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Hormonersatztherapie steigert Risiko auf Eierstockkrebs

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Die heute seltener verordnete Hormonersatztherapie nach den Wechseljahren steigert einer Meta-Analyse im Lancet (2015; doi: org/10.1016/S0140-6736(14)61687-1) zufolge auch das Risiko für Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom).

 

Als die Women’s Health Initiative im Jahr 2002 aufzeigte, dass die Einnahme von Östrogen-Gestagen-Präparaten nach der Menopause das Risiko auf Herzinfarkt und Brustkrebs steigert, gingen die Verordnungszahlen der seit den 1940er Jahren propa­gierten Hormonersatztherapie stark zurück. In den letzten Jahren sollen sich die Verordnungen dann stabilisiert haben. Nach den Recherchen der Collaborative Group on Epidemiological Studies of Ovarian Cancer um den Epidemiologen Richard Peto von der Universität Oxford nehmen in den USA und Großbritannien inzwischen wieder 6 Millionen Frauen Hormonpräparate ein, um ihre Wechseljahrbeschwerden zu lindern.

 

Die jetzt vorgestellten Resultate der Collaborative Group on Epidemiological Studies of Ovarian Cancer sprechen erneut gegen den unbedachten und langfristigen Einsatz der Hormonpräparate. Die Auswertung von 52 epidemiologischen Studien (17 prospektive und 35 retrospektive Untersuchungen) zeigte nämlich, dass die Einnahme der Hormone auch mit einem Anstieg der Ovarialkarzinome verbunden ist.

Da diese Tumore relativ selten sind, wurde ein Zusammenhang mit Hormonpräparaten in der Women’s Health Initiative möglicherweise übersehen.

Anders als beim Brustkrebs existiert jedoch keine effektive Früherkennung und die Behandlungsresultate sind sehr viel ungünstiger als beim Brustkrebs, das im Frühstadium von neun von zehn Frauen überlebt wird, während die Mehrheit der Ovarialkarzinome zu spät entdeckt wird und nicht mehr kurativ therapiert werden kann.

 

Laut Peto erkrankt eine von 50 Frauen im Verlauf ihres Lebens an einem Eierstockkrebs. Die Studie kommt zum Schluss, dass eine Hormontherapie nach der Menopause zu einer zusätzlichen Erkrankung unter 1.000 Frauen führt. Dies ergibt einen Anstieg der Häufigkeit von 20 auf 21 Erkrankungen auf 1.000 Frauen. Bei derzeit etwa einer Million Frauen, die sich allein in Großbritannien für eine Hormontherapie entscheiden, führt dies pro Jahr zu etwa 7.000 Ovarialkarzinome, die bei einem Verzicht auf die Hormontherapie vermeidbar wären.

 

Quelle:

aerzteblatt.de, Hormonersatztherapie erhöht Risiko auf Ovarialkarzinom

 

Kommentar & Ergänzung:

Ein weiterer Grund, bei leichteren Wechseljahrbeschwerden die Option Phytopharmaka ins Auge zu fassen. Das heisst vor allem: Präparate mit Trockenextrakt aus Traubensilberkerzen-Wurzelstock (Cimicifuga racemosa, Actaea racemoa) bei Hitzewallungen. In den frühen Wechseljahren, wenn noch keine Hitzewallungen auftreten,  Mönchspfefferextrakt.

Bei leichteren Wechseljahrbeschwerden könnten aber auch nichtmedikamentöse Massnahmen helfen, zum Beispiel regelmässige sportliche Aktivitäten.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

Phytotherapie-Ausbildung für Krankenpflege und andere Gesundheitsberufe

Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse

Kräuterwanderungen in den Bergen / Kräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

 

 

 

 

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Naturheilkunde in der Onkologie

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Der „Wiesbadener Kurier“ veröffentlichte ein Interview mit Professor Dr. Franz-Josef Prott, dem Leiter des Zentrums für Radiologie und Strahlentherapie am St.-Josefs-Hospital in Wiesbaden. Das Gespräch drehte sich um Risiken der Alternativmedizin und Möglichkeiten der Naturheilkunde bei Krebserkrankungen.

Zitat zu den Risiken:

„Viele Patienten, die die Diagnose Krebs erhalten, schrecken vor der Therapie mit Operation, Chemo- und Strahlentherapie zurück und wenden sich Alternativmethoden zu. Die Folgen sind fatal. Wir behandeln oft besonders Frauen mit Brustkrebs, die bei der Diagnose zuerst heilbar gewesen wären und dann, wenn sie zu uns kommen, können wir nur noch palliativ die Symptome behandeln.“

Zitate zu den Möglichkeiten der Naturheilkunde:

„Selen senkt beispielsweise die Nebenwirkungen am Darm bei Bauchbestrahlungen. Wir wenden Selen hoch dosiert sehr gerne bei Patientinnen an, die nach Bestrahlung der Lymphabflusswege bei Brustkrebs einen Lymphstau des Arms bekommen haben. Salbei, Ingwer und Honig haben wir fest im Programm bei Beschwerden der Hals- und Rachenregion.“

„Ja, unseren Patienten, die wir im Kopf- und Halsbereich bestrahlen, raten wir gerne, einen Löffel voll Honig zwischendurch einzunehmen und warmen Salbeitee stets griffbereit zu haben. Salbei wirkt antibakteriell und ist fester Bestandteil unserer Mundspülungen. Zudem helfen Traubensilberkerzenextrakte gegen Hitzewallungen, die bei einer Anti-Hormon-Therapie von Brustkrebspatientinnen oft auftreten können.“

Quelle:

http://www.wiesbadener-kurier.de/lokales/wiesbaden/nachrichten-wiesbaden/es-gibt-leider-viel-hokuspokus_14496638.htm

Kommentar & Ergänzung:

Zu den Risiken:

Leider kommt es immer wieder vor, dass Menschen mit einer Krebserkrankung trotz guter Prognose eine Behandlung mit Operation, Chemotherapie und Strahlentherapie ausschlagen und stattdessen auf leere Heilungsversprechungen aus der Alternativmedizin setzen. Natürlich kann jeder Mensch in der Regel selber entscheiden, ob er oder sie sich einer bestimmten Behandlung unterziehen will. Eine Krebsdiagnose setzt Menschen aber stark unter Druck (emotional, zeitlich) und das macht anfällig für Heilungsversprechungen. Umso schlimmer ist es, wenn Scharlatane diese Situation ausnutzen, den Betroffenen wirkungslose Mittel andrehen und sie manchmal sogar aktiv von wirksamen Therapien abhalten. Dass es in Situationen, in denen das Leben zu Ende geht, auch sinnvoll sein kann, auf weitere invasive Therapien zu verzichten, ist ein ganz anderes Thema.

