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Krebstherapie: Sport und Phytotherapie bei Fatigue

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Zahlreiche Krebspatienten leiden während und nach einer Chemotherapie unter Fatigue. Das sogenannte Erschöpfungssyndrom kann die Erkrankten in ihrer Lebensqualität stark beeinträchtigen. Auf dem Deutschen Krebskongress in Berlin haben Fachleute diskutiert, wie den Betroffenen geholfen werden kann.

Fatigue ist eine häufige Begleiterscheinung in der Tumorbehandlung. Zwischen 60 und 100 Prozent der Krebspatienten klagen während der Therapie über ausgeprägte Müdigkeit und bei mehr als jedem Vierten tritt das Erschöpfungssyndrom als Langzeitfolge nach Abschluss der Behandlung auf. Die dem Erschöpfungssyndrom zugrunde liegenden Mechanismen sind bislang unklar.

Wichtige Elemente für die Therapie der Fatigue sind die Verhaltenstherapie und die gezielte Schulung der Patienten. In Einzel- und Gruppengesprächen können sie lernen, mit ihrer Situation besser umzugehen, zum Beispiel mithilfe bestimmter Entspannungstechniken. Denn die reduzierte Leistungsfähigkeit führt häufig zu Stress und letztlich zu Depressionen.

Mit Sport bei Fatigue nicht übertreiben

Auch Sport kann dazu beitragen, das Befinden bei Fatigue zu verbessern. Dr. Freerk Baumann von der Deutschen Sporthochschule Köln warnt aber davor, die Erkrankten zu stark zu beanspruchen. Je nachdem, welche Folgeerscheinung der Krebstherapie man behandeln möchte, gebe es völlig unterschiedliche Bewegungsprogramme. Wer während der Behandlung unter Fatigue leidet, sollte etwa vier bis fünf Stunden pro Woche spazieren gehen. So ließe sich das beste Resultat erzielen. Mehr Bewegung bringe in diesem Fall eher schlechtere als bessere Resultate, erklärt Baumann.

Da Sport vom Körper als Stress wahrgenommen werde und zu einem höheren Energieverbrauch führe, müsse nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand das Pensum laut Baumann an die Schwere des Erschöpfungszustands angepasst werden. Je ausgeprägter die Fatigue ist, desto weniger intensiv sollte laut Baumann das Training ausfallen.

Zu klären bleibe beispielsweise, ob körperliche Aktivität an der frischen Luft einen höheren Nutzen habe als Training in der Halle oder im Fitnessstudio.

Ergänzend zu solchen Massnahmen kann auch der Einsatz pflanzlicher Arzneimittel erwogen werden, sagt Dr. Matthias Rostock vom Institut für komplementäre und integrative Medizin am Universitätsspital Zürich. Die Phytotherapie könne helfen, die Patienten für andere Maßnahmen zu aktivieren.

Günstig wirkt laut Rostock Guarana bei der akuten Fatigue während einer Chemotherapie bei Brustkrebspatientinnen. Verglichen mit Placebo habe sich die Symptomatik der Frauen bei der Behandlung mit Guarana signifikant verbessert und sie klagten deutlich weniger über Übelkeit und Schlafstörungen. Baldrian ist laut Rostock gegen Schlaflosigkeit zwar wenig effektiv, wirkt dafür jedoch gegen nervöse Erschöpfung. Das entspreche der ursprünglichen Indikation für den Einsatz von Baldrianwurzel, erklärt Rostock.

Gut erforscht sei insbesondere die Wirksamkeit von Ginseng. Bei Tagesdosen von 1 bis 2 g fühlen sich rund 30 Prozent der Patienten besser. Das zeigt nach Rostock aber auch, dass Ginseng nicht jedem hilft. Der positive Effekt von Ginseng sei während der Chemotherapie signifikant, nach Beendigung der Behandlung aber deutlich schwächer ausgeprägt.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=62425

Kommentar & Ergänzung:

Zum Thema „Sport & Fatigue“ siehe:

Krafttraining bessert krebsbedingte Erschöpfung bei Fatigue

Gut dosierter Sport lindert Müdigkeit bei Krebs und Fibromyalgie

 

Zum Thema „Ginseng & Fatigue“ siehe:

Ginseng-Behandlung reduziert Fatigue-Smptome bei Krebserkrankung

Onkologie: Fatigue & Roter Ginseng

Ginseng lindert Fatigue bei Krebskranken

Onkologie / Palliative Care: Was hilft bei Fatigue?

Zu Guarana:

Guarana enthält als wirksamen Inhaltsstoff Coffein. Zum Thema „Guarana & Fatigue“ gibt es eine Studie mit positivem Resultat:

„Guarana (Paullinia cupana) improves fatigue in breast cancer patients undergoing systemic chemotherapy…..

RESULTS: Guarana significantly improved the FACIT-F, FACT-ES, and BFI global scores compared to placebo on days 21 and 49 (p < 0.01). The Chalder Scale improved significantly on day 21 (p < 0.01) but not on day 49 (p = 0.27). Guarana did not produce any Common Terminology Criteria for Adverse Events grades 2, 3, or 4 toxicities and did not worsen sleep quality or cause anxiety or depression.

CONCLUSIONS: Guarana is an effective, inexpensive, and nontoxic alternative for the short-term treatment of fatigue in BC patients receiving systemic chemotherapy. Further studies are needed to confirm these results and to evaluate their generalizability to chronic CRF and to other types of cancer.“

Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21612429

Die Studie gibt zwar Hinweise auf einen günstigen Effekt von Guarana, sie ist aber von der Zahl der teilnehmenden Patienten her klein und kann die Wirksamkeit nicht einwandfrei belegen. Eigenartig ist bei dieser Studie die Dosierung von zweimal täglich 50mg Guarana. Normalerweise wird bei Guaranapulver als Tagesdosis 1 – 3 Gramm empfohlen (entsprechend etwa 50 – 150 mg Coffein). Eine Tasse Kaffee (150 ml) enthält aber auch bereits zirka 60 – 100 mg Coffein (Angaben aus: Biogene Arzneimittel).

Was Guarana gegenüber anderen Coffeinquellen wie Kaffee, Grüntee, Schwarztee oder Matetee für Vorteile haben soll, ist mir nicht plausibel ersichtlich.

Als Vorteil wird manchmal angeführt, dass das Coffein aus Guarana im Gegensatz zum Coffein aus Kaffee langsamer in den Körper aufgenommen werden soll, weil es an Gerbstoffe gebunden vorliegt. Das soll zu einer länger anhaltenden Wirkung führen.

