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Phytotherapie-Ausbildung – Häufige Fragen und Antworten (FAQ)

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Hier entsteht ein Text mit FAQ (Frequently Asked Questions) zur Phytotherapie-Ausbildung am Seminar für Integrative Phytotherapie (SIP) in Winterthur (Schweiz). Der Text wird im Laufe der Zeit mit weiteren Fragen und Antworten erweitert.

Brauche ich Vorkenntnisse im Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde? Wie stark muss ich mich mit Heilpflanzen schon auskennen?

Für diesen Lehrgang brauchen Sie weder phytotherapeutische noch botanische Vorkenntnisse. Wir bauen das Wissen von den Grundlagen her systematisch und sorgfältig auf. Wenn Sie aber schon Vorkenntnisse haben, ist das schön, nützlich und keineswegs störend.

Wieviele Teilnehmende hat es pro Klasse?

Maximal 16 Teilnehmende.

Ich arbeite in der Pflege, aber an meinem derzeitigen Arbeitsplatz kann ich Heilpflanzen-Anwendungen nicht einsetzen. Kann ich trotzdem teilnehmen?

Das geht problemlos. Wir haben in der Phytotherapie-Ausbildung neben Teilnehmenden, die mit einem Auftrag ihrer Pflegeinstitution kommen, immer auch Pflegende, die den Lehrgang erst einmal für sich machen. Manchmal zeigt sich dann im Verlaufe des Lehrgangs eine Möglichkeit im bisherigen Team oder an einer anderen Arbeitsstelle.

Ich arbeite in der Pflege. Kann ich damit rechnen, dass mein Arbeitgeber sich an den Kosten der Phytotherapie-Ausbildung beteiligt?

Das ist sehr unterschiedlich. Wir haben Teilnehmende, die den Lehrgang selber bezahlen und die Kurstage in ihrer Freizeit besuchen. Wir haben aber auch Pflegende, bei denen der Arbeitgeber die Kosten ganz oder teilweise übernimmt und/oder die Kurstage als Arbeitszeit angerechnet werden.Es lohnt sich meiner Erfahrung nach in vielen Fällen, bezüglich einer Beteiligung der Institution mit den Vorgesetzten das Gespräch zu suchen.

Es gibt gute Argumente für Phytotherapie in der Pflege. Unterstützung für die Gespräche mit Vorgesetzten finden Sie in den folgenden Unterlagen:

– Phytotherapie in der Pflege (PDF). Argumente für Phytotherapie in der Pflege. Aussagen von Pflegedienstleitungen aus Institutionen, die Phytotherapie integriert haben.

– Phytotherapie in der Pflege. Kurztext mit Argumenten für Phytotherapie in der Pflege.

– Phytotherapie in der Palliative Care. Artikel von Martin Koradi in der Zeitschrift palliative.ch mit Infos und Argumenten für Phytotherapie in der Palliative Care.

Ich strebe eine EMR-Anerkennung an. In der Ausschreibung steht, dass es für die dazu nötigen 300 Stunden zwei Zusatzmodule braucht. Was sind das für Module, und was bedeutet überhaupt EMR?

Das Erfahrungsmedizinische Register (EMR) entscheidet für Krankenkassen, wer als NaturheilkpraktikerIn über Zusatzversicherung abrechnen kann und stellt dazu Kriterien auf.

Bei den Zusatzmodulen handelt es sich um die beiden Kurse in Lenk und Mürren. Wer diese Kräuterwanderungen zusätzlich zum normalen Lehrgang absolviert und die Abschlussprüfung der Phytotheerapie-Ausbildung besteht, bekommt von mir ein 300-Stunden-Zertifikat. Beachten Sie aber bitte, dass Sie allein mit einem solchen 300-Stunden-Zertifikat noch nicht über Zusatzversicherung abrechnen können, weil es dazu zusätzlich Nachweise über andere Methoden und medizinische Grundlagen braucht. Informationen dazu finden Sie auf der Website des EMR.

Falls Sie ein solches EMR-kompatibles 300-Stunden-Zertifikat ins Auge fassen, können wir gerne am Telefon besprechen, ob das in Ihrer Situation Sinn macht oder eher nicht.

Im Lehrgang hat es zwei Exkursionsteile mit Kräuterwanderungen. Wie fit muss ich dazu sein?

Die Exkursionen in Feldis und Trin setzen Wanderfähigkeit und eine normale Trittsicherheit voraus. Sie können an bestimmten Punkten bei Bedarf auch individuell abgekürzt werden, zum Beispiel, indem anstelle eines Abstiegs der Bus benützt wird. Falls Sie unsicher sind bezüglich dieser Frage, rufen Sie mich an. Telefonisch lässt sich das besser klären.

Ich habe keinen medizinischen Grundberuf. Komme ich mit im Unterricht und was kann ich nachher mit dem erworbenen Wissen anfangen?

Im Unterricht drücke ich mich als Dozent verständlich aus. In den Kursunterlagen kommen aber auch medizinische Fachausdrücke vor. Wenn Sie damit nicht vertraut sind, müssen sie mit einem gewissen Mehraufwand rechnen, um mal das eine oder andere nachzuschlagen oder nachzulesen. Ansonsten ist es meiner Erfahrung nach vor allem eine Motivationsfrage: Wer interessiert und motiviert ist, kann sich das vermittelte Phytotherapie-Wissen auch ohne medizinischen Grundberuf aneignen. Ich habe schon exzellente Abschlüsse von Leuten ohne medizinischen Hintergrund erlebt.

Beachten Sie aber unbedingt, dass dieser Lehrgang allein nicht dazu qualifiziert, in einer Praxis Patienten zu behandeln. Dazu fehlt Ihnen ohne medizinische Ausbildung die Diagnostik. Für Pflegefachleute, die zum Beispiel in Pflegeheimen oder in der Spitex Heilpflanzen-Anwendungen einfliessen lassen, ist die Situation anders, weil dort die medizinische Diagnostik sichergestellt ist und dazu Dokumentationen vorhanden sind.

Für Teilnehmende ohne medizinischen Hintergrund gibt es allenfalls seriöse Anwendungsmöglichkeiten im Bereich Bildung (Kurse, Exkursionen). Es gibt aber auch Teilnehmende ohne medizinischen Grundberuf, die Phytotherapie-Wissen einfach für sich so fundiert wie möglich erwerben möchten. Um solche Fragen zu klären setze ich für Interessierte ohne medizinischen Grundberuf ein telefonisches Vorgespräch voraus. Rufen Sie mich also gegebenenfalls an.

Kann ich auch einzelne Themenblöcke aus der Phytotherapie-Ausbildung buchen?

Nein. Das wäre für mich zwar lukrativ, weil ich immer wieder solche Anfragen habe und viele Einzelmodule verkaufen könnte. Ich will aber mit einer Klasse arbeiten und Schritt für Schritt aufbauen den Stoff vermitteln. Für die Klasse wäre es hinderlich, wenn bei jedem Thema Teilnehmende reinkommen, die mit den Grundlagen und mit dem vorhergehenden Stoff nicht vertraut sind. Aus diesem Grund bin ich kein Anhänger des Modulsystems.

Der Lehrgang vermittle eine „Integrative Phytotherapie“, heisst es in der Kursausschreibung. Was ist gemeint mit „Integrativ“?

Integrative Phytotherapie versteht sich als Brücke zwischen Naturheilkunde und Medizin. Damit verbunden ist Kooperationsbereitschaft und Kooperationsfähigkeit im Verhältnis zur Medizin, das Bestreben nach fundierter Begründung von Aussagen, eine selbstkritische Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen phytotherapeutischer Anwendungen und die Absage an Heilslehren und Dogmen aller Art. Die Grundhaltung der „Integrativen Phytotherapie“, wie sie am Seminar für Integrative Phytotherapie in Winterthur vermittelt wird, schafft optimale Voraussetzungen für die Integration von professionellen Heilpflanzen-Anwendungen in Spitex, Pflegeheime und Kliniken.

Siehe dazu auch: Integrative Phytotherapie verbindet Medizin und Naturheilkunde.

(Dieser FAQ-Text wird bei Gelegenheit mit weiteren Fragen und Antworten ergänzt)

Hier gehts zur Kursausschreibung der Phytotherapie-Ausbildung.

 

 

 

 

 

 

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Kräuterwanderungen – Häufige Fragen und Antworten (FAQ)

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Hier finden Sie Antworten auf Fragen, die zu meinen Kräuterwanderungen oft gestellt werden. also die sogenannten „Frequently Asked Questions“ (FAQ):

Werden die Kräuterwanderungen bei jedem Wetter durchgeführt?

Ja. Ich behalte mir aber vor, die Route der Witterung anzupassen, insbesondere wenn die Sicherheit es erfordert. Nehmen Sie daher wetterfeste Kleidung mit.

Es wäre organisatorisch kaum möglich, kurzfristig eine solche Veranstaltung abzusagen und längerfristig sind die Prognosen zu ungenau.

Darüber hinaus bin ich auch der Meinung, dass das Wetter zur Natur gehört. Uns heutigen Menschen ist die Auseinandersetzung mit dem Wetter grossenteils abhanden gekommen. Ich selber bin natürlich gerne bei schönem Wetter unterwegs. Die Stimmungen in der Natur sind bei wechselhaftem Wetter aber oft eindrücklicher. Zudem kommt es nur selten vor, dass ein Tag durchgängig nass ist und oft ist das Wetter vor Ort besser, als es vom Wetterbericht her zu erwarten war. Nur weil die Wetterprognose ein Wölkchen zeigt, muss der Tag noch nicht schlecht werden – so ist jedenfalls meine Erfahrung.

Wie fit muss ich körperlich sein?

Das ist unterschiedlich bei den verschiedenen Touren. Klar ist, das wir in der Regel den ganzen Tag wandernd unterwegs sind, allerdings mit Unterbrüchen, weil wir ja immer wieder Pflanzen anschauen.

Es gibt flachere Touren und solche mit Auf- und/oder Abstiegen. Wenn Ihnen das aus der Kursbeschreibung zu wenig klar wird und sie unsicher sind, ob Sie der Tour körperlich gewachsen sind, dann rufen Sie mich am besten vor der Anmeldung an. Am Telefon lassen sich diese Fragen am besten klären (052 202 20 29).