Zu den Möglichkeiten:

Selen ist ein starkes Antioxidans (Radikalfänger). Es linderte in verschiedenen Untersuchungen Lymphödeme nach Strahlentherapie und nach Operationen. Selen soll zudem die Wirkung gewisser Chemotherapeutika verbessern und Nebenwirkungen von Chemotherapeutika lindern können. Manche Kliniken befürworten daher die Gabe von Selen parallel zu Chemotherapie und Strahlentherapie. Es gibt aber auch Einwände, die bedenkenswert sind: Chemotherapie und Strahlentherapie bewirken eine vermehrte Bildung von freien Radikalen, die sowohl für die Wirkung als auch für die Nebenwirkungen der Behandlung zentral zu sein scheinen. Ein Antioxidans wie Selen könnte daher nicht nur die Nebenwirkungen, sondern auch die therapeutische Wirkung von Chemotherapie und Strahlentherapie abschwächen:

„Antioxidantien und andere Mikronährstoffe während einer Chemo- oder Radiotherapie werden kontrovers diskutiert, da bei einer Kombination eine Abschwächung der konventionellen Tumortherapien nicht ausgeschlossen ist.“

Quelle: http://www.medicalforum.ch/docs/smf/2014/37/de/smf-02036.pdf

Ich bin nicht in der Lage, in dieser Kontroverse um Wirksamkeit und Sicherheit einer Selengabe parallel zu Chemotherapie und Strahlentherapie fundiert Stellung zu nehmen. Mich macht es allerdings eher skeptisch zu sehen, wie viele unterschiedliche positive Wirkungen dem Selen zugeschrieben werden. Das ist aber eine grundsätzliche Reaktion. Derart umfassende Fähigkeiten zum Heilen und Lindern machen mich immer skeptisch, weil sie einfach oft nicht realistisch sind. Vielleicht tue ich da dem Selen aber auch Unrecht…

Jedenfalls würde ich empfehlen, Selengaben während Chemotherapie und Strahlentherapie immer vorgängig mit dem behandelnden Onkologen, der behandelnden Onkologin zu besprechen.

 

Honig gegen Mucositis (Mundschleimhautentzündung) ist eine interessante Option. Siehe:

Palliative Care & Onkologiepflege: Honig bei Mucositis / Mundschleimhautentzündung

Honig gegen Mundschleimhautentzündung (Mucosits) bei Chemotherapie / Bestrahlung

 

Salbei ist ein Klassiker für Spülungen bei Mundschleimhautentzündungen. Neben antimikrobiellem ätherischem Öl enthält das Salbeiblatt auch entzündungshemmende Lamiaceen-Gerbstoffe. Es gibt in diesem Bereich aber noch ein paar weitere interessante Optionen: Bei den Gerbstoffpflanzen vor allem Tormentilltinktur, ausserdem reizlindernde Schleimpflanzen (z. B. Eibischwurzel).

Siehe:

Weiterbildung Palliative Care & Onkologiepflege: Gerbstoffe bei Mundschleimhautentzündung

Weiterbildung Palliative Care & Onkologiepflege: Schleimstoffe bei Mundschleimhautentzündung 

 

– Der Anwendungsbereich für Ingwer bleibt im Interview etwas gar vage. Ingwer wird in der Onkologie hauptsächlich verwendet zur Linderung von Übelkeit.

Siehe:

Onkologie & Palliative care: Ingwer gegen Erbrechen bei Chemotherapie

Forschung zum Wirkungsmechanismus von Ingwer gegen Übelkeit bei Chemotherapie

Ingwertee gegen Übelkeit und Erbrechen 

Ingwer kann Übelkeit bei Chemotherapie reduzieren

Phytotherapie: Ingwer lindert Übelkeit bei Chemotherapie

Traubensilberkerzenextrakt gegen Hitzewallungen bei Anti-Östrogen-Therapie von Brustkrebspatientinnen: Das ist leider nicht so gut belegt. Traubensilberkerze (Actaea racemosa, Cimicifuga racemosa) gilt in der Phytotherapie zwar als hilfreich bei leichteren Hitzewallungen in den Wechseljahren. Die Hitzewallungen bei Anti-Östrogen-Therapie sind aber ein spezieller Fall. Prof. Karin Kraft vom Lehrstuhl für Naturheilkunde der Universität Rostock schrieb dazu in der Zeitschrift für Phytotherapie (Nr. 6 / 2010):

„….für Cimicifuga ergab sich….bei dieser Personengruppe keine Überlegenheit hinsichtlich der Menopausensymptomatik gegenüber Placebo.“

Mehr dazu hier:

Phytoöstrogene und hormonrezeptorpositiver Brustkrebs

Insgesamt bietet die Naturheilkunde und vor allem auch die Phytotherapie eine ganze Reihe von interessanten Optionen zur Linderung der Nebenwirkungen von Krebstherapien.

 

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Phytoöstrogene: Soja und Rotklee ohne Wirkung bei Hitzewallungen?

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Weil die Östrogentherapie mit Risiken verbunden ist, setzen viele Frauen bei Wechseljahrbeschwerden auf Soja oder Rotkleeprodukte.

Können Phytoöstrogene aus Soja und Rotklee Hitzewallungen lindern?

Forschende der Cochrane-Collaboration fanden 43 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 4364 Patientinnen, die den Einfluss von Phytoöstrogenen auf Hitzewallungen und Nachtschweiss in der Peri- oder Postmenopause untersuchten.

Die vorgesehene Metaanalyse scheiterte an der Heterogenität der vorliegenden Studien. Einzeln betrachtet zeigten zwar einige Untersuchungen günstige Effekte auf Wechseljahrbeschwerden.

Aufgrund der methodischen Schwächen erkennt das Cochrane-Team um Anne Lethaby jedoch keine hinreichende Evidenz für eine Wirkung.

Als Vorteil der Phytoöstrogene aus Soja und Co. wird erwähnt, dass sie auch bei Dauereinnahme weder Endometrium noch Vaginalmukosa beeinflussen.

Quelle:

http://www.medical-tribune.ch/home/news/artikeldetail/phytos-machtlos-bei-hitzewallungen.html

Anne Lethaby et al., The Cochrane Library 2013; online first

Kommentar & Ergänzung:

Zur Wirksamkeit von Soja und Rotklee bei Hitzewallungen gibt es schon seit längerem mehr Fragezeichen als positive Befunde. Schade, dass die vorliegenden Studien aufgrund der Unterschiedlichkeit nicht ausreichen für eine Metaanalyse.

