Artikel mit Schlagwort ‘Durchfall’

Gartenpflanzen: Osterglocken giftig?

Samstag, März 31st, 2012

Die Osterglocke (Narcissus pseudonarcissus), auch gelbe Narzisse oder Osterglöckchen (weil sie in der Regel um Ostern herum blüht), Falscher Narzissus, Trompeten-Narzisse, oder regional Märzenbecher genannt, ist die bekannteste Pflanzenart in der Gattung der Narzissen (Narcissus) innerhalb der Familie der Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae).

Foto siehe Wikipedia

Die Osterglocke ist als Wildform sehr selten geworden und geschützt. Als Zierpflanze ist sie seit dem Jahre 1500 in Kultur.

Die Blätter und Zwiebeln der Osterglocke sind sehr giftig.

In Gärten besteht deshalb Vergiftungsgefahr für Kinder und Haustiere. Weil Narzissenzwiebeln ähnlich aussehen wie Küchenzwiebeln, kann es zu Verwechslungen und Vergiftungen kommen. Die Pflanze enthält mehrere toxische Alkaloide. Am bekanntesten sind die giftigen Verbindungen Lycorin und Galantamin, welche auch in anderen Amaryllisgewächsen vorkommen. Galantamin ist der charakteristische Inhaltsstoff im Schneeglöckchen.

Zu Galantamin siehe auch:

Wirksamkeit von Galantamin bei Demenz bestätigt

Schneeglöckchen – eine Heilpflanze?

Galantamin hemmt die Cholinesterase und zeigt deshalb parasympathomimetische Wirkung. Lycorin hemmt die Eiweisssynthese, wirkt zelltoxisch und virustatisch, ausserdem brechreizerregend und harntreibend.

Vergiftungen mit Osterglocke können Symptome auslösen wie Speichelfluss, Erbrechen und Durchfall, später Lähmungen, Leberschäden, Kollaps und sogar Tod.

Die Oxalatkristalle der äusseren Zwiebelschalen oder der Blätter können bei Gärtnern Hautreizungen verursachen, die sogenannte Narzissen-Dermatitis.

Mit der Osterglocke ist also punkto Giftwirkung nicht zu spassen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Forsythien giftig?

Mittwoch, März 28th, 2012

Zur Zeit blühen gerade die Forsythien (Forsythia suspensa) in Parkanlagen und Gärten (Foto hier)

Der beliebte Zierstrauch wird in zahlreichen Abarten angepflanzt, stammt ursprünglich aus China und ist in Europa etwas seit gut 100 Jahren bekannt. Er wird manchmal auch Goldflieder, Goldweide oder Goldglöckchen genannt und gehört in die Familie der Ölbaumgewächse (Oleaceae).

Die Giftzentrale Bonn bezeichnet die Forsythie als „gering giftig“ (alle Pflanzenteile).

In  Blättern, Früchten und Samen sollen sich Saponine und Glykoside befinden, in den gelben Blüten Glykoside und ätherische Öle.

Der Verzehr größerer Mengen an Samen, Früchten, Blättern oder Blüten könne zu Unwohlsein mit Übelkeit, Bauchschmerzen und eventuell Durchfall führen.

In den Blüten der Forsythie hat es Flavonoide wie Rutin (ca. 1%) und Quercetin. Rutin ist in der Phytotherapie ein wichtiger Wirkstoff zur Linderung von Venenbeschwerden (venöse Ödeme). Dabei kommt aber in der Regel das Buchweizenkraut zur Anwendung. Da Buchweizenkraut viel mehr Rutin enthält (normalerweise 2-3%, in entsprechend kultivierten Sorten bis 8%) und in therapeutischen Dosen untoxisch ist, kommt die Forsytie hier nicht in Betracht. Allerdings soll die Forsytie laut dem “Lexikon der Arzneipflanzen und Drogen” (Spektrum Verlag 1999) zur Gewinnung von Rutin verwendet werden. In der chinesischen und japanischen Volksheilkunde sollen die Früchte als Laxans (Abführmittel) und Diuretikum (Harntreibendes Mittel) eingesetzt werden.

In ökologischer Hinsicht ist die Forsythie nicht viel Wert, denn die meisten Sorten werden von Insekten gemieden. Wer also Ziersträucher pflanzen will, von denen auch Vögel und Insekten (Schmetterlinge, Bienen, Käfer…) profitieren, muss einheimische Sträucher vorziehen, z. B. Schwarzdorn, Weissdorn, Vogelbeerbaum, Salweide, Heckenkirsche, Hartriegel, Schneeball, Liguster, Berberitze…..

Aber eben: So schön leuchtend gelb wie die Forsythie blüht im Frühling halt kein einheimischer Strauch.

Wer mehr über die Natur lernen möchte, findet dazu viele Gelegenheiten auf meinen Alpenblumenkursen und Heilkräuterexkursionen. Orte und Daten finden Sie via  „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Naturkunde: Was blüht gerade? – Scharbockskraut

Dienstag, März 27th, 2012

Zur Zeit blüht das Scharbockskraut mit seinen goldgelben Blütensternen.

Fotos finden Sie hier und hier.

Das Scharbockskraut (Ficaria verna, Syn.: Ranunculus ficaria L., = Feigwurz, = Frühlingsscharbockskraut) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Scharbockskraut ist ein Frühjahrsblüher. Sein Name leitet sich von Scharbock (Skorbut) ab. Seine Vitamin-C-haltigen Blätter sollen früher gegen diese Mangelerscheinung eingenommen worden sein.

Scharbockskraut ist hauptsächlich in Nordeuropa und Mitteleuropa beheimatet. Es wächst meist in feuchten Wiesen, Gebüschen, Hecken, Gärten, in Laubwäldern und an Laubwaldrändern. Dort bildet Scharbockskraut zumeist die erste grüne Bodenschicht (Krautschicht), noch bevor die Bäume ihre Blätter entwickeln.

In südlichen Gegenden sowie nach milden Wintern zeigt sich das Scharbockskraut schon Ende Februar; normalerweise jedoch gegen Ende März. Bereits im Mai beendet dieser „Frühjahrsgeophyt“ seinen Lebenszyklus bald nach der Blüte.

Ein botanischer Sprinter also.

Ähnlich wie der Bärlauch (Allium ursinum) und das Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) zieht das Scharbockskraut anschliessend alle oberirdischen Teile der Pflanze unter die Erde zurück.

Scharbockskraut als Wildsalat / Wildgemüse vorsichtig nutzen:

„Scharbockskraut kann – mit Einschränkungen – als Nahrungsmittel verwendet werden. Der Verzehr der Pflanze, insbesondere der Wurzel und Brutknöllchen, kann zu Erbrechen und Durchfall führen. Unterschiedliche Angaben zur Giftigkeit sind auf saisonale Änderungen der Inhaltsstoffe und unterschiedliche Verträglichkeit bei verschiedenen Menschen zurückzuführen. Im Frühjahr, vor der Blütezeit, können die Blätter verzehrt werden. Die Blütenknospen werden ähnlich wie Kapern verwendet. Später im Jahr lassen sich Brutknöllchen und Wurzelknöllchen ernten.

