Beiträge

Curcuma: Wechselwirkungen mit Antikoagulantien? Wirkungen?

Diesen Artikel teilen:
FacebookTwitterGoogle+ Share

Curcuma, auch „indischer Safran“ genannt, ist ein bekanntes Gewürz von intensiv gelber Farbe, welches vor allem in Currymischungen zur Anwendung kommt. Es wird aus dem Wurzelstock von Curcuma longa, einer asiatischen Heilpflanze aus der Familie der Ingwergewächse, gewonnen.

Curcuma enthält reichlich antioxidativ wirksame Polyphenole aus der Gruppe der Curcuminoide, insbesondere Curcumin.

Traditionellerweise wird Curcuma aufgrund seiner antioxidativen, magenstärkenden, gallenflussfördernden und vor allem auch entzündungswidrigen Eigenschaften verwendet.

Curcumin kann die Aktivität der Proteinkinase C reduzieren, welche als Schlüsselenzym am Entzündungsprozess von vielen chronischen Erkrankungen beteiligt ist. Curcuma bzw. Curcumin wird auch als alternative Therapie bei diversen Krankheiten propagiert. Dazu zählen Arthritis, Arthrose, rheumatoide Polyarthritis, Multiple Sklerose, Krebs oder neurologische Erkrankungen (Alzheimer).

Laut bestimmten Literaturquellen hemmt Curcumin in vitro (= im Reagenzglas) die Thrombozytenaggregation (Zusammenballung der Blutplättchen). Eine Hemmung der Thrombozytenaggregation kann die Blutfliesseigenschaften verbessern, aber damit auch die Blutstillung verlangsamen.

Aus diesem Grund ist bei antikoagulierten Patienten Vorsicht angebracht: Die gleichzeitige Einnahme grösserer Curcumamengen und Antikoagulantien könnte die blutverdünnende Wirkung verstärken und das Blutungsrisiko steigern.

Zugrundeliegende Literatur:

VIDAL Le guide des compléments alimentaires p171

Le Moniteur des pharmacies Moniteur 3110/2016/p57

Micromedex® online

 

Quelle:

 

http://www.pharmavista.net/content/default.aspx?http://www.pharmavista.net/content/NewsMaker.aspx?ID=5455&NMID=5455&LANGID=2

 

Kommentar & Ergänzung:

Heilpflanzen können in bestimmten Situationen andere Arzneimittel in ihrer Wirkung beeinflussen – zum Beispiel die Wirkung verstärken oder abschwächen. Man spricht in solchen Fällen von Wechselwirkungen (Interaktionen), wie sie auch sonst zwischen Medikamenten vorkommen.

Darum ist es wichtig, diesen Aspekt auch bei der Anwendung von Heilpflanzen im Auge zu behalten. Allerdings ist es oft gar nicht so einfach, dazu sichere Aussagen zu machen.

Wenn Curcumin in einem Laborexperiment im Reagenzglas die Thrombozytenaggregation hemmt, lässt sich daraus noch nicht der Schluss ziehen, dass diese Interaktion auch im lebendigen menschlichen Organismus auftritt und auch nicht, dass deswegen ernsthafte Störungen der Blutungsstillung bei Menschen auftreten.

Curcumin wird nämlich nur sehr schlecht aus dem Verdauungstrakt in den Organismus aufgenommen. Es ist deshalb ungeklärt, ob Curcumin in einer Konzentration in den Körper gelangen kann, die dort zu solchen Wechselwirkungen führt, ob solche Wechselwirkungen klinisch relevant sind und wieviel Curcuma man einnehmen müsste, um Störungen auszulösen. Die aktuelle Phytotherapie-Fachliteratur vermerkt jedenfalls bei Curcuma unter dem Punkt „Interaktionen“: „keine“.

Man muss aber auch erwähnen, dass diese Einschänkung möglicher Interaktionen auch für die Wirkungen von Curcuma gilt. Auch bei den Wirkungen kann man nicht einfach von (oft beeindruckenden) Laborergebnissen auf die Wirksamkeit bei Menschen schliessen.

Und wenn oben erwähnt aufgeführt ist, dass Curcuma bei Arthritis, Arthrose, rheumatoide Polyarthritis, Multiple Sklerose, Krebs oder neurologische Erkrankungen (Alzheimer) propagiert wird, dann geht oft unter, dass diese Empfehlungen weitgehend auf Laborexperimenten basieren und dass die limitierte Aufnahmefähigkeit in den Organismus die Aussagekraft dieser Ergebnisse einschränkt.

Im Reagenzglas zeigt Curcumin zum Beispiel eindrückliche entzündungswidrige Effekte und tötet Krebszellen ab. Das belegt aber noch nicht, dass es auch gegen Entzündungen oder gegen Krebserkrankungen im menschlichen Körper wirksam ist. Dazu sind belastbare Ergebnisse aus Patientenstudien nötig.

Bei Arthrose kam eine Übersichtsstudie (Metaanalyse), in der mehrere Einzelstudien ausgewertet wurden zum Schluss, dass Cucurmin sowohl die Schmerzen verringern als auch die Beweglichkeit verbessern kann.

Siehe dazu http://online.liebertpub.com/    doi/10.1089/jmf.2016.3705

Bei Krebs dagegen kommt das Portal Medizin-Transparent zu Schluss, dass sich die Wirksamkeit von Curcumin auf der Basis der vorliegenden Patientenstudien nicht belegen lässt.

Siehe dazu: https://www.medizin-transparent.at/curry-gewurz-gegen-krebs

Am ehesten denkbar sind solche Effekte bei Entzündungen oder allenfalls auch Tumoren im Verdauungstrakt, weil Cucurmin so direkt an den Wirkungsort gelangen kann und nicht resorbiert werden muss.

