Artikel mit Schlagwort ‘Depressionen’

Modewort “Burn-out” ist zu ungenau

Dienstag, November 8th, 2011

Vor einem inflationären Gebrauch des Modewortes „Burn-out“ warnt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe. „Auch wenn zu begrüßen ist, dass hierdurch die große Bedeutung psychischer Erkrankungen deutlicher und die diesbezügliche Sensibilität erhöht wird, so wird der inflationäre Gebrauch des schwammigen Begriffs Burn-out von vielen Betroffenen und Experten aus mehreren Gründen als Verwirrung stiftend, irreführend und längerfristig Stigma verstärkend eingeschätzt“, schreibt die Stiftung.

Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, betonte in diesem Zusammenhang, dass der Begriff „Burn-out“ nicht klar definiert sei. Daher gäbe es für die psychischen Störungen, die unter dem Begriff Burn-out zusammengefasst würden, auch keine Behandlungen mit Wirksamkeitsbelegen aus methodisch guten Studien.

Ein Großteil der Patientinnen und Patienten, die wegen „Burn-out“ eine längere Auszeit nähmen, litten in Wahrheit an einer depressiven Erkrankung. Dazu zähle auch das Gefühl tiefer Erschöpftheit.

Problematisch und nicht selten in gefährlicher Weise irreführend ist nach Aussagen der Stiftung, dass der Begriff „Burn-out“ eine Selbstüberforderung oder Überforderung von außen als Ursache suggeriert.
Denn auch wenn ausnahmslos jede Depression mit dem tiefen Gefühl der Erschöpftheit einhergehe, sei nur bei einer Minderheit der depressiv Erkrankten eine tatsächliche Überforderung der Auslöser der Erkrankung.

Mit dem Begriff Burn-out sei oft die Vorstellung verknüpft, dass ein ruhigerer Lebensstil eine gute Bewältigungsstrategie sei, also zum Beispiel eine längere Nachtruhe und ein Urlaub. Verberge sich hinter dem Begriff „Burn-out“ jedoch eine Depression, so seien das keine empfehlenswerten und häufig sogar gefährliche Gegenmaßnahmen. Menschen mit depressiven Erkrankungen reagierten beispielsweise auf längeren Schlaf und eine längere Bettzeit nicht selten mit Zunahme der Erschöpftheit und mit einer Stimmungsverschlechterung.

Auch ein Urlaub sei jedem depressiv Erkrankten dringend abzuraten, weil die Depression mitreise und der depressive Mensch den eigenen Zustand mit Antriebsstörung und der Unfähigkeit, Freude zu empfinden, im Urlaub als besonders bedrückend und schmerzlich erlebe. Ausserdem führe eine Vermengung von Stress, Burn-out und Depression zu einer Verharmlosung der Depression. „Stress, gelegentliche Überforderungen und Trauer sind Teil des oft auch bitteren und schwierigen Lebens und müssen nicht medizinisch behandelt werden“, schreibt die Stiftung. Depressionen seien im Gegensatz dazu schwere, häufig lebensbedrohliche Erkrankung. Die Verharmlosung der Depression fördere das Unverständnis gegenüber depressiv Erkrankten und das damit assoziierte Stigma. „Der beste Weg zu einem optimalen Umgang mit der Erkrankung Depression ist es, eine Depression auch Depression zu nennen“, erklärt Ulrich Hegerl.

Quelle:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/47913/Modewort_Burn-out_ist_zu_unpraesize.htm

http://www.deutsche-depressionshilfe.de/

Kommentar & Ergänzung:

Der sehr inflationäre und schwammige Gebrauch des  Begriffs „Burn-out“ ist tatsächlich problematisch. Die Klarstellungen der Stiftung Deutsche Depressionshilfe sind daher wertvoll und sehr zu begrüssen.

Im Bereich der Pflanzenheilkunde gibt es eine ähnliche Begriffsvermischung im Umgang mit Johanniskraut. Es wird zu ungenau unterschieden zwischen Verstimmung, Trauer und Depression.

Bei leichten und mittleren Depressionen gilt Johanniskraut-Extrakt als mögliche Alternative zu synthetischen Antidepressiva.

Temporäre Verstimmungen und Trauer sind aber keine Indikationen für eine Johanniskraut-Therapie. Sie brauchen andere Umgangsweisen.

Ich kann an diesem Punkt die Aussage der Stiftung Deutsche Depressionshilfe nur unterstreichen:

„Stress, gelegentliche Überforderungen und Trauer sind Teil des oft auch bitteren und schwierigen Lebens und müssen nicht medizinisch behandelt werden“.

Es braucht in solchen Situationen kein Johanniskraut (dessen Wirksamkeit bei leichten und mittleren Depressionen aber als belegt gilt). Es braucht aber auch keine Scheinheilmittel wie Bachblüten, Schüsslersalze, Burgerstein-Pillen…..

Diesen Boom, jede Unebenheit im Leben mit einem Präparat aus Medizin oder Komplementärmedizin ausbügeln zu wollen,  halte ich für völlig krank. Er ist ein Ausdruck von Konsumdenken und von sehr überzogenen Ansprüchen an das Leben.

Anstelle der suchtartigen Gier nach immer mehr Medizin und Komplementärmedizin wäre es meiner Ansicht nach sinnvoller, wenn wir uns vertieft Gedanken machen würden über unseren Umgang mit Gesundheit und Krankheit. Und über nichtmedikamentöse Arten des Umgangs mit den Unebenheiten des Lebens.

(was aber nicht ausschliesst, dass es selbstverständlich Patientinnen und Patienten gibt, die eine medizinische Behandlung brauchen).

Leider ist diese Position nicht sehr lukrativ, weil man damit nicht viel verkaufen kann………..

Ausser Kurse und Weiterbildungen – solange es Menschen gibt, die nicht nur wundersame Heilsversprechungen hören,  sondern sich umfassender mit Gesundheit und Krankheit auseinandersetzen wollen.

Ein solches Angebot finden Sie bei mir zum Beispiel auf www.patientenseminare.ch oder via www.heilpflanzen-info.ch/cms/kurse

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Phytotherapie: Johanniskraut-Extrakt gegen Depressionen

Sonntag, Oktober 30th, 2011

Der Ravensburger Psychiater Prof. Dr. Volker Faust schreibt in seinem

Nachschlagewerk „Psychische Störungen heute“ (ecomed 2011):

„Kein Antidepressivum hat in den letzten Jahren einen solch spektakulären

Aufschwung genommen wie das Johanniskraut (Hypericum perforatum L.).

Inzwischen steht es unter den antidepressiven Substanzen nach Verordnung und

Verwendung sogar an vorderster Stelle (auch wenn es Umsatzeinbrüche gab).

Das Phyto-Antidepressivum Johanniskraut hat inzwischen durch mehr als 40

klinisch-therapeutische Studien belegt, dass sein Behandlungserfolg für leichtere

bis mittelschwere Depressionen mit dem von synthetischen (“chemischen”)

Antidepressiva vergleichbar ist. Außerdem werden noch spezielle Heilanzeigen

diskutiert: zum Beispiel Winterdepression, körperbezogene Störungen,

Trauerreaktion, Burnout-Syndrom, prämenstruelle Störungen, Klimakterium,

Tinnitus (Ohrgeräusche) oder chronischer Schmerz.“

Kommentar & Ergänzung:

Die Wirkung von Johanniskraut-Extrakt gegen Depressionen ist inzwischen sehr gut untersucht und dokumentiert.

In der Schweiz gibt es einige Johanniskrautpräparate, die von der Grundversicherung bezahlt werden, wenn ein Arzt oder eine Ärztin sie verschreibt.

Infos dazu hier:

Johanniskraut: Jarsin, Solevita, Hyperiplant, Rebalance, Hyperimed, Lucillium, Hypericum Mepha in der Grundversicherung

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Photosensibilisierung durch Johannisöl?

Sonntag, Oktober 23rd, 2011

Johannisöl ist ein altes Hausmittel in der Wundbehandlung, gegen Sonnenbrand, zur Narbenpflege etc.

Wann genau eine Anwendung von Johannisöl sinnvoll ist, müsste noch genauer unter die Lupe genommen werden.

Oft hört man im Zusammenhang mit Johannisöl, dass es eine photosensibilisierende Wirkung habe, also die Haut empfindlicher gegen Sonnenstrahlung mache.

Beim Johanniskraut ist die Frage einer Photosensibilisierung schon seit längerem ein Thema, doch geht es dabei um die Einnahme von Johanniskraut-Extrakten gegen Depressionen. Verantwortlich für diesen Effekt ist der Inhaltsstoff Hypericin.

Es spricht sehr viel dafür, dass dieses Risiko überschätzt wird.

Siehe:

Risiko der Photosensibilisierung durch Johanniskraut wird überschätzt

Johanniskraut & Sonnenlicht

Bei der äusserlichen Anwendung von Johannisöl spricht alles dafür, dass vom Hypericin auf diesem Weg kein Risiko einer Photosensensibilisierung ausgeht. Allenfalls bewirkt der „Brennglaseffekt“ des fetten Öls ein erhöhtes Sonnenbrandrisiko. Das sieht auch eine Publikation der carstens-stiftung so:

„Eine Photosensibilisierung konnte lediglich für das Johanniskrautöl mit der sensitiven photometrischen Erythemmessung nachgewiesen werden. Dieser signifikante Effekt (Erythemverstärkung) konnte  allerdings mit dem visuellen Score nicht betätigt werden, so dass der Effekt insgesamt als klinisch nicht relevant eingestuft werden kann. Unter Umständen ist die leichte Erythemverstärkung durch das Öl auf einen ‚Brennglaseffekt’ zurückzuführen, indem die Durchlässigkeit für UV-Strahlen erhöht wird. Eine Photosensibilisierung, die den Hypericinen zugeschrieben wird, ist beim Öl eher unwahrscheinlich,  da die Hypericine als lipophile Oxidationsprodukte (Ölhypericine) vorliegen und wahrscheinlich nicht mehr photodynamisch aktiv sind.“

Aus: Photosensibilisierende und immunmodulierende Eigenschaften von Johanniskrautcreme und Johanniskrautöl; Ch. M. Schempp, B. Winghofer, R. Lüdtke, J.C. Simon, E. Schöpf, auf: http://www.carstens-stiftung.de/wissen/phyto/pdf/jahrbuch_johanniskraut_schempp.pdf

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Phytotherapie: Schlafstörungen bei Kindern

Freitag, Oktober 21st, 2011

In der Zeitschrift „Kinderärztliche Praxis“ (5 / 2008) erschien ein Artikel über „Phytopharmaka bei Kindern – Indikationen, Möglichkeiten, Grenzen“ von Prof. Karin Kraft (Lehrstuhl für Naturheilkunde an der Universität Rostock).

Hier ein Zitat zum Thema „Schlafstörungen bei Kindern“:.

„Bei Kindern sind Schlafstörungen, psychosomatische Störungen, Angstzustände und insbesondere Depressionen häufiger, als allgemein angenommen wird. Im Bereich der Phytotherapie existieren verschiedene therapeutische Optionen.

Bei Einschlafstörungen eignen sich Zubereitungen aus Baldrianwurzel, Melissenblätter, Lavendelblüten und Hopfenzapfen. Baldrianwurzel wird häufig mit Melissenblättern oder Hopfenzapfen kombiniert. Melissenblätter haben sedierende und karminative Eigenschaften, ihr Einsatz ist bei Einschlafstörungen, die durch nervöse Herz- und Magen-Darmbeschwerden hervorgerufen werden, besonders sinnvoll. Lavendelblüten wirken schwach beruhigend und sind bei Unruhezuständen und Einschlafstörungen geeignet, zudem bei nervösen Magen-Darmbeschwerden. Für Unruhe- und Angstzustände sowie Schlafstörungen sind Zubereitungen aus Hopfenzapfen empfehlenswert. Beliebt ist auch das traditionelle Hopfenkissen.“

Quelle:

http://www.kinderaerztliche-praxis.de/index.php?id=5113&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[search]=phytotherapie&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[year]=-1&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[page]=&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[showDetail]=14413&tx_n98kirchheimarchiv_pi1[magazine][0]=Kinderärztliche%20Praxis

Kommentar und Ergänzung:

Auch Orangenblütentee oder Goldmelissentee sind Optionen, die ausprobiert werden können, obwohl es für die Wirkung dieser Heilpflanzen keine Belege gibt.

Siehe auch:

Orangenblütentee bei Einschlafstörungen

Goldmelisse – Zitronenmelisse: Unterschiede?

Ausserdem:

Schlafstörungen – nichtmedikamentöse Massnahmen nutzen

Viele Kinder im Einschulungsalter leiden an Schlafstörungen

Hopfen und Baldrian sind für Kinder aus geschmacklichen Gründen in Form von Kräutertee eher ungünstig.

Lavendel eignet sich gut in Form von Lavendelöl (im Raum verdunsten lassen, Lavendelbad, Lavendeleinreibung verdünnt mit fettem Öl) oder als Lavendelkissen.

Melisse ( = Zitronenmelisse) als Tee am besten mit frischen Melissenblättern aus dem Garten zubereiten oder als Melissenöl (teuer!) anwenden.

Eine weitere Option ist Passionsblumenkraut.

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Johanniskraut-Präparate in der Grundversicherung: Jarsin, Solevita, Hyperiplant, Rebalance, Hyperimed, Lucillium, Hypericum Mepha, Hyperval

Donnerstag, Oktober 13th, 2011

Johanniskraut-Präparate sind gut etabliert bei leichten und mittleren Depressionen.

Johanniskraut-Präparate mit ausreichend belegter Wirkung werden in der Schweiz von den Krankenkassen aus der Grundversicherung bezahl, wenn ein ärztlichen Rezept vorliegt.

Weil dieser Umstand wenig bekannt ist, hier die entsprechenden Johanniskraut-Präparate:

Jarsin, Solevita, Hyperiplant, Rebalance, Hyperimed, Lucillium, Hypericum Mepha, Hyperval

Die Reihenfolge ist nicht als Rangliste bezüglich Wirksamkeit gemeint.

Festzuhalten ist dabei allerdings, dass die verschiedenen Johanniskraut-Präparate unterschiedliche Johanniskraut-Extrakte enthalten – und zwar mengenmässig (mg), aber auch qualitativ (Konzentration des Extraktes, Zusammensetzung des Extraktes).

Wenn Sie lernen möchten, solche Präparate zu beurteilen um sich eine fundierte Meinung zu bilden, dann können Sie das im Heilpflanzen-Seminar und in der Phytotherapie-Ausbildung.

Siehe auch:

Johanniskraut: Wechselwirkungen mit Kontrazeptiva

Zur Therapie der Depression und dem Stellenwert von Johanniskraut

Phytotherapie: Wechselwirkungen von Johanniskraut

Johanniskraut-Wirkstoffe und Wirkungsweise

Risiko der Photosensibilisierung durch Johanniskraut wird überschätzt

Phytotherapie: Wirkstoffe im Johanniskraut

Phytotherapie: Johanniskraut nur informiert einnehmen

Phytotherapie: Johanniskraut & Wechselwirkungen

Wirkungsmechanismus von Johanniskraut untersucht

Phytotherapie: Zur Wirksamkeit von Johanniskraut

Phytotherapie: Behandlung von Depressionen mit Johanniskraut

Europäische Pflanzenmonografie: Johanniskraut gegen Depressionen

Johanniskraut & Sonnenlicht

Phytotherapie: Neueste Erkenntnisse zum Johanniskraut

Phytotherapie: Positive Aussagen zu Johanniskraut bei Depressionen

Johanniskraut gegen Depressionen informiert anwenden

Johanniskraut bei Depressionen auch als erste Therapie

Johanniskraut und Antibaby-Pille: Warnungen gerechtfertigt?

Johanniskraut gegen Winterdepressionen

Phytotherapie: Wirkt Johanniskraut auch bei schweren Depressionen?

Johanniskraut: Wissenschaftliche Analyse zeigt Wirksamkeit einzelner Extrakte

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Baldrian, Hopfen und Johanniskraut sind keine Dauerlösung

Mittwoch, Oktober 12th, 2011

So betitelt das Yahoo-Newsportal einen Bericht über pflanzliche Beruhigungsmittel. Nachfolgend ein paar Zitate daraus mit dazwischengeschalteten Kommentaren von mir:

„Bei Aufregung oder Anspannung greifen viele Menschen zu pflanzlichen Beruhigungsmitteln, die es freiverkäuflich in jeder Apotheke oder Drogerie gibt. ‚Dagegen ist prinzipiell nichts einzuwenden, allerdings sollten diese Präparate nicht zur Dauerlösung werden’, sagt Christa Roth-Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater (BVDP).“

Einverstanden, ich finde auch, dass pflanzliche Beruhigungsmittel keine Dauerlösung sind.

„Ob Hopfen, Melisse, Johanniskraut oder Baldrian: Vielen Pflanzen wird eine beruhigende Wirkung nachgesagt. Manche erzielen nur einen Placebo-Effekt, manche wirken tatsächlich”, sagt die Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie aus Andernach. Die freiverkäuflichen Produkte seien in der Regel so niedrig dosiert, dass keine Probleme zu erwarten seien.“

Stimmt, es gibt grosse Unterschiede, was die Wirksamkeit von Heilpflanzen-Präparaten angeht.

„Problematisch könne die Einnahme jedoch werden, wenn die Pflanzenwirkstoffe dauerhaft geschluckt werden. ‚Auch Naturprodukte können dann zu unerwünschten Nebenwirkungen führen.’“

Einverstanden, auch Naturprodukte können zu unerwünschten Nebenwirkungen führen.

„So sei zum Beispiel von Johanniskraut bekannt, dass es zu Leberschäden und einer gefährlichen Lichtempfindlichkeit führen kann. Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sollten unbedingt ernst genommen werden: “Wer bereits regelmäßig Tabletten nimmt, sollte die zusätzliche Einnahme von pflanzlichen Präparaten unbedingt mit seinem Arzt absprechen”, rät die Medizinerin. Generell sei es ratsam, pflanzliche Beruhigungsmittel ohne Rücksprache mit einem Arzt nicht länger als drei Wochen einzunehmen.“

Sobald es ins Detail geht, werden die Aussagen in diesem Artikel fragwürdig.

Die Phytotherapie-Fachliteratur und auch die von den Arzneimittelbehörden bewilligten Beipackzettel erwähnen für Johanniskraut keine Leberschäden. Solange diese Aussage also nicht begründet und dokumentiert wird, gehe ich von einer falschen Unterstellung aus. Vielleicht entstand diese fragwürdige Aussage, weil Johanniskraut tatsächlich auf die Leber einwirkt. Es beeinflusst ein fremdstoffabbauendes Leberenzym, wodurch gewisse Medikamente schneller abgebaut werden. Das ist die Ursache für viel diskutierte Wechselwirkungen von Johanniskraut mit anderen Medikamenten. Das ist aber etwas anderes als Leberschäden.

Und von einer „gefährlichen Lichtempfindlichkeit“ durch Johanniskraut zu sprechen, ist ziemlich dramatisiert. Beobachtet wurde diese erhöhte Lichtempfindlichkeit bei Weidetieren, die Johanniskraut in grossen Mengen frassen.

Ich zitiere aus dem “Leitfaden Phytotherapie“:

„Bisher wurde die aus der Tiermedizin beim Abweiden von grossen Mengen Johanniskraut bekannte Photosensibilisierung beim Menschen nach der Einnahme von Johanniskrautpräparaten sehr selten beobachtet, da die hier zur Anwendung kommende Menge an Gesamthypericin vermutlich zu gering ist. Weder in mehreren Anwendungsbeobachtungen mit hochdosierten Johanniskrauttrockenextrakten (meist 900mg Extrakt als Tagesdosis) noch in zwei gezielt auf eine Photosensibilisierung ausgerichtete Studien mit STW3-Extrakt (Laif® 600) und STW3-VI-Extrakt (Laif® 900) konnte eine signifikant erhöhte Lichtempfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht bzw. UVA-Licht beobachtet werden. Die Studiengruppe kam zu dem Ergebnis, dass hypericinhaltige Johanniskrautpräparate in der üblichen Dosierung uneingeschränkt zu jeder Jahreszeit eingenommen werden können…Dennoch als mögliche Vorsichtsmassnahme eine intensive UV-Bestrahlung während der Behandlung vermeiden.“

Johanniskraut wird gegen leichte und mittlere Depressionen angewendet und auf depressive Menschen hat Licht einen günstigen Einfluss. Daher ist es unsinnig, die Gefahr der Photosensibilisierung durch Johanniskraut zu dramatisieren und dadurch Depressive möglicherweise vom Aufenthalt im Freien und an der Sonne abzuhalten.

Den Hinweis, dass bei der Anwendung von Johanniskraut allfällige Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beachtet werden müssen, unterschreibe ich aber wieder gerne.

Fazit 1: Dass Beruhigungsmittel aus Heilpflanzen wie Hopfen, Melisse und Baldrian sowie das Antidepressivum Johanniskraut keine Dauerlösung sind, scheint mir offensichtlich. Es sind zwar bei diesen Heilpflanzen-Präparaten keine Schäden oder konkrete Risiken durch Langzeitanwendung bekannt, doch geht es hier auch um eine Grundhaltung. Es ist einfach nicht sinnvoll, sich auf einen medikamentengestützten Lebensstil einzustellen, wenn das nicht aus medizinischen Gründen unumgänglich ist.

Fazit 2: Nicht gerade selten trifft man in Naturheilkunde & Komplementärmedizin eine ziemlich naive, idealisierte Vorstellung der Natur, in der die Heilpflanzen uns nur wunderbarerweise gesund machen und niemals irgendjemandem schaden können. Das ist Unsinn und der Beitrag auf Yahoo-News weißt zurecht darauf hin, dass auch Heilpflanzen unerwünschtem Nebenwirkungen haben können.

Aus anderen Kreisen kommt aber manchmal eine Dramatisierung solcher Nebenwirkungen, die genau so wenig der Realität entspricht – wie eben beispielsweise die „Leberschäden“ und die „gefährliche Lichtempfindlichkeit“ im kommentierten Yahoo-Text. Schön wäre es, wenn Ärztinnen und Ärzte sich via Phytotherapie-Fachliteratur oder Beipackzettel über den Stand des Wissens informieren würden, bevor sie vor unerwünschten Nebenwirkungen von Heilpflanzen-Präparaten warnen.

Quelle:

http://de.nachrichten.yahoo.com/baldrian-hopfen-und-johanniskraut-sind-keine-dauerlösung-065447567.html

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Beugt Kaffee Depressionen vor?

Freitag, September 30th, 2011

Ein erhöhter Kaffeekonsum könnte ältere Frauen vor Depressionen schützen, schreiben Forscher um Michel Lucas von der Harvard School of Public Health in Boston. In einer prospektiven Studie untersuchten die Wissenschaftler von 1980 bis 2004 über 50 000 US-amerikanische Frauen mit einem Durchschnittsalter von 63 Jahren, die zu Beginn nicht unter einer Depression litten.

Frauen, die täglich mindestens drei Tassen Kaffee konsumierten, hatten ein um 15 Prozent tieferes relatives Risiko an einer Depression zu erkranken als diejenigen, die nur maximal ein koffeinhaltiges Getränk pro Woche tranken (weniger als 100 Milligramm Coffein täglich). Bei vier oder mehr Tassen Kaffee am Tag, also mindestens 550 Milligramm Coffein täglich, verminderte sich das relative Risiko um 20 Prozent. Der Konsum von entkoffeiniertem Kaffee hatte auf das Erkrankungsrisiko keinen Einfluss. Das schreiben die Forscher im Fachjournal «Archives of Internal Medicine».

Coffein ist weltweit das am häufigsten angewandte zentralnervöse Stimulans. Etwa 80 % des Konsums erfolgt in Form von Kaffee. Die Autoren der Studie sehen in ihren Resultaten keinen eindeutigen Beweis dafür, dass Coffein tatsächlich das Depressionsrisiko reduziert. Es lassen sich aus ihrer Sicht jedoch protektive Eigenschaften vermuten. Weitere Untersuchungen müssten zeigen, ob der regelmäßige Konsum von coffeinhaltigem Kaffee einer Depression vorbeugen kann.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=39504&Nachricht_Title=Nachrichten_Kaffee+sch%FCtzt+im+Alter+vor+Depressionen&type=0

http://archinte.ama-assn.org/cgi/content/short/171/17/1571

Kommentar & Ergänzung:

Epidemiologische Studien wie die vorliegende können einen Zusammenhang nahe legen, ihn aber nie zweifelsfrei belegen. Es kann jedenfalls nicht mit letzter Gewissheit ausgeschlossen werden, dass Kaffeetrinkerinnen einen anderen Faktor gemeinsam haben, der für den Schutzeffekt gegen Depressionen verantwortlich ist.

Es handelt sich bei dieser Untersuchung um die Nurses Health Study.

Je mehr Kaffee die Krankenschwestern konsumiert hatten, desto seltener wurde bei ihnen später eine Depression diagnostiziert.

Diese Dosis-Wirkungsbeziehung sowie die Feststellung, dass der Zusammenhang nur für koffeinhaltigen Kaffee gefunden wurde, sprechen dafür, dass koffeinhaltiger Kaffee tatsächlich das Depressionsrisiko beeinflusst. Entkoffeinisierte Getränke zeigten wie erwähnt keinerlei Schutzwirkung.
Die Effekte von Koffein waren allerdings nicht besonders stark, wie die Resultate der Multivariat-Analyse zeigen. Sie berücksichtigt andere potentielle Einflüsse, zum Beispiel, dass Kaffeetrinkerinnen häufiger rauchen und Alkohol trinken und seltener in kirchliche und andere Gemeinschaften eingebunden sind, die die Psyche stützen können.

Eine Therapieempfehlung lässt sich aus dieser Studie natürlich ablesen. Sie könnte jedoch das positive Image fördern, welches Kaffee bei Epidemiologen derzeit genießt. Anders als bei anderen „Drogen“ hat der maßvolle Kaffee-Konsum keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit: Wer Kaffee trinkt erkrankt und stirbt nicht häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs.

Der Einfluss auf Entzündungsmarker, die bei der Pathogenese der Atherosklerose eine Rolle spielen, ist sogar positiv. Ebenso haben jüngere Studien ein reduziertes Typ-2-Diabetesrisiko aufgezeigt. Stets handelte es sich aber um prospektive Beobachtungsstudien oder Fall-Kontroll-Studien, deren Aussagekraft nicht überbewertet werden sollte.

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Studie zeigt: Sport hilft gegen Depression

Sonntag, September 18th, 2011

Depressive Patienten, deren Stimmung sich durch die Therapie mit Antidepressiva aus der Klasse der selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-­Hemmern (SSRI) nicht genügend bessert, können von sportlicher Betätigung profitieren. In einer kürzlich veröffentlichten Studie reduzierte ein zwölfwöchiges aerobes Ausdauertraining bei Patienten mit Depression den Schweregrad der Symptomatik signifikant, zum Teil bis hin zur Remission. Das berichten Wissenschaftler um Dr. Madhukar Trivedi von der University of Texas (Dallas) im «Journal of Clinical Psychiatry».

Ob eine nur mäßige oder eine intensivere Belastung der psychischen Gesundheit mehr zuträglich war, wurde von individuellen Faktoren beeinflusst. Männer profitierten generell mehr von diesem Ausdauertraining, wenn sie sich stärker anstrengen mussten: Sie erreichten dann in 85,4 Prozent der Fälle eine Remission, während es nach leichtem Training nur 0,1 Prozent waren. Bei Frauen war ein leichteres Training erfolgreicher, wenn in ihrer Familie schon andere Fälle von psychischen Erkrankungen aufgetreten waren. War zuvor noch kein Familienmitglied psychisch erkrankt, erreichten auch Frauen durch intensiveres Training höhere Remissionsraten als durch leichtes (39 Prozent versus 5,6 Prozent).

«Wenn depressive Patienten auf SSRI nicht ansprechen, kann Bewegung ebenso hilfreich sein wie die Hinzunahme eines weiteren Wirkstoffs», kommentierte Trivedi die Resultate. Er glaubt, dass zahlreiche Patienten lieber Sport treiben würden als zusätzlich noch ein Arzneimittel einzunehmen. Die Intensität der sportlichen Belastung müsse dabei allerdings auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden.

Quellen:

doi: 10.4088/JCP.10m06743

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=4194&Nachricht_ID=39116&Nachricht_Title=Nachrichten_Studie%3A+Sport+hilft+gegen+Depression&type=0&folder_id=38831

Kommentar & Ergänzung:

Dass Bewegung nicht nur für den Körper gesund ist, sondern auch das psychische Befinden verbessern kann, ist schon verschiedentlich durch Studien belegt worden.

Bewegung beugt Depressionen vor

Ein schönes Zitat zur antidepressiven Wirkung von Bewegung gibt es von Søren Kierkegaard (1813 – 1855):

“Ich laufe mir jeden Tag mein tägliches Wohlbefinden an und entlaufe so jeder Krankheit; ich habe mir meine besten Gedanken angelaufen, und kenne keinen, der so schwer wäre, dass man ihn nicht beim Gehen loswürde. Ist man so am Gehen, so geht es schon.”

Im übrigen gehört Bewegung zur klassischen Naturheilkunde und ist eine der fünf Säulen in der Kneipptherapie von Sebastian Kneipp, neben Heilpflanzen-Anwendungen, Ernährung, Hydrotherapie und Ordnungstherapie.

Siehe dazu:

Naturheilkunde – was ist das?

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Fazit zur Phytotherapie

Dienstag, August 9th, 2011

In der Zeitschrift „Der Hausarzt“ (2010 / 14: 31 -36) präsentierte Dr. med Berthold Musselmann einen guten Überblick der gegenwärtigen Phytotherapie. Am Schluss des Artikels zieht Musselmann ein interessantes Fazit:

„Gegen (fast) jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen, zumindest für die Linderung von Symptomen, zur Einsparung klassischer Medikamente und zur Mitbehandlung.

Die verabreichte Dosis und Qualität der Präparate müssen ausreichend sein, was häufig nicht der Fall ist, vor allem bei Selbstmedikation durch den Patienten.

Grenzen der Therapie mit Heilpflanzen sind schwere, gezielt therapierbare Infektionen mit bekanntem Erreger, Erkrankungen, bei denen Phytopharmaka nicht ausreichend wirken, und Notfälle.

Wenige Phytopharmaka haben es bisher in Leitlinien geschafft (Johanniskraut bei Depressionen, Cineol bei Sinusitis, Cranberry bei rezidivierender Zystitis u. a.). Die vorhandene Evidenz, die hohe Patientencompliance, die geringen Nebenwirkungen und meist niedrigen Kosten werden dabei nicht ausreichend berücksichtigt.

Die Qualität von Phytotherapeutika ist höchst unterschiedlich. „Gute Präparate“ sind auf bekannte Wirkstoffe standardisiert, das DEV (Droge-Extrakt-Verhältnis) und der Gehalt an Extrakt pro Tablette sind angegeben und die Galenik ist optimiert.“

Quelle:

http://www.springermedizin.de/abc-der-klassischen-phytotherapie/275054.html

Kommentar & Ergänzung:

Unterstreichen möchte ich hier die grossen Unterschiede in der Qualität der Heilpflanzen-Präparate. An diesem Punkt versagt auch sehr oft die Beratung in Apotheken und Drogerien, unter anderem weil häufig aus Gründen der Kundenbindung anstelle von hochwertigen Präparaten Hausspezialitäten mit fragwürdiger Qualität verkauft werden.

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Vor allem die Lehrgänge vermitteln das nötige Wissen, damit Sie sich als Konsument oder Konsumentin eine fundierte eigene Meinung zu den angepriesenen Naturheilmitteln bilden können.

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Heilpflanzen: Schafgarbe (Achillea millefolium)

Dienstag, August 2nd, 2011

Die Pharmaceutical Tribune veröffentlichte kürzlich einen interessanten Beitrag zur Schafgarbe. Hier ein paar Auszüge mit dazwischen gesetzten Kommentaren von mir:

„Äußerlich werden Umschläge aus zerquetschtem Kraut als Auflage bei Verletzungen empfohlen. Sitzbäder mit Schafgarbenaufguss können auf Grund der adstringierenden Wirkung Linderung bei Wunden im Anal- oder Dammbereich bringen…….Laut Kneipp entspricht das Potenzial der Schafgarbe dem des Johanniskrauts.“

Schafgarbe (Achillea millefolium) hat in der traditionellen Pflanzenheilkunde einen soliden Ruf als Wundheilpflanze. Sie wurde auch Soldatenkraut und Zimmermannskraut genannt.

Eine wundheilende Wirkung könnte auf das ätherische Öl mit dem Bestandteil Chamazulen zurückzuführen sein. Schafgarbenöl gleicht an diesem Punkt dem Kamillenöl, das seine tiefblaue Farbe dem Chamazulen verdankt.

Wenn Sebastian Kneipp das Potential der Schafgarbe mit demjenigen des Johanniskrautes vergleicht, meint er das sicherlich bezüglich der wundheilenden Wirkung, und nicht bezogen auf die heute viel bekanntere Wirkung des Johanniskrautes gegen Depressionen.

„Die wirksamen Inhaltsstoffe sind vielfältig. Bis zu 1 % ätherisches Öl ist im Kraut enthalten. Laut Arzneibuch beträgt der geforderte Mindestgehalt der Arzneidroge 0,3 %. Dieses kann je nach Ursprung azulenhaltig (bis zu 40 %) oder azulenfrei sein.“

Bei der Schafgarbe (Achillea millefolium) gibt es mehrere Unterarten, die sich im Wirkstoffgehalt stark unterscheiden. Das drückt sich auch in der grossen Spannweite des Azulen-Gehaltes aus – von Null bis zu 40%.

„Die enthaltenen Sesquiterpenlaktone wirken als Bitterstoffe krampflösend auf den Verdauungstrakt und fördern die Gallensekretion.(1)“

Schafgarbe gehört zu den Amara-Aromatica, das sind Heilpflanzen, die sowohl ätherische Öle als auch Bitterstoffe einthalten.

„Das ätherische Öl ist antibakteriell und fungistatisch.“

Fungistatisch = pilzhemmend

„Untersuchungen belegen die choleretische Wirkung für diese Inhaltstoffgruppe anhand methanolischer Extrakte im Vergleich zu Zynarin. (2)“

Choleretisch = regt die Gallensaftproduktion in der Leber an.

Zynarin meint wohl Cynarin, den Bitterstoff aus den Artischockenblättern.

„In hohen Anteilen sind Flavonoidglykoside vom Luteolin- und Apigenintyp sowie Phenolkarbonsäuren im Schafgarbenkraut enthalten. Sie wirken entzündungshemmend und gefäßstabilisierend. Sowohl als wässriger Aufguss als auch in Form einer Tinktur hat Millefolii herba entzündungshemmende und krampflösende Wirkung.(3)“

Traditionell wird die krampflösende Wirkung von Schafgarbentee angewendet zur Linderung von Menstruationskrämpfen. Das könnte allerdings besser dokumentiert sein – doch würde ich das durchaus mal ausprobieren, wenn ich Menstruationskrämpfe hätte….Für diesen Anwendungsbereich würde ich Schafgarbentee gegenüber der Schafgarbentinktur vorziehen. Als Bittermittel bei Verdauungsschwäche ist Schafgarbentinktur dagegen ebenbürtig.

„Regelmäßige Bäder mit Schafgarbenextrakten bei schlecht heilenden Läsionen am diabetischen Fuß konnten die Wundheilung verbessern. Cave: Korbblütlerallergie!“

Für die Korbblütlerallergie sind die Sesquiterpenlactone verantwortlich. Wer auf sie allergisch ist, wird auch Probleme haben mit den meisten anderen Pflanzen aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae), zum Beispiel mit Kamille und Arnika.

„Als Apotheker können wir eigene Varianten empfehlen – Schafgarbenextrakt als entzündungshemmenden Zusatz für Sitzbäder gegen Hämorrhoiden und Analfissuren oder einen krampflösenden Tee bei verdauungs- oder menstruationsbedingten Beschwerden im Unterbauch. Auch Kinder ab zwei Jahren profitieren vom Schafgarbentee bei unspezifischen Bauchschmerzen, man sollte ihn nur mit Honig verfeinern.“

Bei Hämorrhoiden und Analfissuren würde ich alllerdings Heilpflanzen mit hohem Gerbstoffgehalt vorziehen, vor allem Eichenrinde oder stark ausgezogenen Schwarztee. Allenfalls liesse sich das aber kombinieren mit den Kamillenblüten / Schafgarbe.

Quelle für die Zitate:

http://www.pharmaceutical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=109691&dspaid=946279

1 Z Naturforsch; 2002: 976–982, 2 Phytomed; 2006: 702–706, 3 BS Vet Med J; 2007: 86–92

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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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