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Zur Kombination Baldrian & Sanalepsi: Was ist Sanalepsi?

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In Pflegeheimen und Kliniken wird manchmal als Einschlafhilfe eine Mischung aus Sanalepsi-Tropfen und Baldriantinktur eingesetzt.

Daher kommt in meinen Kursen immer wieder einmal die Frage auf, um was es sich bei „Sanalepsi“ genau handle.

Sanalepsi N Tropfen enthalten Doxylamin, ein Antihistaminikum der 1. Generation mit antiallergischern, beruhigenden und schlaffördernden Eigenschaften.

Als Monopräparat oder kombiniert mit Baldriantinktur wird Salalepsi N in erster Linie zur Behandlung von Schlafstörungen eingesetzt und dazu eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen eingenommen.

Die Halbwertszeit von Doxylamin beträgt etwa 10 Stunden. Das heisst, dass die Konzentration von Doxylamin im Organismus resp. im Blut nach 10 Stunden auf den halben Wert (50%) absinkt. Damit ist nicht ausgeschlossen, dass Sanalepsi bei der Einnahme als Einschlafhilfe unerwünschterweise in den folgenden Tag hinein wirkt. Bei der Baldriantinktur besteht dieses Risiko nicht.

Doxylamin wird in Kombination mit Dextromethorphan (Hustenreizstiller), Ephedrin (Schleimhautabschweller) und Paracetamol (Schmerzmittel) in Kombinationspräparaten wie dem Erkältungspräparat Vicks MediNait® Saft verwendet. Solche Kombipräparate werden allerdings von vielen Fachleuten generell skeptisch beurteilt, weil damit oft Substanzen eingenommen werden, die im jeweiligen Erkältungsfall gar nicht nötig sind.

Als Einzelmittel ist Doxylamin in der Schweiz bei Einschlafstörungen zur Kurzzeitbehandlung zugelassen. Das passt aber eigentlich nicht zu einer Kombination mit Baldriantinktur, weil Baldrian erst nach einer Anwendung über mehrere Wochen wirksam wird.

Da Sanalepsi-Tropfen in Apotheken ohne Rezept erhältlich sind, werden sie oft als verhältnismässig harmlos eingeschätzt. Das ist aber wohl ein Trugschluss. In Deutschland hat das TV-Magazin „rbb Praxis“ sich mit diesem Thema befasst und dabei kamen verschiedene Fachleute zu Wort.

Der Schlafmediziner Dr. Holger Rein hält es für einen Trugschluss, wenn Patienten diese Medikamente unbedenklich finden, weil sie freiverkäuflich sind: „Das sind keine Lutschbonbons und keine Hustenbonbons. Es sind tatsächlich hochwirksame Substanzen.“

Der Pharmakologe Professor Dr. Markus Schwaninger von der Universität Lübeck sagt: „Es wirkt auf das Gehirn und kann dort verschiedene Funktionen beeinträchtigen. Nicht nur Schlaf auslösen, sondern auch das Gedächtnis und geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen.“

Dass die Nachwirkungen der Substanzen auch noch am Folgetag auftreten können, bestätigt in der Sendung auch ein Anwender. Am nächsten Morgen denke und spreche man etwas langsamer und auch die Bewegungsabläufe seien verändert.

Die Internistin Dr. Jördis Hendricks aus Hamburg erklärt, dass durch die Einnahme dieser Präparate der Schlafrhythmus und die Schlafarchitektur gestört werde; der Schlaf sei nicht erholsam:„Man zahlt unter Umständen einen hohen Preis ohne einen langfristigen Nutzen.“ Und sie ergänzt: „Sie dürften auf gar keinen Fall frei verkauft werden. Das Mindeste wäre, dass man sie unter der die Rezeptpflicht stellt.“ Auch eine Marktrücknahme der Präparate ist für Hendricks denkbar.

Mögliche Nebenwirkungen von Doxylamin / Sanalepsi fasst das „Pharmawiki“ so zusammen:

„Zu den häufigsten möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Müdigkeit, Verminderung der Reaktionsbereitschaft, paradoxe Reaktionen wie Erregung und Halluzinationen bei Kindern und älteren Personen, Kopfschmerzen und anticholinerge Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Akkommodationsstörungen, Verstopfung und Harnretention. Selten können Herz-Kreislauf-Reaktionen wie ein tiefer oder hoher Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen auftreten.“

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/panorama/nachricht-detail-panorama/aerztin-rezeptpflicht-fuer-otc-schlafmittel-tv-tipp-rbb-praxis/

http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Doxylamin

Kommentar & Ergänzung:

Ohne zu dramatisieren lässt sich der Schluss ziehen, dass Sanalepsi-Tropfen nicht harmlos sind. Will man sie trotzdem einsetzen, dann sollte das  sehr gut überlegt und zeitlich begrenzt geschehen.

Die Kombination mit Baldriantinktur halte ich eher für fragwürdig.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

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Erkältungsmittel: Hustenstiller und Schleimlöser bewertet

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Die Deutsche Apotheker Zeitung berichtet über die Bewertung von Erkältungsmitteln durch die „Stiftung Warentest“ und vergleicht die Empfehlungen mit der Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Bei den Hustenmitteln haben dabei die Phytopharmaka (Heilpflanzen-Präparate) eine überraschend gute Stellung.

Werden Schleimlöser oder Hustenstiller gewünscht, können laut Stiftung Warentest bei Reizhusten Dextromethorphan oder zur Schleimlösung Acetylcystein (ACC) oder Ambroxol zur Anwendung kommen.

ACC und Ambroxol allerdings nur mit Einschränkung, da ihre Wirksamkeit nicht bewiesen sei. Aus dem selben Grund rät die DEGAM-Leitlinie „Husten“ von ACC und Ambroxol ab, für Hustenstiller sieht sie nur in Ausnahmefällen eine Berechtigung, zum Beispiel nachts, um besser schlafen zu können.

In der Bewertung der „Stiftung Warentest“ finden sich auch Phytopharmaka, nämlich Spitzwegerichextrakt gegen Hustenreiz und Schleimlöser mit Efeu oder Thymian. Aber auch sie werden nur mit Einschränkung empfohlen, da sie nicht ausreichend erforscht seien.

Die DEGAM-Leitlinie dagegen steht den Phytopharmaka offener gegenüber. Sie anerkennt insbesondere für Myrtol Hinweise auf positive Effekte. Myrtol wird von der „Stiftung Warentest“ gar nicht erwähnt. Auch Kombipräparaten von Thymianextrakt mit Efeuextrakt beziehungsweise Thymianextrakt mit Primelwurzel-Extrakt wird in der DEGAM-Leitlinie durchaus ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis zugeschrieben. Sie schreibt deshalb, dass bei entsprechendem Therapiewunsch des Patienten diese Phytopharmaka zur moderaten Symptomlinderung bzw. – verkürzung bei Erkältungshusten bzw. akuter Bronchitis erwogen werden können.

Quelle:

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2015/erkaltungsmittel-gut-und-gunstig-und-leitliniengerecht

Kommentar & Ergänzung:

Dann will ich mal versuchen, nachfolgend bei den aufgeführten Hustenmittteln Phytopharmaka und synthetische Mittel gegenüber zu stellen.

Die Hustenstiller:

Bei Hustenstillern und insbesondere bei Schleimlösern stehen die Phytopharmaka im Vergleich mit den synthetischen Wirkstoffen gut da, was die wissenschaftlichen Belege und die Sicherheit angeht.

Mag sein, dass Spitzwegereichextrakt als Hustenstiller nicht ausreichend erforscht ist. Aber schauen wir uns einmal die synthetische Alternative Dextromethorphan an. Die Wirksamkeit von Dextromethorphan ist zumindestens fragwürdig. Der WDR hat den Forschungsstand am 15. 12. 2014 zusammengefasst und beruft sich dabei auf die renommierte Cochrane Collabortion:

„Die Cochrane Collaboration hat insgesamt 26 Studien zu Codein- und Dextromethorphan-haltigen Präparaten beurteilt. Das Fazit: Die Studienlage ist insgesamt uneinheitlich: Oft zeigten unterschiedliche Studien widersprüchliche Ergebnisse. Daher kann das Expertengremium keine wirkliche Empfehlung für oder gegen Hustenstiller aussprechen. Zudem wirkte Honig in vielen Studien sogar besser als Dextromethorphan.“

Quelle: http://www1.wdr.de/themen/wissen/erkaeltungsmittel114.html

Sehr überzeugend tönt das nicht, wenn sogar Honig besser wirkt als Dextromethorphan.

Spielstand Hustenstiller: Spitzwegerichextrakt : Dextromethorphan 1:1

Dazu kommt aber noch die Frage nach den Risiken: Beim Spitzwegerichextrakt sind Risiken nicht bekannt und auch nicht zu erwarten.

Bei Dextromethorphan sieht das ganz anders aus:

„Nebenwirkungen treten unter Dextromethorphan in geringer Dosierung relativ selten auf. Bei einem geringen Prozentsatz der Bevölkerung (je nach Quelle 1 %-10 %) findet sich jedoch eine pharmakogenetische Schwäche des Cytochrom-P450-Enzyms CYP2D6, so dass bereits bei therapeutischer Dosierung Halluzinationen, Realitätsverlust und psychotische Episoden auftreten können. Gelegentlich sind Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen zu beobachten. Bei einigen Personen kann auch eine niedrige Dosis Juckreiz auslösen. Bei einer Überdosierung kann es zu Halluzinationen und psychotischen Episoden kommen.“

Quelle: Wikipedia

Dextromethorphan zeigt zudem Wechselwirkungen insbesondere mit bestimmten Antidepressiva und mit Alkohol.

Und dann gibt es noch ein Missbrauchsrisiko:

„Dextromethorphan wird auch missbräuchlich eingenommen, da es in hohen Dosen dissoziative und anderweitig berauschende Effekte hat (ähnlich der bei niedrig dosiertem Ketamin). Der Missbrauch von Dextromethorphan kann eine Drogenpsychose nach sich ziehen, unkontrolliertes Verhalten kann zur Selbst- oder Fremdgefährdung führen. Regelmäßige missbräuchliche Einnahme kann zur Suchterkrankung führen, unter Umständen ist auch mit Hirnschäden zu rechnen.

Direkt durch Dextromethorphan bedingte Todesfälle sind theoretisch möglich, dafür aber müsste es in einer derart hohen Dosis eingenommen werden, wie es in der Praxis kaum möglich ist. In der Kombination mit Paracetamol sind jedoch Todesfälle bekannt. Zum Missbrauch vom Dextromethorphan sind nur wenige Studien verfügbar. Die bekannteste Arbeit zum Thema stellt wohl die DXM-FAQ von William E. White, einem amerikanischen Dextromethorphan-Forscher, dar. Seine Thesen stützen sich teilweise auf Berichte von mehreren Hundert Konsumenten.“

Quelle: Wikipedia

Das spricht gegen Dextromethorphan und für Spitzwegerichextrakt.

Fazit:

Spielstand Hustenstiller: Spitzwegerichextrakt : Dextromethorphan 2:1

Und nun zu den Schleimlösern:

Halten wir fest: Die Wirksamkeit der oft konsumierten synthetischen Wirkstoffe Acetylcystein und Ambroxol ist nicht belegt.

Acetylcystein ist beispielsweise enthalten in ACC Sandoz® (früher ACC eco®), Ecomucyl®, Fluimucil®, Mucostop® und Solmucol®;

Ambroxol beispielsweise in Mucosolvon® und Bisolvon Ambroxol®.

Gut belegt sind dagegen verschiedene Phytopharmaka als Schleimlöser:

Kombipräparate von Thymianextrakt mit Efeuextrakt beziehungsweise Thymianextrakt mit Primelwurzel-Extrakt, ausserdem Myrtol (enthalten in Gelomyrtol®).

Spielstand Schleimlöser: Phytopharmaka : Acetylcystein / Ambroxol 1 : 0

Fazit Hustenmittel insgesamt: Phytopharmaka : Synthetika 3 : 1

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Hausmittel: Heisse Milch mit Honig gegen Husten

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Heisse Milch mit Honig ist ein altes Hausmittel bei Husten. Die „Welt“ bringt einen „Faktencheck Erkältungen“ und versucht damit zu klären, welche Hausmittel helfen und welche nicht.

Und was sagt die „Welt“ zum Hausmittel „Heisse Milch mit Honig“?

Zitat:

«“Bei trockenem Husten kann warme Milch mit Honig zwar reizlindernd wirken – weniger jedoch bei schleimproduzierendem Husten, da Milch selbst schleimproduzierend wirkt“, sagt Ernährungswissenschaftlerin Anja Markant vom Fachbereich für Oecotrophologie an der Fachhochschule Münster. Auch mögliche antibakterielle und antivirale Wirkungen des Honigs seien nicht hinreichend belegt. „Mit ein bis zwei Teelöffeln kann man zudem nicht viel von den positiven Wirkstoffen aufnehmen.“ Werde das Getränk über 40 Grad erhitzt, würden sie sogar abgebaut. Richtig sei aber, dass warme Getränke das Reizgefühl im Rachen lindern könnten.»

Quelle:

http://www.welt.de/gesundheit/article148278026/Faktencheck-Erkaeltung-Was-hilft-was-hilft-nicht.html

Kommentar & Ergänzung:

Für den hustenreizstillenden Effekt von heisser Milch mit Honig gibt es tatsächlich einige Hinweise.

Siehe auch:

Beruhigt warme Milch mit Honig den Hals?

 

Und für die beruhigende Wirkung von Honig bei Kindern gibt es sogar eine sehr interessante Studie:

Verglichen wurden dabei die Wirkungen von Honig, Dextromethorphan oder keiner Therapie auf den nächtlichen Husten und die Schlafqualität.

105 Kinder zwischen 2 und 18 Jahren mit einem Infekt der oberen Luftwege seit maximal 7 Tagen und nächtlichen Symptomen beteiligten sich an der randomisierten Doppelblindstudie. 30 Minuten vor dem Schlafengehen bekamen die Kinder einmalig entweder eine Portion Buchweizenhonig, nach Honig schmeckendes Dextromethorphan oder keine Behandlung. Dextromethorphan ist ein synthetischer Hustenstiller.

Erfasst wurden bei der Studie Art, Dauer und Schwere des Hustens sowie die Schlafqualität der Kinder und der Eltern in der Nacht nach Studieneinschluss im Vergleich zur Nacht davor.

Die Honiggruppe zeigte in allen Endpunkten die besten Ergebnisse, die Gruppe ohne Behandlung die schlechtesten. Honig war bezüglich Verminderung der Hustenfrequenz sowie der Dauer und der Stärke signifikant effektiver als keine Behandlung. Die Differenzen zwischen Dextromethorphan und keiner Behandlung hingegen waren nicht signifikant. Eine statistische Signifikanz erreichte der Unterschied zwischen Honig und Dextromethorphan nicht.

Die Eltern von Kindern mit Husten aufgrund eines oberen Luftweginfektes bewerteten Honig als effektivstes Mittel zur Linderung des nächtlichen Hustens und zur Verbesserung der Schlafqualität ihres Kindes. Honig wurde verglichen mit Dextromethorphan, das in vielen Hustenpräparaten enthalten ist, als wirksamer eingestuft.

Quelle:

http://www.tellmed.ch/tellmed/Fachliteratur/Journalscreening/Honig_gegen_kindlichen_Husten_am_besten.php

Arch Pediatr Adolesc Med 2007;161:1140-1146 – Paul IM et al

http://archpedi.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=571638

Allerdings muss dazu noch gesagt werden, dass der Wirkstoff Dextromethorphan, der das Hustenzentrum im Gehirn hemmen soll, als Vergleichssubstanz nicht sehr stark ist. In einer Studie aus dem Jahr 2004 zeigten nämlich die gleichen Forscher, die nun die Honigstudie durchgeführt haben, dass Dextromethorphan nicht besser als Placebo wirkt.

Milch bewirkt keine Verschleimung!

Fragwürdig ist die Aussage in der „Welt“, dass Milch schleimproduzierend wirken soll.

Ladina Cajacob und Alexandra Schmid von der Forschungsanstalt Agroscope in Liebefeld-Posieux ALP- Haras, Bern haben für Swissmilk die Studien zu dieser Frage zusammengefasst:

„Eine experimentelle Studie hat den Einfluss des Verzehrs von Milch mit jenem eines Drinks auf Sojabasis (Placebo) verglichen. Dabei rapportierten die Teilnehmer beider Gruppen direkt nach dem Verzehr Symptome, wie verdickten Speichel oder einen Belag in Mund und Rachen, sowie Verhaltensveränderungen wie häufigeres Schlucken. Diejenigen Personen, welche an einen Zusammenhang zwischen Milch und Schleimproduktion glaubten, gaben nach dem Verzehr beider Testgetränke stärkere Veränderungen an…

Eine Untersuchung zur Speichelwirksamkeit der Milch hat gezeigt, dass das Trinken von kalter und warmer Milch oder von kaltem und warmem Wasser zu einer schnelleren Speichelsekretion führt. Während des Trinkens sank jedoch der Anteil an Stoffen, welche die Dickflüssigkeit des Speichels bestimmen. Nach dem Verzehr von Milch konnte somit keine signifikante Erhöhung des Schleimgehaltes im Speichel gezeigt werden.

Vor einigen Jahren wurde eine andere Untersuchung durchgeführt um zu erforschen, welche oralen Reaktionen durch verschiedene Emulsionen zustande kommen. Hierfür nahmen die Testpersonen Milch (1,5 und 3 % Fett) sowie Schlagrahm (40 % Fett) in den Mund, vermischten diese Flüssigkeiten mit ihrem eigenen Speichel und spuckten das entstandene Gemisch nach einer Minute wieder aus. Dabei konnte festgestellt werden, dass das ausgespuckte Gemisch schleimig war, und umso schleimiger wurde, je höher der Fettgehalt der eingenommenen Flüssigkeit war. Zurückgeführt wird das auf eine Tröpfchenaggregation, die durch das Glykoprotein Mucin herbeigeführt wird. Die Verdichtung, welche durch die Vermischung von Speichel und einer Emulsion wie Milch zustande kommt, kann dazu führen, dass das Mundgefühl und andere sensorische Aspekte beeinflusst werden. Dieses Phänomen kann als mögliche Erklärung dienen, warum Milch und Milchprodukte zu einem Gefühl einer stärkeren Schleimproduktion führen und damit verbundene Symptome von Schluckschwierigkeiten auslösen können.“

Quelle:

https://www.swissmilk.ch/fileadmin/filemount/studie-milch-schleim-mythos-keine-schluckstoerungen-durch-milch-ernaehrungswissenschaft-de.pdf

Auch das Magazin „Die Zeit“ hat sich mit der angeblichen Verschleimung durch Milch befasst:

Mehrere wissenschaftliche Studien haben ergeben, dass die Schleimproduktion des Körpers, vor allem der Atemwege, nach dem Genuss von Milch keineswegs ansteigt. Das gilt auch für den Fall, dass der Mensch erkältet ist. Darum haben sich weitere Untersuchungen darauf konzentriert, die Verbreitung dieses Glaubens und seine möglichen Gründe zu untersuchen. So gaben australische Wissenschaftler 170 Testpersonen (von denen 70 an die Milch-Schleim-Geschichte glaubten) in einer Doppelblindstudie entweder echte Milch oder Sojamilch als Placebo zu trinken. Zahlreiche Probanden fanden daraufhin, dass sich ihr Mund und Rachen irgendwie belegt anfühlten. Ein Drittel musste auch mehr schlucken, doch war das bei beiden Getränken in gleichem Maße der Fall.

Wenn sich Milch und Speichel vermischen, dann ist die entstehende Emulsion tatsächlich ein wenig dickflüssig – möglicherweise liegt ja da der Ursprung der Legende. Bei kratzendem Hals tut ein Glas heiße Milch gut, weil sie sich wie ein Schutzfilm auf die entzündete Schleimhaut legt. Aber auch wenn die Galaktose, die im Milchzucker steckt, auch „Schleimzucker“ genannt wird – der Organismus produziert nach dem Milchgenuss nicht mehr Schleim als vorher.

Quelle:

http://www.zeit.de/2013/43/stimmts-milch-schleim

Dass Milch verschleimend wirken soll, ist also mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit ein Irrtum.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: Pflanzenmedizin gegen Husten

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ ( Nr. 7 / 2012) fasst aktuelle Empfehlungen bezüglich Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten zusammen:

„Atemwegsinfekte sind der häufigste Anlass für Krankschreibungen. Gerade gegen Husten bietet die Pflanzenmedizin aber gut verträgliche Hilfen an, deren Evidenz inzwischen auch in Leitlinien wissenschaftlicher Gremien Anerkennung fand. So hat die Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin gleich zwei Pflanzenkombinationen in ihre Therapieempfehlungen aufgenommen, die in der Leitlinie zu »Diagnostik und Therapie von erwachsenen Patienten mit akutem und chronischem Husten« genannt werden. Sie stufte die Wirksamkeit von Thymiankraut und Efeublättern und Thymiankraut und Primelwurzeln als wissenschaftlich nachgewiesen ein. Ursache eines akuten Hustens sind fast immer Viren. Eine antibiotische Therapie – die bekanntlich nur gegen Bakterien wirken kann – ist deshalb nur in Ausnahmefällen indiziert. Die pflanzlichen Präparate bewirken dagegen erwiesenermaßen eine schnellere Linderung des Hustens im Vergleich zu Placebo.

Als schleimlösende Mittel (Expectorantien) werden von den Lungen- und Atemwegsspezialisten Extrakte aus Anis, Myrtol, Pfefferminz, Eukalyptus, Thymian, Efeublättern und Primelwurzeln aufgezählt. Hustenstillende Eigenschaften weisen laut Leitlinie Extrakte aus Thymian, Spitzwegerich, Drosera und Wollblumen auf. Allerdings entsprechen längst nicht alle Präparate, die derartige Pflanzen enthalten, den geforderten wissenschaftlichen Qualitätskriterien. Fragen Sie dazu Ihren Apotheker. Pflanzliche Hustenmittel gelten auch in der Behandlung von Kindern als besonders geeignet.“

Kommentar & Ergänzung:

Diese Empfehlungen in den Leitlinien sind erfreulich und nachvollziehbar. Heilpflanzen-Anwendungen bei Husten können es jedenfalls oft auch aus einem wissenschaftlichen Blickwinkel bei einer Gesamtbetrachtung durchaus mit synthetischen Präparaten aufnehmen.

Bei den synthetischen Expectorantien (Schleimlöser) ist zum Beispiel beim Klassiker N-Acetylcystein (Fluimucil) die Studienlage sehr widersprüchlich und die Wirksamkeit nicht eindeutig belegt, obwohl das Präparat oft verkauft und eingenommen wird.

Bei den synthetischen Antitussiva (Hustenstiller) unterscheidet man Opioide (Wirksamkeit ungenügend geklärt, Risiko von Nebenwirkungen) und Nicht-Opioide (Wirksamkeit ungenügend geklärt):

– Opioide Antitussiva wie Codein, Dextromethorphan, Dihydrocodein, Pholcodin, Hydrocodon, Noscapin, Ethylmorphin und Opium sollen den Hustenreiz zentral im Gehirn blockieren. Insbesondere Codein und Dextromethorphan sind in zahlreichen Medikamenten enthalten und werden oft angewendet. Ob sie jedoch tatsächlich wirksam sind, ist umstritten und in klinischen Studien bisher nicht zweifelsfrei belegt. Opioide können unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit, Atemdepression und Verstopfung verursachen. Ausserdem kann sich eine Abhängigkeit entwickeln.

– Nicht-opioide Antitussiva wie Butamirat, Butetamat, Levodropropizin und Morclofon sind chemisch nicht mit den Opioiden verwandt und sind daher frei von opioiden unerwünschten Wirkungen. Sie sind jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend dokumentiert und moderne Zulassungsstudien fehlen.

Berücksichtigt man sowohl Wirkungen als auch unerwünschte Nebenwirkungen für die Beurteilung, so schneiden die erwähnten Heilpflanzen-Anwendungen im Vergleich zu den synthetischen Substanzen gut ab.

Allerdings stimmt auch der Hinweis im Zitat, dass längst nicht alle Präparate, welche die erwähnten Heilpflanzen enthalten, den geforderten Qualitätskriterien genügen.

Es gibt sehr grosse Qualitätsunterschiede bei Heilpflanzen-Präparaten.

P.S.

– Mit Drosera ist Sonnentau gemeint, eine insektenfressende Pflanze, die im Hochmoor wächst.

– Efeublätter nicht als Tee verwenden, sondern nur als Fertigpräparat, das auf einen bestimmten Wirkstoffgehalt eingestellt ist.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilpflanzen lindern Husten bei Kindern

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Die Zeitschrift „Die Apotheke“ (Nr. 9 / 2012) publizierte einen Abschnitt über Heilpflanzen zur Linderung von Husten bei Kindern:

„Bei Kindern gilt zu bedenken, dass die Atemwege noch eng und somit sehr empfindlich sind. Hat Ihr Kind Schwierigkeiten beim Einatmen, deutet dies auf eine Entzündung des Kehlkopfes, des Rachens oder der Luftröhre hin. Bei Problemen beim Ausatmen kann eine Bronchitis, Bronchiolitis – Entzündung der kleinsten, knorpellosen Bronchien – oder Asthma bronchiale vorliegen. Im Allgemeinen können Kinder mit Hustenmitteln versorgt werden, ein Arztbesuch ist aber notwendig, wenn Atemprobleme wie Rasseln, Husten bei körperlicher Belastung oder Husten ohne Erkältungserscheinungen auftreten. Auch wenn Ihr Kind wenig trinkt oder der Husten plötzlich beginnt, sollte dies abgeklärt werden. Denn Ihr Kind könnte auch einen Fremdkörper verschluckt haben. Auch Inhalationen in Form eines Kopfdampfbades oder Omas Zwiebelwickel können helfen. Zwiebelstreifen dazu erhitzen, in ein Leinentuch wickeln und auf Hals oder Brust legen. Achtung: Alkoholhaltige Hustensäfte über 5% sind für Kinder nicht geeignet! Besser: eine Teemischung aus Eibischwurzel, Huflattich, Thymian und Spitzwegerich. Im Allgemeinen sollten Antitussiva und Expektorantien nicht kombiniert werden. Expektorantien sollen den Schleim lösen, während Antitussiva den Hustenreiz unterdrücken – nimmt man beide ein, wird der Schleim nicht abgehustet und ein Sekretstau kann sich bilden. Es besteht jedoch die Möglichkeit, tagsüber Schleimlöser einzunehmen und abends für einen besseren Schlaf Hustenreizdämpfer.“

Kommentar & Ergänzung:

Ich selber würde Huflattich durch Malvenblüten ersetzen. Huflattich enthält sehr geringe Mengen an lebertoxischen und krebsfördernden Pyrrolizidinalkaloiden. Zwar ist nicht geklärt, ob damit für den Menschen bei der Anwendung von Huflattich ein konkretes Risiko verbunden ist. Doch kann man sicherheitshalber den Huflattich durch Malvenblüten ersetzten. Sie enthalten ebenfalls Schleimstoffe, aber keine Pyrrolizidinalkaloide.

Was genau sind Antitussiva?

Antitussiva sind hustenreizlindernde Medikamente, die bei trockenem Reizhusten eingesetzt werden. Zu den am häufigsten verwendeten Substanzen zählen Codein und Dextromethorphan. Diese Wirkstoffe können unerwünschte Nebenwirkungen verursachen, sind anfällig für Arzneimittel-Wechselwirkungen und können als Rauschmittel missbraucht werden. Sie sind nicht für alle Patienten geeignet und sollen vor allem bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern mit Vorsicht oder nicht eingesetzt werden. Antitussiva sollen die Häufigkeit und Intensität von Hustenanfällen vermindern. Ob sie wirklich wirksam sind, ist umstritten.

Die wichtigsten Antitussiva:

Opioide Antitussiva wie Codein, Dextromethorphan, Dihydrocodein, Pholcodin, Hydrocodon, Noscapin, Ethylmorphin und Opium sollen den Hustenreiz zentral im Gehirn blockieren. Insbesondere Codein und Dextromethorphan sind in zahlreichen Medikamenten enthalten und werden oft angewendet. Ob sie jedoch tatsächlich wirksam sind, ist umstritten und in klinischen Studien bisher nicht zweifelsfrei belegt. Opioide können unerwünschte Wirkungen wie Müdigkeit, Atemdepression und Verstopfung verursachen. Ausserdem kann sich eine Abhängigkeit entwickeln.

Nicht-opioide Antitussiva wie Butamirat, Butetamat, Levodropropizin und Morclofon sind chemisch nicht mit den Opioiden verwandt und sind daher frei von opioiden unerwünschten Wirkungen. Sie sind jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend dokumentiert und moderne Zulassungsstudien fehlen.

– Heilpflanzen mit antitussiver Wirkung:

Eibisch, Spitzwegerich, Malve, Isländisches Moos und Sonnentau sind besser verträglich als die synthetischen Wirkstoffe und eine gute Alternative, hauptsächlich bei Kindern. Auch einige pflanzliche Expektorantien wie Guaifenesin zeigen zusätzlich eine antitussive Wirkung.

– Honig:

In einer klinischen Studie bei Kindern und Jugendlichen zwischen 2 und 18 Jahren erwies sich Honig vor dem Zubettgehen als wirksamer gegen nächtlichen Husten im Vergleich zu Dextromethorphan (Paul et al., 2007). Die Dosierung lag je nach Alter bei einem halben bis zu 2 Teelöffel Buchweizenhonig. Honig soll allerdings nicht bei Kindern unter einem Jahr angewendet werden (Risiko Botulismus durch Clostridium botulinum Sporen) und den Zähnen schaden kann (Karies). Die Studienmethodik von Paul et al. wurde allerdings auch in Frage gestellt.

Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Antitussiva

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Antitussiva (Hustenstiller / Hustenblocker) bei trockenem Husten

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Was hilft bei trockenem Husten?

„Trockener Husten ist meist das erste Symptom eines Virusinfekts der oberen Luftwege oder tritt in Kombination mit anderen Erkältungssymptomen auf. Diese Art des Hustens erfolgt manchmal nur als Hüsteln oder Räuspern gemeinsam mit Heiserkeit, vor allem in den ersten Tagen einer Erkältung. So genannte Antitussiva – Hustenstiller – dienen zur Unterdrückung des Hustenreizes und werden bei trockenem Husten eingesetzt. Sie werden in der Regel 2 bis 3 Tage lang eingenommen. Zu den pflanzlichen Antitussiva zählen Spitzwegerich, Eibischwurzel, Königskerze, Isländisch Moos, während die Wirkstoffe Pentoxyverin, Benproperin oder Dextromethorphan zu den chemischen Antitussiva zählen. Ebenso können Lutschtabletten zur Minderung des Hustenreizes herangezogen werden, wie etwa pflanzliche Pastillen oder Lokalanästethika. Generell sollten Sie auf ausreichend Luftfeuchtigkeit achten – feuchte Handtücher auf der Heizung können helfen – sowie auf das Sprechen mit normaler, nicht lauter aber auch nicht flüsternder Stimme.“

Quelle: „Die Apotheke“ Nr. 9 / 2012

Kommentar & Ergänzung:

Zu den pflanzlichen Antitussiva würde ich noch die Malvenblüten (von Malva silvestris) hinzufügen.

Ein bewährtes Hausmittel sind zudem Inhalationen mit Kamillenblüten und Thymiankraut 1 : 1 gemischt oder mit Kochsalz.

Dazu zwei Liter Wasser zum Kochen bringen. Entweder eine Handvoll der Mischung von Kamilleblüten und Thymiankraut oder drei gehäufte Esslöffel Kochsalz dazugeben. Gesicht über die Schüssel halten, mit Handtuch abdecken und zehn Minuten inhalieren. Die Kamille wirkt desinfizierend und dämpft Entzündungen. Kochsalz wirkt schleimlösend.

Von den erwähnten synthetischen Wirkstoffen kommt in der Schweiz als Hustenblocker häufig Dextromethorphan zur Anwendung. Beispielsweise in Bexin®, Bexomed®, Calmperphan®, Clemesin®, Dextro-Med®, Pretuval® Pulmofor®, Vicks Medinait®.

Bei starkem Reizhusten kann Dextromethorphan temporär Sinn machen, die Anwendung in einem Kombipräparat wie Pretuval oder Vicks Medinait ist allerdings fragwürdig.

Siehe:

Erkältungsmittel: Hände weg von Kombipräparaten

Dextromethorphan kann allerdings problematische Nebenwirkungen haben, die zu wenig bekannt sind:

„ Nebenwirkungen treten unter Dextromethorphan in geringer Dosierung relativ selten auf. Bei einem geringen Prozentsatz der Bevölkerung (je nach Quelle 1 %-10 %) findet sich jedoch eine pharmakogenetische Schwäche des Cytochrom P450 Enzyms CYP2D6, so dass bereits bei therapeutischer Dosierung Halluzinationen, Realitätsverlust und psychotische Episoden auftreten können. Gelegentlich sind Müdigkeit, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen zu beobachten. Bei einigen Personen kann auch eine niedrige Dosis Juckreiz auslösen. Bei einer Überdosierung kann es zu Halluzinationen und psychotischen Episoden kommen.“

Quelle: Wikipedia

Infolge der erwähnten pharmakogenetischen Schwäche des Cytochrom P450 Enzyms CYP2D6 gibt es einen geringen Prozentsatz von Menschen, die den Wirkstoff Dextromethorphan sehr langsam abbauen. Dadurch verlängert sich die Plasmahalbwertszeit von Dextromethorphan, so dass schon bei therapeutischen Dosen ein starker Rauschzustand ausgelöst werden kann, der einer Psychose ähnelt.

Der Missbrauch von Dextromethorphan kann eine Drogenpsychose zur Folge haben, wobei unkontrolliertes Verhalten kann zur Selbstgefährdung oder Fremdgefährdung führen kann. Bei regelmäßiger, missbräuchlicher Einnahme kann sich eine Suchterkrankung entwickeln, unter Umständen muss auch mit Hirnschäden gerechnet werden.

Dextromethorphan sollte nicht in der Schwangerschaft angewendet werden, da es in Verdacht steht, die fetale Hirnentwicklung negativ zu beeinflussen.

Für ein rezeptfrei verkauftes Arzneimittel sind das ziemlich happige Risiken, die zur Vorsicht mahnen.

Möglichst zu meiden sind synthetische Hustenblocker bei produktivem Husten (= Husten mit Auswurf), weil sie das Abhusten des Schleims behindern.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: Eleutherococcus senticosus – Taigawurzel

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Die Österreichische Apothekerzeitung (22 / 2010) publizierte einen Artikel zum Thema „ Stärkung des Immunsystems mit Phytopharmaka – Pflanzliche Immunmodulatoren und Adaptogene“. Ein interessanter Abschnitt darin handelt von der Taigawurzel, Eleutherococcus senticosus. Hier einige Zitate (kursiv) mit kurzen Kommentaren von mir.

In welchen Bereichen wird Taigawurzel eingesetzt?

„Eleutherococcus senticosus (Rupr. & Maxim) Maxim. (Sibirischer Ginseng, syn. Acanthopanax senticosus (Rupr. & Maxim) Harms, Araliaceae), die Taigawurzel, wird zur Erhaltung und Aktivierung der körpereigenen Widerstandskraft, besonders bei außergewöhnlichen körperlichen, seelischen und geistigen Belastungen, einge-setzt. Sie steigert die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit bei Erschöpfungszuständen und ist vor allem als »Adaptogen« bekannt.“

Taigawurzel gehört wie Ginsengwurzel (Panax ginseng) zu den Heilpflanzen mit adaptogener Wirkung. Bei beiden Heilpflanzen gibt es ausserdem Hinweise auf immunstimulierende Effekte:

„In einer Studie an gesunden Probanden kam es nach 4-wöchiger Therapie mit einem ethanolisch-wässrigen Flüssigextrakt zu einer hochsignifikanten Zunahme immunkompetenter Zellen, vor allem von T-Lymphozyten, aber auch Killerzellen. Eine signifikante Stimulierung der Phagozytose wurde von Szolomicki und Mitarb. an 35 Probanden nach täglicher Einnahme von 75 Tropfen eines Flüssigextraktes über 30 Tage beobachtet. Auch das Auftreten von Herpes simplex type II Infektionen konnte nach Einnahme eines Trockenextraktes von Eleutherococcus senticosus (400 mg) erheblich verringert werden.“

Zu den Inhaltsstoffen von Taigawurzel:

„Die Taigawurzel enthält als Hauptinhaltsstoffe (Eleutheroside) Saponine, Lignane und deren Glykoside, monomere Phenylpropane, Cumarine und Sterole. Außerdem sind immunstimulatorisch wirkende Polysaccharide enthalten. Eleutherosid B (4-O-β-D-glucosid Syringin) ist bioverfügbar und erreicht bereits nach 15 Minuten das Konzentrationsmaximum im Blut. Es wird innerhalb von 48 h vor allem zu 90% über die Nieren wieder ausgeschieden.“

Die Inhaltsstoffe der Taigawurzel sind sehr unterschiedlich. Auch die Wechselwirkungen (Interaktionen) mit anderen Medikamenten waren Gegenstand von Untersuchungen:

„An gesunden Probanden konnte bei gleichzeitiger Gabe der Taigawurzel (970 mg) und CYP2D6- (Dextromethorphan) und CYP3A4- (Alprazolam) Substraten keine Interaktion festgestellt werden. Die an einem Einzelpatienten reproduzierbar beobachtete Interaktion mit Digoxin konnte durch eine Studie an 10 Patienten mit Bluthochdruck und regelmäßiger Einnahme von Digoxin nicht bestätigt werden. 300 mg eines Eleutherococcus-Trockenextraktes hatten während einer 8-wöchigen Einnahme keinen Einfluss auf den Digoxin-Blutspiegel. Digoxin ähnliche Substanzen in der Taigawurzel gaben vermutlich ein falsch positives Ergebnis in der Digoxin-Serum-Analyse.“

Und zur Dosisempfehlung:

„Von der EMA wurden Eleutherococcus-Zubereitungen als »Traditional Herbal Medicinal Products« eingestuft. Sie sollten nicht länger als 2 Monate mit einer Tagesdosis von 2 bis 3 g Droge eingenommen werden.“

Unter der Bezeichnung „Droge“ versteht man in der Phytotherapie getrocknete Heilpflanzen. Taigawurzel wird allerdings kaum  als Tee angewendet, oft jedoch als Fluidextrakt.

Die Einschränkung der Anwendungsdauer auf 2 Monate gründet auf fehlenden Langzeitstudien und theoretischen Sicherheitsüberlegungen. Schilcher / Kammerer / Wegener legen im „Leitfaden Phytotherapie“ auf drei Monate und fügen an, dass eine erneute Anwendung nach weiteren etwa zwei Monaten mögliche ist.

Quelle:

http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2010/OAZ-2010-22.pdf

Ergänzend Infos zu Botanik und Vorkommen von Eleutherococcus senticosus (nach Wikipedia):

„Die Borstige Taigawurzel (Eleutherococcus senticosus, Syn.: Hedera senticosa Rupr. & Maxim. (basionym), Acanthopanax senticosus (Rupr. & Maxim.) Harms), auch kurz Taigawurzel, Teufelsbusch, Stachelpanax, Sibirischer Ginseng, Eleutherokokk genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Araliengewächse (Araliaceae).

Die Borstige Taigawurzel ist beheimatet in Sibirien, im Amurgebiet, auf der Insel Sachalin, in Japan (auf der Insel Hokkaidō), Nordkorea, im nordöstlichen China (in den Provinzen: Hebei, Shanxi, sowie in der Mandschurei, das sind die Provinzen Heilongjiang, Jilin und Liaoning).“

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Erkältungssalbe hilft Kindern mit Infekten

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Die Anwendung einer Menthol enthaltenden Erkältungssalbe wirkt bei Kindern, die wegen Infektionen an nächtlichem Husten und anderen Erkältungssymptomen leiden.

Diese Art Erkältungssalben, deren Wirksamkeit bisher nicht durch wissenschaftliche Studien belegt werden konnte, hat jetzt ein Wissenschaftlerteam aus Pennsylvania genauer erforscht. Den Nachweis erbrachten sie in einer neuen Studie, die das Fachmagazin Pediatrics (doi:10.1542/peds.2010-1601) veröffentlicht.

Dabei handelt es sich um Salben, die neben Menthol auch Eukalyptusöl oder Kampher enthalten. Sie sind rezeptfrei erhältlich und laut Beipackzettel bei Erkältungsbeschwerden mit Schnupfen, Husten, Heiserkeit und Rachenentzündung indiziert.

Weil Infektionen der oberen Atemwege weltweit die häufigste Ursache für akute Krankheitszustände bei Kindern darstellen, sei der Bedarf für eine wirksame Behandlung sehr hoch, so der Erst-Autor und Leiter der Studie, Ian Paul.

In ihrer doppelt verblindeten Studie werteten die Forscher Auskünfte der Eltern von 138 Kindern zwischen zwei und elf Jahren aus, die akute nächtliche Erkältungssymptome gezeigt hatten.

Diese Kinder teilten sie in drei verschiedene Gruppen auf: Während die erste Gruppe abends 30 Minuten mit einer Erkältungssalbe eingecremt wurde, erhielten die restlichen Kinder entweder eine Behandlung mit Vaseline oder keine Behandlung. Am Morgen danach sollten die Eltern die Ärzte dann über Hustenanfälle und Schlafverhalten ihrer Kinder informieren.

Bis auf eine weiterhin laufende Nase zeigte die Erkältungssalbe in der ersten Gruppe einen signifikanten Therapieerfolg auf alle anderen Symptome. Dabei war die Anwendung von Vaseline genau so wirkungslos wie keine Behandlung. Trotz leichter, die Schleimhaut irritierender Nebenwirkungen zeigte sich das abendliche Einreiben der Haut mit der Erkältungssalbe schließlich als wirkungsvoll.

Trotz der kleinen Zahl von Studienteilnehmern ist Paul überzeugt, dass die Wirkung des bereits über viele Jahrzehnte angewandten Hausmittels nun wissenschaftlich belegt sei.

Das Resultat der Studie ist für die Wissenschaftler auch darum erfreulich, weil eine Untersuchung zuvor Medikamente mit Dextromethorphan und Diphenhydramin als wirkungslos enttarnt hatte – zwei Wirkstoffe gegen Husten und Schnupfen, die nicht wirksamer waren als Placebos.

http://pediatrics.aappublications.org/cgi/content/abstract/peds.2010-1601v1

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/43454/Salbe_auf_der_Brust_hilft_Kindern_mit_Infekten.htm

http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/erkaeltung/news/husten-und-schnupfen-erkaeltungssalben-helfen-nachweislich_aid_569884.html

Kommentar & Ergänzung:

Menthol reizt die Kälterezeptoren in der Nase. Dadurch nehmen wir den Luftstrom durch die Nase intensiver war. Das verschafft uns die Empfindung einer freieren Atmung. Das Gefühl, dadurch „mehr Luft“ zu bekommen, ist zwar im wesentlichen eine angenehme Täuschung, doch lindert diese nicht unwesentlich die Beschwerden.

Erkältungssalben und ätherische Öle bei Säuglingen und Kleinkindern nie im Bereich von Hals und Gesicht (vor allem Nase) auftragen. Von Erkältungssalben mit Menthol würde ich bei Säuglingen und Kleinkindern generell abraten. Es sind Fälle beschreiben mit Atemstörungen (sog. Kratzschmer Reflex, der allerdings allgemein bei stark riechenden Substanzen auftreten kann, also nicht für Menthol spezifisch ist).

Falls Sie sich Kompetenz im Bereich der Selbstbehandlung von Erkältungskrankheiten mit Heilpflanzen erwerben möchten:

Einen guten Überblick über die Behandlung von Erkältungskrankheiten mit Heilpflanzen bietet das Tagesseminar zu diesem Thema.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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