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Silibinin aus Mariendistel als Wirkstoff gegen Hirntumore erforscht

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Wissenschaftler aus München haben einen Wirkstoff entdeckt, der in Tiermodellen und in menschlichem Tumorgewebe bei der Behandlung von Morbus Cushing erfolgreich ist.

 

Morbus Cushing ist eine seltene, hormonelle Erkrankung, die durch einen Tumor in der Hirnanhangdrüse ausgelöst wird. Die Wissenschaftler haben ein Patent auf diese Anwendung des Wirkstoffs eingereicht und wollen nun Silibinin in einer klinischen Studie prüfen.

Sie hoffen, dass Patienten künftig dank der neuen Behandlungsmöglichkeit auf eine Hirn-Operation verzichten können.

 

Morbus Cushing, nicht zu verwechseln mit dem Cushing-Syndrom, wird ausgelöst durch einen Tumor in der Hirnanhangdrüse. Das Tumorgewebe stellt große Mengen des Stresshormons Adrenocorticotropin (ACTH) her, welches die Freisetzung von Cortisol aus der Nebennierenrinde bewirkt.

 

Durch die übermäßige Freisetzung von Cortisol kommt es zu rascher Gewichtszunahme, erhöhten Blutdruck und Muskelschwäche. Die Patienten haben ein grösseres Risiko für Osteoporose und Infektionskrankheiten und können kognitive Defizite erleiden oder sogar Depressionen entwickeln.

Bei 80 bis 85 Prozent der Patienten lässt sich der Tumor durch eine Hirn-Operation entfernen, aber bei den übrigen Betroffenen ist eine Operation nicht durchführbar. Generell fürchten sich viele Patienten vor dem Eingriff. Gegenwärtig ist als Alternative zur Operation nur ein Medikament zugelassen, welches allerdings bei über 20 Prozent der behandelten Patienten starke Nebenwirkungen wie Überzucker (Hyperglykämie) verursacht.

Erfolgreicher Wirkstoff Silibinin aus Mariendistel

Forscher des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie und des Helmholtz-Zentrums (beide in München) haben nun den pflanzlichen Wirkstoff Silibinin auf eine mögliche Wirksamkeit bei der Behandlung von Morbus Cushing untersucht.

Dabei zeigten sich in der Zellkultur, in Tiermodellen und in menschlichem Tumorgewebe Hinweise auf eine günstige Wirkung von Silibinin.

Der Wirkstoff Silibinin aus den Samen der Mariendistel ist für Menschen ausgesprochen gut verträglich und wird in der Medizin gegen Lebervergiftung durch den Knollenblätterpilz eingesetzt.

Nach der Behandlung mit Silibinin normalisierte sich die Produktion von ACTH durch die Tumorzellen, das Tumorwachstum verlangsamte sich und die für Morbus Cushing charakteristischen Symptome klangen bei Mäusen ab.

Nur 5,5 von 100.000 Menschen leiden an Morbus Cushing, aber bei Haustieren tritt die Krankheit sehr häufig auf (Hunde: 4 %, Pferde 7%).

Die Forscher wollen jetzt in klinischen Studien spezielle Rezepturen testen, aus denen Silibinin langsam freigesetzt wird.

Nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler setzt die Wirkung von Silibinin am Glukokortikoidrezeptor an. Sie hoffen daher, dass Silibinin nicht nur eine nicht-invasive Therapie bei Morbus Cushing sein könnte, sondern auch günstige Wirkungen zeigen könnte bei anderen Krankheiten, bei denen die Glukokortikoidrezeptoren eine Rolle spielen, zum Beispiel bei Lungenkrebs, akuter lymphatischer Leukämie oder Multiplen Myelomen.

Quelle:

http://derstandard.at/2000011466463/Silibinin-Pflanzlicher-Wirkstoff-gegen-Hirntumore

Originalveröffentlichung:

A C–terminal HSP90 inhibitor restores glucocorticoid sensitivity and relieves a mouse allograft model of Cushing disease.

http://www.nature.com/nm/journal/vaop/ncurrent/full/nm.3776.html

Kommentar & Ergänzung:

Silibinin ist ein Hauptbestandteil des Flavonoid-Gemischs Silymarin (zusammen mit Silychristin und Silydianin).