Als grobe Richtlinie könnte man noch sagen: Wenn in der Kursausschreibung „Wanderfähigkeit“ vorausgesetzt wird, sollten Sie in der Lage sein, eine Strecke etwa in derjenigen Zeit zu wandern, die auf den gelben Wanderwegweisern angegeben ist. Wenn in der Kursausschreibung „Bergwanderfähigkeit“ vorausgesetzt wird, sollten Sie in der Lage sein, eine Strecke etwa in der Zeit zu wandern, die auf den weiss-rot-weiss markierten Wanderwegweisern angegeben ist. Bergwanderfähigkeit setzt zudem eine normale Trittsicherheit voraus,

Braucht es botanische oder phytotherapeutische Vorkenntnisse?

Nein, botanische oder phytotherapeutische Vorkenntnisse sind nicht nötig, aber auch kein Hindernis.

Sammeln wir auch Pflanzen auf den Kräuterwanderungen?

Nein, wir sammeln keine Pflanzen. Ich halte es für unsinnig, mit einer ganzen Gruppe Heilkräuter zu sammeln. Dadurch wird an einem Ort oft viel zu viel gepflückt, was den Beständen schaden könnte. Sie können auf meinen Kräuterwanderungen Erkennungsmerkmale und Verwechslungsmöglichkeiten kennenlernen – und danach selber mit dem nötigen Respekt sammeln, was Sie brauchen können.

Was kann ich genau lernen auf den Kräuterwanderungen?

Im Zentrum der Kräuterwanderungen stehen natürlich die Heilpflanzen und da geht es in erster Linie um das genaue Wahrnehmen. Wir laufen ja oft ziemlich blind durch die Welt, auch wenn unsere Augen vollkommen intakt sind. Nicht selten sagen mir Teilnehmende nach dem Kurs, dass sie nun viel mehr Blumen sehen. Dann ist ein Ziel erreicht, denn die (wahrgenommene) Welt wird so bunter, lebendiger und reichhaltiger. Ich erzähle auf den Kräuterwanderungen aber auch gerne Geschichten zu den Heilpflanzen, über ihre Wirkungen, Erkennungsmerkmale, Lebensweisen und über ihre frühere Bedeutung im Volks- und Aberglauben.

Ich finde es allerdings nicht sehr sinnvoll, auf einer Kräuterwanderung nur Pflanzen zu beachten, die uns unmittelbaren Nutzen bringen, also als Heilpflanzen oder als Wildgemüse gebraucht werden können. Wir werden darum auch Pflanzen anschauen und kennenlernen, die „nur“ das Auge oder das Herz erfreuen. Und ich werde gerne vielleicht auch einmal etwas sagen, wenn ein interessanter Vogel zu hören ist oder ein schöner Schmetterling vorbeigaukelt. Wir versuchen also, neben den Heilkräutern auch die Natur als Ganzes wahrzunehmen und ich habe mir seit den ersten geleiteten Exkursionen im Jahr 1986 ein vielfältiges Wissen erwerben können.

Kann ich meinen Hund mitnehmen?

Nein, ich habe entschieden, keine Hunde mitlaufen zu lassen. Wir machen nicht einfach eine Wanderung. Es gibt dazwischen immer wieder Unterrichtssequenzen. Und im Unterricht – so meine Erfahrung – hat auch ein ganz netter Hund durchaus Störungspotential. Das ist nicht hundefeindlich gemeint.

Ab welchem Alter können Kinder mitkommen?

Meine Kurse richten sich von Stil und Inhalt her an Erwachsene. Kindern müsste man didaktisch etwas ganz anderes anbieten. Für Kinder sind meine Kräuterwanderungen daher ungeeignet. Gute Erfahrungen habe ich aber schon mit Jugendlichen gemacht, falls sie speziell an Biologie und Botanik interessiert sind. Fragen Sie mich im Zweifelsfall.

Gibt es Geschenkgutscheine?

Wir haben keine vorgedruckten Geschenkgutscheine, finden es aber eine gute Idee, Kräuterwanderungen zu verschenken an Leute, die an Pflanzen interessiert sind und sich gerne in der Natur bewegen. Ich würde allerdings empfehlen, ein solches Geschenk nicht „blind“ zu machen, sondern mit der beschenkten Person zusammen entscheiden, für welche Tour und welches Datum sie sich am meisten interessiert.

Es ist auch unumgänglich, dass die beschenkte Person vor der Anmeldung die Kursausschreibung gelesen, hat, damit sie die körperlichen Voraussetzungen kennt und einschätzen kann, ob die Tour für sie geeignet ist.

Bei der Anmeldung können Sie meiner Mitarbeiterin mitteilen, wem die Rechnung und wem die Kursinformationen zu schicken sind.

Habe ich Zeit zum Fotografieren auf den Kräuterwanderungen?

Grundsätzlich schon. Ich habe immer wieder Teilnehmende auf Kräuterwanderungen, die tolle Fotos machen (und sie mir manchmal für die Flickr-Fotoplattform zur Verfügung stellen). Sie müssen sich beim Fotografieren allerdings dem Tempo der Gruppe anpassen. Die Wanderungen sind in der Regel zeitlich so berechnet, dass wir zu einer bestimmten Zeit zum Beispiel an einer Busstation sein müssen. Wir können also nur sehr ausnahmsweise warten, bis die Sonne optimal steht……

Was heisst „hohe Wanderschuhe“?

Bei manchen Kräuterwanderungen steht unter „Mitnehmen“: Hohe Wanderschuhe.

Das bedeutet: Über den Knöchel reichend und mit Profilgummisohle.

Wenn ich schreibe „Mitnehmen: Hohe Wanderschuhe“, dann ist das nicht nur eine Empfehlung – dann meine ich das auch so – und behalte mir vor, Leute mit ungenügendem Schuhwerk nicht mitzunehmen. Das ist eine Sicherheits- und Haftungsfrage, die nicht verhandelbar ist. Steht nur „Wanderschuhe“, dann empfehle ich zwar ebenfalls hohe Wanderschuhe, doch können sie auch mit anderen wandertauglichen Schuhen teilnehmen.

Trifft man auf den verschiedenen Kräuterwanderungen unterschiedliche Pflanzen oder dieselben?

Es gibt Pflanzen, die kommen sehr weit verbreitet vor, und die trifft man daher fast auf jeder Kräuterwanderung. Dann gibt es aber immer auch Unterschiede zwischen den einzelnen Kräuterwanderungen. Das hängt vom Boden ab (trocken oder feucht, sauer oder basisch), von der Lage (schattig oder sonnig), von der Höhe über Meer (Flachland oder Alpenregion) und von der Jahreszeit (Frühling oder Sommer).

Wenn Sie möglichst verschiedene Pflanzen kennenlernen möchten, empfehle ich die Exkursionen zu variieren bezüglich Jahreszeit, Region und Höhenlage. Manchmal lassen sich auch aus der Ausschreibung Unterschiede herauslesen. Eine Exkursion im Auenwald im Flachland (zum Beispiel „Petite Camargue“) bietet andere Pflanzen als eine Exkursion an einem trockenen Südhang in höheren Lagen (z, B. Rigi).

Unterstreichen möchte ich aber, dass es beim Kennenlernen von Pflanzen auch wichtig ist, dieselbe Pflanze mehrfach anzuschauen. Wiederholung macht auch hier den Meister oder die Meisterin. Sie können mit mir also quasi Lehr-Gänge machen, wenn Sie über einen gewissen Zeitraum immer wieder einmal eine Kräuterwanderung mitmachen – und dabei Schritt für Schritt vertrauter werden mit der Pflanzenwelt und mit der Natur überhaupt.

Sind die Kräuterwanderungen EMR-anerkannt?

Keine Ausbildungsinstitution hat vom EMR eine schriftliche Anerkennung. Schon seit vielen Jahren reichen aber Naturheilpraktikerinnen und Naturheilpraktiker Teilnahmebescheinigungen meiner Weiterbildungskurse und Lehrgänge beim EMR ein. Dass dabei Schwierigkeiten aufgetreten wären, ist mir nicht bekannt. So gehe ich davon aus, dass das auch in Zukunft klappen sollte. Für einen Tag Kräuterwanderung können Sie mit der Bescheinigung von 6 mal 60 Minuten rechnen.

(Erklärung für „Uneingeweihte“: Das EMR = Erfahrungsmedizinische Register ist einer Firma, die Entscheidet, wer als Naturheilpraktiker / Naturheilpraktikerin über Zusatzversicherungen abrechnen darf. Dazu zählt das EMR eingerechte Ausbildungsstunden und Weiterbildungsstunden zusammen).

Gibt es eine maximale Zahl an Teilnehmenden?

Ja, pro Kräuterwanderung hat es maximal 16 Plätze.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

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Methoden der Alternativmedizin

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Wie orientiert man sich eigentlich in diesem unübersichtlichen „Dschungel“?

„Alternativmedizin“ ist ein Begriff, der  sich gar nicht so einfach eindeutig definieren lässt. „Alternative“ bedeutet „Wahl zwischen zwei Möglichkeiten“.  Das Wort wurzelt im Lateinischen:

mlt. alternativus = zweideutig,

lat. alternare = abwechseln,

lat. alternus = jeder zweite,

lat. alter = der eine, der andere.

Ist nun Alternativmedizin selber eine Alternative zur Medizin oder eine Medizin,  die abwechselnd mit der Medizin zur Anwendung kommt?

Der Begriff Alternativmedizin wird zudem immer wieder sehr ähnlich verwendet wie der Begriff „Komplementärmedizin“, wobei – so ist zu hören, Komplementärmedizin die Medizin ergänzen will (lat. complere = ausfüllen, vollständig machen).

Darüber hinaus wird der Begriff Komplementärmedizin genauso wie der Begriff Alternativmedizin häufig mit dem Ausdruck Naturheilkunde vermischt oder gleichgesetzt. Ein ziemliches Definitionschaos also.

Ein genaueres Verständnis dieser Begriffe wäre aber wichtig, wenn wir uns in diesem unübersichtlichen Terrain orientieren wollen.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

Schulmedizin – ein fragwürdiger Ausdruck

Naturheilkunde – was ist das?

