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Gibt es Interaktionen zwischen Bachblüten und HIV-Medikamenten?

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Im Statistik-Bereich dieser Website kann ich sehen, mit welchen Suchbegriffen Besucher via Google auf die Website gekommen sind (aber natürlich sehe ich nicht, wer…..).

In den letzten Tagen haben Besucher als Suchanfrage eingegeben: „Interaktionen zwischen HIV-Medikamenten und Bachblüten“.

Die Frage nach Interaktionen ist wichtig – Wechselwirkungen zwischen Medikamenten können ernsthafte Probleme verursachen.

Die Frage nach Wechselwirkungen zwischen HIV-Medikamenten und Bachblüten zeigt aber einen fundamentalen Irrtum und ist einfach zu beantworten:

Bachblüten können niemals Wechselwirkungen mit Medikamenten auslösen, weil sie keine Wirkstoffe enthalten. Wo keine Wirkstoffe sind, kann es keine Wechselwirkungen geben.

Bachblüten können auch keine unerwünschten Nebenwirkungen haben. Wo keine Wirkstoffe sind, kann es keine unerwünschten Nebenwirkungen geben.

Das ist ein Vorteil von Bachblüten, aber auch von Schüssler-Salzen und Homöopathika, die ebenfalls keine Wirkstoffe enthalten. Bei Homöopathika unterhalb einer Verdünnung von etwas D6 gibt es Ausnahmen, bspw. bei der Anwendung von Quecksilber, Arsen oder Brechnuss (Nux vomica) – hier könnten Vergiftungserscheinungen auftreten.

Andererseits folgt daraus aber auch: Was keine Wirkstoffe enthält, kann ausschliesslich unspezifische Wirkungen auslösen.

Es kommt nicht darauf an, welches Bachblüten-Präparat, welches Schüssler-Salz oder welches Homöopathikum Sie bei bestimmten Beschwerden einnehmen.

Es gibt keine Unterschiede in der Wirksamkeit dieser Präparate. Weil sie keine Wirkstoffe enthalten, können Sie sich bezüglich Wirksamkeit auch nicht unterscheiden. Es gibt eine gemeinsame, unspezifische Wirkung dieser Präparate auf der psychischen Ebene. Man könnte dieses Phänomen mit der Kraft des Rituals umschreiben.

Daran ist nichts Geheimnisvolles. Komisch ist nur, wenn solche Effekte nebulös mit „Energien“ oder „Schwingungen“ beschrieben werden.

Zum Thema Bachblüten siehe auch:

Bachblüten-Therapie – worum geht’s?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Homöopathie für Kinder – Hilfe in allen Lebenslagen?

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Mir fällt schon seit längerem auf, wie grenzenlos viele Eltern ihre Kinder mit Globuli, Bachblüten-Tropfen oder Schüssler-Salzen abfüllen.

Schulanfang? – Dafür gibt’s ein Globuli!

Streit mit dem Nachbarskind? – Dafür gibt’s ein Globuli!

Familienhund gestorben? – Dafür gibt’s ein Globuli!

Prüfungsstress? – Dafür gibt’s ein Globuli!

Wozu haben wir denn die Homöopathische Notfallapotheke?

Oder wahlweise natürlich auch Schüssler-Salze oder Bachblüten-Tropfen.

Die Vorstellung, bei jeder noch so kleinen Belastungssituation Globuli, Tabletten oder Tropfen einwerfen zu müssen, scheint mir total fragwürdig und nicht gerade gesund.

Auf den Punkt gebracht hat das vor kurzem der Apotheker Edmund Berndt:

„Mütter wollen für ihre Kinder das Beste und viele greifen deshalb nach Homöopathika, weil es heißt, diese Mittel seien sanft und ohne Nebenwirkungen. So werden alle Wehwehchen und Krankheiten der Kinder mit Globuli behandelt. Das stört interessanterweise Homöopathieanhänger nicht, aber der konventionellen Medizin wird gerade von ihnen gerne der Vorwurf gemacht, sie behandle zu viel.