Mit Silibinin laufen seit längerem Forschungen in verschiedenen Bereichen.

Siehe:

Silibinin aus Mariendistel unterstützt Standardtherapie bei chronischer Hepatitis C

Silymarin aus Mariendistel bei chronischer therapieresistenter Hepatitis C ohne Wirkung 

Silibin / Legalon jetzt zur Hepatitis-C-Therapie 

Mariendistel hat auch antivirale Wirkung

Silibin in in eine Form zu bringen, aus der es nur langsam freigesetzt wird, dürfte eine gute Strategie sein. Diese Flavonoide werden nämlich in der Regel sehr schnell wieder ausgeschieden (was aber auch zu ihrer guten Verträglichkeit beiträgt).

Wie so oft muss aber auch zu diesen Forschungen zur Anwendung von Silibinin bei Morbus Cushing gesagt werden, dass Ergebnisse aus Zellkulturen, Tiermodellen und menschlichem Tumorgewebe sich nicht so einfach auf die Behandlungssituation beim erkrankten Menschen übertragen lassen. Was in diesen experimentellen Kontexten eindrückliche Ergebnisse zeigt, kann bei Patienten vollkommen versagen.

Darum ist es in der Regel noch ein weiter Weg, bis aus solchen Forschungsresultaten tatsächlich eine fundierte Therapie entsteht (falls überhaupt). Aber nichtsdestotrotz: Silibinin & Silymarin aus der Mariendistel sind interessante Pflanzeninhaltsstoffe.

In der Phytotherapie wird nicht isoliertes Silibinin, sondern das Flavonoid-Gemisch Silymarin verwendet.

Silymarin ist Bestandteil von Trockenextrakten aus Mariendistelfrüchten. Es gibt aber auch Präparate mit dem reinen Silymarin.

Silymarin wird als Leberschutz eingesetzt und als Begleittherapie bei verschiedenen Lebererkrankungen.

Mariendisteltee ist allerdings keine geeignete Zubereitungsform, da Silymarin schlecht wasserlöslich ist. Und in einer Mariendisteltinktur dürfte der Silymaringehalt vernachlässigbar sein.

Daher braucht es Trockenextrakte oder das reine Silymarin-Gemisch als sinnvolle Zubereitungsform.

Siehe auch:

Leberentgiftung unmöglich

Phytotherapie: Mariendistel unterstützend bei Lebererkrankungen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Sport hilft gegen Depressionen

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Sport löst Veränderungen im Gehirn aus, die sonst nur durch Medikamente bewirkt werden

Ein internationales Team von Forschern unter Mitwirkung der Universität Bern hat alle verfügbaren Metaanalysen zum Thema Sport und Depressionen zusammengefasst und deren günstige Wirkung auf Depressionen ausgewertet.

In den westlichen Industrienationen leidet mindestens jede zehnte Person im Verlauf ihres Lebens einmal an Depressionen. Damit handelt es sich bei den Depressionen um die am häufigsten diagnostizierte psychische Erkrankung. Sie beeinflussen die körperliche Gesundheit stärker als Diabetes oder Arthritis.

 

Die Behandlung von Depressionen geschieht üblicherweise mit Medikamenten (Antidepressiva) und Psychotherapie.

Eine aktuelle Veröffentlichung zeigt aber nun, dass Sport und körperliche Aktivität teilweise die gleichen neurophysiologischen Veränderungen anstossen wie Antidepressiva. Eine Vielzahl von Metaanalysen zeigte eine positive Wirkung von Sport und körperlicher Aktivität auf Depressionen.

Sport und körperliche Aktivität bewirken durch neurobiologische Anpassungen verschiedene Veränderungen im Gehirn, die sonst nur durch Medikamente erzielt werden. Arzneimittel zur Therapie von Depressionen setzen ähnlich wie Sport und körperliche Aktivität an der Serotoninaufnahmefähigkeit des Gehirns an. Sie intensivieren die Epinephrinaktivität und bewirken die Ausschüttung verschiedener Faktoren für das Nervenwachstum.