Noch komplexer wird die Lage, wenn man bedenkt, dass es mehrere hundert Methoden gibt, die irgendwie zum Bereich Alternativmedizin / Komplementärmedizin gerechnet werden. Am Schluss dieses Beitrages finden Sie eine Aufzählung der Methoden, die vom EMR (Erfahrungsmedizinisches Register) aufgeführt werden. Hinter dem EMR steht eine Privatfirma, die im Auftrag verschiedener Krankenkassen entscheidet, welche Methoden bzw, welche Therapeutinnen und Therapeuten über Zusatzversicherungen abrechnen dürfen. Das EMR selber prüft diese Methoden allerdings nicht auf ihre Qualität.

Wer sich für solche Methoden interessiert steht daher vor der Frage, wie sich bei dieser Vielfalt die Spreu vom Weizen trennen lässt.

Das scheint auf den ersten Blick ein Ding der Unmöglichkeit. Alle Methoden ausprobieren? Geht nicht. Sich in allen Methoden ausbilden lassen, um sich dann eine Meinung zu bilden? Auch nicht machbar.

Es gibt jedoch durchaus Kriterien, mit denen man Heilmethoden und Heilungsversprechungen prüfen kann, ohne dass man diese Methoden bis ins Detail kennen muss. Zum Beispiel kann man die Grundhaltungen anschauen, auf denen ein Therapiesystem aufbaut (Weltbild, Menschenbild, Verständnis von Gesundheit und Krankheit, Umgang mit Erkenntnis und Wissen). Solche Grundhaltungen zeigen sich oft schon im Klappentext eines Buches oder in einer Kursausschreibung.

Wer sich für solche Kriterien interessiert, bekommt dazu eine fundierte Basis im Tagesseminar

Komplementärmedizin – Kriterien zur Orientierung im überquellenden Angebot

Methoden der Alternativmedizin / Komplementärmedizin (Auswahl):

Aderlass, Akumattherapie, Akupressur, Akupunkt-Massage, Akupunktur, Alexander-Technik, An-Mo / Tui-Na, Anthroposophische Medizin, Aromatherapie, Asiatische Körper- und Energiearbeit, Atemtherapie, Augendiagnostik / Irisdiagnostik, Aura-Soma-Therapie, Ausleitende Verfahren (NHP), Autogenes Training, Ayurveda-Ernährungsberatung, Ayurveda-Heilmittel, Ayurveda-Massage, Bach-Blütentherapie, Baunscheidt-Therapie, Bewegungstherapie und Tanztherapie nach Hauschild-Sutter, integrative Bewegungstherapie, klinische Bewegungstherapie, Bindegewebsmassage, Biochemie nach Schüssler, Biodynamische Psychologie / Biodynamik, Biofeedback, Bioresonanztherapie, Blutegel-Therapie, Brain Gym, Colon-Hydro-Therapie, Colon-Massage, Cranio-Sacral-Therapie, Deep Draining, Diätetik (NHP), Eigenbluttherapie / Autosanguisstufentherapie, Elektroakupunktur, Elektroakupunktur nach Voll / Bioelektronische Funktionsdiagnostik, Elektrotherapie, Ernährungsberatung, Ernährungsberatung (TCM), Esalen Massage, Eugemed-Regenerationstherapie, Eutonie Gerda Alexander, Fango, Farbpunktur, Farbtherapie, Fasciatherapie, Feldenkrais-Methode, Frecodyn-Therapie, Funktionelle Biometrie, Fussreflexzonen-Massage, Hatha Yoga, Heileurythmie, Heilpädagogisches Reiten / Therapeutisches Reiten, klassische Homöopathie, Hydrotherapie (Med. Mass.), Hämatogene Oxidationstherapie, Kinesiologie, Klassische Massage, Kneipp-Therapie / Hydrotherapie, Laser-Akupunktur, Lichttherapie, Lykotronic, Magnetfeldtherapie, Maltherapie, anthroposophische Maltherapie, Manuelle Lymphdrainage, Massagepraktiken (NHP), Meridian-Therapie, Mesotherapie, Metamorphosis, Moxa / Moxibustion, Musiktherapie, anthroposophische Musiktherapie, Muskelreflexzonenmassage, Myofunktionelle Therapie, Neuraltherapie, Neurofeedback, Ohrakupunktur, Ohrkerzen-Therapie, Organisch-rhythmische Bewegungsbildung Medau, Ortho-Bionomy, Orthomolekulare Therapie, Osteopathie / Etiopathie, Ozontherapie, Phytotherapie (TCM), westliche Phytotherapie, anthroposophisches Plastisch-therapeutisches Gestalten, Polarity, Posturale Integration, Psychomotorik, Psychozonenmassage, Puppenspiel-Therapie, Qi-Gong, Rebalancing, Rebirthing, Reflexzonenmassage, Reiki, anthroposophische Rhythmische Massage, Rolfing / Strukturelle Integration, Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie, Schröpfen, Shiatsu, Shin Tai, Sophrologie Bio-Dynamique, Sophrologie Caycédienne, Sumathu-Therapie, Sympathico-Therapie, Tai-Chi, Tanztherapie, Thai-Massage, anthroposophische Therapeutische Sprachgestaltung, Thermographie, Tibetische Medizin, Tomatis-Methode, Touch for Health, Trager-Methode, Ultraviolettbestrahlung des Bluts, Vitalpraktik nach Vuille, Wickel / Umschläge, Wirbelsäulen-Basis-Ausgleich / Wirbelsäulen-Basis-Therapie.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

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Supermarkt Komplementärmedizin

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Unter dem Titel „Welche Therapie darfs denn sein“ schreibt Kathrin Hafner im „Tages-Anzeiger“ über den Trend zu alternativen Behandlungsformen.

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Welche-Therapie-darfs-denn-sein-/story/18054514

Zwar fehlt im Portrait des vorgestellten Naturheilpraktikers kritisches Nachfragen, doch stellt die Autorin darüber hinaus eine zentrale Frage, die im Umgang mit der Komplementärmedizin sonst in der Regel unter den Tisch fällt:

„Warum nimmt das Bedürfnis nach solchen Hilfsangeboten zu?“

Damit spricht sie gesellschaftspolitische Entwicklungen an, die dem Trend zur Komplementärmedizin zugrunde liegen könnten.

Und sie gibt dazu auch Antworten:

„ Grundsätzlich bewegen wir uns in einem Zeitalter des Hilfeholens. Wer Information braucht, googelt sich durchs Netz oder sucht in der Ratgeberflut. Ähnlich läufts bei körperlichem oder psychischem Unwohlsein: Man bittet nicht mehr die Grossmutter oder gegebenenfalls den Pfarrer um einen Tipp, man fragt den Experten. Nach dem Hype der Psychotherapie und -analyse verlagert sich die Suche nun auch in Richtung manueller und naturheilkundlicher Behandlungen.

Zudem hat sich die Definition des Sich-gesund-Fühlens verschoben: Wir sind nicht mehr «krank», sondern fühlen uns «nicht gesund». Diffuses Unbehagen motiviert zum Ausprobieren unterschiedlicher Therapien. Das muss nicht bedeuten, dass wir wehleidig oder esoterisch sind, es kann ebenso Ausdruck sein von besserem Gesundheitsbewusstsein, klarerer Selbsteinschätzung und offenem Geist.“

Insbesondere über folgenden Satz müsste man meines Erachtens vertieft nachdenken:

„Wir sind nicht mehr «krank», sondern fühlen uns «nicht gesund».

Ich bin gar nicht überzeugt davon, dass dieses „diffuse Unbehagen“ Ausdruck von besserem Gesundheitsbewusstsein, klarerer Selbsteinschätzung und offenem Geist ist. Uns wird auch von einer gut geölten PR-Maschinerie eingeredet, dass wir nicht wirklich gesund sind und ohne eine Vielzahl von Tröpfli, Chügeli und Vitamintabletten schon mit einem Bein im Grab stehen. Und es gibt durchaus eine ansehnliche Zahl von Menschen, die sich vor lauter Beschäftigung mit ihrer Gesundheit immer kränker fühlen, obwohl ihnen mutmasslich nichts Ernsthaftes fehlt.

Eine gründliche Auseinandersetzung über die Ursachen des Verlangens nach Komplementärmedizin wäre spannend und sinnvoll. Dass solche Aspekte thematisiert werden scheint mir ein positiver Punkt an diesem Beitrag des Tages-Anzeigers, wobei der Schlussabschnitt allerdings wieder Fragen aufwirft:

„ Letztlich kommen sich insofern Wellness- und Therapieangebote tatsächlich näher: Wir möchten uns Gutes tun, sei es präventiv, aus psychosozialen Motiven, wegen leichter oder gar ernsthafter Beschwerden.

Die Suche nach dem besseren Wohlergehen gestaltet sich freilich immer individueller, die Angebote dafür wachsen – auch und gerade im naturheilkundlichen und alternativ-/komplementärmedizinischen Bereich. Und das ist gut so.“

Beim letzten Satz: „Und das ist gut so“, fehlt mir die Begründung. Warum ist das gut so?

Weil die Vielfalt an Konsummöglichkeiten steigt? Ist mehr besser?

Ausserdem fehlt hier die Frage nach der Qualität. Eine Vermehrung der Methoden und Angebote rein quantitativ scheint mir nicht einfach fraglos „gut so“.

Zum Thema „Qualität“ tischt der Tages-Anzeiger in diesem Beitrag aber nur das weit verbreitete Märchen von der Qualitätssicherung in der Komplementärmedizin auf:

„ Dieser Trend zeigt sich anhand des Erfahrungsmedizinischen Registers (EMR). Das Qualitätslabel prüft Therapeuten und setzt sie auf eine Liste, die von rund 40 Krankenversicherern anerkannt wird – sprich: deren Kosten die Zusatzversicherung (teilweise) übernimmt.“

Dazu folgendes:

1. Die Bezeichnung „Erfahrungsmedizinisches Register“ tönt nach einer offiziellen Stelle. Im Wirklichkeit handelt es sich aber um eine Privatfirma, die niemandem Rechenschaft schuldig ist und keinerlei staatliche Vorgaben erfüllen muss.

