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Alternativmedizin: Smoothies statt Notarzt

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Als ihr 19 Monate alter Sohn schwer krank war, wollte ein kanadisches Paar ihn mit Alternativmedizin kurieren, statt zum Arzt zu gehen. Der Sohn starb. Die Elten mussten wegen Verletzung der Fürsogepflicht vor Gericht.

Der Fall zeigt exemplarisch, wo das Hauptrisiko der Alternativmedizin liegt. Gefährlich wird es immer dann, wenn Allmachtsvorstellungen und Fundamentalismus ins Spiel kommen und Menschen deswegen bei schweren Krankheiten auf wirksame Medizin verzichten. Oder wenn sie eine solche Entscheidung für ihre Kinder treffen.

Der Sohn Namens Ezekiel war im März 2012 infolge einer Hirnhautentzündung gestorben. David und Collet Stephan hatten bis zuletzt keinen Arzt konsultiert. Stattdessen versuchten sie das Kind zweieinhalb Wochen lang mit alternativmedizinischen Mitteln zu behandeln. Erst als die Atmung des Kindes aussetzte, riefen die Eltern einen Rettungswagen.

Die Rechtsmedizin kam zum Schluss, dass Ezekiel an einer von Bakterien ausgelösten Meningitis starb, also einer Hirnhautentzündung. Diese gefährliche Erkrankung lässt sich mit Antibiotika behandeln. Gegen einen häufigen auftretenden Meningitis-Auslöser bei Kindern, Haemophilus influenzae b, gibt es eine Schutzimpfung. Das Kind war allerdings nicht geimpft. Eine andere Expertin erklärte, Ezekiel sei an einer viralen Meningitis gestorben und dass er noch leben könnte, wenn der damals eingesetzte Notarztwagen über die Ausstattung verfügt hätte, ein Kleinkind mit aussetzender Atmung zu versorgen. Allerdings befindet sie sich diese Expertin selbst in einem Rechtsstreit mit dem Staat.

Laut Berichten von Medien sagten David und Collet Stephan aus, dass sie dachten, ihr Sohn habe die Grippe oder Pseudokrupp. Sie hätten ihm unter anderen Smoothies und Mittel wie scharfem Pfeffer, Meerrettich, Knoblauch sowie Olivenölextrakt verabreicht.

Das Kind habe am 27. Februar 2012 erste Symptome gezeigt, am 5. März verbesserte sich sein Zustand leicht. Am Tag darauf sei es aber ungewöhnlich lethargisch gewesen, habe nichts getrunken oder gegessen, nur gestöhnt. Die Eltern beschreiben daraufhin wieder eine gewisse Besserung, dann wieder eine Verschlechterung des Gesundheitszustands.

Am 12. März sei der Körper des Kindes so steif gewesen, dass sich sein Rücken durchgebogen habe und die Eltern flößten ihrem Sohn Flüssigkeit mithilfe einer Pipette ein, weil er von allein nicht mehr aß oder trank. Am 13. März suchten die Eltern einen Heilpraktiker auf, von dem sie ein Echinacea-Präparat bekamen, ein pflanzliches Präparat aus dem Sonnenhut, das die Immunabwehr stärken soll. Laut verschiedenen Berichten wurde das Kind in der Heilpraktikerpraxis nicht untersucht. Das Kind soll so steif gewesen sein, dass es im Auto nicht habe sitzen können, sondern hingelegt werden musste.

Als am Abend die Atmung des Kindes aussetzte, rief David Stephan zuerst seinen Vater an, bevor er die Ambulanz alarmierte. Da hatte sich Ezekiels Gesicht schon blau verfärbt. Im Spital stellten die Mediziner fest, dass bei Ezekiel kaum noch Hirnaktivität vorhanden war. Am 16. März starb das Kind.

David Stephan ist Vizepräsident in der Firma seines Vaters in der Provinz Alberta, die Nahrungsergänzungsmittel vertreibt und erklärt, diese seien unter anderem gegen ADHS, Depressionen oder Autismus wirksam.

Vor Gericht wurde das Paar schuldig gesprochen. Ezekiels Vater wurde zu vier Monaten Gefängnis verurteilt, die Mutter zu drei Monaten Hausarrest.

Sie zeigten aber keinerlei Einsicht.

Auf einer eigens zu diesem zweck eingerichteten Facebook-Seite

«Prayers for Ezekiel» (Gebete für Ezekiel) erinnern sie nicht nur an den Tod ihres Sohnes. Die Stephans kämpfen mit Polemik gegen den kanadischen Richter Rodney Jerke, der die beiden wegen unterlassener Hilfe für ihr an bakterieller Hirnhautentzündung erkranktes Kind verurteilte. Über die sozialen Medien unterstellen die Eltern eine angebliche Verschwörung der Behörden gegen die Anhänger alternativer Medizin und gegen Impfungsverweigerer. Der Richter hat deshalb bei der Urteilsverkündung angeordnet, dass die Stephans auf derselben Facebook-Seite das Urteil gegen sie und die Begründung des Richters in voller Länge veröffentlichen müssen.

Dieser Schritt hat Juristen und andere Experten in Nordamerika überrascht, weil es sich hier um einen Strafprozess und nicht ein Zivilverfahren handelte, wo Täter in Verleumdungsfällen manchmal gezwungen werden, ihre falschen Behauptungen öffentlich zu widerrufen. Der Fall zeige aber, in welchem Zeitalter wir leben, sagte die Rechtsprofessorin Carissima Mathen von der Universität Ottawa. «Viele Leute beziehen ihre Informationen aus den sozialen Medien. Sie glauben, was sie dort lesen.»

Die Zeitung «National Post» sieht die Anordnung zur Publikation des Ureils auf der Facebook-Seite als «klares Zeichen, dass die Gerichte auf die zunehmende Macht der sozialen Medien reagieren und auf die Weise, wie dort Kriminelle Unterstützung und Publizität gewinnen können, die den Glauben an das Rechtssystem unterhöhlen».

Quellen:

http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/kanada-eltern-nach-tod-ihres-kindes-verurteilt-a-1089934.html

Tages-Anzeiger, 2016-07-01

Kommentar & Ergänzung:

Das ist zwar ein extremes Beispiel, aber leider kein Einzelfall. Es ist erschütternd, wie lange diese Eltern ihren Sohn leiden liessen, im Irrglauben, das beste für ihn zu tun.

Es gibt verblendeten Extremismus nicht nur in der Politik. Auch in der Alternativmedizin sind Menschen anzutreffen, die sich komplett in ihrer eigenen Welt abgeschottet haben.

Dem liegt oft eine radikale Spaltung der Welt in Schwarz und Weiss zugrunde. Hier die heile Alternativmedizin, dort die böse „Schulmedizin“. Dann füllt es sehr schwer, im Notfall oder generell bei schweren Erkrankungen Hilfe aus dem feindlichen Lager anzunehmen.

Schwarz-Weiss-Denken aber ist immer riskant, egal ob es um Politik geht oder um unsere Gesundheit.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

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Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Wissenschaftler wollen von Heilern in Afrika lernen

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Forscher der Universität Halle wollen von afrikanischen Heilern lernen und untersuchen zu diesem Zweck deren medizinisch genutzte Pflanzen.

Untersucht werden sollen Pflanzen aus Äthiopien, Botswana und Tansania mit dem Ziel, Aids, Tuberkulose und Wurmerkrankungen zu bekämpfen. Das Projekt wird vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung über vier Jahre mit 800.000 Euro gefördert, beteiligt sind auch Hochschulen und Unternehmen in Afrika.

Projektleiter Peter Imming vom Institut für Pharmazie der Uni Halle erklärt dazu:

«Wir wollen ökologisch gefährdete, therapeutisch wirksame und kommerziell nutzbare Pflanzen zunächst identifizieren und schließlich kultivieren. Unser Ziel ist, wissenschaftlich zu begründen, welche Inhaltsstoffe für die Wirkung der Arzneipflanzen verantwortlich sind.»

Wenn sich die gewünschten Arzneipflanzen tatsächlich kultivieren lassen, wollen die Forscher sie für den kommerziellen Anbau in den afrikanischen Partnerländern empfehlen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68916

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Forschungsprojekte sind auch für die Phytotherapie in Europa interessant, hat sie doch immer wieder Arzneipflanzen aus anderen Weltgegenden in ihre Behandlungskonzepte integriert, wenn entsprechende Wirkungen zu erwarten sind.

Beispiele dafür sind Teufelskralle und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie) aus Afrika,

Ginseng, Ginkgo, Curcuma (Gelbwurz) und Indischer Weihrauch aus Asien,

Echinacea, Hamamelis (Zaubernuss) und Traubensilberkerze (Cimicifuga) aus Nordamerika,

Passionsblume, Cayennepfeffer und Ratanhia aus Südamerika.

Die traditionelle Pflanzenheilkunde – ob in Afrika, Europa oder sonstwo – bringt wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen mit, enthält aber auch immer wieder Irrtümer, die sich über Jahrhunderte hartnäckig halten können.

Nötig im Umgang mit der traditionellen Pflanzenheilkunde ist daher eine offene, interessierte, aber zugleich auch kritisch-prüfende Grundhaltung.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

 

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Erkältung: Welche Therapien wirklich helfen

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Das Angebot an konventionellen und alternativen Präparaten zur Behandlung von Erkältungskrankheiten ist sehr gross. Die Studien zur Wirksamkeit sind aber oft nicht sehr überzeugend.

Erwachsene machen pro Jahr zwei bis vier Erkältungsepisoden durch, Kinder sogar sechs bis acht. Entsprechend umfangreich ist der Umsatz an Präparaten, mit denen Ärzte oder die Patienten selbst versuchen, den Verlauf der meist viralen Infektionen abzuschwächen und zu verkürzen. Von welchen Behandlungen nach derzeitigem Wissensstand wirklich Hilfe zu erwarten ist und von welchen eher nicht, das haben Miriam Croessmann vom Sana Klinikum Offenbach und Professor Markus Rose von der Universität Frankfurt / Main in der Fachzeitschrift „Pneumologe“ zusammengefasst (Pneumologe 2016: 13: 262–273). Dabei steht die Anwendung bei Kindern im Zentrum.

Die „Ärzte Zeitung“ hat den Text zusammengefasst.

Ich greife nachfolgend die pflanzlichen Präparate als Zitate heraus und kommentiere sie stellenweise.

Zu den schleimlösenden Mitteln (Sekretolytika / Mukolytika) steht da:

„Sie sollen bei erkältungsbedingter Bronchitis den Schleim verflüssigen und das Abhusten erleichtern. Unter Acetylcystein kann ein erhöhtes Volumen von verflüssigtem Bronchialsekret auftreten, das unter anderem von jungen Kindern schlecht abgehustet werden kann. Von Efeupräparaten ist dies nicht zu befürchten. Sekretolytika / Mukolytika sollten vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern eine strenge Indikationsstellung erfahren.“

Hier werden also das synthetische Acetylcystein und die pflanzlichen Efeupräparate erwähnt. Zur Wirksamkeit wird nichts gesagt, aber die Efeupräparate sind an einem Punkt verträglicher. Das am besten dokumentierte Efeupräparat ist Prospan® (zugelassen für Kinder ab zwei Jahren). Das beste Mukolytikum sei eine gute Befeuchtung der Atemwege und reichlich trinken, heisst es in dem Beitrag.

Dann geht es noch um ätherische Öle als Einreibemittel:

„ Vapor rub mit den Wirkkomponenten Kampfer, Menthol, Eukalytpusöl hat bei Kindern keine Wirkung auf Husten oder Schnupfen, aber Kind und Eltern schlafen besser. Eltern müssen aufgeklärt werden, dass Einreibemittel und Tropfen auf Basis ätherischer Öle zu Atemwegsreizungen bis zum Bronchospasmus führen können.“

Gemeint ist hier wohl „Wick Vaporub“ (D) bzw. „Vicks vaporub“ (CH). Menthol ist der Hauptbestandteil von Pfefferminzöl. Es löst auf der Haut und an der Nasenschleimhaut ein Kältegefühl aus, das nicht physikalisch durch tiefe Temperatur, sondern durch Bindung an einen Kälterezeptor ausgelöst wird. In der Nase wird dadurch der Luftstrom intensiver wahrgenommen, wodurch eine subjektive Empfindung des Besser-durchatmen-könnens entsteht. Sie lässt sich nicht objektivieren, das heisst, man kann nicht durch Messung nachweisen, dass mehr Luft durch die Nase geht. Aber immerhin wirkt das erleichternd auf die Beschwerden der verstopften Nase, so dass nachvollziehbar ist, dass erkältete Kinder besser schlafen. Dass auch die Eltern besser schlafen, ist wohl ein erwünschter Nebeneffekt.