 

Diese Faktoren begünstigen das Zellwachstum im Gehirn und verhindern das Absterben von Zellen im Hippocampus, welches sonst durch Depressionen ausgelöst wird. Sport und körperliche Aktivität führen mit diesen Veränderungen auch zu einer reduzierten Aktivität des Stresshormons Cortisol und wirken damit zum Teil ähnlich wie Psychopharmaka.

Die Wissenschaftler schränken ein, dass die Metaanalysen keine Schlüsse zulassen, wie oft und wie lange wöchentlich Sport getrieben werden sollte. Feststellen konnten sie dagegen, dass die Wirksamkeit von Sport bei Depressionsstörungen größer ist als zum Beispiel bei Angststörungen.

Regelmäßiges Sporttreiben scheint daher gemäss bisherigem Stand der Forschung ein geeignetes Mittel zu sein, um Depressionssymptome zu lindern. Ein Mittel zudem, das kostengünstig ist und nur wenige Nebenwirkungen hat.

 

Ob und in welchem Maß Sport und körperliche Aktivität eine Ergänzung oder sogar Alternative zu Antidepressiva bei leichten Depressionen sein können, muss allerdings noch untersucht werden.

 

Quelle:

http://derstandard.at/2000005634313/Sport-und-koerperliche-Aktivitaet-helfen-gegen-Depressionen

 

Abstract
CNS & Neurological Disorders: Effects of Exercise on Anxiety and Depression Disorders – Review of Meta- Analyses and Neurobiological Mechanisms

 

http://www.eurekaselect.com/122692/article

 

Kommentar & Ergänzung:

Das ist dann also eine Metaanalyse der Metaanalysen – eine Meta-Metaanalyse quasi. Schön, dass es so etwas auch noch gibt.

Im Ernst:

Dass Sport bei Depressionen helfen kann, ist gut dokumentiert. Bei schweren Depressionen dürfte das nicht reichen und ein Hauptproblem des Ansatzes „Sport gegen Depressionen“ liegt darin, dass Depressive krankheitsbedingt oft nicht gerade einfach für Bewegung zu motivieren sind. Bei leichten Depressionen funktioniert das besser und mir scheint vor allem auch wichtig zu beachten, dass regelmässige Bewegung auch eine vorbeugende Wirkung haben könnte.

Bewegung ist im Übrigen ein Grundpfeiler der klassischen Naturheilkunde.

Siehe: Naturheilkunde: Was ist das?

Phytotherapeutisch ist bei leichten und mittelschweren Depressionen auch an Johanniskraut-Extrakt zu denken. Bei den Johanniskrautpräparaten gibt es allerdings grosse Qualitätsunterschiede, die zu beachten sind.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Süssholz wirkt wie Cortison gegen Allergien?

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Kräuter werden heute zunehmend über’s Internet verkauft.

Auffallend sind dabei die oft sehr fragwürdigen Beschreibungen von Heilwirkungen.

Ein kürzlich angetroffenes Beispiel eines Online-Shops:

„In der Pflanzenheilkunde wird Süssholz oft bei «verhocktem» Husten eingesetzt, denn es gilt als schleimlösend und auswurffördernd. Zudem besitzt es ähnliche Eigenschaften wie Cortison und wirkt so gegen Allergien.“

Kommentar & Ergänzung:

Dass Süssholz schleimlösend und auswurffördern bei produktivem Husten wirkt, gilt in der Phytotherapie weitgehend als glaubwürdig.

Die ESCOP sieht Süssholz als „unterstützende Therapie bei Magen- und Zwölffingerdarm­geschwüren sowie bei Magen­schleimhautentzündung; als Schleim lösendes Mittel bei Husten und Bronchialkatarrh“.

Für diese Bereiche kann man Süssholzwurzel in passender Dosierung und über eine limitierte Zeitdauer nach heutigem Kenntnisstand problemlos einsetzen.

Sehr fragwürdig ist aber die Aussage, dass Süssholz ähnliche Eigenschaften wie Cortison besitzt und daher gegen Allergien hilft.

