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Metastudie mit Cranberry: (Lückenhafte) Evidenz zur Vorbeugung von Harnwegsinfektionen

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Die Einnahme der in Nordamerika angebauten Cranberries soll vor Harnwegsinfektionen schützen. Eine neue Meta-Analyse in den Archives of Internal Medicine (2012; 172: 988-996) findet tatsächlich Hinweise für eine vorbeugende Wirkung. Die Datenlage ist nach Ansicht der Wissenschaftler aber nach wie vor lückenhaft.

Die Kranbeere (Cranberry) zählt zur Gattung Vaccinium (Heidelbeeren) in der Familie der Heidekrautgewächse (Ericaceae). Die Cranberry-Frucht unterscheidet sich jedoch in Aussehen und Geschmack deutlich von den bei uns verbreiteten, nah verwandten Preiselbeeren. Der Cranberry-Saft ist geschmacklich herb und sehr sauer. Cranberry werden in der Küche niedrig dosiert angewendet. Mehr als 95 Prozent der Cranberry-Jahresproduktion werden versaftet und im Handel in der Regel mit gesundheitsfördernden Argumenten propagiert.

An erster Stelle bei den empfohlenen Indikationen steht die Vorbeugung von Harnwegsinfektionen (vor allem Blasenentzündung) Die Wirkung wurde anfangs mit der Ansäuerung des Harns begründet, was den Bakterien im Harntrakt gar nicht gut bekommt. In den 80er Jahren überwog die Vorstellung, dass Inhaltsstoffe des Saftes (oder was von ihm im Urin übrig bleibt) die Anhaftung von Bakterien an der Blasenschleimhaut reduziert. Im Jahr 1989 wurde schliesslich mit den Typ A Proanthocyanidinen ein potenzieller Wirkstoff in den Cranberries entdeckt.

Die Belege für eine Wirksamkeit der Cranberry-Präparate hinkten allerdings lange den Erklärungsmodellen hinterher. Zuletzt bestätigte eine Cochrane-Meta-Analyse eine gewisse Evidenz. Hauptsächlich Frauen mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen könnten von dem Saft profitieren, hieß es in der Publikation. Den Autoren war allerdings nicht entgangen, dass sich zahlreiche Personen nicht an den Geschmack gewöhnen und die Saftbehandlung frühzeitig beenden. Nicht zufällig werden darum inzwischen Cranberry-Kapseln angeboten.

Definitive klinische Studien sind von den Produzenten der Getränke nicht zu erwarten, da sie nicht unter das Arzneimittelgesetz fallen. Als Nahrungsergänzungsmittel müssen Cranberry-Präparate ihre Wirksamkeit nicht  belegen.

Die Ersteller von Metaanalysen stehen daher vor der Aufgabe, Daten aus nicht immer hochwertigen Studien zusammenfassen zu müssen. Eine Folge ist eine hohe Heterogenität, sprich Unterschiedlichkeit in den Resultaten, die auch Chih-Hung Wang vom National Taiwan University Hospital die Beurteilung der Wirksamkeit erschwert.

Wang hat die Resultate aus 10 Studien mit 1.494 Teilnehmern ausgewertet und kommt wie die Cochrane-Analyse zu dem Ergebnis, dass Frauen mit rezidivierenden Harnwegsinfektionen durch das Trinken von Cranberry-Saft oder die Einnahme der Cranberry-Kapseln weiteren Harnwegsinfektionen vorbeugen können. Mit einem relativen Risiko (RR) von 0,53 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,33-0,83) ist das Risiko nahezu halbiert. Aber auch bei Frauen allgemein (RR 0,49), Kindern (RR 0,33), regelmäßigen Cranberrysafttrinker (RR 0,47) zeigte sich eine Schutzwirkung. Auch bei Einnahme von mehr als 2 Kapseln am Tag (RR 0,58) war das Risiko reduziert.

Für alle Gruppen zusammen reduzierten die Cranberries das Risiko indes nur um ein Drittel (relatives Risiko 0,62), und bei der Herausnahme bestimmter Studien bleiben die günstigen Wirkungen ganz aus.