Es ist unglaublich, was Mütter, die von der Homöopathie überzeugt sind, glauben behandeln zu müssen. Kinder haben offenbar wie Uhrwerke zu funktionieren und dem entsprechend wird der Tagesablauf mit der Einnahme von Globuli strukturiert. Sie sehen zur Freude der Homöopathieindustrie „Krankheiten“ und „Störungen“, die kein konventioneller Mediziner als behandlungswürdige Krankheit ansehen würde. Diese Behandlungssucht ist zwar gut gemeint, kommt aber einer Medikamentierwut gleich. Die Folge ist, dass die Kinder geradezu zum Pillenschlucken trainiert werden. Sie lernen, dass es nichts gibt, was einfach wieder vergeht und keiner besonderen Beachtung oder Behandlung bedarf.“

Quelle:

http://scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2013/11/07/homoopathie-pr-im-kindergarten-ein-offener-brief/

Kommentar & Ergänzung:

Eindrücklich grosse Teile der Bevölkerung scheinen der Ansicht zu sein, dass der Alltag ohne Globuli, Schüssler Salz oder Bachblüten-Tropen nicht zu bewältigen ist.

Marketingmässig ist es die grosse Stärke der Alternativmedizin, dass sie für jede Lebenslage eine ganze Palette an Produkten anbieten kann. Und das selbstverständlich vollkommen sanft, ohne Risiken, denn wo keine Wirkstoffe drin sind,  können auch keine Nebenwirkungen auftreten. Willkommen in der heilen Welt der reinen Schwingungen und Energien.

Manchmal bin ich fast ein bisschen neidisch auf diese Rund-um-Heilsbringer.

Ich muss nämlich zugeben, dass ich lange nicht für jede Lebensphase, jede Unpässlichkeit und jede Krankheit  eine passende  Heilpflanzen-Anwendung empfehlen kann oder will. Ich halte diese Begrenzungen jedoch für wichtig.

P. S.: Von Apotheker Edmund Berndt gibt es das Buch „Pillendreher – ein Apotheker packt aus“ – Beschreibung und Bestellmöglichkeit im Buchshop.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wir sind noch da! P.S. zum Weltuntergang

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Wir sind noch da – nicht sehr überraschend.

Interessant an dieser Weltuntergangshysterie scheint mir,

1. wie solche Phänomene zustande kommen und

2. wie Esoteriker und „Lichtarbeiter“, die so inbrünstig auf den Weltuntergang gehofft hatten, sich das Ausbleiben des „Aufstieg“ nun zurechtbiegen.

1. Wie kommt es zu solchen Weltuntergangsphantasien?

Mir ist bewusst, dass es sich hier um ein sehr vielschichtiges Phänomen handelt, welches nicht in Kürze umfassend dargestellt werden kann.  Ich möchte daher nur auf ein paar Aspekte eingehen, die mir bemerkenswert erscheinen:

Man nimmt aus einem Maya-Kalender ein paar Daten und bastelt daraus einen weltumfassenden Zusammenhang. Das ist ein bewährtes Standardverfahren in der Esoterik-Werkstatt. Die Forschungen von Peter Brugger an der Universität Zürich haben gezeigt, dass EsoterikerInnen besonders stark Assoziationen produzieren. Sie sehen Zusammenhänge in der Welt, die eigentlich nur in ihrem Kopf vorhanden sind.

Assoziatives Denken ist nicht grundsätzlich problematisch. Es fördert auch eine Art von Kreativität.

Problematisch wird es nur, wenn die eigenen Assoziationen absolut gesetzt werden und jedes Bewusstsein dafür fehlt, dass es sich bei den in der Welt gesehenen Zusammenhängen auch um Kopfgeburten handeln könnte. Als Folge davon bleibt jede Selbstreflexion und jedes kritische Hinterfragen der eigenen Vorstellungen aus. Sie werden fraglos für real gehalten, genau wie der Weltuntergang am 21. Dezember 2012.