Der giftige Inhaltsstoff Protoanemonin – ein fünfgliedriger Lactonring – bildet sich in höheren Konzentrationen erst nachdem die ersten Blüten erschienen sind. Faustregel für den Genuss der Pflanze ist daher: Vor der ersten Blüte gegebenenfalls in Maßen, nach Erscheinen der ersten Blüten nicht mehr genießen. In der Mehrheit der Kräuterbücher wird auf den hohen Vitamin-C-Gehalt der Pflanze hingewiesen.

Scharbockskraut gehörte früher zum Reiseproviant auf Seereisen und wurde von Seefahrern gegessen, die meist kein frisches Gemüse und Obst zu Verfügung hatten. Scharbockskraut enthält sehr viel Vitamin C und verhinderte dadurch Skorbut, eine Vitamin C-Mangelkranheit die Seefahrer früher auf ihren langen Reisen bedrohte. Der Name Scharbockskraut leitet sich von Scharbock ab, eine alte Bezeichnung für Skorbut.“

(Quelle: Wikipedia)

Die Angabe, dass die Scharbockskrautblätter als Frühlingssalat nur vor der Blüte genutzt werden sollen, weil sich danach Giftstoffe bilden, findet sich auch in anderen Quellen, zum Beispiel in Siegfried Schlosser / Lutz Reichhoff / Peter Hanelt: „Wildblumen Mitteleuropas – Nutzung und Schutz“ (Deutscher Landwirtschaftsverlag Berlin 1991).

Der Hinweis auf den hohen Gehalt an Vitamin C findet sich häufig, doch sind mir bisher keine konkreten Angeben dazu unter die Augen gekommen.

Bei Hahnenfussgewächsen halte ich generell eine gewisse Vorsicht bezüglich dem Konsum als Wildsalat / Wildgemüse für angebracht.

In dieser Pflanzenfamilie gibt es sehr starke Giftpflanzen wie Eisenhut (Aconitum) mit dem Alkaloid Aconitin.

Nach Wikipedia enthalten alle Hahnenfussgewächse das giftige Protoanemonin. Gemäss „Giftpflanzen“ von Dietrich Frohne und Hans Jürgen Pfländer (1997) ist Protoanemonin vor allem enthalten in den Gattungen

- Ranunculus (Hahnenfuss),

- Anemone (Windröschen, z B. Buschwindröschen, Leberblümchen),

- Pulsatilla (Kuhschelle, Küchenschelle)

- Clematis (Waldreben)

- Helleborus (Nieswurz; z. B. Christrose, Schwarzer Nieswurz)

Beim Trocken der Pflanzen wird Protoanemonin allerdings in ungiftiges Anemonin übergeführt.

Aber im Moment gerade würde ich empfehlen, sich an den glänzend gelben Blütensternen des Scharbockkrautes zu erfreuen. Man muss ja auch nicht immer alles gleich essen….

Und wenn Sie die Natur im Jahreslauf kennen lernen möchten, kommen Sie doch einfach mit auf eine meiner Heilpflanzen-, Alpenblumen-, Natur- oder Kräuterexkursionen. Die Daten finden Sie oben unter „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Was ist Guar?

Sonntag, März 18th, 2012

Guar wird aus der Guarbohne gewonnen, den Samen von Cyamopsis tetragonolobus, und zwar  durch Zermahlen des Endosperms und anschliessender Teilhydrolyse.

Guar (Guargalactomannan) besteht hauptsächlich aus Polysacchariden

Guar (Cyamopsis tetragonolobus, Fabaceae) ist ein pflanzliches Arzneimittel, das im Darm zusammen mit Wasser quillt und die Aufnahme von Kohlenhydraten verlangsamt. Es wird zur Behandlung von Obstipation (Verstopfung) und als Zusatzmassnahme bei der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus angewendet, um die Blutzuckerspitzen nach der Nahrungsaufnahme zu reduzieren.

Es handelt sich bei Guar um einen Ballaststoff, der in der Lage ist, grosse Mengen Flüssigkeit zu binden, so dass eine gelartige Masse entsteht.

Das bewirkt eine Verzögerung der Magenentleerung, im Dünndarm kommt es verlangsamt zur Kohlenhydrat-Absorption. Diese beiden Eigenschaften führen vor allem beim Diabetiker zu geringeren postprandialen Blutzuckerspitzen (postprandial = nach der Mahlzeit). Die Kohlenhydrat-Absorption wird aber nicht reduziert.

Guar wirkt auch lipidsenkend: Abnahme des Plasma-Gesamtcholesterins und der Triglizeride, kein Effekt auf das HDL-Cholesterin, LDL nimmt ab.

Ausserdem wirkt Guar sättigend.

Daraus ergeben sich folgende Anwendungsbereiche:

- Verstopfung

- Begleittherapie beim Diabetes mellitus (Typ I und Typ II), um zusätzlich neben Diät und Antidiabetika die postprandialen Blutzuckerspitzen zu reduzieren. Da die gesamte Absorption der Kohlenhydrate zwar verlangsamt, nicht jedoch reduziert wird, müssen die Diät und die Behandlung weitergeführt werden

- Dyslipidämie (Lipidstoffwechselstörung)

- Übergewicht und Fettleibigkeit

Als unerwünschte Nebenwirkungen kann es zu Verdauungsbeschwerden kommen: Blähungen, Völlegefühl, Magendruck, Übelkeit und Durchfall.

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Guarbohne

Guar ist als rezeptpflichtiges Fertigpräparat unter dem Namen Leiguar als Antidiabetikum im Handel.

Als Nahrungsergänzungsmittel mit teilhydrolisiertem Guarkernmehl: Benefiber (Novartis).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wirkstoffe in der Phytotherapie: Gerbstoffe

Donnerstag, März 15th, 2012

Gerbstoffe sind wichtige Wirkstoffe in der Phytotherapie. Sie bestimmen die Wirkung vieler Heilpflanzen.

Hier einige ausgewählte Infos über Gerbstoffe aus Wikipedia mit Kommentaren und Ergänzungen von mir.

„Ein Gerbstoff ist ein Stoff, der sich bei Kontakt mit Eiweiß (Protein) mit diesem verbindet. Die Eigenschaften der Proteine werden dadurch verändert.

Das in den Proteinen gebundene Wasser wird durch die Gerbstoffe verdrängt und es kommt zu einer Entwässerung.

Die Proteine können durch Mikroorganismen nicht mehr oder nur mehr sehr schwer abgebaut werden.

Das Quellvermögen in Wasser, Säuren und Laugen ist stark vermindert.

Die Temperaturbeständigkeit wird erhöht.

Biologisch aktive Eiweißstoffe werden durch Gerbstoffe denaturiert und sind nicht mehr biologisch aktiv.

Strukturierte Eiweißstoffe z. B. Kollagen der Haut, behalten ihre natürliche Struktur. Die Strukturen werden aber durch die Gerbstoffe mehr oder weniger stark vernetzt. Unstrukturierte Eiweißstoffe z. B. das Eiweiß eines Hühnereies, werden ausgefällt.

Diese Veränderungen können allgemein als Gerben bezeichnet werden. Eine abgezogene Tierhaut wird so in Leder umgewandelt, was z. B. die Fäulnis verhindert.