Siehe dazu:

Kurkuma bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen

 

Seit einiger Zeit gibt es aber interessante Forschungs- und Entwicklungsarbeiten mit dem Ziel, die Resorbierbarkeit von Curcumin zu verbessern.

Siehe dazu:

Forschung zur Optimierung der Curcumin-Wirkung gegen Krebs

Forschung: Curcumin gegen Alzheimer & Krebs

Wikipedia fasst die Bemühungen um eine verbesserte Bioverfügbarkeit von Curcumin so zusammen:

„Da Curcumin schwer wasserlöslich ist, wird es im Magen-Darm-Trakt nur in einem sehr geringen Maß absorbiert. Durch Erhitzen oder Auflösung in Öl wird die Bioverfügbarkeit von in Lebensmitteln enthaltenem Curcumin erhöht.

Unter Anwendung von Absorptions-Faktoren werden mehrere Ansätze für eine erhöhte Bioverfügbarkeit untersucht. Ein Curcumin-Phospholipid-Komplex hat eine 29-fach höhere Bioverfügbarkeit als herkömmliches Curcumin. Schwarzer-Pfeffer-Extrakt (Piperin) bewirkt eine 20-fache Bioverfügbarkeit von Curcumin und wird in den meisten Nahrungsergänzungsmitteln mit Curcumin eingesetzt.

In einem von der Bundesregierung geförderten Forschungsprojekt an der Universität Hohenheim durchgeführt, wurde Curcumin in Micellen eingebettet, die vom Körper leichter aufgenommen werden, ohne das die Wirkstoffe hierbei chemisch verändert wurden. Vielmehr erzeugt das patentierte Verfahren eine der Natur analoge Struktur dieser Substanzen mit dem Ergebnis, dass die Bioverfügbarkeit gegenüber herkömmlichen Curcumin-Pulvers um das ca. 180-fache höher ist, einhergehend mit einer ca. 6.8-fach schnelleren Absorption im Organismus.“

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Curcumin (Literatur dort)

Die Bioverfügbarkeit sagt etwas aus über den Anteil eines Wirkstoffes, der unverändert im systemischen Kreislauf (insbesondere im Blutkreislauf) zur Verfügung steht. Sie gibt an, wie rasch und in welchem Mass ein Arzneistoff resorbiert wird und am Wirkort zur Verfügung steht.

Bis ein optimal bioverfügbares und in seiner Wirksamkeit gut belegtes Curcumin-Präparat im Handel ist, düfte es allerdings noch einiges an Entwicklungs- und Forschungsarbeit brauchen.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

Diesen Artikel teilen:

Kurkuma bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen

Diesen Artikel teilen:

Die österreichische Zeitung „Kurier“ empfiehlt:

„Der Geschmack von Kurkuma ist vielen aus indischen Gerichten bekannt. In der indischen Heilmedizin Ayurveda wird Kurkuma seit Jahrtausenden verwendet. Im Körper kann das gelb-orange Gewürz Entzündungen reduzieren, etwa im Magen-Darm-Trakt. Besonders bei Reizdarm , chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und Morbus Crohn konnten Effekte gezeigt werden. Der in Kurkuma enthaltene Farbstoff Kurkumin wirkt außerdem entzündungshemmend und blutzuckersenkend. Zudem senkt es den Cholesterinspiegel und kann damit vielen Krankheiten vorbeugen.“

Quelle:

https://kurier.at/wellness/zimt-kurkuma-ingwer-knoblauch-wie-sie-ihr-gewuerzregal-gesund-haelt/247.739.154

 

Kommentar & Ergänzung:

Verwendet werden die Wurzelstöcke von zwei verschiedenen Curcuma-Pflanzen: Gelbwurzel (Curcuma longa) und Javanische Gelbwurz (Curcuma xanthorrhiza). . Kurkuma ist der gelbe Farbgeber im Curry-Gewürz.

Der gelber Farbstoff Curcumin ist einer der interessantesten Naturstoffe und wird intensiv wissenschaftlich untersucht. Dabei besteht aber noch eine grosse Kluft zwischen eindrücklichen Laborergebnissen und den bisherigen Belegen für die Wirksamkeit bei Menschen. Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass Curcumin aus dem Verdauungstrakt nur schlecht in den Organismus aufgenommen wird.

So dürfte es wohl eher schwierig sein, mit Kurkuma eine relevante entzündungshemmende Wirkung auf systemischem Weg im ganzen Organismus zu erreichen, zum Beispiel an den Gelenken.

Eine Reduktion von Entzündungen im Magen-Darm-Trakt, wie sie der „Kurier“ anspricht, „bei Reizdarm , chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und Morbus Crohn“, ist aber denkbar. Hier kommt das Curcumin direkt mit der Darmwand in Kontakt und eine Resorption ist nicht nötig. Zwar fehlen auch für diesen Bereich die grossen Studien, die eine solche Wirkung einwandfrei belegen könnten. Dieser Ansatz scheint mir aber soweit plausibel, dass ich wohl Curcumin probieren würde, wenn ich eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung hätte.

Ob Kurkuma dagegen in klinisch relevantem Ausmass den Blutzucker und den Cholesterinspiegel zu senken vermag, ist nicht ausreichend mit Patientenstudien belegt.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Wissenschaftler wollen von Heilern in Afrika lernen

Diesen Artikel teilen:

Forscher der Universität Halle wollen von afrikanischen Heilern lernen und untersuchen zu diesem Zweck deren medizinisch genutzte Pflanzen.

Untersucht werden sollen Pflanzen aus Äthiopien, Botswana und Tansania mit dem Ziel, Aids, Tuberkulose und Wurmerkrankungen zu bekämpfen. Das Projekt wird vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung über vier Jahre mit 800.000 Euro gefördert, beteiligt sind auch Hochschulen und Unternehmen in Afrika.

