Beiträge

Kein Überlebensvorteil durch spezielle Krebsdiäten

Diesen Artikel teilen:
FacebookTwitterGoogle+ Share

Die Onkologin Jutta Hübner von der Deutschen Krebsgesellschaft erläuterte im Rahmen eines Patientenforums, dass es keine sinnvolle spezielle Krebsdiät gebe: „Studien bestätigen, dass spezielle Diäten keinen Vorteil für das Überleben von Krebspatienten haben.“

Auch spezielle Nahrungsergänzungsmittel hält die Onkologin in der Regel für überflüssig. Den Krebspatienten empfielt sie vielmehr ausgewogen zu essen und auf eine ausreichende Zufuhr von Kohlenhydraten, Vitaminen, Eiweißen und Fetten zu achten. Auch gegen den moderaten Verzehr von Fleisch gebe es keine Einwände, genauso wenig wie gegen Schokolade oder Kuchen. Hübner empfiehlt neben einer ausgewogenen und normalen Ernährung so viel Bewegung wie möglich.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/62710/Es-gibt-keine-spezielle-Krebsdiaet?s=Krebsdiät

Kommentar & Ergänzung:

Die Onkologin Jutta Hübner ist Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Prävention und integrative Medizin in der Onkologie (PRiO) der Deutschen Krebsgesellschaft. PRIO ist auf den Gebieten Prävention, Ernährung, Sport und komplementäre Therapien in der Onkologie tätig.

Dieselbe Ansicht bezüglich Krebsdiäten vertritt auch Susanne Weg-Remers, die Leiterin des zum Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) gehörenden Krebsinformationsdienstes in Heidelberg.

Siehe dazu:

Alternativmedizin: Es gibt keine Krebsdiät

 

Sehr fragwürdig und wohl für eine ganze Reihe von Todesfällen verantwortlich ist die sogenannte Breusskur.

Siehe dazu:

Breusskur gegen Krebs

Natürlich ist es sehr nachvollziehbar, dass Krebspatientinnen und Krebspatienten nach alternativen Behandlungen suchen. Leider geraten sie dabei oft an ausgesprochen fragwürdige bis kriminelle Angebote, von denen es im Internet nur so wimmelt.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Warzenmittel im Test

Diesen Artikel teilen:

Das Verbraucherschutzmagazin Öko-Test (Juli 2016) hat 17 Mittel gegen Warzen untersucht, die ohne Rezept in Apotheken oder Drogeriemärkten erhältlich sind. Nachfolgend finden Sie eine Zusammenfassung dieses Berichts mit Anmerkungen zu pflanzlichen Warzenmitteln und zur Warzentherapie nach Huckleberry Finn.

Alle von Öko-Test untersuchten Warzenmittel bekämpfen lediglich Symptome, nicht aber die Ursache der Hautläsionen – humane Papillomaviren.

Die Gesamtnote „gut“ ging ausschließlich an Salicylsäure-haltige Mittel aus der Apotheke, weil für diese Substanz die Wirksamkeit am besten durch Studien belegt ist, begründet Öko-Test das Urteil.

Ameisensäure, Monochloressigsäure und Vereisung erklärt der Oeko-Test-Experte zu Mitteln zweiter Wahl. Die Datenlage sei schlechter als bei Salicylsäure, lautet die Begründung. Die entsprechenden Präparate wurden mit der Note „befriedigend“ bewertet.

Flüssiger Stickstoff, wie er in Hautarztpraxen zur Warzenvereisung eingesetzt wird, solle nach Ansicht des Oeko-Test-Experten bevorzugt werden. Er ist wesentlich kälter als die Präparate für die Selbstmedikation und daher potenziell wirksamer.

Beim Umgang mit Monochlor-und Trichloressigsäure ist große Vorsicht geboten, da sie deutlich stärker hautreizend sind als Salicylsäure.

Von chirurgischen Eingriffen rät der Öko-Test-Experte ab, da sie tiefe offene Wunden hinterlassen können.

Oeko-Test weist darauf hin, dass die meisten Hautwarzen ungefährlich sind und nicht zwingend behandelt werden müssen. In aller Regel heilen sie irgendwann von selber ab, was allerdings Wochen, Monate, aber auch Jahre dauern könne.

Öko-Test orientiert sich bei der Beurteilung an wissenschaftlichen Kriterien, zeigt sich gegenüber alternativen Hausmitteln wie Schöllkraut, Schneckenschleim, Zwiebeln, Zitronensaft, Bananenschalen oder Eigenurin jedoch aufgeschlossen, solange Nebenwirkungen wie Hautreizungen beachtet werden. Was hilft, habe seine Berechtigung, heißt es. So verschwinden Warzen oft von selbst und zudem könne Autosuggestion wie beim Besprechen möglicherweise das Immunsystem stärken und so helfen. Man müsse nur fest genug daran glauben, so wie Huckleberry Finn in Mark Twains Roman „Tom Sawyers Abenteuer“:

„Na, du nimmst deine Katze und gehst auf ’nen Friedhof, kurz vor Mitternacht, dahin, wo jemand, der ’n schlechter Mensch gewesen ist, begraben liegt, und wenn’s Mitternacht ist, kommt ’n Teufel oder vielleicht auch zwei oder drei (…), und wenn sie den Kerl wegholen, schmeißte deine Katze hinterher und sagst: ‚Teufel folg Leiche, Katze folg Teufel, Warzen folg Katze, ich bin euch los!‘ Das bringt dir jede Warze weg.“

Die Verbraucherschützer raten Huckleberry Finn allerdings, es besser ohne tote Katze zu versuchen.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/06/30/was-hilft-gegen-warzen/chapter:1

Kommentar & Ergänzung:

Salicylsäure wirkt keratolytisch (hornhautauflösend) und wird auch in der Fachliteratur als Mittel der ersten Wahl empfohlen.

