebnissen auf die Wirksamkeit bei Menschen schliessen.

Und wenn oben erwähnt aufgeführt ist, dass Curcuma bei Arthritis, Arthrose, rheumatoide Polyarthritis, Multiple Sklerose, Krebs oder neurologische Erkrankungen (Alzheimer) propagiert wird, dann geht oft unter, dass diese Empfehlungen weitgehend auf Laborexperimenten basieren und dass die limitierte Aufnahmefähigkeit in den Organismus die Aussagekraft dieser Ergebnisse einschränkt.

Im Reagenzglas zeigt Curcumin zum Beispiel eindrückliche entzündungswidrige Effekte und tötet Krebszellen ab. Das belegt aber noch nicht, dass es auch gegen Entzündungen oder gegen Krebserkrankungen im menschlichen Körper wirksam ist. Dazu sind belastbare Ergebnisse aus Patientenstudien nötig.

Bei Arthrose kam eine Übersichtsstudie (Metaanalyse), in der mehrere Einzelstudien ausgewertet wurden zum Schluss, dass Cucurmin sowohl die Schmerzen verringern als auch die Beweglichkeit verbessern kann.

Siehe dazu http://online.liebertpub.com/    doi/10.1089/jmf.2016.3705

Bei Krebs dagegen kommt das Portal Medizin-Transparent zu Schluss, dass sich die Wirksamkeit von Curcumin auf der Basis der vorliegenden Patientenstudien nicht belegen lässt.

Siehe dazu: https://www.medizin-transparent.at/curry-gewurz-gegen-krebs

Am ehesten denkbar sind solche Effekte bei Entzündungen oder allenfalls auch Tumoren im Verdauungstrakt, weil Cucurmin so direkt an den Wirkungsort gelangen kann und nicht resorbiert werden muss.

Siehe dazu:

Kurkuma bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

 

Seit einiger Zeit gibt es aber interessante Forschungs- und Entwicklungsarbeiten mit dem Ziel, die Resorbierbarkeit von Curcumin zu verbessern.

Siehe dazu:

Forschung zur Optimierung der Curcumin-Wirkung gegen Krebs

Forschung: Curcumin gegen Alzheimer & Krebs

Wikipedia fasst die Bemühungen um eine verbesserte Bioverfügbarkeit von Curcumin so zusammen:

„Da Curcumin schwer wasserlöslich ist, wird es im Magen-Darm-Trakt nur in einem sehr geringen Maß absorbiert. Durch Erhitzen oder Auflösung in Öl wird die Bioverfügbarkeit von in Lebensmitteln enthaltenem Curcumin erhöht.

Unter Anwendung von Absorptions-Faktoren werden mehrere Ansätze für eine erhöhte Bioverfügbarkeit untersucht. Ein Curcumin-Phospholipid-Komplex hat eine 29-fach höhere Bioverfügbarkeit als herkömmliches Curcumin. Schwarzer-Pfeffer-Extrakt (Piperin) bewirkt eine 20-fache Bioverfügbarkeit von Curcumin und wird in den meisten Nahrungsergänzungsmitteln mit Curcumin eingesetzt.

In einem von der Bundesregierung geförderten Forschungsprojekt an der Universität Hohenheim durchgeführt, wurde Curcumin in Micellen eingebettet, die vom Körper leichter aufgenommen werden, ohne das die Wirkstoffe hierbei chemisch verändert wurden. Vielmehr erzeugt das patentierte Verfahren eine der Natur analoge Struktur dieser Substanzen mit dem Ergebnis, dass die Bioverfügbarkeit gegenüber herkömmlichen Curcumin-Pulvers um das ca. 180-fache höher ist, einhergehend mit einer ca. 6.8-fach schnelleren Absorption im Organismus.“

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Curcumin (Literatur dort)

Die Bioverfügbarkeit sagt etwas aus über den Anteil eines Wirkstoffes, der unverändert im systemischen Kreislauf (insbesondere im Blutkreislauf) zur Verfügung steht. Sie gibt an, wie rasch und in welchem Mass ein Arzneistoff resorbiert wird und am Wirkort zur Verfügung steht.

Bis ein optimal bioverfügbares und in seiner Wirksamkeit gut belegtes Curcumin-Präparat im Handel ist, düfte es allerdings noch einiges an Entwicklungs- und Forschungsarbeit brauchen.