2. Das EMR legt Mindestanforderungen fest bezüglich der Ausbildungsstunden, die ein Therapeut oder eine Therapeutin absolviert haben muss, damit die Zusatzversicherung die Therapie zahlt. Das ist positiv, weil dadurch verhindert wird, dass diejenigen, die schon nach ein paar Wochenendkursen eine Praxis aufmachen über die Zusatzversicherung abrechnen können.

3. Das EMR legt fest, dass Therapeutinnen und Therapeuten, die über Zusatzversicherung abrechnen wollen, eine Mindestzahl an medizinischen Ausbildungsstunden absolviert haben müssen. Auch dieser Punkt ist zu begrüssen. Allerdings zeigt mir langjährige Erfahrung in diesem Bereich, dass viele Heilerinnen und Heiler die „schulmedizinischen“ Ausbildungsstunden nur als notwendiges Übel hinter sich bringen, damit sie ihre Zulassung für die Zusatzversicherungen bekommen. Aber ihr wirkliches Interesse liegt natürlich in den komplementärmedizinischen Methoden. Das sind schlechte Voraussetzung dafür, dass medizinisches Wissen auch fundiert in die Behandlung einfliesst.

4. Die Inhalte der geforderten Ausbildungsstunden werden vom EMR nicht geprüft. Ob seriös und fundiert ist, was da vermittelt wird, ist für das EMR kein Kriterium. Und hier liegt der kritische Punkt. Wenn nur „Schrott“ vermittelt wird, spielt es keine Rolle, ob die „Ausbildung“ 20, 200 oder 2000 Stunden dauert. Von Mindestvorschriften profitieren in diesem Fällen nur die Ausbildungsinstitute, aber ganz sicher nicht die Patientinnen und Patienten.

5. Wenn Qualität rein formal und quantitativ an der Anzahl der Ausbildungsstunden festgemacht wird und nichts mit Inhalten zu tun hat, dann wird Qualitätssicherung zur Farce. Phytotherapie zum Beispiel ist kein geschützter Begriff mit klar festgelegten Inhalten. Unter diesem „Label“ können durchaus auch Hochrisiko-Heilungsphantasien segeln wie zum Beispiel die „Behandlung“ von Borreliose durch Kardentinktur (siehe dazu: Karde & Borreliose-Therapie nach Storl). Heilerinnen und Heiler, die solch gefährlichen Schrott gelernt haben, bekommen problemlos ein „EMR-Qualitätslabel“, solange Inhalte kein Kriterium sind.

Fazit:

Sobald man genauer hinschaut wird klar, dass das EMR eigentlich eher eine Quantitätskontrolle macht. Dabei ist aber anzufügen, dass eine wirkliche inhaltliche Qualitätskontrolle kaum möglich sein dürfte, wenn wissenschaftliche Kriterien abgelehnt werden.  Andere auch nur einiger massen objektive Qualitätskriterien sind nämlich meines Erachtens nicht in Sicht.

Unter diesen Umständen halte ich es aber für eine Täuschung der Öffentlichkeit, vom EMR als „Qualitätslabel“ zu schreiben und davon, dass das Erfahrungsmedizinische Register die Therapeuten „prüft“.

Ich bin nicht gegen die Arbeit, die das Erfahrungsmedizinische Register macht. Ich fordere nur, dass offen und transparent darüber informiert wird, was das EMR macht und was es nicht macht. Und ich halte es für sehr fragwürdig, in diesem Zusammenhang von Qualitätssicherung zu sprechen, solange die Qualität der Ausbildungsinhalte und der Therapie selber keine Rolle spielt.

Die Befürworterinnen und Befürworter des Verfassungsartikels zur Förderung der Komplementärmedizin haben versprochen, dass mit der Annahme dieser Vorlage eine Verbesserung der Qualitätssicherung verbunden sei, weil der Bund ein entsprechende Berufbild ausarbeite. Sie haben aber nicht gesagt, wie sie sich die Qualitätssicherung genau vorstellen. Zu befürchten ist, dass wieder nur Stunden zusammengezählt werden, und die inhaltliche Qualitätssicherung unter den Tisch gewischt wird. Dann bleibt die Täuschung der Konsumentinnen und Konsumenten erhalten und der einzige „Fortschritt“ besteht darin, dass dafür neu der Staat zuständig sein wird.

Siehe dazu: Komplementärmedizin: Fragwürdige Versprechen zur Qualitaetssicherung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Der „Berner Heiler“ und die Qualitätsprobleme in der Komplementärmedizin

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Der Fall des „Berner Heilers“, der durch seine Behandlungen mehrere Personen mit dem HIV-Virus angesteckt haben soll, sorgt auch in den Kreisen von Komplementärmedizin & Alternativmedizin für Aufregung. Die Szene bangt um ihren Ruf. Die Berufsverbände distanzieren sich und verlangen staatliche Qualitätskontrollen. Die Situation ist aber viel komplizierter und desolater als es in den diversen Pressemeldungen dargestellt wird.

Drei Beispiele mit jeweils einem Kommentar von mir sollen das verdeutlichen:

Beispiel 1:

Auf dem Newsticker von www.suedostschweiz.ch erschien folgende Meldung:

Qualitätskontrolle ist unbedingt notwendig

Der Fall des Berner «Akupunkteurs» zeigt klar, dass eine seriöse Qualitätskontrolle bei der Aus- und Fortbildung von Therapeutinnen und Therapeuten der Komplementär- und Alternativmedizin (KAM) unabdingbar ist.

Kein anderes Land auf der Welt hat eine so hohe Dichte an Therapeuten der KAM wie die Schweiz. Umso wichtiger ist es, dass Patienten, die komplementärmedizinische Leistungen in Anspruch nehmen, herausfinden können, ob der von ihnen gewählte Therapeut gut ausgebildet ist.

Dies ist heute relativ schwierig, da das Berufsbild für die KAM-Therapeuten erst in Entwicklung ist und die kantonalen Regelungen bei der Zulassung von KAM-Therapeuten sehr unterschiedlich sind.

In den Kantonen sind von einer reinen Meldepflicht bis zu strengen Prüfungen alle Varianten vorhanden. Das Erfahrungsmedizinische Register EMR prüft seit über zehn Jahren nach strengen Richtlinien die Aus- und Fortbildung von KAM-Therapeuten und vergibt ein Qualitätslabel, das von über 40 Krankenversicherern genutzt wird. Auch mehrere Kantone stützen sich bei der Vergabe der Berufsausübungs-Bewilligung auf das EMR-Qualitätslabel ab.

Kommentar:

Wenn in dieser Meldung behauptet wird, das Erfahrungsmedizinische Register EMR prüfe seit über zehn Jahren nach strengen Richtlinien die Aus- und Fortbildung von KAM-Therapeuten, so hat das etwa soviel Realitätsgehalt wie die Romane von Jules Verne. Das EMR zählt vor allem Ausbildungs- und Weiterbildungsstunden zusammen anhand von Bestätigungen der Ausbildungsinstitute.

Für die Qualität des Inhaltes dieser Stunden, meines Erachtens der Kern jeder Qualitätskontrolle, interessiert sich das EMR nicht. Eine inhaltliche Qualitätskontrolle wäre für das EMR auch gar nicht machbar.

Wenn verschiedene Kantone und über 40 Krankenversicherer sich auf das „Qualitätslabel“ (Quantitätslabel?) des EMR abstützen, so gehen sie damit nur den für sie billigsten und einfachsten Weg, täuschen aber den Konsumentinnen und Konsumenten eine Qualitätskontrolle vor, die diesen Namen nicht ansatzweise verdient.

Beispiel 2:

Als Reaktion auf einen Artikel über den „Berner Heiler“ erschien im Tages-Anzeiger vom 11. Juni 2011 ein Leserbrief von Ruth Vuilleumier vom Schweizerischen Verband für Natürliches Heilen (SVNH):

„Der Schweizerische Verband für Natürliches Heilen“ (SVNH) versucht solche Missbräuche mithilfe eines strengen Prüfungssystems zu verhindern. Die therapeutisch tätigen Aktivmitglieder werden nicht nur in der Heilmethode geprüft, sondern ganz besonders auch auf ihre Persönlichkeit hin, welche Werte sie vertreten, wie sie mit Klienten und besonders auch mit Macht umgehen. Ein SVNH-geprüfter Naturheiler hat deswegen nicht nur ein seriöses Label bezüglich seiner Arbeitsmethode, sondern auch von der persönlichen Ebene her…..“

Kommentar:

Auch hier werden meines Erachtens „Potemkinsche Dörfer“ aufgebaut – schöne Fassaden eben.

Das fängt schon bei den Fachprüfungen an. Ein SVNH-Mitglied schreibt zum Beispiel zu der von ihr angebotenen Reinkarnationstherapie:

„Eine Rückführung ist nichts anderes als ein Besuch in einem Paralleluniversum, dessen Schwingungsfeld mit unserem heutigen Bewusstsein in Resonanz steht.“

Um  die Qualität dieser Versprechungen zu prüfen, müsste festgestellt werden, ob die angebotene Reise ins Paralleluniversum wirklich stattfindet oder nicht und ob das Schwingungsfeld des postulierten Paralleluniversum tatsächlich mit unserem heutigen Bewusstsein in Resonanz steht. Während bei einer Reise nach Tunis Reisende und Aussenstehende relativ leicht überprüfen können, ob der Trip tatsächlich nach Tunis geführt hat, dürfte dies bei einer Reise in ein Paralleluniversum wohl kaum möglich sein.

Das beschriebene Bespiel ist meines Erachtens nur scheinbar extrem. Man findet auf den Websites von SVNH-Mitgliedern hunderte von solchen Aussagen. Eine inhaltliche Überprüfung der propagierten Heilmethoden  und Diagnoseverfahren und der damit verbundenen Versprechungen findet meiner Erfahrung nach nicht statt, obwohl dies meiner Ansicht nach der Kern jeder Qualitätskontrolle und die Grundlage jedes Konsumentenschutzes in diesem Bereich wäre.