Da Warzen selbstlimitierend sind – irgendwann also von alleine verschwinden – ist die Beurteilung von Behandlungserfolgen im Einzelfall schwierig. Verschwindet eine Warze im Verlaufe einer Behandlung, weiss man nie mit Sicherheit, ob sie wegen der Behandlung verschwunden ist, oder weil einfach der natürliche Zeitpunkt ihres Verschwindens gerade erreicht war.

Eindrücklich ist zudem, wie stark Warzen oft über Suggestion beeinflussbar sind. Das zeigen alle diese überlieferten Rituale mit Besprechen, schwarzen Katzen etc., aber auch die unübersehbare Zahl verschiedenster Hausmittel, die offenbar nicht selten Erfolg haben.

In der traditionellen Pflanzenheilkunde hat Schöllkrautsaft einen Ruf als Warzenmittel: Zweimal täglich den gelb-orangen Saft aus Blatt oder Stängel frisch auftragen und eintrocknen lassen.

Klinische Untersuchungen, die eine solche Wirkung überprüft hätten, gibt es keine. Das ist nicht weiter erstaunlich. Wer würde schon Geld investieren in die Forschung für ein pflanzliches Warzenmittel, das an jeder Ecke wächst, und das sich daher kaum patentieren und kommerzialisieren lässt.

Immerhin wurden die Wirkstoffe im Schöllkraut untersucht. Es handelt sich dabei vor allem um Alkaloide, bei denen mögliche Erklärungen für eine Wirksamkeit gegen Warzen gefunden wurden. Dazu ein paar Zitate aus der Phytotherapie-Fachliteratur:

„Die quartären Alkaloide, wie Sanguinarin, Chelerythrin und Berberin, reagieren mit nukleophilen bzw. anionischen Gruppen von Eiweissen sowie Nukleinsäuren, hemmen dadurch zahlreiche Enzyme und durch Interkalation in die DNA auch die Zellteilung. Sie sind antimikrobiell und zytostatisch wirksam…Ihre zytostatische Wirkung wird möglicherweise bei der in der Volksmedizin übichen lokalen Anwendung des frischen Milchsafts zur Behandlung von Warzen ausgenutzt.“

Quelle: Teuscher / Melzig / Lindequist, Biogene Arzneimittel, 2012

 

„Äusserlich werden heute noch einige Tropfen des aus der Pflanze gepressten Milchsaftes auf Warzen aufgetragen. Das Wirkprinzip ist unklar; zytostatisch effektive Alkaloide oder Proteasen werden diskutiert.“

Quelle: Dingermann / Hiller / Schneider / Zündorf, Arzneidrogen, 2004

 

„Die Alkaloide sind viruzid….Berberin und Sanguinarin sind starke DNA-interkalierende Substanzen und wirken deshalb cytotoxisch, antimikrobiell und antiviral.“

Quelle: Van Wyk / Wink / Wink, Handbuch der Arzneipflanzen, 2015

 

Zusammengefasst: Alkaloide aus Schöllkraut wirken gegen Viren, hemmen die Zellteilung und spalten Eiweisse. Das sind Erklärungen für eine mögliche Wirksamkeit gegen Warzen. Allerdings muss dabei eingeschränkt werden, dass diese Aussagen auf Experimenten im Labor basieren. Wenn in einer Pflanze Inhaltstoffe vorhanden sind, die im Labor gewisse Effekte zeigen, kann man daraus noch nicht schliessen, dass solche Effekte auch im lebenden Organismus gegen bestimmte Erkrankungen wirksam wird – zum Beispiel gegen Warzen.

Es bleibt also bei sorgfältiger Interpretation noch offen, ob das immer wieder beobachtete Verschwinden von Warzen während einer Schöllkrautsaftkur durch Inhaltstoffe verursacht wurde, durch den natürlichen Verlauf oder durch suggestive Einflüsse. Bei letzterem könnte man sagen, dass Schöllkrautsaft nicht ein Wirkstoffträger ist, sondern ein Bedeutungsträger.

Noch schwieriger als Schöllkraut sind die anderen erwähnten Warzenmittel Schneckenschleim, Zwiebeln, Zitronensaft, Bananenschalen oder Eigenurin:

Schneckenschleim soll antibakteriell wirken. Schnecken schützen sich damit gegen bakterielle Infektionen. Das erklärt keine Wirkung gegen Warzenviren.

Auch Zwiebel wirkt antibakteriell. Traditionell legt man rohe, gesalzene Zwiebelscheiben auf die Warzen auf – erklärt aber auch keine Wirkung gegen Warzenviren. Hautreizende Wirkung mit Durchblutungssteigerung und Verbesserung der Abwehrlage? Alles Spekulation.

Zitronensaft? Keine einleuchtende Erklärung.

Bananenschale? Man soll die Innenseite einer Bananenschale zuschneiden, auf die Warze auflegen und mit einem Heftpflaster befestigen. Das ist eine interessante Idee. Eine plausible Erklärung dafür habe ich aber bisher noch keine gehört.

Eigenurin? Nicht nachvollziehbar – und das Phänomen, dass Eigenurin völlig unkritisch zur Behandlung von unzähligen Krankheiten empfohlen wird, macht die Sache erst recht nicht glaubwürdig. Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Indikationslyrik unter der Lupe

 

Also wenn Sie mich fragen: Trotz fehlender Belege – Schöllkraut ist doch einen Versuch wert. Kostenlos, verfügbar, interessantes Ritual.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Diesen Artikel teilen:

Alkohol als Desinfektionsmittel

Diesen Artikel teilen:

Ulrike Viegner hat in der „Pharmazeutischen Zeitung“ einen informativen Artikel publiziert über das „Multitalent Ethanol“. Neben dem Anwendungsbereich in der Arzneimittelherstellung – zum Beispiel für Pflanzentinkturen – kommt die Autorin auch auf die pharmazeutische Wirkung zu sprechen, die der Alkohol bzw. Ethanol selbst besitzt.