Quellen:

http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/50839/Kranbeeren-Lueckenhafte-Evidenz-zur-Praevention-von-Harnwegsinfektionen

http://archinte.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=1213845

Kommentar & Ergänzung:

Schön, dass die Metastudie zumindestens eine teilweise Evidenz für die Anwendung von Cranberry zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten gefunden hat. Die Arbeit aus Taiwan zeigt aber auch die Probleme bei der Erforschung der Cranberry-Wirkung.

Eine Schwierigkeit in der Cranberry-Forschung sind zudem die grossen Unterschiede zwischen den einzelnen Cranberry-Präparaten bezüglich Herstellungsweise und damit auch bezüglich Wirkstoffgehalt.

Sowohl positive als auch negative Studienergebnisse gelten dadurch streng genommen nur für das jeweilige untersuchte Präparat und können nicht einfach so ohne weiteres auf andere Präparate übertragen werden.

Das ist aber auch ein wichtiger Punkt im Umgang mit anderen Heilpflanzen-Präparaten:

Beispiel Baldrian:

Baldriantee, Baldriantinktur und Baldrianextrakt sind nicht einfach in ihrer Wirkung identisch.

Bei den Baldriantinkturen gibt es verschiedene Herstellungsarten, zum Beispiel Frischpflanzentinkturen oder Tinkturen aus getrockneten Baldrianwurzeln. Und selbst bei den Frischpflanzentinkturen aus Baldrian gibt es unterschiedliche Herstellungsverfahren.

Das selbe gilt auch für die Baldrianextrakte: Hier kommen zum Beispiel unterschiedliche Lösungsmittel in unterschiedlicher Konzentration zum Einsatz.

All diese Präparationen aus Baldrian unterscheiden sich bezüglich ihrer Wirksamkeit!!

Ein fundierter Umgang mit einer Heilpflanze wie Baldrian kann sich deshalb nicht auf die Empfehlung bzw. Feststellung beschränken, dass Baldrian als Einschlafhilfe verwendbar ist. Es stellt sich immer auch die Frage, in welcher Zubereitungsform das optimalerweise geschehen soll.

Diese Fragen sind anspruchsvoll, aber such sehr spannend.

Falls Sie mehr darüber lernen möchten, können Sie das in meiner Phytotherapie-Ausbildung oder im Heilpflanzen-Seminar.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe
Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

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Heilpflanzen bei Blasenentzündung

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Schmerzen beim Wasserlassen und ständiger Harndrang sind typische Symptome einer Blasenentzündung (Zystitis).

Ein Betrag in der Fachzeitschrift „Die PTA in der Apotheke“ (08 / 2011) empfiehlt Heilpflanzen-Anwendungen:

„Für die Selbstmedikation eignen sich pflanzliche Aquaretika als fertige Teezubereitungen oder in Form von Kapseln, Dragees und Tropfen. Sie enthalten wassertreibende, teilweise zusätzlich auch krampflösende, entzündungshemmende und desinfizierende Heilkräuter wie beispielsweise Brennnessel-, Birken- und Orthosiphonblätter, Goldruten- und Ackerschachtelhalmkraut.

Bewährt haben sich vor allem Arzneimittel mit Bärentraubenblättern, die antibakteriell und desinfizierend wirken. Raten Sie betroffenen Frauen viel zu trinken, um die Keime schneller wieder loszuwerden – mindestens zwei Liter sollten es täglich sein, sofern keine Herz- oder Nierenerkrankungen dagegen sprechen. Ruhe und lokale Wärmeanwendungen wie Wärmflasche oder Kirschkernkissen helfen zusätzlich, die Schmerzen zu lindern.“

Kommentar & Ergänzung:

Bärentraubenblättertee wirkt antibakteriell in den Harnwegen. Zu beachten ist:

Nur bei aktuter Zystitis anwenden, nicht  länger als eine Woche am Stück einnehmen und nicht mehr als fünf Wochen pro Jahr. Dosierung muss ausreichend hoch sein: 4 Tassen Bärentraubenblättertee pro Tag. Kaltauszug ist magenverträglicher. Nicht für Kinder unter 12 Jahren.

