Artikel mit Schlagwort ‘Durchfall’
Sonntag, Januar 29th, 2012
Heilpflanzen-Anwendungen eignen sich gut zur Linderung zahlreicher Beschwerden, die als Begleiterscheinung der Tumorerkrankung oder als Folge von Chemotherapie oder Strahlentherapie auftreten. In der Palliative Care ermöglichen Heilpflanzen-Anwendungen Pflegenden in Situationen, in denen sie wenig zur Linderung des Leidens beitragen können, oft noch positive Veränderungen. Auch können sie dadurch den Angehörigen sinnvolle Instrumente in die Hand geben, womit diese im alltäglichen Umgang mit ihren Verwandten ebenfalls handlungsfähiger werden.
Ein Weiterbildungstag in Winterthur liefert dazu das nötige Wissen.
Als Zielgruppe angesprochen sind vor allem Berufsleute aus der Krankenpflege, zum Beispiel aus Onkologie-Stationen oder aus Palliative Care Diensten, aber auch Spitex und Pflegeheimen. Die Seminare sind aber gut verständlich, so dass auch Krebspatienten und ihre Angehörigen sowie weitere Interessierte daraus Nutzen ziehen können. Ebenso willkommen sind Teilnehmende aus Naturheilkunde und Medizin.
Es geht in diesem Weiterbildungstag um Themen wie:
Mundschleimhautentzündung, Durchfall, Verstopfung, Übelkeit / Erbrechen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, Stimmungseinbrüche, Blasenentzündung, reduzierte Abwehrkraft, erhöhte Blutungsneigung, Hautschäden / Entzündungen….und um Ihre Fragen zum Thema.
Kursleitung: Martin Koradi
Datum: 14. November 2012
Der Weiterbildungstag basiert auch dem Workshop, den ich über mehrere Jahre an den Tumortagen des Kantonsspitals Winterthur gehalten habe.
Weitere Informationen hier:
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik, Palliative Care
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
Tags: Abwehrkraft, Appetitlosigkeit, Blasenentzündung, Blutungsneigung, Chemotherapie, Durchfall, Entzündungen, Erbrechen, erhöhte Blutungsneigung, Gesundheitsberufe, Hautschäden, Heilkräuterkurse, Heilpflanzen-Seminar, Kantonsspital, Kantonsspital Winterthur, Klinik, Krankenpflege, Kräuterexkursionen, Krebspatienten, Linderung, Medizin, Müdigkeit, Mundschleimhautentzündung, Naturheilkunde, Onkologie, Onkologie-Pflege, Onkologie-Stationen, Palliative Care, Pflege, Pflegeheim, Phytotherapie-Ausbildung, reduzierte Abwehrkraft, Schmerzen, Schweiz, Spitex, Stimmungseinbrüche, Strahlentherapie, Tumor, Tumorerkrankungen, Tumortage, Übelkeit, Verstopfung, Weiterbildung, Weiterbildungstag, Winterthur, Workshop, Zürich
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Freitag, Dezember 30th, 2011
Hämorrhoiden sind Erweiterungen der Gefässpolster im Analkanal, die zu Blutungen, Schmerzen und Entzündungen führen können. Zu den möglichen Auslösern zählen ein starkes Pressen bei der Defäkation (Stuhlentleerung), eine Verstopfung und eine Schwangerschaft. Eine ärztliche Diagnose ist nötig, um andere Ursachen auszuschliessen und eine adäquate Behandlung einzuleiten. Zur medikamentösen Therapie werden Ballaststoffe, Venenmittel, Salben und Zäpfchen angewendet. Neben synthetischen Wirkstoffen kommen bei Hämorrhoidenleiden auch Heilpflanzen-Präparate zur Anwendung.
Je nach Ausprägung und Symptomatik kann auch ein kleiner oder grösserer medizinischer Eingriff nötig werden; Hämorrhoiden können jedoch auch von alleine wieder zurückgehen.
Symptome bei Hämorrhoidenleiden
Zu den möglichen Symptomen von Hämorrhoiden zählen:
Blutungen, Blut am Toilettenpapier
Druckbeschwerden, Schmerzen, Brennen
Unangenehmes Gefühl
Entzündungen, Schwellungen, perianale Dermatitis
Juckreiz im Analbereich
Abgang von Schleim, Nässen
Vorfall, Ausstülpungen ausserhalb des Anus (Prolaps)
Hämorrhoiden können nach verschiedenen Kriterien eingeteilt werden. Geläufig ist die Klassifikation nach dem anatomischen Ursprung in innere und äussere Hämorrhoiden. Innere Hämorrhoiden haben ihren Ursprung oberhalb der Grenze zwischen Rektum und Analkanal (Linea dentata), äussere Hämorrhoiden unterhalb. Entsprechend dem Schweregrad des Vorfalls werden Hämorrhoiden in vier Stadien unterteilt.
Komplikationen
Zu den möglichen Komplikationen zählen Stuhlinkontinenz, Thrombosen, Nekrosen und Ulzerationen, die mit starken akuten Schmerzen einhergehen. Eine längerfristige Blutung kann Eisenmangel und Blutarmut zur Folge haben.
Ursachen
Zu den Ursachen von Hämorrhoiden zählen eine Schwächung des Bindegewebes mit zunehmendem Alter, Scherkräfte bei der Passage von hartem Stuhl, starkes Pressen, Stauung des Bluts und unzureichender venöser Blutabfluss sowie ein zu hoher Druck in den Gefässen. Als auslösende Faktoren können dazu kommen eine ballaststoffarme Ernährung und Verstopfung, Übergewicht, eine Schwangerschaft, Bewegungsmangel, langer Aufenthalt auf der Toilette und einige Medikamente wie beispielsweise Phosphodiesterase-5-Hemmer (Viagra), Mittel gegen Durchfall, Abführmittel und Pegvisomant. Nicht-steroidale Entzündungshemmer können Blutungen auslösen.
Diagnose
Die ärztliche Diagnose soll andere Ursachen ausschliessen. Zu den möglichen Differentialdiagnosen zählen Tumore, Analfissuren, Fisteln, Infektionen, Abszesse, Hautfalten, Polypen, Papillen, perianale Thrombosen, Warzen, Trauma und weitere Erkrankungen. Es wird vermutet, dass viele Patienten für sich selbst eine Fehldiagnose machen, weil andere Ursachen, die ähnliche Beschwerden hervorrufen, kaum bekannt sind.
Nicht-medikamentöse Behandlung der Hämorrhoiden
Zentral ist die Regulation des Stuhls durch Ernährungs- und Lebensstilveränderungen. Der Stuhl sollte weder zu flüssig noch zu fest sein. Zu den Empfehlungen zählen:
Ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen
Während der Defäkation nicht pressen und keine schweren Gegenstände anheben
Ergänzend Ballaststoffe zu sich nehmen
Warme und reizarme Sitzbäder ohne Seife
NSAID wenn möglich absetzen
Reizende Gewürze meiden
Ausreichend körperliche Bewegung, nicht zu lange sitzen
Harte Sitzunterlage
Feuchtes Toilettenpapier
Kalte Auflagen zur Schmerzlinderung
Je nach Stadium und Symptomen werden Hämorrhoiden mit kleineren und grösseren Eingriffen therapiert: Sklerosierungstherapie, Infrarottherapie, Ligatur, Operation, Hämorrhoidektomie.
Schlussendlich gehen Hämorrhoiden innert Tagen oder Wochen oft auch wieder von alleine zurück – können jedoch wiederkehrend auftreten.
Orale Therapie mit Heilpflanzen-Präparaten
Innerlich kommen zur Behandlung von Hämorrhoiden oft Heilpflanzen zu Anwendung. Einzig zur Linderung stärkerer Schmerzen werden synthetische Schmerzmittel eingesetzt.
Zur innerlichen Hämorrhoiden-Therapie werden hauptsächlich gut verträgliche Ballaststoffe und Abführmittel bei Verstopfung zur Steigerung des Stuhlvolumens und Erweichung des Stuhls eingesetzt, zum beispielsweise Flohsamen, Indische Flohsamenschalen, Leinsamen und Sterculia.
Einige Venenpräparate mit pflanzlichen oder teilsynthetischen Wirkstoffen sind zur Behandlung von Hämorrhoiden zugelassen, bspw. Flavonoide wie Oxerutin (Venoruton®), Troxerutin (Venutabs®) und Diosmin (Daflon®) sowie Anthocyanoside aus der Heidelbeere (Myrtaven®) und Mäusedornextrakte (Phlebodril®). Auch Rosskastanien-Extrakte kommen zum Einsatz.
Solche Venenpräparate sollen die Kapillaren stärken und ihre Durchlässigkeit reduzieren und entzündlichen Prozessen entgegenwirken.
Ihre Wirksamkeit für die Hämorrhoiden-Therapie ist umstritten.
Orale Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen können kurzfristig zur Schmerzerleichterung angewendet werden.
Lokale medikamentöse Therapie
Hämorrhoidenmittel kommen äusserlich in Form von Salben, Zäpfchen und Tamponaden zur Anwendung. Sie sollen die Symptome wie Juckreiz und Schmerzen lindern, sowie hautpflegend und schmierend wirken. Sie beeinflussen jedoch nicht den Krankheitsverlauf. Die Behandlungsdauer ist für die Selbstmedikation auf 1-2 Wochen begrenzt. Falls die Beschwerden unter der Selbstbehandlung innert 1 – 2 Wochen nicht zurückgehen, ist eine ärztliche Abklärung angezeigt. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen lokaler Hämorrhoidenmittel zählen allergische Reaktionen. Zahlreiche Komponenten von Hämorrhoidenmitteln sind bekannte Allergene wie zum Beispiel Kamille, Lokalanäthetika und Perubalsam.
Welche Stoffe oder Heilpflanzen kommen für die lokale Therapie zur Anwendung?
- Mittel gegen Juckreiz wie Menthol (Hauptbestandteil im Pfefferminzöl) und Kampfer sind angenehm kühlend, juckreizlindernd und schmerzlindernd.
- Synthetische Lokalanästhetika wie Benzocain, Cinchocain, Quinisocain und Lidocain betäuben den Schmerz und hemmen möglicherweise den Juckreiz. Allergische Reaktionen auf diese Stoffe werden allerdings immer wieder beobachtet.
- Sitzbäder mit Kamille sind entzündungshemmend, wobei Kamille allerdings ebenfalls ein bekanntes Allergen ist.
- Glucocorticoide wie Prednisolon, Hydrocortison, Dexamethason und Fluocinolon wirken entzündungshemmend und sekundär gegen Juckreiz. Gemäss der Fachinformation haben diese „chemischen“ Medikamente einen Einfluss auf die Gefässerweiterung und sollen Gefässneubildungen hemmen. Sie sollten nur kurzfristig eingesetzt werden, weil sie die Perianalhaut schädigen können und möglicherweise die Anfälligkeit für Infekte steigern.
- Venenmittel wie zum Beispiel Rosskastanienextrate werden nicht nur systemisch, sondern auch lokal angewandt in Form von Venengelen und Venensalben. Ihr Nutzen in diesem Anwendungsbereich ist unklar.
- Gerbstoffe wie Policresulen, Hamamelis und Eichenrinde wirken zusammenziehend, entzündungshemmend und juckreizlindernd. Bei entzündeten Hämorrhoiden bewährend sich Sitzbäder mit Eichenrinde immer wieder.
Quelle:
http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Hämorrhoiden
Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Dienstag, Dezember 27th, 2011
Xylitol-Kaugummis können das Risiko für Mittelohrentzündungen bei Kindern um bis zu 25 Prozent senken. Die Autoren eines neuen Cochrane-Reviews mit Daten aus Finnland fanden ausreichend Hinweise darauf, dass eine tägliche Dosis von 8,4 Gramm Xylitol eine akute Otitis media (Mittelohrentzündung) bei Kindern bis 12 Jahren verhindern kann, wenn sie nicht gleichzeitig unter einem Infekt der oberen Atemwege leiden. Die Wissenschaftler werteten in ihrem Review vier Studien mit mehr als 3000 Kindern aus, die finnische Tagesbetreuungsstätten besuchten. In den berücksichtigten Studien kauten die Kinder fünfmal täglich nach den Mahlzeiten zwei Stück Kaugummi jeweils während fünf Minuten. Mit Xylitol-haltigen Lutschtabletten und Sirupen ließen sich ähnliche Resultate erzielen.
Der Zuckeralkohol Xylitol wird normalerweise als Zuckerersatz für Diabetiker und als Süßungsmittel mit Antikarieswirkung eingesetzt. Darüber hinaus kann Xylitol jedoch auch die Anheftung von Bakterien wie Streptococcus pneumoniae und Haemophilus influenzae an Zellen des Nasen-Rachen-Raums reduzieren. Das haben In-vitro-Untersuchungen (Laborexperimente) gezeigt.
Schätzungen zufolge machen knapp zwei Drittel aller Kinder schon im ersten Lebensjahr eine akute Mittelohrentzündung durch. Bis zum Alter von drei Jahren sollen vier von fünf Kindern eine solche Erkrankung hinter sich haben. Die Folge ist oft der Einsatz von Antibiotika mit entsprechendem Risiko von Nebenwirkungen, Resistenzbildung und Kosten für das Gesundheitssystem.
Quelle:
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=39991&Nachricht_Title=Nachrichten_Kaugummikauen+sch%FCtzt+Kinder+vor+Mittelohrentz%FCndung&type=0
Kommentar & Ergänzung:
Xylitol ist eine vielfältig wirksame Substanz:
„Xylitol, auch Xylit (auch Birkenzucker genannt), sind Trivialnamen für Pentanpentol, einen Zuckeralkohol, der als Zuckeraustauschstoff (E 967) verwendet wird. Die Entdeckung geht auf den späteren Nobelpreisträger Emil Fischer zurück.
Die Besonderheit an Xylitol ist seine in verschiedenen klinischen Studien nachgewiesene kariostatische und antikariogene Wirkung. Auf einige Säugetiere, vor allem Hunde, wirkt Xylitol dagegen toxisch.“
(Quelle: Wikipedia)
Und zur medizinsichen Bedeutung von Xylitol:
„ Anti-kariogene Wirkung
Xylitol wurde Anfang der 1970er-Jahre als ein mögliches kariesreduzierendes Kohlenhydrat entdeckt. An der Universität Turku (Finnland) wurden in den Jahren 1972 bis 1975 zwei klinische Studien (bekannt als Turku-Zuckerstudien) durchgeführt, die eine hochsignifikante Reduktion von Karies belegen konnten.
In der ersten, einer zweijährigen Ernährungsstudie wurde Zucker (Saccharose) in allen Lebensmitteln durch Fructose bzw. Xylitol ersetzt. Insgesamt 115 Personen in insgesamt 3 Gruppen nahmen teil. Der Verzehr der Süßmittel belief sich auf 50 bis 67 g pro Tag. Nach der Studie konnte eine Kariesreduktion von 30 % bei Fructose und von über 85 % beim Einsatz von Xylitol ermittelt werden. Zum Vergleich wurde der sogenannte DMFS-Index herangezogen. Die Zunahme des Index war 7,2 in der Saccharose-Gruppe, bei 3,8 in der Fructose-Gruppe und 0,0 in der Xylitolgruppe.
Die zweite Studie wurde gestartet, als bei verschiedenen Probanden während der ersten Studie eine markante Reduktion der DMFS-Werte festgestellt wurden, d. h. dass sie eine sogenannte “Kariesreversion” aufwiesen, wobei bestimmte Kariesläsionen einen Wiedererhärtungsprozess durchgemacht hatten. Rund 100 Personen wurden in Saccharose- und Xylitolgruppen aufgeteilt. Die Süßmittel wurden im Zeitrahmen von einem Jahr in Kaugummis verabreicht, ca. 7 Gramm täglich pro Person. Im Vergleich zur Saccharosegruppe wurde bei den Xylitolprobanden eine Reduktion der Karieszuwachsrate um mehr als 82 % ermittelt. Der Kaueffekt konnte ausgeschlossen werden, da beide Gruppen die gleiche Menge Kaugummi konsumierten. Ein Fazit der Studie ist auch, dass bereits geringe Mengen an Xylitol ausreichen und eine komplette Umstellung des Süßmittels nicht notwendig ist.
Diese Effekte werden dadurch erklärt, dass die kariogenen Streptococcus mutans das Xylitol nicht verstoffwechseln können und damit absterben. Weiterhin werden sie auch daran gehindert, als Plaquebakterien an der Zahnoberfläche anzuheften. Als optimale Xylitolmenge wurden zwischen 5 und 10 Gramm pro Tag in mehreren Portionen ermittelt. Diese kann mittels Kaugummi oder Lutschpastillen aufgenommen werden.
Darüber hinaus regt Xylitol die Speichelproduktion an und fördert die Bildung von Komplexen mit Calcium und Speicheleiweißen in der Mundhöhle, was zu einer Remineralisation von Zahnhartsubstanz führt.
In einer weiteren Turku-Studie aus dem Jahr 2000 wurden die Wechselwirkungen zwischen Müttern, die regelmäßig xylitolhaltige Kaugummis kauten, und ihren Kindern (bis 2 Jahre alt) untersucht. Ergebnis der Untersuchung war, dass der regelmäßige Konsum von Xylitol-Kaugummis durch die Mütter den Befall mit Streptococcus mutans bei den Kindern signifikant hemmt.
Mittelohrentzündungsvorbeugende Wirkung
In einer finnischen Studie wurde nachgewiesen, dass Kinder, die täglich Xylitol als Sirup oder in Form von Gummibonbons erhielten, im Vergleich zu Kindern einer Kontrollgruppe, die das Süßungsmittel nicht erhielt, 30–40 % weniger häufig an einer Mittelohrentzündung erkrankten.
Osteoporosevorbeugende Wirkung
Im Darm bildet Xylitol Komplexe mit Calcium und erleichtert dessen Resorption. Dies könnte ein noch wenig erforschter Weg zur Vorbeugung von Osteoporose sein.“
( Quelle: Wikipedia)
Xylitol kann als Nebenwirkung Durchfall erzeugen, hat aber auch noch andere interessante Eigenschaften:
„Xylitol hat denselben Geschmack und die nahezu gleiche Süßkraft wie Saccharose. Löst sich Xylitol im Mund im Speichel, entzieht es der Umgebung Wärme und erzeugt auf der Zunge einen Kühleffekt (endotherme Lösungswärme) von −153,2 J/g, der ähnlich beschrieben wird wie der erfrischende Geschmack von Menthol.
Der bezogene Nährwert von 10 kJ/g (2,4 kcal/g) ist 40 % geringer als bei Haushaltszucker. Der Stoffwechselweg im menschlichen Körper läuft insulinunabhängig ab, beeinflusst den Blutzucker- und Insulinspiegel nur geringfügig und ist somit für Diabetiker geeignet.
Xylitol ist hitzestabil und karamellisiert nur, wenn es mehrere Minuten auf über 200 °C erhitzt wird. Bei Temperaturen um ca. 100 °C findet keine Karamellisierung statt.
Xylitol ist ein Molekül, das viel Wasser an sich zu binden vermag. Es wird im Dünndarm nur passiv, also langsam und unvollständig resorbiert. Bei regelmäßiger Einnahme kann die Resorptionsrate im Dünndarm durch Enzyminduktion erhöht werden. Bei Einnahme von mehr als 0,5 g Xylitol pro kg Körpergewicht kann eine abführende Wirkung auftreten, welche nach Adaption des Organismus verschwinden kann. Es wurden in Studien Einnahmen von 200 g Xylitol täglich problemlos vertragen. Bei Sorbitol besteht diese Anpassung nicht, daher wirkt Sorbitol immer abführend.
Im Dickdarm wird das restliche Xylitol (etwa 2/3 der eingenommenen Menge) durch Bakterien zerlegt und zu kleinen Fettsäurebestandteilen abgebaut und resorbiert. Diese werden zu Kohlendioxid (CO2) und Wasser verstoffwechselt.“
(Quelle: Wikipedia)
Ob es nun angebracht ist, allen Kindern xylitolhaltige Kaugummis zu empfehlen, darüber kann man geteilter Meinung sein. Gegenüber zuckerhaltigen Süssigkeiten hat Xylitol aber klare Vorteile. Und bei Kindern die zu Mittelohrentzündungen neigen, scheint mir Xylitol ein interessanter Typ. Verhinderte Mittelohrentzündungen sparen Schmerzen und Antibiotika.
Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Dienstag, Dezember 20th, 2011
Am Institut CENTER für klinische und epidemiologische Erforschung von Darmerkrankungen in Rochester (USA) wurde eine Studie mit 75 Patienten, die an einem Reizdarm litten, durchgeführt, darunter 35 mit Reizdarm und Verstopfung, 35 mit Reizdarm und Durchfall und fünf mit Reizdarm und alternierender Verstopfung und Durchfall. Sie bekamen eine Dosis Plazebo oder 2,5 mg oder 5 mg Dronabinol. Der Wirkstoff in Dronabinol ist Tetrahydrocannabinol (THC), auch bekannt als wichtigster Inhaltsstoff der Cannabispflanze.
Gemessen wurden die Bewegungen des Dickdarms, der Tonus und die Wahrnehmung des Dickdarms im nüchternen Zustand und nach einer Mahlzeit. Ausserdem untersuchten die Forscher verschiedene Genvarianten:
- eine bestimmte Variante des Gens, das den Cannabinoid-1-Rezoptor codiert,
sowie
- eine Variante des Gens, das die Fettsäureamidhydrolase codiert, die für den Abbau des Endocannabinoids Anandamid verantwortlich ist.
Bei allen Patienten verminderte 5 mg Dronabinol die Dickdarmbewegungen im nüchternen Zustand. Die gemessenen Wirkungen waren bei Patienten, die an Durchfall oder wechselnd an Durchfall und Verstopfung litten, am stärksten ausgeprägt. Dronabinol zeigte keine Auswirkung auf den Tonus oder die Wahrnehmung. Die Motilität (Darmbewegungen) war abhängig von den untersuchten Gen-Varianten.
In tierexperimentellen Studien vermindern Dronabinol und andere CB1-Rezeptoragonisten die Darmmotilität. Verglichen mit den Opiaten ist diese Wirkung jedoch nur sehr gering ausgeprägt. Die aktuelle Studie zeigt, dass dieser Effekt vielleicht therapeutisch bei Reizdarm-Patienten mit Durchfall genutzt werden könnte.
Quellen:
- Wong BS, Camilleri M, Busciglio I, Carlson P, Szarka LA, Burton D, Zinsmeister AR. Pharmacogenetic Trial of a Cannabinoid Agonist Shows Reduced Fasting Colonic Motility in Patients with Non-Constipated Irritable Bowel Syndrome. Gastroenterology, 28. Juli 2011 [Elektronische Veröffentlichung vor dem Druck]
- THC Pharm
- http://www.journalmed.de/newsview.php?id=36032
Kommentar & Ergänzung:
Dronabinol zur Linderung der Beschwerden bei Reizdarm – diese Option ist natürlich noch weit entfernt von der Anwendung bei Reizdarm-Patienten.
Dronabinol wird bisher eingesetzt beispielsweise zur Linderung der Spastik bei Multiple-Sklerose-Kranken.
Siehe:
Cannabis als Heilmittel zulassen
Ergänzende Informationen zu Dronabinol (Quelle: Pharmawiki):
Dronabinol, besser bekannt als Tetrahydrocannabinol (THC), ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Cannabinoide, der natürlicherweise im Hanf vorkommt. In der Schweiz ist eine medizinische Anwendung mit einer Ausnahmebewilligung des Bundesamts für Gesundheit möglich. Der Wirkstoff wird vorwiegend als Lösung verabreicht und kann unter anderem gegen Schmerzen, Spastik, Appetitlosigkeit und Übelkeit infolge schwerer Erkrankungen eingesetzt werden. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören psychotrope Effekte, Verdauungsbeschwerden und Herz-Kreislaufstörungen.“
Zur rechtlichen Situation:
„Dronabinol ist ein Betäubungsmittel. Das Bundesamt für Gesundheit kann für die beschränkte medizinische Anwendung eine Ausnahmebewilligung erteilen. Eine solche Bewilligung erfordert einen detaillierten Antrag an die Sektion Grundlagen des BAG.”
Herstellung von Dronabinol:
„Apotheken können Dronabinol-Zubereitungen als Magistralrezeptur selbst herstellen oder in Lohnherstellung herstellen lassen.“
Dabei wird unterschieden zwischen
Öligen Dronabinol-Tropfen 2.5%
und
Dronabinol-Kapseln 2.5 mg, 5 mg,
In der Praxis werden vor allem die Tropfen eingesetzt. Die Kosten für die Therapie sind vergleichsweise hoch. In den Vereinigten Staaten ist Dronabinol in Form von Kapseln im Handel (Marinol®).
Struktur und Eigenschaften von Dronabinol
„Bei Dronabinol handelt es sich um (-)-trans-Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC), ein natürlicher Inhaltsstoff der Hanfpflanze Cannabis sativa L. Dronabinol (C21H30O2, Mr = 314.5 g/mol) ist ein leicht gelbliches, harziges und klebriges Öl, das bei kalter Temperatur aushärtet. Aufgrund seiner hohen Lipophilie ist es in Wasser unlöslich. Zur Zubereitung der Lösungen werden in der Regel mittelkettige Triglyceride oder Sesamöl, für die Kapseln ein Hartfett oder Sesamöl verwendet. Sesamöl hat den Nachteil, dass es oxidationsempfindlich ist.“
Wirkungen von Dronabinol
Dronabinol hat antiemetische, appetitstimulierende, schmerzlindernde, entzündungshemmende, muskelentspannende, dämpfende und psychotrope Wirkungen.
Dronabinol wirkt zentral sympathomimetisch, was die unerwünschten Effekte auf den Herz-Kreislauf erklärt. Die Wirkungen werden mit der Bindung an Cannabinoid-Rezeptoren erklärt und setzen nach etwa 30-60 Minuten ein. Die psychotropen Effekte von Dronabinol halten 4-6 Stunden an, die Appetitstimulation bis zu 24 Stunden.
Indikationen von Dronabinol
„In den USA ist Dronabinol zur Behandlung der Appetitlosigkeit mit Gewichtsverlust bei AIDS-Patienten und als Mittel der 2. Wahl gegen Übelkeit und Erbrechen im Zusammenhang mit einer Chemotherapie zugelassen. In der Schweiz wird es vorwiegend gegen chronische / neuropathische Schmerzen und Spastik eingesetzt.“
Dosierung von Dronabinol
Entsprechend der Arzneimittel-Fachinformation. Die Dosis muss individuell eingestellt werden.
„Dronabinol wird in der Regel peroral eingenommen. Es kann – ähnlich wie Cannabis – auch inhalativ in Form alkoholischer Lösungen verabreicht werden. Die öligen Tropfen sind geruch- und geschmacklos und werden zu oder nach einer Mahlzeit auf einem Stück Zucker oder Brot, auf einem Butterkeks oder in Joghurt eingenommen. Dabei soll beachtet werden, dass sie nicht wasserlöslich sind und deshalb nicht mit Tee oder Wasser verdünnt werden können. Zur Appetitsteigerung erfolgt die Einnahme vor den Mahlzeiten.“
Welche Kontraindikationen gibt es für Dronabinol?
Dronabinol darf bei Überempfindlichkeit, während der Schwangerschaft und während der Stillzeit nicht angewendet werden. Vorsicht ist nötig bei psychiatrischen Erkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Aufgrund der Verminderung des Reaktionsvermögens ist eine Teilnahme am Strassenverkehr und das Bedienen von Maschinen nicht angezeigt und laut Gesetz verboten. Die vollständigen Vorsichtsmassnahmen sind zu finden in der Arzneimittel-Fachinformation.
Interaktionen (= Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten)
Mit einer Reihe von Wirkstoffen wurden pharmakodynamische Interaktionen (Wechselwirkungen) beschrieben. Der zentral dämpfende Effekt kann bei gleichzeitiger Verabreichung von Alkohol, Beruhigungsmitteln, Antidepressiva, Schmerzmitteln und Schlafmitteln verstärkt werden. Anticholinergika können die Tachykardie (Herzrasen) verstärken.
Dronabinol besitzt einen hohen First-Pass-Metabolismus und eine schwache Bioverfügbarkeit von 10-20%. Der Wirkstoff wird in der Leber von CYP450 unter anderem zum aktiven Metaboliten 11-OH-Dronabinol biotransformiert. Nach einer Einzeldosis können Dronabinol und seine Umwandlungsprodukte noch 5 Wochen später im Urin und im Stuhl in geringen Konzentrationen nachgewiesen werden.
Unerwünschte Wirkungen von Dronabinol
Die Nebenwirkungen sind dosiabhängig, werden also hauptsächlich bei hohen Dosen beobachtet. Sie lassen sich unter anderem auf die sympathomimetischen und psychotropen Eigenschaften des Wirkstoffs THC zurückführen. Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen zählen Schwäche, Palpitationen, schneller Herzschlag, Gefässerweiterung, Flush, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Oft sind auch zentrale Störungen wie Amnesie, Nervosität, Verwirrung, Paranoia, Euphorie, Halluzinationen, Schläfrigkeit und abnormes Denken.
Das Abhängigkeitspotential wird für die aufgeführten Indikationen als gering bewertet. Dronabinol kann aber abhängig machen und bei hoher Dosis ein Abstinenzsyndrom verursachen, das sich unter anderem in Reizbarkeit, Schlafstörungen und Unruhe zeigt.
Literatur: Siehe Pharmawiki
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Mittwoch, Dezember 7th, 2011
Laxantien wie Abführtees, Abführpulver oder Abführkapseln sollen den Körper von „Giften“ befreien, so lautet eine kaum ausrottbare und immer wieder verbreitete Vorstellung. Manche Menschen lassen sogar eine Darmspülung über sich ergehen. Wie steht es da mit unerwünschten Nebenwirkungen?
Die Darmreinigung erfreue sich hauptsächlich im Bereich der Alternativmedizin wachsender Beliebtheit, schreibt Dr. Henrike Ruschewski vom Israelitischen Krankenhaus Hamburg in der Zeitschrift „internistische praxis“. Präparate, die den Darm durchputzen und den Körper entgiften sollen, enthalten beispielsweise Natriumphosphat, Probiotika, Koffein, diverse Pflanzenzubereitungen oder Enzyme. Manche dieser Darmreinigungsmittel sind mit Ballaststoffen und verschiedenen Laxantien angereichert. Diese oral oder rektal anzuwendenden Produkte sollen wahre Wunderwerke vollbringen, versprechen die Werbeslogans.
Auch Darmspülungen werden oft angewendet: Dem Patienten wird im Liegen durch einen Schlauch Wasser (mit oder ohne Zusätze) in das Rektum gespült. Über einen zweiten Schlauch wird die Spülflüssigkeit wieder abgeleitet. Bis zu 60 Liter Wasser fließen bei diesem Vorgang durch den Darm! Manche Patienten lassen sich ihren Darm sogar wiederholt auf diese Art „entgiften“.
Doch die Darmreinigung habe keinen nachgewiesenen Nutzen, sondern zahlreiche unerwünschte Wirkungen, warnt die Autorin. Übelkeit, Erbrechen und Durchfall gehören dabei zu den eher harmlosen Begleiterscheinungen. Beschrieben wurden auch Dehydratation, Störungen im Elektrolythaushalt, akutes Nierenversagen, Pankreatitis, Darmperforation, Herzinsuffizienz und Infektionen.
Einige Kasuistiken berichten sogar über Beckenabszesse, Sepsis und tödliche Ereignisse nach Darmspülungen. Die Darmreinigung ist als obsolet ( = veraltet, überholt) anzusehen, schreibt Dr. Ruschewski. Patienten, die sich für eine solche Darmreinigung interessieren, sollten über die häufigen Nebenwirkungen und den fraglichen Nutzen informiert werden.
Quellen:
H. Ruschewski, int. prax. 2011; 51: 841–843
http://www.medical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=111070&dspaid=962384
Kommentar & Ergänzung:
Es gibt bestimmte Situationen, in denen eine Darmreinigung sinnvoll bzw. nötig ist:
„ Medizinisch notwendige Darmreinigung
Je nach Anforderung an die „Sauberkeit“ des Darmes kommen unterschiedliche Methoden zur Darmreinigung in Betracht. Die dabei gängigste Methode zur Vorbereitung auf diagnostische Maßnahmen, wie z. B. eine Koloskopie oder einen Colon-Kontrasteinlauf, oder zur Operationsvorbereitung ist die orthograde Darmspülung mit einer PEG-Lösung. Der Darm kann auch mit Einläufen und/oder mit Abführmitteln in höherer Dosierung oder auch ohne Verwendung traditioneller Abführmittel mit einer Kombination spezieller Kräutermischungen entleert und gereinigt werden.“
(Quelle: Wikipedia)
Und darüber hinaus gibt es eben fragwürdige bis sehr fragwürdige Anwendungen der Darmreinigung:
„Darmreinigung vor Fastenkuren
Für Fastenkuren spielen immer noch das Glaubersalz (Natriumsulfat) und die Einläufe eine wichtige Rolle. Zu Beginn der Fastenkur und dann alle zwei Tage wird meistens abwechselnd mit Glaubersalz oder dem Einlauf abgeführt, wodurch der Darm von „Schlacken“ befreit werden soll. Ein gesundheitsfördernder Effekt solcher Maßnahmen lässt sich nicht nachweisen.“
(Quelle: Wikipedia)
Immer wenn es um die angebliche Entfernung von „Schlacken“ geht, ist sehr viel Skepsis angebracht. „Schlacken“ sind ein Phantom.
Siehe auch:
Entschlackung – was ist das?
Fasten – entschlacken
Entschlackung – unnötig und ungesund
Schlackenstoffe – ein Phantom macht Karriere
Entgiften und entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen
Entschlackung: Illusionäre Hoffnung auf Gewichtsreduktion
Darmreinigung ist überflüssig bis gefährlich
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Samstag, Dezember 3rd, 2011
Viele Medienberichte zum Thema Komplementärmedizin sind irreführend und verzerrt. Ein Beispiel dafür liefert die Boulevardzeitung „Blick“ in einem Beitrag zur Misteltherapie („Blick“-Zitate kursiv).
Zitat:
„ Was bewirkt das Präparat?
Das Mistelextrakt enthält Eiweissstoffe, die im Körper des Kranken die Produktion von Endorphinen anregen. Das sind Stoffe, die unsere Schmerzen lindern und die Stimmung aufhellen. Zudem stärkt das Heilmittel die körpereigenen Abwehrkräfte, indem es die Produktion der weissen Blutkörperchen anregt. Mit der Misteltherapie lässt sich das Immunsystem so gut stimulieren, dass es auch zur Unterstützung von Chemo- und Strahlentherapie oder Krebsoperationen verwendet wird. In hoher Dosierung tötet das Mittel Krebszellen und stärkt dabei das Immunsystem – im Gegensatz zur Chemotherapie, die Krebszellen tötet und als Nebenwirkung das Immunsystem schwächt.“
Der entscheidende Satz ist dieser:
„In hoher Dosierung tötet das Mittel Krebszellen und stärkt dabei das Immunsystem – im Gegensatz zur Chemotherapie, die Krebszellen tötet und als Nebenwirkung das Immunsystem schwächt.“
Mistel tötet also in hoher Konzentration Krebszellen und stärkt dabei das Immunsystem.
Chemotherapie tötet Krebszellen und schwächt dabei das Immunsystem.
Keine Frage: Gemäss dieser Darstellung ist die Misteltherapie der Chemotherapie vorzuziehen.
Was der Satz verschweigt:
Misteltherapie tötet in hoher Konzentration Krebszellen im Labor an isolierten Geweben oder Zellen. Beim lebenden Menschen ist eine solche Wirkung leider nicht belegt.
Chemotherapie dagegen tötet Krebszellen beim Patienten, schädigt aber leider dabei auch das Immunsystem und andere gesunde Zellen.
Im Labor an isolierten Geweben und Zellen kann man Mistel tatsächlich in sehr hoher Konzentration einwirken lassen. Solche Ergebnisse lassen sich aber nicht einfach auf die Anwendung bei Krebspatienten übertragen.
Wenn man die Angabe „im Labor“ weglässt, erweckt man einen geschönten Eindruck und führt Krebspatientinnen und –patienten in die Irre.
Im weiteren schreibt „Blick“:
„Gibt es Risiken und Nebenwirkungen?
Die Behandlung ist risikoarm. Selten gibt es allergische Reaktionen: Rötung und Schwellung bei der Einstichstelle sind positive Reaktionen, die zur idealen Dosierung des Präparates beitragen.“
Eine sehr geschönte Darstellung.
Hier die andere, vom “blick” ausgeklammerte Seite:
„In niedriger, nichttoxischer Dosierung dominiert die immunstimulierende Wirkung der Mistellektine, aus der nicht auf eine Hemmung des Tumorwachstums geschlossen werden darf. Erst in höheren Konzentrationen, die bereits deutliche unerwünschte Wirkungen hervorrufen, zerstören Lektine und Viscotoxine……..Lektine und Viscotoxine sind nach parenteraler Applikation extrem giftig. Die akute Toxizität ist möglicherweise nicht nur auf die direkte Cytotoxizität der Lektine und Viscotoxine, sondern auch auf die provozierte Ausschüttung von Mediatoren des Immunsystems zurückzuführen.“
(Quelle: http://www.kup.at/db/phytokodex/datenblatt/Mistelkraut.html)
Oder bei Wikipedia:
„Unerwünschte Wirkungen der Misteltherapie betreffen das Herz-Kreislauf-System (Blutdruckabfall oder -anstieg, Verlangsamung des Herzschlags), den Magen-Darm-Trakt (Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Dehydratation), das zentrale Nervensystem (Verwirrtheit, Halluzinationen, epileptische Anfälle) sowie das Immunsystem (Fieber, Anstieg der weißen Blutkörperchen im Blut). In der bisher einzigen randomisierten kontrollierten Studie zur Wirksamkeit des Mistelpräparates Iscador wurde ein beunruhigendes Ausmaß an Toxizität beobachtet. Vor allem fiel eine Zunahme von Gehirnmetastasen beim Iscador-Patientenkollektiv im Vergleich zur Kontrolle auf. Lokale Entzündungsreaktionen an der Injektionsstelle (wie Rötung, Schwellung, Schmerzen) sind häufig. Schwerwiegende Komplikationen sind selten, jedoch wurden einige Todesfälle berichtet. Ursache hierfür können allergische Reaktionen sein, die zu einem anaphylaktischen Schock führen können. Nicht angezeigt ist die Misteltherapie während der Schwangerschaft und in der Stillzeit.“ (Quelle: wikipedia)
Solche Nebenwirkungen scheinen allerdings selten von schwerwiegender Natur zu sein.
Problematischer sind Forschungsergebnisse, die darauf hinweisen, dass eine Misteltherapie bei bestimmten Tumorarten das Wachstum des Tumors steigern könnte.
„Konsequente Grundlagenforschung in den letzten Jahren zeigte, dass die durch Mistellektin I (besser: Viscum album Agglutinin I = VAA I) vermehrt freigesetzten Zytokine in vitro und in vivo (Tiermodelle) die Proliferation von Zellen verschiedener Tumore, Leukämien und Lymphome stimulieren können. In der Literatur finden sich Berichte über negative Effekte von Mistelextrakten bzw. Lektin in der Zellkultur, in Tumorexplantaten, in Tierversuchen und bei klinischer Anwendung. Experimentelle Befunde verweisen auf die realistische Möglichkeit einer Gefährdung zumindestens einzelner Patienten bei bestimmten Tumorarten und/oder -stadien durch lektinbezogene) Mistelanwendung. Die Annahme, dass eine Erhöhung der Serumspiegel dieser Botenstoffe zumindestens bei einzelnen Tumorpatienten negativ mit einer kürzeren Lebenserwartung korreliert ist, hat sich für verschiedene Malignome bestätigt.“
(Quelle: Barbara Burkhard, Anthroposophische Medizin, Pharmazeutische Zeitung, Govi-Verlag 2000).
Ähnlich schreibt Dr. med Jutta Hübner, Sprecherin des Arbeitskreises komplementäre Onkologie der Deutschen Krebsgesellschaft:
„ Die direkte Wirkung auf den Tumor wurde leider noch nicht bewiesen. Unklar ist, ob eine Beeinflussung des Tumorwachstums stattfindet. Mistelextrakt kann das Absterben von Tumorzellen im Reagenzglas fördern. In Tierexperimenten konnte durch die Gabe von Mistel die Ausbreitung von Tumoren vermindert werden. Es liegen aber auch Untersuchungen vor, die für einige Tumorarten im Laborexperiment eine wachstumsfördernde Wirkung zeigten. Auch bei Untersuchungen an Patienten ergaben sich zum Teil ungünstige Ergebnisse…….Bei bestimmten Tumoren wie Melanom, Nierenkarzinom, Lymphom und Leukämien sollte die Mistel auf keinen Fall eingesetzt werden“
(aus: Aloe, Ginkgo, Mistel & Co., Schattauer 2009)
Im weiteren schreibt „Blick“:
„ Was ist das stärkste Argument gegen die Mistelanwendung?
Die Schulmedizin kritisiert, dass die Therapie nie in Doppelblindstudien untersucht wurde. So lange diese wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweise fehlen, gelten Mistelpräparate nicht als Heilmittel gegen Krebs.“
Der Satz: „Die Schulmedizin kritisiert, dass die Therapie nie in Doppelblindstudien untersucht wurde“, ist eine einzige Lüge. Die Misteltherapie wurde in einer ganzen Reihe von Doppelblindstudien untersucht. Die „Schulmedizin“ kritisiert, dass die Qualität der meisten Studien schlecht ist und die Ergebnisse insgesamt nicht überzeugen. Und diese Einschätzung dominiert nicht einfach nur in der “Schulmedizin”. Man findet sie auch in der Phytotherapie-Fachliteratur und bei Jutta Hübner.
„Blick“ verbiegt das „stärkste Argument gegen die Mistelanwendung“.
Sie auch:
Misteltherapie gegen Krebs wirksam?
Weshalb stellt „Blick“ die Misteltherapie derart verzerrt dar?
Zu vermuten ist, dass sich die Zeitung einseitig auf die Angaben der Mistel-Propagandisten stützt. Ausserdem schreibt „Blick“ wohl einfach, was die Leserinnen und Leser gerne hören. Heilungsversprechungen kommen immer gut an. Sie lindern die Angst vor Krebs.
Wer Heilungsversprechungen in Frage stellt, hat da zum vorneherein einen schwereren Stand.
Quelle der „Blick“-Zitate:
http://www.blick.ch/life/ratgeber/das-muessen-sie-ueber-die-therapie-wissen-186039
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Mittwoch, November 16th, 2011
Heilpflanzen-Präparate aus der Phytotherapie oder aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) sind bei Krebspatienten beliebt. Doch manche Mittel können die Wirkung der üblichen Tumortherapie außer Kraft setzten.
Wer an einem bösartigen Tumorleiden erkrankt, muss meist eine Chemotherapie oder Bestrahlung über sich ergehen lassen und Nebenwirkungen wie Erbrechen, Durchfall, Haarausfall und Kachexie in Kauf nehmen – von der psychischen Belastung durch die Krebsdiagnose einmal ganz abgesehen. Da ist es nicht überraschend, dass Tumorpatienten gerne und häufig in Eigenregie zu pflanzlichen Mitteln greifen, um die Nebenwirkungen der Krebstherapie zu reduzieren. Tatsächlich bietet die Phytotherapie in diesem Bereich einige interessante Möglichkeiten.
Siehe dazu:
Heilpflanzen-Anwendungen bei Krebs
Phytotherapie lindert Nebenwirkungen bei Chemotherapie und Bestrahlung
Phytotherapie kann bei Krebs manche Beschwerden lindern
Allerdings sind Heilpflanzen-Präparate nicht immer harmlos und nebenwirkungsfrei. Einige können Pharmakokinetik und Pharmakodynamik von Krebstherapeutika erheblich beeinflussen, indem sie auf das Cytochrom-P450-System oder auf Effluxtransporter wie das P-Glykoprotein einwirken. Doch welche klinisch bedeutsamen Interaktionen (Wechselwirkungen) zwischen Tumortherapeutika und pflanzlichen Präparaten sind bisher bekannt?
Priv.-Doz. Dr. Matthias Unger vom Institut für Pharmazie und Lebensmittelchemie der Universität Würzburg hat dazu in der Zeitschrift „Forschende Komplementärmedizin“ einen informativen Beitrag veröffentlicht.
Dr. Unger nennt als Beispiel die erheblich reduzierte Bioverfügbarkeit der Zytostatika Irinotecan und Imatinib bei Anwendung von Johanniskraut. So wurde in klinischen Untersuchungen die Bioverfügbarkeit von Imatinib um durchschnittlich 30 Prozent und diejenige von Irinotecan sogar um 41 Prozent vermindert, wenn gleichzeitig hyperforinhaltige Johanniskrautpräparate gegeben wurden. Denn diese Pflanzenextrakte steigern die Expression von CYP3A4 und P-Glykoprotein.
Die Inhaltsstoffe von Schisandra-Spezies bewirken das Gegenteil: Sie vermindern die Expression von CYP3A4 und P-Glykoprotein und erhöhen damit die Bioverfügbarkeit von CYP3A4- und P-Glykoprotein-Substraten. So steigerte ein Extrakt aus den Früchten von Schisandra sphenanthera die AUC des Kurzhypnotikums Midazolam um 119 Prozent und die maximale Plasmakonzentration um 86 Prozent.
Bei dem Immunsuppressivum Tacrolimus wird die Bioverfügbarkeit durch Schisandra-Inhaltsstoffe sogar um 164 Prozent gesteigert. Ein weiteres Phytotherapeutikum, das auf CYP-Enzyme einwirkt, ist die Kanadische Gelbwurz (Hydrastis canadensis), die häufig kombinert mit Echinacea bei grippalen Infekten angewendet wird. Zubereitungen aus der Wurzel der Kanadischen Gelbwurz steigern die Toxizität von CYP3A4-Substraten wie Irinotecan und Imatinib und können die Wirkung von Tamoxifen fast gänzlich aufheben.
Interaktionen zwischen Krebsmedikamenten und Heilpflanzen-Präparaten lassen sich nur vermeiden, wenn Ärzte und Apotheker über die beschriebenen Mechanismen Bescheid wissen. Sie sollten Patienten über mögliche Risiken umfassend aufzuklären, fasst Dr. Unger zusammen.
Quellen:
Matthias Unger, Forschende Komplementärmedizin 2011; 18: DOI 10.1159/000330937
http://www.medical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=110983&dspaid=960953
Kommentar & Ergänzung:
Dieser Beitrag zeigt, wie wichtig es ist, dass Patientinnen und Patienten den behandelnden Ärztinnen und Ärzten mitteilen, welche Heilpflanzen-Präparate sie einnehmen.
Dieser Beitrag über Interaktionen zwischen Phytopharmaka und synthetischen Medikamenten ist sehr viel präziser und fundierter als der Beitrag, den ich hier kritisch unter die Lupe genommen habe:
Phytopharmaka: Wechselwirkungen bei Operationen
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Freitag, November 11th, 2011
In den letzten Grippeperioden stellte die Arzneimittelbehörde Swissmedic vermehrt fest, dass von Medizinal- und Fachpersonen nebst der ”normalen” Grippeimpfung eine ”homöopathische Grippeimpfung” empfohlen wurde. Solche Empfehlungen seien irreführend und für Risikopersonen gesundheitsgefährdend schreibt Swissmedic im Newsletter.
Aus Sicht von Swissmedic ist der Begriff „homöopathische Grippeimpfung“ irreführend. Homöopathische Präparate, welche zur Behandlung bestimmter Grippesymptome empfohlen werden, haben nichts mit einer herkömmlichen Impfung zu tun. Gemäss den Grundlagen der klassischen Homöopathie haben Homöopathika in der Regel keine vorbeugende Wirkung.
Sie sollten nach den homöopathischen Vorstellungen also eigentlich erst dann eingesetzt werden, wenn bestimmte krankheitsbezogene Symptome bereits in Erscheinung getreten sind (Auswahl entsprechend Simile- Regel und dem entsprechenden Arzneimittelbild durch eine Medizinal- oder Fachperson mit entsprechender Bewilligung)
Auf die beiden wichtigsten Homöopathika, welche fälschlicherweise teilweise auch von Medizinal- und Fachpersonen in Apotheken und Drogerien als „homöopathische Grippeimpfung“ verkauft werden, geht Swissmedic im Newsletter kurz ein:
„Influenzinum
Bei der Herstellung des homöopathischen Präparats Influenzinum bzw. Influenzinum Nosode wird in der Regel ein Grippeimpfstoff entsprechend den homöopathischen Vorschriften verarbeitet und schrittweise potenziert. Alle homöopathischen Influenzinum-Präparate, welche sich mit einer Swissmedic-Zulassungsnummer im Handel befinden, wurden gemäss der Komplementär- und Phytoarzneimittelverordnung ohne Indikation zugelassenen. Sie dürfen folglich nicht mit Angaben zur Indikation oder Dosierung beworben werden. Werbemittel, wie z. B. Inserate, Handzettel, Packungsbeilagen oder Abgabeständer, Thekensteller und Aufkleber, die diesbezügliche Angaben enthalten, sind unzulässig.
Dies gilt auch für die Influenzinum-Präparate, die sich aktuell noch im Rahmen der Übergangsbestimmungen in Verkehr befinden. Homöopathische Präparate, die ohne Indikationen zugelassen wurden, dürfen nur im Rahmen einer Individualtherapie durch eine entsprechende Medizinal- oder Fachperson gemäss dem passenden Arzneimittelbild empfohlen oder abgegeben werden.
Die Auslobung, die Bewerbung und der Verkauf von Influenzinum als ‚homöopathische Grippeimpfung’ ist folglich nicht zulässig.“
Neben „Influenzinum“ geht Swissmedic auch noch auf „Oscillococcinum“ ein:
„Oscillococcinum
Bei der Herstellung des Präparates werden Entenleber und –herz verarbeitet und entsprechend den homöopathischen Vorschriften schrittweise potenziert (Anas barbariae hepatis et cordis extractum 200K). Das Präparat ist gemäss Patienteninformation für folgende Anwendung zugelassen: ‚Gemäss homöopathischem Arzneimittelbild kann Oscillococcinum zur Vorbeugung einer Grippe, bei beginnenden grippalen Beschwerden sowie bei eingetretener Grippeerkrankung angewendet werden’. Der Verkauf von Oscillococcinum als ‚homöopathische Grippeimpfung’ durch die Vertriebsfirma oder durch den Detailhandel ist nicht zulässig. Diese Angabe deckt sich nicht mit der Zulassung durch Swissmedic. Sie suggeriert, dass das Präparat dieselbe Wirkung wie eine echte Grippeimpfung aufweist. Ein echter Grippeimpfstoff enthält jedoch bestimmte, von der WHO in jedem Jahr neu festgelegte, inaktivierte Influenza-Viren oder deren Bestandteile, löst eine spezifische Immunantwort mit der Produktion spezifischer Antikörper gegen diese Influenza-Viren aus und sorgt dadurch für eine spezifische Schutzwirkung. Oscillococcinum kann diese spezifische Immunantwort nicht auslösen. In der Patienteninformation zu Oscillococcinum wird indirekt auf diesen wichtigen Unterschied aufmerksam gemacht, indem Risikogruppen empfohlen wird, einen Arzt oder eine Ärztin zu konsultieren.“
Quellen:
Swissmedic Schweizerisches Heilmittelinstitut / Newsletter
http://www.sprechzimmer.ch/sprechzimmer/Pharmazeutika/Homoeopathische_Grippeimpfung_Irrefuehrend_und_risikobehaftet.php
Kommentar & Ergänzung:
Zu Influenzinum schreibt das Pharmawiki:
„Influenzinum 9CH (Globuli, Boiron SA) ist ein Arzneimittel aus der Gruppe der Homöopathika, das zur Vorbeugung der Grippe angewandt wird. Aus rational-naturwissenschaftlicher Sicht kann das Medikament nicht wirksam sein. Es handelt sich nicht um eine Impfung.“
Zu Oscillococcinum schreibt das Pharmawiki:
„Oscillococcinum® (Boiron SA) ist in Form von Globuli zu je 6 Dosen x 1 g im Handel. Das Mittel wurde nach dem 1. Weltkrieg vom französischen Arzt Joseph Roy erfunden. Er glaubte im Blut von Grippetoten sogenannte Oscillokokken entdeckt zu haben, die aus zwei Kugeln bestanden und rasch vibrierten. Die Existenz dieser Bakterien konnte später jedoch nie belegt werden. Was genau Roy unter dem Mikroskop sah, ist unbekannt – die Grippe wird bekanntlich von Influenzaviren verursacht, die im Lichtmikroskop unsichtbar bleiben. Oscillococcinum® ist in Frankreich sehr beliebt und gehört dort zu den meistverkauften Arzneimitteln.
Oscillococcinum® Globuli enthalten eine homöopathische Zubereitung der Leber und des Herzens der Ente Anas barbaria, im Jargon bezeichnet als Anas barbariae hepatis et cordis extractum 200 K. Biologisch ist der Speziesname falsch, gemeint ist eigentlich die Moschusente Cairina moschata (frz. Canard de Barbarie), die zur Gattung Cairina und nicht Anas gehört. Bestandteile der Tierorgane sind im fertigen Produkt aufgrund der 200fachen Verdünnung nach Korsakov mit keinem einzigen Molekül mehr enthalten: Die Globuli bestehen aus Zucker und Milchzucker. Gemässs homöopathischem Arzneibild haben die Wirkstoffe eine Art „Abdruck“ hinterlassen, der die Wirkungen vermitteln soll.“
Zu Oscillococcinum siehe auch:
Oscillococcinum gegen Schweinegrippe
Im Bereich Komplementärmedizin fehlt es weitgehend an verbindlichen Qualitätsstandards und Therapieleitlinien. Daher ist es nicht so erstaunlich, wenn die Empfehlungen immer wieder einmal ins Nebulöse oder Grenzenlose abtriften. Die Rede von der „Homöopathischen Grippeimpfung“ ist meines Erachtens eine Täuschung der Konsumentinnen und Konsumenten. Gefährlicher wird es, wenn in Entwicklungsländern Homöopathie zur Malariaprophylaxe, gegen AIDS, Tuberkulose oder Durchfall propagiert wird. Für die Wirksamkeit dieser Behandlungen gibt es keinerlei Belege. Bei solchen Erkrankungen handelt es sich aber um derart ernste Situationen, dass zugunsten der Kranken darauf bestanden werden sollte, dass ausschliesslich Heilmittel eingesetzt werden, deren Wirksamkeit belegt ist. Fragwürdige Organisationen wie die „Homöopathen ohne Grenzen“ machen meines Erachtens auf der Basis von Allheilphantasien Menschenversuche in Entwicklungsländern.
Siehe:
WHO-Warnung vor Homöopathie in Entwicklungsländern
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Mittwoch, November 2nd, 2011
Leidet ein Kind unter chronischen Bauchschmerzen und hat der Kinder- und Jugendarzt andere Krankheiten ausgeschlossen, handelt es sich meist um ein sogenanntes Reizdarmsyndrom. In solchen Fällen können Entspannungstechniken, Joghurt und/oder Pfefferminzölkapseln die Beschwerden lindern. „Das Reizdarmsyndrom macht sich durch wiederholte leichte bis mittelstarke Schmerzen im Bereich des Bauchnabels bemerkbar. Diese Beschwerden treten in manchen Familien gehäuft auf. Vermutlich ist eine Überempfindlichkeit der Schmerznerven im Darm dafür verantwortlich. Wenn sich z.B. bei Stress die Darmbewegungen verstärken, haben betroffene Kinder ‚Bauchweh’“, sagt Dr. Monika Niehaus, Kinder- und Jugendärztin in Weimar, Pressesprecherin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in Thüringen. Blähungen, Durchfall, aber auch Obstipation (Verstopfung) kommen häufig bei Reizdarm vor.
„Eltern sollten mit ihren Kindern Entspannungstechniken wie Atemtechniken, Yoga, Fantasiereisen üben, die helfen, von den Bauchschmerzen abzulenken und Stress zu vermeiden. Manchmal kann auch eine Verhaltenstherapie hilfreich sein. Ob Pfefferminzölkapseln für ihr Kind sinnvoll sind, darüber sollten sich Eltern beim Kinder- und Jugendarzt informieren“, empfiehlt Dr. Niehaus. „Ablenkung statt Verstärkung“ heiße das Motto. Kinder können dadurch lernen mit dem empfindlichen Darm umzugehen, während den Schmerzen selbst möglichst wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird.
Quelle:
http://www.kinderaerzte-im-netz.de/bvkj/aktuelles1/show.php3?id=4030&nodeid=26
Kommentar & Ergänzung:
Reizdarm ist ein sehr vielgestaltiges Phänomen, manchmal sehr belastend, doch ungefährlich, wenn andere Ursachen ausgeschlossen sind.
Hier ein paar vertiefende Informationen zum Reizdarm.
Worum handelt es sich beim Reizdarm?
„In der Medizin (Gastroenterologie) bezeichnet der Begriff Reizdarmsyndrom (RDS) eine Gruppe funktioneller Darmerkrankungen, die eine hohe Prävalenz (Krankheitshäufigkeit in der Bevölkerung) haben und bis zu 50 % der Besuche beim Spezialisten ausmachen. Das Reizdarmsyndrom kann Symptome aller möglichen Darmerkrankungen nachahmen, ist jedoch, wenn diese Erkrankungen ausgeschlossen sind, ungefährlich. Synonyme Begriffe sind Irritables Darmsyndrom (IDS) bzw. Irritable Bowel Syndrome (IBS), Reizkolon, Colon irritabile und ‚nervöser Darm’.“
(Quelle: Wikipedia)
Mit welchen Symptomen zeigt sich ein Reizdarm?
„ Symptome des Reizdarmsyndroms sind Schmerzen oder Unwohlsein im Bauchraum zusammen mit einer Veränderung in den Stuhlgewohnheiten unter Ausschluss einer strukturellen oder biochemischen Ursache. Eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit des Darmes gegenüber mechanischen Reizen ist ein sehr sensitives, weniger spezifisches Zeichen des Reizdarmsyndroms. Je nach Charakter der Schmerzen und der Stuhlgewohnheiten spricht man auch vom spastischen Kolon. Das Reizdarmsyndrom kann in verschiedene Untergruppen klassifiziert werden, dazu gehören Diarrhoe-prädominantes (Durchfall), Obstipations-prädominantes (Verstopfung) Reizdarmsyndrom und Reizdarmsyndrom mit wechselnden Stuhlgewohnheiten. Typisch ist die Überlappung mit chronischen Beckenschmerzen (ursächlich ist dafür wahrscheinlich die Fehldiagnose durch den Gynäkologen), mit Fibromyalgie (chronische Schmerzen, geistige und körperliche Erschöpfung) und psychischen Erkrankungen.“
(Quelle: Wikipedia)
Zu den Behandlungsmöglichkeiten bei Reizdarm:
„ Bei günstiger Symptomatik kann die Behandlung auf eine Diätberatung beschränkt bleiben. Bei verstopfungs-prädominanten RDS können Abführmittel eingenommen werden, bei diarrhoe-prädominantem Reizdarmsyndrom dagegen die Abfuhr hemmende Wirkstoffe. Die Wirksamkeit verschiedener anderer Ansätze, wie Pfefferminzöl, Ballaststoffe oder krampflösende Medikamente belegt eine neue Meta-Untersuchung bekannter Studien.
Als empfehlenswert haben sich wasserlösliche Ballaststoffe wie z. B. Flohsamenschalen herausgestellt. Auch pflanzliche Wirkstoffe wie Pfefferminzöl oder hochkonzentrierter Extrakt aus Melissenblättern haben sich bei Reizdarm bewährt. Es sind die darin auf den Darm beruhigend wirkenden ätherischen Öle, ebenso wie Alkaloide aus Nachtschattengewächsen (Wirkstoff: Butylscopolamin).
Neuere Präparate wie Alosetron und Tegaserod, die zurzeit (August 2011) in Deutschland noch nicht zugelassen sind, werden von der Pharmaindustrie heftig beworben, ihr Nutzen im klinischen Alltag muss sich jedoch erst zeigen. Der Hersteller Novartis hat in den USA den Verkauf des Medikamentes Zelnorm® (Wirkstoff: Tegaserod) gestoppt, das seit Juli 2002 zur Behandlung des Reizdarmsyndroms (Colon irritabile) zugelassen war. Grund ist eine aktuelle Auswertung von Studienergebnissen, die ein erhöhtes Risiko von kardiovaskulären (Herz-Kreislauf) Komplikationen gegenüber einem Placebo ergab.
Psychotherapie ist eine Behandlungsform für das Reizdarmsyndrom bei den Patienten, bei denen eine psychische Komorbidität besteht. Funktionelle Darmkrankheiten gehören zu den psychosomatischen Krankheiten und hängen von daher meist mit psychischen Prozessen zusammen. Trotzdem sind viele Patienten nicht bereit, eine solche Therapie zu beginnen. Es gibt unterschiedliche Psychotherapie-Formen, wobei die Wirkung oft unabhängig von der Therapieform ist (Psychoanalyse, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Verhaltenstherapie, Hypnose, Gesprächstherapie, Gruppentherapie). Auch der Gebrauch von Antidepressiva ist eine Möglichkeit, z. B. Amitriptylin in niedriger Dosierung. Sie unterdrücken die Schmerzen und wirken sich bei manchen Patienten positiv auf die Darmmotilität aus.“
(Quelle: Wikipedia)
Aber konzentrieren wir uns zum Schluss auf die Phytotherapie bei Reizdarm. Im Vordergrund stehen das Pfefferminzöl (in Kapselform), es lindert Bauchkrämpfe und Bauchmerzen, sowie Flohsamen / Flohsamenschalen zur Regulation von Verstopfung und/oder Durchfall.
Weitere Info:
Pfefferminzöl bei Reizdarm schmerzlindernd
Pflanzenheilkunde bei Reizdarm: Pfefferminze, Kümmel, Fenchel, Anis, Flohsamen
Phytotherapie bei Reizdarm
Kinderheilkunde: Heilpflanzen-Kombination gegen Bauchbeschwerden
Reizdarmsyndrom – Flohsamen und Pfefferminzöl top - Kleie flop
Mögliche Ursache des Reizdarmsyndroms entdeckt
Phytotherapie: Wirksame Behandlung bei Reizdarm und funktioneller Dyspepsie
Ballaststoffe bessern Reizdarmsyndrom
Reizdarm: Ausgewogene Kost und Entspannung hilft
Phytotherapie: Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom
Phytotherapie bewährt bei Reizdarmsyndrom (Colon irritabile)
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Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
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Dienstag, November 1st, 2011
Die Heidelbeerfrüchte (Myrtilli fructus) gehören zu den Heilpflanzen mit Tradition. Die Volksmedizin verwendet Heidelbeeren innerlich als Heidelbeertinktur oder Heidelbeergeist (zwei bis drei Handvoll Heidelbeeren mit gutem Branntwein angesetzt) gegen Enteritis, eine akute, bakteriell verursachte Darmentzündung. Hildegard von Bingen und Pfarrer Sebastian Kneipp schworen auf die speziellen Heilkräfte der Heidelbeere bei Durchfällen. Empfohlen werden getrocknete Heidelbeeren vor allem auch als mildes Mittel gegen Durchfall (Antidiarrhoikum) bei Kindern.
Das wirksamkeitsbestimmende Prinzip der Heidelbeeren sind die bis zu zehn Prozent enthaltenen Gerbstoffe vom Katechintyp und Anthocyanidine als biogene Vorstufe. Diese Inhaltsstoffe wirken adstringierend (zusammenziehend) und bilden eine Eiweissmembran an körpereigenen Darmzellen, die das Eindringen fremder Bakterien erschweren. Die Durchfallerreger werden in ihrer Wirkung gehemmt. Die Schutzschicht wirkt entzündungshemmend und reizmildernd auf Angriffe pathogener Keime und hemmend auf übermäßige Darmperistaltik. Der entzündungshemmende Effekt wurde in vitro (im Reagenzglas, im Labor) nachgewiesen.
Weitere Inhaltsstoffe der Heidelbeerfrüchte sind Flavonoide vom Quercetintyp, Anthocyane, Phenolkarbonsäuren und hohe Konzentrationen an B-Vitaminen und Vitamin C. Mehrere dieser Wirkstoffe zeigen einen positiven Effekt auf Entzündungsprozesse in Körper. Neben der innerlichen Anwendung als Antidiarrhoikum (Durchfallmittel) kann die Heidelbeere äußerlich in Form von Infus (Aufguss) oder Tinktur als Heilmittel verwendet werden. Die antientzündliche Wirkung dieser Zubereitungen ist speziell bei Akne oder Hämorrhoiden wirksam. In der Volksheilkunde werden die frisch zerquetschten Heidelbeeren direkt auf Pusteln und Abszesse aufgetragen und fördern dort örtlich die Abheilung entzündlicher Prozesse.
Weniger bekannt als Heilpflanze sind die Heidelbeerblätter. Sie sollen stoffwechselregulierend und blutreinigend wirken und tauchen als Bestandteil einiger „Antidiabetes-Tees“ auf. Eine antidiabetische Wirkung auf Grund des hohen Gehalts an Chrom, das einen wesentlichen Faktor in der Glukosetoleranz des menschlichen Organismus darstellt, ist in Diskussion. Spülungen mit Frischpflanzensaft oder Kauen der Heidelbeerblätter soll ein probates Mittel gegen Mundgeruch sein und bei Schleimhautläsionen des Zahnhalteapparats helfen. Frische oder getrocknete Heidelbeeren können ebenfalls als Schleimhautprotektivum angewendet werden. Eine Blaufärbung der Zunge soll mit Zitronensaft leicht rückgängig zu machen sein.
Quelle:
http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=110299&dspaid=953758
Kommentar & Ergänzung:
Heidelbeerblätter würde ich innerlich gar nicht empfehlen, vor allem nicht als „Diabetestee“.
Getrocknete Heidelbeeren gegen Durchfall ist in der Phytotherapie ein Klassiker.
Phytotherapie: Heidelbeertee gegen Durchfall
Die Anthocyane in den Heidelbeeren ( = blaue Farbstoffe) zeigen interessante Wirkungen gegen Entzündungen.
Zur Wirkung von Anthocyanen aus Heidelbeeren
Parkinson vorbeugen durch Holunderbeeren, Heidelbeeren, Kirschen, Auberginen?
Anthocyane als Entzündungshemmer
Anthocyane aus Beeren mit MAO-Hemmer-Effekt
Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker
Farbstoffe aus Heidelbeeren hemmen Entzündungen
Anthocyane aus Heidelbeeren sind zudem Bestandteil von Myrtaven, einem rezeptpflichtigen Arzneimittel, das zum Beispiel in der Augenheilkunde eingesetzt wird bei Netzhauterkrankung und Nachtblindheit.
Interessant im oben vorgestellten ist für mich im übrigen die Anwendung von frisch zerquetschten Heidelbeeren direkt auf Pusteln und Abszesse. Ob das auch lokal bei Akne hilft? Ebenso interessant ist die Anwendung bei Schleimhautläsionen im Mundraum (Mundschleimhautentzündung?).
Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:
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Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:
moodle.heilpflanzen-info.ch/
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