Projektleiter Peter Imming vom Institut für Pharmazie der Uni Halle erklärt dazu:

«Wir wollen ökologisch gefährdete, therapeutisch wirksame und kommerziell nutzbare Pflanzen zunächst identifizieren und schließlich kultivieren. Unser Ziel ist, wissenschaftlich zu begründen, welche Inhaltsstoffe für die Wirkung der Arzneipflanzen verantwortlich sind.»

Wenn sich die gewünschten Arzneipflanzen tatsächlich kultivieren lassen, wollen die Forscher sie für den kommerziellen Anbau in den afrikanischen Partnerländern empfehlen.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=68916

 

Kommentar & Ergänzung:

Solche Forschungsprojekte sind auch für die Phytotherapie in Europa interessant, hat sie doch immer wieder Arzneipflanzen aus anderen Weltgegenden in ihre Behandlungskonzepte integriert, wenn entsprechende Wirkungen zu erwarten sind.

Beispiele dafür sind Teufelskralle und Umckaloabo (Kapland-Pelargonie) aus Afrika,

Ginseng, Ginkgo, Curcuma (Gelbwurz) und Indischer Weihrauch aus Asien,

Echinacea, Hamamelis (Zaubernuss) und Traubensilberkerze (Cimicifuga) aus Nordamerika,

Passionsblume, Cayennepfeffer und Ratanhia aus Südamerika.

Die traditionelle Pflanzenheilkunde – ob in Afrika, Europa oder sonstwo – bringt wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen mit, enthält aber auch immer wieder Irrtümer, die sich über Jahrhunderte hartnäckig halten können.

Nötig im Umgang mit der traditionellen Pflanzenheilkunde ist daher eine offene, interessierte, aber zugleich auch kritisch-prüfende Grundhaltung.

Siehe auch:

Komplementärmedizin – hat Tradition Recht?

 

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Phytotherapie bei Gallenkolik?

Diesen Artikel teilen:

Im Phyto-Forum der Aerztezeitung wurde die Frage gestellt nach phytotherapeutischen Optionen bei Krämpfen.

Zum Stichwort „Gallenkoliken“ antwort Prof. Karen Nieber:

„Phytopharmaka haben den Vorteil, dass sie sowohl choleretisch als auch cholekinetisch wirken können. Zusätzlich sind bei einzelnen Pflanzen – allerdings unterschiedlich stark ausgeprägt – spasmolytische, karminative und antiphlogistische Wirkeffekte bekannt.“

Hier eine Übersetzung der Fachwörter:

Choleretisch = Anregend auf die Gallensaftprodution in der Leber

Cholekinetisch = Entleerung der Gallenblase bewirkend

Spasmolytisch = krampflösend

Karminativ = blähungswidrig

Antiphlogistisch = entzündungswidrig

„Besonders ausgeprägt ist die cholagoge Wirkung bei Curcumawurzelstock, Javanischer Gelbwurz, Schwarzer Rettichwurzel, Erdrauchkraut und Schöllkraut. Die beiden Letztgenannten wirken aufgrund ihrer Alkaloide auch spasmolytisch.“

Unter einer cholagogen Wirkung versteht man eine gallentreibende Wirkung. Cholagoga sind Heilpflanzen, welche die Bildung und/oder die Ausschüttung der Galle in den Darm fördern.

„In geringerem Ausmaß lösen auch Artischocken- und Boldoblätter, Mariendistelfrüchte, Galgantwurzelstock, Minz- und Pfefferminzöl Krämpfe. Weitere Cholagoga sind Schafgarbenkraut und -blüten, Löwenzahnwurzel und Wermutkraut.“

Für Artischockenblätter und Mariendistelfrüchte ist die spasmolytische Wirkung in der Phytotherapie-Fachliteratur nicht bestätigt. Es gibt in dieser Antwort eine gewisse Vermischung von Cholagoga und Spasmolytika.

„Als Kontraindikationen gelten akute Entzündungen der Gallenblase und der Gallenwege, operationspflichtige Gallensteine, ein Verschluss der Gallenwege, Neoplasien sowie auch schwere Leberfunktionsstörungen.“

Ja, das sind Kontraindikationen für Cholagoga.

„Phytopharmaka können Gallensteine nicht auflösen, aber prophylaktisch wirken. Dazu müssen diese Arzneimittel zwischen den Mahlzeiten eingenommen werden, da in dieser Zeit der Gallenfluss stagniert und die Gefahr für eine Steinbildung am größten ist.“

Ja, hier geht es aber auch um Cholagoga. Insgesamt geht in der Antwort der Bereich mit der spasmolytischen Wirkung unter, nach dem eigentlich gefragt wurde. Und es ist etwas hoch gegriffen, dass die Antwort unter dem Stichwort „Gallenkolik“ steht. Eine Gallenkolik braucht meines Erachtens in der Regel starke Spasmolytika und/ oder Schmerzmittel, welche die Phytotherapie nicht zur Verfügung hat. Ich finde, man sollte diese Grenze deutlich darstellen, und nicht darum herum reden und auf andere Bereiche ausweichen (Cholagoga).

Auch Erdrauchkraut und Schöllkraut genügen bei einer ausgewachsenen Gallenkolik als Spasmolytika nicht einmal ansatzweise.

Eine Gallenkolik – habe ich zum Glück noch nicht erlebt – ist eine absolut happige Sache.

Die erwähnten Cholagoga sind aber durchaus gut wirksam bei Völlegefühl und Fettverdauungsstörungen.

Bei Mariendistelfrüchte (als Extrakt oder als isoliertes Silymarin bzw. Silybinin) und bei Artischockenblättern (Tee, Extrakt) ist zudem eine Leberschutzwirkung dokumentiert.