 

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Gefrorene Ananas lindert Mukositis (Mundschleimhautentzündung) bei Strahlentherapie

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Bei einer Strahlentherapie im Rahmen einer Krebsbehandlung kann als Nebenwirkung eine Mundschleimhautentzündung (Mukositis) auftreten. Das Portal nachrichten.at weißt auf die Möglichkeit der Linderung dieser Beschwerden durch gefrorene Ananasstückchen hin:

„So kann eine Nebenwirkung einer Strahlentherapie eine akute Entzündung und Geschwürbildung der Mundschleimhaut sein. Bei dieser quälenden Mukositis ist das Lutschen von gefrorenen Ananasstückchen hilfreich. Die Frucht, die durch ihre Säuren in aufgetautem Zustand auf der Schleimhaut unerträglich brennen würde, bringt im gefroren Zustand Linderung. Dabei wirkt das Ananas-Enzym Bromelain entzündungshemmend sowie abschwellend und das Eis im Sinne einer Kryotherapie (gezielter Einsatz von Kälte für therapeutische Zwecke).“

Quelle:

http://www.nachrichten.at/ratgeber/gesundheit/forumgesundheit/art12300,840441

Kommentar & Ergänzung:

Ananas bei Mundschleimhautentzündung – das tönt auf den ersten Eindruck ziemlich suspekt. Das ist doch sauer und wird brennen, würde man meinen. Aber diese Empfehlung ist auch von Fachleuten zu hören, zum Beispiel von Prof. Dr. Josef Beuth, Direktor am Institut für wissenschaftliche Evaluation naturheilkundlicher Verfahren an der Medizinischen Fakultät der Universität Köln:

„Bei quälender Mukositis empfiehlt Prof. Beuth den Patienten, gefrorene Ananasstückchen zu lutschen. Die Frucht, die durch ihre Säuren in aufgetautem Zustand auf der Schleimhaut unerträglich brennen würde, bringt gefroren Linderung, und die direkte Enzymwirkung verkürzt die Krankheitsdauer.“

Quelle:

http://www.medical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=106321&dspaid=902164

Oder im Buch „Klinische Ernährungsmedizin“ (Hrsg. Maximilian Ledochowski, Springer 2009):

„Ungezuckerter Ananassaft zu runden Eiswürfeln gefroren kann prophylaktisch gegen Mukositis eingesetzt werden. Dabei wirkt das Ananas-Enzym Bromelain antiinflammatorisch und abschwellend und das Eis im Sinne einer Kryotherapie.“

(antiinflammatorisch = entzündungswidrig, Kryotherapie = Kältetherapie)

Siehe auch:

Phytotherapie kann bei Krebs manche Beschwerden lindern

 

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Hausmittel gegen Bronchitis: Knoblauch

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Das Portal Apotheke-Adhoc empfiehlt zum Thema Hausmittel bei Bronchitis:

„Knoblauch enthält Sulfide, die antibiotisch wirken und die Entzündung in den Bronchien lindern können. Zudem unterstützt er den Abtransport des Schleims aus den Bronchien. Die scharfe Knolle ist deshalb ein altbewährtes Hausmittel gegen Bronchitis. Essen Sie bei einer akuten Bronchitis mindestens zwei Zehen pro Tag.“

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/branchennews/alle-branchennews/branchennews-detail/blogads-welche-hausmittel-helfen-gegen-bronchitis/

Kommentar & Ergänzung:

Knoblauch hat eine sehr lange Tradition als Hausmittel gegen Erkältungen, aber auch gegen andere Infektionen. Knoblauch-Wirkstoffe wie Allicin zeigen im Labor gute Wirkungen gegen Bakterien. Wie stark mit solchen Effekten auch im menschlichen Organismus gerechnet werden kann, ist aber nicht klar belegt. Schliesslich ist doch ein grosser Unterschied zwischen der Situation im Labor, wo Knoblauch-Wirkstoffe direkt und in grosser Konzentration auf Bakterien einwirken können, und der Situation im lebenden Organismus eines Patienten. Dort sind so hohe Konzentrationen wie im Labor oft nicht erreichbar und es gibt viele Störfaktoren, die im Labor fehlen.