Inhaltsstoffe der Süssholzwurzel hemmen den Abbau des körpereigenen Cortisols in der Leber, wodurch tatsächlich cortisonähnliche Wirkungen im

Organismus ausgelöst werden können. Daueranwendung (mehr als sechs Wochen) und Überdosierung können Hypokaliämie und Hypernatriämie bewirken. Als deren Folgen könnten Bluthochdruck, Ödeme, Stauungsherzinsuffizienz, Bradikardie, Asthma cardiale, Darmkoliken, Kopfschmerzen, metabolische Alkalose, Muskelschwäche, Rhabdomyolyse (Zerstörung der Muskulatur) und Lähmungserscheinungen begünstigt werden.

Das sind aber Extremfälle, die allenfalls durch Einnahme von Lakritze (eingedickter Süssholzsaft, Bärendreck) in hoher Dosierung über lange Zeit vorstellbar sind.

Von der Süssholzwurzel müsste man etwa 50g / Tag einnehmen, um in diesen Bereich zu kommen, was sehr unrealistisch ist.

Der Punkt ist nun aber: Wenn man von Süssholz eine Cortison-ähnliche Wirkung haben will, wie von diesem Online-Shop versprochen gegen Allergien, dann müsste man Süssholzsaft (Lakritze) in hohen Dosen einnehmen. Das ist aber nicht vertretbar, weil man dann in Dosisbereiche kommt, in denen auch mit Cortison-ähnlichen Nebenwirkungen zu rechnen ist.

Von daher tönt es zwar sehr gut, wenn Süssholz als pflanzliches Cortison gegen Allergien empfohlen wird. Mit der Realität hat diese Werbeaussage aber nichts zu tun.

Als Grundsatz ist daher empfehlenswert:

Skeptisch bleiben, nicht alles glauben, was geschrieben und gesagt wird, nachhaken, sich selber schlau machen – zum Beispiel mit dem Heilpflanzen-Seminar oder der Phytotherapie-Ausbildung (siehe Kurskalender).

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Schreien wirksam gegen Schmerz

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Dem britischen Psychologen Richard Stephens von der Keele University fiel auf, dass seine Frau bei den Wehen im Kreißsaal die schlimmsten Kraftausdrücke ausstiess. Warum tut sie das, fragte sich der Wissenschaftler und ersann auf der Stelle ein Experiment.

Er motivierte unter seinen Studierenden 67 Freiwillige zur Teilnahme. Im Experiment mussten sie ihre Hand möglichst lange in eiskaltes Wasser halten – ein beliebter Schmerztest. Bei dem Versuch erhöht sich der Schmerzpegel langsam, und je länger die Testpersonen das aushalten, umso geringer ist ihre Empfindlichkeit.

In einer Variante des Experiments durften die Studenten schmutzige Schimpfwörter ausstoßen, die sie zuvor aufgelistet hatten. Im Kontrolldurchgang waren nur Ausdrücke erlaubt, die einen Tisch beschreiben. Das Resultat war klar: Wer kräftig fluchen durfte, hielt die Prozedur knapp zwei Minuten lang aus, im Kontrollversuch waren es nur eine Minute und 15 Sekunden. Das subjektive Schmerzempfinden war beim Fluchen ebenfalls geringer, und die Herzfrequenz stieg an.

Stephens’ Erklärung: Durch das Fluchen versetzen wir den Organismus in einen Alarmzustand, eine sogenannte Fight-or-flight-Reaktion. In diesem Zustand schüttet die Nebennierenrinde das Stresshormon Cortisol aus – und das reduziert die Schmerzempfindlichkeit. Ähnliches dürfte beim Schreien vor sich gehen – so sind beispielsweise Kampfschreie in allen Kulturen verbreitet.

Allerdings sollte man das natürliche Schmerzmittel nicht überstrapazieren: Wer schon im Alltag dauernd Kraftausdrücke verwendet, bei dem stumpft die Wirkung deutlich ab.