Als gutes Cholereticum würde ich zudem noch den Pfefferminztee erwähnen, während das Pfefferminzöl wie erwähnt krampflösende Wirkung hat.

Quelle der Zitate:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/817464/phyto-forum-pflanzenarzneien-kraempfe.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Wirkstoffforschung: EGCG aus Grüntee und Curcumin aus Gelbwurz hemmen Viren

Diesen Artikel teilen:

Auch pflanzliche Wirkstoffe können Grippeviren wirksam bekämpfen: wissenschaftlich belegt ist dieser Effekt beispielsweise beim Flavanol Epigallocatechingallat (EGCG) und beim Farbstoff Curcumin.

Epigallocatechingallat gilt als wichtigster Wirkstoff im Grüntee (Camellia sinensis). Deutsche und kanadische Wissenschaftler konnten in-vitro zeigen, dass EGCG Viren dabei hemmt, sich an die Zielzellen anzulagern. Für Influenzaviren ( = Grippeviren) und Hepatitis-C-Viren, HIV-1 sowie Herpes-simplex 1 und 2 konnte eine Wirksamkeit von EGCG nachgewiesen werden.

Auch Curcumin, der Farbstoff der Gelbwurz (Curcuma longa), ist einer Wissenschaftlergruppe aus Taiwan zufolge antiviral wirksam. So verhindert der Wirkstoff unter anderem die Virusreplikation, indem er die virale Hämagglutinin-Aktivität vermindert. Dieses Glycoprotein ist unter anderem „zuständig“ für die Bindung des Virus‘ an seine Wirtszelle und bringt das Virusgenom in die Zielzelle. Anhand von Plaque-Assays konnten die Wissenschaftler belegen, dass Curcumin auch andere Viren hemmt.

Die Wissenschaftler haben ihre Resultate auf der „International Conference on Antiviral Research“ in Japan präsentiert. Insgesamt sechs Forschergruppen stellten dort Studien zu antiviralen und viruziden Effekten verschiedener Heilpflanzenextrakte gegen Influenza-Viren vor.

Quelle:

http://www.apotheke-adhoc.de/nachrichten/wissenschaft/gruentee-und-gelbwurzel-gegen-viren

Kommentar & Ergänzung:

Curcumin und EGCG gehören wohl zu den am intensivsten erforschten Naturstoffen.

Bei solchen Berichten muss man aber immer noch eine Einschränkung anfügen, die den beteiligten Forschern klar ist, die aber während der Verbreitung über die Medien meist verloren geht:

Dass ein Naturstoff wie EGCG oder Curcumin in-vitro (= im Labor, zum Beispiel an Zellen oder in Zellkulturen) eine antivirale Wirkung zeigt, heisst noch nicht, dass dieser Effekt auch bei Viruserkrankungen im menschlichen Organismus zum tragen kommt. Curcumin beispielsweise wird nur schlecht aus dem Verdauungstrakt in den Körper aufgenommen. Ob daher in Falle einer Grippeerkrankung im Organismus eine wirksame Curcumin-Konzentration aufgebaut werden könnte, ist sehr fraglich.

Und ob eine antiviral wirksame Curcumin-Konzentration – sollte sie erreicht werden können, für den menschlichen Organismus unproblematisch wäre, müsste sich auch erst zeigen.

Solche Laborergebnisse sind interessant, wenn aber auf dieser in-vitro-Basis bereits ein neues natürliches Grippemittel propagiert wird, ist das eine sehr fragwürdige Überinterpretation. Der Bericht auf apotheke-adhoc bleibt bei den Laborergebnissen und vermeidet diese überzogenen Versprechungen – im Gegensatz zu anderen Pressemeldungen welche über diese Studien verbreitet wurden.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Artischocke und Gelbwurzel zur Lipidsenkung

Diesen Artikel teilen:

In der Zeitschrift der Österreichischen Gesellschaft für Phytotherapie veröffentlichte Prof. Dr. Volker Schulz einen sehr informativen Beitrag über „Pflanzliche Arzneimittel für Herz und Kreislauf“.

Nachfolgend kommentierte Zitate zum Thema Lipidsenkung durch Artischocke und Gelbwurzel (Curcuma):

„Extrakte aus Artischockenblättern (Cynarae folium) und Gelbwurzel (Curcumae longae rhizoma) haben choleretische Wirkungen, die für beide Drogen sowohl in Tierversuchen als auch am Menschen nachgewiesen wurden.“

Kommentar:

„choleretisch“ = fördert die Gallenproduktion in der Leber.

„Droge“ bedeutet im Bereich Phytotherapie „getrocknete Heilpflanze“.

„Verstärkter Gallefluss kann mit einer vermehrten Elimination von Cholesterin aus dem Körper verbunden sein. Bei hyperlipidämischen Ratten wurden tatsächlich nach mehrmaligen intraperitonealen Gaben wässriger oder alkoholischer Extrakte aus Artischockenblättern Senkungen der Triglyceridwerte um 30 Prozent und der Cholesterinwerte um bis zu 50 Prozent beobachtet. Bei Versuchen an Leberzellen in vitro wurde darüber hinaus festgestellt, dass nicht nur die Ausscheidung des Cholesterins verstärkt, sondern auch dessen Biosynthese gehemmt wurde. Lipidsenkende Wirkungen mit Artischockenblätter-Extrakten wurden am Menschen in einer Doppelblindstudie und bei  5 Anwendungs-Beobachtungen nachgewiesen.“

Kommentar: Tierexperimente und Laboruntersuchungen ( = in-vitro) sind nur sehr begrenzt aussagekräftig in Bezug auf Wirkungen am Menschen.  Aber es gibt inzwischen auch einige Studien mit Patienten, die auf eine lipidsenkende Wirkung der Artischockenblätter hinweisen.

„Mit Kurkumawurzel-Extrakten liegen vorwiegend nur tierexperimentelle Befunde in diesem Sinne vor. Gemessen an der Wirkstärke heute verfügbarer synthetischer Lipidsenker, wie auch in Bezug auf die mehrheitlich bei den Synthetica mittels großer Human-Studien gesicherten Erfolge bei der Prävention von Arteriosklerose-Folgekrankheiten, sind die Wirksamkeits-Belege in diesem Indikationsbereich bei den Phytopharmaka dennoch eher als bescheiden einzustufen. Die Anwendung dieser pflanzlichen Mittel ist andererseits nicht mit ernsthaften Risiken verbunden. Im Rahmen naturheilkundlicher Behandlungen hat deshalb deren unterstützende Anwendung auch weiterhin ihre Berechtigung.“

Kommentar: Die Curcuma (Gelbwurzel) ist Bestandteil von Curry-Mischungen. Der Inhaltsstoff Curcumin wird intensiv erforscht für eine mögliche Anwendung in der Krebstherapie. Obwohl bis zu einer erfolgsversprechenden  Anwendung beim Menschen noch sehr viele Fragen offen sind, wird Curcumin zum Teil vorschnell als Wunderheilmittel für die Krebsheilung angepriesen. Ein Problem ist unter anderem die schlechte Wasserlöslichkeit von Curcumin, wodurch die Substanz aus den Verdauungstrakt nur in sehr geringem Mass in den Organismus aufgenommen werden kann.

Siehe dazu:

Forschung: Curcumin gegen Alzheimer & Krebs?

Kurkuma als Leberschutz untersucht

Curcumin aus Gelbwurz: Antibiotikum und Schutzfaktor gegen Darmkrebs?

Curcumin: Curry-Inhaltsstoff zeigt Antikrebswirkung im Labortest

Curcumin gegen Krebs?

Zum Thema Cholesterinsenkung werden noch andere interessante Heilpflanzen-Anwendungen diskutiert:

Bockshornklee: Interessant als Heilpflanze und Gewürz

Haferkleie reduziert den Cholesterinspiegel

Grüntee reduziert Cholesterin (aber nur wenig)

Was ist Johannisbrotkernmehl?

Äpfel sind gute Cholesterinsenker

Polyphenole aus Rooibostee schützen vor Arteriosklerose

Leinsamen reduziert Cholesterinspiegel bei Männern

Hibiscus / Karkade gegen erhöhtes Cholesterin

Inhaltsstoff aus Heidelbeeren wirkt wie Cholesterinsenker

Auch für diese pflanzlichen Cholesterinsenker gilt, dass ihre Wirkung nur gering ist, bei zugleich aber optimaler Verträglichkeit bzw. fehlendem Risiko.

Quelle der Zitate: PHYTO Therapie  1|10

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildungen / Heilpflanzen-Kurse & Heilkräuter-Exkursionen / Weiterbildung Pflanzenheilkunde / Kräuterwanderungen:

Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

Info-Treff Pflanzenheilkunde

Besuchen Sie auch unseren „Info-Treff Pflanzenheilkunde“ für Information und Erfahrungsaustausch in den Bereichen

Phytotherapie / Pflanzenheilkunde / Naturheilkunde:

moodle.heilpflanzen-info.ch/

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Kurkuma als Leberschutz untersucht

Diesen Artikel teilen:

In der ayurvedischen Medizin wird Curcumin seit Jahrhunderten gegen Galle- und Leberbeschwerden angewendet, um die Verdauung zu fördern und Entzündungen zu hemmen. In einer internationalen Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Michael Trauner von der MedUni Graz wurde die Wirkung von Curcumin nun im Mausmodell erforscht.

Curcumin ist ein intensiv orange-gelber Farbstoff, welcher in natürlicher Form in der Gelbwurzel (Kurkuma) vorkommt. Im Rahmen der Studie wurden im Mausmodell die medizinischen Auswirkungen der Inhaltsstoffe von Curcumin bei fortschreitender chronischer Leberschädigung durch Entzündung der Gallenwege und Cholestase untersucht. Unter Einwirkung von Curcumin kam es zu einer Besserung der Gallenwegsentzündung und Leberfibrose mit bedeutend weniger Leberschädigung durch Gallestau im Tiermodell. Zudem konnten die daran beteiligten Signalübertragungswege im Gallengangsepithel und in den bindegewebsbildenden Zellen in der Leber aufgeklärt werden. „Aus diesem Forschungsergebnis könnte sich ein vielversprechender therapeutischer Ansatz ergeben“, erklärt Prof. Dr. Michael Trauner, Leiter der Arbeitsgruppe für experimentelle und molekulare Hepatologie der Med Uni Graz.

Quelle:

Baghdasaryan, A. et al.: Gut 2010; 59: 521-30; doi:10.1136/gut.2009.186528

MedUni Graz/PH, Ärzte Woche 14 /2010

http://www.springermedizin.at/fachbereiche-a-z/i-o/komplementaermedizin/?full=16334

Kommentar & Ergänzung:

Curcumin wird seit Jahren intensiv untersucht und zeigt dabei sehr interessante Eigenschaften. Allerdings werden oft vorschnell Ergebnisse aus Tiermodellen auf den kranken Menschen übertragen.

Ein immer wiederkehrendes Problem ist zudem die schlechte Resorbierbarkeit von Curcumin aus dem Verdauungstrakt. Die besten Laborergebnisse sind nicht viel wert, wenn das Curcumin nicht in relevanten Mengen aus dem Verdauungstrakt aufgenommen wird.

Gelbwurz, in welchem das Curcumin natürlicherweise vorkommt,  ist im übrigen der farbgebende Bestandteil in der Curry-Mischung.

