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Neues Infoportal zum Thema Ernährung und Krebs

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Die Arbeitsgruppe „Ernährung und Krebs“ des Tumorzentrums München (TZM) hat ein neues Infoportal online gestellt. Darin werden wissenschaftlich fundierte Informationen rund um das Thema „Ernährung und Krebs“ gebündelt und praktische Hilfestellung gegeben. Schwerpunkte sind die Themen Übergewicht sowie Ernährungstherapie bei Gewichtsverlust und Mangelernährung.

Ob zur Vorbeugung oder während der Therapie: Die Ernährung kann die Entstehung und den Verlauf von Krebserkrankungen beeinflussen. Das TZM-Infoportal www.ernaehrung-krebs-tzm.de richtet sich deshalb an Betroffene sowie an Personen, der mit Ernährung Krebs vorbeugen möchte.

 

Quelle:

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=48328

Tumorzentrum München

 

Kommentar & Ergänzung:

Ernährungstipps und Krebsdiäten boomen, doch nur wenige davon basieren auf gesicherten Erkenntnissen. Für Krebspatientinnen und –patienten ist es alles andere als leicht, sich in diesem Dschungel zurecht zu finden. Das neue Infoportal bietet hier sinnvolle Unterstützung.

Im Infoportal sind auch Stellungnahmen zu finden zu umstrittenen „Krebsdiäten“ wie: Krebskur total nach Breuss, Gerson-Diät, Krebsdiät nach Budwig, Krebsdiät nach Coy, Ketogene Diät, Säure-Basen-Diät.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

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„Naturheilkunde: Wenn Eltern ihre Kinder gefährden“

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Unter dieser Schlagzeile publizierte die „Süddeutsche“ kürzlich einen Bericht zur Verhandlung des Bundesgerichtshofes gegen eine Mutter und ihren Lebenspartner, die ihren Kilian mit stundenlanger Meditation, strenger Diät und Ananas-Papayasaft, aber ohne wirksame Medikamente gegen seine Krankheit kämpfen liessen, wodurch seine Lunge mehr und mehr verschleimte. Der Junge litt an Mukoviszidose und wäre dringend auf Medikamente angewiesen gewesen.

Ausserdem musste Kilian immer wieder fasten, obwohl bei Mukoviszidose kalorienreiche Ernährung nötig ist. Er wog schließlich nur noch knapp 30 Kilogramm – 20 Kilo weniger als für seine Größe normal.

Nur die Flucht zu seinem leiblichen Vater habe den damals 15-Jährigen vor dem sicheren Tod bewahrt, so der Richter – und die Medikamente, die er dann wieder bekam.

Die Mutter und ihr Lebensgefährte hätten sich der schweren Misshandlung von Schutzbefohlenen schuldig gemacht, fand das Gericht. Sie müssen wegen Misshandlung ins Gefängnis.

Der Angeklagte ist als „Guru von Lonnerstadt“ bekanntgeworden. Er bezeichnet sich selbst als „Lehrer der zeitlosen Weisheit“. Offenbar waren er und seine Partnerin davon überzeugt, die Krankheit mit ihren Naturheilverfahren heilen zu können – was sich als fataler Irrtum erwies.

Eingesehen haben sie ihren Irrtum und ihre Schuld aber noch nicht.

Und hier kommt die Schlagzeile der „Süddeutschen“ ins Spiel: Können Eltern ihre Kinder durch Naturheilkunde gefährden?

Eine Antwort darauf gibt im Beitrag Edzard Ernst, emeritierter Professor für Alternativmedizin an der Universität im britischen Exeter:

„Viele Alternativbehandlungen sind harmlos. Aber leider sind die Behandler nicht immer harmlos.“

Nämlich dann, wenn sie ihre Kompetenzen überschreiten, Diagnosen verkennen oder lebensrettende schulmedizinische Behandlungen unterlassen.

 

Quelle:

http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/naturheilkunde-glauben-mit-nebenwirkungen-1.2594935

http://www.infranken.de/regional/erlangenhoechstadt/Guru-aus-Lonnerstadt-erneut-vor-Gericht;art215,1109588

 

Kommentar & Ergänzung:

Edzard Ernst bringt es auf den Punkt: Es sind weniger die Behandlungen selbst, die mit Risiken verbunden sind (obwohl auch das möglich ist). Entscheidender ist die Haltung der Behandlerinnen oder Behandler. Und dazu muss ich sagen, dass mir im Verlaufe von rund 30 Jahren, in denen ich mich in den Bereichen Naturheilkunde, Komplementärmedizin und Alternativmedizin bewege, wirklich viele Behandlerinnen und Behandler über den Weg gelaufen sind, bei denen ich grosse Zweifel habe, ob sie ihre Grenzen kennen. Ich vermisse in diesen Bereichen über weite Strecken eine ernsthafte Auseinandersetzung und Diskussion über Grenzen der eigenen Methoden. Ich treffe auf Allmachtsvorstellungen noch und noch und auf narzisstisch verstiegene Guru-Figuren wie diesen unsäglichen selbsternannten „Lehrer der zeitlosen Weisheit“, der in seiner Verblendung das Leben eines Kindes aufs Spiel setzt.

Konsumentinnen und Konsumenten kann man da nur entschieden zu kritischer Wachsamkeit raten. Je grösser die Versprechungen, desto unseriöser in der Regel das Angebot.

Siehe auch:

Naturheilkunde braucht kritische Auseinandersetzung

Naturheilkunde: Sorgfältig prüfen lernen

Komplementärmedizin: Woran erkennen Sie fragwürdige Aussagen?

Heilpflanzenkurse: Die Checkliste – so prüfen Sie Qualität

Komplementärmedizin: Mehr Argumente, weniger fraglose Gläubigkeit

Pflanzenheilkunde: Kritische Reflexion statt Missionarismus

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Viele Ernährungsstudien mit wenig Aussagekraft

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Untersuchungen zur Frage der gesunden Ernährung gibt es zuhauf. Doch sind die Schlussfolgerungen der meisten Studien fragwürdig. Um wirklich herauszufinden, welche Ernährung die Gesundheit schützt, wären riesige, teure Studien nötig.

In der ÄrzteZeitung brachte Beate Schumacher vor einiger Zeit die Problematik der Situation auf den Punkt:

„Das Risiko für Myokardinfarkt und Schlaganfall lässt sich um 39 Prozent senken, wenn man täglich acht Gramm Schokolade nascht. Alternativ kann man auch Nüsse knabbern – damit geht die Herzinfarktrate um 48 Prozent zurück. Oder wenigstens einmal in der Woche fetten Fisch auf den Tisch bringen: macht 44 Prozent weniger Infarkte.“

Die genannten und vielfach berichteten relativen Risikoreduktionen stammen aus Beobachtungsstudien, die solche Schlussfolgerungen eigentlich gar nicht zulassen, stellt Schumacher klar.

Mithilfe von Beobachtungsstudien könne nur festgestellt werden, ob zwei Konstellationen besonders häufig gemeinsam auftreten. Aus einem solchen Zusammentreffen lasse sich jedoch kein ursächlicher Zusammenhang ableiten. Wenn eine Beobachtungsstudie ergebe, dass ältere Männer, die das Frühstück ausfallen lassen, häufiger einen Herzinfarkt erleiden, bedeutet dies eben nicht, dass Frühstücken vor dem Infarkt schützt.

Es könnte ja auch sein, dass sich gestresste und daher infarktgefährdete Menschen einfach nur nicht die Zeit für eine Morgenmahlzeit nehmen.

Solche Korrelationen zu Kausalitäten umzudeuten sei unzulässig, werde aber trotzdem oft gemacht.

Neben dieser eingeschränkten Aussagekraft aller Beobachtungsstudien kommt bei Ernährungsstudien als spezielle Schwierigkeit dazu, dass Essverhalten der Probanden in der Regel von den Studienteilnehmern erfragt wird und die Ergebnisse daher von deren Gedächtnis beeinflusst werden. Und dieses ist nicht immer zuverlässig. So fanden sich beispielsweise in verschiedenen Studien unphysiologisch tiefe Angaben zur Energieaufnahme.

Darüber hinaus scheinen Abhängigkeiten die Resultate mancher Ernährungsstudien zu beeinflussen. Beispielsweise wird der Limonadenkonsum zwar in 80 Prozent aller epidemiologischen Studien mit einer Gewichtszunahme in Verbindung gebracht. Beschränkt man sich aber auf diejenigen Studien, die von den Getränkeherstellern unterstützt wurden, dann finden ebenfalls 80 Prozent keinen derartigen Zusammenhang.

Besonders anfällig für systematische Verzerrungen sind Beobachtungsstudien mit erwartbar kleinen Effekten, wie es in der Primärprävention mit einzelnen Nahrungsmitteln der Fall ist.

Jeder Störfaktor oder jede Ungleichheit in den Patientengruppen kann so ein statistisches Rauschen verursachen, das den eigentlichen Effekt weit übertrifft.

Aussagekräftiger wären große prospektive Studien

Damit die Ernährungsforschung ernst zu nehmende Resultate liefern könne, seien mehr randomisierte kontrollierte Studien nötig. Davon sind viele Fachleute überzeugt.

Das heisst: Es braucht eine Gruppe, die über lange Zeit eine bestimmte, genau definierte Ernährungsweise einhält, und eine Kontrollgruppe, die sich anders ernährt. Und es muss per Zufall entschieden werden ( = Randomisierung), wer welcher Gruppe zugeteilt wird.

Nur mit riesigen Langzeitstudien unter randomisierten kontrollierten Bedingungen werde es letztlich möglich sein, herauszufinden, mit welcher Ernährungsweise sich die Sterblichkeit reduzieren lässt. Solche Studien seien extrem aufwendig und teuer. Am Ernährungsverhalten insgesamt werden sie vermutlich trotzdem nicht viel ändern, schreibt Beate Schumacher.

Auch heute schon wisse man, dass eine ausgeglichene normokalorische Diät eine Adipositas mit ihren tödlichen Folgen verhindern kann. Dennoch seien 23 Prozent der Deutschen fettsüchtig. Wenn es für die Ernährungsberatung nicht genügend Geld gebe, sei die Ernährungsforschung wenig wert.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/adipositas/article/855000/leitartikel-ernaehrung-viele-studien-naehrwert.html?sh=19&h=-906492551

 

Kommentar & Ergänzung:

Aus Beobachtungsstudien werden tatsächlich nicht selten voreilig Schlüsse gezogen.

Man erfasst über lange Zeiträume die Ernährungsgewohnheiten einer Gruppe von Menschen (nach deren Angaben), und sucht dann Zusammenhänge zwischen bestimmten Nahrungsbestandteilen und dem Auftreten bestimmter Krankheiten.

So findet man dann beispielsweise heraus: Wer viel Anthocyane einnimmt – das sind blaue und rote Farbstoffe aus Beeren – hat ein tieferes Parkinsonrisiko.

Wer nun daraus schliesst: „Anthocyane schützen vor Parkinson“, liegt möglicherweise falsch. Vielleicht leben Leute, die viele Beeren essen, auch in anderen Bereichen gesünder, und es gibt andere Faktoren, die für das tiefere Parkinsonrisiko verantwortlich sind.

Mehr dazu hier:

Schützen Flavonoide aus Beeren vor Parkinson?

Die kritische Einschätzung von Beobachtungsstudien, die Beate Schumacher in der AerzteZeitung vornimmt, ist daher sehr berechtigt.

Aber die grossen, randomisierten, kontrollierten Langzeitstudien, die mehr fundierte Erkenntnisse in die Ernährungsforschung bringen sollen, sind alles andere als einfach zu realisieren.

Wer lässt sich schon per Zufall auf eine bestimmte Ernährungsform festlegen und hält die dann über Jahre durch?

Und so sieht es ganz danach aus, dass wir im Bereich der Ernährungslehren noch lange auf zweifelsfrei gesicherte Erkenntnisse warten müssen – wenn es sie denn je geben sollte. Vielleicht ist das ja gar nicht einmal so schlecht. Wenn allen klar ist, dass die vorliegenden Erkenntnisse nur begrenzte Aussagekraft haben, dann schützt das möglicherweise auch vor Dogmatismus, also vor der Absolutsetzung bestimmter Diäten oder Ernährungsweisen. Das setzt allerdings voraus, dass wir immer wieder lernen, auch ohne absolute Wahrheiten zu leben.

Wichtig wäre in diesem Zusammenhang vor allem noch, dass bei der Berichterstattung über Forschungsergebnisse auch die jeweiligen Limitierungen der zugrundeliegenden Studien mitgeliefert werden.

Die Verwechslung von Korrelation mit Kausalität, die Beate Schumacher beschreibt, ist im Übrigen nicht nur in der Ernährungsforschung ein oft vorkommender Fehlschluss, sondern genauso auch bei der Beurteilung der Wirksamkeit von Heilmitteln.

Siehe dazu:

Komplementärmedizin: Der Post-hoc-ergo-propter-hoc-Fehlschluss als häufige Irrtumsquelle 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Ballaststoffe als Appetitzügler?

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Acetate – ein Abbauprodukt von Ballaststoffen im Darm – sollen als natürliche Appetitzügler wirken – auch ohne Diät. Das jedenfalls legt eine Studie nahe, die in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ publiziert wurde.

Ballaststoffe gelten als gesund und dämpfen den Hunger. Aber warum tun sie das? Diese Frage hat nun ein internationales Forscherteam untersucht.

Demnach sollen Acetate, die im Darm aus Pflanzenfasern entstehen, der entscheidende Appetitzügler sein. Verabreichten die Forscher Mäusen diesen Stoff pur, fraßen die Tiere weniger und nahmen ab – ganz ohne Ballaststoffe. Sollte dieser Effekt auch beim Menschen so funktionieren, könnte dieser Stoff künftig Übergewichtigen beim Abnehmen helfen, schreiben die Forscher im Fachmagazin „Nature Communications“.

Unser Stoffwechsel ist eigentlich nicht eingerichtet für die ständige Zufuhr von energiereicher und ballaststoffarmer Nahrung. Denn unsere Vorfahren aßen noch hauptsächlich faserreiche Pflanzenkost. Die steinzeitliche Nahrung enthielt Schätzungen zufolge mehr als 100 Gramm Ballaststoffe täglich, die heutige Aufnahme in westlichen Ländern liegt hingegen nur zwischen 10 und 20 Gramm pro Tag.

Weniger Hunger nach Zufuhr von Ballaststoffen

Die schwerer verdaulichen Kohlenhydrat-Fasern werden im Darm von gewissen Mikroorganismen aufgeschlossen und fermentiert. Dadurch wird der Stoffwechsel günstig beeinflusst beeinflusst, wie Studien gezeigt haben:

Ballaststoffreiche Ernährung reduziert den Appetit und hilft so, abzunehmen.

Unklar war bisher, wodurch dieser Effekt zustande kommt. Aus Experimenten mit Mäusen und Ratten gab es zwar Hinweise darauf, dass die Verdauung dieser Fasern im Darm appetitzügelnde Botenstoffe freisetzt. Beim Menschen konnte ein solcher Effekt jedoch nicht nachgewiesen werden.

Das Forschungsteam um Garry Frost hatten jedoch einen anderen Mechanismus im Verdacht und konzentrierten sich in seiner Studie auf kurzkettige Fettsäure-Acetate. Diese chemischen Verbindungen entstehen in großer Menge im Darm, wenn Ballaststoffe von Darmmikroorganismen fermentiert werden. Um herauszufinden, ob die Acetate der entscheidende Appetithemmer sind, injizierten die Wissenschaftler Mäusen eine Acetat-Lösung direkt in den Darm oder in den Blutkreislauf. Danach beobachteten sie, wie viel die Mäuse anschliessend fraßen.

Acetat wirkt als Appetitzügler

Das Resultat: Hatten die Mäuse eine Acetat-Injektion bekommen, war ihr Appetit mehrere Stunden lang reduziert. Das sonstige Verhalten der Tiere und auch ihr Zuckerstoffwechsel veränderten sich jedoch nicht, wie die Wissenschaftler feststellten. Detailliertere Untersuchungen des Hirnstoffwechsels gaben auch Hinweise darauf, auf welche Art die Acetate den Appetit beeinflussen. Dabei zeigte sich, dass diese Abbauprodukte fermentierter Ballaststoffe über den Blutkreislauf bis ins Gehirn gelangen. Dort reichern sie sich hauptsächlich im Hypothalamus an – einem für die Steuerung des Stoffwechsels und des Hungergefühls wichtigen Zentrum.

Das sei das erste Mal, dass eine solche bevorzugte Aufnahme von Acetat in den Hypothalamus nachgewiesen wurde, erklären die Wissenschaftler. Als Folge dieser Acetat-Aufnahme stieg kurz darauf der Gehalt eines appetithemmenden Neuropeptids um das Vierfache an, während andere Botenstoffe deaktiviert wurden. Diese Daten zeigen nach Ansicht der Forscher, dass es einen zuvor unbekannten Mechanismus gibt, durch den die Fermentation von Ballaststoffen das Körpergewicht beeinflusst.

Helfen Ballaststoffe gegen Übergewicht?

Sollten sich diese Resultate beim Menschen bestätigen, könnte das relevant werden für die Behandlung von Übergewicht. Denn bereits die Gabe von Fettsäure-Acetaten allein löst offenbar einen appetitdämpfenden Effekt aus. Diese Verbindungen könnten daher möglicherweise künftig als Appetitzügler eingesetzt werden – und so die heutige, zu ballaststoffarme Ernährung ausgleichen.

Zahlreiche Studien zeigen zwar, dass ballaststoffreiche Ernährung gesünder ist, doch folgen nur wenige Menschen diesen Ratschlägen – häufig weil diese Nahrungsmittel weniger gut schmecken oder es Verdauungsprobleme gibt. Das Acetat könnte diese Probleme ausgleichen und deshalb möglicherweise als potenzielles Therapeutikum gegen Übergewicht nützlich sein.

Quelle:

http://www.scinexx.de/wissen-aktuell-17507-2014-04-30.html

Nature Communications,2014; doi: 10.1038/ncomms4611

http://www.nature.com/ncomms/2014/140429/ncomms4611/full/ncomms4611.html

 

Kommentar & Ergänzung:

Da ist tatsächlich noch offen, ob diese Effekte auch beim Menschen auftreten.

Interessant sind die Ergebnisse aber schon. Bisher hörte man eher die Vorstellung, dass Ballaststoffe den Hunger dämpfen durch ihren Fülleffekt im Magen. Sollte ein spezifischer appetithemmender Effekt im Hypothalamus vorliegen, wäre das ein interessanter Ansatz.

Ob es dann allerdings schlau wäre, Acetate isoliert zu verabreichen, ist eine andere Frage. Ballaststoffe haben noch eine ganze Reihe von anderen positiven Eigenschaften für die Gesundheit. Andererseits ist es aber auch nicht sehr sinnvoll, nur immer den Leuten zu predigen, dass sie mehr Ballaststoffe essen sollen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Paläo-Diät / Steinzeiternährung – ein Fantasieprodukt?

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Unsere Vorfahren aus der Urzeit seien für uns heutige Menschen bezüglich Ernährung das grosse Vorbild. Diese Ansicht vertreten heute manche Ernährungsratgeber.

Unter Steinzeiternährung, Steinzeitdiät oder Paläo-Diät versteht man daher eine Ernährungsform des Menschen, die sich an der vermuteten Ernährung der Altsteinzeit orientiert. Gemeint ist die Zeit vor der neolithischen Revolution (beginnend vor ca. 20.000 bis 10.000 Jahren), also vor der Zeit, in der vermehrt Ackerbau und Viehzucht  betrieben wurden.

Darum beinhaltet die Steinzeit-Diät viel Fleisch, gesammelte Früchte und Nüsse, aber kein Getreide – nach dem Vorbild der Ernährungsweise von Jägern und Sammlern.

Anders als in der kohlenhydratreduzierten Ernährung sind in der Steinzeitdiät unbegrenzte Mengen hochglykämischer Anteile erlaubt, beispielsweise getrocknete Datteln oder Feigen. Falls natürlich gewachsene Früchte und Honig weniger Anteil haben, entspricht die Paläoernährung einer Diät nach dem Low-Carb-Prinzip.

Die Evolutionsbiologin Marlene Zuk hält diese Ideen allerdings für pseudowissenschaftliche Erfindungen – oder „Paläo-Phantasie“, wie sie in einem Interview sagt. Sie hält es zwar für keine schlechte Idee, auf die Frühmenschen zu schauen, um Tipps für ein gesünderes Leben zu finden. Es sei jedoch sehr schwierig herauszufinden, was unsere Vorfahren in der Steinzeit wirklich aßen. Und seitdem hätten sich unsere Gene zudem verändert. Wenn schon heute mehr Menschen als in der Urzeit Milchzucker vertragen, könnte das bei Getreide genauso sein, erklärt die Wissenschaftlerin.

Quelle:

http://wissen.dradio.de/nachrichten.59.de.html?drn:news_id=209200

http://www.slate.com/articles/health_and_science/new_scientist/2013/04/marlene_zuk_s_paleofantasy_book_diets_and_exercise_based_on_ancient_humans.html

Kommentar & Ergänzung:

Die Steinzeitdiät ist nur schon dadurch fragwürdig, dass die Ernährung in der Steinzeit wohl nicht zu allen Zeiten und in allen Regionen identisch gewesen sein dürfte. Wir sind zudem über die tatsächliche Ernährung der Menschen in der Steinzeit nur unzureichend im Bilde, so dass die Vorstellungen einer Steinzeiternährung ziemlich viel Spekulation enthält.

Aber selbst wenn wir genau wüssten, wie die Steinzeitmenschen sich ernährt haben. Es ist einfach nicht sinnvoll, eine Ernährungweise aus der Vergangenheit einfach quasi mit „Copy & Paste“ aus der Urzeit unverändert in die Gegenwart zu holen. Das gilt im übrigen auch für traditionelle Konzepte der Heilkunde. Alte Konzepte soll man interessiert unter die Lupe nehmen und sich damit auseinandersetzen. So kann sich herausstellen, was wir von ihren lernen können. Sie einfach 1: 1 zu kopieren, ist ganz bestimmt nicht der Weisheit letzter Schluss.

Nachfolgend eine detaillierte Kritik der Steinzeiternährung, basierend auf Wikipedia:

„Die Vertreter der Steinzeitdiät geben an, dass der Mensch genetisch nicht an die moderne ‚Zivilisationskost‘ angepasst sei, sondern nur an Lebensmittel, die bereits in der Steinzeit gegessen worden seien. Deshalb führe die heute in westlichen Industriestaaten übliche Kost zu verschiedenen Erkrankungen, die als Zivilisationskrankheiten bekannt sind. Ein wesentlicher Kritikpunkt ist, dass es sich bei den Aussagen zur Ernährung in der Steinzeit und ihren Nutzen für die Gesundheit um reine Hypothesen ohne jeden wissenschaftlichen Beleg handelt.“

Unterschiedliche Menschengattungen – unterschiedliche Ernährung:

„Die Steinzeit umfasst einen Zeitraum von rund zwei Millionen Jahren; in diesem Zeitraum lebten verschiedene Spezies der Gattung Homo in unterschiedlichen Lebensräumen. Es gab daher keine einheitliche ‚Steinzeiternährung’, der Fleischanteil war sehr unterschiedlich. Für Evolutionsbiologen und Paläoanthropologen beginnt die Entwicklung des modernen Menschen (Homo sapiens), die so genannte Hominisation, auch nicht erst in der Steinzeit, sondern deutlich früher. Übliche Kriterien sind der aufrechte Gang, der bereits beim Australopithecus vorhanden war (biologische Evolution) oder die Nutzung von Kulturtechniken (kulturelle Evolution) beim Homo erectus. Der Australopithecus ernährte sich von Früchten, Samen, Pilzen, Wurzeln, Blättern, Eiern und kleinen Tieren, aber überwiegend vegetarisch. Die Kost des folgenden Homo habilis war ähnlich, ebenfalls mit geringem Fleischanteil. Homo erectus war dann in der Lage, die Pflanzennahrung durch Jagdbeute zu ergänzen.“

Unterschiedliche Lebensräume – unterschiedliche Ernährung:

„Die Vertreter der Steinzeiternährung geben an, dass diese auch der Ernährungsweise der als Jäger und Sammler lebenden Völker entspricht. Tatsächlich differiert die Ernährung dieser Populationen erheblich, je nach Lebensraum, und reicht von überwiegend vegetarischer Kost bei den afrikanischen Gwi und ǃKung bis zur fast ausschließlichen Ernährung von Fleisch und Fisch bei den Inuit in Grönland. Bei den Massai und den Turkana – beides Nomadenvölker – ist Milch das Hauptnahrungsmittel.“

Das menschliche Erbgut hat sich seit der Steinzeit verändert:

„Die Aussage, dass sich das menschliche Erbgut seit der Steinzeit nicht verändert hat, ist nicht haltbar. Wissenschaftler haben rund 700 genetische Veränderungen gefunden, die in den letzten 10.000 Jahren aufgetreten sind. Zu diesen genetischen Veränderungen gehört die Entwicklung der Lactosetoleranz bei Erwachsenen, und zwar vor allem bei den Nachkommen der Stämme, die vor rund 10.000 Jahren die Viehzucht einführten und die heute in Europa, den USA und Australien leben. Hier verfügen 80 bis 90 Prozent der adulten Bevölkerung über das für die Verarbeitung des Milchzuckers nötige Enzym Lactase. Entgegen der These der Steinzeitdiät-Vertreter habe diese Anpassung an ein neues Nahrungsmittel in einem relativ kurzen Zeitraum längst stattgefunden.“

Quelle: Wikipedia

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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„Basenbäder für die Bikinifigur“

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Das empfiehlt „d-inside“, die Zeitschrift des Schweizerischen Drogistenverbandes (April 2013), und die Drogistinnen und Drogisten sollen nun Basenbäder ihren Kundinnen verkaufen.

Uff – einen solchen Humbug hätte ich allenfalls in einer Boulevard-Zeitung oder in einem „Frauenheftli“ erwartet, aber nicht in einer Zeitschrift, die ich bisher doch noch irgendwie zu den Fachmedien gezählt habe.

„Basenbäder können während einer Diät die Gewichtsabnahme fördern“, steht da geschrieben. Eine ebenso kühne wie faktenfreie Behauptung.

Und wie soll diese Gewichtsabnahme zu Stande kommen?

„Ein basisches Bad hat etwa einen pH-Wert von 8,5 . Dadurch wird der Säureschutzmantel der Haut gepuffert und neutralisiert. Zusätzlich entsteht ein osmotischer Druck zwischen den Körperflüssigkeiten und dem basischen Badewasser: Aus dem Bindegewebe lösen sich Säuren und abgelagerte Stoffe und werden über die Haut ausgeschieden.“

Zuerst zum Säureschutzmantel:

Der Säureschutzmantel – deshalb heisst er so – soll die Haut vor bakterieller Besiedelung schützen. Ob das wirklich so funktioniert, ist inzwischen durch Studien in Frage gestellt worden. Was aber eine Neutralisation des Säureschutzmantels bringen soll, ist sehr unklar. Hält „d-inside“ Säure grundsätzlich für schlecht? Das wäre etwas gar naiv.

Aber nehmen wir einmal an, die Neutralisation des Säureschutzmantels durch Basenbäder sei nützlich. Neutralisiert man ihn zum Beispiel mit Seife, so regeneriert er sich in spätestens einigen Stunden wieder. Soll also mit Basenbädern ein nachhaltiger Effekt auf den Säureschutzmantel erzielt werden, braucht es alle paar Stunden ein Basenbad. Das ist aber dann wirklich gut für den verkaufenden Drogisten……..

Und nun zum Thema Osmose:

Osmose soll also bewirken, dass „Säuren und abgelagerte Stoffe“ durch die Haut ausgeschieden werden. Na bravo. Osmose braucht eine semipermeable Membran, die Salzlösungen unterschiedlicher Konzentration trennt. Das Wasser bewegt sich dann durch die Membran in Richtung der höher konzentrierten Lösung. Wenn Osmose durch die Haut funktionieren würde, hätten wir Probleme in der Badewanne – das Badewasser würde in unseren Körper strömen und uns wie einen Ballon aufblähen – und wir hätten Probleme bei einem Bad im Meerwasser, weil das Wasser aus unserem Körper das Meer „verdünnen“ würde.  Begleitet von entsprechenden Abnehm- und Schrumpfeffekten auf Seiten unseres Organismus.

Ausserdem geht Wasser mittels Osmose durch die Membran, nicht „Säuren und abgelagerte Stoffe“. Und um welche Säuren und abgelagerte Stoffe soll es sich handeln? Konkrete Angaben wären da schon hilfreich.

Und wie weiss das Basenbad eigentlich, welche Stoffe es rausziehen soll und welche unbedingt im Körper verbleiben müssen?

Ausgesprochen wirr, diese Behauptungen.

Als Zusatzmassnahme empfiehlt „d-inside“:

„Vor dem Baden eine Tasse ungezuckerten Tee mit basischen Kräutern trinken und 30 Gramm Rosinen knabbern. Beides hat eine entschlackende Wirkung auf den Körper.“

Diese Aussage wirft ebenfalls eine ganze Reihe von Fragen auf:

Im Internet liest man zwar immer wieder von „basischen Kräutern“, doch wie man feststellen kann, welche Kräuter basisch sein sollen, konnte mir bisher niemand sagen (mit einer pH-Wert-Messung des Tees, was naheliegend wäre, jedenfalls nicht).

Meiner Ansicht nach ein reines Phantasieprodukt, diese basischen Kräuter.

Und wie genau wirken „basische Kräuter“ entschlackend? Indem sie Säuren (= Schlacken?) neutralisieren? Aber ein basischer Kräutertee würde bereits im Magen von der starken Salzsäure neutralisiert.

Und wie genau sollen Rosinen entschlacken?

Und welche Schlacken sollen ausgeschieden werden?

Schlacken – das ist ein weiteres Phantasieprodukt. Damit soll nichts gegen Phantasie gesagt sein, aber es kommt schon noch ein bisschen darauf an wo.

Siehe dazu:

Entschlackung – was ist das?

Entschlackung – unnötig und ungesund

„Schlackenstoffe“ – ein Phantom macht Karriere

Entgiften und entschlacken – höchst fragwürdige Versprechungen

Entschlackung – illusionäre Hoffnung auf Gewichtsreduktion

Basendiät gegen Übersäuerung des Körpers

Das basische Bad „Entspannt und reinigt Körper und Geist“ schreibt „d-inside“.

Dass ein Bad entspannen kann, liegt auf der Hand. Aber will uns „d-inside“ damit sagen, dass ein basisches Bad besonders gut entspannt? Also besser wie ein pH-neutrales Bad? Und wenn ja, wie soll das gehen?

Basenbäder reinigen den Körper. Das machen doch alle Bäder (äusserlich). Doch hier ist wohl auch die innerliche Reinigung gemeint (Osmose!). Und der Geist wird auch noch gereinigt. Wovon? Geistige Schlacken?

Wodurch? Osmose?

Wie praktisch, wenn man Körper und Geist in einem Aufwasch putzen kann! Einfach mit baden.

Fazit: Dass Basenbäder irgendeinen speziellen Nutzen haben, ist alles andere als plausibel. Und bei der Gewichtsreduktion werden sie nur helfen, wenn man so lange im Basenbad bleibt, dass man darüber zu essen vergisst, oder wenn man in der Badewasser sehr kräftig und ausdauernd strampelt.

Sollte Ihnen ihr Drogist oder ihre Drogistin demnächst ein Basenbad oder Basenpulver zum Abnehmen (oder für sonst etwas) empfehlen, sind grosse Zweifel an der Seriosität dieser Personen angebracht. Ich jedenfalls würde einen solchen Laden schnurstracks verlassen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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„Mehr Sex durch Müsli? Sexcereal soll Lust steigern“

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So titelt die Fachzeitschrift „Bild“ gerade.

Verwiesen wird dabei auf den kanadische Unternehmer Peter Ehrlich. Der propagiert seine Sexcereals, Müsli-Mischungen für Männer und Frauen, deren Inhaltsstoffe den Hormon-Haushalt positiv beeinflussen und so das Liebesleben anheizen sollen.

Eine Mischung aus Sesam, Weizenkeimen, Goji-Beeren, Blütenstaub und Kürbiskernen soll die Testosteron-Produktion bei Männern ankurbeln, das Müsli für Frauen soll mithilfe von Salbei-Samen, Ingwer, Leinsamen und Mandeln die Hormon-Balance unterstützen.

Der Hersteller Peter Ehrlich zeigt sich von der stimulierenden Wirkung überzeugt und verweist auf Rückmeldungen seiner Kunden. Das ist allerdings ein ausgesprochen schwaches Argument. Positive Rückmeldungen von Kunden – das zeigt die Medizingeschichte und die aktuelle Therapielandschaft – gibt es auch für die absurdesten Heilmittel und Behandlungsmethoden. Millionen von Männern in Japan und China schwören auf Nashornpulver zur Potenzsteigerung. In Europa hatten auch Schluckbildchen einst eine begeisterte Anhängerschaft und gegenwärtig sind gerade mal wieder viele Konsumentinnen von Schüssler Salzen beeindruckt – die letzte grosse Schüssler-Welle fand im „Dritten Reich“ statt.

Positive Rückmeldungen – das gibt es also praktisch immer. Weil Beschwerden auch von selber wieder bessern und weil das Ritual an sich eine Wirkung hat.

Siehe auch:

Komplementärmedizin: Wer heilt hat Recht?

Glücklicherweise ist unser Hormonhaushalt in der Regel stabil genug, damit er nicht schon durch ein Müsli aus dem Gleichgewicht gekippt werden kann.

„Bild“ zitiert dazu noch einen Ernährungswissenschaftler mit der Aussage, dass unser Sexualleben nicht durch Inhaltsstoffe in Lebensmitteln beeinflusst werden kann.

Quelle:

http://www.bild.de/ratgeber/gesundheit/ernaehrung/sex-muesli-lust-steigern-hormone-beeinflussen-29651976.bild.html

Der Wunsch nach solchen Effekten scheint aber ziemlich gross zu sein, so dass Argumente hier wenig Wirkung zeigen.

Über einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Sexualität wird allerdings wohl schon seit Urzeiten nachgedacht.

Ziemlich skurril erscheinen aus heutiger Sicht dazu zum Beispiel die Bemühungen von Sylvester Graham (1794–1851)   und John Harvey Kellogg (1852-1943).

Sylvester Graham war ein presbyterianischer Prediger, der sich vor allem Gedanken über die Verbindung von Sexualtrieb und Nahrungsaufnahme machte. Als strammer Puritaner war Graham überzeugt, dass Fleischgenuss die Fleischeslust anrege und speziell die „gefährliche Praktik“ der Masturbation fördere, die, wie er nie vergaß zu unterstellen, angeblich zu Blindheit führe. Allgemein sah Graham im Vegetarismus ein wirksames Rezept gegen sexuelles Verlangen – und damit der seiner Meinung nach wahren Ursache der meisten Krankheiten.

Das von ihm entwickelte Grahambrot empfahl Sylvester Graham im Sinne eines „Masturbationshemmers“.

Ähnlich John Harvey Kellogg: Der Vegetarier und Siebenter-Tag-Adventist und glaubte ebenfalls fest daran, dass nur eine strenge Diät den selbstzerstörerischen Sexualtrieb seiner Landsleute zu bremsen vermöge. Seine Kellogs-Flocken sollten dazu einen Beitrag leisten.

Quelle:

http://derstandard.at/1577837050383/160-Jahre-Grahamweckerl-Ein-Mann-wie-trocken-Brot

Als Fazit könnte man sagen: Die Zeiten ändern sich zwar, aber Sex sells – so oder so.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Verstopfung: Woraus besteht Benefiber?

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Benefiber (Novartis) ist ein Präparat, das als Mittel gegen Verstopfung in Spital und Pflegeheim ziemlich verbreitet ist. Welche pflanzlichen Inhaltsstoffe in Benefiber für die Wirksamkeit verantwortlich sind, ist aber vielen Verwenderinnen und Verwendern nicht bekannt.

Benefiber besteht aus Guar.

Was ist Guar?

Guar wird aus der Guarbohne gewonnen, den Samen von Cyamopsis tetragonolobus, und zwar  durch Zermahlen des Endosperms und anschliessender Teilhydrolyse.

Guar (Guargalactomannan) besteht hauptsächlich aus Polysacchariden.

Welche Wirkung ist von Guar / Benefiber zu erwarten?

Guar (Cyamopsis tetragonolobus, Fabaceae) quilt im Darm zusammen mit Wasser und verzögert die Aufnahme von Kohlenhydraten. Es wird zur Therapie der Obstipation (Verstopfung) sowie als Zusatzmassnahme bei der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus eingesetzt, um die Blutzuckerspitzen nach der Nahrungsaufnahme zu reduzieren.

Guar ist ein Ballaststoff, der in der Lage ist, grosse Mengen Flüssigkeit zu binden, so dass eine gelartige Masse entsteht. So kommt es zu einer verzögerten Magenentleerung und im Dünndarm zu einer Verlangsamung der Kohlenhydrat-Absorption. Diese beiden Eigenschaften führen hauptsächlich beim Diabetiker zu tieferen postprandialen Blutzuckerspitzen (postprandial = nach der Mahlzeit). Die Kohlenhydrat-Absorption wird aber nicht vermindert.

Guar wirkt zudem lipidsenkend: Das Plasma-Gesamtcholesterin und die Triglyzeride sinken, auf das HDL-Cholesterin ist kein Effekt vorhanden, während LDL abnimmt.

Darüber hinaus wirkt Guar sättigend.

Daraus ergeben sich folgende Anwendungsbereiche für Guar:

– Obstipation

– Begleitbehandlung beim Diabetes mellitus (Typ I und Typ II), um zusätzlich neben Diät und Antidiabetika die postprandialen Blutzuckerspitzen zu vermindern. Weil die gesamte Absorption der Kohlenhydrate zwar verlangsamt, nicht jedoch vermindert wird, müssen die Diät und die Behandlung weitergeführt werden

– Dyslipidämie (Lipidstoffwechselstörung)

– Übergewicht und Fettleibigkeit

Als unerwünschte Nebenwirkungen kann es zu Verdauungsbeschwerden kommen wie Blähungen, Übelkeit, Völlegefühl, Magendruck und Durchfall.

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Guarbohne

Guar ist als rezeptpflichtiges Fertigpräparat unter dem Namen Leiguar als Antidiabetikum im Handel.

Als Benefiber ( = teilhydrolisiertes Guarkernmehl) ist es frei verkäuflich, wird als Nahrungsergänzungsmittel verkauft und vor allem gegen Verstopfung eingesetzt.

P. S. : Das ist kein bezahlter Benefiber-Werbetext und ich stehe auch nicht auf einer Novartis-Lohnliste. Ich habe diesen Beitrag geschrieben, weil mir aufgefallen ist, dass viele Anwender von Benefiber in Pflegeheimen, Spitälern etc. nicht Bescheid wissen über die pflanzliche Zusammensetzung.

Dieser Blog ist werbefrei, wenn man von meinen eigenen Kursangeboten absieht!

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Ananas-Enzym Bromelain löst Schorf von Brandwunden

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Enzyme aus der Ananaspflanze können den festsitzenden Schorf in Brandwunden ablösen.

Das Bromelain-Präparat eines Herstellers aus Israel steht nach dem erfolgreichen Abschluss klinischer Studien in Europa vor der Einführung.

Bromelain, eine 1957 erstmals beschriebene Mischung von proteolytischen ( = eiweissspaltenden) Enzymen aus dem Stamm und den Früchten der Ananaspflanze, wird gegenwärtig in Apotheken als Naturheilmittel gegen „Schwellungen und Entzündungen“ nach Operationen oder Verletzungen als Tabletten zur oralen Anwendung angeboten. Die Enzyme erzielen jedoch auch bei einer topischen ( = örtlichen) Anwendung eine Wirkung. Bei Brandwunden kann Bromelain den fest haftenden Wundschorf lösen. Die Resultate klinischer Studien, die der Hersteller MediWound aus Jawne, 30 Kilometer südlich von Tel Aviv, durchgeführt hat, haben nun die Europäische Arzneimittelagentur EMA überzeugt.

NexoBrid so der Name des Präparates, habe die Zeit bis zur erfolgreichen Entfernung des Wundschorfs verkürzt und das Ausmaß des chirurgischen Debridements reduziert, heißt es in einer Pressemitteilung zu der positiven Entscheidung des Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP).

Die EMA warnt aber gleichzeitig, dass eine nicht sachgerechte Weiterbehandlung der Wunde nach dem Debridement die Heilungszeiten verlängern und das Komplikationsrisiko vergrössern könne. Die Ananas-Enzyme könnten dann gesundes Gewebe angreifen. Der CHMP verlangt deshalb von der Herstellerfirma, ein Trainingsprogramm und Fortbildungsmaterialien für die Anwender bereitzustellen.

NexoBrid hat seit 2002 bei der EMA den Status eines Orphan Arzneimittel für seltene Erkrankungen, bei denen der Bedarf an neuen Medikamenten hoch einschätzt wird. Bei Arzneimitteln mit Orphan-Status ist ein vereinfachtes und günstigeres Zulassungsverfahren möglich. Über eine Zulassung wird demnächst die Europäische Kommission einen Entscheid fällen, wobei sie sich aber in der Regel an die Empfehlungen des CHMP hält.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/51755/Ananas-Enzyme-loesen-Schorf-von-Brandwunden

Kommentar & Ergänzung:

Bromelain ist ein interessanter Inhaltsstoff der Ananaspflanze.

Hier weitere Infos zur biologischen Wirkung des Enzyms:

„Bromelain wirkt gerinnungs- und entzündungshemmend. Es hilft beim Abbau von Fibrin, einem Eiweißstoff im Blut, der die Blutzirkulation herabsetzen kann. In in-vitro-Studien zeigte Bromelain wundheilende und antimetastasische Wirkungen.“

Quelle: Wikipedia

Und zur medizinischen Anwendung von Bromelain:

„In der Medizin wird Bromelain bei akuten und chronischen Entzündungen (magensaftresistente Tabletten) sowie als Verdauungshilfe eingesetzt. Die Zulassung der deutschen Fertigarzneimittel lautet ‚bei akuten Schwellungszuständen nach Operationen und Verletzungen, insbesondere der Nase und der Nebenhöhlen.’

Bromelain wurde in klinischen Studien bei Gelenkbeschwerden gegen Placebo und gegen NSAR getestet. Dabei fällt etwa jede zweite Studie negativ aus. Ein sicherer Nachweis der therapeutischen Wirksamkeit von Bromelain fehlt.

Bromelain wird im Magen bereits zum größten Teil verdaut.

Deshalb werden standardmäßig magensaftresistente

Filmtabletten oder Dragees in der Therapie eingesetzt, welche

sich erst im Dünndarm auflösen und enthaltene Stoffe

freisetzen. Da nur Peptide aus bis zu drei Aminosäuren

resorbiert werden, ist eine Aufnahme von Bromelain, welches

ein vollständiges Protein darstellt, unrealistisch.

Neben Arzneimitteln befinden sich auch Nahrungsergänzungsmittel, ergänzende bilanzierte Diäten und diätetische Lebensmittel für Sportler mit Bromelain im Markt: Die Qualitäten reichen von geringsten Mengen Ananas-Fruchtpulvern bis zu höher dosierten Präparaten. Eine Angabe der Enzymaktivität wird von den Überwachungsbehörden in Deutschland im Lebensmittelbereich kritisch gesehen. Die Lagerungsstabilität ist umstritten.“

Quelle: Wikipedia

Ein Bromelain-Präparat mit Zulassung als Arzneimittel ist Traumanase® forte. Es unterstützt die Rückbildung von Schwellungen und Flüssigkeitsansammlungen nach Verletzungen und Operationen.

Gefrorene Ananasstückchen werden in der Palliative Care erfolgreich eingesetzt zur Linderung der Beschwerden bei Mukositis (Mundschleimhautentzündung).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Kriminelle „rein pflanzliche“ Schlankheitsmittel im Internet

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Heute morgen wurde mir per Spam-Mail schon wieder ein rein pflanzliches Schlankheitsmittel angeboten, basierend auf uralten Erkenntnissen der chinesischen Medizin. Das Produkt L-D-D-H (ich nenne den vollständigen Namen nicht, um nicht noch Werbung für dieses bescheuerte Präparat zu machen) enthält den synthetischen Inhaltsstoff Sibutramin.

In der Schweiz und der EU dürfen Arzneimittel mit Sibutramin nicht mehr verkauft werden, vor allem wegen möglicher Herz-Kreislauf-Komplikationen. Häufige Nebenwirkungen von Sibutramin sind zudem Kopfweh, Herzrasen, erhöhter Blutdruck, Verstopfung und Schlaflosigkeit.

Gelogen ist also die Rede vom rein pflanzlichen Schlankheitsmittel, gelogen die Rede von uralten Heilmittel der chinesischen Medizin. Gelogen auch die angebliche Deutsche Apotheke als Absender.

Hinter solchen Angeboten steckt schlicht und einfach eine kriminelle Organisation.

Das Produkt wird zu saftigen Preisen aber ohne Versandspesen in die Schweiz geliefert. Entdeckt der Zoll die Sendung, wird sie allerdings beschlagnahmt und der Empfänger (!) bezahlt die Verfahrenskosten.

Für den Versender lohnt sich das Geschäft aber offenbar.

Auch Apotheken und Drogerien verkaufen viel unwirksamen Schrott. Im Bereich Komplementärmedizin ist diese Abzocke infolge geschickten Lobbyings leider völlig legal. Daher ist auch in Apotheken und Drogerien eine kritische Haltung nötig, wenn man nicht über den Tisch gezogen werden will. In aller Regel wird es bei „Naturheilmitteln“ aus Apotheken und Drogerien aber nicht gleich lebensgefährlich.

Angeblich rein pflanzliche Heilmittel aus dem Internet sind aber nicht selten ein reales Risiko für die Gesundheit.

Am häufigsten versteckt sich Betrug hinter Schlagworten wie:

– „pflanzlicher Viagra-Ersatz“, „rein pflanzliches Potenzmittel“;

–   „rein pflanzliches Schlankheitsmittel“ („ohne Diät und ohne Sport“).

Da kann man eigentlich nur sagen: Hände weg! Vor allem, wenn man selber nichts davon versteht und Versprechungen darum kaum überprüfen kann.

Nachtrag: Warum gelingt es eigentlich nicht, solche Internet-Banden und die dahinter stehenden Spammer zu knacken? Ich finde, man sollte jede Art von Internet-Kriminalität intensiver verfolgen und staatlicherseits Spammer durch angeheuerte Hacker lahmlegen lassen (natürlich in einem dazu geschaffenen gesetzlichen Rahmen).

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