Peter Brugger konnte in seinen Untersuchungen auch zeigen, dass Esoteriker und psychotisch veranlage Menschen ähnlich denken, was die verstärkte Neigung zu Assoziationen angeht. In einer Psychose kann ein Mensch seine Assoziationen nicht oder nur eingeschränkt auf ihren Realitätsgehalt hin überprüfen. Esoteriker sollten dazu eigentlich in der Lage sein, unterlassen es aber oft. Und so werden dann beispielsweise mit höchster Überzeugung Weltuntergangstermine verkündet.

Die interessante Frage ist nun, weshalb bei Esoterikerinnen und Esoterikern der selbstkritische und fremdkritische Faktencheck so oft unterbleibt.

Meinem Eindruck nach spielt dabei eine gewisse Sinnsüchtigkeit eine Rolle. Alles muss bis zum Platzen  mit Sinn und Bedeutung aufgeladen werden.

Wenn das nun jemand still für sich macht, ist wohl wenig dagegen einzuwenden. Wenn aber die fantasierten Zusammenhänge missionarisch in die Welt hinaus posaunt werden, stellt sich bei solchen Weltuntergangspropheten auch die Frage der Verantwortung. Und es stellt sich die Frage der Verantwortung auch bei den Medien, die mit solche Geschichten spielen und sie wenig reflektiert weiterverbreiten – oder auch bei der Werbung, die in vielfältiger Weise auf den bevorstehenden Weltuntergang angespielt hat.

Psychisch labile Menschen werden durch solche Prophezeiungen in Angst und Schrecken versetzt, Leute kündigen ihre Jobs und leeren ihre Bankkonten.

Nun kann man natürlich den Standpunkt vertreten, dass jeder selber Schuld ist, der solchen Stuss glaubt.

Die französische Dichterin Nathalie Sarraute hat diese Position so formuliert:
„So widersinnig es auch klingen mag, der eigentlich Verantwortliche für die Wirkung einer Information ist nicht der, der informiert, sondern derjenige, der informiert wird.“

Ich bin schon auch der Ansicht, dass es am Empfänger einer Information liegt, diese nicht einfach blind zu glauben, sondern kritisch zu prüfen.

Ich bin aber dezidiert auch der Ansicht, dass der Sender dafür Verantwortung trägt, was er oder sie in die Welt setzt.

Eine ganz ähnliche Problematik wie rund um diese Weltuntergangshysterie ist zu beobachten im esoterisch geprägten Teil von Komplementärmedizin und Alternativmedizin.

Auch hier werden am laufenden Band im Kopf Assoziationen produziert und als realer Bestandteil der Welt verkündet (und verkauft).

Esoterikerinnen und Esoteriker sehen an allen Ecken und Enden der Welt Heilenergien – in Steinen, Pflanzen, im Wasser, in Schwingungen und Energien aller Art. Wer da noch krank wird oder krank bleibt, der muss einfach selber schuld und noch nicht bereit für die Heilung sein.

Auch hier fällt eine absolute Grenzenlosigkeit auf und eine völlige Abwesenheit kritischer Selbstüberprüfung der eigenen Vorstellungen.

Und auch hier stellt sich die Frage der Verantwortung, wenn kranken Menschen falsche Hoffnungen verkauft werden und sie dadurch manchmal notwendige Behandlungen verpassen.

Mehr zu diesem Thema hier:

Breusskur gegen Krebs?

Diese Phänomene sind mit ein Grund dafür, dass ich die von mir angebotenen Heilpflanzen-Seminare und die Phytotherapie-Ausbildung als esoterikfrei deklariere (und dass ich es für wichtig finde, auch kritisches Hinterfragen zu vermitteln).

Siehe:

Esoterikfreie Pflanzenheilkunde – warum?

2. Wie gehen EsoterikerInnen bzw. „Lichtarbeiter“ mit dem Ausbleiben des Weltuntergangs um?

Der bevorstehende Weltuntergang war bei uns vor allem in der „Lichtarbeiter-Bewegung“ ein grosses Thema.

Ein führender „Lichtarbeiter“ und Buchautor hat angeblich bereits ein Interview mit dem Erzengel Michael geführt und dabei erfahren, dass die Planungen der höheren Mächte sich geändert hätten.