Es gibt in der Natur vorkommende Gerbstoffe und künstlich hergestellte Gerbstoffe.“

(Quelle: Wikipedia)

Das ist eine gute Beschreibung davon, wie Gerbstoffe auf Eiweisse einwirken. Um die adstringierenden (zusammenziehenden), entzündungshemmenden und antimikrobiellen Wirkungen gerbstoffreicher Heilpflanzen zu verstehen, sind diese Vorgänge wichtig.

Zum Vorkommen von Gerbstoffen in Pflanzen

„Gerbstoffe kommen häufig in Pflanzen vor…..Zum Beispiel in:

Blättern, Hölzern, Rinden, Früchten und Wurzeln von Kastanien, Eiche, Fichte, Mimosa, Quebracho, Tee, Kaffee.

Auch pflanzliche Abbauprodukte wie z. B. Torf enthalten Gerbstoffe. Weintrauben enthalten Gerbstoffe (Tannine) als Bestandteile aus Stielen, Kernen und Beerenhäuten, die zum Geschmack des Weines (insbesondere des Rotweines) beitragen. Der Tanningehalt stellt somit einen Qualitätsfaktor des Weines dar, sofern er in einem ausgewogenen Verhältnis zu den anderen Geschmackskomponenten (Säure, Restzucker) und Aromen steht.“

(Quelle: Wikipedia)

Zur Wirkung der Gerbstoffe in der Phytotherapie

„Die Gruppe der Gerbstoffe nimmt einen wichtigen Platz unter den therapeutisch wirksamen Bestandteilen von Heilpflanzen ein. Sie wirken zusammenziehend, entzündungshemmend, antibakteriell, antiviral und neutralisieren Gifte. In höherer Dosierung wirken sie jedoch oft selbst schädlich.“

(Quelle: Wikipedia)

Wichtig zu wissen ist aber, dass Gerbstoffe lokal wirken auf Haut und Schleimhäuten und im Verdauungstrakt. Sie werden aber kaum in den Körper aufgenommen und haben daher keine systemischen Fernwirkungen.

Beispiele von Heilpflanzen, die Gerbstoffe enthalten:

“Galläpfel (Gallae) aus Quercus infectoria

Hamamelisblätter (Hamamelidis folium) aus Hamamelis virginiana = Zaubernuss

Walnussblätter (Juglandis folium) aus Juglans regia

Eichenrinde (Quercus cortex) aus Quercus robur….

Ratanhiawurzel (Ratanhiae radix) aus Krameria lappacea

Blutwurzwurzel (Tormentillae rhizoma) aus Potentilla erecta

Heidelbeeren (Myrtilli fructus) aus Vaccinium myrtillus

Volksmedizinische Verwendung finden auch:

Catechu

Brombeerblätter von Rubus fruticosus

Gänsefingerkraut von Potentilla anserina

Erdbeerblätter von Fragaria vesca

Odermennigkraut Agrimonia eupatoria

Frauenmantelkraut von Alchemilla xanthochlora

Breitwegerichblätter von Plantago major

Spitzwegerichblätter von Plantago lanceolata

Rosenblüten von Rosa gallica

Wiesenknopfblätter von Sanguisorba officinalis“

(Quelle: Wikipedia)

Eine wichtige Heilpflanze mit hohem Gerbstoffgehalt fehlt hier:

Schwarztee / Grüntee.

Damit genügend Gerbstoff in den Tee übergeht, müssen Schwarztee und auch Grüntee allerdings lange ausziehen (etwa 8 Minuten).

Chemischer Aufbau der Gerbstoffe

„Auf Grund des chemischen Aufbaues, kann die pflanzlichen Gerbstoffe in folgende zwei Gruppen einteilen:

Hydrolysierbare Gerbstoffe, z. B. Gallotannine, Grundbausteine sind Gerbsäuren z. B: Gallus- oder Ellagsäure in Verbindung mit Glukosen

kondensierte Gerbstoffe, z. B. Pyrocatechine, Grundbausteine sind aromatische Polyhydroxiverbindunge wie z. B. Catechin“

(Quelle: Wikipedia)

Das ist insofern relevant, als hydrolisierbare Gerbstoffe ungeeignet sind zur Behandlung von Durchfall, weil sie nicht genug tief im Darm wirken.

Zur Wirkung der Gerbstoffe

„Medizinisch nutzbar sind Gerbstoffe durch den Prozess der Gerbung. Das Gewebe kann so oberflächlich verdichtet werden, und eine schützende Membran bildet sich aus, z. B. auf einer Schleimhaut. Die Gerbstoffe entziehen also durch ihre zusammenziehende (adstringierende) Wirkung Bakterien den Nährboden, die sich auf Haut und Schleimhaut angesiedelt haben. Schmerz und Wundsekretion werden vermindert, Entzündungen gehemmt, kapillare Blutung gestillt, Bakterien und Giftstoffe können nicht mehr tiefer eindringen.

Gerbstoffe haben antimikrobielle Eigenschaften und werden eingesetzt bei Magen- und Darmentzündungen, leichten Durchfällen, Entzündungen im Mund und Rachenraum, als blutstillendes Mittel, zur schnellen Wundheilung und bei leichten Verbrennungen und Frostschäden.“

(Quelle: Wikipedia)

Heikel finde ich die Empfehlung „zur schnellen Wundheilung“. Gerbstoffe können in der Wundbehandlung nur in ganz bestimmten Situationen eine Rolle spielen, zum Beispiel bei nässenden Wunden (Reinigungsphase) als Eichenrindenumschlag oder Eichenrindenbad. In der Granulationsphase der Wundheilung würde ich aber Gerbstoff-Anwendungen nicht empfehlen. Gerbstoffe können das Gewebe austrocknen und in der Granulationsphase muss die Wunde feucht bleiben.

Zu den wichtigsten Eigenschaften der Gerbstoffe

„Zusammenziehend, schmerzlindernd, stopfend bei Durchfall, blutstillend, sekretionshemmend, schleimhautschützend, keimhemmend, bakterizid, fungizid, entzündungshemmend, austrocknend, Gegengift bei Schwermetall- oder Alkaloidvergiftung“

(Quelle: Wikipedia)

Manche Gerbstoffe wirken auch gut lokal gegen Viren, zum Beispiel die Lamiaceen-Gerbstoffe aus der Melisse gegen Herpesviren (Fieberbläschen).

Nebenwirkungen der Gerbstoffe

„Bei Langzeitanwendung können Leberschäden entstehen. Bei zu hohen Dosen kann es zu Magenschleimhautentzündung oder Brechreiz kommen. Gerbstoffe vermindern die Resorption basischer Arzneimittel sowie mancher Mineralstoffe wie Eisen. Nicht bei Verstopfung, trockenen Ekzemen oder trockenen Schleimhäuten anwenden. Nicht länger als 5–10 Minuten köcheln. Es empfiehlt sich für die innere Anwendung, sie mit Schleimstoffen zu kombinieren.“

(Quelle: Wikipdedia)

Eine Heilpflanze, in der Gerbstoffe und Schleimstoffe schon kombiniert vorliegen, ist Malva silvestris / Malva neglecta, verwendet als Malvenblätter ( = Chäslichrut) zum Beispiel bei Mundschleimhautentzündung, zur Wundheilung und bei Furunkeln. Allerdings enthalten die Malvenblätter sowohl Gerbstoffe als auch Schleimstoffe eher in tiefer Konzentration.