Dieser postulierte Retard-Effekt konnte aber in neueren Untersuchungen nicht bestätigt werden. Die Freisetzung und Aufnahme von Coffein aus Guarana entspricht derjenigen aus Präparaten mit reinem Coffein (Angaben gemäss: Teedrogen und Phytopharmaka)

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Lavendelöl-Extrakt verursacht keine Entzugssymptome beim Absetzen

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Der patentierte Lavendelöl-Extrakt Silexan® kommt als Wirkstoff im Präparat Lasea® zur Anwendung.

Im Gegensatz zu den meisten chemisch-synthetischen Anxiolytika (angstlösende Mittel) kann Lasea von einem Tag auf den anderen Tag abgesetzt werden, ohne dass Absetzphänomene auftreten. Zu diesem Schluss kommt die Auswertung der Nachbeobachtungsphase einer randomisierten Doppelblindstudie, in der Patienten mit Angststörung entweder Silexan, Paroxetin oder Placebo erhalten hatten.

An der zehnwöchigen Studie waren 539 Patienten mit Angststörungen beteiligt. Die Probanden bekamen entweder täglich 80 mg oder 160 mg Silexan, 20 mg Paroxetin oder Placebo. In der elften Woche wurde die Paroxetin-Dosis schrittweise gesenkt. Patienten der Silexan- und Placebo-Gruppe bekamen ab diesem Zeitpunkt alle Placebo-Kapseln.

Zur Erfassung möglicher Absetzphänomene kam die 20 Punkte enthaltende Physician Withdrawal Checklist (PWC-20) zur Anwendung. Die einfache Selbsteinschätzungsskala für Patienten fragt in 20 Items häufig beobachtete Entzugssymptome ab. Die mittlere PWC-20-Gesamtpunktzahl sank in der einwöchigen Absetzphase in allen Gruppen: Bei Placebo -0,19, bei Silexan 80 mg -0,23, bei Silexan 160 mg -0,65, bei Paroxetin -0,51.

Absetzphänomene wurden in keiner Gruppe beobachtet.

Die Autoren der Studie ziehen aus den Resultaten den Schluss, dass der Lavendelöl-Extrakt Silexan kein Abhängigkeitspotenzial besitzt und auch nach einer Langzeittherapie ohne Ausschleichen der Dosis abgesetzt werden kann.

Quelle:

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=71404

DOI:10.1080/13651501.2017.1301488

Kommentar & Ergänzung:

Das Lavendelölpräparat Lasea® wird zur Linderung von leichten generalisierten Angststörungen eingesetzt. Die Kapseln werden eingenommen. Das ist ungewöhlich für Lavendelöl, das meistens inhalativ oder percutan, also über die Haut zur Anwendung kommt.

Lasea® enthält ein Lavendelöl, das für diese Indikation quasi optimiert wurde und hohe Gehalte an Linalylacetat und Linalool aufweist.

Dass sich beim Absetzen von Lasea® keine Entzugssymptome zeigen, ist nicht überraschend.

Zur Wirksamkeit siehe auch:

Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl-Kapseln Lasea bei Angststörungen

Lavendelöl-Kapseln gegen Angst und Depressionen

Lavendelöl-Präparat bei Angststörungen

Lavendelöl-Kapseln reduzieren Angst bei Depressionen (Fallstudie)

 

Studie: Lavendelöl lindert Angststörungen

Lavendelblüten und Lavendelöl als Sedativum

Lavendelöl reduziert Angst und bessert den Schlaf

 

Phytotherapie: Lavendelöl als Angstlöser

Phytotherapie: Lavendelöl gegen Unruhe

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Medikamentenverkauf: Migros versus Apotheken & Drogerien

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Ab 2019 werden in der Schweiz gewisse Medikamente auch im Detailhandel erhältlich sein. Dabei geht es auch um Heilpflanzen-Präparate.

Gegenwärtig prüft die Heilmittelbehörde Swissmedic, welche Arzneimittel in Zukunft von dieser Liberalisierung betroffen sind. Damit setzt Swissmedic die im revidierten Heilmittelgesetz angestrebte Förderung der Selbstmedikation um.

Grossverteiler wie Migros und COOP begrüssen diese Entwicklung selbstverständlich und möchten möglichst viele Präparate verkaufen dürfen.

Die Branchenvertreter der Apotheken und Drogerien sind ebenso selbstverständlich dagegen und warnen vor Gefahren.

Beide Seiten operieren mit fragwürdigen Argumenten.

Bisher sind in der Schweiz die meisten Medikamente nur in Apotheken und Drogerien erhältlich. Die Migros strebt aber deutsche Verhältnisse an. In Deutschland werden viel mehr Arzneimittel im Detailhandel verkauft.

Martin Bangerter, Zentralpräsident des Schweizerischen Drogistenverbandes, macht auf die Gefahren aufmerksam, wenn man sich unbesehen an den Verkaufsvorschriften anderer Länder orientiere, etwa wenn in Deutschland Johanniskraut-Dragées im Supermarkt verkauft werden. Diese gegen Depressionen und Stimmungsschwankungen eingesetzten pflanzlichen Mittel könnten im Zusammenhang mit anderen Medikamenten unerwünschte Nebenwirkungen haben, sagt Bangeter. Er weist darauf hin, dass Johanniskraut die Wirkung der Pille zur Schwangerschaftsverhütung abschwächen könne und dass dieses Beispiel zeige, weshalb eben auch bei scheinbar unproblematischen Heilmitteln eine Fachberatung nötig sei.

Diese Argumentation ist grundsätzlich nachvollziehbar. Johanniskraut-Extrakte mit ihren möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten taugen nicht für den Verkauf im Supermarkt.

Aber was sagt dazu die Migros?

Jürg Maurer, bei Migros stellvertretender Leiter der Direktion Wirtschaftspolitik, kontert: «Wir fordern keine Höchstdosierungen, sondern moderat dosierte Präparate, die in Deutschland in jedem Supermarkt seit Jahren erhältlich und absolut selbstbedienungstauglich sind.»

Der Migros sei kein einziger Fall bekannt, bei welchem es mit einem frei verkäuflichen Johanniskrautpräparat zu den genannten Interaktionen gekommen sei, betont Maurer.

Damit hat er höchstwahrscheinlich Recht. Mit den niedrig dosierten Johanniskraut-Präparaten, wie sie die Supermärkte in Deutschland verkaufen, sind Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kaum zu erwarten.

Was Maurer nicht sagt: Von diesen niedrig dosierten Johanniskraut-Präparaten sind auch keine Wirkungen zu erwarten.

Effekte in diesem tiefen Dosisbereich sind weder plausibel noch durch Studien belegt (im Gegensatz zu den hochdosierten Extrakten).

Das scheint für die Migros aber kein Kriterium zu sein. Hauptsache, sie kann mehr Medikamente verkaufen…….