Achtung:

„Von der Selbstmedikation ausgeschlossen sind Diabetikerinnen, Schwangere, Patientinnen mit geschwächtem Immunsystem, mit Niereninsuffizienz sowie grundsätzlich auch Kinder und Männer mit Blasenproblemen……. Bessert sich die Infektion nicht nach wenigen Tagen, sollten Sie zum Arztbesuch raten. Der Mediziner wird gegebenenfalls ein Antibiotikum verordnen. Weisen Sie Ihre Kundinnen bei der Abgabe darauf hin, dass das Präparat nicht vorzeitig abgesetzt werden darf. Denn dies könnte zu resistenten Erregern führen.“

Kommentar & Ergänzung:

Auch wenn gleichzeitig Fieber eintritt oder Schmerzen in der Nierengegend, ist eine ärztliche Abklärung nötig.

Abschliessend ein Tipp zur Vorbeugung von Blasenentzündungen:

„Um Blaseninfekten vorzubeugen, sollten Frauen im Alltag grundsätzlich auf eine ausreichende Trinkmenge achten und ihre Blase immer vollständig entleeren. Gut geeignet, um Bakterien auszuschwemmen, noch bevor es zur Entzündung kommt, sind Produkte mit Cranberries. Die darin enthaltenen Proanthocyanidine verhindern das Andocken der pathogenen Keime an den Wänden des Harnwegtraktes.“

Kommentar & Ergänzung:

Es braucht aber auch hier konsequente Anwendung über längere Zeit und zudem ein Cranberry-Präparat mit ausreichend hohem Gehalt an Proanthocyanidinen.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Quelle der Zitate:

http://www.pta-aktuell.de/praxis/news/7383-Was-tun-wenn-s-brennt/

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Heilpflanzen gegen Prostatabeschwerden

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Zu Beginn eines Benignen Prostatasyndroms (BPS) genügen häufig Maßnahmen wie Blasentraining oder Abnehmen. Heilpflanzen-Präparate können unterstützend wirken.

Typisch für das Benigne Prostatasyndrom (BPS) ist eine Trias aus Prostatavergrößerung, Symptomen des unteren Harntrakts (LUTS) und Blasenauslass-Obstruktion. Zwischen ihnen bestehe kein fester Zusammenhang, erklärte Professor Klaus Höfner beim Uro Update in Düsseldorf.

So könne bei einem Patienten eine Veränderung allein auftreten, bei anderen zwei oder auch alle drei, wobei die Symptome von milde bis stark reichen.

Über die einzuleitenden Maßnahmen entscheiden Arzt und Patient gemeinsam, empfehlen Fachgesellschaften Deutscher Urologen in ihren Leitlinien zum BPS und stellen dafür einen Algorithmus bereit (Der Urologe A. 2009; 48: 1503). Als Hauptkriterien für die Behandlung haben sich herauskristallisiert: Wie stark ist die Blasenauslass-Obstruktion? Schreitet die Krankheit fort, und wie gross ist das Risiko von Komplikationen?

Für die Indikation zu einer Behandlung sei die individuelle Progression einzuschätzen, empfahl der Urologe aus Oberhausen. Im ersten Stadium sind Medikamente häufig nicht unbedingt nötig („Watchful Waiting“). Dabei ist es gut zu wissen, dass sich die Prognose der Prostata-Obstruktion sich durch dieses kontrollierte Zuwarten nicht verschlechert.

Es eignet sich für Patienten mit leichten Beschwerden, kaum eingeschränkter Lebensqualität, kleiner Prostata, niedrigem PSA, wenig Restharn und gutem Harnfluss. Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind Bestandteil dieses Konzepts, genauso wie Änderungen des Lebensstils: Regulieren der Flüssigkeitszufuhr, wenig Alkohol und Kaffee, Blasentraining und für Übergewichtige Abnehmen, weil das die Beschwerden verringert.