Interessant ist aber, dass vor kurzem eine Studie der renommierten Cochrane-Collaboration zum Schluss kam, dass Versuchspersonen, die über drei Monate hinweg täglich eine Knoblauchtablette schluckten, im Vergleich zu einer Placebo-Gruppe seltener an einer Erkältung litten. Hier handelt es sich also um einen vorbeugenden Effekt. Wenn die Versuchspersonen eine Erkältung hatten, war die Krankheitsdauer in beiden Gruppen ähnlich (4,63 bzw. 5,63 Tage). Die untersuchte Knoblauchtablette enthielt allerdings 180 mg Allicin und wurde täglich einmal eingenommen. Umgerechnet auf frischen Knoblauch würde das zwischen 14 g und 36 g ausmachen, was aus sozialen Gründen nicht alltagstauglich ist.

Siehe auch:

Schützt Knoblauch vor Erkältungen?

Apotheke-Adhoc weist im übrigen zu Recht auf die Grenzen der Selbstbehandlung bei Bronchitis hin:

„Bei jeder Verwendung von Bronchitis-Hausmitteln gilt: sollte sich innerhalb einer Woche keine Besserung zeigen oder hohes Fieber dazukommen, sollten Sie auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.“

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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Lebensgefährliche Vergiftung durch Verwechslung von Fingerhutblättern mit Beinwellblättern

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Dumm gelaufen: Ihre Schlaflosigkeit wollte eine 63-jährige Frau aus Grossbritannien mit einem Tee aus Beinwellblättern lindern. Jemand aus dem Freundeskreis hatte ihr dazu geraten.

Die Frau ging zum Markt und kaufte dort vermeintlich Blätter von Beinwell (Symphytum officinale). Zu Hause übergoss sie die Pflanzenteile mit heißem Wasser und hoffte auf eine beruhigende, schlaffördernde Wirkung des Tees. 18 Stunden später wurde sie mit Übelkeit, Herzrasen und Benommenheit in die Notaufnahme des King’s College Hospital in London eingeliefert. Die behandelnden Ärzte Mathew Kurian Vithayathil und Matthew Edwards berichten im Fachblatt „BMJ Case Reports“ von ihrem Fall.

In der medizinischen Vorgeschichte der Patientin liess nichts auf Herzprobleme schliessen. Im Elektrokardiogramms (EKG) fanden die Ärzte aber klare Auffälligkeiten. Die Blutwerte waren dagegen normal: Der Elektrolythaushalt war in Ordnung, die Entzündungsmarker waren nicht erhöht.

Die Mediziner wollten sich in einer nationalen toxikologischen Datenbank über Beinwell informieren, doch gibt es dort keinen Eintrag für die Pflanze. In einem anderen Online-Nachschlagewerk fanden sie aber einen Eintrag, der die Beinwellpflanze mit einer Lebervenen-Verschlusskrankheit in Verbindung bringt. Die Symptome der Patientin passen jedoch überhaupt nicht zu diesem Leiden.

Berichte, in denen Beinwell im Zusammenhang mit Herzkrankheiten oder Herzrhythmusstörungen genannt wird, fanden die Ärzte keine.

Dennoch hielten sie den Tee weiterhin für die wahrscheinlichste Ursache für die Symptome der Patientin und setzten deshalb ihre Recherche mit einer Bildersuche im Internet fort. Dabei fiel ihnen auf, dass die Blätter der Beinwellpflanze ähnlich aussehen wie die Blätter der Fingerhutpflanze (Digitalis purpurea, engl. foxglove).

Erneut untersuchen die Mediziner das Blut der Frau und konnten erhöhte Digoxin-Werte nachweisen – eine Substanz, die im Fingerhut vorkommt. Das Herzglykosid Digoxin bewirkt im menschlichen Organismus, dass sich das Herz kraftvoller zusammenzieht und langsamer schlägt.

Wegen dieser Wirkungen wurde die Substanz schon früh als Medikament bei Herzschwäche eingesetzt eingesetzt. Digoxin hat allerdings eine kleine therapeutische Breite, wodurch die Grenze zur Vergiftung rasch überschritten werden kann. Das führt dann zu Symptomen, die auch die britische Patientin hatte.

