Artikel mit Schlagwort ‘Depressionen’
Sonntag, Januar 1st, 2012
Edzard Ernst hat als Professor für Alternativmedizin (Universität Exeter) 18 Jahre lang erforscht, welche alternativen Heilmethoden wirken. Nun geht er in Pension und beantwortete im Interview Fragen der „Sonntagszeitung“. Hier ein Ausschnitt aus dem Gespräch:
„Gibt es alternativmedizinische Behandlungen, die wirken?
Ja natürlich, vor allem im Bereich der Pflanzenheilkunde findet sich einiges: Rosskastanie bei
Venenleiden, Weissdorn bei Herzinsuffizienz, Teufelskralle gegen Schmerzen und vieles mehr.
Welche komplementärmedizinischen Behandlungen würden Sie bei sich anwenden?
Hätte ich Depressionen, würde ich Johanniskraut-Extrakt einnehmen. Noch besser gegen
depressive Verstimmungen hilft aber körperliche Aktivität. Ich selbst nehme täglich eine Kapsel Omega-3-Fettsäuren ein, weil da die Wirksamkeit sehr gut ist, um kardiovaskulären Erkrankungen vorzubeugen.“
Quelle:
http://www.sonntagszeitung.ch/wissen/artikel-detailseite/?newsid=199734
Kommentar & Ergänzung:
Prof. Edzard Ernst hat sich immer interessiert, aber auch kritisch mit den verschiedensten Methoden der Komplementärmedizin auseinandergesetzt. Er ist dafür aus Kreisen der Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin oft angefeindet worden. Und das wie es in dieser „Szene“ leider häufig vorkommt, vor allem durch Diffamierungsversuche auf der persönlichen Ebene, kaum je durch Argumente.
Ich möchte hier daher eine Lanze brechen für den kritischen Ansatz von Edzard Ernst. Es gibt einen unüberschaubaren Dschungel an Produkten und Versprechungen im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin, darunter auch eine sehr grosse Zahl von Hirngespinsten, die zwar den Bedürfnissen, Ängsten und Hoffnungen der Menschen entgegen kommen, aber keinerlei reale Basis haben. Es braucht nur schon aus Gründen des Konsumentenschutzes qualifizierte Instanzen, die solche Heilungsversprechen auf ihren Wahrheitsgehalt hin abklopfen.
Die staatlichen Arzneimittelbehörden haben sich aufgrund von politischen Vorgaben aus diesem Bereich zurückgezogen. Ganze Branchen sind kollektiv von der sonst üblichen Pflicht zum Wirksamkeitsnachweis befreit, zum Beispiel Präparate der Richtungen Homöopathie und Anthroposophische Medizin. Eine Firma wie „Similasan“ kann praktisch beliebig Produkte als Arzneimittel auf den Markt bringen, ohne relevanten Forschung- und Entwicklungsaufwand und ohne den Nutzen für die Konsumentinnen dokumentieren zu müssen. Für die Konsumentinnen und Konsumenten fehlt hier jede Transparenz.
Um so wichtiger sind unabhängige „Instanzen“ wie Edzard Ernst. Leider werden zunehmend Lehrstühle für komplementärmedizinische Forschung an Universitäten eingerichtet, die von der komplementärmedizinischen Pharmaindustrie finanziert werden. Solche Verflechtungen machen unabhängig-kritische Forschung nicht leichter.
Natürlich freut es mich, dass Prof. Edzard Ernst mit Weissdorn, Teufelskralle, Rosskastanie und Johanniskraut nach 18 Jahren Forschung vor allem Anwendungen aus der Phytotherapie Wirksamkeit bescheinigt. Dazu braucht es aber noch ein paar Ergänzungen:
1. Solche Bestätigungen sind schön, doch darf darüber nicht vergessen werden, dass es immer wieder auch negative Forschungsresultate gibt, also Studien, in denen Heilpflanzen-Extrakte die Wirkungen, die man sich erhoffte, nicht gezeigt haben. Es ist nämlich eine verbreitete „Seuche“ vor allem im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin, quasi mit der Lupe hoch motiviert nach Bestätigung zu suchen, negative Ergebnisse aber auszublenden oder schönzureden. Das ist eine komplett einseitige Buchhaltung, die nicht gerade vertrauenserweckend wirkt. Auch wenn’s dem Herzen manchmal weh tut: Beide Seiten müssen gleichwertig beachtet werden.
2. Genau genommen kann man in der Phytotherapie nicht sagen, Weissdorn wirkt bei Herzinsuffizienz, Teufelskralle gegen Schmerzen, Rosskastanie bei Venenleiden, Johanniskraut gegen Depressionen. Man müsst immer noch präzisieren, in welcher Arzneiform die betreffende Heilpflanze zu Wirkung kommen kann, zum Beispiel als Tee, Tinktur oder Extrakt.
3. Im Gespräch mit der Sonntagszeitung geht eine wichtige Differenzierung verloren. Ernst wird gefragt, ob es alternativmedizinische Behandlungen gibt, die wirken, und welche komplementärmedizinischen Behandlungen er bei sich selber anwenden würde. Auf beide Fragen antwortet er mit phytotherapeutischen Optionen.
Meines Erachtens gibt es aber kein auch nur einigermassen plausibles Argument, weshalb Phytotherapie zur Alternativmedizin oder zur Komplementärmedizin gezählt werden sollte.
Siehe dazu:
Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?
Wenn man die Phytotherapie irgendwo einordnen will, dann gehört sie zur Naturheilkunde und diese ist ein randständiger Bereich der Medizin.
Siehe:
Naturheilkunde – was ist das?
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe / Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Pflanzenheilkunde
www.phytotherapie-seminare.ch
Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
Tags: alternative Heilmethoden, Alternativmedizin, Anthroposophische Medizin, Arzneimittelbehörden, Ausbildung, Buchhaltung, Chronische Erkrankungen, Depressionen, depressive Verstimmungen, Edzard Ernst, Exeter, Extrakt, Forschung, Forschungsresultate, Gesundheitsberufe, Heilpflanzen, Heilpflanzen-Extrakte, Heilungsversprechen, Herzinsuffizienz, Hirngespinste, Hoffnungen, Homöopathie, Johanniskraut, Johanniskraut-Extrakt, kardiovaskuläre Erkrankungen, Klinik, Komplementärmedizin, Konsumentenschutz, Krankenpflege, Kräuterexkursionen, Medizin, Naturheilkunde, Omega-3-Fettsäuren, Pflanzenheilkunde, Pflege, Pflegeheim, Pharmaindustrie, Phytotherapie, Phytotherapie-Ausbildung, Rosskastanie, Schmerzen, Schweiz, Seuche, Similasan, Sonntagszeitung, Spitex, Studien, Tee, Teufelskralle, Tinktur, Transparenz, Universität, Universität Exeter, Universitäten, Venenleiden, Verstimmungen, Wahrheit, Wahrheitsgehalt, Weissdorn, Weiterbildung, Winterthur, Wirksamkeit, Wirksamkeitsnachweis, Wirkungen, Zürich
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Freitag, Dezember 23rd, 2011
Weshalb trinken zahlreiche Raucher massenweise Kaffee? Wie beeinflusst die Antibaby-Pille den Koffeinabbau? Und was geschieht mit Koffein bei Schwangeren? Hier ein paar interessante Informationen rund um das beliebte Genussmittel.
Kaffee weckt die Lebensgeister. Ob man ihn nun genüsslich geschlürft oder hastig heruntergestürzt – die anregende Wirkung des Koffeins setzt eigentlich bei allen schnell ein. 15 bis 120 Minuten nach der Einnahme finden sich im Blutplasma die höchsten Koffeinkonzentrationen. Beim Abbau des Koffeins sieht es schon ganz und gar nicht mehr so einheitlich aus.
Die normale Halbwertszeit des stimulierenden Stoffes liegt bei Jugendlichen und Erwachsenen zwischen 2,5 und 4,5 Stunden. Bei Rauchern jedoch ist diese Spanne zum Beispiel um 30 bis 50 Prozent kürzer. Das erklärt, weshalb zahlreiche Nikotinsüchtige so oft zur Kaffeetasse greifen.
Frauen, die mit Pille verhüten, erleben gegenteilige Wirkungen. Bei ihnen kann es doppelt so lange wie üblich dauern, bis die halbe Koffeindosis abgebaut ist. Die Koffein-Effekte halten dann entsprechend länger an. Auch während der Schwangerschaft kann der Koffeinabbau verlangsamt sein. Im letzten Trimenon sind Koffein-Halbwertszeiten bis zu 15 Stunden möglich. Auf Extremwerte von bis zu 100 Stunden steigt die Halbwertszeit bei Säuglingen und Kleinkindern.
Bitterschokolade macht wach wie Kaffee
Übrigens: Wer Kaffee nicht mag oder verträgt, jedoch trotzdem nicht auf die anregende Koffeinwirkung verzichten will, kann eine – wenngleich figurunfreundliche – Alternative wählen. Eine Tafel Halbbitterschokolade enthält eine vergleichbare Menge des Alkaloids Koffein (50 bis 100 mg) wie eine Tasse Kaffee.
Quellen:
Kaffee: Wirkungen auf die Gesundheit. Was sagt die Wissenschaft?“, Broschüre des Deutschen Grünen Kreuzes, 2. Auflage 2010
http://www.medical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=104455&dspaid=876441
Kommentar & Ergänzung:
Koffein ist eine Substanz mit sehr spannenden pharmakologischen Wirkungen.
Die zum Teil sehr langen Abbauzeiten vor allem bei Säuglingen, Kleinkindern und Schwangeren werden aber oft zuwenig beachtet.
Und statt von Kaffee auf Halbbitterschokolade umzusteigen, wäre auch der Grüntee oder Schwarztee eine (figurfreundlichere) Alternative.
Aber (dunkle) Schokolade scheint ja wirklich gesund zu sein:
Schokolade schützt Patienten nach Herzinfarkt
Kakao mit Flavanol günstig für Herzkrankgefässe
Dunkle Schokolade sättigt stärker
Zu Koffein und Kaffee siehe auch:
Hohe Koffein-Mengen im Espresso bergen Risiko in der Schwangerschaft
Beugt Kaffee Depressionen vor?
Kaffee: Schutz gegen Demenz durch Wachstumsfaktor gcsf
Parkinson: Koffein als Neuroprotektivum?
Kaffee bei unerfülltem Kinderwunsch
Kaffee könnte Fruchtbarkeit bei Frauen reduzieren
Koffein gibt auch den Muskeln einen Kick
Studie: Koffein ungeeignet für Kinder
Kaffee soll Leberkrebs vorbeugen
Kaffee kann Angst auslösen
Kopfschmerzen nach Koffeinentzug
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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Freitag, Dezember 23rd, 2011
Sportliche Aktivität wirkt sich deutlich positiv auf die Stärke, die Häufigkeit und die Dauer einzelner MigräneAttacken von Patienten aus. Zu diesem Resultat kam eine Studie am Universitätsklinikum Kiel, die mit Unterstützung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) durchgeführt wurde. „Vor allem der Sport im aeroben Herzfrequenzbereich zur Steigerung der Ausdauer, zum Beispiel durch ein ausreichend effizientes Lauftraining, soll hierfür in besonderem Maße geeignet sein“, erklärt Dr. Stephanie Darbaneau, die die Studie begleitet hat.
In der Studie wurde die Wirkung von Jogging und von Walking auf die Migräne verglichen.
Während der Untersuchung beobachteten die Wissenschaftler die Entwicklung der Migränesymptome acht Wochen vor und nach dem Training bei Patienten, die durchschnittlich schon seit 20 Jahren erkrankt waren. In beiden Gruppen (Joggen und Walken) zeigte sich, dass Sport bei der Migräneerkrankung günstig wirkt.
So reduzierten sich die Migränetage in der Jogginggruppe um 17,2 Prozent und die Kopfschmerzstunden gingen um 21,8 Prozent pro Monat zurück. In der Walkinggruppe traten aufgrund der moderaten Bewegung pro Monat durchschnittlich 1,3 Attacken weniger auf.
Bisher existieren nur wenige Studien, die den erwarteten günstigen Effekt des Sports auf Kopfschmerzen belegen. Zehn Studien haben den Effekt von Sport auf die Migräneerkrankung untersucht, fünf davon konnten zeigen, dass Betroffene nach einem regelmäßigen Ausdauerlauftraining weniger Attacken hatten. Bei den übrigen fünf Studien blieb die Wirkung unklar oder konnte nicht nachgewiesen werden.
Als Erklärung für die vom Ausdauersport erwarteten Effekte wird eine Steigerung der Schmerzschwelle diskutiert. Ausdauersport soll den Abbau von unter Stress ausgeschütteten Hormonen beschleunigen, den Stresshormonpegel der Patientinnen und Patienten reduzieren und dadurch die individuelle Schmerzschwelle beeinflussen.
Quelle:
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/48370/Walken_und_Joggen_hilft_gegen_Migraene.htm
Kommentar & Ergänzung:
„Bewegung“ ist eine Heilmethode aus der klassischen Naturheilkunde. Darum gehört „Bewegung“ auch zu den 5-Säulen der Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp:
- Hydrotherapie
- Heilpflanzen-Anwendungen (in modernisierter Form: Phytotherapie)
- Ernährung
- Bewegung, Luft, Licht
- Lebensordnung
Siehe auch:
Was ist Naturheilkunde?
„Bewegung“ wird heute kaum mehr als Heilmethode aufgefasst.
Heilmethoden müssen exotischer daher kommen, um im Trend zu liegen.
„Bewegung“ wird mit Sport und Fitness gleich gesetzt, ist natürlich gesund und kommt heute attraktiver verpackt als Jogging, Nordic Walking, Zumba, Aerobic, Pilates etc. daher.
Inzwischen gibt es aber immer mehr Untersuchungen, die regelmässiger Bewegung spezifische günstige Wirkungen zuschreiben zum Beispiel bei Diabetes, Depressionen, Demenz, Durchblutungsstörungen in den Beinen.
In der Regel braucht es für günstige Effekte nicht die intensive, stundenlange körperliche Aktivität. Schon kleinere, aber regelmässig absolvierte Bewegungsrationen zeigen gute Wirkung. Und am besten baut man diese Bewegungsrationen in den Alltag ein.
Wer darüber hinaus noch Jogging, Nordic Walking, Zumba, Aerobic, Pilates….machen will, kann das gerne tun. Solche Methoden haben meinem Eindruck nach vor allem einen Motivationseffekt, wenn man dadurch eine Bewegungsart oder eine Gruppe findet, die einem zusagt.
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Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Mittwoch, Dezember 14th, 2011
Johanniskraut (Hypericum perforatum) wird als Trockenextrakt bei leichten und mittleren Depressionen eingesetzt.
Johanniskraut-Extrakte zeigen aber auch Wechselwirkungen (Interaktionen) mit anderen Medikamenten.
Johanniskraut aktiviert Enzyme in der Leber (CYP3A4 und P-Glykoprotein), die Fremdstoffe abbauen.
Das kann Probleme geben bei Medikamenten, die durch CYP3A4 abgebaut werden. Deren Spiegel sinken rascher, wodurch sich die Wirksamkeit abschwächt.
Pharmawiki hat die betroffenen Medikamente gut zusammengestellt:
„Absolute Kontraindikationen:
Immunsuppressiva (z.B. Ciclosporin, Tacrolimus oder Sirolimus),
anti-retrovirale HIV-Arzneimittel aus der Gruppe der Non-Nucleosid-Reverse-Transcriptase-Inhibitoren (z.B. Nevirapin) und HIV-Proteasehemmer (z.B. Indinavir),
gewisse Zytostatika (z.B. Imatinib, Irinotecan),
orale Antikoagulantien vom Cumarintyp
Relative Kontraindikationen:
Digoxin
Hormonale Kontrazeptiva
Methadon
Statine, Midazolam, Steroidhormone“
Ausserdem gibt es bei folgenden Medikamenten die Gefahr eines Serotoninsyndroms:
Antidepressiva und andere serotoninerge Substanzen (wie Buspiron, Amitriptylin, Nortriptylin, Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin u.a.).
Quelle:
http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Johanniskraut
Kommentar & Ergänzung:
In der Öffentlichkeit bekannt sind vor allem die Wechselwirkungen zwischen Johanniskraut und der „Pille“.
Dass es darüber hinaus noch eine ganze Reihe von Medikamenten gibt, die ebenfalls von dieser Interaktion betroffen sind, ist viel weniger bekannt.
Wer Medikamente verschrieben bekommt, sollte daher den behandelnden Arzt / die behandelnde Ärztin darüber informieren, wenn er oder sie Johanniskraut einnimmt.
Zu erwähnen ist allerdings noch:
- Das Problem mit diesen Interaktionen ist nicht bei allen Medikamenten klinisch gleich einschneidend. Das drückt sich auch aus in der Unterscheidung zwischen „Absoluten Kontraindikationen“ und „Relativen Kontraindikationen“.
- Für die Interaktion via CYP3A4 ist nach heutigem Kenntnisstand höchst wahrscheinlich der Inhaltsstoff Hyperforin verantwortlich. Es gibt Johanniskraut-Präparate mit unterschiedlichem Hyperforin-Gehalt. Präparate mit tiefem Hyperforingehalt sind folglich weniger betroffen von möglichen Interaktionen als solche mit hohem Hyperforin-Gehalt.
- Mit diesen Interaktionen muss vor allem gerechnet werden bei Johanniskraut-Extrakten. Bei der Anwendung von Johanniskrauttee über 14 Tage wurden keine Interaktionen festgestellt. Das schreibt Reinhard Länger:
„Zubereitungen, mit denen weniger als 1 mg Hyperforin pro Tag aufgenommen wird (zum Beispiel Johanniskrauttee), induzierten über 2 Wochen nicht die genannten Enzyme. Leider liegen bislang keine längeren Interaktionsstudien vor. Wenn die Einnahmedauer auf 2 Wochen beschränkt wird, sind daher keine Interaktionen zu erwarten. Bei längerer Einnahme sind alle genannten Gegenanzeigen und Warnhinweise zu beachten.“
(Quelle: PHYTOTherapie Austria 4 / 2010)
Allerdings geht man aufgrund von Erfahrungen aus klinischen Studien davon aus, dass die Johanniskraut-Wirkung nicht sofort eintritt, sondern erst nach etwa zwei Wochen den Placebo-Effekt übertrifft.
Belegt ist zudem die Wirkung von Johanniskraut bei Depressionen nur mit Johanniskraut-Extrakten, nicht aber mit Johanniskrauttee oder Johanniskrauttinktur.
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Donnerstag, November 17th, 2011
Bei der Behandlung von Depressionen ist Sport eine von drei therapeutischen Säulen.
Die Therapietreue der Patienten verbessert sich, wenn sie in die Therapieentscheidung einbezogen werden.
Das sind zwei zentrale Resultate des 10. Lundbeck Dialogs ZNS.
Joggen, Radfahren, Walken, Schwimmen seien gut für die Gesundheit – auch für die seelische Gesundheit.
Diese Ansicht vertritt der Neurologe und Psychiater Dr. Ralf Künzel aus dem hessischen Bruchköbel. Regelmäßiger Ausdauersport habe einen “1A-Evidenzgrad für Depression”, erklärt Künzel.
Der Facharzt verwies auf mehrere randomisierte Kontrollstudien, die eine Linderung der Symptome bei regelmäßigem sportlichem Training belegen. Sport sagt er, sei einer von drei Therapiebausteinen für depressive Patienten, neben Psychotherapie und Medikamententherapie.
Die molekularen Mechanismen, die durch Sport in Gang kommen, seien vergleichbar mit denen von Antidepressiva, erläutert Künzel.
Bei der Behandlung seiner ambulanten Patienten knüpft er an das noch vorhandene Aktivitätsniveau an. Wenn der Patient es schaffe, die Laufschuhe anzuziehen und zumindest einmal um den Block zu laufen, dann gehe es ambulant. Patienten, bei denen das nicht mehr möglich ist, gehören aus seiner Sicht in die Klinik.
Eine gute neurologische Klinik zeichne sich dadurch aus, dass sie ihre Patienten morgens in die Laufschuhe stelle.
Wichtige Mitwirkung des Patienten an Therapie
Patienten zur Mitwirkung an der Behandlung zu bewegen, gelingt besser, wenn man sie in die Therapieentscheidung einbezieht, betonte der Psychotherapeut Dr. Andreas Loh aus Freiburg.
Als Hindernisse in der Versorgung von depressiven und manisch-depressiven Patienten sieht Loh unter anderem ein unzureichendes Verständnis von Erkrankung und Therapie, unzureichende Einsicht in den Behandlungsbedarf und dysfunktionale Einstellungen bei den Beteiligten.
Oft sehen gerade depressive Patienten oder Patienten mit bipolaren Störungen nicht ein, warum sie ihre Medikamente auch dann nehmen sollten, wenn es ihnen gerade vermeintlich gut geht.
Rücksicht nehmen auf individuelle Werte und Einstellungen des Patienten
Vielen Ärzten ist zwar dieses Problem der Non-Compliance bekannt, sie unterschätzen aber oft das Ausmass, meint Loh. Um die Compliance zu verbessern, müssen Ärzte ihre Patienten zur Behandlung motivieren. Reine Information sei dafür nur die Basis.
Auch individuelle Werte und Einstellungen des Patienten müssen bei der Therapieentscheidung berücksichtigt werden, verlangt Loh.
Er setzt daher auf das sogenannte Shared Decision Making und zeigte sich überzeugt, dass damit ein besserer Therapie-Outcome erzielt wird.
Das gilt gemäss Loh auch für Patienten mit Depression, die Studien zufolge ebenso in Therapieentscheidungen einbezogen werden wollen wie somatisch erkrankte Patienten.
Quelle:
http://www.aerztezeitung.de/panorama/article/679029/depressionen-davon-laufen.html?sh=7&h=-629385950
Kommentar & Ergänzung:
- Bewegung ist eine der Grundsäulen der Naturheilkunde.
Siehe dazu: Naturheilkunde – was ist das?
- Patientinnen und Patienten sollen in Therapieentscheidungen einbezogen werden, weil sich dadurch die Compliance entscheidend verbessert. Und die individuellen Werte und Einstellungen der Patienten sollen bei der Therapieentscheidung berücksichtigt werden.
In beiden Bereichen bietet die Phytotherapie interessante Optionen:
Heilpflanzen-Anwendungen ermöglichen oft diese Mitentscheidung und Mitwirkung. Sie kommen zudem den individuellen Werten und Einstellungen von Menschen entgegen, die „sanftere“ Alternativen suchen, ohne dass dabei der Boden einer auch rational begründbaren Therapie verlassen werden muss.
Gerade in der Psychiatrie – aber nicht nur dort – sind das wichtige Pluspunkte.
Siehe auch:
Starke Argumente für Phytotherapie in der Psychiatrie
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Mittwoch, November 9th, 2011
Das Raucherentwöhnungs-Medikament Champix (Vareniclin) von Pfizer erhöht bei Patienten möglicherweise das Risiko von Depressionen, Selbstverletzungen und Suiziden. Zu diesem Schluss kommen jedenfalls US-Wissenschaftler, die die von 1998 bis 2010 bei der Arzneimittelbehörde FDA gemeldeten Nebenwirkungen analysiert haben. Für Vareniclin, das erst seit 2007 zugelassen ist, fanden die Forscher über 9500 Meldungen, von denen fast jede dritte auf Depressionen, Selbstverletzung oder Suizid entfiel.
Für das Präparat Zyban (Bupropion) von GlaxoSmithKline wurden 1750 Nebenwirkungen gemeldet, davon zählten 13 Prozent zu der genannten Gruppe. Bei Nikotinersatzpräparaten wurden 1900 unerwünschte Wirkungen gemeldet, in 95 Fällen (5 Prozent) traten Depressionen und Selbstverletzung auf.
Die Resultate der Untersuchung zeigen den Wissenschaftlern zufolge das erheblich erhöhte Risiko bei der Vareniclin-Therapie. Unter Berücksichtigung der schon bekannten Nebenwirkungen wie Schlaflosigkeit, Angstzustände oder Erbrechen raten die Forscher, Vareniclin nicht mehr als Mittel erster Wahl zur Raucherentwöhnung zu verwenden.
Quelle:
http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/wissenschaft/suizidgefahr-bei-champix
Moore TJ et al: Suicidal Behavior and Depression in Smoking Cessation Treatments. PLOS one 6 (11): e27016. doi: 10.1371/journal.pone.0027016
Kommentar & Ergänzung:
Die Deutsche Apotheker-Zeitung (DAZ) hat dazu eine Stellungnahme von Pfizer veröffentlicht:
„Pfizer erklärte auf Anfrage, dass man die Interpretation der Daten durch die Autoren nicht teile. Die veröffentlichte Analyse der Post-Marketing-Berichte von Moore et al. biete keine belastbaren medizinischen Informationen. Die Schlussfolgerung der Autoren würden aktuellen wissenschaftlichen Analysen sowohl der FDA als auch der EMA sowie den vorliegenden Daten aus klinischen Studien. widersprechen. Beide Behören hätten auf Basis aller aktuell vorliegenden Sicherheits- und Studiendaten von Champix wiederholt ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis für Champix bescheinigt. Die FDA habe noch am 24. Oktober 2011, die Ansicht vertreten, dass auf der Grundlage der derzeit verfügbaren Daten der Nutzen des Präparats die Risiken überwiegt und dass die Warnhinweise in aktuellen informierenden Texten zu Champix angemessen seien. Im Juli 2011 hatte der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA ebenfalls eine positive Nutzen-Risiko-Bewertung für Vareniclin abgegeben.“
Die DAZ weißt aber auch darauf hin, dass die FDA schon im Juli 2009 entsprechende Meldungen zum Anlass für einen verschärften Warnhinweis (Boxed Warning) genommen hatte.
Quelle:
http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2011/11/07/selbstmordgefahr-unter-vareniclin-champixR-besonders-hoch.html
Ich bin nicht in der Lage zu beurteilen, welche Argumente hier stichhaltiger sind.
Das pauschale Feindbild „Pharmaindustrie“ und die damit zusammenhängenden Verschwörungstheorien, wie sie in weiten Bereichen der Komplementärmedizin verbreitet sind, halte ich für sehr fragwürdig (und ich will diese Schwarz-Weiss-Feindbilder auch nicht „füttern“ mit diesem Beitrag).
Das schliesst aber natürlich nicht aus, konkrete problematische oder gar riskante Aspekte im Bereich „Pharma“ sehr kritisch in Frage zu stellen. Im Gegenteil: Eine “Feindbildhaltung” und eine “kritische Haltung” sind zwei fundamental unterschiedliche Dinge. Feindbilder sind pauschal, sie funktionieren reflexartig und frei von Nachdenken. Eine kritische Haltung basiert dagegen auf Argumenten, wägt diese ab und ist immer so konkret wie möglich.
Leider ist es ein immer wiederkehrendes Phänomen, dass Pharmakonzerne sichtbar werdende Risiken ihrer Produkte erst einmal gründlich Kleinreden.
Und die Marketingabteilung einer Pharmafirma wie zum Beispiel Pfizer hat sehr viel mehr Ressourcen als irgendeine unabhängige(re) Wissenschaftlergruppe, um ihre Position durchzusetzen.
Um diese eklatante Dysbalance auszugleichen ist es angemessen, der kritischen Forschergruppe sehr gut zuzuhören und deren Argumente sehr ernst zu nehmen.
Das zeigen jedenfalls die Erfahrungen mit den verschiedensten Arzneimittelskandalen (z. B. Contergan, Phen-Fen, Lipobay, Vioxx, Mediator).
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Dienstag, November 8th, 2011
Vor einem inflationären Gebrauch des Modewortes „Burn-out“ warnt die Stiftung Deutsche Depressionshilfe. „Auch wenn zu begrüßen ist, dass hierdurch die große Bedeutung psychischer Erkrankungen deutlicher und die diesbezügliche Sensibilität erhöht wird, so wird der inflationäre Gebrauch des schwammigen Begriffs Burn-out von vielen Betroffenen und Experten aus mehreren Gründen als Verwirrung stiftend, irreführend und längerfristig Stigma verstärkend eingeschätzt“, schreibt die Stiftung.
Ulrich Hegerl, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, betonte in diesem Zusammenhang, dass der Begriff „Burn-out“ nicht klar definiert sei. Daher gäbe es für die psychischen Störungen, die unter dem Begriff Burn-out zusammengefasst würden, auch keine Behandlungen mit Wirksamkeitsbelegen aus methodisch guten Studien.
Ein Großteil der Patientinnen und Patienten, die wegen „Burn-out“ eine längere Auszeit nähmen, litten in Wahrheit an einer depressiven Erkrankung. Dazu zähle auch das Gefühl tiefer Erschöpftheit.
Problematisch und nicht selten in gefährlicher Weise irreführend ist nach Aussagen der Stiftung, dass der Begriff „Burn-out“ eine Selbstüberforderung oder Überforderung von außen als Ursache suggeriert.
Denn auch wenn ausnahmslos jede Depression mit dem tiefen Gefühl der Erschöpftheit einhergehe, sei nur bei einer Minderheit der depressiv Erkrankten eine tatsächliche Überforderung der Auslöser der Erkrankung.
Mit dem Begriff Burn-out sei oft die Vorstellung verknüpft, dass ein ruhigerer Lebensstil eine gute Bewältigungsstrategie sei, also zum Beispiel eine längere Nachtruhe und ein Urlaub. Verberge sich hinter dem Begriff „Burn-out“ jedoch eine Depression, so seien das keine empfehlenswerten und häufig sogar gefährliche Gegenmaßnahmen. Menschen mit depressiven Erkrankungen reagierten beispielsweise auf längeren Schlaf und eine längere Bettzeit nicht selten mit Zunahme der Erschöpftheit und mit einer Stimmungsverschlechterung.
Auch ein Urlaub sei jedem depressiv Erkrankten dringend abzuraten, weil die Depression mitreise und der depressive Mensch den eigenen Zustand mit Antriebsstörung und der Unfähigkeit, Freude zu empfinden, im Urlaub als besonders bedrückend und schmerzlich erlebe. Ausserdem führe eine Vermengung von Stress, Burn-out und Depression zu einer Verharmlosung der Depression. „Stress, gelegentliche Überforderungen und Trauer sind Teil des oft auch bitteren und schwierigen Lebens und müssen nicht medizinisch behandelt werden“, schreibt die Stiftung. Depressionen seien im Gegensatz dazu schwere, häufig lebensbedrohliche Erkrankung. Die Verharmlosung der Depression fördere das Unverständnis gegenüber depressiv Erkrankten und das damit assoziierte Stigma. „Der beste Weg zu einem optimalen Umgang mit der Erkrankung Depression ist es, eine Depression auch Depression zu nennen“, erklärt Ulrich Hegerl.
Quelle:
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/47913/Modewort_Burn-out_ist_zu_unpraesize.htm
http://www.deutsche-depressionshilfe.de/
Kommentar & Ergänzung:
Der sehr inflationäre und schwammige Gebrauch des Begriffs „Burn-out“ ist tatsächlich problematisch. Die Klarstellungen der Stiftung Deutsche Depressionshilfe sind daher wertvoll und sehr zu begrüssen.
Im Bereich der Pflanzenheilkunde gibt es eine ähnliche Begriffsvermischung im Umgang mit Johanniskraut. Es wird zu ungenau unterschieden zwischen Verstimmung, Trauer und Depression.
Bei leichten und mittleren Depressionen gilt Johanniskraut-Extrakt als mögliche Alternative zu synthetischen Antidepressiva.
Temporäre Verstimmungen und Trauer sind aber keine Indikationen für eine Johanniskraut-Therapie. Sie brauchen andere Umgangsweisen.
Ich kann an diesem Punkt die Aussage der Stiftung Deutsche Depressionshilfe nur unterstreichen:
„Stress, gelegentliche Überforderungen und Trauer sind Teil des oft auch bitteren und schwierigen Lebens und müssen nicht medizinisch behandelt werden“.
Es braucht in solchen Situationen kein Johanniskraut (dessen Wirksamkeit bei leichten und mittleren Depressionen aber als belegt gilt). Es braucht aber auch keine Scheinheilmittel wie Bachblüten, Schüsslersalze, Burgerstein-Pillen…..
Diesen Boom, jede Unebenheit im Leben mit einem Präparat aus Medizin oder Komplementärmedizin ausbügeln zu wollen, halte ich für völlig krank. Er ist ein Ausdruck von Konsumdenken und von sehr überzogenen Ansprüchen an das Leben.
Anstelle der suchtartigen Gier nach immer mehr Medizin und Komplementärmedizin wäre es meiner Ansicht nach sinnvoller, wenn wir uns vertieft Gedanken machen würden über unseren Umgang mit Gesundheit und Krankheit. Und über nichtmedikamentöse Arten des Umgangs mit den Unebenheiten des Lebens.
(was aber nicht ausschliesst, dass es selbstverständlich Patientinnen und Patienten gibt, die eine medizinische Behandlung brauchen).
Leider ist diese Position nicht sehr lukrativ, weil man damit nicht viel verkaufen kann………..
Ausser Kurse und Weiterbildungen – solange es Menschen gibt, die nicht nur wundersame Heilsversprechungen hören, sondern sich umfassender mit Gesundheit und Krankheit auseinandersetzen wollen.
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Sonntag, Oktober 30th, 2011
Der Ravensburger Psychiater Prof. Dr. Volker Faust schreibt in seinem
Nachschlagewerk „Psychische Störungen heute“ (ecomed 2011):
„Kein Antidepressivum hat in den letzten Jahren einen solch spektakulären
Aufschwung genommen wie das Johanniskraut (Hypericum perforatum L.).
Inzwischen steht es unter den antidepressiven Substanzen nach Verordnung und
Verwendung sogar an vorderster Stelle (auch wenn es Umsatzeinbrüche gab).
Das Phyto-Antidepressivum Johanniskraut hat inzwischen durch mehr als 40
klinisch-therapeutische Studien belegt, dass sein Behandlungserfolg für leichtere
bis mittelschwere Depressionen mit dem von synthetischen (“chemischen”)
Antidepressiva vergleichbar ist. Außerdem werden noch spezielle Heilanzeigen
diskutiert: zum Beispiel Winterdepression, körperbezogene Störungen,
Trauerreaktion, Burnout-Syndrom, prämenstruelle Störungen, Klimakterium,
Tinnitus (Ohrgeräusche) oder chronischer Schmerz.“
Kommentar & Ergänzung:
Die Wirkung von Johanniskraut-Extrakt gegen Depressionen ist inzwischen sehr gut untersucht und dokumentiert.
In der Schweiz gibt es einige Johanniskrautpräparate, die von der Grundversicherung bezahlt werden, wenn ein Arzt oder eine Ärztin sie verschreibt.
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Sonntag, Oktober 23rd, 2011
Johannisöl ist ein altes Hausmittel in der Wundbehandlung, gegen Sonnenbrand, zur Narbenpflege etc.
Wann genau eine Anwendung von Johannisöl sinnvoll ist, müsste noch genauer unter die Lupe genommen werden.
Oft hört man im Zusammenhang mit Johannisöl, dass es eine photosensibilisierende Wirkung habe, also die Haut empfindlicher gegen Sonnenstrahlung mache.
Beim Johanniskraut ist die Frage einer Photosensibilisierung schon seit längerem ein Thema, doch geht es dabei um die Einnahme von Johanniskraut-Extrakten gegen Depressionen. Verantwortlich für diesen Effekt ist der Inhaltsstoff Hypericin.
Es spricht sehr viel dafür, dass dieses Risiko überschätzt wird.
Siehe:
Risiko der Photosensibilisierung durch Johanniskraut wird überschätzt
Johanniskraut & Sonnenlicht
Bei der äusserlichen Anwendung von Johannisöl spricht alles dafür, dass vom Hypericin auf diesem Weg kein Risiko einer Photosensensibilisierung ausgeht. Allenfalls bewirkt der „Brennglaseffekt“ des fetten Öls ein erhöhtes Sonnenbrandrisiko. Das sieht auch eine Publikation der carstens-stiftung so:
„Eine Photosensibilisierung konnte lediglich für das Johanniskrautöl mit der sensitiven photometrischen Erythemmessung nachgewiesen werden. Dieser signifikante Effekt (Erythemverstärkung) konnte allerdings mit dem visuellen Score nicht betätigt werden, so dass der Effekt insgesamt als klinisch nicht relevant eingestuft werden kann. Unter Umständen ist die leichte Erythemverstärkung durch das Öl auf einen ‚Brennglaseffekt’ zurückzuführen, indem die Durchlässigkeit für UV-Strahlen erhöht wird. Eine Photosensibilisierung, die den Hypericinen zugeschrieben wird, ist beim Öl eher unwahrscheinlich, da die Hypericine als lipophile Oxidationsprodukte (Ölhypericine) vorliegen und wahrscheinlich nicht mehr photodynamisch aktiv sind.“
Aus: Photosensibilisierende und immunmodulierende Eigenschaften von Johanniskrautcreme und Johanniskrautöl; Ch. M. Schempp, B. Winghofer, R. Lüdtke, J.C. Simon, E. Schöpf, auf: http://www.carstens-stiftung.de/wissen/phyto/pdf/jahrbuch_johanniskraut_schempp.pdf
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