Seine antimikrobielle Wirkung mache Ethanol zu einem viel verwendeten Desinfektionsmittel, schreibt Viegner. Geeignet für diesen Zweck sei ein Gemisch aus 70 Teilen Ethanol und 30 Teilen Wasser.

„Mit einer 70-prozentigen Ethanol-Lösung werden Bakterien durch Eiweißdenaturierung zuverlässig abgetötet, wobei der Wasseranteil durch seine Quellwirkung wie ein Türöffner funktioniert. In 100-prozentigem Ethanol dagegen wird lediglich das Bakterienwachstum gehemmt.“

70-prozentiges Ethanol wirke nicht nur bakterizid (bakterientötend), sondern auch zuverlässig fungizid (pilztötend).

„Sporen von Pilzen und Bakterien lassen sich so allerdings nicht vernichten.“ Die viruzide (= virentötende) Wirkung von Ethanol sei ebenfalls gut, weise jedoch eine Lücke bei den nackten Spezies ohne Virushülle auf. Die mikrozide Wirkung von Ethanol trete innerhalb weniger Minuten ein. Für die Anwendung als Hautdesinfizienz sei auch von Vorteil, dass Ethanol kein allergenes Potenzial besitze. Von Nachteil sei dagegen das Brennen auf offenen Wunden.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=41009

Kommentar & Ergänzung:

Alkohol ist eine sehr simple Substanz, aber Einfachheit kann eben auch ein Vorteil sein.

Alkohol 70% zur Desinfektion kauft man in der Apotheke oder Drogerie. Er ist vergällt, enthält also einen Stoff mit schlechtem Geschmack, der verhindern soll, dass er innerlich verwendet, also getrunken wird. Darum ist er billig im Vergleich zum Trinksprit, der stark mit Steuern verteuert wird.

Für die Herstellung von Pflanzentinkturen, die äusserlich angewendet werden – zum Beispiel Ringelblumentinktur oder Kamillentinktur – kann auch der billigere Alkohol 70% verwendet werden. Für Pflanzentinkturen zu innerlichem Gebrauch wird dagegen der teurere Trinksprit eingesetzt.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diesen Artikel teilen:

Milcheiweiss Casein wirksam gegen Stress und Einschlafprobleme?

Diesen Artikel teilen:

Der Pharmavista Newsletter berichtet in seiner neusten Ausgabe über Casein als möglicherweise wirksames Mittel bei Stress und gegen Einschlafprobleme.

Casein ist die Haupteiweisskomponente der Milch. Es besteht nicht aus einer definierten, homogenen Substanz. Die Bezeichnung Casein umfasst vielmehr verschiedene Phosphoproteine, die in Form von Micellen vorliegen.

Caseine in der Milch enthalten Peptidsequenzen mit opioidartigen Eigenschaften, wozu Exorphine zählen wie die beta-Casomorphine. Im Tiermodell beeinflussten diese Peptide die Regulation des Elektrolyttransports, verminderten das Schmerzempfinden und wirkten einschlaffördernd.

Alphacasozepin, das Decapeptid von Alphacasein, zeigte in Versuchen und klinischen Studien eine benzodiazepinähnliche Wirkung mit Bindungsaffinität zu den GABA-A-Rezeptoren. Diese Substanz hat stressvermindernde und anxiolytische (= angstlösende) Eigenschaften ohne nachteiligen Gewöhnungseffekt.

Nahrungsergänzungsmittel mit Casein (oder Proteinhydrolysat aus Milch) werden in Frankreich als Einschlafhilfe empfohlen und kommen bei Stress zur Anwendung. Casein, mit einem mehr oder weniger festgelegten Gehalt an Alphacasozepin, wird kombiniert mit adaptogen wirksamen Pflanzen wie Rhodiola (bspw. Seriane Kps.) oder Eleutherococcus (bspw. Anbosyn Tbl.) angeboten. Anbosyn wurde in einer kleinen klinischen Studie mit 87 Versuchspersonen über einen Zeitraum von 12 Wochen bezüglich Wirksamkeit bei Burnout geprüft. Bei drei von vier Personen soll ein positiver Effekt festgestellt worden sein.

In Pulverform werden caseinhaltige Präparate auch von Sportlern zur Vermehrung der Muskelmasse eingenommen.

Wie andere Eiweissse aus Kuhmilch kann auch Casein bei empfindlichen Menschen allergische Reaktionen auslösen. Nahrungsergänzungsmittel auf der Grundlage von Casein werden für Schwangere, Stillende und Kinder unter 15 Jahren nicht empfohlen.

Als Quellenangabe führt der Pharmavista-Newsletter auf:

_Le Moniteur des pharmacies; no3068/2015/p48

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5145&NMID=5145&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Interessantes Thema. Möglicherweise ist das ein Erklärungsmodell für das alte Hausmittel „Ein Glas Milch mit Honig“ gegen Einschlafstörungen.

Allerdings muss dazu festgehalten werden, dass es sich bei diesen Angaben wohl hauptsächlich um Erkenntnisse aus Laborversuchen und aus kleinen klinischen Studien handelt, wobei aus der Beschreibung im Pharmavista-Newsletter nicht einmal ersichtlich ist, ob dabei eine Placebo-Kontrolle eingebaut war. Also insgesamt wohl noch eine ziemlich unsichere Datenlage. Aber trotzdem sehr überraschend. Mir war jedenfalls bisher nicht bekannt, dass Eiweissbausteine (Peptide) aus der Milch zu mindestens im Experiment schmerzlindernde und angstlösende Eigenschaften zeigen und benzodiazepinähnliche Effekte an Rezeptoren auslösen. Benzodiazepine sind als Tranquilizer als (allzu)viel verwendete Medikamentengruppe eine bedeutende Grösse im Pharmamarkt (z. B. Lexotanil®, Temesta®, Valium®, Seresta®).