Nachdem der Auslöser der Vergiftung bekannt war, konnte die Frau mit einem Gegenmittel behandelt werden, mit dem das Digoxin unschädlich gemacht wurde. Das Herz kehrte wieder in seinen gewohnten Rhythmus zurück und die Frau konnte nach fünf Tagen die Klinik ohne bleibende Schäden verlassen.

Die Mediziner baten die Patientin noch, dem Händler auf dem Wochenmarkt mitzuteilen, welche Verwechslung ihm unterlaufen ist. Außerdem regen sie an, dass Beinwell nun doch in die nationale toxikologische Datenbank aufgenommen wird – wegen der möglichen Verwechslung mit Fingerhut.

Quelle:

http://derstandard.at/2000049373482/Selbstgemachter-Kraeutertee-Riskante-Mischung

http://www.t-online.de/lifestyle/gesundheit/id_79729294/raetselhafter-medizinfall-frau-stirbt-fast-an-beruhigendem-kraeutertee.html

http://casereports.bmj.com/content/2016/bcr-2016-216995

 

Kommentar & Ergänzung:

1. Ja, Pflanzen (auch Heilpflanzen) sind nicht immer harmlos. Man sollte sie gut kennen, bevor man sie direkt aus der Natur, aus dem Garten oder vom Markt anwendet. Andernfalls bezieht man sie besser aus Apotheken oder Drogerien.

2. Beinwell gegen Schlaflosigkeit, das ist eine Empfehlung, die weder durch seriöse Phytotherapie-Fachliteratur gedeckt noch sonst wie plausibel ist. Gute Ratschläge aus dem Freundeskreis nicht unbesehen übernehmen, sondern mit seriöser Fachliteratur überprüfen.

3. Digoxin aus dem Roten Fingerhut war über längere Zeit ein zentrales Medikament bei Herzschwäche. Das zeigt die Bedeutung, die Naturstoffe für die Medizin hatten und in vielen Bereichen auch heute noch haben. Aufgrund der kleinen therapeutischen Breite (geringer Abstand zwischen wirksamer und toxischer Dosis) wird Digoxin aus Fingerhut isoliert eingesetzt. Mit einem Fingerhut-Tee könnte Digoxin nicht präzis genug dosiert werden. Digoxin-Präparate sind rezeptpflichtig und haben inzwischen stark an Bedeutung verloren. Also bitte keine Selbstversuche mit Fingerhut!

4. Der geschilderte Fall ist eindrücklich. Im allgemeinen kann man aber auch feststellen, dass Vergiftungen mit Pflanzen heute eher selten vorkommen, vor allem im Vergleich zu Vergiftungen mit Medikamenten und Chemikalien.

5. Beinwell enthält Pyrrolizidinalkaloide, die unter anderem Lebererkrankungen auslösen können. Das erklärt die Erwähnung einer Lebervenen-Verschlusskrankheit im Artikel. Beinwell wird deshalb nur zur Anwendung äusserlich auf intakter Haut empfohlen, zum Beispiel als Salbe oder Gel bei Verstauchungen, Prellungen, Quetschungen, Sehnenscheidenentzündungen etc. Meist werden dazu Auszüge aus den Beinwellwurzeln verwendet (zum Beispiel in Kytta-Salbe), seltener aus den Blättern.

6. Im Bericht der österreichischen Tageszeitung „Der Standard“ über diesen Fall wird irrtümlich anstelle von Digoxin als Inhaltsstoff von Fingerhut Dioxin erwähnt. Das schreibt sich zwar ähnlich, ist aber genauso eine Verwechslung wie der Konsum von Fingerhut- anstelle von Beinwellblättern. Schon blöd, wenn man einen Artikel über Verwechslung schreibt, und dann selber eine macht. Dioxin steht im allgemeinen Sprachgebrauch für eine Gruppe von gefährlichen Umweltgiften, die sich über die Nahrungskette anreichern.