Ich würde allerdings bei Säuglingen und Kleinkindern als Einreibemittel nur mentholfreie Produkte verwenden. Als Regel gilt zudem, dass bei Säuglingen und Kleinkindern ätherische Öle nicht konzentriert in der Nähe der Atemöffnungen eingesetzt werden sollten.

Interessanterweise ist die Wirksamkeit von Honig gegen Hustenreiz recht gut belegt:

„Honig: Bei Kindern im Alter über einem Jahr kann ein Löffel Honig am Abend Husten und Nachtschlaf günstig beeinflussen.“

Siehe:

Erkältungen: Honig hilft gegen Husten

Hausmittel: Heisse Milch mit Honig gegen Husten

Erkältungsmittel: Hustenstiller und Schleimlöser

Honig lindert Erkältungen bei Kleinkindern

 

Und dann kommt Knoblauch:

„Knoblauch: Laut einer Cochrane-Analyse können Knoblauchtabletten möglicherweise Erkältungen vorbeugen, haben aber keinen Einfluss auf die Dauer von Erkältungen.“

Diese Cochrane-Analyse ist sehr interessant. Sie basiert aber auf nur einer Studie.

Siehe:

Schützt Knoblauch vor Erkältungen?

 

Für Kinder dürfte Knoblauch zur Prophylaxe von Erkältungen geruchlich allerdings wohl etwas schwierig sein.

Dann der Klassiker der pflanzlichen Immunstimulantien: Echinacea / Sonnenhut:

„Echinacea: Es gibt keine überzeugenden Daten für den therapeutischen Einsatz von Echinacea bei Erkältungen, allenfalls für eine leichte prophylaktische Wirkung.“

Diese Einschätzung ist ziemlich ernüchternd. Sie beruht wohl auf dem Cochrane-Review von 2014:

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24554461

Meinem Eindruck nach gibt es schon Leute, die von einer Echinacea-Einnahme profitieren. Klar scheint mir aber auch, dass die Erwartungen, die von der Werbung geweckt werden, durch die Studienlage nicht gedeckt sind.

Und dann weiter zu „Umckaloabo“, der alten Zulu-Heilpflanze aus Südafrika:

„Umckaloabo: Der Extrakt aus Pelargonium sidoides soll immunstimulierend, hustenstillend und schleimlösend wirken. In RCTs ist die Wirksamkeit bei Erwachsenen mit Erkältung oder akuter Rhinosinusitis sowie bei Erwachsenen und Kindern mit akuter Bronchitis gezeigt worden. Die Qualität der Evidenz sei niedrig, so Croessmann und Rose.“

„Umckaloabo“ ist auch als „Kapland-Pelargonie“ im Handel. Die relevanten Studien wurden alle mit dem Extrakt bzw. Präparat „Umckaloabo®“ durchgeführt (in der Schweiz nach ärztlicher Verordnung kassenpflichtig als Kaloabo®). Die Ergebnisse können nicht auf andere Produkte mit Kapland-Pelargonie übertragen werden, die zum Beispiel als Hausspezialitäten in Apotheken und Drogerien angeboten werden.

Bei Kindern seien günstige Effekte auf nasale Symptome und auf den Verbrauch von Dekongestiva durch Meerwasser-Spülungen dokumentiert, heisst es im Beitrag weiter (Dekongestiva hier = Abschwellende Nasentropfen).

Ausserdem wird darauf hingewiesen, dass für Vitamin C keine eindeutigen therapeutischen Effekte bei Erkältungen belegt sind. Das konnte für die Normalbevölkerung schon durch eine ganze Reihe von Studien belegt werden. Eine Ausnahme scheinen Sportler darzustellen, bei Ihnen kann die vorbeugende Einnahme die Erkältungshäufigkeit auf rund die Hälfte reduzieren. Siehe dazu auf „Medizin transparent“:

Vitamin C beinahe nutzlos gegen Erkältungen

Zum Nutzen der Luftbefeuchtung seien die Studienergebnisse widersprüchlich, wird im Artikel vermerkt.

Die Originalpublikation in der Zeitschrift „Der Pulmologe“ fasst als Ergebnis für Kinder zusammen:

„Bei Kindern gibt es für häufig als Erkältungsmittel angewandte Substanzen wie Hustensäfte oder Echinaceapräparate keine konsistente Datenlage. Potenziell nützlich sind ätherische Einreibungen (Vapor rub, cave: Reizungen), Zink, Pelargonium sidoides und Honig.“

Quellen

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/erkaeltungskrankheiten/article/922746/erkaeltung-helfen-diese-20-therapien-wirklich.html

Der Pneumologe, Juli 2016, Volume 13, Issue 4, pp 262–273

http://link.springer.com/article/10.1007/s10405-016-0052-3

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytopharmaka in der Europäischen Leitlinie zur Behandlung von Rhinosinusitis

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Die europäische Leitlinie zur Behandlung der Rhinosinusitis ist gegenwärtig die aktuellste Therapieempfehlung von HNO-Ärzten für die Behandlung viraler Atemwegsinfektionen (»Erkältung«). Sie enthält auch Empfehlungen für pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka), die in einem Artikel der „Pharmazeutischen Zeitung“ beschrieben werden:

„Cineol und Myrtol, aber auch Pelargonium-Extrakte kommen zur Therapie viraler Atemwegsinfekte infrage….. In klinischen Studien konnten im Vergleich zu Placebo die Symptome bei einer akuten viralen Rhinosinusitis ab dem vierten Tag gelindert werden Auch die Kombination aus fünf Pflanzenextrakten (Enzian, Schlüsselblume, Sauerampfer, Holunder und Eisenkraut) konnte in einer neueren, Placebo-kontrollierten klinischen Studie positive Effekte auf die Symptome einer akuten Rhinosinusitis zeigen. Die Effektstärke war vergleichbar mit der Stärke der Wirkstoffe, die in der europäischen Leitlinie bereits diskutiert wurden (Cineol, Myrtol, Pelargonium)“

Die Effektstärke der genannten Therapeutika sei in den Studien nicht sehr groß gewesen und die Wirkung sei erst mit Verzögerung (vier bis sieben Tage) eingetreten.

„Dennoch gelten diese ausgewählten pflanzlichen Arzneimittel als angemessene und wirksame Apothekenempfehlung, auch ergänzend zur akut symptomatischen Therapie.“

Für die traditionelle chinesische Medizin spricht die Europäische Leitlinie aufgrund unzureichender Daten explizit keine Empfehlung aus.