Ins Regal stellen will die Migros künftig auch Schmerzmittel auf pflanzlicher Basis mit Weidenrinde-Pulver. Das Präparat wird sich bestimmt gut verkaufen, aber auch hier fällt ein wesentlicher Punkt unter den Tisch: Studien mit positiven Ergebnissen gibt es nur für Weidenrindenextrakt-Präparate, die wesentlich konzentrierter sind und dadurch einen deutlich höheren Gehalt an schmerzstillendem Salicin haben. Wirksamkeit scheint auch hier für die Migros kein Kriterium.

Die Vertreter der Apotheken und Drogerien argumentieren aber auch nicht überzeugend.

Der Apothekerverband Pharmasuisse weist darauf hin, dass die Kundschaft im Detailhandel vermehrt durch «Pseudomedikamente» getäuscht werden könnte, speziell verpackte Medizinprodukte, Ernährungsergänzungsmittel oder Nahrungsmittel, die eine unrealistische Wirkung versprächen.

Pharmasuisse-Generalsekretär Marcel Mesnil sagt:

«Im Selbstbedienungsladen gibt es an der Kasse niemanden, der die Leute berät.»

Dort müssten sich die Patienten auf ihre eigene Einschätzung verlassen, die auch falsch sein könne. In der Apotheke oder Drogerie dagegen könne eine falsche Selbsteinschätzung im Beratungsgespräch korrigiert werden.

Das ist zumindestens schönfärberisch. Apotheken und Drogerien verkaufen selber aktiv und passiv (auf Verlangen) sehr viele „Pseudomedikamente“, ohne dass ihnen das grossen Kummer bereitet, solange es zum Umsatz beiträgt.

Für Bachblüten, Schüssler-Salze, Homöopathika und Spagyrika gibt es keine überzeugenden Belege. Unrealistische Wirkungsversprechungen dazu präsentieren die Schaufenstern von Apotheken und Drogerien aber noch und noch, ganz abgesehen von den Beratungen in den Geschäften.

Bei den Phytopharmaka ist nur eine Minderheit fundiert durch Studien belegt und viele Heilpflanzen-Präparate fallen durch unsinnige Zusammensetzung oder ungenügende Dosierung auf. Und auch eine ganze Reihe von synthetischen Medikamenten hat ihre Zulassung vor einigen Jahrzehnten bekommen auf der Grundlage von Studien, die heutigen Qualitätskriterien bei weitem nicht genügen.

Dass Mitarbeitende in Apotheken und Drogerien die Kundschaft hier kritisch beraten ist meiner Erfachrung nach eher die Ausnahme als die Regel. Wer mit fundiertem Heilpflanzen-Wissen in Apotheken und Drogerien fachliche Fragen stellt, bekommt oft falsche oder nichtssagende Antworten. Und Testkäufe von Konsumentenorganisationen zeigen immer wieder lückenhafte und falsche Beratungen.

Hier ein Beispiel für skrupellose Kundentäuschung aus der Apotheke:

Entschlackung – illusionäre Hoffnung auf Gewichtsreduktion

Apotheken und Drogerien sollten also den Mund nicht zu voll nehmen, was ihre überragende Beratungskompetenz gegenüber den Grossverteilern angeht.

Die Migros ist jedoch genauso wenig überzeugend. Sie begründet ihren Druck zugunsten einer Liberalisierung des Medikamentenverkaufs natürlich nicht mit dem zusätzlichen Markt und dem Umsatz, den sie damit machen kann. Sie präsentiert sich als Preisbrecherin zugunsten der Konsumenten.

In Drogeriemärkten in Deutschland seien frei verkäufliche Arzneimittel zum Teil erheblich günstiger, sagt Martin Schläpfer, Leiter der Direktion Wirtschaftspolitik bei der Migros. Einen Grund für die hohen Preise in der Schweiz sieht er im fehlenden Preiswettbewerb. Schläpfer ist überzeugt, dass die Konkurrenz durch die Detailhändler die Preise in der Schweiz endlich ins Rutschen bringen werde.

Das kann sein. Die Preise werden sinken, aber die Wirksamkeit der Präparate auch. Wandert ein grosser Teil des Umsatzes mit Heilpflanzen-Präparaten zu den Grossverteilern, werden die Hersteller weniger Geld in die Entwicklung hochwertiger Extrakte und in die klinische Forschung zum Nachweis der Wirksamkeit investieren.

Um beim Beispiel Johanniskraut zu bleiben: Hersteller, die ihr niedrig dosiertes Johanniskraut-Präparat im Supermarkt verkaufen, brauchen keine Forschung, weil kein Wirksamkeitsnachweis gefordert wird. Darum wird es in diesem Bereich auch keine Forschung geben.

Hersteller, die ihr hochkonzentriertes, aber teureres Johanniskraut-Präparat als Arzneimittel in Apotheken und Drogerien verkaufen, werden weniger Umsatz machen und daher weniger in Forschung investieren können. Das schadet der Phytotherapie.

Ich selber bin bereit, einen höheren Preis für ein Heilpflanzen-Präparat zu bezahlen, wenn ich weiss, dass der Hersteller in Forschung und Entwicklung investiert hat. Trittbrettfahrer, die ein billiges, aber wirkungsloses Präparat in den Supermarkt werfen und vom Forschungs-, Entwicklungs- und Marketingaufwand anderer Hersteller profitieren, gehen bei mir leer aus.

Quelle der Zitate und Stellungnahmen:

http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/streit-um-medikamente-im-supermarkt/story/25388132

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Woraus besteht Opium und was ist Opiumtinktur?

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Nimmt man die Phytotherapie-Fachliteratur zum Massstab, gehört Opium nicht zur Phytotherapie. Dort taucht Opium nämlich kaum auf. Das hängt wahrscheinlich damit zusammen, dass Opium dem Betäubungsmittelgesetz unterstellt ist.

Denn eigentlich ist Opium ja ein Pflanzenprodukt, das zu medizinischen Zwecken verwendet wird. Das würde eigentlich nahelegen, dass Opium zur Phytotherapie zu zählen.

In meiner Phytotherapie-Ausbildung taucht Opium allerdings in der Wirkstoffkunde auf im Kapitel „Alkaloide“. Opium selber ist aber kein Alkaloid. Alkaloide enden immer auf –in.

Opium enthält jedoch ein Alkaloidgemisch.

Opium ist der durch Anritzen gewonnene getrocknete Milchsaft unreifer Samenkapseln des zu den Mohngewächsen (Papaveraceae) gehörenden Schlafmohns (bot. Papaver somniferum L.). Im Verlauf des Trocknungsprozesses entwickelt sich aus dem Milchsaft durch Autoxidation das Rohopium, eine braune bis schwarze Masse. Wirksame Hauptbestandteile des Opiums sind die Alkaloide Morphin, Codein und Thebain.

Das aus Opium gewinnbare halbsynthetische Diacetylmorphin ist allgemein als Heroin bekannt.

Im Opium sind 37 unterschiedliche Alkaloide vorhanden, die im Rohopium bis zu einem Viertel der Masse ausmachen.

Die wichtigsten Alkaloide des Opiums sind:

–        Morphin (ca. 12 %), eines der stärksten Analgetika ( Schmerzmittel),

–        Codein (0,2 bis 6 %), ein hustenstillendes Mittel (Antitussivum),

–        Noscapin (2 bis 12 %), ein hustenstillendes Mittel (Antitussivum),

–        Papaverin (0,1 bis 0,4 %), ein krampflösendes Mittel (Spasmolyticum),

–        Thebain (0,2 bis 1 %), wirkt stärker stimulierend, aber schwächer schmerzstillend als

Morphin,

–        Papaveraldin (0,5 bis 3 %) und

–        Narcein (0,1 bis 1 %), wirkt selber schwächer als Morphin, potenziert jedoch dessen

Wirkung.

(Quelle für die Prozentzahlen: Wikipedia)

Diese Alkaloide wirken bereits in ihrer natürlichen Zusammensetzung synergistisch, da sich die schmerzstillenden und krampflösenden Eigenschaften gut ergänzen.

Historisch wurde Opium als Schmerz- und Schlafmittel eingesetzt, sowie seit jeher als Rauschmittel verwendet. In der Psychiatrie wurde Opium zur Therapie von Depressionen angewendet, insbesondere als sogenannten „Opiumkur“.

Opiumtinktur kommt heute in der Medizin gelegentlich noch gegen starke Durchfälle zum Einsatz.

Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert wurde Opiumtinktur auch als Laudanum, Mohnsaft (Laudanum liquidum) oder Meconium bezeichnet.

Wikipedia schreibt dazu:

„Der Name Laudanum wurde in unterschiedlichen Zusammensetzungen unter anderem vom Arzt und Naturforscher Theophrastus Bombastus von Hohenheim (1493–1541) beschrieben, besser bekannt als Paracelsus. Er glaubte, mit dem Laudanum ein Allheilmittel erfunden zu haben, und nannte seine Tinktur daher auch Stein der Unsterblichkeit. Seine Hauptbestandteile waren zu etwa 90 Prozent Wein sowie Opium zu etwa 10 Prozent, die Zusammensetzung ist jedoch umstritten. Als weiterer Zusatz wird Bilsenkraut, die gemeine Alraune und Tollkirsche genannt………….

Seit seiner Erfindung um das Jahr 1500 fand das Laudanum in Europa eine große Verbreitung. Während der nächsten Jahrhunderte erfreute es sich als Universaltonikum und Wunderdroge einer großen Beliebtheit. Seine herausragende Eigenschaft bestand allerdings nicht in einer lebensverlängernden, sondern vielmehr in seiner schmerzstillenden und beruhigenden Wirkung. Sogar Kindern wurde die verdünnte Tinktur bedenkenlos zur Ruhigstellung eingegeben.

Laudanum war frei verkäuflich und günstig, daher war es in allen Gesellschaftsschichten Europas sehr populär. Seine Verbreitung im 18. und 19. Jahrhundert lässt sich in etwa mit der des Aspirins in der heutigen Zeit vergleichen. Eine Zeit lang fand der Begriff auch als Synonym für Schmerzmittel allgemein Verwendung.

In Schriftstellerkreisen kam das Laudanum teilweise zur Anregung der kreativen Fähigkeiten in Mode; der Dauergebrauch der Tinktur schien jedoch die eigene Kreativität eher auszulöschen. Zu den bekanntesten bekennenden Laudanumkonsumenten gehören u. a. der englische Lyriker Samuel Taylor Coleridge (1772–1834) und der Schriftsteller Thomas de Quincey (1785–1859) sowie der walisische Schriftsteller Edward Williams (bekannt als Iolo Morganwg, 1747–1826). Alle drei litten offenbar über lange Zeit ihres Lebens unter einer starken Abhängigkeit. Der englische Autor Wilkie Collins verarbeitete seine eigenen Erfahrungen mit Opium in seinem Roman The Moonstone.

Tatsächlich fand in der europäischen Gesellschaft erst ab dem 19. Jahrhundert eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem suchtbildenden und schädlichen Charakter eines dauerhaften Opiumkonsums und somit auch des Laudanums statt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts standen der Medizin zunehmend neue Mittel zur Verfügung, die die bedenklichen Opiate ersetzen konnten. Im Jahre 1920 verbot England schließlich per Gesetzesbeschluss die freie Verkäuflichkeit von Opiaten. 1929 trat in Deutschland das sogenannte Opiumgesetz in Kraft.“

Man kann also mit Fug und Recht sagen, dass Opiumtinktur zu den Wurzeln der Phytotherapie gehört. Und das Beipiel Opiumtinktur macht wieder einmal klar, dass die Natur sehr stark wirksame Substanzen bereithält – sowohl was die therapeutischen Effekte betrifft also auch in Bezug auf mögliche Risiken und unerwünschte Nebenwirkungen.

Ein Rezept für Laudanum / Opiumtinktur stand noch im Arzneibuch von 1933 (Pharmacopoea Helvetica Editio Qunita, 1933): Tinctura Opii crocata PH 5.

„30 T. Safran, 10 T. Nelkenpulver und 10 T. chinesisches Zimtpulver werden mit einer Mischung von 250 T. Weingeist und 250 T. Wasser nach dem Mazerationsverfahren (Allgemeine Bestimmungen, Seite 5) während 6 Tagen extrahiert. Hierauf wird koliert und der Rückstand abgepresst. Zu den vereinigten Kolatur- und Pressflüssigkeiten wird eine Lösung von 50 T. Opiumtrockenextrakt in 50 T. Wasser zugemischt. Nach 14tägigem Stehenlassen an einem kühlen Orte wird filtriert und das Filtrat durch Nachwaschen des Filters mit der nötigen Menge Wasser auf 1000 T. ergänzt.“

(Quelle: Pharmawiki)

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Lavendelöl-Präparat (Lasea®) bei Ängstlichkeit und Unruhe – jetzt auch in der Schweiz zugelassen

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Lasea® ist ein Phytopharmakon auf der Grundlage von Lavendelöl, welches bei Ängstlichkeit und Unruhe zur Behandlung von Erwachsenen angewendet wird.

Lasea® ist schon seit mehreren Jahren in Deutschland als Arzneimittel auf dem Markt und nun auch in der Schweiz zugelassen.

Angstlösende und beruhigende Eigenschaften konnten für das Lavendelöl-Präparat in zwei placebokontrollierten Studien nachgewiesen werden: Patienten, die Lasea® eingenommen hatten, erzielten im Vergleich zur Placebogruppe bessere Resultate in der Hamilton Anxiety Scale (HAMA) bezüglich Ängstlichkeit und Unruhe.

Lasea® löst keine Sedierung aus, ist gut verträglich und frei von Missbrauchspotential.

Literatur:

– Fachinformation Lasea®

– Deutsche Apotheker Zeitung, 2/2010

Quelle:

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5416&NMID=5417&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Bei leichten generalisierten Angststörungen ist Lasea® eine gute Option. Hilft vielleicht nicht in jedem Fall, ist aber viel sicherer als Tranquillizer, die bei den Indikationen Ängstlichkeit und Unruhe zu häufig verschrieben werden und oft zu Abhängigkeit führen.

Siehe auch:

Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl-Kapseln Lasea® bei Angststörungen

BfArM wehrt sich gegen Kritik an der Zulassung des Lavendelöl-Präparats Lasea®

Arznei-Telegramm kritisiert Lavendelöl-Präparat Lasea®

Lavendelöl-Kapseln gegen Angst und Depressionen

Lavendelöl-Präparat bei Angststörungen

Lavendelöl: Keine Interaktionen mir der „Pille“

 

Lavendelöl-Kapseln reduzieren Angst bei Depressionen (Fallstudie)

Studie: Lavendelöl lindert Angststörungen

Lavendelöl reduziert Angst und bessert den Schlaf

Phytotherapie: Lavendelöl als Angstlöser

 

 

 

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Was ist Gerstengras?

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Der Name „Gerstengras“ tönt geheimnisvoller als das, was es ist. Gemeint ist damit ganz einfach die junge Gerstenpflanze.

Für die Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln werden meist die Blätter der jungen Pflanze gefriergetrocknet und gemahlen.

Gerstengras ist reich an Nährstoffen und wird daher in der Tiermast eingesetzt.

Und darüber hinaus wird Gerstengras im Internet über allen Klee gelobt und als „Superfood“ vermarktet. Wenn ein Produkt derart als Wundermittel gegen alles und jedes angepriesen wird, ist immer eine gehörige Portion Skepsis angebracht.

Ich habe mich auf den entsprechenden Internetseiten ein wenig umgeschaut. Da wird Gerstengras nicht gerade bescheiden als eines der kostbarsten Lebensmittel unseres Planeten bezeichnet. Irgendwie muss man den Preis ja rechtfertigen.

Und wie es bei fragwürdigen Produkten oft der Fall ist:

Gerstengras hilft gegen Brustkrebs, Prostatakrebs, Hautkrebs, Colitis ulcerosa, Diabetes, zu hohem Cholesterinspiegel, Candida-Infektionen, Depressionen – und es beugt Herzinfarkt und Schlaganfall vor. Wer ein solches Mittel nicht kauft und einnimmt, ist selber schuld.

Für alle diese Behauptungen gibt es nicht den Hauch eines fundierten Belegs. Zwar wird auf einigen Internetseiten zum Thema Gerstengras eine ganze Reihe von Studien aufgeführt. Es wird also mit Studien argumentiert.

Schaut man sich allerdings die Studien genauer an, wird rasch deutlich, wie absurd die darauf begründeten Versprechungen sind.

Bei den Studien, die sich Prostatakrebs, Hautkrebs und Brustkrebs beziehen, handelt es sich um Laborstudien im Reagenzglas mit Krebszellen. Eine Frau mit Brustkrebs ist aber komplexer als ein Reagenzglas. Es gibt unzählige Naturstoffe, die im Reagenzglas an isolierten Krebszellen tolle Wirkungen zeigen. Solche Laborexperimente sagen nichts aus über eine Wirksamkeit im Organismus einer krebskranken Person. Es ist nicht klar, ob allfällige Wirkstoffe aus dem Verdauungstrakt überhaupt in den Organismus gelangen, ob sie – wenn das der Fall ist – dort eine ausreichende Konzentration erreichen und ob sie in dieser Konzentration wirklich nur die Krebszellen schädigen und nicht auch noch gesunde Zellen.

Ob den Betreibern dieser Websites die sehr begrenzte Aussagekraft solcher Studien einfach nicht verstehen oder ob sie es zwar wissen, aber in ihren Texten unter den Tisch fallen lassen, lässt sich kaum beurteilen.

Ein Schwimmtest mit Mäusen wird flugs zum Wirksamkeitsbeleg gegen Depressionen. Und die Wirkung gegen den zu hohen Cholesterinspiegel? – Da wird eine kleine Studie aufgeführt, bei der die Probanden aber zusätzlich zum Gerstengras auch Olivenöl einnehmen mussten. Offenbar verschwenden die Gerstengras-Propagandisten keinen Gedanken daran, dass die gemessene Reduktion des Cholesterinspiegels auch vom Olivenöl bewirkt sein könnte.

Die einzige, zwar ebenfalls kleine, aber qualitativ offenbar akzeptable Studie zum Einfluss von Gerstengras auf den Cholesterinspiegel aus Korea finde ich dagegen auf keiner Gerstengras-Website. Kein Wunder: Die Resultate waren enttäuschend. Selbst nach drei Monaten Einnahme von Gerstengras-Extrakt zeigten sich keine Unterschiede zu jenen Personen, die Kapseln mit einem wirkungslosen Scheinpräparat bekommen hatten. Wegen der geringen Teilnehmerzahl und der kurzen Studiendauer sind die Resultate auch dieser Studie nur bedingt aussagekräftig. Genauer beschrieben wird die Studie im Portal medizin-transparent.at.

Die Wissenschaftler dort haben weltweit nach Studien zur Wirksamkeit von Gerstengras gesucht und nur diese eine bewertbare klinische Studie gefunden.

Spricht das gegen Gerstengras? Nein. Es spricht nur gegen die überzogenen Versprechungen.

Wer gerne Gerstengras hat und sich die Präparate leisten kann und will, soll sie doch nehmen.

Gerstengras enthält Vitamin B , Vitamin C , Kalzium, Kalium und Eisen in größeren Konzentrationen. Das ist ja schon mal was. Diese Stoffe kann man sich allerdings in der Regel auch gut mit einer normalen Ernährung in ausreichender Menge zuführen.

Solche mit Gesundheitshoffnungen aufgeladenen Präparate werden jedoch sowieso eher aus psychologischen Gründen gekauft.

Sie lindern zum Beispiel das schlechte Gewissen, das uns die Hersteller und Verkäufer zuvor einreden, weil wir nicht in allen Facetten so gesund leben, wie wir das angeblich sollten.

Oder sie reduzieren diffuse Besorgtheit und Ängstlichkeit um unsere Gesundheit, die manchmal eine reale Basis haben, oft aber auch von den Medien geschürt werden.

Wer sich nicht 24 Stunden mal 7 Tage die Woche um seine Gesundheit sorgt, ist schliesslich ein schlechter Konsument.

Seiner Gesundheit sorge tragen, das ist ja nicht falsch. Nur kann man das quasi auf eine eher gesunde Art tun oder auf eine eher kranke Art.

Eher krank scheint mir die Sorge um die Gesundheit, wenn sie zum hauptsächlichen Lebensinhalt wird, ohne dass dafür konkrete Gründe zu erkennen sind.

Und wenn das Gesundbleiben vor allem erreicht werden soll durch den wahllosen Konsum von Gesundheitsprodukten wie Nahrungsergänzungsmittel, Schüssler Salzen, Pflanzentinkturen, Globuli etc. – dann stimmt da für etwas nicht mehr so ganz. Man unterminiert nämlich das Vertrauen in die eigenen Selbstheilungskräfte und Regulierungsfähigkeiten, wenn man permanent irgendein Mittelchen einwirft, das Gesundheit und Wohlbefinden stabilisieren und garantieren soll.

Niemand kann seine Gesundheit vollkommen im Griff haben, auch nicht mit einem vollkommen gesunden Lebensstil. Aber soweit wir etwas zu unserer Gesundheit beitragen können, sind es in der Regel ziemlich unspektakuläre Sachen: Genug Bewegung, ausreichende Erholung, nur soviel Kalorien zuführen, wie man wieder verbraucht, intaktes soziales Umfeld…..Das lässt sich jedenfalls nicht mit Nahrungsergänzungsmitteln ersetzten.

 

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Aromatherapie: Ätherische Öle gegen Einsamkeit und Langeweile?

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Beim Recherchieren bin ich gerade auf eine Aromatherapie-Internetseite gestossen, die eine ganze Reihe von fragwürdigen Empfehlungen enthält.

So werden zum Beispiel unter dem Titel „Einsamkeit und Langeweile“ passende ätherische Öle angepriesen:

Bergamotte, römische Kamille, Weihrauch, Rose, Muskatellersalbei, Palo Santo.

Das wirft eine ganze Reihe von grundsätzlichen Fragen auf. Deshalb kommentiere ich es hier:

 

1. Die Grundhaltung ist fragwürdig

Mir scheint es fundamental fragwürdig, für Einsamkeit und Langeweile ätherische Öle als Lösungsstrategie zu propagieren. Da wird das Heil bei persönlichen Herausforderungen in einem Mittel gesehen, das gekauft, von aussen zugeführt und konsumiert wird. Selbst wenn das funktionieren würde, wäre es fragwürdig.

Offenbar braucht es keine eigene Aktivität und Auseinandersetzung – beduften lassen genügt. Von der Haltung unterscheidet sich das nicht gross vom Einwerfen einer Tablette.

 

2. Die Wirksamkeit lässt sich im Einzelfall nicht überprüfen

Angenommen ich wende Muskatellersalbei an und die Einsamkeit bessert sich – was habe ich dann gelernt? Dass Muskatellersalbei gegen Einsamkeit hilft? Das ist keineswegs gewiss – die Einsamkeit könnte auch von selbst oder aus anderen Gründen verschwunden sein.

3. Quellenangaben und Begründungen fehlen

Fragwürdig ist auch, dass zu den aufgeführten ätherischen Ölen jede Erklärung und Begründung dazu fehlt, auf welcher Grundlage die Empfehlungen zustande kommen.

Bergamotte, Muskatellersalbei, Weihrauch, römische Kamille, Palo Santo, Rose – stehen ohne weitere Informationen auf der Liste.

Wie soll ich mir ein Urteil bilden dazu, ob die Angaben fundiert und glaubwürdig sind oder nicht? Das kann ich nur, wenn ich weiss, wie die Empfehlung zustande kommt.

Wer hat das empfohlen und aufgrund welcher Erfahrungen, Experimenten, Studien, Überlieferungen etc.

Solche Quellenangaben fehlen in der Aromatherapie-Literatur auch sonst an allen Ecken und Enden. So kann ich eine Empfehlung nur blind glauben oder blind ablehnen – und das halte ich für unwürdig.

4. Undifferenzierte Auszählungen sind nicht hilfreich

Eine rein quantitative, undifferenzierte Aufzählung – Bergamotte, Weihrauch, Muskatellersalbei, Palo Santo, römische Kamille, Rose – ist wenig hilfreich. Es müssten dazu qualitative Bewertungen mitgeliefert werden: Welches der aufgeführten ätherischen Öle ist in welcher Situation und in welcher Anwendungsform am wirksamsten? Und das auch noch möglichst mit Begründung.

5. Auf welche Art und Weise die Wirkung zustande kommen soll, ist vollkommen intransparent.

Nehmen wir einmal an, Weihrauch, Bergamotte, Muskatellersalbei, römische Kamille, Palo Santo und Rose hätten tatsächlich eine spezifische Wirkung bei Einsamkeit. Ich halte das für äusserst unwahrscheinlich, aber gehen wir einfach quasi „übungshalber“ davon aus, es sei so.

Dann wäre es wichtig zu wissen, wie genau die Beeinflussung der Psyche stattfindet, weil damit in ein psychodynamisches Kräftefeld eingegriffen wird, was auch negative Konsequenzen haben könnte.

Wird nur das Gefühl der Einsamkeit eliminiert, aber die Situation sonst ändert sich nicht? Das wäre fragwürdig, reine Symptombekämpfung und nicht weit entfernt vom Einsatz eines Tranquilizers. Mit psychischer Abhängigkeit müsste gerechnet werden.

Oder greifen römische Kamille, Bergamotte, Weihrauch, Muskatellersalbei, Rose und Palo Santo ursächlich ein zur Überwindung von Einsamkeit. Schwer vorstellbar, schliesslich gibt es ganz unterschiedliche Ursachen für Einsamkeit. Ist jemand einsam aus Schüchternheit und traut sich infolgedessen nicht, auf andere Menschen zuzugehen? Oder verhält sich jemand so unmöglich, dass niemand mit ihm zu tun haben will, und wird dadurch einsam? Oder ist jemand zwar von vielen Menschen umgeben, hat aber zu niemandem wirklich Kontakt und fühlt sich deshalb allein in der Masse?

Wo setzen da Muskatellersalbei, Bergamotte, Weihrauch, römische Kamille, Palo Santo und Rose genau an? Und könnte dieses Eingreifen nicht unerwünschte Nebenwirkungen haben?

Ähnliche Fragen wären zu stellen bezüglich der versprochenen Wirkungen dieser ätherischen Öle gegen Langeweile.

 

Auf der gleichen Website werden in diesem Aromatherapie-Portal zudem ätherische Öle propagiert bei Ärger, Angst, mangelndem Vertrauen, Depressionen, Müdigkeit, Erschöpfung, Burn-out, Trauer, Reizbarkeit, Unsicherheit, Panik und Panikattacken, Stress, Gedächtnisschwäche, Konzentrationsmangel, sowie für Frieden und Glück.

Selber schuld, wer noch irgendwelche Probleme hat….

 

Als Fazit kann ich nur feststellen: Hier wird leere Luft verkauft.

Damit will ich aber nicht bestreiten, dass ätherische Öle therapeutische Wirkungen haben können. Es gibt sinnvolle Anwendungsbereiche für ätherische Öle, doch sind diese begrenzt und sollten auch so beschrieben werden.

Aber dieses Allumfassend-heilende, das für jede Befindlichkeitsstörung eine Lösung vorgaukelt, ist zutiefst fragwürdig. Fragwürdig daran ist also vor allem die zugrunde liegende Haltung – und weniger das Produkt.

Konsumentinnen und Konsumenten möchte ich ans Herz legen, solche Empfehlungen und Versprechungen nicht einfach zu schlucken, sondern genau und kritisch unter die Lupe zu nehmen.

Den Link zu diesem Aromatherapie-Internetportal habe ich im Übrigen absichtlich weggelassen, weil ich für solchen Schrott nicht auch noch Werbung machen will. Sie finden ähnliche Empfehlungen in grosser Zahl im Internet und es geht mir mit diesem Kommentar auch mehr um Grundsätzliches als konkret um dieses Beispiel.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Antidepressiva meist ungeeignet für Jugendliche

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Eine im Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichte Metastudie kommt zum Schluss, dass Antidepressiva bei schwer depressiven Kindern und Jugendlichen weitgehend wirkungslos sind. Der Wirkstoff Venlafaxin habe suizidale Tendenzen sogar verstärkt.

Die gängigen Arzneimittel zur Behandlung von Depressionen sind bei schwer depressiven Kindern und Jugendlichen weitgehend wirkungslos. In Einzelfällen könnten Antidepressiva sogar suizidale Tendenzen der minderjährigen Patienten steigern, heißt es in der Studie eines internationalen Wissenschaftlerteams, das im Fachblatt „The Lancet“ publiziert wurde.

Für die Metastudie hatten die Forscher die Befunde aus 34 klinischen Studien an mehr als 5000 Patienten im Alter zwischen neun und 18 Jahren ausgewertet. Dabei wurden 14 verschiedene Antidepressiva einbezogen: Amitriptylin, Citalopram, Clomipramin, Desipramin, Duloxetin, Escitalopram, Fluoxetin, Imipramin, Mirtazapin, Nefazodon, Nortriptylin, Paroxetin, Sertralin und Venlafaxin. Die Wissenschaftler bewerteten für jeden Wirkstoff die Effektivität, die Verträglichkeit, die Akzeptanz sowie schwere damit in Verbindung stehende Schäden, etwa suizidale Gedanken oder Suizidversuche.

Nur das Antidepressivum Fluoxetin zeigte bei der Behandlung der Minderjährigen ein positives Nutzen-Risiko-Verhältnis, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Metastudie. Der ebenfalls zur Depressionsbehandlung eingesetzte Wirkstoff Venlafaxin habe sogar stärker zu ausgeprägten Suizidgedanken geführt. Weitere Antidepressiva seien weitgehend wirkungslos geblieben.

Das internationale Autorenteam um Dr. Andrea Cipriani von der University of Oxford und Dr. Xinyu Zhou von der Chongqing University in China schreibt:

»Die Behandlung mit Antidepressiva scheint Kindern und Jugendlichen mit einer akuten Major Depression keinen klaren Vorteil zu bieten. Fluoxetin ist wahrscheinlich die beste Option, die bei einer Indikation für eine Pharmakotherapie in Betracht gezogen werden sollte.«

Die Wissenschaftler empfehlen, junge Patienten unabhängig vom eingesetzten Wirkstoff eng zu überwachen, vor allem zu Beginn einer antidepressiven Pharmakotherapie.

Die Forscher kritisierten zudem die schlechte Datenlage:

Von den untersuchten Studien waren 22 (65 Prozent) von Pharmaherstellern gesponsert, zehn hatten nach Kriterien der Cochrane Collaboration ein hohes Risiko für Verzerrung, 20 ein mittleres und nur vier ein niedriges. In einer Pressemitteilung kritisierte Cipriani den fehlenden Zugang zu Patientendaten: »Ohne diesen ist es schwierig, die Effekte präzise abzuschätzen. Wir können nicht sicher sein, dass die Informationen in den publizierten und nicht veröffentlichten Studien tatsächlich korrekt sind.«

in einem begleitenden Kommentar zur Studie schreibt Jon Jureidini von der University of Adelaide in Australien, die Häufigkeit von Nebenwirkungen werde möglicherweise aufgrund von falscher Codierung unterschätzt. Antidepressiva seien deshalb für Kinder und Jugendliche vermutlich gefährlicher und weniger effektiv als bislang angenommen, was möglicherweise auch für Fluoxetin gelte. Auch Jureidini fordert eine umfassende Publikation aller Studiendaten. »Der Behauptung, dass der Zugang zu diesen Daten geistiges Eigentum und die Privatsphäre der Patienten verletzt, muss entschieden widersprochen werden.«

Quelle:

http://diepresse.com/home/leben/gesundheit/5007514/Antidepressiva-eignen-sich-nicht-fur-Jugendliche?_vl_backlink=/home/leben/gesundheit/index.do

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=63863

 

Die Studie in „The Lancet“:

http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2816%2930385-3/abstract

 

Kommentar & Ergänzung:

Damit ist nicht ausgeschlossen, dass Antidepressiva in manchen Situationen sinnvoll und notwendig sein können.

Das Beispiel zeigt aber, wie wichtig Metastudien sind, um zu differenzierteren Erkenntnissen zu gelangen.

Bei Metastudien werden alle auffindbaren klinischen Studien zu einer Fragestellung, die bestimmte Qualitätskriterien erfüllen, zusammenfassend ausgewertet.

Damit soll im Vergleich zu einzelnen Studien eine fundiertere Aussage gewonnen werden.

Es gibt eine ganze Reihe von unwirksamen Therapien, die sich in der Medizin weiterhin halten.

Allerdings ist es auch eine Stärke der Medizin, dass Therapien immer wieder überprüft und kritisch unter die Lupe genommen werden – zum Beispiel durch Metastudien.

So können Irrtümer entdeckt und Therapien verbessert werden. Das ist ein Pluspunkt für die Medizin. Alternativmedizin und Komplementärmedizin tun sich dagegen in der Regel sehr schwer mit kritischer Überprüfung. Das machte es schwieriger, Irrtümer zu erkennen und Methoden weiterzuentwickeln.

Siehe auch:

Mehr Kontroverse in Komplementärmedizin, Naturheilkunde, Pflanzenheilkunde!

Komplementärmedizin – mehr Argumente, weniger fraglose Gläubigkeit

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Johanniskraut gegen Depressionen im Fokus

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An der Pharma World in Düsseldorf kommentierte Dr. Mario Wurglics von der Goethe-Universität Frankfurt Forschungsresultate zu Johanniskrautextrakten.

Nach einer Analyse der Cochrane-Collaboration zeigten sich Johanniskraut-Extraktpräparate in Studien bei Patienten mit leichter bis mittelschweren Depression als signifikant besser wirksam gegenüber Placebo und vergleichbar mit chemisch-synthetischen Antidepressiva, erklärte Wurglics. In diesen Studien wurden relativ hohe Dosen eingesetzt, meist mehr als 900 mg. Entsprechend der S3-Leitlinie zur unipolaren Depression könne mit Johanniskraut-Präparaten ein erster Behandlungsversuch unternommen werden. Apotheker sollten die Patienten über die unterschiedlichen Wirkstärken der Johanniskraut-Präparate und deren Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten informieren.

Empfehlenswert sind laut Wurglics alle Johanniskraut-Präparate, die den Kriterien des Europäischen Arzneibuchs entsprechen. Manche Handelspräparate seien jedoch unterdosiert oder enthielten Johanniskraut-Pulver statt Johanniskraut-Extrakt.

Pulverpräparate seien „nicht vergleichbar mit den geprüften Präparaten».

Sie enthalten nur Spuren des Wirkstoffs Hyperforin.

Der Experten zieht aus der wissenschaftlichen Datenlage den Schluss, dass Johanniskraut-Extrakte in einer Dosierung von mindestens 600 mg/Tag gut wirksam sind bei leichten bis mittelschweren Depressionen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=60027

Kommentar & Ergänzung:

Der Experte weist sehr zu Recht darauf hin, dass es Johanniskraut-Präparate in unterschiedlicher Qualität gibt.

Dass Präparate aus Johanniskraut-Pulver unterdosiert sind, hat sich in verschiedenen Untersuchungen gezeigt. Auch Johanniskrauttinktur und Johanniskrautöl sind für die Anwendung bei Depressionen ungenügend bezüglich dem Wirkstoffgehalt. Eher noch könnte mit Johanniskrauttee eine ausreichende Wirkstoffmenge zugeführt werden, die an die Johanniskrautextrakt-Präparate herankommt, wenn man 2 – 3 Tassen pro Tag trinkt. Allerdings gibt es keine klinischen Studien, die eine Wirksamkeit von Johanniskrauttee bei Patienten belegen würden. Das hat auch kommerzielle Gründe, weil keine Firma Interesse daran haben kann Johanniskrauttee zu erforschen und zu belegen, der von allen Interessierten angebaut und verkauft werden kann. In die Forschung investieren Pharmafirmen für ihre eigenen, patentierten Produkte. Ein Nachteil von Johanniskrauttee ist zudem, dass mit stark schwankendem Wirkstoffgehalt gerechnet werden muss, während die Johanniskrautextrakt-Präparate auf einen bestimmten Gehalt gewisser Leitsubstanzen standardisiert sind.

Etablierte Johanniskrautextrakt-Präparate in der Schweiz sind:

Jarsin, Solevita / Deprivita, Hyperiplant, Hyperiforce / Hyperimed (Bioforce), Rebalance / Remotiv (Zeller), Hypericum-Mepha, Hypericum-Sandoz.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Lavendelöl-Kapseln gegen Angst und Depressionen

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Das Phytopharmakon Lasea®, das den patentierten Lavendelöl-Extrakt Silexan® in Kapselform enthält, ist seit 2009 in Deutschland zur Behandlung von Unruhezuständen bei ängstlicher Verstimmung zugelassen. In der Schweiz liegt noch keine Zulassung vor.

In einer aktuellen Studie im Fachjournal »European Neuropsychopharmacology« zeigte Lasea auch Wirkungen bei Patienten mit gemischter ängstlicher und depressiver Symptomatik (DOI: 10.1016/j. euroneuro.2015.12.002).

An der randomisierten placebokontrollierten Studie beteiligten sich 318 Patienten mit ängstlicher und depressiver Verstimmung. Auf der Hamilton-Angst-Skala (HAMA), einem psychologischen Score zur Ermittlung der Schwere einer Angststörung, mussten die Testpersonen mindestens 18 Punkte erreichen. Die Studienteilnehmer bekamen zehn Wochen lang einmal täglich entweder eine Kapsel mit 80 mg Silexan oder Placebo.

Als primäre Endpunkte der Studie waren Veränderungen auf der HAMA-Skala (angstlösende Wirkung) sowie auf der MADRS (Montgomery-Åsberg Depression Rating Scale), die die antidepressive Wirkung misst, festgelegt.

Unter Lasea reduzierte sich der HAMA-Score um 10,8 ± 9,6 Punkte, was verglichen mit Placebo (-8,4 ± 8,9) eine signifikante Verminderung der Ängstlichkeit bedeutete (p < 0,01). Gleiches traf auch für den zweiten primären Endpunkt zu: Der MADRS-Score reduzierte sich in der Lasea-Gruppe um 9,2 ± 9,9 Punkte, in der Placebo-Gruppe um 6,1 ± 7,6 Punkte (p < 0,001).

Insgesamt zeigten sich bei den mit Lasea behandelten Patienten Verbesserungen in Alltagskompetenz und Lebensqualität. Das Lavendelöl-Präparat erwies sich als gut verträglich. 10 Prozent der Probanden aus der Lasea-Gruppe berichteten über Aufstoßen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=63320

 

Kommentar & Ergänzung:

Es geht bei Lasea also um die Einnahme von Lavendelöl in Kapselform, nicht um inhalative Anwendung, wie sie in Phytotherapie und Aromatherapie häufig vorkommt.

Bisher wurde Lasea hauptsächlich als Mittel gegen generalisierte Angststörungen angewendet und untersucht. Dass hier auch ein antidepressiver Effekt gemessen wurde, ist daher interessant.

Siehe auch:

Studie bestätigt Wirksamkeit von Lavendelöl-Kapseln Lasea bei Angststörungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

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