So geht es immer mit den Weltuntergangspropheten: Es werden auf Teufel komm raus Erklärungen und Ausreden gesucht, warum der Weltuntergang (noch) nicht stattgefunden hat. So lässt sich die eigene Kopfgeburt immer retten.

Damit sind die Lichtarbeiter allerdings nicht allein.

Der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770 – 1831) glaubte nachgewiesen zu haben, dass es nicht mehr als 7 Planeten geben könne.

Er verteidigte seine These am 27.August 1801 nachdem dummerweise am 1.Januar 1801 ein 8. Planet entdeckt worden war, die Ceres. Als man Hegel darauf aufmerksam machte, daß seine Lehre mit den Tatsachen im Widerspruch stände, soll er geantwortet haben: “Um so schlimmer für die Tatsachen”.

Eines finde ich hier aber schon erstaunlich:

Es sind bereits unzählige Weltuntergangsprophezeiungen „in die Hosen gegangen“ und immer wieder wurden und werden die Fehlschläge uminterpretiert und unter den Tisch geredet.

Da zeigt sich doch ein sehr deutliches Muster. Und ausgerechnet die EsoterikerInnen, die überall Muster sehen, auch dort wo gar keines vorhanden ist, sind offenbar nicht in der Lage, dieses überdeutliche Muster zu erkennen.

Auch stösst offenbar die Grössenphantasie, dass da jemand behauptet, ein persönliches Gespräch mit dem Erzengel Michael geführt zu haben, in der Lichtarbeiter-Szene nicht auf Skepsis. Die Ego-Aufblähung, die mit solchen Aussagen verbunden ist, müsste doch auffallen.

Und die sprunghafte, unzuverlässige Planungsarbeit der höheren Mächte führt bei den Lichtarbeitern keineswegs zu Reklamationen…

Das Bedürfnis nach dem „Gross-Reine-machen“, nach einem radikalen Neuanfang, nach dem „Aufstieg“ in eine höhere Welt….etc. ist offenbar so stark, dass es sich sogleich an den nächstmöglichen Termin klammert.

Vielleicht wäre es ja stattdessen angesagt, statt immer so wahnhaft nach „oben“ zu streben ganz schlicht in der Horizontale anzukommen und sich mit den Menschen und der Gesellschaft hier und jetzt auseinanderzusetzen.

Und zum Schluss noch dies:

Gerade in Esoterikkreisen fühlen sich viele Menschen tief verbunden mit früheren Kulturen (Kelten, Schamanen,  Indianer…). Sie merken aber offenbar nicht, wenn sie mit einem solchen Weltuntergangstheater ihre eigenen Phantasien den Mayas überstülpen oder unterjubeln. Mit den Mayas hat das ganze Theater kaum etwas zu tun.

Auch dies ist ein Phänomen, das in der „Eso-Szene“ vielfältig zu beobachten ist. Alte oder „exotische“ Kulturen werden als Projektionsfläche für eigene Bedürfnisse, Wünsche und Defizite missbraucht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Vince Eberts erklärt Wissenschaft, Theologie und Esoterik

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Der Physiker Vince Eberts versucht als Kabarettist, die Grundzüge wissenschaftlichen Denkens zu vermitteln.

Vince Eberts: „Wenn ich vermute, im Kühlschrank könnte Bier sein, und schaue nach, dann betreibe ich schon eine Vorform von Wissenschaft. Wenn ich nur sage, es ist Bier drin, ohne das zu überprüfen, dann bin ich Theologe. Und wenn ich nachschaue, nichts finde, und trotzdem noch behaupte, dass im Kühlschrank Bier ist, dann ist das Esoterik.“

Kommentar M.K.:

Das ist natürlich kabarettistisch zugespitzt, aber nicht ohne wahren Kern.

Vince Eberts: „Ich betone immer wieder, dass wir eigentlich die allerwenigsten Dinge wirklich ganz sicher wissen. Daher ist jeder, der mir eine absolute Wahrheit verkaufen will, verdächtig. Wenn einer sagt: So und so ist es und das steht hundertprozentig fest, dann sollte man stutzig werden.“

Kommentar M.K.:

Mir fällt im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin auf, wie viele absolute Wahrheiten hier verkauft werden. Ohne Begründung, und ohne dass die Käuferinnen und Käufer nachfragen.

Ich halte es für enorm wichtig, dass Konsumentinnen und Konsumenten im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin kritisch nachfragen und nicht jede absurde Behauptung schlucken.

Es ist eine Frage der Würde, dass man Begründungen bekommt für Behauptungen und Heilungsversprechungen. Nur so kann man sich nämlich ein eigenes Urteil bilden.

Vince Eberts: „Aber viele Leute sagen, Wissenschaftler seien arrogant und glaubten immer alles zu wissen. Das ist genau das Gegenteil dessen, was Wissenschaft eigentlich ist. Kein Mensch weiß so genau, wie wenig man eigentlich weiß, wie der Wissenschaftler.

Dass Wissenschaft bedeutet, mit Unsicherheiten leben zu müssen, dass Wissenschaft, wenn sie seriös betrieben wird, eine ganz große Bescheidenheit und Demut mit sich bringt, das kommt mir in vielen Formaten zu wenig raus.“

Kommentar M.K.:

Tatsächlich muss Wissenschaft mit zahlreichen offenen Fragen leben, während dogmatische Systeme, die es im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin zuhauf gibt, auf jede Frage eine endgültige Antwort haben.

Dabei könnten diese Bereiche von der Wissenschaft sehr viel lernen. Wissenschaft  besteht nicht einfach aus Experimenten und Studien. Sie basiert vor allem auf einer Grundhaltung und auf methodischem Vorgehen.

Prägnant formulierte der amerikanische Philosoph John Dewey (1859-1952) „das erste Erfordernis des wissenschaftlichen Verfahrens – nämlich volle Öffentlichkeit der Materialien und Prozesse“.

(in: Erfahrung, Erkenntnis und Wert, S. 314, Suhrkamp 2004)

Genau das wäre oft eine sehr sinnvolle Forderung im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin.

Wenn beispielsweise behauptet wird, Zedernholzöl wirke „schützend“, dann ist im Sinne der vollen „Öffentlichkeit der Materialien und Prozesse“ zu fragen, wie genau diese Aussage zustande gekommen ist.

Also: Wer hat wie was festgestellt, damit diese Aussage zustande gekommen ist?

Nur wenn dieser Weg transparent wird, kann man sich eine eigenes Urteil bilden.

Zudem wäre natürlich zu fragen, wovor Zedernholzöl schützen soll (Lawinen? Böse Geister? Schlechte Energien? Krankheitserreger?).

In den Bereichen Komplementärmedizin / Alternativmedizin wimmelt es von derart vagen, nebulösen Behauptungen.  Nachzufragen, „Was bedeutet das genau?“, ist bereits Teil einer wissenschaftlichen Grundhaltung.

Quelle der Zitate von Vince Eberts:

http://www.ruprecht.de/no_cache/nachrichten/archive/2009/april/28/article/selber-denken-macht-schlau/

Video mit Vince Eberts auf Youtube:

http://www.youtube.com/watch?v=KNhrSw_RKu0&t=5m10s

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Schmerzen? Chronische Erkrankungen?

www.patientenseminare.ch

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Esoterikfreie Pflanzenheilkunde – warum?

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Die Inhalte meines Phytotherapie-Lehrgangs, meiner Heilpflanzenkurse und Kräuterexkursionen werden esoterikfrei vermittelt.

Sie bieten statt dessen Gelegenheit für eine differenzierte und anregende Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen der Heilpflanzen und sie fördern auf vielfältige Weise Kontakt und Beziehung zur Pflanzenwelt und überhaupt zur Natur. Esoterische Vorstellungen über Heilpflanzen und ihre Kräfte sind in meinen Kursen aber nicht Tabu. Sie können zur Sprache kommen, werden dann vielleicht kommentiert, in einen historischen oder gesellschaftlichen Zusammenhang gestellt etc.

Eine differenzierte Auseinandersetzung mit esoterischen Vorstellungen darf also durchaus stattfinden und ist manchmal sogar nötig. Meine eigene Position ist aber esoterikfrei und blinde Gläubigkeit ist mir ziemlich fremd…

In letzter Zeit werde ich von Leuten, die sich für Heilpflanzenkurse interessieren, zunehmend skeptisch gefragt, ob diese nicht „esoterisch“ seien.  Auf genauere Nachfrage hin stellt sich dann jeweils heraus,  dass sie schon mehrfach mit ziemlich abgehobenen bis sektiererischen Ideen über Heilpflanzen konfrontiert wurden und einfach die Nase voll haben von esoterischem Firlevanz.

Darum möchte ich hier einmal quasi offiziell den Status „esoterikfrei“ für meine Kursinhalte festhalten und auch begründen, weshalb ich eine esoterikfreie Pflanzenheilkunde wichtig finde.

Die Aufladung der Pflanzenheilkunde mit esoterischen Vorstellungen entspricht einem gegenwärtigen Zeitgeist. Diesem Trend stehe ich skeptisch gegenüber aufgrund meiner inzwischen über 25jährigen Erfahrung als Ausbildner im Umfeld von Naturheilkunde / Phytotherapie / Komplementärmedizin.

Blinde Gläubigkeit

Mir fällt im esoterisch geprägten Bereich der Pflanzenheilkunde eine weit verbreitete blinde Gläubigkeit auf. Es werden unzählige willkürliche Behauptungen und Heilungsversprechungen in den Raum gestellt und es fehlt fast vollständig an kritischer Reflexion und sorgfältiger Prüfung. Das geht meines Erachtens voll zulasten von Patientinnen und Patienten. Je absurder eine Behauptung, desto glaubwürdiger scheint sie oft zu sein.

Mir ist dagegen wichtig, dass Lernende in meinen Kursen ermuntert und befähigt werden, Aussagen über Wirkungen der Heilpflanzen kritisch zu prüfen und sich eine fundierte eigene Meinung dazu zu bilden.

Gurutum, Dogmatismus und absolute Wahrheiten

Mir fällt im esoterisch geprägten Bereich der Pflanzenheilkunde zudem eine Neigung zu Gurutum, dogmatisierten Aussagen und absoluten Wahrheiten auf.

Mir ist dagegen wichtig, dass Lernende in meinen Kursen befähigt werden, auch mit Widersprüchen, Lücken und Ungewissheiten im Wissen über die Wirkungen der Heilpflanzen umzugehen. Ich sehe meine Lehrtätigkeit zwar nicht als Erziehung, gehe mit folgendem Zitat von George Bernhard Shaw (1856 – 1950) sonst aber einig:

„Freie Erziehung ist immer eine Erziehung zur Kontroverse, wer sein Fach nicht als widersprüchlich gelernt hat, beherrscht es nicht.“

Meines Erachtens muss man sich als Ausbildner in Frage stellen lassen, transparent machen, dass man nicht auf alle Fragen eine Antwort hat und die Quellen des eigenen Wissens offenlegen. Das sind Gegenmittel zur Vermeidung von Guruphänomenen und übersteigerten Idolbildungen.

Mich erschreckt zunehmend, wie viele Leute im Bereich der Komplementärmedizin in höchstem Masse angefüllt mit absolutem Wissen in der Gegend herum laufen und blind nachbeten, was ihnen in Ausbildungen und Kursen als endgültige Wahrheit verkauft wurde.

Alles Wissen ist meiner Ansicht nach unvollständig und vorläufig – auch das Wissen im Bereich Pflanzenheilkunde. Trotzdem gibt es aber brauchbares Wissen, das zu mindestens gegenwärtig als fundiert gelten darf.

„Es dürfte uns gut tun, uns manchmal daran zu erinnern, dass wir zwar in dem Wenigen, das wir wissen, sehr verschieden sein mögen, dass wir aber in unserer grenzenlosen Unwissenheit alle gleich sind.“

Karl R. Popper (1902 – 1994), Philosoph, Wissenschaftstheoretiker.

Nebulös-manipulative Begriffe

Mir fällt im esoterisch geprägten Bereich der Pflanzenheilkunde auf, dass immer wieder Begriffe verwendet werden, die zwar wohl tönend sind, aber weitgehend inhaltsleer bleiben: Das „Wesen“ der Pflanzen, Energien, Schwingungen….Solche Ausdrücke können mit Hunderten von verschiedenen Bedeutungen gefüllt werden. Wer solche Begriffe verwendet, müsste daher vorgängig genau transparent machen, welchen Sinn er oder sie damit verbindet. Unterbleibt diese Klärung, so reden die Beteiligten mit grosser Wahrscheinlichkeit aneinander vorbei, weil jede und jeder eigene Vorstellungen davon im Kopf hat. Die Verwendung solcher Begriffe bekommt dann einen manipulativen Charakter und lullt ein, indem ein besonderes, tiefes Geheimnis  vorgegaukelt wird.

Anthropozentrische Grundhaltung

Mir fällt im esoterisch geprägten Bereich der Pflanzenheilkunde auf, dass viele Heilpflanzen-Beschreibungen ausgesprochen anthropozentrisch daher kommen. Der Mensch steht im Mittelpunkt der „Veranstaltung“. Heilpflanzen haben das Bedürfnis uns zu heilen. Sie sagen uns durch ihre Form und Farbe, wozu sie für uns gut sind. Die Heilpflanzen, die zu uns in den Garten kommen, sind diejenigen, die wir gerade brauchen…..

Meiner Ansicht nach stehen wir Menschen nicht derart im Zentrum der „Veranstaltung Natur“, dass sich Heilpflanzen auf uns beziehen.

Trotzdem können wir sie mit dem nötigen Respekt zu Heilzwecken nutzen und auch eine Form der Beziehung zu ihnen pflegen (sie gern haben, schön finden, uns an ihnen freuen..).

Kontakt mit Kopfgeburten, statt mit realer Natur

Mir fällt an Kräuterexkursionen oft auf, wie kontakt- und beziehungslos sich Menschen in der Natur bewegen, die von Kopf bis Fuss mit esoterischen Ideen angefüllt sind. Sie sind eher im Kontakt mit ihren Vorstellungen – zum Beispiel von Pflanzendevas, Pflanzengeistern, Feen und Elfen – aber kaum mit der Pflanze als realem Gegenüber. Sie sind also eher mit sich selber in Kontakt, mit ihren Bedürfnissen und Projektionen, merken das aber kaum und meinen, sie seien in Kontakt mit der Natur. Meiner Ansicht nach verpassen sie damit etwas wesentliches.

Allmachtsphantasien & Machbarkeitsillusionen

Mir fallen im esoterisch geprägten Bereich von Pflanzenheilkunde und Komplementärmedizin oft massive Allmachtsphantasien und  Machbarkeitsillusionen auf.

Mit der richtigen Heilpflanze oder sonst einem richtigen Heilmittel können angeblich alle Krankheiten geheilt werden – meistens allerdings mit der Einschränkung: Sofern der Patient wirklich gesund werden will! Womit dann bei Misserfolg bequemerweise immer der Patient schuld ist……

Das sind einige der Erfahrungen und Beobachtungen, die mich zu einer deutlichen Distanzierung von esoterisch geprägten Formen der Pflanzenheilkunde  veranlassen.

Und wie schon erwähnt: Trotzdem oder vielleicht sogar gerade deswegen liegt mir viel daran, den lebendigen Kontakt zur Natur und zu den Heilpflanzen als einem realen Gegenüber zu fördern.  Auf dass wir sie gern haben, schön finden und mit Respekt nutzen können.

„Naiv und leicht täuschbar zu sein, ist unverantwortlich, besonders heute, wo Lügen zu einer Katastrophe führen können, weil sie für echte Gefahren wie auch für reale Möglichkeiten blind machen.“

Zitat aus: Erich Fromm, Vom Haben zum Sein, Band 1, Beltz Verlag 1989

Erich Fromm, 1900 – 1980, deutsch-amerikanischer Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialphilosoph.

P.S.: Eine detailliertere, differenziertere und fundiertere Auseinandersetzung mit den beschriebenen „Esophänomenen“ finden Sie in diesem Blog in der Kategorie „Naturheilkunde-Debatte“

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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