Für Echinacea-haltige Präparate schätzt sie die Datenlage als widersprüchlich ein und empfiehlt sie aus diesem Grund ebenfalls nicht.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=59826

Kommentar & Ergänzung:

In die Leitlinien aufgenommen zu werden ist so etwas wie eine Auszeichnung, weil es dazu positive Ergebnisse aus klinischen Studien braucht.

Und damit solche Ergebnisse zustande kommen, braucht es Firmen, die Geld in die Forschung stecken. Das ist nicht ganz einfach für Phytopharmaka, weil grosse Investitionen in die Forschung sich nur lohnen für patentierte Produkte. Die Mehrzahl der Heilpflanzen-Präparate ist aber nicht patentiert.

Leitlinien sind für die Phytotherapie meines Erachtens nicht das einzige oder letzte Mass. Sie bieten aber trotzdem eine wichtige Orientierung.

Bei der in den Leitlinien erwähnten Kombination aus fünf Pflanzenextrakten (Enzian, Schlüsselblume, Sauerampfer, Holunder und Eisenkraut) handelt es sich im „Sinupret®“. Die Zusammensetzung dieses Präparats ist nicht sehr plausibel, doch gibt es dafür positive klinische Studien. Myrtol ist als „Gelomyrtol®“-Kapseln im Handel, Pelargonium als „Umckaloabo®“ und „Kaloabo®.

Siehe auch:

Phytopharmaka gehören in die Leitlinien

S3-Leitlinie bestätigt Empfehlung für Johanniskraut als Erstlinientherapie der unipolaren Depression

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Echinacea – was sagt die wissenschaftliche Forschung?

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Echinacea-Präparate gehören zu den beliebtesten Naturheilmitteln zur Vorbeugung und Behandlung von Erkältungskrankheiten.

Die „Zeitschrift für Phytotherapie“ veröffentlichte vor kurzem eine informative Bestandesaufnahme der aktuellen wissenschaftlichen Literatur zu Echinacea (eFirst, 16. Mai 2014). Die Autorin Karin Ardjomand-Woelkart arbeitet am Institut für Pharmazeutische Wissenschaften der Universität Graz (Prof. Dr. Rudolf Bauer), einem „Kompetenzzentrum“ in Sachen Echinacea.

Nachfolgend ein paar Zitate aus der Zusammenfassung mit anschliessendem Kommentar:

– Zum Wirkungsmechanismus von Echinacea:

„Trotz zahlreicher neuer Untersuchungen kann die therapeutische Wirkung von Echinacea nicht eindeutig einer bestimmten Komponente zugeschrieben werden. Allerdings deuten die jüngsten Daten darauf hin, dass die Alkamide eine sehr wichtige Rolle spielen. Sie besitzen zahlreiche immunmodulatorische und entzündungshemmende Eigenschaften und binden an CB2-Rezeptoren. Dies könnte ein Wirkungsmechanismus im Sinne eines Infektions-Mimiking bedeuten. Die Tatsache, dass für Echinacea-Alkamide auch die Bioverfügbarkeit nachgewiesen wurde und pharmakologisch relevante Blutspiegel erreicht werden, macht sie noch mehr zu klinisch hoch relevanten Inhaltsstoffen und eine entsprechende Standardisierung von Präparaten ist gerechtfertigt.“

Kommentar:

Der Weg bis zur Identifizierung der relevanten Wirkstoffe ist bei Phytopharmaka häufig lang. Viele Heilpflanzen enthalten eine ganze Reihe von Inhaltstoffen, die für eine bestimmte Wirkung in Frage kommen. Und die Einschätzung, welche Substanzen für die Wirksamkeit relevant sind, ändert sich im Verlaufe der Forschungsaktivitäten nicht selten grundlegend. Bei Echinacea konzentriert sich das Interesse seit längerem bereits auf die Alkamide.

Diese Forschungsaktivitäten sind wichtig, unter anderem, weil es ganz unterschiedlich zusammengesetzte Echinacea-Präparate gibt. Kennt man die entscheidenden Wirkstoffe, können die Produkte entsprechend optimiert werden.

 

– Zur klinischen Studienlage (Patientenstudien)

„Die klinische Studienlage ist bei Echinacea-Präparaten immer noch nicht zufriedenstellend. Es deuten zwar viele Studien auf eine Wirksamkeit hin, insbesondere bei Zubereitungen aus den oberirdischen Teilen von E. purpurea, aber wegen der unterschiedlichen Zusammensetzung der verwendeten Zubereitungen sind die Ergebnisse der Studien widersprüchlich. In Zukunft sollten klinische Studien mit klar definierten Produkten gemacht werden.“

Kommentar:

Die Unterschiedlichkeit der untersuchten Präparate ist für die Echinacea-Forschung ein grosses Problem. Jedes positive oder negative Studienresultat gilt genau genommen nur für das untersuchte Präparat und nicht generell für „Echinacea“. Man kann also aufgrund einer einzelnen Studie nicht sagen „Echinacea ist wirksam“ oder „Echinacea wirkt nicht“, wie das in den Medien manchmal dargestellt wird.

Man kann nur sagen: Die Echinacea-Zubereitung XY ist unter diesen Studienbedingungen wirksam (oder unwirksam).

Entscheidend in der klinischen Forschung sind Metaanalysen (siehe dazu Wikipedia), bei denen mehrere Studien zusammenfassend bewertet werden.

Bei Metaanalysen sollten aber möglichst vergleichbare Produkte verglichen werden. Die grossen Unterschiede zwischen den in Studien untersuchten Echinacea-Präparaten ist auch für Metaanalysen ein Problem.

Diese Hürden gibt es in der Phytopharmaka-Forschung auch bei anderen Heilpflanzen, nicht nur bei Echinacea. Ein weiteres Beispiel ist die Preiselbeer-Forschung. Auch die im Handel befindlichen Preiselbeer- / Cranberry-Produkte unterscheiden sich sehr stark in ihrer Herstellungsweise und Zusammensetzung.

Da hat es die Forschung mit synthetischen Wirkstoffen wie beispielsweise Mefenacid viel einfacher, weil es sich dabei um eine chemisch eindeutig festgelegte Substanz handelt. Alle Patientenstudien zu Mefenacid sind daher für Metastudien vergleichsweise sehr einfach zusammenfassend bewertbar.