7. Dass die Mediziner offenbar nur die Patientin baten, den Händler auf dem Markt über seinen Irrtum aufzuklären, scheint mir ungenügend. In einem solchen Fall würde ich erwarten, dass diese Meldung über einen offiziellen Kanal läuft, bei dem überprüft werden kann, ob der Händler identifiziert und die Warnung angekommen ist. Bei uns hat die Gewerbepolizei die Aufsicht über den Markt und die kennen ihre Marktfahrer. Das wäre meiner Meinung nach die sichere Variante. Zwar wird es selten vorkommen, dass jemand Beinwellblätter zur Teezubereitung kauft, aber manche Leute verwenden sie als Wildgemüse. Und das würde dann auch reichen für eine veritable Vergiftung, wenn statt Beinwellblätter irrtümlich Fingerhut verkauft wird.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Resveratrol bessert in Studie Hormonhaushalt bei Frauen mit Polyzystischem Ovar-Syndrom (PCOS)

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Das Polyphenol Resveratrol kommt in Weintrauben und einer Reihe anderer Früchte vor. In einer kleinen randomisierten Studie verbesserte Resveratrol die Hormonwerte von Frauen mit Polyzystischem Ovar-Syndrom (PCOS) deutlich. Die Studie wurde publiziert im Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism (2016; doi: 10.1210/jc.2016-1858).

Das PCOS ist mit einer Prävalenz von 6 bis 18 Prozent eine häufige hormonelle Störung von Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter. Prävalenz ist ein Begriff aus der Epidemiologie der aussagt, welcher Anteil der Menschen einer bestimmten Gruppe (Population) zu einem bestimmten Zeitpunkt an einer bestimmten Krankheit erkrankt ist.

Die meist übergewichtigen Frauen leiden an Zyklusstörungen mit seltener bis ganz ausbleibender Periode und klagen über einen Hirsutismus oder andere Androgenisierungserscheinungen wie Hautunreinheiten oder fettiges Haar. Bei vielen betroffenen Frauen liegt eine Insulinresistenz vor, wodurch das Diabetesrisiko ansteigt. Erhöhte Lipidwerte und Entzündungsparameter wie CRP weisen auf ein gesteigertes kardiovaskuläres Risiko hin.

Die Ursache des PCOS ist nicht genau bekannt. Eine gesteigerte Bildung von männlichen Geschlechtshormonen im Eierstock und auch in den Nebennieren ist ein gemeinsamer Faktor. Eine Therapie mit Antiandrogenen ist in der Regel nicht akzeptabel, und zahlreiche Frauen lehnen auch die Einnahme vTestosteron,Progesteron,klinische Studie,Placebo,on hormonellen Kontrazeptiva ab, von denen eine gute Wirkung erwartet werden kann.

Wissenschaftler der Medizinischen Universität Posen entdeckten bei Experimenten an Thekazellen des Eierstocks, dass Resveratrol die Bildung von Testosteron (nicht jedoch von Progesteron) vermindern kann.

Darum wurde in Kooperation mit Endokrinologen der Universität von Kalifornien in San Diego eine erste klinische Studie durchgeführt, an der in Posen total 30 Frauen mit einem PCOS (nach den Rotterdam-Kriterien) teilnahmen.

Die Probandinnen schluckten über einen Zeitraum von drei Monaten täglich eine Kapsel, die bei der Hälfte der Frauen das Resveratrol-Supplement eines amerikanischen Produzenten und bei der anderen Hälfte ein Placebo enthielt.

Als primärer Endpunkt der Studie legten die Forscher das Gesamt-Testosteron im Serum fest.

Die Wissenschaftler berichten hier von einem deutlichen Rückgang um 23,1 Prozent, während in der Placebo-Gruppe ein Anstieg um 2,9 Prozent gemessen wurde. Resveratrol verminderte nicht nur die Androgenproduktion im Eierstock. Auch die Variante DHEAS (Dehydroepiandrosteron-Sulfat), die hauptsächlich in den Nebennieren heergestellt wird, wurde um 22,2 Prozent vermindert, während sich dieser Wert in der Placebo-Gruppe um 10,5 Prozent erhöhte.

Darüber hinaus kam es zu einer Reduktion der Insulinkonzentration im Serum um 31,8 Prozent. Beim „Insulin Sensitivity Index“ zeigte sich eine Verbesserung um 66,3 Prozent. Die Resveratrol-Supplemente wurden gut vertragen, bis auf zwei Frauen, bei denen vorübergehende Sensibilitätsstörungen auftraten.

Aus den guten Resultaten lässt sich ableiten, dass die Durchführung weitergehender klinischer Studien gerechtfertigt wäre, um einen medizinischen Nutzen von Resveratrol beim PCOS zweifelsfrei zu belegen.