Ruth Vuilleumier streicht in ihrem Leserbrief vor allem heraus, dass der SVNH auch die Persönlichkeit der Aktivmitglieder überprüfe. Es wäre interessant mehr darüber zu erfahren, wie diese Persönlichkeitsprüfung genau stattfindet. Es scheint sich um ein Gespräch mit dem Kandidaten bzw. der Kandidatin zu handeln. Ich bin ganz und gar nicht gegen solche Gespräche. Die Vorstellung aber, mit einem Gespräch oder allenfalls irgendwelchen Fragebögen die Persönlichkeit eines angehenden Naturheilers beurteilen zu können, halte ich für reichlich naiv.

Riskant und problematisch sind m. E. in der Naturheil-Szene vor allem die verbreiteten Allmachtsphantasien und chronifizierten Feindbildhaltungen gegenüber der Medizin.

Solche Phänomene lassen sich nur bei den allerdümmsten Prüflingen per Gespräch oder Fragebogen eruieren. Wer auch nur einigermassen klar ist im Kopf weiss doch genau, was er oder sie zu antworten hat, wenn es um Werte, Macht und Moneten geht im Umfeld der Heilkunde.

Der Drang nach Qualitätslabel ist in dieser Szene so gross, gerade weil es an Qualität an allen Ecken und Enden mangelt. Entsprechend gross ist auch das Tamtam um allerlei Pseudoqualitätslabel. Nötig wäre anstelle solcher Farce-Bescheinigungen eine Kultur der kritischen Auseinandersetzung innerhalb „Naturheilszene“ und ein Abbau von undifferenzierten Feindbildern gegenüber der Medizin (was nicht mit Kritiklosigkeit gleichgesetzt werden sollte).

Beispiel 3:

Am 12. 6. 2010 erschien im Tagesanzeiger ein Artikel unter dem Titel

„Kontrollen gegen Scharlatane“.

Darin wird darauf hingewiesen, dass das Volk vor Jahresfrist einen neuen Verfassungsartikel gutgeheissen habe, und dass die Befürworter damit explizit beabsichtigten, den Schutz der Patienten zu verbessern:

„Eine Praxisbewilligung soll nur noch erhalten, wer über einen kantonal anerkannten Abschluss oder ein nationales Diplom verfügt, lautete eine ihrer Kernforderungen. Die Situation hat sich diesbezüglich aber seither nicht verbessert, im Gegenteil. Der Trend zum Laissez-faire gehe unvermindert weiter, kritisiert der Dachverband Komplementärmedizin. So kann heute in zehn Kantonen jeder beliebige Laie eine nichtärztliche Praxis eröffnen, ohne Ausbildung, Diplom und Kontrolle. Mit Schaffhausen plant ein elfter Stand diese Freigabe der Praxistätigkeit, in Zürich soll sie bald auf die Akupunktur ausgeweitet werden…..Verbandspräsidentin Edith Graf-Litscher kann dies nicht verstehen. «Die Kantone müssen endlich aufhören, die Gesundheit der Patienten leichtfertig aufs Spiel zu setzen», sagt die Thurgauer SP-Nationalrätin. Deren Passivität öffne Tür und Tor für Scharlatane und widerspreche, wie auch die Föderation Alternativmedizin Schweiz moniert, dem an der Urne geäusserten Volkswillen.

Die freimütigen unter den Kantonen berufen sich indes auf andere Instanzen. Seit dem Jahr 2000 empfiehlt die Konferenz der Gesundheitsdirektoren (GDK), die Bewilligungspflicht nur restriktiv anzuwenden. Es sei schlicht nicht möglich, alle Spielarten der Alternativmedizin zu kontrollieren, begründet der damalige GDK-Sekretär Franz Wyss die Empfehlung. ‚Man käme aus dem Regulieren nicht mehr heraus.’ Für die  Alternativmediziner sind diese Argumente spätestens jetzt zu revidieren. Die Praxisfreigabe müsse an klare Qualitätsvorgaben geknüpft werden, fordern sie. Und solange es noch keine nationalen Diplome gebe, müssten sich die Kantone dazu mit anderen Kriterien behelfen.“

Kommentar:

In diesem Artikel stehen sich zwei Positionen gegenüber:

1. SP-Nationalrätin Edith Graf–Litscher vom Dachverband Komplementärmedizin wirft den Kantonen „Laissez-faire“ und Gefährdung von Patienten vor, weil sie zunehmend auf eine Regulierung der nichtärztlichen Komplementärmedizin verzichten.

2. Die Kantone bzw. die Gesundheitsdirektoren-Konferenz äussert sich skeptisch gegenüber der Möglichkeit, die Alternativmedizin zu kontrollieren.

Dazu folgendes:

Der Trend zur völligen Freigabe der nichtärztlichen Komplementärmedizin durch die Kantone ist zweifellos heikel.

Aber Nationalrätin Edith Graf-Litscher und der Dachverband Komplementärmedizin machen es sich m. E. auch sehr einfach mit der repetitiv geäusserten Forderung nach Qualitätsvorgaben durch Bund und Kantone. Damit schieben sie den „Schwarzen Peter“ einfach auf den Staat ab. Wie stellen sich Nationalrätin Edith Graf-Litscher und der Dachverband Komplementärmedizin solche Qualitätskriterien vor? Geht es letztlich wieder nur um eine Quantitätskontrolle wie beim EMR (siehe Beispiel 1). Soll einfach der Staat die verlangten Ausbildungsstunden zusammenzählen anstelle des EMR – ohne den Inhalt der Ausbildung zu prüfen?

Zu einer solchen Pseudo-Qualitätskontrolle darf der Staat meines Erachtens auf keinen Fall Hand bieten. Die Forderung nach „Kontrollen gegen Scharlatane“ in Ehren. Mit einer solchen stundenbasierten Lösung wird der Staat zum Handlanger von Scharlatanen und er täuscht Bürgerinnen und Bürger. Wenn es wirklich um Schutz vor Scharlatanen gehen sollte, müssten die zur Diskussion stehenden Methoden auch inhaltlich auf ihre Qualität geprüft werden. Hält die Heilmethode, was sie verspricht? Findet das Diagnoseverfahren relevante Krankheiten? Wer diese Fragen beim Thema Qualitätssicherung in der Komplementärmedizin ausklammert, streut den Leuten Sand  in die Augen.

Zu diesem Kern jeder Qualitätssicherung habe ich von Nationalrätin SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher und vom Dachverband Komplementärmedizin bisher kein Wort gehört. Transparente, klare Qualitätskriterien zum Inhalt von Ausbildung und Praxistätigkeit wären gefragt, damit Patientinnen und Patienten geschützt sind.

Auf diesem Hintergrund habe ich grosses Verständnis für die GDK, wenn sie nicht zu Pseudoqualitätslabels Hand bieten will.

Siehe dazu auch:

Komplementärmedizin-Abstimmung: Fragwürdige Versprechen zur Qualitätssicherung

Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Naturheilkunde-Ausbildung – was Sie wissen sollten

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Sie interessieren sich für eine Naturheilkunde-Ausbildung?
Sie suchen eine für Sie geeignete Naturheilkunde-Ausbildung und merken, wie schwierig eine solche Wahl ist?
Dann helfen Ihnen die folgenden Anregungen und Kriterien vielleicht, sich in diesem Terrain etwas besser zu orientieren.

1. Naturheilkunde – ein unscharfer Begriff

Naturheilkunde ist ein Begriff, der sehr unterschiedlich verwendet wird. Sie können daher unter dieser Bezeichnung sehr verschiedene Methoden versammelt finden. Das gilt auch für den Inhalt von Naturheilkunde-Ausbildungen. Vergleichen Sie daher genau und prüfen Sie, ob die angebotenen Methoden Ihnen entsprechen. Eine Definition des Begriffs Naturheilkunde finden Sie hier:

Naturheilkunde – was ist das?

2. Fehlende Qualitätskontrolle bei Naturheilkunde-Ausbildungen

Es ist m. E. nützlich zu wissen, dass eine auch nur einigermassen fundierte Qualitätskontrolle im Bereich der Naturheilkunde-Ausbildung nicht oder dann nur dem Schein nach besteht. Es gibt zwar Richtlinien darüber – zum Beispiel vom sogenannten EMR – wie viele Ausbildungsstunden in den einzelnen Methoden nötig sind, damit ein Naturheilpraktiker oder eine Naturheilpraktikerin mit Krankenkassen via Zusatzversicherung abrechnen kann.

Das ist eine quantitative Kontrolle. Wie fundiert die Inhalte sind, welche in diesen Stunden vermittelt werden, bleibt völlig im Ermessen der Schulen und der Dozierenden. Das Fehlen einer unabhängigen inhaltlichen Qualitätskontrolle in Naturheilkunde-Ausbildungen ist für die Weiterentwicklung dieses Bereiches eigentlich ein Desaster.

Dem liegt allerdings ein grundsätzliches Problem zugrunde:
Viele Bereiche von Naturheilkunde bzw. Komplementärmedizin entziehen sich schon von den Methoden und Theorien her einer auch nur einigermassen objektiven, unabhängigen Überprüfung. Und wo sie in Teilbereichen wissenschaftlich überprüfbar wären, wird diese Form von Qualitätskontrolle oft abgelehnt.

Dann stellt sich aber die Frage, nach welchen unabhängigen Kriterien eine Qualitätssicherung überhaupt stattfinden könnte. In den medizinischen Grundlagenfächern, die auch Bestandteil der Naturheilkunde-Ausbildungen sind, ist das einfacher, weil es in der Medizin neben strittigen Punkten auch einen grossen Stock an anerkannten Standards gibt.
Auch für die Phytotherapie, sofern und soweit sie sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse bezieht, gibt es solche anerkannten Standards (z. B. die ESCOP-Monografien), die eine qualitative Überprüfung von vermitteltem Wissen möglich machen.

Zwar gibt es keine Garantie, dass solche Standards korrekt sind. Es kommt sogar immer wieder einmal vor, dass sie sich als falsch erweisen.
Aber es sind immerhin Standards, die auf einem breiten Konsens von Fachleuten basieren und mit Hilfe von überprüfbaren, reproduzierbaren Kriterien zustande gekommen sind. Das ist ein gewisser Schutz dagegen, dass irgendein “Furz” einer Einzelperson oder einer Clique plötzlich zum Dogma erhoben wird, wie es im Bereich Naturheilkunde bzw. Komplementärmedizin leider nicht gerade selten vorkommt.