Eine Option bei milden BPS-Symptomen sind pflanzliche Präparate (Phytopharmaka), in Deutschland hauptsächlich Extrakte aus Sägezahnpalmenfrüchten (Serenoa repens, Sabal serrulata), Brennnesselwurzeln (Urtica dioica), Kürbissamen (Cucurbita pepo), Roggenpollen (Secale cereale) sowie Phytosterole aus der afrikanischen Wurzel Hypoxis rooperi, aus Kiefer und Fichte (Pinus und Picea).

Für einige Phytotherapeutika (Harzol®, Azuprostat®, ProstaFink®, Permixon® und Prostagutt®) ergeben sich aus randomisierten Studien Hinweise auf Wirksamkeit.

Eine Übersicht der Cochrane Collaboration zu β-Sitosterol-haltigen Präparaten haltigen Präparaten zeigt: Sie werden gut vertragen, die Beschwerden bessern sich, der Harnstrahl wird kräftiger.

Seit 2004 müssen Patienten diese Phytotherapeutika in Deutschland selbst bezahlen. Die Konsultation in der Praxis ist jedoch über EBM abzurechnen.

Die Präparate bestehen aus einer Arzneipflanze oder aus mehreren. Die Hersteller verwenden unterschiedliche Extraktionsverfahren, so dass die Heilpflanzen-Präparate in ihrer Zusammensetzung variieren, selbst wenn sie aus derselben Pflanze stammen, erklärte Höfner. Resultate aus Grundlagenforschung und klinischen Studien zu Wirkung, Bioverfügbarkeit und Pharmakodynamik sind nicht von einem Präparat auf ein anderes übertragbar, auch wenn beide aus der gleichen Heilpflanze produziert werden.

Zudem sei noch nicht erforscht, ob die Heilpflanzen-Präparate langfristig wirken, ob sie das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen und Harnverhalt oder Operation vorbeugen. Dennoch erscheine der Ansatz interessant und solle weiter beobachtet werden, sagte Höfner.

Er stellte eine neue Studie zu einer Serenoa-repens-Zubereitung vor: Im Tiermodell hemmte sie, additiv verstärkt durch Selen und das in Tomaten vorkommende Lycopin, die Entzündung und Hyperplasie, die mit der Obstruktion einhergehen (Urology 2011; 77: 248).

Ein Naturprodukt, das bereits bei Harnwegsinfekten getestet wurde, schlagen Wissenschaftler jetzt für die BPS-Behandlung vor: ein Pulver aus Cranberries. Teilnehmer einer Studie waren 42 Männer mit LUTS, erhöhtem PSA und chronischer, nicht-bakterieller Prostatitis. 21 nahmen sechs Monate täglich 1500 mg des Pulvers.

Danach hatten sich die Werte auf dem Internationalen Prostata Symptomen-Score IPSS, Lebensqualität, Uroflow und Restharn signifikant stärker gebessert als bei den 21 nicht-behandelten Prostata-Patienten (Br J Nutr 2010; 104: 1181).

Quellen:

http://journals.cambridge.org/action/displayAbstract?fromPage=online&aid=7912891&fulltextType=RA&fileId=S0007114510002059

http://www.aerztezeitung.de/medizin/article/656555/pflanzen-prostatabeschwerden.html

Kommentar & Ergänzung:

Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in der Schweiz einige Phytopharmaka zur Linderung der Beschwerden bei Gutartiger Prostatavergrösserung (Benigne Prostatahyperplasie) die von den Krankenkassen via Grundversicherung bezahlt werden, wenn eine Ärztin oder ein Arzt sie verschreibt.

Wichtig ist bei allen Heilpflanzen-Präparaten in diesem Bereich, dass sie langfristig eingenommen werden sollten, idealerweise mindestens über sechs Monate.

Die erwähnte Anwendung von Cranberries bei Prostatabeschwerden (nicht-bakterielle Prostatitis) ist eine ziemlich neue Idee. Die beschriebene Studien ist zwar interessant, ihre Aussagekraft allerdings nur schon wegen der kleinen Zahl der Teilnehmer sehr begrenzt.