Interessant ist die Aussage, dass Phytoöstrogene aus Soja und Co. – also Isoflavone –  das Endometrium (Gebärmutterschleimhaut) und die Vaginalmukosa nicht beeinflussen. Wenn das so ist, geht von diesen Isoflavonen kein erhöhtes Risiko für Tumorerkrankungen in diesen Bereichen aus. Das liest man nicht immer mit dieser Deutlichkeit. Leider fehlt da eine Stellungnahme zum Brustgewebe.

Insgesamt sind die Aussagen und Studienresultate zu Soja und Wechseljahrbeschwerden sehr widersprüchlich:

Wechseljahrbeschwerden: Keine Linderung von Hitzewallungen durch Soja

Soja: Keine Wirkung gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren

Prostatakrebs – Soja-Supplemente in Studien ohne Schutzwirkung

Zur „Karriere“ der Phytoöstrogene

Hier gibt es eine positive Metaanalyse:

Soja reduziert Hitzewallungen in den Wechseljahren

Phytoöstrogene und hormonrezeptorpositiver Brustkrebs

Studie empfiehlt Soja bei Brustkrebs

Neben den Isoflavonen gibt es noch andere Gruppen von Phytoöstrogenen, zum Beispiel in den Leinsamen die Lignane.

Forschung: Krebshemmende Wirkung von Phytoöstrogenen vom Typ der Lignane

In der Phytotherapie wird die Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) als Heilpflanze gegen Hitzewallungen eingesetzt. Sie wurde früher ebenfalls zu den Phytoöstrogen-Pflanzen gerechnet. Neuere Forschungen deuten aber auf eine Wirksamkeit via Zentralnervensystem hin. Pharmakologische und phytochemische Untersuchungen deuten auf eine Interaktion (Wechselwirkungen) mit verschiedenen Rezeptoren im Zentralnervensystem hin.

Neben dopaminergen Wirkungen konnte eine positive Modulation am GABA-Rezeptor sowie eine Bindungsaktivität am Serotoninrezeptor festgestellt werden.

Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) bei Wechseljahrsbeschwerden

Gegen das Schwitzen bei Hitzewallungen wird in der Phytotherapie auch die innerliche Anwendung von Salbei (Salvia officinalis) empfohlen – als Salbeitee oder Salbeitinktur. Diese Wirkung hat nichts mit Phytoöstrogenen zu tun.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Heilkräuter & Prämenstruelles Syndrom (PMS)

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Die „Kronen-Zeitung“ befasste sich mit dem Prämenstruellen Syndrom (PMS).

Informativ an dem Beitrag ist, dass die verschiedenen Typen des Prämenstruellen Syndroms vorgestellt werden:

„Vier verschiedene Arten des PMS

PMS- Typ D (von engl. Depression): Die Hauptsymptome sind depressive Verstimmungen, Vergesslichkeit, Schlaflosigkeit und Verwirrtheit.

PMS- Typ A (von engl. anxiety = Angst): Die Hauptsymptome sind ebenfalls depressive Verstimmungen, aber auch Stimmungsschwankungen.

PMS- Typ C (von engl. craving = Gelüste): Hier sind die Hauptsymptome Heißhungerattacken, Kopfschmerzen, Schwindel.

PMS- Typ H (von engl. hyperhydration = Wasserüberschuss): Bei diesem Typ leiden Frauen vor allem unter Wassereinlagerungen, Gewichtszunahme, Spannungsschmerzen in der Brust.“

Diese Differenzierung ist wenig bekannt und oft sinnvoll.

Ziemlich wirr sind dagegen die Empfehlungen der Kronen-Zeitung zur Anwendung von Heilpflanzen bei PMS-Beschwerden:

„Aber nicht nur mit den Nahrungsmitteln, sondern auch mit Heilkräutern kannst du Beschwerden vor deiner Periode in den Griff bekommen. Mönchspfeffer bzw. Keuchlammfrüchte beispielsweise lindern Spannungsgefühle in den Brüsten, der Wurzelstock der Traubensilberkerze gilt als eine der wirksamsten Heilwurzeln bei zahlreichen Frauenleiden. Krampflösend sind die Wirkstoffe der chinesischen Engelswurz, die daher auch als „Ginseng für Frauen“ bezeichnet wird, aber auch die Angelikawurzel wirkt schmerzlindernd, leicht antidepressiv und entkrampfend. Aber auch heimische Heilpflanzen wie Johanniskraut, Frauenmantel und Scharfgarbe kommen beim PMS zum Einsatz.“

Quelle der Zitate:

http://www.krone.at/Gesund-Fit/So_kannst_du_PMS_auf_natuerlichem_Wege_behandeln-Beschwerden_lindern-Story-337281

Kommentar & Ergänzung:

Lustig sind die Empfehlungen von „Keuchlamm“ und „Scharfgarbe“. Das macht den Eindruck, als ob da jemand flüchtig abgeschrieben, die Pflanzennamen „Keuschlamm“ und „Schafgarbe“  aber das erste Mal gelesen hat.

Was empfiehlt die Kronen-Zeitung da genau an Heilkräutern?

Mir scheint: Ein Sammelsurium mit der Botschaft, dass es nicht so drauf ankommt, was man nun genau einnimmt.

Nur beim Mönchspfeffer gibt es eine Studienlage, die eine Wirksamkeit bei PMS nahelegt, vor allem bei PMS mit Brustspannen (genauer: zyklusabhängige Mastalgie). Belege für eine Wirksamkeit gibt es nur für Mönchspfeffer-Extrakt.

Bei der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) liegt der gut dokumentierte Anwendungsbereich bei Wallungen in den Wechseljahren, nicht aber beim PMS. Die Angabe „eine der wirksamsten Heilwurzeln bei zahlreichen Frauenleiden“ ist sinnlos. Was heisst schon „zahlreiche Frauenleiden“. Das sagt nichts aus und stimmt so auch nicht.

Die chinesische Engelwurz (Angelica sinensis, Dong quai, Danggui) ist weltweit wohl das am häufigsten eingesetzte Mittel gegen Menstruationsbeschwerden jeder Art – vor allem als Analgetikum bei Menstruationsbeschwerden, bei Menorrhagie, Amenorrhoe und rheumatischen Beschwerden.

PMS ist damit nicht wirklich abgedeckt, aber das erstaunt nicht, weil PMS ein westlicher Krankheitsbegriff ist.

Die Bezeichnung „Ginseng für Frauen“ ist verkaufsfördernd, aber fachlich fragwürdig. Das weite Anwendungsfeld von Dong quai gleicht eher unserem Frauenmantel, der ebenfalls umfassend bei „Frauenleiden“ eingesetzt wird.

Bei beiden Pflanzen kontrastieren diese umfassenden Anwendungsbereiche mit dem Fehlen von aussagekräftigen wissenschaftlichen Daten.