In der Phytotherapie gilt als Heilpflanze mit Leberschutz-Effekt vor allem die Mariendistel und die Artischocke. Hauptsächlich mit dem Mariendistel-Inhaltsstoff Silymarin wurden und werden auch Studien mit Patienten durchgeführt.

Soweit ist das Thema „Curcumin & Leberschutz“ noch nicht gediehen.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Schwächen Antioxidantien die Muskelfunktion?

Diesen Artikel teilen:

Antioxidantien wie beispielsweise Vitamin C und E wird oft die Eigenschaft zugeschrieben, dem Alterungsvorgang entgegenzuwirken oder sogar Krankheiten zu verhindern. Neue Forschungsresultate zeigen aber, dass Antioxidantien Botenstoffe inaktivieren können, welche für eine Weitung der Blutgefäße sorgen. Damit könnte ein Übermaß von Vitamin C und Vitamin E zum Beispiel die Funktion von Muskeln schwächen. Eine ausgewogene Ernährung mit genügend Obst und Gemüse sorgt sowieso für eine ausreichende Versorgung mit den Vitaminen C und E. Die zusätzliche Einnahme dieser antioxidativ wirksamen Vitamine durch künstlich angereicherte Lebensmittel oder Vitaminpräparate macht daher in den meisten Fällen keinen Sinn oder könnte sogar kontraproduktiv sein, erklärt Dr. Wolfgang Wesiack, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Internisten (BDI). Er bezieht sich bei dieser Aussage auf Forschungsarbeiten von David Poole und Timothy Musch von der Kansas State University. Die Untersuchungen wurden unter anderem im Fachmagazin Journal of Applied Physiology publiziert. Zwar haben Antioxidantien das Potential, körperliche Veränderungen während des Alterungsvorganges umzukehren. Gleichzeitig haben die US-amerikanischen Wissenschaftler im Tierversuch aber gezeigt, dass einige Oxidantien, die ja von den Antioxidantien reduziert werden, im Körper wichtige Aufgaben erfüllen. So zeigen die Studien zum Beispiel, dass Wasserstoffperoxid dazu dient, die Gefäße zu weiten und damit den Blutfluss zu erleichtern, erläutert Dr. Wesiack. Werden nun durch die Aufnahme von größeren Mengen Antioxidantien Wasserstoffperoxid und andere natürliche, gefäßweitende Substanzen neutralisiert, schwächt dies möglicherweise den Transport von Sauerstoff zu den Muskeln.

Bei Antioxidantien wie Vitamin C und E geht man gemeinhin davon aus, dass sie bei zusätzlicher Zufuhr die Gesundheit optimieren. Bei einer ausgewogenen Ernährung bekommt der Organismus aber ausreichend Vitamin C und E. Zahlreiche industriell hergestellte Produkte wie Fruchtsäfte, Frühstückscerealien und sogar Süßigkeiten werden damit beworben, besonders viel Vitamine zu enthalten. Meist sind diese Produkte allerdings sehr kalorienreich, so dass es besser ist, darauf zu achten natürliche Vitaminspender in den Speiseplan zu integrieren, als auf diese künstlich mit Vitaminen anreicherten, ansonsten jedoch oft nicht sehr hochwertigen Fertigprodukte zurückzugreifen, rät der BDI-Experte. Reich an Vitamin C sind zum Beispiel Hagebutte, Sanddorn, Grünkohl, Paprika und Brokkoli, während Vitamin E in großen Mengen in pflanzlichen Ölen wie Weizenkeimöl, Sonnenblumenöl und Olivenöl sowie in vielen Nüssen enthalten ist.“

Quelle:
www.internisten-im-netz.de

Kommentar & Ergänzung:

Der ganze Antioxidantien-Boom scheint mir sehr fragwürdig. Er basiert aus einem ausgeprägten Schwarz-Weiss-Denken: Hier die guten Antioxidantien, dort die bösen freien Radikale. Die Hinweise mehren sich schon seit Jahren, dass die Sache nicht so simpel ist. So können offenbar Antioxidantien in hohen Dosierungen auch prooxidativ wirken, also umgekehrt wie erwartet. Und bei den freien Radikalen entdeckt man plötzlich auch nützliche oder sogar ausgesprochen wichtige Fähigkeiten, wie das Dr. Wesiack mit dem Wasserstoffperoxid erläutert hat.
Im übrigen gibt es zahlreiche Heilpflanzen mit antioxidativen Eigenschaften, zum Beispiel Ginkgo, Grüntee, Mariendistel , Artischocke, Karkade, Curcuma und viele andere mehr.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Gewürze bekämpfen Brustkrebs

Diesen Artikel teilen:

Unter diesem Titel verbreitet das Yahoo-Nachrichtenportal eine scheinbar hoch erfreuliche Neuigkeit. Bei genauerem Hinsehen ist die Meldung aber auch ein Beispiel für fragwürdige Gesundheitsinformationen im Internet. Dass die Krebsforschung sich mit antitumoralen Inhaltsstoffen von Heilpflanzen befasst, ist eine unterstützungswürdige Entwicklung. Leider gehen in den Medien bei solchen News aber oft die nötigen Differenzierungen verloren

Hier eine bearbeitete Zusammenfassung der Meldung mit anschliessendem Kommentar:

Der Medizin sind zahlreiche von Gewürzen ausgehende Heilwirkungen bekannt. Eine weitere haben jetzt US-Wissenschaftler entdeckt: Substanzen aus Kurkuma und Pfeffer können offenbar im Kampf gegen Brustkrebs unterstützend wirken.
Aus dem leuchtend gelb gefärbten Gewürz Kurkuma, auch Gelbwurz genannt, lässt sich eine Substanz namens Curcumin gewinnen. Schwarzer Pfeffer enthält den Stoff Piperin. Diese beiden Substanzen haben Wissenschaftler der University of Michigan in Zellkulturen eingebracht. Dabei zeigte sich, dass Curcumin und Piperin gezielt die Krebsstammzellen schädigen, welche für das Tumorwachstum entscheidend sind, gesunde Zellen jedoch nicht angreifen. Indem die Anzahl der Stammzellen vermindert wird, könnte sich die Entstehung von Brustkrebs in Zukunft beeinflussen lassen, glauben die Forscher.
Bereits jetzt stehen Risikopatientinnen Medikamente zur Verfügung, mit welchen sich die Entstehung des Tumors verhindern lassen soll. Sie sind jedoch mit Nebenwirkungen behaftet, weil sie giftig sind. Darum halten die Wissenschaftler den neuen, ungiftigen Behandlungsansatz für vielversprechend. In weiteren Studien soll nun das Potenzial der Substanzen untersucht werden. Obwohl die bisherigen Forschungsresultate vielversprechend klingen, reicht es als Krebsvorsorge nicht aus, die Mahlzeiten kräftig mit Pfeffer und Kurkuma zu würzen. Die wirksamen Stoffe müssen dem Organismus in konzentrierter und isolierter Form mit Hilfe von Medikamenten zugefügt werden.

Quelle: http://de.news.yahoo.com/12/20091209/thl-gewuerze-bekaempfen-brustkrebs-d343981.html

Kommentar & Ergänzung:

Es stellen sich einige Fragen:

1. Die Meldung kommt wie eine Neuentdeckung daher. Zumindestens Curcumin ist aber schon seit vielen Jahren ein Thema in der Krebsforschung. Aber Neuentdeckungen verkaufen sich offenbar besser auf dem Nachrichtenmarkt. Korrekt wäre eine Aussage wie: “ein weiteres Puzzlestück in der Curcumaforschung”.

2. Die Schlagzeile “Gewürze bekämpfen Brustkrebs” ist reisserisch und falsch. Der Artikel sagt ja am Schluss selber, dass es nicht reicht, Kurkuma oder Schwarzer Pfeffer als Gewürze zu essen.

3. Es wird wieder einmal vorschnell von Experimenten mit isolierten Zellen auf eine Wirkung am lebenden Menschen geschlossen. Das ist nicht zulässig. Es ist unklar, ob die im Zellversuch meist zur Anwendung kommenden hohen Konzentrationen in lebendem Krebsgewebe erreicht werden können. Nur schon bei Curcumin ist schon lange bekannt, dass es ausgesprochen schlecht aus dem Verdauungstrakt resorbiert wird. Solche Einschränkungen fallen gerne unter den Tisch bei diesen vorschnellen Erfolgsmeldungen

4. Irgendwie sind wir halt wohl immer froh um beruhigende News bezüglich des beunruhigenden Themas der Krebserkrankungen. Daher gibt es eine grosse Nachfrage nach solchen Meldungen. Aber die Genauigkeit und eine differenzierte Darstellung sollten dabei nicht auf der Strecke bleiben.

5. Zur Beurteilung einer solchen Meldung wäre es wichtig zu erfahren, ob diese Studie aus Michigan in einer Fachzeitschrift veröffentlicht wurde (und in welcher). Dies gäbe eine gewisse Qualitätskontrolle. Auch die Autoren oder Autorinnen bzw. die Namen der Forschenden sollten genannt werden. “Wissenschaftler der University of Michigan” reicht nicht als Angabe.

6. Es ist fraglos positiv, wenn Curcumin und Piperin bezüglich Antitumorwirkungen weiter erforscht werden.

7. Es spricht viel dafür, dass Kurkuma (Gelbwurz, Curcuma) und Schwarzer Pfeffer gesunde Gewürze sind. Zwischen Heilpflanzen und Gewürzen gibt es an zahlreichen Punkten fliessende Übergänge.

8. Ich zähle diese Punkte hier auf, weil es mir wichtig erscheint, dass auch Laien etwas über die Fragen wissen, mit denen man solche Texte unter die Lupe nehmen kann. Wir werden überflutet mit solchen Meldungen und es wird immer anspruchsvoller, sich in diesem “Dschungel” zu orientieren.

Lernen können Sie dies im übrigen in meinen Heilpflanzenkursen und in meiner Phytotherapie-Ausbildung. Dabei geht es nämlich nicht nur um die Vermittlung von Wissen, sondern auch darum, wie man mit Wissen, mit Informationen, mit Behauptungen und Versprechungen umgehen kann: Sorgfältig Prüfen und sich eine fundierte Meinung bilden, das ist in unserer gegenwärtigen Informationsflut wohl notwendiger denn je.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen:

Curcumin aus Gelbwurz: Antibiotikum und Schutzfaktor gegen Darmkrebs?

Diesen Artikel teilen:

Curcuma, die Gelbwurz, ist in Asien ein beliebtes und verschwenderisch verwendetes Gewürz. Gelbwurz ist der farbgebende Bestandteil in der Curry-Mischung. Curcuma könnte einer der Gründe dafür sein, dass es in Indien nahezu keinen Darmkrebs gibt. “Denn es ist erwiesen, dass dieses Gewürz die Entstehung von Darmkrebs verzögert oder sogar verhindert, indem es das Wachstum von Darmkrebszellen hemmt und den programmierten Tod von Krebszellen auslöst”, erklärt der Gastroenterologe Univ.-Prof. Dr.Christoph Gasche, Leiter des Christian-Doppler-Labors für molekulare Karzinom- und Chemoprävention in Wien.

Gasche hat zusammen mit Kollegen am AKH Wien Studien zu Curcumin durchgeführt, dem Farbstoff der Gelbwurz. Eine von rund 3100 wissenschaftlichen Studien, die es weltweit zu Curcumin gibt. Über seine antioxidativen und antientzündlichen Eigenschaften wird Dr. Christoph Campregher, der ebenfalls an den Wiener Untersuchungen teilgenommen hat, beim Kongress “Menopause Andropause Anti-Aging” berichten (3. bis 5.Dezember, Hotel Hilton in Wien).

Curcumin wirkt als starker Radikalfänger, “einer der am besten untersuchten”, stellen die Wiener Wissenschaftler fest. Und als potenter Radikalfänger könnte Curcumin Alterungsprozesse tatsächlich ein wenig hintanhalten. “Wissenschaftlich ist dazu aber die Datenlage noch ein wenig dünn”, erklärt Gasche.

Erwiesen ist jedoch: Curcumin bleibt zum größten Teil im Dickdarm, wird vom restlichen Körper kaum aufgenommen, findet sich also praktisch nicht in der Blutzirkulation, hat jedoch im Darm multiple Effekte.

Zum einen entfaltet es eine starke antibakterielle Wirkung, hält die Bakterien im Darm unter Kontrolle. “Das ist umso bemerkenswerter, als speziell der Dickdarm ein riesiges Bakterienreservoir ist.” Die antibakterielle Wirkung sei nicht selektiv, sondern “man kann es mit einem Breitbandantibiotikum vergleichen”.

Außerdem vermindert Curcumin Entzündungsaktivitäten, was hauptsächlich Menschen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn eine wertvolle Erleichterung bietet (diese beiden Erkrankungen gelten übrigens als Risikofaktoren für die Entstehung von Dickdarmkrebs).

Allerdings – so betont Gasche – müsse man ordentlich viel Gelbwurz ins Essen geben, um diesen Nutzen zu erzielen. “Leichter geht es mit Nahrungssupplementen.” Dennoch: Der Gelbwurz-Inhaltsstoff Curcumin sei gegenüber gängigen Medikamenten gegen chronische Darmentzündungen etwa 1000-mal aktiver.

Quelle: www.diepresse.com („Die Presse“, Print-Ausgabe, 24.11.2009)

Kommentar & Ergänzung:

Curcumin ist einer der am intensivsten untersuchten Inhaltsstoffe aus Heilpflanzen.
In der Phytotherapie kennt man Curcumin als Bestandteil von Javanischer Gelbwurz (Curcuma xanthorrhiza, Temoe Lawak) und von Kurkuma (Curcuma longa = Curcuma domestica).

Curcumin zeigt im Labor Eigenschaften, welche wohl zu Recht als für die Krebsforschung interessant betrachtet werden. Allerdings wird der Curry-Bestandteil leider in manchen Kreisen generell als Krebsheilmittel angepriesen und vermarktet. Ich habe schon vor einiger Zeit einmal hier im Blog darauf hingewiesen, dass einer der schwierigen Punkte bei der Curcumin-Anwendung dessen schlechte Resorbierbarkeit aus dem Verdauungstrakt ist. Diese stark eingeschränkte Resorbierbarkeit bestätigt nun auch Professor Gasche. Das macht die von unseriösen Curcumin-Propagandisten versprochenen Heilwirkungen auf Krebserkrankungen im ganzen Organismus unwahrscheinlich. Direkte Wirkungen gegen Tumorerkrankungen im Darm scheinen aber nicht ausgeschlossen.

Allerdings handelt es sich auch bei den Wiener Studien wohl am reine Laboruntersuchungen an Zellen. Es deutet im Artikel der “Presse” jedenfalls nichts darauf hin, dass Erfolge an krebskranken Menschen dokumentiert worden sind. Zwischen Erfolgen im Labor und Heilungen bei Krebskranken besteht aber ein sehr grosser Unterschied.
Es stellt sich vor allem die Frage nach der nötigen Dosis an Curcumin. Braucht es – wie Gasche betont – “ordentlich viel Gelbwurz”, so wäre zu beachten, dass antioxidative Substanzen in hohen Dosen auch negative Wirkungen entfalten können. Darauf deuten jedenfalls einige neuere Untersuchungen hin.

Und antibakterielle Effekte im Darm, die “mit einem Breitbandantibiotikum” vergleichbar sein sollen, werfen ebenfalls Fragen auf. Was geschieht dann mit der natürlichen und notwendigen Bakterienflora im Darm? Wird auch abgeräumt? Oder verschont Curcumin in antibakteriell wirksamer Dosierung die nützlichen Darmbakterien? Kaum denkbar. Andernfalls würde man aber bei hohen Curcumin-Dosen mit Durchfall rechnen müssen wie bei der Gabe von Antibiotika.

Interessant scheinen mir mögliche antientzündliche Effekte von Curcumin bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.
Die Angabe, Curcumin sei “gegenüber gängigen Medikamenten gegen chronische Darmentzündungen etwa 1000-mal aktiver” tönt allerdings kaum glaubwürdig. Das wäre sensationell. Hier müsste man mehr und genaueres darüber wissen, wie diese Zahl zustande gekommen ist. Erst wenn man den Weg kennt, auf dem ein solches Resultat entstanden ist, kann man sich eine einigermassen fundierte eigene Meinung dazu bilden.

Auch Andeutungen bezüglich einer möglichen Verzögerung des Alterungsprozesses durch Curcumin sind meines Erachtens fragwürdig und sollten besser unterbleiben, wenn die Datenlage schon dünn ist. Mit solchen hingestreuten und sehr nebulösen Bemerkungen feuert man nur das Geschäft der Curcumin-Verkäufer an.
Mir scheint, dass dieser Text auf www.diepresse.com sehr viele Fragen aufwirft.
Nicht in Frage stellen würde ich aber die Curcumin-Forschung als solche, die Verwendung von Gelbwurz als interessante Heilpflanze und den Einsatz von Kurkuma bzw. Curry als feines und gesundes Gewürz.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

Diesen Artikel teilen: