Artikel mit Schlagwort ‘Depressionen’
Donnerstag, Mai 17th, 2012
Die Psyche wirkt nicht als Auslöser für eine Tumorerkrankung und psychologische Betreuung kann Krebs auch nicht heilen. Sie kann aber zu mehr Lebensqualität der Betroffenen beitragen, hieß es bei einem Hintergrundgespräch zum Thema “Psychoonkologie” in Wien.
Erste Hinweise, dass gewisse Persönlichkeitsmerkmale die Entstehung von Tumorerkrankungen begünstigen würden, haben sich laut dem Klinischen Psychologen Georg Fraberger, von der Universitätsklinik für Orthopädie der Medizinischen Universität in Wien nie bestätigen lassen. Die Existenz einer sogenannten Krebspersönlichkeit ist demnach nichts weiter als ein Mythos.
Zur Frage einer allfälligen Krebspersönlichkeit existieren inzwischen viele Studien. Die meisten davon wurden jedoch retrospektiv durchgeführt. Das heisst: Schon an Krebs Erkrankte wurden untersucht und anhand gefundener Persönlichkeitsmerkmale wurden Rückschlüsse gezogen, welche “Menschentypen” die Betroffenen schon vor ihrer Erkrankung waren. Das ist jedoch nicht zulässig, weil die Erfahrung einer lebensbedrohlichen Krankheit einen Einfluss auf die Persönlichkeit und Interpretation der eigenen Lebensgeschichte hat.
In den wenigen prospektiven Studien, die durchgeführt wurden, haben Forscher Personen über Jahre hinweg beobachtet und untersucht, ob bestimmte Persönlichkeitsmerkmale eine spätere Krebserkrankung prognostizierbar machen. Überzeugende Zusammenhänge fanden die Wissenschaftler dabei aber nicht. Vielmehr häufen sich inzwischen die Hinweise, dass die hohen Depressivitätsraten unter Krebskranken auch als Folge der Erkrankung und der Behandlung verstanden werden können und den Verlauf der Krebserkrankung möglicherweise beeinflussen.
Eine Krebsdiagnose verändert das Leben eines Menschen von einer Sekunde auf die andere fundamental.
Der Erkrankung ausgeliefert, wollen Patientinnen und Patienten das Unbegreifbare verstehen. Beim Krebs umso mehr, als seine Ursache anders als zum Beispiel bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen schwer fassbar ist. Auf der Suche nach einer Erklärung für das eigene Leid tauchen dabei oft Schuldfragen auf. Die Vermutung, dass gewisse Charakterzüge ursächlich für die Entstehung von Krebs verantwortlich sind, wird von zahlreichen betroffenen Menschen ganz spontan assoziiert. Solche Selbstanklagen erfüllen insofern ihren Zweck, als sie die Hoffnung mit sich bringen, dass durch Änderung bestimmter Wesenszüge die Genesung gefördert wird. Der Hämatologe und Psychoonkologe Alexander Gaiger von der Universitätsklinik für Innere Medizin I am AKH in Wien betrachtet die Auseinandersetzung mit dem Mythos Krebspersönlichkeit und dem vermeintlich schuldhaften Verhalten als vergeudete Energie.
Trauma keine Krebsursache
Nicht immer wird das seelische Ungleichgewicht als Auslöser einer Krebserkrankung mit einer eventuell vorhandenen Krebspersönlichkeit begründet. “Eine Überlegung, bezogen auf den Einfluss psychischer Faktoren, war auch, dass massive Traumata in der Vergangenheit zum Ausbruch einer Krebserkrankung führen könnten”, erklärt Gaiger. Eine Theorie, die der Psychoonkologe allerdings sofort widerlegt: “Das mittlere Alter von Krebspatienten liegt zwischen 57 und 60 Jahren. Und so traurig es ist, aber in diesem Alter hat bereits fast jeder eine traumatische Erfahrung hinter sich.”
Wäre die „Trauma-Theorie“ für die Krebsentstehung relevant, müsste nicht nur praktisch jeder 60-Jährige unter einer Krebserkrankung leiden, sondern auch sämtliche Menschen, die in Kriegsgebieten leben beziehungsweise Opfer von Naturkatastrophen sind. “Das ist aber keineswegs der Fall”, stellt Gaiger klar und bezeichnet Krebs nach dem heutigen Verständnis selbst als Naturkatastrophe.
Ebenso wie Tsunamis und Erdbeben werden nämlich auch Krebserkrankungen multifaktoriell verursacht. Typischerweise werde psychischen Faktoren, die für die Entstehung einer schweren Erkrankung eigentlich irrelevant seien, eine sehr große Bedeutung beigemessen, während hochrelevante Umstände für die Entstehung oder den Verlauf einer Krankheit völlig ignoriert würden, betont der Psychoonkologe und nimmt hier Bezug auf den sozioökonomischen Status und Lebensstil.
Armut, Bildungsmangel, hoher BMI, ungesunde Ernährung und wenig körperliche Bewegung macht der Experte im Wesentlichen für den Umgang und die Bewältigung einer Krebserkrankung verantwortlich. Geld ändere zwar nichts am menschlichen Leid, erleichtere aber den finanziellen Druck und sei neben einem Informationsmangel ein gravierender Faktor in der Entwicklung von Depressionen.
Zum Wert psychologischer Hilfe
Einstellungen, emotionale Faktoren und psychologische Hilfen beim Bewältigen einer solchen Krise können die Lebensqualität erhöhen. Sie machen zudem oft belastende Therapien besser ertragbar und somit wirksamer.
Das Ziel besteht darin, die Betroffenen möglichst unbeschadet über die einzelnen Phasen der psychischen Bewältigung der Krebserkrankung hinüber zu bringen: vom ersten Schock über die Abwehr beziehungsweise die Verdrängung hin zur Verarbeitung. Der Krebspatient soll dazu in die Lage versetzt werden, die Krankheit zu akzeptieren und das Leben fortführen zu können, ohne dauernd durch Gedanken an den Krebs gestört zu sein.
Quelle:
http://derstandard.at/1336563054564/Psychoonkologie-Die-Psyche-macht-keinen-Krebs
http://derstandard.at/1328507286338/Mythos-Krebspersoenlichkeit-Vermeintlich-schuld-am-Krebs
Kommentar & Ergänzung:
Eine interessante Frage ist in diesem Zusammenhang, weshalb die Theorie vom der Krebs auslösenden Psyche so gut ankommt. Meines Erachtens hängt das vor allem damit zusammen, dass diese „Psycho-Theorie der Krebsentstehung“ den Bedürfnissen und Ängsten vieler Menschen entgegen kommt.
Mit dem Mythos der “Krebspersönlichkeit” halten sich die (noch) nicht Betroffenen meines Erachtens den schwer zu ertragenden Gedanken vom Leibe, dass der Ausbruch dieser Krankheit vielleicht doch zu einem sehr grossen Teil zufälligen/ genetisch bedingten/ sonstigen nicht einfach so steuerbaren Faktoren zuzuschreiben ist. Die Annahme, dass Krebs in der Psyche entsteht, ermöglicht die angstvermindernde Illusion, dass Krebs durch Einfluss auf die Psyche vermeidbar oder heilbar ist. Das lindert Ohnmachtgefühle, aber wenn man es nicht schafft und trotzdem an Krebs erkrankt, ist man nach dieser Theorie selber schuld.
Das macht diese „Psycho-Theorie der Krebsentstehung“ so problematisch und führt nicht selten zu menschenverachtenden Schuldzuweisungen an Krebspatientinnen und –patienten.
Statt sich in Unverwundbarkeits-Fantasien zu flüchten wäre es meiner Ansicht nach sinnvoller, wenn wir die grundlegende Verletzlichkeit und Fragilität der menschlichen Existenz anerkennen würden. Wenn es jeden und jede treffen kann, ist das auch Basis für zwischenmenschliche Solidarität.
Siehe auch: www.patienten-seminare.ch
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
www.phytotherapie-seminare.ch
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Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch
Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch
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Freitag, März 2nd, 2012
Tägliches Fahrradfahren oder schnelles Gehen reduzieren das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken. Das lässt die Deutsche Krebshilfe in Bonn verlauten. “Menschen, die sich jeden Tag intensiv bewegen, sind um 40 bis 50 Prozent weniger gefährdet als Bewegungsmuffel”, erklärt Professor Martin Halle vom Zentrum für Prävention und Sportmedizin in München.
Eine Stunde täglich genügt
Dabei muss man sich nicht lange Zeit am Stück bewegen. Auch kurze aktive Intervalle wirken günstig gegen Darmkrebs – solange man täglich auf total 30 bis 60 Minuten kommt. Der Grund für diesen Schutzeffekt: Bewegung regt den Stoffwechsel an und bewirkt, dass Krebszellen nicht so schnell entstehen können. Darüber hinaus hemmt Sport entzündliche Vorgänge im Organismus und trägt bei zur Gewichtskontrolle. Das Gewicht spielt eine große Rolle, weil Übergewicht die Entstehung von Tumoren begünstigen kann.
Nicht nur Bewegung, auch andere Maßnahmen helfen, das persönliche Darmkrebsrisiko zu reduzieren. Dänische Wissenschaftler haben dazu fünf Regeln entwickelt, die auf Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) basieren.
Die fünf Regeln gegen Darmkrebs lauten:
- Mindestens 30 bis 60 Minuten am Tag körperlich aktiv sein.
- Höchstens sieben Gläser Alkohol pro Woche trinken – Männer höchstens 14 Gläser pro Woche.
- Nicht rauchen.
- Bauchumfang unter 88 Zentimeter (Frauen) beziehungsweise unter 102 Zentimeter (Männer) halten.
- Sich gesund ernähren mit viel Obst, Gemüse und Ballaststoffen sowie wenig rotem Fleisch und Fett.
Quelle:
http://lifestyle.t-online.de/schnelles-gehen-senkt-das-risiko-fuer-darmkrebs/id_54444554/index
Kommentar & Ergänzung:
Weitere Infos zur vorbeugenden Wirkung von Bewegung gegen Darmkrebs:
Körperliche Bewegung beugt Dickdarmkrebs vor
Es ist beeindruckend, welch positive Effekte schon kleine, aber regelmässige Bewegungszeiten haben können. Beispiele:
Sport gegen Depression
Diabetes: Sport steigert Insulinproduktion
Sport vorbeugend gegen Menstruationsbeschwerden
Studie zeigt: Sport hilft gegen Depression
Sport reduziert Angstsymptome
Bewegung beugt Depressionen vor
Studie zeigt: Diabetiker können der Krankheit davon laufen
Bewegung stärkt psychische Gesundheit
Täglicher Spaziergang bremst geistigen Abbau
Bewegung reduziert Brustkrebsrisiko nach den Wechseljahren
Schon leichtes Training beugt Osteoporose vor
Naturheilkunde: Spazierengehen bessert Gedächtnisschwäche
Bewegung ist im übrigen eine der fünf Säulen der Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp. Und Ernährung und Heilpflanzen sind zwei weitere Säulen.
Leider werden heute die Begriffe Naturheilkunde und Komplementärmedizin sehr oft vermischt und ungenau verwendet. Und die meist eher unspektakulären naturheilkundlichen Ansätze geraten vor lauter exotisch-esoterischem Brimborium unverdienterweise in den Hintergrund.
Siehe auch:
Naturheilkunde – was ist das?
Komplementärmedizin – ein fragwürdiger Begriff
Ernährungsmässig trägt ein hoher Ballaststoffgehalt zur Darmkrebsprävention bei, wobei auch Ballaststoffe eine Rolle spielen, die in der Phytotherapie gegen Verstopfung eingesetzt werden, zum Beispiel Schleimpflanzen wie Leinsamen und Flohsamen, aber auch Guar, Haferkleie oder Pektin..
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Donnerstag, Februar 23rd, 2012
Resultate der EPIC-Deutschland-Studie, an der mehr als 42.600 erwachsene Frauen und Männer aus Potsdam und Heidelberg teilnehmen, weisen darauf hin, dass Kaffeetrinken nicht das Risiko für Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen steigert, sondern sogar mit einem reduzierten Risiko für Typ-2-Diabetes verbunden ist. Personen, die täglich mehr als vier Tassen (über 600 ml) koffeinhaltigen Kaffee tranken, hatten verglichen mit Personen, die durchschnittlich weniger als eine Tasse konsumierten, ein um 23 Prozent tieferes Typ-2-Diabetes-Risiko. Ein ähnlicher Zusammenhang deutete sich in der Studie auch für den Konsum von entkoffeiniertem Kaffee an.
Die Forscher um Heiner Boeing und Anna Flögel, beide Ernährungs-Epidemiologen am Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE), publizierten nun ihre Studiendaten in der Fachzeitschrift American Journal of Clinical Nutrition. Neben Mitarbeitern des DIfE arbeiteten auch Rudolf Kaaks und Birgit Teucher vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg und Tobias Pischon vom Max-Delbrück-Zentrum für Molekulare Medizin in Berlin-Buch an der Studie mit.
Kaffee ist weltweit eines der beliebtesten alkoholfreien Getränke und besteht aus einer Mixtur verschiedener Inhaltsstoffe. Zu diesen zählen Koffein, Chlorogensäure sowie weitere Polyphenole, Nikotinsäure und Mineralstoffe – also Substanzen, die den menschlichen Stoffwechsel durchaus beeinflussen und zum Teil mit positiven und teilweise mit negativen Gesundheitseffekten in Verbindung stehen. Die gesundheitlichen Wirkungen des Kaffeekonsums stehen deshalb immer wieder im Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen, wobei in den meisten Studien häufig nur die Beziehung zwischen Kaffeegenuss und einer Erkrankungsart untersucht wurde. Das deutsche Wisssenschaftlerteam analysierte nun die Langzeiteffekte des Kaffeekonsums nicht nur bezüglich einer Erkrankung, sondern hinsichtlich mehrerer chronischer Erkrankungen gleichzeitig. Prospektive (= verausschauende) Langzeit-Bevölkerungsstudien wie die EPIC-Deutschland-Studie sind hierzu speziell gut geeignet.
Neben den Ernährungs- und Lebensstildaten erfassten und analysierten die Forscher auch die medizinischen Daten der Studienteilnehmer/innen. Während der durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von knapp neun Jahren erkrankten erstmals 1.432 Studienteilnehmer/innen an Typ-2-Diabetes, 394 erlitten einen Herzinfarkt, 310 erlitten einen Schlaganfall und 1.801 Teilnehmer erkrankten an Krebs. Verglichen die Wissenschaftler die Daten von Personen, die sehr viel Kaffee konsumierten, mit den Daten von Personen mit einem sehr geringen Konsum, so konnten sie keine Risikosteigerung für die in den westlichen Industrienationen häufig auftretenden chronischen Erkrankungen feststellen. Bei Personen, die viel Kaffee tranken, beobachteten sie sogar ein reduziertes Typ-2-Diabetes-Risiko.
„Unsere Studienergebnisse decken sich mit den Resultaten aktueller prospektiver Studien aus den USA“, erklärt Erstautorin Anna Flögel. Wer Kaffee also gut vertrage und ihn gerne trinkt, sollte dies somit auch weiterhin tun, sagt die Epidemiologin. Andersherum sollten sich Menschen jedoch aufgrund der Resultate nicht genötigt sehen, mit dem Kaffeetrinken zu beginnen. „Es ist wichtiger, darauf zu achten, ausreichend Vollkornprodukte, wenig Fleisch sowie viel Obst und Gemüse zu essen, nicht zu rauchen und sich ausreichend zu bewegen“, stellt Studienleiter Heiner Boeing fest. Für die Flüssigkeitszufuhr bieten sich neben dem Kaffee auch andere Getränke mit einem geringen Energiegehalt an, beispielsweise Tee und Wasser.
Quelle:
Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
Anna Floegel et al.; 2012, 95:1-8; doi:10.3945/ajcn.111.023648; Link zur Publikation: http://www.ajcn.org/content/early/2012/02/14/ajcn.111.023648.abstract
http://www.journalmed.de/newsview.php?id=36718
Kommentar & Ergänzung:
Kaffee hat in den letzten Jahren eine deutliche Imageaufbesserung erfahren, was seine Auswirkungen auf die Gesundheit angeht. Dass dürfte auch daran liegen, dass die Kaffeeindustrie Geld für die Forschung zu Verfügung stellt. Es gibt aber neben positiven Wirkungen auf die Gesundheit auch einige kritische Punkte.
Siehe auch:
Hohe Koffeinmengen im Espresso bergen Risiko in der Schwangerschaft
Beugt Kaffee Depressionen vor?
Kaffee: Schutz gegen Demenz durch Wachstumsfaktor gcsf
Parkinson: Koffein als Neuroprotektivum?
Kaffee & unerfüllter Kinderwunsch
Kaffee könnte Fruchtbarkeit bei Frauen reduzieren
Hepatitis C & Kaffee
Koffein gibt auch den Muskeln einen Kick
Studie: Koffein ungeeignet für Kinder
Kaffee kann Angst auslösen
Kopfschmerzen nach Koffeinentzug
Forscher warnen vor Koffein in der Schwangerschaft
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
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Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse
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Sonntag, Januar 1st, 2012
Edzard Ernst hat als Professor für Alternativmedizin (Universität Exeter) 18 Jahre lang erforscht, welche alternativen Heilmethoden wirken. Nun geht er in Pension und beantwortete im Interview Fragen der „Sonntagszeitung“. Hier ein Ausschnitt aus dem Gespräch:
„Gibt es alternativmedizinische Behandlungen, die wirken?
Ja natürlich, vor allem im Bereich der Pflanzenheilkunde findet sich einiges: Rosskastanie bei
Venenleiden, Weissdorn bei Herzinsuffizienz, Teufelskralle gegen Schmerzen und vieles mehr.
Welche komplementärmedizinischen Behandlungen würden Sie bei sich anwenden?
Hätte ich Depressionen, würde ich Johanniskraut-Extrakt einnehmen. Noch besser gegen
depressive Verstimmungen hilft aber körperliche Aktivität. Ich selbst nehme täglich eine Kapsel Omega-3-Fettsäuren ein, weil da die Wirksamkeit sehr gut ist, um kardiovaskulären Erkrankungen vorzubeugen.“
Quelle:
http://www.sonntagszeitung.ch/wissen/artikel-detailseite/?newsid=199734
Kommentar & Ergänzung:
Prof. Edzard Ernst hat sich immer interessiert, aber auch kritisch mit den verschiedensten Methoden der Komplementärmedizin auseinandergesetzt. Er ist dafür aus Kreisen der Komplementärmedizin bzw. Alternativmedizin oft angefeindet worden. Und das wie es in dieser „Szene“ leider häufig vorkommt, vor allem durch Diffamierungsversuche auf der persönlichen Ebene, kaum je durch Argumente.
Ich möchte hier daher eine Lanze brechen für den kritischen Ansatz von Edzard Ernst. Es gibt einen unüberschaubaren Dschungel an Produkten und Versprechungen im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin, darunter auch eine sehr grosse Zahl von Hirngespinsten, die zwar den Bedürfnissen, Ängsten und Hoffnungen der Menschen entgegen kommen, aber keinerlei reale Basis haben. Es braucht nur schon aus Gründen des Konsumentenschutzes qualifizierte Instanzen, die solche Heilungsversprechen auf ihren Wahrheitsgehalt hin abklopfen.
Die staatlichen Arzneimittelbehörden haben sich aufgrund von politischen Vorgaben aus diesem Bereich zurückgezogen. Ganze Branchen sind kollektiv von der sonst üblichen Pflicht zum Wirksamkeitsnachweis befreit, zum Beispiel Präparate der Richtungen Homöopathie und Anthroposophische Medizin. Eine Firma wie „Similasan“ kann praktisch beliebig Produkte als Arzneimittel auf den Markt bringen, ohne relevanten Forschung- und Entwicklungsaufwand und ohne den Nutzen für die Konsumentinnen dokumentieren zu müssen. Für die Konsumentinnen und Konsumenten fehlt hier jede Transparenz.
Um so wichtiger sind unabhängige „Instanzen“ wie Edzard Ernst. Leider werden zunehmend Lehrstühle für komplementärmedizinische Forschung an Universitäten eingerichtet, die von der komplementärmedizinischen Pharmaindustrie finanziert werden. Solche Verflechtungen machen unabhängig-kritische Forschung nicht leichter.
Natürlich freut es mich, dass Prof. Edzard Ernst mit Weissdorn, Teufelskralle, Rosskastanie und Johanniskraut nach 18 Jahren Forschung vor allem Anwendungen aus der Phytotherapie Wirksamkeit bescheinigt. Dazu braucht es aber noch ein paar Ergänzungen:
1. Solche Bestätigungen sind schön, doch darf darüber nicht vergessen werden, dass es immer wieder auch negative Forschungsresultate gibt, also Studien, in denen Heilpflanzen-Extrakte die Wirkungen, die man sich erhoffte, nicht gezeigt haben. Es ist nämlich eine verbreitete „Seuche“ vor allem im Bereich Komplementärmedizin / Alternativmedizin, quasi mit der Lupe hoch motiviert nach Bestätigung zu suchen, negative Ergebnisse aber auszublenden oder schönzureden. Das ist eine komplett einseitige Buchhaltung, die nicht gerade vertrauenserweckend wirkt. Auch wenn’s dem Herzen manchmal weh tut: Beide Seiten müssen gleichwertig beachtet werden.
2. Genau genommen kann man in der Phytotherapie nicht sagen, Weissdorn wirkt bei Herzinsuffizienz, Teufelskralle gegen Schmerzen, Rosskastanie bei Venenleiden, Johanniskraut gegen Depressionen. Man müsst immer noch präzisieren, in welcher Arzneiform die betreffende Heilpflanze zu Wirkung kommen kann, zum Beispiel als Tee, Tinktur oder Extrakt.
3. Im Gespräch mit der Sonntagszeitung geht eine wichtige Differenzierung verloren. Ernst wird gefragt, ob es alternativmedizinische Behandlungen gibt, die wirken, und welche komplementärmedizinischen Behandlungen er bei sich selber anwenden würde. Auf beide Fragen antwortet er mit phytotherapeutischen Optionen.
Meines Erachtens gibt es aber kein auch nur einigermassen plausibles Argument, weshalb Phytotherapie zur Alternativmedizin oder zur Komplementärmedizin gezählt werden sollte.
Siehe dazu:
Gehört Phytotherapie zur Komplementärmedizin?
Wenn man die Phytotherapie irgendwo einordnen will, dann gehört sie zur Naturheilkunde und diese ist ein randständiger Bereich der Medizin.
Siehe:
Naturheilkunde – was ist das?
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz
Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe / Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Klinik
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
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Freitag, Dezember 23rd, 2011
Weshalb trinken zahlreiche Raucher massenweise Kaffee? Wie beeinflusst die Antibaby-Pille den Koffeinabbau? Und was geschieht mit Koffein bei Schwangeren? Hier ein paar interessante Informationen rund um das beliebte Genussmittel.
Kaffee weckt die Lebensgeister. Ob man ihn nun genüsslich geschlürft oder hastig heruntergestürzt – die anregende Wirkung des Koffeins setzt eigentlich bei allen schnell ein. 15 bis 120 Minuten nach der Einnahme finden sich im Blutplasma die höchsten Koffeinkonzentrationen. Beim Abbau des Koffeins sieht es schon ganz und gar nicht mehr so einheitlich aus.
Die normale Halbwertszeit des stimulierenden Stoffes liegt bei Jugendlichen und Erwachsenen zwischen 2,5 und 4,5 Stunden. Bei Rauchern jedoch ist diese Spanne zum Beispiel um 30 bis 50 Prozent kürzer. Das erklärt, weshalb zahlreiche Nikotinsüchtige so oft zur Kaffeetasse greifen.
Frauen, die mit Pille verhüten, erleben gegenteilige Wirkungen. Bei ihnen kann es doppelt so lange wie üblich dauern, bis die halbe Koffeindosis abgebaut ist. Die Koffein-Effekte halten dann entsprechend länger an. Auch während der Schwangerschaft kann der Koffeinabbau verlangsamt sein. Im letzten Trimenon sind Koffein-Halbwertszeiten bis zu 15 Stunden möglich. Auf Extremwerte von bis zu 100 Stunden steigt die Halbwertszeit bei Säuglingen und Kleinkindern.
Bitterschokolade macht wach wie Kaffee
Übrigens: Wer Kaffee nicht mag oder verträgt, jedoch trotzdem nicht auf die anregende Koffeinwirkung verzichten will, kann eine – wenngleich figurunfreundliche – Alternative wählen. Eine Tafel Halbbitterschokolade enthält eine vergleichbare Menge des Alkaloids Koffein (50 bis 100 mg) wie eine Tasse Kaffee.
Quellen:
Kaffee: Wirkungen auf die Gesundheit. Was sagt die Wissenschaft?“, Broschüre des Deutschen Grünen Kreuzes, 2. Auflage 2010
http://www.medical-tribune.at/dynasite.cfm?dsmid=104455&dspaid=876441
Kommentar & Ergänzung:
Koffein ist eine Substanz mit sehr spannenden pharmakologischen Wirkungen.
Die zum Teil sehr langen Abbauzeiten vor allem bei Säuglingen, Kleinkindern und Schwangeren werden aber oft zuwenig beachtet.
Und statt von Kaffee auf Halbbitterschokolade umzusteigen, wäre auch der Grüntee oder Schwarztee eine (figurfreundlichere) Alternative.
Aber (dunkle) Schokolade scheint ja wirklich gesund zu sein:
Schokolade schützt Patienten nach Herzinfarkt
Kakao mit Flavanol günstig für Herzkrankgefässe
Dunkle Schokolade sättigt stärker
Zu Koffein und Kaffee siehe auch:
Hohe Koffein-Mengen im Espresso bergen Risiko in der Schwangerschaft
Beugt Kaffee Depressionen vor?
Kaffee: Schutz gegen Demenz durch Wachstumsfaktor gcsf
Parkinson: Koffein als Neuroprotektivum?
Kaffee bei unerfülltem Kinderwunsch
Kaffee könnte Fruchtbarkeit bei Frauen reduzieren
Koffein gibt auch den Muskeln einen Kick
Studie: Koffein ungeeignet für Kinder
Kaffee soll Leberkrebs vorbeugen
Kaffee kann Angst auslösen
Kopfschmerzen nach Koffeinentzug
Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Freitag, Dezember 23rd, 2011
Sportliche Aktivität wirkt sich deutlich positiv auf die Stärke, die Häufigkeit und die Dauer einzelner MigräneAttacken von Patienten aus. Zu diesem Resultat kam eine Studie am Universitätsklinikum Kiel, die mit Unterstützung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) durchgeführt wurde. „Vor allem der Sport im aeroben Herzfrequenzbereich zur Steigerung der Ausdauer, zum Beispiel durch ein ausreichend effizientes Lauftraining, soll hierfür in besonderem Maße geeignet sein“, erklärt Dr. Stephanie Darbaneau, die die Studie begleitet hat.
In der Studie wurde die Wirkung von Jogging und von Walking auf die Migräne verglichen.
Während der Untersuchung beobachteten die Wissenschaftler die Entwicklung der Migränesymptome acht Wochen vor und nach dem Training bei Patienten, die durchschnittlich schon seit 20 Jahren erkrankt waren. In beiden Gruppen (Joggen und Walken) zeigte sich, dass Sport bei der Migräneerkrankung günstig wirkt.
So reduzierten sich die Migränetage in der Jogginggruppe um 17,2 Prozent und die Kopfschmerzstunden gingen um 21,8 Prozent pro Monat zurück. In der Walkinggruppe traten aufgrund der moderaten Bewegung pro Monat durchschnittlich 1,3 Attacken weniger auf.
Bisher existieren nur wenige Studien, die den erwarteten günstigen Effekt des Sports auf Kopfschmerzen belegen. Zehn Studien haben den Effekt von Sport auf die Migräneerkrankung untersucht, fünf davon konnten zeigen, dass Betroffene nach einem regelmäßigen Ausdauerlauftraining weniger Attacken hatten. Bei den übrigen fünf Studien blieb die Wirkung unklar oder konnte nicht nachgewiesen werden.
Als Erklärung für die vom Ausdauersport erwarteten Effekte wird eine Steigerung der Schmerzschwelle diskutiert. Ausdauersport soll den Abbau von unter Stress ausgeschütteten Hormonen beschleunigen, den Stresshormonpegel der Patientinnen und Patienten reduzieren und dadurch die individuelle Schmerzschwelle beeinflussen.
Quelle:
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/48370/Walken_und_Joggen_hilft_gegen_Migraene.htm
Kommentar & Ergänzung:
„Bewegung“ ist eine Heilmethode aus der klassischen Naturheilkunde. Darum gehört „Bewegung“ auch zu den 5-Säulen der Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp:
- Hydrotherapie
- Heilpflanzen-Anwendungen (in modernisierter Form: Phytotherapie)
- Ernährung
- Bewegung, Luft, Licht
- Lebensordnung
Siehe auch:
Was ist Naturheilkunde?
„Bewegung“ wird heute kaum mehr als Heilmethode aufgefasst.
Heilmethoden müssen exotischer daher kommen, um im Trend zu liegen.
„Bewegung“ wird mit Sport und Fitness gleich gesetzt, ist natürlich gesund und kommt heute attraktiver verpackt als Jogging, Nordic Walking, Zumba, Aerobic, Pilates etc. daher.
Inzwischen gibt es aber immer mehr Untersuchungen, die regelmässiger Bewegung spezifische günstige Wirkungen zuschreiben zum Beispiel bei Diabetes, Depressionen, Demenz, Durchblutungsstörungen in den Beinen.
In der Regel braucht es für günstige Effekte nicht die intensive, stundenlange körperliche Aktivität. Schon kleinere, aber regelmässig absolvierte Bewegungsrationen zeigen gute Wirkung. Und am besten baut man diese Bewegungsrationen in den Alltag ein.
Wer darüber hinaus noch Jogging, Nordic Walking, Zumba, Aerobic, Pilates….machen will, kann das gerne tun. Solche Methoden haben meinem Eindruck nach vor allem einen Motivationseffekt, wenn man dadurch eine Bewegungsart oder eine Gruppe findet, die einem zusagt.
Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.
Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde
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Mittwoch, Dezember 14th, 2011
Johanniskraut (Hypericum perforatum) wird als Trockenextrakt bei leichten und mittleren Depressionen eingesetzt.
Johanniskraut-Extrakte zeigen aber auch Wechselwirkungen (Interaktionen) mit anderen Medikamenten.
Johanniskraut aktiviert Enzyme in der Leber (CYP3A4 und P-Glykoprotein), die Fremdstoffe abbauen.
Das kann Probleme geben bei Medikamenten, die durch CYP3A4 abgebaut werden. Deren Spiegel sinken rascher, wodurch sich die Wirksamkeit abschwächt.
Pharmawiki hat die betroffenen Medikamente gut zusammengestellt:
„Absolute Kontraindikationen:
Immunsuppressiva (z.B. Ciclosporin, Tacrolimus oder Sirolimus),
anti-retrovirale HIV-Arzneimittel aus der Gruppe der Non-Nucleosid-Reverse-Transcriptase-Inhibitoren (z.B. Nevirapin) und HIV-Proteasehemmer (z.B. Indinavir),
gewisse Zytostatika (z.B. Imatinib, Irinotecan),
orale Antikoagulantien vom Cumarintyp
Relative Kontraindikationen:
Digoxin
Hormonale Kontrazeptiva
Methadon
Statine, Midazolam, Steroidhormone“
Ausserdem gibt es bei folgenden Medikamenten die Gefahr eines Serotoninsyndroms:
Antidepressiva und andere serotoninerge Substanzen (wie Buspiron, Amitriptylin, Nortriptylin, Citalopram, Escitalopram, Fluoxetin, Paroxetin, Sertralin u.a.).
Quelle:
http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Johanniskraut
Kommentar & Ergänzung:
In der Öffentlichkeit bekannt sind vor allem die Wechselwirkungen zwischen Johanniskraut und der „Pille“.
Dass es darüber hinaus noch eine ganze Reihe von Medikamenten gibt, die ebenfalls von dieser Interaktion betroffen sind, ist viel weniger bekannt.
Wer Medikamente verschrieben bekommt, sollte daher den behandelnden Arzt / die behandelnde Ärztin darüber informieren, wenn er oder sie Johanniskraut einnimmt.
Zu erwähnen ist allerdings noch:
- Das Problem mit diesen Interaktionen ist nicht bei allen Medikamenten klinisch gleich einschneidend. Das drückt sich auch aus in der Unterscheidung zwischen „Absoluten Kontraindikationen“ und „Relativen Kontraindikationen“.
- Für die Interaktion via CYP3A4 ist nach heutigem Kenntnisstand höchst wahrscheinlich der Inhaltsstoff Hyperforin verantwortlich. Es gibt Johanniskraut-Präparate mit unterschiedlichem Hyperforin-Gehalt. Präparate mit tiefem Hyperforingehalt sind folglich weniger betroffen von möglichen Interaktionen als solche mit hohem Hyperforin-Gehalt.
- Mit diesen Interaktionen muss vor allem gerechnet werden bei Johanniskraut-Extrakten. Bei der Anwendung von Johanniskrauttee über 14 Tage wurden keine Interaktionen festgestellt. Das schreibt Reinhard Länger:
„Zubereitungen, mit denen weniger als 1 mg Hyperforin pro Tag aufgenommen wird (zum Beispiel Johanniskrauttee), induzierten über 2 Wochen nicht die genannten Enzyme. Leider liegen bislang keine längeren Interaktionsstudien vor. Wenn die Einnahmedauer auf 2 Wochen beschränkt wird, sind daher keine Interaktionen zu erwarten. Bei längerer Einnahme sind alle genannten Gegenanzeigen und Warnhinweise zu beachten.“
(Quelle: PHYTOTherapie Austria 4 / 2010)
Allerdings geht man aufgrund von Erfahrungen aus klinischen Studien davon aus, dass die Johanniskraut-Wirkung nicht sofort eintritt, sondern erst nach etwa zwei Wochen den Placebo-Effekt übertrifft.
Belegt ist zudem die Wirkung von Johanniskraut bei Depressionen nur mit Johanniskraut-Extrakten, nicht aber mit Johanniskrauttee oder Johanniskrauttinktur.
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Donnerstag, November 17th, 2011
Bei der Behandlung von Depressionen ist Sport eine von drei therapeutischen Säulen.
Die Therapietreue der Patienten verbessert sich, wenn sie in die Therapieentscheidung einbezogen werden.
Das sind zwei zentrale Resultate des 10. Lundbeck Dialogs ZNS.
Joggen, Radfahren, Walken, Schwimmen seien gut für die Gesundheit – auch für die seelische Gesundheit.
Diese Ansicht vertritt der Neurologe und Psychiater Dr. Ralf Künzel aus dem hessischen Bruchköbel. Regelmäßiger Ausdauersport habe einen “1A-Evidenzgrad für Depression”, erklärt Künzel.
Der Facharzt verwies auf mehrere randomisierte Kontrollstudien, die eine Linderung der Symptome bei regelmäßigem sportlichem Training belegen. Sport sagt er, sei einer von drei Therapiebausteinen für depressive Patienten, neben Psychotherapie und Medikamententherapie.
Die molekularen Mechanismen, die durch Sport in Gang kommen, seien vergleichbar mit denen von Antidepressiva, erläutert Künzel.
Bei der Behandlung seiner ambulanten Patienten knüpft er an das noch vorhandene Aktivitätsniveau an. Wenn der Patient es schaffe, die Laufschuhe anzuziehen und zumindest einmal um den Block zu laufen, dann gehe es ambulant. Patienten, bei denen das nicht mehr möglich ist, gehören aus seiner Sicht in die Klinik.
Eine gute neurologische Klinik zeichne sich dadurch aus, dass sie ihre Patienten morgens in die Laufschuhe stelle.
Wichtige Mitwirkung des Patienten an Therapie
Patienten zur Mitwirkung an der Behandlung zu bewegen, gelingt besser, wenn man sie in die Therapieentscheidung einbezieht, betonte der Psychotherapeut Dr. Andreas Loh aus Freiburg.
Als Hindernisse in der Versorgung von depressiven und manisch-depressiven Patienten sieht Loh unter anderem ein unzureichendes Verständnis von Erkrankung und Therapie, unzureichende Einsicht in den Behandlungsbedarf und dysfunktionale Einstellungen bei den Beteiligten.
Oft sehen gerade depressive Patienten oder Patienten mit bipolaren Störungen nicht ein, warum sie ihre Medikamente auch dann nehmen sollten, wenn es ihnen gerade vermeintlich gut geht.
Rücksicht nehmen auf individuelle Werte und Einstellungen des Patienten
Vielen Ärzten ist zwar dieses Problem der Non-Compliance bekannt, sie unterschätzen aber oft das Ausmass, meint Loh. Um die Compliance zu verbessern, müssen Ärzte ihre Patienten zur Behandlung motivieren. Reine Information sei dafür nur die Basis.
Auch individuelle Werte und Einstellungen des Patienten müssen bei der Therapieentscheidung berücksichtigt werden, verlangt Loh.
Er setzt daher auf das sogenannte Shared Decision Making und zeigte sich überzeugt, dass damit ein besserer Therapie-Outcome erzielt wird.
Das gilt gemäss Loh auch für Patienten mit Depression, die Studien zufolge ebenso in Therapieentscheidungen einbezogen werden wollen wie somatisch erkrankte Patienten.
Quelle:
http://www.aerztezeitung.de/panorama/article/679029/depressionen-davon-laufen.html?sh=7&h=-629385950
Kommentar & Ergänzung:
- Bewegung ist eine der Grundsäulen der Naturheilkunde.
Siehe dazu: Naturheilkunde – was ist das?
- Patientinnen und Patienten sollen in Therapieentscheidungen einbezogen werden, weil sich dadurch die Compliance entscheidend verbessert. Und die individuellen Werte und Einstellungen der Patienten sollen bei der Therapieentscheidung berücksichtigt werden.
In beiden Bereichen bietet die Phytotherapie interessante Optionen:
Heilpflanzen-Anwendungen ermöglichen oft diese Mitentscheidung und Mitwirkung. Sie kommen zudem den individuellen Werten und Einstellungen von Menschen entgegen, die „sanftere“ Alternativen suchen, ohne dass dabei der Boden einer auch rational begründbaren Therapie verlassen werden muss.
Gerade in der Psychiatrie – aber nicht nur dort – sind das wichtige Pluspunkte.
Siehe auch:
Starke Argumente für Phytotherapie in der Psychiatrie
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Mittwoch, November 9th, 2011
Das Raucherentwöhnungs-Medikament Champix (Vareniclin) von Pfizer erhöht bei Patienten möglicherweise das Risiko von Depressionen, Selbstverletzungen und Suiziden. Zu diesem Schluss kommen jedenfalls US-Wissenschaftler, die die von 1998 bis 2010 bei der Arzneimittelbehörde FDA gemeldeten Nebenwirkungen analysiert haben. Für Vareniclin, das erst seit 2007 zugelassen ist, fanden die Forscher über 9500 Meldungen, von denen fast jede dritte auf Depressionen, Selbstverletzung oder Suizid entfiel.
Für das Präparat Zyban (Bupropion) von GlaxoSmithKline wurden 1750 Nebenwirkungen gemeldet, davon zählten 13 Prozent zu der genannten Gruppe. Bei Nikotinersatzpräparaten wurden 1900 unerwünschte Wirkungen gemeldet, in 95 Fällen (5 Prozent) traten Depressionen und Selbstverletzung auf.
Die Resultate der Untersuchung zeigen den Wissenschaftlern zufolge das erheblich erhöhte Risiko bei der Vareniclin-Therapie. Unter Berücksichtigung der schon bekannten Nebenwirkungen wie Schlaflosigkeit, Angstzustände oder Erbrechen raten die Forscher, Vareniclin nicht mehr als Mittel erster Wahl zur Raucherentwöhnung zu verwenden.
Quelle:
http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/wissenschaft/suizidgefahr-bei-champix
Moore TJ et al: Suicidal Behavior and Depression in Smoking Cessation Treatments. PLOS one 6 (11): e27016. doi: 10.1371/journal.pone.0027016
Kommentar & Ergänzung:
Die Deutsche Apotheker-Zeitung (DAZ) hat dazu eine Stellungnahme von Pfizer veröffentlicht:
„Pfizer erklärte auf Anfrage, dass man die Interpretation der Daten durch die Autoren nicht teile. Die veröffentlichte Analyse der Post-Marketing-Berichte von Moore et al. biete keine belastbaren medizinischen Informationen. Die Schlussfolgerung der Autoren würden aktuellen wissenschaftlichen Analysen sowohl der FDA als auch der EMA sowie den vorliegenden Daten aus klinischen Studien. widersprechen. Beide Behören hätten auf Basis aller aktuell vorliegenden Sicherheits- und Studiendaten von Champix wiederholt ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis für Champix bescheinigt. Die FDA habe noch am 24. Oktober 2011, die Ansicht vertreten, dass auf der Grundlage der derzeit verfügbaren Daten der Nutzen des Präparats die Risiken überwiegt und dass die Warnhinweise in aktuellen informierenden Texten zu Champix angemessen seien. Im Juli 2011 hatte der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA ebenfalls eine positive Nutzen-Risiko-Bewertung für Vareniclin abgegeben.“
Die DAZ weißt aber auch darauf hin, dass die FDA schon im Juli 2009 entsprechende Meldungen zum Anlass für einen verschärften Warnhinweis (Boxed Warning) genommen hatte.
Quelle:
http://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/pharmazie/news/2011/11/07/selbstmordgefahr-unter-vareniclin-champixR-besonders-hoch.html
Ich bin nicht in der Lage zu beurteilen, welche Argumente hier stichhaltiger sind.
Das pauschale Feindbild „Pharmaindustrie“ und die damit zusammenhängenden Verschwörungstheorien, wie sie in weiten Bereichen der Komplementärmedizin verbreitet sind, halte ich für sehr fragwürdig (und ich will diese Schwarz-Weiss-Feindbilder auch nicht „füttern“ mit diesem Beitrag).
Das schliesst aber natürlich nicht aus, konkrete problematische oder gar riskante Aspekte im Bereich „Pharma“ sehr kritisch in Frage zu stellen. Im Gegenteil: Eine “Feindbildhaltung” und eine “kritische Haltung” sind zwei fundamental unterschiedliche Dinge. Feindbilder sind pauschal, sie funktionieren reflexartig und frei von Nachdenken. Eine kritische Haltung basiert dagegen auf Argumenten, wägt diese ab und ist immer so konkret wie möglich.
Leider ist es ein immer wiederkehrendes Phänomen, dass Pharmakonzerne sichtbar werdende Risiken ihrer Produkte erst einmal gründlich Kleinreden.
Und die Marketingabteilung einer Pharmafirma wie zum Beispiel Pfizer hat sehr viel mehr Ressourcen als irgendeine unabhängige(re) Wissenschaftlergruppe, um ihre Position durchzusetzen.
Um diese eklatante Dysbalance auszugleichen ist es angemessen, der kritischen Forschergruppe sehr gut zuzuhören und deren Argumente sehr ernst zu nehmen.
Das zeigen jedenfalls die Erfahrungen mit den verschiedensten Arzneimittelskandalen (z. B. Contergan, Phen-Fen, Lipobay, Vioxx, Mediator).
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