Dong quai enthält Furanocumarine, die vor allem in Verbindung mit der Benutzung von Solarien zu einer Photodermatitis führen können. Mit Wechselwirkungen  ist bei der gleichzeitigen Einnahme von oralen Antikoagulanzien (Typ Warfarin) zu rechnen. Gewarnt wird vor der Einnahme während Schwangerschaft und Stillzeit.

Johanniskraut ist eine Behandlungsoption bei PMS Typ D.

Bei Schafgarbe kann man von den Inhaltsstoffen und von Erfahrungsberichten auf eine leicht krampflösende Wirkung bei Menstruationskrämpfen (Dysmenorrhoe) schliessen. Dazu wird Schafgarbentee empfohlen. Bei Schmerzen im Beckenbereich in der prämenstruellen Zyklusphase gibt es auch in der Phytotherapie-Fachliteratur den Hinweis auf warme Sitzbäder mit Badezusätzen aus Kamille und Schafgarben. Hier dürfte vor allem die Wärmeanwendung wirksam sein. Dass Kamille und Schafgarbe hier spezifische Wirkungen entfalten, ist sehr fraglich.

Frauenmantel – das wurde schon erwähnt, gilt in der traditionellen Pflanzenheilkunde als umfassendes Mittel bei „Frauenleiden“, wodurch ihr Profil aber auch verschwommen wird. Gegen einen Versuch mit Frauenmanteltee beim Prämenstruellen Syndrom spricht nichts, doch gibt es für diesen Anwendungsbereich keinerlei fundiert Angaben.

Der Bereich „Heilkräuter bei PMS“ ist also ziemlich komplexer als es die Kronen-Zeitung darstellt.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Sport gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren

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Ein Teil der Frauen in den Wechseljahren leidet an Hitzewallungen. Wissenschaftler empfehlen hier sportliche Bewegung.

Übergewichtige Frauen mit wenig körperlicher Bewegung leiden in den Wechseljahren häufiger unter den Symptomen einer Hitzewallung, erklärt Steriani Elavsky von der Abteilung Kinesiologie der Universität Penn State. Darüber hinaus konnten die Forschenden durch ein neues Studiendesign unterscheiden zwischen objektiven und subjektiven Hitzewallungen.

Sie beobachtete 92 menopausale Frauen für 15 Tage. Die Probandinnen, im Alter zwischen 40 – 59 Jahren und ohne aktueller Hormontherapie, bekamen einen Beschleunigungssensor zur Messung der körperlichen Aktivität. Außerdem wurden ihre Hautleitfähigkeit kontrolliert, um eine Hitzewallung zu objektivieren.

Die Annahme, dass Sport Hitzewallungen fördert, da es die Körperkerntemperatur steigert, konnte widerlegt werden. Die Untersuchungen  zeigten, dass Frauen nach sportlicher Bewegung weniger Hitzewallungen erlebten als ihre inaktiven Geschlechtsgenossinnen. Zudem zeigen die Untersuchungen, dass Übergewichtige häufiger unter den Beschwerden der Wechseljahre leiden.

Ob eine gezielte Gewichtsreduktion und regelmäßige körperliche Bewegung Symptome der Menopause lindern können, müsse nun in weiteren Studien überprüft werden, betonen die Wissenschaftler.

Quelle:

http://www.medical-tribune.de/home/news/artikeldetail/menopausale-hitzewallungen-einfach-wegtrainieren.html

Steriani Elavsky et al., Menopause 2012, 25 .Juni, online first

Kommentar & Ergänzung:

„Bewegung“ ist ein zentraler Bestandteil der klassischen Naturheilkunde, wie sie sich zum Beispiel darstellt in den fünf Säulen der Naturheilkunde nach Sebastian Kneipp:

Hydrotherapie, Heilpflanzen-Anwendungen, Ernährung, Bewegung, Lebensordnung.

Die Begriffe Naturheilkunde, Komplementärmedizin und Alternativmedizin werden heute oft irreführend durcheinander gemischt.

Naturheilkunde – was ist das?

Zum Thema Bewegung & Gesundheit sind in letzter Zeit zahlreiche interessante Studien publiziert worden.

Beispielsweise:

Wandern reduziert Depressionen

Gut dosierter Sport lindert Müdigkeit bei Krebs und Fibromyalgie

Regelmässiges Schwimmen hilft erhöhte Blutdruckwerte zu senken

Aktiver Lebensstil reduziert Alzheimer-Risiko

Zügig Gehen reduziert Darmkrebsrisiko

Walking und Jogging helfen gegen Migräne

Sport gegen Depressionen

Diabetes: Sport steigert Insulinproduktion

Sport vorbeugend gegen Menstruationsbeschwerden

Sport reduziert Angstsymptome

Bewegung beugt Depressionen vor

In der Phytotherapie steht bei Hitzewallungen in den Wechseljahren die Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) im Vordergrund. Weniger gut geklärt sind Soja und Rotklee.

Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) bei Wechseljahrsbeschwerden

Isoflavone aus Soja und Rotklee bei Wechseljahrsbeschwerden

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Isoflavone aus Soja und Rotklee bei Wechseljahrsbeschwerden

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Die Österreichische Apotheker-Zeitung (ÖAZ Nr. 12 / 2012) veröffentlichte einen fundierten Beitrag von Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber zum Thema „Phytotherapie-Optionen in der Gynakologie“. Einleitend schreibt der Autor:

„Die Phytotherapie entspricht in hohem Maße der Geisteshaltung unserer Zeit, die man mit »zurück zur Natur« beschreiben könnte und die durch die Suche nach sanften, ursprünglichen Methoden gekennzeichnet ist. Gerade in der gynäkologischen Praxis hat die Nachfrage der Patientinnen nach natürlichen, geprüften Präparaten bei leichten bis mittelgradigen Beschwerden in den letzten Jahren stark zugenommen. Und tatsächlich gibt es eine Reihe von Pflanzen, die sich in typischen weiblichen Problemfeldern zu Recht einen guten Namen erworben haben.“

Dem kann man meines Erachtens nur beipflichten. Es gibt einige Heilpflanzen-Extrakte in der Gynäkologie, deren Wirksamkeit inzwischen gut erforscht und belegt ist. Andererseits gibt es auch eine ganze Reihe von traditionellen Frauenpflanzen, die noch sehr ungeklärt im Raum stehen, so zum Beispiel der Frauenmantel. Seine grosse Bedeutung in der traditionellen Pflanzenheilkunde lässt sich wohl nur kulturhistorisch erfassen (Freya-Pflanze, Muttergottes-Pflanze, silbrige Wassertropfen als Anregung für Gedankengänge in der Alchemie).