Quelle:

http://www.zeit.de/2011/21/Stimmts-Schmerz

Kommentar & Ergänzung:

Schmerz ist ein ausgesprochen vielschichtiges Phänomen. Die Schmerzempfindung ist von verschiedensten Faktoren abhängig und kann daher in einem gewissen Rahmen auch beeinflusst werden. Das ist besonders wichtig für Menschen mit chronischen Schmerzen.

Die oben beschriebene Studie des britischen Psychologen Richard Stephens von der Keele University bezieht sich allerdings auf eine akute Schmerzsituation – ebenso wie seine zugrundeliegende Beobachtung im Kreißsaal.

Ob und wie Fluchen chronische Schmerzen lindert, bleibt daher ungeklärt. Ich stelle mir jedenfalls vor, dass die erwähnten Hormonausschüttungen eher eine kurzfristige Reaktion sind.

Hintergrundwissen zum Thema Schmerz aus Philosophie, Psychologie und Medizingeschichte bietet das Tagesseminar „Phänomen Schmerz besser verstehen und damit umgehen“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Infos auf www.phytotherapie-seminare.ch

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Zuviel Lakritze kann den Blutdruck steigern

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Zu viel Lakritze kann schaden.  «Das kann zu Wasseransammlungen im Körper und damit zu einem Anstieg des Blutdrucks führen», sagte Heribert Brück vom Bundesverband Niedergelassener Kardiologen (BNK).

Der Basisbestandteil von Lakritze entfalte im Organismus die gleiche Wirkung wie die Hormone Aldosteron und Cortisol:  Beide behindern den Flüssigkeitsausgleich und sorgen so für einen erhöhten Blutdruck, erklärte Heribert Brück.

«Gesunde Erwachsene erleiden keinen Schaden, auch wenn sie Lakritze gelegentlich in größeren Mengen verzehren», stellte Brück aber beruhigend fest. Die Angaben zu den Höchstmengen seien sehr unterschiedlich, und allgemein akzeptierte Grenzwerte für den Lakritzenkonsum fehlten. Als Höchstwert für die regelmäßige Einnahme würden etwa 100 Gramm am Tag für Erwachsene in der Literatur am häufigsten genannt. «Jeder kann also ohne Bedenken mal eine Tüte Lakritze vernaschen.»

Für Schwangere sind Brück zufolge jedoch nur maximal 50 Gramm täglich empfehlenswert. Das liege daran, dass Lakritze den Cortisolspiegel heraufsetzt, der über den durchlässigen Mutterkuchen direkt an das Kind weitergegeben wird. «Cortisol ist ein Stresshormon: Es führt insbesondere zu einer Erhöhung des Blutdrucks, des Blutzuckers, und der Blutfette.» Es sei nicht auszuschließen, dass ein Kind später besonders empfindlich auf Stress reagiert, wenn es während der Schwangerschaft dauerhaft zu viel Cortisol aufnimmt.

Quellen:

http://de.news.yahoo.com/26/20101123/thl-zu-viel-lakritze-kann-den-blutdruck-b930478.html / DPA

Kommentar & Ergänzung:

Lakritze wird aus Süssholz gewonnen (Glycyrrhiza glabra). Die Warnung betrifft nicht den gelegentlichen Konsum von Süssholzwurzeln, die durch ihren Gehalt an Glycyrrhizin als Süssmittel wirken. Und wie schon im Text erwähnt ist der gelegentlich Konsum von moderaten Lakritze-Mengen harmlos. Der regelmässige Konsum von hohen Lakritze-Dosen ist aber kritisch zu beurteilen und nicht zu empfehlen, obwohl in nordischen Ländern genau dies üblich ist. Hier stimme ich der Warnung bei, ohne dass deswegen nun eine Lakritzen-Panik angebracht wäre.

Vom regelmässigen Konsum von Lakritze während der Schwangerschaft würde ich abraten. Mir scheint der Höchstwert von 50 Gramm pro Tag – wie er in dem Bericht von DPA / Yahoo genannt wird – während der Schwangerschaft zu unsicher. Es gibt einige durchaus beunruhigende Forschungsergebnisse zu möglichen Folgen von regelmässigen, grösseren Lakritzemengen in der Schwangerschaft. Auch hier geht es mir nicht um Panikmache – sondern um eine Safety-first-Grundhaltung.