Es gibt tatsächlich einzelne Berichte von Leberschäden durch Gerbstoffpflanzen bei sehr hohen Dosierungen über lange Zeit, zum Beispiel bei exzessivem Konsum von Schwarztee. Aber normalerweise werden Gerbstoffe ja nicht in relevanten Mengen resorbiert.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Probiotika bei Durchfall – ein kurzer Überblick

Dienstag, Februar 28th, 2012

Probiotika (pro bios, für das Leben) sind lebende und im weiteren Sinne auch abgetötete Mikroorganismen, die, wenn sie in genügender Menge aufgenommen werden, dem Wirtsorganismus einen gesundheitlichen Nutzen bringen.

Probiotika können zur Vorbeugung und Behandlung von Durchfallerkrankungen eingesetzt werden. Sie normalisieren dabei die Darmflora, indem sie sich im Darm ansiedeln oder den Aufbau einer gesunden Darmflora begünstigen. Probiotika können schon bei Säuglingen eingesetzt werden.

Als Arzneimittel gegen Durchfallerkrankungen werden verwendet:

- Enterokokken SF 68 (Bioflorin®, Bioflorina®)

Lebende Enterokokken des Stammes SF 68 werden als Probiotika zur Prävention und Therapie von Durchfallerkrankungen eingesetzt. Enterokokken normalisieren die Darmflora, indem sie sich im terminalen Dünndarm und im Dickdarm ansiedeln und dort die Darmflora normalisieren, indem sie unter anderem das Wachstum pathogener Mikroorganismen hemmen. Sie können schon bei Säuglingen eingesetzt werden.

Gleichzeitig eingenommene Antibiotika können die Enterokokken abtöten und damit die Wirkung beeinträchtigen. Antibiotika sollten daher in einem zeitlichen Abstand von 1-2 Stunden eingenommen werden.

- Saccharomyces boulardii (Perenterol®)

Saccharomyces boulardii ist ein Hefepilz, der als Arzneimittel zur Prävention und Therapie von Durchfallerkrankungen verschiedener Ursachen zugelassen ist. Saccharomyces boulardii ist mit der Backhefe eng verwandt und hat antitoxische, entzündungshemmende, antimikrobielle und immunmodulierende Eigenschaften.

Der Pilz ist lebensfähig, siedelt sich jedoch nicht dauerhaft im Darm an, sondern wird innert weniger Tage wieder ausgeschieden.

Unerwünschte Wirkungen kommen selten vor. Saccharomyces boulardii kann im Gegensatz zu anderen Probiotika mit Antibiotika kombiniert werden, da die Antibiotika den Hefepilz nicht schädigen.

Antimykotika können dagegen die Hefepilze abtöten und so die Wirksamkeit des Arzneimittels reduzieren.

Der Name des Pilzes verweist auf seinen Entdecker, den französischen Mikrobiologen Henri Boulard. Er entdeckte ihn im Jahr 1920 in Indochina während einer Choleraepidemie.

- Lactobacillus (Lactoferment®)

Die Milchsäurebakterien haften sehr gut an Zellen der menschlichen Darmschleimhaut. Sie bilden eine Art Biofilm aus und hemmen dadurch den Befall von Darmzellen mit Durchfall auslösenden Mikroorganismen.

Zudem wurde eine direkte antibakterielle Wirkung auf verschiedene Durchfallerreger nachgewiesen. Lactobacillus vermindert die Durchfall verursachenden Bakterien und bewirkt eine unspezifische Immunstimulation der Schleimhäute mit vermehrter Bildung von Antikörpern. Die säurebildende Abwehrflora wird gefördert: Experimente zeigen eine Stimulation des Wachstums der säurebildenden Darmflora. Dies stärkt die körpereigene Darmbarriere.

Quelle: Pharmawiki

Kommentar & Ergänzung:

Probiotika wie Enterokokken (Bioflorin®), Saccharomyces boulardii (Perenterol®) und Lactobacillus (Lactoferment®) sind eine gute Option zur Vorbeugung und Behandlung von Durchfallerkrankungen, etwa als Folge einer Behandlung mit Antibiotika oder gegen Reisediarrhoe.

Sie können auch eingesetzt werden bei Colitis ulcerosa in der Remissionsphase.

Ich selber nehme Perenterol auf jede Chinareise prophylaktisch mit und hatte noch nie Probleme mit infektiösen Durchfallerkrankungen. Allerdings kann ich nicht beurteilen, ob ich auch ohne Perenterol gesundprobiotische Joghurtgeblieben wäre. Und gegen Durchfall aufgrund von scharfen Speisen nützen Probiotika natürlich nicht.

Probiotika in Lebensmitteln

Neben der Anwendung als Arzneimittel werden Probiotika zunehmend auch in Nahrungsmitteln eingesetzt und als gesundheitsfördernd beworben („Verdauung gut, alles gut“). Am bekanntesten sind probiotische Joghurts. Die gesundheitlichen Versprechungen sind dabei oft fragwürdig. Der Ernährungswissenschaftler Martijn Katan (Amsterdam) kam beispielsweise in einer Studie zu dem Schluss, dass sich weder die Häufigkeit noch Art des Stuhles bei Menschen ändert, die den Joghurt Activia assen (Quelle: Wikipedia).

Auch die Versprechungen bezüglich verbesserter Immunabwehr gegen Erkältungen (Actimel) sind unbelegt.

„Umstritten sind vor allem Werbeaussagen, die einen wissenschaftlich belegten gesundheitsfördernden Effekt suggerieren. So wurde von Foodwatch 2009 der Goldene Windbeutel an Actimel verliehen. In einem vierwöchigen Abstimmungsverfahren wählten die deutschen Verbraucher das Produkt im Frühjahr 2009 zur ‚dreistesten Werbelüge des Jahres’. Anne Markwardt von Foodwatch sagte: ‚Actimel schützt nicht vor Erkältungen – es stärkt das Immunsystem nur ähnlich gut wie ein herkömmlicher Naturjoghurt, ist aber viermal so teuer und doppelt so zuckrig.’ Danone behauptet dagegen, dass die Vorwürfe nicht zutreffend seien: Actimel aktiviere nachweislich Abwehrkräfte, ‚das sei in mehr als 30 wissenschaftlichen Studien belegt.’ In Großbritannien wurden Werbespots für das Produkt verboten, da positive Auswirkungen auf die Gesundheit von Kindern unbewiesen seien.

Danone zog 2010 bei der Europäischen Agentur für Lebensmittelsicherheit (EFSA) seine Anträge zurück, mit denen die angeblich gesundheitsfördernden Eigenschaften von Actimel sowie Activia bestätigt werden sollten. Ebenso verzichtete der Konzern in Frankreich und Großbritannien, die angeblich verdauungsfördernde und immunstärkende Wirkung dieser Produkte in Werbespots anzupreisen.“

(Quelle: Wikipedia)

Von Werbeaussagen wie „Die Wirksamkeit ist in 30 wissenschaftlichen Studien belegt“, sollte man sich nicht unnötigerweise allzu stark beeindrucken lassen. Es kommt vor allem auf die Qualität der Studien an, erst in zweiter Linie auf die Quantität.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Weiterbildung: Heilpflanzen-Anwendungen in der Onkologie-Pflege und Palliative-Care

Sonntag, Januar 29th, 2012

Heilpflanzen-Anwendungen eignen sich gut zur Linderung zahlreicher Beschwerden, die als Begleiterscheinung der Tumorerkrankung oder als Folge von Chemotherapie oder Strahlentherapie auftreten. In der Palliative Care ermöglichen Heilpflanzen-Anwendungen Pflegenden in Situationen, in denen sie wenig zur Linderung des Leidens beitragen können, oft noch positive Veränderungen. Auch können sie dadurch den Angehörigen sinnvolle Instrumente in die Hand geben, womit diese im alltäglichen Umgang mit ihren Verwandten ebenfalls handlungsfähiger werden.

Ein Weiterbildungstag in Winterthur liefert dazu das nötige Wissen.

Als Zielgruppe angesprochen sind vor allem Berufsleute aus der Krankenpflege, zum Beispiel aus Onkologie-Stationen oder aus Palliative Care Diensten, aber auch Spitex und Pflegeheimen. Die Seminare sind aber gut verständlich, so dass auch Krebspatienten und ihre Angehörigen sowie weitere Interessierte daraus Nutzen ziehen können. Ebenso willkommen sind Teilnehmende aus Naturheilkunde und Medizin.

Es geht in diesem Weiterbildungstag um Themen wie:

Mundschleimhautentzündung, Durchfall, Verstopfung, Übelkeit / Erbrechen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Stimmungseinbrüche, Blasenentzündung, reduzierte Abwehrkraft, erhöhte Blutungsneigung, Hautschäden / Entzündungen….und um Ihre Fragen zum Thema.

Kursleitung: Martin Koradi

Datum: 14. November 2012

Der Weiterbildungstag basiert auch dem Workshop, den ich über mehrere Jahre an den Tumortagen des Kantonsspitals Winterthur gehalten habe.

Weitere Informationen hier:

Weiterbildung: Heilpflanzen-Anwendungen in Onkologie-Pflege und Palliative Care

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Heilpflanzen-Anwendungen bei Hämorrhoiden

Freitag, Dezember 30th, 2011

Hämorrhoiden sind Erweiterungen der Gefässpolster im Analkanal, die zu Blutungen, Schmerzen und Entzündungen führen können. Zu den möglichen Auslösern zählen ein starkes Pressen bei der Defäkation (Stuhlentleerung), eine Verstopfung und eine Schwangerschaft. Eine ärztliche Diagnose ist nötig, um andere Ursachen auszuschliessen und eine adäquate Behandlung einzuleiten. Zur medikamentösen Therapie werden Ballaststoffe, Venenmittel, Salben und Zäpfchen angewendet. Neben synthetischen Wirkstoffen kommen bei Hämorrhoidenleiden auch Heilpflanzen-Präparate zur Anwendung.

Je nach Ausprägung und Symptomatik kann auch ein kleiner oder grösserer medizinischer Eingriff nötig werden; Hämorrhoiden können jedoch auch von alleine wieder zurückgehen.

Symptome bei Hämorrhoidenleiden

Zu den möglichen Symptomen von Hämorrhoiden zählen:

Blutungen, Blut am Toilettenpapier

Druckbeschwerden, Schmerzen, Brennen

Unangenehmes Gefühl

Entzündungen, Schwellungen, perianale Dermatitis

Juckreiz im Analbereich

Abgang von Schleim, Nässen

Vorfall, Ausstülpungen ausserhalb des Anus (Prolaps)

Hämorrhoiden können nach verschiedenen Kriterien eingeteilt werden. Geläufig ist die Klassifikation nach dem anatomischen Ursprung in innere und äussere Hämorrhoiden. Innere Hämorrhoiden haben ihren Ursprung oberhalb der Grenze zwischen Rektum und Analkanal (Linea dentata), äussere Hämorrhoiden unterhalb. Entsprechend dem Schweregrad des Vorfalls werden Hämorrhoiden in vier Stadien unterteilt.

Komplikationen

Zu den möglichen Komplikationen zählen Stuhlinkontinenz, Thrombosen, Nekrosen und Ulzerationen, die mit starken akuten Schmerzen einhergehen. Eine längerfristige Blutung kann Eisenmangel und Blutarmut zur Folge haben.

Ursachen

Zu den Ursachen von Hämorrhoiden zählen eine Schwächung des Bindegewebes mit zunehmendem Alter, Scherkräfte bei der Passage von hartem Stuhl, starkes Pressen, Stauung des Bluts und unzureichender venöser Blutabfluss sowie ein zu hoher Druck in den Gefässen. Als auslösende Faktoren können dazu kommen eine ballaststoffarme Ernährung und Verstopfung, Übergewicht, eine Schwangerschaft, Bewegungsmangel, langer Aufenthalt auf der Toilette und einige Medikamente wie beispielsweise Phosphodiesterase-5-Hemmer (Viagra), Mittel gegen Durchfall, Abführmittel und Pegvisomant. Nicht-steroidale Entzündungshemmer können Blutungen auslösen.

Diagnose

Die ärztliche Diagnose soll andere Ursachen ausschliessen. Zu den möglichen Differentialdiagnosen zählen Tumore, Analfissuren, Fisteln, Infektionen, Abszesse, Hautfalten, Polypen, Papillen, perianale Thrombosen, Warzen, Trauma und weitere Erkrankungen. Es wird vermutet, dass viele Patienten für sich selbst eine Fehldiagnose machen, weil andere Ursachen, die ähnliche Beschwerden hervorrufen, kaum bekannt sind.

Nicht-medikamentöse Behandlung der Hämorrhoiden

Zentral ist die Regulation des Stuhls durch Ernährungs- und Lebensstilveränderungen. Der Stuhl sollte weder zu flüssig noch zu fest sein. Zu den Empfehlungen zählen:

Ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen

Während der Defäkation nicht pressen und keine schweren Gegenstände anheben

Ergänzend Ballaststoffe zu sich nehmen

Warme und reizarme Sitzbäder ohne Seife

NSAID wenn möglich absetzen

Reizende Gewürze meiden

Ausreichend körperliche Bewegung, nicht zu lange sitzen

Harte Sitzunterlage

Feuchtes Toilettenpapier

Kalte Auflagen zur Schmerzlinderung

Je nach Stadium und Symptomen werden Hämorrhoiden mit kleineren und grösseren Eingriffen therapiert: Sklerosierungstherapie, Infrarottherapie, Ligatur, Operation, Hämorrhoidektomie.

Schlussendlich gehen Hämorrhoiden innert Tagen oder Wochen oft auch wieder von alleine zurück – können jedoch wiederkehrend auftreten.

Orale Therapie mit Heilpflanzen-Präparaten

Innerlich kommen zur Behandlung von Hämorrhoiden oft Heilpflanzen zu Anwendung. Einzig zur Linderung stärkerer Schmerzen werden synthetische Schmerzmittel eingesetzt.

Zur innerlichen Hämorrhoiden-Therapie werden hauptsächlich gut verträgliche Ballaststoffe und Abführmittel bei Verstopfung zur Steigerung des Stuhlvolumens und Erweichung des Stuhls eingesetzt, zum beispielsweise Flohsamen, Indische Flohsamenschalen, Leinsamen und Sterculia.