Wer auf der Suche nach einer passenden Naturheilkunde-Ausbildung ist, steht also vor der ziemlich grossen Herausforderung, sich selber ein Urteil zu bilden über die inhaltliche Qualität des Angebotes.

3. Prüfsteine für Naturheilkunde-Ausbildungen

Wie also bildet man sich ein sorgfältiges Urteil über die Qualität einer Naturheilkunde-Ausbildung, wenn unabhängige, reproduzierbare Kriterien zur Einschätzung des fachlichen Inhalts kaum vorhanden sind?
Meiner Erfahrung nach ist es an diesem Punkt vor allem wichtig, verstärkt die Grundhaltung einer Schule und ihrer Lehrkräfte unter die Lupe zu nehmen.
Wie gehen diese Personen um mit dem Wissen, das sie vermitteln und wie bewegen sie sich im Terrain zwischen Krankheit, Gesundheit und Heilen?

Folgende Prüfsteine können als Anregung für diesen Prüf- und Entscheidungsvorgang dienen:

3.1. Schwarz-Weiss-Denken meiden

Es gibt im Bereich Naturheilkunde / Komplementärmedizin nicht wenige Ausbildungsstätten oder Einzelpersonen, die Sie mit ihren eigenen Feindbildern gegen die “Schulmedizin” abfüllen wollen. Erkennbar ist dies am ausgeprägten Schwarz-Weiss-Denken: Hier die gute, lebens- und menschenfreundliche Naturheilkunde, dort die schädliche, menschenverachtende Medizin. Notwendig wäre dagegen eine kritisch-differenzierte Auseinandersetzung mit Medizin und Naturheilkunde. Wer nur kritisch gegenüber der sogenannten “Schulmedizin” auftritt, in der Naturheilkunde aber blauäugig alles wunderbar findet, ist nicht wirklich kritisch, sondern nur verhaftet in den eigenen Feindbildern. Weil solch einseitige Haltungen aber letztlich den Patientinnen und Patienten schaden, empfiehlt es sich, um solche Schulen einen weiten Bogen zu machen.

3. 2. Werden Misserfolge, unerwünschte Nebenwirkungen und Grenzen thematisiert?

Wer nur von Heilerfolgen redet oder schreibt, nie jedoch von Misserfolgen und Grenzen der eigenen Methoden, der blendet einen wichtigen Bereich der Realität aus. Es ist ausgesprochen unwahrscheinlich, dass es jemals eine Heilmethode gab oder geben wird, die weder Misserfolge noch Grenzen kennt.
Fragwürdig ist auch, wenn zum Beispiel in einem Heilpflanzenbuch nur von wunderbaren Heilwirkungen, nie aber von unerwünschten Nebenwirkungen die Rede ist. Es spricht viel dafür, dass, was therapeutische Wirkung entfaltet, auch unerwünschte Nebenwirkungen zeigen kann. Das gilt auch für Behandlungen im Bereich Naturheilkunde / Komplementärmedizin.
Wer sich nicht mit Misserfolgen oder Grenzen der eigenen Methoden auseinandersetzt, lernt kaum etwas und entwickelt sich und seine therapeutischen Werkzeuge nicht weiter. Ich würde empfehlen, solche Ausbildungsinstitute oder solche Dozentinnen und Dozenten zu meiden.

3.3. Naturheilkunde-Ausbildungen sollen nicht zu Überidentifikation führen

Wer die unbegrenzten Möglichkeiten der Naturheilkunde in den schönsten Farben ausmalt, ohne auf die Grenzen hinzuweisen, idealisiert sie. Das passiert vor allem Menschen, die sich sehr stark mit der Naturheilkunde identifizieren. Und wer sich zu stark identifiziert, verliert jede Distanz, die nötig wäre, um zwischendurch auch mal einen kritischen Gedanken zum eigenen Gebiet zu fassen. Darum wäre ich sehr skeptisch, wenn Dozierende in Naturheilkunde-Ausbildungen sich zu 150% mit ihren Methoden identifizieren. Wer seine Identität so vollständig auf der eigenen Rolle als Naturheiler aufbaut, wird sich bei jeder kritischen Bemerkung persönlich angegriffen fühlen. So wird ein differenzierter Umgang mit den Möglichkeiten und Grenzen der Naturheilkunde fast unmöglich. Dozentinnen und Dozenten in Naturheilkunde-Ausbildungen dürfen und sollen durchaus von ihrem Gebiet überzeugt sein, aber zwischendurch auch genug Distanz haben, um Grenzen, offene Fragen und heikle Punkte in ihrem Fachbereich zu erkennen.

3.4. Widersprüche und offene Fragen gehören zu einer sorgfältigen Naturheilkunde-Ausbildung.

Es gibt wohl keinen Wissensbereich in der ganzen Welt, der vollständig geklärt ist. Auch in der Naturheilkunde gibt es zahlreiche offene Fragen und Widersprüche. Mir fällt schon seit langer Zeit auf, dass es viele Naturheilkunde-Ausbildungen gibt, die scheinbar fragloses, absolut sicheres Wissen vermitteln. “So ist es!”, lautet offenbar deren Grundprinzip. Das hat zur Folge, dass Studierende nach der Ausbildung wie Missionare auftreten und dieses “Wissen” genauso unreflektiert predigen, wie sie es vermittelt bekommen haben. Auch dieser Missionarismus schadet meiner Meinung nach den Patientinnen und Patienten und er behindert zudem eine produktive Weiterentwicklung der Naturheilkunde.

3.5. Optative statt normative Grundhaltungen

Es geistern im Bereich von Naturheilkunde bzw. Komplementärmedizin viele normative Grundhaltungen herum, das heisst mit anderen Worten fixe Anweisungen, was zu tun und was zu lassen ist. Ich würde eine Naturheilkunde-Ausbildung vorziehen, die eine optative Haltung einnimmt, also Optionen, Wahlmöglichkeiten für die Patientinnen und Patienten aufzeigt. Zu den Optionen gehört jeweils auch der Hinweis auf “schulmedizinische” Möglichkeiten, ohne dass diese Option routinemässig schlecht gemacht oder gar dämonisiert wird (was in der Naturheilkunde leider oft vorkommt). Diese grundsätzliche Offenheit auch für “schulmedizinische” Optionen ist allerdings nicht mit Kritiklosigkeit zu verwechseln.

3.6. Achten Sie auf diffuse, aber wohlklingende Begriffe

In der Naturheilkunde trifft man oft Leute, die mit zwar wohlklingenden, aber bei genauerer Betrachtung ziemlich vagen bis nebulösen Begriffen operieren.
Manche Ausschreibungen oder Inserate für Naturheilkunde-Ausbildungen sind gespickt mit Worten wie Ganzheitlich, Schwingungen, Energie, Wesen der Pflanzen, etc.
Das Problem mit solchen Worthülsen ist, dass sie bei manchen Personen diffuse Bedürfnisse ansprechen und darum sehr verkaufsfördernd sind. Gleichzeitig sind sie aber so nichtssagend oder vage, dass jeder und jede sich darunter etwas ganz anderes vorstellt. Dann kann man sich über lange Zeit bestens darüber unterhalten und gleichzeitig vollkommen aneinander vorbeireden, weil jeder in seinen eigenen Vorstellungen gefangen ist.

So wird beispielsweise in der Pflanzenheilkunde manchmal vom “Wesen der Pflanzen” gesprochen, das erkannt werden müsse, wenn Heilpflanzen erfolgreich angewendet werden sollen. Der bedeutungsschwer tönende Begriff vom “Wesen der Pflanzen” bleibt aber ungeklärt. So kann jeder Mensch seine eigenen Vorstellungen damit verbinden. Werden diese nie thematisiert, reden die beteiligten Personen aneinander vorbei, während sie zugleich vielleicht sogar glauben, sie würden sich gut verstehen. Unter dem Etikett des “Wesens” der Pflanzen werden dann eigene Deutungen als allgemein gültig verkauft. Anstelle eines sorgfältigen “so sehe ich diese Pflanze” gilt dann ein dogmatisierendes “so ist diese Pflanze”.

Achten Sie auf solch diffuse Begriffe in den Prospekten von Naturheilkunde-Ausbildungen, aber auch in Gesprächen mit Schulleitungen und Dozierenden. Falls solche Luftblasen vermehrt auftauchen lohnt es sich genau nachzufragen, was damit gemeint ist. Die Art der Antwort auf solche Nachfragen ist häufig aufschlussreich. Oft bekommen Sie dazu nur wirre Auskünfte, weil die entsprechenden Personen sich selber die Bedeutungen der von ihnen verwendeten Begriffe gar nie klar gemacht haben. Oder die Nachfrage wird gar als Zumutung empfunden. Eine solche Naturheilkunde-Ausbildung würde ich dann ebenfalls meiden….

3.7. Begründungen – nicht nur Behauptungen

Ich würde einen grossen Bogen machen um Naturheilkunde-Ausbildungen, die nur Behauptungen in den Raum stellen ohne sie so gut wie möglich zu begründen.
Wer nur mit Behauptungen abgefüllt wird, kann nur blind glauben oder ebenso blind ablehnen. Und wer bereits Geld für die Ausbildung bezahlt hat wird geneigt sein zu glauben, was ihm da als Gegenleistung angeboten wird. Wer das Angebot blind zurückweist, steht schlussendlich mit leeren Taschen da.
Nur die Alternative zwischen blind glauben und blind ablehnen zu haben ist aber irgendwie unwürdig für mündige Menschen.

Nur wenn auch Begründungen geliefert werden dazu, wie jemand zu einer Aussage kommt, können Sie sich eine eigene Meinung bilden. Aufgrund welcher Beobachtungen, Erfahrungen oder Überlegungen kommt jemand zum Beispiel zur Aussage, dass Heilpflanze XY gegen Krankheit Z. wirkt? Auf welche Quellen beruft er oder sie sich?

Skepsis ist angebracht, wenn Begründungen durch Schlagworte ersetzt werden. Ein oft gehörtes Beispiel dafür ist der Spruch: “Wer heilt hat recht!” – Er fegt scheinbar die Notwendigkeit von plausiblen Begründungen vom Tisch. Ausgeklammert bleibt dabei, ob die Heilung spezifisch mit der Therapie zusammenhängt, oder ob sie auf die Selbstheilungskräfte des Organismus zurück zu führen ist, oder auf den Placebo-Effekt, der bei jeder Behandlung mitbeteiligt ist.

Diese sieben Prüfsteine sind natürlich nicht abschliessend gemeint und sie geben auch keine Sicherheit für die Wahl einer optimalen Naturheilkunde-Ausbildung. Ich bin aber überzeugt davon, dass die Prüfung solcher Grundhaltungen dabei ein zentraler Punkt ist. Und zwar für die Sicherheit zukünftiger Patientinnen und Patienten, aber auf einer grundsätzlicheren Ebene auch für eine positive Entwicklung der Naturheilkunde.

Ich würde jedenfalls, wenn ich eine Naturheilkunde-Ausbildung wählen müsste, sorgfältig das Schulprogramm und die Prospekte studieren, mit der Schulleitung reden, einen Probe-Unterrichtstag absolvieren, und dabei diese sieben Prüfsteine gut im Auge behalten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

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Komplementärmedizin-Abstimmung: Fragwürdige Versprechen zur Qualitätssicherung

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Fragen an Ständerätin Simonetta Sommaruga (SP, BE), Präsidiumsmitglied des JA-Komitees.

Sehr geehrte Frau Sommaruga

Sie versprechen bei einer Annahme des Verfassungsartikels zur Förderung der Komplementärmedizin am 17. Mai mehr Patientensicherheit, Qualitätssicherung und die Ausschaltung von Scharlatanen durch Schaffung nationaler Diplome für nichtärztliche Therapeuten.

Ich bin seit über 25 Jahren Ausbildner im Bereich Naturheilkunde und kann nur unterstreichen, wie wichtig Qualitätssicherung im Bereich Komplementärmedizin wäre.
Ihre Forderung dürfte wohl viele Menschen überzeugen.

Nur macht es mir bisher nicht den Eindruck, dass Sie und andere BefürworterInnen aus der Politik sich vorstellen können, wie schwierig eine Umsetzung dieser grossen Versprechen wäre.
Ich jedenfalls kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie das gehen sollte.

Völlig abstrakt darüber geredet ist es leicht, Qualitätssicherung zu versprechen. Die Schwierigkeiten fangen aber erst an, wenn es konkret wird.

Bisher läuft die Qualitätssicherung im nichtärztlich-komplementärmedizinischen Bereich über Privatfirmen wie das Erfahrungsmedizinische Register (EMR). Dieses legt nach freiem Ermessen fest, wie viele Ausbildungsstunden es in einer bestimmten Methode für eine Anerkennung braucht, die dem betreffenden Naturheilpraktiker dann erlaubt, via Zusatzversicherung mit den Krankenkassen abzurechen.

Für Phytotherapie sind das zurzeit 300 Stunden. Für den Inhalt dieser 300 Stunden interessiert sich das EMR allerdings nicht. Auch das Prüfungsniveau, die Prüfungsfragen, die Qualität der Dozierenden – alles egal. Es wird also nur (quantitativ!) die Stunden gezählt. Inhaltliche (qualitative) Qualitätssicherung fehlt vollkommen.

Ich kritisiere nicht, dass das EMR keine inhaltliche Qualitätssicherung macht. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, wie so etwas im Bereich Komplementärmedizin ohne wissenschaftliche Kriterien gehen sollte. Wenn allerdings dieses quantitative Vorgehen gegenüber der Öffentlichkeit als Qualitätskontrolle dargestellt wird, halte ich das für eine eklatante Täuschung der Patientinnen und Patienten.

Nun stellt sich die Frage:
Bleibt es bei dieser quantitativen “Qualitätssicherung”, wenn das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) einen Ausbildungsgang mit Prüfung und Diplom aufgleist? Eine solche Patiententäuschung darf sich der Staat meines Erachtens nicht leisten, wenn er seine Glaubwürdigkeit behalten will.

Soll das BBT reale und nicht nur fiktive Qualitätssicherung machen, stellen sich jedoch sogleich zahlreiche schwierigen Fragen:

Wer entscheidet nach welchen Kriterien, ob zum Beispiel Irisdiagnose ein Fach ist, das in einen Naturheilkunde-Lehrgang gehört und daher auch geprüft werden soll?
Die Irisdiagnose geht davon aus, dass sich Krankheiten auf der Regenbogenhaut (Iris) im Auge erkennen lassen.
Siehe: http://www.aok.de/bund/rd/136183.htm

Für viele nichtärztliche Komplementärtherapeuten ist die Irisdiagnose wichtig und sie gehört zum Programm vieler Naturheilkunde-Ausbildungen.
Wissenschaftlich gesehen ist Irisdiagnose wertlos. Schickt man dieselbe Person zu mehreren “Augendiagnostikern”, kommen sehr unterschiedliche “Diagnosen” heraus. Schickt man Personen mit klar definierten und belegten Krankheiten zu Irisdiagnostikern, finden sie diese nicht, oder jedenfalls nicht häufiger als es via Zufall zu erwarten ist. Das haben Dutzende von Überprüfungen ergeben. Zudem gibt es mehrere unterschiedliche “Landkarten” der Iris, auf denen die Krankheiten eingezeichnet sind.

Wendet man nun wissenschaftliche Qualitätskriterien an, wird es die Irisdiagnose niemals in eine Komplementärmedizin-Ausbildung bzw. an eine Diplomprüfung schaffen.
Nur: Mit diesen wissenschaftlichen Kriterien werden Sie auch niemals eine komplementärmedizinische Ausbildung zustande bringen.

Aber nach welchen Kriterien sonst, Frau Sommaruga, nach welchen Kriterien entscheiden Sie für oder gegen die Irisdiagnose? Und wer entscheidet das?

Das ist auch eine ethische Frage. Es spricht sehr viel dafür, dass mit Irisdiagnose oft riskante Krankheitsprozesse übersehen werden. Und es werden Leuten Krankheiten “unterschoben”, die so gar nicht existieren – und dann werden diese angeblichen Krankheiten “therapiert”.
Da existiert ein breites Feld für Selbsttäuschung der DiagnostikerInnen und Täuschung der PatientenInnen. Wie und nach welchen Kriterien soll also entschieden werden?

Ein zweites Beispiel:

Wie entscheiden Sie, was eine qualitativ gute Phytotherapie-Ausbildung ist, wenn Sie wissenschaftliche Kriterien weglassen? Wer und nach welchen Kriterien soll dies entschieden werden?

Phytotherapie stammte ursprünglich aus der Medizin und orientierte sich an Wirkstoffen und wissenschaftlichen Vorstellungen. Der Begriff ist aber nicht geschützt und wird heute viel breiter gebraucht. Gemeinsam ist eigentlich nur noch, dass Pflanzen verwendet werden. Es gibt unter dem Begriff Phytotherapie keine gemeinsame Theorie mehr, auch keine Kriterien für Stoffinhalte, Qualifikation von Ausbildnern etc.

Es gibt Leute in der Phytotherapie, welche sagen, die Pflanze, die in deinen Garten kommt, ist diejenige, die dir helfen wird.
Akzeptieren Sie das in Ihrer Qualitätssicherung oder nicht? Nach welchen Kriterien?
Wer soll das entscheiden?

Es gibt Leute, die in ihrer Phytotherapie-Ausbildung gelernt haben, dass die Kardenpflanze gegen Borreliose hilft, weil sie einen rötlichen Blütenkranz hat, welcher der Wanderröte in Frühstadium der Borreliose ähnelt. Ist das akzeptable Phytotherapie oder nicht? Nach welchen Kriterien?
Es gibt Leute, die aufgrund einer solchen Ausbildung im Frühstadium der Borreliose von Antibiotikabehandlung abraten und stattdessen Kardentinktur verschreiben. Es gibt meines Erachtens keinen plausiblen Hinweis für eine Wirksamkeit der Karde, auch in der (wissenschaftlichen) Fachliteratur nicht. Ich halte diese Empfehlung für kriminell, weil sie Patienten einem Invaliditätsrisiko aussetzt. Sie wollen die Patienten ja vor Scharlatanen bewahren, Frau Sommaruga. Das wäre meiner Ansicht nach fraglos ein solcher Fall.

Nur: mit welchen Kriterien machen Sie das, wenn nicht mit wissenschaftlichen. Karde gegen Borreliose ist in der nichtärztlichen Phytotherapie breit akzeptiert. Ich habe noch keine Einwände dagegen gehört, schon gar nicht von Verbänden (ich selber kritisiere dieses hochriskante Vorgehen mit zahlreichen Argumenten seit Jahren im Internet).

Wenn ein Arzt einen Borreliose-Patienten statt mit Antibiotika mit Kardentinktur behandeln würde, müsste er bei einer Schädigung mit einer Anklage wegen Verletzung der ärztlichen Sorgfaltspflicht rechnen (nach Auskunft BAG).

Würde das auch bei diplomierten Komplementärtherapeuten /-innen gelten? Gibt es (juristisch) eine komplementärärztlich Sorgfaltspflicht? Dazu muss es aber Behandlungsstandards geben, damit Patienten bei Fehlbehandlungen klagen können. Wie werden die festgelegt? Von wem?
Von den Berufsverbänden? Aber die müssen Kriterien haben. Sonst wird sich einfach die Überzeugung etablieren, die am stärksten ist, das beste Lobbying drauf hat, am lukrativsten ist oder ideologisch am kompatibelsten.
In der Phytotherapie gibt es zu mindestens in Teilbereichen wissenschaftliche Daten, Dokumentationen und Studien, falls Sie sich darauf stützen möchten. Aber die naturheilkundlichen Berufsverbände werden damit kaum einverstanden sein, weil der Rückgriff auf wissenschaftliche Kriterien ihrer Ideologie widerspricht. Welche der verschiedenen Theorien in der Phytotherapie wird sich also durchsetzen? Wirklich die sicherste und wirksamste? Oder die ideologisch Kompatibelste? – Wohl letzteres, wenn es keine Kriterien gibt. Aber was hat das dann mit Qualität zu tun?

Auch in der Homöopathie gibt es sehr unterschiedliche Strömungen, die sich zum Teil widersprechen. Dort gibt es nicht einmal wissenschaftlichen Daten, um diese Differenzen zu klären und Qualität festzulegen. Von TCM und Ayurvedischer Medizin lässt sich ähnliches sagen.
Wie entscheiden Sie? Wer mehr Macht hat, wird sich durchsetzen? Aber was hat das dann mit Qualität zu tun?

Oder prüfen Sie einfach nur die medizinischen Grundlagenfächer und tasten den ganzen komplementärmedizinischen Teil bezüglich Qualitätssicherung nicht an?
Das wäre dann etwa so wie wenn der Konsumentenschutz ein Waschmittel auf seine Zusammensetzung hin untersucht, aber nach der einfacher zu analysierenden Hälfte seine Bemühungen einstellt – ohne das zu kommunizieren – und dann trotzdem eine Qualitätsaussage für das ganze Waschmittel macht. Konsumententäuschung eben.
Könnten Sie als engagierte (und verdienstvolle) Konsumentenschützerin zu einer solchen Täuschung Hand bieten?

Nur die schulmedizinischen Grundlagen zu überprüfen, würde jede Qualitätssicherung zur Farce machen. Ich habe genügend Erfahrung als Ausbildner in diesem Bereich, um festzustellen, dass man so Scharlatane nicht im Ansatz ausscheiden kann. Scharlatane absolvieren medizinische Fächer schon, wenn sie dafür eine Zulassung bekommen. No problem.

Wissenschaftliche Aussagen sind nicht immer richtig, aber sie müssen so formuliert sein, dass andere sie überprüfen können. Das lässt immerhin potenziell Qualitätssicherung zu. Viele Bereiche der Komplementärmedizin basieren dagegen auf einem religiös inspirierten oder säkularen Offenbarungsmodell der Erkenntnis. Sie entziehen sich jeder Überprüfbarkeit. Das sind ausgesprochen schlechte Voraussetzungen für Qualitätssicherung.

Der heikelste Punkt für den Schutz vor Scharlatanen oder Scharlataninnen ist aber ein ganz anderer:
Das grösste Risikopotenzial liegt meines Erachtens nicht im Bereich fehlenden Wissens und auch nicht bei der angewandten Methode, sondern in einer Grundhaltung, die von Dogmatismus, Heilslehren und rigiden Feindbildern gegenüber der Schulmedizin geprägt ist.

Das betrifft nicht alle nichtärztlichen Therapeutinnen und Therapeuten, aber einen durchaus grossen Teil.
Es sind gegen-abhängige Therapeuten und -Therapeutinnen, die nicht in der Lage sind, situativ auch medizinische Diagnostik und Therapie beizuziehen, weil sie in ihren Feindbilddenken und in einer Lagerhaltung gefangen sind. Brisant wird es, wenn gegen-abhängige Therapeuten auf gegen-abhängige PatientInnen treffen. Ein solches Duo versteht sich meist ausgesprochen gut, die Patienten sind hoch zufrieden mit der Behandlung, aber das Risiko, notwendige Massnahmen zu verpassen läuft immer mit. Soll ich Beispiele erzählen?

Gegen solch hoch problematische Phänomene würde es eine kritische Auseinandersetzung in der “Heiler-Szene” selber brauchen, dann wäre sie kompatibler mit der Medizin – auch ohne neuen Verfassungsartikel.

Ohne diese Auseinandersetzung wird dieser Verfassungsartikel nicht zur Überbrückung der Gräben beitragen. Er wird sie meines Erachtens eher verstärken.

Mit anderen Worten: Die Komplementärmedizin – um auch einmal diesen pauschalen Begriff zu verwenden – müsste meisnes Erachtens zuerst ihre Hausaufgaben machen und im eigenen “Laden” aufräumen. Dazu sehe ich leider bisher keine Ansätze. Wieviel einfacher ist es doch, sich stattdessen mit Hilfe eines politischen Entscheides durchsetzen zu wollen.

Ich bin sehr ernsthaft daran interessiert, wie Sie sich die Qualitätssicherung in diesem Feld und die dazu gehörigen Kriterien vorstellen. Meine Fragen sind ernsthaft gemeint und nicht einfach als Provokation. Ich werde darum an diesem Thema auch dranbleiben.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Abstimmung Komplementärmedizin am 17. Mai: Nein oder Ja?

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Kommentar zur Medienkonferenz von BR Couchepin:

Bundesrat Pascal Couchepin überlässt es ganz dem Parlament, was es aus einem Ja am 17. Mai machen will.
Vor den Medien machte der Gesundheitsminister in Bern keinen Hehl daraus, dass er den Gegenvorschlag zur zurückgezogenen Volksinitiative „Ja zur Komplementärmedizin“ unnötig findet. Pflichtgetreu vertrat er jedoch die Ja-Parole des Bundesrates, welcher dem Parlament vor Urnengängen nicht widersprechen darf.
Wie bereits schon bei früherer Gelegenheit dämpfte der Gesundheitsminister die Hoffnung und Erwartung der Befürworter, die von ihm 2005 aus der Grundversicherung gekippten fünf ärztlichen Methoden Homöopathie, Anthroposophische Medizin, Phytotherapie, Traditionelle Chinesische Medizin und Neuraltherapie würden erneut kassenpflichtig.
Bedenken äusserte der Gesundheitsminister wegen der Mehrkosten, die eine stärkere Berücksichtigung der Komplementärmedizin seiner Ansicht nach bringen könnte. Die fünf provisorisch aufgenommenen Methoden Homöopathie, Anthroposophische Medizin, Phytotherapie, Traditionelle Chinesische Medizin und Neuraltherapie hätten die Krankenversicherung 2004 zwar nur 25 Millionen Franken gekostet. Nun jedoch wendeten die Zusatzversicherungen über 200 Millionen für die Komplementärmedizin auf.

Quelle: sda / www.sonntagszeitung.ch, 9. April 2009

Kommentar:

Dass Bundesrat Couchepin weder von der Initiative noch vom Gegenvorschlag viel hält, ist schon lange klar. Meine eigene Begeisterung darüber hält sich ebenfalls in engen Grenzen. Für mich steht noch gar nicht fest, dass die Naturheilkunde bzw. Komplementärmedizin dadurch eine guten Schritt vorwärts macht. Mich stört im Vorfeld dieser Abstimmung, dass es kaum zu einer inhaltlichen Diskussion kommt und kritische Einwände allenfalls aus einer Finanz-Perspektive heraus erhoben werden. So auch hier wieder. Wenn Bundesrat Couchepin sagt, die fünf Methoden hätten 2004 nur 25 Millionen Franken gekostet, die Zusatzversicherungen nun aber bereits 200 Millionen Franken, so vergleicht er zudem meiner Ansicht nach Äpfel mit Birnen.
Während es sich bei den 25 Millionen Franken um fünf begrenzte Methoden handelt, umfasst die Zusatzversicherung ein fast grenzenloses Sammelsurium von Methoden, ist kaum eingegrenzt.

Im Bereich der Zusatzversicherungen werden zudem zahlreiche Verfahren via Krankenkasse abgerechnet, deren Bezug zur Heilkunde fraglich ist, und die wohl eher zum Thema Wellness, Lebensbewältigung, Sinnsuche etc. gerechnet werden müssten (“Partnerschaftsprobleme? Kinesiologie hilft! EMR-Anerkannt”). Im Bereich der Zusatzversicherungen fehlen engere Grenzen und vor allem existiert nicht im Ansatz eine überzeugende Qualitätskontrolle.

Daher lassen sich die 25 Millionen Franken von 2004 (Grundversicherung mit fünf Methoden) und die heutigen 200 Millionen (Zusatzversicherung incl. nichtärztlicher Bereich und mit unzähligen Methoden) nie und nimmer vergleichen.
Mir fehlt aber die inhaltliche Auseinandersetzung im Vorfeld dieser Abstimmung (und auch generell vorher und nachher):

Welche Komplementärmedizin ist sinnvoll und welche nicht?

Welche Komplementärmedizin ist wirksam und welche nicht?

Wie lässt sich eine glaubwürdige Qualitätssicherung aufbauen im Bereich von Komplementärmedizin bzw. Naturheilkunde? Bisher wird nämlich den Konsumentinnen und Konsumenten mit “Labels” wie dem EMR eine Qualitätssicherung nur vorgegaukelt.

An dieser Konsumententäuschung sind auch Krankenkassen sowie Kantone wie Graubünden und Luzern beteiligt, die sich auf solche leeren “Labels” abstützen.

Das “Erfahrungsmedizinische Register” (EMR) beispielsweise ist eine Abteilung der Privatfirma Eskamed, einer Kommunikationsagentur in Basel. Hier wird angeblich die Qualität von nichtärztlichen Therapeutinnen und Therapeuten im Bereich Komplementärmedizin / Naturheilkunde beurteilt. Aber genau genommen werden vor allem Ausbildungsstunden und Weiterbildungsstunden zusammengezählt. Was in diesen Ausbildungsstunden für Inhalte vermittelt wird, ob hier Bullshit erzählt wird oder fundiertes Wissen, ist dem EMR und offenbar auch den Krankenkassen ziemlich egal (sonst gäbe es nicht so viel Bullshit in diesem Bereich).

Inhaltliche Qualität zählt nichts im Bereich von Komplementärmedizin / Naturheilkunde. Das halte ich für verheerend.
Hier müsste meines Erachtens die Diskussion geführt werden und nicht nur beim Punkt der Finanzen. Die Befürworter dieses Verfassungsartikels müssten genau aufzeigen, wie sie sich eine (auch inhaltliche) Qualitätssicherung vorstellen.
Die Fragestellung “Komplementärmedizin Ja oder Nein?” bleibt undifferenziert im Lagerdenken stecken. Es müsste mindestens so gründlich diskutiert werden darüber, welche Komplementärmedizin wir wollen / brauchen – und welche nicht.

Zur Abstimmung über den Verfassungsartikel zur Förderung der Kommplementärmedizin siehe auch folgenden Beitrag:
http://www.heilpflanzen-info.ch/cms/blog/archive/2009/04/03/volksabstimmung-zur-foerderung-der-komplementaermedizin-ja-oder-nein.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

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