Gut dokumentiert sind dagegen Traubensilberkerzen-Extrakte bei Wechseljahrsbeschwerden wie zum Beispiel Hitzewallungen.

Siehe dazu:

Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) bei Wechseljahrsbeschwerden

Als weitere Option bei Wechseljahrsbeschwerden werden die Isoflavone erforscht. Dabei handelt es sich um Phytoöstrogene, die zum Beispiel in der Sojabohne (Glycine max) und im Rotklee (Trifolium pratense) vorkommen.

Dazu ein Zitat aus dem Beitrag von Prof. Johannes Huber:

Isoflavone aus Trifolium pratense und Glycine max

Die auch als »Phytoöstrogene« oder »Phyto-SERMs« bezeichnete Gruppe der Isoflavone kommt hauptsächlich als Biochanin A und Formononetin in Rotklee (Trifolium pratense) sowie als Genistein, Daidzein und Glycitein in der Sojabohne (Glycine max) vor. Mit mehr als 5.000 wissenschaftlichen Publikationen gehören Isoflavone zu den am besten untersuchten sekundären Pflanzenstoffen. In der westlichen Ernährung beträgt die Zufuhr an Isoflavonen etwa 5 mg pro Tag, während in Asien lebende Frauen, die weitgehend frei von Wechselbeschwerden sind, durchschnittlich 50 mg (bis zu 200 mg) täglich durch ihre sojareiche Ernährung zu sich nehmen. Die Wirkungen der Isoflavone sind vielfältig: Neben einem sanften Ausgleich des Östrogenabfalls im Rahmen der Menopause und den aus dieser Substitution resultierenden positiven Effekten verdichten sich auch die Hinweise auf ein onkoprotektives Potenzial der Isoflavone, gut belegt in mehreren großen Studien. Betrachtet man die Wirkweise des Genistein und Daidzein, den beiden wichtigsten Isoflavonen, so kann ihre strukturelle Ähnlichkeit mit 17-Beta-Östradiol, ihre Affinität zum ER-β-Rezeptor und ihr schützender Einfluss auf den Hormonmetabolismus die antiproliferativen Effekte plausibel machen. Damit kommt den Isoflavonen sowohl in der Prävention wie auch in der Therapie ein besonderer Stellenwert für die Frauengesundheit zu.“

Kommentar & Ergänzung:

Isoflavone werden intensiv erforscht, doch sind die Resultate in vielen Punkten widersprüchlich.

Beim Hinweis auf ein „onkoprotektives Potenzial der Isoflavone, gut belegt in mehreren großen Studien“, stellt sich die Frage, welche Art von Studien gemeint ist.

Vergleicht man Gruppen von Europäerinnen und Asiantinnen in epidemiologischen Studien und stellt dann fest, dass Asiatinnen mit ihrem höheren Sojakonsum tiefere Brustkrebsraten haben, reicht das nicht als Beleg für eine ursächliche Schutzwirkung der Soja-Isoflavone gegen Krebs. Asiatinnen und Europäerinnen unterscheiden sich noch in anderen Punkten – beispielsweise werden unterschiedliche Krebsraten in der Grüntee-Literatur mit dem höheren Grüntee-Konsum in Asien erklärt. In klinischen Studien konnte jedenfalls eine Krebsvorbeugung durch Isoflavone bisher nicht eindeutig belegt werden.

Es gibt aber Hinweise auf eine Schutzwirkung gegen Brustkrebs beim Menschen, wenn die Isoflavone schon vor der Pubertät gegeben wurden (was in Japan üblicher ist als in Europa).

Die Schutzwirkung von Soja-Isoflavonen hinsichtlich Prostatakrebs konnte lediglich in Tiermodellen gezeigt werden. Die Gabe eines Sojaproteinisolats führte zu einem verzögerten Wachstum der Tumorzellen. Dies könnte erklären, warum bei asiatischen Männern aggressive Prostatatumore bei weitem seltener auftreten als bei Männern in westlichen Industrieländern.

Mitunter wird auch der Verdacht geäussert dass die Krebsentwicklung durch Isoflavone gefördert wird, wenn der (östrogenabhängige) Tumor schon vorhanden ist.

Eine Schutzwirkung von Soja-Isoflavonen gegen Prostatakrebs konnte nur in Tiermodellen gezeigt werden. Die Gabe eines Sojaproteinisolats führte zu einem verlangsamten Wachstum der Tumorzellen. Dies ist eine mögliche Erklärung dafür, warum bei asiatischen Männern aggressive Prostatatumore bei weitem seltener auftreten als bei Männern in westlichen Industrieländern.

Offenbar können Isoflavone das Wachstum von hormonabhängigen (androgenabhängigen) Prostatakrebszellen in frühen Stadien verlangsamen, während eine Schutzwirkung bei fortgeschrittenen und hormonunabhängigen (androgenunabhängigen) Tumoren auf der Basis der bisher vorliegenden Daten fraglich ist.

Die Wirkung von Soja gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren ist nicht sehr überzeugend dokumentiert.

In der Mehrzahl der Studien (12 von 17) konnte mit der Einnahme von Soja-Isoflavonen keine oder zumindest keine signifikante Reduktion der charakteristischen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche im Vergleich zu einer Placebo-Behandlung beobachtet werden. In wenigen Studien wurden die Beschwerden geringfügig vermindert.

Siehe auch:

Soja reduziert Hitzewallungen in den Wechseljahren

Weniger Arteriosklerose durch Sojaproteine

DFG unterstützt Forschung zu Soja-Isoflavonen

Wechseljahre – keine Linderung von Hitzewallungen durch Soja

Atemnot mit sojareicher Ernährung reduzieren

Phytoöstrogene aus Soja – Helfer bei Lungenkrebs?

Phytoöstrogene und hormonrezeptorpositiver Brustkrebs

Soja – keine Wirkung gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren

Studie empfiehlt Soja bei Brustkrebs

Soja gut für die Lunge

Soja gegen Osteoporose

Viel Soja – wenig Spermien

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Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) bei Wechseljahrsbeschwerden

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Die Österreichische Apotheker-Zeitung (ÖAZ Nr. 12 / 2012) veröffentlichte einen fundierten Beitrag von Univ.-Prof. DDr. Johannes Huber zum Thema „Phytotherapie-Optionen in der Gynakologie“. Einleitend schreibt der Autor:

„Die Phytotherapie entspricht in hohem Maße der Geisteshaltung unserer Zeit, die man mit »zurück zur Natur« beschreiben könnte und die durch die Suche nach sanften, ursprünglichen Methoden gekennzeichnet ist. Gerade in der gynäkologischen Praxis hat die Nachfrage der Patientinnen nach natürlichen, geprüften Präparaten bei leichten bis mittelgradigen Beschwerden in den letzten Jahren stark zugenommen. Und tatsächlich gibt es eine Reihe von Pflanzen, die sich in typischen weiblichen Problemfeldern zu Recht einen guten Namen erworben haben.“

Dem kann man meines Erachtens nur beipflichten. Es gibt einige Heilpflanzen-Extrakte in der Gynäkologie, deren Wirksamkeit inzwischen gut erforscht und belegt ist. Andererseits gibt es auch eine ganze Reihe von traditionellen Frauenpflanzen, die noch sehr ungeklärt im Raum stehen, so zum Beispiel der Frauenmantel. Seine grosse Bedeutung in der traditionellen Pflanzenheilkunde lässt sich wohl nur kulturhistorisch erfassen (Freya-Pflanze, Muttergottes-Pflanze, silbrige Wassertropfen als Anregung für Gedankengänge in der Alchemie).

Gut dokumentiert sind dagegen Traubensilberkerzen-Extrakte bei Wechseljahrsbeschwerden wie zum Beispiel Hitzewallungen.

Dazu ein Zitat aus dem Beitrag von Prof. Johannes Huber:

„Die Pflanze, die bereits von den Ureinwohnern Nordamerikas zu Heilzwecken eingesetzt wurde, hat heute ihren festen Platz in der Therapie von menopausalen Beschwerden –vor allem beim neurovegetativen Symptomenkomplex mit Hitzewallungen und Schweißausbrüchen. Als pflanzenspezifische Wirkstoffe werden die Triterpenglykoside Actein und Cimicifugosid beschrieben. Neue pharmakologische und phytochemische Untersuchungen weisen auf eine Interaktion mit verschiedenen Rezeptoren im Zentralnervensystem hin.

Neben dopaminergen Wirkungen konnte eine positive Modulation am GABA-Rezeptor sowie eine Bindungsaktivität am Serotoninrezeptor nachgewiesen werden.“

(Quelle der Zitate: http://www3.apoverlag.at/pdf/files/OAZ/OAZ-2012/OAZ-2012-12.pdf)

Die Traubensilberkerze wurde früher zu den Phytoöstrogen-Pflanzen gerechnet. Neuere Forschungen deuten aber auf eine Wirksamkeit via Zentralnervensystem hin, wie auch das obenstehende Zitat bestätigt.

Erwähnt werden muss noch:

Traubensilberkerzen-Tee ist unüblich, Traubensilberkerzentinktur ist bezüglich Wirksamkeit ungeklärt.

Dokumentiert bezüglich Wirksamkeit sind nur Traubensilberkerzen-Extrake, wobei die Extrakte in den verschiedenen Präparaten unterschiedlich sein können.

Phytotherapeutisch ist Traubensilberkerze daher nicht gleich Traubensilberkerze – es kommt sehr auf die Zubereitungsform an.

Zur Traubensilberkerze siehe auch:

Traubensilberkerze & Wechseljahrsbeschwerden

Phytotherapie: Traubensilberkerze gegen Beschwerden in den Wechseljahren

Phytotherapie: Cimicifuga auch gegen BPH?

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

Winterthur / Kanton Zürich / Schweiz

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Heilpflanzen-Seminar für an Naturheilkunde Interessierte ohne medizinische Vorkenntnisse
Kräuterexkursionen in den Bergen / Heilkräuterkurse

www.phytotherapie-seminare.ch

Weiterbildung für Spitex, Pflegeheim, Psychiatrische Klinik, Palliative Care, Spital:

Interessengemeinschaft Phytotherapie und Pflege: www.ig-pp.ch

Schmerzen? Chronische Erkrankungen? www.patientenseminare.ch

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Heilpflanzen bei Wallungen im Klimakterium

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Die wichtigste Heilpflanze der Phytotherapie zur Linderung von Wallungen in den Wechseljahren (Klimakterium) ist die Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa).

Pharmawiki schreibt zur Traubensilberkerze:

„Cimicifuga (Traubensilberkerze) wird in der Phytotherapie häufig eingesetzt und in der Schweiz in dieser Indikation zugelassen. Es stehen Präparate zur Verfügung, die nur einmal täglich eingenommen werden müssen. Zu den möglichen unerwünschten Wirkungen gehören Verdauungsbeschwerden und sehr selten Leberschädigungen. Bei Gelbfärbung der Haut oder anderen Symptomen, die auf eine Leberschädigung deuten, sollten die Mittel abgesetzt werden. Gemäss der rationalen Phytotherapie sollten standardisierte Extrakte eingesetzt werden. Die Wirksamkeit ist klinisch dokumentiert, aber nicht unbestritten.“

(Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Wallungen)

Die Anwendung von Traubensilberkerzentee ist unüblich und die Wirksamkeit dieser Anwendungsform genauso wie bei der Traubensilberkerzentinktur nicht dokumentiert. Klinische Studien mit positivem Resultat gibt es nur für Traubensilberkerzen-Extrakte. Allerdings gibt es auch Studien mit negativem Resultat.

Schwierig für die Beurteilung ist, dass sowohl positive wie negative Studienresultate nur für den jeweils geprüften Extrakt gelten.

In der Schweiz sind auf der Basis von Traubensilberkerzen-Extrakt folgende Präparate im Handel:

Cimifemin, Climavita, Emoton, Femicin, Feminelle, Klimadynon, Sanafem

Als Nahrungsergänzungsmittel werden zur Linderung von Wallungen auch Produkte auf der Basis von Phytoöstrogenen angeboten. Deren Sicherheit und Wirksamkeit ist in der Regel weniger gut dokumentiert als bei den Cimicifuga-Extrakten, die als Arzneimittel zugelassen sind.

Pharmawiki schreibt zur Anwendung von Phytoöstrogenen bei Wallungen:

„Phytooestrogene wie die Lignane, Isoflavone und Cumestane sind sekundäre Pflanzenstoffe ohne steroidale Struktur mit schwacher östrogener Wirkung. Isoflavone kommen zum Beispiel im Rotklee oder in Soja vor. Die Wirksamkeit ist umstritten. Rotklee ist nicht als Arzneimittel, sondern als Nahrungsmittelergänzung im Handel. Aus unserer Sicht sollten sie nicht angewandt werden.“

(Quelle: http://www.pharmawiki.ch/wiki/index.php?wiki=Wallungen)

Isoflavone, die zum Beispiel in Soja und Rotklee vorkommen, stehen seit Jahren im Zentrum der Forschung rund um die Phytoöstrogene. In letzter Zeit wurde aber auch vermehrt über Forschungen mit Lignanen berichtet, für die Leinsamen eine wichtige Quelle sind.

Siehe auch:

Zur Karriere der Phytoöstrogene

Heilpflanzen bei Wechseljahrbeschwerden – sehr unterschiedliche Wirksamkeit

Traubensilberkerze bei Wechseljahrsbeschwerden

DFG unterstützt Forschung zu Soja-Isoflavonen

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Phytopharmaka: Wechselwirkungen bei Operationen

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Patienten sollten vor einer Operation mitteilen, welche pflanzlichen Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel sie einnehmen. Solche Präparate können zu schwer wiegenden Wechselwirkungen (Interaktionen) führen, schreiben US-amerikanische Forscher im Fachblatt «Journal of the American Academy of Orthopaedic Surgeons» (Band 19, Ausgabe 10, Seite 634-643). In einem Review untersuchten die Wissenschaftler mehrere Studien zu der Problematik. Sie gehen davon aus, dass 35 – 70 Prozent der orthopädischen Patienten, oft aufgrund ihrer Schmerzen, auf alternative Mittel zurückgreifen – ohne dass ihr Arzt davon weiß.

Beispielsweise kann Baldrian die Wirkung der Narkosemittel steigern. Heilpflanzen-Präparate mit Johanniskraut, Mutterkraut (Tanacetum parthenium), Ingwer und der Kran- oder Moosbeere (Cranberry, Vaccinium ssp.) beeinflussen das in den USA oft verschriebene Antikoagulanz Warfarin. Bei Mutterkraut, Ingwer und Ginkgo können mit der blutverdünnenden Wirkung von Acetylsalicylsäure Interaktionen entstehen. Johanniskraut und Knoblauch können die Wirkung immunsuppressiver Arzneistoffe vermindern und im schlimmsten Fall zur Abstoßung von Organtransplantaten führen.

Speziell für Osteoarthritis vermarktete Produkte können die ärztlich verordnete Behandlung stören: Glucosamine und Chondroitin können die Wirkung von Antikoagulanzien beeinflussen. Präparate aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) wechselwirken mit dem Krebsmittel Tamoxifen. Katzenkralle (Uncaria tomentosa) tritt mit Gerinnungshemmern, Antihypertensiva und Ciclosporin in Interaktion.

Gerade das Etikett «natürlich» oder «homöopathisch» verleite Patienten zu der Ansicht, solche Mittel könnten nichts schaden. Apotheker sollten beim Verkauf solcher Präparate aber auf mögliche Interaktionen hinweisen, hauptsächlich wenn den Patienten eine Operation bevorsteht. Der Arzt sollte über die Einnahme informiert werden; umgekehrt sollten die Mediziner aktiv nachfragen. Die Forscher raten, die pflanzliche Selbstmedikation mindestens ein bis zwei Wochen vor der Operation abzusetzen und mit den Präparaten zu pausieren, solange Blutverdünner und Antibiotika eingenommen werden.

Quelle:

http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=nachrichten&Nachricht_ID=39707&Nachricht_Title=Nachrichten_Phytopharmaka%3A+Interaktionen+bei+Operationen&type=0

Kommentar & Ergänzung:

Klar ist, dass Wechselwirkungen zwischen Heilpflanzen-Präparaten und anderen Medikamenten vorkommen und beachtet werden müssen.

Die Warnungen vor solchen Interaktionen sind aber oft von fragwürdiger Qualität, die Aussagen vage und spekulativ. Im Beitrag der „Pharmazeutischen Zeitung“ sind relevante Interaktionen und hochgradige Spekulation wild gemischt.

So ist beispielsweise die Wechselwirkung  zwischen Johanniskraut und Immunsuppressiva  sehr relevant und ernst zu nehmen. Wenn aber gewarnt wird vor Interaktionen zwischen Traubensilberkerze und Tamoxifen, dann liegt dem wohl die Annahme zugrunde, dass Traubensilberkerze Phytoöstrogene enthält, damit die antiöstrogene Wirkung von Tamoxifen beeinträchtigt und infolgedessen durch Steigerung von Zellwachstum und Zellvermehrung das Brustkrebsrisiko steigert.

Traubensilberkerze enthält aber nach neueren Untersuchungen keine Phytoöstrogene:

„In früheren Jahren glaubte man, dass auch Extrakte aus dem Wurzelstock der Traubensilberkerze SERMs enthalten. Heute wissen wir, dass diese Extrakte keine Östrogene, also auch keine SERMs enthalten. Die ohne Zweifel vorhandenen positiven Effekte auf klimakterische Beschwerden werden über nachgewiesene dopaminerge und serotoninerge Prinzipien erklärbar, die im Hypothalamus – dem Ort der Entstehung von Hitzewallungen – wirken.“

(Quelle: Zeitschrift für Phytotherapie Nr. 6 / 2010).

Nach Hänsel / Sticher (2010) haben In-vitro-Untersuchungen gezeigt, dass Traubensilberkerzen-Extrakte u. a. die durch Östrogene induzierte Proliferation von humanen östrogenrezeptorpositiven Brustkrebszelllinien (T47D und MCF-7) hemmen. Die antiproliferative Wirkung des Traubensilberkerzen-Extraktes sei vergleichbar gewesen mit derjenigen des Östrogenrezeptorantagonisten Tamoxifen.

(in: Pharmakognosie Phytopharmazie, Springer Verlag 2010)

Das heisst: Neuere Untersuchungen zeigen, dass Cimicifuga-Extrakt Wachstum und Vermehrung dieser Brustkrebszellen nicht steigert und möglicherweise sogar ähnlich wie Tamoxifen schützend wirkt. Allerdings sind das Laboruntersuchungen und Langzeitstudien mit Patientinnen fehlen.

Aber diese Fakten zeigen, dass der simple Warnhinweis auf Interaktionen zwischen Traubensilberkerze und Tamoxifen der komplexen Situation nicht gerecht wird und wohl auch nicht stimmt.

Man könnte nun alle oben aufgeführten Interaktionen solcherart unter die Lupe nehmen und würde wohl in der Mehrzahl der Fälle ähnlich komplexe Situationen antreffen.

Mir fällt auf – oder täusche ich mich da? – dass immer wieder in den Medien gewarnt wird vor Wechselwirkung zwischen bestimmten Heilpflanzen und synthetischen Medikamenten. Kaum je Thema in den Medien sind konkrete Warnungen von Wechselwirkungen bei synthetischen Medikamenten, wo solche Probleme natürlich auch vorkommen.

So entsteht der falsche Eindruck, Phytopharmaka seien punkto Wechselwirkungen besonders problematisch. Das stimmt nicht.

Ich will daraus nun aber nicht eine Verschwörungstheorie basteln und eine Geheimaktion der Pharmaindustrie dahinter wittern.

Ein Grund spricht nämlich schon dafür, dass explizit vor Wechselwirkungen bei Heilpflanzen-Präparaten gewarnt wird, nämlich dass viele Leute gar nicht daran denken, dass „natürliche Produkte“ solche Effekte zeigen können.

Erwarten könnte man aber, dass solche Warnungen differenziert geäussert werden und fachlich auf dem Stand des Wissens sind. Das ist oft leider nicht der Fall.

Falls Sie an sorgfältigem Wissen über Wirkung und Anwendung von Heilpflanzen interessiert sind, finden Sie dazu meine Kurse und Lehrgänge oben über den Menüpunkt „Kurse“.

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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Wechseljahre – Keine Linderung von Hitzewallungen durch Soja

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Zahlreiche Frauen mit Beschwerden in den Wechseljahren suchen nach Alternativen zu synthetischen Hormonpräparaten. Ob Soja helfen kann, haben Forscher nun erneut untersucht.

Die ersten Stadien der Menopause sind gekennzeichnet durch raschen Knochendichteverlust, vaginale Trockenheit, Hitzewallungen und Schlafstörungen. Als Alternative zur Hormonersatztherapie waren bisweilen Sojatabletten im Gespräch.

Eine Östrogentherapie mit oder ohne Progesteron schützt vor zahlreichen Veränderungen hauptsächlich in der ersten Zeit der Wechseljahre.

Doch die Resultate der WHI-Studie (women’s health initiative) haben diese Behandlungsform gegen Knochendichteverlust, Schlafstörungen, Hitzewallungen und Scheidentrockenheit in Verruf gebracht.

Denn die Hormonersatztherapie (HRT) steigerte die Brustkrebsrate und bewirkte vermehrt kardiovaskulären Ereignissen.

Frauen wie auch Ärzte suchen deshalb nebenwirkungsarme Alternativen.

Als Alternative zur Hormonersatztherapie waren bisweilen Sojatabletten oder Sojaprodukte im Gespräch.

Da Frauen in Asien viele der Wechseljahresprobleme westlicher Frauen nicht kennen oder deutlich weniger ausgeprägt darunter leiden, lag die Vermutung nahe, dies könne etwas mit dem teils hohen Verzehr an Sojaprodukten zusammenhängen. In zahlreichen Nahrungsergänzungsmitteln für Frauen in den Wechseljahren sind deshalb Soja-Isoflavone enthalten.

Eine Studie mit knapp 250 Frauen kam allerdings zu einem negativen Resultat für Sojaisoflavone.

Die teilnehmenden Frauen – alle in den ersten fünf Jahren der Menopause – bekamen zwei Jahre lang entweder hochdosierte Soja-Isoflavone ( = Verum) oder Placebo (ein Scheinmedikament).

Die Verumdosis (also Soja-Isoflavone) entsprach der doppelten Menge an Soja-Isoflavonen, die in asiatischer Diät mit dem höchsten Sojaanteil enthalten ist (Arch Int Med 2011; 171: 1363).

Die Resultate sind ernüchternd. Bei der Knochendichte gab es keine Differenzen zwischen beiden Gruppen:

Die DXA-Werte –  gemessen an mehreren Stellen – unterschieden sich nicht signifikant.

Hinsichtlich der Wechseljahresbeschwerden fiel das Resultat für die Soja-Isoflavone sogar schlechter aus: Zum Studienende berichtete jede zweite Frau in der Sojagruppe über Hitzewallungen, in der Placebogruppe jedoch nur jede dritte.

Und 31 Prozent der Teilnehmerinnen in der Sojagruppe berichteten über Darmträgheit, in der Placebogruppe waren es 21 Prozent. Die Differenz war nicht signifikant.

Zwar sei es nötig, Frauen in der Menopause auch Alternativen zur HRT anzubieten, so die Wissenschaftler. Soja-Isoflavone seien jedoch angesichts der Studiendaten dafür nicht geeignet.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hormonstoerungen/article/665393/hilft-soja-wechseljahren.html

Kommentar & Ergänzung:

Im Kommentar zu dieser Studie schreibt Michael Hubert in der „Aerztezeitung“:

„Es wäre so schön gewesen: Mit einer Sojapille sind alle Wechseljahresbeschwerden auf einmal verflogen. Hitzewallungen weg, Schlafstörungen verschwunden, Scheide wieder feucht, die Knochen dicht.

Doch Beobachtungen wie jene, dass Asiatinnen weniger Wechseljahresbeschwerden haben als Frauen aus Europa oder Amerika, sind das eine. Die Folgerung, dies liege am hohen Verzehr von Sojaprodukten, ist das andere. Soja-Isoflavone mögen positive Effekte haben, Wechseljahresbeschwerden aber verhindern sie nicht, hat jetzt eine Studie ergeben.“

Soja-Produkte sind als Nahrungsergänzungsmittel registriert, aber nicht als Arzneimittel. Darauf spielt Hubert an wenn er schreibt:

„Wollen Frauen gegen Hitzewallungen etc. etwas tun, bleiben Arzneimittel. Hier sind in der Indikation Wechseljahresbeschwerden sowohl pflanzliche als auch synthetische Arzneien zugelassen. Anders als Nahrungsergänzungsmittel haben sie einen bedeutenden Vorteil: Für ihre Zulassung musste der Hersteller die Wirksamkeit nachweisen.“

Dieser Unterschied ist vielen Konsumentinnen und Konsumenten nicht klar. Heilpflanzen-Produkte können als Nahrungsergänzungsmittel oder als Arzneimittel zugelassen sein. Nahrungsergänzungsmittel wie zum Beispiel die Soja-Produkte bzw. Isoflavone brauchen ihre Wirksamkeit nicht zu dokumentieren.

Bei den pflanzlichen Arzneimitteln, und hier ist der Kommentar nicht ganz präzis, gibt es solche mit einer Zulassung auf der Basis von langjähriger Anwendung (traditionelle Heilpflanzen-Präparate), die ihre Wirksamkeit auch nicht belegen müssen, und es gibt eine ganze Reihe von Phytopharmaka, die genauso wie synthetische Medikamente durch klinische Studien belegt sind.

Im Bereich der Hitzewallungen sind das Heilpflanzen-Extrakte auf der Basis von Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa).

Bei schweren Wechseljahressymptomen reicht ihre Wirkung allerdings in der Regel und dann wird eine Hormonersatztherapie oft zum Thema. Dann sollten Gynäkologinnen und Gynäkologen die Frauen über Nutzen und Risiken aufzuklären und dann selbst entscheiden zu lassen.

Quelle:

http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hormonstoerungen/article/665383/soja-nicht-stoff-alles.html

Martin Koradi, Dozent für Phytotherapie / Pflanzenheilkunde

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