Ansonsten erwähnt der Bericht die wichtigsten Prostatapflanzen: Sabalfrüchte, Kürbissamen, Brennnesselwurzel, Roggenpollen.

Erstaunen mag, dass der in der traditionellen Pflanzenheilkunde  häufig angewendete Weidenröschentee nicht erwähnt wird. Das hat damit zu tun, dass zur Wirkung des „Kleinblütigen Weidenröschens“ gegen Prostatabeschwerden im Gegensatz zu den aufgeführten Heilpflanzen keine fundierte Dokumentation vorliegt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytotherapie: Blasenentzündung & Cranberry-Saft

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Bei einer beginnenden Blasenentzündung (Zystitis) kann die Empfehlung, viel zu trinken, Schlimmerem vorbeugen. Kräutertees und Cranberry-Saft sind dazu eine gute Option.

Blasentees enthalten meist Heilpflanzen wie Birkenblätter und Bärentraubenblätter, Brennnessel und Goldrutenkraut, Orthosiphonblätter, Schachtelhalm und Wacholderbeeren, welche die Harnbildung und Harnausscheidung fördern. Goldrutenkraut und Orthosiphonblätter zeigen zudem eine entkrampfende und entzündungshemmende Wirkung.

Empfehlenswert sind Heilpflanzen-Präparate aus der Apotheke, denn sie enthalten die pflanzlichen Bestandteile in ausgewogenen Mischungen und in Arzneibuchqualität. Ala Alternative zu den Fertigtees kann den Patienten auch eine Teemischung auf einem Privatrezept aufgeschrieben werden, zum Beispiel aus 40 g Bärentraubenblättern und je 30 g Goldrutenkraut und Wacholderfrüchten.

Noch einem weiteren Getränk wird eine vorbeugende Wirkung bei Harnwegsinfektionen nachgesagt: Preiselbeer-Saft, und mehr noch dem Cranberry-Saft aufgrund der darin enthaltenen Proanthocyanidine.

So hat eine Analyse von zehn kontrollierten Studien mit über 1000 Teilnehmern gezeigt, dass Cranberries als Fruchtsaft getrunken oder als Extrakt in Kapsel- oder Tablettenform eingenommen die jährliche Inzidenz von Infektionen des Harntrakts um insgesamt 35 Prozent reduzieren (Cochrane Database Syst http://www2.cochrane.org/reviews/en/ab001321.htmlRev 2008, Ausgabe 1).

Am stärksten profitieren Frauen mit wiederkehrenden Harnwegsinfektionen. Hier wurde eine signifikante Reduktion der Infektrate um 39 Prozent ermittelt. Cranberry-Saft/Tabletten werden auch als Möglichkeit zur Rückfallprophylaxe in der Leitlinie Harnwegsinfekt der Frau aufgeführt.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/urologische-krankheiten/article/652285/tees-beeren-zaehmen-zystitis.html?sh=9&h=68944998

http://www2.cochrane.org/reviews/en/ab001321.html

http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/015-009.html

Kommentar & Ergänzung:

Cranberrysaft oder Preiselbeersaft hat sich in den letzten Jahren zunehmend durchgesetzt zur Rückfallprophylaxe bei Blasenentzündung (Zystitis).

Das positive Resultat der Cochrane-Metastudie ist erfreulich.

Allerdings zeigt sich einmal mehr, dass auch Studien sehr oft nicht endgültige, in Stein gemeisselte, für immer über jeden Zweifel erhabene Erkenntnisse liefern – sondern dass der Diskussionsprozess namens Forschung in der Regel weiter läuft.

Da kommt doch nun tatsächlich eine neuere Studie aus Amerika, die dem Cranberry-Saft keine Wirkung über den Placeboeffekt hinaus zubilligt.

„Glaubt man den Resultaten einer aktuellen prospektiven, randomisierten placebokontrollierten Studie mit 319 College-Studentinnen, dann scheint Cranberry-Saft nicht wirksamer zu sein als andere Vitamin-C-haltigen Säfte.

Die Teilnehmerinnen, alle mit einem akuten Infekt der unteren Harnwege,  tranken zweimal pro Tag über einen Zeitraum von sechs Monaten oder bis zum Rezidiv  (Rückfall) entweder 8 oz (etwa 230 ml) Cranberry-Saft oder ein Placebo. Von den Frauen, die den Cranberry-Saft tranken, erlitten 20% einen Rückfall, in der Placebogruppe waren es 14 %.“

Mit anderen Worten: In der Cranberry-Gruppe war die Rückfallrate höher als in der Placebogruppe, was ziemlich irritierend ist.

Über mögliche Gründe für das gute Abschneiden der Placebogruppe machte sich die Studienautorin Gedanken:

„Wir hatten eigentlich in der Placebogruppe eine Rezidivrate von etwa 30% erwartet“, erklärt Betsy Foxman von der University of Michigan School of Public Health in Ann Arbor. „Eventuell enthielt der Placebo-Saft ungewollt Stoffe, die ebenfalls das Risiko für einen Harnwegsinfekt senken, denn beide Säfte enthielten Vitamin C.“ Eine andere Erklärung für das gute Abschneiden der Placebogruppe sehen die Autoren in der Tatsache, dass die Teilnehmerinnen mehr tranken als sonst und darum öfters zur Toilette mussten. Das vermindert das Bakterienwachstum und die Symptomatik.

Quelle: SpringerMedizin.de basierend auf: Barbosa- Cesnik et al. Cranberry Juice Fails to Prevent Recurrent Urinary Tract Infection: Results From a Randomized Placebo-Controlled Trial. Clin Infect Dis (2011) 52 (1): 23-30. doi: 10.1093/cid/ciq073

http://www.springermedizin.de/cranberry-saft-bei-harnwegsinfekte-wirkungslos/318888.html

Kommentar & Ergänzung:

Sehr eigenartig, dass das Placebo Vitamin C enthielt, welches den Urin ansäuert und damit eine pharmakologische Wirkung bei Blasenentzündung entfalten kann.

Placebos müssen pharmakologisch inaktiv sein, wenn sie ihre Funktion erfüllen sollen.

Ohne die Studie damit einfach vom Tisch wischen zu wollen, ist das ein kritischer Punkt

Cranberrysaft ist damit jedenfalls nicht erledigt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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[Buchtipp] Biogene Nahrungsergänzungsmittel, Mit Nutzen/Risiko-Bewertung von Hans-Peter Hanssen, Angelika Koch, Rita Richter

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Verlagsbeschreibung

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Kommentar

Biogene Nahrungsergänzungsmittel

Gemäss einer rechtlichen Definition sind Nahrungsergänzungsmittel „Erzeugnisse, die Vitamine, Mineralstoffe oder andere Substanzen mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung in konzentrierter Form enthalten und zur Ergänzung der Ernährung mit diesen Stoffen dienen.“

Simpler ausgedrückt handelt es sich um Produkte, die als besonders gesund propagiert werden, ohne aber den Status eines Arzneimittels zu haben. Nahrungsergänzungsmittel müssen keine Wirksamkeit nachweisen, dürfen jedoch auch keine Heilung von Krankheiten versprechen.

Das ist eine ständige Gratwanderung. Viele Hersteller nutzen alle Tricks, um Heilwirkungen zu suggerieren, ohne dabei so konkret zu werden, dass die Heilmittelbehörden einschreiten können bzw. müssen. Oft enthalten Nahrungsergänzungsmittel auch Heilpflanzen und werden in Apotheken und Drogerien verkauft. Das hat zur Folge, dass Konsumentinnen und Konsumenten irrtümlich davon ausgehen, dass es sich um Arzneimittel handelt. Dabei ist aber oft die Qualität und auch der Gehalt an wirksamen Inhaltsstoffen in den Nahrungsergänzungsmitteln viel tiefer als in Arzneimitteln aus den gleichen Heilpflanzen.

Viele Nahrungsergänzungsmittel sind so populär, dass man von Modewellen sprechen kann.