Dass solche grösseren Studien durchgeführt werden, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Der US-Produzent vertreibt sein Resveratrol-Präparat als Nahrungsergänzungsmittel. Daher muss er für dieses Produkt keine Wirksamkeit belegen und deshalb auch keine aufwendigen und teuren Studien vorlegen. Er darf für sein Nahrungsergänzungsmittel aber auch nicht die Behauptung verbreiten, dass es einen klinischen Nutzen bei PCOS habe.

Nur wenn der Hersteller diese Aussage machen will, wird sein Produkt als Arzneimittel zulassungspflichtig und eine grosse Phase 3-Studie mit positivem Ergebnis unverzichtbar.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/71010/PCOS-Resveratrol-bessert-Hormonhaushalt-in-Studie

http://press.endocrine.org/doi/pdf/10.1210/jc.2016-1858

 

Kommentar & Ergänzung:

Resveratrol gehört zu den Polyphenolen und kommt in relativ grossen Mengen in der Haut von roten Weintrauben vor, aber auch in Himbeeren, Maulbeeren, Pflaumen, Erdnüssen und im Japanischen Staudenknöterich, der bei uns als Neophyt Probleme bereitet.

Resveratrol wird diskutiert und erforscht als Antioxidans, Krebsmittel, Anti-Aging-Mittel, Phytoöstrogen. Um die Substanz ist in den letzten Jahren ein gewisser Hype entstanden, was immer eine gewisse Vorsicht in der Bewertung nahelegt. So sind zum Beispiel die Wirkungen gegen Krebs vor allem im Labor an Krebszellen festgestellt worden. Untersuchungen an Krebspatienten, die eine erfolgreiche Anwendung von Resveratrol gegen Tumore belegen könnten, existieren jedoch keine.

PCOS als Forschungsbereich für eine mögliche Anwendung von Resveratrol ist mir neu. Die gemessene Reduktion des Testosteronspiegels ist interessant und könnte für weitere Anwendungsbereiche in Frage kommen.

Die Studie ist mit total 30 Frauen allerdings sehr klein und kann eine Wirksamkeit nicht sicher belegen. Das wird den Hersteller des Nahrungsergänzungsmittels nicht davon abhalten, sie in seine Marketingbemühungen einzubinden.

Die Tagesdosis betrug in der Studie 1500mg Resveratrol in einer Kapsel.

Der Text spricht ein wichtiges Problem pflanzlicher Naturheilmittel an. Werden sie als Nahrungsergänzungsmittel verkauft, braucht es dazu keinen Wirksamkeitsnachweis. Damit entfällt für die Hersteller meistens auch die Motivation, grosse, beweisende Phase-3-Studien durchzuführen. Ich selber bin nicht strikt gegen die Vermarktung pflanzlicher Präparate als Nahrungsergänzungsmittel. Ich ziehe aber Hersteller von, die ihre Präparate als Arzneimittel anmelden und auch die entsprechenden Phase-3-Studien durchführen. Diesen Forschungsaufwand gilt es meines Erachtens wertzuschätzen. Das ist aber auch aus Kostengründen für viele Firmen nicht zu stemmen.

Eine Phase-3-Studie lohnt sich für den Hersteller auch nicht, weil Resveratrol als Naturstoff nicht patentierbar ist. Die Forschungskosten lassen sich nicht auf den Produktpreis schlagen, weil jeder Konkurrent die Forschungsergebnisse auch für sich nutzen und sein Resveratrol-Präparat ohne Forschungsaufwand günstiger auf den Markt werfen kann. Wenn der Forschungsstand in manchen Bereichen der Phytotherapie ungenügend ist, dann kann das jedenfalls auch mit diesen nachteiligen kommerziellen Bedingungen zu tun haben. Das ist auf alle Fälle nicht einfach eine reine Schutzbehauptung.

Was ist eine Phase-3-Studie:

„Die Phase III umfasst die Studien, welche die für die Zulassung entscheidenden Daten zum Wirksamkeitsnachweis ermitteln. Üblicherweise sind mindestens zwei voneinander unabhängige kontrollierte klinische Studien, die jede für sich einen Nachweis der statistischen Signifikanz der Wirksamkeit erbringen, notwendig. Phase-III-Studien können viele tausend Patienten einschließen und sich über mehrere Jahre erstrecken. In der Regel handelt es sich um randomisierte Doppelblindstudien.“

Quelle: Wikipedia

Zu Resveratrol siehe auch:

Zur Bioverfügbarkeit von Resveratrol

Resveratrol aus Weintrauben als Diabetes-Heilmittel?

Resveratrol aus Rotwein als Entzündungshemmer

Mythos vom gesunden Rotwein bröckelt

 

 

 

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Altes Hausmittel: Hilft Quark gegen Sonnenbrand?

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Diese Frage stellt die Zeitung „Express“ einem Experten, dem Oberarzt und Leiter des Hauttumorzentrums an der Charité der Universitätsmedizin Berlin, Claas Ulrich.

Antwort:

„Das ist natürlich nichts, was man wirklich empfehlen kann.“

Stattdessen empfiehlt er, etwas gegen die Entzündung zu machen. Am besten versuche man, sanft zu kühlen, folgt darauf als guter Ratschlag.

Quelle:

http://www.express.de/ratgeber/gesundheit/altbekanntes-hausmittel-hilft-quark-wirklich-gegen-sonnenbrand–24603138

Kommentar & Ergänzung:

Ähm…was macht denn der Quark anderes als sanft zu kühlen?

Zugegeben, mir sind keine fundierten Studien bekannt, die eine kühlende Wirkung von Quarkauflagen / Quarkwickeln belegen würden. Wahrscheinlich gibt es solche Studien nicht, denn wer soll schon Interesse daran haben, sie zu finanzieren. Quark lässt sich nun mal nicht patentieren. Aber brauche ich denn eine Studie, um zu beweisen, dass Quark kühlend wirkt? Bestimmt nicht, solange es um ein Mittel geht, das so billig und risikofrei ist wie Quark. Und die kühlende Wirkung zeigt sich bei der Anwendung überzeugend genug.

Ich finde es schade, wenn einfache Hausmittel so flapsig und ohne fundierte Argumente abgetan werden.

Studien sind in vielen Fällen unverzichtbar, zum Beispiel wenn es um teure Interventionen geht oder wenn es für das Leben und die Gesundheit von kranken Menschen entscheidend ist, ob eine Behandlung wirksam ist oder nicht.

Bei Quark gegen Sonnenbrand liegt der Fall aber ganz anders. Es macht Sinn, auch Hausmittel kritisch unter die Lupe zu nehmen, aber dann bitte schön mit Argumenten.

Sanft kühlen, das könne in Form einer kühlenden Lotion, einer Pflegemilch oder Creme sein, empfiehlt der Artikel im „Express“. Und das ist überzeugender belegt als Quark?

Wem Quark gegen Sonnenbrand gut tut, der soll das einfach anwenden. Ich bin da schlicht in der Pro-Quark-Partei.

Etwas anders sieht die Sache aus, wenn es um die immer wieder erzählten Geschichten geht, wonach Quarkauflagen / Quarkwickel Giftstoffe oder Bakterien aus dem Körper ziehen. Das ist mit allergrösster Wahrscheinlichkeit Mumpitz. Wenn man nachfragt, wie genau es der Quark schafft, Giftstoffe und Bakterien aus dem Körper zu ziehen, dann bekommt man meistens ziemlich skurrile Erklärungen zu hören wie „mittels Osmose“.

Osmose braucht aber eine halbdurchlässige Membran. Wenn unsere Haut eine halbdurchlässige Membran wäre, dann bekämen wir ernsthafte Probleme in der Badewanne. Einströmendes Wasser würde uns aufblähen.

Siehe auch:

Quarkwickel / Quarkauflage lindert Entzündungen

Quark trägt man gegen Sonnenbrand am besten auf ein feuchtes Tuch auf verwendet es als Kompresse. Der Quark sollte dabei immer feucht bleiben und nicht auf der Haut antrocknen, weil es sonst sehr schmerzhaft sein kann, ihn wieder abzulösen.

Aus Sicht der Phytotherapie sind Waschungen oder Kompressen mit Schwarztee bei Sonnenbrand empfehlenswert – wegen dem Gerbstoffgehalt.

Kommt es bei einem Sonnenbrand zur Blasenbildung, sollte ein Arzt oder eine Ärztin konsultiert werden.

Am besten ist es jedoch, einen Sonnenbrand zu vermeiden.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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