Einige Venenpräparate mit pflanzlichen oder teilsynthetischen Wirkstoffen sind zur Behandlung von Hämorrhoiden zugelassen, bspw. Flavonoide wie Oxerutin (Venoruton®), Troxerutin (Venutabs®) und Diosmin (Daflon®) sowie Anthocyanoside aus der Heidelbeere (Myrtaven®) und Mäusedornextrakte (Phlebodril®). Auch Rosskastanien-Extrakte kommen zum Einsatz.

Solche Venenpräparate sollen die Kapillaren stärken und ihre Durchlässigkeit reduzieren und entzündlichen Prozessen entgegenwirken.

Ihre Wirksamkeit für die Hämorrhoiden-Therapie ist umstritten.

Orale Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen können kurzfristig zur Schmerzerleichterung angewendet werden.

Lokale medikamentöse Therapie

Hämorrhoidenmittel kommen äusserlich in Form von Salben, Zäpfchen und Tamponaden zur Anwendung. Sie sollen die Symptome wie Juckreiz und Schmerzen lindern, sowie hautpflegend und schmierend wirken. Sie beeinflussen jedoch nicht den Krankheitsverlauf. Die Behandlungsdauer ist für die Selbstmedikation auf 1-2 Wochen begrenzt. Falls die Beschwerden unter der Selbstbehandlung innert 1 – 2 Wochen nicht zurückgehen, ist eine ärztliche Abklärung angezeigt. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen lokaler Hämorrhoidenmittel zählen allergische Reaktionen. Zahlreiche Komponenten von Hämorrhoidenmitteln sind bekannte Allergene wie zum Beispiel Kamille, Lokalanäthetika und Perubalsam.

Welche Stoffe oder Heilpflanzen kommen für die lokale Therapie zur Anwendung?

- Mittel gegen Juckreiz wie Menthol (Hauptbestandteil im Pfefferminzöl) und Kampfer sind angenehm kühlend, juckreizlindernd und schmerzlindernd.

- Synthetische Lokalanästhetika wie Benzocain, Cinchocain, Quinisocain und Lidocain betäuben den Schmerz und hemmen möglicherweise den Juckreiz. Allergische Reaktionen auf diese Stoffe werden allerdings immer wieder beobachtet.

- Sitzbäder mit Kamille sind entzündungshemmend, wobei Kamille allerdings ebenfalls ein bekanntes Allergen ist.

- Glucocorticoide wie Prednisolon, Hydrocortison, Dexamethason und Fluocinolon wirken entzündungshemmend und sekundär gegen Juckreiz. Gemäss der Fachinformation haben diese „chemischen“ Medikamente einen Einfluss auf die Gefässerweiterung und sollen Gefässneubildungen hemmen. Sie sollten nur kurzfristig eingesetzt werden, weil sie die Perianalhaut schädigen können und möglicherweise die Anfälligkeit für Infekte steigern.

- Venenmittel wie zum Beispiel Rosskastanienextrate werden nicht nur systemisch, sondern auch lokal angewandt in Form von Venengelen und Venensalben. Ihr Nutzen in diesem Anwendungsbereich ist unklar.

- Gerbstoffe wie Policresulen, Hamamelis und Eichenrinde wirken zusammenziehend, entzündungshemmend und juckreizlindernd. Bei entzündeten Hämorrhoiden bewährend sich Sitzbäder mit Eichenrinde immer wieder.

Quelle:

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Hämorrhoiden

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Xylitol-Kaugummi reduziert Risiko für Mittelohrentzündung bei Kindern

Dienstag, Dezember 27th, 2011

Xylitol-Kaugummis können das Risiko für Mittelohrentzündungen bei Kindern um bis zu 25 Prozent senken. Die Autoren eines neuen Cochrane-Reviews mit Daten aus Finnland fanden ausreichend Hinweise darauf, dass eine tägliche Dosis von 8,4 Gramm Xylitol eine akute Otitis media (Mittelohrentzündung) bei Kindern bis 12 Jahren verhindern kann, wenn sie nicht gleichzeitig unter einem Infekt der oberen Atemwege leiden. Die Wissenschaftler werteten in ihrem Review vier Studien mit mehr als 3000 Kindern aus, die finnische Tagesbetreuungsstätten besuchten. In den berücksichtigten Studien kauten die Kinder fünfmal täglich nach den Mahlzeiten zwei Stück Kaugummi jeweils während fünf Minuten. Mit Xylitol-haltigen Lutschtabletten und Sirupen ließen sich ähnliche Resultate erzielen.

Der Zuckeralkohol Xylitol wird normalerweise als Zuckerersatz für Diabetiker und als Süßungsmittel mit Antikarieswirkung eingesetzt. Darüber hinaus kann Xylitol jedoch auch die Anheftung von Bakterien wie Streptococcus pneumoniae und Haemophilus influenzae an Zellen des Nasen-Rachen-Raums reduzieren. Das haben In-vitro-Untersuchungen (Laborexperimente) gezeigt.

Schätzungen zufolge machen knapp zwei Drittel aller Kinder schon im ersten Lebensjahr eine akute Mittelohrentzündung durch. Bis zum Alter von drei Jahren sollen vier von fünf Kindern eine solche Erkrankung hinter sich haben. Die Folge ist oft der Einsatz von Antibiotika mit entsprechendem Risiko von Nebenwirkungen, Resistenzbildung und Kosten für das Gesundheitssystem.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=39991&Nachricht_Title=Nachrichten_Kaugummikauen+sch%FCtzt+Kinder+vor+Mittelohrentz%FCndung&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Xylitol ist eine vielfältig wirksame Substanz:

„Xylitol, auch Xylit (auch Birkenzucker genannt), sind Trivialnamen für Pentanpentol, einen Zuckeralkohol, der als Zuckeraustauschstoff (E 967) verwendet wird. Die Entdeckung geht auf den späteren Nobelpreisträger Emil Fischer zurück.

Die Besonderheit an Xylitol ist seine in verschiedenen klinischen Studien nachgewiesene kariostatische und antikariogene Wirkung. Auf einige Säugetiere, vor allem Hunde, wirkt Xylitol dagegen toxisch.“

(Quelle: Wikipedia)

Und zur medizinsichen Bedeutung von Xylitol:

Anti-kariogene Wirkung

Xylitol wurde Anfang der 1970er-Jahre als ein mögliches kariesreduzierendes Kohlenhydrat entdeckt. An der Universität Turku (Finnland) wurden in den Jahren 1972 bis 1975 zwei klinische Studien (bekannt als Turku-Zuckerstudien) durchgeführt, die eine hochsignifikante Reduktion von Karies belegen konnten.

In der ersten, einer zweijährigen Ernährungsstudie wurde Zucker (Saccharose) in allen Lebensmitteln durch Fructose bzw. Xylitol ersetzt. Insgesamt 115 Personen in insgesamt 3 Gruppen nahmen teil. Der Verzehr der Süßmittel belief sich auf 50 bis 67 g pro Tag. Nach der Studie konnte eine Kariesreduktion von 30 % bei Fructose und von über 85 % beim Einsatz von Xylitol ermittelt werden. Zum Vergleich wurde der sogenannte DMFS-Index herangezogen. Die Zunahme des Index war 7,2 in der Saccharose-Gruppe, bei 3,8 in der Fructose-Gruppe und 0,0 in der Xylitolgruppe.

Die zweite Studie wurde gestartet, als bei verschiedenen Probanden während der ersten Studie eine markante Reduktion der DMFS-Werte festgestellt wurden, d. h. dass sie eine sogenannte “Kariesreversion” aufwiesen, wobei bestimmte Kariesläsionen einen Wiedererhärtungsprozess durchgemacht hatten. Rund 100 Personen wurden in Saccharose- und Xylitolgruppen aufgeteilt. Die Süßmittel wurden im Zeitrahmen von einem Jahr in Kaugummis verabreicht, ca. 7 Gramm täglich pro Person. Im Vergleich zur Saccharosegruppe wurde bei den Xylitolprobanden eine Reduktion der Karieszuwachsrate um mehr als 82 % ermittelt. Der Kaueffekt konnte ausgeschlossen werden, da beide Gruppen die gleiche Menge Kaugummi konsumierten. Ein Fazit der Studie ist auch, dass bereits geringe Mengen an Xylitol ausreichen und eine komplette Umstellung des Süßmittels nicht notwendig ist.

Diese Effekte werden dadurch erklärt, dass die kariogenen Streptococcus mutans das Xylitol nicht verstoffwechseln können und damit absterben. Weiterhin werden sie auch daran gehindert, als Plaquebakterien an der Zahnoberfläche anzuheften. Als optimale Xylitolmenge wurden zwischen 5 und 10 Gramm pro Tag in mehreren Portionen ermittelt. Diese kann mittels Kaugummi oder Lutschpastillen aufgenommen werden.

Darüber hinaus regt Xylitol die Speichelproduktion an und fördert die Bildung von Komplexen mit Calcium und Speicheleiweißen in der Mundhöhle, was zu einer Remineralisation von Zahnhartsubstanz führt.

In einer weiteren Turku-Studie aus dem Jahr 2000 wurden die Wechselwirkungen zwischen Müttern, die regelmäßig xylitolhaltige Kaugummis kauten, und ihren Kindern (bis 2 Jahre alt) untersucht. Ergebnis der Untersuchung war, dass der regelmäßige Konsum von Xylitol-Kaugummis durch die Mütter den Befall mit Streptococcus mutans bei den Kindern signifikant hemmt.

Mittelohrentzündungsvorbeugende Wirkung

In einer finnischen Studie wurde nachgewiesen, dass Kinder, die täglich Xylitol als Sirup oder in Form von Gummibonbons erhielten, im Vergleich zu Kindern einer Kontrollgruppe, die das Süßungsmittel nicht erhielt, 30–40 % weniger häufig an einer Mittelohrentzündung erkrankten.

Osteoporosevorbeugende Wirkung

Im Darm bildet Xylitol Komplexe mit Calcium und erleichtert dessen Resorption. Dies könnte ein noch wenig erforschter Weg zur Vorbeugung von Osteoporose sein.“

( Quelle: Wikipedia)

Xylitol kann als Nebenwirkung Durchfall erzeugen, hat aber auch noch andere interessante Eigenschaften:

„Xylitol hat denselben Geschmack und die nahezu gleiche Süßkraft wie Saccharose. Löst sich Xylitol im Mund im Speichel, entzieht es der Umgebung Wärme und erzeugt auf der Zunge einen Kühleffekt (endotherme Lösungswärme) von −153,2 J/g, der ähnlich beschrieben wird wie der erfrischende Geschmack von Menthol.

Der bezogene Nährwert von 10 kJ/g (2,4 kcal/g) ist 40 % geringer als bei Haushaltszucker. Der Stoffwechselweg im menschlichen Körper läuft insulinunabhängig ab, beeinflusst den Blutzucker- und Insulinspiegel nur geringfügig und ist somit für Diabetiker geeignet.

Xylitol ist hitzestabil und karamellisiert nur, wenn es mehrere Minuten auf über 200 °C erhitzt wird. Bei Temperaturen um ca. 100 °C findet keine Karamellisierung statt.

Xylitol ist ein Molekül, das viel Wasser an sich zu binden vermag. Es wird im Dünndarm nur passiv, also langsam und unvollständig resorbiert. Bei regelmäßiger Einnahme kann die Resorptionsrate im Dünndarm durch Enzyminduktion erhöht werden. Bei Einnahme von mehr als 0,5 g Xylitol pro kg Körpergewicht kann eine abführende Wirkung auftreten, welche nach Adaption des Organismus verschwinden kann. Es wurden in Studien Einnahmen von 200 g Xylitol täglich problemlos vertragen. Bei Sorbitol besteht diese Anpassung nicht, daher wirkt Sorbitol immer abführend.

Im Dickdarm wird das restliche Xylitol (etwa 2/3 der eingenommenen Menge) durch Bakterien zerlegt und zu kleinen Fettsäurebestandteilen abgebaut und resorbiert. Diese werden zu Kohlendioxid (CO2) und Wasser verstoffwechselt.“

(Quelle: Wikipedia)

Ob es nun angebracht ist, allen Kindern xylitolhaltige Kaugummis zu empfehlen, darüber kann man geteilter Meinung sein. Gegenüber zuckerhaltigen Süssigkeiten hat Xylitol aber klare Vorteile. Und bei Kindern die zu Mittelohrentzündungen neigen, scheint mir Xylitol ein interessanter Typ. Verhinderte Mittelohrentzündungen sparen Schmerzen und Antibiotika.

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Dronabinol (THC) vermindert Dickdarmbewegungen bei Reizdarmpatienten

Dienstag, Dezember 20th, 2011

Am Institut CENTER für klinische und epidemiologische Erforschung von Darmerkrankungen in Rochester (USA) wurde eine Studie mit 75 Patienten, die an einem Reizdarm litten, durchgeführt, darunter 35 mit Reizdarm und Verstopfung, 35 mit Reizdarm und Durchfall und fünf mit Reizdarm und alternierender Verstopfung und Durchfall. Sie bekamen eine Dosis Plazebo oder 2,5 mg oder 5 mg Dronabinol. Der Wirkstoff in Dronabinol ist Tetrahydrocannabinol (THC), auch bekannt als wichtigster Inhaltsstoff der Cannabispflanze.

Gemessen wurden die Bewegungen des Dickdarms, der Tonus und die Wahrnehmung des Dickdarms im nüchternen Zustand und nach einer Mahlzeit. Ausserdem untersuchten die Forscher verschiedene Genvarianten:

- eine bestimmte Variante des Gens, das den Cannabinoid-1-Rezoptor codiert,

sowie

- eine Variante des Gens, das die Fettsäureamidhydrolase codiert, die für den Abbau des Endocannabinoids Anandamid verantwortlich ist.

Bei allen Patienten verminderte 5 mg Dronabinol die Dickdarmbewegungen im nüchternen Zustand. Die gemessenen Wirkungen waren bei Patienten, die an Durchfall oder wechselnd an Durchfall und Verstopfung litten, am stärksten ausgeprägt. Dronabinol zeigte keine Auswirkung auf den Tonus oder die Wahrnehmung. Die Motilität (Darmbewegungen) war abhängig von den untersuchten Gen-Varianten.

In tierexperimentellen Studien vermindern Dronabinol und andere CB1-Rezeptoragonisten die Darmmotilität. Verglichen mit den Opiaten ist diese Wirkung jedoch nur sehr gering ausgeprägt. Die aktuelle Studie zeigt, dass dieser Effekt vielleicht therapeutisch bei Reizdarm-Patienten mit Durchfall genutzt werden könnte.

Quellen:

- Wong BS, Camilleri M, Busciglio I, Carlson P, Szarka LA, Burton D, Zinsmeister AR. Pharmacogenetic Trial of a Cannabinoid Agonist Shows Reduced Fasting Colonic Motility in Patients with Non-Constipated Irritable Bowel Syndrome. Gastroenterology, 28. Juli 2011 [Elektronische Veröffentlichung vor dem Druck]

- THC Pharm

- http://www.journalmed.de/newsview.php?id=36032

Kommentar & Ergänzung:

Dronabinol zur Linderung der Beschwerden bei Reizdarm – diese Option ist natürlich noch weit entfernt von der Anwendung bei Reizdarm-Patienten.

Dronabinol wird bisher eingesetzt beispielsweise zur Linderung der Spastik bei Multiple-Sklerose-Kranken.

Siehe:

Cannabis als Heilmittel zulassen

Ergänzende Informationen zu Dronabinol (Quelle: Pharmawiki):

Dronabinol, besser bekannt als Tetrahydrocannabinol (THC), ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Cannabinoide, der natürlicherweise im Hanf vorkommt. In der Schweiz ist eine medizinische Anwendung mit einer Ausnahmebewilligung des Bundesamts für Gesundheit möglich. Der Wirkstoff wird vorwiegend als Lösung verabreicht und kann unter anderem gegen Schmerzen, Spastik, Appetitlosigkeit und Übelkeit infolge schwerer Erkrankungen eingesetzt werden. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören psychotrope Effekte, Verdauungsbeschwerden und Herz-Kreislaufstörungen.“

Zur rechtlichen Situation:

„Dronabinol ist ein Betäubungsmittel. Das Bundesamt für Gesundheit kann für die beschränkte medizinische Anwendung eine Ausnahmebewilligung erteilen. Eine solche Bewilligung erfordert einen detaillierten Antrag an die Sektion Grundlagen des BAG.”

Herstellung von Dronabinol:

„Apotheken können Dronabinol-Zubereitungen als Magistralrezeptur selbst herstellen oder in Lohnherstellung herstellen lassen.“

Dabei wird unterschieden zwischen

Öligen Dronabinol-Tropfen 2.5%

und

Dronabinol-Kapseln 2.5 mg, 5 mg,

In der Praxis werden vor allem die Tropfen eingesetzt. Die Kosten für die Therapie sind vergleichsweise hoch. In den Vereinigten Staaten ist Dronabinol in Form von Kapseln im Handel (Marinol®).

Struktur und Eigenschaften von Dronabinol

„Bei Dronabinol handelt es sich um (-)-trans-Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC), ein natürlicher Inhaltsstoff der Hanfpflanze Cannabis sativa L. Dronabinol (C21H30O2, Mr = 314.5 g/mol) ist ein leicht gelbliches, harziges und klebriges Öl, das bei kalter Temperatur aushärtet. Aufgrund seiner hohen Lipophilie ist es in Wasser unlöslich. Zur Zubereitung der Lösungen werden in der Regel mittelkettige Triglyceride oder Sesamöl, für die Kapseln ein Hartfett oder Sesamöl verwendet. Sesamöl hat den Nachteil, dass es oxidationsempfindlich ist.“

Wirkungen von Dronabinol

Dronabinol hat antiemetische, appetitstimulierende, schmerzlindernde, entzündungshemmende, muskelentspannende, dämpfende und psychotrope Wirkungen.

Dronabinol wirkt zentral sympathomimetisch, was die unerwünschten Effekte auf den Herz-Kreislauf erklärt. Die Wirkungen werden mit der Bindung an Cannabinoid-Rezeptoren erklärt und setzen nach etwa 30-60 Minuten ein. Die psychotropen Effekte von Dronabinol halten 4-6 Stunden an, die Appetitstimulation bis zu 24 Stunden.

Indikationen von Dronabinol

„In den USA ist Dronabinol zur Behandlung der Appetitlosigkeit mit Gewichtsverlust bei AIDS-Patienten und als Mittel der 2. Wahl gegen Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit einer Chemotherapie zugelassen. In der Schweiz wird es vorwiegend gegen chronische / neuropathische Schmerzen und Spastik eingesetzt.“

Dosierung von Dronabinol

Entsprechend der Arzneimittel-Fachinformation. Die Dosis muss individuell eingestellt werden.

„Dronabinol wird in der Regel peroral eingenommen. Es kann – ähnlich wie Cannabis – auch inhalativ in Form alkoholischer Lösungen verabreicht werden. Die öligen Tropfen sind geruch- und geschmacklos und werden zu oder nach einer Mahlzeit auf einem Stück Zucker oder Brot, auf einem Butterkeks oder in Joghurt eingenommen. Dabei soll beachtet werden, dass sie nicht wasserlöslich sind und deshalb nicht mit Tee oder Wasser verdünnt werden können. Zur Appetitsteigerung erfolgt die Einnahme vor den Mahlzeiten.“

Welche Kontraindikationen gibt es für Dronabinol?

Dronabinol darf bei Überempfindlichkeit, während der Schwangerschaft und während der Stillzeit nicht angewendet werden. Vorsicht ist nötig bei psychiatrischen Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aufgrund der Verminderung des Reaktionsvermögens ist eine Teilnahme am Strassenverkehr und das Bedienen von Maschinen nicht angezeigt und laut Gesetz verboten. Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen sind zu finden in der Arzneimittel-Fachinformation.

Interaktionen (= Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten)

Mit einer Reihe von Wirkstoffen wurden pharmakodynamische Interaktionen (Wechselwirkungen) beschrieben. Der zentral dämpfende Effekt kann bei gleichzeitiger Verabreichung von Alkohol, Beruhigungsmitteln, Antidepressiva, Schmerzmitteln und Schlafmitteln verstärkt werden. Anticholinergika können die Tachykardie (Herzrasen) verstärken.

Dronabinol besitzt einen hohen First-Pass-Metabolismus und eine schwache Bioverfügbarkeit von 10-20%. Der Wirkstoff wird in der Leber von CYP450 unter anderem zum aktiven Metaboliten 11-OH-Dronabinol biotransformiert. Nach einer Einzeldosis können Dronabinol und seine Umwandlungsprodukte noch 5 Wochen später im Urin und im Stuhl in geringen Konzentrationen nachgewiesen werden.

Unerwünschte Wirkungen von Dronabinol

Die Nebenwirkungen sind dosiabhängig, werden also hauptsächlich bei hohen Dosen beobachtet. Sie lassen sich unter anderem auf die sympathomimetischen und psychotropen Eigenschaften des Wirkstoffs THC zurückführen. Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen zählen Schwäche, Palpitationen, schneller Herzschlag, Gefässerweiterung, Flush, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Oft sind auch zentrale Störungen wie Amnesie, Nervosität, Verwirrung, Paranoia, Euphorie, Halluzinationen, Schläfrigkeit und abnormes Denken.

Das Abhängigkeitspotential wird für die aufgeführten Indikationen als gering bewertet. Dronabinol kann aber abhängig machen und bei hoher Dosis ein Abstinenzsyndrom verursachen, das sich unter anderem in Reizbarkeit, Schlafstörungen und Unruhe zeigt.

Literatur: Siehe Pharmawiki

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