Dieses kompakte Nachschlagewerk von Hanssen, Koch & Richter beschreibt und bewertet über 100 pflanzliche und tierische Ausgangsmaterialien für Nahrungsergänzungsmittel sowie Pilze und Mineralien. Es stellt jedes der besprochenen Nahrungsergänzungsmittel vor mit Herkunft / Gewinnung, Beschreibung, Inhaltsstoffe / Nährstoffe, Einsatzgebiete / Verwendung, Handelsprodukte, Verzehrempfehlung, Bewertung. Auch Warnhinweise und weitere interessante Informationen kommen an manchen Stellen vor.

Alles in allem ergibt sich daraus eine wertvolle Nutzen-Risiko-Bewertung.

Um welche Art von Produkten es genau geht, zeigt wohl am besten ein Inhaltsverzeichnis mit einer Aufzählung der beschrieben Nahrungsergänzungsmittel:

Aus dem Bereich der Heilpflanzen:

Acerola, Alfalfa, Aloe vera, Ananas, Apfelessig, Aprikose, Artischocken,

Bärentraube, Bärlauch, Baldrian, Banane, Basilikum, Bittermelone, Blütenpollen, Bockshornklee, Borretsch, Boswellia (Weihrauch), Brennessel, Broccoli,

Caiguafrucht, Citrusfasern, Cranberries, Cystus,

Feige,

Garcinia, Gerste, Giersch, Ginkgo, Ginseng, Goldrutenkraut, Grapefruitkerne, Guarana,

Hagebuttenkerne, Hagebuttenschalen, Heidelbeeren, Holunder, Hoodia,

Ingwer,

Johanniskraut,

Kidney Bohnen, Knoblauch, Kohlsuppe (Weisskohl), Konjac, Kudzu-Bohne,

Leinsamen,

Maca, Mariendistel, Melisse, Mistel, Mutterkraut, Myrrhe / Myrrha,

Noni (Morinda citrifolia), Nopal,

Olivenblätter, Orangenfasern,

Papaya, Passionsblume, Portulak, Preiselbeeren,

Reiskörner, Rosenwurz (Rhodiola), Rosskastanie, Roter Kürbis, Rotes Weinlaub, Rotklee,

Sägepalme, Sanddorn, Schinus, Soja, Sonnenhut, Spargel, Spinat, Süssholz,

Teufelskralle, Topinambur, Traubenkerne,

Venuskicher, Vitamin B 15 (Pangamsäure), Vitamin B 17 (Aprikosenkerne),

Wegwarte, Weissdorn, Weizengrad,

Yamswurzel, Yucca,

Zimt, Zwiebel.

Dazu kommen noch als Tee: Grüntee und Pu Erh Tee.

Aus dem Reich der Algen:

AfA-Algen, Chlorella, Rotalgen, Fucus, Spirulina.

Aus dem Pilzreich:

Agaricus blazei, Austernpilze, Cordyceps, Hefen, Kombucha, Maitake, Reishi, ShiitakAus dem Tierreich: Austern, Bienenhonig, Chitosan, Gelée Royal, Grünlippmuschel, Milchprodukte (Kuh-Erstmilch / Stutenmilch).

Dazu kommen noch eine ganze Reihe von Fetten / Ölen:

Essenzielle Fettsäuren, Vitamin F, Pflanzenöle, Borretschsamenöl, Distelöl, Leinsamenöl, Nachkerzenöl, Perillaöl, Schwarzes Johannisbeersamenöl, Schwarzkümmelöl, Sonnenblumenöl, Walnussöl, Fischöle, Lachsöl, Lebertran.

Aus dieser Aufstellung dürfte die Vielfalt dieses Buches ersichtlich werden. Es informiert kompakt und fundiert auch über viele Heilpflanzen, die in Fachbüchern aus dem Bereich Phytotherapie / Pflanzenheilkunde nur am Rande oder gar nicht erwähnt werden, weil sie eben weniger als Arzneimittel sondern mehr als Nahrungsergänzung Bedeutung haben.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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