 

– Zu Potenzial bezüglich Interaktionen (Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten) und Nebenwirkungen von Echinacea-Präparaten:

„Das Nebenwirkungs- und Interaktionspotenzial von Echinacea-Präparaten ist nicht besorgniserregend. Kontraindikationen bei Autoimmunerkrankungen sind substanziell nicht gerechtfertigt. Die Vorsichtsmaßnahme, „Echinacea“ nicht bei atopischen Patienten zu verwenden, ergibt sich aus der allgemein bekannten Allergenität gegen Pollen-Proteine von Korbblütlern. Ein besonderes Risiko für Kinder über einem Jahr ist nicht dokumentiert.“

Kommentar:

In der Phytotherapie-Fachliteratur wird bei Echinacea als Kontraindikation in der Regel „Autoimmunkrankheiten“ aufgeführt – aus Sicherheitsüberlegungen, und meines Wissens ohne dass jemals in dieser Hinsicht Schäden bekannt geworden wären. Ein Immunsystem, das schon aus dem Gleichgewicht ist, soll nicht noch weiter stimuliert werden, so vereinfacht gesagt die dahinterstehende Überlegung.

Obwohl für Kinder über einem Jahr kein Risiko durch Echinacea bekannt ist, stellt sich die Frage, ob die Anwendung bei kleinen Kindern Sinn macht. Die normalen Infekte im frühen Kindesalter dienen dem Training des Immunsystems. Unter normalen Umständen würde ich nicht mit einem Immunstimulans in dieses Training eingreifen.

Quelle der Zitate:

Zeitschrift für Phytotherapie, DOI: 10.1055/s-0034-1381286

 

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Cochrane-Studie findet wenig Evidenz für Echinacea bei Erkältung

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Echinacea (Sonnenhut) wird schon seit einigen Jahrzehnten als Immunstimulans gegen Erkältungen angewendet. Die Studienlage ist widersprüchlich. Studien mit positivem und negativem Ergebnis wechseln sich ab. Zu einem sehr zurückhaltenden Fazit kommt nun eine Metaanalyse der Cochrane Collaboration.

Echinacea-Präparate helfen möglicherweise zur Behandlung und Vorbeugung von Erkältungen – aber höchstens ein bisschen, schreiben die Autoren.

Die Wissenschaftler um Dr. Marlies Karsch-Völk von der TU München werteten 33 randomisierte und placebokontrollierte Untersuchungen zur Wirksamkeit von Echinacea aus, an denen insgesamt 4631 Probanden teilnahmen.

Die ausgewerteten 33 Studien mit insgesamt 4631 Teilnehmern unterschieden sich sowohl in ihrer Systematik als auch hinsichtlich des eingesetzten Echinacea-Präparates so stark voneinander, dass die Wissenschaftler keine gepoolte Analyse vornehmen konnten. Einzelauswertungen der Studien zeigten in keinem Fall einen signifikanten Vorteil der Echinacea-Präparate gegenüber Placebo, weder zur Therapie noch zur Vorbeugung von Erkältung. Ein geringer Nutzen in der Behandlung könne aber für einzelne Präparate nicht ausgeschlossen werden. Zudem gebe es für die vorbeugende Anwendung Hinweise auf einen positiven Effekt, dessen klinische Relevanz allerdings fragwürdig sei, schreiben die Forscher.

Echinacea-Präparate vergleichend zu bewerten wird dadurch erschwert, dass mit Echinacea purpurea, Echinacea pallida und Echinacea angustifolia drei verschiedene Stammpflanzen verwendet werden.

Die verschiedenen Stammpflanzen unterscheiden sich unter anderem in ihren Gehalten an Alkamiden, Glykoproteinen, Polysacchariden und Kaffeesäurederivaten, die allesamt an der immunmodulierenden Wirkung beteiligt sind. Darüber hinaus werden die in den verschiedenen Echinacea-Produkten enthaltenen Extrakte mit unterschiedlichen Methoden und aus unterschiedlichen Teilen der Pflanzen gewonnen, sodass die Medikamente sich stark voneinander unterscheiden.

Eine Empfehlung für ein bestimmtes Produkt können die Wissenschaftler aufgrund der schwachen Evidenz nicht aussprechen. Die wichtigste Erkenntnis aus ihrer Studie sei, dass es große Unterschiede zwischen einzelnen Präparaten gebe und dass die meisten davon nie in klinischen Studien untersucht worden seien. Es gebe Hinweise – stellen sie fest – dass sowohl alkoholische als auch Presssaftextrakte aus den oberirdischen Pflanzenteilen von Echinacea purpurea in der Behandlung von erwachsenen Erkältungspatienten einen positiven Effekt haben könnten. Die klinische Relevanz dieser Effekte sei aber unklar.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=46922&Nachricht_ID=51279&Nachricht_Title=Nachrichten_Echinacea:%20Wenig%20Evidenz%20bei%20Erk%E4ltung&type=0

doi: 10.1002/14651858.CD000530.pub3

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD000530.pub3/abstract

 

Kommentar und Ergänzung:

Die Forschungslage zu Echinacea ist schon seit langem widersprüchlich. Den Konsumentinnen und Konsumenten ist zudem in der Regel alles andere als klar, wie unterschiedlich die verschiedenen Echinacea-Präparate sind.

Diese Heterogenität erschwert die Forschung zum Thema Echinacea.

Bei den Präparaten auf der Basis von Alkohol als Lösungsmittel ist am bekanntesten „Echinaforce / Echinamed“, bei den Presssaftpräparaten „Echinacin“.

An der Cochrane-Metaanalyse waren Fachleute beteiligt, die mit dem Thema forschungsmässig schon seit längerem verbunden sind. Bei Univ. Prof. Dr. Rudolf Bauer von Institut für Pharmakognosie der Universität Graz gehören Untersuchungen zu Echinacea purpurea zu den Forschungsschwerpunkten (Anbau, Ernte, Verarbeitung, Wirkstoffe, pharmazeutische Qualität).

Bruce Barrett (Universität Wisconsin) hat selber klinische Studien mit Echinacea durchgeführt.

Solche Verbindungen bieten manchmal Vorteile, weil dadurch Fachwissen in die Metaanalyse einfliessen kann. Andererseits kann es auch problematische sein, wenn jemand selber klinische Studien durchführt, und dann bei der Erstellung einer Metaanalyse an der Beurteilung dieser Studien mitbeteiligt ist.

Und welche Schlüsse sind zu ziehen aus der widersprüchlichen Forschungslage zu Echinacea?

Wer diese Präparate für sich nützlich findet, soll sie doch nehmen. Ich würde einfach die Erwartungen nicht zu hoch hängen. Den vollständigen Schutz gegen Erkältungen kann man von Echinacea nicht erwarten. Und ich würde nicht empfehlen, die Präparate ununterbrochen über den ganzen Winter einzunehmen. Unterbrüche dürften sinnvoll sein.

Für mich selber bin ich schon seit langem zum Schluss gekommen, dass ich keine Echinacea-Präparate brauche. Ich bin auch überhaupt nicht der Meinung, dass es in jeder Lebenslage ein Naturheilmittel braucht.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen bei Lippenherpes: Rhabarber, Melisse, Salbei

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Im Phyto-Forum der Aerztezeitung wurde die Frage aufgeworfen, ob es etwas Pflanzliches gebe, das die Dauer des Ausbruchs von Lippenherpes reduziert.

Die Antwort verfasst hat Professor Jürgen Reichling vom Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie der Universität Heidelberg.

Der Lippenherpes (Herpes labialis) sei eine ansteckende, schmerzhafte, juckende sowie kosmetisch und psychisch störende Infektionskrankheit, die hauptsächlich durch das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1), seltener durch HSV-2 hervorgerufen werde.

Eine Lippenherpes-Episode sei selbstlimitierend und halte unbehandelt etwa 7 bis 10 Tage an. Nach einer Erstinfektion, die meist im Kindesalter stattfindet, schlummere das Virus lebenslang in Nervenganglien.

In Deutschland seien etwa 80 bis 90% der Bevölkerung mit HSV-1 infiziert. Es komme jedoch nur bei 20 bis 40% der Infizierten zu einer mehr oder weniger regelmäßigen Reaktivierung der Viren mit dem typischen klinischen Bild der Herpesbläschen an den Lippen oder in der Umgebung des Mundes.

In unkomplizierten Fällen könne Lippenherpes im Rahmen der Selbstmedikation behandelt werden. Ausgeschlossen von einer solchen Selbstbehandlung seien hingegen generalisierte Herpes-simplex-Infektionen.

Zur örtlichen Behandlung, schreibt Reichling,  stehen neben Arzneimitteln mit Nucleosidanaloga als Wirkstoff (Aciclovir, Penciclovir u.a.) auch einige pflanzliche Präparate zur Verfügung. Dabei sollte die Behandlung des Lippenherpes so früh wie möglich beginnen, idealerweise bereits bei ersten Anzeichen wie Brennen und Jucken der Haut.

Klinische Studien mit Extrakt aus Melisse, Salbei und Rhabarberwurzel

Bewährt haben sich vor allem zwei Phytopharmaka, die als Wirkstoff Extrakte aus Melissenblättern enthalten (Lomaherpan, Valverde Fieberbläschencreme) oder aber eine Kombination von Rhabarberwurzelextrakt und Salbeiblätterextrakt (Parsenn Herpes-Creme, Phytovir). Für diese Phytopharmaka liegen klinische Studien vor, die eine alleinige Anwendung oder eine Anwendung in kombiniert mit Nucleosidanaloga rechtfertigen.

Für die Selbstbehandlung schreibt Reichling, dass versuchsweise auch kosmetische Präparate mit Propolis, Echinacea (Sonnenhut), Aloe vera sowie mit ätherischen Ölen (zum Beispiel Teebaumöl, Melissenöl) eingesetzt werden können.

Für diese Stoffe existieren In-vitro-Studien, teilweise auch klinische Pilotstudien (Teebaumöl bei HSV-1; Propolis bei HSV-2), die eine Wirksamkeit bei der Therapie von Lippenherpes nahelegen.

Hält eine Lippenherpes-Episode länger als 10 bis 14 Tage an, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Um das Risiko einer Ausbreitung der Viren zu verhindern, sollten die Präparate auf die befallene Hautstelle am besten mit Einmalmaterial (beispielsweise mit einem Wattestäbchen) appliziert werden.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/infektionskrankheiten/herpes/article/839399/phyto-forum-rhabarber-melisse-salbei-lippenherpes.html?sh=7&h=1048513246

Kommentar & Ergänzung:

Die antivirale Wirkung von Melissenextrakt, Salbeiextrakt und Rhabarbarwurzelextrakt ist im Labor gut dokumentiert. Eine andere Frage ist, ob sich damit der Verlauf eines Lippenherpes wirklich entscheidend verkürzen lässt.

Von allen diesen lokalen Anwendungen sollte man jedenfalls keine Wunder erwarten. Die Dauer des Lippenherpes wird nur gering verkürzt, und nur wenn die Behandlung ganz im Anfangsstadium einsetzt. Das gilt auch für synthetische Wirkstoffe wie Aciclovir.

Bei Salbeiextrakt und Melissenextrakt sind es die Lamiaceen-Gerbstoffe, die für die Wirkung verantwortlich sind. Sie verbinden sich mit Eiweissbestandteilen der Viren.

Siehe dazu: Was ist Rosmarinsäure?

Von den ätherischen Ölen wirkt auch Pfefferminzöl antiviral gegen Herpesviren.

Bewährt gegen Lippenherpes / Fieberbläschen hat sich auch Honig (mehrmals täglich ein paar Minuten auf einem Stück Gaze anpressen.

Siehe auch:

Phytotherapie: Melissenextrakt bei Herpesinfektionen

Melissenöl hält Herpesviren in Zellkulturen in Schach

Phytotherapie bei Fieberbläschen: Melissenextrakt

Melissenextrakt doppel wirksam gegen Herpes-simplex-Virus (HSV-1)

Naturheilkunde: Was ist Propolis?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Moderate Stimmen finden weniger Gehör in den Medien

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Extreme politische Standpunkte sind bunter und unterhaltsamer. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler, nachdem sie mehr als 200 unterschiedliche politische Gruppierungen nach deren Präsenz in US-Zeitungen untersuchten. Wie sie im Fachmagazin „Journalism & Mass Communication Quarterly“ schreiben, ist es schwer, moderate Stimmen als interessant darzustellen. Bei extremen Stimmen falle das leichter. Dadurch erhalten polarisierende Meinungen mehr Raum, erscheinen früher und in bekannteren Zeitungen. Damit widersprechen die Autoren der Beobachtung von Wissenschaftlern und Kommentatoren, dass die politischen Gruppierungen in den USA extremer geworden seien. Extreme Standpunkte bekämen einfach nur mehr Gehör.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/

Michael McCluskey and Young Mie Kim

Moderatism or Polarization? Representation of Advocacy Groups‘ Ideology in Newspapers

http://jmq.sagepub.com/content/early/2012/09/06/1077699012455385.full.pdf+html

Kommentar & Ergänzung:

Vielleicht stimmt ja beides: Extreme politische Standpunkte nehmen zu – und sie werden in den Zeitungen bevorzugt dargestellt.

Diese Meldung ist mir aufgefallen, weil ähnliche Phänomene auch im Bereich der Gesundheitsnachrichten zu beobachten sind: Schrille Meldungen und grosse Versprechungen bekommen viel Platz in den Medien und viel Aufmerksamkeit. Differenzierte Aussagen, die Darstellung von widersprüchlichen Sachverhalten und von ambivalenten Situationen haben es da viel  schwerer. Das ist oft auch zu beobachten im Bereich Alternativmedizin / Komplementärmedizin.

Tipp: immer skeptisch bleiben, wenn etwas nur Schwarz oder nur Weiss dargestellt wird.

Bei einer Negativschlagzeile wie „Ginkgo wirkt nicht“ müsste man eigentlich immer nachfragen, unter welchen Bedingungen diese Aussage zustande kam.

Das gleiche gilt aber auch für Positivmeldungen wie „Echinacea schützt vor Erkältungen“, „Cistus stoppt Grippeviren“, „Curcumin tötet Krebszellen“,  „Komplementärmedizin verbessert Lebensqualität von Brustkrebs-Patientinnen“….usw.

Die Realität ist in der Regel vielschichtiger und differenzierter als die Darstellung in den Schlagzeilen und Werbeslogans.

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Lindenblüten aktivieren Immunsystem

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Lindenblüten-Extrakt beschleunigt in Studien die Vermehrung von Lymphozyten.

Lindenblüten werden traditionell eingesetzt zur Behandlung von Erkrankungen der Atemwege. Eine bereits ältere Studie mit der Winter-Linde (Tilia cordata) zeigte eine verstärkte Vermehrung von Lymphozyten (1). Lymphozyten zählen zu den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und ihre Aufgabe im Immunsystems ist die Erkennung und Eliminierung von Fremdstoffen. Nun wurden mit einer weiteren Lindenart (Tilia x viridis) die Experimente zur Aktivierung der Lymphozyten wiederholt (2).

Dazu wurden zwei Extrakte aus den Lindenblüten gewonnen und an zwei Gruppen von Mäusen verabreicht. Eine dritte Gruppe bekam nur eine Kontrolllösung ohne Lindenblütenanteile. Zudem wurden isolierte Mäuse-Lymphozyten direkt mit den Lindenblüten-Extrakten (bzw. der Kontrolllösung) behandelt. Unter Einwirkung der Extrakte vermehrten sich die Lymphozyten rascher als in den Kontrollgruppen. Außerdem stieg die Überlebensfähigkeit der Lymphozyten aus den behandelten Mäusen. Die Lindenblüten-Extrakte wirkten dabei sowohl direkt aktivierend auf die Lymphozyten als auch indirekt über die Aktivierung von Makrophagen ( = Fresszellen des Immunsystems), welche dann wiederum die Lymphozyten aktivierten.

Aus den Extrakten konnte eine Substanz isoliert werden, die in der Lage war, eine ähnliche Stimulation des Immunsystems zu bewirken wie der Gesamtextrakt. Bei diesem Wirkstoff handelte es sich um Rutin aus der Gruppe der Flavonoide.

Ob weitere Inhaltsstoffe aus dem Gesamtextrakt ebenfalls immunstimulierend wirken oder ob es Synergismus-Effekte gibt, wurde nicht untersucht.

Die Carstens-Stiftung, die diese Lindenblüten-Untersuchung vorstellt, kommt zu folgender Einschätzung:

„Die Studie zeichnet mittels vielfältiger Methoden und gut überlegten Versuchen ein geschlossenes Bild, das als Erklärung für die günstigen Eigenschaften von Lindenblütenpräparaten bei Erkältungen und Entzündungen herangezogen werden kann.“

Quelle:

http://www.carstens-stiftung.de/artikel/lindenblueten-staerken-das-immunsystem.html

Originalarbeiten:

1) Anesini C.; Werner S.; Borda E. Effect of Tilia cordata flower on lymphocyte proliferation: participation of peripheral type benzodiazepine binding sites. Fitoterapia, Volume 70, Number 4, 1 August 1999 , pp. 361-367(7)

Abstract:

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0367326X99000490

2) Davicino R, Zettler G, Brizi MR, Marrassini C, Ferraro G, Filip R, Anesini C. In Vivo Immunomodulatory Effect of Tilia x viridis Extracts on Normal Lymphocyte Proliferation: A Direct and an Indirect Action. Phytother Res. 2011, Vol. 25, pp. 1342 – 1347.

Abstract:

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21328620

Kommentar & Ergänzung:

Lindenblütentee ist in der traditionellen Pflanzenheilkunde gegen Erkältungen mit Fieber ein etabliertes Mittel. Gemessen an dieser Bedeutung gibt es allerdings nur wenige Studien zur Wirksamkeit der Lindenblüten.

Daher ist dieser Bericht grundsätzlich schon einmal interessant.

Einschränkend muss man jedoch sagen, dass solche Untersuchungen an Mäusen und isolierten Lymphozyten noch nichts aussagen darüber, ob auch bei einem Menschen mit Erkältung eine nützliche Wirkung zu erwarten ist. Das könnten nur Patientenstudien zeigen.

Traditionell wird Lindenblütentee als schweisstreibendes Mittel zur Fiebersenkung empfohlen. Dass die beschriebenen Studien die traditionelle Anwendung stützen, ist allerdings fraglich. Wenn bei einer Erkältung Fieber da ist, dürfte das Immunsystem schon ziemlich aktiviert sein. Heilpflanzen zur Immunstimulation müssen daher im allerersten Frühstadium einer Infektion eingenommen werden, wenn sie wirksam sein sollen. Lindenblütentee müsste für eine Immunstimulation also früher angewendet werden, als dies traditionell meist der Fall ist (eine ähnliche Anwendung im Frühstadium wird bei Echinacea = Sonnenhut empfohlen).

Interessant ist der Hinweis auf den Inhaltsstoff Rutin, der ähnlich wie der Gesamtextrakt eine immunstimulierende Wirkung haben soll.

Das Flavonoid Rutin kommt in relevanten Mengen im Buchweizenkraut vor und wird dort zur Linderung von Venenbeschwerden (schwere Beine, venöse Ödeme) angewendet. Das muss kein Widerspruch sein, denn Naturstoffe können selbstverständlich unterschiedliche Wirkungen im Organismus auslösen.

Sollte Rutin an der postulierten immunstimulierenden Wirkung von Lindenblüten beteiligt sein, stellt sich allerdings die Frage, ob Buchweizenkraut nicht vorzuziehen wäre. Lindenblüten enthalten etwa 1 % Flavonoide, wovon eines davon Rutin ist. Buchweizenkraut enthält aber gemäss Europäischem Arzneibuch mindestens 4% Rutin!

Buchweizenkraut ist jedoch für den Bereich der Immunstimulation gänzlich unbekannt.

Bei den Lindenblüten ist im übrigen noch ihr hoher Schleimgehalt (etwa 10%), der nützlich sein könnte bei trockenem Reizhusten, sowie das Linalool, von dem eine leichte  Sedierung erwartet werden kann.

Siehe auch:

Lindenblütentee als Beruhigungsmittel

Wo kommt Rutin sonst noch vor im Pflanzenreich?

„Die Pflanzen mit dem höchsten Rutingehalt (in der Trockenmasse) sind:

Wildes Stiefmütterchen (Viola tricolor, 25 %, Blüte), Japanischer Schnurbaum (Styphnolobium japonicum, 15–20 % Blüte bzw. Blütenknospen, 4 % Blätter), Echter Buchweizen (Fagopyrum esculentum, 2–8 % Blätter, 4–12 % Blüte), Weiße Maulbeere (Morus alba, 6 %, Blätter), Kanadischer Holunder (Sambucus nigra subsp. canadensis, 3,5 %, Blätter), Petersilie (Petroselinum crispum, 3 % Blätter), Wasserpfeffer (Persicaria hydropiper, 3 % Blätter).

Selbst in Buchweizenmehl waren bei einer Analyse immerhin noch 0,27 Prozent Rutin enthalten.“

(Quelle: Wikipedia)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen-Präparate können Krebstherapie gefährden

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Heilpflanzen-Präparate aus der Phytotherapie oder aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) sind bei Krebspatienten beliebt. Doch manche Mittel können die Wirkung der üblichen Tumortherapie außer Kraft setzten.

Wer an einem bösartigen Tumorleiden erkrankt, muss meist eine Chemotherapie oder Bestrahlung über sich ergehen lassen und Nebenwirkungen wie Erbrechen, Durchfall, Haarausfall und Kachexie in Kauf nehmen – von der psychischen Belastung durch die Krebsdiagnose einmal ganz abgesehen. Da ist es nicht überraschend, dass Tumorpatienten gerne und häufig in Eigenregie zu pflanzlichen Mitteln greifen, um die Nebenwirkungen der Krebstherapie zu reduzieren. Tatsächlich bietet die Phytotherapie in diesem Bereich einige interessante Möglichkeiten.

Siehe dazu:

Heilpflanzen-Anwendungen bei Krebs

Phytotherapie lindert Nebenwirkungen bei Chemotherapie und Bestrahlung

Phytotherapie kann bei Krebs manche Beschwerden lindern

Allerdings sind Heilpflanzen-Präparate nicht immer harmlos und nebenwirkungsfrei. Einige können Pharmakokinetik und Pharmakodynamik von Krebstherapeutika erheblich beeinflussen, indem sie auf das Cytochrom-P450-System oder auf Effluxtransporter wie das P-Glykoprotein einwirken. Doch welche klinisch bedeutsamen Interaktionen (Wechselwirkungen) zwischen Tumortherapeutika und pflanzlichen Präparaten sind bisher bekannt?

Priv.-Doz. Dr. Matthias Unger vom Institut für Pharmazie und Lebensmittelchemie der Universität Würzburg hat dazu in der Zeitschrift „Forschende Komplementärmedizin“ einen informativen Beitrag veröffentlicht.

Dr. Unger nennt als Beispiel die erheblich reduzierte Bioverfügbarkeit der Zytostatika Irinotecan und Imatinib bei Anwendung von Johanniskraut. So wurde in klinischen Untersuchungen die Bioverfügbarkeit von Imatinib um durchschnittlich 30 Prozent und diejenige von Irinotecan sogar um 41 Prozent vermindert, wenn gleichzeitig hyperforinhaltige Johanniskrautpräparate gegeben wurden. Denn diese Pflanzenextrakte steigern die Expression von CYP3A4 und P-Glykoprotein.

Die Inhaltsstoffe von Schisandra-Spezies bewirken das Gegenteil: Sie vermindern die Expression von CYP3A4 und P-Glykoprotein und erhöhen damit die Bioverfügbarkeit von CYP3A4- und P-Glykoprotein-Substraten. So steigerte ein Extrakt aus den Früchten von Schisandra sphenanthera die AUC des Kurzhypnotikums Midazolam um 119 Prozent und die maximale Plasmakonzentration um 86 Prozent.

Bei dem Immunsuppressivum Tacrolimus wird die Bioverfügbarkeit durch Schisandra-Inhaltsstoffe sogar um 164 Prozent gesteigert. Ein weiteres Phytotherapeutikum, das auf CYP-Enzyme einwirkt, ist die Kanadische Gelbwurz (Hydrastis canadensis), die häufig kombinert mit Echinacea bei grippalen Infekten angewendet wird. Zubereitungen aus der Wurzel der Kanadischen Gelbwurz steigern die Toxizität von CYP3A4-Substraten wie Irinotecan und Imatinib und können die Wirkung von Tamoxifen fast gänzlich aufheben.

Interaktionen zwischen Krebsmedikamenten und Heilpflanzen-Präparaten lassen sich nur vermeiden, wenn Ärzte und Apotheker über die beschriebenen Mechanismen Bescheid wissen. Sie sollten Patienten über mögliche Risiken umfassend aufzuklären, fasst Dr. Unger zusammen.

Quellen:

Matthias Unger, Forschende Komplementärmedizin 2011; 18: DOI 10.1159/000330937

http://www.medical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=110983&dspaid=960953

Kommentar & Ergänzung:

Dieser Beitrag zeigt, wie wichtig es ist, dass Patientinnen und Patienten den behandelnden Ärztinnen und Ärzten mitteilen, welche Heilpflanzen-Präparate sie einnehmen.

Dieser Beitrag über Interaktionen zwischen Phytopharmaka und synthetischen Medikamenten ist sehr viel präziser und fundierter als der Beitrag, den ich hier kritisch unter die Lupe genommen habe:

Phytopharmaka: Wechselwirkungen bei Operationen

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

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