Bisher wurde die Anwendung von Milch als Einschlafhilfe im Übrigen anders erklärt:

„Milch enthält in relativ hoher Konzentration die Aminosäure Tryptophan. Unser Körper kann diesen Eiweißbaustein nicht herstellen, benötigt ihn aber, um im Hirn den Botenstoff Serotonin zu erzeugen. Der wiederum sorgt nicht nur für allgemeines Wohlbefinden, sondern beruhigt auch und hilft beim Einschlafen. Man kann Tryptophan in der Apotheke als »natürliches« Schlafmittel kaufen. Um auf die allgemein empfohlene Tryptophan-Dosis zu kommen, müsste man allerdings etwa zwei Liter Milch trinken. Im Honig dagegen ist die Konzentration nicht ausreichend.“

Quelle:

http://www.zeit.de/2009/11/Stimmts

Interessant ist zudem auch die erwähnte Kombination von Casein mit Rhodiola (Rhodiola rosea, Rosenwurz) und Eleutherococcus (Eleutherococcus senticosus, Taigawurzel).

Siehe dazu:

Burnout-Syndrom: Adaptogene wie Ginsengwurzel, Taigawurzel, Rosenwurz

Taigawurzel, Ginseng Rosenwurz & Co. – Was sind Adaptogene?

Phytotherapie: Eleutherococcus senticosus – Taigawurzel

Rosenwurz (Rhodiola rosea, Orpin rose) gegen Stress und Müdigkeit 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

Diesen Artikel teilen:

Spirulina als „Superfood“

Diesen Artikel teilen:

Im Rahmen des „Impact Journalism Day“ stellte der „Tages-Anzeiger“ gestern kleine und grosse Projekte vor, die zu einer besseren Welt beitragen. Als erstes aufgefallen ist mir ein lobhudlerischer Artikel über Spirulina-Algen – mit grossem Verbesserungspotenzial, aber wohl hauptsächlich für die Finanzen der Hersteller und Verkäufer dieser Produkte.

Spirulina wird hochgejubelt und mit Heilserwartungen aufgeladen, manchmal sogar als Lösung für die Welternährungsprobleme propagiert.

Das ist sehr fragwürdig:

„Befürworter heben vor allem den hohen Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen, Fettsäuren, Aminosäuren und Chlorophyll hervor. Da von den getrockneten Bakterien jedoch nicht mehr als 1,5 Gramm am Tag empfohlen werden, ist die absolute Nährstoffaufnahme gering. So enthält eine Scheibe Käse etwa zwanzigmal so viel Calcium wie eine Tagesdosis Algen. Und eine Scheibe Vollkornbrot liefert fast das Hundertfache an Zink. Mit den anderen Mikronährstoffen sieht es ähnlich aus. Die Algen-Vertreiber betonen zwar die hohe Verfügbarkeit der Nährstoffe. Dies macht jedoch die geringen Nährstoffmengen pro Portion nicht wett. Ob AFA-Algen für Vegetarier eine so gute Quelle für Vitamin B12 sind, wie die Anbieter behaupten, ist ebenfalls fraglich. Denn Algen enthalten überwiegend eine Form des Vitamins, das für den Menschen nicht nutzbar ist.“

Quelle: http://www.ugb.de/lebensmittel-im-test/afa-algen/

(UGB = Verband für unabhängige Ernährungsberatung)

 

„Ob Spirulina¬, Chlorella¬ oder Afa¬Algen, sie alle gel¬ ten als gute Eiweissquellen mit einer guten Ext¬ raportion an Vitaminen und Mineralstoffen. Das mag auf eine Menge von 100 Gramm zutreffen, doch heruntergerechnet auf die empfohlenen Höchstdosen ergeben sich nur vernachlässigbare 1,1 bis 5,4 Gramm Protein pro Tag.“

Quelle: Tabula (6 / 2013), Zeitschrift der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung

 

„Bei Spirulina-Produkten als Nahrungsergänzungsmittel wird der Eiweißgehalt und Vitamin B12-Gehalt ausgelobt. Die Dosis, die über Nahrungsergänzungsmittel bei Einnahme der höchsten empfohlenen Dosis aufgenommen wird, ist jedoch so gering, dass sich die ergänzende Eiweißzufuhr in der Regel kaum bemerkbar macht. Das manchmal gesondert ausgezeichnete Chlorophyll findet sich in jedem Lebensmittel mit grünen Pflanzenteilen. Die Auslobung von Vitamin B12 gilt als irreführende Werbung.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit kam nach Auswertung der vorgelegten Studien von Herstellern zu dem Schluss, dass Spirulina-Kapseln keine Auswirkung auf die Glucose-Konzentration im Blut bei Diabetikern besitzen.“

Quelle: Wikipedia

Die Heilungsversprechungen stehen genauso auf wackeliger Basis. Hier der entsprechende Abschnitt aus Wikipedia. Zwischen den Zitaten kursiv Kommentare von mir.

 

„In der Alternativmedizin werden Spirulinapräparaten mögliche Effekte gegen Krebs, Viren und Allergien nachgesagt.“

Die angebliche Wirkung gegen Krebs ist aus der Luft gegriffen. Bei der Wirkung gegen Viren handelt es sich um Laborergebnisse ohne klare Aussage auf eine Wirkung beim Menschen. Die Wirkung bei Allergien wurde zu mindestens an Patienten untersucht – mit ungesicherten Hinweisen auf eine günstige Wirkung.