Und Heilpflanzen sind ja – man muss es immer wieder sagen – nicht immer nur gesund. Sie können in bestimmten Situationen wie einer Schwangerschaft oder bei falscher Anwendung auch schaden. Denn ein Heilmittel, das in keinem Fall unerwünschte Nebenwirkungen zeigt, steht im dringenden Verdacht, auch keine erwünschte Wirkung zu haben.

Weitere Infos:

In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

Lakritze – schädlich in der Schwangerschaft?

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In der Schwangerschaft Lakritze besser meiden

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Frauen, die ein Baby erwarten, sollten besser auf den Konum von lakritzehaltigen Nahrungs- und Genussmitteln verzichten, um die Gesundheit des Kindes nicht zu gefährden. Verschiedene Studien haben in letzter Zeit einen ungünstigen Effekt von Inhaltsstoffen der Süßholzwurzel auf die embryonale Entwicklung aufgezeigt. „Es wird vermutet, dass sich der Inhaltsstoff Glycyrrhizin aus Lakritze negativ auf die Entwicklung des ungeborenen Kindes auswirken könnte. Bei Kindern von Frauen, die während der Schwangerschaft Lakritz gegessen hatten, wurden dreimal höhere Cortisol-Level gemessen als bei Kindern gleichen Alters, deren Mütter kein Lakritz gegessen hatten. Cortisol ist ein Stesshormon und besitzt ein sehr breites Wirkungsspektrum im Organismus. So besteht ein Zusammenhang zwischen Cortisol und der Bewältigung von Stress sowie der Entwicklung von Diabetes und Übergewicht“, erläutert Dr. Klaus König, Vizepräsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF). Er bezieht sich dabei auf eine Untersuchung um Katri Räikkönen von der Universität von Helsinki, deren Studie im Fachmagazin „Psychoneuroendocrinology“ publiziert wurde. „Ein Gramm pro Woche reichte dabei schon aus, um bei dem Nachwuchs höhere Cortisol-Werte zu verursachen. Auch wenn die genauen Zusammenhänge bislang noch nicht geklärt sind, sollten Schwangere vorsichtshalber besser auf den Verzehr größerer Mengen lakritzhaltiger Produkte verzichten.“

Frühere Untersuchungen hatten bereits einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Lakritze während der Schwangerschaft und kognitiven Beeinträchtigungen beim Nachwuchs aufgezeigt. Konsumierten Mütter während der Schwangerschaft pro Woche über 100 Gramm Lakritze, so wurden später vermehrt Verhaltens- und Konzentrationsprobleme bei Nachwuchs beobachtet. Die Arbeitsgruppe um Katri Räikkönen an der Universität Helsinki vermutete damals, dass Glycyrrhizin die Plazenta durchlässiger für Stresshormone der Mutter machen könnte.

Quelle:

http://www.frauenaerzte-im-netz.de/de_news_652_1_980_lakritz-w-hrend-der-schwangerschaft-besser-vermeiden.html

Kommentar & Ergänzung:

Es gibt keine Hinweise darauf, dass der gelegentliche Genuss eines „Süssholzstengels“, also der Süssholzwurzel, schädlich sein könnte während der Schwangerschaft. Lakritze ( = „Bärendreck“) ist aber eingedickter Süssholzsaft, so dass die Konzentration der Inhaltsstoffe hier deutlich höher ist. Aus den bisher vorliegenden Untersuchungen ergeben sich aber deutliche Hinweise dafür, dass der regelmässige Konsum von Lakritze in der Schwangerschaft heikel sein könnte .

Siehe auch:

Lakritze – schädlich in der Schwangerschaft?

Süssholzwurzel gehört in der Phytotherapie zu den Hustenpflanzen. Mit anderen Heilpflanzen zusammen ist Süssholz oft Bestandteil von Hustentees. Lakritze wirkt zudem entzündungswidrig bei Magenschleimhautentzündung und Magengeschwür. Das würde ich aber nur unter ärztlicher Aussicht empfehlen, weil Lakritze in höheren Dosen auch den Mineralstoffhaushalt stören kann.

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