„Die Anwendung von Spirulina-Präparaten senkt möglicherweise die Cholesterin-Konzentration im Blut. Bei den durchgeführten Studien traten jedoch nur geringe Effekte zu Tage, die jeweilige Anzahl der Probanden bei den Studien war zu gering oder das Studiendesign schlecht, so dass bislang wenig verwertbare Ergebnisse vorliegen.“

Sehr vage Hinweise.

„Dokumentiert ist auch die immunmodulierende Wirkung von Spirulina u. a. bei Allergien als Mastzellinhibitor – Spirulina hemmt die Freisetzung von Histamin aus Mastzellen. Ishii et al. demonstrierten den positiven Einfluss von Spirulina auf die Immunglobulin-A-Sekretion und damit die Verbesserung der Immunkompetenz und Abwehrfunktion im Speichel.“

Laborergebnisse ohne klare Aussage für Patienten.

„Eine aktuellere doppelblind placebokontrollierte Studie in der Türkei belegt eine signifikante Effizienz von Spirulina bei der Behandlung von Patienten mit allergischem Schnupfen. Bei guter Verträglichkeit wurden die Symptome einschließlich Sekretmenge, Niesen, geschwollenen Schleimhäuten und Juckreiz deutlich gebessert. In einer weiteren randomisierten, doppelblind placebokontrollierten Studie nahmen die Probanden 12 Wochen täglich 1 g bzw. 2 g Spirulina. Es zeigte sich, dass die Spiegel von Interleukin-4, das bei Immunglobulin-E-vermittelten Allergien eine verstärkende Rolle spielt, um etwa 32 % gesenkt werden konnten.“

Das sind immerhin positive klinische Studien mit Patienten, deren Qualität ich aber nicht beurteilen kann.

„Darüber hinaus konnte 2011 in einer Studie eine antivirale Wirkung von Spirulina gegen das Epstein-Barr-Virus nachgewiesen werden.“

Laborstudie, deren Relevanz für die Anwendung bei Patienten offen bleibt.

 

„Eine Meta-Analyse vermutete einen positiven Einfluss auf verschiedene Parameter, kritisierte jedoch die bis 2008 vorhandenen Studien als von schlechter methodischer Qualität und nicht ausreichend für eine Beurteilung.“

Auch die Meta-Analyse kommt zu sehr vagen Ergebnissen.

 

Die Quellenangaben zu den einzelnen Studien sind im Originalartikel auf Wikipedia zu finden.

http://de.wikipedia.org/wiki/Spirulina#Gesundheit

Typisch ist, dass die Vermarkter solcher Produkte aus den vorliegenden Studien immer nur einzelne Bruchstücke herauspicken, die ihnen gerade passen. Dann tönt es jeweils so, wie wenn die Aussagen wissenschaftlich belegt seien.

Rosinenpicken nennt man dieses Vorgehen.

Vom „superfood“, den der Tages-Anzeiger beschreibt, bleibt nicht viel übrig, wenn man nur ein bisschen nachhakt.

Siehe ausserdem:

Naturheilkunde: Spirulina als Quelle von Vitamin B12

Algenpräparate: Schlechte Noten für Spirulina, Chlorella & Co. 

 

Ich halte es durchaus für möglich, dass Spirulina einige positive Eigenschaften haben könnte. Versucht man allerdings die Fakten zusammenzubringen, dann gibt es da einen grossen Berg von Versprechungen, der bestenfalls eine Maus an konkreten Wirkungen gebiert. Spirulina im Zuge des „Impact Journalism Day“ als Beitrag zu einer besseren Welt darzustellen, ist daher ein bisschen übertrieben und geht wohl auf das Konto „Schleichwerbung“.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

Diesen Artikel teilen:

Grüntee vermindert Medikamentenwirkung

Diesen Artikel teilen:

Dem Grüntee  werden eine ganze Reihe von gesundheitsfördernden oder sogar heilenden Wirkungen nachgesagt. Grüntee kann jedoch auch die Wirkung bestimmter Medikamente abschwächen. Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) konnten das nun in Zusammenarbeit mit Forschern der japanischen Universität Fukushima nachgewiesen.

Die Forscher vom Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie und Klinische Toxikologie der FAU fanden gemeinsam mit den japanischen Wissenschaftlern heraus, dass gewiss Inhaltsstoffe des Grüntees verhindern, dass der Betablocker Nadolol vom menschlichen Organismus aufgenommen wird und seine Wirkung entfalten kann. Nadolol wird zur Therapie von Bluthochdruck, Angina pectoris und Migräne verschrieben. In deutschen Apotheken ist das Medikament allerdings nicht erhältlich.

Die Forscher können jedoch nicht ausschließen, dass Grüntee auch die Aufnahme anderer Medikamente hemmt. Dies müsse in weiteren Studien untersucht werden, findet Dr. Fabian Müller, Arzt am Lehrstuhl für Klinische Pharmakologie und Klinische Toxikologie der FAU. Er  empfiehlt bei Einnahme von Nadolol auf den Konsum von Grüntee zu verzichten, da eine verminderte Wirkung zu erwarten ist.

Für die aktuelle Untersuchung tranken Probanden zunächst zwei Wochen lang täglich etwa vier Tassen Grüntee. Danach nahmen sie einmalig eine 30-Milligramm-Tablette Nadolol zusammen mit Grüntee ein. In den zwei folgenden Tagen kontrollierten die Wissenschaftler die Konzentration des Wirkstoffs im Blutplasma und prüften außerdem den Blutdruck der Testpersonen. In einem zweiten Durchgang wurde der Grüntee dann durch Wasser ersetzt. Das erstaunliche Resultat: Nach dem Grünteegenuss lag der Nadololspiegel im Blut der Probanden rund 85 Prozent tiefer als der Vergleichswert. Folglich war auch die blutdrucksenkende Wirkung von Nadolol bei den Testpersonen im Grüntee-Durchgang deutlich reduziert.
Von dieser Aufnahmehemmung seien auch Aliskiren (ein Renininhibitor), Etoposid (ein Zytostatikum), Fexofenadin (ein Antihistaminikum der dritten Generation) sowie Talinolol (ein Betablocker) betroffen.

Für diesen Effekt machen die Forscher die so genannten Katechine im Grüntee verantwortlich. Im Labor konnten sie zeigen, dass sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe aus Grüntee wie Epigallocatechingallat (EGCG) und Epicatechingallat Transporter blockieren.

Die Laboruntersuchungen ergaben, dass diese Stoffe ein Protein in der Darmschleimhaut beeinflussen, das der Wissenschaft bereits als Arzneistofftransporter bekannt ist: Das Protein mit der Bezeichnung OATP1A2 unterstützt Medikamente beim Übergang vom Darm ins Blut. Die Katechine blockieren dieses Protein, so dass es keine bzw. nur wenige Wirkstoffanteile in den Blutkreislauf befördern kann.
Die Experimente wurden allerdings mit Nierenzellen gemacht. Eine Bestätigung für Darmzellen steht noch aus.

Ihre Resultate haben die Forscher nun in der Online-Ausgabe des renommierten Fachmagazins „Clinical Pharmacology & Therapeutics“ publiziert.

Quelle:

http://idw-online.de/pages/de/news570440

http://news.doccheck.com/de/38504/gruener-tee-wechselwirkung-in-tasse/

http://www.nature.com/clpt/journal/vaop/naam/abs/clpt2013241a.html

Kommentar & Ergänzung:

Ein um 85% tieferer Blutspiegel – wie ihn die Forscher festgestellt haben – finde ich ziemlich krass.

Die Aufnahme von Medikamenten aus dem Darm wird von vielfältigen Faktoren beeinflusst, die nur unvollständig bekannt sind.  So kommt es immer wieder zu Überraschungen in diesem Bereich. Aus früheren Studien ist bereits bekannt, dass Apfelsaft, Grapefruitsaft oder Orangensaft das Arzneistoff-Protein OATP ebenfalls hemmen.

Die Empfehlung, Medikamente am besten nur mit Leitungswasser einzunehmen, ist daher sicher sinnvoll.

Ich glaube übrigens nicht, dass dieser Effekt auf Grüntee beschränkt ist.

Schwarztee und viele andere Heilpflanzen enthalten Gerbstoffe, die sich ziemlich wahllos an Eiweiss binden und solche Transporter-Proteine blockieren können.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Schwarztee hemmt Karies

Diesen Artikel teilen:

Das Magazin „Focus“ stellt 10 Irrtümer über Zahnpflege richtig.

Irrtum Nr. 10: „Teetrinken schadet den Zähnen“.

Zitat:

„Schwarzer Tee kann zwar zu unschönen Verfärbungen führen. In dem aromatischen Getränk stecken aber äußerst zahnfreundliche Stoffe. Dazu gehören neben Fluor auch die sogenannten Tannine. Diese Bitterstoffe hemmen das Enzym Amylase, das im Speichel vorhanden ist und Stärke zu kariesförderndem Zucker umwandelt.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/zaehne/vorbeugung/irrtuemer/teetrinken-ist-schlecht-fuer-die-zaehne_aid_15608.html

Kommentar & Ergänzung:

Stimmt wahrscheinlich, dass Schwarztee karieshemmend wirkt, jedenfalls wenn man ihn regelmässig trinkt. Allerdings lösen sich die Tannine nur langsam im Teewasser und man muss den Schwarztee daher lange ziehen lassen, um einen hohen Tannin-Gehalt zu bekommen (8 – 10 Minuten). Ein Genusstee ist das dadurch entstehende Getränk für die meisten Menschen dann aber wohl kaum mehr. Je bitterer der Schwarztee, desto höher der Tannin-Gehalt und desto höher die karieshemmende Wirkung.

Die karieshemmenden Tannine im Schwarztee bewirken zwar eine bittere Geschmacksempfindung, laufen phytotherapeutisch allerdings nicht unter der Wirkstoffgruppe „Bitterstoffe“, sondern unter „Gerbstoffe“. Sie verbinden sich mit Eiweiss. Und weil das Enzym Amylase auch zu den Eiweissen gehört, ist ein karieshemmender Effekt auf diesem Weg denkbar.

Gerbstoffe aus Schwarztee (und aus Grüntee) hemmen zudem die Gluconyltransferase. Mit diesem Enzym produziert das Kariesbakterium Streptococcus mutans Dextrane. Die klebrigen Dextrane helfen dem Bakterium, sich an der spiegelglatten Zahnoberfläche festzumachen. Mindestens ein Teil der Antikaries-Wirkung von Schwarztee und Grüntee dürfte also darauf zurückzuführen sein, dass die plaquebildenden Kariesbakterien weniger gut anhaften können.

Dass Teetrinker weniger unter Karies leiden, dafür sprechen mehrere epidemiologische Studien, wobei meines Wissens vor allem Grüntee erfasst wurde.

Solche Studien haben aber immer einen Haken:

Wenn bei Grüntee-Trinkern weniger Karies auftritt

( = Korrelation, gleichzeitiges Auftreten von zwei Faktoren: Hoher Grünteekonsum, wenig Karies),

…..dann heisst das noch nicht, dass weniger Karies wegen dem Grünteekonsum auftritt (Kausalität).

Es könnte sein, dass ein dritter, unbeachteter Faktor mitspielt, der für den verminderten Kariesbefall verantwortlich ist.

Beispiel: Grünteetrinker konsumieren vielleicht weniger zuckerhaltige Cola. Für den tieferen Kariesbefall könnte dann der Wegfall von Cola-Getränke auslösend sein, und nicht der Grünteekonsum.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Sauna & Erkältungen – passt das zusammen?

Diesen Artikel teilen:

Immer wieder hört man Aussagen, wonach sich durch Sauna oder Sport Erkältungserreger herausschwitzen lassen. Diese Vorstellung ist allerdings wohl  zu schön um wahr zu sein.

Bei bestehenden Erkältungen sind weder Sauna noch Sport empfehlenswert, da sie den Kreislauf zusätzlich belasten.

Zur Vorbeugung gegen Erkältungen eignen sich regelmässige Saunagänge und Sport allerdings gut.

Quelle:

http://www.aponet.de/wissen/gesundheitslexikon/krankheiten-von-a-z/erkaeltung/haeufige-irrtuemer-ueber-erkaeltungen.html

Kommentar & Ergänzung:

Wasserdampfinhalationen beispielsweise mit Eukalyptusöl-Zusatz sind bei verstopfter Nase zwar „luftgebend“. Das lässt sich aber auch ohne Sauna mit einem Topf gefüllt mit heissem Wasser realisieren, über den man die Nase hält. Ein Tropfen Eukalyptusöl im Wasser reicht dann aus.

Wikipedia schreibt zu den medizinischen Wirkungen der Sauna unter anderem:

„Die Erhöhung der Körpertemperatur auf bis zu 39 °C während der Schwitzphase (künstliches Fieber) bewirkt innerhalb des Körpers dasselbe, was auch ein echtes Fieber bewirkt, nämlich eine Zerstörung von Krankheitserregern durch erhöhte Temperatur.“

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sauna#Medizinische_Wirkungen

Ob die Körpertemperatur während der Schwitzphase wirklich genügend lang genügend hoch bleibt, um Krankheitserreger abzutöten, scheint mir allerdings fragwürdig. Diese Überhitzungsgeschichten sind nicht ganz einfach. Hohe Temperaturen denaturieren Eiweisse der Krankheitserreger, doch besteht unser eigener Organismus auch zu einem grossen Teil aus Eiweissen. Übertreibt man die Aufheizerei, müssen also irgendwann auch eigene Eiweisse dran glauben. Und dann kann’s für den Kreislauf gefährlich werden.

Dass regelmässige Saunagänge vorbeugend gegen Erkältungskrankheiten wirken, scheint zwar nicht durch fundierte, hochwertige Studien belegt. Dass damit aber eine Art von Trainingseffekt verbunden ist bezüglich Kreislaufregulation, Temperaturregulation und allenfalls auch Immunsystem, halte ich für sehr plausibel.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisseä
Heilpflanzenexkursionen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Prostatakrebs: PSA-Test zur Früherkennung oft problematisch

Diesen Artikel teilen:

Die PSA-Früherkennung findet häufig Krebsgewebe, das nie Beschwerden ausgelöst hätte

Die Zahl der Männer, bei denen Prostatakrebs gefunden wird, hat sich in den letzten Jahrzehnten mehr als verdoppelt. Hauptursache dafür sei die Früherkennung durch den sogenannten PSA-Test, erklärt Dr. Klaus Koch, Leiter des Ressorts Gesundheitsinformation beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Die Früherkennung soll das Risiko reduzieren, an Prostatakrebs zu sterben. Dazu kann der PSA-Test beitragen, bei dem im Blut die Menge des prostataspezifischen Eiweiß gemessen wird. Ein Nachteil des PSA-Tests ist jedoch, dass er auch Krebsgewebe entdeckt, das nie Beschwerden ausgelöst hätte. Wird dank PSA-Test etwas gefunden, macht das nicht nur Angst, sondern zieht häufig auch belastende Behandlungen nach sich. Solche sogenannten Überdiagnosen werden so häufig gestellt, dass Prostatakrebs heute die verbreitetste Krebsart bei Männern ist.

Wer sich überlegt einen PSA-Test zu machen, sollte deshalb nicht nur die Vorteile kennen. Die Nachteile können ebenso gewichtig sein. Zum Nutzen und Schaden des Tests hat das IQWiG auf Gesundheitsinformation.de umfangreiche Informationen publiziert.

Der PSA-Test führt zu mehr Krebsdiagnosen

Ziel jeder Früherkennungs-Untersuchung ist, Krebs zu entdecken, bevor er Beschwerden auslöst. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass Früherkennung zunächst zu mehr Krebsdiagnosen führt. Krebs kann sich jedoch sehr unterschiedlich verhalten und entwickeln.

Das gilt auch für Prostatakrebs. Es gibt aggressive Formen des Prostatakrebses, die schnell wachsen und das Leben verkürzen können. Doch Studien zeigen, dass zahlreiche ältere Männer einen kleinen Tumor in der Prostata haben, der entweder gar nicht wächst oder nur so langsam, dass er nie Beschwerden auslösen würde.

Zeigt  der PSA-Test einen auffälligen Befund, werden bei einer Biopsie Gewebeproben entnommen. Durch diese Früherkennungsuntersuchung bekommen heute jährlich mehrere 10.000 Männer die Diagnose „Prostatakrebs“, ohne zunächst zu wissen, was das für sie heisst. Im besten Fall wird ein Tumor gefunden, der sich durch die frühe Entdeckung besser behandeln lässt oder sogar geheilt werden kann. Andere Männer profitieren nicht in dieser Art und haben nur Nachteile: Bei ihnen wird ein Prostatakrebs entdeckt, der langsam oder gar nicht wächst. Diese Männer hätten sich ohne die PSA-Früherkennung zeitlebens nicht mit dem Thema Prostatakrebs befassen müssen.

Wie viele Männer einen Nutzen und wie viele einen Schaden haben, lasse sich heute abschätzen, schreibt das IQWiG: Studienresultate zeigen, dass der PSA-Test innerhalb von elf Jahren 1 von 1000 älteren Männern davor bewahren kann, an Prostatakrebs zu sterben. Dem steht als bedeutendster Schaden gegenüber, dass 36 von 1000 Männern eine Krebsdiagnose bekommen, ohne von der frühen Entdeckung zu profitieren.

Die Krebsdiagnose und mögliche Therapien sind belastend

Medizinerinnen und Mediziner versuchen den Schaden in Grenzen zu halten, indem sie bei der Diagnose die Aggressivität eines Prostatakrebs abschätzen. Männern mit einem wahrscheinlich nicht aggressiven Prostatatumor bieten sie dann an, vorerst einmal abzuwarten und den Tumor nicht direkt zu therapieren.

Es gibt tatsächlich gute Gründe, sich bei einem nicht aggressiven Prostatakrebs vorerst gegen eine Operation oder Bestrahlung zu entscheiden. Eine Bestrahlung oder operative Entfernung der Prostata ist eine Belastung für den Organismus und häufig kommt es zu Nebenwirkungen wie Impotenz und ungewolltem Harnverlust (Inkontinenz). Die Entscheidung für einen PSA-Test könne also einiges nach sich ziehen, sagt Koch. Es sei daher gut, Für und Wider in Ruhe abzuwägen und nichts zu überstürzen.
Quelle:

https://www.iqwig.de/index.1533.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Diskussion um Sinn und Unsinn des PSA-Tests ist sehr nötig. Es ist ein Verdienst des IQWiG, solche heissen Eisen aufzugreifen.

Die IQWiG-Website Gesundheitsinformation.de informiert allgemeinverständlich und aktuell über wichtige gesundheitliche Fragen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Süssholzwurzeltee schützt Magenschleimhaut

Diesen Artikel teilen:

Das Magazin „Focus“ schreibt zur Wirkung von Süssholzwurzel:

„Die Süßholzwurzel hemmt Entzündungen, schützt die Magenschleimhaut und entkrampft den Magen. Hauptwirkstoff ist das Saponin Glycyrrhizin, das auch der Lakritze ihren charakteristischen Geschmack verleiht.

Für den Tee die Süßholzwurzel in kleine Stücke schneiden und kurz aufkochen lassen. Wer mag, kann auch etwas Fenchel dazugeben. Dann fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Je süßer der Tee werden soll, desto länger muss er ziehen. Schluckweise über den Tag verteilt trinken.“

Quelle:

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/verdauung/magen/tid-21554/hausmittel-magenkraempfe-entspannung-fuer-den-magen_aid_605248.html

Kommentar & Ergänzung:

Das ist soweit korrekt. Häufiger als bei Magenschleimhautentzündung wird Süssholz allerdings als schleimlösendes Mittel bei Husten eingesetzt.

Süssholz ist ein häufiger Bestandteil von Hustentee-Mischungen („Brusttee“), beispielsweise zusammen mit Thymiankraut, Schlüsselblumenblüten, Spitzwegerichkraut, Anisfrüchten, Malvenblüten oder Königskerzenblüten.

Die Süssholzpflanze (Glycyrrhiza glabra) gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae) und ist im Mittelmeergebiet und in Westasien beheimatet (Abbildung auf Wikipedia).

Mit verschiedenen Varietäten besiedelt die Pflanze eine große Region vom südöstlichen Europa über Vorderasien, Ukraine, Mittelrussland, südliches Sibirien, Afghanistan bis zum westlichen China.

Die stark süß schmeckende Süssholzwurzel enthält Glycyrrhizin, ein Triterpensaponin, das etwa die 50-fache Süßkraft von Rohrzucker (Saccharose) besitzt.

Die Wurzeln werden zur Gewinnung von „Süßholzsaft“ (Liquiritiae succus) verwendet, der in die weltweit beliebten Lakritz-Süßwaren eingearbeitet wird. Zu diesem Zweck werden die frischen Wurzeln zerkleinert und mit Wasser viele Stunden ausgekocht. Der so gewonnene Saft wird anschliessend ganz langsam bis zur zähflüssigen Konsistenz eingedickt. Bei diesem Vorgang bildet sich das so charakteristische Lakritzaroma. Der zähflüssige Extrakt wird zu 5% bis maximal 50% zusammen mit Zucker, Mehl, Stärke und/oder Gelatine sowie Geruchs- und Geschmacksstoffen zu Lakritzwaren verarbeitet.

Bei längerer Anwendung und höherer Dosierung kann Lakritze Störungen im Mineralstoffhaushalt bewirken: mineralokortikoide Effekte in Form einer Natrium- und Wasser-Retention, Kaliumverlust mit Bluthochdruck, Ödeme (Wasseransammlung in Geweben) und in seltenen Fällen Myoglobinurie (Eiweiß des Muskelgewebes im Harn).

Während der Schwangerschaft ist Lakritze zu meiden.

Siehe auch:

In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

Lakritze schädlich in der Schwangerschaft?

Und sonst noch zu Süssholz bzw. Lakritze:

Amorfructine aus Süssholz gegen Diabetes

Fundstück: Rezept für hausgemachte Lakritze

Süssholz zur Arzneipflanze des Jahres 2012 gewählt

Zuviel Lakritze kann den Blutdruck steigern

Lakritze vorbeugend gegen postoperative Rachenentzündung

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen: